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Séance heißt das Album, dass passend kurz vor Halloween am 30. Oktober erscheinen wird. 15 Songs, 55 Minuten Spielzeit. Normale Get Well Soon-Länge also. Wenn die Tracks laufen, wird sofort klar, warum es in diesem Jahr zwei Platten sein mussten. Auf Minus The Magic war der Angry Young Man noch mit voller Gitarrenwucht am Start. Nun, auf Séance, wird es klanglich wesentlich detaillierter. Viel mehr Kleinigkeiten kommen hinzu. Zudem sind die Songs insgesamt viel düsterer geworden. Inhaltlich zum Teil auch. Der Musiker selbst spricht davon, dass dies sein Gothic-Album geworden sei. Nun lässt sich dieses Genre aufgrund der szeneinhärenten Vielfältigkeit kaum definieren. Ist Séance dunkel? Ja! Spielt der Tod eine Rolle? Ja! Kleidet sich der Protagonist szenetypischer? Ja! Geht es mit metaphysischen Dingen zu? Bei Get Well Soon doch sowieso immer!
Den Titel hat Konstantin Gropper ausgewählt, da ihm die Nutzung von KI mit Geisterbeschwörung ähnlich vorkommt. Ja, ist was dran. Und wenn dann die Chefs der dazugehörigen Firmen marketing-strategisch geschickt behaupten, ihre Programme könnten in kürzester Zeit die Menschheit auslöschen, dann ist der eigene Tod, eine unheimliche, dunkle Macht und ein düsterer Sound absolut naheliegend.
Mit einem kurzen, flirrenden Instrumental beginnt Séance. Die Marschroute ist klar. Es darf durchaus etwas gruseln. Mit Goth 101 setzt sich diese Atmosphäre fort. Ja, es geht durchaus hypnotisch zu, Obacht ist geboten beim Zuhören, nicht dass plötzlich die Toten um einen herum aufwachen. Wo im Frühsommer noch die E-Gitarren schepperten, mäandern nun oftmals vom Bass geleitete, dezente Rhythmen durchs Dickicht. Logisch, dass diese beiden Ansätze nicht auf eine Platte passten. Ein bisschen mehr Fahrt nimmt Hallucination No. 4 auf. Das heißt auf keinen Fall, dass es vorher öde war, sondern eher schleierhaft zurückhaltend. Wenn auf diesem Track dann das Tempo anzieht, die Melodien wieder sagenumwobende Höhen erlangen und plötzlich eine starke Kraft entwickeln, herrscht doch eine Dynamik, die von Konstantin Gropper durchaus erwartbar ist: Genial! Ein bisschen erinnert dieser musikalisch-thematische Ansatz an The Horror. Herrlich schauderhaft wird es dann wieder bei Holiday In Lily Dale. Lily Dale ist eine Gemeinde in den USA, quasi das Epizentrum für alle Spirituelle. Auch mit Toten soll dort kommuniziert werden können. Konstantin Gropper nimmt uns Hörende auf diesem Track auf mystische Weise mit an diesen Ort, quasi als Stadtrundgang der Verwunderung. Stark, wie Inhalt und Musik hier Hand in Hand gehen!
Wirklich spannend wird es auf The Wreck Of The Deutschland. Nicht nur wegen des seltsamen Titels. Hier zelebriert Get Well Soon Art Pop vom Allerfeinsten. Akkordeon, kleinteilige Rhythmen, düstere Faszination. Und damit geht es weiter: The Undead Choir ist genau das - ein A Cappella, nur sphärische Klänge im Hintergrund. Okay, es gibt durchaus den ein oder anderen Track, der sich etwas zieht. Doch solche musikalischen Ausflüge sind einfach nur genial. So experimentierfreudig hat man Konstantin Gropper lange nicht gehört. Wow - absolut beeindruckend!
Siri, What Ruined The West ist kurz vor dem Ende nochmal ein spitzen Track, der das Tempo und die Dynamik nochmal anziehen lässt. Und die Frage aus dem Titel ist ja herrlich rhetorisch. Soll mal jemand noch behaupten, Get Well Soon könnten nicht schmunzelnde Unterhaltung. Hier ist der Beweis. Was natürlich auf keiner seiner Platten fehlen darf, ist ein Finale, das sich gewaschen hat. You Need Me heißt es hier. Jaha, wir Menschlein sind schon überaus abhängig vom kleinen schwarzen Bildschirm und was er alles Verlockendes bietet. So spricht am Ende doch nochmal die KI zu uns. Großartig aufgebaut und wirklich unheimlich, wie Konstantin Gropper hier aus der Sicht des Programms zu uns spricht. Hier werden in der Tat Geister beschworen und zum Ende hin scheppert es dann doch noch! Yes!
Séance ist ein wirklich starkes Album! Sehr vielseitig, sehr dunkel und düster. Thematisch ausgefuchst, musikalisch so filigran wie lange nicht mehr. Es darf hochgradig spannend werden, wie die Band das auf der Bühne umsetzt. So viele Sounds, so viele Klangflächen. Aber eines ist sicher: Wer wenn nicht Get Well Soon!
25.01.2027, Frankfurt - Zoom
26.01.2027, Heidelberg - Karlstorbahnhof
27.01.2027, Köln - Gloria
28.01.2027, Münster - Sputnikhalle
29.01.2027, Leipzig - Felsenkeller
30.01.2027, Hannover - Faust
31.01.2027, Berlin - Huxleys
02.02.2027, München - Ampere
03.02.2027, Wien - WUK
04.02.2027, Salzburg - ARGE
05.02.2027, Schorndorf - Manufaktur
16.02.2027, Utrecht - dB’s
17.02.2027, Lille - L’Aéronef
18.02.2027, Paris - Le Café de la danse
19.02.2027, Luzern - Schüür
20.02.2027, Zürich - Bogen






