Samstag, 14. März 2026

Live in Bremen: Tristan Brusch

Foto: luserlounge 
(Ms) Über einen Abend, der ein Zeugnis außergewöhnlicher musikalischer Kraft war und stark nachhallt.

Ausverkauft - am Nachmittag, bevor das Konzert von Tristan Brusch im Bremer Lagerhaus stattfand, kam diese Meldung über die sozialen Kanäle. Was für ein schöner Erfolg für den Musiker, der damit in seinem vierten Anlauf an dieser Spielstätte zum ersten Mal ein volles Haus hatte. Auch viele andere Auftritte seiner aktuellen Tour sind restlos ausverkauft. Dafür gibt es zahlreiche gute Gründe, die spätestens nach so einem Besuch glasklar sind. Offenbar lockt der Wahlberliner ein Publikum an, das sehr, sehr aufmerksam ist. Wow - wie still es zwischendurch war. Niemand quatschte während seiner Lieder, höchstes verträumtes Mitsingen. Allein das ist eine große Anerkennung! 

Eingeleitet in den Abend hat Lisa Harres. Sie setzte sich ans E-Piano, das vorne am Bühnenrand stand, spielte zaghaft mit der rechten Hand ein paar Töne und sang darüber mit sicherer, sehr virtuoser Stimme. Viel zu verstehen war davon nicht, so sehr hat sie die Töne in die Länge gezogen. Ob der Text wichtig war? Ich kann es nicht sagen, lehne mich aber mal aus dem Fenster und sage: Nein. Es ging eher um den Klang an sich, um Stimme und Melodie. Als sie dann auf Deutsch sang, habe ich das auch erst nach einigen Augenblicken mitbekommen. Zwei Stücke spielte sie dann noch an der Gitarre, die ursprünglich für Orgel und Bläser geschrieben worden sind. Große Flächen, verträumt schwebende Stimme. Kunst und musikalisches Können. Ich musste an Schuberts Winterreise denken.

Kurzer Umbau. Zeit, um der im Off laufenden Musik zu lauschen, denn sie war auch Teil einer tollen Inszenierung des ganzen Abends. In Dauerschleife lief eine verzerrte, reduzierte Version von Grundsolider Schläger. Hach, wie schön, wie gut dieser Abend geplant war! Und das lag zu großen Teilen auch an der phantastischen Band, die mit auf der Bühne stand. Allen voran Friedrich Paravicini am Keyboard, Gesang, Mundharmonika und vor allem am Cello - enorm! So zurückhaltend er sich gab, so wirkungsvoll war all sein Tun auf der Bühne. Tristan Brusch nennt ihn im Reflektor-Podcast den Ambassador einer besseren Musikwelt. Zudem saß Hanno Stick am Schlagzeug, der unter anderem auch bei Niels Frevert, der Crucchi Gang und seiner eigenen Band Tapes spielt. Leider konnte ich nicht herausfinden, wie die beiden Damen am Bass und Backgroundgesang hießen, sie haben genauso wunderbar musiziert! Zusammen haben sie einen irren Sound erzeugt. Er war hervorragend gemischt, weich, rund, präzise.

Im klassischen Musikerschwarz kamen sie auf die Bühne und starteten mit eben jenem Grundsolider Schläger. Toller Start, das Staunen hat ab dem ersten Takt eingesetzt. Und vor allem ganz viel Gänsehaut. Die Musik seiner Lieder ist ja gar nicht so wuchtig, dafür aber in ganz außerordentlichem Maße seine markante Stimme. Ich gehe davon aus, dass alle vor Ort schnell hin und weg waren. Es folgten einige Stücke der neuen Platte wie Vierzehn, Wasser Und Licht, Heiliges Land, Wir Kinder Vom Bahnhof Zoo und das großartige Geboren Um Zu Sterben. „Lieben und geliebt zu werden“ - das sind doch wirklich die einzigen Dinge, die wir hier zu lernen haben, oder? Der Rest kommt dann von allein. Natürlich gab es auch frühere Songs wie Der Abschaum, Wieder Eine Nacht, Wahnsinn Mich Zu Lieben (!), Oh, Lord oder Baggersee.
Zwischen verträumtem Dreinschauen, Messerstechereien und allen Formen der Liebe ist an einem Tristan Brusch-Abend wirklich allen zu hören. Kleine Randnotiz: Das u in Brusch wird übrigens lang gesprochen. Ja, dieser Auftritt brachte wirklich alles mit, was einen hochklassigen, musikalischen Abend ausmacht: Starke Texte, hervorragende MusikerInnen und ein unglaublich aufmerksames Publikum. Aus irgendwelchen Gründen war die Luft vor Ort nicht gut, zwei BesucherInnen sind umgekippt, ihnen wurde aber schnell geholfen, auch von den sehr lieben, umsichtigen Menschen auf der Bühne.

Hach, was gab es alles zu bestaunen während dieses Konzertes! Es wirkt ganz stark nach. Insbesondere durch den sehr autobiographischen Abschluss mit Theo, diesem unverschämt tollen Lied für seinen Sohn, und seiner eigenen Geschichte in Das Leben Ist So Schön. Mit verdient viel Applaus und einem hohen Andrang am Merch endete dieser Auftritt. Tristan Brusch ist ein höchst außergewöhnlicher Künstler, ein irrer Texter, ein leidenschaftlicher Musiker und toller Darbieter seines Schaffens. Geht da unbedingt hin, wenn es möglich ist!

14.03.2026 Hamburg, Mojo Club
18.03.2026 Dresden, Beatpol
19.03.2026 Erlangen, E-Werk
20.03.2026 München, Ampere
21.03.2026 Stuttgart, Im Wizemann
22.03.2026 Wiesbaden, Schlachthof
26.03.2026 Magdeburg, Moritzhof
27.03.2026 Leipzig, UT Connewitz
28.03.2026 Berlin, Huxleys

Freitag, 13. März 2026

Live in Bremen: Shatten & MPC Lafote

Foto: luserlounge
(Ms) Es ist leicht, schnell das Schlechte zu sehen. Dieses Gefahrenerkennungssystem ist uns einprogrammiert, aber glücklich macht es nicht. So ließe sich ja einfach sagen: Wie schade, dass nicht so viele Leute gestern beim Konzert im Eisen waren. Auf der anderen Seite: Die, die da waren, hatten einen einen großartigen Abend. Und viele andere haben das halt verpasst. So nämlich.

Doch besser vorne anfangen.
Die Band Shatten hat letzte Woche ihr neues Album Gegenwart rausgebracht (hier unsere Review). Es ist wirklich ganz großartig! Gestern ging dann ihre Tour los und sie haben niemand geringeren als MPC Lafote als Support mit dabei - was für eine großartige Kombination! Zusammen sind sie nach Bremen gefahren, um im Eisen zu spielen. Was für phantastische Bands Nando in diese Kneipe holt, verdient eigentlich eine eigene Würdigung. Es hat wirklich viel mit einem Wohlgefühl zu tun. Im Eisen ist es halt super entspannt. Vor und hinter der Theke nur gute Menschen, die gelassen und rücksichtsvoll sind. Wer will da nicht gern spielen?! Eben! 

MPC Lafote spielte schon letztes Jahr mit Drummer im Horner Eckhaus, das war enorm elektrisierend. Und genauso ging es los, als die Einmannband loslegte. Zahlreiche Sampler, elektronische Spielereien, Drehknöpfe, Synthies, Kabel. Dahinter am Mikro ein Typ, der wohl mal in einen musikalischen Zaubertrank gefallen ist und einen großen Schluck genommen hat. Wenn es ein Motto des Abends gab, dann ist es: Energie! MPC Lafote ist musikgewordene Präsenz, Tanzbarkeit, kluge Texte und eine gehörige Portion Freude an dem, was er da tut. Die aufmerksamen Menschen im Eisen honorieren es mit Tanzen, Applaus und gebanntem Zuhören. Die Ironie der Musik: Dass ausgerechnet beim Track Sabot die Boxen knarrten. Insbesondere die Tracks, bei denen ein Hintergrundchor aus den Boxen knallt, lassen die Luft flirren.

Foto: luserlounge
Kurze Umbaupause und um viertel nach neun starteten Shatten. Gitarre, Bass, Schlagzeug, Keyboard, Stimme. Das ist Rockmusik mit verspielten Keyboardelementen, mit Druck und Aussage. Es dauerte nicht lange, und die Hamburger Band versprühte Energiefunken im Publikum, die schnell anstecken. Der Fokus lag klar auf den neuen Tracks und insbesondere Paranoia, das auf dem Album schon so gut ist, erlebt live noch eine ganz neue Qualität. Obendrein nimmt die Band den Raum ein, der Sänger geht über Tische und Bänke, hat Bock. Damit ist er aber zum Glück nicht allein, alle anderen vier strotzen nur so vor Drang und Spielfreude! Hier spielt eine Band, die mindestens die zehnfache Aufmerksamkeit verdient hat. Aber nicht alles so schlecht sehen: Auch wenn das Eisen „nur“ eine Kneipe ist, für mindestens einen Abend ist es die größte Bühne der Welt.

Am Ende muss ich mir das nicht-alles-so-schlecht-sehen selbst noch einreden: Der Zug rief mit blöder Abfahrtszeit, sodass ich den Auftritt nicht bis zum Ende sehen konnte. Aber das, was ich sah, war überragend. Schaut euch diese Band an - es wird großartig!

13.03.2026 - Flensburg, Volksbad
14.03.2026 - Lübeck, Blauer Engel
20.03.2026 - Berlin, Roter Salon
21.03.2026 - Hamburg, Molotow
09.04.2026 - Bonn, Bla
10.04.2026 - Mühlheim, Das Kaff
11.04.2026 - Oldenburg, Alhambra



Donnerstag, 12. März 2026

The Notwist - News From Planet Zombie

Foto: Bernd Hofmann
(Ms) Ein Mal Mäuschen spielen. Ein Mal dabei sein, wenn im Münchener Studio von The Notwist neue Musik entsteht. Was wäre das für ein spannendes Ereignis! Lauschen, wenn diese Kombo eventuell anfängt, zu improvisieren. Zuhören, wenn neue Ideen entworfen oder alte überarbeitet werden. Mitschreiben, wer was zu sagen hat, wer noch einen Vorschlag hat. Zusehen, wie Texte nochmal umgeschrieben werden. Spüren, wie der Sound durch den Körper dringt. Mitempfinden, wie die Luft anfängt zu flirren, wenn diese Band spielt. Live ist das ja eh fulminant. Okay, was bedeutet „eh“. Es ist schon große Kunst, was diese Gruppe immer wieder auf die Bühne bringt. The Notwist ist eine Band, die mich auf Konzerten sehr schnell verzaubern kann. Es ist ein Leichtes für mich, in ihre Lieder einzutauschen, wenn sie spielen. Doch zu Hause laufen ihre Tracks verhältnismäßig selten. Darüber habe ich schon lange nachgedacht, woran es liegen mag. Wirklich: Keine Ahnung. Irgendein nebulöser Zauber der Klangkunst.

The Notwist also mal wieder. Haben sich im Studio verschanzt und sind mit einer neuen Platte wieder herausgekommen. News From Planet Zombie heißt sie und erscheint diesen Freitag (13. März) bei Morr Music. Das letzte Album, Vertigo Days, kam vor fünf Jahren raus. Viel Zeit also, um sich neue Gedanken zu machen. Ja, diese elf neuen Stücke bringen viel Neues mit sich, aber vor allem Anderes. Sounds, die so lange nicht zu hören waren. Die elektronischen Elemente sind deutlich reduzierter. Der Grad an Verspieltheit weicht für mehr Fläche. Es ist etwas weicher und organischer geworden. Ruhiger auch. Und das liegt an einem scheinbar einfachen Trick, der mich ab dem ersten Hören ganz stark fasziniert hat, weil er so schön hörbar ist: Das ganze Album wurde live eingespielt! Das hat die Band seit den 90ern nicht mehr gemacht und ist insbesondere am nah erscheinenden Gesang und an den tollen Bläsern zu hören. Allein das ist schon ein ganz großer Trumpf dieser Platte - sie ist ein wunderbares Hörerlebnis. 

Stark einfach, wie dieses Werk beginnt. Teeth startet sanft mit Gitarren, leichtem Schlagzeug und heranschleichenden Bläsern. Es ist ein Lied, das in seinen sechs Minuten und fünfzehn Sekunden wunderbar an Fahrt aufnimmt. Ein Stück über die Standfestigkeit und sich nicht - wie all die anderen - von irgendetwas mitreißen zu lassen, sondern den Weg zum errettenden Gegenüber finden. Dieser Track ist ein einziges Crescendo und irre, dass die Band diese Nummer direkt an den Start setzt. So entsteht direkt ein Sog, die Energie ist sofort dicht und hoch. Wie gut ist das denn einfach?! Die erste Single, X-Ray, kommt etwas dissonant daher und hat mich zuerst auch ein wenig abgeschreckt. Doch auf das ganze Album gesehen, fügt es sich hervorragend ins Werk ein. Ein bisschen schneller, ein wenig dichter, ein weniger roher. Hier scheppert durchaus mal das Schlagzeug, hier wird an den Reglern geschraubt, hier koppelt es zurück. Das muss doch super viel Spaß gemacht haben im Studio. Es folgt Propeller. Wie schlau es ist, an dritter Stelle einen instrumentalen Track zu setzen. Er ist etwas entspannter, ja beinahe fröhlich und kindlich verspielt, richtig schön!
Zwei Cover haben sich auch auf die Platte eingeschlichen. Zum Einen Red Sun, im Original von Neil Young. Hier geben die Bläser den Rhythmus vor und der Gesamtklang lässt Hoffnung aufkeimen, ein Blick nach vorn, der im Text auch zu finden ist: „And the dreams that you‘re havin‘ / They won‘t let you down.“ Ja, die Platte trägt zwar den Namen News From Planet Zombie, doch es kommt auf die Perspektive an. Es geht zwar ordentlich viel den Bach runter, aber diese Lieder schauen definitiv danach, was eben gut ist. Gut so.
Silver Lines ist so ein klassischer The Notwist-Track: viele kleine Elemente, die sich ineinander verweben,  kurze Atempausen und insgesamt ein stark nach vorn gerichteter Drang. Viel Energie. Auch hier erzählt der Text vom Zusammenhalt, auch wenn man gerade ganz woanders ist. Denn die Geschichten, die woanders erzählt werden, ähneln doch oft den Bekannten. Dann fühlt man sich doch in der Ferne nicht direkt so fremd. Das zweite Cover ist How The Story Ends, im Original von den Lovers. Ein weiteres Stück, was einfach großartig arrangiert ist ist. Das Zusammenspiel der Bläser mit Bass und Schlagzeug ist hypnotisierend und schlicht großartig.

Dennoch bleibt am Ende ein leicht getrübter Eindruck. Dieses Album hat zwei Facetten. Auf der einen Seite sind einige großartige Songs, die durch ihre wunderbare Struktur und durch ihre Verspieltheit überzeugen. Doch es gibt auch ein paar Tracks, die so vor sich hin dümpeln. Für meinen Geschmack sind Snow, Who We Used To Be, Projectors oder auch das letzte Stück, Like This River zwar schön, aber auch ein wenig harmlos. Vielleicht hatte die Bands Lust, ein wenig ruhiger zu spielen, ein wenig den Drive rauszunehmen, ein paar sanfte News vom Zombieplaneten zu teilen. Eventuell habe ich auch zu engstirnige Erwartungen an eine Platte dieser Band. Es bleibt unterm Strich, wie es immer ist: Geschmackssache. 
Doch eines steht hier für mich klar im Fokus: Das klangliche Mäuschenspielen geht hervorragend auf!

12.03. - Berlin - Kleiner Sendesaal des rbb
13.03. - Berlin - Rough Trade
15.04. - Vienna - Arena
19.04. - Zurich - Rote Fabrik
20.04. - Köln - Carlswerk Victoria
25.04. - Heidelberg - Karlstorbahnhof
26.04. - Hamburg - Große Freiheit
27.04. - Berlin - Astra
28.04. - Erlangen - E-Werk
09.06. - München - Circus Krone
01.11. - Wiesbaden - Schlachthof
02.11. - Stuttgart - Wizemann
03.11. - Düsseldorf - Zakk
04.11. - Bremen - Schlachthof
05.11. - Münster - Skaters Palace


Sonntag, 8. März 2026

Live in Köln: Psychlona

Foto: luserlounge 
(Ms) Über einen Abend, der so gar nicht geplant war und mit der Erkenntnis, dass harter Stonerrock recht entspannend sein kann.

Dieser Konzertbesuch war gar nicht angedacht. Es war die beste Alternative. Denn eigentlich wollten wir in Köln Portugal. The Man sehen. Lange haben sie nicht hierzulande gespielt, zudem mag ich die Band schon seit über fünfzehn Jahren und sah sie diverse Male live. Als letztes Jahr einige Deutschlandtermine angekündigt worden sind, war schnell klar: Hin da, ab nach Köln, das wird ja eh immer gut. Dann wurde die gesamte Tour vor gut gut einem Monat komplett in den Herbst geschoben. Schade, aber besser als alles abzusagen. Dennoch war alles vor Ort gebucht, Zug, Unterkunft, Bingo. Nach der Enttäuschung darüber, kam natürlich schnell die Suche nach dem, was dennoch am Rhein geht. Und an einem Tag in Köln kann man locker zehn verschiedene Konzerte sehen - Wahnsinn!

Hier und da habe ich reingehört und die Entscheidung war schnell getroffen: Mit Stonerrock ist verhältnismäßig wenig falsch zu machen. Die britische Band Psychlona machte Halt in den Garagen in Ehrenfeld und beim Vorabhören wippte der Kopf schnell mit. Also: Tickets geholt und hin da. Ehrenfeld ist ja eh ein Schmelztigel der Kultur. Irre, was da überall los ist. Ein Eldorado für Nachtschwärmer. Der Garagen Club ist genau das, was er sagt: Eine alte Garage mit einem großen Platz davor, wo es sich schön lümmeln lässt. Der Innenraum ist sehr übersichtlich, aber mit allem Nötigen gestaltet: Bühne, Bar, fertig. Also noch ein Getränk geholt, den Außenbereich genossen und pünktlich um 19.30 Uhr bretterte von drinnen ein gewaltiger Sound los. Die Dortmunder Band, die tatsächlich den glamourösen Namen Kardeathian trägt, eröffnete den Abend mit massigem, gesanglosem Stonerrock, der weit in den Metalbereich reindriftete. Schwere Gitarren, langsame Bewegungen, aber viel Freude dabei. Der Lärm schließt nicht aus, dass es Spaß macht - das sah man insbesondere der Band selbst an.
Eine Stunde später trat dann die vierköpfige Band Psychlona auf und ging musikalisch in eine ähnliche Richtung, aber in meinen Ohren etwas runder, etwas abwechslungsreicher und vor allem mit Gesang. Das ist bei einem Genre, das schon auch monoton ist und auch sein will (so weit lehre ich mich mal aus dem Fenster), kein unwesentliches Element. Dann ist während ihres Auftritts - das sage ich hier als Nichtkenner der Gruppe und auch im Genre bin ich wenig sattelfest - wenig passiert. Es war laut und doll und aber auch vor allem gut. Das ist ja sehr verrückt: Die circa 100 Anwesenden wippen im Takt der Musik mit, einige gestikulieren mit der Gitarre und immer wieder war eine anerkennende Geste zu sehen - die ausgestreckte Bierflasche oder Faust als Gruß an die Band. Beides bedeutet: Yeah, das gefällt sehr! Und diese Musik beruhigt irgendwie. Wahrscheinlich durch die Eintönigkeit, aber auch durch die angenehme Schwere. Man sieht es den Menschen vor Ort an: Denen geht es wirklich sehr gut an diesem Abend!

So bastelte sich von allein ein guter musikalischer Abend zusammen. Wahrscheinlich werde ich beide Bands nicht allzu oft privat hören, weil es vor allem nicht mein bevorzugtes Genre ist. Dennoch fand ich es sehr lohnenswert, Neues kennenzulernen: zwei Bands und ein Club, in dem ich noch nie war. Ergibt zusammen einen sehr kurzweiligen Abend. Psychlona sind noch für einige Konzerte hierzulande unterwegs!

Und im November dann an dieser Stelle: Die Review zu Portugal. The Man!


Freitag, 6. März 2026

KW 10, 2026: Die luserlounge selektiert

Quelle: pixabay.com / CIker-Free-Vektor-Images
Kann es guten Neid geben? Ich denke schon. Vermutlich ist es eine Form der Anerkennung - bei anderen sehen, was sie Gutes machen oder wie sie sind. Dann verschwindet - in meinen Augen zumindest - das Wesen der alten Todsünde.
Hier im Norden war in den letzten Wochen die heiße Phase der Kohltouren. Kurze Erklärung: Man trifft sich mit guten Leuten, hat Bollerwagen dabei, die reichlich mit Alkohol und Snacks gefüllt sind, trinkt an jeder Kreuzung einen Schnaps und kehrt danach in einer Gaststätte zum Grünkohlessen ein. Das ist hier Kultur - Punkt.
Leider hinterlassen diese Grüppchen immer wieder ordentliche Portionen an Müll. So auch hier drei, vier Straßen weiter. So viele 0,2-Liter-Flaschen Korn - ekelig. Ich sah sie letztens beim Spazieren und dachte mir: Kann ich auch einfach mal weg machen. Mööp. Die Idee hatten auch andere Menschen, die besser, schneller und umsichtiger sind als ich. Sie sammelten vergangenes Wochenende ganz selbstlos diesen Müll auf. Müllzange, Handschuhe, Müllsäcke - alles sauber. Bin ich neidisch?! Ja, ein kleines bisschen. Aber eher so, dass sie mir ein Beispiel sind.

Low Key Orchestra
(Ms) Ja, das hier ist nicht Torpus & The Art Directors, aber die Stimme von Sönke Torpus ist so unverwechselbar, dass ganz viel der ehemaligen Band in der neuen liegt. Ja, dass Sönke Torpus mit Low Key Orchestra eine neue Band hat, wissen alle LeserInnen dieser Seite. Persönlich habe ich mich sehr darüber gefreut, weil das auch einfach so ein toller Typ ist. Er spielte unter anderem im Vorprogramm von Young Rebel Set letztes Jahr und versprühte viel Energie und enorm viel Witz. Schön auch, dass seine Frisur einigermaßen geblieben ist. Bevore The Reverb heißt die erste Platte im neuen Gewand und wird am 26. Juni erscheinen. Mit Send Love ist letzte Woche eine weitere Single erschienen, die die faszinierende Macht des Zusammenhalts feiert - wie schön, wie wahr, wie gut, wie toll klingend! Zum neuen Track gibt es eine tolle Live-Band-Version, die es zu lauschen lohnt:


Abramowicz
(Ms) In dieser Woche lang ein wenig Aufbruch in der Luft, oder? Klar, nicht politisch, da geht’s echt nur bergab. Aber es ist doch toll, dass uns jedes Mal die ersten warmen Sonnenstrahlen so verzaubern, oder? Das ist ein Zauber, der nie enden wird. Jeder Frühling macht Spaß, erzeugt Freude, das Draußensein wird zur Devise Nummer 1. Dazu sollte unbedingt der neue Track Money Takes von Abramowicz laufen. Okay, nicht zwingend inhaltlich, aber von der Stimmung her! Und genau das kann doch gerade richtig gut tun. Insbesondere, wenn die Band sechs Jahre lang schlief, aber nie tot war. Sie lebte in Sören Wartekin, der sie nun neu formiert hat und mit extrem viel Energie wiederauferstehen ließ. Wow - das macht wirklich viel Spaß und sehr viel Vorfreude auf noch viel mehr Neues! Alle im Norden dürfen sich schon mal freuen, dass sie Anfang Juni beim sehr guten Fair Weather Fest in Bremen spielen werden. Alle hin da!
Und jetzt mal ganz ehrlich: Was hat er denn für eine geile Stimme?!


Neonschwarz
(Ms) Manche Veränderungen kündigen sich ja auch durch kaum Hörbares an. Erst eine lange Pause, dann Solo-Aktivitäten, ein paar kryptische Meldungen. Dass es irgendwann vorbei ist mit Neonschwarz - ich hatte da so eine Ahnung. Das Schöne an der Tragik ist aber, dass sie im Guten diese Band beenden werden. Kein Krach, kein Stress, einfach nur vier Leben, die sich im Laufe der Zeit verändert haben. Wer irgendwas über dreißig ist, wird das verstehen können. Dennoch: Neonschwarz standen immer für viel Energie auf der Bühne, eine sehr klare antifaschistische Haltung, Jogginghosentage und viel Witz in ihren Tracks. Ich habe sie einige Male live gesehen und es war immer eine irre Party - mit der militanten Tante selbstredend. Bin geht die Band im Herbst noch ein letztes Mal auf eine kleine Tour und veröffentlicht am 19. Juni ihr Best-Of Namens Forever. Wie schön - diese Band wird also nicht beerdigt, sondern für immer freigelassen. Wenn das nicht ein - wenn auch trauriger - Grund zum feiern ist:

25.09.26 Köln - Gebäude 9
26.09.26 Leipzig - Conne Island
02.10.26 Berlin - Festsaal Kreuzberg
09.10.26 Hamburg - Gruenspan (Exil)


AB Syndrom
(Ms) Solidarität und Unterstützung sind Werte, die viele Krisen ausgleichen oder gar verhindern können. Zudem ist das Füreinanderdasein einfach eine tolle Tugend. Es gibt sie auch in der Musik. Band A nimmt KümnstlerIn B mit auf Tour, der Bekanntheitsgrad kann wachsen, wir kennen das. Ich finde das wahnsinnig sympathisch, denn so gibt es immer mehr zu entdecken. So ergab sich auch mein erster Berührungspunkt mit AB Syndrom - als sie zusammen mit Mine Spiegelbild produzierten. Dann sah ich sie in Oldenburg live - irre Energie, großartige Typen. Dazu enorm außergewöhnliche Musik, die sich nicht kategorisieren lässt. Elektronischer Pop - ja, schon irgendwie. Aber mit viel Tiefe, Persönlichkeit und Verletzlichkeit. Im Herbst wird es eine neue Platte geben und damit geht die Band wieder auf Tour. Wer kann, sollte da auf jeden Fall hingehen, denn das könnte höchst beeindruckend werden:

13.10.26 Leipzig - Naumanns
14.10.26 Hannover - LUX
15.10.26 Frankfurt - Elfer
16.10.26 Köln - Jaki
17.10.26 Münster - Gleis 22
18.10.26 Hamburg - Bahnhof Pauli
20.10.26 Berlin - Berghain Kantine


Mikromoon
(Ms) Wohin entfliehen und mit welchem Vehikel, wenn es draußen mal wieder düster und wenig hoffnungsfroh aussieht? Da die reale Flucht nicht ganz unkompliziert ist, brauchen wir eine imaginäre. Ab ins Lala-Land, ein Ort von dem die Band Mikromoon auf ihrer neuen Single Project Dada singt. In dem tollen Video zum Track hebt das Quintett in außerirdische Sphären ab und das mit ganz phantastischem Sound. Beim dichten Zusammenspiel von Bass, Gitarre, Schlagzeug und Keyboard passiert gar nicht mal so viel. Genau das ist das Spannende. Spiralförmig und leicht psychedelisch nimmt mich der Klang ein, lässt die Füße automatisch mitwippen. So reist es sich doch am allerbesten, oder?


City Light Thief
(Ms) Zwei Sachen. Sache Nummer 1: Sound und Look. Als eine Nachricht über die Band City Light Thief hereinflatterte, war da eine wahnsinnig gut aussehende Band abgebildet, die nach nach-dem-Studium-im-Berufsleben-befreundet-geblieben aussieht. Dann lief ihre neue Single Infinite Original Content und ich war ab dem ersten Takt mehr als überrascht! Hardcore, Emo oder sowas in der Art. Treibende, harte Gitarren und viel Gebrüll. Will sagen: Mit Erwartungen brechen finde ich gut. Sache Nummer 2: Der Inhalt. Denn das Gebrülle ist stark. Also auch vom Text her. Die Band fragt danach, wie wir denn nun Musik konsumieren und welche Halbwertszeit sie hat. Eine sehr gute Frage, die ich hier auch immer wieder aufwerfe. Das Geschäft ist irre schnell. Selbst als kleiner Blog flattern bei uns mehr als 100 Mails pro Woche rein. Überall mindestens ein neuer Song drin. Altobelli - wie soll das denn gehen? Deshalb heißt diese freitägliche Rubrik ja auch „selektiert“. Schnell ein paar Klicks sammeln? Oder welche kaufen? Wie lange wirkt die Kunst? Wie schnell ist sie vergessen? Wie oft muss eine Band nachlegen, um im Gespräch zu bleiben? Oder sich einfach frei machen von all diesen scheinbaren Zwängen?! Ballert alles ziemlich gut in diesem Song, muss man sagen!

21.03. - Köln, Gebäude 9
05./06.06. - Bremen, Fair Wather Fest


Culk
(Ms) Ein Hoch auf die Dissonanz. Im richtigen Moment kann sie große Wirkung entfalten. Klar, wenn es immer nur geplant schief ist, mag das Ohr irgendwann nicht mehr. Aber wenn dadurch gute Brüche entstehen, wird Musik doch interessant, oder? Dieses Handwerk beherrscht die Wiener Band Culk auf ihrer neuen Single Twenty, Eighteen sehr, sehr gut! Ein LoFi-Kracher mit ordentlich Gitarrenwumms, der mal das Tempo schleppen lässt, dann wieder zwischen Harmonie und Dissonanz pendelt und inhaltlich die Frage stellt: „Is my heart full?“ Und das in jeglicher Hinsicht. Vielleicht auch nicht nur das Herz, sondern der ganze Kopf. Voll von Informationen und Berichten und Videos und echtem Leben und ahhhh! Verbunden fühlen mit einem Etwas da draußen, aber daheim alleine am Bildschirm sitzen. Damit ist die Gegenwart doch sehr gut zusammengefasst, oder? Stimmt!
Im Laufe des Jahres bringt das Quartett aus Österreich noch eine neue Platte raus, die sicher noch mehr kluge Lieder parat hält - bleibt gespannt!

Mittwoch, 4. März 2026

Shatten - Gegenwart

Foto: Shatten
(Ms) Das Faszinierende an Kunst ist ja, dass sie nicht immer alles von sich preisgibt. Zum Beispiel, warum sie oft so ansprechend ist. Dann läuft ein Lied und man wippt so automatisch mit, ein paar Zeilen bleiben hängen. Die Melodien bleiben im Unterbewusstsein hängen und kicken auch beim nächsten Hören. Wieso das so ist?! Lässt sich bestimmt neurologisch oder so begründen. Aber ist die Nichtbegründung nicht viel besser?! Ist es nicht der Zauber, der uns das Lächeln ins Gesicht treibt? Ist da nicht ein großartiger Überraschungsmoment, der besser unerklärt bleibt?! Ich bin der festen Überzeugung, dass jegliche Begründungen der Kunst gegenüber völlig irrelevant sind. Sie wirkt durch sich selbst, ist eigener Zweck. Das ist ja das Geniale daran.
Und so begeistern manchmal Bands und Lieder, die so aufs erste Hören nicht unbedingt die große Zündschnur abfackeln. Das ist mir in den letzten Tagen mit der Band Shatten passiert, die diese Woche ihr neues Album Gegenwart veröffentlicht. Da war eine Single, die irgendwie gut war, aber auch nicht so richtig heftig. Und das Gute schlich sich ein. Da ist etwas in den Liedern, das nicht unbedingt den großen Knall auslöst, aber viele Kleine. Und dann bin ich dabei, dann habe ich Bock. Und dieses Album hat ganz viele Facetten, die große Überzeugungsarbeit leisten können. Und dann ist es wieder groß!

Da ist ja auch erstmal das fehlender c. Geschickt gemacht, das bleibt doch sofort im Gedächtnis, oder? Chinaschilf heißt besagte Single und ist auch der erste Track auf dieser Platte. Der Bass rollt prägnant durch die Takte, ein paar Keyboardelemente tanzen durch den Refrain und ich dachte erst, dass das Stück „Chinaschiff“ heißt. Ansonsten Gitarre, Schlagzeug, Gesang. Indierock mit bisschen Punk - so kann man sagen. Und auf jeden Fall mit viel Tempo. Das Chinaschilf ist ein Ort zum Verstecken. Gar nicht so schlecht, oder? Aber genauso wichtig ist es, Paroli zu bieten, wenn Quatsch erzählt wird. Durchaus ein Mutmachsong.
Doch vor allem ist es das ungeahnte Songwriting, das mich anspricht. „Die Zukunft war besser als sie noch aussichtslos schien“ - eine Zeile aus Herbst, die doch sonst niemand derzeit texten würde, oder? Auf diesem Album gibt es so viel schleichend wirkende Elemente, die hängen bleiben - fast schon frech!
Ein Lied über Verfolgungswahn ist sogar so umsichtig getextet, dass Gütersloh darin Platz findet - mach das erstmal nach! Paranoia heißt das Stück, es ist schnell und wenn da bei jemandem der Fuß nicht mitwippt ist die Diagnose klar: Banause! Dennoch muss festgehalten werden, dass das Thema natürlich knallhart ist. Dafür aber in sehr beschwingten Melodien verpackt.
Ja, in den Liedern tauchen „er“ und „sie“ auf ohne konkreter benannt zu werden. So ein bisschen turbostaatig, aber wesentlich verständlicher. Musikalisch ist Raben auch hochinteressant, weil sich die Stile so schön abwechseln. Mal dissonant, dann tanzt die Gitarre, dann wird das Tempo stark angezogen, dann Spoken Word und verschobene Takte. Das ist schon richtig gut gemacht! Hinzu inhaltlich überragend: Der Kampf Arm gegen Reich. Die ersten werden gewinnen und die letzten können bleiben, wo der Pfeffer wächst. Ein Aufruf zum Aufstand! Wer ist dabei?
Richtig krass wird es auf Ein Toter Mehr, Der In Diesem Fall Aber Du Bist: Das lyrische Ich ist Beobachter eines Autounfalls und die sterbende Person, die noch einmal zuckt, stand ihm nah, sehr nah. Was folgt ist eine Flucht vor diesem schrecklichen Szenario, Verleugnung, das Aufsuchen einer Bar. Wie schlimm, wie traurig, wie nachvollziehbar.

Gegenwart heißt diese Platte der Band Shatten. Eine Platte, auf der sich die Gruppe klar gegen Rechts positioniert, eine Platte, die voll von lyrischen Wundern und viel musikalischer Raffinesse ist. Das macht ungeheuer viel Spaß. Da ist so viel Power drin, die ganz unterschwellig wirkt. Klar, nun ist dies und das in diesem Text erklärt. Aber der große Zauber, er schwebt darüber!

12.03.2026 - Bremen, Eisen
13.03.2026 - Flensburg, Volksbad
14.03.2026 - Lübeck, Blauer Engel
20.03.2026 - Berlin, Roter Salon
21.03.2026 - Hamburg, Molotow
09.04.2026 - Bonn, Bla
10.04.2026 - Mühlheim, Das Kaff
11.04.2026 - Oldenburg, Alhambra 


Freitag, 27. Februar 2026

KW 9, 2026: Die luserlounge selektiert

Quelle: pixabay / geralt
Telefonische Krankschreibung. Es scheint ein wenig Hin und Her in der Koalition zu geben, ob sie abgeschafft werden soll oder nicht. Es scheint nicht der Fall zu sein, aber diskutiert wird es. Was für ein enormer Quatsch, der - mal wieder! - völlig an der Realität vorbei geht. Diese Regierung ist echt so weit von den Menschen entfernt, wie kaum zuvor. Hauptsache malochen, Verbrennerautos fahren und den Sozialstaat kürzen. Ich musste diese Woche auch zu Hause bleiben, die Energie fehlte. Insbesondere auf dem Land ist die telefonische Krankschreibung doch ein probates Mittel. Ansonsten würden viel zu viele Menschen, die ohnehin krank sind und andere Wartende anstecken können, zur Praxis laufen. Wartezeiten bis zum Sanktnimmerleinstag. Zudem ist die Hausarztdichte hier nicht besonders hoch, der Patientenumkreis sicher groß und die Praxis meines Hausarztes läuft eh ständig am Limit. Und wenn wirklich jemand das ganze missbrauchen sollte, lässt man diese Menschen halt antanzen. Bei allen anderen, die sich nur ein, zwei Mal im Jahr melden, kann man doch nur glücklich sein, dass sie nicht kommen. Oh man, 2026 und wir reisen volle Kraft in die Vergangenheit.

Get Well Soon
(Ms) Dies ist die Meldung - und da kann ich einfach nicht objektiv bleiben - mein musikalisches Jahr bestimmen wird. Darunter mache ich es nicht. Get Well Soon habe ich mit ihrer ersten Platte kurz vorm Abitur kennengelernt und ich war sofort begeistert. Diese ungeheuren Arrangements, die Größe und Dramatik in den Liedern und Texten - Wahnsinn! Ich konnte meinen Papa erfolgreich überreden, dass er mich nach Nijmegen fährt, um die Band dort zu sehen - es war ein super Ausflug. Zahlreiche Konzerte kamen dazu: im Hamburger Michel, im Dortmunder Konzerthaus, beim Traumzeit Festival undundund. Nun ist Konstantin Gropper wieder da - zwei Alben soll es in diesem, zwanzigsten Jahr der Band geben. Minus The Magic (VÖ: 22. Mai) heißt das erste und mit OK gibt es seit heute eine neue Single zu hören. Es ist spürbar, dass die Band dieses Album live aufgenommen hat. Ohne große Arrangements, sondern wesentlich direkter. Es soll eine Platte aus dem „Nachmittag des Lebens“ sein. Hier will niemand zwanghaft jung bleiben, sondern das beste draus machen und mit den neuen Tracks schauen, wo man denn so in der Mitte des Lebens steht ohne sich anzubiedern. Musikalisch geht es nahbar zu, rockiger, gitarriger. OK ist ein recht vorhersehbarer Get Well Soon-Track, der eindeutig vom Schlagzeug dominiert wird. Die E-Gitarren sind schärfer eingestellt, die Trompeten fehlen nicht, es macht sehr viel Spaß! Oh man, da wird noch einiges kommen - und oben drauf eine erste Tour. Bitte alle hingehen und vorher der Band die Tickets aus den Händen reißen!

01.06.2026 - Wiesbaden - Schlachthof
02.06.2026 - München - Ampere
03.06.2026 - Erlangen - E-Werk
04.06.2026 - Dresden - Beatpol
05.06.2026 - Berlin - Lido
06.06.2026 - Hamburg - Molotov
07.06.2026 - Köln - Gebäude9 
20.06.2026 - Ulm - Ulmer Zelt


TESA
(Ms) Dieses ganze Musik-Ding, das Hören, drüber schreiben, die ganzen Konzerte, Festivals, die Menschen, die man dort kennenlernt. Diese Liebe zur Kunst kann es nur geben, weil viele sehr kreative Menschen ihre ganze Leidenschaft in das stecken, was in ihnen pulsiert. Wie weit diese Passion gehen kann, zeigt die Band TESA mit ihrer neuen Platte in beeindruckender Weise. INTERVAL heißt die Scheibe und wird am 3. April erschienen - Karfreitag. Vielleicht das perfekte Datum für solch brachiale Musik und so viel Größe. Vier Tracks wird es geben. Sie sind alle instrumental und schlicht durchnummeriert. Doch sie bringen eine Unnachgiebigkeit mit sich, die ihresgleichen sucht. Das ist krasser Lärm, das ist Druck und Energie. Das ist Musik, zu der alles einstürzt. Und dennoch sehr kunstvoll ist. Denn es wird einen Film dazu geben, der - so lässt der Trailer zumindest erahnen - sehr aufwändig produziert wurde. Wie geil ist das denn bitte?! Musikfernsehen ist tot, die Band sicherlich etwas für Kenner (mir sagte der Name bislang nichts, trotz dass das Neue das siebte Album der Gruppe ist) und sie stecken so viel Liebe, Kraft und Energie in diese Platte. Hier gilt es, sich in ganz außerordentlichem Maße vor der Kunst zu verneigen. Und dann bricht wieder alles zusammen.


Grim104 & Mehnersmoos
(Ms) „Ach du scheiße!“ Das muss der erste Gedanke sein, wenn die neue Single von Grim104 mit Mehnersmoos erklingt. Sie singen echt auf die Melodie von „Meine Oma fährt im Hühnerstall Motorrad“. Autsch! Aber auch irgendwie geil, oder? Zum Griechen heißt der Song, in dem Grim das hypothetische Szenario durchlebt, dass er wieder zurück aufs Dorf zieht. Zetel heißt der Ort, da ist echt nicht viel los. Zwischen Oldenburg und Wilhelmshaven. Da begegnet er alten Bekannten im Supermarkt, deren Leben eher bergab geht und so richtig dolle ist es auch woanders nicht. Doch der Ausflug zum örtlichen Imbiss am Samstag scheint alles wett zu machen - endlich wieder heile Welt, Suff und alles vergessen. Ein bizarrer Track zwischen Säuferkomik und Dorftragik. Wie es zu diesem Stück kam, würde ich mit allzu gern wissen. Er wird in jedem Fall Teil von No Country For Old Grim sein, der neuen Platte, die am 27. März erscheinen wird.

17.04.2026 – Hamburg, Knust
18.04.2026 – Leipzig, Conne Island
23.04.2026 – Bremen, Lagerhaus
24.04.2026 – Hannover, Faust
25.04.2026 - Köln, CBE
26.04.2026 – Dortmund, Junkyard
30.04.2026 – Nürnberg, Stereo
01.05.2026 – München, Ampere
02.05.2026 – Frankfurt, Zoom (kleiner Raum)
09.05.2026 – Berlin, SO36


José Gonzales
(Ms) Band oder solo? Die Frage stellt sich immer wieder bei all den Projekten, die so viele MusikerInnen betreiben. Bei José Gonzales muss ich zugeben, dass mich Junip immer mehr angesprochen hat als seine eigenen Tracks. Ich fand sie dichter, atmosphärischer, rhythmischer. Nun erscheint aber am 27. März mit Against The Dying Of The Light das neue Album des schwedischen Musikers. Also: Mal wieder reinhören. Die erste Single fand ich ziemlich fad, aber A Perfect Storm hat Tiefe und auch ein schönes Maß an Dramatik. Zudem schlingern die Gitarren in einen ganz phantastischen Sog - das macht Spaß. Es ist nicht glatt, nicht so rund und genau darin liegt in meinen Augen die Stärke dieses Liedes. Der im Titel angekündigte Sturm lässt sich tatsächlich musikalisch spüren. Und genau das ist doch Kunst, oder?


Philine Sonny & Brockhoff & Shelter Boy
(Ms) Mehr ist mehr, oder verderben zu viele Köche den bekannten Brei? Wenn drei KünstlerInnen an einem Track werkeln, steht diese Frage mindestens im Raum. Philine Sonny, Brockhoff und Shelter Boy waren ein Wochenende zusammen unterwegs zum Musizieren. Einiges hat nicht so richtig funktioniert und am Ende schrieb sich Back Then (I Was Something) wie von selbst, wie Philine Sonny sagt. Super charmant ist, dass die drei ganz viel im Chor singen. Das bringt automatisch total viel Tiefe aber durch die Aufnahmeweise auch enorm viel Nähe - toll gemacht! Der musikalischer Korpus besteht aus 90er Rock mit Synthie-Gespiele und einem markanten Bass. Das funktioniert erstaunlich gut, ist herrlich kurzweilig und bringe eine gewisse Unbeschwertheit! Der Song ist die letzte Single von Philine Sonny, bevor am 3. April ihre erste Platte Virgin Lake erscheinen wird. Wird gut!


Los Pulpitos 
(Ms) Klar, der Name ist schon sehr gut, aber was Los Pulpitos machen, ist tatsächlich noch viel besser. Elektronische Musik ist ja so eine Sache. Alles, was damit zusammenhängt, Electro, Techno, Minimal und auch Ambient, habe ich für mich erst in den letzten Jahren entdeckt. Eine Welt, die mir aus unerfindlichen Gründen verborgen blieb. Vielleicht habe ich sie auch immer etwas belächelt („Die drehen da ja nur an ihren Reglern“). Quatsch ist das. Naja, natürlich drehen auch Felipe Salmon und Dirk Leyers an den Reglern, doch sie erschaffen damit großartige Klangwelten. Die Unterwasserwelt hat es ihnen angetan, daher auch der Name. Und wenn Mola Mola, ihre erste Single aus dem kommenden Debut, läuft, dann ist es leicht, sich in die Untiefen des Meeres hineinzufühlen. Ein langsamer Beat, sich ausbreitende Soundtentakeln. Ist das düster? Lauert hier Gefahr? Bin ich zu tief getaucht? Ja, es stellen sich Fragen. Fragen, die Spaß machen, beim Hören zu vergegenwärtigen. Mehr gibt es am 17. April, wenn Tentacletek erscheint. Könnte richtig gut werden!