Freitag, 21. September 2018

KW 38, 2018: Die luserlounge selektiert

Quelle: dribble.com
(ms/sb) Alltag ist gut. Das Regelmäßige, Vertraute. Doch Urlaub ist doch viel besser. Und den haben wir jetzt hinter uns. Der eine mit Familie in Italien, der andere mit Partnerin in Portugal. Beides können wir Euch nur ans Herz legen. Massiver Sonnenschein, gutes Bier abseits von der großen Industrieplörre, phantastische Landschaften, herzliche Einheimische und ganz, ganz weit weg sein, auch mit dem Kopf. Zudem noch feinste Strände, unrealistisch blaues Wasser und dieses super frische und leckere Essen ist ja kaum zu glauben. Doch was freut uns daheim am meisten? Genau, die Boxen wieder aufdrehen. Bitte sehr:

Adam Naas
Manch einer fühlt sich bei Adam Naas ja sowohl optisch als auch musikalisch an den jungen Prince erinnert, zu dessen Weltkarriere fehlen dem Franzosen aber noch einige Hits und Jährchen. Was nicht ist, kann ja noch werden und er arbeitet dran. The Love Album erscheint heute digital, am 05.10. dann physisch und sprüht nur so vor Laszivität. Zugegebenermaßen nicht so mein Musikgeschmack, aber halt schon unverschämt sexy.



Some Sprouts
Wir hatten Euch Some Sprouts kürzlich schon mal vorgestellt, wollen unsere Begeisterung heute aber nochmal bekräftigen. Lasst Euch die Tour der Oberpfälzer, die zuletzt u.a. auch als Support der großartigen We Are Scientists zu sehen waren, nicht entgehen. Die Daten findet Ihr: HIER!
Die EP IMMT folgt dann am 19.10. und dürfte sehr stark werden. Wir freuen uns schon drauf.



Schraubenyeti & Das Mammut
Klingt erstmal ähnlich abgefahren wie Käpt'n Peng & Die Tentakel von Delphi oder Olli Schulz und der Hund Marie oder Swiss & Die Andern, entpuppt sich dann aber als deutlich bodenständiger und ruhiger - und das ist nicht nur gut so, sondern wirklich sehr hörenswert. Keinen Hip Hop, keinen Punk, sondern gefühlvolle Popmusik findet man auf heute. gestern. (VÖ: 12.10.), dem neuen Album von Schraubenyeti & Das Mammut; neben melancholischen Liebesliedern befasst sich der Künstler auch mit ernsteren Themen wie Populismus und Depression und macht Lust auf die bevorstehende Tour.



Neonschwarz
Wir mögen die Hamburger Neonschwarz. Und das nicht nur, weil sie live so irre gut sind. Und das nicht nur, weil ihre bisherigen Alben ganz großartig waren. Und das nicht nur, dass ein Neues in den Startlöchern steht. Und das nicht nur, weil sie bei den Helden von Audiolith unter Vertrag stehen. Sondern hauptsächlich weil sie klug, gewandt und sehr aufmerksam sind. Zum Stand der politischen und gesellschaftlichen Dinge haben sie mit 2014 und 2015 schon ausführlich Stellung genommen. Und was sind das bitte für irre Wochen? Ein wilder Nazi-Mob in Chemnitz, ein riesiger Polizeieinsatz gegen einen Wald zwischen Aachen und Köln und dann der nicht mehr zu verstehende Umgang mit Herrn Maaßen. Bitte Neonschwarz, ihr habt das Wort zu 2018:



Jerry Paper
Wir haben heute mit einem extrem sexy Typen angefangen und hören mit einem extrem sexy Typen auf: Jerry Paper. Na gut, das ist eher der Name, hinter dem sich Lucas Nathan verbirgt, der allerhand Instrumente spielt und irre Musik macht. Alle, die Easy Listening lieben, werden hier auf Wolke 7 schweben. Denn dies ist eine Musikrichtung, die zu Unrecht als langweilig charakterisiert wirst. Der funkige Schwenk besticht, die Melodien beflügeln und entspannen. Zudem ist das Video zu My God eines der witzigsten seit Langem. Denn darin werden wesentliche Fragen beantwortet: Wird man nach dem Tod wiedergeboren? Lohnt es sich, alle Belege und Quittungen aufzuheben? Und: Was macht Gott eigentlich den ganzen Tag und wie sieht er aus? Sein Album Like A Baby erscheint am 12. Oktober und könnte wirklich ganz, ganz groß werden:



Dienstag, 18. September 2018

William Fitzsimmons - Mission Bell


(sb) Stell Dir vor, Du nimmst zusammen mit einem langjährigen Freund ein Album auf, steckst da all Deine Emotionen rein, arbeitest über Monate hinweg alles auf, was Dich bewegt, öffnest Dein Herz und bist quasi fertig und ready für den Release. Und dann stell Dir vor, dass Dir just in diesem Moment Deine Frau eröffnet, dass sie Dich nicht mehr liebt, dass sie die Ehe beenden will und zu allem Überfluss auch noch seit Monaten eine Affäre mit oben genanntem langjährigen Freund hat. Kannste Dir nicht ausdenken, oder?

„Während wir tagsüber zusammen an der Musik arbeiteten, verbrachte sie nachts die Zeit mit ihm. Im Laufe einer einzigen Unterhaltung hatte das Leben, das ich zu haben glaubte, aufgehört zu existieren. Das galt auch für das Album, das ich gerade vollendet hatte.“ So nüchtern analysiert William Fitzsimmons eine Situation, in die man niemals kommen möchte und die doch so gut zum Meister der Folk-Melancholie passt, der es noch nie so arg leicht im Leben hatte.

Doch Gott sei Dank schaffte es Fitzsimmons auch dieses Mal wieder, sich selbst aus dem Sumpf zu ziehen und traf den aus Nashville stammenden Produzenten Adam Landry, der überzeugt davon war, dass er das Albumprojekt nicht nur retten, sondern es besser machen könne, als der Sänger es vielleicht jemals für möglich gehalten hatte.

Klar, ich kenne das ursprünglich geplante Album nicht, aber ja: Mission Bell ist ein verdammtes Meisterwerk! Ich höre William Fitzsimmons ja schon seit Jahren sehr gerne, war aber häufig von den Studioaufnahmen etwas enttäuscht, weil sie einfach nicht mal ansatzweise an die Intensität der Liveauftritte des Amerikaners heranreichten. Dies ändert sich nun eindrucksvoll: schon der Opener Second Hand Smoke jagt dem Hörer eine Gänsehaut über den Rücken und das zieht sich 40 Minuten lang durch.

Textlich liefert Fitzsimmons sein (über die gesamte Spielzeit betrachtet) mit Abstand bestes Album ab, die Arrangements sitzen perfekt, die karge Instrumentierung unterstützt die melancholische Stimmung zusätzlich und in den letzten Sekunden der Scheibe wird’s doch tatsächlich mal laut.

Foto: Shervin Lainez (GroenlandRecords)
Doch lassen wir den Künstler selbst zu Wort kommen: „Mission Bell ist nicht nur das Resultat der Asche eines gescheiterten Albums und einer gescheiterten Phase meines Lebens, sondern auch die Wiedergeburt des Wunsches und des Ziels, etwas zu schaffen, was zutiefst ehrlich, auf höchst unbequeme Weise persönlich und vollkommen leidenschaftlich sein würde. Es entstand mit absoluter Hingabe, ohne Rücksicht darauf, was ich jemals vorher gemacht hatte oder was noch in Zukunft kommen würde. Entstanden in einem Moment, wo ich so verletzlich und angreifbar war wie nie zuvor. Das ist der Grund, warum ich bis heute auf diese Arbeit so besonders stolz bin. Ich wollte diese Platte eigentlich nicht machen, aber sie ist das Beste, was mir je gelungen ist. Das Album beschäftigt sich mit dem Auge des Sturms, mit der Erkenntnis, dass das Leben, wie du es kanntest, mit einem Mal verschwunden ist. Es ist der Moment, bevor, während und gleich nachdem alles über dich einstürzt, und du dich im nächsten Augenblick verloren, einsam und jeglicher Hoffnung beraubt wiederfindest. Ein Album voller Schmerz, aber paradoxerweise auch voller Freude. Ich teile dieses Album mit Dankbarkeit im Herzen und mit dem Wissen, dass durch das Leiden auch die Möglichkeit entsteht, neue Lebensfreude zu gewinnen.“

Der Dank ist ganz meinerseits für dieses wundervolle Album und dafür, dass der Künstler uns Hörer einmal mehr an seinem Leben, seinen Gefühlen, seinen Ängsten und Hoffnungen teilhaben lässt. Es würde mich nicht wundern, wenn Mission Bell (VÖ: 21.09.) am Ende des Jahres unter meinen Top 5-Alben 2018 landen würde.

Wer die Möglichkeit hat, William Fitzsimmons live erleben zu können, der sollte sich diese Chance nicht entgehen lassen. Ich war bisher jedes Mal schwerstens beeindruckt und tief berührt von seiner Performance. Hier die Termine:

02.10.  Dresden, Beatpol
04.10.  München, Technikum
08.10.  Stuttgart, Im Wizemann
17.10.  Hamburg, Grünspan
24.10.  Berlin, Heimathafen






Freitag, 7. September 2018

KW 36, 2018: Die luserlounge selektiert

Bild: fictionaltvstations.wikia.com
(sb) Freitag wird selektiert - zumindest in dieser Woche noch, denn nächste Woche sind wir beide im Urlaub und so darf sich auch die Selektion eine Verschnaufpause gönnen. Doch schon heute wird es eine extrem abgespeckte Version unserer ge- und beliebten Rubrik geben, denn vor lauter Arbeit und Packen kommen wir gar nicht groß dazu, uns mit den musikalischen Neuheiten der Woche zu beschäftigen. Lange Rede, kurzer Sinn: Einfach auf die Videos klicken und sich selber ein Bild machen!

Lässing
Es war nicht alles schlecht! Oder doch? „Gib mir diese Pizza und ich fahr sie dir da hin!“ Mit diesem Satz beginnt Lässings dritte Single „I Was A Teenage Aushilfskraft“. Top motiviert, 3er Golf Variant, Fenster runter, Sommernacht, Hitradio auf Anschlag und mit beschlagenen Scheiben auf dem Weg zu jemandem, der einen freudig erwartet - das ist Erfüllung im Job! Aber seien wir mal ehrlich, egal ob als Pizzafahrer, im Baumarkt, an der Tanke oder auf dem Bau, rückblickend werden diese unschuldigen Jahre doch oft stark romantisiert, oder?
 
 
Metric
Metric haben kürzlich mit "Dark Saturday", "Dressed To Suppress" und "Now Or Never Now" gleich drei Songs aus ihrem neuen Album "Art Of Doubt" veröffentlicht, das am 21.09.2018 das Licht der Welt erblicken wird. Nach einer ausgedehnten US-Tour mit den Smashing Pumpkins kommen Metric demnächst auch zu uns:
 
30.10. Hamburg, Knust
31.10. Berlin, Kesselhaus
05.11. München, Technikum
14.11. Frankfurt, Gibson
 
 
 
Moop Mama
Sollte man eh kaufen, weil Moop Mama. Live überragend und auch von der Scheibe seeeeeeeeeeeeehr nice! "Ich" erscheint heute und bringt der Menschheit mal wieder feinsten Brass-Sound gepaart mit großartigen Texten.
 
 
 
L'aupaire
Gerade erst Papa geworden und schon wieder ne neue Single am Start: bei L'aupaire läuft's gerade ordentlich rund, wie es scheint. Sein letztes Cover "Dancing In The Moonlight" wurde bereits über 2,5 Millionen mal gestreamt, das dazugehörige Video verzeichnet bei YT mittlerweile über 18 Millionen Klicks. Nun hat er sich also "Cool Kids" von Echosmith vorgenommen - wieder mal außerordentlich gut gelungen!
 

KW 37, 2018: Die luserlounge selektiert

primenumbermagazine.com
(ms/sb) Die luserlounge ist im Urlaub, selektiert aber trotzdem. Da uns neben der Musik und dem Fußball noch ein weiteres Hobby verbindet, wollen wir Euch nicht vorenthalten, was unsere Urlaubsziele so zu bieten haben. Von der Industrieplörre bis hin zum feinen Craftbier ist da so einiges am Start - obwohl wir eigentlich durchaus wählerisch sind (Selektion halt!), lassen wir uns bei entsprechenden Angeboten in der Sonne des Südens nicht zweimal bitten und erfrischen uns mit Hopfensmoothies aller Art. Es müssen ja nicht immer Augustiner, Tegernseer, Giesinger oder ähnliche Spezialitäten, nein, die luserlounge ist anpassungsfähig und die Braumeister Italiens und Portugals machen das ja auch nicht zum ersten Mal.

So, in diesem Sinne: Prost! Ab nächster Woche beschäftigen wir uns dann auch wieder mit Musik. Versprochen! Echt jetzt!


pintsandpubs.wordpress.com

 
bodecall.com

thisdrinkinglife.com

tripadvisor.co.uk

amobrewing.pt

ameblo.jp

dinheirovivo.pt

portal.kuemmerle.eu

Dienstag, 4. September 2018

Therapy? - Cleave

https://www.facebook.com/Therapyofficial/
(sb) Es ist doch immer das Selbe mit Lieblingsbands, oder? Wenn die ein neues Album veröffentlichen, sind die Erwartungen ganz besonders hoch. In den meisten Fällen werden die Hoffnungen erfüllt, gelegentlich sogar übertroffen (klar, sonst wärs ja keine Lieblingsband), manchmal aber sitzt man nach dem ersten Anhören der Scheibe da und hofft, man möge sich doch recht bald an das Gehörte gewöhnen und es doch noch super finden, wenn man ihm noch eine zweite, dritte, vierte, fünfte oder wasweißichwievielte Chance gibt. Cleave von Therapy? ist so ein Album - nach dreimaligem Anhören bin ich noch nicht so weit, mich mit der mittlerweile 15. Studioproduktion der Nordiren angefreundet zu haben, aber ja: das Ding ist ein verdammter Grower!

War ich beim Vorgängeralbum Disquiet von Beginn an gefesselt und begeistert, musste ich diesmal nach dem ersten Anhören doch gewaltig schlucken, da ich anhand der Singleauskopplung Callow etwas komplett anderes erwartet hatte. Ich hatte mich ehrlich gesagt auf ein recht poppiges Album eingestellt, das an Disquiet und das 1994er Erfolgsalbum Troublegum (Nowhere, Screamager, Die Laughing etc.) anknüpft, aber weit gefehlt: Cleave lebt von griffigen Basslines und vermittelt sehr viel Wut und Ohnmacht. Schon der Opener Wreck It Like Beckett gibt den Weg vor, das folgende Kakistrocacy führt diesen konsequent fort.

https://www.facebook.com/Therapyofficial/
Erst Callow als dritter Track wird deutlich melodischer, aber das bleibt ein kurzer Ausreißer. Es ist ganz komisch: ich glaube ja, dass ich Cleave richtig geil fände, wenn ich nicht mit einer komplett konträren Erwartungshaltung rangegangen wäre, tue mir nun aber verdammt schwer, den Schalter umzulegen. Dabei hätte ich es durchaus wissen können, denn Therapy? veröffentlichen in den seltensten Fällen die Alben, die zu erwarten und logisch gewesen wären.

Auf Troublegum, das die Tür zum Rock-Olymp ein gutes Stück aufgestoßen hatte, folgte damals mit Infernal Love ein melancholisches Album - kommerzieller Suizid fast schon! Aber so sind Therapy? halt und genau deswegen sind seit mittlerweile 25 Jahren meine Lieblingsband...

https://www.facebook.com/Therapyofficial/
Aber zurück zu Cleave: es geht zornig weiter, eine positive Grundstimmung kommt auf dem Album recht selten auf und die Nordiren ziehen diese Linie konsequent durch. Ja, man muss sich darauf einlassen und ja, man muss in einer gewissen Stimmung sein, um das nicht nur zu ertragen, sondern mitgehen und sich reinfühlen zu können. Dann aber fühlt man sich zuhause, verstanden und findet sich in den Lyrics von Andy Cairns wieder. Michael McKeegan malträtiert seinen Bass vom Feinsten und Drummer Neil Cooper beweist einmal mehr, dass er zu den Besten seines Faches gehört.

Im Endeffekt ist es dann doch nur ein Track, mit dem ich so gar nicht warm werde (Dumbdown), der Rest wird mit jedem Hören besser und zugänglicher. Cleave schafft es dennoch nicht mal ansatzweise in meine persönliche Top 3 der Therapy?-Alben, die anfängliche Enttäuschung ist jedoch verflogen.








Freitag, 31. August 2018

KW 35, 2018: Die luserlounge selektiert

fictionaltvstations.wikia.com
(ms/sb) Das Konzert kommenden Montag in Chemnitz ist richtig und gut. #wirsindmehr wird ein Riesenevent. Es wird hochspannend sein, in welchem Ausmaß ein paar populäre Musiker eine große Menge an Menschen mobilisieren kann. Und anderen gesellschaftlichen, antirassistischen, humanistischen Gruppen scheint es nicht zu gelingen. Parteien zum Beispiel.
Dass auf dem großen Banner, was die Kundgebung ziert, explizit steht, dass es kostenlos ist, ist jedoch ein Witz. Dieser Hinweis hat darauf nichts zu suchen. Es sollte absolut selbstverständlich sein, dass so ein politischer Auftritt gratis ist. Niemand darf damit Geld verdienen. Und die großen Zugpferde wie Die Toten Hosen, Kraftklub, Marteria und Casper könnten die gesamte Organisation mit Sicherheit aus der Portokasse bezahlen. Nichtsdestotrotz ist es ein gutes, ausrufezeichenbehaftetes Zeichen, dass sich via Facebook (Stand: Donnerstagnacht) schon gut 20.000 Leute angemeldet und 97.000 weitere dafür interessieren. Auch das wird nicht einfach sein für die Polizei. Aber auch das sind ja alles nur Menschen und die bekommen das guten Gewissens hin. Man darf auf Montag höchstgradig gespannt sein!
Bis dahin liefern wir Euch den Soundtrack zum Wochenende:

Small Fires
Hamburg ist eine Perle, eine ganz hervorragende Stadt, die Künstler, Kreative, Tolle, Verrückte anzieht. Seit 2015 sendet die deutsch-britische Band Small Fires aus der Hansestadt herrliche Indiesongs raus in die Welt. Das Lied Backstroke kündigt ihr erstes Album an, das im kommenden Frühjahr erscheinen wird. Es ist intensiv, dicht und herrlich wenig opulent. Denn mit wenigen ausgesuchten und gut beherrschten Mitteln lassen sich auch ganz herausragende Zeilen und Melodien zaubern. Sie haben auch ein tolles Alleinstellungsmerkmal: Ben Galliers ist Sänger und Schlagzeuger in Personalunion. Sehr stark! Nach der Debut-EP One Beautiful Mess folgt dann die erste Langspielplatte! Hier der Vorgeschmack:




Some Sprouts
Blickpunkt Pop-Mastermind Marc Liebscher hat uns ja schon so einige tolle Künstler (Sportfreunde Stiller, Cosmic Casino, Roman Fischer, Fertig, Los! etc.) beschert und nun holt er wieder aus: Some Sprouts aus Regensburg verzaubern uns geradezu mit wunderschöner Popmusik und einer optisch sehr gelungenen Umsetzung ihrer neuen Single Mindcrush (VÖ: heute). Die EP IMMT folgt dann am 19.10. und wer die Oberpfälzer mal live sehen möchte, der hat demnächst ausreichend Möglichkeit dazu - weitere Termine sind in Planung:

05.10.18 Wien, Rhiz
06.10.18 Graz, Orpheum
12.10.18 Zürich, Outinsphere Festival
19.10.18 Regensburg, Degginger
25.10.18 Steyr, Röda
27.10.18 Regensburg, Popkulturfestival
30.10.18 München, Milla
31.10.18 Berlin, Musik & Frieden (tbc)
06.11.18 Hamburg, Molotow Skybar (tbc)
07.11.18 Düsseldorf, The Tube (tbc)
08.11.18 Köln, Stereo Wonderland (tbc)
16.11.18 Zwiesel, Jugendcafé (tbc)
22.11.18 Landshut, Rocket Club (tbc)
23.11.18 Viechtach, Altes Spital





Grzegorz
Als Produzent (z.B. für Kraftklub, K.I.Z. und Prinz Pi) hat Grzegorz Olszowka bereits die ein oder andere Goldene Schallplatte abgeräumt, jetzt greift er auch als Solokünstler an und legt am 26. Oktober sein Debütalbum 33 vor. Was erwartet uns? Aufgedröselte Pop- und Hip Hop-Strukturen treffen auf Alternative und Industrial und bis auf die Drums hat Grzegorz alle Instrumente selber eingespielt. Ein äußerst vielseitiges und interessantes Album, das Genregrenzen sprengt und neugierig auf mehr macht.




Distance Project
Achja, heute ist ja Freitag. Das heißt, dass das Wochenende endlich beginnt. Nicht wenige verbringen es ja in diversen Clubs und Discotheken. Die Frage am Anfang solch eines Besuchs ist dann ja stets, was wo für Musik läuft. Gerade wenn man in einer bunten Gruppe unterwegs ist, einigt man sich dann auf den kleinsten Nenner, 00er Jahre Hits oder sowas. Letztens habe ich hier ein wenig meinen Unmut über Technopartys ausgelassen. Das könnte sich nun mit Distance Project ändern. Dahinter steht Hannes Zellhofer und zugegebenermaßen ist es kein Techno, aber schon sehr starker Trance oder Ambient - tatsächlich kenne ich mich da in den Subgenres nicht so gut aus. Let Go ist kein Cover von Nada Surf, sondern eines der Songs aus seinem bald erscheinenden Album Trail Running Experience. Was im Video besonders zu gefallen weiß, ist, dass man dem Menschen hinter der Musik auf die Finger gucken kann: Super!



Razorlight
Ohne ganz große Namen kommen wir ja auch oft nicht aus. Razorlight gehören in jedem Fall dazu und wussten uns lange Zeit zu elektrisieren. Zehn Jahre waren sie von der Bildfläche verschwunden, eine irre lange Zeit! Haben sie doch den Geist der Zeit geatmet und in den magischen Jahren 2004 bis 2008 drei Alben veröffentlicht, denen der damalige Indiepop in die DNA geschrieben war. Kaum zu glauben, dass sie daran tatsächlich anknüpfen. Denn am 26. Oktober wird ihr neues Werk erscheinen; es wird auf den Namen Olympus Sleeping hören und seit wenigen Tagen sind schon ganze vier Tracks in voller Länge zu genießen: Japanrock gehört unter anderem dazu. Spürt ihr auch die Energie von damals?! Juhuuuu!



Sea Moya
Zum Ende hin wollen wir Euch noch ein wenig hypnotisieren. Den Soundtrack zu dieser kleinen Psychoübung liefern und Sea Moya und kommt ursprünglich aus Mannheim. Dass man da weg will ist nur verständlich und so haben sie sich für die Aufnahmearbeiten ihres anstehenden Erstlings für Montreal entschieden. Sie machen schwer zu beschreibende Musik, die einen frohen Gemütes sehr schnell in ihren Bann zieht. Die Synthies sind einfallsreich, die Percussion verschachtelt und der Gesang teils mehrstimmig. Das sind sehr schmackhafte Zutaten für hohen Musikgenuss. The Long Run ist die erste Auskopplung aus dem Album Falmenta, das am 12. Oktober über Majestic Casual Records erscheinen wird. Könnte sehr sehr geil werden:




Marteria & Casper
Ja, wir mögen Marten und Benjamin sehr gerne, die Soloalben der beiden sind meist ganz großes Kino und jeder für sich hat völlig zurecht seinen Stammplatz auf dem deutschsprachigen Hip Hop-Olymp erklommen. Was sich die beiden Künstler jedoch dabei gedacht haben, als Kollaborationsprojekt so einen Rotz in Albumform (1982, VÖ heute) zu veröffentlichen, wird wohl auf ewig ihr Geheimnis bleiben. Ist das ein Experiment, wie dämlich deutsche Plattenkäufer sind und wie sehr sie nur nach Namen (und nicht nach Qualität) kaufen? Brutal, ist das schlecht! Gerade textlich waren beide noch nie einfalls- und niveauloser als auf diesem Album und man kann nur hoffen, dass sie sich für ihre nächsten Soloscheiben wieder ihrer Stärken besinnen.




The Kooks
Seien wir mal ganz ehrlich: so geil wie zu Zeiten von Inside In/Inside Out werden The Kooks nie wieder sein. Sie waren jung, frisch, unverbraucht, neu und haben dem Brit-Pop und -Rock ihren eigenen, markanten Stempel aufgedrückt. Danach kam immer mehr Durchschnittliches aus Brighton, doch mit ihrem neuen Album Let's Go Sunshine (VÖ: 31.08., also heute) überraschen Luke Pritchard und Kollegen absolut positiv und knüpfen an alte Zeiten an. Die ganz große Magie wird zwar nicht versprüht, der Hörer wird aber 53 Minuten lang bestens unterhalten und darf in Erinnerungen an Ooh La, Naive und Jacky Big Tits schwelgen. Hach, so mag ich das...



Dienstag, 28. August 2018

Justice - Woman Worldwide

Foto: Hector Camacho
(ms) Es muss zwischen 2008 und 2010 gewesen sein. Es war die Hochzeit der richtig innovativen Indiemusik. In kurzen, regelmäßigen Abständen haben zahlreiche Bands aus den elektronischen und gitarrenverstärkten Genres umwerfende Alben veröffentlicht, von deren Magie und Energie man heute immer noch zehrt. Sie werfen einen voller Nostalgie in eine Zeit zurück, die verzaubert und großartig war. Zu dieser Zeit veranstaltete das Visions-Magazin eine Partyreihe in vielen Städten. Darunter war auch Bielefeld. Jeden ersten Freitag im Monat wurde das wunderbare Forum zum Mekka des guten Musikgeschmacks. Erst spielten zwei oder drei Bands und danach wurde getanzt. Da gab es eine Zeit, in der es uns jeden Monat dorthin zog. Für uns Leute aus der Kleinstadt eine irre Geschichte. Eine Phase, in der man viel neue Musik kennengelernt hat und die großen aktuellen Hits abzufeiern wusste.
Viele der Interpreten gibt es heute in der Form nicht mehr wie Bratze. Einige sind richtig groß geworden wie die Editors oder Franz Ferdinand oder The Killers oder The Hives. Andere waren damals schon phantastisch und sind es immer noch, wie Nada Surf. Dann gibt es noch Gruppierungen wie MGMT, die mit Oracular Spectacular ein überirdisches Album herausgebracht haben und danach einfach mies wurden, völlig bedeutungslos für die Indie-Szene.

Und dann gab es noch eine andere Band. Mit einem Remix bekannt zu werden ist zwar etwas billig, aber beweist auch eine gewisse Bauernschläue. Höre ich heute noch We Are Your Friends kann es sein, dass ich für wenige Momente alles um mich herum vergesse. Ein riesen Ding!
2007 begann dann der Siegeszug von Gaspard Augé und Xavier de Rosnay, die sich nun Justice nannten. Erstaunlicherweise haben sie danach innerhalb von zehn Jahren erst drei Studioalben veröffentlicht. † war noch sehr wild, Audio, Video, Disco wurde breiter und Woman blieb aufregend.
Letzte Woche ist nun zum Jubiläum das Mega-Release Woman Woldwide über Caroline erschienen. Es hat sage und schreibe eineinhalb Stunden Spielzeit und ist ein Ritt durch die eigene Bandhistorie.
Für ihre Liveshows haben sie immer schon die eigenen Lieder abgeändert und modifiziert. Sonst ließe sich einem Electronica-Duo live schnell und einfach vorwerfen, dass sie nur ihre Tracks abspielen, wenn sie auf Play drücken. Doch es ist Handwerk, es ist live gespielt. Die frühen Songs durchliefen also seit langer Zeit schon ein Transformationsprozess: Sie wurden größer, breiter, kleiner, schneller, langsamer, wuchtiger, feiner, derber, energischer, bassiger, luftiger, tanzbarer.

Man kommt beim Hören nicht drumherum, dass die gut neunzig Minuten den Adrenalinspiegel in ungeahnte Höhen schießen. Dabei gehen die Lieder ineinander über, es kommt einem vor wie ein Liveset. Nur halt als Studioversion. Clever und brutal. Denn ein tiefer Bass untermauert so gut wie jedes Lied. Und irgendwie ist es den beiden gelungen, das Album dadurch nicht langweilig zu machen. Zu abwechslungsreich sind die Originale, zu innovativ einzelne Hooks. So ist nicht und zugleich alles neu. Bei der Ankündigung um das Album war ich zunächst ein wenig skeptisch, was das denn soll. Nach mehrmaligem durchhören weiß ich genau, welchen Plan Justice damit verfolgt haben. Man kann ohne Probleme innerhalb eines Albums zehn Jahre Bandgeschichte durchlaufen. Und wenn man mehr oder weniger regelmäßig dabei war, erkennt man den Prozess und weiß sich zu den Originalen zurückversetzt: Zurück in die Zukunft!
Dance war damals schon klasse und einer der Tracks, der vielleicht am wenigsten abgeändert wurde. Auch Genesis macht in der neuen Version noch verdammt viel Spaß. Zugegebenermaßen war Stress damals schon ein furchtbar anstrengendes Lied, das mit dem gewaltbereiten Video provoziert hat; eine reine Wucht. Ein richtiges Brett, vor dem man sich hüten muss, ist auch Waters of Nazareth geworden, da knallt der Bass nur vor Energie durch die Decke. Phantom 2 beamt mich dann wiederum zurück ins stickige, paradiesische Bielefelder Forum! Stop bewahrt sich den Ruf als catchiger Hit. Zum Schluss gibt's noch die siebenminütige Essenz im Song DancexSASxFire.

Danach muss man erst einmal durchatmen.
Eine große, kalte Apfelschorle trinken. Oder einen Schnaps.
Woman Worldwide ist eine Wucht, lang und intensiv.
Das Album eignet sich sowohl zum ausdauernden Sporttreiben.
Als auch für den Start in ein nie enden wollendes Wochenende.
Morgens oder nach dem Feierabend sollte man guten Gewissens was anderes hören...
Doch dann schleunigst wieder diese Platte auflegen und laut drehen!