Freitag, 19. Oktober 2018

KW 42, 2018: Die luserlounge selektiert

Quelle: facebook.com/pg/thespace42
(ms/sb) Merkt Euch die Kalenderwoche 42 im Jahre Zweitausendundachtzehn. Da ist nämlich eine Menge passiert. Zum Einen ist Ferris MC bei dem Partyflagschiff Deichkind ausgestiegen. Ehrlich gesagt wusste ich gar nicht mehr genau, dass es die überhaupt noch gibt, hört man ja nichts mehr von. Aber die machen anscheinend neue Musik. Wieso auch nicht?! Dann wurde bekannt, dass zum Ende des Jahres die Spex eingestellt wird. Ach, du scheiße. Erst hat es die Intro erwischt und nun das nächste große Pop-Magazin. Niemand kauft mehr Print. Ich zähle mich im Magazin-Bereich jetzt einfach mal dazu und bin so gesehen auch Schuld dran. Zudem ziehen sich Unternehmen aus dem Printanzeigengewerbe zurück. Dann gab es aber auch noch eine herausragende Nachricht. Denn Dendemann ist wieder da. Nach den raren Festivalauftritten im Sommer, steht nun eine Tour an. Es gibt sie noch, die guten Meldungen!

OK KID
Man muss OK KID für Kaffee Warm dankbar sein: ein Hammer-Track, der einfach immer geht und bei dem man so richtig austicken kann. Was die Herren aber geritten hat, ein Album wie Sensation (VÖ heute) aufzunehmen, bleibt wohl ihr Geheimnis. Zwei der elf Songs sind zugegebenermaßen ziemlich stark (1996 und vor allem der Opener Lügenhits), der Rest hingegen ist sensationell schlecht. Diese Betroffenheit, dieses Anprangern - das klingt so brutal aufgesetzt, dass es wehtut.

  
Holygram
Musikgenrerevival-Bands sind ja im Grunde genommen total langweilig. Außer wenn sie so sehr den Dreh raus haben, dass etwas Vielversprechendes dabei herauskommt. Beispiel: Holygram! Mit A Faction haben sie den Vorboten zu ihrem ersten Album Modern Cults (VÖ: 09.11) veröffentlicht. Es ist eine gelungene Mischung aus den frühen Depeche Mode und Placebo mit eigenem, elektronischen Anstrich. Das weiß hier durchaus zu überzeugen. Starker Song, wir sind sehr gespannt.




Benz
Okay, eine Auto-Anspielung darf bei diesem Namen schon erlaubt sein: Aber wir machen keine Werbung für Vierräder, sondern wollen Euch Musik schmackhaft machen. Mit Benz fällt einem das sehr leicht, so schön sind die Klänge, die die Schwedin, mit bürgerlichem Namen Ebba Salomonsson, produziert. Elektronische Klangteppiche gepaart mit Bläsern, Streichern und einer sanften Stimme. Dazu kommt ein wunderschönes Video, dass diese Töne perfekt in Szene setzt. The Smile ist die Ankündigung des Albums Erazor, das im kommenden Frühjahr erscheinen wird. Voilà:




Das Ding ausm Sumpf
Rap, alte Lady. Du hast so viele schöne Spielarten. Und das, was Das Ding ausm Sumpf macht, gefällt uns extrem. Das Album Raumzeit hat uns schon sehr zugesagt, jetzt wird nachgelegt und mit WWNW (nur weniger) kam diese Woche ein Video raus, das in Marokko gedreht wurde und mit einem saftigen, tiefen Beat zu überzeugen weiß. Die Stimme erinnert ja schon gewaltig an Marteria, aber der Schnurrbart nicht. Drehen Sie die Boxen auf, machen Sie die Augen auf uns dann kommt das hier richtig gut. Gibt's auch bald noch live:

15.12. Kiel - Pumpe
11.01. München - Milla Club
12.01. Augsburg - Grand Hotel




Alice Rose
Es gibt so Scheiben, von denen man sich gar nichts erwartet und bei denen man mangels Zeit dazu tendiert, sie sich gar nicht erst anzuhören. Bei Alice Rose sprang ich Gott sei Dank über meinen Schatten und wurde mit einem bezaubernden Album belohnt: What To Do In The Rain (VÖ: 09.11.) kommt gänzlich unaufgeregt daher, besticht über weite Strecken durch unbeschwertes Songwriting und setzt die Stimme der dänischen Globetrotterin, die sich mittlerweile in Berlin niedergelassen hat, perfekt in Szene. Eine sehr positive Überraschung! Kann man zwar auch bestens neben der Arbeit hören, aber es lohnt sich durchaus, sich etwas näher mit den Texten auseinanderzusetzen und dem Album seine volle Aufmerksamkeit zu schenken.



Razorlight
Was, gibt's die denn noch? Nein, nicht "noch", sondern "wieder"! Der Stern von Razorlight ging vor mittlerweile 14 Jahren auf, doch nach drei Top 5-Alben im UK war es auch schon wieder vorbei mit der Herrlichkeit und seit 2010 trafen sich die Musiker um Sänger Johnny Borrell in neuer Zusammensetzung nur noch sporadisch, um Konzerte zu spielen. Apropos Konzerte: ich persönlich hab ja jedes Recht dazu, grantig auf Razorlight zu sein, denn dreimal hatte ich Tickets für Gigs der Briten und dreimal fiel das Konzert aus: einmal gabs gar keine Begründung, einmal wars aus gesundheitlichen Gründen und einmal wurde der Auftritt kurzfristig abgeblasen, weil die Band ein hochdotiertes Angebot bekommen hatten, um einen Privatgig bei den Reichen und Schönen dieser Welt zu spielen.
So, nun aber zurück zur Gegenwart: Olympus Sleeping heißt das neue Werk, das kommende Woche (26.10) veröffentlicht wird und das einem das Gefühl vermittelt, Razorlight seien nie weg gewesen. Borrell nimmt man seine mittlerweile 38 Lenze eh nicht ab, die Melodien knüpfen nahtlos an alte Zeiten an, in denen Razorlight zusammen mit The Kooks, Hard-Fi und den Kaiser Chiefs die Speerspitze des damaligen Brit-Pops bzw. Indie-Rocks bildeten.
Der Adam Green Skit zum Einstieg ist natürlich sehr originell, danach geht's mehr poppig als rockig zur Sache, die 36 Minuten vergehen wie im Flug. Was bleibt hängen? Es sind schon einige Ohrwürmer am Start, der ganz große potenzielle Hit à la America, der es in England sogar zur Nummer 1 brachte, fehlt allerdings. Anspieltipps: Razorchild, Brighton Pier und Japanrock.




Lazy Lu
Erst denken, dann reden - einfache Regel! In der deutschen Rapszene klappt das Reden bei vielen ganz gut, nur mit dem Denken hapert es oftmals, sei es davor oder danach. Umso schöner, wenn es Künstler gibt, die sich davon abheben und in ihren Texten etwas zu erzählen haben, das über die öde Bitchbumsenblingbling-Scheiße hinausgeht und das Leben in all seinen Facetten beleuchtet. Der Nürnberger Lazy Lu (nicht zu verwechseln mit dem großartigen Juse Ju) ist so ein Exemplar und veröffentlicht am kommenden Freitag (26.10.) sein Debütalbum Laila mit tatkräftiger Unterstützung des Berliner Rappers Lorenz. Reinhören, mögen, kaufen. Manche Dinge sind so einfach.



Donnerstag, 18. Oktober 2018

Live in Köln: Get Well Soon

facebook.com/youwillgetwellsoon
(ms) Okay, die Erwartungen waren riesig, sehr schwer zu erfüllen. Aus einem einfachen Grund: Get Well Soon habe ich erst vor wenigen Wochen auf dem Reeperbahn Festival im Hamburger Michel gesehen. Ein ganz tolles Venue für ein Konzert dieser (Extra-)Klasse und es hat bleibenden Eindruck hinterlassen und noch mehr Vorfreude erzeugt auf den gestrigen Abend in der Philharmonie Köln.

Genau, das ist das Gebäude, auf dessen Außenbereich hinter dem Dom man nicht gehen darf, weil das im Saal zu stark hallt. Das ist auch das Gebäude, unter dessen Bühne in zwei Meter Tiefe die U-Bahn entlang saust. Laut Medienberichten soll auch das zu spüren sein. Gestern war nichts zu erahnen. Trotz dieser kleinen Schönheitsfehler ist festzuhalten, dass die Philharmonie ein chic anzusehender Komplex ist; edel aber nicht zu elitär. Doch: warum ist die Reihe 2, so wie es auf dem Ticket steht, in Wirklichkeit die erste Reihe?! Keine Ahnung, aber immerhin saß ich vollster Überzeugung auf dem falschen Platz, um dann noch nach vorne zu rücken. Why not?!

Die erste Reihe ist bei solch einem Konzert ein ganz besonderer Ort, an dem man den Abend verbringt. Das breite Equipment lässt sich von Nahem begutachten und der Blick auf die vielen GWS-Banner hinter der Bühne oder an den Notenständern waren - auch mit unbewaffnetem Auge - großartige Details.
Schlag 20 Uhr ging das Licht aus und Sam Vance-Law hat mir seiner virtuosen Band das Kommando übernommen. Und wie! Er ist nicht nur ein alter Bekannter von Konstantin Gropper (Dear Reader, Traded Pilots), sondern auch ein erstklassiger Entertainer mit enorm viel Charme. Im Nu hat er das Publikum um den Finger gewickelt und liefert in einer halben Stunde eine feine Auswahl an Songs aus seinem Homotopia-Album: Phantastisch! Musikalisch herausragend, inhaltlich stark und unglaublich sympathisch. Klar, dass man die Platte mit nach Hause genommen hat!

Um 21 Uhr ging dann nochmal das Licht aus und die große Horror-Show hat begonnen. Konstantin Gropper spielt diese Tour nicht nur mit seiner normalen Band, die mit ihm schon zu sechst ist, sondern auch mit einer Big Band, sodass 14 Akteure ihre Instrumente bedienten. Gerne würde ich wissen, wie lange sie üben mussten, um diesen perfekten Klang hinzubekommen, es war ideal abgestimmt. Okay, der Sound in der ersten Reihe ist leider nicht so klar gewesen, aber es war okay. Das extrem aufmerksame Publikum hat das Können mit viel verdientem Applaus honoriert und auch zwischendurch gab es Standing Ovations, womit die Musiker sichtlich nicht gerechnet haben. Neben den ruhigen und mächtigen Liedern des aktuellen Horror-Albums gab es natürlich auch ein paar alte Klassiker zu hören. Die Auswahl der Stücke war sehr harmonisch und mit einigen Details geschmückt, zum Beispiel ältere Lieder in neuem Gewand. Ein sehr cleverer Einfall war zudem, zu Nightjogging einen Jogger auf die Bühne zu holen, der sehr diszipliniert die gesamte Länge des Liedes auf der Stelle gelaufen ist. Gropper kann man nicht mehr vorwerfen, dass er nicht weiß, wie er sonst die Leute unterhalten soll. Vor Jahren hat er mal gesagt, dass er sich ein Witzebuch für die Pausen zulegen sollte. Nein, braucht er nicht. Vor neuneinhalb Jahren habe ich ihn zum ersten Mal gesehen und nun lässt sich gut erahnen, was für eine irre Entwicklung er durchgemacht hat: stets musikalische Perfektion, aber viel mehr aufgetaut auf der Bühne.
Ein wahres Highlight des Abends war, dass sie zum Schluss I Sold My Hands For Food So Please Feed Me gespielt haben. Auf den vergangenen Touren ist dieses Machtwerk öfter aus der Playlist geflogen und nun in diesem wunderbaren Ambiente knallte es den Zuhörern gewaltig um die Ohren.

Was für ein herausragender Abend, es war richtig schön. Toll war es auch von ganz vorne den Musikern direkt ins Gesicht zu schauen, wenn die Lieder an Dynamik gewonnen haben. Intensive, schmerzverzerrte, aber hochzufriedene Mimiken, die schreien, genießen, spielen was das Zeug hält.
Beglückt steigt man dann auch in die Bahn und ist drei Stunden später zu Hause.
Aber okay: Im Michel war es noch ein klitzekleines Stückchen besonderer und besser. Meckern auf hohem Niveau.



Dienstag, 16. Oktober 2018

Live in Münster: Staring Girl

Staring Girl in der Pension Schmidt. Foto: luserlounge
(ms) 15. Oktober in Münster, Westfalen. Streift man abends bei diesen milden, spätsommerlichen Temperaturen durch die Stadt, sieht man Horden an jungen Leuten und erinnert sich plötzlich: Achja, es ist ja Beginn des neuen Semesters und die Erstis erkunden die einschlägigen Lokalitäten der Innenstadt, wo man angenehm oder derbe versacken kann.

Die Pension Schmidt ist eher ein Laden, in dem man tagsüber sehr gut versacken kann, so gemütlich ist es dort. Die alten Sofas und Sessel lassen einen genauso nicht mehr gehen wie die frischen Kuchen, Quiches oder Kaffees.
Für allerhand kulturelle Veranstaltungen zu Abend hat sich die Adresse seit einigen Jahren genauso etabliert. Seien es Pub Quizze, Lesungen oder Konzerte. Eines davon fand gestern Abend statt und die Gruppe mit dem besten deutschsprachigen Album diesen Jahres - bis dato - war der Höhepunkt: Staring Girl. Das Hamburger Quintett um Steffen Nibbe inklusiven ehemaligen Mitmusikern von Gisbert zu Knyphausen wie Frency Suhr am Bass sind auf kleiner Herbsttour und hielten für einen wunderbaren Abend in Westfalen.
Das Konzert wurde von der Münsteraner Band Francois Dillinger eröffnet. Lustigerweise sind dies auch fünf Jungs, die mit entspanntem Indiepop zu unterhalten wussten. Es erinnerte stark an die wunderbaren Herrenmagazin, doch man wurde den Eindruck nicht los, dass es etwas uninspiriert zuging auf der kleinen Bühne. Musikalisch gut, aber der Funke sprang nicht über.

Das änderte sich nach kleiner Umbaupause. Das mag auch damit zu tun haben, dass der Ton nun wesentlich besser abgemischt war, die Klaviertöne waren zu hören, der Gesang wesentlich klarer und das Schlagzeug nicht so scheppernd. Schon nach den ersten Takten lag spürbar in der Luft, dass es in dieser Band ganz hervorragend harmoniert. Es brauchte kaum Absprachen für ein reibungsloses Spiel. Staring Girl entführte die aufmerksamen Zuhörer sofort in eine andere, innere Welt. Die treibenden Horden auf dem Bürgersteig waren kaum mehr wahrnehmbar. Denn Nibbes Texte sind ein Fenster, durch das man klettern kann, um dem Alltag zu entfliehen und komischerweise genau in ihn wieder einzusteigen, nur aus einer anderen Perspektive. Es sind alltägliche Geschichten, es geht um Liebe, Menschen, Diebe, Halunken. Leicht kommt man rein in diese Zeilen und sie tun gut. Sie spielten Lieder von ihren beiden Platten: Cornflakes und Milch, Die guten Gedanken, Jeder geht alleine, Stolpern taumeln und laufenViertel Vor Nichts, Matratzenladenneonröhrenlicht undundund. Zum Glück kommt nie Schwermut, große Melancholie oder Selbstmitleid hindurch in ihren Liedern, ein großer Pluspunkt. Das erlaubt auch gute Ansagen, einen angenehmen Draht zum Publikum inklusive musikalisch untermaltem Werbeblock. Herrlich!
Was doch kurios war - und da schließe ich mich dem Thema der letzten beiden Beiträge an - ist, dass zwischendurch eine etwas ältere Frau auf ihrem Handy laut einen Livemitschnitt eines ihrer Konzerte hat laufen lassen. Wie absurd kann es nur zugehen? Wie respektlos kann man sein? Was soll das? Das kann hoffentlich nur diese Dame erklären.
Sie hat sich zumindest ablenken lassen von wunderbarer, nahegehender Musik. Selbst Schuld.



Montag, 15. Oktober 2018

lit.ruhr in Essen mit Marcus Wiebusch

Quelle: berlin030.de
(ms) Was habe ich mich am Freitag und Samstag noch über das Publikum bei Bukahara aufgeregt. Immer noch zu Recht, wie ich meine. Umso besser, wenn es Veranstaltungen gibt, die auch dem Wirken der Künstler abseits der Bandkonstellation Raum geben. Dazu gehört die lit.ruhr, die in den letzten Tagen auf dem Gelände des Zollvereins in Essen stattgefunden hat. Fünf Tage lang gab es dort zahlreiche Veranstaltungen aus dem Literaturkosmos für Groß und Klein. Einen wahren Höhepunkt lieferte am Sonntagabend ein Interview von Marcus Wiebusch, das von Ingo Neumayer geleitet wurde. Zuerst muss jedoch würdigend hinzugezogen werden, auf welch atemberaubendem Gelände die lit.ruhr stattfand. Der Zollverein in Essen ist ehemalige Kokerei und Steinkohlebergwerg und heute Weltkulturerbe. Wer mal da war, weiß dann auch wieso. Das Areal ist riesig, die Anlagen, Gebäude, Konstruktionen lassen den Besucher staunen. Was dort wohl für ein Lärm, ein Geruch, ein Tempo, ein Gewusel, eine Temperatur vor vielen Jahren geherrscht haben. Unabhängig vom Literaturfestival ist dies einen Ausflug von nah und fern wert!

Marcus Wiebusch also. Er ist in diesem Jahr 50 geworden und erlebt seit letztem Jahr die wohl erfolgreichste Zeit als Musiker. Das Kettcar-Album Ich vs. Wir ist das Beste an deutschsprachiger Gitarrenpopmusik, das in den letzten Jahren das Licht der Welt erblickt hat. Das gibt er selbst auch offen zu, wenn er den klugen Fragen von Ingo Neumayer geantwortet hat. Einige hundert Leute sind gekommen, um diesem Gespräch zu lauschen. Die Halle auf dem Kokerei-Gelände war schön und schnell voll. Dass so eine Menge einen erfahrenen Künstler immer noch nicht kalt lässt, macht Wiebusch so nahbar und extrem menschlich. Nach kurzer Ansage kamen er und Neumayer auf die Bühne und der Sänger war sichtlich aufgeregt, knetete die Hände, suchte an Schuh und Hose nach Halt. Klar, das verflog auch, dafür ist er zu lange im Business.
Kokerei am frühen Abend. Foto: luserlounge
Und genau darum ging es. Es ging nicht nur um Kettcar, um das Grand Hotel van Cleef, um ...But Alive oder sein Solo-Album. Es ging um Marcus Wiebusch als Songwriter, Mensch, Musiker. Dass er dabei auf einer Literaturveranstaltung auftrat, verdankte er hauptsächlich Juli Zeh, die seine Lieder mit guter Literatur verglich, als das letzte Album erschien. Es war ein Abend für Nerds, Fans, Kenner. So ist das halt. Über 90 Minuten lang wurden die Aufmerksamen mit Hintergrundinfos, Geschichten von Kalkül, Krise, Kunst gefüttert. Über die Wichtigkeit eines guten Musikvideos, warum Humor in seinen Songs kaum eine Rolle spielt, über den Moment, als Kettcar kurz vor dem Aus standen und den großen, lohnenden Anstrengungen, sich aufzuraffen. Über das Idol Bruce Springsteen, der Schwäche der deutschsprachigen Popmusik und warum die wenigsten seiner Lieder autobiographischen Anteil haben und immer wieder um den - ja, man kann es sicherlich so sagen - Hit Sommer '89. Und über die wunderbare, vorbildhafte Einstellung eines politischen Menschen, dass Zynismus und Fatalismus nie, nie, nie eine Option sein werden: Sich von den Verbitterten nicht verbittern lassen. Klar, er hat auch ein paar Lieder gespielt: Benzin und Kartoffelchips, Rettung, Balkon Gegenüber mit zweiter Strophe, Was hätten wir denn tun sollen, Ich werde sie Yoko Ono nennen und auch zum gleichzeitigen Erstaunen und der Freude der Anwesenden Balu.
Was mich jedoch noch beschäftigt hat, um den Bogen zu den ersten Zeilen zu spannen, er sprach auch über die großen Gefühle als Musiker. Es seien zwei. Der eine ist der Moment, wenn er auf der Bettkante eine Idee für einen Song hat, bei der er sofort merkt, dass die zündet. Ja, da ist auch Kalkül dabei. Wenn jemand jedoch seit 30 Jahren Musik macht, ist das doch verständlich. Der zweite Schlüsselmoment ist das Stehen auf der Bühne und Spielen der eigenen Lieder, die dann im besten Fall ganz nah an den Menschen gehen. Wenn Band und Publikum Synergieeffekte bilden und verschmelzen. Und das ist bei Kettcar-Konzerten oft zu bemerken: Das Publikum ist enorm aufmerksam, hört zu, lauscht, singt mit, goutiert die Leistung mit Applaus, man kennt sich irgendwie. Solch eine Haltung zwischen Musiker und Publikum finde ich sehr erstrebenswert. Marcus Wiebusch hat eine Menge zu sagen, man sollte ihm noch öfter zuhören. Gelegenheiten wird es ausgiebig geben, denn neue Songs sind bereits in der Mache!

Samstag, 13. Oktober 2018

Live: Bukahara in Münster

Sorgten für Partylaune: Bukahara. Foto: luserlounge
(ms) Liebe Gruppe Bukahara,

Das was jetzt folgt, wird Eurer Musik nicht gerecht. Denn Euer gestriges Konzert im Skaters Palace war wirklich gut, insbesondere ist live die Mischung der verschiedenen musikalischen Einflüsse, die ihr alle mitbringt, genial, kommt sehr gut rüber.
Dennoch habe ich mich relativ weit vorne stehend sehr unwohl gefühlt. Und das lag an einem wahnsinnig rücksichtslosen Publikum.
Bei der wunderbaren Vorband Jamil And The Other Heroes war das noch nicht so zu bemerken. Doch spätestens als Max, Ahmed, Daniel und Soufian ihre Instrumente in die Hand nahmen, passierte etwas Seltsames bei den 1.400 Leuten, die so zahlreich den Laden ausverkauft haben.
Zuhören? Aufmerksam sein? Respekt gegenüber der Musik? Komplette Fehlanzeige! Es wurde sich überall munter unterhalten, als wäre man in einer Kneipe. Dass da vorne eine unfassbar gute Band spielt, die allein durch ihre unterschiedlichen Herkünfte etwas zu sagen haben, politisch und gesellschaftlich, schien völlig belanglos zu sein. Es hat sich wohl herumgesprochen, dass Bukahara live das Publikum in Ekstase versetzen kann. Heißt: Die Leute kommen, um eine Party zu erleben und nicht ein Konzert zu besuchen, das ist meines Erachtens ein Unterschied bei diesem Genre. Wäre da Deichkind, Scooter oder Kraftklub gewesen: okay. Da erwartet man ja gar nichts anderes.
Es findet eine wahnsinnige Beliebigkeit und Eventisierung von Konzerten statt. Das merkt man schon bei den etwas größeren Festivals, die langsam keinen Spaß mehr machen, weil man das Gefühl hat, am Ballermann zu sein. Nennt mich ruhig einen starrsinnigen Spießer, damit komme ich zurecht. Aber ich will mir eigentlich meine Leidenschaft nicht durch einen Haufen ignoranter Idioten kaputt machen lassen.
Das sind auch solche Leute, die nach einer dreiviertel Stunde noch mit vier, fünf Leuten sich in die zweite Reihe drängeln wollen. Kann man machen, ist halt eine Sauerei. Und wenn man diese Menschen dann anspricht und sagt, dass es vorne voll und jetzt direkt vor mir zu stehen auch scheiße sei, bekommt man selbst noch einen blöden Spruch. Das sind Konzerte, die ich so nicht besuchen will und die ich folglich auch nicht genießen kann.
Ja, es ist gut möglich, dass es daran lag, dass ich selbst vorne stand, ich hätte auch nach hinten gehen können, aber nicht aus dem Grund, den Blasierten das Feld zu überlassen. Nein. Um es mit sookee auf die Spitze zu treiben: Einsame Insel oder Untergrund? Mal schauen...

Freitag, 12. Oktober 2018

KW 41, 2018: Die luserlounge selektiert

Quelle: zahlenparty.de
(ms/sb/mb) Am Mittwoch hat sich der Todestag von Nils Koppruch zum sechsten Mal gejährt. Wie schön wären weitere Bilder unter dem Namen SAM oder ein zweites Kid Kopphausen-Album oder ein Solo-Werk? Stattdessen bleibt uns nur die einzige Möglichkeit, seine wundervollen Lieder aus einer langen Schaffenszeit zu hören, genießen, die Texte zu lesen, sich an vergangene Konzerte zu erinnern. Apropos: Bei den Nils Koppruch-Gedenkkonzerten in Hamburg vor wenigen Jahren wurde versprochen, dass das irgendwann regelmäßig stattfinden wird. Doch Kettcar würden darauf antworten, dass irgendwann nur ein anderes Wort für nie ist. Traurig aber wahr? Wir wissen es ja auch nicht so genau.
Die Zukunft liegt vor uns, das wissen wir. Und damit auch Folgendes:

Bosse
Ich mag den Aki Bosse ja: sympathisch, wortgewandt, das Herz auf der Zunge und auf der Bühne ein hervorragender Entertainer. Dazu hat er noch ein außergewöhnliches Gespür für eingängige Melodien und das lässt ihn auch auf seinem neuen Album Alles Ist Jetzt (VÖ: heute!) nicht im Stich. Manche Songs erscheinen zwar etwas zu gewollt (v.a. Pjöngjang), doch das wird durch Perlen wie Hallo Hometown und Robert de Niro mehr als wettgemacht. Der ganz große Kracher à la Schönste Zeit fehlt freilich, als Gesamtwerk funktioniert Alles Ist Jetzt aber spitze und wird die Fanbasis des Braunschweigers sicher weiter vergrößern.



Simon Lewis
Zwar nicht vom Tellerwäscher zum Millionär, aber immerhin vom Straßenmusiker zur Labelhoffnung: Simon Lewis veröffentlicht am 26.10. auf Karmarama sein langersehntes Debütalbum namens Pilot. Die Scheibe klingt deutlich weniger indie, dafür aber sehr viel radiotauglicher als es die Live-Eindrücke (als Support von Olympique) hatten vermuten lassen, das tut der Qualität jedoch keinen Abbruch und ist ein heißer Kandidat für eine positive Chart-Überraschung. Der Österreicher wurde in seiner Heimat sogar schon als bester Songwriter für den Amadeus Award nominiert, es geht also stetig bergauf - und das völlig zurecht!

11.12.18 Wien, WUK  (AT)
29.12.18 Weiz, Kunsthaus (AT)
10.01.19 Götzis, Kulturbühne Ambach (AT)
11.01.19 Salzburg, Rockhouse Bar (AT)
12.01.19  Graz, PPC Bar (AT)
09.02.19 Leoben, Theater (AT)
15.02.19 Bärnbach, Theater (AT)
20.02.19 Köln, Subway (DE)
21.02.19 Hamburg, Nochtwache (DE)
22.02.19 Berlin, Privatclub (DE)
23.02.19 München, Backstage Club (DE)



Tim Neuhaus 
Letztes Jahr hat der von uns sehr geschätzte Tim Neuhaus sein aktuelles Album Pose I + II veröffentlicht. Darauf hat er typische Songs und solche versammelt, auf denen er ein bisschen herumexperimentiert hat. Wie wunderbar, wenn Künstler so viel Freiheit genießen und daraus kreatives Potential schaffen und es sich trauen, daraus eine Platte zu machen. Und sie ist sehr gut geworden! Nun geht er erneut auf Tour. In einigen Städten spielt er als Duo zusammen mit dem kongenialen Kollegen Flo Holoubek, der übrigens letzten Samstag auch bei Theodor Shitstorm in Münster getrommelt hat. Diese Tausendsassa...

06.12. Langenberg, KGB - Kultur.Güter.Bahnhof (Duo)
07.12. Pforzheim, Horch (Duo)
08.12. Köln, Weltempfänger (Duo)
09.12. Wiesbaden, Schlachthof Wiesbaden (Duo)
10.12. Hamburg, Häkken (Band)
11.12. Berlin, Auster Club (Duo)
12.12. Berlin, PRIVATCLUB (Band)
13.12. Leipzig, Bandhaus (Duo)
14.12. Erfurt, Franz Mehlhouse (Band)



Little Dragon
Kurze Frage an all die tollen Musikkenner: Wer veröffentlicht heute denn noch eine EP? Zugegebener Maßen kommt das mitunter sehr selten vor. Gut, wenn das eine große Band vormacht: Little Dragon haben mit Ninja Tune ein neues Label gefunden und werden am 9. November über die neuen Partner eine 3-Track-EP auf den Markt schmeißen. Sie wird auf den Titel Lover Chanting hören und das Titelstück ist nun überall hörbar. Ein bisschen Minimalismus, ein bisschen Groove, ein paar Synthies; Großstadtmusik vom allerfeinsten!




The Nice Nice
Tim & Tom heißt das Duo aus München, dass so MONACO SESSIONS "a fresh new band with a breath of nostalgic sound in their voice, mixed with a futuristic beat which creates an unbelievable atmosphere" machen. Guade Musik aus der nördlichsten Stadt Italiens wollen wir euch nicht vorenthalten, da es zum Einen überragend gut ist, und zum Anderen Sie Freunde der Luserlounge sind. Los geht's: The Nice Nice mit Beached.




Hans Söllner
An Weihnachten feiert Hans Söllner seinen 63. Geburtstag. Bayerische Institution, Legende, Stimme einer Generation und Widerstandskämpfer trotz anhaltendem Gegenwind. Nein, leicht gemacht hat es sich der Hans nie, in Bayern eckt man mit seiner politischen Einstellung und seinen liberalen Umgang mit Marihuana halt (leider) immer noch des Öfteren an. Heute erscheint Söllners vermutlich letztes Album Genug auf Trikont und ist so wie immer, wenn er solo agiert - und das ist alles andere als negativ gemeint: ein Mann, eine Gitarre, deutliche Worte und ein Appell an die Menschlichkeit. Absolute Höhepunkte: Flucht, Untersberg II, A kloans Herz und Im Schatten. Gänsehaut.
Söllners Musik begleitet mich seit mittlerweile 30 Jahren und ich wäre wahnsinnig froh, wenn es mehr Menschen gäbe wie ihn, für die "leben und leben lassen" nicht nur ein Lippenbekenntnis ist.




Christoph & Lollo
Es bleibt politisch und sozialkritisch: Christoph & Lollo durften sich schon als "Kabarettisten" betiteln lassen und so ganz falsch ist das nicht, wenn dabei auch etwas zu kurz kommt, was für tolle Musiker die beiden Wiener eigentlich sind. Bekannt wurden die beiden durch ihre Schispringerlieder (einfach mal "Christoph & Lollo Funaki" googeln), danach öffneten sie sich für globalere Themen und geschadet hat es ihnen nicht. Auch das neue Album Mitten Ins Hirn (VÖ heute) führt dem Hörer die Absurditäten unserer Welt auf sehr unterhaltsame Art und Weise vor Augen und zaubert das ein oder andere Schmunzeln ins Gesicht. Live sind die beiden übrigens auch ganz, ganz stark, wie ich schon mehrmals erleben durfte.

12.10. Wien, Stadtsaal | Album-Release!
19.10. Salzburg, ARGEkultur Salzburg
20.10. St. Pölten, Bühne im Hof
24.10. Hall in Tirol, Kulturlabor Stromboli
25.10. Linz, Posthof - Zeitkultur am Hafen
29.10. D München, Münchner Lach- und Schießgesellschaft
30.10. D München, Münchner Lach- und Schießgesellschaft
08.11. Rohrbach, Arbeiterkammer
09.11. Melk, Tischlerei Melk
10.11. Aschach a.d. Donau, Avz aschach
16.11. Dornbirn, Spielboden Dornbirn
17.11. CH Zürich, Miller's | Schweiz-Premiere
18.11. CH St. Gallen, Kellerbühne St. Gallen
23.11. Wien, Kabarett Niedermair
24.11. Graz, Orpheum Graz
30.11. D Nürnberg, Gostner Hoftheater Nürnberg
07.12. Fischamend, Stand Up Club
14.12. Mistelbach, Altes Depot
15.12. Wien, Kabarett Niedermair
18.12. Wien, Chelsea
01.01. Wien, Kabarett Niedermair
03.01. Innsbruck, p.m.k hosted by Vakuum
17.01. Wien, Orpheum Wien
18.01. Ansfelden, ABC Ansfelden
25.01. I Brixen, Dekadenz
26.01. I Brixen, Dekadenz
01.02. Grein, Stadtkino Grein
02.02. Gaspoltshofen, Kulturinitiative Spielraum
07.02. Hard, Kammgarn Hard - A
08.02. Feldkirch, Theater am Saumarkt
13.02. Linz, Arbeiterkammer Oberösterreich
16.02. Baden, Grand Casino Baden
22.02. Wien, Stadtsaal
23.02. Wolkersdorf, Babü Wolkersdorf



 
 

Donnerstag, 11. Oktober 2018

Neonschwarz - Clash

Foto: Malte Schmidt
(ms) Neonschwarz sind wieder da. Das sind Spion Y, Marie Curry, Captain Gips und Johnny Mauser. Mit Clash veröffentlichen sie morgen (12. Oktober) über unsere Labellieblinge Audioltih ihr drittes Album, wenn man Unter'm Asphalt der Strand nicht mitzählt.

Nachdem man sich als Combo ein wenig im HipHop-Business etabliert hat, in größeren Clubs spielt, Shows ausverkauft sind, bei mittelgroßen Festivals durchaus Headliner oder sehr gute Slots bekommt und das letzte Album auf Platz 81 der Verkaufscharts landete, sind die Erwartungen berechtigterweise groß.
Auf dem Vorgänger Metropolis tummelte sich schon eine sehr reife Band, breit im Klang, tief im Text. Dabei muss man auch anmerken, dass es schon etwas glatter war als Fliegende Fische. Auf dem Erstling auf Albumlänge klangen sie noch freier, mutiger, unberechenbarer.
Dem kommt etwas erschwerend hinzu, dass Captain Gips und Johnny Mauser letztes Jahr zur gleichen Zeit Soloalben veröffentlicht haben. Die waren beide so enttäuschend, dass die Hoffnung groß ist, sie verwandeln ihr Potential in Höchstform auf dem neuen Release.
Und ja, diese Hoffnung wird erfüllt, wenn auch nicht auf ganzer Länge. 14 Songs sind auf Clash zusammengekommen und sie haben eine Menge im Angebot. Mit einem introartigen N.E.O.N. startet die Platte, liefert fette, satte Bläserbeats und dem charakteristischen Mix aus Gesang und Rap von Marie Curry. Es ist ein kleines, sympathisches Palaver über sich selbst voller Understatement, denn sie standen nie im Fokus, doch haben tausende Fans. Frech und wahr. Doch es braucht ein bisschen, bis Clash so richtig Fahrt aufnimmt. Maradona zeigt zwar einen lockeren Großstadtbeat und unterstreicht die Hängematteneinstellung der Neonschwarzen, doch ist auch etwas öde. Die Autotune-Stimme von Marie Curry auf Fieber nervt dann brutal. Was soll das eigentlich? Man muss nicht jedem blöden Trend hinterherlaufen, das war schon von Fatoni keine gute Idee, obwohl wir ihn verehren.



Doch dann hagelt es einige Bretter! Ananasland hat nicht nur eine bestechend gute Bass-Melodie, sondern beweist, wo das Herz der Rapper schlägt: gesellschaftspolitische Kritik ist fester Bestandteil ihrer musikalischen DNA. Es geht um die coole, hippen, trendigen Leute, die ein Selfie vor der Flora knipsen aber doch ihr Kreuz bei der CDU machen: "Alle lässig, cool, alternativ - du siehst den Dreck nicht in meinem Kiez". So ist es. Der Opi aus dem 2. Stock ist nicht nur eine Referenz an EinsZwo (Was macht Dendemann eigentlich?), sondern ist ein weiteres Beispiel nach Gestern von Morgen wie wichtig es ist, sich von den Augenzeugen aus dem zweiten Weltkrieg ihre Geschichten erzählen zu lassen, auch wenn sie hart sind. Denn für den Protagonisten war Flucht auch ein Thema und es ist eine Schmach, wenn die Urenkel seiner Peiniger im Hof spielen. Ganz wichtig, großartig umgesetzt. Es folgt 5 nach 12. Was der Titel erahnen lässt, tritt auch ein, denn der Partydampfer sinkt hier gewaltig. Es ist eine Bestandsaufnahme der politischen Entwicklung hierzulande, dem Erstarken rechtskonservativer Menschenfischer und der Ignoranz anderer gesellschaftspolitisch Aktiver diesen gegenüber. Gut, dass das Album vor Maaßen, Hambacher Wald und Chemnitz fertig war, die Aggression wäre sonst noch höher. Inhaltlich ist nicht nur von Angst die Rede, sondern auch eine gewisse Verzweiflung schimmert durch die Zeilen. Man kann es verstehen.

Verrückt ist dann so unfassbar lässig und entspannt: Kapitalismuskritik mit Augenzwinkerattitüde. Und neben den anderen starken Beats von Emphis & Simelli, TripleCCC, Nvie Motho, Magnus Wichmann, Riffsn und Ulliversal hört man hier eine "richtige" Band. Echt gut! Neben der Hymne auf den einzigen Stadtteil Hamburgs mit einer ernstzunehmenden Fußballmannschaft St. Pauli, gibt's noch richtig eins aufs Dach. Nach 2014 und 2015 folgt auf Clash logischerweise 2018. Eine bedingungslose Abrechnung mit der AfD und allen anderen nationalistischen Spinnern.
Der Gesamteindruck bleibt gut. Leider gibt es dennoch zwischendurch echt viel Luft nach oben. Bei einigen Songs wie Gleis 13, Klatsche und In Flammen bleibt das Gefühl nach Füllmaterial haften. Die hier angesprochenen anderen Tracks entschädigen dafür jedoch in jedem Fall.

Aufgrund von mehrfacher persönlicher Überzeugung, wie gut die live sind, dass es eine Party mit wahren, wichtigen, politischen Ansagen wird, empfehlen wir Euch den Besuch auf der kommenden Tour:

09.11.2018 Lüneburg, Anna & Arthur
10.11.2018 Husum, Speicher
23.11.2018 Münster, Gleis 22
24.11.2018 Heidelberg, halle02
07.12.2018 Dresden, Tante Ju
08.12.2018 AT-Wien, Flex
24.01.2019 CH-Zürich, Dynamo
25.01.2019 CH-Bern, Dachstock
08.02.2019 Wiesbaden, Schlachthof Wiesbaden
09.02.2019 Düsseldorf, zakk
22.02.2019 Stuttgart, Im Wizemann
23.02.2019 München, Feierwerk
22.03.2019 Nürnberg, Z-Bau
23.03.2019 Hannover, Faust
05.04.2019 Dortmund, FZW
06.04.2019 Bremen, Schlachthof Bremen
13.04.2019 Berlin, Festsaal Kreuzberg
27.04.2019 Hamburg, Große Freiheit 36