Mittwoch, 28. Februar 2024

Everything Everything - Mointainhead

(Ms) Musik eine zweite Chance geben. Auf der Suche sein nach dem hoffentlich (!) genialen Kern, der beim ersten Mal nicht ersichtlich ist. Und auch die mögliche Sorge, enttäuscht zu werden, ad acta legen zu wollen.
Normalerweise geht es mir grundlegend anders beim Musikhören. Ein Stück muss mich schon direkt packen, damit ein Feuer entfacht wird. Oder die Gruppe muss mir nah genug am Herzen liegen, sodass ich gern die Zeit hergebe, um auch für eher Mittelmäßiges Worte zu finden.
Genau in diesem Spannungsraum, genau dazwischen liegen für mich Everything Everything. Ihre Musik mag ich richtig doll, finde es ganz schön genial, was die Briten seit Jahren machen. Insbesondere ihr Album A Fever Dream hat bei mir für großes Staunen gesorgt. Wie sie Energien, Dynamiken, Tempo, jede Menge Können, Dringlichkeit aufbauen, anhalten und zum explodieren bringen können. Das ist in meinen Augen schon die Königsklasse an Indierock. Und das noch so herrlich elektronisch verspielt. Aber sie laufen halt eher unregelmäßig bei mir. Als ich zum ersten Mal ihre neue Platte Mountainhead hörte, spürte ich nur wenig von dieser (erhofften) Begeisterung. 
Was tun?! Nun gut, ich wollte die Platte irgendwie gut finden und hab sie dann so lange gehört, bis die Überzeugung tatsächlich eintrat. Das klingt sehr gewollt und überbemüht, aber hat geklappt. Zum Glück!

14 Stücke sind auf Mountainhead, 55 Minuten Spielzeit! Und dazu reichlich Sozialphilosophie. Denn der Mountainhead ist eine Idee von Gesellschaft, dass diese aus einem großen Berg bestünde. Der Gedanke: Der Berg muss immer wachsen, dafür muss er tiefer in den Grund gebohrt werden. Er muss wachsen - komme was wolle! Genährt wird der Glaube durch eine Angst aus der Tiefe, eine Schlange treibt dort ihr Unwesen. Die, die oben sind, bleiben oben, der Rest ackert aus Überzeugung und in das eigene Schicksal hinein.
Tatsächlich ist mir die Tiefe der Texte und die Implementierung dieses Gedankens in die Musik und die einzelnen Songs ein wenig egal, da mich die Musik als solche viel mehr fasziniert. Getragen wird die ganze Platte natürlich von dem markanten Gesang Johnathan Higgs`, der nicht nur Tempo kann sondern auch Tonumfang. Wild Guess ist der erste Track. Und verhältnismäßig unaufgeregt. Das sei vorweg gesagt: Das Album besticht durch viel Schönheit in den kleinen Melodien, anstatt immer wieder überbordend zu sein. End Of The Contender besticht durch viel Groove und den Eindruck, dass die elektronischen Melodien sehr organisch klingen. Es wird nicht laut, wild, markant. Aber genau das packt mich, eine sehr dezente Spielweise, die viel Schönheit in sich trägt. Cold Reactor war die erste Single und schon Ende vergangenen Jahres zu hören. Eine typische Everything Everything-Nummer in meinen Ohren. Higgs Gesang vor allem hier, wie er hoch und runter geht, wie schnell er singt und doch ruhig dabei bliebt. Das tolle Ah-Ah im Hintergrund, der treibende Bass, da wippt der Kopf ganz automatisch mit, geht nicht anders. Auch wenn ich Buddy, Come Over höre, finde ich darin kein klares Anzeichen für einen richtig starken Track, aber mein Körper will sich dazu ganz von selbst bewegen. Das zeigt für mich, dass der Zauber der Musik hier gehörig am Werk ist und ich gebe mich dem gern hin ohne zu wissen, woran es liegen mag. The Mad Stone überzeugt auch nicht über die 3:45 Minuten, aber halt immer wieder zwischendurch: beim irre schnellen Gesang, in geschickter Instrumentierung, in einer schönen und vor allem stoischen Art. Die Platte weist immer wieder einige Gegensätzlichkeiten auf. In Canary sind sie sogar auf einem Track: sanft und doller, reduziert und viel, energisch und zurückhaltend. Zusätzlich steigert sich das Lied von Takt zu Takt, ohne jedoch dabei krass auszubrechen. Apropos Gegensätze: Don‘t Ask Me To Beg ist sowohl melancholisch als auch tanzbar. Immer wieder schallt hindurch, dass die Briten ihre Kunst studiert haben. Selbstredend gehört viel Gespür dafür, wann es Lied knallt, aber das Know-How für musikalische Funktionsweisen machen sie sich schon zu eigen.
Im letzten Dritten fragte ich mich lange Zeit, ob das alles nur noch Filler sind. Aber kam zu folgender Erkenntnis: Dieses Album funktioniert ganz anders als vorherige Platten. Die Schönheit liegt ganz eindeutig in den kleinen, feinen Melodien anstatt im großen soundtechnischen Brimborium. Das Xylophon und der chorische Gesang auf Your Money, My Summer zum Beispiel. Die zweite Hälfte von Dagger‘s Egde ist so fein und klug ausbalanciert, dass sie mir immer wieder einen Ohrwurm verpasst. Voller Schönheit entwickelt sich dieses Lied und bleibt haften! 

Ja, vielleicht wäre es im Endeffekt sinniger (und professioneller), wenn ich mich den Texten gewidmet hätte. Dann wäre in den leisen Melodien sicher noch viel mehr zu holen. Für mich bleibt ein sehr ausgewogenes Album übrig, das immer wieder glänzt und deren anfängliche Längen sich nur getarnt haben, bis ihre Schönheit zum Vorschein kommt.


Sonntag, 25. Februar 2024

KW 8, 2024: Die luserlounge selektiert

Quelle: svgsilh.com
(Ms/sb) Jetzt mal ganz ehrlich. Es muss mal wieder ein bisschen Hass raus. Es könnte mich völlig kalt lassen, aber ich habe Bock, mich richtig reinzusteigern! Instagram-Accounts für Haustiere?! Was ist denn los? Über das Tier lässt sich natürlich nicht aufregen, denn das arme, flauschige, süße Ding kann ja gar nichts dafür. Aber es ist bestimmt auch schon voll auf Kamera getrimmt. Dann gibt es ja die Menschen, die genau diese in der Hand haben und eine nicht geringe Zeitspanne ihres Tages damit verbringen, sie auf ihr Tier zu halten. Filter drauf, hochgeladen, Likes kassiert. Diese Tiere werden ja total vermenschlicht. Richtig viele Leute gucken sich das an, Follower-Zahlen stehen ja direkt daneben. Reichen der Trigema-Affe, Leslie, Kommissar Rex, die Katzenfutterkatzen und die Katze von Karl Lagerfeld nicht aus?! Geh mir weg mit deinem doofen Haustier. Aber wenn man das sagt, wird man richtig angegriffen. Denn Haustiere doof finden, geht gar nicht. Fleisch essen ist okay, auch das billige Zeug, wo die Tiere richtig gelitten haben. Aber Haustiere doof finden, geht nicht. Okay. Aufregung beendet. Es geht wieder um Musik:

Kettcar
(Ms) Die Erwartungen beim Neujahrskonzert von Kettcar waren ein wenig höher. Mehr als ein neues Lied hätte ich gerne schon gehört, aber nur Geduld - sie kommen ja. Ein neues Lied haben sie im Knust gespielt, und so richtig verstanden habe ich den Text nicht bis auf vereinzelte Zeilen im Refrain: „Paketzusteller of the world unite. Unite and take over.“ Da dachte ich schon Anfang Januar, was das denn für ein seltsames Cover ist. War es nicht - das Lied heißt Doug & Florence und ist ihre aktuelle Single. Und ich hadere ganz stark damit. Das Thema ist klar: Empowerment der unteren, abgehängten Einkommen, um die Macht hier zu übernehmen. Ein wirklich schöner Gedanke. Einzelne Zeilen sprechen mich auch total an wie: „ Und dann gib mir nur kurz ein Zeichen / Dass wir beide mehr drauf haben / Als Streit, Zerfleischung, Schuldzuweisung.“ Aber was soll der Refrain und wieso auf Englisch? Und wieso plätschert das Lied so vor sich her und was soll das Video außer seltsame Nostalgie?! Ich bin wirklich ein riesiger Kettcar-Fan, aber es schleichen sich Zweifel ein, dass Gute Laune Ungerecht Verteilt vielleicht gar nicht so gut wird oder zumindest mich nicht so abholen wird. Bis zum 5. April ist noch ein wenig Zeit und es sind ja auch mehr Tracks auf der Platte vorhanden, come on boys! 


Theodor Shitstorm
(Ms) Vor Jahren sah ich sie auf einem Bauwagen in Münster und es waren ein paar Dutzend Menschen zum Zuhören da. Toller Auftritt, aber warum sind sie nicht bekannter?! Darauf geben Theodor Shitstorm selbst die Antwort mit dem Song So Kommen Wir Nicht Ins Radio. Okay, klingt ein wenig sperrig, aber knallt richtig gut. Humor in Musik finde ich seit jeher ein spannendes Feld, da es so selten gut gelingt. Hier ist mal wieder ein Gegenbeweis zu hören - großartig! Die Gruppe um Dietrich Brüggemann und Desiree Klaeukens spielt ganz feinen Indiepop, deren Erkennungszeichen eine zartes Ausbalancieren zwischen sanftem Schmunzeln und gefühlvollen Zeilen ist. Seit letzter Woche ist ihr neues Album Zeigt Gefühle draußen und es hält was es verspricht - richtig schön einfach! Ein Glück, dass sie bald auf Tour gehen und niemand geringeres als Dino Paris & Der Chor Der Finsternis ist als Support dabei. Also hin da und mindestens eine Platte kaufen!

04.04.24 - Magdeburg, Moritzhof
05.04.24 - Westerstede, Güterschuppen
06.04.24 - Hamburg, SkyBar
08.04.24 - Berlin, Privatclub
09.04.24 - Dresden, Ostpol
10.04.24 - Leipzig, Felsenkeller
11.04.24 - München, Heppel & Ettlich


Christin Nichols
(Ms) Dark Wave, New Wave, 80er-Sound. Das ist der Shit momentan. Und ich fahre voll drauf ab. Insbesondere wenn sich ein satter Bass durch ein ganzes Lied zieht, dann bin ich dabei. Man muss dabei nicht so hart nostalgisch sein wie Klez.e, es geht auch viel origineller. Bei Christin Nichols zum Beispiel. Tatsächlich kannte ich die Musikerin bisher gar nicht, aber sie ist bald als Support von Olli Schulz und Kettcar (s.o.) auf Tour und auf ihrer aktuellen Single Rette Sich, Wer Kann! ist Fatoni mit dabei! Ja, hier trifft New Wave (oder so) auf Rap. Was für eine extrem gelungene Kombination! Worum gehts? Ganz einfach: viele Konflikte derzeit, kaum Kompromisse, wenig Empathie, keine Lösung. Tja, dämliche Sackgasse. Das ist das Ding, das ist das Problem, das ist der Song dazu. Richtig gut. Und am 22.März kommt ihr gleichnamiges Album dazu raus. Hui, das könnte richtig, richtig gut werden!


Bernd Begemann
(Ms) Melancholie! Du wunderbares Zauberwesen! Schön, dass du da bist. In Phasen der großen Orientierungslosigkeit bist du der große Star am Himmel und gibst mir recht. Was war das melancholisch am Ende der Schulzeit und in so vielen Phasen des Studiums. Diese wunderbare Traurigkeit, in der ich mich gesuhlt habe und ich mir eingeredet habe, dass das alles schon richtig und gut und auf seltsame Weise schön ist. Bis zu dem Punkt, wo das Gegenteil anklopft und viele Argumente dabei hat. Wenn man sich den eigenen (miesen) Zustand so lange einredet bis man davon überzeugt ist. Aber der Kipppunkt muss kommen und dann kommt dieses Lied. Kann Kein Allein Mehr. Peng! Eine wunderbare, wunderschöne melancholische Ballade von Bernd Begemann, die ich ihm - ehrlich gesagt - so gar nicht zugetraut hätte. Das packt direkt ab der ersten Sekunde. Habe mir auch lange gesagt, dass alleine leben toll ist, aber anders ist viel superer. Einfach gute Musik - vielen Dank! Davon kommt am 19. April noch viel mehr, denn dann erscheint sein neues Album Milieu

Freitag, 23. Februar 2024

Klez.e - Erregung

Foto: Andreas Hornoff
(Ms) An anderen Stellen wird sicher ein richtig guter und vor allem kenntnisreicher Vergleich zwischen Klez.e und The Cure gezogen, der auf jeden Fall sinnig ist, weil die Parallelen so offensichtlich und auch gewollt sind. Da ich mich mit The Cure aber wirklich gar nicht auskenne - und aus Faulheitsgründen mich nun nicht einlesen und -hören möchte - spielt dieser Punkt in diesem Text keine Rolle. Oder fast keine, denn der Sound von Robert Smith und Co. ist mir schon bekannt, aber tatsächlich auch nur ein paar bekannte Singles.
Dieser Text stellt den Versuch dar, sich mit dem neuen Album Erregung von Klez.e völlig isoliert zu beschäftigen, da ich es genauso kennengelernt habe. Und die Platte mich genau so in den Bann zog und darin auf zauberhafte Weise festhält!

Derzeit erscheint vermehrt Post-Rock oder New oder Dark Wave auf Deutsch. Ich finde, dass das eine ganz spannende Entwicklung ist. Vieles davon spricht mich gar nicht an. Aber wenn darin viel Dichte und viel Drang verpackt ist, bin ich sofort am Start. Das aktuelle Voodoo Beach-Album zum Beispiel hat mich richtig begeistert.
Die Band Klez.e habe ich bisher nur optisch wahrgenommen, mit diesem Punkt im Wort - das finde ich gut! Tobias Siebert hingegen ist mir eher ein Begriff. Länger schon. Nicht nur als Produzent unter anderem von Marcus Wiebusch und Enno Bunger lief er mir über den Weg, sondern hauptsächlich mit seinem großartigen Solo-Projekt And The Golden Choir. Wie auf Erregung taucht da ab und an das Cembalo auf - was für ein phantastischer Sound! Vor Jahren sah ich ihn mal als Vorprogramm von Anna von Hausswolff, was für eine irre Kombination der Dunkelheit! Ja, das Düstere und Verborgene ist Programm. Musikalisch und Textlich.

Genau das ist wohl der wichtigste Punkt dieser Platte - der Text. Denn die Musik gibt es ehrlicherweise gesagt auch wo anders zu hören (s.o.). Sie ist gut und auch packend, aber sticht halt nicht so sehr heraus. Das tun hingegen an so, so vielen Stellen die Verse, die Tobias Siebert hier verfasst hat. Mich persönlich begeistert dabei die schöne Verwobenheit von Persönlichem und Gesellschaftspolitischem, denn diese beiden Bereiche hängen ja massiv miteinander zusammen und leuchten oft ganz deutlich hier heraus. In den Zeilen steckt ganz viel lyrische Finesse, wie ich sie auf Deutsch selten erlebt habe. Es ist kein klassisches Storytelling und auch die Liebeslieder überzeugen durch ihren überbordenden Kitsch, anstatt direkt das Herz mit einer Geschichte zu berühren.

Erregung also. Mit dem gleichnamigen Titel beginnt dieses Werk. Und der Start hat es in sich. Das stärkste, tiefste, kräftigste Lied direkt am Anfang. Heikle Taktik. Aber sie geht auf. Ausgedruckt streckt sich der Text über eine DIN A4-Seite, nur vereinzelte Reime sind darin zu finden. Tobias Siebert singt, erzählt hier eine ganz starke Coming Of Age-Geschichte. Der Track ist ein Kampf übers Nichtdazugehören und eine Befreiung aus diesen Fesseln. Es ist düster, erschreckend, lyrisch ganz große Klasse, weil es dicht, konkret und unmissverständlich ist. Nicht nur die Zeilen strotzen vor überstandener Angst, auch Sieberts Stimme durchdringt ein Überstandenhaben in der Retrospektive. Sieben Minuten sind das, sieben enorm starke Minuten, die insbesondere im Songwriting ihresgleichen suchen!
Generell: Es sind nur acht Lieder auf dieser Platte enthalten. Doch genau das ist richtig. Wenn es auch zig mehr Demos und Ideen gab, so ist hier das Beste, das Rundeste drauf zu finden! Ja, aufbauend ist das bislang nicht, mit Verpassen geht es ebenso niederschmetternd weiter. Ein Lied über den Versuch einer Liebe mit der erschütternden Einsicht, dass selbst alle guten Versuche, dieses Puzzle zusammen zu setzen, vergebens waren und die suchenden Hände leider kein Äquivalent finden.
Und dann kommt es, das Cembalo! Auf Herbstherz ein ganz wichtiges Element, das die Musik ungemein bereichert. Denn - wie gesagt - genial ist das bislang musikalisch nicht, die Klänge untermauern die Themen, aber sie ist eben auch woanders zu hören. Einzelne Zeilen finde ich ganz faszinierend auf diesem Lied: „Und wir hatten Sex nach dem dritten GaGong, mit LED-Kerzen über uns, im goldenen Wandhalter.“ Doch verstehen tue ich kein Wort. Ich glaube, ich bin zu blöd für dieses Lied, mag aber den Sound sehr! Wie oft Siebert am Ende auf Mr Dead & Mrs Free „Ich will nur dich“ singt, perlt der Kitsch aus den Kopfhörern, aber es ist so wunderschön, so eine tolle Ballade im weitesten Sinne, die von einem herrlich treibenden Bass dominiert wird. Das ist so catchy, ich bin Fan!
Richtig packend ist der Text von Wie Schön Du Bist. Es ist der reine Rausch, die pure Begierde und die Sehnsüchte beim Spüren des Anderen mit der zwischenzeitlichen Frage „Kann ich das so sagen?“. Egal, wenn die Frage aufploppt und dringend ist, dann soll sie raus. Es ist kein rosarotes Liebeslied, aber ein Manifest auf ein kompromissloses Verlangen.

Ja, die Zeilen auf diesem Werk - diese Bezeichnung verdienen die acht Stücke alle Male - sind eine Herausforderung. Weil sie so fein, so lyrisch, so persönlich sind. Sicher hat Tobias Siebert hier auch eigene Erlebnisse verarbeitet. Einige Stücke erklingen wie der stream of consciousness, ungefilterte Erregungen, Ideen, Empfindungen. So klar wie einige Lieder sind, so schwer zu packen sind die anderen. Doch genau das finde ich sehr reizvoll. Da ich keine Lust dazu habe, mir darüber den Kopf zu zermartern, sehe ich viele Verse als lyrischen Selbstwert an, die Schönheit der Sprache, der Worte. So is Erregung ein ganz schönes Spektakel. Insgesamt ganz schön düster. Ganz schön gut!

14.03.24 Köln, Club Subway
15.03.24 Göttingen, Exil
17.03.24 Frankfurt, Ponyhof
19.03.24 Berlin, Berghain Kantine
20.03.24 Dresden, Ostpol
21.03.24 Nürnberg, Club Stereo
22.03.24 Ulm, Gold
23.03.24 München, Milla
26.03.24 Jena, Trafo
27.03.24 Hamburg, Hafenklang
28.03.24 Bremen, Lila Eule


Samstag, 17. Februar 2024

Live in Bremen: My Ugly Clementine

Foto: luserlounge
(Ms) Noch nie gab es so ein starkes Trostpflaster. Denn mein Besuch vom My Ugly Clementine-Gig in Bremen war gar nicht so lang geplant. Zum Glück gab es am Donnerstag noch Tickets, die wurden schon knapp. Eigentlich wäre ich in Kiel am Wochenende, um Pascow zu sehen, doch das fiel leider gesundheitsbedingt aus. Aber ohne Livemusik geht es nicht und der Auftritt der Wienerinnen stand auch schon mit Bleistift im Kalender, da ich vom aktuellen Album The Good Live so unsagbar angetan war/bin. Während ich mich nun auf den Nachholtermin von Pascow freue, bin ich immer noch komplett hin und weg vom Konzert gestern Abend!

Von der Ticketknappheit war um halb acht im Lagerhaus noch nichts zu spüren, nur eine halbe Stunde später wurde es muggeliger, noch ein wenig später war der Laden richtig gut gefüllt. Über 300 Leute ließen sich (hoffentlich) mitreißen! Und das ging schon um acht Uhr los, als Blush Always die Bühne betrat. Früher habe ich immer in alles reingehört, was mich an so einem Abend erwarten könnte, heute lasse ich mich viel lieber überraschen. Das ging komplett auf! Katja Seiffert ist der Kopf von Blush Always und kam allein in Begleitung ihrer beiden technischen Supports auf die Bühne - einem Fernseher und ihrem Handy. Aus letzterem erklangen LoFi-Playbacks der Band, die sonst dabei ist. Dazu sang sie und spielte Gitarre. Was vielleicht erstmal etwas unspektakulär klingen mag, entwickelte sich zu einem satten Rock-Set für über eine halbe Stunde. Sie sang wunderschöne, kraftvolle, persönliche Lieder übers Zuhausesein, seltsame Romanzen und den Zauber des Zwischenmenschlichen. Das hat mich ab dem ersten Ton ziemlich mitgerissen und die Wahlleipzigerin, die Bremen mit London verglich, hat sicher nicht nur mich als neuen Fan abgeholt an diesem Abend! Das war einfach richtig stark!

Und es ging ziemlich satt, rockig weiter. Schon ihr aktuelles Album The Good Life fand ich auf berauschende Weise gitarrenlastig. Dass das live nochmal intensiver wird, habe ich mir zwar insgeheim erhofft, war aber umso glücklicher, dass es noch darüber hinaus ging! Sophie Lindinger, Mira Lu Kovacs und Nastasja Ronck bekamen von Nina Unterstützung am Schlagzeug und komplett waren die Voraussetzungen für einen sehr tanzbaren Abend! Ein Abend in Schwarzlicht und Neon-Spielereien, mit denen sich die vier schmückten und es sah wirklich super gut aus, insbesondere die neongrünen Fingernägel von Mira Lu Kovacs! Muss man einfach mal sagen.
Dann wurde in eineinhalb Stunden ein Paradebeispiel für Indierock abgefeuert! Es bleibt einfach festzuhalten, dass wenn drei schon solo musizierende Künstlerinnen sich zusammen tun, ganz viel Know-How fusioniert, wie ein guter Song aufgebaut wird. Einer nach dem anderen unsagbar catchy! Und die drei Damen so so so sympathisch, drauf bedacht, dass es allen gut geht, ein paar Touri-Facts über Bremen in der Tasche und einem irre guten Set ihrer Tracks im Gepäck! Ich finde es spannend zu sehen, wie sich die drei am Gesang abwechseln und ergänzen, das ist auf Platte ja oft gar nicht so gut zu hören. Es war schlicht elektrisierend, wie viel Spaß Playground, Feet Up, No, Who, Never Be Yours, Circles, Are You In oder The Adviser gemacht haben! Allesamt fantastische Zutaten für einen berauschenden, kurzweiligen und schlicht großartigen Konzertabend! Das hat enorm viel Spaß gemacht und ich freue mich direkt auf die nächste Möglichkeit, sie live zu sehen. Dann nicht als Trostpflaster, versprochen!


Freitag, 16. Februar 2024

KW 7, 2024: Die luserlounge selektiert

Quelle: Wikimedia.org
(Sb/ms) Auf dieser Seite ist Musik das allerwichtigste. Das einzige, heilige Thema. Diese kleinen Einleitungen vor den wöchentlichen Selektionen sind die einzige Ausnahme, außer es erscheint mal wieder ein tolles Buch zum Thema. Doch das alles tritt in den Hintergrund, wenn es um die Gesundheit von MusikerInnen geht. Dann sind Alben, Singles und Neuigkeiten nebensächlich. Eigentlich hätte ich mich an diesem Samstagvormittag in den Zug nach Kiel gesetzt, um endlich wieder Pascow live zu sehen. Ihr Auftritt im September in Wiesbaden ist schon zu lange her. Die Vorfreude immens. Die Pumpe ein ganz toller Laden, der Helles im Norden verkauft. Sieht man auch nicht überall. Doch dann die Nachricht: Sänger und Gitarrist Alex hat einen Hörsturz erlitten. Eine richtig üble Sache, das kann ganz gewaltige Folgen haben und gruselige Auswirkungen auf das Dasein eines Musizierenden haben. Also hat die Band alle anstehenden Konzerte verschoben, ich meine Unterkunft storniert, die Zugkarte verfällt. Aber das ist alles egal. Hauptsache Alex wird wieder fit, kann bald wieder auf der Bühne stehen und die Clubs dieser Lande in Schutt und Asche legen. Gute Besserung!

Alien Blut
(Ms) Wohin mit all den Ideen?! Eine Frage, die ich hier so oft aufwerfe. Immer bei KünstlerInnen, die durch ihr Schaffen immer wieder beeindrucken. Oft durch Vielseitigkeit. Immer mit dem Eindruck, dass das, was schon wieder Neues kommt, auch kein Schrott ist. Jörkk Mechenbier ist so einer. Jan Preissler auch. Bekannt geworden als der Kopf von Dino Paris & Der Chor der Finsternis, hat er nun ein weiteres Projekt am Start mit dem griffigen Namen Alien Blut. Gefällt natürlich direkt. Neugierig macht der vollkommen andere Sound. Er besteht nämlich nur aus Samples und Schnipseln, die Preissler wohl mehr oder weniger unabsichtlich mit dem Handy aufgenommen hat. Wohl dem, der daraus entspannte elektronische Musik zaubern kann. Denn genau das ist Salagne, EP-Name und Single in einem. Ich kann nicht genau sagen, warum, aber irgendwie gefällt es mir ungemein. Und gerade dieses schwer zu Beschreibende macht doch den Reiz von Kunst aus. Oder?


Woo Syra
(Ms) Bleiben wir beim Thema: Schwer zu beschreiben, aber irgendwie gut. So sitze ich nach einem langen, anstrengenden Tag auf dem Sofa, ein paar Kerzen brennen, die Kopfhörer auf den Ohren, bereit Neues zu hören und mich überraschen zu lassen. Ich las über Woo Syra, einer Berliner Band, die Shoegaze macht. Und ich glaube, ich bin Fan von Shoegaze. Schwelgerische Musik mit mehreren Gitarrenebenen, sagt Wikipedia. Ja, da finde ich mich wieder. Nun höre ich On My Way (To You) ein paar Mal hintereinander und es wird immer besser, aber ich weiß gar nicht, warum. Weder der Gesang, noch die für mich oft so ausschlaggebende Dicht der Musik packen mich. Da muss also noch etwas Übergeordnetes sein. Oder Unbewusstes, es kommt im Grunde genommen aufs Gleiche hinaus. Vielleicht die dezente Melancholie. Vielleicht die Wiederholungen. Vielleicht die Uhhhh-Gesänge. Egal. Das was Tom Aschmann mit seinen Mitstreitern macht, bedient eine Vorliebe meines Musikhörens, der ich noch weiter auf den Grund gehen sollte. Ein sehr guter Anlass dazu ist, dass die Band am 1. März ihr Album Everyone Is Someone veröffentlicht!


Khruangbin
(Ms) Die heutige Selektion hat bis zu diesem Punkt ein einheitliches Thema: Nicht wirklich verstehen, warum ich etwas gut finde, aber es ist so. Hier kommt das nächste Beispiel. Vor drei, vier Wochen ist mir diese Band zum ersten Mal über den Weg gelaufen. Oder eher über den Bildschirm gescrollt. Ich musste dann anhalten, da der Name mich verwirrt hat: Wie wird das denn ausgesprochen? Khru-ang-bin wahrscheinlich. Khruangbin. Klar, das hat irgendwie neugierig gemacht, dachte: „Das könnte psychedelischer, heißer Scheiß sein!“ War es aber gar nicht. War super langweilig. 
Ein paar Tage später gab ich der Musik eine neue Chance. Ich glaube, das erste Hören war einfach zum falschen Zeitpunkt, denn je öfter ich ihr Album A La Sala hören (hören darf, denn es kommt erst am 5. April raus), desto besser wird es. Und zwar in gewaltigen Schritten! Das Trio aus Huston hat es verstanden, wie man mitreißende Musik erschafft ohne auch nur besonders laut, schnell oder polarisierend zu sein. Sie spielen funky Psychedelica und das ist absolut brillant! So cool! So zurück gelehnt! Im besten Sinne so abgebrüht! Auf vielen der Stücke passiert gar nicht viel, aber das, was passiert, hat so viel entspannte Strahlkraft, das es mich durchdringt! Das hier ist ganz heiß!

Dienstag, 13. Februar 2024

Live in Bremen: Brandt Brauer Frick


(Ms) Besondere Musik verdient ein besonderes Ambiente. Das ist nicht immer möglich, weil vielleicht die Infrastruktur fehlt oder schlicht das Angebot.
Doch das, was am Sonntagabend zu bestaunen war, war ein perfektes Match! Denn Brandt Brauer Frick haben in Bremen gespielt. Nicht irgendwo in Bremen, sondern im Kito!
„Wo?“, mag der geneigte Konzertbesuchende fragen. Genauso ging es mir anfangs auch, denn das Kito liegt etwas außerhalb von Lagerhaus, Tower, Schlachthof, Lila Eule und Co. Das macht unter Umständen die Anfahrt schon so atmosphärisch. Denn das Kito liegt im kleinen Hafenbereich von Bremen-Vegesack, also im Norden der Stadt, direkt an der Weser. Da kommt man auch per Fähre rüber und so ging es am Sonntagabend los. Das Kito liegt im dritten Stock eines alten Packhauses, hat also ganz schön Geschichte im Gemäuer. Die war auch sichtbar, schöne Holzbalken und eine hohe Decke umgaben den Saal, in den gut 120 Leute gepasst hätten, knapp 50 waren da. Das erstaunte mich schon, da das Trio ja schon recht bekannt ist, wenn man auf experimentelle Musik steht. Vielleicht lag es am Ort oder am Sonntag oderoderoder.
Die Menschen, die da waren, wurden richtig freundlich am Getränkestand bedient, durften sich setzen und hörten schon vor dem Beginn eine ganz tolle, stimmungsvolle Playlist!

Um kurz nach acht kamen die drei Herren dann auf die Bühne. Was in den zwei Stunden danach passierte, ist wirklich schwer in Worte zu fassen. Zum Teil fehlt mir das technische Know-How um die Musik von Brandt Brauer Frick zu beschreiben. Aber ich nutze dennoch mal meine beschränkten Möglichkeiten. Was war zu sehen? Klar, das Foto zeigt dies und das. Ganz links stand Jan Brauer zum Einen vor einem Keyboard, zum Anderen neben einer Art Konsole mit allerhand Knöpfen und Schaltern. Daraus sollte im Laufe des Abends eine Menge Wumms erschallen. Bass vor allem. In der Mitte stand Daniel Brandt mit zwei Drumsticks in der Hand und allerhand analogem aber noch viel mehr digitalem Percussiongedöns. Neben der Trommel und High-Hat entlockte er all möglichen Oberflächen die verschiedensten Sounds! Rechts an der Bühne war Paul Friedrich Frick zu finden, der auch mit Keyboard und allerhand Kram zum Drehen, Drücken, Schalten gewappnet war. Das war zu sehen.
Was dann allerdings zu hören war, war enorm. Im Grunde genommen spielen sie live Techno mit allerhand Samples klassischer Instrumente. Das macht den akustischen Reiz aus. Das Explosive an ihrem Auftritt waren jedoch die Dynamiken, die innerhalb der Songs entstanden. Insbesondere Daniel Brandt trommelte wie ein Uhrwerk. Natürlich gab er den Takt, die Geschwindigkeit an, auf der anderen Seite spielte er auch immer wieder gegen den Rhythmus, brach ihn und stieg später wieder ein. Das war äußerst faszinierend. In meinen Augen sah er anfangs ein wenig schlecht gelaunt aus, aber im Laufe des Abends habe ich verstanden, dass er einfach nur wahnsinnig konzentriert war! Nachvollziehbar. Jan Brauer und Paul Friedrich Frick gaben sich mit Melodie, Samples, Bass und einer weiteren Portion Rhythmus die Klinke in die Hand. Was sie gut zwei Stunden spielten war unglaublich genau. Teilweise sogar streng. Doch dann auch wieder völlig verspielt, stetig voller Energie, Wumms. Es war schon eine große Party, keine Frage. Nach und nach haben sich Leute getraut, aufzustehen und zu tanzen. Das war vielleicht der einzige Nachteil der Location, dass es bestuhlt war. So fehlte ein wenig die Nähe zwischen Band und Publikum. Tanzend konnte auch ich die Musik viel besser aufsaugen, denn sie geht ganz automatisch durch den Körper! Viele Lieder gingen ineinander über, wie ein DJ-Set. Doch das war alles live.
Ihre Lieder wiesen ganz verschiedene Facetten auf. Oft fühlte ich mich wie auf einem dystopischen Weltraumtrip. Viel Ungewissheit, Dunkelheit, Neues, viel Geschwindigkeit. Dann kamen wieder Phasen der Erholung, Melodien, die Helligkeit brachten. Apropos Licht: Das flackerte und ballerte sehr ordentlich an dem Abend. Was ein paar Strobos anrichten können…
Elektrisierend waren vor allem die vielen gegenläufigen Elemente ihrer Musik. Das Schlagzeug spulte einen Rhythmus ab, die Melodie griff sie auf, der Bass untermauerte sie, dann änderte sich der Rhythmus und der Rest folgte wie ein ganz langsames Domino, das in sich aber stark vibrierte, bebte, mitriss. Viele Dissonanzen, Verschiebungen. Ja, das kann durchaus als anstrengend wahrgenommen werden, zwei Besucher neben uns sind auch nach der Hälfte gegangen.
Aber wer sich auf die Musik, die Energie, die Bilder von Brandt Brauer Frick einlässt, wird reich beschenkt und mindestens für zwei Stunden in ein ganz anderes Universum mitgenommen! Was für eine unfassbare Kunst, was für eine Idee, so Musik zu machen. Das war richtig stark!

Freitag, 9. Februar 2024

KW 6, 2024: Die luserlounge selektiert

Quelle: de.wikipedia.org
(Ms/sb) Die lautesten Erdmännchen bekommen am meisten zu essen. Las ich irgendwo. Im Straßenverkehr ist das ähnlich. Da gibt es auch ganz viele laute Erdmännchen, aber die bekommen halt nichts. Außer einen dicken Hals und Schwielen auf den Händen. Und gendern muss man hier auch nicht. Erdmännchen. Automännchen. Die fangen nämlich richtig schnell an zu hupen, um zu ihrem vermeintlichem Recht zu kommen. Oder was auch immer sie damit bezwecken wollen. Schneller wird es dadurch sicher nicht. Allein am Mittwoch hörte ich es zwei Mal hinter, neben, vor mir hupen. Soweit ich es erkennen konnte, waren es immer Kerle, die dann noch wild gestikulierten und aufs Lenkrad einhämmerten (Stichwort Schwielen). Die lauten, kleinen Erdmännchen, die die Weisheit mit Löffeln gefressen haben, alles besser wissen und allen beweisen müssen, dass sie Recht haben. Ach, irgendwie sind sie ja schon ein bisschen süß…

Mount Kimbie
(Ms) Nach nur wenigen Sekunden besteht der unbändige Impuls, das Lied lauter zu drehen. Der Sound umhüllt mich, ich will darin eintauchen, mich verlieren. Die Gitarre spielt immer voran irgendwo zwischen The Notwist und … Trail Of Dead, aber irgendwie zarter. Die Musik von Mount Kimbie kannte ich bis hierher gar nicht. Doch als ich Fishbrain zum ersten Mal hörte, wollte ich sofort mehr davon, weil der Klang mich direkt ganz tief anspricht. Satter, leicht psychedelischer Indie, der im Kopf ganz viele Bilder erzeugt. Die gibt es zur neuen Single auch, das Musikvideo ist ganz großartig. Ein Kurzfilm über unterirdische Fabriken, in denen Fisch und Mensch irgendwie miteinander verschmelzen oder zumindest ab und an die Rollen tauschen. Das Londoner Quartett veröffentlicht am 5. April ihr neues Album The Sunset Violent und selten habe ich mich über mir noch unbekannte Töne so sehr vorgefreut!


Manu Delago
(Ms) Wie nachhaltig und klimaschonend kann Musik sein? Es gibt viele erschreckende Berichte darüber, wie belastend diese Industrie ist. Da sind die Energiekosten für Server von Spotify und Co. Da bleiben tonnenweise Müll von Festivals. Bands fliegen um die Welt mit einem riesigen Tross an Equipment. Einwegplastikbecher bleiben in Clubs nach Konzerten liegen. Puh…
Aber es gibt auch viele gute Geschichten. Einige Festivals produzieren Strom durch Sonnenenergie, haben nur Pfandbecher, Essen aus der Region, Mülltrennung. Projekte wie Goldeimer kümmern sich um die sanitären Anlagen. Doch auch auf Touren wird ordentlich Energie verbraten. Manu Delago aus Österreich hat es ganz anders gemacht. Er ist vergangenes Jahr mit seiner Band auf dem Rad von Ort zu Ort gefahren für seine Konzerte. Das ist natürlich super cool, aber auch nicht für alle machbar. Dennoch ein toller Fingerzeig, wie es auch gehen kann.
Etwas ganz Organisches strahlt Delagos Musik seit jeher aus. Und in meinen Ohren wird sein Klang immer erdverbundener, sanfter, meditativer. Über eine größere Verbundenheit mit der (Um-)Welt geht es auch auf seinem neuen Album Snow From Yesterday, das er größtenteils mit dem Trio Mad About Lemon eingespielt hat. Die drei Tiroler Sängerinnen verleihen Manu Delagos sanftem Hangspiel eine noch nahbarere Ebene, wenn sie darüber singen, wie wir Menschen auch nur ein kleiner Teil von etwas Größerem sind. Nicht nur diese spirituelle Herangehensweise packt mich, sondern vor allem diese pure Schönheit der Musik!


Blitzen Trapper
(Ms) Was macht einen Song zu einem guten Song?! Es gibt tausend gute Gründe. Doch oft sind es die kleinen Details, die automatisch mitwippen lassen. Ein paar musikalische Raffinessen, die sich einschleichen, zum ersten Hören vielleicht gar nicht so präsent sind, aber im Endeffekt doch der Grund sind, warum ein Lied mehr als nur ein Mal läuft. Bei Cosmic Backseat Education der Gruppe Blitzen Trapper wusste ich dann auch irgendwann, warum ich ihn so oft höre: die dezente Mundharmonika, die frei von jeglichem Kitsch erklingt; der feine, aber treibende Bass, der das Lied trägt; die spiralförmige Melodie. Alles zusammen macht aus diesem Lied eine kleine, richtig schöne psychedelische Episode. Hinzu kommt ein wahnsinnig beklopptes, aber tolles, ideenreiches Video voller Superhelden, Schurken und Handpuppen. Zu guter Letzt der Text: Hat der Sänger sein ganzes Wissen aus allen Radiosessions, die er auf dem Rücksitz hörte als Kind?! Lasst euch überraschen und mitnehmen von diesem tollen Song, mehr davon gibt es auf ihrem nächsten Album 100‘s of 1000‘s, Millions Of Billions, das am 17. Mai erscheint!


Girl In Red
(Ms) Großes Thema momentan: Die erfolgreichen Popsängerinnen. Die Grammys, Riesenstadien in München. Stark, dass sie so eine große Bühne bekommen und halt auch für ihre Kunst ausgezeichnet werden. Auch der Newsletter vom ZEIT Magazin fragte dieser Tage, wer denn die Grade Dame des Pop aktuell sei: Beyoncé, Adele, Taylor Swift, Madonna? Mir persönlich fehlte Billie Eilish in der Aufzählung, aber egal. Es ist gut möglich, dass diese Liste immer länger wird, wie schön, dass so große Vielfalt zu hören ist! Mitmischen will auch Girl In Red und ihre heute erschienene Single Too Much ist eine klasse Popnummer geworden! Nicht nur ihre unprätentiöse Art Musik zu machen ist ein großes Plus für sie, sondern auch, dass die noch 24-jährige aus Norwegen kommt und damit ein wenig abseits der großen Popmetropolen wirkt. Marie Ulven Ringheim, so ihr bürgerlicher Name, macht einfach richtig gute Musik. Das sollte doch ausreichen, oder?! Am 12. April folgt dann ihr neues Album I‘m Doing It Again Baby. Wenn das mal kein Grund zur Vorfreude ist!


Frank Turner & Donots
(Ms) Eine der sympathischsten Bands auf der ganzen, lieben Welt sind halt die Donots. Da kann niemand was dran rütteln, und sollte man es versuchen, entpuppt man sich doch als Banause. Und diese Supertypen von den Donots leben seit jeher von der Energie, die sie mit ihrem Publikum aufbauen und der Energie, die ihre musizierenden Freunde ihnen schenken. Ganz vorne mit dabei ist Frank Turner. Beide standen schon unzählige Male gemeinsam auf den Bühnen und werden es sicher weiterhin tun. Als weiteren Freundschaftsbeweis haben sie Franks Single Do One auf Deutsch übersetzt und Ingo Knollmann singt promt mit und es klingt halt wie ein astreiner Donots-Track! Gefällt direkt! Kann mir gut vorstellen, dass er auf einen der unzähligen Birthday-Gigs der Uribbenbührenern zu hören sein wird. Auch Frank Turner wird noch mehr gute Musik veröffentlichen in diesem Jahr. Am 3. Mai erscheint sein neues Album Undefeated!

Sonntag, 4. Februar 2024

KW 5, 2024: Die luserlounge selektiert

Quelle: de.wikipedia.org
(Sb/ms) Antizyklisch Urlaub machen. Das ist nicht nur gut fürs Portemonnaie, sondern auch sehr gut für den Kopf! Einige sonst komplett touristische Gebiete sind zu dieser Zeit nämlich leer gefegt! Die beste Möglichkeit also genau dann loszufahren. Insbesondere die Nordsee scheint Ende Januar nicht besonders attraktiv zu sein, wenn es dann noch einen Schritt weiter geht - auf eine Insel - wird es noch eine Stufe krasser. Die Fähre ist schon kaum besetzt, die Insel umso weniger. Stundenlang ist es möglich, am leeren Strand entlang zu spazieren. Die Geschäfte haben alle geschlossen, nur die Supermärkte und ein Restaurant sind geöffnet. Es ist die doppelte Komplettentschleunigung, wenn die einzige Frage nachdem Frühstück ist: links oder rechts herum? Dann können auch drei Tage wie zwei Wochen wirken und Menschen müssen danach nicht zwingend sein. Ein Glück, dass es die Musik gibt:

Dustin O'Halloran

(sb) 2021 schoss Dustin O'Halloran mit seinem Album Silfur direkt in die Top 3 meiner Jahrescharts. Entsprechend groß war die Vorfreude, als die neue Scheibe 1 0 0 1 (VÖ: 22.03.) angekündigt wurde. Tatsächlich enttäuscht der in Berlin lebende amerikanische Künstler auch diesmal keineswegs, wobei sich der musikalische Fokus doch etwas verschoben hat.

Das neue Album kommt deutlich sphärischer und mitunter mystischer daher, die Zuordnung zum Genre Neoklassik fällt leichter. 1 0 0 1 erkundet - auch mittels elektronischer Klänge - musikalisch das Wesen des menschlichen Verstandes, die Auswirkungen künstlicher Intelligenz und die Bedeutung einer zunehmend hochtechnologisierten Welt für die Menschheit. Es sind komplexe philosophische Fragen einer sich rasant entwickelnden Wirklichkeit, für die diese Musik einen Raum zum Nachdenken öffnet. Wieder ein sehr starkes Album, wenn auch nicht so unmittelbar zugänglich wie sein Vorgänger.
 
 
Hinterlandgang
(sb) Erster Eindruck: Musikalisch hat die Hinterlandgang ihr Spektrum erweitert, wobei ich dann ganz vergessen habe, mich auf die Texte zu konzentrieren. Also direkt nochmal anhören! Nun die Erkenntnis, dass die beiden Rapper aus Demmin auf Rosa Mitsubishis - wie bereits auf dem Vorhängeralbum - eine äußert hörenswerte Sozialstudie erstellt haben, die einerseits extrem deprimiert, gleichzeitig aber auch ein Licht am Ende des Tunnels aufzeigt. Weggehen? Dableiben? Mitschwimmen? Sich dagegen stellen? Und diese bedrückende Perspektivlosigkeit an allen Ecken und Enden...



Tom Odell
(sb) Es muss unglaublich schwierig sein, als Musiker ständig nur auf einen Track reduziert zu werden. Tom Odell hatte im Jahr 2012 mit Another Love einen großen Hit, der in der Liste der meistgestreamten Lieder auf Spotify (Stand: Oktober 2023) mit über 2 Milliarden(!) Streams auf Platz 45 liegt. Nun veröffentlicht der Brite sein neues Album Black Friday. Eingesungen und aufgenommen wurden die Songs genauso, wie sie geschrieben sind: in purer Authentizität. Die Streicherarrangements und die zurückhaltende Rhythmussektion unterstreichen die Intimität der Stücke. Besonders der Titeltrack erobert Gehörgang und Herz gleichermaßen im Sturm, das Songwriting und die Arrangements des 33-Jährigen begeistern auf Albumlänge.
 


No King. No Crown.
(sb) Auch wenn wir etwas länger nicht über No King. No Crown. berichtet haben, so haben wir die Dresdner doch nie aus den Augen (bzw. Ohren) verloren. Heute erscheint ihre neue EP Re: Made, auf der insgesamt fünf Songs des 2022 veröffentlichten und von rezensierten Albums We Made Ourselves A Home in neuer Fassung zu hören sind. Dennoch unverkennbar und vermutlich genau deswegen wieder super!
 
Live hier zu bewundern:
 
10.02.24, Leipzig, Horns Erben
11.02.24, Berlin, Monarch
12.02.24, Chemnitz, Inspire
13.02.24, Dresden, Societaetstheater
15.02.24, München, Kult 9
16.02.24, Köln, Jaki
17.02.24, Erfurt, Engelsburg
 


Vlimmer
(Ms) Gut Ding hat Weile. Das hat meine Oma immer gesagt. Und die hat bekanntlich ja immer Recht. Das ist bei Vlimmer auch so - zumindest stelle ich diese These hiermit einmal in den Raum. Seit einiger Zeit verfolge ich das Schaffen von Alex Donat, dessen Hauptprojekt mit vielen Singles, EPs und Alben zu überzeugen weiß. Genauso schafft er es, seinen Sound immer ein wenig zu drehen. Bei seiner neuen Single Mauerkipp wird er noch ein wenig griffiger als zuvor. Die Musik ist viel klarer geworden, nicht mehr so superviel in einem Track, der Zugang ist viel leichter und auch vom Text kann man mittlerweile viel mehr hören. Das macht so ein Hörerlebnis direkt viel schöner! Insbesondere die Drums und die glockenähnlichen Sounds aus dem Hintergrund wissen zu überzeugen bei diesem durchaus schaurigen Stück. Und das scheint erst der Anfang einer großen Veröffentlichungswelle in diesem Jahr zu sein - da kommt sehr viel Spannung und Vorfreude auf!


A.S. Fanning & Louis Brennan
(Ms) Je länger ich auf Konzerte und Festivals gehe, desto mehr steigt die Lust, live das zu sehen, was ich bis dato gar nicht kannte. Auch direkt zu einem Konzert. Da hilft es manchmal, vorher ein wenig drüber zu lesen und dann einfach los! Selten wird man so richtig enttäuscht. Entweder packt es einen dann nicht so richtig. Oder: Es wird super! Und das könnte bei der Doppeltour von A.S. Fanning und Louis Brennan so werden. Insbesondere Ersteren mag ich allen ans Herz legen. Fannings Album Mushroom Cloud aus dem letzten Jahr hat mich tief berührt. Ein tiefer, warmer, trauriger aber auch sehr erhabener Sound macht sich in diesem Werk breit. Ende des Monats gehen sie zusammen auf Tour. Zwei Dubliner Exilanten (Berlin und London) gründen eine Band und singen mit ihr Lieder aus beiden Federn. Das ist doch der ideale Anlass, direkt zwei tolle und weitgehend unbekannte Künstler an einem Abend kennenzulernen. Hier:

28.02. Berlin – Silent Green, Kuppelhalle
29.02. Frankfurt – Ponyhof
01.03. Neu-Ulm – Gold
02.03. Karlsruhe – NUN Kulturraum
03.03. München – Substanz
05.03. Dresden – Ostpol
06.03. Chemnitz – Aaltra
07.03. Kusel – Kinett
08.03. Crailsheim – 7180 Bar
09.03. Jena – Haus auf der Mauer
10.03. Münster – Pension Schmidt

Donnerstag, 1. Februar 2024

Mine - Baum

Foto: Bastian Bochinski
(Mmh) MINE


November 2023: 


Nun ist es raus. Baum kommt. 


Über diesen Blog bin ich an MINE geraten. Seitdem hat es mir diese Künstlerin angetan, wie schon lange keine andere mehr. Spätestens mit ihrem Auftritt in der Elphi im Rahmen des Reeperbahnfestivals 2022, komplett arrangiert mit Orchester, war es komplett um mich geschehen. Was für eine wahnsinnig fantasische Künstlerin. Ich verfolge ihr Schaffen insbesondere auf Instagram mit Begeisterung – insbesondere die Reihe Sweete Instrumente, in der sie Einblick in ihre Bandbreite an Kreativität gibt und ungewöhnliche, teils unscheinbare Instrumente, deren mögliche Einsatzgebiete und Wirkungen vorstellt. Toll! 


Baum kommt also. Im Februar. 


ICH WEISS ES NICHT ist die erste Single und schüttet direkt wieder brachial das Geiler-Text-Hormon aus. Begleitet mit dem Piano wird bei mir sofort der Knopf „Selbstreflexion“ gedrückt. Gar nicht mal, wie mein Vorgänger hier im November schrieb, in Hinblick auf „Wofür habe ich schon meine Zeit verschwendet“… Es ist eher ein Bewusstwerden dessen, dass wir eigentlich gar nichts wissen! Die Welt ist so schnelllebig - Wahrheiten und Wissen ändern sich am laufenden Band, mit jeder kleinsten neuen Entwicklung. Ich frage mich auch als Mutter fast mantramäßig mit mir selbst im Zwiegespräch: „Wenn ich könnte, wüsste ich, was wichtig ist, was nicht – was es wirklich besser macht und was nicht“ und „Wenn ich könnte, würde ich, euch erklärn‘, wie man sich erspart, sich aufs Maul zu legen und wie man sich gleichzeitig bewahrt, kein’n Scheiss zu labern und wie man sein Innerstes besiegt. Doch das hab‘ ich bis heute selbst nicht hingekriegt.“ 

Damit spricht MINE mir komplett aus der verstecktesten Ecke meiner Seele. Und irgendwie verstehe ich mit diesem Text zum ersten Mal, wenn hier im Blog schon oft davon geschrieben wurde, dass Musik/Text Trost spenden kann. 


Dezember 2023


Zweite Single da! Direkt die Kopfhörer auf die Ohren. NICHTS IST UMSONST. Ganz laut.

Erster Gedanke: Hoppla!? Was ist das denn? Blümchen? Irgendwelche Schützenfestbeats? 

Das musste erstmal in Dauerschleife rein. Fragen. 

Dann die Aufklärung: Ein fettes, graphisch geil arrangierten Computerspiel dazu auf der Homepage. Was ist das denn schon wieder für eine mega geile Idee!? Erstmal mit der Musi auf den Ohren durch das Spiel gezockt – und schon ergibt alles Sinn! Wie geil es pusht, sich die Entwicklung einer Beziehung als Game mit mehreren Leveln vorzustellen (diese Interpretation ist jedenfalls bei mir direkt aufgeploppt). 

„Nichts ist umsonst, alles kostet Zeit“. Die Inkarnation einer Motivationshymne für alles, was einem wichtig ist, aber Mühe und Kraft kostet. Hinfallen. Aufstehen. Weitermachen. Geduld haben. Es wird schon alles gut. Next Level. Geschafft. Nicht aufgeben! Juhu! 


10. Januar 2024

„Du hast bist zum 2. Februar Zeit über BAUM zu schreiben. Dann ist Deadline.“ 

Eh… Ja…. Danke? 

Jetzt ist es passiert. Ich habe den Mund zu voll genommen mit meiner Schwärmerei. Drei Wochen um Worte für das zu finden, was man sich erhofft, aber noch gar nicht kennt. 

Also. Erstmal Laufschuhe an. Musik auf die Ohren. Los. 


BAUM zum ersten.

Erstmal reinkommen. Cool. Die Eröffnung. BAUM. Kenne ich schon in Auszügen. Gab es glaube ich schonmal bei Insta einen kurzen Feed zu. Kommt mir auf jeden Fall direkt bekannt vor. ICH WEISS ES NICHT und NICHTS IST UMSONST folgen. Fühle mich sofort zu Hause und drin. NICHTS IST UMSONST bekommt beim Laufen von 15 Kilometern dann auch noch einmal Raum für weitere Interpretationen :D

Track 4: Stark. Ich verstehe es genau. Finde aber keine Worte.

Track 5: Ein Chor. Wuchtig auf jeden Fall. Verstehe gar nicht so richtig, was die da singen. Aber heftig. Was für ein Bruch. Einfach einen Track nur mit einem Herrenchor da reinzusetzen. Die Frau hat Nerven. 

Track 6: DANKE GUT. Feat. Mauli. Erinnert mich direkt an das Feature mit AB Syndrom. Oder AB Syndrom an sich. Auf jeden Fall ein harter Text. Im Gegensatz dazu steht die doch recht verspielte, nahezu euphorische, gleichzeitig aber auch sanfte musikalische Begleitung. 

An der wundesten Stelle getroffen werden.  Bewusst! verletzt zu werden. „Ich drehe mich um. Drehe mich um dich! DANKE GUT zieht einen mit hinein in das Gefühl in einer toxischen Beziehung gefangen zu sein. Zu wissen, dass es nicht er richtige Weg ist, sich sicher zu sein, jetzt den Absprung zu schaffen. Wieder und wieder dabei zu versagen. Die Scham und der Selbstschutz rufen dennoch: DANKE ES GEHT GUT… Der Track braucht auf jeden Fall eine Dauerschleife.

Track 7: Direkt geiler Orgelbeat. Da ist sie. Das ist MINE! Da warte ich doch direkt auf den großen Knall des Orchesters und/oder der Streicher….. Haha! Ja! Geil! Da! Genau das ist es, was ich mag!

Track 8: Uh. Wieder Chor. Plötzlich stehe ich in einer Kirche. Was singen die? Ich bin ein Nichts? Das bedarf einer Nachbereitung.

Track 9: Rhythmus. Rhythmus. Ich spüre ihn beim Laufen noch mehr. Das dominiert erstmal. 

„Pack mich in Watte und leg mich zu dir“ bleibt hängen. Dann französisch. Da möchte ich erstmal weglaufen. Also: weiterlaufen.

Track 10: Uff. Direkt die Kehle zugeschnürt. Den Song kenne ich doch. Gänsehaut. STAUB. Premiere in der Elphi. MINE schüttelte es beim Singen und sie weinte. Weinte, weinte, weinte, als sie den Song für und über ihre Mutter sang. So bitter. So aus der Seele trauernder Menschen gesungen. Nichts beschönigt. Und so zielsicher, dass jeder, der es zulässt, mit hineingezogen werden kann. Genau das Gefühl kommt gleich wieder hoch. „Ich wünschte ich hätte an irgendwas geglaubt. Doch ich bin realist. Ich glaube an nichts. 

Nein.“ 

Puh.

Track 11:. Orgel, Orgel, Orgel. Rhythmus, Rhythus, Rhytmus. Stimme, Stimme, Stimme. Bisschen Billie Eilish.

Track 12: COPYCAT.  Noch mal Billie Eilish Beats. Uh. Eine fette fette Abrechnung (mit jemand besitmmten?). Kurz. Knackig. Deutlich. Macht voll Spaß! 

Track 13: Zack. Ab in die 70er mit dem Beat. Das pusht nochmal und geht in die Beine. „Ich bin das blühende Leben. Ich bin nicht kaputt zu kriegen. Ich steh voll im Saft.“ Erinnert mich an irgendeine geile Eiswerbung der 90er mit Skatebaords und bunten Miniröcken. 

Track 14: Orchesterfeeling. Und auch schon wieder vorbei.

Track 15: Autsch. Das klingt nach Härte. Das klingt nach: Nochmal in Ruhe reintun. Das klingt nach: Das könnte übel werden.


BAUM zum zweiten.


BAUM zum dritten.  


BAUM zum vierten.



27.01.24

BAUM ist auf jeden Fall genau der richtige Track zur Eröffnung der Platte. Ich sehe die Entwicklung der Künsterlin vor mir, die auf das Vergangene zurückblickt, es wahrnimmt, aber weitergeht. Gut gelaunt, zuversichtlich und mit Lust auf das, was nun kommt. Lust am Erwachsen werden. Erwachsen sein. „All diese Bilder ich brauche sie nicht. Doch ich kann sie sehen in meinem Gesicht“, „Aus meiner Haut schießen die Triebe.“ „Jetzt kann es wachsen…“ 

Das Finale, von Bläsern untermalt und mit Gänsehaut macht mir jetzt schon große Vorfreude auf das Konzert (ich stelle es mir direkt nochmal mit Orchester in der Elphi vor. Pfiuuuu….)

BAUM kündigt mit der Durchschlagskraft von Baumwurzeln an, was die Hörer*innen von BAUM erwartet: Entwicklung. Neues. Größe. Nach vorne schauen. Über den Dingen stehen. 


SPIEGEL: Wer MINE nicht zum ersten Mal hört, erkennt sie hier sofort wieder. Orgel. Streicher. Rhythmus. Diese Stimme. Das Motiv des Selbstzweifels, der Selbstreflexion – jedoch mit dem mutigen Ausblick auf Entwicklung. Als Teil des Lebens. 

Ein verspielter, liebevoller und zugleich ehrlicher Umgang mit sich selbst.

SCHATTIG: Ich finde einfach keinen Zugang. Woran liegt es? Im Thema „Rückzug“, „sich vor der Realität verstecken wollen“ finde ich mich wohl wieder. Auch wenn es nicht der richtige Weg ist. Vielleicht liegt es dann doch an dem französischen Bruch und meinem Unvermögen, mit dieser Sprache warm zu werden? Sprache und Text sind für mich enorm wichtig. Wenn ich den Lyrics nicht folgen, sie nicht durchdringen kann, verliert ein Song für mich nicht selten an Wert. Es lohnt sich hier sicher nochmal genauer hinzuschauen. 


STEIN (feat. Mandinii): Auch mit STEIN habe ich mich schwergetan. Ist es das Gegenstück zu SCHATTIG? Von „Ich bin ein nichts“, zu „Du kannst mich nicht brechen, ich bin aus Stein“? Nicht, dass man ohne Zweifel durchs Leben stolziert. Im Gegenteil. Sich aber sicher zu sein, dass es wieder bergauf geht. Oder sich das zumindest zu sagen. Egal, wie tief das Loch ist. Egal, wie lange es dauert. Die Sicherheit „nothing ist permanent“. Mit dem penetranten, sanften Beat liebevoll ins Gehirn gehämmert und da an genau den richtigen Stellen verankert. Beim wiederholten Hören kann ich da durchaus Mut rausziehen! Ich lass mich doch nicht von anderen klein kriegen! Was auch immer sich innerlich abspielt, wie hart ich mit mir selbst ins Gericht gehe: Es gibt auch das Licht. Die Zufriedenheit. Es kostet Arbeit, sie immer wieder hervorzurufen. Aber „Du kannst mich nicht brechen, ich bin aus Stein.“


FRESH: macht richtig richtig Spaß und ich freue mich schon jetzt darauf, im baldigen Frühling mit diesem Song im Kopf und auf den Ohren, bitte laut, durch die Welt zu tanzen. Motiviert, nach vorne schauend, positiv und energiegeladen. „Und wenn der Hunger drohohohoooot, mach‘ ich ein Butterbot mit Salz!“ So ein saftiger, toller Rhythmus. Außerdem bin ich großer Fan der GoGo-Bells mit Kopfhörern geworden. Dododingdidododing


WEITER GERANNT: MINE schließt das Album mit einem Rückblick, Ausblick und Zusammenfassung zugleich. Hart. Tragisch. Mit offenem Ende. Mehr möchte ich dazu nicht schreiben. Außer, dass es immer weiter ging. Weiter geht? Wenn man STEIN glaubt, ja! Gut so! 


Es ist schwer über MINE und BAUM zu schreiben. Vermutlich, weil ich auch große Erwartungen habe und nicht unvoreingenommen bin. Zu einhundert Prozent kann ich jedoch festhalten, dass MINEs musikalische Kreativität und ihre Texte, die einerseits so klar, teilweise unbequem sind, gleichzeitig so viel Spielraum für das Eigene lassen. Gerade das ist es, was diese Platte so künstlerisch wertvoll macht. Aus der Rezeption entsteht die individuelle Interpretation. Die eigene Wirklichkeit fließt mit hinein. Genau so soll es sein. 

Die Bandbreite an musikalischer Experimentierfreude von MINE ist mit Worten kaum zu beschreiben und das will ich auch gar nicht. Das macht es kaputt. Dies soll jeder für sich selbst entdecken, reinlassen und sich mitnziehen lassen. 


Ich freue mich riesig auf das Bundle aus Vinyl und CD mit 10 Tracks live aus Hamburg, das mich morgen erreichen wird und noch viel mehr auf die Tour ab April!


18.04.24 Hamburg – Große Freiheit 36
19.04.24 Essen – Zeche Carl
20.04.24 Köln – Carlswerk Victoria
21.04.24 Leipzig – Täubchenthal
23.04.24 Wien (AT) – Arena
24.04.24 München – Muffathalle
25.04.24 Erlangen – E-Werk
26.04.24 Dresden – Stromwerk
28.04.24 Kiel – Pumpe
29.04.24 Bremen – Schlachthof
30.04.24 Berlin – Columbiahalle
02.05.24 Frankfurt – Zoom
03.05.24 Aarau (CH) – Kiff
04.05.24 Mannehim – Alte Feuerwache
05.05.24 Münster – Skaters Palace
07.05.24 Hannover – Pavillon
09.05.24 Stuttgart – Im Wizemann