Freitag, 19. April 2019

KW 16, 2019: Die luserlounge selektiert

Quelle: financialexpedition.com
(sb/ms) Worüber in dieser Woche schreiben?! Auf der einen Seite liegt nichts näher als über den krassen Wetterumschwung seit dem letzten Wochenende zu schwafeln. Dann war ich letzten Samstag in der KZ Gedenkstätte Neuengamme im Hamburg, da blieb jedes andere Thema meilenweit entfernt. Und wie schwer es war, abends gute Laune beim grandiosen Konzert von Ove und Deniz Japsersen im gut besuchten Knust zu haben. Heftiger Bruch auf jeden Fall, doch es gelang mir, beides zu trennen und den Gig zu genießen.. Dann stand am Montagabend Notre Dame in Paris in Flammen. Ich bin nicht gläubig, aber die Bilder waren schon erschreckend. Vor vielen Jahren war ich mal da und kann nur noch erahnen, was dieses Gebäude an Kraft ausgestrahlt hat. Auf einem der Bilder war ein vom Licht angestrahltes Kreuz in den Trümmern zu sehen; vielleicht die Osterbotschaft?! Keine Ahnung.
Wir haben auf jeden Fall wunderbare Musik, denn wir sind die luserlounge und freitags wird selektiert:

Fabrizio Cammarata
In der absoluten Hochphase des Indie-Pop in den 00er Jahren gab es neben den wahnsinnig starken Gitarren-Alben von beispielsweise den Kaiser Chiefs oder Franz Ferdinand auch immer sehr viel gefühlvolle Musik, die mit Dramatik und Melancholie gespielt hat. So aus dem Bauch heraus würde ich sagen, dass das in den letzten Jahren weniger geworden ist oder meine musikalischen Vorlieben haben sich verschoben. Wunderbar kommt da das neue Album von Fabrizio Cammarata her. Es heißt Lights und ist Ende März erschienen. Auf den 11 Songs versammeln sich Emotionen ohne Ende, sowohl in den einzelnen Liedern als auch in der Stimmung, die die Musik transportiert. Es hat den Anschein, als ob es der ideale Soundtrack für Liebeskummer, Tragik oder der allgemeinen Hilflosigkeit bei schwierigen, wegweisenden Entscheidungen wäre. Fabrizio setzt dabei nicht nur seine kraftvolle Stimme gekonnt ein, sondern setzt die Akustikgitarre immer wieder prominent in den Mittelpunkt. In Tracks wie Under Your Face kommen noch Streicher hinzu: Gänsehaut garantiert! Der Sizilianer überzeugt auf voller Länge, alle 43 Minuten hindurch. Weitere Anhörtipps: Run Run Run und Cassiopea. Große Empfehlung! Live ganz bald hier:

16.05. Hannover – Lux
17.05. Berlin – Silent Green
18.05. Köln – Cardinal Sessions Festival
19.05. München – Unter Deck
21.05. Haldern – Haldern Pop Bar
23.05. Düsseldorf – Zakk Club



Betamensch
Zwei Männer aus der zweitgrößten Stadt Bayerns (Nürnberg) bringen ihre zweite EP namens Was Wir Waren (VÖ: 26.04.) heraus; darauf enthalten: zwei okaye (Wie Weh & Nur Gewinner) und zwei richtig geile (Halt Mich & Nie Mehr) Tracks, die keinerlei Zwei(!)fel daran aufkommen lassen, dass es sich bei Betamensch keinesfalls um 2. Wahl handelt. Sehr solide Rockmusik mit Pop-Attitüde, eine charakteristische Stimme und große Ambitionen - von denen werden wir vermutlich noch einiges hören. Live seht Ihr die Jungs demnächst hier:


26.04. Hamburg, Astra Stube
30.05. München, StuStaCulum
31.05. Buxtehude, Altstadtfest
14.06. Rottershausen, Lutz! Festival
05.07. Nürnberg, Südstadtfest
20.07. Gauting, Kulturspektakel



Honig
An die Band Honig habe ich bis heute extrem viele gute Live-Erinnerungen. Zum Beispiel als Support von Element of Crime in der Tonhalle Düsseldorf beim New Fall Festival, großartig. Zum Beispiel in der Pension Schmidt in Münster, als Stefan zum Schluss mit Town of Saints und Dad Rocks! mitten im Publikum stand und Golden Circle inbrünstig performten. Und auf jeden Fall die phantastischen Abende im Rahmen der Tour of Tours! Was ein irres Spektakel voller Spielfreude!
Doch nun soll Schluss sein. Das Bandprojekt Honig wird geschlossen, was ich persönlich sehr traurig finde. Jedoch soll dies nicht ohne einen letzten Knall geschehen, einer ausführlichen Abschiedstour bei der sie von ihren holländischen Freunden von Town of Saints begleitet werden. Ebenso gibt es einen letzten neuen Song und der Titel Nosebleed passt da ja mehr als die Faust aufs Auge! Ein Lied, das die sanften Stärken der Band gefühlvoll nachzeichnet. Also: Geht da hin und reißt ein letztes Mal mit Honig und Freunden diese schönen Clubs ab:

28.06.2019 Hannover, Café Glocksee
29.06.2019 Erfurt, Franz Mehlhose
30.06.2019 Nürnberg, Musik & Picknick
05.10.2019 Münster, Gleis 22
06.10.2019 Wiesbaden, Schlachthof
07.10.2019 Stuttgart, Im Wizemann
08.10.2019 München, Ampere
09.10.2019 Leipzig, Werk 2
10.10.2019 Gera, Alte Brauerei
11.10.2019 Braunschweig, Eulenglück
12.10.2019 Berlin, Monarch
21.12.2019 Hamburg, Bahnhof Pauli
22.12.2019 Düsseldorf, Zakk



Giant Rooks
Eine weitere gute Live-Erinnerung eines ganz anderen Kalibers: Auf meinem Herzensfestival, dem Traumzeit in Duisburg, sah ich vor zwei Jahren zum ersten Mal die Giant Rooks und konnte meinen Augen und Ohren nicht glauben: 1. Was macht diese Schülerband hier? Diese Frage wurde schnell beantwortet, denn: 2. Was machen die denn für krasse Musik? Und: 3. Was hat der Sänger denn mal für eine enorme Stimme?! Gehört und direkt überzeugt.
Mittlerweile sind die Giant Rooks keine Unbekannten mehr, spielen nun eine weitestgehend ausverkaufte Tour in Läden mit respektablem Fassungsvermögen, wo die Tanzbeine sicherlich nicht lange still halten können. Passend veröffentlichen sie heute ihre zweite EP, dessen gleichnamige Single Wild Stare schon länger zu genießen ist. Hier gehen die Jungs nun auf Tour:

22.04.2019 Stuttgart, Im Wizemann
23.04.2019 Köln, Live Music Hall (Ausverkauft)
24.04.2019 Münster, Skaters Palace (Ausverkauft)
26.04.2019 CH-Zürich, Exil
27.04.2019 AT-Dornbirn, Dynamofestival
29.04.2019 München, Muffathalle (Ausverkauft)
12.05.2019 Bremen, Modernes (Ausverkauft)
13.05.2019 Hannover, Capitol (Ausverkauft)
14.05.2019 Leipzig, Täubchenthal (Ausverkauft)
15.05.2019 AT-Wien, Wuk (Ausverkauft)
17.05.2019 Hamburg, Grosse Freiheit 36 (Ausverkauft)
18.05.2019 Frankfurt am Main, Batschkapp (Ausverkauft)
19.05.2019 Berlin, Huxley’s Neue Welt (Ausverkauft)
21.05.2019 Berlin, Huxley’s Neue Welt (Zusatzshow)
22.05.2019 Köln, Live Music Hall (Ausverkauft)
27.05.2019 Heidelberg, halle02
28.05.2019 Würzburg, Posthalle
30.05.2019 Nürnberg, Z-Bau



Faye Webster
Bleiben wir indirekt bei den Giant Rooks und deren kommenden Shows. Denn bei einigen (s.u.) ist Faye Webster als Support mit dabei. Und die Auftritte der Folkpopper werden mit einem gänzlich anderen Genre eröffnet. Webster macht einen Mix aus Pop, R'n'B, Soul, Hip Hop und Easy Listening. Sehr spannende Kombination. Im Track Flowers behandelt sie ihre eigene Vergangenheit in der Rap-Crew um Awful Records, wo sie die ersten musikalischen Gehversuche hinter sich brachte, um nun auf den eigenen Beinen zu stehen. Am 24. Mai wird ihr neues Album Atlanta Millionaires Club erscheinen, das zum entspannten Zurücklehnen einlädt. Es ist irgendwo in einem Bereich zwischen Lambchop, Junip und vielleicht Why? angesiedelt. Reinhören lohnt sich allemale!

12.05. Bremen, Modernes
13.05. Hannover, Capitol
14.05. Leipzig, Täubchenthal
15.05. Wien, Wuk - AT
17.05. Hamburg, Große Freiheit 36
18.05. Frankfurt, Batschkapp
19.05. Berlin, Huxleys

Mittwoch, 17. April 2019

Joseph Boys - Rochus

Erholsam im Kö-Graben. Foto: Andreas Endermann
(ms) Sich als Düsseldorfer Punkrockband Joseph Boys zu nennen, kann man entweder als mittelmäßiges Wortspiel interpretieren oder sagen, dass das eine witzige Idee war. Ich erfolge diesbezüglich die zweite Erklärung. Dass man als Punkrockband auf Fotos seine Gesichter nicht zeigt, ist auch eher ungewöhnlich. Egal, ob das als Promo-Strategie, Selbstschutz oder künstlerisches Stilmittel, ich bin Freund davon. Insbesondere bei Waving The Guns ist die Maskierung nach wie vor mit einer gewissen Faszination verbunden. Und insbesondere mit dem Standpunkt, dass dann die Musik, also hauptsächlich der Text im Vordergrund steht.
Diese Herangehensweise haben die Joseph Boys vielleicht auch verfolgt.
Am 26. April erscheint das erste Album des Quintetts auf Flight 13 Records. Es heißt Rochus! Nein, es nicht nur ein eher seltener männlicher Vorname, sondern ein Synonym für Wut oder Ärger. Und das hört man auf den 11 Tracks, die in 30 Minuten und 50 Sekunden runtergerissen werden. Das heißt: Tempo und Krawall! Und das macht richtig viel Spaß!



Dieser kommt insbesondere durch die sehr guten Texte ans Tageslied. Darin werden nicht nur auf durchaus unterhaltsame Art und Weise Randerscheinungen des Alltags wie das Kommen und Gehen von Gegenständen im Fundbüro erzählt. Sondern eine gewisse Hassliebe zur Heimat am Rhein scheint immer wieder durch die Zeilen. Freizeitstätte Garath handelt von der Seite Düsseldorfs, die bei dem ganzen Schickimicki-Hochglanz untergeht; ein Stadtteil, der viel Beton in der Außenfassade trägt. Doch es ist eine großherzige Solidaritätsbekundung! Und in eben jener Freizeitstätte gibt es dieses Jahr noch außerordentlich gutes Kabarett zu sehen: Hagen Rether, Mathias Tretter oder Philip Simon geben sich hier die Klinke in die Hand.
Die andere Düsseldorfer Seite zeigen sie in Geisterbahn Königsallee: Wenn man dort insbesondere am Wochenende schon mal geschlendert ist, weiß man genau, was die Band mit dem Titel meint, es ist ein grauenerregendes Show And Shine. Fein operierte Nasen und Austern schlürfen. So sieht es da halt wirklich aus.
All dies erzählen die Joseph Boys in hervorragendem Punkrock-Gewandt: ordentlich Gitarre, treibender Bass und schepperndes Schlagzeug und Tracks, die nicht mit Spiellänge überstrapazieren. Hier seien insbesondere Vernunft und Allegleich erwähnt, die beide an der Zwei-Minuten-Marke kratzen.
Auch richtig stark: Logische Obsoleszenz! Ein Plädoyer gegen die Wegwerfgesellschaft und eine wunderbare Abhandlung über den Begriff der Sollbruchstelle! Das weiß zu gefallen!

Klar: die Jungs erfinden den Punkrock hier nicht neu, spielen ihn aber in allerbester Manier!
Fazit: Schnelles, treibendes, kluges Album, das gehörig Bock macht.
Daher: Auf jeden Fall ansehen, wenn sie live spielen!

26.04. - Köln, Sonic Ballroom
27.04. - Düsseldorf, AK 47
17.05. - Frankfurt, Dreikönigskeller
18.05. - Karlsruhe, Alte Hackerei
07.06. - Osnabrück, Substanz
08.06. - Berlin, Schokoladen
14.07. - Düsseldorf, Tube
11.10. - Wermelskirchen, AJZ Bahndamm
26.10. - Münster, Gleis 22

Freitag, 12. April 2019

KW 15, 2019: Die luserlounge selektiert!

Quelle: stagefoodsafety.ecolab.com
(sb/ms) Dieser Tage habe ich ein wenig daheim aufgeräumt, Platten, Bücher und CDs sortiert und ausgemistet. Was da alles zum Vorschein kommt, ist schon irre...
Währenddessen habe ich Alben gehört, die länger nicht liefen. Unter anderem das Plastic Beach-Album der Gorillaz. Es ist tatsächlich vor neun Jahren erschienen. Beim Lauschen ist mir in Erinnerung gekommen, irgendwo mal gelesen zu haben, dass Damon Albarn insbesondere mit den Gorillaz Musik macht, die soundtechnisch eher in der Zukunft populär sein wird. Ja, ich hab das Anhören ziemlich stark abgefeiert. Noch mehr verwundert hat mich allerdings, wie inhaltlich visionär das war. Denn: Wenn nicht diese Platte, welche sollte dann der Soundtrack der Fridays for Future-Bewegung sein?! Beweis: Diese Doku!

Vögel die Erde essen
Oida, was für Bandname! Dass da vermutlich keine 08/15-Musik zu erwarten ist, liegt auf der Hand, aber so abgefahren wie befürchtet, isses dann doch nicht. Teilweise erinnert es an die großartigen Samba aus Münster (kennt die noch jemand?), die Bee Gees haben auch ordentlich abgefärbt und wenn man die ein oder andere psychedelische Droge vor Konsum des Albums eingeworfen hat, schadet das sicher auch nicht. Die Goldene Peitsche (VÖ: heute!) bietet jedenfalls durchaus Texte mit Substanz, die den Freuden der Überflussgesellschaft und der Lust an der Unterdrückung huldigen und dem Hörer die Möglichkeit bieten, sich zu positionieren, ob man dem Weg folgen oder doch seinen eigenen gehen möchte. Wird nicht mein Lieblingsalbum, aber ich bin froh, dass ich Vögel die Erde essen (immerhin mit dem Gitarristen von Die Tentakel von Delphi!) auf diesem Weg kennenlernen durfte.


Bonaparte
Anti Anti! Ah, nee. Damit ist es irgendwie vorbei bei Tobias Jundt und seiner Band Bonaparte. Denn die My Horse Likes You-Phase scheint schon länger beendet zu sein. Nicht nur musikalisch hat sich Jundt verändert, sondern er singt jetzt auch auf Deutsch. Das ist meines Erachtens schon gewöhnungsbedürftig, da ein roter Faden nur schwer zu erkennen ist.
Dennoch: Am 14. Juni erscheint das neue Album Was Mir Passiert. Man kann auch schon reinhören und der Schweizer hat niemand anders als Bela B und Farin Urlaub für die Single Big Data gewinnen können. Ich muss das nochmal anhören, denn so richtig zündet das noch nicht.
Was man von seinen Live-Shows bekanntermaßen aber nicht behaupten kann, denn das wird im Spätherbst sicher wieder eine wilde Sause:

19.11.2019 Leipzig ­– Täubchenthal
20.11.2019 Dresden – Beatpol
21.11.2019 Frankfurt – Batschkapp
22.11.2019 München ­– Technikum
23.11..2019 Wien – Flex
25.11.2019 Erlangen – E Werk
26.11.2019 Stuttgart – Wagenhalle
27.11.2019 Bern – Bierhübeli
28.11.2019 Köln – Gloria
29.11.2019 Hamburg – Uebel & Gefährlich
30.11.2019 Berlin – Festsaal Kreuzberg



Machete Dance Club
Ein wahrer Newcomer ist der Machete Dance Club aus München, denn erst seit einem Jahr besteht die Band und kann doch schon ordentlich Erfolge vorweisen, z.B. "Band der Woche" in der SZ und demnächst Support bei Dog Eat Dog.
Klickt am besten mal aufs Video und macht Euch selber ein Bild davon! Für mich klingt das bös nach aufgepimpter 80/90er-Mucke und Typen, die aussehen wie Europe, Thunder oder Mr. Big - tun sie aber Gott sei Dank nicht. Ich würde es ja gerne mögen, aber ich schaffs einfach ned. Oder wie meine Frau es eben ausdrückte: "Das klingt wie eine komische Mischung aus Mainstream und seltsam."
Wie gehts Euch so damit? Bei Gefallen lege ich Euch natürlich gerne die Debüt-EP A Trip Outta Hell Into Heaven And Back ans Herz, die just heute erscheint.


A Choir Of Ghosts
An Ounce Of Gold - so wird das Debütalbum des schwedisch-britischen Künstlers James Auger a.k.a. A Choir Of Ghosts heißen. Leider müssen wir darauf noch bis Ende 2019 warten, doch schon heute verwöhnt uns der Sänger mit seiner neuen Single Southwest Of The Moon, einem melancholischen Blick auf gescheiterte Beziehungen, weil man zu viel verlangt und nicht bereit ist, genug zu geben. Folk, wie wir ihn mögen!


Herrenmagazin
Gut drei Jahre her: Mit einem guten Freund war ich beim Herrenmagazin-Konzert im wunderbaren Dortmunder FZW. Pflichtnotiz: Ein Club mit unglaublich gutem Sound! Das Konzert war spitze, doch mein Kollege meinte: "Tja, das war dann also die Abschiedstour." Ich habe heftig dementiert, doch mir fehlte die Überzeugungskraft. Und tatsächlich hat man von Herrenmagazin danach nichts mehr gehört. Deniz Jaspersen macht Solo-Musik, Paul und König Wilhelmsburg spielen in einer Band Namens Trixsi.
Und letzte Woche kam dann der große Knall: BÄÄMM! Herrenmagazin gehen Ende des Jahres auf Tour. Und nicht irgendeine Tour: 11 Jahre Atzelgift werden ausgefallen zelebriert! Runde Geburtstage sind doch eh überbewertet! Wir freuen uns wie Bolle und haben da auch schon einige Daten im Visier:

07.11.19 Berlin, BiNuu
08.11.19 Dresden, Tonne
09.11.19 Bremen, Tower
10.11.19 Hamburg, Uebel & Gefährlich
13.11.19 Hannover, Bei Chez Heinz
14.11.19 Köln, Gebäude 9
15.11.19 Oberhausen, Druckluft
16.11.19 Frankfurt/Main, Zoom



Von Spar
Vor vier Jahren habe ich die Gruppe Von Spar mal im wunderbaren Gleis22 in Münster live gesehen. Ich kannte die Band gar nicht so richtig, wurde aber während des Gigs unheimlich überzeugt. Sie machen eher elektronische Musik und können dabei auch ziemlich laut ausbrechen. Auf der anderen Seite wird es hypnotisch-tanzbar. Also: sehr variabel und sehr gut. Nun bringen Von Spar ein neues Album raus: Under Pressure erscheint am 10. Mai über Bureau B, die ja eh einen sehr guten Geschmack haben. Die mit einem Video versehene Single Extend The Song ist dabei genremäßig schwer zu beschreiben. Vielleicht eine Mischung aus The Notwist und den jetzigen Lambchop?! Keine Ahnung... Daher: Hört rein und lasst euch mitnehmen! Live gibt's das demnächst hier:

22.05.19 Köln – Britney/Schauspielhaus
23.05.19 Köln – Britney/Schauspielhaus
30.05.19 Brüssel – Orangerie Botanique



Fortuna Ehrenfeld
Nein, sie sind keine Newcomer mehr. Doch wer innerhalb von vier Jahren drei Alben raus bringt, der hat definitiv etwas zu sagen und ein ungeheures kreatives Schaffen aufzuweisen. Und Fortuna Ehrenfeld ist seit zwei Jahren nicht mehr nur Martin Bechler, wenn er aus Aushängeschild, Texter und Rampensau ist. Doch Jenny Thiele und Paul Weißert lassen sich nicht mehr von der Bühne und aus den Videos rausdenken. So erscheint am 3. Mai das neue Werk Helm Ab Zum Gebet! Natürlich bei den guten Leuten vom Grand Hotel van Cleef. Das Video zur gleichnamigen Single sehr ihr hier. Apropos: Wie schön ist das denn mal geworden?! Ich bin äußerst neugierig auf die neue Platte und die Vorfreude ist extrem. Denn Fortuna Ehrenfeld suchen derzeit schon Ihresgleichen in Sachen Texten auf Deutsch! Das ist sehr stark. Daher ist ein Besuch auf der kommenden Tour natürlich Pflicht:

12.04. Bocholt, Freier Kulturort Alte Molkerei e.V. 
13.04. Osnabrück, Popsalon Festival 
16.05. Aachen, Musikbunker 
17.05. Münster, Sputnikhalle 
18.05. Rostock, Helgas Stadtpalast 
19.05. Berlin, BiNuu 
21.05. Wiesbaden, Schlachthof 
22.05. Stuttgart, Club Cann 
23.05. A-Graz, Orpheum extra 
24.05. A-Wien, Donaukanaltreiben 
25.05. A-Oslip, C’est La Mü 
26.05. München, Ampere 
28.05. Bremen, Tower 
29.05. Hamburg, Grünspan 
30.05. Paderborn, Kulturwerkstatt 
31.05. Köln, Gloria 
17.07. Hamburg, Slamville (Solo) 
26.07. Würzburg, Hafensommer (Kettcar Support) 
03.08. Böblingen, Songtage


Mittwoch, 10. April 2019

Gewinnspiel: Hurricane & Southside

Die luserlounge ist in Geberlaune: Merchandise zu verlosen! Foto: luserlounge
(ms) Die ersten Sonnenstrahlen kamen am Wochenende schon heraus und die Biergartensaison lässt auch nicht mehr lange auf sich warten. Was für ein Zauber doch die ersten Frühlings- und Frühsommerabende mit sich bringen, an denen man nicht mehr komplett gegen Kälte gerüstet ausharren muss.
Das heißt auch, dass die Festivallandschaft sich rüstet, um in allerbester Manier abgerissen zu werden. An der Spitze befinden sich natürlich das Southside und Hurricane. Letzteres sollte vielleicht mal seinen Namen überdenken, wenn langfristig gutes Wetter an jedem Juni-Wochenende herrschen soll...
Und was geben sich dort dieses Jahr wieder für Künstler die Klinke in die Hand?! Es sind nicht nur die sehr guten Headliner wie Tame Impala, Foo Fighters oder die Legenden von The Cure, sondern das Mittelfeld ist in extremer Weise besetzt: Bilderbuch, Die Höchste Eisenbahn, Bloc Party, Muff Potter, Pascow, The Streets (!!!), Christine And The Queens, Faber, Danger Dan oder Sookee. Wenn das nicht mal nach einem Wochenende voller bierseligem Musikgenuss in der Sonne ruft?!

Damit ihr für diese Festivals gut gerüstet seid, verlosen wir Euch hier in der luserlounge Shirts und Beutel! Ist das nicht der Wahnsinn?!
Was Ihr dafür tun müsst:
Schreibt uns Eure besten, liebsten, schönsten, verrücktesten, genialsten, umwerfendsten Momente vom Hurricane oder Southside. Schreibt uns auch, ob es eher ein Beutel oder ein Shirt sein soll. Wir hauen je 2 Beutel und 2 Shirts raus (Hurricane: Größe Grily S und Unisex XL; Southside: Unisex S und M). Seid kreativ, lasst Euch was einfallen, überzeugt uns, dann hagelt es Sommermode!

Schreibt uns bis Ostermontag, den 22. April an luserlounge@googlemail.com oder über unseren Facebook-Account. Wir freuen uns über Eure Geschichten und Erlebnisse!

Herzlichen Dank für die Bereitstellung an die Promotion Werft in Hamburg!

Dienstag, 9. April 2019

Hania Rani - Esja

Foto: Alfheidur Gudmundsdottir
(ms) Diese Rezension sollte mit der Frage und derer Beantwortung starten, warum im weitesten Sinne klassische Musik in den letzten Jahren beim Ottonormal-Indie-Publikum an Popularität und Erfolg gewonnen hat. Ich habe mir darüber den Kopf zermartert und bin zu keinem zufriedenstellenden Ergebnis gekommen. Daher folgen nun ein paar wirre Ideen.
Es könnte sein, dass mein Musikgeschmack und ich in den letzten Jahren gemeinsam gewachsen sind und daher die Wahrnehmung dieser Entwicklung nur eine ganz natürliche Sache ist. Das mag auch am gesteigerten Arbeitsaufkommen liegen. In gehäuften Nachdenkphasen, bei denen meistens etwas Kreatives herausspringen soll, lässt sich instrumentale, minimalistische Musik nebenbei wesentlich besser hören als textlich verwirbelte Musik von Die Sterne, Mine oder gar textdichter Rap von Audio88.
Klaviermusik wie das neue Album Esja von Hania Rani sind da genau das Richtige. Es sind im besten Sinne Stücke, die man gut nebenbei hören kann, ohne dass sie ihre Schönheit und Dramatik verlieren oder ganz zu verschwinden drohen.
Es kann jedoch auch sein, dass die Avantgarde sich eine gewisse Position im Pop-Business erarbeitet hat und damit einen Gegenpol zum sehr erfolgreichen wenn auch schlimmen Cloud-Rap oder Schlager setzt. Sehr gut besuchte und gar ausverkaufte Konzerte von Nils Frahm, Malakow Kowalski oder Martin Kohlstedt beweisen das. Wobei ersterer und letzterer häufig - je nach Anlass - ins Elektronische abdriften. Und das, insbesondere bei Kohlstedt, mit einer ungeheuren Wucht.
Hania Rani geht auf Esja eher Richtung Kowalski. Zum Glück jedoch nicht so streng minimalistisch und einsiedlerkrebsmäßig. Die zehn Stücke entfalten sich auf einer guten Dreiviertelstunde in ruhige Schönheit und werden nie langweilig. Denn das ist durchaus das Anspruchsvolle des Genres, das man nun Neo-Klassik (oder sonstwie) nennt. Trotz, dass es derzeit in und cool ist, muss der Hörende natürlich am Ball bleiben.
Das schafft Hania Rani in vielfältiger Weise. Unter anderem auch mit ihrer anderen Gruppe tęskno. Das polnische Ensemble, Ranis Heimat, nutzt klassische Arrangements mit Streichern und Klavier und setzt darüber einen Gesang, der schnell Gänsehaut erzeugen kann.

Für ihr Solo-Album konzentrierte sie sich dann wiederum ganz und gar auf das Klavier, das ihr Herzensinstrument ist. Somit tritt sie zum ersten Mal alleine als Künstlerin auf, ohne Teil etwas Größeren zu sein. Das bringt viel Spannung, Mut aber auch Freiheit mit sich.
Was ihr eigenes Schaffen am meisten beeinflusst, fasste sie folgendermaßen zusammen: "Die Form meiner Stücke kann zum Beispiel von Architektur und Design beeinflusst sein. Ich übersetze dann diese ‘fremde’ Formsprache in meine eigene Sprache, die Musik, und das Ergebnis finde ich sehr viel spannender als das reine Bezugnehmen auf die Musik selbst." Was für ein Statement!

Schwierig ist es bei solch einer Art von Musik stets, einzelne Songs genau rauszupicken. Ich denke, dass man damit der Kunstform als solcher auch nicht gerecht wird. Mir erscheint Ejsa vielmehr als Gesamtwerk, das einen in 45 Minuten schnell hilft aus dem Alltag zu entfliehen. Es spielt mit Tempo, Dramatik und Melodieführung. Und insbesondere in Zeiten von Streaming, das einzelne Lieder schnell in ihrer Umfänglichkeit entwertet, ist es mehr als angebracht mal wieder ein ganzes Album durchzuhören. Dass dies die Königsdisziplin ist, da kein Gesang vorhanden, macht es nicht leichter, aber viel aufregender. Hania Ranis Debut-Album funktioniert sehr gut bewusst als auch nebenher.

Wir legen Euch Esja, das letzte Woche über Gondwana Records erschien, sehr ans Herz.
Es ist war nicht die ideale Musik für diese ersten richtig sonnigen Tage, aber man kommt ja auch irgendwann nach Hause, dann ist die Sonne untergegangen und man kann den Tag dabei hervorragend revu passieren lassen!

Live gibt es das demnächst hier:
11.05. Berlin - XJAZZ Festival
25.05. Hamburg - Futur 2 Festival


Sonntag, 7. April 2019

Live in Hamburg: Pöbel MC

Foto: luserlounge.
(ms) Ich mag Hamburg ja wirklich gerne. Nicht nur, da mein Verein am Millerntorstadion spielt, sondern die Elbe und die vielen Gegensetzlichkeiten machen den Charme aus. Das macht sich unter anderem bemerkbar, wenn man Richtung Fischmarkt unterwegs ist. Dort befinden sich nicht nur bekannte Adressen wie der Fischmarkt als solcher, sondern auch der Schellfischposten, in dem Ina Müller ihre Sendung aufzeichnet. Der Rest dort ist extrem modern aufgezogen: chic aber langweilig. Hummer Pedersen ist eine der In-Adressen für Fischfreunde und daneben parken Menschen in ihrem Freizeitporsche vor dem Restaurant von Steffen Hessler, einer dieser furchtbar unsympathischen Fernsehköche.

Gut, dass nur wenige Meter weiter das Hafenklang ist. Der Club bricht das Hochpolierte und Künstliche an der Großen Elbstraße. Schade nur, dass drinnen geraucht werden darf. Nun gut...
Foto: luserlounge.
Am Freitag lud niemand geringeres als Pöbel MC zum Doppelschlag. Denn er gab an einem Abend zwei Gigs: erst unten im Club und später im Goldenen Salon. Wir waren bei der ersten Sause dabei und sind nachhaltig beeindruckt. Denn Pöbel hat in den letzten Jahren eine erstaunliche Entwicklung abgeschlossen. Ich sah ihn zum ersten Mal als Support von Waving The Guns, so wie viele andere sicherlich auch.
Jetzt macht er die kleinen Läden selber voll und halt seine Skills am Mikrophon extrem gesteigert. Doch bevor er demonstriert hat, was ein Abriss ist, durften zwei Supports ran. Erst war Ivan G dran, der lässig mit der Astraflasche in der Hand die Punchlines raushaute. Danach zeigte Presslufthanna, dass weibliche MCs so, so wichtig sind. Sie hat nicht nur melodiöse Tracks mit Anspruch abgeliefert, sondern das ganze auch noch auf Ibuprofen durchgestanden. Und: sookee, Haszcara und Marie Curry freuen sich bestimmt über den weiblichen Nachwuchs im Rap! Wir auch!

Nächste Umbaupause. Kurz Zeit für die Anmerkung, dass im Hafenklang zwischendurch extrem gute Musik lief. Zu einem Rap-Abend passten Nada Surf oder Turbostaat nur bedingt, aber ich habe mich sehr gefreut.
Licht aus, Spot an und es folgte ein wirklich starker Auftritt von Pöbel MC. Er hat eine irre Präsenz auf der Bühne, hat mit den ersten Beats den ganzen Laden eingenommen, die Stimmung nach oben gepeitscht. Dabei war das hip-linke Publikum sehr, sehr textsicher. Und das nicht nur bei den brachialen Tracks vom aktuellen Pöbel Sports Tape, sondern auch der Songs von Personality Trainer, Backpfeife auf Dauerschleife und em Kollabo-Album mit Milli Dance WTG. Highlights, die für Pogo, Hip-Hop-Hände und schnelleres Bier sorgten waren sicherlich Rammeln, Autoritäres Jugendzentrum, Handyflat, Intro von Soli-Inkasso, Aufbruchstimmung oder Dawai Dawai. DJ Flexscheibe hat nicht nur für einen sehr, sehr guten Sound mit satten Bässen gesorgt.
Foto: luserlounge
Und dann kam eine sehr spannende Situation: Klar, auch Pöbel MC spricht ein klar linkes Publikum an. Dieses skandierte dann zwischendurch "Nie, nie, nie wieder Deutschland". Ein Slogan, den man
regelmäßig bei Waving The Guns, Neonschwarz oder Egotronic hört und den nicht nur ich unglaublich platt finde. Denn Pöbel MC ging direkt darauf ein und wies eindeutig darauf hin, dass es genug Gestaltungsmöglichkeiten gibt, anstatt plump eine beliebige Anti-Haltung einzunehmen. Gefiel mir sehr gut!
Ebenso wie Zero Problemo. Meines Erachtens einer der sträksten Rap-Tracks aus den letzten Monaten!
Und gern hätte ich gewusst, wie der zweite Gig so lief, denn ich hatte schon den Eindruck, dass Pöbel MC keinen Halt davor machte, sich direkt beim ersten Durchlauf zu verausgaben. Unterm Stich bleibt ein sehr starker Auftritt, mit viel Flow und Sicherheit am Mikrophon und einer beeindruckenden raumeinnehmenden Präsenz.

Ihr solltet Euch auch davon überzeugen. Pöbel MC macht demnächst noch hier Halt:

10.05. Cottbus - Fauler August
17.05. Berlin - cassiopeia Berlin
18.05. Mölln - Pegasus Open Air
24.05. Rostock - Helgas Stadtpalast




Freitag, 5. April 2019

KW 14, 2019: Die luserlounge selektiert!

Quelle: wikiprogress.org
(ms/sb) Wir gehen hier mal ganz kurz darauf ein: Rammstein. Ich habe derzeit extreme Probleme mit dem Internet daheim und habe Anfang der Woche erst das Video gesehen. Wo ist jetzt der Aufreger? Ganz einfach: Einen Tag vorher ein 20-sekündiges Teaservideo, wo sie mit Judenstern am Galgen stehen. Das war es. Mehr ist nicht passiert. Denn der Rest ist so unglaublich eindeutig, dass ich die Kommentare und den ganzen Rummel drumherum überhaupt nicht nachvollziehen kann. Das Video ist reiner Trash und das haben wir doch auch alle erwartet, es ist genauso wie bei jedem anderen Video auch, das Rammstein je veröffentlicht haben. Riesige Effekthascherei. Riesiges Marketing. Originell ist nur, dass die dunkelhäutige Schauspielerin Dreh- und Angelpunkt ist. Ansonsten ist es ein Lied, das sich gegen Deutschtümelei rüstet, jede andere Interpretation ist zu viel. Denn so viel sollte man Rammstein auch nicht zumuten. Raffinierte Texter waren sie noch nie. Eher im Gegenteil. Wer das Mathematik-Lied von Till Lindemann gehört hat, weiß Bescheid. Und mehr als diese Zeilen ist das Video, ist der Text auch nicht wert: ein unterdurchschnittlicher Song mit einem PR-Riesenknall. So, jetzt wird selektiert:

Gurr
Gurr - zwei Frauen, die ihren Traum leben und die in dem, was sie tun, so autark wirken, dass man sie direkt beneidet. Feiner Indie-Pop und -Rock, mal deutsch, mal englisch, perfekt aufeinander abgestimmter Gesang, angenehme Stimmen - was will man mehr? Ihrem Debütalbum aus dem Jahr 2016 ließen Laura Lee und Andreya Casablanca eine exzessive Tour und zahlreiche Festivals folgen, begleiteten Kraftklub auf deren Tournee und melden sich nun mit ihrer She Says EP (VÖ: heute!) zurück. Sieben Perlen, die einmal mehr das große Potential der beiden unterstreichen und Lust machen auf den nächsten Longplayer. Lieblingstrack: Of Hollywood!


Clowns
Die Clowns aus Australien hatten wir kürzlich schonmal mit der aktuellen Single in der Selektion, jetzt liegt uns das Album Nature/Nurture (VÖ: 12.04.) vor und somit steht einem Update nichts mehr im Weg. Kam I Wanna Feel Again zumindest zu Beginn noch recht melodisch daher, wird auf Albumlänge doch ordentlich geknüppelt - und das ist gut so! Die Band aus Melbourne besticht durch brachialen Punk-Hardcore-Sound und überzeugt darüber hinaus durch überlegte Arrangements, was hoffentlich nicht nur uns zu der Überzeugung bringt, dass die Clowns bereit sind, die Bühne(n) Europa zu erobern.



Django 3000
Jenseits des Weißwurstäquators besitzen Django 3000 oft nicht mehr als den Exoten-Bonus, dabei sind die Herren aus dem Chiemgau richtig gute Musiker und haben es mit ihrem bairischen Folk-Rock sogar schon in die deutschen Album-Top 20 geschafft. Heute erscheint Heimat, die neue Single des Quintetts, die gleichzeitig als Vorbote des bevorstehenden Albums Django4000 dient, das demnächst folgen wird. Der Weg ist bereitet, an die bisherigen Erfolge anzuknüpfen und auch live sind die Djangos stets einen Besuch wert - die Termine findet Ihr hier: Django 3000 on tour



Bitter Moon
Sechs Songs, knapp 20 Minuten, sphärische Klänge, die Einladung zu einer Reise ganz weit weg. Augen zu, eintauchen, hingeben, der Phantasie freien Lauf lassen. Bitter Moon aus der Schweiz veröffentlichen am 12.04. ihr selbstbetiteltes Debüt und lassen uns ebenso erstaunt wie verzückt zurück. Wie das wohl live optisch umgesetzt wird?

17.04. Berlin, Urban Spree
26.04. Vevey (CH), Zahnfest
03.05. Schaffhausen (CH), Tab Tap
04.05. St. Gallen (CH), ExRex
03.08. Zürich (CH), Stadtsommer

Leider gibts das Video zur EP erst nach deren Release, aber versprochen: wir liefern das dann auf unserer Facebook-Seite nach! Bis dahin gibts was Altes von Bitter Moon auf die Augen und Ohren, das sich jedoch grundlegend von den neuen Tracks unterscheidet.



Hein Cooper
So, Zeit für ein bisschen radiotaugliche Musik: heute erscheint Like That, die neue Single von Hein Cooper und wir haben das sehr sehenswerte Video für Euch. Der Australier geht zudem die Tage mit Lukas Graham auf Tour und macht auch Station in der DACH-Region.

06.04. Köln, Live Music Hall
10.04. Hamburg, Mehr! Theater
12.04. Wien (AT), Gasometer
13.04. Zürich (CH), Halle 622



Island
"Es gibt einige wiederkehrende Themen in unseren Songs, die uns faszinieren: Einsamkeit zum Beispiel, oder Leere: Dinge, die in unserer Welt ironischerweise so üblich zu sein scheinen, einer Welt, mit der uns doch so viel verbindet." Etwas verbittert klingen die Worte von Island-Sänger Rollo Doherty und doch hat er damit sicher alles andere als Unrecht. When We're Still (VÖ: 12.04.), die neue EP der Briten, beinhaltet drei bekannte Songs der Band und bietet als Zuckerl den neuen Track Lyra. Sehr hörenswert, zumal die EP die stilistische Bandbreite der Herren aus Oxford/London eindrucksvoll aufzeigt.



F.R.I.D.A.
Um möglichen Fragen vorzubeugen: der Bandname heißt nicht etwa Freaking Rebels In Dad's Army oder so 'n Scheiß, sondern leitet sich schlicht und einfach vom Namen der Tochter von Gitarrist Micha ab. So, jetzt aber zum Wesentlichen! Wir hatten es ja bereits an anderer Stelle erwähnt: wenn es gut gemacht ist, lassen wir uns gerne mal anschreien und F.R.I.D.A. aus Berlin gelingt es in der Tat, deutsche Texte mit Hardcore-Melodien so zu kombinieren, dass man keinen Ohrenkrebs bekommt. Der "Vorteil" an Hardcore ist ja oft, dass man kein Wort versteht - auf Meinungsmonument (VÖ: 19.04.) ist das Gott sei Dank anders, denn die Lyrics sind es durchaus wert, beachtet zu werden. Klar, das ist keine Musik, die man mal so nebenher hört, aber bei passender Laune geht das Ding ordentlich steil.


Russkaja
Bekannt wurden Russkaja erst als Hausband des legendären ORF-Formats "Willkommen Österreich" mit Stermann und Grissemann, doch schon vorher sorgte die wienerisch-russische Combo mit ihrer doch ziemlich genialen Mischung aus Ska, Rock, Polka, russischen, deutschen, englischen und spanischen Texten für allerhand Aufsehen in der Alpenrepublik und über deren Grenzen hinaus. So waren Russkaja die erste Band, die viermal in Folge nach Wacken eingeladen wurde - und das als Nicht-Metal-Act!
Am vergangenen Freitag veröffentlichte die Band ihr Album No One Is Illegal und der Titel gibt bereits vor, in welche Richtung die Message geht: Völker dieser Welt, steht zusammen, feiert zusammen, tanzt zusammen und hört auf, Euch gegenseitig die Köpfe einzuschlagen! Gewohnt melodisch, mitunter sogar mitreißend und extrem tanzbar. Insbesondere live ein tolles Erlebnis und da spreche ich aus Erfahrung.

05.04. Frankfurt, Batschkapp
06.04. Dornbirn (AT), Conrad Sohm
09.04. Wien (AT), WUK
10.04. Salzburg (AT), Rockhouse
11.04. Dortmund, FZW
12.04. Ulm, Roxy
13.04. Steyr (AT), Röda
25.04. Hamburg, Markthalle
26.04. Köln, Gloria
27.04. Hannover, Musikzentrum
30.04. Innsbruck (AT), Treibhaus
02.05. Leipzig, Werk II
03.05. Berlin, Kesselhaus

Donnerstag, 4. April 2019

L'Imperatrice - Matahari

Foto: Julie Oona
(ms) Popmusik aus Frankreich ist tatsächlich nicht zwingend unser Genre. Doch ab und an flattert etwas rein, das nicht nur mal eben angehört, sondern aufmerksam durchgehört und dann für sehr gut empfunden wird.
Heutiges Beispiel: L'Impératrice aus Paris. Und sollte die Entwicklung dieser Dance-Pop-Band Geschichte schreiben, dann wird aus der luserlounge bald auch eine erfolgreiche Band. Wieso das?! Da der Kopf von L'Impératrice einst Musikjournalist war. Okay, er hat dies hauptberuflich gemacht und nicht nur gebloggt sondern auch ein Magazin gegründet.. Nicht so wie wir beiden hier...

Doch aus der anfänglichen Ein-Mann-Show von Charles de Boisseguin wurde im Handumdrehen eine sechsköpfige Gruppe, die vom Schlagzeug bis zum Keyboard alle Instrumente mit großer geschmacklicher Sicherheit beherrschen und diese so nutzen, dass die Hüften der Hörerschaft sich schnell in Bewegung setzen. Und das geht durch die Decke. Denn in ihrer Heimat spielen sie in ausverkauften Hallen, 2.000 Leute kommen. Für das anstehende Konzert in San Francisco sind tatsächlich ein halbes Jahr vorher keine Tickets mehr zu haben. Gründe genug also, sich damit mal genauer zu beschäftigen. Es ist fast schon ein Befehl, denn L'Impératrice heißt nichts anderes als Herrscherin. Diejenige unter euch, die sich noch an mehr als "Arthur est un perroquet" aus dem Französischunterricht erinnern, wissen das natürlich.



12 Tracks finden sich auf Matahari und der Start gefällt mir schon richtig gut. Denn es gehört eine ordentliche Portion Mut dazu, den eigenen Erstling mit einem fast vierminütigen Instrumental zu beginnen: Là-haut! Sanft schlingeln sich die Keyboard-Sounds durch sichere Gewässer, eine angenehme Basslinie übernimmt den Rest.
Und es geht genauso catchy weiter mit Error 404. Ja, so heißt der Track und hier wird nun für die Albumversion außerhalb Frankreichs auch auf englisch gesungen. Eine spielerische Melodie reicht hier für einen tanzbaren Song aus, das weiß schnell zu gefallen. Die Marschroute ist also klar: unkomplizierte, leichtfüßige und kurzweilige Electro-Pop-Musik mit besonderem Kniff. Die ersten Takte von vom titelgebenden Lied Matahari erinnern dann stark an das Werk ihrer Landsleute Justice. Doch danach geht es in eine wilde, weltmusikalische Richtung mit Bläsern und Percussion. Warum muss ich irgendwie dabei an ABBA denken?! Sängerin Flore Benguigui verleiht den Stücken mit ihrer leicht zugänglichen Stimme den nötigen Schliff. Auch sehr schön, dass Gründer de Boisseguin nicht selbst am Mirko zu hören ist. Stichwort Rampensau.



The Kiss - klar, auch en anglais - kommt als bestechender Easy-Listening-Track daher. Der Sechser zeigt also, dass sie mehrere Genres gekonnt beherrschen und diese Wechsel auf der Platte auch gar keinen Bruch darstellen. Vacances entpuppt sich als entspannte Reggae-ähnliche Nummer und ist etwas langsamer als der Rest, nimmt dem Album aber keineswegs den Charme. Sollten wir Ma Starlight demnächst im Radio zu hören bekommen, wundere ich mich keinesfalls. Und zwar nicht, weil es einfach nur ein im besten Sinne massenkompatibles Stück ist, sondern weil es Kevin Bourani oder Mark Forster mit gutem Geschmack aus den Playlisten hinaus katapultieren kann.
Matahari ist nicht nur etwas für den hobbyfrankophilen Musiknerd, der sich auf den nächsten Rucksacktrip an der Bretagne einstimmen will, sondern auch für diejenigen, die nicht in einem Genre verhaftet sind und sich gerne mal überraschen lassen wollen und können.

Live spielen L'Impératrice demnächst hier, nutzt die Chance:

30.05. - Berlin, Columbia Theater
31.05. - Köln, Artheater
01.06. - Schloss Kaltenberg, PULS Open Air

Dienstag, 2. April 2019

PUP - Morbid Stuff

Foto: www.facebook.com/puptheband
(sb) Ist man eigentlich noch ein Geheimtipp, wenn man auf der ganzen Welt ausverkaufte Konzerte spielt und eine ganze Szene unfassbar heiß ist auf den nächsten Release? Aber mal Hand aufs Herz: kennt Ihr PUP? Nein, nicht Pulp mit Jarvis Cocker, sondern PUP! Nicht Brit Pop, sondern Punk Rock. Nicht stylische Brille, sondern ordentlich auf die Fresse. Am Freitag (05.04.) erscheint Morbid Stuff, das dritte Album der Kanadier, die Ende des Monats zudem für ein paar Konzerte nach Deutschland kommen werden.

Keine Angst, es ist keine Schande, noch nicht von PUP gehört zu haben, aber Ihr solltet das auf jeden Fall schleunigst ändern, denn ihr vorheriges Album, The Dream Is Over, debütierte nicht umsonst auf Platz 1 der Billboard "Heatseekers" Charts und katapultierte die Band aus Toronto in internationale Gefilde, sondern war nur ein Vorbote dessen, was Euch jetzt erwartet.

Morbid Stuff bietet knapp 40 Minuten lang pure Energie, produziert, aufgenommen und gemischt von David Schiffman, der auch schon bei Weezer, Biffy Clyro und The Mars Volta an den Reglern saß. Sänger Stefan Babcock schreit sich die Seele aus dem Hals und PUP bieten ihren Fans all das, was die Band ausmacht: eingängige Melodien, mitreissende Chöre, packende Soli und intelligente Lyrics. Dass der Tod dabei eine zentrale Rolle spielt, sollte bei Morbid Stuff nicht weiter verwundern.

Foto: puptheband.bandcamp.com
Das Album hält indes auch Überraschungen bereit: Full Blown Meltdown entführt den Hörer in die Welt des Hardcore, das abschließende City hingegen kommt phasenweise sogar arg verletzlich daher, ehe es doch noch Fahrt aufnimmt und einen mit dem Wunsch zurücklässt, die Scheibe umgehend noch einmal anzuhören. Persönlicher Favorit: Free At Last!

PUP sind übrigens nicht nur bekannt für ihre energiegeladenen Shows, sondern auch für den künstlerischen bzw. experimentellen Ansatz bei ihren Videos. Überbrückt die Zeit bis zu den Konzerten also gerne bei YouTube und Konsorten und haltet Ausschau.


Demnächst auf Tour:

18.04. Berlin, Cassiopeia Club (ausverkauft)
19.04. Hamburg, Hafenklang (ausverkauft)
20.04. Köln, MTC Club (ausverkauft)
16.-18.08. Großpösna, Highfield Festival




Montag, 1. April 2019

Small Fires - All This Noise

Foto: Inga Seevers
(ms) Small Fires sind Benjamin, Lars und Ruben. Das Trio ist in Hamburg beheimatet und macht ganz unhanseatische Musik, die viel weltmännischer als Mauerseglerromantik klingt. Das mag eventuell an den britischen Wurzeln des Sängers Benjamin liegen. Ihre Ausrüstung besteht aus Schlagzeug, Bass, Gitarre und sehr klug eingesetzten elektronischen Synthesizer-Effekten. Nach einer EP und zwei bereits letztes Jahr veröffentlichten Singles, erschien letzte Woche ihr Debut. 12 Songs haben sie auf All This Noise gepackt. Ein Album, das laut und leise kann und genau das auch immer wieder gekonnt beweist und ihre Gäste geschmackvoll in Szene setzt. Das Album geht extrem abwechslungsreich los. Blackstroke ist ein sehr poppiger und mehrstimmiger Start, noch ist da nicht viel von Noise zu hören, eher vom entspannten Gegenteil. Zum klaren Gesang gesellen sich hier verzerrte Gitarren zu einem durchaus harmonischen Ganzen. Dass Small Fires die Gitarre nicht nur für Akkorde oder als Rhythmusinstrument nutzen, zieht sich auch durch die kommenden elf Stücke. Mit Non-Breakable Space nimmt die Platte an Tempo auf und gewinnt somit einen entsprechend tanzbaren Charakter. Ein Track, den ich schnell beim Hören lauter gestellt habe. Die Instrumente entwickeln innerhalb des Songs eine bestechende Dynamik, die dann wieder vom Gesang abgelöst wird, ohne einen Bruch darzustellen. Stark.



Auf dem titelgebenden Track ist ein reduzierter, sich wiederholender Text zu hören, der den Hörer spiralenmäßig mit sich nimmt. Was nun mit Noise gemeint ist, bleibt - nicht nur an dieser Stelle - offen. Der Sing kann sowohl auf einer gefühlvoll-persönlichen Ebene als auch politisch gedeutet werden. Ich denke da an White Noise von Bonaparte, wo der textlich-inhaltliche Bezug naheliegt, der musikalische natürlich nicht.
Crossed Wires ist dann gewissermaßen der frühe Wendepunkt der Platte. Schön darauf ist die gesangliche Unterstützung von Valeska und Sonja von Boy. Gerade das Zusammenspiel von männlicher und weiblicher Stimme lässt Zeilen wie "Crossed wires, set fires, light sparks, bare lines and I'll be next to you" klar als Liebeslied interpretieren. Zum Anderen nimmt der Song das gerade erst aufgebaute Tempo aus dem Album. So folgen einige Lieder, die für meinen Geschmack zu lahm sind und die Energie aus dem Beginn nicht aufrecht halten können. Sehr schade.



Doch liegen die Stärken noch woanders. So ist Lay A Cloud On Me ja ein großartiger Name für ein Lied. Wer wünscht sich nicht eine wattebauschmäßige Auszeit? Der sehr gefühlvolle und bilderreiche Text weiß zu überzeugen. Auf Dareay singt Alin Coen mit; was für eine wunderbare Überraschung!
Lange habe ich überlegt, mit welcher Band man Small Fires vergleichen kann und bei Waving Flags ist mir dann schließlich die Kölner Band Xul Zolar eingefallen, die einen ähnlichen Mix aus Gitarren und elektronischen Elementen verfolgen. Zum Schluss gibt es noch mal mit Dance With Me Catherine den Beweis, dass es sich auf der Platte sehr lohnt, auf den Text zu hören: Schmunzelnd unterhaltsam als auch wunderbar romantisch. Und wer hat sich nicht schon mal sehnsüchtig gewünscht mit der Herzdame (oder dem Herzbuben) endlos zu tanzen, doch dann war man mal wieder zu schüchtern...

All This Noise ist eine ambivalente Platte. Ich hätte mir mehr temporeiche Lieder gewünscht. Die, die jedoch da sind, sind richtig stark. Und die Lyrics sind auch ein Traum. Es bleibt wie es ist im Themenbereich Musik: der eigene Geschmack kann nur schwer objektiviert werden, also hört selbst mal rein!