Mittwoch, 20. Mai 2026

Get Well Soon - Minus The Magic

Foto: Oskar Funke
(Ms) Let There Be Rock!

Wird ein fast totes Genre dieses Jahr wirklich wiederbelebt? Die Spatzen pfeifen es von den Dächern! Beyoncé und Charlie XCX lassen die Gerüchteküche brodeln. Wird der Dancefloor leer gefegt und kommen die geballten Fäuste zurück? Nein, nicht die Zuschlagenden, sondern die, die die Energie rauslassen wollen. Oder müssen. Eine Energie, die nur die verstärkten Gitarren erzeugen können!
In jedem Fall ist da reichlich Nostalgie dabei. Auch Konstantin Gropper schaut ein wenig zurück. Nun ist er in der Mitte des Lebens angekommen und legt mit Minus The Magic eine Platte vor für das gleiche Klientel: die Mitte des Lebens. Die Jugend ist definitiv abgeschlossen, die Findungsphase eventuell auch, da hat sich etwas Neues aufgetan. Das Erwachsenendasein bringt Herausforderungen mit sich, die vorher fremd waren: Wo kommt denn nun der Kick neben all dem Haushalt, Kinder von A nach B fahren, Unkraut jäten und Stromkosten im Blick halten?

Vielleicht mit dem Rock. 11 Tracks gibt es auf der neuen Get Well Soon-Platte zu hören. Zum ersten Mal hat er sie mit seiner Band live eingespielt. Auch das ein Trend, der vereinzelt zu beobachten ist - The Notwist taten es auf ihrer aktuellen Platte auch. Ganz neu sind einige Tracks aber gar nicht. Fünf Stücke gab es 2014 schon auf der The Lufthansa Heist-EP zu hören, die eingefleischte Gropper-Fans natürlich als 10“ im Regal stehen haben. Pfiffigerweise gibt es sie bei Spotify derzeit nicht mehr zu hören. Warum sie 12 Jahre später nochmal aufgelegt werden?! Der Musiker meint, er sei damals irgendwie zu jung für diesen rohen Klang gewesen. Vielleicht haben diese fünf extrem starken Songs auch einfach nur bis zum richtigen Moment gewartet, bis sie richtig knallen. Jetzt ist es soweit!

Denn knallen tut es eine Menge auf Minus The Magic! Wenn, dann halt richtig. Konstantin Gropper hat nie halbe Sachen gemacht. Es war immer schon alles wahnsinnig gut durchdacht. Und konzipiert. Denn auch die neue Scheibe ist - zumindest vom Sound her - absolut nach einem roten Faden ausgerichtet. Und sie scheppert so, wie diese Band noch nie gescheppert hat.
Ist diese Kraft genau die richtige, um in der Mitte des Lebens nochmal richtig Vollgas zu geben?! Zu 100%! Ich erlebte mich schon zu The 4-3 Days durchs Wohnzimmer springen - was für ein riesiger Spaß! 

Dieser erste Song hat es direkt komplett in sich! Und vielleicht waren Get Well Soon noch nie so passend eingängig wie auf einigen Tracks diesen Albums. Es wird Kurt Cobain - Konstantin Groppers Held der Jugend - gehuldigt, die grenzenlose Freiheit der Jugend wird abgefeiert, es strahlt an allen Ecken und Enden, die Verstärker sind aufgedreht.
Doch auch keine Get Well Soon-Platte ohne große Gesten. Sie funktionieren auch im Rock. Die erste Single OK ist ein hervorragendes Beispiel. Das Arrangement ist fulminant, die Saiten krachen und der Refrain will das Unmögliche möglich machen, Primzahlen teilen und Pantomime erzählen lassen. In der zweiten Strophe wieder eine Huldigung einer anderen Größe aus vergangenen Tagen: Robert Görl, der einst den Mussolini tanzen ließ. Das Ende des Tracks ist so herrlich Get-Well-Soonig vorhersehbar - kurz ausklingen lassen, um es noch einmal krachen zu lassen. Ein Rezept, das immer scho aufging. Genial! Beinahe schon komisch. Und das ist auch eine Seite des Multiinstrumentalisten. In all der Dramatik, die den Klang der Band immer ummantelt hat, ging stets unter, dass eine Spur Ironie und Witz stets vorhanden war. Ich erinnere mich an einen Auftritt, wo er meinte, doch lieber ein Witzbuch neben dem Mikro liegen haben zu wollen, um zwischendurch die Stimmung aufhellen zu wollen. Auch der Titel der Platte ist ja nicht ganz ernst gemeint. Nein, nein, die Magie ist in der Mitte des Lebens doch nicht vorbei. Sie ist halt nur woanders.
Zur Ironie passt auch The Golden Toilet Heist, eine wahre Geschichte, die sich in diesem Song verbirgt: 2019 wurde in England eine goldene Toilette namens „America“ aus einem Museum geklaut und wahrscheinlich eingeschmolzen. Das ganze soll nur fünf Minuten gedauert haben, eine mehr als das Stück lang ist. Ein Stück, auf dem es zum Ende hin in aller spannenden Atmosphäre ballert und scheppert. Konstantin Gropper schlüpft in die Rolle der Diebe und singt vom Nervenkitzel. Gänsehaut.
Und dann passiert etwas, das kaum vorhersehbar war: Ich dachte Us Vs Evil vom Vorgängeralbum war schon wild und heftig. Tja. Nun kommt When They Cheer You‘re Wrong und setzt neue Maßstäbe. Wut, noch schnellere Gitarren und ungeahnt bissige Seitenhiebe ins politische Establishment. Sang er 2010 noch von Angry Young Men ist er nun selbst ein zorniger, mittelalter Mann geworden, der am Ende dieses Songs mit Rhythmen und Erwartungen spielt und Boxen bersten lässt. Krass! Stark!

Auch zum Ende knallt und scheppert es wuchtig. Staying Home ist rockig-großartig und That‘s Not Me bildet das tolle Finale: mit zwinkerndem Auge und teils auf Französisch fragt Konstantin Gropper, dass es doch reiche, die Liebe fest zu krallen. Oder? Ja, klar! So endet ein überraschendes Album. Vier Jahre war es sehr, sehr still um Get Well Soon. Ich hatte schon Sorge, dass sich eine meiner liebsten Bands heimlich und leise verabschiedet. Umso lauter, krachender, frischer, griffiger sind sie 2026 da. Im zwanzigsten Jahr der Band, wenn zum Ende des Jahres eine weitere Platte kommen soll. Und Tourdaten. Und erstmal durchatmen nach diesen mitreißenden 46 Minuten und 43 Sekunden. Let There Be Rock!

01.06.2026 - Wiesbaden - Schlachthof
02.06.2026 - München - Ampere
03.06.2026 - Erlangen - E-Werk
04.06.2026 - Dresden - Beatpol
05.06.2026 - Berlin - Lido
06.06.2026 - Hamburg - Molotov
07.06.2026 - Köln - Gebäude9
20.06.2026 - Ulm - Ulmer Zelt


Sonntag, 17. Mai 2026

Live in Bremen: Voodoo Jürgens

Foto: luserlounge
(Ms) „Dann tanzt halt!“

Bevor am Samstag der Sielwall grün-weiß geflutet wird und während DJ Bobo in der ÖVB Arena spielt, passieren im Lagerhaus ganz andere, wunderbare Dinge. Voodoo Jürgens ist nämlich auf Tour und hat wieder im Viertel Halt gemacht, so wie zu den letzten beiden Alben auch schon. Gschnas heißt die aktuelle Platte und irgendwie ist die Veröffentlichung komplett an mir vorbei gegangen. Ich kannte bis zum Konzert kein einziges Lied. Und das bei einer Band, die mir doch sehr am Herzen liegt. Sachen gibt‘s…
Gschnas ist nicht nur ein tolles Wort und das neue Voodoo-Album, sonders es bezeichnet einen ausgelassenen Maskenball. Nein, maskiert war niemand im zu zwei Dritteln gefüllten Lagerhaus. Aber der Abend begann in jedem Fall gewissermaßen mysteriös.

Palinstar eröffneten einen wilden, tanzlastigen Abend. Das Schweizer Duo bestand aus Drummer und Sängerin/Gitarristin und ich bin mir nicht so sicher, ob beide selbst wussten, was in ihren Liedern genau passiert. Sicher hatte das alles einen Plan, aber einen derart scheinbar improvisierten Auftritt habe ich noch nie gesehen. Mal wuchtig, mal irre verträumt, mal zart und dann wieder kräftig. Viel verschobene Rhythmen, viele gebrochene Verse, aber wunderschönerweise insgesamt doch sehr harmonisch und melodisch. Die beiden haben irgendwie gezaubert. Das war toll!

Toll war auch, was gut 100 Minuten danach passiert ist. Alle, die Voodoo Jürgens und seine unglaubliche Band, die Ansa Panier, schon mal live gesehen haben, wissen, was für ein Spektakel lauert. Nein, es ist nicht immer alles zu verstehen. Doch das entspannte Nachlesen seiner Texte lohnt sehr! Denn Voodoo Jürgens ist nicht nur ein guter Showman, ein toller Tänzer und Sänger mit unverwechselbarer Stimme, sondern auch ein begabter Lyriker und Poet. Ist so! So spielen seine Geschichten oft in den abseitigen Straßen und Lebenswegen, in Kneipen, am Telefon, im Casino, auf dem Friedhof, in der Nacht.
Akkurat und ohne anbiedernd genau zu sein, spielt seine Band. Diese fünf Musiker verdienen ein großes Lob. Sie tragen den österreichischen Wahnsinnspolka mit Inbrunst und viel, viel musikalischer Raffinesse! Wow! Zu erleben gab es ein sehr gutes Potpourri von neuen Hits und alten Gassenhauern. Ob Vaschwindn,  Federkleid, Es Geht Ma Ned Ei, Angst Haums, 2l Eistee, Tulln oder Heite Grob Ma Tote Aus ist… es ist fast egal. Da schwirrt die Luft auf der Bühne. Und davor auch. Ein Auftritt von Voodoo Jürgens ist große Show, sehr viel Herz, viel geile Verrücktheit, großes Entertainment, feinster Humor, Liebe zur Musik und eine Einladung zum Eskapismus. Wer da nicht hingeht, ist selbst Schuld.


Freitag, 15. Mai 2026

KW 20, 2026: Die luserlounge selektiert

Quelle: flaticon.com/freepik
Na, Sommer, versteckst du dich noch? Oder bin ich es einfach schon gewohnt, dass du dich schon Mitte Mai zeigst, die ersten Strahlen ausschickst und uns einen warmen, wohligen Vorgeschmack gibst? Was hemmt dich? Hast du auch die Weltlage satt? Bist du auch etwas vorsichtiger optimistisch? Oder sparst du dir nur deine Energie, bis du so richtig loslegen kannst? Aber Schnee in den höheren Lagen Mitte Mai? Ach, irgendwie auch schön, oder? Regen an Himmelfahrt? Auch irgendwie schön. Ich fand es gut, wie viele Leute gestern dem Wetter getrotzt haben. Poncho an, Bier auf und los. Oder einfach mal zu Hause den Tag auf der Couch verbringen und ab und zu nach draußen gucken. Zwischendurch regenfeste Kleidung an und ab durch die herbstlich anmutende Natur. Aber hey, Sommer: So langsam kannst du den grünen Knopf drücken, okay? Ich glaube, wir sind bereit!

Angus & Julia Stone
(Ms) Vor 16 (!) Jahren erschien Big Jet Plane von Angus & Julia Stone. Und ich kann mich noch daran erinnern, wie ich von einem Festival nach Hause fuhr, angenehm gerädert, voll mit Eindrücken und guten Momenten und dann lief dieses Lied im Radio (!). Es war der perfekte Song, um nach Hause zu fahren. Wie schön, dass die Geschwister immer noch zusammen Musik machen und auch solo so erfolgreich sind. Entspannt, wie ihre Lieder seit eh und je klangen, geht es weiter. Karaoke Bar heißt die neuste Single und kommt mit genau so einem Video daher. Wunderbar ruhige Popmusik mit einer dezenten Dramatik, viel Schönheit und euphorischen Melodien, die aber irgendwie immer auf dem Teppich bleiben. Der Track ist so herrlich eingängig, dass er einfach gut tut. Der die wuselige Welt für 3 Minuten und 24 Sekunden einmal abschaltet und uns einen Moment im Hier und Jetzt schenkt. Danke.
Das zur Single gleichnamige Album erscheint am 4. September!

25.06. Dresden, Junge Garde
26.06. Hamburg, Stadtpark
27.07. Stuttgart, Bürger Freilichtbühne Killesberg


Angora Club
(Ms) Wenn in der Stimme schon so viel Dringlichkeit steckt und die Gitarren wunderbar melodisch nach vorne preschen, dann ist Faszination und Gutfinden gar nicht weit weg. Herz Voran heißt das dritte Album von Angora Club und erscheint kommende Woche (22. Mai). 15 Stücke, die teils ein wenig turbostaatig nebulös getextet und arrangiert sind, machen gehörig Bock! Da steckt so viel Liebe und Sinn für Details drin - Wahnsinn! Allein der kurz zu hörende Chor am Ende von Pepsicolon ist so wirkmächtig, dass die Gänsehaut knallhart zuschlägt. Ja, die Grundstimmung auf diesem Album ist schon eher melancholisch und andächtig. Doch es leuchtet auch viel Zuversicht und Trotzdem durch die Takte und Verse, dass diese Musik auf jeden Fall als aufbauend zu bezeichnen ist. Die Vorstellung zu diesen Liedern vor einer Bühne zu schwitzen und alles zu geben, erhöht die Vorfreude auf ein immenses Album!

29.05.26 - Flensburg, Volksbad
28.11.26 - Husum, Speicher


Die Behörde
(Ms) Punkrock muss schnell sein. Punkrock muss wütend sein. Punkrock muss direkt sein. Ach, so ein Quatsch! Wenn Punkrock irgendetwas muss, dann ist es gar nichts. Dennoch stimmt es immer wieder. Und deshalb macht es so wahnsinnig viel Spaß. Katharsis an allen Ecken und Enden, wenn Die Behörde zum Termin lädt. Das Quintett aus Bremen serviert am 12. Juni ihr erstes Album mit dem sehr guten Titel Der Letzte Arbeitgeber. Darauf enthalten sind acht Lektionen mit einer Spielzeit von 18 Minuten und 26 Sekunden. Mehr muss es oft gar nicht sein. Acht kluge Songs zwischen Wahn an den Grenzen, Wahn zwischen den Geschlechtern, Wahn bei einer angeblichen Zufriedenheit. Wenn man vorher noch nicht zornig auf den Status Quo ist, wird man es spätestens mit dieser Platte. Und das ist sehr gut so!

13.06. Bremen, Release Party, Altes Sportamt (mit Marderschaden und weiteren)
08.08. Geestland, Frida Rockt (Festival)


Fir Cone Children
(Ms) Warum machen Menschen eigentlich Musik? Wozu der ganze Budenzauber? Weshalb all die Mühe, die Skizzen, verworfenen Melodien, der ausbleibende Erfolg, die geringen Streaming-Abschläge? Klar, auf der einen Seite ist es die große Freude, der irre Spaß, die Katharsis, der Genuss an der Kunst, ein Katalysator all der Gedanken, von Trauer und Freude. Oder ganzer, spezieller Themen: Alexander Donat hat mehrere Musikprojekte und eines widmet er dem Großwerden seiner Töchter. Daher auch der Name Fir Cone Children. Vergangene Woche ist das neue, zwölfte Album erschienen und trägt den wunderbaren Titel Vs The Real World. Logisch, dass es um pubertierende Kinder geht. Und hört mal rein: Wenn da keine Leidenschaft drin steckt, weiß ich auch nicht weiter. Ein Sound, der irgendwo zwischen Blur, Schrammelpunk und LoFi anzusiedeln ist, ist perfekt geeignet, diese Energien zwischen Autonomiewünschen, Hormonkarussell und Kein Bock einzufangen. 12 Songs, 32 Minuten heißt: Es geht schnell zur Sache. Wenn mein Papa solche Musik für mich machen würde, würde ich sicher erstmal zweifelnd schauen und ihm danach freudestrahlend um den Hals fallen.

Mittwoch, 13. Mai 2026

Live in Bremen: Fluppe

Foto: luserlounge
 (ms) Über einen Abend mit all seinen Sequenzen. Über einen Abend mit all seinen Schönheiten.

Schönheit Eins
Eskapismus. Es war so dringend notwendig. Die Arbeit erdrückt mich, macht mich schwer. Tatsächlich habe ich kurz gezweifelt, ob Lärm am Abend genau das richtige in dem Moment ist. Es stellte sich heraus: Es gibt unterschiedliche Arten von Lärm und Geräuschkulissen. Wenn man ihnen ausgesetzt ist, ist etwas anderes, als sich freiwillig dort hineinzubegeben. So stand ich im Eisen an der Theke, trank ein Bier und sah zu, wie der Laden sich füllte - bis auf den letzten Platz - und es immer lauter wurde. Und ich schaute dem Treiben zu, fand es irgendwie gut.

Schönheit Zwei
Devin Heat. Er eröffnete den Konzert- und Geburtstagsabend im Eisen. Nando feierte rein, Fluppe spielten später, Devin Heat gab die Einstimmung. Und das war wirklich verrückt. Denn es war offenbar genau die Musik, die ich brauchte. Seine Lieder waren sanft und empathisch. Sie waren gefühlvoll und intensiv. Sie waren nah am Herzen und voller Inbrunst. Und sie wurden von einem Typen gesungen, der vor Freude strahlte, der dankbar war, dort spielen zu können. Der freudestrahlend erzählt hat, wie geil und erlösend ist, von seinen Gefühlen zu sprechen. Recht hat er. Devin Heat. Merkt euch diesen Namen.

Schönheit Drei
Der Laden ist rappelvoll. Geschätzt 70 Leute quetschten sich in die wunderbare Eckkneipe. Musik und Menschen finden den Ort, der sie vereint. Fluppes Musik kannte ich gar nicht so intensiv, die aktuelle Platte habe ich mir ein paar Mal angehört, die Energie hat mich überzeugt. In der Stunde danach war es obendrein die enorme Sympathie. Leider war der Gesang nicht so klar zu verstehen, das war etwas schade. Aber die Power von der Bühne schwappte in jedem Fall auf das aufmerksame Publikum über. Die Luft flirrte, die Augen suchten die MusikerInnen auf der Bühne. Wo kam plötzlich die weibliche Stimme her? Ah, kaum gesehen zwischen all den Menschen. Was für eine unfassbar geniale Kombination. Da haben sich genau die richtigen Elemente ergänzt, kulminiert und sind zusammen explodiert. Insbesondere die Zugabe, wo die Mikrophone getauscht wurden, hat noch mal zusätzliche Kraftmoleküle freigesetzt. Richtig gut!

Schönheit Vier
Leider konnte ich nicht bis zum Ende bleiben. Es war schade. Aber auch insofern ein wenig egal, da der Abend genau das war, was ich brauchte. Raus kommen, angenehmer Lärm, gute Energie, freundliche Menschen, mit denen es leicht ist, ins Gespräch zu kommen.
Nando, alles Gute zum Geburtstag - weiter, immer weiter!


Montag, 11. Mai 2026

Réanime: FJØRT im Club Schilli

(sb) Ja, ich liebe unseren kleinen aber feinen Kuschelblog, auch wenn ich aufgrund anderweitiger Verpflichtungen und Aktivitäten kaum noch etwas aktiv beitragen kann. Dennoch schaue ich natürlich fast täglich ins Postfach und just als ich das kürzlich tat, ploppte eine Email rein: Fjørt spielen nach Abschluss ihrer regulären Tour nochmal drei Konzerte – und das in kleinem Rahmen. Dresden, Erfurt, Ulm. Gar nicht lange drüber nachdenken, rein in den Ticketshop, zack, bestellt. Club Schilli, 150 Leute, nicht mal 1 ½ Stunden Fahrtzeit vom Bodensee entfernt. Passt.

Dresden war nach 15 Minuten ausverkauft, Erfurt kurz danach und auch in Ulm gab es ordentlich Nachfrage, sodass zügig alle Tickets vergriffen waren. Die Tage vergingen, so wirklich mental auf das Konzert vorbereiten konnte ich mich nicht. Job, Familie, Hausarbeit, Sonstiges – Ihr kennt das ja sicher auch. Drei Tage vor dem Konzert dann ein Posing von Fjørt auf Instagram: eine Setlist. Darauf zu finden waren ausschließlich Tracks der EP Demontage sowie des ersten Albums D’accord.

Die Band aus Aachen hatte zwar bereits im Vorfeld angedeutet, die Appendix der Tour zum Erfolgsalbum belle époque solle eine Hommage an die Club-Kultur und an die alten Zeiten sein, dieses Konzept kam dann – zumindest für mich – doch überraschend. Aber geil! Mir sagen die neueren, melodischeren Sachen zwar mehr zu, aber wann kriegt man Tracks wie Glasgesicht, Fenris, Valhalla oder Passepartout schon mal live auf die Ohren? Dazu noch der wunderbare Club Schilli in Ulm und die dortige sehr intime Atmosphäre – Träumchen!


Entsprechend groß war dann auch die Vorfreude und das nicht nur bei mir. Schon eine Stunde vor Veranstaltungsbeginn herrschte eine wundervolle, fast schon beseelte Stimmung im und rund ums Schilli. Die Band mischte sich unters Fanvolk und als die befreundeten Local Heroes von I Saw Daylight den Abend musikalisch eröffneten, schauten Fjørt begeistert zu – der eine unten in der Menge, die anderen oben auf der Empore. Es hatte was von Klassentreffen mit leckeren Getränken und hätte nicht angenehmer sein können.

Um Punkt 21 Uhr standen dann Fjørt auf der Bühne und rissen den Laden ab. Eineinhalb Stunden Vollgas und erst im Zugabenteil drei Tracks, die nicht von den oben genannten Releases stammten. Das Nummer 2-Album belle époque blieb aber konsequenterweise komplett außen vor und auch am Merch-Stand gab es neben einem exklusiven Shirt zu den drei Réanime-Gigs nur Demontage und D’accord zu erwerben. Vintage komplett durchgespielt und jeder, wirklich jeder hat es geliebt und war dankbar, Teil dieses legendären Konzerts gewesen sein zu dürfen. Selten sind Band, Vorband, Club, Umfeld und Publikum so eine perfekte Symbiose eingegangen wie an diesem Abend in Ulm.

Vielen Dank, dass ich ein Teil sein durfte.

Freitag, 8. Mai 2026

KW 19, 2026: Die luserlounge selektiert

Quelle: flaticon.com / Shuvo.Das
Ganz ehrlich: Ich check es nicht! Mitunter täglich wird die Regierung für alles was sie tut - und vor allem nicht tut - abgekanzelt. Und das zumeist auch aus guten Gründen. Und dann ist die Aufregung groß, dass plötzlich die scheiß Faschisten der AfD stärkste Partei auf Bundesebene ist.
Warum zur Hölle setzt die Politik nicht jeden Tag, jede Veranstaltung, jede Rede dafür ein, um diese Partei zu bekämpfen? Nicht zu entlarven, das tun die selbst schon sehr gut. Warum tun sie es nicht? Warum ist da nichts zu hören? Das ist doch Wahnsinn und obendrein politischer Selbstmord.
Natürlich geht es der Wirtschaft nicht gut. Doch das Wohl der Wirtschaft darf nicht oberste Maxime des Staates sein. Es müssen die Sozialsysteme sein. Die, die ohnehin wenig haben, haben immer weniger. Die, die eigentlich Hilfe brauchen, bekommen immer weniger. Die, die noch Unterstützung bekommen, bekommen sie bald nicht mehr. Logisch, dass sie wütend und unzufrieden sind. Sie hören eventuell die lautesten Brüllaffen und geben ihnen recht. Das ist nicht nur dumm, sondern auch falsch. Es braucht nichtmal eine linke Revolution. Es braucht vor allem einen couragierten Staat, der alles drauf setzt, die freiheitlich-demokratische Grundordnung gegen alles zu verteidigen. Warum tun sie es nicht?

Nullmillimeter
(Ms) „Mach die mal groß! Die haben nur 670 monatliche Hörende bei Spotify. Dabei sind die so toll.“ Okay, Herausforderung - im Rahmen des Blogkosmos - angenommen. Es geht um das Trio Nullmillimeter aus Hamburg und Berlin. Und ja, sie machen wirklich ganz phantastische Musik. Es ist der klassische Indie-Gitarren-Pop mit schwelgerischen Texten und großen Momenten. Auf Englisch und Deutsch. Sie machen Musik, die einen weichen, großen Teppich ausbreitet, auf den ich mich legen möchte. Er beruhigt mich, baut mich auf und spricht aus meiner Seele. Die Musik ist unaufgeregt, aber niemals langweilig. Sie spielt mit einer gewissen Melancholie, ohne allzu schwer zu werden. Sie ist klug und wunderschön. Im Spätherbst letzten Jahres haben sie mit Life Is A Crazy Horse ihr aktuelles Album rausgebracht und es hat 9 großartige Lieder im Gepäck. Seid ihr dabei?! Gut.


Pippa & Resi Reiner
(Ms) Ach, Deutschlandradio Kultur - was bist du nur für ein großartiger Radiosender. Du hast so viele gute Sendungen, so viele tolle MitarbeiterInnen, so viele gute Ideen, worüber es sich zu berichten lohnt. Und so viel gute Musik. Letztens lief ein Lied von Pippa - ich weiß leider nicht mehr welches. Resi Reiner sah ich letztens als Support von Die Sterne und nun machen beide gemeinsame Sache. Blödsinn heißt ihre Single, die vor kurzem raus kam. Zackiger Rock mit punkigen Elementen und ganz viel Gefühl. Ein Vergleich zu Wir Sind Helden ist schon möglich und durchaus angebracht. Das ist schon sehr gut, wunderbar eingängig und eine wunderschöne Hymne auf den Moment! „Wir reden Blödsinn, bis er Sinn macht.“ Amen.


Follia
(Ms) Wie oft sprechen wir bei Musik von Kunst, wie selten hören wir sie in einer gewissen Gänze. Niemandem möchte ich hier Talent und Geschick absprechen, aber wenn bestimmte Klänge ertönen, dann müssen wir einfach von einem anderen Niveau sprechen. Von einem anderen Level des Könnens, des musikalischen Wissens und der großen Gabe, all das zusammenzuführen. Nicht theoretisch, nicht allzu klassisch. Sondern schon in einem poppigen Gewand. All das tut Lia Maria Neff, die sich das Alias Follia gibt. Unter diesem Namen veröffentlicht sie heute (!) die 5 Stücke umfassende EP Verrutscht, die sprachlich zwischen Deutsch und Schweizerdeutsch mäandert. Musikalisch ist es vielleicht so etwas wie avantgardistischer Kammer-Pop. Die Musikerin ist am Kontrabass (!) ausgebildet und sie zeigt uns auf wunderbare Weise, welch tolle Klänge aus diesem großen Ding rauskommen können. Dazu teils drastische Arrangements und viele Momente, die großes Kribbeln auslösen. Das ist Wahnsinn, was die Schweizerin uns hier schenkt und zeigt, wie Musik auch klingen kann: umwerfend und gigantisch!


Margo Mann
(Ms) Auf wie vielen Bühnen des Pop und Rock stehen Klaviere rum oder E-Pianos oder Keyboards. Es werden unzählige sein. Doch: Wie viele MusikerInnen können dieses Instrumente so richtig gut spielen? Wer ist imstande, aus diesem großen Ding große Töne herauszuholen, die nicht nur klimpern sondern auch klingen? Margo Mann aus Australien weiß sehr gut, wie dieses Saiteninstrument zu spielen ist. Das ist sofort zu hören, wenn ihre Single Westgarth erklingt. Es ist warm, pointiert und klug eingesetzt. Dazu gesellt sich eine kraftvolle, prägnante Stimme, die davon erzählt, keine Angst vorm Verlieben zu haben und dem, was damit zusammenhängt. Denn beide werden sich ändern. Das passiert automatisch. Wer bleiben will wie zuvor, ist nicht gemacht für die Liebe. So drastisch kann man es ausdrücken. Doch, wenn man sich drauf einlässt, eröffnen sich wunderschönste Räume. Was für ein tolles, kraftvolles Stück Musik!


Lambchop
(Ms) Crackers hieß das Stück, das mir vor vielen, vielen Jahren die Welt von Lambchop eröffnete. Ein Track, den ich immer noch sehr, sehr gerne höre, weil er eine wunderschöne Energie und eine äußerst ruhige Eleganz hat. Seit 33 Jahren gibt es diese Band - irre! Ich wurde zwei Jahre vorher geboren. Im August veröffentlicht Kurt Wagner das 16. Album dieses außergewöhnlichen Projekts! Es wird Punching The Clown heißen. Das klingt irgendwie angriffslustig, doch weit gefehlt. Showtunes und The Bible, die beiden Vorgänger, waren schon sehr ruhig. Und nun geht er auf der neuen Platte einen neuen Weg der ruhigen und unglaublich energievollen Musik. Sie besteht aus Gitarre, Banjo, Chor und der unverwechselbaren Stimme des ehemaligen Fliesenlegers. Weakened heißt das erste Stück und erzeugt eine wunderschöne Kraft. Der Chor ist kein Beiwerk, sondern Ergänzung, Bandmitglied. Das Banjo nervt nicht, sondern gibt feine Akzente, die Gitarre gibt den Rhythmus. So schafft Kurt Wagner mit seinen MitmusikerInnen es immer noch - oder erneut - für eine Gänsehaut zu sorgen, die ihresgleichen sucht. 

12.02. - Hamburg, Christianskirche
13.02. - Berlin, Passionskirche
14.02. - Erlangen, Markgrafentheater
16.02. - Wien, Theater Akzent

Mittwoch, 6. Mai 2026

Lambert - I Am Not Lambert

Foto: Andreas Hornhoff
(Ms) Wenn man den Wikipedia-Artikel von Lambert liest, steht dort, dass er Pianist, Komponist und Produzent ist. Das stimmt selbstredend. Doch diese Liste muss nun erweitert werden. Wenn am 8. Mai sein neues Album I Am Not Lambert erscheint, geht er über diese Tätigkeiten hinaus. Die 45 Minuten neue Musik, die er uns schenkt, zeigen wieder einmal neue Spielseiten dieses Künstlers auf: Jazz, Pop, Bandsound und er singt sogar. Ein wenig, aber er singt. Und tatsächlich ist ja sogar in Ansätzen sein Gesicht zu sehen. Klar, die Stiermaske bleibt sein Erkennungszeichen. Doch klar ist auch: Grenzen verschwimmen oder lösen sich gar auf.

Lambert ist extrem fleißig. 2024 erschien sein Beinahe-Soundtrack Actually Good und vergangenes Jahr werkelte er zusammen mit Thorsten Nagelschmidt an der Vertonung seines Buches Nur Für Mitglieder. Nun wieder eine neue Platte. Dieser Musiker hört wirklich gar nicht auf, neugierig zu bleiben, sich selbst neu zu erfinden und immer neue Klangwelten zu entdecken und sie sein Eigen zu nennen.

14 Tracks sind auf I Am Not Lambert enthalten. Der Titel sagt ja schon aus, dass da jemand vorgibt, wer anders zu sein. Oder irgendwie mit dem vorherigen Werk wenig zu tun zu haben. Das ist von Anfang bis Ende deutlich hörbar!
Spirit ist der Opener und beginnt schon mal lambertig: Sanftes Klavier, dann dezent einsetzende Gitarre, es kommen Bläser dazu, leichte Synthies und dann ein Uhhhhu-Gesang. Der geht in einer verzerrten Stimme auf. Nein, das kann doch nicht Lambert sein. Doch, doch. So ist es. Plötzlich klingt es nicht mehr nach Neo-Klassik, sondern nach nebulösem Pop mit beinahe kammerorchestralen Elementen. Es wird sich durch die Platte ziehen. Auch Gäste singen mit. Wie Kat Frankie auf So Unkind, Goodwin auf Hurts Like You oder Dekker auf The Sum. Nicht nur die vielen unterschiedlichen Stimmen machen dieses Album sehr abwechslungsreich. Fast auf jedem Stück gibt sich der Künstler von einer anderen Seite. Es bleibt ruhig, mitunter melancholisch und andächtig. Aber die Nuancen ändern sich stetig. Es ist angebracht, stets neugierig zu bleiben. Dann ist ein wunderbares Cello von Marie-Claire Schlameus auf All At Once zu hören, was dem Stück herrlich viel Tiefe verleiht. Auf We‘ll Be Safe Here wechseln sich Gitarre und Klavier wunderbar mit der Melodieführung auf und die Percussion lassen den Kopf mitwippen. Auf Infinity‘s Fortune scheinen immer wieder kleine Rhythmus-Schnipsel durch, die durch den schon bekannten Uhhuu-Gesang ganz verwunschen wirken. Großartig! Parenthenope ist ein tolles Beispiel für den kammerorchestralen Sound, der sich bei Lambert einschleicht. Ein wenig leise Dramatik lässt erneut aufhorchen!

Und am Ende? Kommt da der große Knall? Mitnichten! Auf The Chase gibt es zwar keine Grenzen, aber hier geben sich plötzlich Pop und Jazz die Klinke in die Hand. Ein wenig Energie darf nicht fehlen, aber es bleibt in klar abgesteckten Grenzen. Mit It Will Happen Either Way beendet Lambert dieses Album, das ja gar nicht so recht seinen Namen tragen will. Das tut es ja aber - offensichtlich. So sanft und schleierhaft, wie es begann, endet es auch. Ein wunderbarer roter Faden. Zwischendurch ist er ein wenig verknotet und ändert auch mal die Farbe, aber es lässt sich alles entwirren. I Am Not Lambert ist ein wunderbares Album. Es glänzt durch viel Schönheit und zahlreiche Details, die immer wieder neue Facetten in den Klang bringen ohne je zu viel zu werden. Von einem Musiker, der immer neue Seiten von sich zeigt.

05.05.26 Dresden, Tonne
13.05.26 Hamburg, Kampnagel – Lambert & Friends
15.05.26 Nürnberg, Z-Bau
17.05.26 Berlin, Kammermusiksaal – Lambert & Friends
19.05.26 München, Live Evil
04.07.26 Kraggenburg, Wilde Weide Festival
12.07.26 Lindau; Zeughaus
19.09.26 Jena, Trafo
20.09.26 Leipzig, UT Connewitz
21.09.26 Hannover, Pavillon
22.09.26 Dortmund, Domizil
23.09.26 Köln, Kulturkirche
24.09.26 Darmstadt, Centralstation
25.09.26 Freiburg, Jazzhaus Festival
26.09.26 Dornbirn, Spielboden
17.10.26 Bielfeld, Süsterkriche
18.10.26 Bremen, Kultur Ambulanz