Freitag, 22. Februar 2019

KW 8, 2019: Die luserlounge selektiert!

Quelle: fitstuff.com.au
(sb/ms) Dinge, die man besonders gerne mag, sollte man verbinden. Dann werden sie noch besser. Beispiel: Ich mag Hamburg, gutes Essen und leckeres Bier. Daher wollte ich am Samstag zur Überquell-Brauerei in unmittelbarer Nähe vom Fischmarkt was essen und trinken. Ja, man den Namen ruhig mal nennen. Die machen gutes Bier. Jedoch: Am frühen Abend wollte ich noch rein, doch das nette Mädel am Eingang entgegnete mir: "Keine Walk-Ins mehr." Ich stutzte und musste nachdenken. Was hat das zu bedeuten? Ich begann zu verstehen und fragte mich: Warum zur Hölle dieser neudeutsche Superquatsch? "Nur noch Reservierungen" hätte es ja auch wunderbar getan. Tatsächlich habe ich woanders noch eine hervorragende Pizza genossen, aber so richtig klar auf diese Formulierung bin ich nicht gekommen.
Wir präsentieren Euch daher in bester Manier, sprachlich mehr oder weniger fein, aber aufrichtig das, was uns für die achte Kalenderwoche des Jahres zweitausendundneunzehn aufgefallen ist:

Lisa Morgenstern
Verrückt: Letztens ging ich mit einem guten Freund an einem Plakat für ein Rap-Event vorbei und meinte: Die kenne ich alle, die da auftreten. Er schaute verdutzt und fragte: Woher?! Ich: Der eine hat ein Feature mit dem anderen gemacht, der dritte hat vom ersten mal einen Track produziert und Nummer fünf finde ich eh gut. So hängt das miteinander zusammen. Nicht nur im Rap.
In der sinnlichen, leisen, gefühlvollen Musik ist das genauso. Lisa Morgenstern ist zum Beispiel Support von Ólafur Arnalds auf seiner aktuellen Tour. Den verehren wir ja eh für seine magische Musik. Sie selbst spielt Klavier und singt und das auf faszinierende Art und Weise. Bewusste Dissonanzen treffen auf große Melodien. Heute erscheint ihre Single Answers und bald gibt es auch ein erstes Album. Chameleon erscheint im April. Wir halten Euch auf dem Laufenden!

24.02. - Cirque Royal, Brussels (mit Ólafur Arnalds)
25.02. - Theater Carré, Amsterdam (mit Ólafur Arnalds)
05.03. - Alte Oper, Frankfurt (mit Ólafur Arnalds)
20.03. - Leeds Town Hall, Leeds (mit Ólafur Arnalds)



Juse Ju
Zugegeben, ich musste Kirchheim unter Teck erst einmal bei einer einschlägigen Online-Karte nachgucken, um zu wissen, wo die Heimat von Juse Ju denn genau ist. In der Nähe von Stuttgart befindet sich also diese Stadt mit dem ungewöhnlichen Namenszusatz. Genau dahin entführt uns Juse in seinem neuen Video zum Song Becoming Juse Ju. Eine Horde begeisterter Fans haben im Bewegtbild mitgemacht und es auch gefilmt. Am Besten direkt mal anschauen. Produziert hat auch niemand geringeres als Dexi-Dexter! Zu hören bekommt ihr den Track live auf der anstehenden Tour und physisch auf der kommenden EP Untertreib nicht deine Rolle (VÖ: 8. März)! Wir sind ja eh Fans, also:

21.02.19 Lüneburg, Salon Hansen
22.02.19 Dortmund, Junkyard 
23.02.19 Kirchheim, Mehrgenerationenhaus Linde
07.03.19 Potsdam Waschhaus 
08.03.19 Rostock, Helgas Stadtpalast 
09.03.19 Bremen, Lagerhaus 
10.03.19 Kiel, Orange Club



Stella Donnelly
"Oh are you scared of me, old man? Or are you scared of what I'll do? You grabbed me with an open hand, the world is grabbing back at you." Wen Stella Donnelly da wohl gemeint haben könnte...? Die 26-jährige Sängerin aus Perth (Australien) nimmt jedenfalls kein Blatt vor den Mund, strahlt Selbstvertrauen aus und ermuntert vor allem die weiblichen Zuhörerinnen, Stärke zu zeigen und sich in der männerdominierten Welt nicht unterbuttern zu lassen. Gut so. Beware Of The Dogs (VÖ: 08.03.) ist jedoch kein feministisches Album, sondern hat das Potential, alle Geschlechter jeden Alters anzusprechen.


Hugo Helmig
Ein Name wie Rudi Rüssel, aber eine sehr angenehme Stimme, die alte Knochen wie mich streckenweise an Paul Young erinnert. Kennt den noch wer von Euch? Wenn die Welt gerecht ist, erobert der gerade mal 20 Jahre alte Däne Hugo Helmig mit seinem Album Juvenile (VÖ: 01.03.) demnächst die Airplay-Charts, denn radiotauglich ist seine Musik aber mal so richtig. Wer es unbedingt schrammlig, indieversifft braucht, ist hier an der falschen Adresse, aber sind wir nicht alle manchmal im Heimlichen auch ein bisschen Mainstream?


Stray Colors 
"Münchner Band des Jahres 2017" - klingt ja schonmal vielversprechend, oder? Dazu noch ein Video, das mich in Erinnerungen an meine Geburts- und Heimatstadt schwelgen lässt und - nicht zuletzt - ein Track, der supereasy beschwingt daherkommt und eine Leichtigkeit transportiert, die in der heutigen Zeit einfach nur wohltuend ist. Die Stray Colors veröffentlichen heute ihre Single Whisky Sour und wem das gefällt, der darf sich sehr gerne auch das letztes Jahr erschienene Album Atomic Bombs & Pirouettes zulegen.



Ten Fé
Als Blogger bekommt man ja so Einiges zu hören. Bei Vielem ist man ganz froh, dass man das vorher nicht kannte und hätte auf den Erstkontakt durchaus verzichten können, manchmal trifft einen ein Album aber beim ersten Hören schon dermaßen tief, dass man sich fragt, wie man die Band seit Jahren nicht auf dem Schirm haben konnte. Letzteres trifft definitiv auf Ten Fé zu, deren neues Werk Future Perfect, Present Tense (VÖ: 08.03.) von der ersten Sekunde an einfach nur verzaubert. "Hab Vertrauen" - so lautet der Name der Band auf Spanisch und ja: wir haben Vertrauen, dass dieses Album nicht ungehört bleibt und die Briten auf ihrer bevorstehenden Tour in vollen Hallen spielen werden. Kauft Euch die Scheibe und lasst Euch die Konzerte nicht entgehen. Uns erinnert die Musik an Junip und New Order und das sind ja wohl wirklich nicht die schlechtesten Referenzen...

07.05. Zürich, Papiersaal
09.05. Wien, B72
11.05. Berlin, Musik & Frieden
13.05. Hamburg, Molotow
14.05. Köln, Studio 672



Reflector
Wenn Ihr nicht offen für Metal und Ähnliches seid, dann braucht Ihr an dieser Stelle nicht weiterlesen. Wenn doch: Reflector aus Graz hauen am 05.04. ihr neues Album Turn raus und setzen ihre mehr als 20-jährige Bandhistorie gebührend fort. Vorwiegend instrumental, hauptsächlich brachial und außer der Coverversion von If You Go Away kein Track unter 5 Minuten - zur Kanalisierung versteckter Aggressionen genau das Richtige.

Foto: Christoph Grill
Puder
Und hier kommt das Kontrastprogramm zu Metal und Haudraufmusik. Denn Catharina Boutari, die sich in ihrem künstlerischen Schaffen Puder nennt, ist etwas verrückt. Sie hat nämlich einfach in einem kurzen Zeitraum mehrere sogenannte Session Tapes raus. Das Konzept: Mit Musikern und dem Produzenten schließt sie sich für ein paar Tage in ein Studio ein, schreibt Lieder, nimmt sie direkt auf und anschließend werden sie veröffentlicht. Nummer 3 kommt am 15. März unter dem Namen Geschichten vom Ende der Welt. Es sind fünf Stücke, die vor Intensität nur so strotzen. Ihre Stimme ist ganz nah dran am Musikkonsumenten und wie ungeheuer vielseitig und sattelfest ist sie denn in der Bespielung unterschiedlicher Genres? Erinnert der Opener Buddy an PeterLichts Fluchtstück mit dem gesprochenen Wort, bedient sie danach Jazz, Soul und melancholische Popmusik. Großes Kino, das sich lohnt zu verfolgen! Einziges Manko: Die schnellen Wechsel zwischen Deutsch und Englisch im Gesang. Aber bald hier live und bestimmt lohnenswert:

16.03.2019 Hamburg, Hebebühne
13.04.2019 Basthorst, Gut Basthorst
26.4.2019, Amsterdam, Session Tapes 4 Liverecordings
25.05.2019 Gummersbach, Gaststätte Jäger
17. oder 24.08.2019, Hamburg, Waldinselbühne


Donnerstag, 21. Februar 2019

Frittenbude - Rote Sonne

Foto: Bastian Bochinski
(ms) Zu Frittenbude hatte ich immer ein sehr ambivalentes Verhältnis. Daher ist diese Kritik jetzt auch sehr subjektiv, aber wann ist sie es nicht?!
Vor elf Jahren kam ihr Erstling Nachtigall auf den Markt. Ziemlich lange her, zwei Jahre waren es noch bis zum Abitur und ihre partydurchtränkten Tracks waren natürlich der ideale Soundtrack zur Kursfahrt nach London. Basslastige Lieder, die sich selbst nicht so ernst nehmen und mit großer Sicherheit auch unter Alkoholeinfluss (oder Schlimmerem) entstanden sind. Die Musik hat den damaligen Puls der Zeit halt ideal getroffen. Katzengold war auch noch okay, doch der Klang wurde verwaschener und dann habe ich sie aus den Augen verloren. Da waren zugegebenermaßen - und ich weiß, dass das ein ziemlich doofes Argument ist - selten dämliche Betitelungen verantwortlich. Delfinarium und Küken des Orion klingt halt so dermaßen Banane, da kann ich nicht einmal drüber lachen. Das was mir musikalisch aus diesen beiden Alben noch in Erinnerung schwebt, ist belanglos und langweilig.

Doch vier Jahre sind ins Land gegangen und es hat den Anschein, als ob Frittenbude von ihrem Image einer Partyband noch weg wollen. Klar, sie haben immer auch persönliche und gesellschaftliche Lieder geschrieben, doch der Hau-drauf-Faktor wurde (sollte?) kleiner werden.
Am Freitag (VÖ 22. Februar) erscheint nun das fünfte Studioalbum Rote Sonne der Exil-Münchener auf dem Stamm-Label Audiolith.
Und es wurde mit einem lauten Krachen angekündigt. Was ist Die Dunkelheit darf niemals siegen denn bitte für ein Brett? Eine astreine und sehr logische Wahl, dieses Lied als erste Auskopplung der Fanschar zu liefern. Nicht nur die klare Kante ist hier das Argument, sondern auch, dass Jörkk Mechenbier - die Stimme von Love A - natürlich ein hochkarätiger Gast auf dem Lied ist. Nur wenige Wochen später lieferten Frittenbude mit Süchtig gleich den nächsten Kracher ab. Das Thema und die klangliche Umsetzung sind auf den Punkt getroffen und jetzt darf keiner sagen, dass er/sie frei von Süchten ist. Meine harmloseste ist wohl Fishermen's Friend.



Allein diese beiden Songs klingen reif, klug und nach erfrischender Innovation. Doch Insel - die dritte Auskopplung - und auch Vida können da nicht mithalten. Zu flach, zu unmotiviert. Leider reihen sich auf Rote Sonne noch ein paar unspektakuläre Lieder ein. Die Beats entweder zu sperrig wie beim Bonustrack Filmriss 2000 oder zu lahm wie auf Emma, auch wenn das ein gefühlvolles Lied sein soll.
Aber Rote Sonne hat noch ein paar feine Überraschungen im Gepäck. Denn Brennen, Kanister und die zweite Hälfte vom titelgebenden Track sind bockstark. Das macht richtig Laune und der Subwoofer kann man wieder zeigen, was er kann.
Also: Entweder richtig überzeugend oder Material, bei dem man locker und schnell auf skip drücken kann. Bleibt unter dem Strich ein schwer zu bewertendes Album. Bei mir persönlich wird es sicher nicht auf Heavy Rotation laufen, weil halt auch das Genre mir nicht mehr so zusagt wie zu Nachtigall-Zeiten. Doch wenn Frittenbude im Sommer auf einem Festival spielen werden, stehe ich mindestens in der zweiten Reihe!



Hier gehen Jakob, Johannes und Martin auf Tour:

21.02.2019 München, Rote Sonne (ausverkauft)
15.03.2019 Hannover, Faust
16.03.2019 Hamburg, Uebel & Gefährlich (ausverkauft)
21.03.2019 Wien, Flex
22.03.2019 Salzburg, Rockhouse
23.03.2019 Graz, PPC
28.03.2019 Dresden, Scheune
30.03.2019 Berlin, Festsaal Kreuzberg
04.04.2019 Jena, Kassablanca
05.04.2019 Leipzig, Täubchenthal
06.04.2019 Wiesbaden, Schlachthof
11.04.2019 Münster, Sputnikhalle (hochverlegt)
12.04.2019 Essen, Hotel Shanghai (ausverkauft)
13.04.2019 Köln, Die Kantine (hochverlegt)
25.04.2019 Nürnberg, Z-Bau
26.04.2019 Stuttgart, Im Wizemann
27.04.2019 München, Muffathalle
16.05.2019 Zürich (CH) - Dynamo
17.05.2019 Dornbirn (AT) - Conrad Sohm
18.05.2019 Heidelberg - Karlstorbahnhof
19.05.2019 Freiburg - Waldsee

Mittwoch, 20. Februar 2019

NH3 - Superhero

Bild: nh3.it
(sb) Stark stechend riechend, farblos, wasserlöslich und giftig - Ammoniak ist ein heimtückisches Gas, das man meiden sollte. Warum ich das schreibe? Weil dieses Biest die chemische Formel NH3 trägt und somit ideal als Überleitung zur italienischen Skacore-Band gleichen Namens taugt. Clever, hm? Wie dem auch sei: bereits seit 2002 beziehen NH3 Stellung gegen Rassismus, Faschismus und Homophobie und verpacken ihre Standards in ordentlich tanzbare Melodien mit größtenteils italienischen Texten. Jetzt, 17 Jahre nach ihrer Gründung und inmitten einer weltpolitischen Situation, die von Panikmache, Angst, äußerst unerfreulichen politischen Entwicklungen und wachsender Hoffnungslosigkeit geprägt ist, veröffentlichen NH3 am 01.03. ihr Konzeptalbum Superhero, das den Hörer ermuntern möchte, aus seiner Schockstarre zu erwachen, den Arsch hochzubekommen und sein eigener Superheld zu werden.

Ohne ein funktionierendes Selbst, ein starkes und in sich selbst ruhendes Ich, das sich unabhängig von allen äußeren Einflüssen immer wieder selbst definiert und behauptet, ist alles andere zum Scheitern verurteilt - und so beschreibt Superhero eine Entwicklung in zwölf kleinen Schritten, die Anleitung dafür sind, zum tiefen inneren Glück zu finden, um aus dieser Position heraus gestärkt und unverwundbar wie ein Superheld allem zu trotzen, was einen runterziehen, angreifen oder verletzen will. Dass jeder dieser Superheld sein kann, wird schon bei der Gestaltung des Covers ersichtlich, denn das Gesicht des Hero wird für das eigene Konterfei ausgespart.

Bild: facebook.com/nh3skacoreband
Musikalisch setzen NH3 auf Bewährtes, man kehrt teilweise sogar wieder etwas mehr zu den Hardcore-Wurzeln zurück, aber natürlich stellen die Bläser auch diesmal wieder ein zentrales Motiv der Italiener dar, die durch ihre Melodien die geneigten Tanzbeine ordentlich zum Schwingen anregen. Mit Dema von der befreundeten Band Talco findet sich auch ein über Italiens Grenzen hinweg bekannter Gastmuisiker auf Superhero wieder, wobei diese Kooperation zudem die These stützt, dass kein Superheld ohne die Hilfe von Freunden auskommt, um die steinigen Wege, die einem diese Welt bietet, zu beschreiten.

Lange Rede, kurzer Sinn: starkes Album, tolle Statements und ungemein tanzbar! Warum NH3 aber immer wieder ihre Refrains auf Englisch unters Volk bringen müssen, erschließt sich mir auch auf diesem Album nicht.

Live sind die Italiener ja ohnehin eine Wucht und davon könnt Ihr Euch bald selbst überzeugen:

08.03. Hamburg, Hafenklang
09.03. Berlin, Clash
22.03. Köln, Sonic Ballroom
23.03. Karlsruhe, Alte Hackerei
29.03. Bern (CH), Dachstock
30.03. Burgdorf (CH), Kulturhalle Sägegasse
05.04. Düsseldorf, Pitcher
06.04. Stuttgart, Keller Club
25.05. Kronach, Die Festung Rockt-Festival
tbc




Montag, 18. Februar 2019

luserlounge proudly presents: Sonars

Foto: facebook.com/sonarsmusic
(sb) So, jetzt haltet Euch mal fest: wir, also die gemütliche luserlounge, einst gegründet von drei Freunden aus Pfaffenhofen und nun betrieben von zwei Teilzeitmusikfanatikern, präsentiert die bevorstehende Europatour der Sonars! Wie geil ist das denn bitte? Schon abgefahren, welche Abzweigungen der Zufall manchmal wählt, aber wir freuen uns natürlich mega und sind schon auch a bisserl stolz, als Medienpartner am Start zu sein und unser Logo auf den Plakaten zu sehen. Wer hätte das denn jemals gedacht? Da trifft es sich selbstverständlich auch sehr gut, dass das italienisch-britische Duo am kommenden Freitag (22.02.) sein neues Album Theatre Of Darkness veröffentlicht, in das wir schon mal für Euch reingehört haben.

Aber wer sind denn die Sonars überhaupt?  Die Band wurde von Frederick Paysden (Brighton) und Serena Oldrati (Bergamo) gegründet, die beide nicht nur singen, sondern auch Gitarre, Keyboard, Synthesizer und Bass spielen. Mit Unterstützung von Samplern, Drum Machines und Loopstations, mit denen sie ihre Songs Schicht für Schicht erstellen, setzen sie ihre Vorlieben für Alt Rock, Psych Rock und Trip Hop in spannende Soundstrukturen um.

Ihre 2015 selbstproduzierte und veröffentlichte Debüt-EP Jack Rust And The Dragonfly IV wurde von der Presse mit Lob überschüttet und heimste zudem ordentlich Radio-Airplay ein. Die Konzept-EP beschreibt die fiktive Reise des Astronauten Jack Rust an Bord des Raumschiffes Dragonfly IV, inspiriert von Comics wie Jeff Hawke und Doctor Strange von Steve Ditko.

Foto: facebook.com/sonarsmusic
Über 250 Konzerte in ganz Europa und auf namhaften Festivals wie Eurosonic Noorderslag (Niederlande), Bime (Spanien), MIL (Portugal) und dem Mannheimer Maifeld Derby haben die Sonars seitdem gespielt und sich mit Acts wie Primal Scream die Bühne geteilt. Im Jahr 2016 gewannen Serena und Frederick zudem den renommierten Wettbewerb "Arezzo Wave" und wurde mit dem Titel "Beste Band in Italien" ausgezeichnet, was dazu führte, dass sie beim Europavox Festival in Frankreich neben internationalen Berühmtheiten wie The Last Shadow Puppets, The Prodigy, Franz Ferdinand und Thurston Moore auftreten durften.

2018 veröffentlichten sie eine neue Single, die in mehreren britischen Radiosendern gespielt wurde; anschließend folgten offizielle Showcases bei SXSW in Austin, der Canadian Music Week in Toronto und eine ausgedehnten UK-Tour. Nach einer anstrengenden Festivalsaison unterstützten sie Thirty Seconds To Mars und Mike Shinoda (Linkin Park) beim Open Air-Festival Milano Rocks und traten in diesem Rahmen vor Tausenden von Menschen auf. Und nun gehen sie also mit ihrem Album Theatre Of Darkness erneut auf Tour - und die luserlounge ist (zumindest auf den Plakaten) dabei!


Was erwartet uns und Euch dort? Musikalisch lassen sich die Sonars auf kein Genre festnageln, vielmehr spielen sie mit fließenden Übergängen und sorgen so für Spannung. Elektro-Pop wird zu Trip Hop und wenn dann unverhofft ein rockiges Element anklopft, sollte es den Hörer nicht überraschen. Theatre Of Darkness ist ein erstaunlich abgeklärtes, klug konzipiertes und einfach saucooles Album, das zu keiner Sekunde langweilig wird. Songs wie Bad Karma und Come On solltet Ihr Euch keinesfalls entgehen lassen. Also los, hin da! Und nicht vergessen, die Plakate von den Wänden zu reißen und daheim wieder aufzuhängen…



Sonntag, 17. Februar 2019

Live in Hamburg: Hannes Wittmer

So oder so ähnlich. Quelle: facebook.com/hanneswittmer
(ms) Es war seit langem das politischste Konzert, das ich gesehen habe, ohne wirklich politisch zu sein. Doch dazu gleich mehr.
Gestern zeigte sich Hamburg von seiner schönsten Seite. Die Stadt leuchtete unter dem nicht enden wollenden Sonnenschein, aber das Wort Frühling mag ich noch nicht so richtig in den Mund nehmen. Mittags sah ich noch das grauenhafte Spiel von St. Pauli gegen den Erzfeind Aue, das verdient verloren ging, und die Hansestadt kennt tausend Möglichkeiten sich die Zeit bis zum Abend zu gestalten.
Das Uebel & Gefährlich also. Ein großartiger Club, ich habe schon ein paar tolle Konzerte dort gesehen und gestern kam eines dazu. Denn Hannes Wittmer ist im Moment auf großer Spektakel-Tour. Sein neues Album hat er letztes Jahr zum freien Download angeboten und auch seine Konzerte beruhen auf der zahl-was-du-willst-Variante. 18€ refinanzieren die Tour, wenn man zwanzig gibt, ist das sicherlich auch okay.
Langsam füllte sich der Ballsaal mit dem typischen studentischen, links-grünen und mehrheitlich weiblichen Publikum. Um kurz nach acht ging das Licht aus und Felix Weigt, Clara Jochum, Jonny König und Hannes Wittmer betraten die Bühne und wussten die aufmerksamen Zuhörer für zwei Stunden zu verzaubern. Dabei wurden die Perlen des aktuellen Albums intensiv gespielt: Fragen, Rom, Affen, Norden und das von mir äußerst favorisierte 140cm.
Ja, seine Songs sind andächtig, gefühlvoll und zum Teil sehr melancholisch. Doch der Hannes ist ein super Typ, weiß das Publikum herrlich zu unterhalten. Seien es Tricks mit dem Brilleaufrichten, wer die Leuchte des Nordens sei oder das irrwitzige zehnsekündige Pfeifkonzert.
Mit Vorschussjubeln gab es natürlich auch die alten Klassiker wie Photonenkanonen, Teesatz, Elefanten oder das wunderschöne Hier und der Wahnsinn.
An diesem Punkt noch ein großes Lob an das Publikum: Es war unglaublich aufmerksam, ruhig und hat anhaltend und gebührend applaudiert, keine Zugabe-Rufe oder ähnlicher Mist. Alle gaben sich gegenseitig das Gefühl sich an einem Samstagabend sehr wohl zu fühlen.
Zum Ende hin hat Hannes, kurz bevor er das Volkslied gespielt hat, deine aktuelle Herangehensweise an die Musikwirtschaft erläutert und wie er versucht sich dem zu entziehen. Folgt man ihn beispielsweise auf Facebook, hat das den Anschein, dass das gut funktioniert. Selbst am Merch-Stand verschenkt er seine Sachen. Klar, eine Gegenleistung wird schon erwartet, aber sie ist nicht in Stein gemeißelt.
Wer also einen musikalisch herausragenden Abend mit zum Teil nahe gehender Musik erleben will, der kann das in den kommenden Tagen in den folgenden Städten tun. Ich habe ihn nun zum achten Mal live gesehen und freue mich schon auf den nächsten Auftritt, dem ich beiwohnen kann.

19.02. - Trier, Lucky's Luke (Duo-Konzert)
20.02. - Aachen, Musikbunker
21.02. - Köln, Luxor
22.02. - Essen, Zeche Carl
23.02. - Heidelberg, Halle 02



Freitag, 15. Februar 2019

KW 7, 2019: Die luserlounge selektiert

Quelle: upload.wikimedia.org
(sb/ms) SchlaDo. Der scheiß lange Donnerstag. Er ist des einen Freund und des anderen Leid. Die Leidenden müssen auf dem Amt, in der Verwaltung, in den Büros der Kommunen lange verharren und tolle Akten an der Mattscheibe oder digital bearbeiten. Die Freuenden arbeiten auch lang, können dann aber den persönlichen Service unter anderem im Bürgerbüro wahrnehmen. Oder sie versuchen es zumindest. Beispiel: Man kommt um zwanzig vor sechs in der Heimat an und muss eben dort noch schnell etwas erledigen und denkt: Da ist ja eh keiner, ich mache das schnell. Locker hingedüst mit dem Drahtesel und dann erstaunt festgestellt, dass man nicht der einzige mit der tollen Idee ist. Was tun?! Ab nach Hause, keine Lust auf warten, man ist ja auch durch. Nebenbei haben wir natürlich selektiert. Ohne Wartezeit!

Joseph Boys
Wir müssen mal wieder das Thema Bandnamen aufgreifen, weil wir Euch ein sehr gutes Beispiel zeigen wollen. Denn es zeugt von bedingter Kreativität aber sehr viel Humor, wenn man als Band aus Düsseldorf kommt und sich dann Joseph Boys nennt. Doch das Quintett macht keine Aktionskunst sondern gitarrengeladenen Punkrock. Am 26. April wird ihr erstes Album mit dem Namen Rochus erscheinen und ihr dürft Euch auf frischen Wind in der melodieflinken Rockecke freuen. Ganz grob kann man ihren Sound zwischen Love A und Muff Potter verorten. Der erste Höreindruck Freizeitstätte Garath über ihre rheinischen Stadtteilwurzeln gibt es jetzt schon. Ein Aufdrehen der Boxen ist eine gute Idee!



RY X
Wie sagten die legendären Monty Python in der Steinigungsszene bei Das Leben des Brian einst so schön: "Kann es sein, dass Weibsvolk anwesend ist?" Genau darauf setzt RY X mit seinem neuen Album Unfurl (VÖ: heute!), denn die Songs des australischen Musikers gehen direkt ins Herz und erinnern dabei an Bon Iver und William Fitzsimmons. Nicht die schlechteste Voraussetzung also, um auch kommerziell erfolgreich zu sein. Für Freunde der leisen Töne eine absolute Empfehlung! Demnächst auch live:

03.03. Hamburg, Fabrik
07.03. Berlin, Verti Music Hall
08.03. Leipzig, Täubchental
09.03. München, Tonhalle
11.03. Stuttgart, Wagenhallen
12.03. Frankfurt, Batschkapp
13.03. Köln, Carlswerk Victoria
14.03. Atelier, Luxemburg (LUX)
16.03. WUK, Wien (AUT)
17.03. Octagon Theater, Pully (CH)


Orpheo
Rapper sind Dichter und Denker. Kann man so stehen lassen oder es hinterfragen, wenn man bedenkt, dass wir in einer Zeit leben, in der so Spaten wie RAF Camora, Bonez MC, Chakuza die Charts dominieren und auf großen Rock(!)-Festivals auftreten dürfen. Orpheo grenzt sich Gott sei Dank gänzlich von dem Prolo-Scheißdreck der genannten Musiker ab, so wirklich zünden mag seine EP (VÖ heute!) bei mir jedoch nicht. Klar, man findet darauf tatsächlich die ein oder andere lyrische Schönheit und gelungene Metapher, in ihrer Gesamtheit kommt mir die EP jedoch etwas zu pseudo-intellektuell rüber.


Roger Rekless
Und gleich nochmal Rap, diesmal von Freestyle-Gott Roger Rekless, der heute sein neues Album Über die Natur der Dinge veröffentlicht. Bei ihm treffen die vom Kollegen Orpheo propagierten Attribute "Dichter" und "Denker" definitiv zu und egal was er anpackt - es hat Substanz! Ob das nun sein Hardcore-Projekt GWLT ist, sein Team Makasi oder sein Solo-Rap-Projekt: der Künstler aus Markt Schwaben hat etwas zu sagen und tut dies auf eine sehr nachdrückliche Art und Weise.


Schwarz
Von der Gitarre hinter die Synthesizer. Das könnte ganz grob die Zusammenfassung der kreativ-musikalischen Wandlung von Roland Meyer de Voltaire sein. Seine ehemalige Band ist seit langer Zeit Geschichte und ehrlicherweise liefen ihre CDs bei mir in den letzten Jahren auch kaum noch, geriet halt in Vergessenheit. Doch der Künstler blieb. Nur nennt er sich jetzt Schwarz und macht catchy elektronische Musik. Treibender Beat und Ambient müssen sich nicht ausgrenzen. Das Material, das nun auf seinem Solo-Debut-Album erscheinen wird ist sicher gutes Material fürs Radio, aber auch für durchtanzte Nächte. Am 24. Mai wird White Room erscheinen. Jetzt könnt Ihr schon Outside Looking In, die erste Single, hören. Lohnt sich!



Donna Missal
Super Stimme, durchaus toll arrangierte Songs - aber halt leider so gar nicht das Genre, das ich gerne höre. Wenn man auf Alicia Keys oder sowas steht, dann ist man bei Donna Missal aus Los Angeles allerdings bestens aufgehoben und wird sie vermutlich feiern. Ehrlich gesagt tut es mir leid, dass ich über This Time (VÖ: 22.02.) nicht mehr schreiben kann, aber in der Musikrichtung bin ich zu fremd, als dass ich mir tatsächlich ein Urteil erlauben könnte.



Daniel Thorne
Die Wege des Herren sind oft unergründlich. Als ich als Achtjähriger nicht Schlagzeug spielen lernen durfte, weil das in unserem Reihenhaus zu laut gewesen wäre, war ich geknickt. Stattdessen lernte ich Saxophon spielen. Und das erst mit Widerwillen, später mit großer Freude. Heute darf ich Euch einen Saxophonisten ans Herz legen, der extrem experimentell musiziert. Daniel Thorne, aus Australien kommend, heute in Liverpool ansässig, gibt dem Instrument einen extremen Drive. Und er weiß geschickt jegliche Genregrenzen zu sprengen. Keine Ahnung, wo seine EP Lines of Sight einzuordnen wäre. Er arbeitet mit Elektronik, vielen Verzerrern, Dissonanzen ohne Ende und ganz viel Gefühl. Es braucht einige Takte und ein wenig Geduld, um das Wesen des Holzblasinstruments herauszuhören, doch dann wird es spektakulär. Die EP kann laut und leise, ruhig und störend. So habe ich noch nie jemanden Saxophon spielen hören!



Deniz Jaspersen
Ja, es gibt diese Lieder, die wesentlich besser das ausdrücken können, was man selber fühlt aber nicht sagen kann. Diese Woche hat Deniz Jaspersen in diese offene Wunder reingehauen. Und das ganz wundervoll und direkt. Passenderweise heißt das Lied Alte Muster. Stichwort Authentizität. So oft kommt es mir tatsächlich vor, dass man sich selbst nur ganz, ganz schwer ändern kann. Wenn überhaupt. Ja, man entwickelt sich und Änderung passiert. Aber es ist gut möglich, dass es immer einen Kern gibt, der sehr, sehr fest ist.
Ich bin nicht nur froh um dieses wunderschöne Lied, sondern auch, endlich wieder was von Deniz Jaspersen zu hören. Herrenmagazin liegt wohl auf Eis. Und nein, ich wollte damals einem guten Freund schon nicht glauben, der meinte, dass sie sich auflösen. Das will ich nicht glauben. Vielleicht ein Übergang oder eine Transformation. Ja ja, die gute alte Hoffnung...
Doch jetzt gebt Euch dieses tolle Video bitte:


Mittwoch, 13. Februar 2019

Charlotte Brandi - The Magician

Foto: Helen Sobiralski
(ms) Vor einigen Monaten hatte ich eine andauernde Unterhaltung mit einem ehemaligen Arbeitskollegen, die nicht enden wollte. Er warf die Behauptung "Langeweile setzt Kreativität frei" in den Raum. Langeweile als Muse. Das wollte ich nicht so richtig glauben und habe immer wieder versucht dagegen an zu argumentieren. Ich glaube, dass ich es nie richtig geschafft habe und den Knoten im Kopf bin ich bis heute nicht los geworden.
Doch nun es gibt ein beeindruckendes Beispiel, dass das was dran sein kann. Denn ein komplizierter Bruch im Fuß hat die Musikerin Charlotte Brandi vor gut vier Jahren viel Zeit geschenkt und währenddessen begann sie an The Magician zu arbeiten. Das Album, das diesen Freitag (15. Februar) über PIAS erscheint. Natürlich ist es nicht nur ein Bruch, der zu so einem beeindruckenden Album führen kann. Brandi ist ja seit Langem bekannt aus dem Duo Me And My Drummer. Acht Jahre war sie in dieser Formation aktiv, produzierte zwei EPs und zwei Alben. Sie und ihr Schlagzeuger haben ihre musikalischen Wege getrennt und für Charlotte Brandi tut sich mit diesem Album ein atemberaubend Neuer auf!



Im September habe ich sie beim Reeperbahn Festival gesehen und letzten Monat als Support von Sam Vance-Law. Da bot sie ihre neuen Lieder in einer reduzierten Version dar. Nur mit Gitarren, Klavier und Cello. Klar, eine tolle Kombination, aber wenn man The Magician hört, weiß man sofort, dass größere Geschütze aufgefahren werden müssen, um diesen wundervollen Klang auf die Bühne zu holen. Denn genau da gehört er auch hin. Meinetwegen auch ins Theater oder ins Museum. Der künstlerische Aspekt an dieser Platte ist so groß und stark, dass ein einfacherer Hinterhofclub dem nicht gerecht werden kann.
Die ersten Takte der Platte mit dem Stück Veins sind im klassischen Arrangement gehalten: breite Streicher und Chorgesang. Doch nach 32 Sekunden kommt der passende Bruch und macht den Weg frei für einen schönen musikalischen Ausflug. Die Band setzt mit Klavier, Schlagzeug, Bass und Gitarre über die vorherigen Klänge, die aber da bleiben. Ich würde es Art Pop nennen, der Charakter von Kammerensemble bleibt bis zum Schluss erhalten. Ebenso Defenseless. Das ist wahnsinnig retro, doch halt cooler und verspielter. Die leichten Dissonanzen in dem Lied sind so fein gesetzt, dass es ganz rund und nicht störend klingt. Auch die gesprochenen Parts sitzen ganz wundervoll und wohl überlegt. 



Es gibt eine Menge Höhepunkte auf The Magician. Doch My Days In The Cell muss definitiv erwähnt werden. Das Lied transportiert so eine herrliche mystisch-geheimnisvolle Grundstimmung, dass es ganz neugierig macht immer tiefer in die versteckten Winkel dieses Songs zu tauchen. Das ist schlicht und einfach phantastisch gemacht. Und im hinteren Drittel weiß der Track nochmal richtig aufzudrehen!
Two Rows zeigt hingegen die Wandlungsfähigkeit von Charlotte Brandi. Sie ist innerhalb eines Albums auf kein Genre festgelegt. Sie ist in verschiedenen Stilen und Weisen ein Lied zu komponieren extrem fundiert und geschmackssicher. Auch Jenny in Spirit ist super entspannt, ohne langweilig zu werden, dafür sorgen die Streicher- und Chorparts. A String ist ein unbeschreiblicher Hit (in meinen Notizen steht SUUUUUPER), A Word eine schöne ruhige Pause und Where The Wind Blows ein Gospel.

The Magician ist ein tolles Werk. Es ist klug, fein, extrem stark abgemischt.
Charlotte Brandi ist damit eine große Aufmerksamkeit zu wünschen, sie hätte es mehr als verdient.
Es bleibt daher auch spannend, wie sie die breit angelegten Lieder auf die Bühne bringt. In diesen Städten und Clubs könnt Ihr Euch davon demnächst überzeugen. Wir legen einen Konzertbesuch dringend ans Herz!

04.04. Leipzig – Naumanns
05.04. Erfurt – Franz Mehlhose
06.04. Mainz – Schon Schön
07.04. München – Ampere
08.04. A-Wien – Chelsea
10.04. Nürnberg – Club Stereo
11.04. Hamburg - Nochtspeicher
12.04. Berlin – Silent Green
14.04. Dresden – Polimagie Festival @ Beatpol