Freitag, 31. Juli 2026

KW 31, 2026: Die luserlounge selektiert

Quelle: flaticon.com / Md Tanvirul Haque
Glen Hansard ist tot. Was für eine bittere, traurige und schockierende Nachricht. Bei einem Verkehrsunfall. Damit ist nicht nur ein wunderbarer Musiker, sondern auch ein toller Mensch gegangen. Mir ist er - wie wahrscheinlich vielen anderen auch - als Soundtrack-Komponist und -Sänger von Once das erste Mal aufgefallen. Sofort bin ich seiner Musik verfallen. Der Intensität, der leisen, wunderbaren Atmosphäre und natürlich seiner einprägsamen Stimme. Doch er war bei weitem nicht nur der Sänger andächtiger, melancholischer Lieder. Wer ihn mal live gesehen hat, weiß, was für enorme Energie er entfesseln kann. 2016 sah ich ihn das einzige Mal live, beim A Summer‘s Tale Festival in der Lüneburger Heide. Ein stark versnobtes, aber auch wunderschönes Festival. Sein Auftritt war so, so toll. Er lenkte die Stimmung hoch und runter, ließ seine Akustikgitarre bersten, hatte eine große, großartige Band dabei. Voller Inbrunst sang er seine Lieder. Genauso soll er auch in Erinnerung bleiben, als intensiver, leidenschaftlicher Musiker, der solo oder mit The Frame zu verzaubern wusste. Aber er war auch stets engagiert gegen Wohnungsnot und half obdachlosen Menschen in Irland. Was für ein Mensch, was für ein Musiker. Mach es gut da oben.


Get Well Soon
(Ms) Was für ein Schelm, der Konstantin Gropper. Als alter Get Well Soon-Groupie setzten die zwei Albumankündigungen für dieses Jahr einige Gedanken in Gang. Erst dachte ich, dass im Herbst ein Soundtrack-Best-Of kommen würde - genug Material hat er ja geschrieben. Dann kam mir die Idee, dass er seine Bandkarriere beenden wird und ein reguläres Best Of kommt mit einer letzten Tour. Alles völliger Quatsch. Denn Konstantin Gropper hat immer noch Munition im Köcher. Klar, warum nicht noch ein Gothik-Album machen?! Logisch. Verrückter Typ! Aus dem groben Gedanken, ein Album mit KI zu machen, würde eins über diese dunkle Macht. Séance wird die zweite Platte in diesem Jahr heißen und am 30. Oktober, passend zu Halloween, erscheinen. Denn es soll wieder düsterer werden, weniger rockig. Eine Beschwörung findet statt. So soll es doch sein bei Get Well Soon: Völlig unvorhersehbar, immer überraschend, immer genial, nie auf der Stelle stehend. Mit Goth 101 erschien just die erste Single, die sich mit dem Thema KI - Fluch oder Segen beschäftigt. So solle er niemals aufhören, Musik zu machen!

24.01.2027 - Mojo, Hamburg
25.01.2027 - Zoom, Frankfurt
26.01.2027 - Karlstorbahnhof, Heidelberg
27.01.2027 - Gloria, Köln
28.01.2027 - Sputnikhalle, Münster
29.01.2027 - Felsenkeller, Leipzig
30.01.2027 - Faust, Hannover
31.01.2027 - Huxleys, Berlin
02.02.2027 - Ampere, München
03.02.2027 - WUK, Wien
04.02.2027 - ARGE, Salzburg
05.02.2027 - Manufraktur, Schorndorf


Schluma
(Ms) Wie unfassbar notwendig eine Band wie Schluma ist, ist anhand der großen, ja riesigen Konzerte diesen Jahres festzustellen. Wenn in der Tagesschau über BTS und ihre irren Stadion-Shows berichtet wird, braucht es auch die Nachrichten von der Graswurzelbewegung quasi. Nachrichten über Gruppen, wo nichts durchchoreographiert ist, wo einfach mal gemacht wird, egal wer welches Instrument wie gut spielt. Das ist bei Schluma Programm! Aus Bock und Leidenschaft entstehen Geschichten, die bewegen. Geschichten, die unterhaltsam, berührend und vor allem tanzbar sind! Kältewarnung ist ihr jüngster Streich, die nächste Single aus ihrem kommenden Album Heulen Am Wasser (VÖ: 4. September). Es geht um die wackeligen Momente einer Beziehung, Zweifel, unschöne Gefühle. Als schönes Paradox haben sie ein völlig unpassend-passendes Video dazu gedreht, das noch mehr zeigt: Weg von den großen Shows, hin zum Schrammelrock!

14./15.08. Hamburg, Dockville Festival
04./05.09. Hamburg, 10.000 Leute Festival
16./19.09. Hamburg, Reeperbahn Festival
01.-03.10. Wien, Waves Vienna
21.10. Langenberg, KGB
22.10. Oberhausen, Druckluft
23.10. Bremen, Tower Bar
24.10. Osnabrück, Westwerk
28.10. Berlin, Lark
05.11. Oldenburg, umBAUbar
06.11. Hannover, Perle
08.11. Köln, EDP


OVE
(Ms) Es kann alles so leicht und locker sein. So froh und sonnig. Das sollten wir doch viel mehr suchen und zulassen, oder? Das geht ganz leicht, wenn die Musik von OVE läuft. Denn Ove Thomsen ist sicher der bestgelaunteste Musiker überhaupt. Früher noch bei Torpus & The Art Directors und seit einigen Jahren alleine unterwegs oder mit seiner Band. Oder als Autor von Kinderbüchern und Texter von Kinderliedern. In diese Richtung geht auch sein neues Stück Das Krasseste. Ich wollte gar schreiben, dass es ja wieder Musik für Erwachsene sei - aber das ist ja völliger Quatsch! Warum einen Unterschied machen?! Das Liebeslied über den Nachwuchs - kneift mich, wenn das nicht gemeint ist - ist doch wirklich für alle, oder? So unbeschwert, so frohgemut, so wundervoll klingt es. Und bringt frohe Kunde vom nächsten Album, 3/4 LOVE wird am 6. November erscheinen und den positiven Vibe in den Herbst reinspielen!

09.08.2026 Skandaløs Festival
14.01.2027 Berlin - Kulturhaus Insel
15.01.2027 Hamburg - Knust


De Staat
(Ms) Je mehr Musik auf meinem Radar erscheint, desto mehr Bands kommen mir unter, die in den letzten Jahren einfach komplett an mir vorbei gegangen sind. Verrückt, aber wer kann denn auch all die genialen Lieder hören?! Eben. Kommen wir also zu De Staat aus Nijmegen. Seit zwanzig Jahren machen sie Musik, die sich nicht so einfach eingrenzen lässt. Ist das Rock oder Industrial oder Avantgarde oder einfach Kunst?! Je nachdem, was die Band gerade so vor hat, ließe sich vielleicht am besten sagen. Am 18. September erscheint ihr neues, selbstbenanntes Album, das mit hoher Intensität daher ballert! Glory ist ein wirklich krasses Stück, das nicht von unten die ganzen Missstände aufzeigt, sondern die Perspektive wechselt und aus der Sicht der Machtgierigen spricht. Wie eine Predigt kommt dieser Track daher, Kirchenchorgesang als Sample inklusive. Das ist unfassbar genial, gänsehauttreibend, elektrisierend! Da könnte ein erschütterndes Album kommen…

27.10. Heidelberg, Karlstorbahnhof
28.10. Köln, Gebäude 9
30.10. Hamburg, Kent Club
31.10. Berlin, Lido
02.11. München, Ampere
04.11. Zürich, Komplex Club 
05.11. Nyon, Usine à Gaz

Freitag, 24. Juli 2026

KW 30, 2026: Die luserlounge selektiert

Quelle: flaticon.com / riajulislam
Letzte Woche passierte es - der große Knall, der eigentlich keiner hätte sein müssen, aber es doch gut so, wie es passiert ist. Denn die Ausladung von Danger Dan und Igor Levit war nicht nur massive Werbung für beide Musiker und Keine Angst. Es ist auch gut so, dass sich das ZDF in die Enge gedrängt sieht und nach Erklärungen sucht und zugegebenermaßen ziemlich doof da steht. Obendrein kann der Track Einfluss haben auf alle anstehenden Wahlen. Aber mal nacheinander…
Das ZDF lud die beiden aus, weil Teile des Textes als Aufruf zur Gewalt gegen Nazis (also der AfD) verstanden werden kann. Das ist wichtig: kann. Es geht um eine Möglichkeit, den Konjunktiv. Das ZDF hat Sorge vor dem Konjunktiv. Klar, das können die verantwortlichen Menschen dort so entscheiden, aber es ist halt maximal feige. Es ist Kunst innerhalb einer Kabarettsendung. Das gilt es unbedingt zuzulassen. Die Entscheidung des Senders kann auch als Schere im Kopf gedeutet werden kann: Angst und Sorge von der sicher kommenden Pöbelei der im Lied Anzugreifenden. Das wäre richtig feige. Der Sender hätte auch die Chance gehabt, der realen und kommenden Gefahr von Rechts ins Gesicht zu blicken - mit einer gemäßigten Kommentierung natürlich. Das blieb aus.
Die Reaktion von Die Anstalt war dagegen sehr klug, das Thema nochmal extra aufzunehmen. Zudem haben sie dabei Gutachten der Gesellschaft für Freiheitsrechte thematisiert: die Chancen auf ein Verbot der AfD sind sehr gut! Worum es im Lied geht, ist doch klar. Da kann es auch keine zwei Meinungen geben. Die Furchtlosigkeit sollte fokussiert werden. Wenn der Staat nicht aktiv wird, wenn die Parteien nicht aktiv werden, dann muss es die Zivilgesellschaft richten.
Die Wahlen in Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt und Berlin sind nicht mehr weit. Hier in Niedersachsen stehen Kommunalwahlen an. Sabotage sollte erste Bürgerpflicht sein, das Lied ein Aufruf zum zivilen Ungehorsam.
Keine Angst heißt auch die neue Klavierplatte von Danger Dan und sie erscheint am 2. Oktober. Einige Konzerte sind schon ausverkauft. Danke, liebes ZDF.

23.10.2026 Wiesbaden, Schlachthof
26.10.2026 Erlangen, Heinrich-Lades-Halle
27.10.2026 Stuttgart, Wagenhallen
28.10.2026 CH-Zürich, Volkshaus
30.10.2026 Düsseldorf, Stahlwerk
31.10.2026 Bremen, Pier 2
01.11.2026 Bielefeld, Lokschuppen
07.11.2026 Berlin, Tempodrom
27.11.2026 Leipzig, Haus Auensee
28.11.2026 Hamburg, Inselpark Arena
18.12.2026 Köln, Palladium
19.12.2026 München, Zenith
20.12.2026 Wien, Gasometer



Team Scheisse & Audio88 
(Ms) Was ist das denn bitte für eine abartig geile Kombination?! Team Scheisse und Audio88 machen zusammen einen Track, der - erwartbar - komplett auf die Fresse haut. Auf eine ganz bestimmte. Denn wenn jemand gerade dieses Land mit Vollgas gegen die Wand fährt, ist es der Kanzler. Was für eine bittere Aussage. Aber ist halt so. Also: Friedrich Merz heißt der Track und geht - logischerweise - gegen den Entscheider ganz oben. Mit angemessener Ironie sezieren beide das Wirken dieses hochsympathischen Mannes: sich in die eigene Tasche regieren, die Bevölkerung als faul titulieren und alle schön in den Arsch treten: geht doch mal arbeiten, Leute. Letztens las ich, dass die Krankheitstage im Kanzleramt besonders hoch sind. Ja, warum bloß?! Klar, für ihn zu arbeiten muss schon ekelig sein. Aber das ist ja nicht der Grund. Herrje. Je mehr Tritte es nach oben gibt - denn nur das ist der richtige Weg - desto besser. Dieses Mal sogar mit Punkorgel und einem unheimlich schnellen Audio88 - BÄM!


EV
(Ms) Vor einigen Wochen schrieb ich an dieser Stelle über das Watt En Schlick Fest und dass ich zu jenem Zeitpunkt vom Line-Up wenig angetan, aber optimistisch war, da die Veranstaltenden immer ein gutes Händchen haben. Nun ist das Programm bis auf einen Punkt (Hallo, Fatoni?) vollständig und allem Anschein nach extrem stark. Bei einem Act bin ich mehr als hängen geblieben: EV aus Suffolk. Der Musiker bewegt sich zwischen The Prodigy und The Streets. Ja, richtig gelesen - das ist eine höchst abenteuerliche, aber extrem energiegeladene Mischung. Und sie macht wahnsinnig viel Spaß! Krasse Bässe, Sprechgesang, melodiöse Elemente, viel Druck. Ob es jetzt Sorry Mum oder Chaos ist. Bei allen Tracks herrscht eine große Zielstrebigkeit, viel Dringlichkeit und sehr viel Potential live komplett abzugehen. Wenn er kommende Woche Samstag um 23.30 Uhr spielt, freue ich mich schon, vorne komplett durchzudrehen:


Erobique
(Ms) Na, sitzt du auch mal wieder zu Hause rum und wärst gern woanders? Unter Leuten? Auf einer kleinen Party? Auf einem kleinen Rave? Auf einem Kellerkonzert? Mit einem kleinen Rausch? Aber das ist gerade nicht greifbar? Dann kommt zum Glück Erobique um die Ecke und hat genau den Soundtrack parat, um zu Hause richtig abzugehen (kann logischerweise auch live knallen). Mankotwist heißt ein Stück, das letzte Woche veröffentlicht worden ist: Tanzende Keyboards, taumelnde Orgel, ein scheppernder Wecker, psychedelische Klangpingpongbälle. Das macht einfach richtig Laune! Da wollen sich die Beine in Bewegung setzen, da möchte die Hüfte mal eben ein bisschen knacken und das Wohnzimmer zum Tanzparkett erweitert werden. Na, Bock? Hier:


Feverdreamt
(Ms) Ja, der Ist-Zustand ist wirklich nicht gut. Krisen über Krisen. Die einst sicher gefühlte Realität bricht. Oder ist längst gebrochen. Leider ist der Umgang mit diesen Krisen von den politischen EntscheidungsträgerInnen auch nicht geschickt. So findet man sich immer wieder in einer wackeligen Wirklichkeit. Streife ich durch die Nachrichten der Tagesschau-App ist Hoffnung wirklich Mangelware. Das münzen viele KünstlerInnen in ihre Musik um. Auch Alexander Donat tut dies. Zahlreiche Projekte füttert er nimmermüde mit seinen Ideen. Mit Feverdreamt hat er Anfang des Monats ein neues Album veröffentlicht, das diesem brüchigen Zustand ein musikalisches Gewand schenkt: Our Only Fault Ist Existing. Das klingt natürlich erstmal bitter. Und ja, die Stimmung auf dem vergleichbar reduzierten Album ist auch wackelig. Aber es wird nicht aufgegeben. Und darum geht es ja. Dieses Album ist akustischer Goth könnte man sagen. Oder Dark-Folk-Pop. Die Atmosphäre ist fast einschnürend, fast den Atem abklemmend. Aber halt auch nur fast. Darum geht es auch. Eine spannende, lohnenswerte Klangreise!

Freitag, 17. Juli 2026

KW 29, 2026: Die luserlounge selektiert

Quelle: flaticon.com / Shuvo.Das 
Wir haben die schönste Jahreszeit und das ist wunderbar. Viel Gewese wird um das sogenannte Sommerloch gemacht. Und es gut so, dass darüber gesprochen wird. Ich plädiere für das Sommerloch. Und zwar als verpflichtende Nachrichtensperre für alle Menschen landauf und landab. Alle Leute sollten sich zwei, drei Wochen nehmen - oder verordnet bekommen - in denen keine Nachrichten gelesen werden. Obendrein sollte das Handy dabei so oft wie möglich weggelegt werden. Denn dann kann man erst so richtig aufatmen. Dann wird es schön. Dann scheint die Sonne doppelt so stark. Dann ist es völlig egal, wie spät es ist. Dann mal ins Wasser springen oder ein Nickerchen im Schatten. Ich bin für einen starken, regulierenden Staat, der dem Wohl des Menschen dient. Und das sollte auf der Agenda stehen. Zwei, drei Wochen Bildschirmpause für alle!

Endless Wellness
(Ms) Es ist eine Liebe, die seit vielen, vielen Jahren anhält und wenn solche Musik erklingt, dann bin ich mir sicher, dass sie so schnell nicht enden wird: Indierock! Druck, eine gewisse Pragmatik, ein wenig Witz, eine tolle Stimme, satte Gitarren, das Gefühl, unablässig die Faust in die Luft zu recken. Ja, ja, ja!!! Endless Wellness sind vor wenigen Jahren recht plötzlich auf der Bildfläche aufgetaucht und schlagen komplett ein. Ihr zweites Album steht in den Startlöchern und mit Nie Mehr Sicher ist die erste Single daraus seit ein paar Tagen zu hören und sie hat alles, was ein veritabler Indiehit braucht (siehe oben). Den wunderbaren, sehr lyrischen Text zu diesem Song solltet ihr euch auf der Zunge zergehen lassen. Das ist einfach ganz, ganz großartig, klug und auch ein bisschen bitter. So lange solche Musik läuft - und auch wenn sie hier einen wackligen Boden mit sich bringt - ist wirklich alles, alles gut. 

30.07.2026 Diepholz (DE) - Appletree Garden Festival
31.07.2027 Eltville am Rhein (DE) – Heimspiel Knyphausen
01.08.2026 Schnaitsee (DE) – Kuahgartn Open Air
07.08.2026 Königs Wusterhausen (DE) - Bergfunk Open Air
21.10.2026 Innsbruck (AT) - Treibhaus
22.10.2026 Zürich (CH) - Bogen F
23.10.2026 Düdingen (CH) - Bad Bonn
24.10.2026 Dornbirn (AT) - Spielboden
29.10.2026 Wien (AT) - Arena
31.10.2026 Linz (AT) - Posthof
01.11.2026 Graz (AT) - Dom im Berg
04.11.2026 Salzburg (AT) - Rockhouse
05.11.2026 St. Pölten (AT) - Cinema Paradiso
06.11.2026 Villach (AT) - Kulturhofkeller
07.11.2026 Vöcklabruck (AT) - OKH
25.11.2026 München (DE) - Technikum
26.11.2026 Esslingen (DE) - Dieselstrasse
27.11.2026 Köln (DE) - Gebäude 9
29.11.2026 Frankfurt (DE) - Mousonturm
30.11.2026 Hamburg (DE) - Molotow
01.12.2026 Berlin (DE) - Festsaal Kreuzberg
02.12.2026 Leipzig (DE) - Werk 2
03.12.2026 Nürnberg (DE) - Z-Bau


Rahel
(Ms) Es ist gut, wenn jemand den Finger in die Wunde legt. Dann darf es gern richtig weh tun. Dann werde ich aufgeweckt, denke nach und muss schlussfolgern. Nicht nur dreimalklug, sondern praktisch. Gerade habe ich Ferien - es ist großartig! Doch davor, im alltäglichen Hamsterrad, fiebere ich allzu oft aufs Wochenende hin. Gruselig. Als ob fünf von sieben Tagen, oder viereinhalb bis zum erlösenden Freitagnachmittag, nur Qual sind. Davon singt Rahel auf ihrem neuen Track Primetime. Ein vermeintliches Hoch aufs Wochenende. Doch die Frage ist ja: Was ist mit den anderen Tagen? Dienen sie nur als Wartezeit? Traurig wäre es. Eingepackt hat die Österreicherin diesen tollen Track in einen treibenden Indiebeat mit satten Gitarren und schnellem Schlagzeug. Genial, wie variabel diese Musikerin ist, denkt man nur an Weidentier, das ganz anders instrumentiert ist. Hören wir also: große Kunst!


Fluten
(Ms) Anti alles. Das ist ja klar. Ist ja Punk. Doch wie kann man dieses wunderbare Genre noch ein wenig weiterentwickeln? Also wenn man vom klassischen Haudraufpunkrock spricht. Fluten aus Hamburg haben sich da ein sehr raffiniertes, eher unscheinbares, aber sehr wirkungsvolles Mittel ausgedacht: Im Hintergrund vibrieren Synthie-Flächen. Das mag nicht so krass klingen, doch wenn Monster, die neue Single, läuft, dann ist es genau das Element, das einen ohnehin wuchtigen Track noch weiter nach vorn bringt. Textlich handelt es vom selbstgewählten Außenseitersein - Punk pur. Das Ich als Monster in dieser Welt. Am 25. September erscheint ihre neue Platte Kalter Stern und sollte den Herbst richtig erzittern lassen. Das wird enorm, das wird richtig gut! 


Arab Strap
(Ms) Musik - manchmal bist du einfach zu viel. Manchmal gibt es so viel von dir, dass das Ohr selektieren muss. Das Hirn folgt dann unbewusst. So verpasse ich seit vielen, vielen Jahren tolle Songs und großartige Alben. Aber so ist das halt. Auch die Band Arab Strap ist seit gut 30 Jahren einfach komplett an mir vorbei gegangen. Ja, man kann nicht alles hören. Aber warum haben meine Ohren ausgerecht hier pausiert?! Vielleicht um jetzt ihre Musik und ihre bald erscheinende Platte Half-Told Tales (Vö: 4. September) komplett abzufeiern. Das schottische Duo macht seit den 90ern Musik und grandiose obendrein! Dunkel mit satten Beats. Mit bestem gesprochenen Wort. Sehr intensiv, sehr mitreißend! Zur aktuellen Single Glamour Magick haben sich ein durchaus schmerzhaftes Video drehen lassen. Die neue Platte darf ich schon hören und sie läuft auf Heavy Rotation, weil diese druckvolle Musik genau das ist, was mich komplett anzündet. Euch sicher auch! 

 

Eartheater
(Ms) Warum skippe ich den einen Track, der eigentlich viel eher meinen Hörgewohnheiten entspricht und lasse anderes laufen, bei dem ich anfangs dachte: Ach, nee, lass mal. Beispiel Eartheater. Da ist erst einmal ein grandioser Name, oder? Eben! Und dann kommt eine spannende Kombination aus Beat und Stimme, die gar nicht so sehr zusammenpassen mag. Aufs erste Hören zumindest. Der schwere Beat bei Crown Jewel, die leicht düsteren Synthies gepaart mit der sehr klaren Stimme. Zusammen ergeben sie ein ungeahnt harmonisches, soghaftes Klangerlebnis, das unerwartet viel Spaß macht. Der Kopf nickt von ganz alleine mit und die Neugier nach mehr lässt nicht lange auf sich warten. Gut, dass Alexandra Drewchin am Dienstag ihr neues Album Heavenly Body: If I‘m The Bottle You‘re The Message veröffentlicht hat. Sehr experimentell, sehr zum entdecken und gut finden!


Noth
(Ms) Laufen lassen. Unbedingt! Sonst besteht die Gefahr, etwas ganz Tolles zu verpassen. Ja, es mag sein, dass es sich anfangs nicht unbedingt danach anhört. Aber nur Geduld! Das Duo, das hier sanfte, sehr schöne Indiepopmusik macht, heißt Noth und kommt aus Köln und Hamburg. Am 31. Juli veröffentlichen sie ihre EP Wir Wollen Zu Viel und die gleichnamige Single ist seit einigen Tagen zu hören. Reduzierte Instrumentierung mit Klavier und Gitarre und ein bisschen Moll. Eine bittere erste Strophe - es geht um einen Suizidversuch auf dem eigenen Dach - und weitere ernste Zeilen. Zeilen über den Ernst des Lebens. Keine Beschönigung. Keine Romantik. Oder doch? Liegt in der aufmerksamen Betrachtung der Realität nicht doch unfassbar viel Romantik? Nein, keine klassischen Liebesgeschichten, aber ganz viel Menschliches. Luis Schwamm und Linus Kleinlosen singen davon. Und diese fünf Lieder bringen eine tolle Perspektive, um auf das Leben zu schauen. 

Freitag, 10. Juli 2026

KW 28, 2026: Die luserlounge selektiert

Quelle: flaticon.com / shohanur.rahman13
Pah, Sommerloch! Was einst als Nonsensmeldungen für die Nachrichtenflaute in den schönen Wochen und Monaten galt, wirkt schon seit einigen Jahren gar nicht mehr. Ich hätte mal wieder Bock auf einen Bären, der durch die Wälder zieht. Oder minutiöse Meldungen über die Umsiedlung eines bedrohten Lurchvolkes bei einem Brückenneubau. Stattdessen aufgekündigte Angriffsstopps, Revolver als Geschenke, bedenklicher Einfluss auf ein ohnehin schon gruseliges Sportgroßereignis, Reformen, die die wirtschaftlich Schwächsten treffen, Reformen, die nicht durchdacht sind, abgesagte kleine Festivals, weil die Kosten nicht mehr im Rahmen zu halten sind. Was tun - diese Frage stellt sich leider immer wieder. Wohin mit der Ohnmacht und den ganzen Fragen? Die Antwort: in die Kunst, in die Musik, in großartige Pausen mit neuen Impulsen und starken Beats. Los geht`s:

Die Anstalt
(Ms) Einige Trends schlagen ja so richtig gut ein. Einige Sounds, die vorerst wie aufgewärmt klingen, haben plötzlich enorm viel Power. Sie sind tiefer arrangiert, haben eine neue Dringlichkeit und zeigen auch: das, was damals funktioniert hat, kann jetzt immer noch ziemlich satt aufgehen. Rollender Bass aus den 70ern und 80ern und programmatischer Gesang. Druck nach vorn. Das macht das Trio Die Anstalt aus Berlin, die frisch beim sehr guten Label City Slang unterschrieben haben. Das extrem Raffinierte an ihrem Sound ist der Retrosound zusammen mit einer Gitarre, die eine gewisse Lockerheit und sehr pfiffige Abwechslung mit sich bringt. Ihr neuer Song Kalter Schweiß ist seit einigen Tagen draußen und erinnert erstmal natürlich stark an Malaria! aber je länger er läuft, desto mehr Ebenen kommen hinzu. Hier ist also gar nichts aufgewärmt. Hier wird weitergedacht, ausgebaut, aufgedreht. Genial! Am 25. September erscheint ihre erste nach sich selbst benannte Platte und sie gehen demnächst schon auf Tour!

17.07.26 Sehnde, Snntg Festival
18.07.26 Halle, Design Campus, Burg Giebichenstein Kunsthochschule
24.07.26 Magdeburg, Datsche Open Air
14.08.26 Chimaera Festival, Klingemühle
22.08.26 ES-Lleida, Fade In Festival
17.10.26 Hamburg, M.S. Stubnitz
19.11.26 Berlin, SO36


Waving The Guns
(Ms) Warum all der Quatsch? Warum immer neue Musik machen? Wozu der ganze Zirkus? Weil es sein muss! So einfach kann es sein. Weil die Zustände so derart unaushaltbar sind, dass es einzig und allein gilt, dagegen an zu rappen. So Waving The Guns schon seit vielen, vielen Jahre. Und unermüdlich geht es weiter. Mit Wingsuite veröffentlicht Milli Dance mit einem Beat von BRYK einen neuen Track, in dem er genau das sagt: So viele Krisen, so viele antisoziale Entscheidungen in der Politik, so viele Erdbeben. Es wird - wie immer - fleißig um sich getreten. Zum Einen gegen die Ignoranten, zum Anderen gegen die da oben. Für kommendes Jahr ist eine ausgedehnte Tour angekündigt, in der die Hallen wieder beben. Alle hin da!

06.03.2027 Rostock - M.A.U. Club
10.03.2027 Dresden - Tante Ju
11.03.2027 Wien - Arena
12.03.2027 Graz - p.p.c.
13.03.2027 Steyr - Röda
14.03.2027 Innsbruck - PMK
16.03.2027 Ulm - ROXY
17.03.2027 Nürnberg - Z-Bau
18.03.2027 München - Technikum
19.03.2027 Bern - Dachstock Reitschule
20.03.2027 Stuttgart - JuHa Hallschlag
21.03.2027 Fulda - Kulturkeller
25.03.2027 Hamburg - Markthalle
01.04.2027 Bremen - Modernes
02.04.2027 Köln - Live Music Hall
03.04.2027 Hannover - Kulturzentrum Faust
08.04.2027 Jena - Kassablanca
09.04.2027 Dortmund - FZW
10.04.2027 Wiesbaden - Schlachthof
24.04.2027 Berlin - Huxleys neue Welt


King Gizzard & The Lizard Wizard
(Ms) Ist das vielleicht die krankeste Band, die derzeit existiert? Möglich! Die Australier von King Gizzard & The Lizard Wizard veröffentlichen dieses Jahr einfach ihr achtundzwanzigstes (in Zahlen: 28!) Album! Alien Metal wird noch diesen Sommer erscheinen und erneut einen völlig anderen Klang mit sich bringen! Dieses Mal tauchen sie tief ein in die elektronischen Welten. Hypnotisierend kommt ihre neue Single Level 5 daher. Beinahe klingt es wie The Prodigy. Die Gitarren sind vorerst ein wenig geparkt und zahlreiche Effekte, Keyboard, elektronische Spielzeuge nehmen ihren Platz ein. Der Plan geht - wie die zahlreichen Ausflüge in unterschiedlichste Genre vorher - mal wieder völlig auf. Es macht wahnsinnig viel Spaß, einer quasi neuen Band zuzuhören und ihrem Sog zu erlegen. Was für Genies!


Juse Ju
(Ms) Er ist wieder da. Und er schlägt wieder zu. Klar, nur verbal. Dann aber so richtig. Der Jusmeister zerstört die bedeutungslose Musik. Vor einigen Tagen veröffentlichte Juse Ju mit Egalmusik einen neuen Track, der es aber massiv in sich hat. Endlich wieder ein Disstrack. Gegen alle halt. Gegen alle, die nichts zu sagen haben oder irgendwie nach höherem streben. Der Beat so mächtig wie lange nicht. Dazu ein cineastisches Musikvideo. Da wird in diesem Jahr noch mehr kommen, denn im Herbst geht er wieder auf Tour und da wird sicher auch ein neues Album mit am Start sein. 

01.10.2026 - Frankfurt, Brotfabrik
02.10.2026 - Stuttgart, Im Wizemann
03.10.2026 - Kassel, Färberei
15.10.2026 - Dresden, Chemiefabrik
16.10.2026 - Magdeburg, Factory
17.10.2026 - Würzburg, Jugendkulturhaus Cairo
29.10.2026 - Köln, Club Volta
30.10.2026 - Dortmund, JunkYard
31.10.2026 - Osnabrück, Westwerk
11.11.2026 - Rostock, Peter-Weiss-Haus
12.11.2026 - Bremen, Tower
13.11.2026 - Hamburg, Uebel & Gefährlich
04.02.2027 - Nürnberg, Z-Bau
05.02.2027 - München, Ampere
06.02.2027 - Leipzig, Werk 2
19.02.2027 - Berlin, Metropole
08.04.2027 - Wien, B72
09.04.2027 - Innsbruck, Die Bäckerei
10.04.2027 - Zürich, Werk 21


Ebow
(Ms) Sie ist wahrscheinlich die krasseste Künstlerin, die in diesem Jahr neue Musik rausbringt: Ebow! Diese Woche ist ihre dritte neue Single erschienen und sie hat ein drittes, großes, wichtiges Thema und einen dritten, völlig unerwarteten Beat. Was ist los mit ihr? Wie krass kann man denn sein? Auf Butch Im Tank (L.M.S.) sagt sie ziemlich klar, dass sie wirklich die Beste ist. Der neue Track ist eine basslastige Hymne auf lesbische Selbstbehauptung und eine ganz klare Standortbestimmung. Zudem knallt das Stück am Anfang sehr satt und endet beinahe soulig-poppig. Wie variabel, wie gut arrangiert, wie stark getextet. Ebow vereint so viel in ihrer Musik: ihre Familiengeschichte, die Schicksalsschläge in ihrem Umfeld, ihre Sexualität, gesellschaftspolitische Missstände undundund. Ich gehe fest davon aus, dass dieses Jahr noch ein Album kommt, das astronomisch einschlagen wird.

31.07.26 Bremen – TurnUp
08.10.26 Köln – Bürgerhaus Stollwerck
09.10.26 Bremen – Schlachthof
10.10.26 Hamburg – Fabrik
15.10.26 Leipzig – Werk 2
22.10.26 München – Ampere
23.10.26 Wien – WUK
24.10. Frankfurt – Zoom
28.10. Berlin – Columbiahalle

Freitag, 3. Juli 2026

KW 27, 2026: Die luserlounge selektiert

Quelle: flaticon.com / Rakib Hassan Rahim
Oh je! Wie rücksichtslos kann man als Bundesregierung eigentlich handeln? „Die Zahl der Krankentage in Deutschland ist zu hoch“ - so heißt es vom Kanzler. Ja, Fritz - wieso denn nur?! Darum geht es nicht. Keine Analyse des Problems, kein Blick auf die Belange der Menschen hier. Kein Wort, dass wir in einem völlig entfesselten Kapitalismus leben, extrem viele prekäre Arbeitsplätze, die mit die Druck nur bestehen. Personalmangel an allen Ecken und Enden im sozialen und Pflegebereich. Da wird weiter gekürzt. Heißt im Umkehrschluss noch mehr Stress, noch mehr Überstunden, noch mehr Druck, noch mehr Überforderung, noch mehr Krankentage. Tja. Da hat jemand den Teufelskreis mächtig angefeuert. Da arbeitet jemand ganz, ganz fleißig an den weiter steigenden eigenen Unbeliebtheitswerten. Dass die SPD da weiter so krass mitzieht, ist ein reines Armutszeugnis, von der Union ist ja eh nichts zu erwarten. Echt kein Wunder mehr, dass eine faschistische Partei die beliebteste im Lande ist. Das, liebe Bundesregierung, ist euer Verdienst.

Scheitern.dreitausend
(Ms) Ach, es kann manchmal so herrlich einfach sein, oder? Warum das große Gewese um bedeutungsgeladene, möglichst intensive Texte? Es kann doch auch mit wenigen Worten alles gesagt sein. Denn zwischen den wenigen Worten spielt sich eine ganze Welt ab. Dann ist nämlich das eigene Hirn gefragt und setzt seine Arbeit in Gang. Plötzlich ploppen Gefühle auf, Fragen mitunter. Das deklinieren scheitern.dreitausend auf ihrer neuen Single Okay Dann Nicht aufs extremste durch. Es soll hier nichts verraten werden, was die Indierockband aus Bremen sich da Tolles hat einfallen lassen. Abspulen, mitmachen, gut finden:

05.09. Lippstadt - abseite Festival
12.09. Herbstadt - frequency9 Sommerfest
26.09. Köln - Müllem Mon Amour
19.11. Rostock - DIETER
21.11. Osnabrück - Westwerk
27.11. Flensburg - Volksbad
19.12. Bremen - Lagerhaus


Martin Kohlstedt
(Ms) Vor gut einem Monat begann es wieder zu knistern. Die Tasten und Regler beim modularen Songwriting von Martin Kohlstedt haben ein neues Kapitel aufgeschlagen. Kluft heißt sein neues Album, das Ende Mai erschienen ist. Zwölf neue Songs mit gut 40 Minuten Spielzeit lassen wieder große Träume zu. Sanft und zart ist das, was er uns an neuer Musik schenkt. Mystisch und verwunschen gar. Und erneut wunderschön! Es ist Musik zum eintauchen. Kein Wunder, dass er gerne und oft im Wald spielt. Da passen seine Stücke hervorragend hin. Oder auf eine große Wiese in den Bergen. Naturverbunden ist seine Kunst. Und die elektronischen Elemente fügen sich nahtlos ein. Sehr organisch, pulsierend. Wunderschön! Das Tolle ist ja obendrein, dass seine Konzerte dann doch recht wenig mit den Platten zu tun haben. Dann wird improvisiert, dann schmelzen eine Stücke ineinander. Ganz persönlich freue ich mich auf seinen Auftritt beim Watt En Schlick - das wird ein phantastisches Highlight werden!


Attic Ocean
(Ms) Augen zu. Und rückwärts fallen lassen. Sanft landen. Ganz tief durchatmen. Auftanken. Die Faust ballen und zum Himmel strecken. Das könnte eine angemessene Reaktion sein, wenn Attic Oceans neue EP I Promise I‘ll Try Everyday (Vö: heute!) läuft. Großflächiger Shoegaze, breite Arrangements, viel Power, großes Gefühl, wunderschöne Intensität. Allein der Titel dieser EP ist doch ein großartiges Versprechen, oder? Ja, wie oft scheitert man im Alltag an all den Besorgungen, Terminen, Anforderungen?! Eben. Nicht aufgeben. Aus Liebe. Sängerin. Hanni Nasirat bringt es damit auf den Punkt, wenn es darum geht, die Schönheit auch in der tiefsten Dunkelheit zu finden. Denn da lauert viel. Und genau das hat das Quintett auf beeindruckende Weise auf ihre fünf neuen Songs gepackt. 

29.08. Mastholte, Getoese Festival
19.09. Berlin, Automatic Noise Festival


Sinem
(Ms) Seit gut 20 Jahren gehe ich auf Konzerte und Festivals. Die größten Entdeckungen gab es dabei in der Regel bei den Support-Gruppen. Diese magische halbe Stunde zum Einstimmen auf den Hauptact ist vieles. Für die auftretenden MusikerInnen immer eine tolle Chance, neue HörerInnen zu gewinnen. Für die Menschen davor eine phantastische Möglichkeit, Neues zu hören. Win-win! Sinem traten im letzten Jahr als Support von The Notwist im Hamburger Knust auf und es hat direkt geknallt. Psychedelischer Rock anatolisch geprägt und türkisch gesungen. Das ging direkt ins Bein. Und ins Ohr. Denn die Melodien sind durchaus ungewohnt fürs westliche Ohr. Wir Idioten - das wir uns sowas entgehen lassen. Das ist so filigran, so fein und gefühlvoll. Nun hat Sinem mit Ötme Bülbül Ötme eine neue Single draußen und sie macht sofort Bock! Es ist ein Stück aus der Kindheit der Sängerin, neu interpretiert. Auf ihrem neuen Album Hatun, das am 18. September erscheinen wird, sind auch zum ersten Mal eigene Lieder zu hören. Das haut um, das steckt an, das ist stark, das macht Vorfreude! 

10.07.26 Köln, Kulturbunker — Biergarten Sommerkonzert
11.07.26 Pegnitz, Waldstock Festival
24.07.26 Karlstadt, U&D Festival
01.08.26 Schopfheim, Holzrock Open Air
02.08.26 Friedrichshafen, Kulturufer
07.08.26 Plankenfels, Klangtherapie Festival
08.08.26 Rommelshausen, Glashaus Festival
23.09.26 München, Milla — Record Release Show
31.10.26 Berlin, Urban Spree
01.11.26 Leipzig, Conne Island — w/ Peki Momés
02.11.26 Hamburg, Hafenklang
03.11.26 Mainz, Schon Schön
05.11.26 Dortmund, subrosa
06.11.26 Schorndorf, Club Manufaktur
07.11.26 Fürth, Kofferfabrik
13.11.26 Karlsruhe, KOHI
14.11.26 Köln, Privat


Doppelfinger
(Ms) Oh, Herz. Was bist du nur für ein empfindlicher Ort? Was brauchst du an angenehmer Zuwendung? Viel. Und in den richtigen Tönen. Die liefert Doppelfinger dieser Tage in beeindruckender Form! Clemens Bäre aus Oberösterreich steckt hinter dem tollen Künstlernamen und schafft es hervorragend, mit Stimme, Akustikgitarre und einigen Streichern äußerst gefühlvolle und wunderschöne Musik zu schreiben. Footsteps heißt seine neue Single und es enorm, wie stark der Inhalt - Sehnsucht und Angst - sich im Arrangement wiederfindet. Das Stück ist zerbrechlich, aber auch sehr, sehr sanft. Erinnert teilweise an Niels Frevert. Die Musik verlangsamt auch auf zauberhafte Weise den Puls. Hinhören, sich mitnehmen lassen. Ein toller Beweis, wie wirkmächtig Musik sein kann. Und obendrein ein unglaublich intensives Video:

Donnerstag, 2. Juli 2026

Fatoni - Drama Endet Nie

Foto: Michael Weniger
(Ms) Dieses Drama sollte eigentlich schon längst draußen sein. Doch es kamen Dinge dazwischen, so wie Fatoni es bei einem Dissy-Feature Anfang des Jahres auch schon sang. Die Netflix-Serie „Kacken an der Havel“ war sicherlich eines der Dinge, die dazwischen kamen. Ein kleines bisschen drüber, gewollt, aber sonst ganz nett. Mehr nicht. Nicht zu vergessen auch das überragende BAWRS-Album!

Drama Endet Nie heißt die neue Platte, die am 3. Juli erscheint. Und beim ersten Hören hatte ich auch genau diesen Eindruck. Das ist ein kleines Drama. Höhen und einige Tiefen. Und ich weiß überhaupt nichts damit anzufangen. Als Nachos, die erste Single, erschien, war ich voll am Start. Was über ein grandioser Banger, was für ein brachialer Hit! Geld Ist Geil schlägt in genau die gleiche Kerbe. Ein Text wie eine eins, ein Beat, der einem schlaflose Nächte bereitet. Genial. Und dann … kommen noch allerhand andere Tracks.

Alles Neu heißt der Beginn. Und der Track steht irgendwie Pate für viele andere Stücke. Inhaltlich ist es wie eine Coming of Age-Geschichte. Nicht unbedingt ein neues Leitmotiv im Werk vom Münchener. Dafür aber ein starkes Arrangement. Klingt nach Bandsound, geht nach vorn. Aber in meinen Ohren kratzt er inhaltlich auch gewaltig an der Oberfläche. Insbesondere textlich fehlt mir da ein typischer Fatoni-Vibe, es ist recht sanft, poppig. Wann werden endlich wieder Zeilen gebrochen?
Leider kaum.
Die Platte ist auch eine Platte starker Feature-Gäste: Lakman, Mine, Maeckes, Dissy, Ami Warning, Keno. Das kann sich wirklich sehen lassen. Doch der Titeltrack mit Lakman tröpfelt nur so daher. Auch Wann Werd Ich Endlich Ausgetauscht haut wieder in die Irgendwas-ist-immer-Kerbe. Klug ist natürlich die Verbindung mit einer sich äußerst bedenklich entwickelnden KI-Macht. Ansonsten plätschert es weiter fleißig vor sich hin in einem poppig-gefälligen Sound.
Irgendwie überraschend ist Nicht Hollywood mit Dissy zusammen. Doch es ist nicht die geile Art einer Überraschung, sondern ein Gedanke à la: Das habe ich doch in den letzten Jahren an neuem Rap schon tausend mal gehört. Oder? Ein bisschen klingt hier „ich habe es als Außenseiter nach oben geschafft“ durch. Gääähn. Noch belangloser ist da nur noch Vespa. Ja, mag auch irgendwie witzig sein, aber ein Track übers entspannte Rollerfahren?! Puuh! Mit Oktober kommt noch ein Herzschmerzlied. Aber auch das kickt leider null. Irgendwie tut es nicht doll genug weh. Genauso wie Vergissmeinnicht. Ich frage mich ernsthaft, was das soll.

So gern wollte ich diese Platte gut finden, so oft hat Fatoni unfassbar krass abgeliefert, auf einem irren Niveau, raptechnisch, textlich und auch von den Beats her. Aber auf Drama Endet Nie endet das Drama tatsächlich nie. Dieses Album ist wahnsinnig gefällig, irre poppig und weit weg von dem, was er mal gemacht hat. Das ist ja der entscheidende Punkt: Was erwarte ich, wenn Fatoni eine neue Scheibe raushaut? Eine Entwicklung in jedem Fall. Aber keine Abkehr eines Kerns. 

Also. Auf Drama Endet Nie finden sich ein paar starke Fatoni-Songs. Doch leider auch massenweise träge Musik. Hat Fatoni vorher zu viel Pulver verschossen? Kam so viel dazwischen, dass so viel Halbgares dabei ist? Einige Tracks sind mir - wichtig: alles subjektiv hier - viel zu inhaltsleer. Andere viel zu stark bedeutungsgeladen (Ich Will Lieber…). Es fehlt die Mitte und tatsächlich auch eine Demonstration, dass er der Geilste ist. Neben den beiden anfangs erwähnten starken Tracks, kommt natürlich noch ein überragendes Feature mit Mine. Diese beiden KünstlerInnen sind ein enormes Duo. Lange Nicht Mehr Gut setzt da an, wo sie mit ihrer gemeinsamen Platte 2017 aufgehört haben. Da ist immer Spannung drin, da ist immer ein heftiger Beat, da ist so viel Leidenschaft. 

Die fehlt an vielen anderen Stellen. Ich hoffe sehr, dass viele Menschen das sehen, was ich in dieser Platte nicht ansatzweise aufspüren kann: Witz, Punchlines, Diss, filigranes Songwriting, Zeilenbrüche.

03.09.2026 Leipzig, Felsenkeller
04.09.2026 Erlangen, E-Werk
05.09.2026 Stuttgart, Wagenhallen
11.09.2026 Hamburg, Große Freiheit 36
12.09.2026 Köln, Carlswerk Victoria
22.09.2026 AT-Wien, Arena
23.09.2026 München, Muffathalle
24.09.2026 Wiesbaden, Schlachthof
10.11.2026 Hannover, Capitol
11.11.2026 Münster, Sputnikhalle
28.11.2026 Berlin, Columbiahalle


Mittwoch, 1. Juli 2026

Live in Münster: Vainstream - der Samstag

Irgendwo dort: Grandson, Foto: luserlounge
(Ms) Über ein abgebrochenes Festival oder: Wie überlebe ich in der brütenden Hitze?

Das Wetter
Das Wochenende stand unter keinem guten Stern. Unglaubliche Hitze zog übers Land und ließ uns ordentlich ächzen. Doch: Was tun, wenn dann ein Festival ansteht? Also aus Sicht der Veranstaltenden? Wie soll man am besten darauf reagieren? Im Grunde genommen gibt es zwei Möglichkeiten: Absagen oder so viele Maßnahmen treffen, dass es aushaltbar ist. Ersteres wurde gar nicht weit weg von Münster, in Haltern am See, entschieden. Da sollte Jan Delay am Freitag spielen. Für die zweite Möglichkeit hat sich das Vainstream entschieden. Vielleicht auch, weil die Grundvoraussetzungen andere waren. Die Messehallen nebenan boten einen gewissen Schutz und einen Raum für eine Pause zwischendurch. Und als Innenstadtfestival waren sicher viele Anfahrtswege auch nicht so lang.
Aus meiner Sicht hat das Schutzkonzept ganz gut gegriffen. Viele Hinweise zum Sonnenschutz, viele Stellen für Leitungswasser, Abkühlungen an vielen Ecken. Ich war nur am Samstag da und muss gestehen: Es war aushaltbar. Viel Wasser trinken, wenig Bewegung, Kopfschutz und ab dafür. Logisch, alle schwitzten wie bekloppt. Aber alle hatten auch eine Menge Spaß.
Bis 18.30 Uhr.
Da spielten Bloodywood und es wurde zunächst unterbrochen für eine Stunde. Ein Gewitter ziehe auf, hieß es. Und tatsächlich ließ sich das auf diversen Wetter-Apps nachvollziehen. Nur kam halt nichts davon an. Ein Teil löste sich auf, der andere zog an Münster vorbei. Als es dann weiter gehen sollte um 19.30 Uhr, hieß es doch einigermaßen überraschend, dass die Veranstaltung sofort abgebrochen wird. Ein weiteres Gewitter zöge auf und droht, mitten über Münster mit Blitz und Donner einzubrechen. Also los. In meiner Wahrnehmung haben sich alle Leute ohne großes Murren und sehr entspannt auf den Weg gemacht und den Bereich geräumt. Doof nur, dass man nicht mal Pfand zurück geben konnte. Viva von Agua hat sich gefreut - gut so! Und dann? Tja. Dann passierte nichts am Himmel. Nochmal. Sechs Tropfen vielleicht und ein kleiner Wind. Logisch, darauf haben die Veranstalter auch keinen Einfluss. Aber ein Geschmäckle bleibt. Hätte man es weiter laufen lassen können? Ja, bestimmt. Aber dann kommt die unweigerliche Frage: Was wäre wenn?! Und die möchte man lieber mit „Alle sind in Sicherheit“ beantworten. Better safe than sorry. Unmut in den Kommentarspalten. Doch da die richtige Entscheidung zu treffen, ist auch schwer. Im Endeffekt hat das Team des Festivals alles korrekt gemacht.

Das Gelände
Acht Jahre habe ich in Münster gewohnt. Nie war ich auf dem Festival. Kurios. Daher war ich etwas verwirrt, wie das Gelände aufgebaut ist, denn die Messehallen - wenn es nicht die große ist, wo die Donots alle zwei Jahre spielen - habe ich nie besucht. Doch schnell wurde mir klar, was für große Vorteile der Standort hat. Er ist weit genug draußen, damit niemand gestört wird. Zudem ist der Hawerkamp direkt anbei - der (!) Clubstandort der Stadt. Genial! Zwischendurch sind wir auch einmal in der Sputnikhalle vorbeigeschneit. Doch nur recht kurz, da es da drinnen noch wärmer war zuzüglich Luftfeuchtigkeit. Bäh! Also: Das Gelände war super gut aufgebaut und wurde entsprechend gut genutzt. Vieles verlief sich, nirgends wurde es überaus eng.

Die Musik
Achja - unter dem ganzen Thema, dass das Festival ja abgebrochen wurde, kommt der Hauptaspekt - die Musik - doch reichlich zu kurz. Ich war nur am Samstag da, ließ mir aber aus mehreren Quellen sagen, dass der Freitag - insbesondere Landmvrks - großartig gewesen sein soll. 
Vieles vom Line-Up kannte ich nicht. Metalcore und seine Verwandten sind nicht die Genre, die bei mir zu Hause laufen. Doch die musikalische Neugier wurde reichlich befriedigt. Zum Beispiel mit Future Palace. Hui, ging das gut ab. Es wurde ordentlich geschrien und auch ordentlich mit Effekten gespielt. Denn nur Drums und E-Gitarre hätten niemals den Wumms liefern können, der dort zu hören war. Danach ab zu Pöbel MC. Ist ja geil, dass so ein Event auch ganz andere Töne einlädt. Und viele konnten mitrappen - geniale Momente! Danach hat mich Thrown total überzeugt. Eine sehr harte Gangart, sehr kurze Lieder, viel Druck, viel Aggression, aber alles auf den Punkt. Danach der Höhepunkt: Grandson. Das, was der Typ abgeliefert hat, war nicht mehr normal. Er baute seine Tracks derart um, dass sie so live gespielt nirgendwo anders zu hören sind. Es war eine etwas kuriose Mischung aus Placebo und The Streets. Markante Stimme, Sprechgesang, Energie an allen Ecken und Enden. Und großartig gegen die Arschlöcher der AfD gewettert. Bloodywood aus Indien spielten dann nur noch recht kurz. Leicht pathetischer, aber enorm druckvoller Metal, viel Getrommel, doppelter Gesang - Power ohne Ende!
Gern hätte ich noch Architects gesehen. Aber das ist nun mal Geschichte.

Das Fazit - der Ausblick
Was mir sehr gut gefallen hat, war das bargeldlose Bezahlen auf dem ganzen Gelände. Mit einem Chip am Bändchen ließ sich alles erwerben und auch Pfand wieder zurück buchen. Anfang dieser Woche ließ sich der Rest dann wieder aufs eigene Konto gut schreiben. Das war eine sehr gute Idee!
Wie geht es nun weiter? Die nicht spielenden Acts wurden sicher entlohnt, ein Festival dieser Größenordnung ist gegen solche Ereignisse versichert. Der Vorverkauf fürs kommende Jahr lief wohl immens gut an. Tausende Tickets gingen schon weg. Ob das Zugpferd Lorna Shore dafür verantwortlich ist - keine Ahnung (tatsächlich sagte mir die Band überhaupt nichts, ich Metalbanause).
Den Veranstaltenden und den Besuchern fürs kommende Jahr sei mehr Glück beim Wetter gewünscht. Ansonsten ist das Vainstream eine hervorragende Adresse für ausgewählt gute Musik der harten Gangart!