Wir kennen uns nicht persönlich, aber ich habe dich knapp vierzig Mal links auf der Bühne gesehen, als du bei Kettcar die Tasten bedient hast. Das erste Mal war am 28. Juni 2007, also gut vor 19 Jahren in Münster. Es kamen zahlreiche Konzerte dazu. In Hildesheim, mehrfach Hamburg, mehrfach Bremen, Bielefeld, Dortmund, Traumzeit Festival, Leer, Flensburg, Essen, Rostock…
An diesem Wochenende spielst du deine letzten Konzerte in der Band. Danach soll Schluss für dich sein. Krass, mit welcher Energie du diese Minitour spielst. Das freut mich über aller Maßen. Denn als du am Donnerstag im Bremer Schlachthof auf der Bühne standest, war sofort - und vor allem danach klar: es wird etwas fehlen. Und diese Lücke ist nicht nur eine Musikalische. Was du alleine oder mal mit Erik zusammen auf der linken Bühnenseite für Partys schmeißt, gehört in einen ganz eigenen Kosmos. Klar, das war nicht immer so. Es gab Zeiten der Band, da sah es nicht so euphorisch aus. Doch die sind zum Glück lange vorbei.
25 Jahre Keyboard und Gesang in einer meiner absoluten Lieblingsbands. Es war doch krass, wie das Publikum dich am Donnerstag abgefeiert hat, oder? Klar, da waren mehrere weinende Augen dabei. Am stärksten hat man es tatsächlich deinem Bruder angesehen, der am Ende von Mein Skateboard Kriegt Mein Zahnarzt merklich mit seinen Emotionen zu kämpfen hatte. Das war ja aber auch kein Wunder, nach diesem Abend im Schlachthof. Sicher waren es innen um die vierzig Grad. Warum wurden eigentlich die Türen und die Dachluken wieder geschlossen?! Heidewitzka, habe ich geschwitzt…
Dass es überhaupt zu diesem Donnerstagstermin gekommen ist, lag ein einer kleinen Fehlbuchung. Aber den Menschen war es egal. Es war eine irre Sause. Einen nicht unerheblichen Beitrag haben Schluma daran. Die gehen ja super durch die Decke. Wie viel Power kann eine neue Band denn nur an den Tag legen? Das muss doch auch hinter der Bühne richtig viel Spaß gemacht haben, oder?
Danach zwei Stunden Kettcar. Zwei Stunden Power, Hits ohne Ende, super Ansagen und was für eine wunderbare Energie auf der Bühne! Ich glaube, Reimer, Fieten, Lars und Erik haben auch für dich noch mal alles gegeben. Egal ob Auch Für Mich 6. Stunde, Benzin Und Kartoffelchips, Im Taxi Weinen, 48 Stunden, Rettung, Sommer `89, Den Revolver Entsichern, Einer, Deiche oder Balkon Gegenüber. Pure Gänsehaut natürlich bei Balu und das nicht nur wegen des Inhalts. Ein Mal noch mit Marcus zusammen dieses Stück. Woah!
Aber hey, du verlässt diese wunderbare Band voller Zuversicht und Freude. Sicher auch voller Dankbarkeit und mit einem tollen, letzten, großen Knall. Wie viel Spaß kann man denn luftgitarrespielend auf der Bühne eigentlich haben? Ich wünsche dir sehr, dass der letzte Weißwein während der Zugabe richtig gut geschmeckt hat.
Lieber Lars, auch wenn wir uns nicht kannten. Irgendwie fühlte ich mich dir auf der Bühne immer verbunden. Sehr oft stand ich auf der linken Publikumsseite und habe dich beim Spielen und Singen gesehen. Die Lücke wird groß sein, auf jeden Fall.
Für dich beginnt nun, nach dem Konzert auf der Kieler Woche, ein neues Kapitel. Laut Statement voller Energie und mit vielen Ideen. Ich wünsche dir von Herzen nur das Beste dafür, gutes Gelingen und mindestens genauso viel Spaß wie an den Tasten in der Band, die den Namen Kettcar trägt.
„Ihr müsst 15% Zoll zahlen und wir nichts.“ - „Ja, okay, so machen wir das.“
So oder so ähnlich muss es ja zwischen Ursula von der Leyen und dem orangenen Mann zugegangen sein, als der Zolldeal zwischen der EU und den USA beschlossen worden ist. Dann las ich noch ein paar Stimmen zu diesem erpresserischen Handelsdeal und viele sagen, dass das die bestmögliche Version innerhalb einer völlig verkorksten Abmachung sei. Ja, soweit vollkommen nachvollziehbar. Denn die USA sind halt immer noch am wesentlich längeren Hebel. Sie könnten ja die ganze militärische Unterstützung hier runterfahren und dann steht die EU plötzlich ziemlich blöd da. So lange diese Archillesferse besteht, wird die EU sich bestimmt auf vieles einlassen. Dennoch gilt: innereuropäischen Handel stärken, andere Allianzen finden, unabhängiger vom Wahnsinn hinter dem Teich werden.
Nichtseattle
(Ms) Konzerte, die zu Tränen rühren, bleiben besonders stark im Gedächtnis. Im November 2024 spielte Katharina Kollmann aka Nichtseattle im Bremer Schlachthof. Ich bin eh schon ein wenig emotional-schwankend angekommen und dieses Konzert hat mich stark getroffen. Aber auf einer wunderbaren, zarten, direkten, sehr poetischen Weise. Sehr menschlich, musikalisch wunderschön. Nun gibt es gute Nachrichten: denn zusammen mit ihrer Band hat sie ein neues Album eingespielt. Große Liebe heißt es und wird am 25. September erscheinen. Neue Stücke, die sich um die Liebe drehen werden. Doch wenn Katharina Kollmann textet, ist auch klar, dass sie so scharfsinnig schreibt, sich so gute, tiefgehende Gedanken macht, feministische obendrein, dass es nicht nur rosarot wird. Liebe kann viel, auch weh tun und verzweifeln lassen. Und Liebe wem gegenüber? Auch sich selbst. Darüber geht es in der ersten Single Dallas, die seit einigen Tagen draußen ist. Auf sich aufpassen, Selbstfürsorge, irgendwelche Mittel und Wege finden, um dem hellen Wahnsinn in der Welt zu ertragen. Nicht nur im Text, sondern auch in dem tollen, neuen Video. Hui, die Vorfreude auf dieses Album ist sehr groß!
07.08.26 Joachimsthal, Reclaim Festival 05.09.26 Pünderich, Oben Air 06.09.26 Dresden, The Sound of Bronkow 03.11.26 Kiel, Hansa48 04.11.26 Hamburg, Knust 05.11.26 Osnabrück, Kleine Freiheit 06.11.26 Langenberg, KGB 07.11.26 Leipzig, UT Connewitz 08.11.26 Berlin, Großer Sendesaal des rbb 09.11.26 München, Feierwerk (Kranhalle) 10.11.26 AT-Vienna, Club Lucia 12.11.26 Regensburg, Alte Mälzerei 13.11.26 Frankfurt, Brotfabrik 14.11.26 Köln, Artheater
Schluma
(Ms) Passt auf - es wird richtig genial, gewissermaßen nostalgisch, voller Tatendrang, ein bisschen bekloppt und vielleicht ist es wirklich die beste, frische Band seit langem: Schluma aus Hamburg. Wer den Kosmos vom Grandhotel van Cleef folgt, hat den Namen der Band schon gelesen, sie gehören nun zur Familie. Zudem haben sie letztens den Krach+Getöse-Preis der Hansestadt gewonnen. Dabei haben sie gerade mal drei Singles veröffentlicht. Egal, ist ja eh super! Indierock ohne glattgebügelte Arrangements. Gitarrengeschrammel, der hart an die frühen Tocotronic erinnert. Lieder über die Bandmitglieder. Peter an der Gitarre hat Ich Bin Ein Außenseiter Dieser Republik über Sänger und Bassist Lenny geschrieben, die 25 Jahre trennen. Vielleicht ist die Selbstexklusion in politischer Hinsicht ein gutes Mittel, um derzeit nicht durchzudrehen. Schluma bieten den Soundtrack und veröffentlichen am 4. September ihr Debut Heulen Am Wasser. Das ganze wird groß aufgefahren mit einem Festival über zwei Tage im Indra, für das sie einfach neu gewonnene Freunde, Bands undundund eingeladen haben. Voller Tatendrang eben… das wird guuuuuut!
02.07. Rømø, Cruise van Cleef (Support für Madsen) 11.07. Hamburg, 25 Jahre Stilbruch 04.-05.09. Hamburg, Indra – 10.000 Leute Festival, Album-Release-Show 01.-03.10. A-Wien, Waves Vienna
Kabinett
(Ms) Manchmal sind es ja nur zwei, drei Takte, die aufzeigen: Oha - hier kommt was ganz großes! Das ist mit Kabinett und ihrer neuen Single Call My Name definitiv der Fall! Die Band aus Mannheim setzt direkt auf große Melodien und Arrangements und der Plan geht gewaltig auf! Hört man die aktuelle Single und schließt dazu die Augen, sieht man sich versetzt auf ein großes Festival am frühen Abend, es wird schon etwas dunkel, überall sind freudestrahlende Gesichter zu sehen und dann führen diese Hooks und diese Energie dazu, dass Fäuste in die Luft gereckt werden und der Puls nochmal erheblich steigt. Die Single beschreibt das verflixte Gefangensein in einer Beziehung, die beide eigentlich nicht mehr wollen, sich aber auch nicht trennen können. Puh. Es ist der erste von vier Tracks, die die Band dieses Jahr noch veröffentlichen wird, bevor im kommenden Frühjahr dann ihr erstes Album erscheinen wird. Das. Wird. Richtig. Gut!
Eels
(Ms) Über einige Bands und KünstlerInnen würde ich hier manchmal gern andere, wesentlich kompetentere Leute schreiben lassen. Eels zum Beispiel. Logisch, kein unbekannter Name, aber außer über die wunderbare Stimme und die sehr harmonischen Arrangements seiner Songs kann ich über gar nichts berichten. Also beschränke ich mich mal darauf. Mark Oliver Everett wusste immer schon, sehr gute Geschichten zu erzählen. Zum Beispiel auf seiner neuen Single Cap In Hand. Ein Lied über die vielleicht größte Geste, zu der wir Menschen fähig sind: Einsicht zeigen, Fehler zugeben, Besserung versuchen. Das ist ein ganz schön harter Schritt, aber er tut halt auch wirklich gut. Getrieben wird der Track von einem markanten Bass. Zudem ist die Ambivalenz des menschlichen Wesens aus der Erzählung super im Timbre seiner Stimme aufgehoben. Wow - wie schön! Damit kündigt er sein 16.(!) Album an. Cookie Happened wird am 16. Oktober erschienen. Heißt: vier Monate Vorfreude!
Tramhaus
(Ms) Gerne schaue ich mir Tourplanungen unterschiedlicher Bands an. Wolang fahren sie? In welchen der Läden war ich auch schon? Welche Länder werden abgeklappert und wie viele Konzerte spielen sie überhaupt? Schaut man sich den Tourkalender der Band Tramhaus an, könnte man denken: Wow, warum sind die an mir vorbei gegangen? Die spielen ja europaweit überall. Und/oder: Was sind das für wahnsinnige Musiknarren, die das alles durchziehen?! Geil! Irgendwo zwischen Shoegaze und wildem Indierockgeschrammel macht diese Band aus Rotterdam seit sechs Jahren Musik, die es in sich hat. Coolness, Drive, Druck. Alles dabei. Allein nach ihrem Debut spielten sie 125 Gigs in 22 Ländern. Irre! Wenn dann ihre aktuelle Single Plovdiv aus dem kommenden Album Blister (9. Oktober) läuft, schwappt eine Ahnung der Energie, die sie auf der Bühne auffahren können, aus den Lautsprechern. Die Gitarren voll aufgedreht, das Schlagzeug scheppert, die Stimmbänder ächzen. Woah, das macht Bock!
Wie oft ich von meiner Ausbildung profitiere. Das ist so richtig krass. Bachelor und Master und Referendariat und es hat so richtig gut geknallt. Letztens zum Beispiel. Da kam ich morgens in eine der Klassenräume und musste erstmal sauber machen, weil es gruselig aussah. Da kam mir sofort das Grundlagenstudium zur Geschichte des Besens in den Frontallappen geschossen. Beschaffenheit des Stiels, Dichte der Borsten, geschicktester Fegeweg. Alles war sofort wieder da. Genial! Auch den Aufbaukurs Mülltrennung aus dem Master konnte ich direkt wieder praxistauglich anwenden. Liegen gebliebene Obstreste?! Braune Tonne! Nutellacrepes auf der Fensterbank? Auch braune Tonne. Joghurtbecher? Obacht - gelbe Tonne. Zahlreiche Schnipsel Papier? Auch hier ist Vorsicht geboten - grüne Tonne. Ich bin meinen Eltern bis heute aus tiefstem Herzen dankbar, dass sie mich beim Studium finanziell unterstützt haben.
Muff Potter
(Ms) Wenn die Energie erst einmal durch den Körper dringt. Wenn die Muskeln sich anspannen. Wenn der Schweiß den Rücken runter rinnt. Wenn es angenehm dröhnt und kracht. Dann schlägt die Wucht zu, dann zeigt Livemusik, was sie kann: Bei der letzten Muff Potter-Tour skandierte ich die Zeile „Hast du früher auch Brühwürfel gelutscht, wenn du traurig warst, und wie machst du das jetzt?“ im warmen Bremer Schlachthof und sah im gleichen Moment einen anderen Verrückten, der ebenso skandierte und ich dachte nur so: Ja, man! Das wird im Herbst auch wieder so sein, wenn die Band mit ihrem neuen Album Klepto (18. September) unterwegs sein wird. Dann werden sie sicher ihre aktuelle Single Hast Du Den Müll Schon Runtergebracht spielen und dann werden alle aus voller Kehle singen: „Hast du heute Zeit für mich? Dieses Öl gehört ins Feuer, diese Wahrheit gehört ans Licht.“ Da steckt die gleiche Energie. Und der Track verkürzt die Wartezeit bis in den Herbst ganz wunderbar.
(Ms) Warum das alles? Warum jede Woche über neue Musik schreiben? Warum Musik machen? Warum auf Konzerte gehen? Warum Alben veröffentlichen? Warum neue Lieder schreiben? Einfache Antwort: Weil es sein muss! Es geht kein Weg daran vorbei. Nicht nur als wundervollste Beschäftigung überhaupt, sondern auch als Lebenselixier. Auftanken, träumen, auch mal weh tun, tanzen, feiern, fliegen. Das geht besonders gut bei der Musik von Catt. Die Allesspielerin begeistert seit vielen Jahren mit ihrer sehr zarten, intensiven und dann wieder wuchtig-tanzbaren Musik. Filigran, aber nicht zerbrechlich. Nachdenklich, aber nicht zermürbend. Und halt auch irre gut gemacht! So ein tolles Konzert von Catt kann man sich nun nach Hause holen, denn heute (!) veröffentlicht sie mit Alive ihre erste Platte mit Liveaufnahmen. Es ist kein Konzert, das in Gänze mitgeschnitten worden ist, sondern Ausschnitte von hier und da. Wundervoll ist es geworden. Bei Live-Alben spielt ja immer der Groove eine Rolle - kommt das rüber?! Und ob! Am Herbst kann man sich wieder livelive mitreißen lassen:
(Ms) Kloß im Hals. Wie hier anfangen? Dieser Track ist vielleicht das härteste, was ich zuletzt hörte und sah. Und obendrein das Video. Ja, das Video gibt dem Lied eine Ebene, die so aufs erste Hören nicht ersichtlich ist. Auf einer Metaebene zeigt es, wie komplex Musik als Kunstform ist und wie sie glänzen kann. Also: Ebow hat mit Novoline eine neue Single veröffentlicht. Es geht um die Glücksspielsucht ihres Vaters und es ist zu großen Teilen aus Sicht des Spielautomaten geschrieben. Das ist schon mal richtig krass. Zudem ist Ebow eine Künstlerin, die ihre Musik fest mit ihrer familiären Geschichte verbindet. Der harte Kampf der Zugezogenen und ihr Zerren um einen Platz in dieser Gesellschaft, der ihr leider viel zu oft verwehrt wird. All das in einem Lied. So persönlich, so stark, so hart. Und sie setzt auf jeder Ebene einen drauf. Dieses Mal gibt es keinen wuchtigen Beat, nein, nein. Nur ein Cello. Und einen großen Chor. Und ihre Stimme. Wie krass kann Musik, kann Kunst denn bitte sein? Ebow setzt hiermit neue Maßstäbe. Im Texten. Im Komponieren. In einer Gänze als Künstlerin. Das ist groß, ganz groß!
12.05.26 Freising – Uferlos Festival 06.06.26 Schmitten – Schmittner Open Air 19.06. Potsdam – über:morgen Festival 31.07.26 Bremen – TurnUp 01.08. Diepholz – Appletreegarden 08.10.26 Köln – Bürgerhaus Stollwerck 09.10.26 Bremen – Schlachthof 10.10.26 Hamburg – Fabrik 15.10.26 Leipzig – Werk 2 22.10.26 München – Ampere 23.10.26 Wien – WUK 24.10. Frankfurt – Zoom 28.10. Berlin – Columbiahalle
Lambchop
(Ms) Niemals hätte ich gedacht, dass ich mal diesen Satz schreibe: Das Banjo knallt hier auf ganz wunderbare Art und Weise. Denn oft tritt dieses Instrument in verstaubtem Country auf und macht da komische Sachen. Doch Kurt Wagner, Kopf von Lambchop, setzt dieses Instrument auf seinem neuen Album Punching The Clown (21. August) wirklich geschickt und wirkmächtig ein. Zum Beispiel auf der neuen Single Stella. Es leitet die Melodie und versprüht eine gewisse Euphorie, eine angenehme Leichtigkeit. Und auch einen gänzlich neuen Klang im großen Kosmos dieser Band. Beeindruckend, dass Kurt Wagner nicht müde wird, stets Neues auszuprobieren, immer von neuem Mut getrieben, von neuem Sinn für das Schöne. So wird die neue Platte ruhig. Das verwundert erstmal nicht. Aber nur mit Gesang, Chor, Gitarre und Banjo hat Lambchop auch noch nicht hantiert. Dass es so gut aufgeht, hätte ich nicht gedacht. Auch nicht mit Banjo.
Und jetzt kommt auch noch diese Fußballkacke dazu. Ist ja wirklich nicht genug sonst los, oder? Daher ist es auch wichtig, mal die kleinen, schönen Situationen des Alltags zu genießen. Also, auf:
Nummer 1 - Auf dem Weg von der Arbeit nach Hause muss ich hin und wieder an einer Ampel halten, an der direkt ein Kiosk ist. Die Tür ist meist offen, am Nachmittag noch nicht so viel los. Der Inhaber hatte aber laut Musik aufgedreht und in seinem eigenen Laden dazu getanzt. Herrlich - wie schön kann das Leben sein?
Nummer 2 - Auf dem Weg durch die Großstadt am vergangenen Wochenende die nächste wunderbare Begebenheit. Und sie war ganz kurz. Hallte aber lang nach. Ein Typ fuhr auf seinem Skateboard über die Ampel. So weit, so normal. Doch er hatte währenddessen (!) eine Gitarre in der Hand. Er sang und spielte, während er fuhr und überall leuchtete das gute Leben!
Interpol
(Ms) Die 00er-Jahre waren ja so intensiv und vollgepackt von großen Tönen, dass es beinahe unmöglich war, alles abzugrasen. Große Namen gingen mir immer wieder durch die Lappen. The XX, Bloc Party, Arctic Monkeys… nie gehört. Interpol gehören auch dazu. Bis eine ganz wunderbare Person in mein Leben trat und sie mir freudestrahlend präsentierte und ich dachte so: „Krass - wie ist das nur an mir vorbei gegangen?!“ Rätselhaftes Musikerleben. Wie dem auch sei… Im August veröffentlicht die Band ihr neues Album This Mirror Weights A Ton, das zugleich ihr erstes auf Partisan Records ist. Zwei Tracks haben sie direkt zur Ankündigung veröffentlicht. Der Titeltrack ist getragen, dicht, tief, groß und voll mit dem herrlich charakteristischen Gesang. See Out Loud dreht viel stärker die Gitarren auf und kickt gänsehautmäßig direkt ab dem ersten Takt, nimmt gegebenenfalls den Atem - großartig! Im Herbst gehen sie zusammen mit Bloc Party (!) auf Tour - Nostalgiefaktor mal tausend!
11.11.2026 Berlin – Uber Arena 12.11.2026 Hamburg – Barclays Arena 14.11.2026 Düsseldorf – PSD Bank Dome
JJerome87
(Ms) 2012 geschah etwas Besonderes. Neues. Nie da Gewesenes. Es war auf spektakuläre Art erschütternd. Und so, so, so gut! Alt-J traten in die Musikwelt ein und haben einen Sound erschaffen, der vollkommen ohne Vergleich war. An Awesome Wave ist ein moderner Klassiker. Dieses unglaublich Verspielte im Klang, diese coole Genauigkeit, das Unvorhersehbare. Nun veröffentlicht Frontmann Joe Newman unter dem Namen JJerome87 am 26. Juni sein erstes Solo-Album namens The Canyon. Der Sound ist schon sehr, sehr nah an der Band. Fast identisch. Das ist - in meinen Augen - auch ein wenig egal. Denn wichtig ist, dass diese Musik existiert. Dass sie fortgeführt wird. Dass sie strahlt und kickt. Und das tut sie auf sehr stabile Weise. Das macht so wahnsinnig viel Spaß und es ist so herrlich einfach, in die Tracks einzutauchen. Zum Beispiel in die aktuelle Single Mr. Alligator:
Nouvelle Vague
(Ms) Es gibt so viele gute Songs, die so lohnenswert sind zu covern. Zum Einen aus einem musikalisch-schönen Grund, zum anderen weil viele Lieder schon eine große Eigendynamik entwickelt haben. Enjoy The Silence von Depeche Mode zum Beispiel. Das Original ist ja schon der Oberwahnsinn, ich liebe auch die Version von Nada Surf. Nouvelle Vague haben sich den Track - und zahlreiche weitere - von Depeche Mode vorgenommen. Diese wunderbare Melancholie im Song, die Größe im Text, der Drive darin. Doch Nouvelle Vague gehen einen recht radikalen Cover-Weg. Sie spielen die Vorlagen in einem Bossanova-Stil. Südamerikanisch zurückgelehnt, mit angenehmer Tiefe und einem herrlich weichen Timbre aufgefüllt. Toll ist ihre Interpretation geworden. Das Wesen des Originals bleibt gleich und doch ist es völlig neu. Das ist die große Herausforderung beim Covern: Es nicht völlig verzerren, aber auch nicht einfach nur nachspielen. Das ist hier mehr als gelungen. Mehr davon gibt es dann am 30. Oktober A Date With Depeche Mode erscheinen wird.
(Ms) Oft braucht es die ganzen Lieder, um richtig eintauchen zu können. Dann reicht eines nicht aus. Und gar nicht, weil es nicht gut sei oder so. Im Gegenteil. Aber mehr ist nun mal mehr. Und das ist gut so. Am 12. Juni veröffentlicht Ea Othilde mit You‘ll Leave The City eine 5-Track-EP, die richtig viel Kraft mit sich bringt. Im Fokus ganz klar ihre Stimme und die E-Gitarre - ja, man, dieses Jahr ist das Jahr der Rockmusik, oder? Sie spielt Alternative und Shoegaze, breitet große Flächen aus, lässt sie wirken und das Schlagzeug scheppern. Das macht ungeheuer viel Spaß. Die Musik ist dicht, eindringlich und strotzt vor Spielfreude der Norwegerin!
Euroteuro
(Ms) Eine gewisse Unaufgeregtheit. Ein Wandeln durch die Nacht. Ein leichter Rausch. Viele Gedanken, die durch den Kopf jagen. Eine Nacht, die nicht enden will. Die leichte Melancholie, die noch nie ihren Reiz verloren hat. Dazu ein Beat, der beschwingt, aber nicht zu sehr. Den Soundtrack dazu liefert Euroteuro mit der neuen Single Favourite. Die Synthies trommeln den Grundbeat, darüber flirren einige Effekte und eine wunderbar verträumte Stimme, die den Rausch anführt. Es ist die perfekte Musik, um durch lange, laue Sommerabende zu flanieren und die großen und kleinen Gedanken der Welt auseinanderzudenken. Darauf geht es auf der neuen Platte Magic, die am 25. September erscheinen wird. Der Blick richtet sich nach innen. Unter „Warum müssen wir sterben“ machen sie es nicht. Diese Themen setzen Energien frei - sie sind hörbar. Stark!
(Ms) Wenn man nicht regelmäßig nach Hamburg für Konzerte fährt, kann es durchaus Überraschungen geben. Zum Beispiel die aktuelle Adresse des Molotow. Die Miet-Odyssee hat den Club ins alte Moondoo getrieben, wo er wohl noch mindestens bis 2037 bleiben kann. Heißt auch: ein quasi neuen Club auf der Erlebnisliste. Richtig schön ist es drinnen. Gemütlich und sehr geschmackvoll eingerichtet, rot leuchtende Elemente auf dem Boden und unter der Decke. Der Unterschied zwischen dem Treiben vor der Tür und dem, was danach drinnen passiert, könnte kaum größer sein, als bei einem Konzert von Get Well Soon. Nach vier Jahren ist Konstantin Gropper mit seiner großartigen Band endlich wieder auf Tour und hat die aktuelle, außergewöhnlich rockige Platte Minus The Magic mit im Gepäck.
Drückend war die Luft drinnen. Der nass-warme Frühsommer macht auch im Club keinen Halt. Ohne Vorband ging es um kurz nach acht los und für zwei Stunden spielt sowohl das Gewusel auf der Reeperbahn als auch die Luftfeuchtigkeit keine Rolle. Für mich überraschend als Quartett statt zu Sechst haben Get Well Soon gezeigt, wie unfassbar gut, intensiv, kraftvoll und schön Rockmusik sein kann. Im Zuge der Veröffentlichung des aktuellen Albums meinte Konstantin Gropper, dass seine Band wohl schon seit vielen Jahren als fehlgeschlagenes Comedy-Projekt wahrgenommen wird. Seine Ansagen sind auf jeden Fall unterhaltsamer geworden. Die Lieder haben natürlich alle immer noch einen ernsten, mitunter dramatischen Ton, der aber immer vor Größe nur so strotzt.
Beeindruckend, wie gut alle Musiker auf der Bühne sind. Wie sie ihre Instrumente beherrschen, wie genau und unglaublich gut abgestimmt sie spielen. Bei der Komplexität einiger Lieder ist deutlich zu vernehmen, was für ein guter Geist in der Band herrscht - sonst würde das alles nicht funktionieren.
Im Fokus standen klar die Lieder von Minus The Magic. Durchaus erstaunlich war die Auswahl aller anderen Lieder. Einige „Hits“ wie It‘s Love, auch wenn der einzige Hit des Abends laut Konstantin Gropper ein Cover war, ließ die Band außen vor. Seltsam ist, dass mir eine Zuordnung der Titel bei Get Well Soon immer etwas schwer fällt, obwohl ich die Band seit gut 17 Jahre höre und wirklich oft sah. Egal. Die Tracks waren unabhängig vom Hit-Potential hervorragend ausgesucht und auch in eine tolle Reihenfolge gebracht. Ein paar ruhige Pausen dienten dazu, im phasenweisen Gitarrengewitter mal durchzuatmen. Am stärksten bleib mir The Golden Toilet Heist in Erinnerung, da es wunderbar schepperte und die Instrumente an ihr Äußerstes gebracht wurden - insbesondere der wunderbar glitzernde Bass von Sebastian Brödner. Und auch wenn Paul Kenny mal wieder kräftig auf die Becken schlug, Maximilian Schenkel zwischendurch neben der E-Gitarre zwei verschiedenen (!) Trompeten spielte und Marcus Wuest gleichzeitig Keyboard und Trommel spielte, herrschte eine enorme Gelassenheit auf der Bühne. Beeindruckend! Seitdem ich die Band 2009 zum ersten Mal sah, haut sie mich jedes Mal wieder vom Hocker, wenn ich sie live sehe. Was für eine wunderbare, wuchtige, energievolle und einfach schöne Kunst, die mit Angry Young Men als Abschluss ein heftiges wir-geben-nochmal-alles-Ende fand!
Zum Glück kommt im Herbst noch eine Platte und dann eine weitere Tour.
Am 24. Januar spielen sie im Hamburger Mojo - weitere Termine folgen sicher bald.
(Ms) Dieses Festival sollte dringend seinen Namen ändern. Er scheint kein gutes Omen zu sein. Bereits im letzten Jahr, bei der ersten Auflage des Fair Weather Festes, regnete es sommerlich. So auch an diesem Wochenende. Oder: Man könnte es auch umdrehen. Vielleicht ist dieses eher mäßige Wetter ja auch ein gutes Omen für diese äußerst feine Veranstaltung. Denn, wie im letzten Jahr, haben die Macher, die Bands und all die Menschen vor und hinter den Bühnen und an allen Theken für ein großartiges Erlebnis gesorgt. Ein Indoor-Festival zum Genießen, Treibenlassen, Entdecken und Sich-Verlieren. Selten war es leichter als hier zwischen Calavera, Lila Eule, Lagerhaus, Eisen, Titus, Black Plastic Records und Horner Eckhaus. Aus organisatorischen Gründen (siehe bald im nächsten Posting) war ich nur am Freitag da, aber es war einfach nur irre!
Irre warm war es bei Jule in der Lila Eule, wo ich leider zu spät gekommen bin. Um kurz vor sechs war es erstens schon sehr voll und zweitens leider sehr schwül und drückend. Also weiter ins Eisen, erstmal ein Bier genießen und auf Turbobart warten. Wie fast alle anderen Acts kannte ich den Münsteraner Musiker nicht und wurde wunderbar überrascht. Mit der Klampfe in der Hand und dem Herz auf der Zunge sang er eine halbe Stunde aus seinem Innersten. So viel Inbrunst war wirklich beeindruckend. Das ist es doch, worum es geht. Identifikation mit der Musik, mit der Kunst. So ist es ganz leicht, als Zuhörender einzutauchen, mitzugehen. Und wenn er dann noch Kettcar und Muff Potter covert, ist doch wirklich alles gut. Was für ein emotionaler, wunderbarer Auftakt in den Abend. Also schnell rüber ins Lagerhaus. Das ist ja das Geniale an diesem Festival: Alles ist nur wenige Schritte voneinander entfernt. Immer kurz frische Luft schnappen oder was zu essen. Weiter bei Abramowicz, die mit sechs Leuten die Lagerhaus-Bühne platzmäßig ausreizten. Dem streng getakteten Zeitplan zum Trotz legten sie kraftvoll und energiegeladen los und haben mich sofort in den Bann gerissen. Sehr melodisch, sehr treibend und in Bewegung setzend. Das hat ungeheuer viel Spaß gemacht - eine phantastische Band! Doch was danach im Eisen geschah, war „leider“ noch etwas phantastischer. Denn der heimliche Hauptact des Tages lud zur Eskalation ein: Dramatist. Die Band, die quasi am Ort des Geschehens geboren wurde, zeigte extrem eindrucksvoll, dass alle Vorschlusslorbeeren absolut berechtigt sind. Es war klug, früh da zu sein, denn drinnen füllte es sich schnell - nachvollziehbarer Weise. Doch auch draußen lauschten zahlreiche aufmerksame Ohren vor dem offenen Eisenfenster. Eine halbe Stunde Druck. Eine halbe Stunde pure Energie. Eine halbe Stunde kompletter Wahn. So intensiv, so tief. Irre, wie die Macht dieser Musik den Leuten auf der Bühne ins Gesicht geschrieben war. Sie haben alles gegeben und alle mitgenommen. Im Januar haben sie ihr erstes Album Wasting Words veröffentlicht und es ist brutal gut! Erstmal durchatmen danach. Ich habe mir eine kleine Pommespause gegönnt, war kurz bei Between Bodies, doch ich habe gemerkt, dass eine Pause sehr sinnvoll war. Kurzer Reset nach Dramatist.
Weiter ging es für mich bei Eaten By Snakes im Eisen, sympathisch, aber blieb nicht so sehr hängen. Als auf zum letzten Act des Abends: Brockhoff im Lagerhaus. Und plötzlich traf mich der Schlag. Müdigkeit kickte in einem ganz bösen Grad, aber noch einmal aufraffen! Leider hat mich das Quartett nicht mehr abholen können. Ihre Musik war schön, aber sie hat mich nicht berührt.
So bin ich voll gepackt mit Eindrücken und neuen Tönen aufgebrochen. Erneut, wie im letzten Jahr, war ich ganz schön beeindruckt, was das Team hinter dem Fair Weather Fest so auf die Beine stellt. Da ziehen echt alle mit. Über 30 Programmpunkte an zwei Tagen. So viele glückliche Gesichter auf den Bühnen, hinter den Theken und überall dazwischen und davor. Wenn einem Livemusik am Herzen liegt, sollte diese Veranstaltung einen festen Platz im Kalender fürs nächste Jahr haben. Denn dann geht es in die dritte Runde und hier gibt es Tickets zu extrem fairen Preisen! Ich freue mich jetzt schon wieder, viel, viel Neues zu entdecken! Und ganz ehrlich: Scheiß aufs Wetter!
(Ms) Ist das Handy seltener in der Hand, strömt mehr Gelassenheit und Entspannung durch den Körper. Allein schon die Abwesenheit dieses Gerätes beruhigt den Menschen. Krass, oder? Letztens habe ich seit langer, langer Zeit mal wieder einen handyfreien Tag gemacht und es war super. Memo an mich: Ich sollte es öfter tun. Doch was haben diese Begebenheiten in einem Musikblog verloren? Ganz einfach: Weniger Hektik bedeutet eben auch mehr Aufmerksamkeit für ruhige Töne. Diesen Freitag, am 5. Juni, erscheint das neue Album der Musikerin Laura Misch. Lithic heißt es, was so viel wie „von der Natur her steinartig“ bedeutet. Laura Misch ist eine außergewöhnliche Musikerin. Sie hat den Mut zur Langsamkeit. In ihrem Werk, das irgendwo zwischen Jazz und Ambient verortet ist, spielt das Saxophon eine große Rolle. Es ist ihr ursprüngliches Instrument, das sie im Laufe der Zeit um viele andere Klänge erweitert hat. Doch die Klänge des tollen Holzblasinstrumentes scheinen immer wieder durch die Lieder dieser neuen Platte, bilden oft ihre Grundlage. Laura Misch hat nicht nur Rhythmen, Melodien und Gesang eingefangen, sondern auch Töne aus der Natur, sogenannte Fieldrecords. Sie lebte eine Zeit lang in Dungeness, an der Küste Südostenglands. Stein und Wasser. Das sind die wesentlichen Kennzeichen. Dazu: Zeit und Ruhe. In einer Haltung so sehr in der Natur zu leben, ist diese Musik entstanden. Sie ist vollkommen unaufdringlich und darf unter keinen Umständen nebenbei gehört werden. Ein gewisser Grad der Aufmerksamkeit sollte auf jeden Fall aufrecht erhalten sein. Dann breitet sich eine Ruhe und Tiefe aus, die eventuell nur Meditation bescheren kann. Ja, dieses Album, diese wunderschöne Kunst, ist zutiefst meditativ. Doch überhaupt nicht einschläfernd, sondern mit einer konzentrierten Energie im Hier und Jetzt. Teils melancholisch, doch durchaus hell. Hin und wieder schweifen elektronische Klänge durch die Lieder, dann ist der Rhythmus so pulsierend, dass diese Musik einen sehr organischen, körperlichen Geist entwickelt. Das ist wunderschön und fast etwas erschreckend. Ungewohnt, da so selten zu hören. Wenn es auf einmal regnet im Stück, ist das mal kein Wunder. Die Musikerin schlug auch auf Steine, um gewisse Klangfarben zu erzeugen. Das ist sehr, sehr beeindruckend. Die Ruhe dieser Kunst - aber auch ihr immer wieder auftretender Drive - ist durch ihren Charakter ja wieder politisch. In all seinen leisen Phasen schreit Lithic ja nach Ruhe, Frieden und Ausgeglichenheit. Nach einem Pendant zu unserer digitalen Gegenwart. So kraftvoll kann das Leise sein.