Montag, 12. November 2018

Illuminine - #3

Kevin Imbrechts aka Illuminie
(ms) Ich wundere mich immer, wenn Menschen mir sagen, dass die Zeiten ja so hektisch geworden sind, man manche Dinge gar nicht mehr richtig mitbekommt. Hast du schon die-und-die Serie gesehen? Wie, du warst bei dieser off-Kunst-Geschichte nicht? Den neuen Hype noch gar nicht live gesehen? Kann doch nicht sein, dass du zur politischen Entwicklung in Staat XY keine Meinung hast! Noch nicht den neuen Wir-machen-alles-selbst-Laden in der Stadt ausprobiert?! Ist aber super lecker da! Du warst wirklich noch nie in Südafrika?
Nein, Nein und nochmals Nein. Und ich verstehe auch nicht, warum alles angeblich hektisch, schnell und kurzlebig geworden sein soll. Es ist doch immer die Frage, was ich selbst daraus mache. Lasse ich mich beunruhigen, mich in Panik versetzen, versetzen mich Trends und Hypes in eine bizarre Schockstarre? Und am größten ist dann die Pseudoangst irgendetwas verpasst zu haben. Wer baut denn diesen Druck auf, warum kann das alles nicht egal sein?

Dass Zeit ein wertvolles Gut ist, das ist uns ja allen klar. Die Frage ist nun also, wie sie zu nutzen ist. Innehalten, genießen und die Ohren spitzen ist da meines Erachtens ein sehr gut funktionierendes Rezept. Anzuwenden ist es seit gut eineinhalb Wochen (VÖ: 2.11.) bei dem neuen Album #3 von Illuminine. Es ist - irgendwie logisch - das dritte Werk des Belgiers Kevin Imbrechts unter seinem Künstlernamen. Es geht wunderbar ruhig zu auf den 13 Liedern, die sich über eine kurzweilige Dreiviertelstunde erstrecken. Denn trotz zum Großteil fehlendem Gesang und minimalster Instrumentierung entwickeln die Lieder eine bezaubernde Dynamik und erstaunliche Schönheit. Durchaus bemerkenswert ist, dass Imbrechts als Quelle seiner Musik und seines Handwerks nicht etwa Nils Frahm, Olafur Arnalds oder Sigur Rós angibt, in dessen Studio er das Album aufgenommen hat, sondern Buckethead. Das ist dieser mit einer Maske und einem Pappeimer verschleierte Gitarrist, der im Metal, Funk und Jazz angesiedelt ist, über den man so gut wie nichts weiß und rein technisch zu einen der Besten seiner Zunft zählt.



Das Werk beginnt mit einem Lied, das seinem Titel extrem gerecht wird: Aura. Zu hören ist ein sanftes Rauschen, Akustikgitarre und Streicher. Es hört sich an wie ein sanfter, klarer und hoffnungsvoller Sonnenaufgang. Es sind fünf Minuten, die schnell vorbei gehen. Doch bei einem insgesamt positiven Stimmungsgefüge bleibt es nicht. Dissonanzen, Schwere, leichte Melancholie und dunkle Klänge machen sich auf Alas, Orpheus breit. Es werden Klangwelten aufgebaut, in denen die Streicher sehr dominant agieren. Dass er Asperger diagnostiziert bekam und einer Angststörung ausgesetzt ist, verarbeitet er in Musik und es gelingt ihm erstaunlich genial.
Unterteilt wird das Album zudem in vier Lieder, die mit Apprehension I bis IV durchnummeriert sind. Man kann es mit Auffassungsgabe oder auch Befürchtung übersetzen. Beides passt seltsamerweise, wenn man immer wieder reinlauscht. Man muss aufmerksam sein und spürt dennoch Sorge in den Klängen.
Diese werden in zwei weiteren Stücken jedenfalls komplett weggefegt (Dying Flame und Fright). Denn dann singt Hannah Corinne. Und das so klar und dennoch zerbrechlich, dass es die Innenwelt von Imbrechts ganz gut vertont. Die Stücke sind ungemein harmonisch und passen gut ins Album hinein. An zwei weiteren Stellen wird klar, dass viel Mut dazu gehört so feine und zum Teil extrem unaufgeregte Musik zu komponieren. Zum Einen beim Orchesterstück Dear, Utopia, das mit Adam Bryanbaum Wiltzie produziert wurde, der für die Orchesterparts verantwortlich ist. Das ist einfach unglaublich gut und filigran. Zum Anderen ist Inferences ein Aushängeschild der Platte. Das Stück hat eine Spieldauer von sechseinhalb Minuten und es ist als neuntes Lied angeordnet. Erst dann wird allmählich klar, dass an keiner einzigen Stelle Percussion verwendet wird. Nie. Dies tut tatsächlich sehr gut, denn die Kraft der Ruhe, die in kein getaktetes Korsett gezwungen ist, darf sich hier richtig ausbreiten und kommt voll zur Geltung.



#3 ist ein phantastisches Album. Es ermöglicht einem nicht nur eine schöne Pause - hektischer Alltag hin oder her - sondern auch ein großartiges Hörerlebnis.
Leider ist Imbrechts mit seinen Musikern demnächst nicht in unseren Gegenden unterwegs, aber immerhin in seinem Heimatland Belgien. Ein Ausflug dahin lohnt sich ohnehin. Jetzt kommt ein weiterer Grund dazu!

Illuminine meets Bruno Vanden Broecke

24.11De Velinx - Tongeren
01.12 - Schouwburg - Mechelen
04.12 - Schouwburg - Leuven
08.12 - CC Westrand - Dilbeek
09.12 - CC Evergem - Evergem
11.12 - Arenbergschouwburg - Antwerpen
14.12 - CC Factorij - Zaventem
22.12 - De Spil - Roeselare

Illuminine Band

13.02 - CC Hasselt (full band)
29.03 - Muziekcentrum Dranouter (trio)

Freitag, 9. November 2018

KW 45, 2018: Die luserlounge selektiert

Quelle: eaststreetarts.org.uk
(ms/sb) Nachdem ich in dem sehenswerten Queen-Film war, denke ich viel darüber nach, ob es derzeit noch so eine richtige Riesen-Band gibt. Also wo das internationale Ganz Oben im Musikbusiness ist und wer es besetzt. Welcher jüngere Künstler, welche jüngere Band - und hier sprechen wir vielleicht von "unter 50" - geht einfach mal so auf Welttournee und macht alle richtig großen Hallen oder gar Stadien voll?! Mir fällt tatsächlich niemand ein. Am ehesten vielleicht Ed Sheeran oder Taylor Swift, aber die machen so furchtbare Musik, dass ich es ihnen ungern zugestehen möchte. Wo ist die Band, die - wie etwa Queen - die Menschen genre-, alters- und grenzübergreifend zusammenbringt? Dass sie nicht überflüssig sind, zeigen die Bilder im Film, wo Vater und Sohn sich bei den Konzerten Arm in Arm liegen. Ohne Pathos: Wie schön! Alle, die sowas annährend schaffen sind die vom alten Eisen: Elton John, die Stones, AC/DC, Kylie Minogue oder Madonna. Und dann schaue ich gleichzeitig bei einem großen Kartenanbieter nach Karten für die kommende Rammstein-Stadion-Tournee und sehe: Komplett ausverkauft innerhalb kürzester Zeit. Verrückte Welt. Und wir versprechen: Es wird noch ein bisschen verrückter mit dieser Selektion:

Matt Corby
Wenn man sich Rainbow Valley (VÖ am 02.11.) anhört, mag man kaum glauben, dass der Sänger einer Casting-Show entspringt, doch Matt Corby wurde 2007 mit zarten 17 Jahren Zweiter bei Australian Idol. Heute, ein gutes Jahrzehnt später, lernen wir einen gereiften Künstler kennen, der sich geschmeidig zwischen Folk und Indie eingenistet hat und dessen neues Album ein Feelgood-Event der angenehmsten Sorte ist. Wo ist eigentlich ein Strand, wenn man ihn mal dringend braucht, um der Musik das passende Ambiente zu verleihen?
Ganz ohne Strand geht der Australier Anfang 2019 übrigens auf Tour und macht auch in unseren Gefilden Halt:

06.02. - Hamburg, Docks
07.02. - Köln, Carlswerk Victoria
10.02. - Zürich, X-Tra



Mean Caesar
Ebenfalls bereits veröffentlicht (seit Anfang Oktober und zwar auf Little Rocket Records), aber jetzt erst zu uns durchgedrungen ist die selbstbetitelte Debüt-EP der Londoner Punkband Mean Caesar. Schön melodisch, zum Mitgrölen anregend und live sicher ungemein tanzbar. Ganz ehrlich: da fühle ich mich direkt wieder zwanzig Jahre jünger und weiß ganz genau, warum ich damals genau diese Art Musik so wahnsinnig gerne gehört habe. Großartig und hoffentlich nur der Appetizer für ein vollständiges Album im kommenden Jahr.



Drangsal
Der Gruber Max. Ein Performer, der sicherlich auch ganz nach oben will. Dafür bringt er nicht nur sehr, sehr gute Musik raus. Er lässt sich auch mit den richtigen Leuten wie zum Beispiel Casper ein, mit dem er einen Podcast betreibt. Oder Sam Vance-Law, in dessen Video er mitspielte. Zu seinem eigenen neuen Bewegtbild als Drangsal holte er richtig aus und konnte niemand geringeren als Lars Eidinger engagieren, der ja gerne mal Exzentriker spielt. So auch hier. Doch was genau ist Eine Geschichte/Und Du? jetzt eigentlich? Ein guter Kurzfilm? Eine reine Provokation? Eine nette Spielerei mit Nacktheit, SM-Szenen, Leder und Brüsten? Eine Effekthascherei? Oder schlicht genial? Da wir um das Video auch nicht herum gekommen sind, empfehlen wir es für die eigene Meinungsbildung mal anzuschauen. Drangsal ist derzeit auf Tour!

15.11. – Hannover, Café Glocksee
16.11. – Berlin, SO36 (Ausverkauft)
17.11. – Hamburg, Uebel und Gefährlich (Ausverkauft)
29.11. – Leipzig, UT Connewitz (Ausverkauft)
30.11. – Mannheim, Alte Feuerwache
01.12. – Köln, Gloria (Ausverkauft)
02.12. – Bochum, Bahnhof Langendreer
09.03. – Berlin, SO36


Boygenius
Täglich erreichen uns zahlreiche Anfragen, Nachrichten und Anrufe, woher wir, die luserlounge, denn unsere musikalischen Quellen beziehen! Wie kommt man an die entlegensten Bands und kleinen Künstler aus Norwegen, Japan oder Peru? Das verraten wir natürlich nur ungern, aber es sind hauptsächlich Mails. Oder der Newsletter vom ZEITmagazin. Darin schreibt Christoph Amend immer allerhand interessanten Kram, den man sich abends oder früh morgens durchlesen kann. Diese Woche empfahl er die Gruppe Boygenius, mehr oder weniger eine Allstar-Band des weiblichen Folk: Julien Baker, Phoebe Bridgers und Lucy Dacus sind das. Und sie haben zusammen einen schönen, ruhigen Song geschrieben, den man hier anhören kann:



Little Dragon
Platz 2 in den US Dance Charts erreichten Little Dragon aus Göteborg mit ihrem Album Nabuma Rubberband vor vier Jahren und an genau diesen Erfolg wollen Sängerin Yukimi Nagano und ihre Band nun mit ihrer Lover Chanting EP (VÖ: heute digital, nächsten Freitag dann auch als 12'') anknüpfen. Keine Frage, die Songs sind einwandfrei produziert und dürften jeden Dancefloor füllen, aber das ist einfach keine Musik, die mich begeistert und die ich mir freiwillig anhören würde. Wer allerdings auf so Tanzzeug steht, der wird sicher angetan sein; nicht umsonst kooperierten die Schweden in der Vergangenheit bereits mit Größen wie Odesza, De La Soul und den Gorillaz.



Sniffing Glue
Das Kontrastprogramm bieten Sniffing Glue: auf Kindnap Records erscheint mit Feral Thoughts (VÖ: 16.11.) das mittlerweile fünfte Album der Hardcore- & Punk-Veteranen vom Niederrhein. 16 Songs, einfach mal so übers Wochenende im Studio reingehämmert - authentischer geht kaum. Dass es dabei aber nicht permanent auf die Fresse gibt, sondern sogar die ein oder andere Mid Tempo-Nummer zu hören ist, macht das Ganze abwechslungsreicher und wertet das Album ungemein auf. Geht verdammt gut.



Überyou
Fast fünf Jahre hat es gedauert, bis Überyou wieder ein Lebenszeichen von sich gegeben haben und nun lassen uns die Schweizer doch tatsächlich noch bis Anfang 2019 warten! Am 11.01. veröffentlichen die Züri-Punks auf Gunner Records ihr mittlerweile viertes Studioalbum namens Night Shifts. Hot Water Music und Against Me stehen Pate, die Leidenschaft der Musiker für ihr Tun ist spürbar und so kann man das Album nach Startschwierigkeiten (Track 1 Make It Last ist nicht wirklich meins...) gut durchhören. Sniffing Glue und vor allem Mean Caesar gefallen mir zwar besser, aber das ist Jammern auf hohem Niveau.


Coconami
So, abgefahrener wird's heute nimmer! Coconami sind Miyaji und Nami aus Japan, die beiden wohnen allerdings in München und singen auf Deutsch, Bairisch, Italienisch und Englisch - u.a. über Aale, die Herpes bekommen können und König Ludwig. Whaaaaaaaaaaaaaaaaaaaat? Das Coole daran ist aber, dass das tatsächlich Spaß bereitet, der Ukulelensound wie die Faust aufs Auge passt und diese Ansammlung an Absurditäten sich zu einem stimmigen Gesamtbild fügt. Saikai wird am 23.11. auf Trikont (wo auch sonst?) veröffentlicht und ist in seiner Unschuld einfach nur bezaubernd.



Mittwoch, 7. November 2018

Kino: Bohemian Rhapsody

Quelle: dailybruin.com mit Verweis auf Alex Bailey
(ms) Im Kino war ich schon lange nicht mehr, aber der gestrige Besuch hat sich ganz schön gelohnt. Denn dort läuft derzeit der Queen-Film Bohemian Rhapsody und zeigt in vielen Schritten Teile des Lebens von Freddy Mercury und dem Werdegang der Band.
Dabei ist schon etwas seltsam, dass die Macher des Films Mitglieder der Gruppe sind, nämlich Brian May und Roger Taylor. Das vermittelt schon den Eindruck, als ob sie sich bei Lebzeiten selbst ein Denkmal setzen wollen. Und das ist absolut okay, denn Queen ist wohl eine der größten Bands, die es je gegeben hat. Und daraus wird in den über zwei Stunden Film auch kein Hehl gemacht. Ihre Genialität im Musikmachen, -schreiben, -erfinden, -weiterdenken ist zeitlos. Ihr unbedingter Wille ganz weit oben zu sein, wo es keinen anderen mehr gibt, der wurde stets von Freddy Mercury verkörpert. Rami Malek spielt ihn super, hat sich die Gebärden und Gesten des Originals extrem gut beigebracht. Mercury war stets Exzentriker, gewollter Außenseiter, Performer, Hauptdarsteller, Mensch im Scheinwerferlicht. Das kommt klasse rüber, nichts scheint überdreht zu sein, vielmehr war sein Leben bestimmt noch intensiver, wilder, bunter.
Ob insbesondere die Anfangszeit der Band tatsächlich so ablief, wie der Film es darstellt, muss nochmal nachgelesen werden. Sollte es tatsächlich genau so passiert sein, dann ist es eine verdient außergewöhnliche Geschichte. Die Lieder wurden für den Film extra nochmal nachproduziert, sicherlich auch um der Technik in den großen Kinosälen zu entsprechen.
Ein paar Vorgehensweisen sind jedoch schwer nachvollziehbar beim Film. Es wird viel über das Privatleben von Freddy bekannt, warum nicht der Tod und seine anderen Beziehungen? Warum endet der Film mit dem Auftritt beim Live Aid-Event? Warum sind keine Originalaufnahmen während des Films zu sehen sondern nur im Abspann? Hm, keine Ahnung. Es hätte dem Streifen sicher gut getan.
Am Ende bleibt jedoch großes Kino, wunderbare Unterhaltung, die durchaus nahe geht in diversen Momenten!





Freitag, 2. November 2018

KW 44, 2018: Die luserlounge selektiert

Quelle: www.everydayknow.com
 (ms/sb) Letzte Woche war ich auf einem ganz phantastischem Konzert im wundervollen Gleis22 in Münster. Die Macher des Clubs sind ja eh super, organisieren das Booking selbst, stellen den Raum für viele tolle Initiativen zur Verfügung, es gibt stets leckeres Mittagessen und zu den Konzerten und Partys nie Schnaps. Super. Die Band Hundreds spielte da. Zugegebenermaßen kannte ich bislang keinen einzigen Song der Gruppe, das Ticket bekam ich von lieben Menschen geschenkt. Wundervoller Weise wurde ich ganz großartig überrascht und ließ mich schnell von den Tönen und Songs treiben. Daher denke ich: Auch beim Thema Livemusik einfach mal was wagen, irgendwo hingehen, was man nicht kennt, sei es die Band oder das Venue. Es lohnt sich. Genauso wie unsere Feinschmeckerauswahl fürs Wochenende:

Rockstah
Die Musikerkarriere von Rockstah war eigentlich bereits beendet, der Wandel zum Podcaster vollständig vollzogen, das Vollnerd-Image beeindruckend ausgebaut - und nun also die Rolle rückwärts! Cobblepot (VÖ bereits am vergangenen Freitag) heißt das Comeback-Album des Rappers, der zugegebenermaßen nie zur allerersten Garde der hiesigen Hip Hopp-Szene gehörte, dann aber doch eine schmerzhafte Lücke hinterließ, eben weil er so spezielle Thematiken behandelte und sein Geek-Dasein so eindrücklich manifestierte. Genau da setzt Rockstah nun auch wieder an: der Einstieg ist fast ein wenig apokalyptisch, das Gamer-Genre wird wieder ordentlich bedient, Oldschool-Elemente werden gekonnt mit neumodischem Kram gemischt, die Rap-Schublade wird mitunter verlassen (siehe Video!) und textlich haut der Meister manch Perle raus.
Aaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaber: den durchaus vorhandenen Highlights stehen auch ein paar Tracks gegenüber, bei denen es mir schwerfiel, nicht zu skippen und die es m.E. vor der Pause auf kein Rockstah-Album geschafft hätten. Ich bin jetzt insgesamt nicht enttäuscht von Cobblepot, a bisserl mehr hatte ich mir aber doch erwartet. Live-Termine:

07.11.18, Hannover - Bei Chez Heinz
08.11.18, Hamburg - Knust
09.11.18, Bremen - Lila Eule
10.11.18, Berlin -  Musik & Frieden
11.11.18, Leipzig – Neumanns
13.11.18, München - Hansa 39
14.11.18, Stuttgart - clubCANN
15.11.18, FFM – Zoom
16.11.18, Köln – Yuca
17.11.18, Köln - Club Volta

Nemanja Radulovic
Klassik in der luserlounge! Nachdem wir neulich leider versäumt haben, das überragende Album Johann Sebastian Bach des isländischen Pianisten Vikingur Ólafsson angemesen zu würdigen, soll uns dies nun nicht noch einmal passieren. Am 09.11. veröffentlicht der serbische Violinist Nemanja Radulovic seine musikalische Reise durch den Orient. Nachdem er sich bereits die Musiktradition Osteuropas, die barocken Klanglandschaften von Bach und die russischen Melodien von Tschaikowsky vorgenommen hat, ist nun also der Orient an der Reihe: Baïka enthält u.a. ein neu arrangierte Scheherazade und begeistert zudem mit Werken von Sedlar und Khachaturian. Sehr stark!
Live gibt's das Ganze hier zu bestaunen:

23.11.2018 - Liederhalle, Stuttgart
24.11.2018 - Philharmonie Gustav-Siegle-Haus, Stuttgart
25.11.2018 - Kultur- und Kongresszentrum Oberschwaben, Weingarten
28.11.2018 - Theater, Wolfsburg
07.12.2018 - Graf Zeppelin Haus, Friedrichshafen
10.12.2018 - Eurogress, Aachen
27.01.2018 - Universität, Regensburg
28.01.2018 - Heinrich-Lades-Halle (Stadthalle), Erlangen



Boy George & Culture Club
Einst war Boy George eine der schillerndsten Figuren des Pop-Business, sein androgynes Auftreten war vor gut 30 Jahren mehr als nur provokativ und seiner Zeit um etliche Jahr(zehnt)e voraus. Songs wie Karma Chamaleon oder Do You Really Want To Hurt Me aber sind noch heute auf jeder 80's Party unverzichtbar und schlicht und einfach genial.
Doch kommen wir zur Gegenwart: Ja, Boy George und sein legendärer Culture Club haben wieder zueinander gefunden und am vergangenen Freitag erschien ihr Album Life. Interessiert das heute noch jemanden? Ist eine Mega-Enttäuschung da nicht vorprogrammiert? Sagen wir mal so: wenn man ohne Erwartungen an das Album herangeht und sich Life unvoreingenommen anhört, wird man über weite Strecken gut unterhalten. Ein potentieller Chartbreaker ist zwar weit und breit nicht auszumachen, aber muss ja auch nicht. Besonders die Reggae-inspirierten Songs funktionieren sehr gut und lassen problemlos vergessen, dass man da gerade von einem 57-Jährigen besungen wird. Stimmlich klingt das eh, als wäre Boy George nie weg gewesen, musikalisch ist sogar eine Weiterentwicklung zu erkennen und textlich hat sich in den knapp 20 Jahren seit dem letzten Album einiges angesammelt. Alles in allem eine positive Überraschung, ohne komplett zu glänzen.


Dendemann
Er ist wieder da. Die Spatzen pfeifen es ja bekanntlich schon seit Wochen von den Dächern, doch jetzt gibt es auch einen Namen, Daten und auch ein Video mit nigelnagelneuem Material. Wir sind so froh, dass Dendemann wieder am Start ist. Und heidewitzka: gesellschaftspolitisch vollkommen auf der Höhe der Zeit. Auf Keine Parolen zeigt er Haltung mit der geliebten reibeisernen Stimme. Die Langspielplatte da nich für! erscheint dann am 25. Januar und der deutsche Rap ist so aufgeregt wie kaum zuvor. Doch die Namen, mit denen er sich nun messen muss sind andere als noch vor über acht Jahren, als Vom Vintage Verweht erschien. Wir sind gespannt und erwarten zurecht viel. Einige Termine der kommenden Tour sind auch schon ausverkauft:

04.02. Hannover - Capitol
05.02. Bremen – Pier 2
06.02. Osnabrück - Rosenhof
07.02. Dortmund - FZW
09.02. Münster - Skaters Palace
10.02. Frankfurt - Batschkapp
11.02. Heidelberg - halle02
12.02. Stuttgart - Im Wizemann
13.02. München - Tonhalle
16.02. Karlsruhe - Substage
17.02. Köln - Carlswerk Victoria
18.02. Wiesbaden - Schlachthof
23.02. Dresden - Reithalle
25.02. Leipzig - Werk2
26.02. Hamburg - Mehr! Theater
27.02. Hamburg - Mehr! Theater
28.02. Berlin - Columbiahalle



Schwarz
Vor Jahren hat Roland Meyer de Voltaire mal gesagt, dass er nichts anderes machen könne als Musik, also wird er immer Musik machen. Das ist wirklich lange her, dass die Band Voltaire durch die Lande zog und mich auf jeden Fall sehr verzückt hat. Wie gesagt: Long time ago. In der Zwischenzeit hat er das Genre gewechselt und für viele Filme die Musik beigesteuert, zum Beispiel zu Tom Meets Zizou und kürzlich erst zu Being Mario Götze. Die Synthesizer sind nun seine Muse und er lässt sich ordentlich damit gehen. Nun erscheint am 24. Mai kommenden Jahres sein erstes Solo-Album unter dem Namen Schwarz und es heißt White Room. Die erste Single The Others ist schon zu hören. Voilà:


Donnerstag, 1. November 2018

Erobique - Tatortreiniger Soundtracks

Foto: Yvonne Schmedemann

yvonneschmedemannfotografie(ms) Ein Mal habe ich mir einen Soundtrack gekauft und zwar den von Konstantin Gropper (Get Well Soon), den er für die französische Serie Xanadu geschrieben hat. Von der Serie habe ich - so weit es die Erinnerung hergibt - vielleicht nur die erste Folge gesehen, hat mich auch echt nicht interessiert. Wann genau ich diese Lieder das letzte Mal gehört habe, weiß ich auch nicht mehr. Zumindest habe ich sie als sehr gut abgespeichert.
Es gibt tausend geniale Soundtracks zu Filmen, Serien, mitunter auch Dokumentationen. Zugegebenermaßen bleiben sie aber bis auf wenige Ausnahmen nie so richtig haften, die schauspielerische Leistung, das Drehbuch, der Witz, die Dramatik, die Handlung stehen ja logischerweise im Vordergrund. Was kann die Musik also leisten? Hm, dumme Frage, denn es ist eine Menge. Sie kann jede Szene wesentlich emotionaler machen, unterstreichen, den nötigen Ernst einhauchen, die Spannung steigern oder bizarr mit ihr brechen so wie Tarantino das ja gerne macht. Falls man mal einen Film ohne jegliche Musik gesehen hat, weiß man auch was die Abwesenheit dessen bewirken kann. Also: Soundtracks laufen irgendwie nebenbei, sind aber oft unerlässlich. Damit sind nicht nur einzelne Lieder gemeint, sondern auch das, was in dieser Thematik Score genannt wird, also die Filmmusik an sich, das was mal so rein schneit.

Nun erscheint kommende Woche Freitag (9. November) eine Platte, die viel mehr ist als reine Filmmusik, auch wenn sie es im Wesen natürlich bleibt. Denn zum ersten Mal veröffentlicht Carsten - besser bekannt als Erobique - Meyer zwanzig Tracks aus der grandiosen Serie Tatortreiniger. Darin putzt Bjarne Mädel an Tatorten die unterschiedlichsten menschlichen Überbleibsel weg, worum es jedoch gar nicht geht. Denn die Angehörigen oder Anwesenden an diesen Orten sind oft nicht nur geniale Schauspieler (Milan Peschel, Matthias Brandt, Fritzi Haberland, Anna Schudt...), sondern verwickeln Heiko "Schotty" Schotte in die wunderbarsten Dialoge, die das deutsche Fernsehen in den letzten Jahren gehört hat. Stets ist Witz und Komik dabei, wäre bei Regisseur Arne Feldhusen (u.a. Stromberg) ja auch gar nicht anders zu denken, doch oft haben die Gespräche auch viel Tragik, viel Philosophie, viel hartes, echtes Leben zu bieten. Große Klasse.



Erobique ist schon lange im Geschäft. Seit den 90er Jahren legt er in Clubs und auf Partys auf. Zusammen mit DJ Koze und Cosmic DJ war er International Pony und unter diesem Namen wurden drei Alben veröffentlicht. Er hat mit Studio Braun und Schorsch Kamerun gearbeitet und die Musik zu der Verfilmung von Sven Regeners Roman Magical Mystery erdacht.
Tatortreiniger läuft seit 2009 auf dem NDR. Seitdem ist Erobique Teil der Mannschaft, eng spricht er sich mit Feldhusen ab, wenn sie zusammen in Meyers Studio sind, das aus allen Nähten platzt, so viele Instrumente und Raritäten befinden sich darin.

Das Cover der Platte
20 Tracks sind nun auf der Platte zu finden, manche tragen auch den Namen der jeweiligen Folge (Schottys Traum, Emma, Der Schamane...), sodass der Wiedererkennungswert mit der Serie sehr hoch ist. Logisch auch, dass der erste Song das Titelthema der Serie ist, das woanders immer wieder auftaucht, zum Beispiel auf Rein in die Westernstiefel. Auch logisch, dass die Lieder mitunter kurz sind, wenn zwanzig Stück auf vierzig Minuten Musik passen. Mit Sophia Kennedy hat er sich sogar eine bekannte Stimme geliehen, die mysteriös daher singt (Im Wald).
Stark ist immer wieder, wie breit gefächert Carsten Meyers Können ist. Mal geht es unheimlich catchy und voller Groove zu (Ja, ich will oder Clouds of Ecstasy), mal ist es die Definition von Easy Listening (Schottys Traum), dieser herrlichen Musikrichtung. An anderen Stellen überzeugt eine ansteckende Klavierhook (Schotty in Manchester). Stets ist das Ungewisse, Kreative, wunderbar Merkwürdige, was in den Drehbüchern steht auch in der Musik wiederzufinden; Erobique beweist häufig ein brilliantes Gespür dafür. Denn auf Scheibenwischer kann man sich Schotty bildlich vorstellen, wie er in dem weißen, kleinen Auto sitzt, wo hinten die große Kiste, diverse Putzbehälter, eine Leiter und allerhand anderer Kram liegen, und dabei von Tatort zu Tatort düst. Regisseur Feldhusen ist auch versteckt dabei, denn auf Der Ameisenmarsch steuert er ein Pfeifen dabei. Dieses Lied charakterisiert das nicht ganz so ernstzunehmende Wesen der Sendung, es wird hier perfekt in Szene gesetzt.

Ob dieser Soundtrack auch losgelöst von der Serie funktioniert bleibt die heikle Frage am Ende. Ich glaube: Nein. Denn er ist genau dafür geschrieben, also ist die Grundausrichtung schon sehr funktional. Kennt man die Serie jedoch, ist es einfach sich durch die Musik an bestimmte Szenen zu erinnern. Zudem kann man froh sein, dass Carsten Meyer endlich mal wieder ein Beispiel seines Könnens, seiner Kreativität auf Platte gebracht hat!

Dienstag, 30. Oktober 2018

Holygram - Modern Cults

Foto: Yves Christelsohn
(ms) Ein schweres, nebulöses Dröhnen knallt aus den Boxen. Langsam setzt dazu ein Beat ein, es folgen verzerrte Sounds, die aus dem Hintergrund stetig nach vorne drängen und ab und an ist ein Piepen zu vernehmen, das man aus U-Boot-Filmen kennt. Es ist düster, satt im Klang, ohne Gesag und dennoch sehr ausgeklügelt. Der Song heißt Into The Void, geht etwas länger als eine Minute und der vielversprechende Auftakt zum Album Modern Cults der Kölner Band Holygram, das kommenden Freitag (9. November) via Oblivion/Cleopatra Records erscheinen wird.

Die fünfköpfige Band aus der Domstadt liefern auf 50 Minuten ein erstaunlich reifes und durchdachtes Debutalbum ab und fahren die modernen Geschütze auf, die der New Wave und Shoegaze im letzten Jahrhundert schon zu beachtlichem Erfolg und Einfluss gebracht haben: Synthie-Spielzeug ohne Ende, viel satten Bass, energisch nach vorne treibendes Schlagzeug und ein Gesang, der nicht im Mittelpunkt steht. Denn da befindet sich das Gesamthörerlebnis. Wollte man es vergleichen, ist es ein neuartiger, innovativer Mix aus She Wants Revenge, Depeche Mode und New Order. Also ganz weit oben ist hier anzusiedeln.

Der schwere Bass wird schnell zum Charakteristikum von Holygram. Zugleich ist auf dem Titeltrack eine Stimme voller Hall zu vernehmen, beides bleibt bestehen und kennzeichnet einen wuchtigen Beginn: dynamisch und druckvoll. Was zum roten Klangfaden gesellt ist eine positive Monotonie. Nur in Nuancen unterscheiden sich die Songs wirklich voneinander, manchmal gehen sie unerkennbar ineinander über, was ein tolles Hörerlebnis ermöglicht. Doch hält sich das auf kompletter Länge? Jein. Während A Faction schon sehr hitverdächtig in Lauerstellung steht und mit dem wahnsinnig dichten, vielschichtigen Sound viel Spaß macht schwächeln Odd Neighbourhood und She's Like The Sun zum Ende hin ziemlich ab, weil der Klang sich im Kreis dreht.
Unterm Strich bleibt aber ein überzeugender Gesamteindruck hängen. Das hat verschiedene Gründe. Zum Einen bieten sie teilweise den Klang an, den man aktuell bei Drangsal in seiner Reife noch vermisst (Signals) und sie haben keine Angst davor unkonventionell zu sein mit ihren positiv anstrengenden Klanggewittern (Dead Channel Skies). Patrick, Sebastian, Marius, Pilo und Bennett schrecken nicht vor sehr langen Instrumentalparts wie bei Distant Light zurück und machen extrem neugierig darauf, wie das live wohl klingen mag. Es hat oft den Eindruck nach einer extrem düsteren Dystopie. Nicht umsonst bezeichnen sie selbst ihre Musik als music for the lost. Passt!

Hier stehen sie demnächst auf der Bühne:

30.10. - Frankfurt - Batschkapp (mit VNV Nation)
31.10. - Leipzig - Haus Leipzig (mit VNV Nation)
01.11. - Rostock - M.A.U. (mit VNV Nation)
02.11. - Hamburg - Mehr Theater am Großmarkt (mit VNV Nation)
09.11. - Köln - Gebäude 9 (Release Show)



Freitag, 26. Oktober 2018

KW 43, 2018: Die luserlounge selektiert

Quelle: mindshare.org.au
(sb/ms) Es gibt Songs und Künstler, die mit ihrem Werk die eigene Welt ganz schön durcheinander bringen können. Das schafft Literatur ja bekanntlich auch ganz gut. Ich lese derzeit das Buch Die Stunde zwischen Frau und Gitarre von Clemens J. Setz. Auf den rund 1000 Seiten wird die eigene Realität massiv auf den Kopf gestellt. Ja, der Titel ist ganz furchtbar, der Inhalt jedoch brisant und hinlänglich verstörend. Es geht um eine junge Frau in Graz, die in einem Wohnheim arbeitet, wo Leute leben, die ihre eigene Existenz nicht hundert prozentig auf die Reihe kriegen. Dabei ist auch ein gewisser Herr Dorm, der durch massives Stalking die Frau von Herrn Hollberg in den Suizid getrieben hat, denn Dorm ist wahnsinnig in Hollberg verliebt und ein unerträglicher Frauenhasser. Letzterer kommt Dorm nun wöchentlich besuchen und erniedrigt ihn, was er aushält und irgendwie toll findet. Noch erschreckender: Dorm sitzt im Rollstuhl und das Buch ist so unglaublich fesselnd geschrieben, dass ich letztens einen Rolli-Fahrer ganz verächtlich angesehen habe. Da musste ich wirklich zusammenzucken. Puh... Dann wurden ganz schnell die Boxen aufgedreht:

Die Sauna
Feiertag in Österreich, Zeit zum Relaxen und einen Ausflug in eine nahegelegene Thermenlandschaft. Überragende Überleitung und da sind wir auch schon mitten im Thema: Die Sauna (allerdings aus dem bayerischen Oberland und nicht aus der nahen Alpenrepublik) veröffentlichen heute ihre Single Das geometrische System. Die ersten paar Bilder des Videos lassen Schlimmes erahnen, doch dann setzt die Musik ein und alles wird gut. Nicht umsonst haben die Mittzwanziger vom Schliersee schon Support-Slots bei Wanda und Tocotronic absolviert und das sollte nur der Anfang gewesen sein. 2019 folgt das Debütalbum und wir freuen uns schon sehr drauf. Wer braucht schon die ganzen ach so coolen und hippen Bands aus Berlin, wenn er vor der Haustüre solchen Perlen hat?


Haley Heynderickx
Schauen wir der Wahrheit ins Gesicht: hätte Bon Iver das Album I Need To Start A Garden aufgenommen, die einschlägige Fachpresse hätte feuchte Höschen bekommen und sich vermutlich mit Lobeshymnen gegenseitig übertrumpft. So aber stammt das gute Stück "nur" von Haley Heynderickx, einer philipino-amerikanischen Sängerin, die hierzulande nahezu unbekannt ist. Es liegt an Euch, das zu ändern und live könnt Ihr die Dame aus Portland auch bald bewundern:

26.11. Haus der Musik | Wien
27.11. Innsbruck | Spielraum
28.11. Freiraum | Übersee
29.11. Rote Sonne | München
30.11. Club Manufaktur | Schorndorf
01.12. Haldern Pop Bar | Haldern
03.12 Privat Club | Berlin
04.12. Franzis | Wetzlar
05.12. Bogen F | Zürich
06.12 L`AMALGAME | Yverdon
07.12. Le Port Franc | Sion
08.12. Kulturhaus Caserne | Friedrichshafen




Ljungblut
Endlich mal wieder was Neues aus Norwegen: Kim Ljung, bekannt als Bassist der Alternative-Rocker Seigmen, veröffentlicht am 02.11. mit seiner ursprünglich als Soloprojekt angelegten Band Ljungblut das mittlerweile sechste Album, das letzte einer Trilogie mit norwegischen Texten.
Heißt: verstehen tut man nix, klingt aber schon sehr interessant und man kann sich umso mehr auf die Melodien und die instrumentale Begleitung konzentrieren. Trotzdem möchte ich Euch auf ein paar textliche Inhalte auf Villa Carlotta 5959 aufmerksam machen: Hasselblad handelt von den 12 Kameras eben dieses Herstellers, die auf der Mondoberfläche zurückgelassen wurden, während Superga sich auf die Anhöhe nahe Turin bezieht, an der 1949 bei einem Flugzeugunglück 31 Menschen ums Leben kamen, darunter das komplette Team des damaligen Serienmeisters  AC Turin. Persönliche Referenzen zieht Ljung in Min Krig und Aldri Helt Stille, in denen er sich musikalisch mit seiner chronischen Migräne auseinandersetzt. Alles in allem ein tolles Album mit einer ausgewogenen Balance aus Tempo und Melancholie, wobei Ljungs charakteristische Stimmung bestens zur Geltung kommt.


Adam Angst
Ende September kam das aktuelle Album von Adam Angst in die Plattenläden und Streamingportale. Erst habe ich das etwas ignoriert und dann schlug es ein wie eine Bombe. Zur Ignoranz auch beigetragen, dass der Titel Neintology echt richtig dämlich ist. Darum wurde eine pseudoreligiöse Struktur gebaut, die das Album überhaupt nicht notwendig hat. Ja, Punk ist nicht zwingend mein Genre, doch Bands wie Turbostaat oder Love A und auf jeden Fall Adam Angst beweisen, wie viel da rauszuholen ist. Die Platte hat so viel Druck, Krach, Macht und Abwechslung zu bieten, dass einem durchaus schwindelig werden kann. Punk, Blase aus Beton oder Kriegsgebiet sind nur drei der insgesamt elf starken Songs. Dabei kann man Felix Schönfuss gratulieren, dass er endlich eine Band gefunden hat, mit der er zwei Alben aufgenommen hat.
Tickets für die anstehende Tour verkaufen sich wie geschnitten Brot. Wir empfehlen den Besuch:

15.11.2018 Wiesbaden, Kesselhaus (Ausverkauft)
16.11.2018 Wien, Arena
17.11.2018 München, Backstage
18.11.2018 Zürich, Dynamo 21
20.11.2018 Köln, Die Kantine (Ausverkauft)
21.11.2018 Hannover, Musikzentrum
22.11.2018 Münster, Sputnikhalle  (Ausverkauft)
23.11.2018 Bremen, Schlachthof
24.11.2018 Hamburg, Uebel & Gefährlich
25.11.2018 Berlin, Festsaal Kreuzberg
22.02.2019 Dresden, Beatpol
23.02.2019 Leipzig, Conne Island
24.02.2019 Frankfurt, Das Bett
01.03.2019 Stuttgart, Im Wizemann
02.03.2019 Osnabrück, Kleine Freiheit
03.03.2019 Dortmund, FZW Club



Demons of Ruby Mae
Zum Schluss hauen wir euch noch ein paar Großstadtbeats um die Ohren: Demons of Ruby Mae. Heute feiert die englische Band die Veröffentlichung ihres ersten Albums, das da den bandeigenen Namen trägt. Jonny Gavin und Adam Rowley zogen von Leicester nach Manchester, um ihrem hypnotischem Sound mehr Raum zu geben. Ob es der Umzug oder die Professionalisierung ist, ist natürlich unklar, aber der Klang hört sich sehr reif an. Die Musik taugt für gepflegtes Schwingen des Tanzbeins oder auch etwas andächtigen Stunden, kommt auf die Lautstärke an. Young Blood ist nicht nur die passende Single, sondern liefert auch ein ansehnliches Video: