Ein paar Tage Urlaub. Dringend waren sie notwendig, weil der seelische Akku schon ziemlich abgerockt war. Ab in den Harz. Was für eine unglaublich schöne Gegend. Schon oft war ich hier, doch noch nie habe ich diese Gegend als so schön wahrgenommen wie jetzt. Ganz kurios war jedoch der Besuch einer Pizzeria mitten im Wald. An sich natürlich ein super Ort zum einkehren, es war vollkommen in Ordnung. Doch es wurden auch einige Klischees von italienischen Restaurants bedient. Unter anderem die Dauerbeschallung mit italienischer Musik. Auch im Außenbereich. Dabei war die Sicht über die Berge so, so schön. Und dann kam der absolute Knaller: Es lief tatsächlich ein Lied über das Restaurant selbst! So Andreas Gabalier-mäßig. So stelle ich es mir zumindest vor. Als ob eine KI die Speisekarte plus alle Werbeslogans zusammengemixt hat. Ach Idylle, was tut man dir alles an…
Pascow
(Ms) Schaue ich mir meine eigene Hörbiographie an, dann waren da über die letzten 20 Jahre immer so drei, vier Bands ganz oben. Dann kamen Pascow auf mein Radar und brachten zumindest die Reihenfolge durcheinander. Die Band aus Gimbweiler setzte sich druckvoll ganz weit oben fest. Die Kraft ihrer Musik ist genau das, was ich ganz oft brauche. Wer sie mal live gesehen hat, weiß, was ich meine. Das ist irre, das ist nur großartig. Wer da unverschwitzt raus geht, hat alles falsch gemacht.
Nun ist es wieder so weit und Pascow bringen neue Musik raus. Und Wir So heißt die neue Platte und auch die erste Single daraus. Das Album erscheint am 5. März und bis dahin wird die Vorfreude angeheizt. Doch ich bin sicher nicht der einzige, der den neuen Song ungeahnt eingängig und fast schon sanft findet. Klar, es sind zweieinhalb Minuten klassischer Pascow-Punk und eine große Verbrüderung mit allen, die unten sind. Doch die scheinbare Eingängigkeit erklärt sich im Song. Die Devise ist: ab jetzt nur noch Dur, sonst halte ich das alles nicht mehr aus. Ja, vielleicht ist eine neue Harmonie ja genau das, was es jetzt braucht. Dennoch hoffe ich, dass es auf der Platte insgesamt noch ein wenig rauer und zorniger zugeht. Ich bin guter Dinge!
Muto
(Ms) Wenn es um mich herum zu sehr wuselt, muss ich mich abkapseln. Wenn zu viele Geräusche kommen, die mir nicht gut tun, ziehe ich mich ins Schneckenhaus zurück. Im Schneckenhaus gibt es bestimmte Musik, die läuft. Laufen muss, um den Rest zu übertönen oder zu eliminieren. Ein Hoch auf gute Kopfhörer! Zu einer feinen, kleinen Musikauswahl, die schnell für Ruhe sorgt, gesellt sich nun Muto hinzu. Der italienische Musiker hat letzte Woche Freitag sein gleichnamiges, erstes Album veröffentlicht, das sechs Stücke mit sich bringt. Sie sind ungemein sphärisch, sehr einnehmend, sehr beruhigend. Da wird viel mit der Gitarre experimentiert, da werden Soundflächen übereinander gelegt, da wechseln sich auch Moll und Dur mal ab. Aber vor allem strahlt diese wundervolle, heilsame Musik sehr viel Ruhe aus. Das ist sicher schwer, so etwas hinzubekommen. Genießt es also:
Freunde Der Italienischen Oper
(Ms) Es gibt Bands, bei denen ich mir vollkommen unsicher bin, ob ich ihr musikalisches Schaffen überhaupt in irgendeiner Weise würdigen kann. Die Zweifel sind mir dann doch oft ein wenig egal, da mir die Weitergabe an guter Musik viel wichtiger ist, als jede Aufarbeitung. Wer die Gruppe Freunde Der Italienischen Oper bislang genauso wenig kannte wie ich, liest am besten bei Wikipedia oder so ein wenig nach. Viel haben die MusikerInnen erlebt in den letzten knapp vierzig Jahren! Stark, dass sie sich immer wieder gefunden haben, um neue Stücke zu schreiben. Am 3. Oktober - wie herrlich bedeutungsgeladen, weil aus der DDR kommend ursprünglich - erschien ihre neue Platte Angelus Luminis mit 12 neuen Songs. Dunkler Rock mit allerhand Abschweifungen in andere Genres. Doch es ist irgendwas Gothic-ähnliches. Der rollende Bass, die druckvolle Musik und der sehr markante Gesang machen dieses Album sehr, sehr gut. Es macht neugierig, aufmerksam, gespannt. Voller Programmatik und großer Gesten. Darunter sollte es auch keine Band machen, die sich so einen Namen gegeben hat!
(Ms) Was ist es, das die Faust ballen lässt? Warum wollen wir einige Lieder immer und immer wieder hören? Was entfacht eine so geartete Sucht? Denn süchtig nach dieser Musik lässt es sich schnell werden. Am 16. Oktober veröffentlichen Endless Wellness mit Domino Days ihr zweites Album und es ist ein einziger Rausch!
Ja, was ist es nun, was dieses Album so großartig macht? Auf die einzelnen Lieder kommen wir gleich noch zu sprechen, doch ich behaupte, es gibt ein übergeordnetes Ganzes, das den großen Reiz ausmacht. Wenn Adele Ischia, Philipp Auer, Milena Klein und Patrick Huter ihre Texte schreiben, kommen nicht nur die unterschiedlichsten Themen zu tragen, sondern auch eine unsagbar schöne Poesie und Gesangslinien, die von Sehnsucht und großem Lebensgenuss strotzen. Insbesondere die poetischen Texte haben in mir eine Faszination entfacht. Es sind Texte, die das Hier und Jetzt auf romantische Weise Feiern. Es sind Texte, die die Schattenseiten des Lebens schonungslos beleuchten und vor allem eine Utopie erschaffen. Es soll eine Welt sein, in der wir sicher sind und füreinander da sind. Was so leicht und irgendwie naheliegend klingt, vertont diese Band mit einer soghaften Schönheit und einer innigen Dringlichkeit. Der Wunsch nach einer schönen, guten Welt schwebt leuchtend über dieser Platte. Wer will es ihnen verübeln?!
Elf Songs sind es, die uns die vier ÖsterreicherInnen schenken. Nur Das Beste ist der Start und damit ist doch alles klar, oder?! Wer so beginnt, schaut nur nach vorn und dem wächst der Optimismus aus allen Poren. Was sich ganz klassisch aufbaut - erst Gitarre, dann Stimme, dann Schlagzeug, dann Bass - nimmt so richtig Fahrt auf. Wenn die Akkorde schwirren und die Synthies ballern, soll die gute Zukunft bitte ganz schnell über uns herein brechen, denn „das Jetzige ist das Verletzlichste“. Zum Glück sind wir selbst dafür verantwortlich. Züge wiederum ist ein wunderbares Coming-of-Age-Stück. Von Verwöhntagen bei Oma, über die Übergabe des Zeugnisses (als Protokoll der Versäumnis - hallo Poesie!) hin zu Berufsversuchen. Ein Großwerden mit der endlos sehnsüchtigen Frage, wohin denn all die Züge fahren würden. Was für eine wunderbare Tagträumerei, was für ein Geschenk.
Seit einigen Wochen hat mich ein Track dieser Platte komplett in den Bann gerissen. Nie Mehr Sicher ist aus meiner Sicht das stärkste Lied dieses Albums. Es feiert mit einer wunderbaren Aufmerksamkeit die Gegenwart und zeigt, wozu Sprache - wundervoll melodisch vorgetragen - im Stande ist. Es erinnert mich - in einer Weise, die ich nicht erklären, sondern nur erfühlen kann - an Die Dinge Singen Hör Ich So Gern von Rainer Maria Rilke. Das Lied ist ein Spaziergang voller Düfte und Tiere, die wir alle benennen können und uns so Sicherheit geben. Auch bei diesem poetischen Stück überzeugen die wunderbar sanften Gesangslinien, die sich unbemerkt ins Langzeitgedächtnis schleichen.
Auf Domino Days teilen sich sich Philipp Auer und Milena Auer die Gesangsparts. Die Bassistin singt den wunderbaren Schrammeltrack Kontrolle Ist Messer, der musikalisch an die frühen Tocotronic erinnert und gesanglich Punk ist. Da sind wir bei einem weiteren Punkt, der diese Platte so, so stark macht: sie strotzt vor Vielseitigkeit. Klar, das ist Indierock. Doch der kann auch platt sein. Das Quartett aus Wien jedoch schaut ganz viel nach rechts und links beim Thema musikalische Raffinesse.
Genial ist auch, wenn die Band Unernstes sehr seriös vorträgt. Beispiel: Die Katze. Ein Portrait des zweitliebsten Haustieres. Eine Liebeserklärung? Ein Blickwinkelwechsel? Wie dem auch sei - es geht hochdramatisch zu, wenn zwischendurch der Vierbeiner über die Klaviertasten huscht. Großartig!
Doch auch jedes noch so phantastische Album muss irgendwann auch mal vorbei sein. Ein Album, auf dem nicht jeder Reim perfekt ist und auf dem die Zeilen gern mal springen. Ein Album, das zum Glück nicht allzu vollgepackt ist mit Bedeutung und Tiefenpsychologie. Das Unverkrampfte ist der Trumpf. Und die Vielseitigkeit. Happy And You Know It am Ende reist musikalisch nochmal richtig stark in einen Mix aus Porridge Radio und den 90ern. Fleißig unterwegs sind Endless Wellness, um ihre neuen Stücke zu präsentieren - verpasst das nicht:
21.10.2026 Innsbruck - Treibhaus 22.10.2026 Zürich - Bogen F 23.10.2026 Düdingen - Bad Bonn 24.10.2026 Dornbirn - Spielboden 29.10.2026 Wien - Arena 31.10.2026 Linz - Posthof 01.11.2026 Graz - Dom im Berg 04.11.2026 Salzburg - Rockhouse 05.11.2026 St. Pölten - Cinema Paradiso 06.11.2026 Villach - Kulturhofkeller 07.11.2026 Vöcklabruck - OKH 25.11.2026 München - Technikum 26.11.2026 Esslingen - Dieselstrasse 27.11.2026 Köln - Gebäude 9 29.11.2026 Frankfurt - Mousonturm 30.11.2026 Hamburg - Molotow 01.12.2026 Berlin - Festsaal Kreuzberg 02.12.2026 Leipzig - Werk 2 03.12.2026 Nürnberg - Z-Bau
(Ms) Diesen Abend in Worte zu fassen, ist kaum möglich, weil er so unendlich facettenreich war und für alle Menschen vor Ort unterschiedliche Bedeutungsebenen hatte - so nehme ich zumindest an.
Doch eine Szene bleibt mir bis zum nächsten Morgen prägnant im Kopf: Richtung Ende des Sets hat Ebow ihren Track Free. gespielt. Dicht und bedrückend. Als der Song zu Ende war, lag eine halbe Sekunde Stille im Bremer Schlachthof. War es ein Schock, dass der Song immer mehr an Aktualität und Dringlichkeit gewinnt? War es ein „Wie gut, dass sie es so klar ausdrückt, was alles schief läuft und wie unsagbar viele Gruppen verfolgt und an den Rand gedrängt werden“? Diese halbe Sekunde war Pate für viele ähnlicher Momente. Es waren Momente, in denen die Texte von Ebow etwas mit dem Publikum gemacht haben. Davon gab es reichlich.
Bremen war am Freitagabend der zweite Stopp ihrer Arbayt-Tour zum aktuellen Album Typologie Eines Lebens und lange Zeit sah es im Schlachthof nicht danach aus, dass es so gut besucht wird. Lange Zeit war es luftig und entspannt. Entspannt blieb es, aber auch Gedränge gab es keins.
Auf der Bühne war eine Bank unter einem Baum zu sehen, daneben ein Grashügel. Ja, es ging auch viel ums Wohlfühlen gestern. Das macht Ebow den Besuchenden sehr leicht, denn ihr warmherziges Charisma erfüllt schnell den großen Saal. Ich vermute, dass durch viele Köpfe ab und an der Gedanke rauschte: Hey, das ist ja eine von uns, sie erzählt genau meine Geschichte, für die ich eventuell nie diese Worte gefunden hätte. Wenn jemandem vor mir die Tränen durchs Gesicht kullern, als Ebow davon erzählt, wie unfassbar schwer es für sie war, sich, ihren FreundInnen und ihrer Familie zu sagen, dass sie auf Frauen steht, dann passiert da mehr als nur Musik. Das sind schon kathartische Szenen, die sich abspielen. Und das ist ja eine irre Form der Kunst. Eine so klare, aufrechte, nahbare Musikerin - das ist ein großes Glück.
Ja, Ebow bringt viele Themen mit. Denn ihr Leben hat einfach so, so viel zu erzählen: Erwartungen und Selbstverständlichkeiten in der dritten Generation migrantischer Familien, ein queeres Leben, eine Utopie für ein hoffentlich kommendes Bald. Es waren nicht nur die Zeilen ihrer großartigen Lieder, die den Abend so intensiv gestaltet haben, sondern auch ihre Ansagen. Denn, was hier vielleicht als ernst rüberkommen mag, war auch sehr, sehr unterhaltsam. Wo Tränen flossen und getanzt wurde, wurde auch im nächsten Moment wieder gelacht. Das ist schon richtig krass und auch einfach wahnsinnig gut und einfühlsam durchdacht, was wann passiert. An allen Ecken und Enden sehr beeindruckend. Und zudem ist sie halt auch eine richtig starke Rapperin, knallt mitunter in einem atemberaubendem Tempo die Bars durch die Luft. Der Abend war gespickt mit phantastischen Songs wie Novoline (Gänsehautgarantie), Vogel & Meer, Neues Leben, Club 1990, Chayas Worldwide, Bodies. Und es gab viel frenetischen, ich-fühle-es-Applaus! Zurecht!
Leider war der Sound nicht ganz so gut. Der Gesang war dumpf und seltsamerweise wurde er durch den Gehörschutz etwas klarer. Aber es hätte durchaus auch etwas mehr wummern können. Bei einem Track wie Arbayt darf gern der ganze Schlachthof beben. Doch das mag nur eine Randnotiz sein, es hat glücklicherweise das Gesamterlebnis nicht geschmälert.
Ebow - was für eine krasse Künstlerin!
10.10.26 Hamburg – Fabrik 15.10.26 Leipzig – Werk 2 22.10.26 München – Ampere 23.10.26 Wien – WUK 24.10. Frankfurt – Zoom 28.10. Berlin – Columbiahalle
Was macht das Leben so toll und warum machen wir es uns eigentlich zu Hause so gern gemütlich? Gestern saß ich auf der Einfahrt und habe Unkraut aus den Ritzen geschürft. Da fragte ich: ist das jetzt einfach super spießig oder warum tue ich das? Die Antwort ist ganz einfach und Gabriele von Arnim liefert sie in einem ganz wundervollen Buch, das den tollen Titel Der Trost Der Schönheit trägt. Insbesondere zu Hause wollen wir es doch schön haben, oder? Aus einem Selbstzweck aber auch als Abgrenzung zur Arbeit beispielsweise. Meine Arbeitsstelle hat zum Beispiel optisch wenig mit Schönheit zu tun. Mein Zuhause jedoch schon. Deshalb soll auch die Einfahrt ordentlich sein. Und nicht nur, weil man das hier auf dem Dorf so macht. Dieses Buch jedoch liefert noch so unendlich viel mehr gute Gedanken, dass ich es allen ans Herz lege. Der größte Kunstgriff dabei ist, dass die Autorin es auch einfach mit einer unsagbar schönen Sprache geschrieben hat. Was für eine tolle Ebene, was für große Kunst, was für ein wunderbarer Lebens- und Lesegenuss.
Get Well Soon
(Ms) Verklärung von Kunst. Irgendwann habe ich irgendwo gelesen, dass wir Menschen oft so gern alles toll und großartig und spitzenmäßig haben wollen - und vor allem so anderen davon erzählen möchten -, dass das wahre Erlebnis durch einen rosaroten Filter wahrgenommen wird. Alles super, alles immer phantastisch. Das geht mir bei Musik auch oft so. Entweder ich finde es was unspektakulär oder es berührt mich nicht. Oder ich finde es sehr gut. Oder es kommt von Band 1, 2 oder 3, der ich seit Jahren verfallen bin und dann immer alles toll finde. Auch wenn mein emotionaler Erlebenskompass gar nicht in diese Richtung ausschlägt. Dazu gehört auf jeden Fall Get Well Soon. Egal, was Konstantin Gropper anfasst, ich finde es herausragend. Zugegebenermaßen hat auch wirklich viel seines Schaffens extrem toll. Und wenn dann eine neue Single wie Siri, What Ruined The West? herauskommt, krame ich in der Schublade nach Superlativen. Dieses mal hüte ich mich ein wenig davor: Ja, der Track ist gut und sehr getwellsoonig. Insbesondere die inhaltliche Frage ist ja schreiend aktuell, wenn die Tech Bosse ihre Software als hypergefährlich deklarieren (Auslöschung der Menschheit etc.). Ist ja auch spitzen Marketing. Doch musikalisch bin ich dieses Mal nicht ganz so angefixt. Ja, es ist eine tolle Melodie dabei und auch eine schöne Dynamik. Aber es bleibt etwas verhalten. Doch auf dem kommenden Album Séance (30. Oktober) kommt noch mehr Überwältigendes.
24.01.2027, Hamburg - Mojo 25.01.2027, Frankfurt - Zoom 26.01.2027, Heidelberg - Karlstorbahnhof 27.01.2027, Köln - Gloria 28.01.2027, Münster - Sputnikhalle 29.01.2027, Leipzig - Felsenkeller 30.01.2027, Hannover - Faust 31.01.2027, Berlin - Huxleys 02.02.2027, München - Ampere 03.02.2027, Wien - WUK 04.02.2027, Salzburg - ARGE 05.02.2027, Schorndorf - Manufaktur 16.02.2027, Utrecht - dB’s 17.02.2027, Lille - L’Aéronef 18.02.2027, Paris - Le Café de la danse 19.02.2027, Luzern - Schüür 20.02.2027, Zürich - Bogen
Die Buben Im Pelz
(Ms) Ach Liebe. Ach Österreich. Ach Herz. Was seid ihr nur für ein unschlagbares Team? Gemeinsam trefft ihr immer ins Volle. Zum Beispiel mit der aktuellen, ganz hervorragenden - ja, leiwanden - Single von Die Buben Im Pelz. Sie heißt Für Di und ist einfach nur eine tolle Liebeshymne. Wobei „einfach“ ja gar nicht stimmt. So ein ehrliches, verliebtes, rauschhaftes, aufrichtiges Liebeslied will ja erstmal geschrieben werden. Die bedingungslose Zuneigung für diese eine andere Person. Was für ein großer Zauber, was für ein wunderbares Fest. Was für schöne Zeichen aus dem Alltag, die die Band hier auflistet, die das Gemeinsamsein erst so schön machen. Egal, was du willst, wir tun es. Egal, wohin du willst, wir fahren hin. Ja, das kann auch alles höllisch schief gehen, aber der Moment, den die Band hier besingt und mit einem herrlichen Video untermale, ist doch die pure Schönheit, oder? Ja! Am 30. Oktober erscheint ihr neues Album Menschen Ohne Freunde. Genial.
Wanda
(Ms) Spitzen Überleitung - denn vom rauschhaften Wandakonzert singen Die Buben Im Pelz auch auf der aktuellen Single. Wie sie in der ersten Reihe stehen und hüpfen. Ja, wer kann es nicht verstehen?! Eben! Wanda also. Die großen Rockmusiker und Helden der bezaubernden Theatralik. Kryptische Andeutungen gab es in der vergangenen Woche. Die neue Musik würde etwas ganz anderes sein als alles zuvor. Salbei heißt die neue Single und ja, neu ist da schon ein wenig was. Aber übertreiben muss man nun auch nicht. Ja, die Band hat die Gitarren nochmal gehörig aufgedreht, aber ohne ihre Mitte aufzugeben. Auch das emotional Überbordende bleibt fest in der DNA dieser Band. Offiziell nur noch als Trio singen Wanda vom Schmerz der Welt, vom erlösenden Mittelfinger, der ihr gegenüber ausgestreckt wird. Und dass keineswegs alles einen stärker macht, was einen angreift. Sondern das Gegenteil auslöst. Brutale Ehrlichkeit. Wanda pur. Nur aufgedreht halt. Passt hervorragend zusammen. Bringt eine Band quasi zurück, die den Rock seit jeher eingeatmet hat. Was Mich Umbringt Macht Mich Schwächer heißt auch das neue Album, das bald erscheinen wird. Endlich wieder Wanda.
09.04.2027 Osnabrück - Hyde Park
10.04.2027 Rostock - Moya
12.04.2027 Hamburg - Große Freiheit 36
13.04.2027 Magdeburg - Factory
14.04.2027 Berlin - Columbiahalle
16.04.2027 Erfurt - CENTRAL Club
17.04.2027 Amsterdam - Melkweg Old Room
19.04.2027 Köln - Live Music Hall
20.04.2027 Dortmund - FZW
21.04.2027 Zürich - X-TRA
23.04.2027 Heidelberg - halle02
24.04.2027 Wiesbaden - Schlachthof
25.04.2027 Luxemburg - Den Atelier
27.04.2027 Ulm - ROXY
28.04.2027 Hannover - Capitol
28.05.2027 Gmunden - Gmunden Rocks
29.05.2027 Rankweil - 40 Jahre altes Kino
05.06.2027 Kufstein Festung
23./25./26.06.2027 Wien - Arena Open Air
16.07.2027 München - Tollwood Festival
04.-08.08.2027 Eschwege - Open Flair Festival
05.-08.08.2027 Rothenburg ob der Tauber - Taubertal Festival
Fjørt
(Ms) Diese Band ist extrem. Wer ihre Musik kennt, wer sie mal live gesehen hat, weiß Bescheid. Unnachgiebig im Druck. Unnachgiebig in der Energie. Unnachgiebig in der Wucht. Haben die eigentlich ein Gelo Revoice-Abo? Wäre schon nachvollziehbar. Vor nicht allzu langer Zeit hat das Trio eine große Tour für das Frühjahr 2027 bekannt gegeben. Und jetzt legen sie nach. Aber nicht mit klassischen weiteren Terminen, die die Tour ausdehnen. Nein, nein. Fjørt sind halt speziell. Und in diesem Jahr haben sie die Tracks ihrer ersten EP Demontage im kleinsten Rahmen aufgeführt. Das schien so stark gewesen zu sein, dass sie das auf der kommenden Tour auch machen. Und nun kommt das Geniale: Nach den Konzerten, die sie ohnehin spielen. Dann zieht der ganze Tross um. Teils in andere Clubs oder in kleinere Räume der selben Location und setzt noch eins oben drauf! Zwei Konzerte an einem Abend. Das macht aus 14 zu bespielenden Städten 28 Auftritte! Danach aber erstmal Kur oder Schweigekloster, oder?!
Kleiner Nachklapp zum Auftritt von Anna von Huasswolff am vergangenen Samstag in Hamburg. Manchmal bin ich ein bisschen doof oder taub. Bei ihrem aktuellen Album The Iconoclasts habe ich sehr spät gemerkt, dass das Saxophon so eine prominente Rolle einnimmt. Seh- und hörbar war es am Samstag umso mehr. Auf der linken Bühnenseite stand Otis Sandsjö und spielte. Wie um sein Leben. Da ich selbst meine ganze Jugend über Saxophon spielte, darf ich dazu Stellung nehmen. Denn das, was Otis Sandsjö dort gemacht hat, war technisch extrem stark! Nicht nur seine flinken Finger haben den Abend belebt, sondern auch seine äußerst taktisch kluge Atmung. Seine Unterlippe muss doch schmerzen nach so einem Auftritt. Zudem hat er entweder sich selbst geloopt oder den Klang seines Instruments verzerrt. Genial! Und wie dieses, mir so vertraute, Instrument mit der Orgel harmoniert, hätte ich nie geglaubt! Hut ab!
Some Sprouts
(Ms) Was tun, wenn zu viele Gedanken durch das Nervensystem ballern? Was tun, wenn ein dezentes Gefühl der Überforderung überhand nimmt? Was tun, wenn es langsam anfängt zu zittern? Was tun, wenn der Körper zu schwer wird für die einfachen Dinge?! Klar, Pause. Aber wie gestaltet man sie? Sich dem Schwermut hingeben? Oder ein wenig auflockern? Ein wenig Sonnenschein einziehen lassen? Mit dem neuen Track von Some Sprouts warten die auflockernden Sonnenstrahlen nicht lang. Ihre neue Singe On The Line beschwingt nach allen Regeln der Kunst. Ja, man könnte auch sagen, dass ein wenig dahin plätschert. Aber ist das nicht manchmal auch so richtig schön? Ich finde es nämlich auch beeindruckend, wie Bands es immer wieder schaffen, so eine Lässigkeit in ihren Klang zu bringen. Da gingen sicher zig Sitzungen im Proberaum bei drauf: Welche Harmonie? Wann knallt das Becken? Wann darf sich die E-Gitarre ausleben?! Das Ergebnis ist herrlich erfrischend und kann bald hier live gehört werden:
(Ms) So krass klangen die 80er nicht mal in den 80ern. Das Berliner Trio Die Anstalt trifft 2026 den Sound dieses musikalischen großartigen Jahrzehnts bis ins Mark. Ja, die Gitarren sind noch ein wenig prägnanter, aber der Beat, die Art zu singen, die Programmatik in den Texten, di Nutzung von Synthies. Genial, absolut genial! Die Band veröffentlich heute ihr selnstbetiteltes Debutalbum in einem neuen Gewand und der damals schon erschienene Track Isolation in einer überarbeiteten Version. In Großbritannien sollen sie als Support von A Place To Bury Strangets ordentlich begeistert haben. Es steht nichts im Wege, dass sie hier einen ähnlich triumphalen Siegeszug bestreiten!
02.10. Hof, Galeriehaus 17.10. Hamburg, Hamburg, M.S. Stubnitz 23.10. Nürnberg, Bunker Rituals Festival IV 19.11. Berlin, SO36
Austin TV
(Ms) Es ist gut, dass es stabile Größen in der Musikwelt gibt. Besonders hervorzuheben dabei ist KEXP. Der Radiosender aus Seattle, Washington, war schon oft Anlaufstelle für großartige Liveaufnahmen und tolle Interviews, die ich mir angeschaut habe. Die Menschen, die dort arbeiten, haben wirklich einen großartigen Geschmack und eine irre Leidenschaft. Dieser Tage flirrte mit Austin TV bei denen über den Bildschirm. Direkt angefixt! Die mehrköpfige Band aus Mexiko spielt maskiert und wunderschön! Also vor allem klanglich. Es ist Post-Rock gepaart mit frickeligen Math Rock Elementen. Wenn man es möglichst krass ausdrücken will also irgendwo zwischen Sigur Rós und Angine De Poitrine. Vor wenigen Wochen erst veröffentlichen sie ihr aktuelles Album MA und es ist leicht, sich in den tollen Sog dieser Musik reißen zu lassen. Nur zu:
(Ms) Erst wurde aus Katharina Kollmann Nichtseattle. Dann wurde daraus ein Duo und seit ein paar Jahren schließlich eine Band. Ihre Texte waren und sind der wunderbare Mittelpunkt ihres Schaffens. Ihre Ideen, ihre Unmittelbarkeit, die schonungslose Realität. Das findet sich auch an zig anderen Stellen, doch wenn Katharina Kollmann den Stift in die Hand nimmt, um ihre Texte zu schreiben, dann passiert etwas unvergleichliches. Dann erscheinen unfassbar kluge, ungefilterte Gedanken. Dann gibt es kaum etwas zu verstecken. Dann erscheint das Leben mal echt schwer und kompliziert und im nächsten Moment wieder heiter und klar. Sie schaut wirklich überall hin, lässt nichts aus und beschönigt keinen Winkel des menschlichen Daseins. Nun bringt sie am 25. September ihr neues Album raus und darin beschäftigt sie sich mit dem schönsten und härtesten Thema: Große Liebe heißt es und erscheint bei Staatsakt.
Klar, das vielleicht beste Thema der Kunst ist schier unerschöpflich. Weil ständig neue Liebesgeschichten geschrieben werden. Aber auch Trennungsgeschichten. Sehnsuchtsgeschichten. Enttäuschungsgeschichten. Glitzergeschichten. Zehn Stücke hat sie mit ihrer Band geschrieben und eingespielt. Teilweise gehen sie (wieder) über sieben Minuten, sind intensiv und wundervoll.
Mit melancholischen, schweren Gitarren startet die Platte. Dallas heißt der erste Track, zugleich die erste Single. „Was meinst du mit Liebe?“ - diese Frage direkt zu Beginn. Puh. Eine große Reflektion über Alterslosigkeit und Therapie und eigentümliche Ideale (eine aus Dallas oder ein westdeutscher Mann), die gejagt werden. Und aus dem nachdenklichen, schwermütigen Start wird immer wieder ein großes Aufbäumen. Nein, keine Heiterkeit, sondern ein gerader Rücken. Und damit ist das Wesen von Katharina Kollmanns Musik zu Beginn skizziert.
Dass aus dem Soloprojekt über einen langen Zeitraum eine Band geworden ist, ist auch zu hören. Der Klang dieser Platte ist extrem rund, toll abgestimmt, sehr harmonisch. Auf River Cola dominiert ein warmer Bass. Darüber ein Text, der das große Ungleichgewicht zwischen Männern und Frauen und damit ein oft gelebtes Machtgefälle beschreibt. Über Reaktionen, die so untypisch weiblich seien mit der logischen Anschlussfrage, was das denn überhaupt sei. Ein wunderbarer Song, denn er baut sich großartig auf. Fängt an zu glänzen. Bring ein Strahlen zurück. Auch dank Trompete und Dur.
Für Zeilen wie „Freundschaft ist mein Schwergewicht“ auf Ich Mit Brille mag man sie einfach nur beneiden. Ohnehin ein Stück, das weiter strahlt, das Positive zeigt und auch den Liebesblick ein wenig erweitert. Was bedeutet dieses große Wort eigentlich und wem gilt es?! Eine sehr gute Frage, die wir uns alle stellen sollten. Und wenn am Ende eine kleine Chorsequenz erkling, bäumt sich die Gänsehaut auf!
Nichtseattle ist immer auch ein feministisches Manifest - großartig! Meine Ladies heißt der Track voller Hinknien, Zusammenhalt, Empowerment. Ein Track voller Zuversicht, voller Kraft und Macht: „Ich glaub, ich glaub an uns.“ Manchmal sind die einfachen Worte im passenden Kontext so wirkmächtig! Wow! Insbesondere wenn sie mehrstimmig, kraftvoll, inbrünstig in die Welt gesungen werden!
Runtergeschraubt, gezupft und gehaucht geht es auf Station 8 zu. Ein Klinikaufenthalt? Eine Reha? Eine Verarbeitungsphase nach einem Zusammenbruch. Spricht sie über sich? Egal. Spätestens wenn sie im Chor singt, ruft, fordert, wünscht: „Bring mich nach Hause“ - dann ist doch alles klar, oder?! Hui, wie viel Dringlichkeit in so reduziertem Arrangement liegen kann - phantastisch.
Am Ende noch ein Klavier. Seichte, andächtige Töne. Fremde heißt das letzte Stück. Ein gesprochenes Lied. Ein großartiger Gebrauch von Sprache über Kategorisierung und Schubladendenken und dessen grausame Konsequenzen. Ein Gedankenstrom über ihr Elternhaus? Wut macht sich breit, Unverständnis, Misstrauen. So baut sich ein Stück auf, die anderen Instrumente setzen ein. Das Klavier bringt Hoffnungsschimmer, die Gitarre behält die Zweifel. Knapp acht Minuten dauert dieses letzte Lied und lässt uns Hörende mit vielen Gedanken zurück. Was macht die durchaus aufbauende Musik nach dem bitteren Text? Wie schön, dass uns diese Gedanken geschenkt werden, wenn man sich denn drauf einlässt.
Gut eine Stunde erklingen Nichtseattles neue Stücke auf Große Liebe. Ja, mit ihrer Band ist Katharina Kollmann ein weiteres tolles Album gelungen. Doch ich frage mich auch, ob sie damit auch überfordern kann. Die Texte sind nicht nur lang, sondern auch so dicht und komplex. Doch kurz weiter gedacht, ergibt sich folgendes Bild: Was erwarte ich denn von Kunst?! Dass sie unscheinbar nebenher dudelt?! Dass sie einfach ein paar nette Momente generiert?! Wenn ja: Okay. Doch sie kann auch bereichern, kann auch weh tun. Kann zum großen Genuss, zur Großen Liebe einladen. Kann aufzeigen, protestieren, anregen und bestätigen, rausbrüllen. All das - und sicher noch wesentlich mehr - ist hier auf beeindruckende Weise gelungen!
03.11.26 Kiel, Hansa48 04.11.26 Hamburg, Knust 05.11.26 Osnabrück, Kleine Freiheit 06.11.26 Langenberg, KGB 07.11.26 Leipzig, UT Connewitz 08.11.26 Berlin, Großer Sendesaal des rbb 09.11.26 München, Feierwerk (Kranhalle) 10.11.26 Wien, Club Lucia 12.11.26 Regensburg, Alte Mälzerei 13.11.26 Frankfurt, Brotfabrik 14.11.26 Köln, Artheater
(Ms) Gar nicht mal so leicht, über diesen Abend zu schreiben. Ihn zu erleben war schon nicht einfach.
Logisch, Elbphilharmonie ist schon wuchtig genug. Ein großartiges Gebäude. Eine Stunde vor Beginn wurde der große Saal geöffnet. Beziehungsweise die Tore, um ihm näher zu kommen. Dann hieß es nochmal eine halbe Stunde warten, bis der Innenraum freigegeben wurde. Und das war spät. Die Innentüren gingen um 22.15 Uhr auf. Nicht nur aufgrund der Uhrzeit sollte dies ein ereignisreicher Abend werden. Dafür war vor allem die Dame an der Orgel verantwortlich: Anna von Hausswolff. Letztes Jahr erschien ihr aktuelles Album The Iconoclasts und sollte noch wuchtiger und komplexer werden als alles, was sie vorher gemacht hat. Die Orgel nahm sich ein wenig zurück, mehr Gitarrenwände und vor allem ein Saxophon, was ich in der Form noch nie gehört habe. Es sollte auch am Abend eine wichtige Rolle spielen.
Dann gingen also die Türen auf. An einem milden Spätsommertag an der Elbe. Bier und Weißwein in der Lobby waren lecker, der Blick auf den Hafen großartig. Der Blick ins Innere dieses Gebäudes auch. Eine Höhe, die demütig macht, ein Rondell für hervorragenden Klang. Bequeme Sitze, entspannte Menschen. Wir ergatterten einen tollen Platz auf der ersten leichten Erhöhung. Leider roch es dort so unangenehm, dass wir nochmal umzogen. Doch die Sicht blieb super. Denn so konnten wir einen Blick auf alle Beteiligten auf der Bühne erhaschen, trotz dass ein Scheinwerfer immer wieder ordentlich blendete.
Pünktlich um 22.45 Uhr betrat Anna von Hausswolff mit ihrer fünfköpfigen Band die Bühne und es ging direkt los. Als der Bassist sich einen Geigenbogen nahm, um über die Saiten zu streichen, kam die erste Gänsehaut. Und die erste Erschütterung des Konzertsaales. Lautstärke, Wucht, Dynamik, Unerbittlichkeit. Das waren die Leitmotive für die kommenden knapp eineinhalb Stunden. Ein hochgradig intensives Konzert hat die Schwedin mit ihrer uniformierten Band da hingelegt. Der Fokus lag klar auf den neueren Stücken. Irgendwie natürlich logisch, doch der ein oder andere ältere Track mehr, täte dem Set vielleicht ganz gut. Denn diese Intensität war offenbar nicht für alle was. Offiziell soll das Konzert ausverkauft gewesen sein. Das ist nur schwer nachvollziehbar, denn es fand im Rahmen des Reeperbahn Festivals statt und Menschen mit einem Bändchen konnten einfach so rein. Und auch wieder raus. Zudem wurden Karten nur für diesen Auftritt verkauft - da habe ich zugeschlagen. Der Saal war gerade mal zu 60-70 Prozent gefüllt. Ob nicht alle Ränge freigegeben waren, weiß ich nicht.
Während es nur so schepperte auf der Bühne, standen also immer mehr Menschen auf und gingen. Ich konnte meinen Augen kaum trauen. Ja, es war schon eine derbe Performance. Doch einfach gehen?! Da geben gerade sechs Menschen auf der Bühne alles, lassen Wände und Böden erzittern und viele verlassen einfach den Saal?! War es also nicht auszuhalten? Diese Frage habe ich mir auch gestellt. Es war definitiv ein krasses musikalisches Erlebnis. Die Grenze des Aushaltbaren hat Anna von Hausswolff auf jeden Fall erzittern lassen. Doch ist Kunst nicht auch etwas, das mal erschüttern kann?! Oder soll?! Oder gar schockieren?! Klar, auf jeden Fall. Das muss sie auch. Wie feige ist es dann, einfach zu gehen.
Ich hatte auch zu hadern, wie ich das denn nun fand. Zwei Mal sah ich sie schon live. Beide Male war ich völlig baff: so eine Kraft, so eine Präsenz, so eine Dynamik. Es brauchte eine Nacht, bis ich zu meinem Urteil kam: Ja, das war einfach verdammt gut. Das war Kunst. Es hallte nach. Im doppelten Sinne.
Auch auf der Bühne. Denn eine Zugabe gab es nicht. Der Auftritt war kürzer als eingeplant. Ist ja auch nachvollziehbar aus KünstlerInnensicht. Eine Verbeugung noch, dann ging das Licht an. Wer will schon nochmal dort auftreten, wo die Menschen gehen?!
Und dann stand man da. Samstagnacht in der Elbphilharmonie. Nach so einem intensiven Abend. Ein Abend, an dem Orgel und Saxophon eine irre Energie entwickelt haben. Was hat der Typ am Holzblasinstrument denn bitte gemacht?! Alles hat er gegeben. Doch es kam offenbar bei einigen nicht an. Alle anderen, die es genießen konnten und bis zum Ende blieben, haben einen herausragenden musikalischen Abend erleben dürfen, der die Grenzen des Genusses neu ausgelotet hat.