Mittwoch, 22. Januar 2020

Oehl - Über Nacht

Ariel Oehl und Hjörtur Hjörleifsson
(ms) Wofür steht die österreichische (Gitarren-)Popmusik? Zum Einen für Vielfalt, zum Anderen für Unterhaltung und Hau-Drauf. Das beweisen Olympique (RIP), Wanda, Bilderbuch, Voodoo Jürgens oder Seiler und Speer. Selbstverständlich ist für die Wahrnehmung zwischen München und Flensburg auch der Wiener Schmäh, eine gewisse sympathische Hochnäsigkeit und ein Haselnussschnaps in der Hand wichtig.
Nächste Frage: Wofür steht die isländische Popmusik? Das lässt sich noch konkreter beantworten: Reine Avantgarde und hochklassige Arrangements; mitunter wie gemacht für's Feuilleton. Das beweisen Sigur Rós, Björk, Högni oder Ólafur Arnalds. Für die Wahrnehmung zwischen Konstanz bis Kiel ist ein bewusstes Bild der spektakulären Natur, einer verschwurbelten Sprache und ein Kaffee in der Hand wichtig (Alkohol ist vor Ort so gut wie unbezahlbar).
Die logische Anschlussfrage: Wie würde es klingen, wenn sich je ein Vertreter beider Regionen zusammentun?! Die Antwort ist nicht Oehl, auch wenn es hier um ihren Erstling Über Nacht geht. Ich habe absolut keine Ahnung, wie derart verschmolzene österreichisch-isländische Musik klingen könnte.
Oehl hingegen nehmen sich ein paar Aspekte der beschriebenen Richtungen heraus und kombinieren sie auf ungeahnt kluge und positiv eingängige Art und Weise.

Am Freitag (24. Januar) erscheint auf Grönland Records ihr erstes Album Über Nacht. Das Duo nennt sich Oehl, da Ariels Vorname sicher besser zu merken ist als Hjörturs, der da Hjörleifsson heißt. Zu hören sind elf Songs über vierunddreißigeinhalb Minuten. Es ist wunderbarer Pop, der seine Zeit braucht, um die ihm innewohnende Schönheit zu offenbaren. Denn es besteht die Gefahr, dass, wenn man schnell reinhört, es sofort als langweilig oder irre monoton abzustempeln. Das soll an dieser Stelle schon mal erwähnt sein!
Es ging mir genauso.



Ende November ist ihre Single Wolken (s.o.) erschienen. Diese läuft seitdem bei mir in ungeahnt hoher Regelmäßigkeit und dieses Lied ist der Grund, warum sich in mir eine starke Bewunderung gegenüber der Musik von Oehl entwickelt hat. Denn ich kann nicht in Worte fassen - obwohl das ja an dieser Stelle genau meine Aufgabe wäre - warum das so ist. Klar, das Arrangement ist wundervoll, eine zarte Eleganz zieht sich durch die Töne und den Gesang. Aber es sind auch bestechende Zeilen wie: "Selbst die Wände rücken längst auseinander in unserem Haus / Denn meine die Füße spür ich bei jedem Schritt, ich leg sie lieber zurück / da hinterm Herd wo jetzt kein Sofa mehr steht, konserviert sich kein Glück / Ich such in jedem Winkel nach einer Tür und finde nicht mehr heraus." Manchmal ist es auch wunderbar, wenn man nicht alles versteht, es aber dennoch irgendwo zwischen Herz, Bauch und Verstand ankommt und haften bleibt. Ja, es geht ein wenig mystisch zu auf dieser Platte!

Und sie beginnt für derart filigrane Popmusik überraschend mit dem Track Bisher. Er dauert keine zwei Minuten und die Stimme wird durch eine nicht zu knappe Portion an Autotune verzerrt. Im weitesten Sinne ist es à cappella, bei dem die bearbeitete aber dennoch prägnante Aussprache von Ariel ein wichtiges Leitmotiv für dieses Album darstellt. Mit Keramik folgt ein wirklich toller Popsong! Seit Tagen höre ich diese Platte und mir fällt bei bestem Wissen keine vergleichbare Band ein. Klar, ich bin kein Lexikon, aber das ist mir schon länger nicht passiert und gefällt mir unheimlich gut. Keramik kling ungefähr so: Auto-Drums, sanfte Bass-Linien und andere elektronische Effekte, die ein extrem ruhiges und harmonisches Gesamtbild abgeben. Der erstklassige Refrain und das bestechende Songwriting hören sich dann so an:



Auch die 'kleineren' Song wissen schnell zu gefallen, sowohl das eineinhalb minütige Himmel oder Tausend Formen, das mit einer Mischung aus ruhiger Strophe und kontrastvollem Refrain zu überzeugen weiß.
Für herausragende Texte eignen sich Neue Wildnis (bittebittebitte ganz genau hinhören, s.u.) und Instrument mit Zeilen wie: "Seit ich des Suchens müde war / Erlernte ich schnell das Finden." Da steckt eine Menge Weisheit und Wahrheit drin!
Irre catchy ist zudem Anlegen. Das Album, der Sound, die Band laden eher zum Verweilen, Träumen, Nachdenken ein, doch es gibt immer wieder - so wie hier - Takte und Melodien, die durchaus zum Tanzen einladen. Und eine bessere Zuschreibung als 'karibisches Flair' fällt mir für den Titelsong auch nicht ein. Das war - positiv gemeint - nicht erwartbar. Auch die verzerrte elektronische Gitarre im zweiten Refrain ist überraschend passig trotz aller Dezenz.

Heimlich, still und leise ist Ariel Oehl und Hjörtur Hjörleifsson hier ein ganz phantastisches Album gelungen, das im Klang und Text ganz wunderbar fein ist und bei beidem immer wieder extrem zu überraschen weiß, ohne dass der sehr harmonische rote Klangfaden reißt. Hut ab!
Sie sind demnächst auf Tour. Einen Besuch - ich hoffe, das ist hier klar geworden - lege ich euch sehr ans Herz!

14.02.2020 München, Milla
15.02.2020 Stuttgart, Club Cann
18.02.2020 Nürnberg, Stereo
19.02.2020 Bremen, Lagerhaus (Wir sehen uns im Viertel!)
20.02.2020 Hamburg, Hafenklang
21.02.2020 Berlin, Kantine im Berghain


Freitag, 17. Januar 2020

KW 3, 2020: Die luserlounge selektiert!

Quelle: twitter.com/dn3austin
(sb/ms) Das Schöne mit dem Profanen verbinden: Es sind jobmäßig - kaum hat das Jahr begonnen - harte Tage mit viel gedanklicher und organisatorischer Arbeit. Was hilft? Ein kleiner abendlicher Streifzug durch die Nachbarschaft. Bewegung ist gut, bisschen Windowshopping bei den längst geschlossenen Geschäften der Kleinstadt. Natürlich gibt's da auch den ein oder anderen (guten) Imbiss. Ich streife dort vorüber und schaue ins Fenster. Dort sitzen offensichtlich Vater (Ende vierzig) und Sohn (Ende Pubertät) zusammen und gönnen sich jeweils eine Ordentliche Portion Kalorien. Gut ist das. Habe ich früher mit meinem Papa auch häufiger gemacht. Und dann der dazugehörige Ohrwurm von Nada Surf.
Hier ist die luserlounge. Es ist Freitag. Hier wurde selektiert!

Pöbel MC
(ms) Weihnachten ist vorbei. Die Besinnlichkeit ad acta gelegt. Das ist gut so. Doch es gibt einen Akteur am Mikrophon, der uns nochmals daran erinnert. Dafür steht er mit seinem Namen: Pöbel MC. Seit einigen Jahren verfolge ich schon sein Tun und er wird immer besser. Das zeigte zuletzt das Pöbel Sports Tape und der Besuch einer eindrucksvollen Live-Performance. Jetzt wird nachgelegt. Nach mehreren EPs/Tapes/Whatevers nun ein Album, wo sein Name drauf steht. Erscheint selbstverständlich bei unseren lieben Freunden von Audiolith Records am 20. März und trägt den wunderbaren Titel Bildungsbürgerprolls! Jawollo! Hier wird ausgeteilt mit feinstem Wortmaterial. So mögen wir das; schlau und aggressiv. Da darf ein Vorbote nicht fehlen und es ist ein doppelter geworden! Zu sehen und hören ist Bildungsbürgerprolls/Patchworkwendekids! Macht die Lauscher auf, übt den Text, bestellt fleißig vor und geht auf jeden Fall auf Tour! Hurra!

14.02.2020 Berlin - SO36
19.02.2020 Nürnberg - Explizit Rap Festival
21.02.2020 Hamburg - Uebel und Gefährlich
02.04.2020 Frankfurt - Zoom
03.04.2020 Saarbrücken - Studio30
04.04.2020 Münster - Gleis 22
08.04.2020 Leipzig - Conne Island
09.04.2020 Düsseldorf - zakk Düsseldorf
16.04.2020 München - Rote Sonne
17.04.2020 Wien (AT) - Arena
18.04.2020 Augsburg - Kantine
23.04.2020 Dresden - Chemiefabrik
24.04.2020 Nürnberg - Desi
25.04.2020 Stuttgart - Schräglage



King Katalogas
(sb) Coverversionen von Hip Hop-Tracks sind eher selten und das auch aus gutem Grund: im Regelfall sind Beats, Lyrics, Flows und Stimmen zu individuell aufeinander abgestimmt, alsdass da ein Außenstehender was Ordentliches draus zaubern könnte. Dennoch wagt sich King Katalogas nun an die Gottväter des deutschen Sprechgesangs heran und covert Welcher Pfad führt zur Geschichte der Heidelberger Hip Hop-Pioniere Advanced Chemistry. Das Ergebnis kann sich hören lassen und stellt deutlich mehr als nur eine Reminiszenz an Torch, Toni L und Konsorten dar. Wer dem Link folgt, kann den Track sogar kostenlos downloaden, eine kleine Spende wird aber natürlich gerne angenommen.




Nathan Gray
(sb) Es gab Zeiten, in denen die Musik von Nathan Gray durch Resignation und Verzweiflung geprägt war und eine deutlich negative Attitüde ausstrahlte. Gott sei Dank gelingt es dem Sänger der Band Boysetsfire mittlerweile besser, die Dämonen der Vergangenheit zu zügeln und seine Erfahrungen in positive Bahnen zu lenken. Das Resultat dieser bemerkenswerten Transformation ist ein Album voller Hoffnung, das mit einem deutlichen "Ja" zum Leben einhergeht. Powerpop meets Alternative und persönliche, eindringliche Texte - Working Title (VÖ: 31.01.) ist ein Manifest gegen Ausgrenzung, Scham und Angst und als solches ein wertvoller Beitrag zu einer besseren Welt. Stark!

End Hits Records Tour 2020
Nathan Gray & Band
mit: Swain, Matze Rossi, Norbert Buchmacher


14.02. DE - Berlin @ Columbia Theater
15.02. DE - Münster @ Sputnikhalle AUSVERKAUFT
16.02. DE - Köln @ Kantine
17.02. DE - Frankfurt @ Batschkapp
18.02. DE - Hamburg @ Gruenspan
19.02. DE - Leipzig @ Conne Island
20.02. DE - Nürnberg @ Hirsch
21.02. AT - Wien @ Szene
22.02. DE - München @ Backstage
23.02. CH - Zürich @ Papiersaal
24.02. DE - Stuttgart @ Wizemann
25.02. DE - Saarbrücken @ Garage



Clock Opera
(ms) Wie steht die Anzahl von Bandmitgliedern im Verhältnis zum Sound? Manchmal sieht man viele Leute auf der Bühne und fragt sich, was deren Aufgabe eigentlich ist. Oft ist es auch anders herum. Wenig Menschen und voller, satter Sound. Das erstaunt mich seit vielen Jahren bei Sigur Rós oder Alt-J. Heutiges Beispiel: Clock Opera. Das sind die Briten Guy Connelly, Che Albrighton und Nic Nells. Sie bewegen sich mit ihrem neuen Album Carousel, das am 7. Februar erscheint, zwischen Metronomy, Caribou und Everything Everything. Der Klang ihrer Songs ist also präzise und verspielt, tanzbar und phasenweise verträumt und immer irgendwie typisch britisch. Während Albrighton am Schlagzeug und mit Percussion stets für den Rhythmus sorgt, händeln die anderen beiden mit allerhand Tasten- und Saiteninstrumenten, um genau diesen Sound zu kreieren. Es eignet sich hervorragend, um den Körper in Bewegung zu setzen oder längere Fahrten oderoderoder... vielschichtige Musik halt. Die wird das Trio demnächst hier live präsentieren:

05.04.2020 München, Import Export
06.04.2020 Berlin, Bi Nuu
08.04.2020 Hamburg, Uebel & Gefährlich (Turmzimmer)




Blondage
(ms) Die musikalische Reise von Pernille Smith-Sivertsen kann man guten Gewissens als aufregend und abwechslungsreich beschreiben. Vor einigen Jahren hat sie nicht nur die elektronische, sondern auch die Indie-Szene als Hälfte des Duos Rangleklods überrascht. Partner (im Studio und m.E. auch privat) Esben stets an ihrer Seite. Veränderungen mussten her, also haben sie sich Blondage genannt und zum Teil etwas zugänglichere Musik produziert. Blondage ist nun das Solo-Projekt von Pernille und nach ein paar Auskopplungen, unter anderem dem heutigen Streich Over It, erscheint am 28. Februar ihre erste EP I Love Music. So einfach, prägnant und aussagekräftig kann eine Betitelung sein. Hier geht es offensichtlich poppiger zu. Und zwar so richtig. Zugegebenermaßen ist es catchy, aber es packt mich nicht. Vielleicht ist es mir zu blingbling, glatt und austauschbar. Aber das muss zum Glück jeder für sich entscheiden. Reinhören lohnt sich auf jeden Fall!


Eliza Shaddad
(sb) Future, das Debütalbum von Eliza Shaddad erschien Ende 2018 und seitdem wird die Britin von namhaften Musikmagazinen in den Himmel gelobt. Zurecht, wie wir finden, denn die Londonerin setzt sich gekonnt über das allzu beliebte Schubladendenken hinweg, was nicht weiter verwundert, dass sie als Einflüsse so unterschiedliche Künstler wie Nina Simone, Billy Bragg, Bob Marley oder Tracy Chapman angibt. Nun legt die Londonerin mit ihrer EP Sept ~ Dec nach und präsentiert drei neue Songs, die wiederum durch extreme Diversität glänzen und nicht zuletzt textlich überzeugen. Demnächst geht Eliza als Support mit den Britpop-Granden Keane auf Europatour, Headliner-Shows sind auch bereits in Planung und das nächste Album soll im Herbst erscheinen. Wir freuen uns!


Hot Like Sushi
(sb) In der britischen Presse (ja, okay, wir sprechen vom Daily Mirror...) wurde Hot Like Sushi attestiert, die Band sei das Beste, was seit Schokolade aus der Schweiz käme. Man könnte jetzt ja gehässig sein und darauf verweisen, dass England in Sachen Kulinarik ungefähr so viel Kompetenz hat wie beim Elfmeterschießen, aber damit täte man dem Trio aus der Alpenrepublik Unrecht. Ordentlich tanzbar kommt Expiration Date (VÖ: heute) daher, eine Prise 70er Jahre Funk tut ihr Übriges. Man darf gespannt sein, wann die Jungs aus Winterthur, Olten und Basel den bisher veröffentlichten Singles einen Longplayer folgen lassen und ob es ihnen gelingen wird, die bislang versprühte Lebensfreude auch auf Albumlänge präsentieren zu können. Wir wünschen es ihnen - und uns! Denn sagen wir mal so: Wäre es eine britische Band, käme der Hype noch von deutlich seriöseren Quellen als dem Daily Mirror...


Therapy?
(sb) 30 Jahre Therapy?, vier Konzerte in Deutschland, ein Best Of-Album mit Neuaufnahmen (als Doppel-CD mit Bonustracks bzw. als schwarze oder grüne Vinyl) - da kommt einiges auf uns zu und natürlich wird es sowohl vom München-Konzert als auch zum Album was in der luserlounge geben.

Bild: https://www.facebook.com/Therapyofficial/

Antilopen Gang
(ms) Komplett bei mir unterm Radar gelaufen für den Start diesen Jahres: Die Antilopen Gang veröffentlicht ja am 24. Januar (nächste Woche Freitag!!!) ihr neues Meisterwerk Abbruch Abbruch. Könnte also direkt richtig geil werden. Und auch ein bisschen asi. Ist das nicht schön?! Der beste Beweis dazu ist das neue Video zu Der Ruf ist ruiniert. Wenn das Video wirklich so entstanden ist, wie es den Anschein macht, dann beweisen Koljah, Danger Dan und Panik Panzer ein weiteres Mal mehr Abgezocktheit, Humor und halt auch ein wenig asoziales Verhalten. Deshalb mögen wir sie ja. Was besondert gefällt, ist der Beat, es ist ein bisschen dezenter produziert. Und die ewige Selbstzuschreibung als Underdog wird auch hier nicht aufgegeben. Natürlich Quatsch, doch wen interessiert es, wenn der Ruf erst ruiniert ist?! Davon kann man sich hier demnächst überzeugen:

12.02.2020 Cottbus, Gladhouse
13.02.2020 Stuttgart, LKA Longhorn
14.02.2020 Leipzig, Werk 2
15.02.2020 Bielefeld, Lokschuppen
17.02.2020 Erlangen, E-Werk
19.02.2020 AT-Wien, Arena
20.02.2020 Dresden, Alter Schlachthof
21.02.2020 München, Muffathalle
22.02.2020 Wolfsburg, Hallenbad
24.02.2020 Jena, Kassablanca
25.02.2020 Hannover, Capitol
28.02.2020 Hamburg, Grosse Freiheit 36
29.02.2020 Berlin, Columbiahalle
06.03.2020 Karlsruhe, Substage
07.03.2020 Wiesbaden, Schlachthof
11.03.2020 Oberhausen, Kulttempel
12.03.2020 CH-Winterthur, Salzhaus
13.03.2020 CH-Bern, Dachstock
14.03.2020 Köln, E-Werk


Donnerstag, 16. Januar 2020

Die luserlounge interviewt: Turbostaat

Foto: https://diffusmag.de/
(ms/sb) Als wir zwei vor ein paar Jahren bei der luserlounge eingestiegen sind, hätten wir uns noch nicht mal im Traum erhofft, dass unser Blog eines Tages als Medienpartner auf Tourplakaten genannt würde (so geschehen bei der Europatour der Sonars) oder wir die Möglichkeit bekämen, unsere Lieblingsbands zu interviewen.

Umso schöner natürlich, dass wir in der Zwischenzeit unsere PR-Kontakte so weit ausbauen konnten, dass wir nicht nur mit den neuesten Alben der ganz Großen (z.B. Nick Cave, Pet Shop Boys oder Robbie Williams) bemustert werden, sondern uns, wie in diesem Fall, unsere Favoriten Rede und Antwort stehen. Natürlich freuen wir uns ganz besonders, dass sich Marten Ebsen, Gitarrist und Songwriter von Turbostaat, Zeit genommen hat, um unsere Fragen rund ums neue Album Uthlande (VÖ: morgen) zu beantworten.


Servus und Moin, zuerst mal vielen Dank, dass wir als kleiner Blog die Möglichkeit bekommen, Euch ein paar Fragen zu stellen. Und los geht’s:

(sb) Mit Rattenlinie Nord habt Ihr als erste Single einen Track ausgekoppelt, der politischer kaum sein könnte. Bislang habt ihr Eure Einstellung in der Regel – wenn überhaupt – ja nur sehr subtil in Eure Texte einfließen lassen. Die Tricks der Verlierer, Euer bislang politischster Song, erschien lediglich als Single, weil er thematisch nicht zum Album passte. Woher der Sinneswandel? Und wurde Rattenlinie Nord genau aus diesem Grund auch die erste Single?

Marten: Hm, ich selber empfinde den Song nicht unbedingt als viel politischer als andere Lieder von uns. 

(ms) Zum Inhalt des Liedes: Es geht ja um die Flucht vieler Nazi-Größen zum letzten Reichssitz unter Karl Dönitz zum Flensburger Stadtteil Mürwik, von wo aus auch einige Nazis untergetaucht sind. Ich war vor kurzem genau dort und war erschrocken, wie wenig man über genau diese Zeit erfährt. Die Infoschilder drumherum berichten von Flora, Fauna oder der ehemaligen Torpedostation unter'm Kaiser.
Für Euch als Flensburger: Wie seht Ihr die Aufarbeitung dieses Stadtkapitels in der Öffentlichkeit? Oder etwas provokanter: Dominieren in Flensburg die deutsch-dänischen Freundschaften und Konflikte (zu sehr)?

Marten: Für mich als Mensch, der lange in Flensburg gewohnt hat, war es erst einmal ganz seltsam, dass ich erst vor ein paar Jahren über die Rattenlinie Nord gestolpert bin. Das bestärkt natürlich das Gefühl, dass diese Zeit und die Taten unserer Großeltern immer noch unter den Teppich gekehrt werden oder unzureichend thematisiert werden. Es gibt aber Gedenkkultur und gute Arbeit, die von einigen wenigen gemacht wird. In Flensburg oder auch in Husum/Schwesing. Es wäre sicher sinnvoll, wenn sich mehr - auch gerade junge - Menschen gegen das Vergessen engagieren würden.

(sb) Ihr seid ja bekannt für Eure kryptischen Songtitel und mitunter auch Texte. Wie kommt Ihr auf so Titel wie Ja, RoduchelnFünfWürstchenGriff oder Harm Rochel? Entstand das zufällig und Ihr habt Euch dann nen Spaß draus gemacht, weil Ihr immer wieder darauf angesprochen wurdet? Oder was ist die Story dazu? Und was zur Hölle ist/sind Roducheln?!

Marten: Ach, wir fanden es immer ungeil, so Standardliedertitel zu vergeben und haben uns dann etwas anderes ausgedacht, das uns Spaß macht und wir originell fanden. Das ist auch nicht kryptisch gemeint, sondern sollte nur Schlagerhaftigkeit vermeiden. Zu den Roducheln: Roducheln sind Kartoffeln aus Mecklenburg. Die wachsen von November bis März und müssen in Maßen gegessen werden. Glaube ich zumindest.

(ms) Zu den neuen Songs: Die Texte machen einen zugänglicheren, einfacher zu verstehenden Eindruck. Woran liegt es? Wollt Ihr es den Hörenden einfacher machen? Oder gab es eine neue Herangehensweise ans Songwriting?
Bei Euren Freunden von Pascow ist ja eine ähnliche Tendenz zu erkennen.

Marten: Hm, kann ich jetzt eigentlich nicht so nachvollziehen, aber gut. Ich habe einfach geschrieben wie immer, aber habe mich häufiger nach Nordfriesland in der Zeit bevor es Turbostaat gab begeben. Vielleicht ist es dadurch etwas zugänglicher geworden. 

Foto: https://commons.wikimedia.org/
(ms) Man sieht ein paar grobe Themen Eurer Texte, die auch bei den neuen Tracks erkennbar sind. Auf Schwienholt wird wieder eine Geschichte von einem schwachen Mitglied der Gesellschaft beschrieben. Was reizt Euch daran, über die Verlierer zu schreiben und zu singen?

Marten:  Ich würde Verlierer sehr stark in Anführungszeichen setzen. Man selber hat auch sein Leben lang mit der Welt und der Gesellschaft gehadert und hat sich seit seiner Jugend mit anderen Freaks und Aussenseitern verbunden. Das setzt sich einfach fort. 

(ms) Zum Inhalt eines anderen Liedes. Ich lehne mich mal weit aus dem Fenster und mag in Brockengeist scharfe Kritik an der Echoverleihung und der (aktuellen, erfolgreichen) Radiomusik hören. Wie ist Euer Standpunkt dazu? Braucht es Preise für Erfolg? Sind Alternativen wie der der Preis für Popkultur ein probates Mittel?

Marten: Interessant. Brockengeist geht eigentlich um Freunde von mir, Drogen und zu wenig Empathie. Zu den Musikpreisen: Das ist doch alles Ausdruck dieses omnipräsenten Konkurrenzdenkens. Das ist doch echt Quatsch. 

(ms) Daran angeschlossen: Musik ist Business und Geschäftemacherei. Ihr habt sicherlich davon mitbekommen, dass die Rapperin sookee aufhört Musik zu machen, da ihre Einschätzung ist, dass feministischer Rap kapitalisiert wurde. Wie ist Euer Standpunkt? Seht Ihr zum Teil einen Ausverkauf gewisser Themen?

Marten: Nee, das habe ich nicht mitbekommen. 

(sb) Ihr bringt es als Band ja mittlerweile auch schon auf über 20 Jahre und habt stets darauf hingewiesen, dass es Euch nur in unveränderter Besetzung unter dem Namen Turbostaat geben wird. Wir finden das natürlich sehr löblich, aber auch sehr romantisch. Wann reifte in Euch der Entschluss, das so zu handhaben?

Marten: Das steht in der ersten Platte und es gab nie einen Entschluss dazu. Peter sagte mal: „Das ist doch völlig klar!“ und so ist das auch. Wir empfinden das auch nicht als romantisch oder dezidiert löblich. Turbostaat ist halt diese Gruppe von Menschen und nicht unbedingt eine Idee mit Erfüllungsgehilfen. 

(sb) Wie vorhin schon erwähnt, seid Ihr nun bereits seit gut 20 Jahren als Band aktiv, mit Euren letzten beiden Studioalben habt Ihr sogar die Top 20 der Charts geknackt. Hand aufs Herz: Feiert Ihr sowas oder nehmt Ihr es einfach nur zur Kenntnis und fühlt Euch bestätigt?

Marten: Es ist immer besser, wenn Konzerte ausverkauft sind und Platten gut laufen, jedoch gibt es einem kaum nachhaltige Zufriedenheit oder gar Bestätigung. Ich würde sagen, wir nehmen es zur Kenntnis, schmunzeln und machen dann etwas anderes. 

(sb) Ein Blick auf Eure bevorstehende Tour lässt mich, der am Bodensee lebt, etwas desillusioniert zurück. Da ist ja wirklich gar nix dabei, was auch nur annähernd erreichbar wäre. Kommen da noch Termine dazu? Gerade der Club Vaudeville in Lindau oder die ein oder andere Location in Vorarlberg/Österreich (Conrad Sohm in Dornbirn oder das Poolbar Festival in Feldkirch) würden sich doch anbieten, oder?

Marten: Wir hoffen, dass wir im weiteren Verlauf des Jahres weiter im Süden spielen dürfen. Es ist nicht immer so einfach. Der Weg ist weit.

(sb/ms) Na dann hoffen wir doch mal, dass das noch klappen wird und danken Dir, dass Du Dir Zeit für uns genommen hast.



Dienstag, 14. Januar 2020

Turbostaat - Uthlande

Quelle: facebook.com/turbostaat/
(sb) Kalenderwoche 3 und schon der erste ganz heiße Kandidat für den Titel "Album des Jahres" - so haben wir das gerne! Aber seien wir ehrlich: wenn Turbostaat was raushauen, dann setzt bei uns schon Monate vorher die Schnappatmung ein und wir schauen, je näher der Releasetermin rückt, jeden Tag ein wenig nervöser ins luserlounge-Postfach und hoffen auf die erlösende Email mit dem Stream oder gar Download des Albums. So auch diesmal und hurra: Uthlande (VÖ: 17.01.) ist eingefedert und läuft seitdem in Heavy Rotation. Und das natürlich aus gutem Grund, weil geil. Aber lest selbst...

Turbostaat sind ja traditionell Meister des Kryptischen, anders sind Songtitel wie Ja, Roducheln, Haubentaucherwelpen oder 18:09 Uhr. Mist, verlaufen. kaum zu erklären. Dass die Lyrics dieser Tracks selbstredend nichts mit dem Titel zu tun haben - geschenkt, denn die Songs sind durch die Bank überragend. Ein Blick auf die Tracklist von Uthlande lässt vermuten, dass es genau so weitergeht: Zu Meisengeige findet man immerhin noch Google-Treffer zu einem Kino in Nürnberg, Schwienholt ist eine kleine Ortschaft südlich von Flensburg und Brockengeist eine Spirituose. Das verspricht einiges, oder? Und falls Ihr schon immer wissen wolltet, was Uthlande eigentlich bedeutet: darunter versteht man die dem Festland vorgelagerten Inseln im Kreis Nordfriesland. Wieder was gelernt, Bildungsauftrag erfüllt!

So, nun aber zum Album:
Besonders auffällig ist, dass sich Turbostaat zwar einerseits vom Sound her treu bleiben, mitunter sogar ein wenig melodischer wirken, textlich jedoch deutlich zugänglicher erscheinen. Wo andere Alben noch eine durchgängige Geschichte erzählten, bietet Uthlande quasi bei jedem Track die Möglichkeit des Quereinstiegs. Zudem ist der neue Longplayer der Norddeutschen extrem gut produziert, klingt sehr rund - ohne dabei weich oder zu arg geschliffen rüberzukommen.

Bild: Andreas Hornoff / Quelle: kantine.com
Zudem fiel bereits mit der ersten Singleauskopplung Rattenlinie Nord positiv aus, dass Turbostaat wagen, ihre bekannte politische Einstellung endlich offensiv zu propagieren, was in Zeiten wie diesen mehr als notwendig erscheint. War Die Tricks der Verlierer 2017 noch ein reiner Singlerelease, so ist Rattenlinie Nord das Flaggschiff des Turbostaat 2020, positioniert die Band ganz eindeutig und stellt berechtigterweise die Frage, ob die Geschichtsbewältigung nach dem Dritten Reich in manchen Teilen der Republik wirklich ausreichend erfolgt ist.

Und so geil der erste Vorabtrack von Uthlande auch war (und ist) - inmitten der zwölf Songs ragt er eigentlich nur textlich heraus, denn jedes einzelne Lied stellt für sich einen Höhepunkt dar, was in Kombination ein herausragendes Werk formt, wie es selbst Turbostaat im Studio noch nicht zustande gebracht hatten. Klar, die Live-Best Of-Scheibe Nachtbrot (2019) war schon ein ganz besonderes Kaliber, aber Uthlande muss sich nicht dahinter verstecken und bringt sich schon früh in die Pole Position fürs Rennen ums "Album des Jahres".

Meine persönlichen Favoriten: Ein schönes Blau, Brockengeist, La Hague und Schwienholt, in dem Turbostaat einmal mehr ihr Herz für die Kleinen und Schwachen unserer Gesellschaft zeigen!

So und jetzt Album kaufen und am besten gleich noch Konzerttickets dazu:

13.02. Jena, Kassablanca
14.02. Köln, Yard Club
15.02. Mainz, KUZ
18.02. Hamburg, Markthalle
19.02. Hamburg, Markthalle
20.02. Berlin, Festsaal Kreuzberg
21.02. Berlin, Festsaal Kreuzberg
22.02. Dresden, Club Tante JU
02.04. Lübeck, Treibsand
03.04. Bremen, Kulturzentrum Schlachthof
04.04. Düsseldorf, zakk
05.04. Aschaffenburg, Colos-Saal
07.04. Marburg, Kulturzentrum KFZ
08.04. Wien, Das Werk
09.04. Leipzig, Conne Island
11.04. Rostock, M.A.U. Club
12.04. Leipzig, Conne Island
30.10. Hannover, Capitol
28.11. Münster, Sputnikhalle




Freitag, 10. Januar 2020

KW 2, 2020: Die luserlounge selektiert

Quelle: commons.wikimedia.org
(ms/sb) Klar, hier geht es um Musik. Doch wenn Scheiße passiert, dann müssen wir es benennen. Und die passiert seit 15 Jahren unverändert. Am 7. Januar vor fünfzehn Jahren wurde Oury Jalloh verbrannt in einer Zelle in Dessau aufgefunden. Die Beweislage ist klar, dass er sich nicht selbst angezündet hat oder haben kann! Es war also Mord. Klar. Bis heute wird das Verfahren nicht neu aufgerollt. Es scheint Menschen zu geben, die das offensichtlich nicht wollen. Dass da Leute bei der Polizei arbeiten, die so etwas getan haben könnten. Das darf kein Abwatschen gegenüber der Polizei sein. Doch es erschüttert genauso das Vertrauen, wenn der Mordfall Oury Jalloh nicht neu aufgerollt wird!

So. Freitag. Musik. Luserlounge. Selektiert. Ab geht's:

Monako
(sb) Manchmal nimmt das Leben seltsame Wendungen und so verschlug es Sadek Massarweh mit 20 aus seiner kanadischen Heimat nach Hamburg, wo er schon bald auf seinen heutigen Bandkollegen Jakob Hersch traf. Aus einer Bekanntschaft wurde musikalische Zusammenarbeit und schon bald eine Band namens Monako, die heute aus sechs Personen besteht und es gar nicht einsieht, sich auf ein Genre zu beschränken. Das künstlerische Selbstverständnis des Sextetts verbietet es geradezu, sich zu limitieren und so wandeln Monako auf ihrer EP Take Care (VÖ: 17.01.) zwischen Rock, Folk und R'n'B und lassen dabei auch sphärische Klänge nicht zu kurz kommen.

Das dürfte auch live bestens funktionieren, also lasst es Euch nicht entgehen:

21.04.20 Schon Schön (Mainz)
22.04.20 Import/Export (München)
23.04.20 Substage Café (Karlsruhe)
24.04.20 Z-Bau (Nürnberg)
25.04.20 Jugendcafé (Zwiesel)
29.04.20 Monarch (Berlin)
06.05.20 Blue Shell (Köln)
09.05.20 Uebel & Gefährlich - Turmzimmer (Hamburg)


Deadyard
(sb) Barcelona, Katalonien, Spanien. Punkrock'n'Roll und zwar ziemlich kompromisslos - das sind Deadyard, eine hierzulande bislang noch recht unbekannte Kapelle, die aber daran arbeitet, dies schnellstmöglich zu ändern. The Escapist Song ist der erste Vorbote des am 16.01. erscheinenden Albums Armageddon It! und macht durchaus neugierig. Ob diese morbide Stimmung, die vor allem das Video verbreitet, auch auf Albumlänge funktioniert? Wir sind vorsichtig optimistisch und freuen uns schon auf mehr!



Hotel Hotel
(ms) Diese Worte haben die Geschmacksnerven angeregt: Die neun Lieder geben den dunkelsten menschlichen Erfahrungen Raum. Sechs mit Gesang, drei instrumental. Der rote Faden durch das Album ist, dass die Texte einen dunklen Gemütszustand und dieser von der Musik aufgegriffen wird.
So. Klingt ja super. Außerdem: Die Band, von der geschrieben wird, Hotel Hotel, kommen aus Norwegen, Bergen. Meine erste Assoziation: Hier wartet ein schweres, ausgetüfteltes Hardrock- oder Metal-Brett auf dich, das durch die Struktur der Lieder das Blut gefrieren lassen.
Tja, so kann man sich täuschen. Aber das ist nicht schlimm.
Denn Hotel Hotel machen langsamen, melancholischen Folk-Country-Blues-Gitarren-Pop. Ups! Doch wahrscheinlich passt die oben erwähnte Beschreibung zu diesem Genre noch viel besser. Wenn die Stimme von Sänger Vegard Urne bewusst zittert, die Fiddle von Annlaug Børsheim eine ungeheure Sehnsucht ausdrückt, dann verdunkelt sich schnell mal das innere Auge. Doch Hoffnung ist immer noch da. Und sie stirbt auch nicht. Noch nicht mal am Ende! Hört euch durch, passt zum aktuellen, extrem grauen Herbstwetter! Ihre Platte Heaven's Will erscheint am 24. Januar! Drücken wir den Jungs die Daumen, dass sie hierzulande ausreichend gehört werden!



Agnes Obel
(ms) Das geht direkt durch Mark und Bein und strotzt dabei vor zarter Schönheit. Ein Lied übers Schlafen, Schlafenwollen, nicht-schlafen-Können, Unterbrechung des ganzen und der ach so erstrebenswerten Sehnsucht, dass diese endlich befriedigt wird. In der Nacht, wenn man sich von links nach rechts windet, die Unruhe zu groß und das Kissen doch so wunderbar weich ist. Am Morgen, wenn doch die Pflicht ruft und es unmöglich ist, einfach im wohligen Ort der Ruhe zu verweilen. Verzweiflung. Ermattung.
Was hilft?! Klar, Kaffee. Aber auch dieses herausragende Lied von Agnes Obel, die genau diese Situationen in einen Song packt und ihn passenderweise Broken Sleep nennt. Der Track besticht mit einer irren Schlichtheit: nur Gesang und ein paar bedachte Klavierloops. Das ist große Kunst. Gut, dass der Text unterm Video einzusehen ist. Durch die kleinen Wiederholungen und Verschachtelungen wird der wahre Kern der künstlerischen Gestaltung diesen Liedes erst klar. Wow!
Zum Glück gibt's davon bald mehr, denn am 21 Februar erscheint ihr neues Album Myopia auf Deutsche Grammophon. Das spricht für sich und könnte ganz groß werden.
Wir haben das große Glück, dass sie bald auch schöne Häuser in unseren Gegenden bespielen wird. Augen auf und hin da!

29.02. Köln, Carlswerk Victoria
01.03. Mannheim, Capitol
02.03. Hamburg, Laeiszhalle
04.03. Wien, Arena
05.03. Zürich, Samsung Hall
16.03. Berlin, Admiralspalast
17.04. München, St Matthäus Kirche



The Growlers
(sb) "The biggest band you've never heard of" - Humor beweisen The Growlers mit dieser Selbsteinschätzung schon mal und wenn es nach uns ginge, dürften ruhig ein paar Leute mehr die Musik der Kalifornier kennenlernen, deren World Tour sie demnächst auch in unsere Breitengrade verschlagen wird. Mit im Gepäck sein wird auch die neue Single Try Hard Fool aus ihrem im Oktober erschienenen Album Natural Affair, dem bereits sechsten Longplayer des Sextetts. Der Stil der Band aus Costa Mesa pendelt dabei gekonnt zwischen Pop-, Rock-, Surf- und Beat-Klängen, weiß aber auch mit gelegentlichen Balladen zu gefallen. Dass The Growlers sich nicht nur auf der Bühne wohl fühlen, beweisen sie mit der Ausrichtung ihres eigenes Festivals namens "Beach Goth", auf dem u.a. schon Die Antwoord, Julian Casablancas (The Strokes), The Drums, Bon Iver, die 2 Live Crew, Violent Femmes, Modest Mouse und die Yeah Yeah Yeahs zum Line-Up gehörten.

05.02.20 Hamburg - Mojo
06.02.20 Dresden - Beatpol
07.02.20 Berlin - Astra
08.02.20 Köln - Live Music Hall
10.02.20 München - Muffathalle
11.02.20 CH-Zürich - Kaufleuten
15.02.20 Frankfurt am Main - Gibson




ITCHY
(ms) Zum Schluss noch einmal Punk! Und zwar schnörkellos, kurzweilig, humorvoll, ja: frech. Und das von einer Band, die vor wenigen Jahren erst ihren Namen geändert, gekürzt hat: ITCHY. Aber natürlich immer noch groß geschrieben! Nun gibt's noch mehr Neuerungen. Denn das Trio aus dem Umfeld von Göppingen veröffentlicht am 7. Februar ihr neues Album Ja Als Ob. Genau, richtig gelesen! Hier wird jetzt auf Deutsch gesungen. Und was bei den Donots ja so wunderbar geklappt hat, geht hier auch runter wie Öl. Der neuen Platte folgt die größte eigene Tour! Für eine Band, die es seit neunzehn (19!) Jahren gibt eine aufregende Änderung, ein verdienter Erfolg nach vielen Releases und gut 1000 Konzerten in ganz Europa! Also: Album holen, Ticket besorgen, Pogo tanzen!

19.03. Wiesbaden - Schlachthof
20.03. Köln - Live Music Hall
21.03. Hamburg - Markthalle
27.03. Dresden - Beatpol
28.03. Berlin - Festsaal Kreuzberg
03.04. Nürnberg - Hirsch
04.04. Prag - Rock Cafe
17.04. München - Backstage
18.04. Wien - Flex
24.04. Zürich - Dynamo
25.04. Stuttgart - LKA Longhorn

Mittwoch, 8. Januar 2020

Geht auf klassische Konzerte!

So, oder so ähnlich. Quelle: westfalen-blatt.de
(ms) Es muss nicht immer die verstärkte Gitarre, der treibende Bass, das temporeiche Schlagzeug, die ballernden Beats oder das klingende Keyboard sein. Nein. Wahrlich nicht.
Klar, dieser Blog befasst sich zu einem Großteil mit elektronisch verstärkter Musik. Doch in den letzten Monaten und Jahren ließen wir ab und an auch KünsterInnen des Genres Neo-Klassik (oder wie auch immer) durchschimmern. Und ob es nun Martin Kohlstedt, Ólafur Arnalds, Nils Frahm oder Anne Müller ist... wir sind stark begeistert, denn diese Art und Weise von Musik strahlt eine ungeheure, schwer zu beschreibende Faszination aus. Es liegt ein Zauber in diesen leisen, wohlbedachten Tönen.

Doch es geht noch eine Spur - gewissermaßen - extremer. Und das oft für lau und nebenan. Geht mal bei Euch in die Nachbarschaft zur nächsten Kirchengemeinde. Diese hat oft einen Aushang vor ihrem Gebäude, wo Verstaubtes oder auch Neues zu lesen ist. Häufig sind bei den Neuigkeiten Konzertankündigungen dabei. Die meisten Kirchengemeinden haben einen eigenen Chor, Posaunenchor, Organisten und sind gut vernetzt mit anderen Ensembles. Die treten im Inneren des Gebäudes regelmäßig auf. Geht da mal hin. Häufig ist das auch für freien Eintritt und eine Spende am Ende hat noch niemandem geschadet.
Warum plädiere ich dafür?
Zum Einen muss bei diesen Veranstaltungen dringend der Altersdurchschnitt und in der Kleidung die Farbe Beige gesenkt werden. Zum Anderen versprüht die dargebotene, meist geistliche Musik durch Chor oder Orchester einen ähnlichen Zauber wie Pop, Rock, Rap, Metal, ...
Wie kann das angehen? Die Freude der Singenden kann genauso überschwappen wie in einem verdunkelten Club. Klar, auf den Holzbänken herrscht etwas weniger Bewegung und der Alkoholpegel ist auch gleich Null, doch das Bewundernswerte, das der Musik stets innewohnt, ist dort genauso zu verspüren wie in einer größeren Halle. Wenn eine Trompete durch die Kirchenmauern schallt, kann das Gänsehaut verursachen. Denn: Die Akustik in Kirchen ist meistens großartig! Selbst eine fein gezupfte Geige oder ein Gesangssolo können die Mauern bis zum Rückenmark durchdringen. Und ist es nicht genau das, was uns stets so begeistert? Dass wir glücklich und auch etwas berauscht nach einem Konzert nach Hause gehen?! Das geht auch bei einem klassischen Konzert für lau nebenan in der Kirche.
Außerdem tut ein bisschen Verbundenheit mit den Menschen vor Ort gut. Und: Jeder kennt bestimmt eine/n, der/die auch in einem Chor singt oder ein Instrument zu spielen weiß. Diese Leute können mit funkelnden Augen davon berichten, wie wunderbar es ist, vom Altar herunter zu singen. Der Schreiber gehört dazu.
Zum Schluss: Die Menschen, die uns die Abende und Nächte in Clubs und auf Festivals versüßen und gestalten und verzaubern... diese Leute ziehen zu einem gewissen Teil ihre Energie und ihre Quellen genau da raus. Aus klassische in der Kirche dargebrachte Musik.
Also: Arsch hoch und auf geht's!

So festlich kann es klingen:

Freitag, 3. Januar 2020

KW 1, 2020: Die luserlounge selektiert

Quelle: astronlogia.com
(sb/ms) Wir wünschen Euch natürlich auch ein wundervolles, neues, lautes, leises Jahr mit vielen bleibenden Musikmomenten. Wenn wir ein wenig dazu beitragen können, sind wir glücklich und zufrieden.
Das es auch anders laufen kann, beweisen traurige Berichte aus dem vergangenen Jahr. Denn: Kann Musizieren gefährlich sein?! Offensichtlich schon, wenn sie zu kritisch ist und du als Musiker im gewissermaßen falschen Land lebst und veröffentlichst.
Zu vier Jahren Haft wurde der türkische Rapper und Produzent Server Uraz in 2019 verdonnert. Junger mit endlosen Effekten versetzter Rap ist nicht nur hier beliebt und sehr erfolgreich, sondern auch in der Türkei ein Ausdrucksmittel der jungen Generation. Ob es gerade in dieser Gegend besser wird?! Wir zweifeln...

Doch wir wären nicht die Luserlounge, wenn wir Euch freitags nicht ein paar Neuigkeiten und Perlen aus der Musikwelt präsentieren würden. Wir haben auch in der ersten Kalenderwoche des Jahres für euch: selektiert!

OVE
(ms) Just erst bei der Abschiedstour von Honig im Bahnhof Pauli gewesen, schon folgt die nächste bedrückende Nachricht aus dem Musikkosmos. Denn OVE wird aufs Abstellgleis verfrachtet. Ove Thomsen wird sein Solo-Projekt auf Eis legen, was natürlich schade ist. Denn: Bei aller verkopften, schweren, ironischen und tiefgehenden Musik ist es nur allzu erfrischend, wenn so etwas stets gut Gelauntes und Lockeres, Heiteres aus den Boxen schallt. Dafür steht der norddeutsche Lockenkopf mit seinem Namen. Doch Gründe, privat und/oder musikalisch neue/andere Wege zu gehen, gibt es mannigfaltige und so sei es ihm vergönnt. Vielleicht hat der Umzug nach Köln ja endlich mal geklappt?! Wer weiß. Doch auch OVE verabschiedet sich mit einem Knall aus dem Hamburger Knust am 27. Februar. FreundInnen werden die Bühne teilen, zum Beispiel die von uns auch sehr empfohlenen Das Paradies. Es ist ein Donnerstag, doch wir sehen uns am Lattenplatz mit einem weinenden und einem lachenden, singenden Auge. Seid ihr dabei?!



Calle Hamre
(ms) Als Musiknerd befasst man sich ja nicht nur mit der aktuellen Musik seiner favorisierten Bands, den neusten Bestätigungen für interessante Festivals oder den Funktionsweisen des Geschäfts Musik. Sondern auch mit den Personen, die nur so halb im Vordergrund stehen. Calle Hamre aus Norwegen gehört dazu und soll hier als Beispiel fungieren. Sänger, Komponist, Schlagzeuger, Produzent, Tausendsassa. Seine eigene Band Butterfly Effect hat einige Platten veröffentlicht. Doch nun wagt er den weiteren Schritt ins Rampenlicht und veröffentlicht am 10. Januar sein Solo-Debut But My Love Goes To Eleven. Ob er hierzulande nennenswerte Erwähnung widerfährt, bezweifel ich, wünsche es ihm dennoch von Herzen. Denn: Diese Platte ist absolut zauberhaft. Es ist wundervollste Indiegitarrenmanier, Lieder mit Gefühl, Ehrlichkeit und Zauber. Es ist ein äußerst solides Album, das man aufmerksam und auch nebenbei hören kann - hier bitte als Kompliment verstanden. Einfach mal ein wenig Tempo und Schnickschnack und Ironie und Zynismus rausgenommen und das, was so begeistert hinzugefügt: Herz! Ja, so einfach ist es.



Hannes Wittmer
(ms) Er begleitet mich nicht nur seit Jahren musikalisch und gedanklich, sondern servierte mir im vergangenen November eines der schönsten Konzerte, die ich je erlebt habe: Hannes Wittmer. Klug, lustig, fein, aufrecht. Als Gruß zum neuen Jahr veröffentlichte er ein kleines Lied. Die Handyaufnahme hat zwar nicht die allerbeste Qualität, aber der Inhalt ist so wundervoll. Er singt darüber, wie Nähe und Zuneigung dabei helfen, nicht zum Zyniker zu werden. Denn von den Verbitterten lassen wir uns nicht verbittern. Ab dafür:



Nada Surf
(ms) Bei sehr langen musikalischen Wegbegleitern frage ich mich, was ich tun würde, wenn sie aufhören sollten. Ein wenig Angst habe ich vor der Pause von meiner Herzensband Kettcar. Eine andere Konstante, die mich seit vielen, vielen Jahren zuverlässig und treu begleitet ist Nada Surf. Klar, die Band wird keine großen, die Musikwelt erschütternden Erfolge mehr verzeichnen, zu groß sind die eigenen bereits hinterlassenen Fußstapfen. Umso schöner, dass sie nicht aufhören, neue Musik zu machen. Und diese knüpft an alte Werke an. Bestes Beispiel die aktuelle Single Looking For You, wozu es ein simples, aber irgendwie auch sehr schönes Video gibt. Was sie tun: Gefühle wie keine anderen warm und menschlich beschreiben und unermüdlich allerbesten Indierock zu spielen. Wundervoll der Chor zu Beginn und wie das Lied sich immer weiter entwickelt. Der Track spielt am Anfang ja schon an 80 Windows an, oder?
Ja, die drei - ach, nee, sind ja mittlerweile mit Doug Gillard zu viert - aus New York sind unter den Kleinen die Allergrößten. Und die Vorfreude auf das neue Album Never Not Together, das am 7. Februar erscheint, ist riesig. Zum Glück kommen sie erneut in unsere Breitengrade:

27.02.2020 - Köln, Live Music Hall
06.04.2020 - Stuttgart, Im Wizemann
09.04.2020 - München, Muffathalle
11.04.2020 - Berlin, Metropol
12.04.2020 - Hamburg, Fabrik

Mehr oder weniger unverständlich als Support von Madsen hier unterwegs (sollte ja - wenn überhaupt - bitte anders herum sein):

03.04.2020 - Hannover, Swisslive Hall
04.04.2020 - Leipzig, Haus Auensee
10.04.2020 - Berlin, Columbiahalle
17.04.2020 - Bremen, Pier 2
18.04.2020 - Dortmund, Warsteiner Music Hall



Deichbrand Festival
(ms) Ungefähr 110 Kilometer liegen zwischen Scheeßel und Nordholz. Damit sind zwei der größten deutschen Festivals relativ nah aneinander. Das Hurricane und das Deichbrand. Und die richtig musikverrückten Norddeutschen gehen einfach auf beide Veranstaltungen. Die Größe spräche natürlich gegen einen Besuch von beiden. Doch der Gemeinschaftscharakter kann meist bei einem Event dieser Größenordnung umfangreicher befriedigt werden, daher geht es dieses Jahr auch wieder zum Deichbrand. Deren Motto Festival an der Nordsee ist natürlich Quatsch. Die allerwenigsten sehen an diesem Wochenende die See, obwohl es nur gut 17 Kilometer zum Strand sind. Trotz irrer Größe, hoher Bepreisung und Jever vor Ort, sind die Acts halt auch immer mieser. Oder: Wer sind Steve Aoki, Bausa, Apache 207, Finch Asozial oder 102 Boyz?! Oder sind wir jetzt wirklich zu alt dafür?! Egal, denn die Vorfreude auf tolle Gruppen und KünstlerInnen wie Enno Bunger, Steiner & Madlainer, The Lytics, Mono Inc., Muff Potter, Danko Jones, Maximo Park oder Dropkick Murphys ist groß. Und ich gebe auch ganz unumwunden zu, dass ich mich sehr auf Nightwish freue!
Also: Alle Aufregung nur pseudo? Spätestens im Sommer werden wir berichten!