Mittwoch, 16. September 2026

Muff Potter - Klepto

Foto: Andreas Hornoff
(Ms) Muff Potter - eine Macht der hiesigen Rockmusik. Eine Band, die für mitreißende Dynamiken, kluge Texte und satte Liveauftritte steht. Eine Band, die nach einer Pause unfassbar stak zurück gekommen ist. Eine Musikgruppe, die immer was zu Schmunzeln und zu Denken mitbringt. Und tatsächlich - im Kern - auch viele Lieder über Liebe.
Am Freitag (18. September) erscheint ihre neue Platte Kletpo auf dem eigenen Label Hucks Plattenkiste. Neun Stücke sind darauf zu finden - auf der erweiterten Version kommen noch zwei obendrauf. Es ist ein Album, das sich bei jedem Hören in seine Höhen spielt. Das immer mehr Spaß macht, immer mehr Sinn. Dafür sollten beim Hören mal die Augen geschlossen oder die Fäuste geballt sein. Und stets der Kopf ganz wach, denn es gibt viele tolle Zeilen aufzusaugen!

Taliban Of The Week ist der erste Track - was für ein genialer Titel! Ein Stück übers Aushalten von Widersprüchen und ein sich Auslassen über die Highperformer unserer Gesellschaft. Sie landen doch eh alle in der Klinik. Eine E-Gitarre, die eine tolle Spannung aufbaut und obendrauf Thorsten Nagelschmidts unverkennbare Stimmung. Musik kann auch ein Zuhause sein. Bestechend dabei ist der etwas rohe Klang. Dieses Album ist nicht glattgeschliffen, würde auch nicht zu Muff Potter passen. Doch das macht den gesamten Höreindruck auch sehr sehr nahbar und irre sympathisch. Auch die sich ändernden Harmonien im Laufe eines Stückes.
Die erste Single Rückflug Aus Montana bleibt ein wenig im Ungefähren, darf aber mit Sicherheit als Liebeslied interpretiert werden, ein Sehnsuchtslied. Mit schleppenden Gitarren, einem Tamburin und einem „Oh Yeah“ im Refrain - gelebte Lässigkeit. Ist Hast Du Den Müll Schon Rausgebraucht auch ein Liebeslied?! Ja, gewissermaßen - kommt hat nur auf die Perspektive an. Es könnte ein Abschiedslied oder ein Trennungslied sein. „Du hast wirklich einen Schatten / Ich hab keinen ohne dich.“ Für solche Zeilen ist eine Gruppe doch einfach nur zu beneiden, oder?! Das treibende Schlagzeug von Thorsten Brameier hier schiebt die Takte energisch vor sich hin - es macht einfach nur viel Hörfreude. 
Spannend wird dann erst recht, wenn ein Stück sechseinhalb Minuten geht. So geschehen bei Ein Starkes Stück. Hehe, Ambivalenz und so. Ein Lied voller Referenzen, die es zu entdecken gibt. Eine flirrende Gitarre von Felix Gebhard schwirrt durch alle 394 Sekunden. Auch wenn der Track auf der Hälfte seine Gestalt ändert, Tempo aufnimmt, griffiger wird, sich ins kaum Aushaltbare steigert. Fast schon psychedelisch, bis es explodiert!
Über die Ambivalenz der Liebe geht es auch auf Und Die Nacht Brach Still Herein. Ein weiteres schwirrendes Lied, das die ungefähre Stimmung aus dem Text hervorragend in die Musik verfrachtet. Zusammengehalten wird es durch den unterschwellig wummernden Bass von Dominic Laurenz. Ja, im Lied wird ein Zusammensein und ein Kümmern thematisiert, aber die musikalische Atmosphäre spricht derart krass dagegen, dass hier viel nachhallt. Und was um alles in der Welt passiert am Ende mit der Schusswaffe?!
Den Höhepunkt bietet Engelstränen Im Abendlicht. Ein griffiger Track, wo alle Instrumente und Nagels Stimme großartig zusammen verschmelzen und auf unter drei Minuten gehörig Druck erzeugen! Das Große da draußen und das Kleine hier drinnen. Ein paar wuchtige Parolen und doch eine Menge Schmerz. 

Ja, auf diesem Album werden die Gegensätze aufeinander los gelassen. Bis zum Bersten müssen wir sie aushalten. Und Muff Potter sind so schlau, sie mit kraftvoller Musik zu untermalen. Ja, nicht jeder Track ist sofort ein absoluter Kracher. Doch bei jedem Hören knistert es mehr. In einer glatt gebügelten KI-Welt ist es schön, ein teils so rohes Album zu hören. Die Uneindeutigkeit ist verlockend und macht richtig Spaß. Und sie zeigt eine Band, die nach vielen, vielen Jahren immer noch nicht genug hat und ihr eigenes Schaffen immer unermüdlich erweitern. Hört niemals auf!

11.11.2026 Leipzig, Conne Island
12.11.2026 München, Strom
13.11.2026 Darmstadt, Centralstation
14.11.2026 Dortmund, FZW
18.11.2026 Bremen, Schlachthof
19.11.2026 Köln, Kantine
20.11.2026 Münster, Sputnikhalle
21.11.2026 Hamburg, Uebel & Gefährlich
26.11.2026 Erlangen, E-Werk
27.11.2026 AT-Wien, Flucc
28.11.2026 Berlin, Festsaal Kreuzberg


Freitag, 11. September 2026

KW 37, 2026: Die luserlounge selektiert

Quelle: flaticon.com / Shuvo.Das 
Im Nordwesten gibt es eine Attraktion, die ganz groß „Steuerhinterziehung“ auf ihrem Banner stehen hat. Die Organisation heißt „Mega Hüpfburgenland“ und besetzt hin und wieder einzelne Wiesen, um sie dann mit ihrem Plastikmüll vollzustellen, einzuzäunen und die Menschen abzukassieren. 14 Euro pro Kind, 6 Euro pro erwachsener Person. Heidewitzka - das ist richtig viel! Die Erwachsenen dürfen sich dann vor die hüpfenden Kinder auf einen uncharmanten Stuhl setzen und zuschauen, wie das Kind im Plastik hüpft. Und jetzt kommt die Steuersache. Seit Anfang diesen Jahres muss man ja überall - bis auf einige Ausnahmen - die Möglichkeit haben, mit Karte zahlen zu können. Ist ja halt auch praktisch. Nur beim Mega Hüpfburgenland funktioniert das irgendwie nicht. Praktischerweise haben die Betreibenden das auch schon auf große Banner drucken lassen, die dann am Eingangsbereich stehen. Ach, so ärgerlich aber auch, dass das da gerade nicht klappt. Und dann sicher am nächsten Ort auch nicht. Und dann wieder nicht. Da muss ja wirklich der Wurm drin sein. Da kann es dann am Ende des Tages auch mal passieren, dass ein paar Scheinchen nicht dort landen, wo sie hin sollen. Besser man druckt das schon mal im Vorhinein und teilt es allen mit.

Eilis Frawley
(Ms) Es gibt so viele Dinge, die in der Musikwelt leider noch nicht normal sind. Auch darüber hinaus nicht. Schlagzeug spielende Frauen, die dabei auch noch singen. Absolute Ausnahme, oder?! Mir fällt wirklich niemand ein, außer Eilis Frawley. Ich sah sie als Support von Los Bitchos und es war extrem faszinierend, ihr beim Musizieren zuzusehen. Und zuzuhören, denn sie spricht mehr, als dass sie singt. Das ist doch eine geniale Mischung, oder?! Mit Calm Down veröffentlichte sie just eine neue Single. Darin setzt sie sich damit auseinander, wer denn bestimmt, was auf unseren Bildschirmen so aufflackert. Wer sagt was falsch und richtig ist?! Haben wir das als KonsumentInnen noch in der Hand? Ja, wirklich?! Ein unruhiger Beat, ein prägnanter Bass, eine knarzende Gitarre, luftige Streicher, dazu ihre Stimme. Das ist wirklich sehr gut! 

01. Oktober - Wien, Waves Vienna


B O D I E S
(Ms) Als ich B O D I E S letztes Jahr live sah, wusste ich erst nicht so recht. Ein wenig Sorge hatte ich, dass zu wenig passiert während ihres Auftritts. Es ist ja „nur“ a capella. Tja, da habe ich mich reichlich geirrt. Dass ich bestuhlte Konzerte nicht mehr so cool finde, ist dabei eine andere Sache. Was Kat Frankie mit ihrem Chor-Projekt da aufzieht ist einfach nur gewaltig gut. Denn die acht Damen singen ja nicht einfach nur. Nein. Das ist eine Performance. Sie spielen mit dem Bühnenbild, stampfen mal auf, inszenieren sich selbst. Das ist Kunst! The Dream ist die erste Single aus dem gleichnamigen Album, das am 20. November erscheinen wird. Alles, was darauf zu hören ist, stammt aus ihren Körpern oder ist mit ihnen gemacht. Absolut faszinierend! Diese Musik geht ganz nah, weil sie so direkt aus dem Menschen entsteht. Pure Gänsehaut - große Empfehlung!

27.01.2027 Hannover, Theater am Aegi
28.01.2027 Bremen, Die Glocke
11.02.2027 Heidelberg, Stadthalle
12.02.2027 Erlangen, Heinrich-Lades-Halle
14.02.2027 München, Isarphilharmonie
20.02.2027 Dortmund, Konzerthaus
21.02.2207 Bielefeld, Rudolf-Oetker-Halle
27.02.2027 AT-Wien, Konzerthaus
28.02.2207 Dresden, Kulturpalast
22.03.2207 Köln, Philharmonie
26.03.2027 Berlin, Tempodrom
27.03.2027 Hamburg, CCH


Angela Aux
(Ms) Ach, wie schön, wenn Musik kickt, oder?! Manchmal sind es gar nicht die fetten Beats und pompösen Arrangements, die Eindruck hinterlassen. Manchmal nickt der Kopf auch einfach so mal mit und dann strömt ein Lied durch den Körper. Das passierte mir sehr schnell bei Im Wald Ist Licht von Angela Lux, das er zusammen mit Roger Rekless gemacht hat. Ein hypnotisierender Akustikgitarrenbeat, etwas krautig, etwas psychedelisch, etwas melancholisch, etwas indie. Ein Stück über eine Ufo-Sichtung mit dem Wunsch, doch mitreisen zu wollen. Ja - was für eine phantastische Vorstellung „nur ein Stück“ mitzukommen und nie zurück gebracht zu werden. Bei all dem Wahn hier auf Erden ein plausibler Wunsch. Und dazu noch ein so, so, so schöner Track! Am 23. Oktober erscheint mit Das Nichts Macht Kopien Von Sich Selbst sein neues Album!

22.10.2026 Jena - Trafo 
23.10.2026 Salzburg - Arge 
24.10.2026 Regensburg - Ostentor Kino 
25.10.2026 Regensburg - Keynote "KI & Musik" Popfest 
25.11.2026 Nürnberg - MUZ 
26.11.2026 Köln - Wohngemeinschaft 
27.11.2026 Luxemburg - De Gudde Wëllen 
28.11.2026 Stuttgart - Merlin 
09.12.2026 Berlin - Schokoladen 
10.12.2026 Hamburg - Aalhaus 
11.12.2026 Erfurt - Franz Mehlhose 
12.12.2026 Fulda - Kino35 
13.12.2026 München - Volkstheater 


Nichtseattle
(Ms) Gern hätte ich so richtig viel Ahnung von Musik. Dann könnte ich so etwas wie einen wiedererkennbaren Klang erklären. Das würde ich gerne können. Welche Akkorde und Harmonien sind es, die einen Sound einer Band ausmachen, sodass ich sie sofort erkennen kann?! Wie cool wäre das denn bitte?! Da ich das leider nicht kann, kann ich einfach nur sagen, dass das Gitarrenspiel von Nichtseattle ein tolles Alleinstellungsmerkmal hat. Da sind bestimmt irgendwelche Spielweisen und Harmonien, die das ausmachen, vielleicht die Stimmung oder so. Bei Wildeste Nacht, ihrer neuen Single, ist das sofort zu hören: Wie schön! Wie unglaublich schön! Musik kann etwas wie ein Zuhause sein. Ein Stück, was ungewohnt lässig, ja rockig ist. Eine Hymne auf das Genießen eines tollen Abends. Über die Schönheit, sich mit guten Seelen im Hier und Jetzt zu verlieren. Auch wenn eine Diskussion mal anstrengend sein kann, kann Katharina Kollmann sie hier durchaus genießen. Was für eine Künstlerin! Wow! In zwei Wochen (25. September) erscheint ihr neues Album Große Liebe und könnte ganz phantastisch werden.

03.10.26 Burghausen, Ankersaal (Solo)
04.10.26 Neumarkt i.d.Opf., Evang. Zentrum (Solo)
03.11.26 Kiel, Hansa48
04.11.26 Hamburg, Knust
05.11.26 Osnabrück, Kleine Freiheit
06.11.26 Langenberg, KGB
07.11.26 Leipzig, UT Connewitz
08.11.26 Berlin, Großer Sendesaal des rbb
09.11.26 München, Feierwerk (Kranhalle)
10.11.26 AT-Vienna, Club Lucia
12.11.26 Regensburg, Alte Mälzerei
13.11.26 Frankfurt, Brotfabrik
14.11.26 Köln, Artheater

Donnerstag, 10. September 2026

Ebow - Typologie Eines Lebens

Foto: Johanna Legid
(Ms) Für die Neulinge der Musik dieser Künstlerin: Sie heißt „Ebbo“, nicht „I-Bo“. So. Das vorab.

Ebow bringt am 11. September ihr neues Album Typologie Eines Lebens raus und meines Erachtens müsste sich die hiesige Raplandschaft danach neu ausrichten. Diese Platte ist enorm vielfältig im Klang, mal knarzt der Beat, dann wird es soulig, dann wieder - mehr oder weniger - klassischer HipHop. Zudem zeigt Ebow, was für eine unglaubliche Sprachkünstlerin sie ist.
Die versierte Texterin offenbart sich auf diesem Werk als gnadenlose Künstlerin. Denn sie stellt sich selbst in den Mittelpunkt der vierzehn neuen Stücke. Klar, der Titel mag es ja schon erahnen lassen. Doch Ebow macht sich hier wirklich nackt. Zwischen Künstlerin und Mensch besteht hier keine Grenze mehr. Das ist natürlich total spannend! Ich mag es sehr, wenn Musik so direkt mit den Personen, die sie erschaffen, zusammenhängt. Mine oder Tristan Brusch sind Beispiele, die diese Kunst auch wirklich stark beherrschen. Doch das Genre macht es hier besonders interessant. Im Rap wird gerne mal gepöbelt oder gezeigt, wie verdammt geil man selbst ist. Es gibt - aus meiner Warte - wenige RapperInnen, die tiefe Einblicke in ihr eigenes Inneres geben. Mädness fällt mir da noch ein, Sookee auch. Ebow hingegen vereint seit jeher viele Facetten des Lebens in ihren Stücken: ihre kurdische Herkunft, ihre Sexualität, das klare Bewusstsein, dass Politik und Leben das gleiche Paar Schuhe sind.

Die Gleichheit aller Menschen. Damit startet Typologie Eines Lebens. Wasser heißt das Stück. Auf unter zwei Minuten ist das mit E-Gitarren-Unterstützung und einem extrem satten Bass eine starke Standordbestimmung. Und zugleich ein toller roter Faden für das, was danach kommt. Egal, wer woher kommt, welche Sprache man spricht, welcher Sexualität man sich zugehörig gefühlt undundund, wir sind alle kostbar. Ebow bleibt nicht nur im Hier und Jetzt, sondern sie träumt auch. Auf Neues Leben zeigt sie mit niemand geringerem als Joy Denalane eine wunderschöne Utopie auf. Eine Welt, in der Menschen offen aufeinander zugehen. Eine Welt, in der Xatar noch lebt. Eine Welt, in der es in der Musikbranche fairer zugeht. Das alles in einem poppig-souligen Sound samt Streicherarrangement! Ein Hoffnung schenkender Track.
Ihren eigenen musikalischen Werdegang behandelt sie auf Independent (Cleo), stark wie sie hier ihre Rapskills demonstriert. Das Zuhören macht hier mindestens auf zwei Ebenen unglaublich viel Spaß. So auch bei Bete Für Mich. Zusammen mit Juju Rogers schafft Ebow einen wahnsinnigen Track voller Dramatik: eine Geschichte über ein bitteres Aufwachsen voller Probleme, aber auch mit einem lebenserhaltenden Zusammenhalt mit den richtigen Menschen. Dazu ein immenses Arrangement, wieder sind es Streicher, die hier brillieren. Dieses Zusammenwirken von scheinbar klassischen Instrumenten und Rap - Boom!
Ihre eigene Geschichte steht - wie der Titel der Platte ja aussagt - klar im Fokus. Unzertrennlich mit Ebows Wirken ist die Geschichte der kurdischen Bevölkerung. Wie grausam sie behandelt worden ist, schildert sie zusammen mit Savo auf Heval. Das ist schockierend aber auch ein weiteres Mal musikalisch stark gemacht! Apropos! Dieses Album ist eine absolute Ausnahmeerscheinung. Es ist phantastisch, so vielfältig. So eindringlich: Novoline begleitet mich, seitdem die Single draußen ist und bereitet mir jedes Mal Gänsehaut. Die Spielsucht ihres Vaters ist hier Gegenstand und ein weiteres Mal wird es getragen durch Streicher und einem Chor. Der Inhalt ganz doll schlimm, genial getextet und das phantastische Video macht den Track noch stärker, als er ohnehin schon ist! Mit Verlaub: das ist Kunst! Punkt.
Auch die erste Auskopplung Arbayt trägt die Platte mit einem unfassbaren Beat. Schwer, ballernd, genial! Hochpolitisch, ehrlich, mit sich verbunden, unbarmherzig.

Mit Typologie Eines Lebens legt Ebow ein erdbebenartiges Album vor. Es macht so viel Spaß, ihr zuzuhören. Es ist immer wieder äußerst bitter bis schockierend. Es ist beeindruckend, wie stark sie ihre Musik nutzt und gestaltet. Ich kenne nur wenige kurdische Menschen, durch Ebows Werk lerne ich auch viel dazu. An dieser Platte mit all seinen Facetten sollte sich Rapmusik hierzulande messen lassen.

08.10.26 Köln – Bürgerhaus Stollwerck
09.10.26 Bremen – Schlachthof
10.10.26 Hamburg – Fabrik
15.10.26 Leipzig – Werk 2
22.10.26 München – Ampere
23.10.26 Wien – WUK
24.10. Frankfurt – Zoom
28.10. Berlin – Columbiahalle


Freitag, 4. September 2026

KW 36,2026: Die luserlounge selektiert

Quelle: flaticon.com / shohanur.rahman13
Die kleinen Dinge. Heute morgen zum Beispiel habe ich einen Aufkleber von irgendwelchen Impfschwurblern abgekratzt. Oder letztens im Supermarkt. Da bin ich dezent mit einer älteren Dame kollidiert, wir standen Rücken an Rücken und die Einkaufskörbe lernten sich kennen. Es bliebt nicht nur bei einem pflichtmäßigen „Entschuldigung“, sondern wir kamen ins Gespräch. Eigentlich hatte ich gar keine Lust, mit irgendwem zu reden. Irgendeine Laus ist mir vorher über die Leber gelaufen. Doch sie hatte das Bedürfnis zu reden und ich stieg mit ein. Es wurde unfassbar nett. Sie erzählte, wie frech sie vor kurzem von ein paar Jugendlichen behandelt worden ist und wie frech sie selbst als Mädchen war. Wir sprachen über das Miteinander und das Gute im Menschen. Es waren vielleicht nur sieben oder acht Minuten. Aber das ist doch das, was zusammenschweißt, oder?! Ich bin davon überzeugt!

Gregor McEwan
(Ms) Zum oben Geschriebenen passt dieser Track hier wirklich perfekt! Gregor McEwan ist zurück und veröffentlicht heute seine neue Single World No. 2. Es ist ein wunderbarer, getragener Indiepopsong über die Suche und den Wunsch nach der schönen Alternative. Eine Welt, in der wir lieber wohnen wollen als in der Jetzigen. Wo die Luft klar, das Gras grün, die Liebe lebt und Frieden herrscht. Es mag ja etwas pathetisch klingen, aber wie recht hat er denn bitte?! Eben! Ein bisschen mehr Sozialromantik könnte uns allen ziemlich gut tun. Dieses neue Stück ist das erste, dass der Musiker selbst produziert hat. Sanft, berührend, aufbauend - es ist ihm sehr gut gelungen. Und es macht Hoffnung, dass demnächst noch mehr so Schönes kommt!


Dendemann
(Ms) Es gibt ja so KünstlerInnen, da lohnt es sich zwei Mal hinzuschauen und hinzuhören. Dendemann sollte dabei die Liste anführen! Da kommen Wortspiele, die sich teils erst nach Jahren entpuppen. Er erschafft Bilder, die manchmal spät, aber dann umso besser kicken. Und wenn er heute einen Track Namens Wiederstand veröffentlicht, ist das kein Schreibfehler. Nein, dieses extrem entspannte Lied ist keine Abrechnung mit den aktuellen gesellschaftspolitischen Strömungen oder dem, was irgendein Rapper ins Mikro gerülpst hat. Nein, nein. Zu Bass, Uhhuhh und Saxophon erzählt er lediglich, dass er wieder da ist. Bringt sich selbst wieder auf die Karte. Wenn das jemand kann, dann er. Lässig. Cool. Dende.

10.09.2026 Heidelberg, Halle02
11.09.2026 Stuttgart, Im Wizemann
12.09.2026 München, Backstage
18.09.2026 Dortmund, FZW
19.09.2026 Münster, Skater’s Palace
25.09.2026 Hamburg, Große Freiheit
26.09.2026 Hamburg, Große Freiheit
03.10.2026 Leipzig, Felsenkeller
16.10.2026 Köln, Carlswerk Victoria
17.10.2026 Frankfurt am Main, Batschkapp
29.10.2026 Berlin, ASTRA


ZAHN
(Ms) Ach, psychedelische Musik - so bist ja ein kaum zu bändigendes Biest! Ach, Krautmusik - gut, dass du dich immer weiter entwickelst. Gut, dass diese beiden Spielarten so nah beieinander liegen. Genial, dass es so einige Bands gibt, die dieses Zusammenspiel sehr, sehr gut beherrschen. Das Trio ZAHN zum Beispiel. Sie haben im Frühjahr mit Purpur ein neues Album veröffentlicht, das auf 36 Minuten unglaublich viel Spaß macht. Es ist mitreißend, weiß Stimmungen aufzubauen und niederzureißen und einen steten Sog zu kreieren. Mal schleppend, mal anziehend, mal elektronisch, mal verstärkt. Die Band geht im Oktober auf Tour und das sollte man sich wirklich nicht entgehen lassen!

17.10. - Bremen, Zollkantine
19.10. - Hannover, Bei Chez Heinz
20.10. - Münster, Kabinett
21.10. - Köln, Bumann & Sohn
22.10. - Darmstadt, Oetinger Villa
23.10. - Augsburg, Spectrum
24.10. - Graz, IndieOhrenFestival
29.10. - Halle, Hühnermanhattan

Blush Always
(Ms) Wenn hier die ersten Takte erklingen, wippt der ganze Körper direkt mit. Ja, es hat schon fast den Anschein, als ob MGMT hier am Werke wären. Doch es ist Blush Always, die mit neuem Song und erweitertem Sound zurück ist! Fake It heißt ihre aktuelle Single, die heute erscheint! Dabei geht es nicht ums Kopieren anderer musikalischer Größen, sondern dass die Zweifel vergangener Tage verschwunden sind und sie sich nichts mehr vormacht. Nun steht Katja Seiffert noch fester als zuvor auf ihren Beinen und veröffentlicht am 27. November mit Kind Of Life ihr neues Album! Der 90er-Jahre-Rock bekommt ein paar neue Facetten, die Lieder wurden ohne größeres Zögern direkt im Studio aufgenommen und suchen sich nun den Weg ans Tageslicht! Das wird richtig gut!

01.02.2027 Hamburg - Molotow Top Ten Bar
02.02.2027 Köln - Bumann & Sohn
03.02.2027 Mainz - Schon Schön
04.02.2027 Berlin - Neue Zukunft
05.02.2027 Leipzig - Ilses Erika
06.02.2027 München - Milla


Scheitern.dreitausend
(Ms) Einige Songs sind ohne ein paar Infos gar nicht zu verstehen. Wer nicht aus Bremen oder Umgebung kommt, kann mit dem dortigen sogenannten Müllberg wenig anfangen. Ursprünglich wurde dort wirklich Schutt abgeladen, heute ist eine parkähnliche Landschaft und mit 50 Metern Höhe die höchste Erhebung der Hansestadt! Immerhin! Scheitern.dreitausend veröffentlichen heute nicht nur ihr sehr gutes, neues Album Unentschieden Für Immer, sondern auch ein Video zu Müllberg. Darin sind sie als schatzsuchende Hobbits durch Bremen unterwegs - herzzerreißend süß! Der Track hingegen ist ein kleiner Liebessong zwischen Diskussionen, Langeweile und einer kleinen Referenz an PeterLicht. Diese Band muss man gernhaben und demnächst unbedingt live sehen:

05.09. Lippstadt - abseite Festival
12.09. Herbstadt - frequency9 Sommerfest
26.09. Köln - Müllem Mon Amour
19.11. Rostock - DIETER
21.11. Osnabrück - Westwerk
27.11. Flensburg - Volksbad
19.12. Bremen - Lagerhaus

Donnerstag, 3. September 2026

My Ugly Clementine - Apply Autonomy

Foto: Mala Kolumna
(Ms) Vielleicht kommt die beste Rockmusik ja eh aus Österreicht. Oder?! Aus dem Nordwesten betrachtet strahlen so manch Bands aus dem Süden ja eine ungeheure Coolness aus. Eine gewisse Abgeklärtheit und Rockstarpose. Will meinen: die sind sich schon sehr sicher in dem, was sie machen. Auf so geile Art. Obendrein so unfassbar sympathisch. Da müssen nicht mal die großen Namen wie Falco oder Wanda fallen. Dieses Versprechen lösen auch Jo The Man The Music oder Alicia Edelweiss ein. Ja, vielleicht sind es sowieso die Frauen und FLINA-Personen, die die viel größeren Rockstars sind. Auf keinen Fall darf bei dieser Aufzählung ein Trio fehlen, dass am 4. September ihr neues Album auf den Markt schmeißt: My Ugly Clementine. Diese Band ist seit vielen Jahren eine unumstößliche Größe, wenn es um Gitarrenmusik aus Österreich geht. Wer sie mal live gesehen hat, weiß, welche Wucht Mila Lu Kovacs, Sophie Lindinger und Nastasja Ronck auf die Bretter, die die Welt bedeuten, legen. 

Apply Autonomy heißt ihre neue Platte und der Name ist Programm. Selbstbestimmung als Albumtitel - die Marschroute ist vollkommen klar. Diese Platte ist eine Abrechnung, ein Aufbäumen, ein in-sich-kehren und ein auf-die-anderen-scheißen. Ist doch so. Musikalisch hauen die drei in die Kerbe, die sie am allerbesten Beherrschen: aufgedrehter Gitarrenrock mit feinen Melodien und viel Energie nach vorn. Viele Texte bieten einen gewissen Interpretationsraum, zum Beispiel der Opener Don‘t Mess With Me: „I Know more than you want me to know.“ Egal, wer vorher mal behauptet hat, es besser zu wissen, es war wahrscheinlich ein Mann. Und die sollten lieber öfter mal das Maul halten. Kann man schon so sagen, oder?! Denke ich auch. Im besten 90er-Rock-Stil singen sie von Zufriedenheit auf Confidence. Ein Gefühl, das oft nur vorgetäuscht wird, aber einfach zurück geholt werden muss, wenn zu viele kleine Energieteufel mal wieder an einem zerren. Genau um diese Entwicklung geht es auch im Text - toll gemacht! Ja, man darf dies alles auf uns Typen deuten, das geht schon völlig in Ordnung so. Auch Pretender haut uns Kerlen auf die Zwölf. Das ist mehr als gut so! Solange nicht irgendetwas wie Gleichberechtigung erreicht ist, sollten wir Männer uns den FLINTA-Personen anschließen, in den Hintergrund treten und uns mit ihnen solidarisch zeigen und versuchen, Strukturen zu ändern. Ansonsten heißt es weiter wie im Song: „Fuck your standards!“ Wie herrlich dabei die E-Gitarre tanzt, das Schlagzeug scheppert und der Bass den Beat befeuert… der ganze Zorn macht musikalisch sehr, sehr viel Spaß! Die größte Hymne auf Apply Autonomy ist wohl Head In The Air. So derbe im Sound, so klar, so wuchtig, so unmissverständlich. So ein scheppernder, dringlicher, dringender Selbstermächtigungssong - hier muss man ja auch einfach mal Danke sagen. Danke.
Dass es auch mal ganz anders aussehen kann, ohne aufrechten Gang und mit gesenktem Haupt ist auf You Won und Science Fiction zu hören. Und zu spüren. Plötzlich ist alles gedimmt. Weil zu oft sind Männer und Mächtige halt unglaubliche Arschlöcher. Doch die auf einmal kräftig einsetzende Gitarre auf Science Fiction hebt eine Deutungsebene in den Text durch die Musik - das ist ja so genial gemacht! Durch den Klang wird das Szenario gebrochen und zurück geschlagen.

No Rescure beschreibt dann auf so unsagbar dynamische, wütende und eindeutige Weise, dass My Ugly Clementine laut und äußerst überzeugend einen großen Teil vom Musikbusinesskuchen abhaben wollen. Daher kommt Apply Autonomy auch auf dem eigenen Label raus. Es ist eine richtig starke Platte. Satte Rockmusik aus Österreich, starke Musikerinnen mit Haltung und Mittelfinger. Eine umwerfendes und beeindruckendes Album! 

05.09. Wien, Kino am Dach (Release Konzert)
28.09. München, Ampere
29.09. Frankfurt, Brotfabrik
30.09. Köln, CBE
02.10. Paris, le Pop-up!
03.10. Amsterdam, Paradiso
04.10. Münster, Gleis 22
10.10. Leipzig, Werk 2
11.10. Berlin, Columbia Theater
12.10. Hamburg, Knust
28.10. Linz, Posthof
29.10. Zürich, Exil
30.10. Stuttgart, clubCANN


Sven Regener - Frankie und Freddie

(Ms) Er ist wieder da. Nein, Sven Regener jetzt nicht direkt. Der ist ja immer irgendwie da zwischen schreiben und singen und touren. Frank Lehmann ist zurück! Das allein ist ja schon eine Meldung wert. Und zwar als komplette Hauptfigur eines neuen Regener-Romans, der unter dem prägnanten Titel Frankie Und Freddie am 3. September bei Galiani Berlin erscheint. Wo er in Wiener Straße noch eher durch die Seiten waberte, ist er hier wieder voll im Vordergrund!
Wie schon in Der Kleine Bruder ist dies ein Buch, das auf wunderbare Art und Weise das Füreinanderdasein der beiden Lehmänner (wenn man das so sagen kann) schildert. Auf der einen Seite Frank, der eben erst nach Berlin gekommen und auf der anderen Seite Manfred, den dort alle nur Freddie nennen, und ziemlich tief in der Kunstszene verwurzelt ist.
Es geht auch hier erneut um brüderliche Sorge. Denn Freddie nahm an einem Studie zur Wirkung einer Pille statt, irgendetwas Antidepressives. Frank holt ihn dort ab.

Und dann beginnt es. Dann beginnt eine Odysee quer durch Berlin. Zu Fuß, mit einem kaputten Opel Kadett, mit der verhassten U-Bahn und auch in einem Schneemobil. Denn die gesamte Handlung spielt an einem Tag. Nicht irgendein beliebiger. Nein, es ist der 23. Dezember. Ein Tag also, der zahlreiche Fragen mit sich bringt: Wo und mit wem feiern? Tannenbaum - ja oder nein? Undundund. Denn ohne zu viel vorweg zu nehmen: Freddie hat im Hotel - dort fanden die Pillenexperimente statt - etwas sehr wichtiges vergessen, ein Flugticket. Also ist ja klar: die Suche beginnt. Diese Suche durchs immer verschneitere Berlin in den 80er Jahren ist eine wunderbare Geschichte zwischen zwei Brüdern. Es geht um Freundschaft, verrückte Kunstexperimente, etwas schief spielende Saxophone und helfende Hände an einer Tankstelle.

Alles natürlich im typischen Regener-Sprech. Denn die Handlung an sich ist schon mal äußerst unterhaltsam und sehr schön einfach. Doch das Komische darf ja bei Frank Lehmann und Sven Regener nie fehlen. Das Absurde vor allem. Und hier kommt der Kern: Den Reiz dieses Buches machen wie immer die Dialoge zwischen allen Beteiligten aus. Diese Gespräche sind wie die Schnitzeljagd durch die Großstadt selbst: sie biegen immer irgendwo an, verlieren sich, verlaufen sich, sind nicht immer zielführend. Aber so, so witzig, so kurzweilig, so unglaublich unterhaltsam. 

Wer die Lehmann-Bücher gelesen hat, braucht nicht lange, um in diesem Kosmos zwischen Karl Schmidt, H.R. Krause, Chrissie, Erwin und dem Café Einfall wieder einzutauchen. Ja, sie sind alle wieder mit dabei. Sogar die Bandmitglider von Glitterschnitter tauchen auf, aber separat voneinander. Je mehr es schneit, desto näher kommen sie natürlich auch ihrem Ziel.
Das Tolle an diesem Hin und Her ist ja, dass es in den 80ern spielt. Heute wäre so eine Handlung ja gar nicht möglich. Das Buch wäre nach zwei Seiten beendet, da irgendwer jemand anderem in einer WhatsApp-Gruppe einen Standort geschickt hätte und gut ist. Nein, nein, hier wird auch in der Telefonzelle telefoniert und Adressen werden mehr oder weniger ausprobiert.

Es ist Sven Regener erneut auf herrliche Weise gelungen, dem Lehmann-Kosmos einen weiteren Teil hinzuzufügen. Was für ein Geschenk, was für eine unglaublich herrliche, kurzweilige Unterhaltung. Möge die Frank Lehmann-Welt niemals enden!

Passend dazu geht Sven Regener ab dem 12. September auf Lesetour - alle hin da!

12.09. Berlin, RBB Sendesaal (live auf radioeins)
10.10. Mainz, Staatstheater
11.10. Essen, lit.ruhr
16.10. Hamburg, kleine Laeiszhalle
17.10. Köln, lit.cologne
20.10. Zürich, Kaufleuten
22.10. Dresden, Schaubühne
23.10. Erlangen, Redoutensaal (BR 2 überträgt)
24.10. Erfurt, wird noch bekanntgegeben
31.10. Frankfurt, Schauspiel
05.11. Stuttgart, Mozartsaal
13.11. Wien, Rabenhof
14.11. Wien, Rabenhof
17.11. München, Alte Kongresshalle
18.11. Leipzig, Schauspiel
19.11. Bremen, Theater am Goetheplatz
10.12. Hannover, Pavillon

Mittwoch, 2. September 2026

Schluma - Heulen Am Wasser

Foto: Penelope Garner
(Ms) Plötzlich waren sie da. Und jetzt gehts nur noch ab! Der Name an sich ist ja genial, weil so schön schlurfig: Schluma. Was soll das sein? Ein Schlummerlein? Eine Schildkröte? Eine etwas ausgebeulte Jogginghose?! Ganz nüchtern betrachtet ist Schluma eine vierköpfige Band aus Hamburg, die im Frühjahr erst Teil der Grand Hotel van Cleef-Familie geworden ist und am Freitag ihr erstes Album Heulen Am Wasser herausbringt. Das sind die Eckdaten.
Aber es ist nicht einfach „nur“ irgendeine neue, tolle Band aus Hamburg. Nein, nein. Beim GHvC unterschreibt ja nicht einfach irgendwer. Die suchen sich das schon aus. Die haben ja Geschmack. Und die Bands, die dort Teil des ganzen Musikwahnsinns sind, müssen ja auch etwas bekloppt sein. Schluma definitiv. Denn sie veranstalten beispielsweise zur Veröffentlichung dieses tollen Erstling einfach ein eigenes kleines 2-Tage-Festival im Indra. Wie geil ist das denn?! Eben!

Worauf lässt man sich aber beim Hören dieser 16 (!) Lieder ein? Erst einmal auf viel neue Musik! Logisch. Doch hier zieht sich nichts in die Länge. Die sechzehn Stücke sind meist so um die zwei Minuten lang, mal mehr, mal weniger. Der Sound der Band ist irgendwo zwischen Superpunk (ohne Bläser), den frühen Tocotronic und Tomte angesiedelt. Doch der Vergleich hinkt. Wie immer halt. Es sind weniger Alltagsgeschichten, weniger Fußball, weniger programmatisches Songwriting und auch nicht allzu kornundspriteig. Doch herrlich unterhaltsam!

Die Platte startet mit der bereits ausgekoppelten Single Ich Bin Ein Außenseiter Dieser Republik. Damit wird schon klar, wer hier spielt. Denn Sänger Lenny lernte Peter als seinen Dozenten kennen. Dazu noch Linus am Schlagzeug und Pola an der Gitarre und fertig ist eine neue, schräg zusammengewürfelte aber genial harmonierende Band. Der Opener als quasi generationsübergreifendes Stück über die Positionierung im Hier und Jetzt. Es geht stark, schnell und aufgedreht weiter: Uni Mensa Schwerverbrecher ist ein herrlich unterhaltsamer Song über das, was der Titel schon sagt. Doch sie können auch das Thema Liebe bedienen: Kältewarnung ist der passende Song dazu. Der Titel ist ja so ein schönes Bild über den eventuellen Niedergang einer Beziehung. Eisig wird es, wenn man sich auseinander lebt. Bitter, aber der Track hat Kraft! Was bislang eher indierockig wird, nimmt bei Schnell Und Ekelig gewaltig-punkig Fahrt auf! Ja, musikalisch ist das schon ziemlich gut, aber auch nicht Avantgarde. Versteht sich erwartungsgemäß aber irgendwie auch von selbst, oder?! Gut!
Doch nicht nur Lenny singt die Stücke. Auch Pola singt mit. Ich Leide Unter Bindungsangst ist auch ihr Lied, das nicht nur genial als Duett angelegt ist, sondern auch herrlich zwischen Humor und bitterem Ernst angelegt ist. Ja, das ist ein schmaler Grat, aber Schluma beherrschen ihn sehr gut. Tragik und Komik gehen oft Hand in Hand. Diese Band hat es verstanden und umgesetzt - stark!
Sehr witzig und mit Drumcomputer geht es auf Cringe Gefängnis zu. Ach, wie ich mein ca 20-jähriges Ich da wieder erkenne: „Der Knast macht einsam, weißt du das / So cool zu sein, macht keinen Spaß!“ Ha! Auch so ein anderthalbminüter wie Die Besten Dinge knallt komplett rein, denn sie passieren halt nur, wenn du mich falsch verstehst. Und auch Mitte 30 ist als Mittdreißiger natürlich doppelt komisch!

Lange hat mich eine Platte nicht so vielfältig abgeholt. Sie ist klug, sehr unterhaltsam, tanzbar, sehr gut mitsingbar und nah am Herzen gebaut. Und auch verdammt ehrlich. Das macht es leicht, Heulen Am Wasser sehr schnell sehr gut zu finden! Das Tolle ist, dass diese Platte auch gar nicht so viel will. Hier ist kaum etwas mit Bedeutung aufgeladen. Vor allem wollte diese Platte erscheinen. Und das ist sehr gut so. Sie entkrampft Indierock, wirkt etwas aus der Zeit gefallen und macht einfach nur unsagbar viel Spaß!

04.09.-05.09 Hamburg, 10.000 Leute Festival (Indra)
16.-19.09. Hamburg, Reeperbahn Festival
01.-03.10. Wien, Waves Vienna
21.10. Langenberg, KGB
22.10. Oberhausen, Druckluft
23.10. Bremen, Tower Bar
24.10. Osnabrück, Westwerk
28.10. Berlin, Lark
05.11. Oldenburg, umBAUbar
06.11. Hannover, Perle
08.11. Köln, EDP