Freitag, 10. August 2018

KW 32, 2018: Die luserlounge selektiert!

Quelle: steamcommunity.com
(ms/sb) Ja, wir sind diese Woche alle geschmolzen. Die einen mehr, die anderen weniger. In einer schlecht isolierten Dachgeschosswohnung gab es einen kleinen Vorgeschmack auf die Hölle. Aber was solls...
An solchen Tagen spontan bis spät abends am Hafen biertrinkend mit wunderbaren Menschen zu sitzen, das ist dann unbezahlbar. Ein bisschen über Gott und die Welt reden, ein wenig herumspinnen, die Zeit genießen und durchatmen in einem vollen, stressigen Alltag.
Doch nun heißt es: Selektiert!

Art Brut
Es ist eine gewaltige Band und ich kann mich sehr gut an das eine Mal erinnern, als ich sie live gesehen habe. Es war eine Offenbarung, ein wahnsinniger Auftritt. Art Brut. Die rotzigen Gitarren, der schwere Bass, der unverwechselbare Gesang, wenn man es denn wirklich so nennen kann. Lange waren sie von der Bildfläche verschwunden, Eddie Argos hat m.E. in Wien ein bisschen Kunst gemacht, doch jetzt werden wieder verstärkt große Boxen durchgeknallt. Es gibt es neues Lied, es heißt Wham! Bang! Pow! Let's Rock Out! Und nach dem fünften Mal geht's richtig rund: Yeah!



PeterLicht
Wie macht man im individualisierten Indiekosmos auf sich aufmerksam? Es gibt viele verschiedene Strategien. PeterLicht hat es jahrelang mehr oder weniger gut geschafft, sich nicht ablichten zu lassen. Nun weiß man immerhin wie er aussieht, doch sein wahrer Name bleibt m.E. noch ein Rätsel. Ist auch gut so und interessiert ja auch nicht wirklich. Was interessiert ist die Musik, die er macht. Und nachdem ich ihn letztes Jahr noch in Salzburg gesehen habe, ist die Freude auf ein neues Album umso größer. Genau wie bei Art Brut ist das letzte Album sieben Jahre alt. Am 19. Oktober erscheint auf Tapete Records (juhu!) der Nachfolger mit dem Namen Wenn Wir Alle Anders Sind. Und es wird sicher herrlich verschwurbelt! Live gibt's bislang diese Termine:

20.10.2018 Frankfurt – Mousonturm
21.10.2018 München – Feierwerk
22.10.2018 Köln – Gloria
24.10.2018 Hamburg – Kampnagel



Daniel Brandt
Man hört Musik, man fühlt sie auch, nur man kann sie nicht so richtig sehen. Das dachte sich auch eventuell Daniel Brandt, der nicht nur solo sondern auch mit dem Ensemble Brandt Brauer Frick unterwegs ist. Diese Woche hat er sein zweites Soloalbum angekündigt. Es heißt Channels und wird am 12. Oktober auf Erased Tapes erscheinen. Zur ersten Single Flamingo ist ein tolles Video entstanden, das die Instrumente zeigt, die darauf zu hören sind. Sie sind spielbereit, die Band kommt jeden Moment. Doch nicht im Video. Menschen sitzen um die aufgebauten Instrumente und das Lied läuft. Auch das kommende Werk wird sicherlich nicht leicht zugänglich sein, doch in der ersten Auskopplung entpuppt sich die Schönheit beim zweiten Durchhören:



Das Paradies
Gleiche Frage wie oben: Wie schafft man es im individualisierten Indiekosmos auf sich aufmerksam zu machen? PeterLicht hat die Frage schon beantwortet. Eine andere Möglichkeit besteht darin, sich einen guten, prägnanten und irgendwie ausgefallenen Namen zu geben. Florian Sievers hat sich sicherlich Gedanken gemacht, als er sein Musikprojekt Das Paradies nannte. Klingt ja auch extrem vielversprechend. Er hat schon Kettcar, Element of Crime und Moritz Krämer supportet. Und das mag ja was heißen. Die Vorschusslorbeeren sind abgefeuert. Im August, am 24., erscheint sein Erstling mit dem Namen Goldene Zukunft auf Grönland Records. Es gibt schon einiges an Vorgeschmack und Live-Daten. Sollte man sich nicht entgehen lassen - vor allem wenn man früher die großartige Band Samba mochte:

11.08. Haldern - Haldern Pop Festival
18.08. Hamburg - MS Dockville Festival
30.08. Dresden - Freilichtbühne der jungen Garde (+ Element of Crime)
31.08. Halle - Freilichtbühne Peißnitz (+ Element of Crime)
01.09. Darmstadt - Golden Leaves
01.09. Köln - C/O POP
07.09. Rostock - IGA Park (+ Element of Crime)
08.09. Magdeburg - Festung Mark (+ Element of Crime)
22.09. Hamburg - Reeperbahn Festival
28.09. Mannheim - Kulturbrücken Jungbusch
29.09. Bremen - Lagerhaus
30.09. Dortmund - Way Back When




Mike Ständer Band
Zwei Menschen, zwei Songs und fertig ist die "Adolf/Alkohol"-EP (VÖ der 7inch am 07.09. bei Middle Ear Recordings) der Mike Ständer Band. Ich muss gestehen, dass mich das Gehörte irgendwie fasziniert: zunächst erscheint das Ganze ziemlich dilettantisch, ist es aber mitnichten. Vielmehr gelingt es dem Duo nicht nur, den Hörer durch seine Texte zum Schmunzeln zu bringen, sondern auch die Passagen zwischen den Zeilen entdecken zu lassen. Muss man nicht mögen, kann man aber, wenn man sich drauf einlässt.



Freitag, 3. August 2018

KW 31, 2018: Die luserlounge selektiert!

smilingldsgirl.com
(ms) Letzten Freitag war ich auf einer Technoparty. Das war die erste Technoparty, auf der ich war. Und es war die vorerst letzte Technoparty, auf der ich war. Denn es war total bizarr.
Und das lag nicht an komplett weggetretenen Menschen, die sich vorher kleine Zaubermittel reingeschmissen haben. Es lag auch nicht an der unterirdisch schlechten Luft in dem sonst ganz ansprechenden Laden in Norddeutschland. Es lag auch nicht an den Preisen für Getränke, denn die waren völlig okay. Es lag auch nicht daran, dass es zwischendurch Wassereis für lau gab, das war ein ziemlich netter Schachzug.
Es lag an der Art und Weise, wie die Leute sich dort versammelt haben und ich weiß nicht, ob das bei Technopartys immer so ist, war ja noch nie auf einer. Man tanzt nämlich nicht miteinander, man tanzt nebeneinander und alle sind auf den DJ fokussiert, schauen ihn an. Was suchen sie dort vorne? Es singt ja niemand, niemand spielt ein Instrument, der Typ dreht an Knöpfen und Schaltern, was ich gar nicht schlecht machen möchte. Nur es gibt halt nichts zu sehen. Wie bei einem religiösen Ritual reihen sich die Leute nebeneinander, schauen nach vorn, anstatt mit schönen Menschen die Zeit zu genießen. Es ist die völlige Individualisierung des Tanzes. Und da habe ich gemerkt, dass ich Musik brauche, zu der man mitsingen kann.
Hier sind ein paar Tipps, die mitsingbar und auf jeden Fall hörbar sind:

Otto Normal
Ihr Album Wieder Wir ist schon erschienen. Doch sie sind weiterhin unermündlich gute Videos daraus auszukoppeln. Das Neuste zum Lied Der Ich Bin ist seit dieser Woche zu sehen. Nach einem feinen feinen Streicher-basierten Intro geht's ab. Und das Genre ist nicht ganz klar. Es ist schon Sprechgesang im Weitesten aber kein originaler HipHop und daher schon mal sehr spannend. Denn Otto Normal agieren als Band und klingen ein wenig so wie Marteria, auch inhaltlich ein wenig. Da es ja noch keinen Sommerhit gibt... wie wäre es hiermit?!
Die Freiburger spielen demnächst hier in der Schweiz:

04.08. CH - Steinhausen, Waldstock Open Air
18.08. CH - Liestal, PFF 18



Bayuk
Es gibt Künstler, auf die stößt man, wenn man so ein wenig gelangweilt auf seiner Timeline unterwegs ist. So ist es mir diese Woche mit Bayuk passiert. Seitdem komme ich davon nicht mehr weg. Es ist der pure Zauber. Leicht melancholisch, aber nie traurig; diese Zeiten sind doch vorbei. Im Mai hat der gebürtige Schwabe und nun Wahlberliner sein Debüt Rage Tapes veröffentlicht und daraus bislang ein paar Lieder als Single ausgekoppelt. Unter anderem ein Song mit dem Namen Haaappiiiiiiiiiiiiinneeeeezz. Das fängt sofort mit Gesang an, auch eine Seltenheit. Ja, Phasen erinnern an Nehmt Abschied Brüder, und wenn Tobias Siebert das produziert hat, ist das nicht mal unwahrscheinlich. Ich hoffe und wünsche Bayuk, dass das noch ganz groß wird! Live hier:

28.08. - Flux FM, Terrassenkonzert
03.09. - Berlin, Privatclub
05.09. - Köln, Wohngemeinschaft
06.09. - Bielefeld, Café Künstlerei
19.09. - Hamburg, Reeperbahn Festival



bergen
Es ist ja schon sehr erstaunlich. Die politischen Irrungen und Wirrungen dieser Tage setzen ja ein erstaunliches Potential an Kreativität und Aufschrei frei. Und bei der Frage, ob man sich als Musiker und Künstler politisch äußern sollte, antworten Protagonisten unterschiedlich. Malakoff Kowalski verneinte das in der letzten Ausgabe der ZEIT, bergen bejahen es und dabei ist ein ganz hervorragendes Lied heraus gekommen! Tellkamp heißt es und behandelt die kruden Äußerungen eben jenen Schriftstellers. Im Song behandeln sie noch andere Begebenheiten aus der Wutstadt Dresden. Ist sehr gut geworden:



Behemoth
Und bevor jetzt wieder jemand einwendet, dass wir in unseren Genres so unbeweglich sind... ach, warte mal... okay, bei Techno ist das so eine Sache... Den Leuten geben wir noch richtig was auf die Ohren, aber ohne DJ, sondern mit der vereinten Kraft des Black Metal. Oder mittlerweile halt Death Metal. Auf jeden Fall ist es brachial. Dabei kommen Behemoth nicht aus Skandinavien, sondern aus Polen. Ihr neuster Streich heißt I Love You At Your Darkest und erscheint am 5. Oktober via Nuclear Blast. Wer bei dem Titel auf gemütliche Wiegenlieder hofft, wird leider enttäuscht. Das Video zum Lied God = Dog beweist das Gegenteil. Kommendes Frühjahr gehen sie mit At The Gates und Wolves In The Throne Room auf Tour. Das ist bestimmt einen Besuch wert:

10.01. - Frankfurt, Batschkapp
11.01. - München, Tonhalle
13.01. - AT-Wien, Arena
15.01. - CH-Zürich, Komplex 457
23.01. - Oberhausen, Turbinenhalle
24.01. - Berlin, Huxleys

Donnerstag, 2. August 2018

Openairgeschichten: Nur eine Band gesehen

Rikas bei der Breminale. Foto: luserlounge
(ms) "Ich war auf'm Festival und habe nicht eine Band live gesehen."

Das ist ein unfassbarer Satz. Unglaublich. Schwer nachvollziehbar. Unverständlich. Man reißt die Augen weit auf. Fragt sich, warum ich diese Person überhaupt kenne.
Warum macht der das? Warum macht die das? Die ganze Zeit Party auf dem Campingplatz? Ist möglich. Aber doch nicht der Grund des Festivalbesuchs. Oder?

All diese Fragen können wir nicht beantworten. Insbesondere nicht für ein (mindestens) dreitägiges Festival. Aber die Frage "Wie kann man bei einem Eintagesfestival nur eine Band sehen?" können wir durchaus beantworten, denn letztes Wochenende auf der Breminale haben wir ungeplant den Feldversuch gemacht.
Dafür gibt es zwei wesentliche Faktoren, die sich am Samstag die Klinke in die Hand gegeben habe. Das ist 1. das Wetter und 2. die richtigen Leute, mit denen man vor Ort ist. Erstaunlicherweise war es nicht die drückende, etwas langweilige Hitze, die so einflussreich war, sondern ein massives Gewitter, das die Weser entlang gezogen ist. Sagenhaft türmten sich die Wolkengebilde auf und hatten kein Erbarmen mit den pilgernden Massen. Das Programm wurde mehrfach unterbrochen oder verschoben, einzelne Acts mussten gar abgesagt werden, da die bespielten Zelte ihre Pforten geschlossen haben.
Zuflucht gab es bei den Ständen, die Essen und Getränke feilboten, auf uns wartete ein großzügiger Baum (ja, wir wissen, dass das gefährlich ist!), der uns ein wenig Schutz gewährte unter seinen langen Ästen und zahlreichen Blättern. Nun musste man erst einmal trocknen. Dann den Hunger stillen. Anschließend noch ein Bier trinken. Und noch einen kleinen Nachschauer aushalten. Ein Kaltgetränk suchen. Dann lernt man Leute kennen. Verquatscht sich, trinkt noch was, plaudert ein wenig, holt sich noch was zu essen. Ach, Eis gab es ja auch noch. Mensch, schnell mal noch aufs Klo und danach noch ein kleines Bier und ach... die sind ja supercool drauf, mit denen unterhalten wir uns erstmal ein wenig, schade, jetzt haben wir De Fofftig Penns verpasst, die ich ja eigentlich gerne mal sehen wollte, und da stand noch ein weiteres Bier, ist ja kaum zu glauben, aber dann schnell rüber, denn da spielt ja noch eine ziemlich gute Band, die nehmen wir für heute noch mit, bis danach unsere Bahn fährt, die uns wieder heim bringt, zwischendurch noch eben was geholt, um die trockenen Kehlen zu befeuchten, dann rein in das volle Zelt und noch astrein zu Rikas getanzt, die mit ihrer funkigen Strandmusik die Beine animieren und unfassbar gute Laune machen, eine Band, die man sich unbedingt merken sollte, deren Lieder sind so kurzweilig, dass das Konzert schon wieder vorbei ist und... ja, der ganze Tag dann auch schon, auf jeden Fall das offizielle Breminale-Programm.

So kommt es vor, dass man nur eine Band sieht.

Mittwoch, 1. August 2018

Ebony Bones - Nephilim

Das knallt. Das Cover!
(ms)  Es gab immer schon ziemlich widerwärtige Gestalten in der Weltgeschichte, die andere wegen ihres vermeintlichen Andersseins ausgrenzen wollten. Ihnen die Rechte nehmen und nicht an der eigenen Gesellschaft teilhaben lassen wollten. Dazu gehört auch der ehemalige britische Parlamentarier Enoch Powell. Man dürfte ihn sicher guten Grundes als rassistisches Arschloch bezeichnen. Er war nicht nur konservativer Hardliner, sondern hatte auch die Idee am 20. April 1968 eine Rede zu halten, die heute als "River of blood"-Rede bekannt ist. Genau, am Geburtsdatum von Hitler im Jahr der Revolutionen und Studentenaufstände. Wesentlicher Inhalt dessen war, dass er vor den Folgen ungebremster Zuwanderung in Großbritannien warnen wollte. Ausgangssituation war ein Gesetz, das die Diskriminierung ethnischer Minderheiten bei der Vergabe von Mietwohnungen für illegal erklärte. Schaut man 2018 in die Medien, könnte genauso so eine Mitteilung von zahlreichen Rechtspopulisten, anderen Politikern und Aktivisten gestern erst gewesen sein.

Auf diese erschreckenden Parallelen macht die Künstlerin Ebony Bones auf ihrem neuen Album Nephilim aufmerksam. Die Bezeichnung Künstlerin ist hier absolut berechtigt, denn ihr Talent und Engagement gehen weit über den Musikkosmos hinaus. Die 35-Jährige ist ausgebildete Schauspielerin, hat lange in TV-Serien mitgespielt (Family Affair), Musik für Moldelabels und deren Kampagnen gemacht, hält bis heute die Strippen um Produktion und Vertrieb ihrer Songs in den eigenen Händen, war eine Studiobekannte von Amy Winehouse und geizt nicht mit extravagantem Auftreten.

Die große Frage lautet jetzt natürlich, wie klingt ihre Musik?
Das Cover und ihr Auftreten mögen vielleicht etwas wie R'n'B assoziieren. Dieser Eindruck trügt jedoch gewaltig! Ebony Bones in ein Genre zu zwängen... dagegen sträubt sich die Londonerin selbst am meisten. Es ist in all seinen Facetten enorm experimentell, macht keinen Halt vor Neuem, der Verbindung mehrerer Stilrichtungen und lässt ihrer Kreativität in der Instrumentalisierung viel Freiraum. Dafür hat sie auf Nephilim mit dem Beijing Philharmonic Orchestra kooperiert. Das gibt direkt im ersten, einminütigen Intro ein mäanderndes Leitmotiv vor, das bezaubert. Allein die Idee eine Melodie - in ihrer Reinform oder variiert - öfter mal auftreten zu lassen ist so herrlich antiquiert, dass es mit Synthies und reichlich Percussion und allerhand anderem elektronisch verstärktem Material noch viel mehr Kraft bildet. Ghrelin Games ist dafür ein großartiges Beispiel: es vereint den orchestralen Sound, paart ihn mit verzerrten Stimmeinlagen und haut elektronische Beats oben drauf. Den Mut muss man erstmal haben. Das macht das Album aber auch nicht unbedingt leicht zugänglich, doch das war sicherlich mitnichten die Intention von Bones.
Um an die Einleitung hier anzuknüpfen: Stimmmaterial von Powell hat sie aufgegriffen und verarbeitet in dem Track No Black In The Union Jack. Darin wird auch kaum gesungen, sondern mit der Aufnahme gespielt. So kann man auch seinen Gegnern die Luft aus den Segeln nehmen.
Dass sie noch mehr zu sagen hat, beweist sie auf Kids Of Coltan. Inhaltlich hochaktuell und wichtig, denn Kinder im Kongo suchen das seltene Material, damit wir auf unseren Handys ungestört chatten, streamen und spielen können. Das ist alles bekannt, doch machen tun wir als Nutzer natürlich auch nichts dagegen. Wichtig, das auch musikalisch verwertet anzusprechen.
Es ist zu sehen: Ebony Bones spielt nicht nur mit der äußeren Erscheinung, sondern ist wesentlich tiefgehender, als der erste Eindruck vielleicht vermitteln mag.
Es funktioniert als Gesamtwerk gut, wenn auch widersprüchlich, denn es ist wenig einheitlich, bricht oft mit dem Klang, dem Tempo, den Musikern, Stimmen, Instrumenten.
Doch macht es das nicht erst hörenswert?
Werden wir nicht zu sehr mit belanglosem Blabla aus dem Radio beschallt?
Es ist lohnenswert, sich darauf einzulassen, auch wenn man vielleicht nicht alles gut findet; verlangt ja auch niemand. Kunst will anstoßen, zum nachdenken anregen und die Konfrontation suchen. Das hat Ebony Bones geschafft!

Nephilim ist am 20. Juli erschienen.



Freitag, 27. Juli 2018

KW 30, 2018: Die luserlounge selektiert!

playguitar.com
(ms/sb) Letztes Wochenende in Rostock. Da war nicht nur das großartige Kettcar-Konzert, sondern tagsüber kann man in Warnemünde oder den anderen, nicht so überlaufenen Stränden schön faul im Sand liegen und ab und an ins Wasser springen, um sich zu erfrischen. Der Strandvogt (ohne Scheiß!) kassiert gut gelaunt und extrem freundlich die Kurtaxe ein, weil das dazugehörige Gerät kaputt ist und quatscht ganz angenehm mit den Badegästen. Die haben unter Umständen gar nichts an, denn es gibt reichlich FKK-Gebiete. Als Westkind, das nach dem Mauerfall groß geworden ist, ist das irgendwie eine schöne Ost-Nostalgie. Doch nicht nur das. Was gibt es denn natürlicheres als nackt zu sein?! Ist man doch ohnehin ständig und es gibt sich für gar nichts zu schämen, denn die Leute die da rumlaufen sind jung, alt, dick, dünn, gut gebaut oder eher nicht. Da hängt was oder eben nicht. Das ist gänzlich egal. Fand ich irgendwie gut, denn kaum jemand dort hat auch noch ein irgendwie geartetes Schönheitsideal entsprochen. So soll es sein. Hier gibt's den Soundtrack zum Nacktsein. Oder so.

unhappybirthday
Was ist jetzt eigentlich noch einmal Avantgarde?! Ach, ist doch auch völlig egal. Die Kategorisierung von Musikgenres ist doch eine Erbsenzählerei. Entweder sie ist gut und gefällt einem oder halt nicht. Was gefallen kann, ist die neue Platte von der Hamburger Band unhappybirthday. Klangsphären mit elektronischen Elementen und wenig Text und wenn dann mir großartiger Stimme. Auf dem feinen Label Tapete Records erscheint am 21. September Schaum. Davon kann man nun schon den ersten Track hören und sich das ganze dann im Herbst live anschauen:

23.10.18 Hamburg – Hafenklang
24.10.18 Berlin – ACUD MACHT NEU
25.10.18 Cologne – Acephale
26.10.18 Groningen – Vera
27.10.18 Brussels – CHAFF
28.10.18 Paris – Le Klub
29.10.18 Dijon – tba
30.10.18 Lyon – Trokson
31.10.18 Lucerne – Klub Kegelbahn
01.11.18 Frankfurt – The Cave
02.11.18 Hannover – tba



Eko Fresh
Okay, ich bin auch nicht zwingend davon ausgegangen, dass wir mal was zu Eko Fresh schreiben. Der war irgendwie mal cool, als ich Teenager war und er macht immer noch Musik, die mich aber nicht besonders interessiert. Mein Rap-Geschmack liegt halt woanders, Thema Geschmack. Doch dieses Lied ließ mich extrem aufhorchen. Die ganze Migration-Integration-Özil-Debatte in ungefähr 5 Minuten abgehakt. Stark, richtig stark:



Lieblingsplatte Festival
Das zakk in Düsseldorf ist eine Institution. Das sagt man ja schnell mal von Clubs, die einen großen Ruf haben. Für das zakk trifft das aber tatsächlich zu. Düsseldorf ist halt schon eine sehr dekadente Stadt, die auf schräge Art und Weise auch stolz drauf ist. Zum Glück gibt es aber gerade an solchen Orten auch die entsprechende Gegenkultur. Im Dezember wird das dann noch potenziert, wenn dort erneut das Lieblingsplatte Festival stattfindet. An mehreren Tagen spielen dort Bands ihre wegweisenden Alben in voller Länge. Ein super Konzept. Und bei dem Line-Up weiß man gar nicht, ob man nicht doch eine Woche in die nordrhein-westfälische Hauptstadt fahren sollte:

08.12. - Male: Zensur & Zensur
10.12. - Kreidler: Mosaik 2014
11.12. - Stereo Total: Musique Automatique
12.12. - Die Sterne: Posen
13.12. - Gisbert zu Knyphausen: Gisbert zu Knyphausen
15.12. - Ruhrpott AG: Unter Tage



Rikas
Irgendwie ist Funk ja wieder in. Oder so Surfer-Musik. So Beach Boys-Reminiszenzen. So richtig starke Musik. So extrem zum entspannen. So richtig gut. So herrlich leicht. So zum lachen, schmunzeln, Bier aufmachen. Das können zum Beispiel Parcels richtig gut. Aber halt auch eine Band aus Stuttgart, denen man ihre Herkunft in nichts anhört, was ziemlich cool ist. Rikas heißen die und machen ganz hervorragende Musik. Die spielen morgen in Bremen auf der Breminale. Ein guter Grund mal wieder in den Norden zu fahren. Aber wer Beck's-trinkend gesehen wird, bekommt eins auf die Pappnase!

Mittwoch, 25. Juli 2018

Live: Kettcar in Rostock

Die alten Bekannten. Foto: luserlounge
(ms) Warum nicht mal wieder nach Rostock fahren?
Der Erste, der nun mit "Nazis" oder so einem Schwachsinn ankommt, bekommt eins auf die Pappnase. Denn leider klebt dieser schönen Stadt immer noch das 90er-Jahre Klischee an und die abscheulichen Taten von Lichtenhagen müssen natürlich in Erinnerung bleiben, können aber nicht darüber hinweg täuschen, dass Rostock eine alternative, bunte und feine Stadt an der Ostsee ist. Das haben in den letzten Jahren eindrucksvoll Marteria, Feine Sahne Fischfilet oder Waving The Guns gezeigt. Dafür steht unter anderem auch der M.A.U. Club direkt am Hafen. Dort haben am Freitag Kettcar Halt gemacht. Die sind ja seit letztem Jahr so wahnsinnig viel und beinahe ununterbrochen unterwegs, dass es sie nun in die Hansestadt zog. Neben diversen Festivalauftritten wie Rock am Ring, Deichbrand, Sziget oder Haldern Pop machen sie immer wieder Stopp in kleineren Clubs der entsprechenden Gegend, damit sich so eine Busfahrt auch lohnt. Man könnte ihnen vielleicht vorwerfen, dass das Geldmacherei sei, aber das kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen, dafür glänzen die Augen von Christian, Erik, Lars, Reimer und Marcus zu sehr, wenn sie auf der Bühne stehen.

Eröffnet wurde der Abend vom Grand Hotel van Cleef-Neuzugang Dorit Jakobs. Im warmen, aber nicht allzu dicht gedrängten, also gut gefüllten Club hat sie wunderschöne Lieder gesungen, dabei Gitarre gespielt und wurde von einer dreiköpfigen Band unterstützt. Leider war der Sound noch nicht so gut eingestimmt, sodass nicht alle hörenswerten Zeilen in Gänze zum Zuhörer durchdrangen. Nach Stöberei auf den eingängigen Onlineportalen durfte mich aber nachträglich bestätigt sehen, dass sie durchdachte, kluge Texte aus dem Leben schreibt: Empfehlung! Und ja, die Assoziation zu Judith Holofernes hatte ich auch...

Dann war es soweit - und ich mache da auch kein Geheimnis draus: für mich das siebte Kettcar-Konzert innerhalb von zwölf Monaten. Und wenn ich dann gefragt werde, ob das nicht langweilig sei, dann verstehe ich die Frage nicht. Als ob ein Auftritt dieser wunderbaren Gruppe wie ein anderer sei. Und der letzte Freitag war eine erneute Demonstration genau davon. Natürlich, ein Großteil der Lieder ist gleich, weil das Repertoire an sich begrenzt ist und noch begrenzter wird, da nicht jedes Lied live gespielt wird, was schade aber verständlich ist.
So gab es zwei prägende Momente: Sommer '89 (Er Schnitt Löcher In Den Zaun) ist ein enormes Lied in der Geschichte der Band. Letztes Jahr habe ich es in Düsseldorf zum ersten Mal live gehört und ich bekomme immer noch eine irre Gänsehaut, wenn es läuft. Doch während sie es spielten, kam mir der Gedanke auf, dass das Lied in Ostdeutschland gespielt ja noch mehr Kraft entwickelt, als wenn es in Dortmund oder Frankfurt durch die Boxen strömt. Der Altersdurchschnitt am Freitag zeigt, dass nicht wenige noch den Alltag in der DDR erlebt haben könnten. Vielleicht ist ja der ein oder andere geflohen, unwahrscheinlich ist es nicht. Gänsehaut zum Quadrat.
Moment Nummer zwei: Nach gut fünfundachtzig Prozent des gespielten Konzerts, sprechen die Musiker auf einmal untereinander in eine Weise, wie sie es sonst nicht tun. Ist was falsch gelaufen? Ist der Ton mies? Haben sie Durst? Wollen sie zurück an die Elbe? Alles falsch, denn die Setlist wurde spontan umgeschmissen. Reimer, Lars, Erik und Christian verlassen die Bühne, Marcus bleibt mit Akustikgitarre zurück und bei mir macht es Klick: Mein Skateboard Krieg Mein Zahnarzt. Ein nicht häufig live gespieltes Lied, das dann umso mehr Spaß macht. Super, super, super!
Diese kleinen Momente oder die Ansagen, wo Reimer aufrecht und fest behauptet in jeder Stadt, in der sie spielen tagsüber mit einem ortsüblichen Bier (hier: Mahn & Ohlerich, lecker!) am lokalen Hotspot abzuhängen, machen Kettcar-Konzerte zu einzigartigen Erlebnissen.
Daher: Es folgen in jedem Fall Konzerte Nummer 25, 26, 27, ...




Freitag, 20. Juli 2018

KW 29, 2018: Die luserlounge selektiert!

Quelle: tinycards.duolingo.com
(ms/sb) Freitag. Selektion. Wieder mal der Zwang, sich ein paar einleitende Zeilen aus den Fingern saugen zu müssen. Für Philosophisches oder Referenzen zum aktuellen Weltgeschehen fehlen mir gerade Kraft, Lust und Muße (wäre ja eigentlich eine gute Überleitung zum ersten Act, aber lassen wir das....), über das Wetter zu schwadronieren ist selbst mir zu billig und die Fußball-WM ist auch schon wieder so lange her. Mei, Frankreich als Weltmeister... Sympathisch ist mir die Mannschaft jetzt ned zwingend, aber immer noch besser als die Ustascha-Bürscherl, die einen ultranationalistischen Sänger auf ihrer Feier auftreten und an ihrem Korso teilnehmen ließen. Weltmeister der Herzen? Am Arsch! So, jetzt Musik!

Muse
Im November ist es so weit: Muse veröffentlichen ihr neues Album und seit gestern gibt es auch das erste Video daraus zu sehen. Something Human kommt dabei deutlich gemäßigter daher, als man es von den Briten gewohnt ist. Fast schon radiotauglich. Mal schauen, inwieweit die Single die Takt für den Longplayer vorgibt.



Lui Hill
Pop, Funk, Blues, Soul - Lui Hill bedient sich mehrerer Musikstile und bastelt daraus ein überaus hörenswertes Album, das am 10.08. bei Filter Music Group veröffentlicht werden wird. Der melancholische Grundton seines selbstbetitelten Debütalbums ist nicht zuletzt dem Tod seines Vaters geschuldet, doch schon bald merkte der Multiinstrumentalist, dass die Welt nicht generell gegen ihn ist und durch Zufall traf er in Südafrika auf Tobias Herder, der einst schon Milky Chance entdeckt hatte, und unterschrieb seinen ersten Plattenvertrag. Das Ergebnis lässt sich definitiv sehen (und hören)!



Hyvmine
Progressive Metal - so nennt sich das Genre in dem sich Hyvmine bewegen. Hat man nicht aller Tage in der luserlounge, aber wir sind ja offen für alles und das Trio aus Los Angeles weiß mit ihren Riffs und ihrer Mixtur aus Elektro und Anleihen von Alter Bridge und Sevendust durchaus zu gefallen. Ihre Fight Or Flight EP (VÖ: 13.07.) wird jetzt nicht zwingend in einer meiner bevorzugten Playlists landen, aber je nach Stimmung kann die durchaus mal zum Einsatz kommen.



Notgemeinschaft Peter Pan
Geiler Bandname, oder? So, ich muss jetzt ein bisschen weiter ausholen: vor 20 Jahren sah ich eine aufstrebende Band namens Beatsteaks als Support (!) der legendären Terrorgruppe. Die wiederum bildeten damals und in den Folgejahren zusammen mit Szenegrößen wie Knochenfabrik, Slime und Chefdenker die Speerpitze einer Punkbewegung, die mich zumindest textlich sehr begeisterte. Die Notgemeinschaft Peter Pan knüpft nun an diese Tradition an und veröffentlicht am 28.09. ihr neues Album auf Kidnap Music. Absolute Höhepunkte sind die Tracks Kleine Motivationshilfe (schönen Gruß an alle Gewalttäter/-innen links!) und Grünkohl im Sommer (Drecksdiscounter!). Hörts Euch mal an. Macht Spaß.
Ein neues Video gibt's leider noch nicht, deswegen was Älteres als Vorgeschmack.



Honig
Es ist endlich wieder soweit und man hat lange zwischendurch gemunkelt, wann es denn endlich fertig sei. Ein Hinweis war der Auftritt von Stefan Honig auf dem Traumzeit Festival im letzten Jahr. Doch offiziell lief noch nicht so viel und das Warten auf ein neues Album nach It's Not A Hummingbird It's Your Father's Ghost musste weiter andauern. Dann kam die Neuauflage der Tour of Tours und es wurden neue Lieder von Honig live gespielt. Es konnte also alles seiner Wege gehen. Nun heißt es: Am 24. August erscheint das Album The Last Thing The World Needs auf Haldern Pop Records. Große Neuheit: Es ist weniger ein Soloalbum als vorher. Vielmehr ist Honig nun eine gesamte Band und so treten sie auch auf Tour auf. Großer Hingehtipp von unserer Seite aus! Counterfeit Gallery ist ein erster Vorgeschmack und macht richtig Bock!

14.09.2018 Ulm, Roxy
15.09.2018 Mainz, Schon Schön
16.09.2018 Dresden, Beatpol
17.09.2018 Berlin, Privatclub
18.09.2018 Leipzig, Werk 2
19.09.2018 Nürnberg, Club Stereo
20.09.2018 Essen, Zeche Carl
21.09.2018 Köln, Kulturkirche
22.09.2018 Bremen, Tower
28.09.2018 Konstanz, Kulturladen
29.09.2018 Saarbrücken, Kleiner Klub
30.09.2018 Aachen, Musikbunker
02.10.2018 Langenberg, KGB
03.10.2018 Haldern, Pop Bar
04.10.2018 Hamburg, Knust
05.10.2018 Münster, Sputnikhalle



Fynn Kliemann
Okay, ganz ehrlich: Kliemannsland habe ich nie gesehen und auch vorher nicht gewusst, dass Fynn Kliemann Musik macht. Kennengelernt habe ich ihn durch seinen Besuch bei Böhmermanns Show und vorher war Dittsche mal bei ihm auf dem Hof und ließ für seinen langjährigen Begleiter Schildkröte postmortem ein Terrarium bauen. Da macht der Kliemann schon einen irre sympathischen Eindruck zwischen lockerer Improvisation und er-weiß-doch-was-er-macht. Das zeigt er nun auch auf Albumlänge. nie heißt das Werk und erscheint im September, und wie es sich für einen Heimwerker gehört natürlich auf dem eigenen Label twoFinger Records. Könnte ziemlich gut werden, hört mal rein: