Sonntag, 30. August 2026

KW 35, 2026: Die luserlounge selektiert

Quelle: flaticon.com / Magnific
Es ist ja so bescheuert, was das Internet manchmal meint, uns als Realität vorgaukeln zu müssen. Insbesondere diese „Du bist über 30? Dann musst du dich ja jetzt für eins dieser Hobbys entscheiden.“ Dann kommen Kaffeemaschinen und Keramik bemalen und so. Ehrlich. So ein Oberblödsinn. Ist doch mega geil, sich um gute Lebensmittel zu kümmern?! Ich lasse auf den Kaffee, den ich trinke auch nichts kommen. Der andere Klassiker ist dann ja Rennrad fahren. Insbesondere bei uns Kerlen. Liebe Menschen, die so einen Quatsch ins Netz stellen: Ward ihr schon mal Rennrad fahren?! Ihr glaubt ja gar nicht, was ihr da verpasst. Die Freude am Fahren, der Flow, die Gegenden, die man kennenlernt. Dieser sehr entspannte Gruß allen anderen Rennradfahrenden gegenüber. Über 30 sein ist ja so geil. Guter Kaffee und ein bisschen Sport. Das bekommste halt im Van nicht.

Tristan Brusch & Fatoni
(Ms) Sagt man noch Bromance?! Egal. Wir können es auch einfach Freundschaft nennen. Denn wie schön ist es denn bitte, jemanden seinen Freund oder seine Freundin zu nennen?! Einen oder eine Vertraute. Dass sich Tristan Brusch und Fatoni auf wundersame Weise gefunden haben, ist auch so ein Musikantenglück! Der scharfsinnige Sänger und der Meister des Zeilenbruchs. Nie Wieder Alleine ist ein Stück, das sie einfach so ihren Hörenden geschenkt haben. Im Grunde genommen ist es ein Brusch-Stück mit einem Fatoni-Part. Die typisch leicht melancholische Gitarre und das reduzierte Arrangement sind sehr bruschig. Es ist nicht zwingend ein Stück über die Freundschaft, sondern, dass das Gegenüber auch eine Flucht vom tragischen Alleinsein sein kann. Die Gemeinschaft als Ausweg vom Ausgeliefert sein mit sich selbst. Ein wunderbares, ein tolles, ein trauriges, ein andächtiges Lied. Danke für diese Freundschaft.


Ane Brun
(Ms) Ohne Leid keine Kunst. Das können sicher viele MusikerInnen bestätigen. Was für ein tragisch-schönes Talent von so vielen Menschen, dass sie diese Phasen in Musik umwandeln können. Leid kann vermissen sein, Leid kann auch Sehnsucht sein. Wenn das Gesuchte nicht eintritt. Darüber singt Ane Brun in ihrer aktuellen Single Hold Me. Es geht ihr um das in uns allen wohnende, große Bedürfnis nach Nähe. Jemandem in den Arm nehmen. Auch zärtliche Berührungen. Eine Art des Zuhauseseins. Geborgenheit. Nicht nur, dass es zum Song ein großartiges Tanz-Video gibt, sondern auch das Arrangement ist ja umwerfend. Reduziert-elektronisch nimmt es Fahrt auf und wird immer größer, dichter, intensiver. Zudem zeigt die Norwegerin, wie unglaublich schön sie singen kann. Dieses Stück ist auf so vielen Ebenen bemerkenswert - kaum auszuhalten! Am 6. November erscheint I Thought We Were The Same und dürfte großartig werden!


Mädness
(Ms) Wenn es auf diesem Track „Ha“ macht, ist alles klar. Oh, man. Wie gut ist es bitte, dass sich Mädness wieder meldet?! Klar heißt das Stück und es ist das erste Musiklebenszeichen seit einiger Zeit. Er ist zwar mit seinem Podcast und auch mit seinem Bruder unterwegs. Aber neue Musik gab es länger nicht. Egal. Die Zeit des Wartens ist vorbei. Lässig auf einem großen Liegestuhl drehend zeigt der Hesse wieder, was es bedeutet, heute Rapmusik zu machen. Diese Ehrlichkeit, dieses mit-sich-ins-Gericht-gehen. Hier wird nicht draufgehauen, hier wird stets in den Spiegel geschaut. Dazu stets ein lässiger Beat, doch insgesamt macht der Song auch recht melancholisch. Doch das Leben bringt immer viele Täler mit sich. Davon ist auch Mädness nicht gefeit. Und er spricht, rappt drüber. Genial! Die Hoffnung ist groß, dass da noch mehr kommt. Danke.


Get Well Soon
(Ms) Es ist eine vielleicht etwas schräge Aussage, aber: Wenn Get Well Soon läuft, gibt es durchaus immer viel dazu zu lernen. Sei es Seneca oder die Beschäftigung mit Alpträumen. Auf seiner neuen Platte Séance, die am 30. Oktober erscheinen wird, beschäftigt er sich mit KI. Aus der ursprünglichen Idee, sie mit in den Schaffensprozess mit einzubeziehen, wird ein Album über Künstliche Intelligenz, die ja bekanntermaßen weder künstlich noch besonders intelligent ist. Für Konstantin Gropper gleicht die Nutzung von KI der Beschwörung einer dunklen Macht. Beschworen wird auch viel auf der neuen Single Holidays In Lily Dale. Hier kommt der Lernaspekt: Die Gemeinde Lily Dale im Bundesstaat New York ist ein Epizentrum für Spirituelle jeglicher Couleur. Immer wieder meinten Menschen, dort Kontakt zu Toten aufgenommen zu haben. Das mag gruseln. Genauso wie das neue Stück. Wieder sehr cineastisch und düster arrangiert. Genauso wie an diesem eigenartigen Ort geschieht auch auf dem neuen Track viel hinter vorgehaltener Hand. Ein Stück über einen Ausflug dorthin, wo es etwas anders zugehen mag. Genial gelungen!

24.01.2027 - Mojo, Hamburg
25.01.2027 - Zoom, Frankfurt
26.01.2027 - Karlstorbahnhof, Heidelberg
27.01.2027 - Gloria, Köln
28.01.2027 - Sputnikhalle, Köln
29.01.2027 - Felsenkeller, Leipzig
30.01.2027 - Faust, Hannover
31.01.2027 - Huxleys, Berlin
02.02.2027 - Ampere, München
03.02.2027 - WUK, Wien
04.02.2027 - ARGE, Salzburg
05.02.2027 - Manufraktur, Schorndorf

Donnerstag, 27. August 2026

Interpol - This Mirror Weights A Ton

Foto: Elliot Lee Hazel
(Ms) Für eine Review eines Albums ist die Perspektive ausschlaggebend. Sie soll hier eine wichtige Grundlage bieten. Denn der Verfasser dieser Zeilen kennt Interpol gar nicht mal so gut. Klar, zu Obstacle 1, Evil oder Rest My Chemistry habe ich sicher schon auf einer Indieparty getanzt. Doch aktiv habe ich die Band nie gehört. Daher fehlt mir auch einiges an Hörerfahrung. Das könnte man mir jetzt natürlich vorwerfen. Der Kontext fehlt, der Bezug zur Band. Wieso dann drüber schreiben? Naja, das ist recht einfach. Die New Yorker Band bringt diesen Freitag mit This Mirror Weights A Ton ein unfassbar gutes Album raus und die Perspektive ohne die ganze Erfahrung ist sehr charmant, ein bisschen isoliert quasi. Ich kann auch nicht aufgrund von existierenden Lieblingsplatten beeinflusst sein. Der Pressetext sagt mir, wie die Band ihren Sound verändert haben soll. Das kann alles sein, sind alles tolle PR-Aussagen. Doch beweisen kann ich das nicht. Klammer auf: Stimmen wird es dennoch. Klammer zu.

Klar, es ist vor allem die Stimme. Sie wiegt auf geniale Weise schwer, weil so unverwechselbar. Interpol habe ich auch als Gitarrenrockband abgespeichert. Doch wenn das neue Album mit dem Titeltrack beginnt, schwirren erstmal allerhand Soundschnipsel durch die Gegend. Dann setzt die tolle Stimme ein, Gitarre dazu, aber zurückhaltend. Aber sehr atmosphärisch. Das ist der hauptsächliche Fokus dieser Platte: die Stimmung, der Vibe, der Groove. Die bestechliche Dichte. Ich empfehle sehr, dieses Album über Kopfhörer zu genießen. Zahlreiche Details bleiben einem dann nicht verborgen. Zudem arbeitet die Band immer wieder mit einem 360°-Sound. Gänsehaut.
Zurück zum Titeltrack: Wenig nach vorne treibend, aber dennoch dramatisch. Weil so vielschichtig. Eine Ahhhh-Stimme wabert zwischen Vorder- und Hintergrund. Alles, was sich klanglich nicht direkt an der Hörmuschel tummelt, entfacht eine betörende Energie. Sie bricht nicht aus. Pulsiert aber unter der Oberfläche. Das ist richtig gut. Ein starker unaufgeregt-aufregender Start.
Dann direkt die erste Single, See Out Loud, die eindeutig ein typischer Interpol-Song ist. Und hier wiederhole ich mich: Der Klang ist so unglaublich dicht, dass er ja beinahe den Atem abschnürt. Doch statt Beklemmungen erzeugt diese Stimmung Druck nach vorn und den großen Willen, sich dazu zu bewegen. Füße und Kopf wippen auf jeden Fall sofort mit. Das wirklich geniale an dem Stück ist, dass er beinahe psychedelisch wirkt. Denn auch nach der Bridge wird das Tempo nicht angezogen, sondern fast metrumhaft drauf gepocht auf jeden Fall im Takt zu bleiben. Und dann kommen die angesprochenen Details: ein Klatschen im Hintergrund, noch ein Gitarrenriff. Viel, aber in genau der richtigen Dosis. Sogar mit Fade Out!
Wounded Soldier kommt im Grunde genommen mit dem Einmaleins der Rockmusik aus: ein markanter, dominanter Bass, der passende Beat dazu und eine ebenfalls rhythmische Gitarre. Doch da ist so, so viel mehr. Erneut: Was für ein dichter Klang, ich höre nicht auf, mich zu wiederholen. Weil das auch so wunderschön und verlockend ist. Percussion und Synthies im Hintergrund - ein brillantes Arrangement. Darunter mache ich es nicht. Insbesondere wenn ich den letzten Momenten noch ein Xylophon erklingt.
Klar, Wings On Fire auch so ein Megahit! Unvermittelt ballert er los. Typisch Interpol - so weit lehne ich mich nun aus dem Fenster, um das so beurteilen zu können. Auch hier wieder: ein sagenhaft hypnotischer Sound. Wie das wohl live klingen mag?! Hoffentlich so angenehm beklemmend wie auf der Platte.
Frech ist es, was die Band mit einem macht: Ever The Actor hört einfach nicht auf genial zu sein. Dieses Mal wird der hohe Drang mit himmlischen Streicherklängen kombiniert. Diese Kombinationen sind allesamt sehr reizvoll. Und sie gehen alle auf. Hier zeigt eine Band auf beeindruckende Weise, wie großartig Musik sein kann. Vor zwei Jahren haben Paul Banks und Daniel Kessler sich die ersten Ideen hin und her geschickt. Aus den Ideen, die oft am frühen Morgen entstanden sind, wurde eine bemerkenswerte Platte.

Dieser Text bleibt gewissermaßen an der Oberfläche, weil er sich mit den Texten nicht beschäftigt. Gelesen habe ich sie. Doch der Fokus auf die Musik, die brutalen Arrangements muss sein. Der Aufbau der Stücke, die vielen tollen Details lassen mich einfach nicht los. Dennoch muss die Intention des Titels angesprochen werden - sie erklärt, den faszinierend-schweren-soghaften Klang. This Mirror Weights A Ton meint, dass das in-den-Spiegel-schauen und sich mit sich selbst beschäftigen eine Mammutaufgabe ist, die tonnenschwer wiegen kann. Wer das tut, fängt an zu taumeln. Wie diese Musik. Wer das tut, mag in Abgründe gestoßen werden. Wie diese Musik. Wer das tut, kann auf bezaubernde Weise aufgebaut und mit Energie vollgetankt werden. Wie durch diese Musik. Diese Platte ist unglaublich. 

Unglaublich ist auch, dass Interpol im Herbst mit Bloc Party auf Tour gehen. Peng!

11.11.2026 Berlin – Uber Arena
12.11.2026 Hamburg – Barclays Arena
14.11.2026 Düsseldorf – PSD Bank Dome



Freitag, 21. August 2026

KW 34, 2026: Die luserlounge selektiert

Quelle: flaticon.com / Shuvo.Das 
Quo vadis, Demokratie? Es hängt in einigen Fragen derzeit einzig und allein an der CDU. Und die bekleckert sich nicht mit allzu viel Ruhm. Das Steigen und Fallen der rechtsextremen, antidemokratischen AfD hängt in vielen Bereichen von der CDU ab. Die Übernahme ihrer Themen und ein massiver Rechtsdrall halfen null. Sie haben das Gegenteil bewirkt. Menschen ausgrenzen und das Land vor die Wand fahren nur beim Original! Das haben aber viele Menschen in der CDU noch nicht erkannt. Immer noch nicht. Wahnsinn, wie blind man sein kann. Oder wie mutlos. Denn erkannt haben sie die fehlerhafte Strategie sicherlich. Jede einzelne Umfrage sagt es ihnen ja.
Und dann immer noch nicht mit der Linken zusammenarbeiten wollen. CDU, wach auf! Was bleibt denn? Oder wollt ihr wirklich eine Regierung der AfD in Sachsen-Anhalt tolerieren?! Wer steht denn für die Demokratie?! Wenn ihr es noch seid, zeigt es!

Warhaus
(Ms) Dieses Stück ist derart grandios, so unfassbar gut gemacht - auf allen Ebenen! Ebene 1: Der Ausgangspunkt. Maarten Devolderes aka Warhaus wollte immer schon ein Schlaflied schreiben. Mit The Baby hat er es nun gemacht. Ebene 2: Mit diesem neuen Stück schlägt der Musiker eine enorm elektronische Spielrichtung ein, die so noch nicht zu hören war. Ebene 3: Das Video zum Track! Ja, lasst mal diese Spotify-Geschichte für einen Moment weg und nehmt euch diese gut zweieinhalb Minuten. Wie der Musiker da steht in schwarz/weiß und „nur“ zwei Socken an den Händen bespielt. Phantastisch zu einem derart unruhigen, basslastigen Track. Klar, wer dazu einschläft, hat vielleicht ganz andere Probleme oder lange nicht geruht. Diese Single ist ein Meisterwerk! Mitreißend, elektrisierend, druckvoll, unaufhaltsam, ohne Durchatmer! Es ist zu wünschen, dass da bald noch mehr kommt!


Nodfeld
(Ms) Wie krass der Traum vom Fliegen vor über hundert Jahren wohl gewesen sein muss. Etwas völlig Unvorstellbares. Super gefährlich. Total unbegreiflich. Mysteriös. Verrückt. Doch Menschen haben weiter dran geglaubt, mal wie ein Vogel zu sein. Und es in maschineller Hinsicht auch geschafft: Fliegen. Zu einem sanften Flug hat Nodfeld den passenden Track am Klavier geschrieben. Logischerweise heißt er Flight und nimmt uns Hörende sanften Schrittes mit in die luftigen Höhen. Erst der Absprung, dann das Treiben. Ohje, auch ein paar Turbulenzen. Aber eines ist klar: Die Sicht von hier oben ist unvergleichlich. Diese Emotion hat der Pianist mit diesem Stück wirklich sanft, toll und wunderschön eingefangen. Am 18. September gibt es dann mehr davon, dann erscheint seine neue Platte mit dem tollen Titel .



Funsover
(Ms) Das herrlich Erwartbare bei Shoegaze ist ja, dass es immer irgendwann in einem Song aus den tragenden Gitarrenflächen ausbricht. Irgendwie ist es schon ein recht vorhersehbares Genre. Aber es verliert zum Glück auch nicht an Magie und Lust einzutauchen. Funsover aus Berlin ist ein neues Quartett im Shoegaze-Gewimmel und hat mit Ten eine wunderschöne Single am Start, die vor einigen Tagen erschien. Schwere Gitarren, die sehr schöne, tragende Stimme auf der einen Seite und gegenüber Bass und Schlagzeug, die alles zusammenhalten. Viel Gefühl, viel Energie und natürlich auch großartige, ausbrechende Momente! 


Muff Potter
(Ms) Drei Singles. Darauf hat sich wohl die Musikbranche geeinigt. Drei Singles müssen es sein, bis ein neues Album irgendwann erscheint. Danach keine neue Single mehr. Vielleicht noch ein Livemittschnitt. Weil dann ja die Tour. Die dritte Dingle, bevor am 18. September Klepto erscheint, heißt Engelstränen Im Abendlicht und damit hauen Muff Potter noch mal richtig einen ins Universum! Ein Song, der nur eine Richtung kennt: nach vorn, nach vorn, nach vorn. Kein Break, kein Durchatmen, es muss knallen. Denn die Rahmenbedingungen sind mies. Es gib keine Pausen mehr. Der Stein ist längst ins Rollen geraten. „Das Geld liegt auf der Straße / Und ich, ich bin daheim / Was soll das für ein Land sein / In dem fast nie die Sonne scheint.“ Sind das nicht die Zeilen, für die wir alle diese unglaublich Band lieben?! Auf jeden Fall. Was freue ich mich auf diese Platte und die anschließende Tour!

11.11.2026 Leipzig, Conne Island
12.11.2026 München, Strom
13.11.2026 Darmstadt, Centralstation
14.11.2026 Dortmund, FZW
18.11.2026 Bremen, Schlachthof
19.11.2026 Köln, Kantine
20.11.2026 Münster, Sputnikhalle
21.11.2026 Hamburg, Uebel & Gefährlich
26.11.2026 Erlangen, E-Werk
27.11.2026 Wien, Flucc
28.11.2026 Berlin, Festsaal Kreuzberg


Cava
(Ms) Ja, JA, JAAA! Haltet euch fest. Oder nein! Stellt euch besser hin. Und bevor diese Single ertönt, besser schon mal die Hüften ölen. Denn M42 von Cava geht direkt so richtig los. Die Gitarren kennen hier kein Pardon, scheppern direkt ins Ohr und machen keinen Halt! Das ist ja auch das Geile bei diesem Duo: Die Geschwindigkeit ist sehr hoch, die Dringlichkeit auch. Im Track geht es um das Dasein in irgendeiner Buslinie von A nach B. Kennt man die Menschen vor oder hinter sich? Auf dem Dorf bestimmt, doch da fährt er ja kaum. In der Großstadt verliert es sich schnell zwischen den zigtausend Menschen drumherum. Nicht mal drei Minuten knallt dieser Song aus den Lautsprechern. Das sollte lang genug sein für Pogo, oder?! Eben! Ihr drittes Album Good Luck veröffentlichen die Berlinerinnen am 27. November!


The Belgian Blue
(Ms) Es gibt Lieder, die brauchen Zeit. Hier ist so eins. Geht zumindest mir so. Elderflower von The Belgian Blue nimmt mich nicht ab dem ersten Takt mit. Aber da liegt etwas in der Musik, das mich neugierig macht. Was kommt noch? Packt es mich oder skippe ich irgendwann? So viel sei gesagt: hat mich noch gepackt. Zum Einen, weil die tolle Stimme eine gewisse Sehnsucht ausgelöst hat. Das ist schön. Und dann nimmt der Track doch Fahrt auf, bleibt nicht in seinem folkigen Gewand. Mehr Gefühl, mehr Energie, die E-Gitarren entwickeln mehr Kraft, je weiter das Lied geht. Es entfacht auf einmal einen tollen Sog, in den ich mich gern mitreißen lasse. Am 25. September erscheint mit For Wards Weight / Summersweepers eine Doppel-EP der österreichischen Band, die noch mehr zauberhafte Lieder mit sich bringen.



Donnerstag, 20. August 2026

Lambchop - Punching The Clown

Foto: Ingo Petramer
(Ms) Ganz ehrlich: Als bekannt gegeben wurde, dass die neue Platte von Lambchop nur aus Stimme, Akustikgitarre, einem kleinen Chor und einem Banjo bestehen würde, war ich schnell äußerst skeptisch. Warum zur Hölle ein Banjo? Und vor allem: Was habe ich eigentlich gegen dieses Instrument? Wahrscheinlich ist es in einer ganz furchtbaren Folk-ist-ganz-schlimm-Schublade abgelegt und dort mit allen Vorurteilen vollgeklebt.
Nicht nur dieses Instrument, sondern auch die komplett runtergeschraubte Instrumentierung ließ meine Vorfreude nicht so recht aufkommen. Gar kein Schlagzeug? Kein Bass? Kein Klavier? Hui. Heißt aber auch: Kein Autotune mehr und weniger Beat.
Also: Was hat Kurt Wagner mal wieder geritten, ein Album genau auf diese Weise zu produzieren? Die Gründe sind fast immer ein bisschen egal, weil sie erstaunlicherweise doch immer erschreckend gut aufgehen. Auch bei Punching The Clown, das am 21. August erscheint. Auch mit Banjo. Ja. Es wird von niemand geringerem als Justin Vernon gespielt. Besser bekannt als Bon Iver!

Lambchop also mal wieder. Es ist auch immer eine Frage, aus wie vielen MusikerInnen die Band gerade eigentlich besteht? Mal waren es vier, dann siebzehn, dann nur einer. Nun hat Kurt Wagner ein paar Leute um sich gescharrt, um diese Platte aufzunehmen. Eine weitere phantastische Idee in einer sehr langen Reihe toller, vollkommen verschiedener Alben, die der ehemalige Fliesenleger in seinem langen Schaffen vorgelegt hat. Auch wieder mit Cap auf und mit langem Rauschebart. Lambchop war immer auch Kunst und Mode.
Nun, ganz so egal ist die Entstehungsgeschichte von Punching The Clown nicht: Vor drei Jahren hörte er ein Lied im Radio, das ihn stark begeistert hat. Es war so reduziert, dass es enorm viel Zauber entwickelt hat. Er fand den Titel nicht heraus. Fing aber an zu recherchieren. Und stieß auf ein Genre, das in Vergessenheit geriet: Lining Out. Eine Musikrichtung, die aus den Kirchen kam, als die Menschen noch nicht alle lesen konnten. Jemand sang etwas Simples vor, die Gemeinde wiederholte es. So kam die Idee auf: so soll das neue Lambchop-Album klingen. Und so ist es gekommen.

Zwölf neue Songs hat Kurt Wagner uns geschenkt. Sachte, dezent melancholisch und etwas verwunschen beginnt diese Platte. Direkt voller Wirkung: Der tolle Chor, der auf diesem Album bei Weitem nicht nur im Hintergrund bleibt. Just West Of Nicollet ist eine leicht traurige Beobachtung ins Blaue hinein. Ja, der Text ist schön, weil er so umherschweift, aber das musikalische Arrangement begeistert mich mehr. Es ist auf der einen Seite so reduziert und auf der anderen Seite - wahrscheinlich genau dadurch - sehr stimmungsvoll! Außerdem hat der Track keinen Refrain. Das unterstreicht, dass Kurt Wagner einfach mal so umherschaut. Ja, der Grundtenor ist schon melancholisch, traurig mitunter. Doch seine Stimme bring wirklich viel Licht rein, sie ist ein toller Gegenspieler vom Banjo, das eher die düstere Stimmung forciert. Weakened ist ein tolles Lied. Das Kirchliche, Erhabene kommt hier auf eine unsagbar schöne Weise rüber. Wie berührend kann ein Chor mit Akustikgitarrenbegleitung denn eigentlich sein? Dieses Stück ist der Beweis! Das Titelstück wiederum ist ein wunderbares Liebeslied. Dafür muss auch Zeit sein. Ein Track, der dankbar das Gegenüber anblickt. Die Person, die einen aufblühen lässt, die einem das Schöne zeigt. Ja, es lohnt sich, die Texte zu lesen. Denn seit jeher ist es ja so, dass Kurt Wagner so singt, dass seine Worte nicht immer zu verstehen sind. Vieles wird verschluckt oder abgebrochen. Kunst halt.
Krass zu hören, dass dieser wahnsinnig runtergeschraubte Lambchop-Stil auch sehr wütend sein kann. White People ist das Stück dazu. Ein brutaler Abgesang auf die privilegierte, weiße Schicht, die sich stets beweihräuchert, aber endlich abdanken sollte. Kurt Wagner singt es so! The New World Wave wiederum ist eine kleine Geschichte aus seiner Heimat Nashville. Ob die Szenen einer Familie, die viel wackelt, autobiographisch ist, ist unklar. Zudem ist es ein Song, auf dem die Gitarre sehr bassig spielt. Und ein tolles erneutes Paradebeispiel, wie unglaublich gut der Plan aufging, genauso ein ganzes Album einzuspielen.

Ja, diese Platte ist eine unglaubliche Überraschung und ein kaum zu glaubender Beweis, wie sicher Kurt Wagners Riecher für den passenden Ton ist. Lambchop standen selten auf der Stelle. Nun gibt es diese Band, dieses Musikprojekt schon seit über 30 Jahren. Punching The Clown ist das siebzehnte Album! Siebzehn - und erneut klingt ein Album ganz anders als der Vorgänger, ohne jedoch nie den Kern zu verlieren. Der Kern von Lambchop war immer schon reduziert. Mit einer gewissen Unaufgeregtheit hat diese Band immer gespielt. Auf dieser Platte zeigt sie nun, dass ein fast vergessener Klang in einem neuen Gewand extrem gut klingen kann. Wow!

Gewissermaßen steht der Song To Do Pate für dieses ganze Vorhaben: Bevor das lyrische Ich - vielleicht war so selten so konkret der Sänger damit gemeint - gen Himmel fährt, gibt es noch einige Dinge zu tun. Und keine Zeit zu verlieren. Also: Los!

12.02. Hamburg, Christianskirche
13.02. Berlin, Passionkirche
14.02. Erlangen, Markgrafentheater
16.02. Wien, Theater Akzent


Sonntag, 16. August 2026

Live in Oldenburg: Audio88 &Yassin

Foto: luserlounge 
(Ms) Oldenburg, alte Lady! Das war ein ordentlicher Abriss am Freitagabend! Meine Sonnenbrille ist im Moshpit bei drauf gegangen und irgendwie ist das völlig in Ordnung so.
Aber fangen wir von vorne an.

Das Einfach Kultur-Festival ist eine mehrtägige Sause in einer der schönsten Orte, die die Stadt zu bieten hat. Der Gleispark war einst ein toter Ort auf einem Parkdeck direkt am Bahnhof. Dann wurde er aufgehübscht, mit Bars und Buden versehen, zahlreiche Wimpel und Lichterketten dazu und überall gute Menschen. Für jeden Tag holen die Veranstaltenden völlig unterschiedliche Acts ran und die Fotoeindrücke ließen drauf schließen, dass es gut besucht war. Inklusive hupendem Gruß vom Zug.

Am Freitag habe ich mich auch auf den Weg gemacht, denn niemand anderes als Audio88 und Yassin luden zur Messe ein. Absoluter Pflichttermin und quasi Gegenveranstaltung zu den Toten Hosen in Bremen. Naja, schräger Vergleich. Den Auftakt sollte Maurice Conrad machen. Er kam leider etwas zu spät in Oldenburg an, daher war sein Set ein wenig kürzer. Ballerrap über den Genuss und die Hürden als schwuler Typ zu leben. Inhaltlich stabil, doch auch reichlich monoton. In kaum einem Track ging es um etwas anderes. Klar: mega wichtiges Thema, gar keine Frage. Aber so wird es auch etwas langweilig. Außer als seine DJane einen Song darbot. Das riss alles raus. EJA fuhr mit Tänzern auf und holte das Publikum sofort ab - richtig stark!

So wurde schon mal reichlich geschwitzt, tagsüber waren es weit über 30°, trocken ist es seit Tagen. Das konnte man später auch spüren und sehen.
Als die Bühne dann in satte Nebelschwaden gehüllt wurde und die verzerrte Ansage alle bat, doch bitte die T-Shirts anzulassen, kam gleichzeitig ein Bass aus der Hölle um die Ecke. Wie krank ist es bitte, so ein Set mit Komm Ran anzufangen?! Sofort Moshpit, sofort aufgewirbelter Staub und der große Drang, schnell noch ein weiteres Getränk zu holen. Was dann bis kurz vor zehn passiert ist, kam aus einem anderen Universum. Audio88 und Yassin erbaten vom Publikum 100% im Versprechen 150% zurückzugeben. Der Plan ging auf!
Sie haben ein brutales Konzert gegeben. Kein Hit fehlte: Halleluja, Gnade, Schellen, Schlechtes Gewissen, Freunde, WUP, Garten, 15 Jahre, Betrunkene Männer undundund… Abwechselnd reckten Mittelfinger oder HipHop-Hände in den Oldenburger Abendhimmel, die Stimmung war ausgezeichnet. Na klar, wenn diese beiden Rapper auf der Bühne stehen, werden doppelte, dreifache und vierfache inhaltliche Böden eröffnet. Dann wird es bitter, böse, ironisch, zynisch. Aber alles wird aufgelöst. Die beiden sind einfach zwei knuffige Kerle, die wissen wie es geht. Und die wissen, wer der Feind ist. Inhaltlich werden Schmutzrapper, die Polizei, Friedrich Merz und Alice Weidel zerlegt. Das Publikum dankt ihnen dafür. Katharsis quasi. Logisch, dass so ein Abend mit Die Wut Hält Uns Zusammen beendet werden muss. Nicht ohne zu erwähnen, dass Über Liebe sicher der (!) zentrale Track des Abends war. Denn genau das ist deren Musik ja - Texte über Liebe. Amen.

Samstag, 15. August 2026

KW 33, 2026: Die luserlounge selektiert

Quelle: flaticon.com / Shuvo.Das 
Liebes Musiktagebuch,
es tut mir leid. Wir müssen über Arbeit reden. Aber auch nur so zur Hälfte. Es gibt wieder zahlreiche Dinge zu erledigen. Themen dringen in die Hirnwindungen ein und nisten da ein wenig. Termine kommen und gehen. Einige scheinen kein Ende zu finden. Doch dann schießt mir ein Gedanke durch den Kopf: Okay, die nächsten Wochen könnten wieder richtig anstrengend werden. Aber! Aber da sind so, so viele gute Seelen im Kollegium, dass ich mich jeden Tag glücklich schätzen kann, diese Leute um mich zu haben. Sie begegnen mir stets mit einem Lächeln, wir sitzen im selben Boot, wir leben nicht von Durchhalteparolen, wir sind füreinander da, wir helfen uns und irgendwer bringt dann mal ein Bananenbrot mit. Ohne diese Leute könnte ich meinen Job nicht machen. Danke alle!

Tyna
(Ms) Na, liebe Welt?! Wie sieht es so aus? Schön sommerlich am rumlümmeln? Irgendein Spritzgetränk im Anschlag und Blick aufs Meer? Ja? Okay - dann ist mal eben für 32 Minuten Schluss damit. Denn es gibt ja immer noch Punkrock und der zimmert immer schön auf die 12. Ja, klar. Zwölf Lieder in einer guten halben Stunde bedeutet: Tempo, Kompromisslosigkeit, Sturm und Drang! Das liefert die Band Tyna aus Hamburg in allerbester Manier. Nicht ganz klassischer Punkrock, sondern eine etwas aufgepimpte Version davon. Eine Version, die keine Angst vor dezent elektronisch-poppigen Elementen hat. Denn genau diese treiben die Tracks dieser Band gehörig nach vorn, setzen Energie frei. Denn irgendwie müssen wir ja klar kommen in dieser Welt, oder? Diese Musik ist genau die richtige Medikation dazu. Allen Geht Es heißt ihr aktuelles Album, das letzte Woche erschienen ist. Augengezwinker, Ehrlichkeit sich selbst gegenüber, ein aufmerksames Beobachten der wackligen Realität. Alles zusammen mündet in einem großartigen Album zwischen Pogo und Diskoinferno.

02.10. - Lüneburg, Salon Hansen
03.10. - Husum, Speicher
16.10. - Vechta, Gulfhaus
17.10. - Köln, Garagen
23.10. - Braunschweig, 381
24.10. - Marburg, Kulturladen KFZ
13.11. - Erfurt, Engelsburg
14.11. - Dresden, Ostpol
08.01. - Hamburg, Knust



Team Dresch
(Ms) Seit einigen Jahren schreibe ich hier an dieser Stelle über neue Musik und Konzerte. Das ist wirklich das Allerschönste für mich. Es wird einfach nicht langweilig. Das liegt an all der wunderbaren Leidenschaft und der immer neu aufkommenden Musik. Es nicht enden wollender Strom - was für ein Geschenk! Und es liegt auch daran, dass die Liebe zur Kunst kein Ende kennt. Dass es selbst heute noch so viele KünstlerInnen gibt, die ganz wunderbare Musikvideos erschaffen. Gebt euch bitte das Video zu Growing Underground von Team Dresch. So viele Liebe zum Detail. So ein gutes Mitschwingen in den Melodien und im Tempo. Herrje, wie schön! Vor 33 Jahren gründete sich diese Band, die eine wirklich lange Pause gemacht hat und nun mit unsagbar viel Energie zurück ist. Diese Single ist ein bockstarker Beweis dafür. So viel Drang nach vorn, so viel Druck, so viel Liebe. Am 18. September erscheint ihr neues Album Furthermore und setzt alte, neue Standards in Sachen Rockmusik. 

19. September - Bern, Schweiz - YEAH Fest, Reitschule
20. September - Mainz, Schon Schön
21. September - Oberhausen, Druckluft
22. September - Berlin, Neue Zukunft
24. September - Bremen, Tower
25. September - Karlsruhe, Alte Hackerei
26. September - Köln, Blue Shell
27. September - Hamburg, Betty


Amyl And The Sniffers
(Ms) Was ist das Größte, was wir Menschen erreichen können? So als Haltung, als Selbstbild. Ich habe da einen Vorschlag: Über sich selbst lachen können. Sich nicht allzu ernst zu nehmen. Nicht so seltsam stolz sein. Was soll der ganze Mist?! Fehler können wahnsinnig komisch sein. Aber auch etwas ungewöhnliche Entscheidungen. Das zeigen nun einmal mehr Amyl And The Sniffers! Die australischen Rotzrocker haben bei weitem nicht den Anspruch, perfekt zu sein. Müssen sie auch nicht. Sie sind halt geil. Zudem bleiben sich nicht in der Rotzrockerecke wie ein neues Projekt zeigt. Am 4. September erscheint ein Film (!) mit und über die Band. Im Fokus: Ein Set in Los Angeles, bei dem sie ihre eigenen Lieder als Countryversionen singen. Truth Or Consequence nennen sie diesen Streifen und der Titel sagt doch alles, oder? Was für eine wunderbare Erscheinung in diesem seltsamen Musikbusiness! Nur noch Liebe für diese Band, die einen Scheiß drauf gibt, sich allzu ernst zu nehmen! 


E-L-R
(Ms) Ja, was bleibt von den ganzen Festivalbesuchen überhaupt? Ich erwische mich dabei, wie ich zunehmend Festivals besuche, bei denen ich recht wenig Bands im Vorhinein kenne. Das Geile ist, echt viel entdecken zu können. Logisch, es sind auch Enttäuschungen dabei. Spannend sind dann die, die wirklich länger haften bleiben. Dazu gehören E-L-R aus der Schweiz, die ich vergangenes Jahr auf dem Hellseatic sah. Extrem breitflächiger Metal. Sehr intensiv, sehr melodisch, sehr kompromisslos. Das Trio hat just einen neuen Song der Welt geschenkt: Archeress heißt das Ding! Herrje, was brettert diese Band mit symphonischen Elementen und allerhand Geschmetter! Das ist wirklich eine wahnsinnige Kombination: zum Einen diese unendliche Schönheit und auf der anderen Seite eine gewisse Brutalität. Das macht ungeheuer Spaß!

Freitag, 7. August 2026

KW 32, 2026: Die luserlounge selektiert

Quelle: flaticon.com / Those Icons
Lieber Edeka Bio Basilikum,
am Montag bist du bei mir eingezogen: aufrecht, grün, kräftig! Du bist nicht der erste. Sicher waren schon 15 bis 20 Generationen deiner Art vorher da. Ich bin ganz ehrlich: Besonders rosig sah ihre Zeit hier nicht aus. Dabei kamen alle mit großen Vorschusslorbeeren. Satt und grün die Blätter, herrlich intensiv der Duft und voller blendender Aussicht auf schmackhafte Verfeinerung zahlreicher Speisen. Hach, ich hab dich schon so richtig gern. Nun stehst du auf der Fensterbank in der Küche in einer kleinen Schale, damit ich dir immer genug zu trinken geben kann. Ja, an Tag zwei habe ich dich schon etwas vergessen, aber bin eingeschritten, habe für ausreichend Wasser gesorgt. Und auch schon geerntet, was du gibst. Hat hervorragend geschmeckt. Nun sehe ich dich, wie du gegenüber von mir stehst, während ich hier tippe. Ich versuche, mich gut um dich zu kümmern. Versprochen.

Vlimmer
(Ms) Na, wie entspannt seid ihr im Sommer gerade? Urlaub? Pause? Ferien? Auszeit? Lust, davon wieder ein kleines bisschen auszubrechen? Zur Hälfte zumindest? Dann gebt euch die neuste Single von Vlimmer. Atemdauer heißt sie und erschüttert die eventuelle Entspannung direkt durch einen sehr wuchtigen 80er-Jahre-Bass, der zudem von einem unruhigen Beat flankiert wird. Musikherz - was willst du mehr?! In der Hälfte nimmt der Track sogar technoeske Formen an. Das gehört zum Geheimnis von Alex Donats Hauptprojekt: Bloß nie gleich klingen, immer links und rechts mal ausbrechen. Was ist denn aber die andere Hälfte dieses Stückes? Der Inhalt: bleib bei dir, du hast viele Stärken, egal was alle anderen sagen. Sei stolz drauf und drück den Rücken durch! Eine wunderbare Diskrepanz zwischen Musik und Text. Zudem veröffentlicht der Musiker eine B-Seite (geil anachronistisch!): eine deutschsprachige Version von Caring Is Creeping von The Shins. Zusammengefasst: Genial und komplex!


Tiny Doris
(Ms) Na, ist euch auch wieder alles zu wichtig, was so passiert? Zu krass? Zu intensiv, sodass man entweder gar nicht hinterher kommt oder einen seltsamen Zwang spürt à la: Da muss ich mich dringend einlesen und noch eine Doku zu schauen. Nein! Nein! Nein! Das Hirn braucht dringend eine Pause. Wie gut, dass Tiny Doris (alleine der Name schon!) um die Ecke kommen und den Windungen da oben eine Auszeit schenken. Das Trio aus Berlin bewegt sich irgendwo zwischen Feige Flittchen, Angine De Poitrine und Improtheater. Fische ist ihre neuste Single, denn der Lachs weiß schon Bescheid, dass er auf dem Teller landen könnte. Deshalb gibt es ihn nicht. Logisch. Es muss nicht immer alles vollgespickt mit Bedeutung sein. Manchmal ist es so viel besser. Und am 18. September gibt es mit ihrem Album In Den Dosen noch mehr davon. Dann können wir uns alle von den Wahlen erholen. Geil, oder? Eben.

18.09. Berlin Schokoladen, Record Release Show
20.09. KATS Freiburg
23.09. Dortmund Subrosa
25.09. Hamburg Gängeviertel
16.10. Berlin SO 36


Ebow
(Ms) Was für eine Künstlerin! Ich schreibe es immer wieder, denn Wiederholung ist wichtig! Ihr Auftritt beim letztjährigen Watt En Schlick Fest war quasi ein Erweckungserlebnis für mich. Ebow überzeugte mich nicht nur mit unglaublich großer Sympathie und außergewöhnlicher Präsenz auf der Bühne, sondern auch mit ihren starken, substanziellen Texten! Drei Singles hat sie dieses Jahr schon veröffentlicht. Nun folgt mit Club 1990 zusammen mit Fayim die nächste Auskopplung. Und wer hätte das gedacht?! Es ist ein Liebeslied. Oder viel besser: Ein Verliebungslied. Es geht um die nicht mehr als möglich Gedachte Zufälligkeit, einen tollen Menschen in einem Club zu finden. Ein entspannter, leicht verspielter, sphärischer Track, der schmeichelt und der zum Freuen da ist. Was für eine Künstlerin! Am 11. September erscheint ihr neues Album Typologie Eines Lebens und ich bin mir ziemlich sicher, dass es ein ganz heftiger Samt sein wird, der die Rap-Landschaft beeinflussen wird!

08.10.26 Köln – Bürgerhaus Stollwerck
09.10.26 Bremen – Schlachthof
10.10.26 Hamburg – Fabrik
15.10.26 Leipzig – Werk 2
22.10.26 München – Ampere
23.10.26 Wien – WUK
24.10. Frankfurt – Zoom
28.10. Berlin – Columbiahalle


Hamato Yoshi
(Ms) Na klar, das muss entweder ein Hersteller von irgendeinem Technikgedöns sein oder ein spezeiller frei zu spielender Charakter bei Mario Kart: Hamato Yoshi. Ja, nicht weit weg. Die Figur kommt aus den Teenage Mutant Ninja Turtles. Und aus Oldenburg. Ja, richtig gelesen. Das Quartett aus dem Nordwesten hat sich diesen Namen zu eigen gemacht und macht melodiöse Rockmusik. Gestern kam mit You Rule The World eine neue Single heraus, die Teil der neuen EP Stand Up For The People sein wird, die am 30. Oktober erscheint. Die Namen von Track und Platte machen klar, was der Band am Herzen liegt. Stabile Musik mit aufrechten, stabilen Ansagen.
Sorgt mal dafür, dass die Band mehr als 16 monatliche Hörende bei Spotify hat!

20.08.26 Oldenburg – Stadtfest
21.08.26 Edewecht – Rock bei Rink
30.10.26 Neermoor – Zuch / EP-Release
06.11.26 Hannover – Kopernikus
07.11.26 Oldenburg – Updreihn Festival
13.11.26 Bremen – Bettys Black Pearl
14.11.26 Nordenham – Eldorado
28.11.26 Leer – JUZ
05.12.26 Bad Oldesloe – Inihaus


Park + Riot
(Ms) Karma - du gibst und irgendwann kommt was zurück. Das hat das Leipziger Duo Park + Riot jüngst erfahren. Die Band ist bekannt für extrem energiegeladene Shows, mitreißenden Krach und zahlreiche Konzerte in auch eher ungewöhnlichen Regionen wie Israel, dem Balkan oder in der Ukraine. Zuletzt waren sie in Schweden unterwegs und wurden von der Polizei kontrolliert. Die haben ein Pfefferspray gefunden, das die beiden wohl vor länger Zeit verlegt haben. Damit verstießen sie gegen schwedisches Recht und wurden auch vierzig Tagessätze verklagt. Was sie erfuhren war nicht nur eine Erfahrung mit skandinavischem Recht, sondern auch Solidarität. In recht kurzer Zeit waren die 1300 Euro zusammen gesammelt. Genial!
Als kleines Dankeschön haben sie mit I Fought The Law eine neue Single veröffentlicht. Ursprünglich aus den 60er Jahren von The Crickets geschrieben und später groß gemacht von The Clash. Unter zwei Minuten ballern sie den Track in den Äther. Karma. Wie stark ist das denn eigentlich?!

14.08 Rostock Peter-Weiss-Haus
15.08 Latscho Festival Koblenz
28.08 TOEN Festival Bischofswerda
29.08 Südstadt Open Air Braunschweig