Dienstag, 29. Mai 2018

Ghost - Prequelle

Das Spiel mit den Kontrasten in Perfektion. Foto: Mikael Eriksson
(ms) Ghost sind wieder da! Das schwedische Maskenprojekt um Tobias Forge. Nach der Popestar-EP und dem Live-Album Ceremony And Devotion erscheint nun diesen Freitag auf Spinefarm Records das vierte Studioalbum Prequelle.
Nach alter Tradition wurde das Alter Ego des Sängers erneut ausgetauscht. Auf Papa Emeritus III folgt nun Cardinal Copia. Trotz - oder gerade wegen - der aufgedeckten Identität geht das muntere Spiel um Verkleidung und Inszenierung weiter. Wer die Band mal live gesehen hat, weiß wie beeindruckend so ein Ghost-Konzert sein kann. Es ist eine irre Show, bei der man sich ab und an das Lachen verkneifen muss und doch von der wahnsinnigen musikalischen Qualität überzeugt wird.

Der Einfachheit halber präsentieren wir Euch ein kleines Track-by-Track-Listening oder -Writing (dieses neudeutsche Wirrwarr macht einen ja ganz irre im Head):
1. Ashes: Ein klassisches Intro zu einer Platte mit großen Erwartungen. Der Kinderchor mit dem tiefen Bass im Hintergrund ist schon der Hammer und erinnert an Höhepunkte eines guten Horrorfilmes. Das macht Laune, hier könnte ein Brett lauern. Mit dem Xylophon wird schon die Hook aus Rats vorweggenommen, was nicht dumm sondern ein klassisches musikalisches Element ist.
2. Rats: Die erste Single mit dem phantastischen Michael-Jackson-Gedächtnis-Video. Das Uptempo in der Rhythmusgitarre und im Schlagzeug ist super, hier entfernt sich die Band direkt mit dem ersten kompletten Song vom Metal der ersten beiden Alben. Denn Meliora war nicht mehr allzu hart, die Popestar-EP hat dem Wandel dann den Rest gegeben. Das hier ist jedoch keine negative Kritik und auch keine Schwermut (die anderen Platten kann man sich ja immer noch anhören). Es ist nur die Schilderung, dass Ghost als Gesamtprojekt nun im (Hard-)Rock mit vielen Popelementen angekommen sind und genau hier die Saga weiter an Fahrt aufnimmt. Stark!



3. Faith: Auch die Gitarrensounds aus den ersten Takten hat man so vorher noch nicht von den Schweden (oder wo die jetzigen Studiomusiker so herkommen) gehört. Eine Hommage an den 80er-Jahre-Hardrock? Auf jeden Fall! Es ist melodisch, insbesondere durch die Hintergrundgesänge und die eingängige Gitarre. Wie schon auf Square Hammer zeigt Tobias Forge hier sein Gespür für gute, ohrwurmträchtige Arrangements. Auch die nach unten verzerrten Stimmen zum Ende passen voll ins Bild.
4. See The Light: Kirchenorgeln mit Chor zu Beginn: Der wunderbare Hokuspokus geht weiter! Doch es wird ruhig, bis das Lied im Refrain an Energie gewinnt und sich die Klaviertöne vom andächtigen Begleiter zum maßgeblichen Melodieführer transformieren. Nun, irgendwas fehlt hier dennoch. Der Kontrast zwischen entspannter Strophe und vielschichtigem Refrain ist stark, kann aber stärker sein. Bei den breiten Keyboardsounds am Ende fragt man sich durchaus, was das soll. Alles nur Hommage und Ehrerbietung oder doch schon Kitsch?
5. Miasma:  Die etwas schwerfällige Instrumentalisierung setzt sich hier fort. Und man wartet vergeblich auf den Gesang. Bei zehn Tracks - minus einen als Intro - also neun, kommt hier ein relativ langes Instrumentalstück, wo jeder Studiomusiker sich mal ausleben darf. Das ist meines Erachtens schon ein konzeptioneller Schwachpunkt. Es erweckt den Eindruck, dass dieses Album schnell fertiggestellt werden musste. Da kann man auch getrost auf das Saxophonsolo pfeifen.
6. Dance Macabre: Den insgesamt wenig überzeugenden Eindruck, der sich hier zurecht zwischen den Zeilen breit macht, wird hier zum Glück gebrochen. Das ist ein tolles Hardrock-Liebeslied mit einem catchy Refrain. Als zweite Single eine schlaue Wahl. Sicher gibt es auch hier die ein oder andere Anspielung, doch dafür reichen meine Kenntnisse im Rock/Hardrock/Metal-Bereich mit all seinen Nischen leider nicht aus.



7. Pro Memoria: Das Intro hier ist reife Filmmusik: episch, groß, heldenhaft. Doch auch hier geht es insgesamt ruhiger zu. Und spätestens bei diesem Song macht der Albumtitel absolut Sinn. Prequelle beinhaltet alle jene Einflüsse und Inspirationsquellen von Tobias Forge, die ihn bis zum heutigen weltweiten Erfolg gebracht haben. Sicherlich war der Arbeitstitel diesen Liedes Memento Mori (ergibt beim Hören Sinn).
8. Witch Image: Trotz Reaktion auf den Tod von Tom Petty - man möchte dem Album ja gerecht werden -, gibt es hier kaum Elemente, die sich vom Track vorher unterscheiden. Schlägt sich hier musikalische Ideenlosigkeit durch? Einzig die Querflöte ist irgendwie cool.
9. Helvetesfonster: Das Blasinstrument schlägt auch hier zu. Der Song erinnert phasenweise so heftig an Queens Bohemian Rhapsody, da weiß man nicht, ob es wehtut oder irre Spaß machen soll. Doch wieso noch ein Instrumental? Da bleiben nur noch sieben Lieder mit Gesang. Es bleibt nur eine Möglichkeit: Ghost werden als neuartiger Zirkus à la Cirque Soleil die kommende Tour bestreiten, es könnte auch ein Musical werden. Okay, es ist schon genial, so dermaßen offen und freizügig mit den unterschiedlichsten Kunstformen zu spielen oder spielen zu können. Doch ein großer fader Beigeschmack lähmt langsam die Geschmacksnerven.
10. Life Eternal: Zum Schluss gibt es noch einen weiteren breit und groß produzierten Song, der jedoch nicht im Ansatz mit den großen Rausschmeißern der Vorgänger mithalten kann. Deus In Absentia und Monstrance Clock sind einfach zwei irre starke Lieder. Ein Album mit großen Erwartungen und einem vielversprechenden Beginn endet hier leider extrem enttäuschend. Da mag man mir fehlende hardrockhistorische und querverweisliche Kenntnisse vorwerfen, Musik ist und bleibt Geschmackssache. Und das hier hätte viel, viel besser munden können.

Es ist durchaus schade, dass Prequelle so viele Schwächen aufweist.
Dennoch ist bei der Entwicklung der Band etwas enormes aufgefallen: Der Eindruck, dass Ghost mittelfristig eine riesige Rockband werden können. Was?! - mag man einwenden - das sind sie doch schon! Klar, sie sind Headliner bei Wacken und verkaufen größere Hallen aus. Doch hier ist eine Nummer größer gemeint. Einige Songs sind absolut fürs Radio geeignet, auch für die großen Pop-Sender. Die Superstar-Attitüde ist vielleicht sogar gewollt, möglicherweise wollen Ghost auf den großen Bekanntheitsolymp aufsteigen. Ozzy mag nicht mehr lange machen, wer weiß, wie es um die Gesundheit von Keith Richards steht... Die Welt braucht einen neuen Star: Cardinal Copia, Tobias Forge, Ghost! Diese Platte wird ihnen dabei auf jeden Fall helfen, da die Referenzen breit sind und sie sich nicht zu schade sind, Genregrenzen zu überschreiten.
Wir warten also im frühen Winter auf einen Weihnachtssong, kommendes Jahr Headliner bei Rock am Ring, Sziget, Roskilde, Band Aid. Und danach eine Welttour, die sich gewaschen hat, zehntausende werden in ausverkaufte Stadien pilgern, wo eine Rocky Ghostly Picture Show auf sie wartet!


Montag, 28. Mai 2018

Live: Krakow Loves Adana in Münster

krakowlovesadana.bandcamp.com
(ms) Münster in Westfalen ist oft eine relativ biedere Stadt. Dafür sind Faktoren wie der allseits präsente Katholizismus, die konservativen Eliten und der Hang im Umland, Pferde zu züchten, verantwortlich. Das schlägt auch durch, wenn samstags oder sonntags schlagartig die Straßen wie leergefegt sind. Das heißt - neben vermutlich schlechtem Wetter wie eh und je -, dass da ein Krimi im Fernsehen läuft. Samstags ist es dann Wilsberg auf dem ZDF oder sonntags halt der Klamauktatort, der größtenteils in Köln gedreht wird. Gestern war es mal wieder soweit, da wir den Abend in der schönen, gemütlichen Pension Schmidt verbracht haben, wissen wir nur, dass es im Krimi unter anderem um einen toten Pinguin ging. Das sollte alles wichtige sein, das man wissen muss.
Denn gut 50 Leute sind in die Innenstadt gepilgert, eben in diesen furchtbar schönen Laden. Und das nicht einfach nur, weil man da lecker Bier und Cocktails trinken kann, sondern die Betreiber ein sehr gutes Händchen für Veranstaltungen haben. Neben Lesungen und Pubquiz gibt es immer wieder schöne Konzerte. Gestern spielten die Kölner Band Malta und das Hamburger Duo Krakow Loves Adana.
Die Pension ist bei Konzerten in der Regel bestuhlt. So war es auch gestern.
Auf den einladenden Stühlen und Sesseln haben die Kommenden es sich bequem gemacht und sehr aufmerksam dem gelauscht, was kam. Malta spielten zuerst und zu dritt. Ich glaube, sie vor drei Jahren mal als Support von Herrenmagazin in Dortmund gesehen zu haben, erinnere mich aber nicht wirklich daran. Sie folgen im Sound und Text einem furiosen Konzept: Es geht um das Leben im All, um UFOs, Außerirdische, das Ungewisse. Nicht plump und platt und blöd. Sondern sehr tiefsinnig und andächtig. Je weiter dieser rote Faden durchgesickert ist, desto besser wurde es. Auch den sehr schmalen Grad im Text zwischen Deutsch und Englisch zu wechseln - eine Eigenart, die ich sonst nicht unterstütze - haben sie irgendwie extrem gut beherrscht. Sympathischer, kurzweiliger Auftritt.
Foto: luserlounge
Sehr schnell haben sich anschließend Robert und Deniz auf der niedrigen Bühne eingerichtet, die als Krakow Loves Adana das Zepter übernahmen. Ihren schönen, düsteren Indiepop haben wir Euch bei deren letzten Album schon wärmstens ans Herz gelegt!
Als Paar eine Band sein, dafür muss man gemacht sein. Unter Umständen muss man es dann auch mit einem Lächeln verkraften, wenn auf dem Weg von Hamburg nach Münster das Auto nicht so will, wie man selbst. Und das bei krassestem Sonnenschein und unter Zeitdruck. Sechs Stunden sind für diesen Weg schon sehr viel. Doch Erschöpfung oder Genervtsein war ihnen nicht anzumerken. Robert (stilecht in schwarz gekleidet) und Deniz (Eyecatcher in Bunt und Glitzer) haben Bock an der Musik ausgestrahlt. Mit Schlagzeug aus der Dose und Passion an der Gitarre und den Tasten haben sie die sitzenden Köpfe zum wackeln und die Füße zum wippen gebracht. Songs aus dem aktuellen Album Songs After The Blue und dem Vorgänger Call Yourself New bestimmten das Set. Wie auf Platte, so hat auch live die grandiose Stimme von Deniz dominiert und überzeugt. Diese wunderbare, faszinierende Tiefe und die darin liegende Mystik ist bestechend. Das sollte man sich bei Gelegenheit dringend ansehen. Dazu gab es freundliche, entspannte Ansagen und ehe man es sich versieht, war der musikalische Abend vorbei.
Es wurden zwar keine Mörder überführt und auch keine Rätsel gelöst. Doch besser, wesentlich besser als der Krimi zur Primetime war es mit extrem großer Wahrscheinlichkeit!



Sonntag, 27. Mai 2018

Live: Kettcar in Flensburg

Quelle: oeamtc.at
(ms) Vielleicht ist ein unverhofft frei gewordenes Wochenende die beste Gelegenheit, wie man die Leidenschaft zur Musik und in diesem Falle zu einer speziellen Band eines Mitt-/Endzwanzigers am Beste erklären kann.
Man kennt das eventuell: Eine Veranstaltung - in diesem Fall eine freiwillige Fortbildung -, auf die man sich extrem gefreut hat, wird kurz vorher abgesagt. Der Grund: zu wenig Teilnehmer. Das ist ärgerlich und auch ein bisschen frustrierend. Die Lösung: Irgendwie die frei gewordene Zeit kompensieren. Und mit einem leichten Hang zur Livemusik, war der erste Gedanke klar. Wo spielen am Wochenende welche tollen Bands und wie kommt man da am Besten hin?
Nach kurzer Recherche stand fest: Kettcar und Torpus & The Art Directors spielen eine Clubshow in Flensburg. Ergo: Karte bestellt, Bahnticket gebucht, Unterkunft organisiert.
Wer noch nicht in Flensburg gewesen ist, dem sei gesagt, dass es eine wirklich schöne Stadt ist; nicht zu groß und nicht zu klein und mit dem wahnsinnigen Vorteil, direkt am Wasser gelegen zu sein. Nach einer Radtour über die Grenze nach Dänemark und Genuss des ansässigen Bieres - neben der großen Flens-Brauerei gibt es auch die kleine Hansen Brauerei, bei denen man nett draußen sitzen kann - ging es zum max.
Wissenswert ist möglicherweise, dass ich Kettcar in den letzten zehn Monaten nun sechs Mal gesehen habe. Und das siebte ist nicht fern. Es ist die Band für mich, die mich mit ihren Texten wohl am stärksten berührt. Es sind die großartigen Liebeslieder wie Rettung oder 48 Stunden, die politischen wie Sommer '89, Wagenburg und den Hits wie Balkon Gegenüber und Deiche. Den fünf Hamburgern gelingt es in einzigartiger Art und Weise das Wesen, das den Menschen menschlich macht, in Worte zu fassen. Die Geschichten und Gefühle, die jeder kennt. Und auch Situationen, die man eventuell selbst nicht erlebt hat, so darzustellen, als ob man mittendrin ist. Außerdem sind sie halt gute Musiker, astreine Typen und passable Entertainer.
Der Club max. (ja, klein geschrieben und mit Punkt) liegt direkt am Hafen und wenn man rein kommt, ist es Nacht. Selten in so einem extrem dunklen Laden gewesen. An den Treppen muss man vorsichtig sein, die richtige Stufe zu erwischen, doch man gewöhnt sich dran.
Nach der Frühjahrstour zum Album We Both Need To Accept That I Have Changed, die Torpus & The Art Directors noch zu fünft gespielt, war dies eines der ersten Konzerte, das sie nun zu viert bestritten haben, nachdem Melf Petersen die Band verlassen hat. Doch ihr halbstündiges Set war natürlich großartig. Die zweite Gitarre hat gefehlt, das war zu hören, einige Songs bekommen durch sie mehr Körper. Doch durch emotionale Lieder (4x7 oder Fall In Love) und extrem sympathische Ansagen wurde es gemütlich und schön.
Nun ist der Laden nicht so extrem groß, kein Platz für einen Banner oder die LED-Leinwände von Kettcar, die sie in den größeren Hallen im Frühjahr genutzt haben. Alles etwas kleiner, puristischer, näher, persönlicher. Es ging mit Trostbrücke Süd los und endete mit Den Revolver Entsichern. Dazwischen Schilderungen, wie Reimer den Vormittag an der Nicolaikirche verbracht hat (oder sich das zumindest gut ausgedacht), die Band etwas Respekt vor dem Auftritt bei Rock Am Ring hat und die Norddeutschen für ihr Norddeutschsein loben. Es ist leicht, sich bei einem Kettcar-Auftritt wohl zu fühlen, den Alltag im Besten Sinne zu vergessen und alles zuzulassen.
Deshalb lohnt sich ein 400-Kilometer-Ausflug!




Freitag, 25. Mai 2018

KW 21, 2018: Die luserlounge selektiert!

Bild: www.eyeblack.com
(ms/sb) Alter Verwalter, zwei Wochen krank im Bett zu liegen ist echt kein Vergnügen! Klingt zwar erstmal entspannend, ist es aber keineswegs, wenn die einzigen Ausnahmen zum Flachliegen Besuche beim Arzt sind und dessen Wartezimmer so überfüllt ist, dass die Leute vor der Praxis auf den Stufen sitzen. Auch Musik hören wird in diesem Zustand mitunter zur Qual, umso positiver ist es, dass wir auch diesmal wieder eine Selektion der Schönheiten der Woche für Euch parat haben. Mit dabei sind ein paar alte Bekannte, aber auch der ein oder andere Newcomer, den Ihr Euch nicht entgehen lassen solltet.

Lion Sphere
Schon die Single Alice at Once sorgte für gute Laune und das heute erscheinende Debütalbum A Moving Sun knüpft da problemlos an und vermittelt luftig-launige Sommerstimmung. Das bedeutet jedoch keineswegs, dass das Album belanglos ist - ganz im Gegenteil: Lion Sphere spielen mit den Genres, kombinieren Indie mit Art Rock, Jazz und Soul. Eine interessante Mischung, die sich in keinerlei Schublade stecken lässt und genau deswegen nicht nur unterhält, sondern bei jedem Anhören von Neuem überrascht.



Phela
Viel hat sich getan im Leben von Phela, seit sie ihr Album Seite 24 im Jahr 2015 veröffentlichte: Trennung vom Plattenlabel, das private Glück gefunden, der Umzug von Berlin in die hessische Provinz und in Kürze wird die gebürtige Oberpfälzerin auch noch Mama. Das neue Album, das im Winter auf Teneriffa eingespielt wurde, erscheint im Herbst, heute gibt es mit Unser Lied den ersten Vorgeschmack darauf und Alin Coen ist auch noch mit dabei. Was will man mehr?

Bild: facebook.com/Phela.Offiziell


Therapy?
Ruhig war es geworden um die Nordiren - und zwar im wörtliche Sinne, denn zuletzt veröffentlichten Cairns, McKeegan und Cooper ein Akustik-Album und tourten damit durch Europa. Jetzt geben Therapy? wieder Gas und mit Callow erscheint heute die erste Single (Download only) ihres für Herbst angekündigten 15. Studioalbums Cleave. Die Lyrics sind ja schon mal sehr vielversprechend:
"I don't need your medicine / I don't need anything from you / If you take my demons / You'll take my angels too."


 


Jordan Prince
12 Songs for 12 Friends - so heißt das Debütalbum des US-Amerikaners Jordan Prince, der New Orleans verließ, um in München, der Weltstadt mit Herz seine neue Heimat zu suchen und zu finden. Der Name des Albums ist Programm und macht deutlich, dass es hier sehr persönlich und intim zugeht. Der Künstler lässt sein bisheriges Leben Revue passieren, erinnert sich musikalisch an seine Kindheit, die Sorglosigkeit der Jugend und die nicht immer ganz einfache Suche nach dem richtigen Weg in der Erwachsenenwelt. Eingehüllt wird Princes bisheriges Leben in einen wärmenden Mantel aus Folk, wie man ihn sich bei Dia-Abenden oder am Lagerfeuer wünscht. Schön ist das. Sehr sogar. Ach ja: man beachte die Augustiner-Flasche im Video! Der Mann hat sich offensichtlich schnell in München akklimatisiert.



CHVRCHES
Heute erscheint das neue Album Love Is Dead der Band CHVRCHES. Wer die Band nicht kennt, dem sei gesagt, dass das mit den Majuskeln und dem großen V schon alles richtig ist; hier schläft niemand seinen Rausch auf der Tastatur aus. Lauren, Iain und Martin kommen aus Glasgow, klingen aber nicht nach schottischer Schroffheit und wikingermäßigen Heldensagen. Sie machen Großstadtsynthiepop im großen Stil. Deren großer Vorteil ist das süße Auftreten der Sängerin Lauren, denn das neue Werk hat wenig Überzeugendes zu bieten. Es pläddert eher so daher, möchte epische Momente einfangen, klingt aber viel zu gewollt und überambitioniert. Wenn sie beim Hurricane/Southside spielen, und das womöglich noch tagsüber, fragt man sich zurecht, woher die Stimmung kommen soll. Wenn dann funktioniert der Gutelaunepop in einem basslastigen, dunklen Laden...



Gregor McEwan
Wir haben Euch das aktuelle Album From A To Beginning bereits vorgestellt und sind immer noch sehr angetan. Und nun gibt es ein neues Video von Gregor McEwan zum Titeltrack. Man sollte es genießen, auf Vollbild stellen und laut drehen. Es ist sanft und geschmeidig im Klang. Die Idee zum Bewegtbild ist jedoch ist genial. GIFs sind mittlerweile omnipräsent, super einfach zum selber machen und höchstgradig geeignet zum Kommentieren in den einschlägigen sozialen Netzwerken. Gregor hat die besten aus den 90er-Jahren ausgesucht und sie ins Video gepackt, sodass die Chipmunks Gitarre spielen, die Glücksbärchis Liebe verströmen, man mit Bud Spencer im Chor singen kann und die Cantina Band mal wieder tröten hören... Hach,... die 90er...



Donnerstag, 24. Mai 2018

Welshly Arms - No Place Is Home

(ms) Auf dieses Album haben viele Menschen lange gewartet. Zum Einen die groß gewordene Fanschar, zum Anderen Radiostationen, andere mediale Verwerter und nicht zuletzt die Band selbst. Welshly Arms bringen an diesem Freitag, den 25. Mai, ihr zweites Album mit dem Titel No Place Is Home heraus.
Großer Aufhänger war und ist die Übersingle Legendary, die in diesem Gewandt erstmals auf einem Langspieler erscheint. Vorher gab es unterschiedliche Versionen der Single, wir haben darüber berichtet. 24 Wochen stand der Song in den deutschen Charts, hat Goldstatus erlangt und sicherlich jedem bekannt. Eine Zeit lang gab es im Radio kaum ein Entrinnen. Dabei hat das Lied nicht einmal genervt, wie es bei großer Popmusik schnell mal der Fall sein kann. Und es ist große Popmusik mit Rock- und Bluesallüren. Spricht man, sprechen wir von Popmusik in Verbindung mit Radiospielzeiten, hat das meistens eine abschätzende Note, die sich zwischen die Zeilen schwingt. Doch große Popmusik ist absolut notwendig; im allerbesten Sinne! Man muss sich auch mal berieseln lassen. Das ist am Besten beim Radiohören möglich. Auch ich schalte dann immer einen Popsender ein; hier im Westen ist es WDR2: Infotrainment, Wetter, Stau, Fußball, was man halt im Alltag so braucht.
Genau für dieses Arrangement ist Welshly Arms eine schwungvolle Bereicherung. Sie ergänzen die Rockattitüde sehr geschickt um ein weiteres Element, das ihre Musik so schön leicht zugänglich macht. Die vier Herren haben nämlich zwei feste HintergrundsängerInnen, die Geschwister Bri und Jon Bryant. Sie geben den Liedern Swing, einen berechtigten Hang zum Gospel und viel, viel Energie.
All das sind gute Zutaten, um eine geniale Platte auf dem Markt zu werfen. Und das ist den Musikern aus Cleveland durchaus gelungen. No Place Is Home fährt mit 13 Liedern und einer Gesamtspielzeit von gut 50 Minuten auf.

Foto: Peter Larson
Der Beginn mit Saloon- und Westerncharakter ist schon mal stark: Rockabillygitarre und Gepfeife, als ob es gleich zwischen Babier und Poststation zum Duell kommt. All The Way Up ist ein stimmungsvoller Starter in die Platte, bei dem der Kopf ganz automatisch anfängt zu wippen. Sanctuary ist die eigentlich erste Single aus dem Album, startet mit sanftem Uhhh-Gesang und den festen Stimmen von Getz, Lindemann und Weaver. Die Stärke ist auch hier der großartige Hintergrundchorgesang, das macht schon Laune. So richtig Fahrt nimmt der Song irgendwie nicht auf, das muss er aber auch gar nicht, die einzelnen Elemente sprechen für sich. Die Musik ist echt catchy, es ist also kein Wunder, dass ihre einzelnen Lieder für Kinoteaser oder Serien genutzt werden. Große Rockgesten bekommen auch ihren Platz, zum Beispiel auf How High, das mit schön verzerrten Gitarren spielt und sicherlich zu den stärksten Liedern der Platte zählen darf. Wenn sie uns fragen würden, könnte das auch ausgekoppelt werden! Ruhig können sie auch, obwohl All For Us keine Ballade ist, tut der Track dem Gesamtwerk gut, da es der großen Energie und Power etwas Einhalt gebietet; man will ja nicht den Eindruck erwecken, es sei alles nur großes Popgeschäft, denn Down To The River geht genau dahin wieder zurück. Zunehmend macht der Mix aus gospelähnlichem Gesang im Hintergrund und den sauber ausgespielten Gitarren richtig Bock. Da hatte jemand einfach eine extrem gute Idee, das muss man neidlos anerkennen. Und nur der Vollständigkeit halber erwähnen wir hier nochmals, dass Legendary ein wirklich toll arrangierter Song ist, all der Erfolg, den er eingeheimst hat, ist absolut gerechtfertigt. Mit den entspannten Akustikgitarren und dem sehr entspannten Sound bietet Wild zum Ende hin nochmals für gut gelungene Abwechslung.

Klar, einige Lieder (X, Hammer, Locked) erwecken schon den Eindruck, dass es sich um Füllmaterial handelt. Doch Welshly Arms sind bestimmt nicht mit dem Anspruch ins Rennen gegangen, dass sie mit jedem Song sich selbst übertreffen wollten, Die Vorschusslorbeeren mussten natürlich befriedigt werden und das tun die Clevelandler in jedem Fall recht erfolgreich. Es ist großer Pop, immer noch. Doch er macht von vorne bis hinten Spaß und das ist gut so.

In diesem Sommer kann man sich davon hier noch live überzeugen lassen:
20.08.18 Bochum, Zeltfestival Ruhr





Mittwoch, 23. Mai 2018

Live: Pfingstopenair in Essen

Foto: luserlounge
(ms) Es war eine Verkettung glücklicher und unglücklicher Umstände, dass sich am Montag eine gutgelaunte Horde auf den Weg nach Essen an die Ruhr begeben hat. Wie jedes Jahr wird dort ein großartiges Umsonst und Draußen veranstaltet: das Pfingstopenair. Bei dem gleichzeitig herrlichen Frühsommerwetter ließ man sich also nicht lumpen, nahm ein tolles Line-Up gerne auf und wuselte sich schon ab dem Hauptbahnhof durch ein großes Gewusel an Menschen. Denn am gleichen Tag haben auch RW Essen RW Oberhausen sich einen heißen Kampf um den Einzug in den DFB-Pokal für die kommende Spielzeit geliefert. Mit einem leckeren Stauder in der Hand pilgerten auch andere gut aussehende Musikfreude über den Campingplatz am Fluss direkt zum Festivalgelände.
Die letzten Lieder von Walking On Rivers haben wir noch mitbekommen, haben barfuß getanzt, eine wirklich gute Band gesehen und uns die Sonne aufs Haupt scheinen lassen: Perfekt!
Neben der großen gibt es von den ehrenamtlichen Organisatoren - die Stadt Essen - noch eine aufgebaute Electro-Bühne. Da haben wir nur zum Schluss ein Mal vorbeigeschaut und sahen uns darin bestätigt, dass dort unser Geschmack nicht bedient war.
Das war jedoch bei Gurr der Fall. Die Wahlberlinerinnen haben am Nachmittag die Besucher gut zum Tanzen gebracht und im Mai einen famosen Vorgeschmack gegeben, wie der Festivalsommer denn so aussehen könnte: Mit Freunden eine gute Zeit haben, musikalisch bestens unterhalten werden und das Leben genießen.
Foto: luserlounge
Das wurde ab 17 Uhr auf die Spitze getrieben, als Fatoni sich die Ehre gab. Unsere Leser wissen ja, dass wir leicht verrückt nach seinen Songs sind. Entsprechend wurde sich dann auch ausgetobt. Herr Schneider hat wieder mal bewiesen, dass der Moshpit nicht den härteren Gangarten zu eigen ist, sondern auch im Rap super funktioniert. Hits wie Gravitationswellen, Lassensiemichkünstlerichbindurch, Das alles ist Kunst, Authentizität oder Kann nicht reden, ich esse haben die Leute nicht still stehen gelassen.
Zum Abkühlen danach gab es (natürlich) freie Wasserstellen und dass die Essensversorgung aufgrund dessen, dass der Eintritt frei ist, nicht so üppig ausfällt (eine miese Falaffeltasche für 5€...), geht dann dennoch irgendwie klar.
Anschließend haben FJØRT zu dritt den Hardcore an dir Ruhr gebracht. Heidewitzka. Mir hat das sehr gefallen. Festivals sind dann halt auch dafür da, dass man sich endlich mal Bands ansehen kann, die bis dato eher an einem vorbeigerauscht sind. Insbesondere das brachiale Bass-Spiel wusste optisch und auditiv zu überzeugen.
Zugegebenermaßen haben wir uns danach bei Skinny Lister und Massendefekt etwas zurück gehalten. Erstere haben jedoch herausragende Stimmung verbreitet. Die Londoner wissen es, wie sie eine Menge in Ekstase versetzen können. Massendefekt haben uns trotz Headlinerstatus eher gelangweilt. Man kann nicht alles haben.
Nach einem letzten Bier an der Ruhr und dem gut funktionierenden Shuttle-Service sind wir dann müde, leicht angetrunken und glücklich wieder unserer Wege gegangen.
Das Pfingstopenair in Essen ist eine großartige Veranstaltung, die ein buntes Publikum anzieht uns sich am Montag sicherlich auch beim Wettergott bedanken darf.

Montag, 21. Mai 2018

Milliarden - Berlin

Bild: www.universal-music.de
(sb) Den Status des Geheimtipps haben Milliarden längst abgelegt, denn zu präsent waren Ben Hartmann und Johannes Aue in den letzten Jahren - sei es als Support der legendären Ton Steine Scherben, auf diversen Festivals (ja, auch auf den ganz großen!) oder auch im TV. Dennoch ist es nicht gerade so, dass die Berliner nun im Radio hoch und runter gespielt wird und das wird hoffentlich auch so bleiben, auch wenn die Band mit ihrem zweiten Album Berlin (VÖ: 01.06.2018 auf Universal) ein Werk raushaut, das abseits des Mainstream geradezu nach Aufmerksamkeit schreit und streckenweise zu begeistern weiß.

Man kann das Album durchaus als Liebeserklärung an Berlin verstehen - allerdings mit sehr viel Wehmut, denn Berlin befindet sich im Umbruch, die Verlierer des Lebens werden immer weiter in die Ecke der Gesellschaft gedrängt, Investoren betreten zunehmend die Bildfläche und reißen alles an sich. Schwierige Zeiten, die die beiden Musiker äußert gelungen in Worte und Melodien verpacken, ohne dabei zynisch oder verbittert zu wirken.

Ja, eine gewisse Wut ist mitunter rauszuhören, aber letztendlich sind es die Schicksale des Einzelnen, von denen Milliarden erzählen. Mal punkig (Rosemarie, Die Toten vom Rosenthaler Platz), mal ruhig (Gänsehautgarantie bei Ultraschall und Ich vermiss Dich!), aber immer authentisch und in einer Sprache, die durchaus gewählt rüberkommt und mit wunderbaren Metaphern glänzt, die aber gar nicht erst versucht, sich auf ein Podest zu hieven. Sehr angenehm und sympathisch.

Bild: www.berliner-zeitung.de
Letztendlich gefallen mir persönlich nur zwei Tracks nicht sonderlich (JaJaJa und Milliarden Milliarden), der Rest reißt mich aber auch nach mehrmaligen Anhören mit, sei es durch textliche Inhalte, ihre Intensität oder auch die Art und Weise, wie die beiden Musiker ihr Anliegen präsentieren. Leider hatte ich bislang nicht das Vergnügen, Milliarden live erleben zu dürfen, aber das kann sich ja ändern, denn Hartmann und Aue werden mit Berlin im Gepäck auf Tour gehen. Hier die Termine, die bislang fix sind:

31.05. Augsburg, Modular Festival
02.06. Nürburgring, Rock am Ring
03.06. Nürnberg, Rock im Park
09.06. Rottershausen, Ab geht die Lutzi
16.06. Gorden, Summer and Beats Open Air
29./30.06. Chemnitz, Kosmonaut Festival
13./14.07. Bersenbrück, Talge Open Air
21.07. Nordholz, Deichbrand Festival
28.07. Schrobenhausen, Noisehausen Festival
08.-12.08. Eschwege, Open Flair Festival
25.08. Magdeburg, Forest Jump Festival
26.09. Bremen, Schlachthof
27.09. Hamburg, Grünspan
28.09. Köln, Gebäude 9
29.09. Münster, Sputnikhalle
03.10. Frankfurt am Main, Batschkapp
04.10. Stuttgart, Wizemann
05.10. Zürich, Bogen F
06.10. Leipzig, Werk 2
11.10. München, Backstage Halle
12.10. Wien, Flex Café
13.10. Nürnberg, Nürnberg Pop Festival
18.10. Berlin, Astra
19.10. Dresden, Scheune
20.10. Magdeburg, Factory




Freitag, 18. Mai 2018

KW 20, 2018: Die luserlounge selektiert!

engagement-global.de
(ms) Diese Rubrik hat in ihrer Einleitung das Flair eines Newsletters ohne selber einer zu sein. Euch hier Geschichten aus dem Arbeits- oder Studierendenleben zu schildern ist langweilig. Das kennt oder kanntet ihr selbst oder werdet es halt noch kennenlernen. Da kommen zwischendurch ja Tage, an denen man leicht genervt, frustriert, angespannt und unkreativ ist. Dann nötigt man sich selbst noch dazu bei der Zusammenkunft zweier Hobbys - schreiben und Musik hören - wöchentlich das lesende Publikum zu unterhalten. Ich hätte nie gedacht, dass Entertainment im weitesten Sinne so eine irre Herausforderung ist. Für wissenswerte Anekdoten aus dem tiefen Musikbusiness sind wir da gar nicht genügend drin, um welche zu erzeugen. Politik und Wirtschaft sind hier nicht unser Metier und dass die AfD doof ist, wissen wir eh alle. Nun gut. Mit nichtssagenden Sätzen auf der Sinnsuche des Einleitungstextes kann man auch einen Einleitungstext schreiben. Aber nein, es ist kein Blindtext! Ab mit der Musik, sonst wird es schlimm hier, ganz schlimm...

Roo Panes
Ach, wie wunderbar dieses Lied anfängt. Diese schönen Hintergrundgeräusche, dann das Klavier, das sich anfangs gar nicht traut, er erklingen. Dann summt eine Stimme, sanft steigt die Gitarre an und dann wird weitergesummt. Gesang. Eine tolle, angenehm tiefe - nicht zu tiefe - Stimme. Unbemerkt stimmt der Bass ein, Hintergrundgesang, später Percussion. Das ist Singer/Songwriter-Folk, wie wir ihn mögen: melodisch und leicht geheimnisvoll. Das ist Roo Panes! Zwei Alben und drei EPs hat er schon veröffentlicht und nun kommt der nächste Streich. Der 29-Jährige Brite bringt am 20. Juli Quiet Man heraus. Der Vorbote My Sweet Refuge ist vielversprechend:



The Sigourney Weavers
Manchmal ist Gitarrenrockmusik genau das, was man braucht. Kompromisslos, energiegeladen, nach vorne treibend. Musik, zu der man gepflegt mindestens ein Bier trinken kann. Töne, die die schönen, warmen Sommertage, die uns jetzt gehäuft erreichen, bereichern. The Sigourney Weavers bringen Euch genau das. Ein toller Bass, eine feste Stimme, herrliche Gitarrenriffs. Demons ist der erste Vorgeschmack auf ihre neue EP Like Frequencies, die am 1. Juni bei Rookie Records erscheinen wird. Das Video ist schon mal ein Augenschmaus! Live wird das auch auf die Bühne gebracht bei folgenden Terminen, ein Besucht lohnt sicherlich:

09.06.18 Weyhe, Jugendhaus Trafo *
10.06.18 Hamburg, Astra Stube *
11.06.18 Karlsruhe, P8 *
12.06.18 Freiburg, White Rabbit *
13.06.18 Passau, Zauberberg *
14.06.18 Sankt Georgen, Fümreif *
15.06.18 München, Glockenbachwerkstatt
16.06.18 Rüsselsheim, School of Rock Festival
* mit Cadet Carter



Imprisoned
Ach, ihr wollt mehr Gitarren? Mehr Bass? Mehr Schlagzeug? Mehr Gebrüll? Ihr wollt musikalisch eins auf die Zwölf? Okay! Haben wir natürlich auch im Angebot mit Imprisoned aus Melbourne. Allein der Bandname klingt schon vertrauenswürdig und macht neugierig, wo die Musiker ihre letzten Jahre so verbracht haben. Klar, im Tonstudio! Nach ihrer LP Hard To Kill erscheint nun in ähnlich hartem Gewand die 7" Slave To Nothing. In diesem Genre der etwas aggressiveren Gangart bringt man so eine Veröffentlichung auch gern auf einem schwarz-goldenem Splattervinyl heraus. Finden wir irgendwie sympathisch. Erscheint am 22. Juni bei Isolation Records!



Oxy Music
Zuletzt müssen wir nochmal ein anderes Genre und einen alten Bekannten erwähnen. Torsun ist wieder da. Das überraschenderweise nicht mit Egotronic, sondern einer neuen Formation, die auf den Namen Oxy Music hört. Der Sound ist ein Mix aus der Art und Weise, wie er zu Beginn mit Egotronic gearbeitet hat: mit Samples. Dazu gesellen sich selbst eingespielte Gitarrenriffs und Beats und eine weitere Stimme am Mikrophon, Sina Synapse. Vier Songs sind schon online und weitere werden sich dazu gesellen. Es ist nicht so treibend wie in seiner Erstformation, nicht so hart. Die Themen sind altbekannt, aber immer wieder schön, sie vertont zu hören. Bitte sehr, bildet Euch eine Meinung:

Mittwoch, 16. Mai 2018

The Streets live in Brixton!

(sb) Hey luserlounge, Ihr faulen Säcke, Ihr wart doch kürzlich in London bei The Streets und habt großspurig angekündigt, dass Ihr was dazu schreibt! Was isn jetzt? Kommt da noch was? Erst geil machen und dann zurückziehen; hamma ja schon wieder gern, sowas! Gemach, gemach, alles wird gut. Für uns ist die Lounge ja auch nur ein Hobby und Familie, Arbeit, Uni und Urlaub gehen dann halt doch noch vor. Aber hey, jetzt ist es so weit: we proudly present unseren Bericht zum Besuch bei Mike Skinner. Oi.

Zunächst muss ich aber mal gaaaaaaaaaaaaaaanz weit ausholen, denn dieser Betriebsausflug auf die Insel war für die luserlounger ms und sb auch deswegen etwas ganz Besonderes, weil dort das tatsächlich erste persönliche Treffen der beiden stattfinden sollte - und das 13 Jahre, nachdem man sich im virtuellen Gästebuch auf der Homepage der damals noch sehr viel cooleren Sportfreunde Stiller kennenlernte. Ich weiß gar nicht mehr so genau, wie ms dann Jahre später auf die Lounge aufmerksam wurde, für die ich mittlerweile schrieb, aber es dauerte nicht lange, bis er ebenfalls Teil der Crew war und heute ist er nicht mehr wegzudenken und sorgt für einen Großteil des Contents. An dieser Stelle auch mal ein fettes Merci!

Gemeinsame musikalische Interessen waren schnell ausgemacht, die Liebe zum runden Leder sowie zum Hopfensmoothie wird ebenfalls geteilt und als dann letztes Jahr die Ankündigung erfolgte, The Streets würden Anfang 2018 einige Konzerte spielen, war klar: da müssen wir hin! Die Chance auf Karten war indes verschwindend gering, doch ms, der Wizard des F5-Drückens, hats tatsächlich durchgezogen und Tickets fürs erste der drei London-Konzerte, das wie alle anderen Auftritte der Tour innerhalb von 30 Minuten ausverkauft war, organisiert. Hammer! Vorfreude!

Die Monate vergingen, doch dann wurde es April und es konnte endlich losgehen. Wir reisten bereits einen Tag vor dem Konzert an, verbrachten den ersten Tag mit Einchecken, in diversen Pubs, mit einem entspannten Spaziergang an der Themse und abends beim Fußball im Old Spotted Dog Ground, dem ältesten Fußballplatz Londons, in dem seit 1888 gekickt wird. Einen recht viel größeren Kontrast zu den High-Tech-Arenen von Arsenal, Chelsea und West Ham kann es kaum geben, doch wir genossen das Match der 9.Liga (Hackney Wick FC - West Essex FC 1:2) umso mehr und wie oft ist man schon einer von nur sieben zahlenden Zuschauern?

Der Konzerttag wurde mit einem Besuch des Camden Lock Markets eingeläutet, es folgte ein Abstecher zur Camden Town Brewery und schließlich wurde die Berwick Street samt ihrer Plattenläden unsicher gemacht, ehe wir uns Richtung Brixton aufmachten. Nach einem Snack in einem jamaikanischen Restaurant begaben wir uns zur Academy, wo sich schön langsam die Schlange der Wartenden bildete. Wir waren aber zeitig dran, das Einlassprozedere war sehr unkompliziert und ehe wir uns versahen, waren wir drin. Und wow, was für eine geile Location! Das Ding ist zwar überdacht, mutet aber an wie ein antikes römisches oder griechisches Theater. Optisch sehr genial, vom Sound her jedoch miserabel. Bereits beim Support Act Jaykae wurde die Befürchtung genährt, dass die Soundanlage nicht im Geringsten das vermitteln würde können, was Mike Skinner und seine Musiker auf die Bühne bringen würden, es blieb aber die Hoffnung, dass alles bereits auf den Hauptact abgestimmt sein könnte. Zu Jaykae gibt es nicht so arg viel zu berichten: der Rapper aus Birmingham ist vor allem im Genre Grime zuhause, aus dem Studio klingt das auch gar ned so übel, aber live und unter diesen Umständen klang das einfach nur grausam und wir waren froh, dass sein Set nur gut 30 Minuten dauerte.

Tja, dann war Warten angesagt, die Umbaupause zog sich, die Halle füllte sich immer mehr und doch bleibt festzuhalten, dass man zu keiner Zeit das Gefühl hatte, eingequetscht zu sein. Ich sag mal so: in Deutschland hätte der ein oder andere Veranstalter noch mindestens 300 Karten mehr für die Arena verkauft. So aber konnte man relaxed der Dinge harren, die kommen sollten und dann wurde es finster in der Academy. Ein Musiker nach dem anderen betrat die Bühne und zum Schluss kam der Meister höchstpersönlich: Mike Skinner!

Sieben Jahre waren seit seiner letzten Tour und dem letzten Auftritt in London vergangen und die Rückkehr hätte nicht triumphaler ausfallen können. Vom ersten Ton an hatte Skinner die Massen in der Hand und die annähernd perfekte Songauswahl tat trotz nachwievor katastrophalem Sound ihr übriges. Die beiden ersten Alben Original Pirate Material und A Grand Don't Come For Free wurden von Mike und seiner kongenialen Band samt überragendem Backgroundsänger fast zur Gänze performed, dazu gesellten sich einige Songs aus den Nachfolgealben und mit Boys Will Be Boys, sogar einer der neuen Songs, die Skinner seit Ende 2017 in regelmäßigen Abständen auf den bekannten Streamingportalen hochgeladen hat.

Immer wieder bildeten sich quasi aus dem Nichts Moshpits, wurde die ohnehin geniale Stimmung nochmal gesteigert und lagen sich wildfremde Menschen freudetrunken in den Armen, wie man es eigentlich nur aus dem Fußballstadion kennt. Ich für meinen Teil war einfach nur glücklich, dass wir den Weg nach London auf uns genommen haben statt das Konzert in Berlin zu besuchen.

Als letzte Zugabe kam dann tatsächlich noch Fit But You Know It, das munter mit dem Arctic
Monkeys-Klassiker I Bet You Look Good On The Dancefloor gemashupt wurde und danach war Schluss. Durchgeschwitzt, klatschnass, glücklich.

Oida, da denkst Du, Du hast alles gesehen und dann steht plötzlich der beste deutsche Rapper der Welt vor Dir und ist einfach auch nur Fan. Fatoni, es war uns eine Ehre und ganz besondere Freude, Dich getroffen zu haben und wir freuen uns schon auf ein baldiges Wiedersehen auf den heimischen Bühnen.

Wer The Streets demnächst live sehen möchte, der sollte sich ordentlich sputen, denn auch die Konzerte Anfang 2019 im UK sind bereits größtenteils ausverkauft, aber vielleicht habt Ihr ja Glück und ergattert noch eins der kostbaren Tickets.

UPDATE:
Heute wurden auch die Termine für den Europa-Part der Tour bekanntgegeben; der Vorverkauf beginnt am Freitag, den 18.05. und im Idealfall sollte man sich direkt an dem Tag um Tickets kümmern.

Bild: https://www.facebook.com/TheStreets


Bild: https://www.facebook.com/TheStreets






Dienstag, 15. Mai 2018

poolbar, Du Perle Vorarlbergs!

Bild: poolbar.at

(sb) 25 Jahre poolbar-Festival, ein Vierteljahrhundert Kultur, Musik und Zelebrierung der
Lebensfreude. Was einst klein als sommerliche Sommerakademie anfing, entwickelte sich über die Jahre zu dem zentralen Anlaufpunkt aller Musikliebhaber des wunderschönen österreichischen Bundeslandes Vorarlberg, das sich vom Bodensee (Bregenz) bis ins Silvretta und den Rätikon erstreckt. Klar, das Ländle ist Urlaubsregion - und zwar nicht nur zum Skifahren, sondern auch zum Radeln, Baden und Wandern bestens geeignet. Warum also sollte mal den längst fälligen Ausflug ins Vierländereck (Österreich, Deutschland, Schweiz, Liechtenstein) nicht direkt mit dem Besuch beim poolbar in Feldkirch kombinieren, zumal die Initiatoren des Festivals auch diesmal wieder ein Line-Up vom Feinsten arrangiert haben, das sich spielend über Genregrenzen hinwegsetzt und sechs Wochen lang beste Unterhaltung garantiert.

Der international beliebte Event im Alten Hallenbad, das derzeit barrierefrei umgebaut wird, bietet über die komplette Laufzeit hinweg Kulturelles von Nischen bis Pop; das Programm reicht dabei von Konzerten renommierter Bands über Clubnächte bis hin zu Kino, Diskussionen oder dem familienfreundlichen Jazzfrühstück im Park. Die Stammlocation des Festivals, ein leer stehendes Hallenbad aus den 60er Jahren, platziert zwischen Altstadt und Waldrand, garantiert dafür ein außergewöhnliches Ambiente. Besonders angenehm fällt mir dabei seit Jahren auch das sehr freundliche Personal auf, das stets hilfsbereit mit Rat und Tat zur Stelle ist. Man merkt einfach, dass das Festival auch für die ehrenamtlichen Helfer eine Herzensangelegenheit ist, die man gerne unterstütz. Im Rahmen des poolbar-Generators, einem Labor für Festivalgestaltung, werden zudem jährlich künstlerische und gestalterische Konzepte neu entwickelt und umgesetzt.

Bild: montforthausfeldkirch.com
Dass sich namhafte österreichische und deutsche Künstler wie Bilderbuch, Wanda, Casper, Fiva, Olympique, Madsen, Texta und Kettcar hier in den vergangenen Jahren gegenseitig die Klinke in die Hand gedrückt haben, ist dabei fast schon klar, denn so ein entspanntes Ambiente und Miteinander wie in Feldkirch dürfte es im stressigen Musikbusiness wohl nicht allzu oft geben. Das hervorragende Ruf des Festivals hat sich jedoch bereits seit Jahren auch über den deutschsprachigen Raum hinaus ausgebreitet und so bietet das poolbar auch die Möglichkeit, internationale Stars im kleinen Rahmen zu erleben und ein ganz besonderes Konzerterlebnis zu genießen. Bad Religion, Calexico, Friska Viljor, Conor Oberst, die Pixies Maximo Park, Flogging Molly, William Fitzsimmons, My Bloody Valentine und Nada Surf – sie alle und noch viele mehr haben mittlerweile in Feldkirch gespielt und ihr Kommen sicherlich genauso wenig bereut wie die jährlich über 20.000 Besucher.

Highlights in diesem Jahr sind u.a. The Eels, die Antilopen Gang, Faber, Alice Merton und The Subways, aber das hängt - wie immer - natürlich vom Musikgeschmack jedes Einzlenen ab.

Bild: oeticket.com

Auch dieses Jahr wird wieder einiges geboten, eine Playlist der bestätigten Künstler findet Ihr bereits auf Spotify. Hier hier das vorläufige Line-Up, wobei die ein oder andere namhafte Ergänzung vermutlich noch folgen wird:

06.07.: The Subways + Igel vs. Shark
07.07.: Cassius
08.07.: TV-Poetry-Slam. Die 2. Tirol-Vorarlberg-Meisterschaften
10.07.: Alice Merton + Deap Vally + Dream Wife
13.07.: Goldroger + Scheibsta & Die Buben - Double-Headliner
16.07.: Eels + Bernhard Eder
16.07.: Stabat Mater, Musik-Performance-Installation, Gerald Futscher
17.07.: Ziggy Marley + Ski-Schuh-Tennis Orchestra
18.07.: Joan As Police Woman 
19.07.: Shout Out Louds + Please Madame
20.07.: 5K HD + Lex Audrey + Late Night-Headliner: Hayden James 
22.07.: Tagebuch Slam
25.07.: Fink + Bruno Major
26.07.: Antilopen Gang 
27.07.: Martin Kohlstedt
28.07.: Algiers
29.07.: White Lies
01.08.: Vintage Trouble
04.08.: Aliengesänge (Eintritt frei)
05.08.: The Brian Jonestown Massacre 
09.08.: Faber + Panda Lux
10.08.: The Wanton Bishops + Squared Timber
11.08.: Yungblud + The Crispies
12.08.: maschek
13.08.: Seasick Steve
14.08.: Beartooth

Festivalpässe, Punktekarten sowie Ticktets für die einzelnen Shows sind noch im Vorverkauf erhältlich: Knapp zwei Monate vor Festivalbeginn wurden im Vergleich zum Vorjahr bereits 20 Prozent mehr Tickets abgesetzt. Also: Haltet Euch ran und lasst Euch das poolbar 2018 nicht entgehen!


Hier noch ein paar Impressionen aus den vergangenen Jahren:






Freitag, 11. Mai 2018

KW 19, 2018: Die luserlounge selektiert!

Bild: https://www.pinterest.at
(ms/sb) Gestern war Christi Himmelfahrt. Da hatte Jesus einfach keinen Bock mehr auf den Stress auf Erden. Den letzten Zweifler, dass er tatsächlich auferstanden ist - ich glaube es war Thomas - hat er auch noch überzeugt. Also: Mission erfüllt. Wer dann ganz entspannt auf einer Wolke gen Himmel fahren kann, dem muss man aufgrund dieser Aktion schon Respekt zollen. Oder zumindest demjenigen, der die Idee für die Geschichte hatte.
Gestern war Vatertag. Klar, dem Eigenen wurde selbstredend gratuliert. Etliche andere, auch Nichtväter landeten sicher wieder volltrunken in den Gräben, Wiesen und Gärten der Republik. Am Sonntag ist dann Muttertag. Große Frage: Wie soll man die beiden Tage (heute und morgen) dazwischen am Besten gestalten? Kindertag? Wir sind auf Rückmeldungen gespannt.
Hier die passenden, neuen Soundtracks für diese Feiertage und sonst sowieso:

Kontra K
Rap ist groß und Kontra K spielt mit. Der Berliner Musiker bringt heute sein neues Album Erde & Knochen über die Bertelsmann Music Group raus (auch die Plattenfirma von Kollegah, man soll es einfach nur noch mal erwähnen). Hunger ist die erste Single aus dem Werk. Gedreht hat er das Video in mitten von von Gangs beherrschten Straßen in Los Angeles. Es klingt nach einem skurrilen Mix aus Xavier Naidoo, Culcha Candela, Marteria und Curse. Da das aber einen vernichtenden Beigeschmack hat, sollte man es mindestens ein Mal anhören, denn er geht im Sommer auf die Bühnen mit seinem neuen Material. Außerdem ist er mittlerweile Moderator fürs Boxen bei Sport1, nebenbei trainiert er talentierte Jugendliche in Berlin. Why not?!

18.05. Pouch, Sputnik Spring Break
15.06. Trier, Porta Hoch 3
19.07. Cuxhaven, Deichbrand
26.07. Singen, Hohentwielfestival
27.07. Freiburg ZMF
08.07. Dortmund, Juicy Beats
17.08. Aschaffenburg, Afrika Karibik Festival
18.08. Großpösna, Highfield
31.08. Berlin, Deutsch Poeten
13.09. Köln, Tanzbrunnen



Bar
Der Bandname klingt ja schon mal recht vielversprechend, oder? Einst waren die vier Musiker als Liquid Laughter Lounge Quartet unterwegs, heute reichen drei Buchstaben, um dem geneigten Hörer den ersten Hinweis darauf zu geben, was einen erwartet. Normalerweise läuft es ja so: Wenn wir von Rookie Records bemustert werden, können wir davon ausgehen, gleich eine ordentliche Portion Rock, Punk oder Ska auf die Ohren zu bekommen. Diesmal jedoch überspringt das Label diese Genre-Grenzen und Bar entführen uns mit ihrer Musik in eine rauchgeschwängerte Thekenatmosphäre, in der das gesprochene Wort deutlich prominenter vertreten ist als der herkömmliche Gesang. Dennoch - oder gerade deswegen - ist ihr Zweitwerk Keep Smiling, das heute veröffentlicht wird - nichts für nebenher, sondern erfordert nicht zuletzt aufgrund der bemerkenswerten Texte die Aufmerksamkeit des Hörers. Nehmt Euch die Zeit für acht ungewöhnliche, mitunter recht schwermütige, aber doch stets abwechslungsreiche Tracks und Ihr werdet nicht enttäuscht werden.


Simon Love
Der Wolf im Schafspelz! Musikalisch kommt Simon Love luftig-leicht und unschuldig daher, die Melodien gehen unverschämt einfach ins Ohr und nicht wieder raus und textlich wirft der Brite dann mit "dicks" und "fucks" um sich. Diese Diskrepanz gefällt mir außerordentlich gut und Herr Love befasst sich auf seinem zweiten Album Sincerely, S. Love x (Release: 06.07.2018, Tapete Records) nicht nur mit seinem Lieblingsthema (bei dem Name recht offensichtlich, oder?), sondern auch mit hässlichen Tattoos, Tennis und Joey Ramone.
Zum Abschluss soll der Meister selbst zu Wort kommen: "Please buy the album. My son eats like a horse and he needs new shoes." Ihr wisst, was zu tun ist.



Dead Sara
Rock. Rock. Rock.
Das Genre hat so viele Subspielarten, dass einzelne verschachtelte Zuordnungen kaum noch wirklich zu deuten sind. Doch Rockmusik im klassischen, essentiellen Sinn heißt in erster Linie starke Gitarren, wildes Schlagzeug, energetischer Gesang. Und das sind Dead Sara. Sie verkörpern die Definition von Rock. Mit ihrem Gesang erinnern sie an eine härtere Gangart von Garbage. Unamerican ist die erste Auskopplung aus der EP Temporary Things Taking Up Space, die am 8. Juni über Atlantic/Warner erscheinen wird. Zudem ist es eine unumwundene Ansage ans Weiße Haus! Finden wir erst einmal ziemlich gut!




Arctic Monkeys
Eigentlich hätte das neue Album der Herren aus Sheffield ja der große Aufhänger der Woche in der luserlounge werden sollen, aber entgegen der Erwartungen kam die Promo erst gestern, heute wird Tranquility Base Hotel & Casino bereits veröffentlicht und Ihr könnt Euch das gute Stück ohnehin auf allen gängigen Streaming-Portalen anhören. Sicherheit hin oder her - ein ausführlicher Artikel zu den Arctic Monkeys macht unter diesen Umständen leider relativ wenig Sinn für uns.
Was aber hat das Album zu bieten? Auffällig ist in erster Linie, dass die elf Songs über weite Strecken ziemlich relaxed daherkommen, das Rockerleben der Herrschaften um Alex Turner nimmt also scheinbar gerade eine Auszeit. Ob diese musikalische Wandlung nun zwingend positiv einzustufen ist, mag jeder selbst für sich entscheiden, ich (sb) persönlich bin nach den ersten beiden Durchläufen des Albums eher enttäuscht. Versteht mich nicht falsch: schlecht ist das sicher nicht, erfüllt aber keineswegs meine Erwartungen und Hoffnungen und hinkt meines Erachtens Galaxien hinter dem Vorgänger AM hinterher. Es fehlen die herausragenden Tracks á la R U Mine? und Why'd You Only Call Me When You're High? und über die gesamte Laufzeit hinweg erscheint Tranquility Base Hotel & Casino leider etwas eintönig. Schade, schade, denn die Band kann so verdammt viel mehr...


Bild: https://www.facebook.com/ArcticMonkeys/



Mittwoch, 9. Mai 2018

Über neue Pianomusik

Quelle: musaic.co.za
(ms) Das Klassik in Klassischer Musik hat oft einen störenden Beigeschmack. Es klingt muffig, verstaubt und allzu oft nach einer Musikrichtung, die Avantgarde ist oder war. Ganz klischeehaft für ältere Leute, die zu Mozart-, Bach- oder Beethoven-Interpretationen gehen. Menschen, die die Welt oder die Zeit komplett lesen und in ihrer Freizeit ungezwungen die Farbe Beige tragen.
Ja, das sind die Stereotype und Vorstellungen von Cello-Martineen und Violinen-Soirees: bieder, altbacken. Doch die Menschen, die genau diese Musik spielen sind es meistens nicht, sondern hochgradig talentierte Musiker, die es verstanden haben allein, in einem kleinen Ensemble oder einem großen Orchester den Zauber dieser alten Musik neu zu arrangieren, klingen zu lassen und die Zuhörer zum Staunen zu bringen. Doch wie bekommt man diese herrliche Energie alter Meisterwerke an die Menschen herangetragen, die das Setting schon abschreckt?

Zum Glück gibt es Martin Kohlstedt, Olafur Arnalds, Hauschka, Lambert, Nils Frahm, Grandbrothers und noch etliche mehr. Schwer zu sagen, ob denen Motivation für ihre Kunst es war oder ist, der potentiell jüngeren Zuhörerschaft ein Tor zu einer ihnen verschlossenen Welt zu eröffnen: Die des Klaviers. Ein magisches Instrument mit in der Regel 88 Tasten, die siebendreiviertel Oktaven umfangen. Nicht nur diese irre Bandbreite an Tönen, die man bedienen kann, sondern auch die Kreativität, die diese erzeugen, kann zum Staunen erregen.
Genau diese Gabe beherrschen die oben aufgeführten Künstler in Perfektion. Sie spielen in den großen Philharmonien, auf Festivals und in Kirchen. Die meisten ihrer Auftritte sind restlos ausverkauft und das auch weit von ihrer jeweiligen Heimat entfernt.

Woran liegt dieser enorme Erfolg der Musikrichtung, die man im weitesten Sinne Neoklassik nennt?
Innerhalb dieses Genres sind die einzelnen Spielrichtungen doch sehr verschieden. Alle arbeiten mit dem Klavier. Das ist das verbindende Element. Was sie daraus machen, geht von sphärisch-ruhiger Nachdenkmusik (Olafur Arnalds) bis hin zu tanzbaren Beats (Grandbrothers). Was auch alle gemeinsam machen ist eine der größten Herausforderungen, die das Musizieren an sich überhaupt bietet. Und das schreibt jemand, der jahrelang Saxophonunterricht genommen hat: Die Improvisation. Ja, kann man denken, dann spielt man einfach, was man will. Okay, das stimmt schon, aber das ist nur die halbe Miete. Oder nicht mal das. Denn die Herausforderung der Improvisation ist, dass der Zuhörer in den Bann gerissen werden muss, er darf nicht den Eindruck bekommen, dass der Musikus nicht weiß, was als nächstes kommt; es muss einen groben Plan, eine nebulöse Richtung geben. Wenn das im Raum schwebt, kommen die Töne von ganz allein.
Hinzu kommt, dass es für die Zuhörer und die Musikanten ein Erlebnis mit Einzigartigkeitscharakter hat. Es sind kreative Geburten, die in die Welt hinaus gelassen werden und sich dann in der Luft verflüchtigen. Sie kommen nicht wieder, bleiben einzig und allein im Ohr der Anwesenden. Diesen faszinierenden Moment kann auch ein Ton- oder Videomitschnitt nicht ersetzen.
Möglicherweise ist es die Sehnsucht nach dem Beisein von Einzigartigem und neu Geschaffenem live. Oder einfach dem schieren Glanz, den diese Musik ausstrahlt. Er ist packend. Auch in den enorm ruhigen, leisen Momenten. Vielleicht gerade dann, wenn die Spannung in der Luft anfängt zu vibrieren. Dann fängt das Staunen an!