Freitag, 14. Juni 2019

KW 24, 2019: Die luserlounge selektiert!

Quelle: facebook.com/24hdeportes
(sb/ms) Humor und Musik ist ja immer eine pikante Sache. Entweder peinlich oder so verschachtelt, dass man es nicht erkennt. Nun wurde ich Zeuge, wie es funktioniert, sogar bei rein instrumentaler Musik dem Publikum ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern! Abhängig ist das natürlich immer vom Kontext.
Es begab sich bei einem einstündigen Orgelkonzert in der niedersächsischen Provinz. Also weit von Humor entfernt. Das Rahmenprogramm ist das Paulus-Oratorium von Mendelssohn-Bartholdy. Noch weniger Humor. Aaaaaber: Der Kantor hat die einzelnen Phasen der Paulus-Erzählung vertont und dabei ein Saulus-Motiv zum Paulus-Motiv in fünf Schritten umgewandelt. Teil dessen war unter anderem die Steinigung des Stephanus oder die erste Missionsreise des gewandelten Paulus in die Türkei. Den Abschluss zierte die zweite Missionsreise, die ihn nach Griechenland führte. Da hatte der gewitzte Kantor doch echt den Mut das Paulus-Motiv mit einem klassischen griechischen Lied aus der Folklore zu untermalen. Ja, das war definitiv lustig!
Nun sind wir aber die luserlounge und haben selektiert. Pop, Rock, Rap, Elektronische Musik und den ganzen Rambazamba!

Efterklang
Ihr kennt das alle: Es gibt so Bands, deren Namen man immer wieder mal liest und auf diffuse Art unter interessant abspeichert, sie doch niemals so richtig gehört hat. Mir geht das bei Efterklang so. Vielleicht weil der Name so toll klingt. Die drei Dänen liefern nun einen tollen Anlass, (mal wieder) rein zu hören! Es gibt nämlich ein neues Album. Das heißt Altid Sammen und erscheint am 20. September, passend zum Reeperbahn Festival, wo sie auch spielen werden. Toll für eine auch hier nicht unerfolgreiche Band ist natürlich, dass sie auf dänisch singen. Auf der neuen Single Vi Er Uendelig kann man das wunderbar nachhören! Ab dafür:

21.09. - Hamburg, Elbphilharmonie (Reeperbahn Festival)
10.02. - Berlin, Admiralspalast
11.02. - Leipzig, Werk 2
12.02. - Frankfurt, Mousonturm
13.02. - München, Muffathalle
14.02. - Wien, Gasometer
25.02. - Hannover, Pavillon
27.02. - Köln, Gloria


Alles Solar
Wie kann man einen inhaltsreichen Text am besten in Szene setzen? Das ist eine gute Frage, die viele Künstler sicher ganz unterschiedlich beantworten würden. Alles Solar hat sich dazu entschlossen, den Text im Vordergrund stehen zu lassen, ihn sanft mit Klaviertönen und im Refrain mit Beats zu untermalen, bis es schließlich knarzt und knirscht. Aber halt an den richtigen Stellen. Victor Bensmann, der Kerl hinter dieser fantastischen Musik, hat was zu sagen, definitiv: Stille Wasser werden Wellen sein. Eine schöne und treffende Formulierung in Zeiten, wo vermeintliche Selbstverständlichkeiten hinterfragt werden und wir sie neu verteidigen müssen. Daher hört Euch bitte das Lied Stille Wasser an. Textlich und musikalisch groß!!!



Highest Sea
Es gibt diese Musikgruppen, die nicht viel brauchen, um einen zu überzeugen. Highest Sea schaffen das mit dem Track I'm On The Moon hoffentlich auch bei Euch! Es klingt wie eine Mischung aus Get Well Soon, Junip, Jungstötter und eine wunderbare weibliche Stimme. Diese gehört Leïla Zanzibar und ist ausdrucksstark und einnehmend! Ganz wunderbar. Die Französin war mit ihrer Band vor kurzem erst mit Snail Mail auf Tour und veröffentlicht kommende Woche Freitag (21. Juni) ihre neue EP Haven auf dem Berliner Label Duchess Box Records. Definitive Empfehlung unsererseits!!!

22.06.2019 - Mellowjam Fest, Berlin.
27.06.2019 - 8MM Bar, Berlin
02.07.2019 - FahrradKinoKombinat, Kiel
13.07.2019 - Landauer Sommer, Landau
28.-30.11.2019 - Blue Bird Festival, Wien




Deichkind
Ich sags gleich: ich kann mit Deichkind wenig bis gar nichts anfangen und ich befürchte, das wird sich in diesem Leben auch nicht mehr ändern. Deswegen die völlig wertfreie Ankündigung, dass die Hamburger am 27.09. ihr neues Album Wer sagt denn das? veröffentlichen werden. Die gleichnamige Single gibt's schon jetzt und auch Live-Termine für 2020 können wir Euch präsentieren - für Spaß dürfte dort gesorgt sein. Hier darf die gleiche Frage wie beim neuen Fettes Brot-Album erlaubt sein: Wozu 2019 noch ein neues Album von Deichkind?

11.02.20 Kiel, Sparkassen-Arena
12.02.20 Rostock, Stadthalle
13.02.20 Erfurt, Messe
14.02.20 Braunschweig, Volkswagen Halle
15.02.20 Frankfurt, Festhalle
18.02.20 Augsburg, Schwabenhalle
19.02.20 Freiburg, SICK-Arena
20.02.20 München, Zenith
21.02.20 Wien (AT), Stadthalle
22.02.20 Nürnberg, Arena Nürnberger Versicherung
25.02.20 Münster, Halle Münsterland
26.02.20 Trier, Arena
27.02.20 Zürich (CH), Samsung Hall
28.02.20 Stuttgart, Schleyer-Halle
29.02.20 Köln, Lanxess Arena
03.03.20 Bremen, ÖVB-Arena
04.03.20 Dortmund, Westfalenhalle
05.03.20 Leipzig, Arena
06.03.20 Berlin, Max-Schmeling-Halle (ausverkauft)
07.03.20 Hamburg, Barclaycard Arena
22.08.20 Berlin, Wuhlheide


Adam Angst
Eigentlich müsste man zusätzlich zur Information Adam Angst gehen auf Tour keine weiteren Informationen schreiben, das Hingehen erklärt sich von selbst. Das erklärt sich auch dadurch, dass das Ausprobieren einer Adam Angst-Liveshow süchtig machen kann. Die Jungs bringen so dermaßen viel Energie auf die Bühne, dass der wilde Mob von alleine Pogo tanzt. Da gibt es keine Rücksicht auf Verluste, sondern nur reinen Antrieb nach vorne. Texte mit Haltung, gut gekleidete Herren, makellosen Punkrock! Was will man mehr?! Also bitte:

27.11. Nürnberg, Z-Bau
28.11. Karlsruhe, Substage
29.11. Jena, Kassablanca
30.11. Chemnitz, Atomino
01.12. Braunschweig, Westand
03.12. Rostock, Peter-Weiss-Haus
04.12. Kiel, Die Pumpe
05.12. Essen, Zeche Carl
06.12. Mainz, Kulturzentrum
07.12. Saarbrücken, JuZ Försterstraße
14.12. Köln, Live Music Hall



Alex Mofa Gang
Ein weiterer toller Name in der langen Liste an tollen Band-Namen. Alex Mofa Gang veröffentlichen heute in zwei Wochen (21. Juni) ihr neues Album Ende Offen. Darauf beweisen sie nicht nur, dass sie viel besser als Kraftklub klingen und zudem noch eine ordentliche Portion Bläser in Szene setzen können. Das zeigt die neue Single Kleine Schwester Größenwahn. Mit der neuen Platte im Gepäck sind sie dieses Jahr noch ausführlich unterwegs, sowohl auf diversen Festivals als auch auf ihrer eigenen Tour. Kann man sich sehr gut geben!

20.06. - Neuhausen ob Eck- Southside (WarmUp Red Stage)
21.06. - Neuhausen ob Eck- Southside (Red Stage)
22.06. - Scheeßel- Hurricane (Mountain Stage)
23.06. - Duisburg- Ruhr Games (Mainstage)
20.07. - Konstanz- KuLa Sommerfest
25.-27.07. - Bausendorf- Riez Open Air
27.07. - Völksen- Rock am Deister
24.08. - Alfeld- Beach Bitch Rock
08.11. - Osnabrück- Bastard Club
09.11. - Kassel- Goldgrube
16.11. - Dortmund- FZW
22.11. - Stuttgart- ClubCann
23.11. - Köln- Artheater
29.11. - München- Kranhalle
30.11. - Wien- Kranhalle
06.12. - Leipzig- Werk 2
07.12. - Berlin- Lido
13.12. - Bremen- Tower
14.12. - Frankfurt- Nachtleben
20.12. - Nürnberg- Z Bau
21.12. - Hannover- Musikzentrum Jahresabschlusskonzert



Dienstag, 11. Juni 2019

Brandt Brauer Frick - Echo

Foto: Max Pachovsky
(ms) Daniel Brandt, Jan Brauer und Paul Frick. Drei Namen, die seit zehn Jahren in den Bereichen zwischen Electro, Klassik, Pop und Avantgarde für sich stehen. Das heißt: Experimentierfreude, Mut, Können auf höchstem Niveau, niemals endende Neugier und ganz viel Unbedarftheit.
Aus einem DIY-Projekt Ende der 00er Jahre ist eine Institution geworden. Spricht man über dieses diffuse Genre der Neo-Klassik, dann stehen sie auf einer Ebene mit Nils Frahm, Hauschka und Ólafur Arnalds. Alle vier haben zur etwa gleichen Zeit angefangen instrumentale (Klavier-)Musik auf ein neues, popkulturelles Level zu heben. Doch auch seit diesen Anfängen unterscheiden sie sich von den anderen großen Namen in wesentlichen Punkten. Anders als beispielsweise Arnalds sind sie überhaupt nicht harmoniebedürftig. Dafür knarzt es zu viel und häufig gehen ihre Melodien nur schwer ins Ohr. Das aber wiederum ganz bewusst. Anders als Volker Bertelmann (aka Hauschka), der zwar sein Klavier auf virtuose Weise präpariert, nutzen Brandt Brauer Frick alle Instrumente, die sie erwischen können oder solches Zubehör, aus dem sie sich einen erfrischenden, originellen Klang erhoffen.



Am letzten Freitag erschien Echo auf dem französischen Label Because Music. Ein Rezept, wie das Trio arbeitet und funktioniert, haben sie dem ihrem neuen Album mitgegeben. Zum Song Masse ist auf einer eigens dafür eingerichteten Website ein interaktives Video. Damit sollte man auf jeden Fall ein wenig herumspielen. Es zeigt auf extrem anschauliche (anhörbare) Weise, was zu einem BBF-Track dazu gehört. Aus zehn einzelnen Instrumenten und zehn dazugehörigen Videos wird ein Video mit einem Song. Dann passiert folgendes: Manchmal pausiert die Cellistin lange, dafür zeigt die Dame an der Harfe ihr Können. Anschließend wieder Klavier, Posaune, Tuba, Percussion etc. Beeindruckend!
Wie beim Vorgänger Joy aus 2016 haben sie sich wieder Unterstützung im Gesang geholt. Doch wesentlich reduzierter. Während Beaver Sheppard zuvor fast auf jedem Lied gesungen hat, sind die Gesangparts auf Echo sporadischer verteilt. Auf Echoes ist Anna Friedberg zu hören. Dabei ist nicht nur ihre Stimme im Fokus, sondern auch ein beinahe durchgehender, fast drückender Bass. Selbst auf den Gesangsstücken, die tendenziell etwas poppiger wirken - so ist zu vermuten - wollen Brandt Brauer Frick nicht zwingend gefallen, sondern anecken. Okay, beim Gastbeitrag von Catherine Ringer auf Encore ist das schon eher so, aber auch nicht durchgehend.
Das Trio hat den Anspruch an sich selbst, tanzbare Musik zu machen. Das mag seltsam erscheinen, denn zum großen Teil sind die Tracks herausfordernd. Wann soll man BBF hören? Nebenbei geht es nicht. Vielleicht beim Sport. Oder - und das ist meine Vermutung - ganz bewusst! Denn erst dann entdeckt man den Zauber der Musik in den Wirrnissen der Kompositionen. Und ja, es gibt die Lieder, die sich zum Tanz eignen; möglicherweise um sich auch darin zu verlieren. Gutes Beispiel: Decades. Lautstärke, Tempo und Instrumente wechseln sich innerhalb von gut sechseinhalb Minuten so ab, dass für jede Bewegung etwas dabei ist. Und auch das Lied zum Experimentieriveo Masse geht gut ins Ohr!

Gerade für das mittlerweile sehr verträumte, klavierlastige und facettenreiche Genre der Neoklassik bleiben Brandt Brauer Frick ein angenehmer Gegenpol, der den aufmerksamen Zuhörer mit qualitativ hochwertiger Musik belohnt. Und bei aller Ernsthaftigkeit: Auf Chamber I haben die drei den Klang eines Fliegenden Fisches aus Holz integriert. Na, geht doch!

Live gibt es das demnächst unter anderem hier:

08.08. - Haldern Pop Festival
03.11. - Berlin, Volksbühne
08.11. - Leipzig, UT Connewitz
09.11. - Dresden, Kleinvieh
13.11. - München, Import Export
14.11. - Köln, Stadtgarten
16.11. - Hamburg, Mojo Club

Freitag, 7. Juni 2019

KW 23, 2019: Die luserlounge selektiert

Quelle: the23co.com
(ms/sb) Hört man länger nichts Neues von einem Lieblingskünstler oder einer Band, die einem am Herzen liegt, kann das ganz unterschiedliche Gründe haben. Sie ist schwanger. Er braucht eine Auszeit. Der Vollzeitjob ruft. Keine Lust. Sie macht wohlverdienten Urlaub. Er muss sich um die Kinder kümmern undundoderoder...
Oder: Er hat (mal wieder) Film- oder Fernsehmusik geschrieben, eingespielt und abgemischt. Solch ein Wiederholungstäter ist Konstantin Gropper. Ab dieser Woche läuft auf Netflix das Drogen-Teenie-Komödiendrama How To Sell Drugs Online (Fast). Nicht nur die Stimme des Kopfes von Get Well Soon sind ein Garant dafür, dass das gut ist, sondern auch die Akteure wie Philipp Käßbohrer von der bildundtonfabrik, die das ganze produziert haben. Die sind nämlich auch für diverse Musikvideos von Gropper verantwortlich und entwickeln das Neo Magazin Royale. Sollte es am Wochenende also entweder zu heiß oder zu nass draußen sein, kann man es sich damit gemütlich machen.
Doch unser Genre ist immer noch die gute, alte Musik. Daher haben wir selektiert! Ab dafür:

Kála
Künstlern, die sich eigenmächtig ihr eigenes Genre schaffen, um das zu benennen, was sie da tun, stehen wir spätestens seit Cro und "Raop" kritisch gegenüber. Zumindest bei Kála können wir Euch aber beruhigen. Die Innsbrucker haben aus "Screamo" berechtigterweise "Dreamo" gemacht, denn brachiale Parts wechseln sich auf äußerst hörenswerte Weise mit sphärischen Passagen und klaren Gesängen ab. Die am 19.07. erscheinende EP Synthesis stellt nach Antithesis und Thesis den würdigen Abschluss einer beeindruckenden Trilogie dar. Für Freunde der etwas härteren und lauteren Töne sicherlich mehr als nur ein Geheimtipp!


Wanda
Nochmal Österreich, diesmal allerdings von Haus aus mit etwas mehr Amore. Wanda hauen am 06.09. ihr neues Album Ciao! raus, schon heute gibts das Video zur ersten Single Ciao Baby. Wanda halt, Punktabzug gibts aber natürlich fürs Juve-Trikot... Das Video ist schön farbenprächtig und angenehm, dass auch der Song keine große Überraschung ist. Sie machen eingängige Lieder für die gute Laune oder das Herz. Großartig, dass sie einfach immer das selbe machen und es so furchtbar gut funktioniert. Auch der Drummer denkt wahrscheinlich nicht darüber nach, mal einen neuen Beat auszuprobieren. Warum auch?! Geht ja auch so!
Auch die ersten Tourdaten für 2020 liegen schon vor und vermutlich lohnt es sich, schnell zu sein:

25.02. Würzburg, Posthalle
26.02. Mannheim, Rosengarten
28.02. Berlin, Max Schmeling Halle
29.02. München, Olympiahalle
02.03. Ulm, Ratiopharm Arena
04.03. Leipzig, Haus Auensee
09.03. Wiesbaden, Schlachthof
12.03. Dortmund, Warsteiner Music Hall
13.03. Köln, Palladium
08.05. Regensburg, Donau-Arena
09.05. Innsbruck (AT), Olympiahalle
15.05. Wien (AT), Stadthalle
16.05. Wien (AT), Stadthalle
18.07. Graz (AT), Freiluftarena B



L'Impératrice
Vor wenigen Wochen haben wir euch das sehr schöne und vielseitige Album Matahari der französischen Gruppe L'Impératrice vorgestellt. Eines der englischsprachigen Lieder vom aktuellen Werk wurde jetzt auch in ein Video gehüllt: Forever Nobody. Dass sich das Kollektiv um Charles de Boisseguin nicht nur als Musikgruppe, sondern eben als ganzheitliche Künstler versteht, sieht man an eben diesem Video ganz gut. Cineastisch kommt es daher zwischen auffallend roten Lippen und Agentenambiente aus dem letzten Jahrhundert. Hochinteressant ist das Ende des Videos, eine richtig feine Idee. Spult das mal ab:



Cassius
Bleiben wir in Frankreich. Schon bei einigen anderen namhaften Künstlern wie C2C oder Daft Punk fällt auf, dass die Franzosen ein erstaunliches Händchen für elektronische Musik haben und es immer wieder unter Beweis stellen. Heute: Cassius. Hier vielleicht nicht soo bekannt wie bei unseren Nachbarn, doch seit 20 Jahren machen Zdar und Boom Bass (so nennen sich Philippe Cherbonechi und Hubert Blanc-Francard) elektronisch tanzbare Musik. Tu peux dis French House aussi. Am 21. Juni (in zwei Wochen) kommt das neue Werk Dreems auf den Markt. Bekannte Gäste sorgen für das i-Tüpfelchen, das die Hüfte zum kreisen bringt: Portugal.The Man, Mike D (Beasty Boys) und die Französin Owlle. Hat also Potential für entspannte Sommerhits:



Psychedelic Porn Crumpets
Okay, aufmerksame und treue Leser wissen, dass wir anfällig sind für außergewöhnliche Namen. Und heute präsentieren wir Euch mal wieder einen, wenn ihr ihn nicht schon längst kennt: Psychedelic Porn Crumpets. Holla, die Waldfee. Was muss man denn Leckeres gesoffen haben, um darauf zu kommen?! Was man geliefert bekommt ist jedoch bockstark: Gitarren und Geschwindigkeit. Seit letzter Woche ist das Album And Now For The Watchamacallit zu haben. Und dem Psychedelischen aus dem Bandnamen werden sie mehr als gerecht. Bei solch einer Musik muss man aufpassen, nicht hypnotisiert zu werden. Könnte also süchtig machen. Die Single Hymn For A Droid macht das ganz gut deutlich und steht für das gesamte Album. Solltet ihr Euch jetzt auch denken, dass das tierisch Lust macht, live dazu abzugehen, dann haben wir frohe Kunde dabei; die Band ist dieses Jahr noch an diesen Tagen hierzulande zu sehen:

02.08. Beelen - Krach am Bach Festival
02.11. Bremen - Tower
05.11. Hamburg - Hafenklang
06.11. Berlin - Cassiopeia
09.11. CH Zürich - Exit



Deniz Jaspersen
Dortmund, FZW, vor drei Jahren zum Herrenmagazin-Konzert. Nach dem Auftritt meinte mein Kollege: "Tja, das war wohl das letzte Konzert." Ich: "Neeee, niemals."
Wir hatten beide ein wenig Recht. Herrenmagazin ist mehr oder weniger eingefroren, im Herbst gibt's jedoch glücklicherweise eine Jubiläums-Tour zu 11 Jahre Atzelgift. Untätig sind sie alle nicht. Während die Band Trixsi ihr Unwesen treibt, macht Sänger Deniz Jaspersen genau da weiter, wo er anknüpfen konnte: Texte schreiben, die einfach nur wahr sind oder zumindest weh tun oder die Augen öffnen. Unter seinem eigenen Namen kam gestern das neue Lied Augenrollen raus. Dazu gibt es nicht nur ein super Video (s.u.), in dem Deniz die Hüfte kreist und wundervolle Zeilen singt, sondern auch die Ankündigung, dass er in Bälde mit Bandbesetzung unterwegs sein wird. Ich habe ihn solo als Support von OVE gesehen und kann sagen: Er kann es immer noch. Ganz hervorragend!
Und was gehört an Mut dazu, wenn man das fast fertige Soloalbum über den Haufen schmeißt und sich stattdessen dazu entschließt regelmäßig Singles zu veröffentlichen?! Hach, Deniz...

09.06. Schloss Holte, Whatever Happens Festival
12.06. Lüneburg, Schröders Garten (Support für Kettcar)
15.09. Königswiesen, Norden Festival

Montag, 3. Juni 2019

Fatoni - Andorra

Bild: facebook.com/Fatonimusik
(sb) Es ist ja nun wirklich kein großes Geheimnis, dass wir Fatoni verehren und jede noch so kleine Meldung von ihm und über ihn von uns aufgesogen wird wie von einem Schwamm. Ihr könnt Euch also vorstellen, was  am 22. März (passenderweise auch mein Geburtstag...) in der luserlounge-Redaktion los war, als die Albumankündigung bei uns reingeflattert kam. Der parallel veröffentlichte Track Die Anderen ließ den Puls gleich nochmal ein Stück steigen und am Freitag ist es nun endlichendlichendlich so weit: Andorra erblickt das Licht der Welt und wir durften vorab schon mal reinhören.

Reden wir nicht lange um den heißen Brei herum: Fatoni ist der beste deutsche Rapper der Welt und stellt das mit seinem neuen Album einmal mehr unter Beweis. Der kurze Zweifel, der durch die zweite Singleauskopplung Clint Eastwood (geiles Video, mittelmäßiger Track!) aufgekommen war, ist ziemlich schnell verflogen. Andorra fasst alles das zusammen, was Anton Schneider (so der bürgerliche Name) so besonders macht: er ist ein wahnsinnig guter Beobachter, er hat die Fähigkeit, dies in Worte und Flow zu verpacken, er umgibt sich mit Menschen, die ihm zum perfekten Beat verhelfen (in diesem Fall ist das mal wieder Dexter), er scheut sich nicht, auch unangenehme Themen anzusprechen und ist in der Lage, dies auf niveauvolle Art und Weise zu tun.

Und - auch dies ist nicht zu unterschätzen - er scheißt sich nix dabei, wie man bei uns in Bayern zu sagen pflegt... Respekt ja, aber keine Ehrfurcht! Besonders beim Track D.I.E.T.E.R. ist dies zu bemerken, in der Fatoni zwar das "Bohlen-Prinzip" und auch dessen Protagonisten aufs Korn nimmt, dabei aber zu keiner Zeit unter die Gürtellinie zielt.

Bild: facebook.com/Fatonimusik

Wer sich über den ungewöhnlichen Albumtitel wundert, den möchten wir natürlich auch aufklären: Andorra bezieht sich nämlich nicht nur auf das gleichnamige Theaterstück von Max Frisch, sondern speziell auf den danach benannten „Andorra-Effekt“. Dieses sozialpsychologische Phänomen beschreibt menschliches Verhalten, das sich an Urteile und Erwartungen der Umwelt anpasst - und da sind sie wieder, Die Anderen...

Bild: privat
Der erste Single-Release ist für mich auch einer der musikalischen und textlichen Highlights des Albums. Das Video dazu offenbart eine weitere Stärke des Münchner Exil-Berliners: er nimmt sich selbst nicht allzu ernst und zelebriert das über die komplette Spielzeit. Offensiv geht er mit seinen vermeintlichen Schwächen um, die Dicke Hose-Nummer Burj Kalifa (mit Casper) ist dermaßen überzogen, dass man zwangsläufig lächeln muss.

Mit Dirk von Lowtzow (Tocotronic) findet sich ein weiterer hochkarätiger Gast auf dem Album wieder und verleiht dem Track Alles Zieht Vorbei mit seiner markanten Stimme einen intensiven Touch. Besonders gut gefällt mir in diesem Song ja die Wiederaufnahme der Zeile "Wenn ich wollte könnt ich schlafen, doch ich will nicht, nein, ich bleib wach" aus seinem Song Schlafentzug. Fatoni, ich bin, äääääääh, sehr selbstreferenziell...

Mei, was soll man zu Andorra noch groß schreiben? Das Album ist ein absolutes Muss in jeder Musiksammlung, setzt auf die letzten beiden Alben Yo, Picasso und Im Modus nochmal was drauf und ist schon jetzt ein heißer Anwärter für den Titel "Album des Jahres". Dass der legendäre Klaus Voormann für das Cover verantwortlich zeichnet und die limitierte Vinyl-Deluxe-Edition des Albums noch zwei exklusive Bonustracks parat hält, ist da nur die Kirsche auf dem Sahnehäubchen. Pflichtkauf - und das obwohl Fatoni mittlerweile beim Major-Label Universal untergekommen ist!





Freitag, 31. Mai 2019

KW 22, 2019: Die luserlounge selektiert

Bild: https://pngimage.net
(ms/sb) Das war sie also, die Woche nach der Europawahl. Die (ehemaligen?) Volksparteien haben mal wieder massiv verloren, suchen die Schuld aber wie gehabt bei allen anderen oder vertrauen darauf, dass Erstwähler doch noch zur Vernunft kommen, wenn sie mal selber Geld verdienen. Wie arrogant, abgehoben und ignorant kann man eigentlich sein, Herr Bareiß? Ein Drittel aller unter 30-Jährigen hat grün gewählt, jeder vierzigste Wähler hat sein Kreuzchen bei der PARTEI gesetzt und schickt neben Martin Sonneborn nun auch Nico Semsrott nach Brüssel. Wir freuen uns schon sehr auf die Berichterstattung aus dem Europaparlament.

Apropos Freude: Die luserlounge hat wieder selektiert and it goes a little something like this...

The King Of Cons
Hm, wie nennt man jetzt sowas? Synthie-Pop? Aber das wird dem, was The King Of Cons da veranstalten, nicht mal ansatzweise gerecht. Die beiden Münchner packen auch R'n'B-Elemente in ihre Songs, melancholische Texte gehören ebenfalls zum Repertoire und dennoch ist die Musik alles andere als bedrückend - ganz im Gegenteil! Die heute erscheinende Single Disgrace macht auf jeden Fall richtig Lust auf das am Jahresende folgende Album Sacrifice. Und wisst Ihr was? Fever, die nächste Single, wird noch besser - einfach mal bei Youtube die Augen (und Ohren) offen halten...


Gisli
Letzten Freitag erreichte uns die frohe Kunde vom taggleichen Release des neuen Gisli-Albums - leider natürlich etwas zu spät, um es noch in die Selektion von KW 21 aufzunehmen, aber die Rezension holen wir heute natürlich gerne nach. The Skeleton Crew ist der erste Longplayer des Isländers seit 15 Jahren und Hallelujah, ist das Ding stark! Der Mann hat was zu erzählen, wählt dafür exquisite Worte, verpackt seine Erfahrungen und Geschichten in wunderbare Metaphern und Melodien. Besonders erwähnenswert ist zudem, dass Gísli Kjaran Kristjánsson praktisch alle Instrumente selber eingespielt hat und lediglich von seiner Partnerin Eliza Newman (Violine) und der 5-jährigen gemeinsamen Tochter Salka (Percussion) unterstützt wurde. Für mich trotz seiner vielen zu kurzen Spieldauer von nur knapp 25 Minuten bislang eins der Album-Highlights 2019!


Fatoni
Keine Angst, zum besten deutschen Rapper der Welt wird es in den kommenden Tagen natürlich einen ausführlichen Bericht geben, aber eins schonmal vorweg: Wer Andorra (VÖ: 07.06.), das neue Album von Fatoni, nicht spätestens heute vorbestellt, hat Musik nie geliebt.


Norbert Buchmacher
Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich bis zur Email der Promo-Agentur noch nie etwas von Norbert Buchmacher gehört hatte. Was für ein Versäumnis! Der Mann, der als Roadie für zahlreiche Punk- und Hardcorebands tätig war, bevor er selber anfing, Musik zu machen, legt am 14.06. mit Habitat Einer Freiheit ein Album vor, das in erster Linie durch seine herausragend intelligenten Texte und seine sehr exquisite Wortwahl besticht. Buchmacher betreibt Gesellschaftskritik, unterhält seine Hörer aber gleichzeitig mit seiner Stimme, die an die ganz Großen erinnert: Waits, Cocker, Springsteen - und beim Gesang ist stellenweise selbst der frühe Grönemeyer nicht weit. Und das ist keineswegs negativ gemeint - ehrlich jetzt! Insgesamt eine sehr, sehr positive Überraschung und ich werde mich dann jetzt mal auf die Suche nach den bisherigen Releases des Künstlers machen...


Mal Élevé
Niemals aufgeben - mit einer Ode an den Kampfgeist meldet sich Mal Élevé (Ex-Irie Révoltés) zurück und sorgt für den Soundtrack zur Bekämpfung der hartnäckigsten Hoffnungslosigkeit. Die heute erscheinende Single Jamais Fatigué ist der zweite Vorbote der bevorstehenden EP Megafon des Heidelbergers. Live gibts das Ganze hier zu sehen:

31.05. Dortmund, FZW - Uni Festival
01.06. Mannheim, Zeltfestival (mit SKA-P)
08.06. München, Theatron Festival
13.06. Merkers, Rock am Berg
15.06. Lörrach, Open Air Altes Wasserwerk
22.06. Frankfurt, Afrikanisches Kulturfest
06.07. Hünxe, Ruhrpott Rodeo
19.07. Lienz (AUT), Eastrock
20.07. Wassertrüdingen, Afrika Karibik Festival
27.07. Riniken (CH), Kleinlaut Festival
03.08. Odenwald, Sound of the Forest Festival


Slaughter Beach, Dog
Ist es nicht hochinteressant, wie sich der eigene Musikgeschmack über Jahre doch immer weiter verändert?! Beziehungsweise breiter, reifer und insgesamt schwerer zu beschreiben ist?! So hätte ich mühelos vor zehn Jahren gesagt, dass Slaughter Beach, Dog meine nächste Lieblingsband sein könnte. Dass ich das heute nicht mehr sagen würde, heißt jedoch auf keinen Fall, dass die Band mit dem toll-seltsamen Namen nicht wunderbare Musik macht! Bitte nicht falsch verstehen. Ehemalige Mitglieder von Moder Baseball, Superheaven und All Dogs haben sich zusammengeschlossen und machen einen Mix aus Why? und Junip nur mit etwas mehr Gitarre. Ist das nicht schon mal stark? Die langsam schwingenden Gitarren auf Good One lassen keine Langeweile aufkommen und die Stimmung des Tracks erwärmt das Herz. Am 2. August erscheint das neue Album Safe And Also No Fear über Big Scary Monsters. Könnte gut werden!



Hanne Hukkelberg
Wir beide von der luserlounge haben mit unserem kleinen Hobby ja enormes Glück. Von leidenschaftlichen Musikhörern und Konzertgängern ging dieser Blog aus. Man sieht ja unter anderem am Design, dass wir keine Profis sind, sondern je einer Vollzeitstelle nachgehen.
Stichwort Glück: Uns flattern viele Mails mit Ankündigungen, Promo-Material und so weiter herein. Vieles ist schon Schrott. Und immer wieder funkeln da ein paar Perlen durch. Bestes Beispiel in dieser Woche: Hanne Hukkelberg. Auf die Schwedin wäre ich sonst niemals aufmerksam geworden und bin froh, den Track Crazy schon einige Male durchgehört zu haben und ihn immer besser zu finden. Stimme und Arrangement erinnert stark an Justine Electra, daher: top! Es ist eine Mischung aus R'n'B, Softpop und ganz viel DIY. Das sechste (!!!) Album Namens Birthmark erscheint am 16. August und die Skandinavierin kommt im Herbst auf Tour! Sollte man vorbeischauen!

12.10.2019 Essen – Peng Festival
13.10.2019 Hamburg – Turmzimmer
14.10.2019 Berlin – Monarch
16.10.2019 Frankfurt – Mousonturm Lokal
17.10.2019 Hannover – Feinkost Lampe



Big John Bates Noirchestra
Natürlich sind auch wir schnell zu verführen mit den unterschiedlichsten Facetten der Musikkunst. Dazu gehören originelle Namen, außergewöhnlicher Sound, Doppelbödigkeit, kluge Texte oder auch sehenswerte Videos. Letzteres liefert Big John Bates mit seinem Noirchestra. Skinners Cage ist der titelgebende Track des im April veröffentlichten, neuen, Albums. Das Bewegtbild erinnert etwas an Roland, I Feel You von Get Well Soon, hat mit dem Sound von Konstantin Gropper nichts zu tun. Es sind raue Gitarren, Americana-Violine, eine sattelfeste Stimme. Dabei heraus kommt eine Dramaturgie, die das Video perfekt begleitet. Gerne wüsste ich die Vorgeschichte dazu: Wie um Himmels Willen ist die Frau in der Wüste in diese Situation geraten?! Schön, dass man sich das selbst ausdenken kann!
Big John Bates und sein Noirchestra sind demnächst hier zu sehen:

29.05.19 Mannheim, 7er Club
31.05.19 NL-Utrecht, dB's
01.06.19 Siegen, VEB
05.06.19 Dresden, Groove Station
06.06.19 Halle, Objekt 5
07.06.19 Karlsruhe, Alte Hackerei
08.06.19 CH-Basel, Humbug Club
09.06.19 Donaueschingen, Kulturbahnhof
13.06.19 A-Steyr, Roeda
15.06.19 A-Innsbruck, pmk
19.06.19 Fürth, Kopf & Kragen
20.06.19 Berlin, Wild At Heart
21.06.19 Wilhelmshaven, Kling Klang
22.06.19 Lübeck, Treibsand

Freitag, 24. Mai 2019

KW 21, 2019: Die luserlounge selektiert

Quelle: cineclub.de
(sb/ms) Dieser Einleitungstext ist ausnahmsweise kein Lückenfüller, kein Bericht von Unwichtigkeiten oder sinnlosem Kram aus dem Musikkosmos.
Am Sonntag ist Europa-Wahl. Geht da bitte hin. Nutzt Euer demokratisches Privileg. Und wenn Ihr das doof finden solltet, dann müsst ihr ja auch kein Kreuz machen. Aber das wäre natürlich auch dumm.
Kürzlich habe ich das Buch von Martin Sonneborn über den EU-Alltag gelesen. Es ist so unterhaltsam wie erschreckend. Dieses Parlament braucht fähige, ehrliche, nicht-korrupte Leute. Und nicht solche, die der Lobby jeden Gefallen abnehmen.
Geht hin. Wählt links, grün oder lustig.
Außerdem: Wir haben selektiert!

Enno Bunger
Es gibt bei uns natürlich auch einige Lieblinge. Enno Bunger gehört schon seit vielen Jahren dazu. Und dafür gibt es zig gute Gründe: Er ist live ein unheimlich guter Entertainer, was man bei seiner oft recht melancholischen Musik gar nicht vermuten mag. Sein Trennungs-Konzeptalbum Wir Sind Vorbei beschert bei jedem Hören eine Gänsehaut, so wahr, so traurig. Auf dem letzten Album Flüssiges Glück wurde er elektronischer und stärker. Eine seltene Kombination. Der Song Wo Blieben Die Beschwerden lässt einen sprachlos zurück.
Jetzt beschert er uns endlich wieder mit neuer Musik. Auf Columbia/Sony (muss das denn sein?!) erscheint am 26. Juli die neue Platte Was Berührt, Was Bleibt. Es ist ein weiteres Konzeptalbum, dieses Mal hat es den Tod (und damit immer auch das Leben) im Fokus. Unheimlich mutig und gewagt. Und wer außer Enno Bunger könnte das gekonnt umsetzen?! Genau!
Mit Bucketlist kann man schon reinhören! Und es nimmt Dir den Atem. Hammerhart. Und es macht Mut. Enno Bunger ist so ein kluger Songwriter und so sehr Mensch, dass es den Eindruck erweckt, dass ihm das ganz leicht fällt. Wieder mehr Band, weniger Synthies. Einschalten ist Pflicht!
Zum Glück geht er im Herbst auf sehr große Tour!

21.06.2019 Neuhausen ob Eck, Southside Festival
22.06.2019 Scheeßel, Hurricane Festival
08.10.2019 Essen, Zeche Carl
09.10.2019 Hannover, Musikzentrum
10.10.2019 Dresden, Beatpol
13.10.2019 München, Ampere
16.10.2019 Leipzig, Werk 2
17.10.2019 Göttingen, Musa
18.10.2019 Hamburg, Große Freiheit 36
19.10.2019 Berlin, Festsaal Kreuzberg
21.10.2019 Würzburg, Cairo
22.10.2019 Frankfurt, Mousonturm
23.10.2019 Stuttgart, Im Wizemann
24.10.2019 Heidelberg, Halle 02
26.10.2019 Freiburg, Jazzhaus
28.10.2019 Erfurt, Franz Mehlhose
29.10.2019 Bremen, Schlachthof
30.10.2019 Köln, Gloria
01.11.2019 Osnabrück, Rosenhof
02.11.2019 Magdeburg, Moritzhof
03.11.2019 Rostock, Helgas Stadtpalast



Fortuna Ehrenfeld
Stichwort Tausendsassa. Stichwort Enno Bunger. Denn der ist ja Gast auf dem aktuellen Fortuna Ehrenfeld-Album. Oder muss man sagen auf dem letzten? Denn nur kurz nach dem Release von Helm Ab Zum Gebet, haben Paul, Jenny und Martin einfach noch eine EP auf dem Markt geschmissen. Kein Ramsch. Keine Geldmacherei. Einfach nur die Songs, wo Herz drin steckt, aber die nicht auf die reguläre Platte passten. Absolut nachvollziehbar. Das ist halt Kunst.
Sechs Songs sind auf Lieder Vom Regenradar Und Den Mandelviolinen. Wenn Martin Bechler bei Facebook dann noch solchen Zeilen schreibt, verliebt man sich nochmals in diese famose Band: "Die Idee war schnell gefunden: Man lagert die Songs aus in ein dramaturgiebefreites Exil, wo sie friedlich vor sich hinspacken können und fröhnt gleichermaßen einfach weiter seinem Vinyl Fetisch. Die Analogoffensive hat grade erst begonnen." Hört Euch hier Vereinsheim an.



Local Store
Fangen wir mit der schlechten Nachricht an: bis zur Veröffentlichung von Magpie And The Moon müsst Ihr Euch noch bis zum 12.07. gedulden - allerdings das bringt uns direkt zur guten Nachricht: das Warten ist es wert! Das Debüt der norwegischen Formation Local Store um Gitarrist Björn Klakegg liefert auf Anhieb zehn bockstarke Songs ab und bewegt sich zwischen 70er Jahre-Folkpop (meine Frau summte danach spontan Mr. Tambourine Man von The Byrds...) und sommerlicher Leichtigkeit. Da gibts nun wirklich gar keinen Grund, das nicht zu mögen. Bei Alben wie diesem freut man sich mal wieder so richtig, dass man als Blogger auch unbekannte Bands kennenlernen darf.


Moritz Ecker
Singer-Songwriter, Gitarrist, Musikproduzent und Langstrecken-Radfahrer: Moritz Ecker überbrückte mit seinem Drahtesel auf dem Weg von Berlin nach Melbourne rund 20.000 Kilometer und sammelte auf seinen Zwischenstationen (u.a. Georgien, Iran, Kasachstan, China, Singapur und Thailand) zahlreiche Eindrücke, die er nun auf seinem Album No Way Out Of The Universe (VÖ: 14.06.) verarbeitete. Dass bei derart vielfältigen Erlebnissen keine 08/15-Platte entstehen kann, liegt auf der Hand und tatsächlich: das Album versprüht Leidenschaft, Lebenslust, Leidenschaft und bezaubert durch seine Authentizität. Sehr stark!


Thorsteinn Einarsson
Ach Österreich, Du bist ja nicht nur bekannt für Deine 1A-Amateur-Ibiza-Videos, sondern hast uns in den letzten Jahren auch musikalisch reich beschenkt: Wanda, Olympique, Granada, Simon Lewis und so viele mehr haben uns schier umgehauen und es geht immer weiter.  In der Alpenrepublik hat der Künstler mit dem ur-österreichischen Namen Thorsteinn Einarsson die Top 10 bereits geknackt, nun soll es mit seinem zweiten Album INGI (VÖ: heute!) auch in Deutschland klappen.
Das Zeug dazu hat das Album definitiv, es ist mainstreamig genug, um im Radio zu laufen und doch so individuell, dass es sich aus der Masse abhebt. Was leider ein bisschen fehlt, ist das Alleinstellungsmerkmal, das gewisse Etwas. Einige der zweifelsohne hörenswerten Songs könnte man auch auf einem Robbie Williams-Album finden, doch der würde den Tracks vermutlich durch seine Attitüde noch etwas mehr Charisma verleihen. Aber was nicht ist, kann ja noch werden!


Tubbe
Vier Jahre sind vergangen seit dem letzten Tubbe-Album Keine Arbeit Lieber Tanzen. Ein sauberes, kritisches, waches, beatlastiges Album, das insbesondere live sehr viel Freude bereitet hat. Dann waren sie weg. Aus gutem Grund. Denn aus Steffi wurde Henri. Gut Ding braucht Weile.
Jetzt sind sie wieder da und haben natürlich auch neue Musik am Start, die mit inhaltlicher Stärke auffährt. Denn Schwarzes Schaf ist ein Bericht über Männlichkeit. Und wer wenn nicht Henri ist eine wunderbare Adresse, um genau darüber zu schreiben und zu singen. Das erinnert ganz stark an Raeywn Connell. Kennt ihr nicht?! Mal schnell nachschlagen und sich bilden. Ich gehe stark davon aus - ohne es zu wissen -, dass Henri auch Connell gelesen hat.
Die neue Single, samt Video, das auf der re:publica gedreht wurde, ist vom Sound her harmloser als zuvor. Das macht aber nichts. So kann man besser zuhören, auch den Zeilen von Frittenbudes Strizi Streuner.

Donnerstag, 23. Mai 2019

Schwarz - White Room

Foto: Tanja Tikarli
(ms) Spricht man von SCHWARZ, spricht man automatisch von Roland Meyer de Voltaire.
Und wie bei vielen anderen Berichten über die Platte White Room, die diesen Freitag (24. Mai) erscheint, dürfen keine Infos über den Werdegang und den Wandel des Künstlers fehlen.
So auch hier nicht.
Denn vor dreizehn Jahren - 2006 - hat die Band Voltaire (klar, man ahnt es schon) auf sich aufmerksam gemacht, veröffentlichte eine EP und zwei Alben und die einschlägigen Musikzeitschriften haben ihnen eine große Karriere vorausgesagt. Ich habe Voltaire auch mehrmals live gesehen und war vom Gesang als auch von der Dynamik der Musik stark angefixt. Sie konnten sehr leise und andächtig und auf der anderen Seite auch extrem wild werden, bearbeiteten die Gitarren, bis einem schwindelig wurde. Doch die Band brach auseinander, der Major-Deal verpuffte in der Luft und sie haben noch nicht einmal so richtig losgelegt. Sehr schade, ich wüsste zu gerne, wo die Band heute stehen würde.
Doch Kopf und Stimme der Band, eben jener Roland Meyer de Voltaire, sagte damals schon in einem Interview sinngemäß: Ich kann nichts anderes als Musik machen, deshalb höre ich auch nicht damit auf.
Das Ergebnis können wir jetzt hören unter dem Namen SCHWARZ. Und für die Produktion von White Room brauchte es kein Schlagzeug, keinen E-Bass, kein Klavier, keine Gitarre. Dafür die nach wie vor wunderbare Stimme und einen bestimmt irren Haufen an elektronischen Gadgets. Nein, ich will elektronische Musik nicht schlecht machen, das stünde mir fern, nur der Wandel ist schon extrem. Aber auch extrem in der Weise wie er Kreativität freisetzt.



Tatsächlich ist vor diesem Hintergrund das Wesen dieser Platte auch gar nicht so überraschend, auch wenn Roland sich hier bei einem anderen Genre bedient und in den letzten Tagen einige Support-Shows vor Schiller gespielt haben (ja, die gibt es tatsächlich immer noch). Die Neigung mit Dramatik, Dynamik, Geschwindigkeit und Lautstärke zu spielen, ist deutlich auf den 13 Tracks zu hören. 53 Minuten Spielzeit hat White Room und geht mit The Others auch direkt mit einem sehr modernen Electro-Hit los. Es ist direkt ein Beispielsong für die Platte: es wird da laut, wo es laut sein soll, nimmt sich an den passenden Stellen zurück und ist nicht zu voll. Ja, ein wahrer Kenner/Könner ist am Werk. Mich würde es im Positiven nicht wundern, wenn SCHWARZ bald in High Rotation in Deinem Radio zu hören ist.
Oder: Ein Live-Set passt auch hervorragend auf die Fusion, aufs Melt! oder zu einem nächtlichen Gig beim Hurricane. Dream ist ein ruhigerer Track und das tut der Platte gut, denn von einer gewissen Eintönigkeit kann sie sich nicht freisprechen. Nur epische Klangteppiche wird dann halt langweilig. Aber soweit kommt es auf dem Album nicht. Der titelgebende Song hat eine wunderbare Hookline, wo kein Kopf ruhig bleibt.
Beneath The Skin arbeitet mit Effekten und Geräuschen, die auf den acht Liedern vorher noch nicht so deutlich zu hören waren und haut an einer klugen Stelle einen vielschichtigen Sound raus. Ja, diese Art von elektronischer Musik ist nicht mein Favorit, aber ich sehe die musikalischen Stärken darin. Genauso Ghost Of You, endlich kommt auch eine gewisse Unruhe rein, die die glatte Oberfläche bewusst stört, super! Das Album endet mit einer recht langen Nummer. Mit Leftwing Duckling trudelt White Room über 7 Minuten entspannt dem Ende entgegen.

Insgesamt überzeugt mich die Platte nicht so stark.
Das hat aber auch einen guten Grund: Es ist Geschmacks- und Genresache.
Teils habe ich halt vor Augen, dass die Musik demnächst als Hintergrund einer dramatischen Dokumentation über Tiere, Landschaften oder soziale Missstände genutzt (missbraucht?) wird.
Mein Rat also: Geht etwas unvoreingenommener an die Platte als ich, dann entpuppt sich bestimmt eine frische Schönheit!

Zwei Mal kann man SCHWARZ in den kommenden Tagen live sehen:

31.05. Berlin - Musik & Frieden
01.06. Köln - Artheater