Freitag, 24. April 2026

KW 17, 2026: Die luserlounge selektiert

Quelle: Flaticon.com 
Im Umgang mit Menschen, die eventuell am Rande der Gesellschaft stehen und inklusiv mitleben sollten, zeigt sich doch oft der wahre Kern vieler Menschen. So erlebt auf einer längeren Bahnfahrt am vergangenen Wochenende. Irgendwo stieg ein Jugendlicher ein, der recht unbedarft ins Abteil reinrief, wo er sich denn dazu setzen könne. Er ging von freiem 4er zu freiem 4er und fragte nach. Eine Frau Mitte sechszig ungefähr lehnte ab, weil ihr seine etwas schief sitzende Hose nicht passte. Hui. Er saß danach woanders und sprach für alle gut hörbar mit seinem Nachbarn in einem ganz netten Ton. Später stiegen einige Soldaten ein, die auf dem Weg in ihre Kasernen waren. Das schien ihn sehr zu interessieren und er fragte sie nach ihrem Dienstgrad und so weiter. Sie gaben alle, mal mehr oder weniger knapp, freundlich Antwort. Auch als der Platz neben ihm frei wurde und ein Soldat ins Abteil kam, rief er laut, ob er sich nicht neben ihn setzen könne. Der Uniformierte kam freundlich auf ihn zu, setzte sich hin und sie plauderten ein wenig. Ist doch alles kein Problem, oder?

Deltawelle
(Ms) Ach, ist es nicht schön, wenn mehrere spannende Erzählstränge und Themen zusammenfließen?! Ja, oder? Auf geht‘s: Die Band, um die es geht, heißt Deltawelle und kommt aus Berlin und Leipzig. Der Bandname schreit ja schon aus jeder Silbe: NDW! Und das steckt da auch hinter, nur halt als Neue Neue Deutsche Welle. Aufschwung heißt ihre neue Single, die direkt startet. Auch das, der unmittelbare Beginn mit Text, passt ins Schema. Der Titel an sich ja eh. Die Musik ist geplantes Chaos, das Schlagzeug scheint zu stolpern, aber es stolpert energisch nach vorn. Dazu ein Flirren aus Keyboard, Bass und Gitarre. Ein Rausch, der entsteht, weil die Nachrichten abgestellt werden (der nächste aktuelle Themenbezug wegen Reizüberflutung) und der Moment lebt (Hallo Eskapismus!). Das zusammen macht eine Menge Spaß, es ist wild und elektrisierend und knallt knappt unter drei Minuten in hervorragendem Maße!


My Ugly Clementine
(Ms) Überraschungsmomente! Sie machen das Entdecken von neuer Musik so wahnsinnig kribbelig, positiv unvorhersehbar und spannend. You Won von My Ugly Clementine war vor einigen Wochen ein richtig melancholischer Indietrack - nun legt das österreichische Trio nach. Wenn dann erstmal so ein schwerer Track in der Welt ist, darf man sich ja durchaus fragen, wie es weiter geht. Confidence heißt die Antwort und ist ein wunderbarer, poppiger Gegenentwurf. Statt einer schmerzvollen Vergangenheit gibt es nun eine aufrecht stehende Gegenwart. Ja, beim Blick in den Spiegel gibt es den ein oder anderen Zweifel, aber es wird trotzdem vor die Tür gegangen - alle Konsequenzen erhobenen Hauptes in Kauf nehmend. Das tut gut und macht viel Spaß im sonnigen Frühling. Obendrein gibt es ein herrliches Video und Tourdaten für den Herbst. Am 4. September erscheint ihre neue Platte Apply Autonomy!

28.09. - München, Ampere
29.09. - Frankfurt, Brotfabrik
30.09. - Köln, CBE
02.10. - Paris, le Pop-up!
03.10. - Amsterdam, Paradiso
04.10. - Münster, Gleis 22
10.10. - Leipzig, Werk 2
11.10. - Berlin, Columbia Theater
12.10. - Hamburg, Knust
28.10. - Linz, Posthof
29.10. - Zürich, Exil
30.10. - Stuttgart, clubCANN


Muff Potter
(Ms) Yeah - sie sind wieder da! Die Sopranos sind durchgeguckt: Zeit, um neue Tracks zu schreiben. Neue Hymnen, neue Hits! Muff Potter meldeten bereits vor ein paar Wochen Tourdaten für den Herbst an, nun folgt die erste Single aus der kommenden Platte Klepto. Das Album erscheint am 18. September und wir können uns nun gute fünf Monate vorfreuen. Rückflug Aus Montana heißt dieses Stück und zeigt den wuchtigen Indierock dieser Band ohne Wenn und Aber. Der gitarrenlastige Song darf durchaus als Liebeslied betrachtet werden. Die Sehnsucht, wieder nach Hause zu kommen, wenn man vorher lange weg war. Dass die Endstation aus Kanada nicht nur Düsseldorf, sondern explizit Lützerath ist, kann natürlich auch aufmerksam machen auf die Räumung dort und dass das Gebiet heute komplett weggebaggert ist. Ist dann zu Hause wirklich alles besser?! Ist die Liebe dann noch der Halt oder steigt die Wut, der Zorn? In den verhältnismäßig wenigen Zeilen lässt sich herrlich viel hinein interpretieren. Genauso soll Musik doch sein, oder? So, dass ich mir sie selbst aneignen kann. Sehr gelungen, Muff Potter, sehr gelungen!

11.11. - Leipzig, Conne Island
12.11. - München, Strom
13.11. - Darmstadt, Centralstation
14.11. - Dortmund, FZW
18.11. - Bremen, Schlachthof
19.11. - Köln, Kantine
20.11. - Münster, Sputnikhalle
21.11. - Hamburg, Übel & Gefährlich
26.11. - Erlanden, E-Werk
27.11. - Wien, Flucc
28.11. - Berlin, Festsaal Kreuzberg


Tigers Jaw
(sb) Schon einen knappen Monat auf dem Markt ist Lost On You, das neue Album von Tigers Jaw. Es sei uns bitte verziehen, dass wir erst jetzt berichten. Arbeit, Osterferien, Restart, Stress, andere Hobbies - Ihr kennt es vermutlich. Aber zurück zum Wesentlichen, nämlich der Musik: Diese bietet kraftvolle und mitreißende Rhythmen, großartige melodische Soli, die von Instrument zu Instrument wechseln, und - wie immer bei der Band aus Pennsylvania - die sich abwechselnden und überlagernden Gesangsstimmen.
Der Indie Pop des Quintetts kommt ungemein catchy daher und hätte so auch vor 20-25 Jahren veröffentlicht und beispielsweise am Freitagabend im Münchner Atomic Café aufgelegt werden können. Wer's kennt, der weiß, dass das uneingeschränkt als Lob zu verstehen ist.
Lost On You ist ein Album, das den Hörer zu Tränen rühren vermag, gleichzeitig aber das Gefühl vermitteln kann, dass alles gut werden wird. Nices Add-On: Der letzte und titelgebende Track Lost On You schließt wieder an das kurze Intro an und greift dieselben lyrischen Themen auf: Sensibilität und die Suche nach Frieden.


Sconfitta
(sb) Ich weiß nicht wieso, aber irgendwie spricht mich italienischsprachige Musik seit jeher an, obwohl ich der Sprache nicht mal ansatzweise mächtig bin. Liegts an der frühkindlichen Prägung durch Ricchi e Poveri, Umberto Tozzi und Toto Cutugno?
Musikalisch haben Sconfitta mit den Genannten wenig gemein, vielmehr variiert die Band aus Genua auf ihrem Debütalbum Essere Nessuno munter zwischen Hardcore, Punk, Metal, Dark Wave, Post-Punk und Jazz. Klingt wild, ist wild - und sehr spannend und unterhaltsam! Das durchwegs politische Album wechselt rasch zwischen Gefühlen wie Wut, Selbstreflexion, Empörung und Nachdenklichkeit und richtet sich an diejenigen, die die Würde des Scheiterns über den Erfolg um jeden Preis stellen. Wer erkennt sich?

Freitag, 17. April 2026

KW 16, 2026: Die luserlounge selektiert

Quelle: flaticon.com / Enamul Haque
Langeweile. Na, wann beschlich Euch das letzte Mal dieses Gefühl? Ist es wirklich das, wenn so gar nichts ist? Oder doch etwas anderes? Was ist Langeweile und welche Auswirkungen hat sie auf uns Menschen? Dazu gibt es bei Arte diese sehr gute Reportage. Sie ist - sehr spannend! Philosophen und Mediziner gehen der Frage nach, woher sie kommt und warum sie so ein schlechtes Image hat.
Besonders spannend fand ich, dass Langeweile für viele das ist, wenn man einer Situation ausgeliefert ist, der man nicht entkommen kann. Wenn das Hirn eigentlich etwas anderes machen will, einen anderen Reiz braucht, es diesen aber ums Verrecken nicht bekommt. Dann wird die Weile wirklich sehr lang. Und dann ist so etwas Romantisches wie Kreativität recht weit weg. Dann wird es eher Zorn oder Wut. Es wurde aber auch herausgefunden, dass viele Menschen sich selbst lieber Schmerzen zufügen, als nichts zu tun. Auch verrückt, oder? Wie dem auch sei - wer dieser Tage noch 50 Minuten frei hat, oder wem tierisch langweilig ist, sollte unbedingt diese Sendung schauen! Arte… was für ein genialer Sender!

GoGo Penguin 
(ms) Es ist so ein scheinbar einfaches Mittel, aber es wirkt gewaltig. Insbesondere im Neoklassik-Genre und alles Jazzige, was sich darum sammelt, vermischen sich doch immer wieder viele Klänge miteinander. Den eigenen Sound markanter machen, etwas eindrücklicher - das haben GoGo Penguin gemacht. Das Trio aus Manchester hat letztes Jahr mit Necessary Fictions ihr aktuelles Album veröffentlicht und bringt an diesem Freitag mit Call To The Void eine 3-Track-EP heraus. Die Synthies, die vorher eh schon eher Begleiterscheinung waren, bekommen hier die große Bühne geboten, ohne das der harmonische, weiche, verträumte Klang der Band weichen muss. Das ist sehr, sehr gut gemacht. Basslastig ist der Grundton auf Mount Analogue und darüber schwebt und tanzt ganz luftig-leicht das Klavier. Kai Dao zieht merklich das Tempo an, es hätte der Soundtrack der Mondumrundung sein können. Das Titelstück geizt nicht mit dissonantem Bass und plötzlich knallt ein Schlagzeug direkt im Vordergrund. Krass, was diese drei Songs liefern. Das ist ungeheuer gut gemacht und erzeugt große Lust, die folgenden Konzerte zu besuchen:

18.4.2026 - Zakk, Düsseldorf
20.4.2026 - Kesselhaus, Berlin
21.4.2026 - Kesselhaus, Berlin
22.4.2026 - Werk 2, Leipzig
29.4.2026 - Club Porgy & Bess, Wien
30.4.2026 - Mojo Club, Hamburg
10.7.2026 - ELBJAZZ 2026, Hamburg


Fatoni
(Ms) Das Geile an Fatonis Kunst ist ja, dass sie recht unvorhersehbar ist. Kommt wieder ein dada-wer-ist-der-geilste-Track mit Edgar Wasser, etwas Sinnliches mit Calman oder Mine? Etwas Poppiges mit Christin Nichols oder ein Hauptdarsteller in einer Serie?! Es geht alles. Alles. Daher ist Geld Ist Geil eine logische neue Single. Dicker Beat, satte Verse! Manchmal habe ich gar nicht auf dem Schirm, wie kritisch er agiert. Dieser Track ist ein sehr gutes Beispiel dafür, wie klug er textet und natürlich wieder zahlreiche Verse bricht. Eine Single über das maßlose Vermögen der Superreichen. Da sind so ein paar Vögel, die haben so verdammt viel Geld, sie könnten zusammen recht viele Probleme lösen. Sie tun es aber nicht. Die gierigen Schweine. Gebt es lieber Fatoni - er weiß, was damit zu tun ist. Eat The Rich.
Drama Endet Nie erscheint am 3. Juli und wird die Raplandschaft hier sicher erschüttern lassen.


Resi Reiner
(Ms) Wie viele Konzerte habe ich schon gesehen, wo ich mich an den Support nicht erinnern kann. Klar, das ist irgendwie schade, aber leider waren oft auch Gruppen oder KünstlerInnen dabei, die einfach nicht hängen geblieben sind. Vor zwei Wochen im Bremer Lagerhaus war das gänzlich anders. Da hat mich die Hauptband nicht so abgeholt, aber das, was davor geschah, hinterließ mächtig Eindruck. Es geht um die Wiener Musikerin Resi Reiner. Mit einer unfassbaren, beinahe schon frechen Coolness spielte sie eine halbe Stunde ihre Lieder. Elektronischer Pop, schmunzelige Unterhaltung, wippende Beats. Das war auf gewisse Art ganz unscheinbar, und andererseits sehr beeindruckend. Zudem durchdrang sie mit ihren wahnsinnigen Augen das Publikum von vorn bis hinten. Vor drei Jahren erschien ihr noch aktuelles Album Weißt Du Was Ich Mein?! doch danach kamen noch zahlreiche, sehr gute Singles. Haltet diese Künstlerin auf eurem Schirm - es lohnt sich sehr!


Andreas Liebert
(Ms) Manchmal tut so ein leichter Anflug von Melancholie auch ganz gut. Man darf sie nur nicht Überhand gewinnen lassen. Es darf auch keine Schwermut werden. Aber so ein schwelgerisches Nachdenken fern der blinkenden Lichter, darüber freut sich der Geist auch manchmal. Die passenden Lieder dazu liefert der Berliner Musiker Andreas Liebert. Und er ist im Mai auf kleiner Tour. Ich habe ihn noch nicht live gesehen, aber ich stelle es mir so vor: Der Laden ist nicht zu groß, aber gut gefüllt. Auf einer kleinen Bühne ein Verstärker und eine Akustikgitarre. Ein paar Paare, einzelne BesucherInnen, Freundeskreise, die es sich bei einem leckeren Getränk gemütlich gemacht haben. Dann tritt eine vorsichtige Stille ein, wenn Andreas Liebert anfängt zu spielen. Eine Stille, die Neugier verheißt. Während seiner Lieber drücken Paare die Hände des jeweils anderen. Freunde strahlen sich an, die einzelnen Leute nehmen ein paar Gedanken auf. Und wenn alle Heim gehen, klebt auf der etwas angerissenen Seele ein Pflaster. Das hat dann die Musik gemacht. So stelle ich es mir vor.

06.05. München, Minna Thiel
07.05. Erfurt, Bühne & Bohne
16.05. Hamburg, Mikropol
17.05. Laboe, Slomo Beach
30.05. Chemnitz, Hutfestival


Temples
(Ms) Am Wochenende geht‘s in die große Stadt an die Spree. Gute Menschen sehen. Tatsächlich steht auch auf dem Plan, feiern zu gehen. Völlig verrückt, aber das ist echt ein paar Jahre her. Aber es war immer gut. Insbesondere die Take Me Out-Partys von Eavo. Er legt am Samstag in Berlin auf. Riesige Vorfreude. Er ist der Spzialist für die großen Hits der 00er Jahre und den Dingern, die in den Jahren danach gut in den Sound passten. Er sollte dringend Temples mit ihrem neuen Hit Vendetta auf die Playlist setzen. Weil: Was ist das denn bitte für ein erstklassiger Track?! Das Quartett hat einfach die Energie von MGMT und Justice und den geilen Indiekram kombiniert und einen irren Song abgeliefert. Wen das nicht ein wenig nostalgisch stimmt, dem ist echt nicht zu helfen. Am 26. Juni erscheint ihr neues Album BLISS und es könnte überragend werden!

Donnerstag, 16. April 2026

Sarah Lesch - Poesie und Widerstand

Foto: Sandra Ludewig
(Ms) Wenn es um Politik in der Musik geht, liegt als Genre natürlich erstmal der Punkrock nahe. Seit jeher die große Dagegenmusik. Seit jeher laut und wütend. Doch gesellschaftspolitische Lieder können auch wesentlich ruhiger sein. Durchaus auch zornbehaftet, aber er kommt dann anders zur Geltung. Und schon sind wir bei den Liedermachern. Und Macherinnen. Eine Spielart, die mir neben Götz Widmann und Funny van Dannen - und da auch wirklich nur sehr grob - unbekannt ist.

Also: Horizont erweitern. Am allerbesten mit ganz frischer Musik. Am Freitag, den 17. April erscheint Poesie Und Widerstand - das neue Album von Sarah Lesch. Sarah Lesch ist sicher hier und da ein bekanntes Gesicht, viele ihrer Lieder haben enorme Reichweite und sie spielt und spielt und spielt live. Im Hintergrund stets begleitet von der Akustikgitarre und oftmals entspannter Begleitung durch Percussion und Bass. Im Vordergrund stets ihre Stimme und ihre tollen Texte.

Wie unfassbar gut der Titel zum neuen Album passt, zeigt direkt das erste Lied. Es trägt den musikalisch-logischen Namen Plädoyer und breitet auf sehr poetische Weise aus, wie die Feinde der Gemeinschaft funktionieren. Aber wir - wir bleiben stabil. Das textlich Schöne an diesem Lied ist das Märchen, das Sarah Lesch hier ausbreitet. Das ist so unsagbar klug gemacht, messerscharf und traumwandelnd.
Das Spannende an ihrer Musik ist obendrein der feine Witz, der in und zwischen ihren Versen liegt. So ist Gebet nicht nur ein unfassbar wundervolles Liebeslied, sondern es gibt zahlreiche kleine Stellen, an denen man einfach schmunzeln muss. Ein Lied über Hoffnung, Zusammenhalt, Zusammensein, Romantik, Liebe. Und über die wunderbare Sehnsucht, das geliebte Gegenüber bald wieder zu sehen. Zudem wird man belohnt, sehr aufmerksam den Hintergrundgeräuschen zu lauschen - mehr verrate ich hier aber nicht: Freut euch drauf!
Freut euch auch auf eine wunderbare Kurzgeschichte. Annalisa ist nicht nur recht unterhaltsam, sondern auf der anderen Seite auch knallhart. Erwartungen an Frauen, an Beziehungen heutzutage. Wer will ich als Frau sein zwischen Yoga, Cheat-Day und Kita? Und da ist dann noch so ein blöder Typ, mit dem schleunigst Schluss gemacht werden muss. Und dann lauert da doch das schöne Leben, anders als erwartet, mit Berg- und Talfahrten. Mit einem Lächeln auf dem Gesicht, allen Widerständen getrotzt zu haben. Denn die lauern nicht nur in der Politik, sondern auch im etwas unmittelbareren Leben. Annalisa hat‘s geschafft! Heute wiederum ist ein Stück voller Melancholie. Ein Stück, das den Kopf wirklich tief in den Sand vergraben hat. Wenn wirklich alles in Scherben zerbrochen ist, dann ist alles dunkel und mies und schlecht. Doch Sarah Lesch lässt keine schlechten Gedanken einfach so stehen. Das ist schon in ihrer Stimme zu hören - da schwingt stets Hoffnung mit. Und manchmal ist die Gewissheit, dass wir in der Weltgeschichte gar nicht so viel werkeln können, ganz beruhigend. Oder? Ja!

Poesie Und Widerstand ist genau das, was der Titel verspricht. Dieses Album ist große Kunst und obendrein unglaublich schön. Sarah Lesch zeigt auf neun Liedern, wie phantastisch sie textet, dass sie sich nicht unterkriegen lässt, Hoffnung schenkt aber auch die Probleme der Zeit nicht verschweigt. Das alles zusammengefasst mit der schönen Musik ist große Kunst!

08.08.26 Plauen, Malzhaus
02.10.26 Bayreuth, Das Zentrum
03.10.26 Aschaffenburg, Colos-Saal
04.10.26 Erlangen, E-Werk – Clubbühne
08.10.26 Leer, Zollhaus – neu!
17.10.26 Hoyerswerda, Kulturfabrik – neu!
07.11.26 Lindau, Club Vaudeville


Freitag, 10. April 2026

KW 15, 2026: Die luserlounge selektiert

Quelle: flaticon.com / Md Tanvirul Haque
Wenn man noch einen Beweis braucht, warum dieses Land irgendwann mal zugrunde gehen sollte, hier kommt er:
Vorweg natürlich klar - Beamte, die rummeckern wegen irgendwelcher Unterstützungssysteme, die will keiner hören. Nun, es ist wie es ist und ich mache den Job ja auch ganz gerne.
Rechnungen vom Arzt kann man als Beamter bei der Beihilfe des Landes einreichen und die zahlen dann einen Teil davon. Das funktioniert zur Hälfte recht modern, zur anderen Hälfte wie 1963. Die Rechnung lässt sich via App scannen. Dann trudelt später Geld auf dem Konto ein. So einfach, so gut. Doch es gibt auch immer (!) eine Bestätigung darüber auf dem Postweg!!! Per Brief! Meistens so vier Wochen später! Es gibt keine Rückmeldung über die App. Wieso das nicht passiert, ist mir schleierhaft. Ich also letztens eine Rechnung eingereicht und da habe ich mich gewundert, warum nichts kommt. Klar, die Beihilfe ist langsam, aber meistens geschieht was. Bis es dann den obligatorischen Brief gab. Darin stand, dass der Scan nicht leserlich war. Okay. Doch tatsächlich würde mein Scan ausgedruckt (!) und mit Textmarker und händischer Notiz wurde eingezeichnet, was unleserlich ist. Per Post. Ausgedruckt. Im Jahr 2026. Also: Wenn dieses Land irgendwann zugrunde geht, dann genau deswegen!

Be Kind 
(Ms) Es gibt Musik, deren Covergestaltung beispielsweise sehr gut zum Sound passt. Die Band Be Kind, die mit ihrer Single MGMTAG zum ersten Mal zu hören ist, hat sich eine Achterbahn als Singlecover ausgesucht. Das ist so richtig schlau. Das Tempo passt zur Musik, ebenso wie der Adrenalinspiegel, der währenddessen steigt und sinkt. Schneller Pop-Punk mit Emoeinflüssen, wo am Ende gut und gänsehautig geschrien wird. Ein Text, der einige starke Zeilen aufweist: „I learnd for to smile when i feel bad“. Eine erschütternde Einsicht, aber ein Zustand, der uns allen sicher bekannt ist. Einige Zustände, mit denen wir uns nicht auseinander setzen wollen, weil sie weh tun oder uns die Worte fehlen. Doch dafür ist ja jetzt dieses Lied da - sehr gut! Das macht Spaß und da kommt sicher noch viel mehr vom Quintett aus dem Rheinland!
 

Mine
(Ms) Wie viele Brillen hat diese Frau eigentlich? Oder anders gefragt: Was ist mit Mine eigentlich los? Was ist das bitte für eine verrückte Künstlerin? Was hat sie mal wieder geritten? Versteh sie mal einer. Aber bitte nicht falsch verstehen: Ist äußert positiv gemeint, wie bekloppt sie ist. Eine Musiknärrin im besten Sinne. Eine Künstlerin, die keine Grenzen kennt. Sie hat keine Angst vor Experimenten, versucht und knobelt und probiert. Bis sie es gefunden hat. Dunkel heißt ihre neue Single aus dem kommenden Album Killer, das am 4. September erscheinen wird. Gedämpfter Gesang, videospielähnliche Sounds, ein abruptes Ende und ein irres Video. Wer, was, wo, warum, wie bin ich? Und sie erst? Ach, keine Ahnung. Kunst halt, oder? Genial ist ja nicht nur wie sie arrangiert und das Video glänzen lässt, sondern vor allem ihre Texte, die mal wieder on Point sind: „Manchmal muss ich lachen / Der Mensch ist so dumm / Er weiß es zwar besser / Und doch bringt er sich um.“ Tragisch, ja. Mine - wow!


Karl Die Große
(Ms) Ach, Liebe, du wunderbare, große Emotion. Du bist wohl neben dem Leid das größte Vehikel für Kunst. Die Perspektiven und Geschichten rund um die Liebe werden wohl nie erschöpft werden, um sie in Musik zu packen. Karl Die Große zum Beispiel hat mit Francesco Wilking ein ganz tolles Liebeslied geschrieben. Es heißt Die Träume und torkelt ein wenig durch die Nacht oder den beginnenden Morgen. Genial ist, dass es im Duett gesungen wird, sodass seine und ihre Sicht super rüber kommen. Ein Krisengespräch, ein verlassenes Bett, Sehnsüchte und Verwirrungen. „Wenn ich es nicht schon bin, werd ich verrückt.“ Sehr toll getextet! Eingebettet ist das in einem mitreißenden elektronischen Popsound, der sehr schnell mitwippen lässt. Am 28. August erscheint die neue Platte …Ist Nicht Aufgeschoben von Karl Die Große und folgt - logischerweise - auf den Vorgänger Aufgehoben


Angine De Poitrine
(Ms) Wir müssen reden. Über Hypes, Kunst, Aufmerksamkeit und allem, was damit zusammenhängt. Ja, das KEXP-Video vom Kanadischen Duo Angine De Poitrine landete auch irgendwann auf meinem Handy und ich muss sagen: Geil! Vorerst. Denn das, was diese Band geschafft hat, ist so simpel wie genial. Anonymität und ein herrlich kurioses Outfit. Wer genau Khn De Poitrine und Klek De Poitrine sind, ist nicht klar. Gut so. Das macht neugierig. Dann dieser riesige Helm oder Pappmarché-Kopf der Schlagzeug spielenden Person und diese irre lange Nase und die verrückte Frisur der Gitarre und Bass spielenden Person. Und die Punkte. Und das Schwarz-Weiß. Das knallt halt. Es macht Spaß, es ist gelungen und irgendwie cool. Alle möglichen Konzerte sind entweder ausverkauft oder werden hochverlegt. Hype, Hype, Hype. Ich ich bin kurz davor, auf dem Hype-Train aufzusteigen, wenn mich die Musik nicht doch irgendwie langweilen würde. Der Bass tanzt, der Gitarre sind Taktvorgaben egal und das Schlagzeug scheppert herrlich vor sich hin. Aber mehr passiert doch nicht, oder? Okay, die Nasen wackeln. Aber so musikalisch, atmosphärisch? Da ist ja nicht mal ein Crescendo dabei und es halluziniert nicht. Hm. Okay. Es bleibt aber cool, oder? Ein bisschen schräg, nicht so glatt, ein bisschen unperfekt und doch ziemlich krasses musikalisches Know-How. Wer weiß, was da noch alles kommt…

Dienstag, 7. April 2026

Live in Bremen: Die Sterne

Foto: luserlounge
(Ms) Vorfreude. Warten. Neugier. Langeweile. Ratlosigkeit. Das waren die fünf Stadien, als Die Sterne am Freitag im Bremer Lagerhaus gespielt haben. Fangen wir vorne an.

Vorfreude. Als Die Sterne im Januar ihre neue Platte Wenn Es Liebe Ist veröffentlichten, freute ich mich irre auf die anstehende Tour, denn das Album hat mich ganz schön angefixt. Der Sound, die Energie, der Witz. Da kribbelte es schon in meinen Fingern, konnte es kaum abwarten, bis sie endlich an die Weser kommen. In meinen Gedanken war es schon ein abgemachtes Highlight des Frühjahrs.

Warten. Durchaus kurios an dem Datum war ja, dass es Karfreitag war. In Niedersachsen oder Hamburg hätte dieses Konzert an diesem Tag gar nicht stattfinden können, da das sogenannte Tanzverbot dem ein Riegel vorgeschoben hätte. Doch Bremen hat die kürzeste Stillezeit überhaupt, um 21 Uhr kann alles wieder wie gewohnt rundgehen. Also stellte sich vorher die Frage, ob Resi Reiner, die den Abend eröffnete, erst um 21 Uhr anfängt. Ach, ganz so eng hat man es dann doch nicht genommen und gegen viertel nach acht ging es los. Licht aus, Spot an.

Neugier. Die Wiener Musikerin kam auf die Bühne, platzierte sich zwischen Keyboard und Drumcomputer und ließ ihren Elektropop durch das ausverkaufte Lagerhaus schallen. Charme, Witz, sich selbst nicht allzu ernst nehmen - das stand im Vordergrund. Und die BremerInnen haben es dankend angenommen, die Menschen setzten sich in Bewegung, fingen an zu schmunzeln, ließen sich durch ihre Lieder tragen. Das hat sehr viel Spaß gemacht. Es war ein kurzweiliger Auftritt, der mir persönlich Lust auf mehr ausgelöst hat - da könnte noch sehr viel Tolles kommen von der Dame mit den irren Augen!

Langeweile. Ja, das dieses Wort hier überhaupt auftritt, hätte ich im Vorhinein auch nicht gedacht. Aber - um es direkt vorweg zu nehmen - der Auftritt von Die Sterne hat mich schlussendlich gelangweilt. Uninspiriert und matt schienen die MusikerInnen auf der Bühne. Müde gar. Vor zwei Jahren sah ich sie noch beim Watt En Schlick, es war energiegeladen und tanzbar! Woran hat es gelegen? Wahrscheinlich an einem Mix. Es war schon spannend, dass Frank Spilker solo und mit Akustikgitarre Universal Tellerwäscher als Start darbot. Das war ungewohnt, aber irgendwie gut. Danach kam die Band auf die Bühne und sie spielten das aktuelle Album in Gänze. Nicht ganz von vorne bis hinten, aber weitestgehend. Doch da stimmte was nicht - waren die Instrumente nicht richtig eingestellt? Das Keyboard zu dominant, die Gitarre zu leise? Ach, ich weiß es nicht. Der Funke sprang nicht über. Tatsächlich sah man das den Menschen auf der Bühne aber auch an. Da fand wenig Austausch statt. Jeder bleib ein wenig bei sich, als Band waren diese vier Menschen irgendwie nicht aufgetreten. Klar, es legte sich, als sie später Was Hat Dich Bloß So Ruiniert oder Du Musst Gar Nichts gespielt haben. Da kam mehr Energie. Aber das großartige GNZRZND oder Fan Von Irgendwas schienen nur so runtergespult. Bei Hallo Euphoria bleib letztere irgendwo in der Luft hängen. 

Ratlosigkeit. Ging das jetzt nur mit so? Der Applaus sagte etwas anderes. Doch ein paar andere Stimmen aus unserer Gruppe gingen in eine ähnliche Richtung. Das ist natürlich immer etwas enttäuschend. Aber es kann ja auch nicht immer alles großartig, perfekt, ideal, wahnsinnig, umwerfend, bäääm sein! Ob es nun am Sound oder an der schon etwas anhaltenden Tour der Band liegt - keine Ahnung. Was mir bleibt, ist, dass ich Resi Reiner als tolle Musikerin entdeckt habe, bei der es sich sehr lohnt zu schauen, was als nächstes kommt.


Freitag, 3. April 2026

KW 14, 2026: Die luserlounge selektiert

Quelle: pixabay.com / 
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Ist es ein Virus meiner Generation oder liegt es an irgendwelchen ungeschriebenen Gesetzen, dass To-Do-Listen viel zu überbewertet sind und richtig stark stressen? Was soll dieser Abarbeitungswahn? Oder gibt es wirklich so viel zu tun? Oder rede ich mir das nur ein? Was davon ist wirklich wichtig? Was muss ich denn wirklich tun? Und warum immer „müssen“? Das, was mir wichtig ist, sollte mir doch so wichtig sein, dass ich es eh mache, oder? Wäre für den Rest nicht eine Verschiebung in der Wahrnehmung besser? Können wir vielleicht das ganze Ding umtaufen und uns ein wenig austricksen? Ein Versuch ist es doch wert, oder? Wie wäre es denn mit einer To-Want-Liste? Das würde doch den Druck nehmen, den Stress reduzieren. Es soll aber nicht die Verantwortung nehmen, selbstredend gibt es Dinge, die ich als erwachsene Person machen muss. Aber beim Rest ist es doch ein Versuch wert, mehr zu wollen als zu müssen. Los geht‘s!

AIMING
(Ms) Es gibt ja mittlerweile diese abendlichen Kurz-Partys. So von 19 bis 21 Uhr oder so. Als ich das erste Mal davon las, habe ich es aus irgendeinem Reflex heraus belächelt. Nun finde ich das Prinzip gar nicht mehr so schlecht. Ganz ehrlich: Freitags feiern gehen ist so gut wie unmöglich. Samstags Erholungszeit, Sonntags haben die Clubs zu. Dilemma. Aber das wird nun gelöst durch eine noch komprimiertere Party-Variante. Das Duo AIMING aus New York hat vor zwei Wochen eine EP mit vier Tracks veröffentlicht, die so viele Zustände abdecken, dass man gut dazu feiern kann. Snail & Wreck heißt die Platte, hat eine Spielzeit von 16 Minuten und beginnt erstmal sehr breitflächig Shoegaze-mäßig entspannt. Erstmal reinschweben. Auf First At The Accident erhöhen die Synthies merklich das Tempo, der Körper gerät in angenehme Wallungen. Shit In The 80s ist genau das, was der Titel sagt: Allerbester, basslastiger Dark Wave, der den Trip herrlich intensiviert. Ja, diese EP ist eine sehr gute Möglichkeit, um kurz aber wirkungsvoll aus dem Alltag zu treten und alles fallen zu lassen.  


Blood Red Shoes
(Ms) Im sehr guten Reflektor-Podcast zwischen Jan Müller und Tristan Brusch bezeichnete sich letzterer in seinen Zwanzigern als „Musik-Snob“. Hach, den Begriff fand ich direkt ganz toll. Als ob man halt alles weiß und die Weisheitssuppe schon zwei Mal ausgelöffelt hat. So ging es mir auch in dieser Zeit. Ich dachte, alles zu kennen, alles zu wissen und nur Sigur Rós zählen (na gut, für mich sind sie immer noch die musikalische Maxime). Egal. Worauf ich hinaus will: Bei so einer Einstellung geht echt viel an einem vorbei. Blood Red Shoes zum Beispiel. Eine Band, die ich nie gehört habe und ich kann nicht mal sagen, wieso oder wieso nicht. Vielleicht lag es am Überangebot oder am Snobismus. Das britische Duo hat unlängst eine neue Single veröffentlicht, die hervorragend an die goldenen 00er-Jahre erinnert. Verträumt, aber nicht langweilig. Eingängig, aber dennoch treibend. Screams heißt der Track und sicher - so läuft das Geschäft nun mal - wird da noch eine Platte folgen, denn Tourdaten gibt es schon für den Herbst:

08.10. - Zürich - Plaza
09.10. - Wien, Flex
12.10. - München, Technikum
13.10. - Berlin, Festsaal Kreuzberg
14.10. - Hamburg, Uebel & Gefährlich
15.10. - Köln, Bürgerhaus Stollwerk


Blond
(Ms) Viel drüber gelesen, nie gehört. Wieso?! Keine Ahnung. Vielleicht liegt es am musikalischen Überangebot (s.o.) oder an manchmal begrenzten mentalen Aufnahmekapazitäten. Es geht um die Bald Blond, die in den letzten Jahren ziemlich durchgestartet ist und ziemlich abzureißen weiß. In irgendeiner Musikkultur-Doku haben sie erzählt, wie schwer es ist, als Frau backstage irgendwo ungestört duschen zu können. Ist halt alles für Kerle ausgelegt. Ekelig. Doch das Trio ist eine starke, laute, elektrisierende Stimme, die diesen Wandel kräftig mit nach vorne peitscht. Offen, ehrlich, kritisch, mitreißend. Letztes Jahr erschien ihre aktuelle Platte Ich Träum Doch Nur Von Liebe mit der sie in Kürze wieder fleißig durch die Gegend touren - alle hin da, okay?

22.04.26 Kiel, Die Pumpe
23.04.26 Hannover, Capitol
25.04.26 Rostock, Moya
26.04.26 Bremen, Modernes
28.04.26 Münster, Skaters Palace
29.04.26 Düsseldorf, Zakk
01.05.26 Dortmund, FZW
02.05.26 Saarbrücken, Garage
03.05.26 Heidelberg, halle02
04.05.26 Erlangen, E-Werk
06.05.26 Graz (AT), ppc
08.05.26 Bern (CH), Dachstock
09.05.26 Wiesbaden, Schlachthof
10.05.26 Erfurt, Club Central
29.05.26 - 30.05.26 Konstanz, Campus Festival
18.06.26 Halle (Saale), Campusfestival
23.07.26 - 26.07.26 Karlsruhe, Das Fest
31.07.26 - 01.08.26 Bonn, Green Juice Festival
04.09.26 - 05.09.26 Ratingen, Jetzt & Immer Festival
19.09.26 Osnabrück, Campus Festival Osnabrück
24.07.26 Dresden, Konzertplatz Weißer Hirsch
13.08.26 Berlin, Kulturbrauerei Open Air


Káryyn 
(Ms) Wenn sich künstlerische Schleifen schließen, dann knistert es doch in der Luft, oder? Ah, ich bin großer Fan davon. Die Künstlerin - ja, es geht hier nicht nur um Musik - Káryyn veröffentlichte vor einigen Wochen ein tolles Tanz-Performance-Video. Nun gibt es eine neue Single und zu End Of Knowing You geht es im gleichen Setting weiter. Ein wunderschönes Zeichen, wie ganzheitlich Kunst funktionieren kann. Der Track ist eine Auseinandersetzung zwischen erotischer Begierde, unerfüllten Sehnsüchten, ein Schwebezustand der nicht-greifbaren Beziehung. Vielleicht eher zu erahnen, als wirklich in Worten zu verstehen. Das kommt im Video hervorragend zur Geltung - schaut es euch einfach an. Am 29. Mai erscheint ihre Platte Physics Universal Love Language und könnte eine ganz großartige Kunstdarbeitung werden!

Sonntag, 29. März 2026

KW 13, 2026: Die luserlounge selektiert

Quelle: pixabay.com / Maklay62
Überangebot lähmt. Insbesondere diese Serien- oder Filmeaussucherei, wenn man abends einfach mal ein bisschen Berieselung auf dem Sofa braucht. Unendliche Suchen, ewige Durchklickerei durch die ganzen Anbieter und Mediatheken und am Ende schaut man doch wieder das wie immer. Umso besser, wenn das gerade mal nicht geht. Im Urlaub oder so. Wenn da einfach ein ganz normaler Fernseher mit den Sendern steht, die es nun mal gibt. Kein Prime, kein Streaming, kein Netflix, kein YouTube. Geil irgendwie. Da heißt es dann: Stöbern im Programm des Abends, sorgfältig abwägen, was denn wohl passen könnte und dann entspannt zurück lehnen. Weg von diesem ganzen irren alles-ist-immer-verfügbar-Ding. Gruselig. Die Entscheidung kommt dann auch echt viel schneller. Und das ist dann auch gut. Gibt ja halt auch keine große Alternative. Wieder was gemerkt für den Alltag. Film ab!

Sarah Lesch
(Ms) Wie schön die Kunst doch ist. Wie schön sie neugierig machen kann. Wie sie auch ein kurzes Stutzen oder Staunen erzeugen kann: Hm, da muss doch jetzt noch was kommen, oder? Hä, wie ist das denn nun gemeint?! Sarah Lesch erzeugt auf Zwei Von Liebe genau diesen Effekt (zumindest bei mir). Ein Stück, das ganz große, feinfühlige Songwriterkunst offenbart. Denn es baut sich textlich ganz großartig auf. Hier eine weitere Information, da noch ein Aha-Vers und dann macht es auf einmal Klick. Denn der Titel mutet ja auch etwas mysteriös an. Sie meint: Wenn zwei von Liebe reden, kann es durchaus vorkommen, dass sie zwei verschiedene Dinge meinen. Ja, eindeutig ist selten etwas. Gut, sich immer wieder daran zu erinnern. Wir sollten nicht krampfhaft auf unserer Position beharren. Vielleicht mal nachfragen, neugierig bleiben, sich annähern. Manchmal sich auch überzeugen lassen. Ja, wieso nicht?! Eben! Ein tolles Lied, das uns die Musikerin hier schenkt. Es wird auf Poesie & Widerstand, ihrem neuen Album zu finden sein, das am 17. April schon erscheint!

29.03.26 Roth, 33. Rother Bluestage 
30.03.26 Münster, Hot Jazz Club
09.04.26 Konstanz, KULA
10.04.26 CH - Langenthal, Old Capitol
08.08.26 Plauen, Malzhaus
02.10.26 Bayreuth, Das Zentrum
03.10.26 Aschaffenburg, Colos-Saal
04.10.26 Erlangen, E-Werk – Clubbühne
08.10.26 Leer, Zollhaus 
17.10.26 Hoyerswerda, Kulturfabrik 
07.11.26 Lindau, Club Vaudeville


Klez.e
(Ms) Sollte es einem mal nicht so gut gehen, kann man sich nun folgendes Rezept ganz einfach holen: Ein tägliches, großes Synthie-Bad. Es hat reinigende Kräfte, aufbauende Strömungen und sagt auch: Bleib mal im Moment! Den passenden Track dazu liefern Klez.e. Nach ihrem letzten Album Erregung melden sie sich nun zurück! Einmal Mehr Mit Dir Gegen Die Furcht erscheint am 5. Juni und bringt Hoffnung in diese dunkle Zeit. Hymnus ist der erste Track der - mea culpa - schon seit drei Wochen zu hören ist. Große Soundflächen, eine sanfte Melancholie, die Geschichte einer Affäre. Ein starkes hin und her - ist das gut oder schlecht? Soll ich‘s tun oder lass ich‘s sein? Ach, egal - ich gebe mich dem Schönen hin und schaue danach, wie es weitergeht. Große Töne, große Romantik, große Gesten. Wenn das nicht wohltuend ist, weiß ich auch nicht weiter…

17.09.26 Boock, Rinderstall
18.09.26 Göttingen, Exil
19.09.26 Essen, Grend
20.09.26 Köln, Artheater
22.09.26 Leipzig, Moritzbastei
23.09.26 Hannover, Lux
24.09.26 Hamburg, Hafenklang
25.09.26 Bremen, Lila Eule
26.09.26 Chemnitz, Weltecho
27.09.26 Berlin, Frannz
29.09.26 Dresden, Ostpol
30.09.26 Nürnberg, Stereo
01.10.26 Mainz, Schon Schön
02.10.26 Jena, Trafo
03.10.26 München, Milla


Get Well Soon
(Ms) Woher kenne ich das? Woher kenne ich das denn?! Na, woher kenne ich diesen Track denn nun? Ist es ein Cover, ohne es zu deklarieren? Nein, das würde Konstantin Gropper doch nicht machen. Hat er sich eine Melodie geklaut? Eigentlich auch unwahrscheinlich. Mit seinem Projekt Get Well Soon hat er eine weitere Single veröffentlicht: A Night At The Rififi-Bar heißt sie. Nach kurzer Recherche ist klar: Ja, der Track ist wirklich ein Cover. Quasi. Von sich selbst! 2014 veröffentlichte er eine 3er-EP Box, eine hieß The Lufthansa Heist. Darauf ist dieser Song bereits erhalten. Clever: Es gibt die Lieder nicht bei Spotify oder so. Vielleicht fand er das Stück von damals ja so gut, dass er es einfach in einer etwas roheren Variante nun für das kommende Album Minus The Magic (VÖ: 22. Mai) ausgewählt hat. Die Geschichte darauf ist unterhaltsam und sicher jedem bekannt: Was wäre wenn?! Was wäre, wenn ich eine Bar betreiben würde? Ein paar Stammgäste bedienen, Getränke zubereiten, ein bisschen dem Talk of the Town lauschen?! Hach, herrlich. Erneut zeigt Konstantin Gropper, dass doch nicht all sein Schaffen voller Bedeutung aufgeladen ist, sondern auch eine kleine Träumerei sein kann. 

01.06.2026 - Wiesbaden - Schlachthof
02.06.2026 - München - Ampere
03.06.2026 - Erlangen - E-Werk
04.06.2026 - Dresden - Beatpol
05.06.2026 - Berlin - Lido
06.06.2026 - Hamburg - Molotow
07.06.2026 - Köln - Gebäude9
20.06.2026 - Ulm - Ulmer Zelt