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Freitag, 8. August 2025

KW 32, 2025: Die luserlounge selektiert

Quelle: de.wikipedia.org
(Ms) Genug vom Watt En Schlick an dieser Stelle, aber über die Art und Weise so eines Festivals musste ich doch noch einige Zeit nachdenken. Es gibt Lesungen über Politik, Gesellschaft, Inklusion. Es gibt Bands, die wirklich was zu sagen haben - an vorderster Front Ebow, deren Auftritt immer noch bei mir nachhallt. Aber was genau findet da eigentlich statt für drei Tage?! So ein Festival ist Eskapismus, klare Sache. Drei Tage abschalten, keine Sorgen haben, den Alltag ausklammern, träumen und besser nicht ins Portemonnaie gucken. Denn das wird zügig leer an so einem Wochenende. Merch für 60 oder 70 Euro. Ein 0,4-Bier für 5,50 Euro, ein Burger (ohne Pommes!) für 10 Euro. Eine Kugel Eis für 2,50 Euro. Wer ist dort auf so einem Festival?! Ein unglaublich solventes, weißes Publikum auf jeden Fall, das auch 5 Euro für einen kleinen Kaffee ausgibt. Die Schlange war lang. Ich habe auch einen gekauft. Das ist null inklusiv. Exklusiver geht es ja gar nicht. 150 Euro für das Ticket und dann ein bisschen Gesellschaftskritik auf der Bühne und alle sind sich einig, dass alles ganz schlimm ist, aber erstmal tanzen. Ja, ich bin auch dabei. Ja, ich tanze auch mit. Aber geiler wäre doch, wenn alle 6.000 Menschen danach zusammen demonstrieren gehen, oder?

Farewell Dear Ghost
(Ms) Frage: Hat diese Wiener Band ihren Namen aus einem Monta-Track entnommen?
Noch eine Frage: Wer hat heute schon ein Lächeln erzwungen, obwohl ihm/ihr gar nicht danach war? Ein ungeschriebenes, gesellschaftliches Gesetz sieht vor, dass es möglichst viel gute Laune geben soll, viele Lacher, seichte, kurzweilig Unterhaltung und die Frage „Wie Geht‘s?“ sollte maximal mit „Gut“ beantwortet werden. Denn wenn wir wirklich offen legen, wie es eigentlich ist, braucht man mehr Zeit. Zum Denken, Reden, Zuhören. Farewell Dear Ghost haben dazu einen richtig starken Indierock-Song geschrieben. Modern Smile heißt er und es geht genau darum: Etwas vorgeben statt sich zu öffnen, obwohl letzteres so gut tut. Vielleicht ist es hart und schmerzvoll, aber auch befreiend. Das Trio ermutigt uns dazu, das Lächeln vielleicht auch auf später zu verschieben und davor sich mal wirklich auszutauschen. Das Lächeln kommt dann wieder, wenn dieser Track läuft, denn er ist ganz großartig arrangiert und macht sehr viel Lust auf noch viel mehr - musikalisch und inhaltlich!


Honig
(Ms) Kann Musik eine Form des Zuhausefühlens darstellen? Ein ortsunabhängiges Gefühl des Wohls? Gewissermaßen auch des Verstandenwerdens, obwohl man erstmal ganz allein ist mit der Musik? Ich bin davon fest überzeugt und zumindest für mich gibt es ein paar KünstlerInnen, die dieses Gefühl unumwunden erzeugen oder auslösen. Honig gehört ganz weit vorne mit dazu. Ich weiß gar nicht genau, was es ist, was Stefan Honigs Musik ausmacht, dass sie in mir diese wohligen Wogen auslöst, aber es ist schön. Vielleicht ist es die Energie des Golden Circle, die mächtig ist. Wie dem auch sei: Zusammen mit Meursault hat er kürzlich eine EP veröffentlicht. Jede Band mit 3 neuen Stücken. Zu Horrible Birthday gibt es ein tolles Video zu sehen, mit leichten Travis-Vibes zum Schluss. Ein sanftes Lied mit vielen guten Fragen wie „How could you know how I feel?“ oder „Did you ever need this Love?“ Herz und Hirn werden bei Honig mal wieder angeknipst und dafür mag ich seine Kunst so sehr!

19.09. Jever - LOK 
20.09. Berlin - Emmauskirche Kreuzberg 
21.09. Erfurt - Universaldrogerie 
22.09. Münster - Pension Schmidt 
23.09. Düsseldorf - ZAKK 
24.09. Wuppertal - Loch 
25.09. Mönchengladbach - Kultur im Zelt 
26.09. Karlsruhe - NuN 
27.09. Köln - Schmitzundkunzt 
28.09. Langenberg - KGB


Our Shame 
(Ms) Den Horizont erweitern, auch auf der musikalischen Landkarte. Kennt jemand eine Band aus Taiwan?! Eben, genau. Hier kommt sie und sie bringt großartige Musik mit sich. Our Shame haben diese Woche ihre zweite Platte Namens Hidden Album veröffentlicht. Estelle H und Isan machen Musik, in die es sich hineinzulegen gilt. So sanft, behütet, weich. Und dennoch durchziehen die Tracks des Albums leichte Risse. Anflüge von Selbstzweifel, verbotene Liebe oder gar Auftragsmorde. Und schon hören sich die entspannten Electrosounds gar nicht mehr so gelassen an und die inhaltlichen Risse werden größer. Das ist natürlich sehr geschickt, Klang und Text so gegensätzlich zu gestalten. Schaf im Wolfspelz quasi. Klingen tut es grandios - bitte reinhören: 


Betti Kruse
(Ms) Axel Prahl ist ein guter Schauspieler, ich mag einiges, was er macht und der Tatort gehört da noch nicht mal zwingend mit hinzu. Doch seine Musik finde ich ganz furchtbar. Dieses seemännisch-maritime Gedudel nervt. Und jetzt dampft das Hirn ein wenig. Weil: Die neue Single von Betti Kruse klingt jetzt nicht nach Axel Prahl, aber Jeden Tag Fährt Ein Zug ist so eine süße kleine Geschichte von der Küste. Der Schauspieler könnte ähnliches singen, doch Betti Kruse nehme ich das viel mehr ab, verstehe, was sie meint. Eine kleine schwelgerische Episode, die den Glanz und den Zauber des Moments behandelt und aufzeigt, wie sehr es sich lohnt, mal die Leute anzuschauen oder sogar anzusprechen, die neben einem sitzen oder stehen oder warten. Wieso nicht?! Uns verbindet doch so viel, doch die meisten schauen ja eh aufs Handy. Betti Kruses Musik klingt ein wenig wie aus der Zeit gefallen. Chanson? Schlager? Retro-Pop? Keine Ahnung, aber es ist schön, ganz ungefiltert und aufrecht. Das ist zu hören. Und das finde ich gut. Bei Axel Prahl höre ich keine Aufrichtigkeit sondern eher Vermarktung und eine irgendwie verballhornte maritime Romantik. Die Hamburger Musikerin bringt im November ihr Album raus und ich bin mir sehr sicher, dass das ganz großartig sein wird!


BSK
(Ms) Vor sechzehn Jahren im Sozialwissenschaften-Leistungskurs haben wir über Rollenmodelle gesprochen. Das war super interessant, weil irgendwie augenöffnend. Der etwas biedere, junge Lehrer meinte dann: Morgens Anzug, abends Lederjacke. Klingt ein bisschen plump, fasst das ganze aber recht gut zusammen. Kleider machen Leute, man erkennt einander, fühlt und sieht Gemeinsamkeiten, egal, welchen Kreisen man sich zugehörig fühlt. Ziemlich genial hat die Band BSK das in ihrem Video zu Linksradikal Gelesen bildlich umgesetzt. Den Track haben sie mit Ein Punk Band aufgenommen. Am 12. September erscheint ihre erste Platte Keine Bewegung und BSK beweisen, dass Punk immer noch wichtig ist, funktioniert, anecken kann und halt auch eine Menge Spaß macht. Wer erkennt also wen und woran und wiesoweshalbwarum?! Alle Fragen und alle Antworten liefert uns diese Band mit ihrer Platte!


Mola & Fatoni
(Ms) Never change a winnig Team: Mola und Fatoni zum Beispiel. Was schon mehrfach sehr gut funktioniert hat, funktioniert heute ein weiteres mal exzellent! Am 26. September erscheint Molas neues Album Liebe Brutal und heute die neuste Single Menschen. Und wenn Molas unverwechselbare Gänsehautstimme auf Fatonis Art zu Rappen stößt, kommt einfach ein großartiger Track dabei heraus. Eine kurzweilige Abhandlung darüber, was für einer merkwürdigen Gattung wir angehören. Genie, Wahnsinn, Irre, Gute - all das sind wir. Und ich glaube es ist sehr geschickt, dass wir uns das immer wieder bewusst machen. Es ist leicht, mit dem Finger auf andere zu zeigen. Aber wie anders sind diese Leute denn, wenn sie uns doch sehr ähnlich sind?! Eben. Laut aufdrehen, bitte!


Die Höchste Eisenbahn
(Ms) Thema Nummer 1: Es klingt so platt, aber: Jeder kennt das. Oder den oder die. Diese eine Person im näheren Umfeld, die permanent zu spät kommt, oder - wenn man sie abholen will - erstmal noch alles fertig machen muss. In meinem Freundeskreis war das früher F. Immer wenn wir ihn abholten, war klar, dass er noch Zähne putzen, Frisur richten und/oder endlos lang die Schuhe zumachen musste. Wir haben die Abholzeit für ihn oft extra 15 Minuten vorverlegt, obwohl wir kamen wie sonst auch. Hat nicht geholfen. Dieses Zuspätkommen oder Immeraufsichwarten lassen kann wahnsinnig doll nerven und dazu bringen, über das Thema Zeit im Allgemeinen nachzudenken. Das tut die wunderbare Gruppe Die Höchste Eisenbahn auf ihrer neusten Single Ich Komm Gleich Nach. Sagt alles, oder?
Thema Nummer 2: Kunst. Denn die Band ließ zu dieser neuen Single ein Musikvideo machen. Das lag in den Händen von Elena Nyffeler und es ist wunderschön geworden! Mit Menschen und Schnecken aus Knete und einem liebevoll gestalteten Umfeld, lässt dies nur staunen. Und ich finde es wunderbar, dass in dieser schnelllebigen Kunstwelt Menschen dafür die Muße haben. Ganz viel Liebe!
Die neue Eisenbahn-Platte Wenn Wir Uns Wiedersehen Schreien Wir Uns Wieder An erscheint am 12. September!



Freitag, 1. August 2025

KW 31, 2025: Die luserlounge selektiert

Quelle: de.wikipedia.org
(Ms) Gedanken über Erwartungen, Musikgeschmack und vielleicht auch Alter: An diesem Wochenende verweile ich in Dangast, um beim Watt En Schlick Fest dabei zu sein - ich schreib schon mehrmals darüber, aber: Super Festival, super Lage, super Super! Im Line-Up gab es bis Donnerstagnachmittag zwei sogenannte Secret Acts. Da darf man natürlich schon mal mutmaßen, wer das sein könnte und ein paar Wünsche ins All schicken. Diese wurden im Handumdrehen zerschmettert, als für Sonntag Apsilon und für Freitagabend, 20 Uhr - also Primetime - jemand Namens Ritter Lean bestätigt wurde. Nicht nur der Name ist ja total bescheuert. Zwei Rapper also, die mir nichts sagen. Nun spreche ich nicht stellvertretend für alle Besuchenden, aber die Reaktionen beispielsweise bei Instagram hielten sich in Grenzen. Vor ein paar Wochen wurde Makko für Samstag, 22 Uhr, bestätigt. Auch diesen Namen habe ich noch nie gehört. Und ehrlicherweise bin ich davon ausgegangen, dass die Menschen hinter dem Festival ein wenig mehr Fingerspitzengefühl walten lassen. Beim zeitgleich stattfindenden Appletree spielen immerhin auch Noga Erez oder Kate Nash. Für das Golden Leaves wurde als Überraschung The Notwist geholt. Vielleicht noch eine Band aus dem Rock/Pop-Kosmos wäre stark. Oder ein geiler elektronischer Act - letztes Jahr spielten zum Beispiel Kiasmos eins von zwei Deutschlandkonzerten am Watt.
Nun gut - es ist nicht meine Musik, sie könnte es aber werden (auch wenn ich nicht davon ausgehe). Warum bin ich so enttäuscht? Rap ist zwar so erfolgreich wie nie, aber Neues in diesem Genre verfolge ich null. Vielleicht wäre noch der ein oder andere Act für die Ü30-Leute cool gewesen. Nun gut. Ich werde vorbeischauen, wenn die Festivaldynamik das zulässt und lieber dann ein Urteil fällen. Vorher war man noch nie schlauer!

Daisy The Great fest. AJR
(Ms) Keine Ahnung, wie das vor drei Jahren an mir vorbei gehen konnte. Aber besser später als nie. Und das geht so: Letztens mal wieder Deutschlandfunk Kultur im Auto gehört. Viel Musik läuft da nicht, vielleicht drei, vier Lieder pro Stunde. Aber diese Stücke sind unfassbar gut ausgesucht. Die Menschen in der dortigen Musikredaktion machen einen herausragenden Job!
Dann lief ein Lied, bei dem sich erst mein Kopf und dann mein ganzer Körper im Verhältnis zum Autofahren möglich bewegt hat. Seitdem läuft dieser Track fast im Repeat bei mir. Record Player von Daisy The Great zusammen mit AJR ist der Übeltäter. Richtig starke Popmusik. Wie das arrangiert ist, ist einfach nur genial. Dieses Lied hat einen Sog, wie ich es sonst von Noga Erez kenne, auch wenn die ganz andere Musik macht. Aber der Mitschwingfaktor ist der gleiche. Satter Bass, unglaublich gut übereinander gelegte Stimmen, ein Cello, wenn ich richtig höre. Wie gesagt, der Track erschien bereits 2022 und ich wundere mich nicht, warum er über 95 Millionen Streams bei Spotify hat. Laut aufdrehen, bitte!


Fatoni
(Ms) Eine gute und eine schlechte Nachricht in einem Satz: Hexenschuss beim Aufnehmen neuer Tracks. Fatoni hängt bei Dexter rum und zusammen basteln sie an einem neuen Album. Doch selbst verknackst geht es weiter und hoffentlich kann er einigermaßen schmerzfrei am Sonntag im Norden beim Watt En Schlick spielen. Auf diesem Wege schon mal gute Besserung. Doch mindestens eine gute Nachricht gibt es obendrauf: Kommendes Frühjahr geht Fatoni wieder auf Tour - also solo und mit eigenen Tracks! Wenn das nicht mal eine phantastische Nachricht ist. Bei der Tour im März wird es frische Musik das erste Mal live zu hören geben, vor Album-Veröffentlichung (wenn die Logik mich nicht täuscht), umgarnt vom Besten, was er bislang gemacht hat. Der Vorverkauf hat gestartet und es könnte einfach richtig stark werden!

05.03. - Erlangen, E-Saal
06.03. - Wiesbaden, Schlachthof
07.03. - Münster, Sputnikhalle
12.03. - Wien, Arena
13.03. - München, Muffathalle
14.03. - Stuttgart, Wagenhallen
19.03. - Köln, Carlswerk Viktoria
20.03. - Hannover, Capitol
21.03. - Hamburg, Große Freiheit 36
28.03. - Berlin, Columbiahalle


Das Paradies
(Ms) Wie man einen Song schreibt, das weiß ich wirklich nicht. Überhaupt keine Ahnung habe ich davon. Okay, einen schönen Text könnte ich vielleicht auch irgendwann mal schreiben, aber was das musikalische Arrangement anbelangt - das ist mir ein Buch mit sieben Siegeln. Bei einem Kettcar-Konzert plauderte auf einmal Marcus Wiebusch in ungeahnter Plauder-Manier davon, welche Akkorde gut zueinander passen, um einen geschickten Bruch zu erzeugen. Sowas halt. Geschickt ist auch, was Florian Sievers auf dem neuen Das Paradies-Lied macht, das heute erscheint. Der Spuk, Der Uns Verbindet heißt das Stück und es ist wunderschön! Am schönsten ist das gezupfte Akustikgitarren-Motiv, das sich durch das gesamte Lied zieht. Es hört nie auf, weder in den Strophen noch im Refrain noch in der Bridge noch in allem, was zu einem guten Stück gehört. Das ist doch richtig gut gemacht, oder? In meinen Augen ist das ein ganz wunderbares Liebeslied, nicht an jemand spezielles adressiert, sondern ein Lied über die Liebe und über all seine Synonyme. Ich könnte damit aber auch völlig falsch liegen. Egal, was der Song bedeutet - er ist großartig arrangiert und berührt mich auf eine herrlich sanfte Weise.
Das neue Paradies-Album Überall, Wo Menschen Sind erscheint am 26. September.

11.11. - Berlin, Kantine am Berghain
12.11. - Dresden, Societätstheater
13.11. - Hamburg, Nachtasyl
14.11. - Bremen, Lagerhaus
15.11. - Osnabrück, Kleine Freiheit
19.11. - Stuttgart, Merlin
20.11. - Düsseldorf, Zakk
21.11. - Bochum, Schauspielhaus
12.12. - Erfurt, Franz Mehlhose
13.12. - Rostock, Peter-Weiss-Haus


Orbit
(Ms) Electro - entweder es knistert sofort oder gar nicht. Bei Orbit hat es ziemlich schnell geknistert und das liegt nicht nur an der großen Vielseitigkeit im Sound seiner Musik, sondern auch in der Energie, die seine Lieder rüberbringen. Es kann mal recht lagerfeuerig zugehen und direkt danach die Ekstase auf die Tanzfläche bringen. Das ist richtig stark gemacht - das eine bietet eine geschickte, verträumte Pause vom anderen. Genauso klingen seine beiden Singles, die er heute veröffentlicht hat. Youth ist ein großartiger Knaller, der sehr schnell einen enormen Sog entfacht! Summertime bringt einen wieder etwas runter, man könnte sogar innehalten. Wie gut ist das denn bitte?! Es ist so gut, dass Orbit schon seit vielen, vielen Jahren unterwegs ist und die verschiedensten Festivals und Clubs bespielt. In diesem November kommt sein erstes Album raus Countless Feelings But So Few Words raus und wird den Herbst erhellen - versprochen!

Freitag, 25. Juli 2025

KW 30, 2025: Die luserlounge selektiert

Quelle: pixabay.com
(Ms) „Eine Demokratie darf nicht so tolerant sein, dass sie diejenigen schützt, die sie zerstören wollen.“
Ein hochaktuelles Zitat, das aber gut 90 Jahre alt ist. Karl Loewenstein hat diesen Gedanken festgehalten, als die Weimarer Republik nicht so standfest war, wie man es sich gewünscht hat. Gelesen habe ich diesen Satz in Rausländer, dem aktuellen Buch von Waslat Hasrat-Nazimi. Sie zeigt sehr deutlich auf, was in den letzten Jahren schief gelaufen ist. Dass der Umgang mit der AfD schreiend falsch läuft (vielen Dank an das Zentrum für Politische Schönheit in diesem Zuge), dass Rassismus nie weg war, sondern einfach immer nur anders aussah und mit verschiedenen Begriffen hantierte und dass deren Agitation viele Menschen direkt betrifft. 25% unserer MitbürgerInnen haben eine internationale Familiengeschichte (was ich übrigens für einen ganz tollen Begriff halte). Diese Menschen halten sich zum Teil bereit, das Land zu verlassen, das ihnen einst viel versprochen hat. Wie grausam. Das dürfen wir nicht zulassen. Wir dürfen Nazis, der AfD, der Intentitären Bewegung und all der braunen Soße nicht die Deutungshoheit überlassen und schon gar nicht sollten wir ihr Vokabular übernehmen. Die Partei mit dem blauen Hintergrund und dem roten Pfeil sollte dringend verboten werden. Und zwar aus einem einzigen Grund: Um unsere Verfassung zu schützen und dass hier niemand in Angst leben muss.

Christin Nichols
(Ms) Was für ein Geschenk ein kreativer Geist ist! Nicht nur für die Person, die ihn umgibt, sondern auch für alle anderen. Denn immer Neues gibt es dann zu bestaunen. Letztes Jahr veröffentlichte Christin Nichols ihr Album Rette Sich Wer Kann und es lief ordentlich rauf und runter bei mir. Citalopram oder der Titeltrack mit Fatoni sind satte Ohrwürmer! Nun legt die Musikerin mit einer neuen Single nach. Unsterblich heißt der Song, der mit treibenden Gitarrenriffs überzeugt und Popmusik ziemlich geschickt arrangiert, indem sie sich prägnanten Rockelementen bedient, die den Track richtig nach vorne bringen! Ein Lied, das bestärkt, alle Kämpfe zu kämpfen, die das Leben bereit hält. Die großen und kleinen und einige davon muss man halt alleine bestreiten. Diese Zeilen zeigen, dass sich die Anstrengungen lohnen! 


Lovehead
(Ms) Vor sechzehn Jahren, da war ich neunzehn, war ich auf sechs Festivals im Sommer. Jedes Wochenende meiner Sommerferien war ich irgendwo. Richtig geil! Heute suche ich mir für den Sommer ein gutes Festival aus, auf das ich richtig Bock habe. Dieses ist das dritte Jahr hintereinander, wo es das Watt En Schlick in Dangast am Jadebusen ist. Nächste Woche ist es soweit. Die Vorfreude steigt. Dabei war das längere Zeit gar nicht so. Das Line-Up hat mich zu großen Teilen nicht überzeugt. Doch dieser Tage wuselte ich so ein wenig durch den Garten, hörte mir eine Playlist des Festivals an und dann machte es WOW! Was ist das denn bitte?! Warum knallt das denn so ungeheuer gut? Und warum um alles in der Welt kannte ich das noch nicht?! Achja: Deshalb gehe ich ja auch hin, um Neues kennenzulernen. Es geht um das österreichische Trio Lovehead, das so unfassbar gute Lieder schreibt, dass da noch eine große Zukunft liegt - versprochen! Geht in Richtung Kapa Tult, etwas kantiger im Sound, etwas wütender, aber ein genauso großer Tritt gegen alle Typen, die Grenzen überschreiten. Am 3. August um 19 Uhr auf der Paletten-Bühne wird diese Band stehen, ich davor - es wird super! 


The Alien Dub Orchestra
(Ms) Seltsam, das mit Mitte 30 zu schreiben, ist aber so: Je älter man wird, desto sorgfältiger sucht man sich die Festivals aus, die man besuchen möchte. Und es kommen immer welche dazu, die für ihr geniales Line-Up bekannt sind. Je kleiner und spezieller, desto mehr Gutes gibt es zu entdecken. Und wenn die Acher-Brüder von The Notwist ein eigenes Festival veranstalten, sollte man hellhörig werden. Die Alien Disko fand zuletzt im Dezember letzen Jahres im Volkstheater München statt. The Alien Dub Orchestra haben dort zwar nicht gespielt, kommen aber aus dem gleichen Kosmos. Bike Ride ist die aktuelle Single aus dem Album Plays The Bradminster Songbook, das am 19. September erscheinen wird. Hypnotisierende Bass-Klänge, psychedelischer Gesang und Rhythmen, die sich schnell ins Unterbewusstsein schleichen. Kurz: Genial!


Automatic
(Ms) Alles Retro, oder was? Ach, Quatsch! Es wäre ja viel zu leicht, wenn man sagt: „Ja, das kennt man ja von früher alles.“ Glaube ich nicht. Wenn Automatics neue Single Mercury läuft, könnten leichte 80er-Vibes durch den Raum stromern, ja. Aber die Coolness dieses Trios sucht man vergeblich in der Vergangenheit. Der herrlich mäandernde Bass und eine gewisse Abgezocktheit, die sich in der Art zu singen und den Track zu arrangieren, breit macht. Dazu fängt der Kopf von ganz alleine an zu wippen. Ihr neues Album Is It Now? erscheint am 26. September, wie so viele geniale Alben dieses Herbstes. Holt die Tanzschuhe raus!


Berliner Doom
(Ms) Wie geil, dass Musik immer im Wandel ist, oder?! Ständig entstehen neue Sounds, werden bestehende Rhythmen und Melodien aufgebrochen und neu arrangiert. Menschen experimentieren mit unterschiedlichen Instrumenten und bringen verschiedene Spielarten zusammen. Bei Berliner Doom macht das richtig viel Spaß. Es ist der Sound der 80er in einem düstereren, neueren, nicht so abgewetzten Sound. Die Lieder sind kurz, der Klang sehr präzise, die Sprache nicht festgelegt. Deutsch, Englisch, Französisch. Alles ist dabei. Auf der neusten Single Rennes geht es um die Jugend. Eine Minute und 35 Sekunden zum Tanzen, Schwelgen, Aufbegehren. Richtig stark, richtig geil, macht sehr viel Lust auf mehr. Gut, dass am 19. September ihr Album Notre Doom erscheinen wird. Da lauert Großes!

28.10. Berlin, Schokoladen
29.10. Stuttgart, Werkstatthaus
22.11. Bochum, Kontaktfeld Festival


Heisskalt
(Ms) Es gibt etwas zu feiern! Wenn eine Platte als Vinyl lange Zeit nicht zu haben ist, ist das in der Regel ein sehr gutes Zeichen. Sammlerstücke und Erfolg der jeweiligen Band. Wenn eine Gruppe dann nach mehreren Jahren Pause genauso kraftvoll und energiegeladen zurück kommt, wie sie vorher schon klangen, geht es steil durch die Decke. Vom Stehen Und Fallen von Heisskalt kam vor über zehn Jahren raus und als Schallplatte gab es sie lange nicht mehr. Das ändert sich nun - ab dem 5. September gibt es das Ding wieder zu kaufen und die Band ist zum gleichen Zeitraum wieder auf Tour. Clever, dass sie Nicht Anders Gewollt nochmal neu aufgenommen haben und ihren Support-Act der Tour Nikra als Feature-Gast darauf geladen haben. Das scheppert genauso geil auf den Ohren, wie man es erwartet und macht ungeheuer viel Bock auf die anstehenden Gigs! 

04.09. Hamburg, Uebel & Gefährlich
05.09. Osnabrück, Die Botschaft
06.09. Köln, E-Werk
07.09. Wiesbaden, Schlachthof
09.09. Stuttgart, Liederhalle
10.09. Dresden, Stromwerk
11.09. Jena, Kassablanca
12.09. Erlangen, E-Werk

Dienstag, 22. Juli 2025

Die luserlounge selektiert den Sommer

Quelle: pixabay.com
(Ms) Völlig selbst überrascht fand ich mich in den letzten Wochen wieder in der Suche nach einem guten Radiosender für mich. Welcher Sender spricht mich mit seinem Programm am meisten an? Was kann ich einfach so einschalten und weiß, dass das, was läuft, zu mir passt? Musikalisch dachte ich länger, dass es Radio21 war, das entpuppte sich aber als riesiger Quatsch, weil dort die gleichen zehn Lieder in Endlosschleife laufen und die ModeratorInnen gesellschaftspolitisch noch weit zurück hängen. Dann war es für eine Phase NDR Kultur, aber das war mir schlussendlich musikalisch zu klassisch. Jetzt hoffe ich die Suche beendet zu haben mit Deutschlandfunk Kultur. Erstens ist die Musik großartig, super vielseitig und sehr aufgeschlossen. Dazu sind die Sendungen überraschend vielseitig und vor allem sind die Menschen am Mikrophon unfassbar gut informiert und, was noch viel geiler ist, sie können sehr, sehr gut über ihre Fachbereiche sprechen. So habe ich am Sonntag gut eineinhalb Stunden eine Sendung gehört, in dem es um einen Vergleich verschiedener Aufnahmen der Schottischen Sinfonie von Felix Mendelssohn-Barholdy ging. Ich kenne mich null mit dem Komponisten aus, aber wie die beiden RednerInnen darüber sprachen, war total beeindruckend. Später wurden noch die aktuellen Nada Surf-Konzerte beworben. Was will man mehr?! Eben! Achja… wir haben da auch noch was:

Florian Paul & Die Kapelle Der Letzten Hoffnung
(Ms) Musik für bestimmte Jahreszeiten - klingt auf der einen Seite irgendwie sinnvoll, auf der Anderen aber auch etwas quatschig, oder? Dass das ganze viel Sinn ergibt, lässt sich im Sommer am besten spüren. In zwei Wochen Urlaub in den Bergen ist große Entspannung eingetreten, einfach den Moment genießen, keine Pläne und Sorgen haben, ein bisschen den Gedanken nachhängen, die wie die wenigen Wolken am Himmel so vorbeiziehen. Dazu passt Erstmal Für Immer von Florian Paul & Die Kapelle Der Letzten Hoffnung. Ein sanfter, lässiger Track über die vielleicht große Liebe, übers Vermissen, übers Träumen. Mehr ist es nicht, aber das ist genau richtig zu Zeiten, in denen im Kopf einfach nicht so viel passiert. Ein toller Track des sympathischen Sängers, der im Video dazu lässig durch die Schweiz spaziert.


Young Rebel Set
(Ms) Ist der Begriff Brit-Pop eigentlich außerhalb von Oasis in diesen Tagen noch zulässig? Gitarrenpop von der Insel - wenn es man es dabei belässt, geht das selbstredend klar. Für mich schwingt damit auch immer ein bisschen Pathos mit und eine Art des Mitgerissenwerdens, die sich schwer erklären lässt. Höre ich Anchorage von Young Rebel Set, ist das mindestens für die Hälfte des Tracks lässig, aber mehr auch nicht. Doch je weiter der Song voran schreitet, desto mehr Power entwickelt er und somit wird es plötzlich ganz spannend! Wie machen die das? Liegt es an den E-Gitarren, die immer mehr durchscheinen, am Solo zwischendurch? Es entsteht mehr Dynamik und Dampf und so wird aus einem scheinbar unscheinbaren Lied ein ziemlich geiles Brett! Dabei hätte niemand so richtig gedacht, dass diese Band überhaupt nochmal neue Musik raus bringt, nachdem ihr damaliger Sänger vor sechs Jahren verstarb. Doch da schwirrte noch etwas, der Song entstand schon 2012 und wurde jetzt nochmal neu aufgenommen. Die Band ist zurück, bringt mit Sun am 5. September eine neue EP raus und kommt auf Tour - alle hin da!

15.09. Langenberg, KGB
16.09. Essen, Zeche Carl
17.09. Bremen, Tower
18.09. Osnabrück, Kleine Freiheit
19.09. Kaiserslautern, Kammgarn
20.09. Köln, Gebäude 9
21.09. Wiesbaden, Schlachthof
23.09. München, Ampere
24.09. Reutlingen, franz.K
25.09. Hannover, Musikzentrum
26.09. Hamburg, Molotow (Restkarten)
27.09. Berlin, Frannz Club (ausverkauft)


We Are Scientists
(Ms) Regelmäßig trauere ich den 00er-Indie-Jahren hinterher. Es war einfach so prägend, dass fast jede Woche ein neues Knaller-Album erschien. Viele große Songs, viele große Bands, viel E-Gitarre. Aber ist das wirklich vorbei? Klar, rein kalendarisch schon. Aber viele dieser Bands liefern ja einfach weiter stabil ab. We Are Scientists zum Beispiel - kaum zu glauben irgendwie. Eine der Bands, über die immer viel gesprochen wurde und die zahlreiche starke Songs schrieben, aber der ganze große Druchbruch kam nie. Egal, Keith Murray und Chris Cain machen einfach immer weiter, hauen Album um Album raus und sind immer auf Tour. Mit dem gleichen Sound von vor zwanzig Jahren, aber er ist halt auch immer noch richtig geil und total frisch. Vergangenen Freitag erschien ihre neue Platte Qualifying Miles und sie haut in dieselbe Kerbe wie zuvor. Allerfeinster Indie-Rock, an dem nun wirklich gar nichts auszusetzen ist und die alten Zeiten sind doch noch nicht vorbei…

04.11. München, Strom
05.11. Erlangen, E-Werk
07.11. Dresden, Beatpol
09.11. Mainz, Schon Schön


Pendulum
(Ms) Die Nacht zum Tag machen - eine etwas abgedroschene Floskel, aber vor 14 Jahren gab es einen sehr einprägsamen Moment, der das einfach umgesetzt hat. Beim Open Flair spielten Rise Against eine exklusive Deutschlandshow am Sonntagabend. Danach gingen schon einige Leute und bauten ihre Zelte ab. Und begangen einen schweren Fehler. Denn danach spielten noch Pendulum und das war einfach von einer anderen Welt. Plötzlich wurde es taghell, so viele Strahler standen auf der Bühne und die Band hat einen Sound auf die Bühne gebracht, das war irre! Harter Rock, derbe Synthie-Sounds, extrem satter Bass, kaum Momente zum durchatmen. Wem vorher nicht das Trommelfell geplatzt ist, das war dann der Moment. Lange war es ruhig um die Band, es gab ein paar vereinzelte Auftritte, jetzt folgt ein neues Album. Interims erscheint am 22. August und ballert den Sommer nochmal so richtig durch. Diese Musik am besten laut erlebt werden. Save The Cat geht in genau die selbe Richtung wie damals und die Energie ist genau die gleiche - Wahnsinn!

14.10. Berlin - Columbiahalle
23.10. Köln - Palladium
24.10. Offenbach - Stadthalle
25.10. Stuttgart - Porsche Arena


Grandbrothers 
(Ms) Wir erleben zwar momentan den Zenit des Sommers, doch insbesondere aus Konzertgängerperspektive lohnt sich der Blick in den Herbst immer in besonderem Maße. Die Clubs und Hallen werden wieder reichlich bespielt, man kommt fast in Terminnot, muss sich zwischen zwei Gigs am gleichen Abend entscheiden. Wenn ich aber bei einer Entscheidung Abhilfe leisten kann, dann ist es diese hier: Nicht wann oder wo ist hier wichtig. Sondern nur das Ob. Und das muss mit einem klaren Ja beantwortet werden. Denn ein Konzert wie die Grandbrothers es aufziehen, gilt es unbedingt zu erleben. Hier entstehen Klänge und Welten zwischen Digitalem und Analogem, die ich so noch nie erlebt habe. Mit ihrer neuen Single Fable öffnen sie sich das erste Mal auch Soundstrukturen, die nicht nur an dem Klavier erzeugt werden und reichern ihrer eigenen Musik weitere Facetten an. Es lässt sich tief in diese Sphären eintauchen und das ist einfach nur wunderschön und lohnenswert. Am 26. September veröffentlichen sie mit Elsewhere ihre neue Platte und sind dann für einige Auftritte unterwegs. Also nochmal: Unbedingt hingehen, es wird großartig!

31.10.2025 - Botschaft, Osnabrück
01.11.2025 - Stadthalle, Köln
02.11.2025 - Schlachthof, Bremen
05.11.2025 - Gruenspan, Hamburg
06.11.2025 - Huxleys, Berlin
07.11.2025 - UT Connewitz, Leipzig
19.11.2025 - Konzerthaus, Wien
19.11.2025 - Muffathalle, München
01.03.2026 - Theater, Münster


Low Key Orchestra
(Ms) Man liest: Band XY hat eine neue Single am Start und das Gehirn geht dann einen eigenen Weg und spukt einem vor, wie das dann klingen mag. Die grauen Zellen arbeiten passiv und aktiv gleichzeitig, aber eine Erwartungshaltung ist schnell zusammen gebastelt. Umso besser, wenn sie dann recht klar gebrochen wird mit einem Sound, der dem Vorherigen so gar nicht entspricht aber dennoch total gut ins Gesamtbild passt. So macht es Sönke Torpus, der sein Solo-Projekt Low Key Orchestra nennt, auf seiner neuen Single Too Shy To Show. Wie er da mit Rhythmen spielt, ist einfach nur großartig und macht ungeheuer viel Spaß und ergänzt den vorherigen Track Maybe Words ganz phantastisch! Es werden noch mehr Lieder in diesem Jahr kommen und ich bin ganz glücklich darüber, dass somit noch viele Überraschung auf mich warten. Bevor er mit Band auf eigene Tour geht, eröffnet er für Young Rebel Set auf deren Konzerten die Abende (s.o.).

02.10. Langenberg - KGB
03.10. Schmalförden - Kulturgut Ehrenburg
04.10. Köln - Die Wohngemeinschaft
07.10. Dresden - Societaetstheater
08.10. Berlin - Schokoladen
10.10. Klanxbüll - Charlottenhof
11.10. Hamburg - Knust



Freitag, 27. Juni 2025

KW 26, 2025: Die luserlounge selektiert

Quelle: en.wikipedia.org
(Ms) Die Tür klingelt, ich geh ran: „Was hast du denn für eine Verbindung zu Schweden“, fragt die Postbotin. Ich denke ein paar Sekunden nach, checke, dass ich ein völlig ausgewaschenes Friska Viljor-Shirt trage und wir kommen ins Plaudern. Sie hat ein paar Jahre in Schweden gelebt, kennt die Band und überreicht mir sogar eine Platte, was sie mit dem Wort nice kommentierte.
Kurzzeitig dachte ich letztens drüber nach, ob ich die alten Bandshirts, die schon zerrissen, kaum zu erkennen und völlig klobig sind, aussortieren soll. Wenn das nicht ein Wink des Schicksals ist, weiß ich auch nicht… 

Black Sea Dahou
(Ms) Der Mensch braucht etwas, das ihm Halt gibt. Für viele ist das sicher eine Religion. Für viele bestimmt auch die Kunst. Sie baut auf, hält und tröstet auch. Sie trägt durch leichte wie schwere Zeiten. Ganz schwere Zeiten hat Janine Cathrein erlebt. Sie Sängerin von Black Sea Dahu verlor vor drei Jahren unerwartet ihren Vater. Natürlich brauchte es Zeit, um das zu verarbeiten. Wie hart aber auch wie schön, dass sie die Musik als Vehikel nutzen kann, um auf ihrer neuen Single One Day Will Be All I Have über ihn und den Prozess zu singen, mutig in die Zukunft zu blicken. Ein seichter, folkiger Song, auf denen Bläser zum genau richtigen Zeitpunkt glänzen. Zudem gibt es dazu eine tolle Live-Aufnahme, auf der die Zartheit des Kontrabasses so wunderbar erklingt und wenn ihre Band sie am Mikrophon unterstützt, ist die Gänsehaut vollständig. Der Track ist zudem die Ankündigung eines neuen Albums! Everything erscheint am 20. Februar 2026! Die traurig-schöne neue Single gibt es im Sommer hier live zu hören:

09.07. Bremen – Breminale
13.07. Saarburg – Kaserne
16.07. Freiburg – Zelt-Musik-Festival
17.07. Karlsruhe – Tollhaus
18.07. Dresden – Tante JU
19.09. Bernau bei Berlin – Inselleuchten An Neuen Ufern
06.08. Hamburg – Musikpavillon Planten und Blomen @ Draußen im Grünen
07.08. Hannover – Sommernächte im Gartentheater
08.08. Essen – Zeche Carl


Schreng Schreng & La La
(Ms) Wahnsinn, wenn eine Band es geschafft hat, am Klang der Gitarre erkannt zu werden. Die Wärme, das leicht schleppende Tempo, die Intensität von Lasse Paulus‘ Gitarrenspiel bei Schreng Schreng & La La sind wirklich richtig markant! Zum endenden Sommer, am 29. August, veröffentlicht das Duo sein neues Album Catch & Release. Mit Fuck The City ist nun die erste Single zu hören und sie klingt so warm wie eh und je. Jörkk Mechenbier singt uns darauf wieder Geschichten, in denen wir uns alle wiederfinden können. Er hat stets die Gegenwart und den Blick in die Zukunft in seinen Texten im Fokus und wie sie miteinander zusammenhängen. Auch wenn es insgesamt da draußen gar nicht so rosig aussieht, ist es doch halb so wild, solange wir uns haben und füreinander da sein. Mag abgedroschen klingen, aber bei der aktuellen Weltlage fällt mir auch kein besseres Rezept ein. Daher sind diese Zeilen mit diesem Klang genau das Richtige - und dafür hatten die beiden doch eh schon immer den richtigen Riecher. Ich glaube, dieses Album wird ein großer, warmer Trost werden.

27.06.25 Düsseldorf, 4 Linden Open Air
Geht weiter!


Ghostwoman
(Ms) Ist es nicht großartig, dass trotz fehlendem Musikfernsehen immer noch so viele großartige Musikvideos produziert werden?! Ich freue mich bei jeder Single drauf, wenn für sie ein gutes Video erstellt wurde, nicht nur diese Lyric-Abspulungen. Für Levon, dem neuen Track von Ghostwoman hat Ryan Faist als Regisseur eine wahnsinnig gute Idee gehabt. Es ist lange her, dass ein Video so gut zu einem Lied passte! Leicht schleppend treibt dieses Album voran und ein Typ, der auf einer Terrasse eines verlassenen Wohnwagens das Messerspiel spielt, könnte nicht besser passen. Im Takt von Ille Van Dessels Schlagzeug haut er die Klinge ins Holz, um bloß nicht die eigenen Finger zu treffen. Phantastisch! Levon ist die zweite Single aus Welcome To The Civilized World, das am 5. September erscheinen wird. Dabei war die Idee zum Track schon länger da, nur haben Evan Uschenko und Ille Van Dessel ihn wieder aus der Schublade geholt, um ihn abgewandelt fertig zu stellen. Die Solo-Gitarre tut dem Track sehr gut. Wer die Möglichkeit hat, dieses Duo live zu sehen, sollte es tun. Nehmt euch Gehörschutz mit, live wird es wesentlich doller und intensiver als auf Platte, aber auch richtig richtig geil!

10.11.2025 - Gebäude 9, Köln
11.11.2025 - Molotow, Hamburg
12.11.2025 - Festsaal Kreuzberg, Berlin
13.11.2025 - Moritzbastei, Leipzig
15.11.2025 - Loft, Wien
17.11.2025 - Live/Evil, München
18.11.2025 - Manufaktur, Schorndorf
19.11.2025 - Bogen F, Zürich

Freitag, 20. Juni 2025

KW 24, 2025: Die luserlounge selektiert

Quelle: de.wikipedia.org
(Ms) Ist Magnum vielleicht das geilste Eis, das es gibt? Dürfte ich das bestimmen, gäbe es von meiner Seite aus ein klares Ja in diesem Punkt! Wichtig ist der Stiel, kein ewiges Rumprökeln in der völlig vereisten Dose. Dazu die äußerst charmante Schokohülle und oft was richtig Geiles innen drin. Klarer Platz 1 im Eisbusiness überhaupt! Die einzigen Abstriche sind halt beim Preis zu machen und da lohnt ein Blick nach links und rechts. Denn es gibt wohl keine Marke, die von irgendwelchen Hausfirmen der großen Lebensmittelkonzerne nicht nachgemacht wird, wenn sie nicht sogar von der gleichen Produktionsstrecke kommen. Ausprobiert habe ich die Gut&Günstig-Magnums und die aus dem Aldi unter dem sympathischen Namen Mucci. Das Rennen geht glasklar an Aldi, weil die Schokolade unsagbar schmackhaft ist, ein tolles Kühlerlebnis. Das Eis in der G&G-Variante ist zudem gar nicht mal so super.
Also: Bitte für den kleinen Service-Rat am Rande!

Naked Lunch
(Ms) Bei all dem Schrecken auf der Welt, den ich in seinem irren Tempo gar nicht mehr aufnehmen kann, gibt es dennoch Nachrichten, die das Innere im Herzen aufblühen lassen. Für nicht möglich habe ich es gehalten, dass es nochmal neue Musik von Naked Lunch geben könnte. Was für eine tolle Nachricht - was für ein Song, den uns Oliver Welter da mit seiner neu besetzten Band schenkt! Vor zwölf Jahren ist mit All Is Fever ihr letztens Studioalbum rausgekommen, nun folgt To All And Everyone I Love! Es ist nichts anderes als eine intensive, warme, umarmende Hymne an den humanistischen Kern, der uns Menschen ausmachen sollte: füreinander da sein, sich unter die Arme greifen, das Leben genießen, Herz zeigen. Oder wie der Pressetext es hervorragend trifft: „Eine Hymne der hemmungslosen Empathie!“ Ja, man! All das steckt in Oliver Welters Stimme - die schiere Verzweiflung, aber auch die unendliche Dankbarkeit. Vor knapp zwanzig Jahren hat diese Band mit This Atom Heart Of Ours mein Herz erobert, nun geht die Reise weiter - wie wunderschön! Ein Zeichen, dass wir nicht verzagen sollten! 

16.01.26 Steyr - Röda
17.01.26 Ebensee - Kino
22.01.26 Wien - Arena
23.01.26 Graz - PPC
29.01.26 Innsbruck - Treibhaus
30.01.26 Dornbirn - Spielboden
31.01 26 Salzburg - ARGEkultur
28.05.26 Klagenfurt Festiva
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ClickClickDecker
(Ms) Wer singt da eigentlich? Wem verleiht der Sänger seine Stimme? Ist es seine eigene oder die einer Figur einer Geschichte? Manchmal ist der Grat zwischen Storytelling und persönlichen Texten sehr schmal und manchmal hilft dann der Hinweis, wie es gemeint ist. So ungeschminkt wie auf Rumours & Prospekte klang Kevin Hamann sicher noch nicht. So heißt die neue Single von ClickClickDecker, die auf ihrem Album Wir Sind Uns Noch Nie Begegnet enthalten sein wird (VÖ: 26. September). Ein Lied über den Neuanfang und die Dankbarkeit, diesen ergreifen zu dürfen. Ein Stück, das davon spricht, wie oft sich da jemand verzettelt hat, so viele Pläne hatte, die sich irgendwann alle gegenseitig ausgeschaltet haben, weil es dann vielleicht etwas zu viel wurde. Gut, dass Kevin Hamann mit seinen Mitstreitern aus diesem Geflecht gefunden haben und uns diese wunderbare Musik schenken!

16.10. Kiel, Hansa48
17.10. Hamburg, Knust
18.10. Köln, Artheater
19.10. Hannover, Faust
20.10. Mainz, SchonSchön
21.10. Nürnberg, Club Stereo
22.10. München, Milla
23.10. Leipzig, Naumanns
24.10. Dresden, Groovestation
25.10. Berlin, Lido


Flight Mode
(Ms) Was bleibt von einem Festival übrig? Welche Bilder und Bands speichert das Hirn ab und was ist recht schnell durchs mentale Sieb gerauscht? Welche Erinnerung ist so stark, dass sie sich langfristig festklammert? Meines Erachtens eine spannende Frage, insbesondere wenn wenig Bekanntes zu sehen ist. So vor zwei Wochen beim Fair Weather Fest in Bremen. Ich kannte keine Band und ließ mich am laufenden Band überraschen. Am stärksten hängen blieb die Norwegische Band Flight Mode. Nicht nur weil sie so wahnsinnig sympathisch waren, sondern vor allem wegen ihres warmen Sounds! Der erinnerte mich ab den ersten Takten an irgendwas zwischen Nada Surf und Death Cab For Cutie und da igel ich mich musikalisch sehr gern ein. Dieser Musik wohnt etwas inne, was mich herrlich berührt, tröstet und aufbaut. Daher lege ich allen Lesenden Flight Mode aus Oslo wärmstens ans Herz - sie machen ganz phantastische Musik! 


Hugo Race & Gianni Maroccolo
(Ms) Ein bisschen Gänsehaut gefällig beim Musikhören?! Ist keine schlechte Vorstellung, oder? Wenn der Sound so intensiv ist, leicht unter die Haut geht, der Puls nicht so recht weiß, was er damit anfangen soll aber ein Sog entsteht, der eine mystische Schönheit mit sich bringt. Dass so ein Klang sehr erstrebenswert ist, dachten sich auch Hugo Race und Gianni Maroccolo. Ersterer kommt aus Australien, spielte mal mit Iggy Pop und hat seit den 80ern zahlreiche Alben veröffentlicht. Maroccolo ist italienischer Filmmusikkomponist und beide haben das beste aus ihren Welten für ein gemeinsames Album zusammen getan. The Virgil heißt dies ist strotzt vor dunkler Schönheit, die mit herrlich schweren Melodien, elektronischen Spielereien und experimentellen Gitarren verziert ist. Hier lohnt es sehr, sich zurück zu lehnen und diese Platte zu genießen, am besten über Kopfhörer!


Friedberg
(Ms) Wie gelingt die Überraschung, wenn die Intensität der Realität einen mittlerweile völlig abstumpfen lässt?! Geht mir zumindest ab und an so, wenn ich die Nachrichten lese. Da sind Meldungen dabei, die erschreckend sind, aber nur noch so abgenickt werden, weil es irgendwie überall so aussieht. Aber zurück zur Musik: Wie gelingt da die Überraschung?! Wie bleibe ich am Ball?! Vielleicht mit einem richtig großen Bruch im Sound! Das dachten sich eventuell auch Friedberg, deren aktuelle Single Haha wirklich kaum etwas mit ihrem früheren Klang zu tun hat. Satter, etwas düsterer elektronischer Sound, der fast ein bisschen abschreckend wirkt, aber einen genauso reizvollen Sog entstehen lässt. Das ist wahnsinnig geschickt gemacht und wird sicher auch live ganz hervorragend funktionieren! 

20.06. - Southside Festival
21.06. - Hurricane Festival
22.06. - Traumzeit Festival
24.06. - Kulturzelt Kassel
25.06. - Fusion Festival
18.07. - Lakeside Festival (AT)
02.08. - Watt En Schlick Fest
03.08. - Astalive Festival
09.08. - Picure On Festival (AT)

Freitag, 6. Juni 2025

KW 23, 2025: Die luserlounge selektiert

Quelle: de.wikipedia.org
(Ms) Jetzt mal ganz ehrlich: An dieser Ü-30-die-Gebrechen-kommen-immer-häufiger-Sache ist doch auch ein bisschen was dran, oder? Zumindest ist es geil, wenn es manchmal etwas bequemer ist. Zum Beispiel im eigenen Bett schlafen oder, wenn man von Festivals spricht, zumindest nicht in irgendeinem Zelt auf irgendeinem Acker. Furchtbar! Da ich keinen Van oder Camper habe, ist für das einzige Festival, das ich im Sommer besuche - das großartige Watt En Schlick - eine Ferienwohnung gebucht. Richtig geil! Schön gemütlich schlafen, eine fest installierte Dusche nutzen und ein bisschen mehr Urlaubsfeeling genießen. Wobei ich persönlich zelten schon immer scheiße fand.
Aber egal. Bequem soll es durchaus sein. Da kommen Indoor-Festivals genau richtig! Was für eine super geniale Idee, am Wochenende einen oder mehrere benachbarte Clubs mit Konzerten voll zu packen und man kann da entspannt abhängen, viel Neues entdecken, wird nicht zwingend nass und kann danach einfach entspannt zu Hause nächtigen. Das ist wirklich eine ganz hervorragende Sache! Und wenn so ein Festival dann noch um die Ecke ist, einige der liebsten Clubs da mit machen und es ordentlich Punk und härtere Töne auf die Ohren gibt, dann sage ich: Geil, ich bin dabei! Heute und morgen findet in Bremen das erste Fair-Weather-Fest statt. Gute, unabhängige Adressen des Viertels werden bespielt: das Calavera, die Lila Eule, das Lagerhaus und auch bei Black Plastic, bei Titus und im Eisen (ganz viel Liebe!) finden Konzerte statt. Genial, bis später!

Water From Your Eyes
(Ms) Wo bleibt das Ohr hängen, wenn es neue Musik hört? Was ist das genau, was den einen Track skippen und den anderen lauter drehen lässt? Das würde ich richtig gerne wissen, das sind doch irgendwelche Synapsen, die da hellhörig werden. Der neue Song von Shame beispielsweise interessiert mich null, wobei Life Signs von Water From Your Eyes echt ein krasses Ding ist! Meine Vermutung ist Folgende: Die verspielte, aber dunkle Gitarre öffnet einen Sog, in den ich mich gern hinein ziehen lasse. Dann kommt das Lied mit derart überraschenden Parts daher, das die Neugier bis zum letzten Ton bleibt, was denn alles passieren könnte! Von recht verträumten bis brachialen Parts ist ganz schön viel dabei! Und das macht Musik doch spannend oder?! Wenn sie Schema F durchbricht und mit etwas haften bleibt, das irritiert und genau deshalb laufen bleibt. Das neue Album It‘s A Beautiful Place erscheint am 22. August und könnte echt genial werden!

21.11.25 Köln, 674 FM
24.11.25 Hamburg, Aalhaus
26.11.25 Berlin, Lark
28.11.25 München, Import Export


Yasmo & Die Klangkantine
(Ms) Es kann nicht genug Lieder über das unbeschwerte Leben geben. Es gibt doch echt genug Dinge im Alltag, die nervig und blöd sind. Manchmal habe ich dieses Erwachsenenleben echt satt mit den ganzen Formalitäten und bürokratischen Hürden, die am Wegesrand lauern. Pausen davon sind bitter notwendig und die besten Pausen sind doch die, die gut klingen und richtig viel Leichtigkeit reinbringen. Mit Das Gute Leben haut Yasmo mit ihrer Klangkantine einen ganz wunderbaren Sommertrack raus, der überall laut laufen sollte! Bläser und Sprechgesang - was ist das denn für eine geniale Mischung. Eben! „Lass es mir gut gehen.“ Wohin soll ich mir das tätowieren lassen?!
Das richtig Gute an diesem Track ist, dass er Yasmos Werk super gut ergänzt. Es ist gut und richtig, dass sie eine starke Stimme gegen viele Ungerechtigkeiten ist. Genauso gut ist es, mit ihr das Leben zu feiern! Viel zu oft das Wort gut in diesen Zeilen verwendet - ach Quatsch, das ist halt genau das, was dieses Lied ist!


Chantal Acda
(Ms) Es gibt Musik, die für mich nur über den Klang funktionieren. Das ist immer etwas gemein, wenn mir persönlich der Text dann nicht so wichtig ist, aber es kommt vor. Zum Beispiel immer wenn ich die Musik von Chantal Acda hören. Diese Arrangements, Melodien, Dynamiken und Stimmungen sind so großartig, dass mir echt egal ist, worum es geht. Ihre Lieder sind klanglich so gut gemacht, dass alles andere für mich in den Hintergrund gerät. Das war schon beim tollen Heads so und ihre neue Single Make It Work schafft das in meinen Ohren erneut. Die Niederländerin weiß sehr genau, wie sie mit ihrer Band spielen muss, um solch einen intensiven Sound zu erschaffen: Chöre im Hintergrund, eine schwere Gitarre, Bläser mit tollen Melodien - ein Track, der sich stetig erweitert und immer größer wird. Warm und mächtig. Wow, wie wundervoll kann Musik eigentlich sein?! Wenn am 19. September ihr neues Album The Whale erscheint, wird es ein musikalischer Meilenstein diesen Jahres werden. Das traue ich mich jetzt schon zu sagen!


Die Höchste Eisenbahn
(Ms) Sie können das Schwelgerische, das Verträumte, das leicht Schwermütige. Für die große Leichtigkeit ist Die Höchste Eisenbahn nicht zwingend bekannt. Müssen sie ja auch gar nicht, diese tolle Band hat genug Stärken. Doch, dass sie auch Leichtigkeit können, ist ein großer Beweis eines ganz einzigartigen Songwritings! Dieses Leben heißt ihre aktuelle Single und es ist eine Ode genau auf jenes! Die Ruhe des Schönen, die Liebe, die einen ausfüllt, die pure Eleganz der Natur. Jede Band sollte so ein Stück im Repertoire haben, da es immer gut tut, so viel Kraft zu versprühen und den Blick nach vorn zu richten. Dieses Leben - juhu!


Nina Caroline
(Ms) Vergangene Beziehungen waren nicht zwingend Fehler. In diesen Verliebtheitsphasen fühlte sich ja immer irgendetwas richtig an. Doch oft hat man sich selbst ja was vorgemacht, eine Geschichte aufrecht erhalten, die so gar nicht stimmte. Daher ist es im Nachhinein, wenn diese Beziehungen beendet sind, oft schwer vorstellbar, dass man das alles selbst war. Dass ich mich in diese Person verliebt habe, die mir nicht gut tat. Dass ich das war, der das dennoch lange geglaubt hat. Genau davon singt Nina Caroline auf ihrem neuen Song It‘s Not Me Who‘s Missing You - selten hat ein Titel den Inhalt eines Liedes so gut wiedergegeben. Ein entspannter Indiepopsong erzählt diese Geschichte. Die Künstlerin tritt damit selbst zum ersten Mal mit eigenen Liedern ans Tageslicht. Mit 11 gewann Nina Caroline bei KIKAs Dein Song, später ging sie zum Musikstudium nach England, sie schrieb schon mit anderen KünstlerInnen zusammen doch dies ist der erste Track, der ihren eigenen Namen trägt und dazu noch so ein schöner! Im Herbst folgt eine EP und man darf sehr gespannt sein, wohin diese tolle Reise noch geht

Freitag, 30. Mai 2025

KW 22, 2025: Die luserlounge selektiert

Quelle: de.wikipedia.org
(Ms) Arbeit soll keine lästige Unterbrechung der Freizeit sein. So oder so ähnlich hat der Bundeskanzler es in letzter Zeit mehrfach geäußert. Das Land wirtschaftlich mit mehr Arbeit voran bringen. Was für eine Wirtschaftswunderjahrementalität ist das denn bitte!? Und was für ein verzerrter Blick auf die Realität schwingt da denn bitte mit?! Herr Merz soll das mal den Kolonnen an Amazon-Lieferanten sagen, die wegen eines völlig krank gewordenen Konsumdenkens tagelang unterwegs sind. Oder Pflege- und Reinigungskräften. Oder Handwerkern, die alle einen tollen, aber wahnsinnig anstrengenden Job machen. Oder den Leuten, die hier gerade in allen Ortschaften die Glasfaserleitungen verlegen, 12, 13, 14 Stunden am Tag über einen Subsubsubunternehmer. Vielleicht könnte man die Probleme ja mal dort beheben, wo sie wirklich sind. Ich kann mir kaum vorstellen, dass es so viele faule Leute gibt, wirklich nicht! Und wenn es dem Staat an Geld fehlen sollte, dann könnte man ja mehr Steuerfahnder einstellen, die Reichen mehr zur Kasse bitten und die ganzen Bankenarschlöcher, die mit Cum Ex die Staatskasse geplündert haben, zur Rechenschaft ziehen. Aber es ist ja immer einfacher nach unten als nach oben zu treten. Insbesondere, wenn der Kanzler selbst von sehr weit oben kommt.

Betti Kruse
(Ms) Lässigkeit ist ein 10-Buchstaben-Wort. Und dieses Lied hier ist musikgewordene Lässigkeit! Es ist der Soundtrack für entspannte Tage mit guten Menschen bei sonnigem Wetter und die Zeit verfliegt und es ist völlig egal, dass sie das tut. Das spielt alles keine Rolle, denn das Wird Schon Gutgehn. Genau das singt uns Betti Kruse hier in einem großartigen Soundgewand! Hier sind Bläser, satte Bässe, fetzige Gitarren und ein Schlagzeug, das so verspielt ist wie der Text. Darin singt sie uns von einem Tag, an dem so einiges schief geht, aber das ist halt alles auch nur halb so wild! Denn es passieren stets genauso viel gute Dinge! Oft ist die Richtung des Lebens nicht ganz klar, daher gilt es all die wunderbaren, schönen, lustigen, kurzweiligen Momente zu genießen: „Denn eines wird sich nie ändern / Dass das Leben dich bald fickt.“ Recht hat sie! Endlich mal wieder Popmusik, die so unbeschwert und leichtfüßig und auch sehr unterhaltsam ist. Im November erscheint ihre erste Platte, die so wie die Single heißt und dann wird dazu halt drinnen getanzt!


Joe La Truite
(Ms) Achtung, vor diesem Track sollte man kurz - oder doch etwas länger durchatmen -, vielleicht einmal in Ruhe ein Tier beobachten, die Augen schließen, einen Tee getrunken haben. Denn wenn Joe La Truite läuft, dann werden alle Nerven des Körpers beansprucht und sämtliche Reize komplett überflutet. Aber in richtig geil! Die aktuelle Single des französischen Trios heißt Octogone 8000 und ist komplett wahnsinnig! Keine Ahnung, welches Genre das sein soll: Metal, Hardcore, Psychorock?! Egal, die drei Minuten geht es richtig rund und es lohnt sich, das Video dazu anzuschauen. Es offenbart, dass recht wilde, laute Musik durchaus einen unterhaltsamen Aspekt haben kann. Selten habe ich Menschen so aggressiv Schach spielen sehen! Am 13. Juni gibt es noch mehr aus diesem Klangkosmos. Dann erscheint ihre neue Platte mit dem einprägsamen Titel Ultimate Ninja Storm 2: Full Zguen. Noch irgendwelche Fragen?! Ne, ich auch nicht!


Dota
(Ms) Letztens meinte ein Kind aus der 3. Klasse zu mir, ob wir uns nicht ein Video von irgendeinem YouTuber anschauen können, der Bruder sei darin. Pädagogisch wertvoll meinte ich: Okay, am Ende der Stunde, wenn ihr gut mitgemacht habt. Zwischendurch wollte ich dann danach suchen, um das Ganze einmal abzuchecken. Besagtes Video war leider noch nicht online, aber dieser YouTuber hatte sage und schreibe 1,4 Millionen Abonnenten, alle Kinder kannten ihn und ich habe noch nie davon gehört. Aber: Warum auch?! Womit die wertvolle eigene Zeit verschwenden?
Die Tage hing ich erschöpft und kaputt zu Hause auf dem Sofa und das ist ja ganz schlimm, wie oft ich das Handy in der Hand hatte. Spätestens am Mittag kam ja nichts Neues mehr hinzu, der Blick war leer und ich irgendwann auch vollkommen genervt vom Bildschirm. Lieber Ein Gutes Buch zur Hand nehmen und darin versinken. Davon singt auch Dota auf ihrem neuen Song. Wobei, „neu“ relativ ist, sie spielte ihn schon öfter auf ihren tollen Konzerten. Tut der Qualität ja keinen Abbruch. Ein wunderbarer, verspielter Track, der mit einem Schmunzeln die bittere Wirklichkeit behandelt. Was ist nun echt und wirklich wichtig? Das um mich herum oder das auf dem Bildschirm? Es ist eine komische Welt (geworden).
Dotas neues Album Springbrunnen erscheint am 27. Juni und wird diesen Sommer sicher überall aus den Lautsprechern tönen!

07.06. Greifswald – Straze (Springbrunnen Tour)
17.06. Meissen – Albrechtsburg (DOTA singt Kaléko)
27.06. Dortmund – Junkyard Open Air (Springbrunnen Tour)
03.07. Regensburg – Thon-Dittmer-Palais (Springbrunnen Tour)
04.07. Reichertsheim – Fichters Biergarten in Ramsau (Springbrunnen Tour)
05.07. Halle (Saale) – Volkspark Open Air (Springbrunnen Tour)
10.07. Erfurt – Barfüßer Open Air @ Barfüßerruine (Duo)
17.09. Dresden – Alter Schlachthof (Springbrunnen Tour)
18.09. Leipzig - Felsenkeller (Springbrunnen Tour)
19.09. Berlin – Columbiahalle (Springbrunnen Tour)
20.09. Bremen – Modernes (Springbrunnen Tour)
21.09. Hamburg – Große Freiheit 36 (Springbrunnen Tour)
18.11. Erlangen - E-Werk (Springbrunnen Tour)
19.11. St. Wendel – Saalbau (Springbrunnen Tour)
20.11. Stuttgart - Im Wizemann (Springbrunnen Tour)
21.11. Karlsruhe - Tollhaus (Springbrunnen Tour)
22.11. Heidelberg - Karlstorbahnhof (Springbrunnen Tour)
23.11. Darmstadt – Centralstation (Springbrunnen Tour)
11.12. Jena – Kassablanca (Springbrunnen Tour)
12.12. Augsburg - Kantine (Springbrunnen Tour)
13.12. Freiburg - Forum Merzhausen (Springbrunnen Tour)
14.12. Marburg - KFZ (Springbrunnen Tour)
16.12. Aachen – Musikbunker (Springbrunnen Tour)
17.12. Köln – Carlswerk Victoria (Springbrunnen Tour)
18.12. Oberhausen - Druckluft (Springbrunnen Tour)
19.12. Münster – Skaters Palace (Springbrunnen Tour)
15.01. München - Muffathalle (Springbrunnen Tour)
16.01. Wien - Arena (Springbrunnen Tour


HAAi
(Ms) Geduld haben, nicht direkt wegklicken, warten, was da kommt und gespannt sein. Es lohnt sich so oft, mehr als die 30 Spotify-Sekunden zu warten, um wirklich gute Musik zu entdecken. Insbesondere wenn ein Track mal 6 Minuten und 40 Sekunden geht. Umso mehr Zeit, uns Hörende mit auf eine Reise zu nehmen, einen Sound zu entwickeln. Es muss ja nicht alles immer direkt da sein. Es tut auch so gut, das Ohr langsam an die Tiefe der Musik heranzuführen. Dann ist die Überraschung umso größer! Heutiges Beispiel: HAAi und ihre neue Single Satellite, die die Ankündigung ihres neuen Album HUMANiSE ist, das am 10. Oktober erscheinen wird. Ein spannender elektronischer Track mit einzelnen Gesangsparts. Ruhige, sphärische Momente werden von satten Beats und tanzbaren Rhythmen abgelöst oder viel mehr gehen diese Teile geschickt ineinander über. Teneil Throssell, die Künstlerin hinter dem Projekt, gestaltet diesen Song nicht allein, sondern hat sich Jon Hopkins, Obi Franky, Ilā und den Trans Vioces-Chor dazu gehört, um diesen breiten Sound entstehen zu lassen. Die Arbeit hat sich gelohnt - das ist ganz großartig geworden!


My Baby
(Ms) Na Sommer, da hast du eine kleine Pause gemacht, oder? Hast ja auch in den letzten Wochen schon mal gezeigt, was alles so in dir stecken kann, hat mir gefallen. Insbesondere, dass es nun schon bis 22 Uhr abends einigermaßen hell ist - es ist jedes Jahr aufs Neue so toll! Dann sitze ich gern auf dem Balkon und genieße den Blick nach draußen. Mal ist Stille dabei perfekt oder halt kurzweilige Musik fürs entspannte Gemüt! Damit sind wir automatisch bei My Baby aus Amsterdam, die wissen wie das geht. Entspannt, tanzbar, verspielt, leicht psychedelisch! Ihr neues Album Echo erscheint am 11. Juli und sorgt für vielfältige Stimmungslagen - versprochen. Zur Single Smiley Virus gibt es einen ganz hervorragenden Live-Mitschnitt, der zeigt, wie gut diese Band ist. Kaum zu glauben, dass die das zu dritt erschaffen, aber staunt selbst:


Wet Leg
(Ms) Derzeit lese ich Billige Plätze von Rieke Van Kleef, die sehr umfassend und sehr gut aufgearbeitet die Misere um Geschlechtergerechtigkeit im Musikgeschäft beschreibt. Aus meiner Sicht tut sich da in den letzten Jahren sehr viel. Aus Blogger-Sicht kann ich sagen, dass ich auf wesentlich mehr Bands mit FLINTA-Personen aufmerksam gemacht werde. Sichtbarkeit ist die eine wichtige Sache. Qualität die andere. Klar, es gibt auch Bands mit FLINTA, genauso wie mit vier Typen an den Instrumenten, die ich sofort wieder abdrehe, weil schlimm. Hohe Qualität bringen Wet Leg an den Start und das in ganz krassem Maße! Dieses Duo hat sich in echt schneller Zeit weit nach oben gespielt und darf sicher als tolles Beispiel dienen, dass FLINTA mit ziemlich viel Wumms Bühnen zum Beben bringen können. Dieser Tage ist ihre neue Single CPR erschienen und die E-Gitarre kracht in allerbester Manier. Ihre neue Platte Moisturizer, das am 11. Juli erscheint, hat sehr viel Potential das Indierockalbum des Jahres zu werden mit einem Sound, der so lange nicht zu hören war. Das ambivalente Liebeslied werden sie auf einigen Shows dieses Jahr hierzulande noch darbieten!

21.06.2025: Scheessel, Hurricane Festival
22.06.2025: Neuhausen ob Eck, Southside Festival
31.10.2025: Düsseldorf, New Fall Festival
07.11.2025: München, Theaterfabrik
09.11.2025: Berlin, Columbiahalle
10.11.2025: Hamburg, Docks


Ghostwoman
(Ms) Eine der stärksten Neuentdeckungen für mich aus den letzten zwei, drei Jahren ist in jedem Fall das Duo Ghostwoman. Eher durch Zufall sah ich sie vor zwei Jahren auf dem Watt En Schlick, wo mir ihr irrer Sound schon sehr imponiert hat und letztes Jahr dann im Bremer Lagerhaus. Es war sicher eines der lautesten Konzerte, die ich je erlebt habe und war heilfroh, Gehörschutz dabei gehabt zu haben. Es war ein dichter, irrer, energiegeladener Auftritt! Nun legen sie nach! Alive ist die erste Single vom kommenden Album Welcome To The Civilized World, das am 5. September erscheinen wird. In ungewohnt psychedelischer Manier kommt dieser Track daher, der im Video Evan Uschenko und Ille Van Dessel zeigt, wie sie unterwegs sind. Auf einer 12-saitigen Gitarre hat Evan Uschenko einen Sound aus den 60er wieder aufleben lassen wollen und meines Erachtens ist ihnen das hiermit sehr gut gelungen. Ein toller Track, der insbesondere zum Ende hin nochmal ordentlich Fahrt aufnimmt.

10.08.2025 - PALP Festival Rocklette, Bagnes
10.11.2025 - Gebäude 9, Köln
11.11.2025 - Molotow, Hamburg
12.11.2025 - Festsaal Kreuzberg, Berlin
13.11.2025 - Moritzbastei, Leipzig
15.11.2025 - Loft, Wien
17.11.2025 - Live/Evil - München
18.11.2025 - Manufaktur, Schorndorf
19.11.2025 - Bogen F, Zürich

Freitag, 23. Mai 2025

KW 21, 2025: Die luserlounge selektiert

Quelle: de.wikipedia.org
(Ms) Wie, schon Mitte/Ende Mai?! Wie um alles in der Welt ist das denn passiert?! Keine Ahnung, aber die letzten drei, vier Wochen sind wie im Nu an mir vorbei gerauscht. Unter der Woche zieht die Arbeit die ganze Energie, am Wochenende auch manchmal und die Sehnsucht nach Pausen pochert immer wieder deutlich an Herz und Hirn. Dann und wann schaffe ich es aufs Rad. Aber einer der schönsten Momente war Mittwochabend. Ich habe das große Glück, dass ich kaum Nachbarn habe und die Sicht vom Balkon auf die Felder wunderschön ist. Da tummeln sich insbesondere Abends gerne mal ein paar tierische Besucher. Es raschelte und ein paar ungewohnte Geräusche waren zu hören und dann sah ich ihn: Ein Igel tapste durch den Garten auf der Suche nach Nahrung. Wenig später gesellte sich noch ein Reh dazu. Ob die beiden sich kannten?! Es war so ein friedlicher, wunderschöner Moment, ich habe ihn direkt für mich konserviert!  

No Body
(Ms) Beim Macher hinter der Frisch und Haltbar-Playlist habe ich die wohl beste Beschreibung des Albums Loves You von No Body gelesen: Das beste Blackmail-Album seit Jahren! Und das sogar ohne die Ebelhäuser-Brüder aber halt mit Aydo Abays Stimme. Und die wiegt schwer, weil so einprägsam und genial zu dieser Art von Musik passend! Im März kam dieses großartige Album raus, das sich Sascha Wiercinski ausgedacht hat. Jemand, der leidenschaftlich, aber eher für sich Musik macht und Aydo Abay und Thomas Götz von den Beatsteaks für sich gewinnen konnte, um diese Platte rund zu machen. Wie gelungen das ist, ist kaum in Worte zu packen. Diese Dichte, diese Dynamik, diese wunderbare dunkle Seite in der Musik - sie ist wunderschön! Zu Computer Yearbook 72 erschien nun noch ein Video, das das vorzeitige Ende dieses großartigen Projektes markieren soll. Hoffentlich nur vorerst…


The Sophs
(Ms) Zig Mal habe ich an dieser Stelle in Erinnerungen geschwelgt. In einer Zeit, in der Indie so eine wahnsinnige Wichtigkeit hatte. Zumindest für mich, aber sicher auch für die Menschen, mit denen ich am ersten Freitag des Monats auf Eavos Take Me Out-Party war. Eine großartige Zeit. Ein kollektiver Rausch im Club, extrem fein ausgesuchte Clubs und nie enden wollende Nächte. Immer, wenn ich nun Musik höre, die neu ist, aber genau in diese Zeit passt, fühle ich mich in diesen Rausch katapultiert. Heute sind The Sophs dafür verantwortlich, eine ganz frische, junge Band, die mit Sweat ihre erste Single bei niemand anderem als Rough Trade veröffentlichen! Quasi ein Ritterschlag ganz zu Beginn. Erst knarzen ein paar Sounds, dann kommt eine wunderbare Indie-Melancholie an den Start, die sicher niemals an Faszination verlieren wird. Könnte groß werden!


Fazerdaze
(Ms) In meinen Ohren gibt es ein Genre für rauschhafte Fahrten durch Großstädte. Dieses Genre ist aber nicht auf eine klassische Musikrichtung gemünzt, sondern kann ganz unterschiedliche Klangschichten mit sich bringen. Einige Tracks von The Streets zählen für mich genauso dazu wie die neuste Single von Fazerdaze. Passenderweise heißt der Song auch Motorway. Darin sind so viele, groß produzierte Synthies-Sounds, dass die Lichter nur so an mir vorbei rauschen und ich mittendrin bin. Und nicht in irgendeiner beliebigen Großstadt, sondern Metropole. Einmal durchs Ruhrgebiet oder London, diese Größenordnung. Wahnsinn, was Amelia Murray, die Schöpferin hinter diesem Projekt, in Musik packen kann - ein phantastischer Track!


Grandbrothers
(Ms) Ende Oktober 2021 war ich auf einem Konzert, bei dem ich aus dem Staunen und Beobachten voller Neugier nicht mehr rausgekommen bin. Die Grandbrothers spielten in Rotterdam in einem Kino und es war enorm! Zum Glück haben sie nach gut einer Stunde ein wenig erklärt, wie das, was sie auf der Bühne machen, funktioniert. Sie spielen mit einem präparierten Klavier, aber nicht wie bei Hauschka - was auch ganz großartig ist - sondern noch zwei, drei Ebenen weiter gedacht. Im, am, unterm, auf dem Klavier sind derart viele elektronische Spielereien gebaut, dass der gesamte Sound live erzeugt wird. Kaum zu glauben, aber wahr! Zwischen Neoklassik und Techno bewegt sich dieses Duo und sie bringen im Herbst ihr neues Album raus. Mit We Collide ist schon die erste, phantastische Single draußen, die mich mit dem ersten Takt ummantelt und aus dem Alltag trägt. Sanft, behutsam, aber auch bestimmt. Ein Song, der einen Sog erzeugt und davon eine Pause schafft. Das, was die beiden erzeugen, ist richtig große Kunst und ein Besuch bei der anstehenden Tour sei wirklich allen Menschen ans Herz gelegt! Elsewhere erscheint am 26. September!

31.10. - Osnabrück, Botschaft
01.11. - Köln, Stadthalle
02.11. - Bremen, Schlachthof
05.11. - Hamburg, Gruenspan
06.11. - Berlin, Huxleys
07.11. - Leipzig, UT Connewitz
10.11. - Wien, Konzerthaus
19.11. - München, Muffathalle
20.11. - Zürich, Rote Fabrik
01.03. - Münster, Theater


Christl
(Ms) Die Liebe als musikalisches Thema ist ja deshalb so wahnsinnig gut, weil sie nie auserzählt sein wird. Alle Menschen, die im weitesten Sinne ein Liebeslied schreiben, erweitern das Mosaik. Insbesondere der schier unendliche Facettenreichtum macht das Thema so charmant. Denn fast jede Verliebtheit hat auch eine düstere Seite. Eine voller Enttäuschungen, vergebenen Hoffnungen, unausgesprochenen Bedürfnissen, voller Schmerz und Niedergeschlagenheit. Alles das bringt Christl auf ihrem neuen Track Kopf Verdreht zusammen. Ein Track, der ganz großartig arrangiert ist, sich leise steigert. Die Stimme im Vordergrund mit dem tollen Text und zum genau richtigen Zeitpunkt setzt die Band ein und schafft eine tolle, sehr runde Atmosphäre! Wer Christl, so wie ich, vorher noch nicht kannte, denen sei gesagt: hier singt nicht nur eine Musikerin, sondern eine 360°-Künstlerin, die gerade ihr erstes Buch schreibt, Audiovisuelles erschafft, demnächst mit einem Podcast an den Start geht - halt allem, was ihr in den Sinn kommt. Ganz großartig!

Samstag, 17. Mai 2025

KW 20.2, 2025: Die luserlounge selektiert

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Quelle: de.wikipedia.org 
(Ms) Wer hat Angst vor Menschen aus anderen Ländern? Die, die nichts mit denen zu tun haben. Das zeigen nicht nur Studien, sondern auch meine Nachbarschaft. Hier im kleinen niedersächsischen Ort ist das echt krass! Allein stehende Häuser, Gärten, Stihl-Werkzeuge, Engelberg Strauß-Klamotten. Ich nehme mich da mittlerweile nicht mehr aus. Aber gestern meinten doch Nachbarn wirklich: „Ja, stell dir mal vor, da wären Ausländer mit 5 Kindern eingezogen?!“ Ja, wie furchtbar. Oder wie nett. Dann kann man die nämlich kennenlernen, deren Geschichte hören, etwas voneinander lernen, füreinander da sein und gute Menschen um sich herum haben. Das ist ganz leicht. Man sollte halt nur anfangen und zuhören.

Pilod
(Ms) Letztens war ich in Groningen, eine tolle Stadt. Da kam mir der Gedanke, warum ich kaum Musik aus den Niederlanden kenne. Oder aus Belgien und Luxemburg. Da muss ich extrem nachdenken, bis ich was finde. Groningen ist von mir aus näher als Hamburg! Keine Ahnung, woran das liegt. Wäre doch viel geiler, wenn diese politischen Grenzen keine musikalischen sind. So schrieb mich dieser Tage die Band Pilod aus Leuven, Belgien, an. In ihre neue Single Anticipate The Fall habe ich richtig gerne reingehört, weil mir die Intensität sehr gefällt. Es ist ein schwerer Rocksong, der mit Shoegaz-Elementen spielt, um so noch mehr Dichte zu erzeugen. Das Melancholische und Schwere dieses Tracks ist etwas, das uns als Menschen immer wieder anspricht und es ist toll, dass es einen musikalischen Kanal dafür gibt, um all diese Emotionen nach außen ausleben zu können. Die Band bringt noch in diesem Jahr ihr neues Album raus. Für weniger Grenzen!


puls.
(Ms) Aufmerksamkeit ergattern. Als Schreiber ist mir das natürlich genauso wichtig wie für Bands. Nur: Wie geht das eigentlich?! Ganz ehrlich: Keine Ahnung! Aber ein guter Bandname oder ein guter Titel für einen Song landen manchmal schnell im Auge! Zum Beispiel bei der Kölner Band puls. . Klein und mit Punkt! Ähnlich wie bei Portugal. The Man. Realität heißt die neuste Single dieser Band und eröffnet mit Worten, die wir alle kennen: „Hallo Realität / Es ist nicht schön, dich gerade zu sehen“. Ist halt wirklich so. Wie oft habe ich keine Lust auf diese ganzen Erwachsenensachen, Versicherungen, Finanzierungen, Absicherungen, für alle da zu sein. Davon singt die Band mit wuchtigem Sound auf diesem Stück. Markant ist der Bass, der herrlich satt eingestellt ist. Ein Lied über den zwingend notwendigen Eskapismus, der aber nicht immer erreichbar ist. Dazu sehr derbe Instrumentierung, die mich doll anspricht!


Captain Gips
(Ms) Der prägendste Moment vom Thees Uhlmann-Konzert im Eisen am Dienstag war, dass er eine klare Ansage an alle Typen vor Ort hat: Kümmert euch um euch. Geht zum Arzt. Sucht euch einen Therapeuten. Sprecht mit Leuten über eure Ängste, Unsicherheiten, Sorgen. Wichtiges Thema, richtig wichtig! Und ich glaube, dass unsere Gesellschaft da gerade erst am Anfang eines langen, langen Prozesses ist. Darüber spricht, nein rappt auch Captain Gips auf seiner neuen Single King, die auf der Meuterei Til I Die-EP vor kurzem erschienen ist. Captain Gips ist seit jeher starke Stimme, wenn es darum geht, auch mental wichtige Themen anzusprechen. Dass das dann noch im Rap-Format passiert, ist ja wahnsinnig schlau! Man könnte es Strategie nennen oder es ist halt seine Geschichte, die er in seinem Stil präsentiert. Immer zwischen Ernst und Humor. Was für ein wichtiger Song, der dann noch mit so einem geilen Beat von Jellybeatz daher kommt! 


QUINQUIS
(Ms) Warum Musik ein Teil der Kultur ist, muss man sich manchmal vergegenwärtigen. Ich bin davon überzeugt, dass sie uns Geschichten erzählen kann, die wichtig und lehrreich sind und das auch wahnsinnig unterschwellige Art! Wann würden wir denn schon auf die bretonische Sprache stoßen, wenn wir nicht zufällig in der Bretange wären?! Eben! Ein großer Dank an dieser Stelle an QUINQUIS, die in ihrer aktuellen Single Dec‘h auf Bretonisch singt! Wie geil ist das denn bitte?! Die Künstlerin Emilie Quinquis lebt seit einiger Zeit auf der Insel Ushant und um unabhängiger zu sein, hat sie sich das Segeln beigebracht. So ist ihr aktuelles Album eor, das letzte Woche erschien, eine Platte über die Wogen des Meeres, eine Musik gewordene Reise über Gefahren, Unwägbarkeiten aber auch über Freiheit und Selbstbestimmung. Wie dicht und wertvoll und lehrreich Musik nur sein kann, was für ein Schatz!