Mittwoch, 23. Januar 2019

Live in Dornbirn: Friska Viljor, We Are The City & side effects

Foto: facebook.com/friskaviljorofficial
(sb) Himmelhoch jauchzend, zu Tode betrübt - klingt verdächtig nach bipolarer Störung, ist aber nichts anderes als eine Beschreibung der Musik der schwedischen Band Friska Viljor, die derzeit mit brandneuem Album im Gepäck auf Tour ist und gestern im Conrad Sohm zu Dornbirn Station machte. Mit dabei waren auch ihre Landsleute side effects und als Co-Headliner We Are The City aus Vancover, Kanada - das alles passte perfekt zusammen und sorgte für einen sehr unterhaltsamen Abend in winterlicher Umgebung, bei dem es einem richtig warm ums Herz wurde.

Den Anfang machten side effects aus Stockholm, deren neues Album Some Other Day mein Kollege ms kürzlich hier in der luserlounge rezensierte. Ich habe eben nochmal reingelesen und bin erstaunt, dass die vier Burschen tatsächlich schon Mitte 20 sein sollen. Die schauen so abartig jung aus, wenn sie vor einem stehen! Wie dem auch sei: was die vier da auf der Bühne veranstalten, ist schon sehr stark und wenn Du als Band drei Leute hast, die singen können, dann kommt das natürlich gut. Ich persönlich bewundere es ja extrem, wenn der Drummer neben der Hand-Fuß-Koordination auch noch in der Lage ist, den Leadgesang zu übernehmen. Nicht dass ich auch nur ansatzweise verstehen kann, wie das funktioniert, aber deswegen schreibe ich ja auch, statt es selber zu tun...

 

Leider war das Set der side effects bereits nach 45 Minuten zu Ende, das hätte ich mir gerne noch länger angehört, aber die Herren beehren uns ja sicher bald mal wieder und bis dahin kann man aufs Album zurückgreifen. So wirklich weg waren die side effects dann aber auch gar nicht, denn zuerst verkauften sie fleißig selber am Merch-Stand, ehe sie sich unters Publikum mischten und nichts anderes waren als einfach nur Fans - sehr sympathisch. Und bei Friska Viljor gabs dann sogar noch ein Comeback auf der Bühne!

Es folgten We Are The City und obwohl mir der Name durchaus geläufig war, wusste ich nicht, was mich erwarten würde. Und wow, wie geil war das denn bitte? Seit über zehn Jahren besteht die Band bereits, konnte folglich aus einem ordentlichen Repertoire schöpfen, performte aber auch den bisher unveröffentlichen Track Killer B-Side Music. Was für ein Brett! Wikipedia nennt ihren Stil Progressive Rock, für mich war das gestern einfach nur extrem heißer Schice! Ich habe selten (oder überhaupt noch nie?) einen derart dominanten Drummer erlebt, der Songs von Anfang bis Ende so getragen und geprägt hat, dass die anderen beiden Bandmitglieder (immerhin Gesang/Keyboard und Gitarre) auf der Bühne zu Nebendarstellern degradiert wurden - und das nicht, weil er so laut und erstickend agierte, sondern ganz im Gegenteil: die Kombination aller Einzelteile sorgte für einen Sound, der nicht nur mich, sondern einen Großteil des anwesenden Publikums begeisterte. Leider war auch hier nach einer guten dreiviertel Stunde Feierabend, mit We Are The City werde ich mich aber sicher noch etwas ausführlicher auseinandersetzen und checken, ob die Studioaufnahmen mit dem Live-Erlebnis mithalten können.



Als um 22 Uhr Friska Viljor die Stage des Conrad Sohm betraten, herrschte also bereits beste Stimmung und schon bald wurden mit On And On, Gold und Oh Oh die ersten Höhepunkte erreicht und das Tanzbein wurde mehr (bei anderen) oder weniger (bei mir) gekonnt geschwungen.

So, nun aber zurück zum einleitenden Satz des Artikels, denn nach soviel Partystimmung kam der aprubte Cut, lediglich die beiden Ur-Friskas Daniel und Joakim blieben auf der Bühne und Letzterer erzählte von der Entstehungsgeschichte des aktuellen Albums Broken. Kurz zusammengefasst handelt es von der Trennung Joakims von seiner Familie - angefangen mit den ersten Zweifeln über den Tag, als seine Partnerin ihn verließ, bis hin zur Gegenwart, in der er seine Kinder zwar regelmäßig sieht, die Zeit aber einfach nicht reicht, um ihnen all das zu geben, was er gerne würde. Ich als Vater verstehe das nur allzu gut, denn auch wenn ich meinen kleinen Sohn jeden Tag um mich habe, bricht es mir abends fast das Herz, wenn ich ihn ins Bett bringe und weiß, dass ich ihn jetzt die nächsten zehn bis zwölf Stunden nicht erleben kann.

Es folgten also fünf ruhige, traurige Songs, die einen doch mehrmals schlucken ließen und mitunter auch die Tränen in die Augen trieben. Wie muss man drauf sein, wenn man auf Tour Abend für Abend so einen Seelenstriptease hinlegt? Dass Joakim das noch immer sehr nahegeht, war auch gestern Abend mehr als deutlich und am liebsten wäre man auf die Bühne gegangen und hätte den Kerl in den Arm genommen. Selbst jetzt, wo ich diesen Bericht schreibe, wird mir noch ganz anders zumute und mich überfällt eine tiefe Traurigkeit. Besonders loben möchte ich an dieser Stelle aber auch mal das Publikum: wurde bei den beiden Vorbands doch noch des Öfteren ziemlich respektlos während der Songs geratscht, war es diesmal mucksmäuschenstill und der Applaus nach den Liedern auch sehr verhalten und tröstend.

Wieder zu fünft auf der Bühne wurde mit Daj Daj Die und If I Die Now gekonnt die Brücke zurück Richtung guter Laune geschlagen und bei Wohlwill war dann endgültig Party angesagt. Schon krass, wie es einer Band gelingen kann, innerhalb so kurzer Zeit Tränen der Trauer, Rührung und Freude zu verursachen... Aber genau deswegen mag ich Friska Viljor ja auch so gerne und verfolge ihren Werdegang schon seit dem Debütalbum Bravo! (2006).

Foto: facebook.com/friskaviljorofficial
Der Zugabenblock sorgte mit Arpeggio dann noch für das absolute Stimmungshighlight des Abends, ehe das Set traditionell mit Shotgun Sister abgerundet wurde und Friska Viljor einen Haufen strahlender Gesichter in die eisige Kälte Vorarlbergs entließen.

Bleibt zu hoffen, dass die Band ihre kommenden Tourstationen (siehe unten) etwas stressfreier erreicht als diesmal, denn auf dem Weg von Salzburg nach Dornbirn verlor der Anhänger des Nightliners unterwegs einen Reifen, was eine stundenlange Verzögerung mit sich brachte.

23.01. Bern, Bierhübeli
24.01. Winterthur, Salzhaus
25.01. München, Theaterfabrik
26.01. Dresden, Beatpol
27.01. Rostock, M.A.U. Club





Sonntag, 20. Januar 2019

Live in Münster: Sam Vance-Law

Foto: Patrick Schulze via facebook.com/samvancelaw
(ms) Samstagabend in Münster. Die Straßen sind mit leichtem Frost überzogen, der Hansaring füllt sich langsam mit freizeitbetontem Publikum, es ist wirklich schön auf den Straßen und geschmackssicher geht's auf ins wunderbare Gleis 22, denn niemand geringeres als Sam Vance-Law lädt zu einem Gastspiel auf seiner aktuellen Tour ein. Viele aufmerksame Leute sind gekommen, um zum Einstimmen Charlotte Brandi mit ihren beiden Mitmusikerinnen zu lauschen. Die ehemalige Frontfrau von Me And My Drummer veröffentlicht am 15. Februar ihr erstes Solo-Werk und es könnte richtig gut werden, denn die Lieder, die sie live dargeboten hat, waren filigran, toll arrangiert und mit viel Können gespielt. Ich sah sie im September beim Reeperbahn Festival. Dort wirkte sie recht gestresst und unnahbar. Ganz anders im kleinen Rahmen. Die unterhaltsamen Ansagen waren ein guter Kontrapunkt zu den teils andächtigen Liedern. Wir dürfen also sehr gespannt sein auf The Magician.

Nach einer kleinen Umbaupause hat Sam Vance-Law dann ein weiteres mal bewiesen, dass er nicht nur ein großartiger Musiker, sondern auch ein phantastischer Entertainer ist. Jemand, der auf jeden Fall auf die Bühne gehört. Ich habe ihn schon häufiger in der Band von Cherilyn MacNeil (Dear Reader) und auf der Horror-Tour von Get Well Soon gesehen. Daher für mich kein Unbekannter, aber die Vorfreude war groß, da sein Album Homotopia ein großer Wurf ist.
Mit einem lässigen Tanz betrat er die Bühne und es folgte ein wunderbarer Auftritt. Zum Einen sind er und seiner Mitmusiker wahre Könner an ihren Instrumenten, das brachte den Auftritt auf ein qualitativ hohes Level. Dazu kommen die Arrangements an sich, die zwischen Pop und Klassik oszillieren. Oben drauf die witzigen, originellen Ansagen, er könnte auch locker eine Show moderieren. Ins Line-Up gesellten sich auch neue Songs, die von seiner ersten und einzigen Trennung bislang handeln. Entsprechend traurig waren sie auch, doch nicht minder schlecht. Und für sein deutschsprachiges Publikum brachte er ein Cover mit. Stilsicher und mit der gehörigen Portion Augenzwinkern haben sie Eisbär der schweizerischen NDW-Band Grauzone gespielt. Herrlich!

Doch viel zu schnell war dieser Abend vorbei.
Zwischen guten Lachern, melancholischer Andacht und großartiger Musik beider Interpreten war alles dabei, was ein gutes Konzert ausmacht. Der heimliche Star des Abends war jedoch Isabel Ment, die in beiden Formationen gespielt hat!

Sam Vance-Law spielt demnächst noch hier:

27.04. - Stade, Hanse Song Festival
02.05. - Reutlingen, Franz K
03.05. - Darmstadt, Centralstation
04.05. - Potsdam, Waschhaus
14.06. - Duisburg, Traumzeit Festival

Charlotte Brandi spielt hier ihre kommende Tour:
04.04. - Leipzig, Naumanns
05.04. - Erfurt, Franz Mehlhose
06.04. - Mainz, Schon Schön
07.04. - München, Ampere
08.04. - Wien, Chelsea
10.04. - Nürnberg, Club Stereo
11.04. - Hamburg, Nochtspeicher
12.04. - Berlin, Silent Green
14.04. - Dresden, Polimagie




Freitag, 18. Januar 2019

KW 3, 2019: Die luserlounge selektiert!


Quelle: web.uri.edu
(ms/sb) In den letzten Tagen habe ich einen Bericht über Christian Bruhn gelesen. Kennt Ihr nicht?! Ist okay. Doch sein Werk ist Euch schon bekannt. Er schrieb zum Beispiel die Melodien zu Heidi, Marmor, Stein Und Eisen Bricht oder Zwei Kleine Italiener. Klar, ist auch nicht mein Musikgeschmack. Aber der gute Mann, mittlerweile 84 Jahre jung, hat über 2.000 Melodien geschrieben und war 25 Jahre die Nummer Eins im Musikbusiness. Der kreative Output ist schon enorm. Zudem hatte er ein tolles Händchen, was klanglich die Massen bewegen kann. Recht hatte er mit seiner Einschätzung. Denn zu einem der Lieder da oben habt Ihr sicherlich nun einen astreinen Ohrwurm. Um dem entgegen zu wirken und im Jahre 2019 zu bleiben, haben wir unsere Fühler ausgestreckt und selektiert. Bitte sehr:

OVE
Kennt Ihr noch Anajo? Ich habe eben beim Anhören des neuen Albums der Nordfriesen OVE zum ersten Mal seit langer Zeit wieder an die Band gedacht, von denen ich vor zig Jahren etliche Konzerte besucht habe. Wie das nun zu deuten ist? Es hat sicher Gründe, warum die CDs der Augsburger nun nicht mal mehr im Regal in der Wohnung stehen, sondern in Kisten im Keller vor sich hinvegetieren, aber anderseits hat mich die Musik einen gewissen Teil meines Lebens begleitet und sehr angesprochen. Abruzzo (VÖ: 22.02. auf Tapete Records) schlägt nun musikalisch (und in gewisser Weise sogar textlich) in die selbe Kerbe: das ist sehr beschwingt, die Lyrics bestechen über weite Strecken mit verspielter Naivität (und das ist keineswegs böse gemeint) und das Gesamtpaket tut keinem weh. Meins ist es insgesamt nur bedingt, aber wer auf so Bands wie Von Wegen Lisbeth steht, der wird sich mit OVE sehr wohlfühlen.


Waving The Guns
Erst gab es die schlechten und danach die guten Neuigkeiten. Zum Ende des letzten Jahres haben Waving The Guns mitgeteilt, dass Admiral Adonis das Dampfschiff verlassen hat. Wirklich schade drum, denn zusammen mit Milli Dance auf der Bühne hat das immer gut geklappt. Nun die Guten: Neue Tourdaten, neues Album, passendes Video dazu und nach wie vor bärenstarke Aussagen, astreine Beats und das Augenzwinkern haben sie auch nicht verlernt. Das Muss Eine Demokratie Aushalten Können heißt das neue Werk, das am 15. März nirgendwo anders als auf Audiolith erscheinen wird. Ab jetzt könnt Ihr Euch die Splitsingle zum gleichnamigen Song und Perlen Vor Die Säue ansehen und -hören. Worauf wartet Ihr also noch?!

15.03.2019 Hamburg - Rote Flora
16.03.2019 Flensburg - Volksbad Flensburg
17.03.2019 Bremen - Tower Musikclub
23.03.2019 Dresden - Chemiefabrik Dresden (Chemo)
12.04.2019 Köln - Artheater
13.04.2019 Karlsruhe - Substage
04.05.2019 Rostock - Peter-Weiss-Haus
11.05.2019 Berlin - Festsaal Kreuzberg
17.05.2019 Hannover - Kulturzentrum Faust
18.05.2019 Wiesbaden - Schlachthof Wiesbaden



PUP
Toronto boomt ohnehin und auch der Hype um PUP hält seit Jahren an, auch wenn der ganz große Durchbruch bisher noch nicht gelang. Nichtsdestotrotz sind die Kanadier ein ganz heißes Eisen in der Punk-/Indie-/Garage-Szene und wissen auch mit ihrer neuen Single Kids zu gefallen. Das dazugehörige Album Morbid Stuff folgt am 05.04. und sollte ein Pflichtkauf werden. Nachdem die Band zuletzt mit Frank Turner und The Manzingers auf Tour waren, darf man sie demnächst mit ihrem Support Milk Teeth live erleben:

16.04. Brüssel, AB Club
18.04. Berlin, Cassiopeia Club
19.04. Hamburg, Hafenklang
20.04. Köln, MTC Club
21.04. Amsterdam, Upstairs at Paradiso


KYTES
Hach ja, die KYTES - immer wieder schön! Es ist kaum möglich, die Beine ruhig zu halten, wenn die Herren aus den Boxen schallen und selbst der überzeugteste Nichttänzer swingt mit. Am 25.01. veröffentlichen die Münchner ihre Frisbee EP - der logische nächste Schritt nach den vorangegangenen Releases und auch die nächste Weiterentwicklung. Der Gewinn des New Music Awards war offenbar Motivation genug, die eigenen Fähigkeiten weiter zu verfeinern und das Songwriting auf eine neue Ebene zu hieven. Indie, Du kannst so geil sein, wenn Du so klingst!


Júníus Meyvant
So, bevor Ihr weiterlest, kopiert mal den Namen des isländischen Künstlers, nutzt die Bildersuche des Genregiganten und dann ratet, was der Herr für Musik macht. 3, 2, 1, und die Antwort ist: eine geschmeidige Mischung aus Pop und Soul! Glaubt ja kein Mensch...
Und das Schöne daran: das klingt auch noch richtig gut, zaubert einem ein Lächeln ins Gesicht und lässt einen bei eisigen Temperaturen vom noch so weit entferneten Sommer träumen. Across The Borders von Júníus Meyvant erscheint am 25.01. und überrascht den Hörer elf Tracks lang immer wieder von Neuem. Voll radiotauglich und trotzdem toll. Live zu bewundern hier:

21.02. Hamburg, Nochtspeicher
22.02. Köln, Artheater
08.03. Berlin, Bi Nuu


Nathan Gray
Boysetsfire kennt Ihr, ne? Das ist ja so Posthardcore-Mucke und somit der komplette Kontrast zu dem, was Sänger Nathan Gray am 15.02. als unheimlich tolles Doppel-Album auf End Hits Records veröffentlicht. Live in Wiesbaden/Iserlohn klingt von den Ortsnamen her zugegebenermaßen wenig sexy, aber was der große Meister da in der Wiesbadener Ringkirche und in der Iserlohner Dechenhöhle auf die Bühne gebracht ist, ist ganz großer Sport und erinnert phasenweise an den legendären Billy Bragg - wobei sich Nathan Gray da keineswegs verstecken muss. Also los, Album kaufen und sich das Spektakel dann auch live gönnen:

04.03. Wiesbaden, Schlachthof
09.03. Hamburg, Grünspan
10.03. Leipzig, UT Connewitz
11.03. Berlin, Frannz
12.03. Hannover, MusikZentrum
13.03. Nürnberg, Z-Bau
14.03. München, Kranhalle
15.03. Langenthal (CH), Old Capitol
16.03. Stuttgart, club CANN
17.03. Bochum, Christuskirche (ausverkauft)


Jungstötter
Wir haben Euch das Solo-Projekt von Fabian Altstötter schon einmal ans Herz gelegt. Und nun gibt es noch mehr gute Gründe, sich dort fleißig rein zu hören. Denn als Jungstötter bringt der ehemalige Sizarr-Sänger am 1. Februar sein Album Love Is heraus. Sizarr wurden ganz schön gehyped, aber - und da nehme ich Kritik gerne an - so richtig durchgestartet sind sie nie. Als Produzenten und Mittexter jedoch schon.
Die ersten Höreindrücke zum Album sind schlicht und einfach überragend. Die faszinierende Stimme, der reife Klang, die bestechend gute Komposition erinnert an eine nie stattgefundene Zusammenarbeit von Get Well Soon und Amanda Palmer. Ja, das sind Vorschusslorbeeren! Schaut Euch einfach das Video zu Wound Wrapped In Song an, das er live gemeinsam mit Soap&Skin aufgenommen hat und danach dürft Ihr die Kinnlade wieder hochklappen.
Auf Tour geht er als ihr Support und danach alleine. Hingehen ist angebracht.

26.01.2019 Stuttgart, Merlin
07.02.2019 Jena, Trafo
08.02.2019 Baden, One Of A Million Festival
09.02.2019 Frankfurt, Mousonturm
05.03.2019 Berlin, Volksbühne
06.03.2019 Dresden, Beatpol
07.03.2019 Leipzig, UT Connewitz
08.03.2019 Hamburg, Nachtasyl
09.03.2019 Köln, Artheater
12.03.2019 Nürnberg, Z-Bau
13.03.2019 Mainz, Schon Schön
14.03.2019 München, Milla
15.03.2019 AT-Wien, Volkstheater
16.03.2019 AT-Graz, Orpheum Extra
09.04.2019 CH-Zürich, Plaza (mit Soap&Skin)
10.04.2019 München, Muffathalle (mit Soap&Skin)
11.04.2019 Köln,Gloria (mit Soap&Skin)
13.04.2019 Berlin, UdK (mit Soap&Skin)

Mittwoch, 16. Januar 2019

Yassin - Ypsilon

Das Cover von Chehad Abdallah
(ms) Rap, wir müssen reden. Wir sind nun keine Experten auf dem Gebiet wie die KollegInnen bei backspin, splash! mag oder Visa Vie etcetcpp. Aber wir hören wirklich sehr gerne Rap!
Daher stellt sich ganz automatisch die Frage: Was soll der dämliche Hype um die Nutzung von Autotune?
Es ist ja nicht nur ein billiges Stilmittel sondern implizit auch die Erklärung, dass man keine besonders sichere oder gute Stimme braucht, um Musik zu machen. Jeder Ton, jede Sequenz wird zum Grauen verzerrt und derzeit ist es die Modeerscheinung Nummer eins im Rap. So erfolgreich zum Beispiel Trettmann derzeit ja ist, ich erkenne die teils gute Qualität seiner Texte, aber wozu Autotune?! Wenn man sich dann Standard mit Ufo361, Gringo und Gzuz anhört, schwillt die Halsschlagader bedrohlich an. Intern nennen wir soetwas Turboscheißdreck3000. Eine bessere Bezeichnung fällt mir persönlich auch gar nicht mehr ein.
Nun gibt es auch wesentlich sympathischere Rapper als diese vier. Von uns verehrt werden beispielsweise Fatoni und Juse Ju. Doch als die beiden auf dem Im Modus-Mixtape auch Autotune nutzten, wurde ich stutzig. Die gleiche Frage: Wozu?! Weil es cool ist?! Aufgrund großen Fan-Seins verzeihe ich es den beiden.
Und jetzt springt ein weiterer bärenstarker Interpret auf diesen Zug auf und die bereits gestellte Frage wird automatisch wieder aufgeworfen und in einem Zug beantwortet: Yassin, das hast Du nicht nötig.



Und auch Yassin verzeihe ich das. Denn sein erstes Solo-Album Ypsilon, das diesen Freitag (18. Januar) auf dem eigenen Label Normale Musik erscheint, ist ein wahres Brett geworden.
Nachdem ich ihn zusammen mit Audio88 vor zwei Jahren auf einem Festival live gesehen habe, verfolge ich beide mit Begeisterung. Der Mix aus bösesten Zeilen, guten Beats und astreinen Texten und dem bewussten Ausbleiben eines Reims ließ mich schnell überzeugen.
Zum Glück setzt Yassin Autotune nicht auf jedem der elf Lieder von Ypsilon ein.

Zuerst erschien letztes Jahr als Vorbote Abendland und ich war total begeistert, trotz des Stilmittels. Denn in gut dreieinhalb Minuten zeigt er, was gutes Songwriting ausmacht. Der Song zeigt zwei wegweisende Eckpfeiler für das Album: Yassin klingt solo anders als mit Audio88 zusammen - breiter, größer, nicht so minimalistisch - und textet auch anders. Man darf Abendland schon als persönliches Lied mit klarem politischem Einschlag sehen. Insbesondere das Video arbeitet ganz stark mit der Verbindung von Bild, Text und Beat. Klasse!
Dann erschien Haare Grau und es wurde klar, dass Autotune prominent eingesetzt wird, es lustig statt nur zynisch zur Sache geht und dennoch mit qualitativ hohen Texten gearbeitet wird. Das etwas gaga wirkende Video lässt darauf schließen, dass Yassin sich hier selbst nicht ernst nimmt und ganz profan seine Haarfarbe zum Thema macht.
Als dritte Auskopplung wurde 1985 gewählt. Erinnert halt stark an die gemeinsame Veröffentlichung von Casper und Marteria; unsere Ablehnung diesem furchtbaren Album gegenüber müssen wir eigentlich nicht noch mal wiederholen. Yassin hat die autobiographische Sicht auch viel besser drauf. Die Aufarbeitung der eigenen Kindheit und der Liebe zur Musik, die bis heute alles - wirklich alles - übersteigt, gelingt bestechend gut. Und siehe da: Kein Autotune!



Und dann warten noch acht weitere Songs auf den aufmerksamen Hörer. Samthandschuhe spielt mit Rollenklischees und einem abwechslungsreichen Beat. Junks thematisiert wahnsinnig eindrücklich, fast schon einschnürend die eigene Geschichte im Umgang mit Drogen.Okay, wir können auch direkt Sucht sagen. Dass Koks scheiße ist, muss man ja keinem sagen. Das so zu hören ist ein weiteres gutes, überzeugendes Argument davon weg zu bleiben.
Natürlich hat er sich auch ein paar Gäste mit auf die Platte gehört. Ohne Audio88 geht es nicht, zusammen mit Casper ist das mehr oder weniger als Dis-Track einzustufende Eine Kugel, das durchaus auch schmunzeln lässt.
Für Nie So holt er sich Mädness dazu. Auch ein alter Bekannter, denn mit Döll und Audio88 haben sie kürzlich erst zwei Tracks veröffentlicht. In dem Lied geht es um den Vergleich mit sich und den eigenen Eltern, der Familie. Als Einwandererkind keine leichte Sache. Darüber kann man sich gut Beiträge von Aladin El-Mafaalani anhören oder durchlesen, der beschreibt nämlich sehr genau, welche Herausforderungen auf die unterschiedlichen Generationen von Zugewanderten einprasseln.

Die Trap- und Autotune-Passagen gefallen mir nicht alle gleich gut. Da Yassin auf seinen Tracks jedoch inhaltlich wirklich zu überzeugen weiß, ist es ihm zu verzeihen. Ansonsten muss Linus Volkmann recht gegeben werden, der letztens gefordert hat, dass Autotune dieses Jahr aussterben muss.
Ypsilon ist ein textlich und klanglich breit aufgestelltes Album, das so nicht zu erwarten war, wenn man die gemeinsame Arbeit mit Audio88 verfolgt. Daher: Hut ab zu dem Mut und dem großen Können.

Bald geht Yassin auf eigene Tour und wir empfehlen den Besuch an diesen Orten:

18.01. - Berlin, Baumhaus Bar (Release Show)
26.03. - München, Strom
27.03. - Stuttgart, Schräglage
28.03. - Frankfurt, Zoom
29.03. - Berlin, Musik & Frieden
30.03. - Leipzig, Naumann's
31.03. - Hamburg, Prinzenbar
02.04. - Köln, Yuca

Montag, 14. Januar 2019

Heated Land - In A Wider Tone

Bild: www.facebook.com/heatedland
(sb) Das hab ich jetzt davon: PR-Info vorher nicht gelesen, tagelang gedacht, ich höre den neuesten heißen Folk-Scheiß aus Nordamerika und dann die Erleuchtung, dass Heated Land keineswegs aus Dallas, New York, Los Angeles, Seattle oder Toronto kommen, sondern aus heimischen Gefilden. Natürlich macht das das neue Album In A Wider Tone (VÖ: 01.02.2019) keinen Deut schlechter - ganz im Gegenteil!

Ende 2014, nach den Touren zum selbstbetitelten Debütalbum von Heated Land, verschwand Mastermind Andreas Mayrock in Richtung Mittelamerika. Zunächst kamen noch Grüße aus Kuba und Mexiko, doch je weiter es ihn in den Norden zog, desto stiller wurde es. Quasi aus dem Nichts dann ein Lebenszeichen: der Mitschnitt einer Livesession aus einer kanadischen Blockhütte. Und plötzlich war er zurück in Dresden, gedanklich aber noch (oder schon wieder) in Nordamerika und kurze Zeit später dann auch tatsächlich samt Arbeitsvisum über dem großen Teich.

Drei Jahre verbrachte Mayrock in British Columbia, ehe es ihn wieder nach Deutschland verschlug, diesmal nach Hamburg. Seine Band hatte sich in der Zwischenzeit in alle Winde zerstreut, für die Aufnahmen des neuen Albums rafften sich aber alle wieder im Studio an der nordfriesischen Nordseeküste zusammen. Ein Wochenende - mehr Zeit nahmen sich Heated Land für In A Wider Tone nicht, doch genau diese Vorgehensweise verleiht dem Album seine Authentizität, seinen Spirit.

Sehnsucht und Suche, Einsamkeit und Erneuerung - all das findet man in den neuen Songs der Band, zusammengefasst in einigen wenigen Zeilen und doch so raumgreifend, dass man sich dessen nicht entziehen kann. Der Blues vom Debütalbum ist als solcher kaum noch erkennbar, Folk ist nun angesagt, durchaus auch mal mit countryeskem Einschlag. In A Wider Tone ist von allem ein gutes Stück weit entfernt und nimmt einen doch wärmend in den Arm, lässt einen teilhaben an den Empfindungen, die den Songwriter in den vergangenen Jahren begleitet und gelenkt haben. Meine persönlichen Favoriten sind 0 0 0 und Off The Trees, Ihr dürft Eure auf der bevorstehenden Tour herausfinden:

04.02. Hamburg, Knust (Record Release Show)
15.02. Leipzig, Location steht noch nicht fest
16.02. Zittau, Emil
17.02. Hof, Dachbodenkonzerte
18.02. Dresden, Ostpol
19.02. Darmstadt, Schlosskeller
22.02. Köln, Weltempfänger
23.02. Hannover, Lister Turm
24.02. Offenbach, Hafen 2
Tour wird fortgesetzt!





Freitag, 11. Januar 2019

KW 2, 2019: Die luserlounge selektiert!

logosfake.wikia.com
(ms/sb) Wir, die luserlounge, sind an zwei unterschiedlichen Orten stationiert. Während der eine im Süden im Schnee zu versinken droht, sehnt sich der andere im nieselregenverhangenen Westfalen nach etwas Weiß vom Himmel. Aber das kann man sich ja nicht aussuchen. Wenn ich mit meiner Oma telefoniere geht es auch häufig erst einmal ums Wetter, logisch. Und meistens wird sich beschwert, auch das ist klar. Da meine Oma aber eine kluge Frau mit viel Humor ist, sagt sie dann auch stets, dass man ja eh nichts ändern könne und das auch gut so ist. Wie recht sie hat!
Wir haben auch recht, wenn wir sagen: Hier warten ein paar Perlen auf euch!

Perez
Ja hallo, was haben wir denn da? Hip Hop aus Stuttgart? Da gab es ja mal eine ziemlich gute Phase (Freundeskreis, Massive Töne, Afrob), dann eine weniger gute (Cro & Konsorten) und jetzt lässt 0711 Perez los auf die Musikwelt. Und ja, das weiß über weite Strecken zu gefallen! Sowas Wie Ein Album (VÖ: 25.01.) balanciert zwischen Genie und Wahnsinn, sprich: es gibt darauf einige sehr, sehr geile Stücke (v.a. Fluchtpunkt), bei anderen Songs denke ich mir aber jedes Mal wieder, dass das nicht deren Ernst sein kann. Die beiden Rapper haben so viel Potenzial, versauen es aber an manchen Stellen durch völlig unnötigen Autotune-Einsatz - und das trübt das Hörerlebnis trotz eigentlich großartigem Songwriting durchaus. Textlich ist das Ganze nämlich überaus hörenswert und macht Lust auf mehr! Ich bin ja mal gespannt, ob der im PR-Stream enthaltene sehr, sehr tolle Bonustrack Zu Hause dann tatsächlich den Weg aufs Album schafft - es wäre überaus wünschenswert, weil Highlight!


Theodor Shitstorm
Ich bin ein großer Freund von klugen Texten, die auch einen spielerischen Charakter haben. Das bringen Theodor Shitstorm in Perfektion zusammen. Das aktuelle Album von Desiree Klaeukens und Dietrich Brüggemann heißt zudem Sie werden dich lieben. Wie toll ist das denn?! Nun haben sie ein weiteres Video veröffentlicht und fragen darin, wer an was Schuld ist: jeder und niemand. Ganz einfach, ganz gaga, ganz schön schlau. Herrlich, dass das Video auf eigentümliche Weise noch richtig schön geworden ist. Die beiden gehen in Kürze auf Tour und nehmen Flo Holoubek mit, den man am Schlagzeug von Tim Neuhaus kennt. Geht da hin, es wird gut!

16.01. Saarbrücken, Max Ophüls Preis
17.01. Köln, Weltempfänger
18.01. Kiel, Schaubude
19.01. Flensburgm Volksbad
22.01. Düsseldorf, zakk
23.01. Hamburg, Hafenklang
25.01. Leer, JUZ
26.01. Rostock, Wohnzimmerkonzert
27.01. Langenberg, KGB
30.01. Leipzig, Ratstonne
31.01. Helmbrechts, Filmwerk
01.02. München, Heppel & Ettlich
02.02. Schorndorf, Manufaktur
03.02. Dresden, Ostpol
06.03. Berlin, Badehaus
08.03. AT-Wien, Rhiz
09.03. Wasserburg, Club Leonhard festival
25.04. AT-Dornbirn, Dynamo Festival



Hi! Spencer
Es ist oft ein Trugschluss vom Namen einer Band auf die Musik, die sie machen, zu schließen. Es tut mir leid, aber Hi! Spencer ist irgendwie ein eigenwilliger Name, der nach Schülerband klingt. Doch das haben wir schnell vergessen, denn die Songs der Osnabrücker ist reif, hat die nötige Portion Gitarrenwumms dabei, ohne stumpfer Punk zu sein, sondern guter, alter, deutschsprachiger Indie-Rock. Es ist ein bisschen Madsen, ein bisschen Love A und eine richtige Menge an eigener Note. Am 15. Februar erscheint das neue Album Nicht raus, aber weiter über Uncle M Music. Dazu gehen sie auf Tour und hier könnt ihr dazu schwitzen:

16.02.19 Hagen a. T. W. – Gaststätte Stock
10.04.19 Hannover – Lux
11.04.19 Berlin – Musik & Frieden
12.04.19 Hamburg – Molotow
13.04.19 Bremen – Kulturzentrum Lagerhaus
03.05.19 Meppen – JAM
09.05.19 Wilhelmshaven – Pumpwerk
16.05.19 Köln – Artheater
17.05.19 Essen – Weststadthalle
23.05.19 Kassel – Schlachthof
24.05.19 Dresden – Groovestation




Nicola Cruz
Spannend, spannend, was wir da aus Ecuador zu Hören bekommen! Die Musik von Nicola Cruz passt eigentlich so gar nicht ins Cluster der luserlounge, aber Siku (VÖ: 25.01.) ist einfach zu gut, um es zu ignorieren. Sein Interesse für die unterschiedlichsten Klangeinflüsse, Rhythmen und Kulturen der Welt steht dabei im Mittelpunkt - kombiniert mit seinem Hang zu elektronischen Sounds. Bekannt für diesen Brückenschlag zwischen Traditionellem und Electronica, zwischen Beats und mystischen, folkloristischen Klängen, setzt der Producer sogar noch einen drauf, indem er seinen Horizont erweitert, den Blick erstmals weit über die Grenzen Südamerikas hinaus öffnet und Sounds aus allen Ecken der Welt einbezieht. Der perfekte Lounge- und Aftershow-Soundtrack. Wer sich das live zu Gemüte führen möchte, der hat in Kürze die Gelegenheit dazu:

13.02.2019, Berlin - Astra
14.02.2019, Hamburg - Übel und Gefährlich




Blood Red Shoes
Es gibt einen Haufen an bekannter, erfolgreicher und beliebter Bands, die seit Jahren gut durch die Indie-Szene laufen, auf Festivals spielen, bei guten Partys zum Tanzen animieren und mir dennoch komplett unbekannt sind. Das ging mir letztens mit Two Door Cinema Club schon so. Bei Blood Red Shoes geht es mir eigenartiger Weise ebenso: Bekannt vom Namen und mehr auch nicht. Sie spielen dieses Jahr auf dem Deichbrand Festival, das ich besuche und in zwei Wochen (VÖ 25.01) erscheint das neue Album des Duos. Es heißt Get Tragic und klingt richtig stark. Da frage ich mich ab und an, wie das passieren konnte.
Laura Mary-Carter und Steven Ansell drehen auf der neuen Platte die Synthies und denn Bass gehörig auf und insbesondere die schöne Gesangsstimme von Laura lässt tolle Melodien erklingen. Sie erzeugen reichlich energiegeladenen Druck (Eye to Eye, Bangser, Howl, Elijah) und ich frage mich, wie das live klingt. Nachdem ich mal Wye Oak gesehen habe, weiß ich das und war total erstaunt, was für ein Sound ein Duo erzeugen kann. Wahnsinn! Und auch die ruhigeren Lieder wie Beverly wissen zu überzeugen. Ein hammerhartes Brett, große Empfehlung!




L'Impératrice
Diese französische Band haben wir Euch letztes Jahr schon präsentiert. Nun gibt es ein neues Video als Ankündigung zum Erstling, der am 5. April erscheinen wird. Là-Haut heißt das Stück, das der Vorbote für die Platte Namens Matahari ist. Der Track beginnt mir entspannten elektronischen Klängen und einem sanften Beat, der bebildert den stumpfen Alltag in einem Büro zeigt und diesem dann entflieht. Schön ist, dass das Video mit ganz unterschiedlichen Stil- und Kunstmitteln arbeitet, daher empfehlen wir dringend, euch dafür kurze vier Minuten zu nehmen. Ihr werdet belohnt mit catchy Musik und vielen bunten Farben!


Donnerstag, 10. Januar 2019

Side Effects - Some Other Day

Foto: Manne Wahlstrom
(ms) Sie haben definitiv ganz, ganz viel sehr richtig gemacht. Sie, das sind Billy Cervin, Elias Jungqvist, Hugo Martensson und Joacim Nilsson. Sie nennen sich side effects (ja, klein geschrieben), kommen aus Stockholm und sehen tatsächlich aus wie eine Mischung aus den jungen Mando Diao und den Killians. Tatsächlich ist die Musik, die sie machen auch nicht ganz so weit davon entfernt. Doch es ist wesentlich besser und nicht so eingebildet wie die älteren schwedischen Kollegen und sie pflegen einen gutem Umgang. Zum Beispiel sehr intensiv mit Ebbot Lundberg, dem ehemaligen Sänger von The Soundtrack Of Our Lifes, dem wunderbaren singenden Jesus. Der brauchte für sein Solo-Projekt nämlich eine Band, mit der er auftreten und die Lieder einspielen kann. Er fand die vier Jungs, heute alle 25 Jahre jung, und sie nannten sich The Indigo Children. Dass sie Lundbergs Art und Weise Musik zu machen, verstanden haben, ist dabei deutlich zu hören.
Nun sind sie unter eigenem Namen unterwegs und veröffentlichen an diesem Freitag (11. Januar) ihr zweites Album Some Other Day. Die elf darauf enthaltenden Tracks sind so voller Tempo, angenehmer Vielseitigkeit und darüber hinaus noch schön catchy, dass sie zudem die richtige Band sind, um Friska Viljor auf ihrer anstehenden Tour zu begleiten. Das gute, alte Vitamin B...



Seit zehn Jahren machen die vier Jungs zusammen Musik. Das heißt, sie waren schlanke fünfzehn, als sie damit angefangen haben. Nach Naivität, zu hohen Ambitionen oder Dilettantismus ist jedoch - oder zum Glück - keine Spur zu hören. Am besten kann man ihren Sound mit psychedelischem Gitarrenrock bezeichnen. Interessanterweise haben ihre norwegischen Kollegen von Great News letztes Jahr ein Album veröffentlicht, das in eine ähnliche Kerbe schlägt.
Groß klingt es schon im ersten Track Seasick. Gitarre, Bass, Keyboard und Schlagzeug tun das, was sie sollen: ordentlich Dampf! Auf den Stimmen liegt eine ordentliche Portion Hall, was aber richtig gut rüber kommt! Das treibende Schlagzeug macht auch auf Slip Away viel, viel Freude. An zweiter Stelle ist dies schon ein richtig, tolles Stück! Tatsächlich es eher die Musik, die live wohl richtig gut kommt; auf einer Party bin ich mir nicht so sicher. Hitpotential ist immer wieder vorhanden, jedoch liegt die hohe Qualität eher im konstant hörenswerten Gesamtwerk.
Toll ist, dass ein beständig hohes Tempo an den Tag gelegt wird. Es gibt kaum Pausen, kaum ruhigere Lieder, nur ab und an sanftere Phasen innerhalb der Songs. Das ist in sofern stark, weil Abwechslung auch dann garantiert sein kann, wenn es keine Ballade gibt. Ein gutes Beispiel dafür ist Wanna Loose You, ein Track, der den Synthies mehr Raum gibt, super! Spätestens da ist der Zeitpunkt erreicht, in dem man sich fragt: Die sind erst 25?! Uhi, dafür klingt es aber enorm reif, überlegt und professionell!
Klar, es braucht ein paar weniger starke Lieder, B.N.H. kann man skippen, obwohl hier auf sehr hohem Niveau gemeckert wird. Doch schnell hinterher kommen mit Suffer & Smile und Hide Away zwei tolle, melodiegeführte Songs.
Und der Rausschmeißer Some Other Day schließt die gleichnamige Platte gebührend ab!



Das hier ist ein richtig tolles Album geworden. Temporeich, voller Abwechslung, mit vielen hörenswerten Details. Und sie sind genau die richtige Wahl als Vorgruppe zu Friska Viljor in den kommenden Tagen, deren Album ja eher melancholisch geworden ist.

Hier sind beide Bands demnächst unterwegs:

14.01. Hamburg - Uebel & Gefährlich
15.01. Berlin - Astra
16.01. Münster - Sputnikhalle
17.01. Köln – Gloria
18.01. Wiesbaden – Schlachthof
19.01. AT-Linz - Posthof
20.01. AT-Wien - Flex
21.01. AT-Salzburg - Rockhouse
22.01. AT-Dornbirn - Conrad Sohm
23.01. CH-Bern - Bierhübeli
24.01. CH-Winterthur - Salzhaus
25.01. München - Theaterfabrik
26.01. Dresden - Beatpol
27.01. Rostock - M.A.U. Club