![]() |
| Quelle: Flaticon.com |
Im Umgang mit Menschen, die eventuell am Rande der Gesellschaft stehen und inklusiv mitleben sollten, zeigt sich doch oft der wahre Kern vieler Menschen. So erlebt auf einer längeren Bahnfahrt am vergangenen Wochenende. Irgendwo stieg ein Jugendlicher ein, der recht unbedarft ins Abteil reinrief, wo er sich denn dazu setzen könne. Er ging von freiem 4er zu freiem 4er und fragte nach. Eine Frau Mitte sechszig ungefähr lehnte ab, weil ihr seine etwas schief sitzende Hose nicht passte. Hui. Er saß danach woanders und sprach für alle gut hörbar mit seinem Nachbarn in einem ganz netten Ton. Später stiegen einige Soldaten ein, die auf dem Weg in ihre Kasernen waren. Das schien ihn sehr zu interessieren und er fragte sie nach ihrem Dienstgrad und so weiter. Sie gaben alle, mal mehr oder weniger knapp, freundlich Antwort. Auch als der Platz neben ihm frei wurde und ein Soldat ins Abteil kam, rief er laut, ob er sich nicht neben ihn setzen könne. Der Uniformierte kam freundlich auf ihn zu, setzte sich hin und sie plauderten ein wenig. Ist doch alles kein Problem, oder?
(Ms) Ach, ist es nicht schön, wenn mehrere spannende Erzählstränge und Themen zusammenfließen?! Ja, oder? Auf geht‘s: Die Band, um die es geht, heißt Deltawelle und kommt aus Berlin und Leipzig. Der Bandname schreit ja schon aus jeder Silbe: NDW! Und das steckt da auch hinter, nur halt als Neue Neue Deutsche Welle. Aufschwung heißt ihre neue Single, die direkt startet. Auch das, der unmittelbare Beginn mit Text, passt ins Schema. Der Titel an sich ja eh. Die Musik ist geplantes Chaos, das Schlagzeug scheint zu stolpern, aber es stolpert energisch nach vorn. Dazu ein Flirren aus Keyboard, Bass und Gitarre. Ein Rausch, der entsteht, weil die Nachrichten abgestellt werden (der nächste aktuelle Themenbezug wegen Reizüberflutung) und der Moment lebt (Hallo Eskapismus!). Das zusammen macht eine Menge Spaß, es ist wild und elektrisierend und knallt knappt unter drei Minuten in hervorragendem Maße!
My Ugly Clementine
(Ms) Überraschungsmomente! Sie machen das Entdecken von neuer Musik so wahnsinnig kribbelig, positiv unvorhersehbar und spannend. You Won von My Ugly Clementine war vor einigen Wochen ein richtig melancholischer Indietrack - nun legt das österreichische Trio nach. Wenn dann erstmal so ein schwerer Track in der Welt ist, darf man sich ja durchaus fragen, wie es weiter geht. Confidence heißt die Antwort und ist ein wunderbarer, poppiger Gegenentwurf. Statt einer schmerzvollen Vergangenheit gibt es nun eine aufrecht stehende Gegenwart. Ja, beim Blick in den Spiegel gibt es den ein oder anderen Zweifel, aber es wird trotzdem vor die Tür gegangen - alle Konsequenzen erhobenen Hauptes in Kauf nehmend. Das tut gut und macht viel Spaß im sonnigen Frühling. Obendrein gibt es ein herrliches Video und Tourdaten für den Herbst. Am 4. September erscheint ihre neue Platte Apply Autonomy!
29.09. - Frankfurt, Brotfabrik
30.09. - Köln, CBE
02.10. - Paris, le Pop-up!
03.10. - Amsterdam, Paradiso
04.10. - Münster, Gleis 22
10.10. - Leipzig, Werk 2
11.10. - Berlin, Columbia Theater
12.10. - Hamburg, Knust
28.10. - Linz, Posthof
29.10. - Zürich, Exil
30.10. - Stuttgart, clubCANN
Muff Potter
(Ms) Yeah - sie sind wieder da! Die Sopranos sind durchgeguckt: Zeit, um neue Tracks zu schreiben. Neue Hymnen, neue Hits! Muff Potter meldeten bereits vor ein paar Wochen Tourdaten für den Herbst an, nun folgt die erste Single aus der kommenden Platte Klepto. Das Album erscheint am 18. September und wir können uns nun gute fünf Monate vorfreuen. Rückflug Aus Montana heißt dieses Stück und zeigt den wuchtigen Indierock dieser Band ohne Wenn und Aber. Der gitarrenlastige Song darf durchaus als Liebeslied betrachtet werden. Die Sehnsucht, wieder nach Hause zu kommen, wenn man vorher lange weg war. Dass die Endstation aus Kanada nicht nur Düsseldorf, sondern explizit Lützerath ist, kann natürlich auch aufmerksam machen auf die Räumung dort und dass das Gebiet heute komplett weggebaggert ist. Ist dann zu Hause wirklich alles besser?! Ist die Liebe dann noch der Halt oder steigt die Wut, der Zorn? In den verhältnismäßig wenigen Zeilen lässt sich herrlich viel hinein interpretieren. Genauso soll Musik doch sein, oder? So, dass ich mir sie selbst aneignen kann. Sehr gelungen, Muff Potter, sehr gelungen!
12.11. - München, Strom
13.11. - Darmstadt, Centralstation
14.11. - Dortmund, FZW
18.11. - Bremen, Schlachthof
19.11. - Köln, Kantine
20.11. - Münster, Sputnikhalle
21.11. - Hamburg, Übel & Gefährlich
26.11. - Erlanden, E-Werk
27.11. - Wien, Flucc
28.11. - Berlin, Festsaal Kreuzberg
Tigers Jaw
(sb) Schon einen knappen Monat auf dem Markt ist Lost On You, das neue Album von Tigers Jaw. Es sei uns bitte verziehen, dass wir erst jetzt berichten. Arbeit, Osterferien, Restart, Stress, andere Hobbies - Ihr kennt es vermutlich. Aber zurück zum Wesentlichen, nämlich der Musik: Diese bietet kraftvolle und mitreißende Rhythmen, großartige melodische Soli, die von Instrument zu Instrument wechseln, und - wie immer bei der Band aus Pennsylvania - die sich abwechselnden und überlagernden Gesangsstimmen.
Der Indie Pop des Quintetts kommt ungemein catchy daher und hätte so auch vor 20-25 Jahren veröffentlicht und beispielsweise am Freitagabend im Münchner Atomic Café aufgelegt werden können. Wer's kennt, der weiß, dass das uneingeschränkt als Lob zu verstehen ist.
Lost On You ist ein Album, das den Hörer zu Tränen rühren vermag, gleichzeitig aber das Gefühl vermitteln kann, dass alles gut werden wird. Nices Add-On: Der letzte und titelgebende Track Lost On You schließt wieder an das kurze Intro an und greift dieselben lyrischen Themen auf: Sensibilität und die Suche nach Frieden.
Sconfitta
(sb) Ich weiß nicht wieso, aber irgendwie spricht mich italienischsprachige Musik seit jeher an, obwohl ich der Sprache nicht mal ansatzweise mächtig bin. Liegts an der frühkindlichen Prägung durch Ricchi e Poveri, Umberto Tozzi und Toto Cutugno?
Musikalisch haben Sconfitta mit den Genannten wenig gemein, vielmehr variiert die Band aus Genua auf ihrem Debütalbum Essere Nessuno munter zwischen Hardcore, Punk, Metal, Dark Wave, Post-Punk und Jazz. Klingt wild, ist wild - und sehr spannend und unterhaltsam! Das durchwegs politische Album wechselt rasch zwischen Gefühlen wie Wut, Selbstreflexion, Empörung und Nachdenklichkeit und richtet sich an diejenigen, die die Würde des Scheiterns über den Erfolg um jeden Preis stellen. Wer erkennt sich?






