Mittwoch, 30. November 2022

Thees Uhlmann - 100.000 Songs Live 2022

Foto: Sebastian Igel
(Ms) Lieber Thees Uhlmann,
Wann das war, weiß ich nicht mehr so genau. Irgendwann saß ich in meinem Kinder-/Jugendzimmer und las das Booklet zu Buchstaben Über Der Stadt. Der Text hat mich wahnsinnig ergriffen, berührt. Gern wollte ich dir damals schon schreiben, was mir deine Musik, aber insbesondere diese Zeilen in der CD-Hülle bedeuten.
Ich habe es nie gemacht, schade eigentlich. Denn als Fan und Musikfreak denke ich schon seit einiger Zeit darüber nach, was denn neben Konzertbesuchen, Plattenkäufen und Volllaberei anderer Ohren ein Beitrag sein könnte, um der eigenen Begeisterung Ausdruck zu verleihen. Nun habe ich vielleicht eine passende Geste gefunden: Ich danke dir! Und zwar nicht für die Angst. Sondern für dein Talent. Das mag ja anbiedernd klingen, doch es ist ganz ehrlich gemeint.
Zur ganzen Aufrichtigkeit gehört auch, dass ich die letzte Platte gar nicht mehr so aufmerksam gehört habe. Aber das passiert ja irgendwie, oder? Vielleicht ist die Passion ja ein wenig kleiner geworden. Warum, ist mir unerklärlich. Denn in diesen Tagen ist etwas Wundervolles passiert: Auf dem Weg von A nach B habe ich deine Live-Platte gehört, hören dürfen, die nun am Freitag erscheint. 100.000 Songs Live. Genialer Name! Und schon nach den ersten Liedern, die ich gar nicht so richtig auf dem Schirm hatte, dachte ich: Wow, was ist das einfach für ein irrer Texter! Es scheint mir fast unerklärlich zu sein. In deinen Texten, lieber Thees Uhlmann, steckt oft etwas drin, das etwas mit mir macht, es ergreift mich, bringt mein Atem kurz zum Stocken. Was das genau ist, weiß ich nicht. Da ist etwas in deinen Worten, das für mich den Kern des Menschlichen sehr nah greifbar macht. Etwas, das weit weg von Pathos und Kitsch ist. Wenn eine Geschichte über Zugvögel oder HipHop-Video-Darstellerinnen-Fahrende mir eine Gänsehaut bereiten, dann passiert doch etwas, oder? Was ist das denn? Ich glaube, es ist deine erfahrbare Gabe, Geschichten zu erzählen, die du irgendwo aufschnappst, vielleicht ist es nur ein kleiner Blick gen Himmel oder das Ende eines Gedankenspiels. Und diese Geschichten sind so ehrlich, so klar, so unglaublich wunderschön, dass es mir leicht fällt, ihren Bedeutungsrahmen zu verstehen. Die Worte in Strophe, Refrain, Bridge sind so gut ausgewählt, sicherlich zig Male hin und her gewälzt. Passt der Reim so? Ist damit gesagt, was ich sagen wollte? Holpert das mit den Silben oder stehe ich darüber? Kriege ich das echt so gesungen im Studio und auf der Bühne? Und kriege ich von Wiebusch dafür vielleicht eine geknallt? Dann, in diesem ganzen Prozess, eigne ich mir deine Geschichte, deine Texte an und ich verbinde mit ihnen meine ganz eigenen Geschichten. Gut, oder?
Das erste Mal sah ich dich mit Tomte live in Bielefeld im November 2008. Das ist nun vierzehn Jahre her. Da war ich achtzehn, Oberstufe, wilde Zeit. Nun bin ich 32, berufstätig, ganz andere Dinge stehen da jeden Tag an. Deine Lieder sind immer noch da. Oder, wenn sie wie bei der letzten Platte vielleicht eine kleine Pause gemacht haben, mit Unterbrechungen da. Die Frequenz ist egal. Die Verbindung, die Leidenschaft ist die gleiche.
Und ganz ehrlich, wenn du regelmäßig ein paar Töne live nicht triffst, ist mir das wumpe. Darum geht es mir gar nicht, wenn ich die Live-Platte höre. Ich höre dir als Rampensau gerne zu und bin immer wieder begeistert, wie unglaublich viel Aufrichtigkeit und Ergebenheit in deiner Stimme, in deinem Auftreten liegt. Es ist hörbar. In den Ansagen, im Timbre, in der Dankbarkeit für all die Menschen, die das schon so lange mit dir machen. Ja, so ein Live-Album ist immer auch ein Best-Of, da geht fast kein Weg dran vorbei. Insbesondere wenn es die erste Platte dieser Art ist. Und das gefällt mir sehr. Habe ich nun dieses Album auf den Ohren, ploppen da wirklich viele Geschichten, Momente, Bilder aus mindestens vierzehn Jahren auf. Sie machen mich froh, denn sie gehören ja zu mir dazu. Und deshalb freue ich mich schon irre drauf, beim nächsten Konzert dabei zu sein.

Danke.



Samstag, 26. November 2022

KW 47, 2022: Die luserlounge selektiert!

Quelle: en.Wikipedia.org
(ms/sb) Kultur, Begeisterung und Exklusion. Es ist ein leidiges Thema, das wahrscheinlich nicht aufhören wird zu pochen. Der Besuch vieler kultureller Veranstaltungen ist teuer und schließt damit eine große Gruppe an Menschen aus, dort hinzugehen und unterschiedliche Formen von Kunst zu genießen. Das ist einfach schade und sehr bedauerlich. Will das Kulturpublikum unter sich bleiben oder gibt es einfach nicht genügend Mittel, damit alle dabei sein können?
Na klar, ein Abend im Kino, im Theater, auf einem Konzert, in einem Museum ist teuer. Und meist ist es als Besucher ein kurzweiliger Spaß, ein herrliches Vergnügen. Letzten Samstag war ich im Theater, einfach mal was anderes sehen als immer nur Rock‘n‘Roll… Der Abend lief unter dem Motto „Drei choreographische Uraufführungen“. Es war Ballett. Unglaublich spannend, wahnsinnig ästhetisch. Verstanden habe ich allerdings sehr wenig. Oft hilft der Text dabei, doch dort haben die sehr athletischen Menschen eine Geschichte mit ihrem Körper, mit Tanz gespielt. Das war toll anzusehen und hatte auch einen Vorteil: Durch mein Nicht-Wissen in puncto Ballett konnte ich mir einfach meine eigene Geschichte ausdenken. Ich sehe das als großen Gewinn! Und bin gleichzeitig betrübt, dass das so vielen Menschen vorenthalten bleibt…

Wir grenzen hier niemanden aus. Die luserlounge ist für alle da. Für lau!
 
Fjørt
(sb) Seit Roy Bianco & Die Abbrunzati Boys mit ihrem Album auf Platz 1 der deutschen Charts eingestiegen sind, kann uns diesbezüglich wenig überraschen. Dass Fjørt mit ihrer neuen Scheibe nichts auf Anhieb Rang 8 erreichten, lässt dennoch aufhorchen. Nische rules! Die Aachener treffen mit ihrem Post-Hardcore den Nerv der Zeit, intelligente Texte und brachiale Instrumentalgewalt vereinen sich zu einem großartigen Komplex, der einem mit ordentlich Schwung in die Magengrube drischt. Klar, nicht jeder Track hat mich auf Anhieb gepackt, andere hingegen (Bonheur, Feivel) haben mich sofort in ihren Bann gezogen und werden mich sicher noch länger begleiten.


Village Of The Sun
(Ms) Eine Gemeinsamkeit von Electronic Dance Music und Jazz scheint auf den ersten Blick nicht zwingend auf der Hand zu liegen. Auf den Zweiten vielleicht schon. Auch wenn die Instrumentierung und Derbheit der Musik durchaus anders ist, so haben sie vielleicht ein ähnliches Ziel: Die zuhörende Masse in Ekstase zu versetzen und auch eine gewisse psychedelische Stimmung zu erzeugen, in der man sich verlieren kann. Daher ist es gar nicht sooo verwunderlich, dass sich das Jazz-Duo Binker & Moses und Simon Ratcliffe von Basement Jaxx zusammen getan haben, um ein elektronisch-jazziges Album aufzunehmen. Zusammen nennen sie sich Village Of The Sun und haben Anfang des Monats die Platte First Light veröffentlicht. Wobei ich sagen muss, dass der Jazzanteil doch wesentlich höher ist, als die deftigen elektronischen Phasen. Aber wie dem auch sei… In den Bann ziehen mich die Stücke auf jeden Fall, ein wirbelnder, mystischer Klang sorgt dafür. Mal ist er unglaublich harmonisch und beruhigend, dann wieder entfesselt und wild. Das ist eine berauschende, sehr gelungene Mischung. Reinhören lohnt sich sehr!


Yves Tumor
(Ms) Das lineare Fernsehen hat ausgedient und das Musikfernsehen ist toter als tot. So einfach kann man das sagen. Dennoch finde ich es immer wieder großartig, wie viel Leidenschaft, Energie und (das darf nicht unerwähnt bleiben) Geld MusikerInnen in ein neues Video investieren. Ob man damit jenseits der Klicks im Netz Geld verdienen kann, weiß ich nicht. Die Kosten können zudem auch stark variieren. Entweder man macht alles selbst und tut es für lau oder ein ganzes Team von Menschen ist dabei. Kameramenschen, Regie, Produktion, SchauspielerInnen, Lichtleute undundund… Gerne würde ich daher wissen, was das neue Video von Yves Tumor so gekostet hast. Denn es gleicht einem atemlosen Kurzfilm zwischen Film Noir und Horror. Als Lied packt mich God Is A Circle gar nicht mal so sehr, doch die 3 Minuten und 35 Sekunden Filmmaterial sind irre, sehr schnell, teils bedrückend, wirr, sehr ästhetisch und halt auch sehr kunstvoll. Letztes Jahr brachte der Musiker eine EP raus, das neue Stück darf sicher die Hoffnungen erhellen, dass in absehbarer Zeit noch mehr folgt!


KO KO MO
(Ms) So nah und doch so fern. Letzte Woche haben wir vom Franzosen Flavien Berger berichtet, der lässige elektronische Musik macht und heute legen wir direkt nach aus unserem Nachbarland. Ja, jede Region, jedes Land hat seine eigene Szene. Darüber hinaus zu kommen, scheint super schwer zu sein. Die Sprache ist eine Hürde, aber auch ein Auftauchen in der Berichterstattung. KO KO MO sind hier noch eher unbekannt. Das könnte sich aber ändern, da sie wirklich alles mitbringen, um auch Bühnen zwischen Hamburg und München elektrisieren zu lassen. Sie sind wenig abschreckend, da sie auf Englisch singen, ein sicher nicht unerheblicher Vorteil. Die Brüder Kevin und Warren tauchen als Duo auf. Klar, im Rockbereich assoziiert man das schnell mit den White Stipes, aber auch in Frankreich kennt man beispielsweise The Inspector Cluzo, die auch „nur“ zu zweit spielen. Kevin und Warren also. Sie spielen Rockmusik. So einfach, aber auch so präzise kann, nein, muss man das sagen. Schnörkellos und ohne Attitüde scheppern sie drauflos und das macht ziemlich viel Spaß. Selten haben einfache Tugenden mehr gezündet! Seit dem 11.11. ist ihre aktuelle Platte Need Some Mo‘ draußen und Anfang kommenden Jahres geht ihre Support-Tour mit Royal Republic weiter:

05.01 - Berlin, Columbiahalle
07/01 - München Zenith
26/01 - Hamburg, Sporthalle
27/01 - Köln, Palladium
29/01 - Saarbrücken, Garage


 
Vandermeer
(sb) Shoegaze ist in seiner Definition für mich seit jeher ein Mysterium. Als ich in der Pressemitteilung zum neuen Album von Vandermeer genau diesen Begriff aufschnappte, musste ich erstmal tief durchatmen. Was wird das denn nun wieder? Umso (positiv) überraschter war ich dann, als während der ersten paar Minuten von Grand Bruit astreiner Rock aus den Boxen dröhnte und zu gefallen wusste. Textlich kommt die Scheibe zwar eher bedrückend rüber (Verlustängste, Social Distancing, das Alleinsein an sich), klingt in ihrer Gesamtheit und trotz aller Intensität aber sehr einfühlsam. Und wenn Euch das Album beim ersten Hören noch nicht kriegt, dann gebt ihm auch eine zweite oder dritte Chance, denn die hat es verdient. Starkes Ding!



Wülker & Jansen
(Ms) Was passiert, wenn zwei Talente aufeinanderstoßen? Messen sie sich? Entbrannt ein furioser Wettstreit darum, wer außerordentlicher ist? Wer das Sagen hat? Wer die höhere Reputation hat? Wer es dem anderen so richtig zeigen kann? Oder gehen sie den Weg von Nils Wülker und Arne Jansen? Der eine an der Trompete, der andere an der Gitarre. Ich als Laie würde auch behaupten, dass sie sich gar nicht so richtig messen könnten, da ihre Instrumente zu unterschiedlich sind. Aber sei‘s drum… Die beiden haben sich nun also zusammen getan und bringen im Februar ein gemeinsames Album raus. Closer wird also eine musikalische Freundschaft aus Blechbläser und Saiteninstrument. Und es könnte ein abenteuerlicher Ritt werden, denn die beiden haben nicht nur neue, eigene Kompostionen erschaffen, sondern offenbaren sich als Fans von Ry X oder den Nine Inch Nails, indem sie einzelne Stücke covern. Das finde ich einen sehr sympathischen und verspielten Ansatz und macht neugierig. Seit heute ist die Single Deep Dive zu hören, ein leicht psychedelischer, eingängiger Track, der für dieses Wochenende zum Entspannen einlädt.

31.01.2023 Neunkirchen, Neue Gebläsehalle
01.02.2023 Hannover, Theater am Aegi
03.02.2023 Kreuztal, Weiße Villa in Dreslers Park
04.02.2023 Baden Baden, Festspielhaus
06.02.2023 Hamburg, Laeiszhalle
07.02.2023 Berlin, Admiralspalast
08.02.2023 Leipzig, Haus Leipzig
09.02.2023 Düsseldorf, Savoy Theater
11.02.2023 Erfurt, Theater
12.02.2023 Stuttgart, Mozartsaal
15.02.2023 Herford, MARTa
16.02.2023 Frankfurt, Alte Oper
17.02.2023 Bremen, Die Glocke

Mittwoch, 23. November 2022

Björk - Fossora

Farbenfroh, fulminant. Foto: Vidar Logi
(Ms) Björks Kunst auch nur ansatzweise in Worte zu fassen, scheint für mich ein Ding der Unmöglichkeit zu sein. Aber dieses Album ist eine Wucht. Eine Erfahrung. Eine Körperliche. Es ist zu gut, zu ungewöhnlich, zu schön, um nicht darüber zu schreiben. Und genau aus diesem Grund habe ich Tage, Wochen gebraucht, um auch nur irgendwie diesen Text hier fertig zu stellen. Komplexität und pure Ästhetik sind hier eins, stehen sich nicht gegenüber, schließen sich nicht aus. Aber die Schönheit im Klang dieser Platte kam für meine Ohren erst mit der Zeit. 
Mit Björks Gesamtwerk kenne ich mich zu schlecht aus, um Fossora nun gebührend einordnen zu können. Das ist vielleicht auch gar nicht notwendig. Der Ausgangsgedanke für diese Platte war, dass sie das Gefühl, mit dem Fuß auf der Erde aufzutreten und seicht darin zu graben, in Sound zu transformieren. Allein das steht schon für sich, wie verrückt! Was für ein irrer Anspruch an sich selbst, das schaffen zu wollen. Welche Ideen kommen dann? Welche Instrumente will sie heranziehen? Wie soll das klingen? Welche Gefühle sollen heraufbeschworen werden? Welche Bilder ploppen auf? Das ist ein beeindruckender Weg, um sich Musik zu erschließen.

Für die Verbindung zwischen Mensch und Boden hat sich Björk ein Vehikel herangezogen: den Pilz. Er macht sich im Artwork und auch in mindestens einem Video bemerkbar. Ein kluges Bild: Pilze sind ungeheuer schlaue Lebewesen, sie kommunizieren miteinander, verbreiten sich geschickt, einige leuchten sogar im Dunklen. Irre. Nicht ganz verwunderlich, dass Björk sich deren metaphorische und natürliche Kraft bedient. 
Nun, wie soll man sich also Fossora nähern? Geduldig, würde ich sagen. Unter keinen Umständen sollte man sich abschrecken lassen. Neugier ist gefragt. Auch gilt es, gewisse Dinge auszuhalten. Klar, für alle Björk-Hardcorefans ist das nichts Neues. Sie wissen, dass sich die Isländerin immer wieder neu erfindet. Nur sind halt nicht alle Teil dieser ausgebufften Gruppe.

Am einfachsten ist es, zu starten. Also: Go! Atopos ist der erste Track und direkt die erste große Herausforderung. Klar, Björk zeigt ohne Umschweife, was für ein irre Gesangskünstlerin sie ist. Wo überall gebrochen wird, wie unwichtig ein klarer, harmonischer Aufbau von Text und Gesang ist… wobei… die innere Logik ergibt sich mit der Zeit, doch beim ersten Hören mag es ungewöhnlich klingen. Dazu diese Instrumentierung. Sie hat sich ein Klarinetten-Ensemble hinzugezogen und einen DJ für dieses Lied (und das gesamte Werk). Es fließen die warmen Bläserklänge mit heftigsten Bassdrums zusammen. Und: Es geht auf! Wenn auch mit einer irren Portion Wumms. Und dabei sind wir noch nicht mal beim Inhalt. Dieses etwas wirre Stück ist eine große Hommage ans Zusammenhalten. Das ist Kunst! Das ist eine Explosion!
Auch wenn der Klang dieser Platte etwas sperrig klingen mag, man muss ihm zwingend eine Chance geben. Dann ist die Belohnung groß und der Genuss obendrein.
Das Thema also: Auf dem Boden auftreten. Es muss also weich sein, vielleicht schreckt man kurz zurück, zieht den Fuß nochmal hoch, vielleicht steigt Kälte auf, vielleicht überdenkt man diese Entscheidung. Und dann lässt man sich sinken. Ovule. Dieses Lied erweckt in mir genau dieses Gefühl. Die Zweifel, die zuckenden Nerven und das sich-fallen-lassen.
Dieses Album hat viele Bestandteile. Nicht alle kann ich hier auflisten. Beispielsweise die kleinen Zwischenstücke, die aus Melodien, Schnipseln, Gefühl bestehen. Sie geben dem Album teils eine Pause, aber halten auch das inhaltliche wie auch klangliche Motiv aufrecht.
Schönheit. Ja, die glänzt auf dieser Platte an vielen Orten. Zum Beispiel auf Sorrowful Soil. Es ist beinahe ein a-capella-Stück, nur ein wenig Bass liegt unter den zahlreichen Stimmen. Das ist ein tolles chorisches Arrangement. Es strotzt vor Kraft und beinahe sakralem Glück. Gerne möchte ich mich in dieses Lied fallen lassen. Denn ich weiß, dass ich sanft und behutsam aufgefangen werde. Musik, du kraftvoller Zauber!
So. Und dann kommt Ancestress. Puh, ich musste es vier, fünf, sechs mal hören. Denn ein, zwei, drei Mal war ich nur verwirrt, ja, abgeschreckt. Wollte es irgendwie ausblenden, sah mich überfordert. Hier wiederhole ich mich gern: Dieser Platte gilt es, Zeit zu geben. Sieben Minuten und achtzehn Sekunden erstreckt sich hier ein wahres Wunder. Erneut gibt es unzählige Brüche. Immer wieder, unaufhörlich. Die Melodien und Rhythmen wechseln sich immer wieder ab, das ist jedoch nicht das „Problem“. Viel mehr singt Björk hier derart zeilenbrüchig, dass es erst schwer auszuhalten ist. Doch der Glanz ist enorm. Viele Parts dies Liedes sind so ungeheuer schön, harmonisch, wundervoll, zart und klar. Sie kommen und vorhergesehen, passen fast nicht zusammen. Und dennoch ergeben sie ein enorm passgenauen Ganzes. Selten in letzter Zeit so komplexe, überraschend schöne Musik genossen!
Die Pilz-Bilder machen sich dann ganz praktisch auch auf Fungal City bemerkbar. Herrlich, die Klarinetten sind so leicht, so verspielt, sie tanzen durch das Lied, ganz selbstverständlich und unerschütterlich. Ein sanfter Beat dazu und viele Stimmen neben Björks machen daraus einen ersten Frühlingsspaziergang durch den Wald. Klar, auch hier passieren wieder zahlreiche Brüche, doch jeder Bruch auf diesem Album macht nichts kaputt. Erst mögen sie erschrecken, dann ergänzen sie. Kaum auszuhalten, wie schön das ist!

Klar, auf Fossora schlummern noch mehr Überraschungen. Noch mehr Dinge, die es zu entdecken gibt. Es ist enorm facettenreich. Der Klang überlagert für mich fast den gesamten Text. Pardon an dieser Stelle, dass ich dem nicht gerecht werde. Doch es gibt einige Bands und KünstlerInnen, bei denen mir die Musik als solche viel präsenter erwischt. Bei Björks aktuellem Album ist das massiv der Fall. Fossora ist ein Album, dass seinesgleichen sucht. Vom künstlerischen Anspruch, vom Soundgewandt, von der Vielschichtigkeit und von Belohungsseite aus. Denn das ist die Belohnung: Eines der schönsten, irrsten, verrücktesten, tollsten Platten, die dieses Jahr zu bieten hat!


Samstag, 19. November 2022

KW 46, 2022: Die luserlounge selektiert!

Bild: pinterest.de
(ms/sb) Vor den ganzen Musikneuigkeiten ein paar andere Worte über das zu schreiben, was mir durch den Kopf geht, oder was Berichtenswert ist, fällt mir in der Regel leicht. Oft braucht es nur einen kleinen, kuriosen Moment im Alltag, der ausreicht, um hier eine kleine Geschichte zu schreiben. Für diese Ausgabe ist da nichts. Kein Gedanke. Nichts, das mir spontan einfällt, um es hier einigermaßen lesenswert aufzubereiten. Tja. Dann dachte ich mir, dass ich was zur WM schreibe. Pff. So ein Megaquatsch. Ich finde es einfach nur schade, dass bis Weihnachten mein Verein im Ligabetrieb nicht spielt. Dann dachte ich mir: Jau, Weihnachten, auch ein super Thema. Aber ich bin weder in Stimmung und auf einen gehässigen Supermarkt-Schokoladen-Kommentar habe ich auch keine Lust. So bleiben die Zeilen hier inhaltsleer. Dann könnt ihr euch wesentlich besser auf das konzentrieren, was nun kommt! Viel Freude! 
 
Pale
(sb) 16 Jahre lang existierten Pale aus Aachen und spielten während dieser Zeit Konzerte in ganz Europa. 2006 wechselte die Band zu Grand Hotel van Cleef, veröffentlichte dort ein Album und löste sich drei Jahre später auf. Das Ende? Mitnichten.

Obwohl Sänger und Gitarrist Christian Dang-anh im Mai 2021 an einem Hirntumor verstarb, wird die Band nächsten Freitag völlig überraschend nochmal ein Album namens The Night, The Dawn And What Remains veröffentlichen. Darauf wird auch Dang-anh zu hören sein, der kurz vor seinem Tod noch ein paar Aufnahmen beisteuern konnte. Wunderbare Pop-Musik im Stil des 90er-Jahre-Indie - schöner kann ein Mini-Comeback kaum klingen. Ein einziges Konzert werden Pale noch spielen, dann ist wirklich Schluss.

02.03.2023 Köln, Gloria
 

 
Plewka & Schmedtje
(sb) Cover-Alben sind derzeit offenbar in Mode. William Fitzsimmons hat eins rausgebracht, The Tallest Man On Earth ebenso. Und nun also Plewka & Schmidtje. Dabei interpretiert Jan Plewka (Selig) zusammen mit Marco Schmedtje insgesamt zwölf Klassiker aus den 80ern und verleiht ihnen einen neuen Anstrich. Mit Let's Dance (David Bowie) greifen sie zwar ins Klo, alle anderen Versionen sind aber überaus gelungen und überraschen immer wieder positiv.
 
Between The 80's (VÖ: 25.11.) bietet einen äußerst gelungenen Querschnitt durch das Jahrzehnt - und zwar auf eine sehr beruhigende (weil akustische) Art und Weise. Favoriten: Forever Young, Africa und vor allem Material Girl.
 
 

Flavien Berger
(Ms) Elektronische Musik aus Frankreich. Ein großes Thema, dass alle Jubeljahre dann auch bei mir mal wieder aufploppt. Stetig könnte ich mir das nicht anhören, dafür fehlt mir oft der Wumms dabei. Aber zum Entspannen geht halt auch nicht immer Easy Listening oder Folkpop, da darf dann gerne auch ein wenig mehr Schwung rein. Unaufgeregter Schwung. Den bietet Flavien Berger mit seinem neuen Track D‘ici La. Das kann ich mir gut auf die Ohren setzen und gelassen vergesse ich, was um mich herum geschieht. Vielleicht bleibt es nicht unbedingt haften, aber es rundet den Moment herrlich ab. Hier lohnt auch das Schauen des Videos: Im Stakkato werden einzelne Fotos aneinander gereiht, sodass eine zügige Geschichte erzählt wird, wie einzelne Erinnerungsfetzen, die einen rauschhaftem Abend rekonstruieren. Das Album dazu wird im Laufe des kommenden Jahres erscheinen. Und wer elektronische Musik aus Frankreich ein wenig verfolgt, weiß, dass das vielleicht richtig durch die Decke gehen kann!


Shame
(Ms) Sich einem musikalischen Trend zu widersetzen, verlangt Bands viel Mut und Bereitschaft ab, an dem festzuhalten, wofür man brennt. Derzeit habe ich ab und an den Eindruck, dass im Gitarren-Indie-Rock-Pop-Bereich an die 80er angeknüpft wird, oft klingt es wie eine blasse Kopie ohne viel Eigenständigkeit. Das Rad neu erfunden haben shame auch nicht, aber die Leidenschaft für ihre Musik ist herauszuhören. Mitunter erinnert sie ein wenig an Joy Division oder Nada Surf, aber halt in dieses Jahrzehnt hinein katapultiert. Das macht Spaß, lässt Träume und endlose Nächte zu. In dieser Woche haben sie mit Fingers Of Steel einen neuen Song veröffentlicht, bei dem es mal wieder total lohnt, das Video dazu zu schauen. Darin begibt sich die Band in den Untergrund, imitiert eine Bot-Armee, um ihren eigenen Erfolg zu pushen. Eine herrliche Persiflage auf dieses bescheuerte, digitale Leben. Das neue Album wird Food For Worms heißen und am 24. Februar erscheinen! Hier tritt die Band dann auf:

26.03.2023 - München - Technikum
27.03.2023 - Berlin - Festsaal Kreuzberg
28.03.2023 - Hamburg - Markthalle
04.04.2023 - Köln - Gloria


Muff Potter
(Ms) 2022 ist das internationale Muff Potter-Jahr! So viel steht schon mal fest. Die Band ist wieder da, hat ein starkes Album abgeliefert, landete damit das erste Mal in den Top 10 der Album-Charts, spielte eine sehr gut besuchte Tour, hat über die Hälfte der Lieder von Bei Aller Liebe mit einem Video versehen und hören damit einfach nicht auf. Dass nicht alle Lieder im Laufe des Schaffensprozesses auf eine Platte kommen, ist klar. Gehört irgendwie dazu. Zum Album erschien auch eine limitierte 7“, ein kleines Extra. Darauf ist auch das Lied Alter Planet zu hören. Und wenn man in das Lied so eintaucht, dann wird schon klar, warum es nicht eine Runde weiter gekommen ist. Es passt nicht sooo gut in den Gesamtsound der anderen Lieder. Dennoch ist es schön, ja, hat eine richtig gute Dynamik und jetzt auch noch ein eigenes Video bekommen. Und am Ende des Muff Potter-Jahres gibt es noch weitere hervorragende Neuigkeiten! Die Tour geht kommendes Jahr weiter. Geht da unbedingt hin, es wird großartig, versprochen!

13.04.23 Magdeburg - Factory
14.04.23 Rostock - Peter Weiss Haus
15.04.23 Kiel - Die Pumpe
19.04.23 Leer - Zollhaus
20.04.23 Bochum - Bahnhof Langendreer
21.04.23 Osnabrück - Rosenhof
22.04.23 Hannover - Faust
26.04.23 Stuttgart - Im Wizemann
27.04.23 Heidelberg - Karlstorbahnhof
28.04.23 Marburg - KFZ
29.04.23 Dresden - Tante Ju

Mittwoch, 16. November 2022

Live in Bremen: Muff Potter

Verschwommen aber passioniert, Foto: luserlounge
 (Ms) Entschuldigung. Dass ich in dem Muff Potter-Konzertteil unten nicht alle Lieder benennen kann, tut mir leid. Zwar kenne ich die Band schon seit einiger Zeit, habe sie dank akribischer Aufschreibung auch schon mal live gesehen (offensichtlich beim Omas Teich 2009, das hoffnungslos abgesoffen ist), aber mit allem, was vor dem aktuellen Album so raus kam, kenne ich mich wirklich nicht gut genug aus, um mir alle Lieder gemerkt zu haben. Peinlich, peinlich, aber irgendwie auch ein bisschen egal, oder? Eben, danke.

Muff Potter also. Haben für mich eines der stärksten deutschsprachigen Alben diesen Jahres veröffentlicht, unabhängig vom Genre. Mag vielleicht schon ein bisschen was heißen. Die Klarheit der Texte, die nahe am Herzen sind, beeindruckt mich. Eine ganz eigene Art des Storytelling. Nach der langen Pause kam nun also diese Platte, Bei Aller Liebe. Und direkt dazu eine feine Tour. Keine einfache Sache in diesen Wochen und Monaten, wo so viel abgesagt oder abermals verschoben wird. Traut man den Bildern im Netz, scheint sie aber überall recht gut besucht zu sein.
Ebenso in Bremen am vergangenen Samstag. Schlachthof, was für ein super Laden. Denen verzeiht man sogar, dass dort Haake Beck ausgeschenkt wird. Dafür ist der Sound, die Atmosphäre und die irre Verteilung der Plätze viel zu genial und gemütlich. 

Für diesen sehr guten Konzertabend war aber auch noch eine andere Gruppe verantwortlich. Messer. Genialer Name, oder? Ihr 2017er-Album Jalousie habe ich aufmerksam gehört, aber danach auch die Gruppe ein wenig aus dem Fokus verloren. Das ändert sich nun. Denn die Art der Musik hat mich schnell live in den Bann gezogen. Der Vergleich mit Tocotronic und insbesondre den Fehlfarben lag schnell auf der Zunge, aber sie haben einen eigenen Charakter. Im Wesentlichen verantwortlich dafür waren ihre etwas klareren, wenn auch düsteren Texte, der irre Basslauf, ein extrem gut abgemischtes Schlagzeug und die unverkennbare Stimme von Hendrik Otremba. Ja, das hat wahnsinnig viel Spaß gemacht. Und war eine sehr gute Wahl der Gäste, die den Abend mitgestalten. Nicht zu nah an der anderen Band, aber irgendwie doch im gleichen Kosmos.

Und dann folgten gut eindreiviertel Stunden geballte Gitarrenrockeuphorie. Lasst es mich ein wenig übertrieben ausformulieren: Aber das Beeindruckendste an dem Abend war nicht das reine musikalische Erlebnis. Sondern etwas, das Thorsten Nagelschmidt ziemlich schnell auch selbst benannt hat. Er meinte: „Hier ist doch irgendwas. Hier passiert doch was. Hier liegt doch was in der Luft“ (oder so ähnlich). Ja, das stimmt. An diesem Abend fand etwas zusammen, das lange aufeinander gewartet hat. Das war insbesondere bei den älteren Stücken (mea culpa, s.o.) zu hören: Eine irre Vorfreude auf diese Lieder im Publikum. Ja, es kann halt gut sein, dass Besucher diese Lieder einige Jahre halt nicht live erlebt haben. Dann ist das schon ein Wiedersehen alter Freude. Und wie geil ist es eigentlich, wenn einzelne Zeilen von Liedern abgefeiert werden?! Hach, Rockmusik. Du hast mich immer wieder, ich lasse dich niemals los. Muff Potters Brühwürfel-Zeile ist für mich der Satz des Jahres. Bin mehr als froh, ihn endlich live skandiert zu haben. Gut auch, dass Messer an dem Abend da waren. Denn Hammerschläge Hinterköpfe ist auch ein Studioduett, das nun seine Liveader gefunden hat. Nagelschmidt und Otremba. Irre Stimmenkombination!
Es hat auch gar nicht lange gedauert, da bildete sich vor der Bühne ein wilder, gut gelaunter Mob der mit respektvollem Pogo das Geschehen auf der Bühne begleitet hat. Und auch bei mir passierte eine Menge: ein großes Grinsen bekam ich aus dem Gesicht gar nicht mehr heraus. Da passte so ungeheuer viel. Das Publikum war sehr aufmerksam, vorfreudig, respektvoll und textsicher. Die Freude der Band war auch an allen Ecken und Enden zu spüren. Vielleicht war es auch gut, dass ich gar nicht so klar definierte Erwartungen an den Abend hatte, denn ich bin als ein extrem glückseliger Mensch wieder herausgekommen und selbst jetzt, ein paar Tage später, bin ich immer noch heilfroh, dabei gewesen zu sein.

Ich freue mich schon auf die nächsten Auftritte.

Und nochmals: Sorry! 

Sonntag, 13. November 2022

KW 45, 2022: Die luserlounge selektiert

(Sb/ms) Ich mag Parolen. Auch die, die provokant sind. Doch einige sind auch einfach nur irre dumm. Ich schaue viel Fußball und lese darüber. Auch wie die Polizei mit Fans umgeht. Wenn wieder echt maßlose Übergriffe stattfinden, sind schnell Berichte zu lesen, die die ganze Polizei abwartschen. Das finde ich so extrem dumm und billig. Alle, die ACAB nutzen, mit denen möchte ich gar nicht reden. Was für eine extrem blöde Aussage. Oft von Menschen, die woanders eine differenzierte Sichtweise der Realität fordern. In den letzten Tagen hatte ich häufiger mit der Polizei zu tun, da ich in einen Unfall verwickelt war. Mein Gott, waren die alle nett. So freundliche Leute. Die direkt zum Helfen kamen und auch die, mit denen ich später telefoniert habe. Das sind richtig gute Menschen, die mir geholfen haben. Respekt für die Polizei. Kann man ja mal fordern.

Pascow
(Ms) Besser spät als nie. Das denke ich seit zwei, drei Jahren, seitdem ich Pascow für mich entdeckt habe. Ihr Album Jade hat mich auf ziemlich extreme Weise umgehauen. Seitdem arbeite ich mich langsam vor, sah sie live und bin immer noch extrem begeistert. Was legt diese Band an Aggressivität, Druck und Dichte an den Tag. Da sehen ich drüber hinweg, dass ich nicht immer alle Texte sofort verstehe. Umso besser, dass man alles nachlesen kann. Das ist auch bei der neuen Single Königreiche Im Winter sehr hilfreich, denn der Text knallt mindestens so krass wie die Musik. Erneut holt sich die Band Hilfe für ein Duett und mit Apokalypse Vega geht das erneut hervorragend auf. Ein kraftvolles Lied über die ach so schöne Dorfidylle. Da ist bei Weitem nicht alles so Friede, Freude, Eierkuchen, wie man denkt. Das bringt die Band hier mal wieder stark auf den Punkt. Im Januar kommt dann die neue Platte, sie wird Sieben heißen und ich erleide schon beinahe schlaflose Nächte, weil ich mich so sehr darauf freue! Was für eine irre Band!!!


JW Francis
(Ms) Diese Tage sind mal wieder pickepackevoll und auch die Gesundheit spielt nicht immer so mit, wie ich mir das wünsche. Schnell gerate ich in einen Strudel der Unzufriedenheit, neige dazu, schnell vieles schwarz zu malen. Und dann geht es gedanklich immer weiter bergab, obwohl es sooo schlimm oft gar nicht und alles abzusehen ist. Da hilft eigentlich keine Medizin. Wobei… Ich würde sofort jede Petition unterschreiben, die Musik medizinisch-positive Wirkung attestiert. Rettende mitunter. In diesen Tagen brauche ich dann etwas, das mich richtig schön beruhigt ohne zu gewollt zu sein. Eher mit einer sanfter Entspannung. Mit brutaler Lässigkeit. Und dann landet man recht schnell bei JW Francis, der im Januar sein neues Album Dream House veröffentlicht. Das gleichnamige Lied ist seit dieser Woche. Der verspielte Lockenkopf zeigt, dass Folkpop nicht immer unglaublich abgedroschen sein muss, sondern auch leicht streicheln kann. Boah, ist das lässig. Sofort halten die Füße still, der Kopf kommt auf andere Gedanken und alles wird ein bisschen heller, wenn diese wunderbaren Töne erklingen. Rezept: Nun die Single hören und Ende Januar dann aufs Album umsteigen.


Sarathy Korwar
(Ms) Wenn Körper und Geist dann wieder ruhig und in Einklang sind, dann kann es wieder los gehen. Dann kommt die Lust auf den Rausch wieder schnell und will bedient werden. Dabei fällt mir ein, dass ich schon Ewigkeiten nicht mehr tanzen war am Wochenende. Zum Einen wegen C., zum Anderen waren die Wochenenden oft auch mit anderem schönen Kram voll. Aber wenn… wenn das bald mal wieder der Fall sein sollte, dann wünsche ich mir, dass Utopia Is A Colonial Project von Sarathy Korwar gespielt wird. Das kann meinetwegen auch auf einer Indie-Party laufen, spricht ja gar nichts dagegen. Denn der Rausch, der durch dieses Lied hervorgerufen wird, dürfte an niemandem spurlos vorüberziehen. Psychedelische Beats mit allerhand Bass und Bläsern lasst kein Bein mehr still stehen. Der Song ist auf dem Album KALAK zu finden, dass seit dieser Woche zu hören und erwerben ist. Kurios, dass seine Musik unter Jazz läuft. Das würde mir als letztes dazu einfallen. Aber wie meine liebe Freundin B stets zu sagen pflegt: Alles ist Jazz. Und da alles Jazz sein kann, ist dieser wilde Rausch genau das. Irre. Das macht sehr viel Spaß! Und schön laut drehen, bitte!

Freitag, 4. November 2022

KW 44, 2022: Die luserlounge selektiert!

Quelle: Irrweg.com
(Sb/ms) Für gute Orte kann man ja auch mal Werbung machen. Wieso nicht?! Es spricht nichts dagegen! Zudem, wenn sie zwei Leidenschaften auf sehr gute Art und Weise miteinander verbinden. An fremden Orten finde ich das eher ziellose Treibenlassen eine der schönsten Wege, um sich beispielsweise eine Stadt anzueignen. Insbesondere abends, wenn man noch mal eine Erfrischung sucht. So sind wir vor zwei Wochen in Kopenhagen plötzlich vor einem Plattenladen zum Stehen gekommen. Er heißt einfach nur Beat, sehr passend. Da es spät war, war ein Besuch natürlich ausgeschlossen, doch die Schaufenster versprachen schon allerhand Großartigkeiten. Das neue Album der Arctic Monkeys wurde ebenso beworben wie die NEU!-Sammlung und Frisches aus Jazz, Pop und Hardrock. Praktischerweise ist an den Plattenladen direkt eine Bar angeschlossen: das Beat Café! Drinnen ist es urgemütlich, mit einem schlichten, geschmackvollen Schick ausgestattet, einer Toilette, die mit Vinyl und Kassetten tapeziert ist und es gäbe sogar Kleinigkeiten zu Essen. Das Bier war lecker. Später waren wir dann noch im extrem gut sortierten und herrlich schlicht-schön eingerichteten Plattenladen zum Stöbern - was für eine diebische Freude! Und siehe da: Wenn er geöffnet ist, sind Café und Vinylhimmel miteinander verbunden. Was für ein genialer Ort! Falls ihr mal in Kopenhagen seid, hin da!

Sofia Portanet
(Ms) Die 80er sind zurück. Oder? Zwar kenne ich mich modemäßig überhaupt nicht aus, aber bei Streifzügen durch die Städte, insbesondere wenn man abends unterwegs ist, hat es doch den Anschein. Auch in der Musik ist dieses Phänomen zu hören. In zwei Versionen. Einer Guten und einer Schlechten. Die schlechten Versionen sind extrem plumpe Remakes. Oder noch übler: Lieder von damals mit etwas Elektrowumms in unser Jahrzehnt geballert. Die unkreativste Form der Bereicherung. Hören wir uns da lieber die guten Seiten an. Und die kommen in jedem Fall von Sofia Portanet. Schon vor einem Jahr kam der erste Vorbote zum neuen Album raus, das im nächsten Frühjahr erscheint. Nun ist dieser Tage das dritte neue Stück zu hören: Unstoppable. Der Clou an dieser 80er-Revival-Musik ist ja, eine sehr catchy Hookline zu haben. Das Ding muss ohrwurmträchtig sein. Und wie das geht, weiß Sofia Portanet auf jeden Fall. Man möchte sofort dazu tanzen, mitsingen ist kein Problem, das Video glitzert angenehm, erneut brilliert sie mit einer großartigen Stimme und einer tollen Geschichte: Hinfort mit dem ganzen Stars-und-Sternchen-Kram, ich bin unaufhaltsam. Da machen wir mit. Was für eine tolle Künstlerin, die man hier auf jeden Fall anschauen sollte:

15.11.2022 Stuttgart - Wizemann
16.11.2022 Oberhausen - Gdanska
17.11.2022 Freiburg - Waldsee
21.11.2022 Hamburg - Nochtspeicher
22.11.2022 Hannover - LUX
23.11.2022 München - Milla
29.11.2022 Dresden - Beatpol
30.11.2022 Leipzig - Werk2
01.12.2022 Mainz - Schon Schön
03.12.2022 Münster - Gleis22
04.12.2022 Luxemburg - Rotondes
06.12.2022 Köln - Blue Shell
07.12.2022 Nürnberg - MUZ
08.12.2022 Berlin - Lido


Martin Kohlstedt
(Ms) Einatmen. Ausatmen. Einatmen. Ausatmen. Einatmen. Ausatmen. Einatmen. Ausatmen. Ruhe. Stille. Einkehr. Augen zu. Besinnung. Entschleunigung. Entspannung. Beine hoch. Licht aus. Und das ganze hat absolut nichts mit Weihnachten zu tun. Viel eher mit Eskapismus. Dem kurzen Abschalten dieser Realität. Und wenn es nur ein paar Minuten sind. Martin Kohlstedts Musik würde ich heilende Wirkung attestieren. Sie ist ungeheuer ausbalanciert. Sehr genau. Sehr fein. Sehr gefühlvoll. Und das in all seinen Facetten. Er kann technolaut und pianoleise. Ein wandelbarer Musiker. Seine neuen Töne scheinen beide Welten ein wenig in Einklang zu bringen. LUV ist der erste Vorbote des neuen Albums Feld, das am 31. März kommenden Jahres erscheinen wird. Eine dynamische Mixtur aus Klavierklängen, sphärischen Melodien und einem spürbar druckvollen Aufbäumen. Diese Musik verbreitet viel Zauber, viel Lust, einfach auszubrechen und abzuhauen. Dazu passt das kleine Video, das nur einen Ausschnitt des Liedes zeigt. Hier lässt es sich auch in Gänze genießen. Augen zu und einatmen, ausatmen, einatmen, …


Oehl
(Ms) Wohin mit den Worten? Wohin mit der Kreativität? Wohin mit all den Ideen?! Immer raus damit! Das ist echt der Vorteil einer gut vernetzten Welt. Musik kann in Albenzyklen erscheinen, muss es aber nicht mehr. Sollte plötzlich einfach ein guter Song aufklopfen, muss eine Band nicht zwingend drei Jahre warten, bis er auf Platte landet, sondern kann ihn einfach rauskicken auf alle Plattformen. Oder noch etwas hinterherschieben, wenn das Lied noch zum Gesamtpaket des letzten Albums passt. So geschehen bei Oehl. Im Sommer kam erst das neue Album Keine Blumen und nun gibt es das gleiche Album mit drei neuen Stücken. Vielleicht waberten sie im Kopf von Ariel, vielleicht kamen sie direkt danach ans Tageslicht. Ein Wenig Blass bekam auch noch ein Video dazu. Ein wunderbarer Song über die Schwierigkeit, die richten Worte zu finden und einem Refrain, der weit darüber hinaus geht - am besten selbst anhören. Das, was Ariel Oehl mit seiner Musik macht, ist wundervoll. Vertonte Poesie. Herrlich. Und kann hier demnächst live bestaunt werden:

27.11.2022 München, Ampere
28.11.2022 Leipzig, Naumanns
29.11.2022 Berlin, Frannz Club
30.11.2022 Hamburg, Bahnhof Pauli
01.12.2022 Köln, Yuca


Ef
(Ms) Epischer Gitarrenrock. Druckvolle Melodien. Große Gefühle. Und wenn dann alles schon schön dicht beieinander ist, die instrumentale Kraft fast am Höhepunkt ist, haut man noch Bläser und/oder Streicher rein und schreit voller Überzeugung oder Weltschmerz oderoder ins Mikro. Automatisch führt dies zu Gänsehaut und Erstaunen, wie wirkmächtig Musik doch sein kann. Das heutige Beispiel liefern die Schweden von Ef. Seit knapp zwanzig Jahren besteht die Gruppe, legten zuletzt eine längere Pause ein und kommen nun gewohnt stark zurück mit ihrer Platte We Salute You, You And You, die am 11. November erscheinen wird. Der große Vorteil an dieser überwiegend instrumentalen Musik ist natürlich der persönliche Interpretationsspielraum. Heute morgen sah ich noch eine Reportage über den Einzug junger Russen in den Krieg. Wie bitter. Die armen Kerle. Das passt irgendwie zusammen. Oder wenn man generell von allem ein wenig überfordert ist, dann hilft diese Musik auch. Zum Glück lässt sich das demnächst auch live erfahren:

17.11.2022 - Berlin, Privatclub⁠
18.11.2022 - Leipzig, UT Connewitz⁠
19.11.2022 - Neunkirchen, Gloomar Festival
22.11.2022 - Hamburg, Hafenklang⁠


Yeah Yeah Yeahs
(Ms) Die Zeit ist echt zu knapp, um all die tolle Musik zu hören, die es gibt. Zu einigen Bands einer gewissen Größe konnte ich noch nie was sagen. Da kennt man vielleicht ein, zwei Lieder, aber das reicht ja nicht aus für einen Gesamteindruck. The National? Puh. Wolfmother? Keine Ahnung. Muse? Weiß ich auch nicht so recht. Foals? Keinen blassen Schimmer. Auch zu den Yeah Yeah Yeahs konnte ich nie was sagen, obwohl der Name ja mehr als genial ist. Doch dieser Tage lief mir ihr neuer Song Wolf über den Bildschirm und ich war aus mindestens zwei Gründen sofort hin und weg. Zum Einen liefern sie dazu ein wunderbares, cineastisches Video ab, das es zu genießen lohnt. Zum Anderen packt mich diese unfassbar starke Synthies-Hook direkt beim ersten Mal und lässt mich so schnell auch nicht los. Die dazugehörige Platte Cool It Down kam bereits Ende September raus, nachdem es mehrere Jahre still war um die Gruppe. Wie immens sie wiederkamen, zeigt dieser Track meines Erachtens auf eindrucksvolle Art!


We Are Scientists 
(Ms) Und dann gibt es wieder Bands, die unaufhörlich abliefern. Dazu gehören auf jeden Fall We Are Scientists. Enorm, dass sie erst im letzten Herbst eine neue Platte veröffentlicht haben und nun schon nachlegen. Na gut… wenn die Ideen und die Energie da sind, spricht ja nichts dagegen. Vielleicht hat sich auch in der ereignislosen Coronazeit so viel angestaut, dass es direkt für zwei Alben reicht, wer weiß?! Zu vergleichen scheinen die beiden Klangwelten aber nicht so sehr, was das ganze umso spannender macht. Die neue Scheibe heißt LOBES und erscheint am 20. Januar. Wo im letzten Jahr noch sehr griffige Indirrockriffs vorherrschten, wurden nun vermehrt Synthies eingesetzt, um ihre Lieder auf ganz andere Weise tanz- und erlebbar zu machen! Das finde ich großartig, warum sollte auch eine Band immer wieder das Gleiche machen, wird ja langweilig. Davon überzeugen kann man sich mit der neuen Single Less From You. Und im Frühjahr sind sie dann wieder unterwegs, unermüdlich immer weiter voran! Hin da!

31.03.23 Köln, Luxor
02.04.23 Hamburg, Knust
03.04.23 Berlin, Hole 44
04.04.23 Leipzig, Werk 2
05.04.23 Nürnberg, Z-Bau
09.04.23 Wien, Flex
11.04.23 München, Hansa 39
12.04.23 Wiesbaden, Schlachthof

Donnerstag, 3. November 2022

Sigur Rós - Das Livephänomen

Live in Köln. Foto: luserlounge
 (Ms) Eine Erscheinung wie Sigur Rós ist schwer in Worte zu fassen. Das beinhaltet ihre Kunst, ihre Musik und insbesondere ihre Art und Weise live aufzutreten. Seitdem ich sie vor neun Jahren das erste Mal in München live gesehen habe, gibt es für mich nichts Erstrebenswerteres als dies ständig zu wiederholen. Ihre Musik ist reine Mystik - unerklärlich. Ihre Liveauftritte der pure Rausch, die absolute emotionale Überforderung, eine Demonstration an Lautstärke, Feinheit, Gefühl, Können, Verausgabung. 
Einige Jahre war es sehr still geworden um die Band. Als Drummer Orri 2018 aus der Band ausgestiegen ist, häuften sich die Gerüchte und die Sorge, ob es mit Sigur Rós überhaupt weitergehen wird. Denn es waren nur noch Jónsi und Georg übrig. So eine Band lässt sich auch zu zweit nicht stemmen. Doch wie das heute so ist: Durch Updates auf den Internetkanälen häuften sich Anfang des Jahres die Zeichen, dass etwas passieren wird. Erst wurde bekannt, dass Keyboarder Kjartan wieder an Bord ist und dann, im Februar, gingen häppchenweise Daten für eine Welttournee online. Dies löste bei mir große Euphorie aus und relativ schnell war ich mit Tickets versorgt.
In diesem Herbst war es also soweit, Sigur Rós waren wieder in der Nähe und ich vor Ort. Doppelt. Denn das wollte ich mir nicht entgehen lassen. Am 22. Oktober sah ich sie in Kopenhagen, am 27. dann in Köln.  Dieses Doppelereignis war eine sehr gute Idee. Hier sind die Gründe.

Dass ein Konzert dieser Band intensiv sein wird, war mir vorher bewusst. Ich habe es erwartet. Bislang war es die einzige Gruppe, bei deren Auftritten ich aus unerklärlichen Gründen anfing zu weinen. Das ist in Kopenhagen erneut passiert. Fast schon ein wenig gruselig. Zu den äußeren Bedingungen: Das Konzert (wie wohl auf der ganzen Tour) war in zwei Teile geteilt. Der erste war etwas ruhiger und durchaus experimenteller, beim zweiten ließen sie den Menschen keine Chance mehr - laut, irre, gewaltig und dennoch immer wieder so unheimlich zart. Anlässlich des 20-jährigen Jubiläums von ( ) spielten sie vermehrt Lieder von dieser zauberhaften Platte. Ich muss gestehen: Wie die Lieder dieser Band, die ich seit Jahren hingebungsvoll höre, heißen, ist mir größtenteils egal, die meisten kann ich eh nicht aussprechen. Und auch die Tracklist ist mir fast egal. Denn bei Sigur Rós geht es mir nicht darum, unbedingt einzelne Lieder zu hören. Es geht dabei für mich um ein Gesamtereignis. Ja, ich verehre diese Band. Weil ich sie nicht verstehe. Ich verstehe nicht, was dort passiert. Ich verstehe nicht, was die Band mit mir macht. Mit ihrer ungeheuren Kraft, ihren verwunschenen Melodien, ihrer Sanftheit und ihrem unbändigen Rausch scheinen sie mich fernzusteuern. Im zweiten, lauteren Set haben sie drei, vier Töne eines Liedes gespielt und mir liefen die Tränen. Wie kann das sein?! Was passiert da?! Auf der einen Seite ist es unheimlich, auf der Anderen wunderschön. Das, was diese Band macht, ist nicht nur Kunst. Es geht in meinen Augen weit darüber hinaus. Wie sie mich im Innersten berührt, ist mir unerklärlich. Und ich will es auch gar nicht wissen. Leidenschaftlich gebe ich mich hin. Denn das, was in diesen gut zweieinhalb Stunden passiert ist, sucht seinesgleichen!

Das ist der emotionale Aspekt. Nach dem Konzert in Kopenhagen war ich erstmal fertig. Noch Stunden später habe ich versucht, zu ordnen, was passierte. Keine Chance.
Daher war ich umso glücklicher, die Band ein paar Tage später nochmal in Köln zu sehen. Um alles etwas genauer zu beobachten. Zum Beispiel die Bühne. An einigen Stellen sind lange Seile vom Boden bis in die Decke gezogen, die sich oft gewunden haben. Von links nach rechts sind kleine Lampen verteilt, die insbesondere bei Svefn-G-Englar toll wirkte, als sie nacheinander aufblinkten und wieder erloschen. Im Vordergrund waren von links nach rechts Kjartan, Jónsi und Georg angeordnet, etwas weiter hinten saß ein neuer Drummer. Offensichtlich handelt es sich dabei um Ólafur Björn Ólafsson, der auch schon vorher mit Jónsi zusammenarbeitete. Er war eine Maschine. Kaum vorstellbar, dass er nur mit zwei Händen und zwei Füßen das Schlagzeug spielte. Kjartan hat alles übernommen, zuvorderst natürlich das Keyboard, doch er bediente auch eine Posaune und immer wieder die Gitarre. Georg und sein Bass scheinen eine Einheit zu sein - für die liebevollen kleinen Töne und für die heftigsten Rückkopplungen, die durch Mark und Bein gingen. Und was Jónsi da macht… keine Ahnung! Er spielt sich in den Rausch, wirkt mächtig und zerbrechlich zugleich. Erschüttert die Hallen, wenn er mit dem Geigenbogen über die Gitarrensaiten geht und ist am Ende des Konzerts fertig mit den Nerven.
Dass das beim Publikum auch so sein kann, dafür sorgt auch die große Lichtshow. Überall blinkt etwas auf, alles sehr durchdacht. Hinter der Band erstreckt sich eine große LED-Leinwand, über die immer wieder kleine Videos oder Animationen laufen. Dazwischen, darunter, daneben strahlt es immer wieder in den unterschiedlichsten Farben ins Publikum. Das war schon alles extrem harmonisch. Ich glaube, so ein Konzert ist stark durchdacht. Es gibt keine Zufälle, keine Improvisation, alles soll genau so sein. Die Ekstase ist heraufbeschworen. Und so stürzte am Ende alles zusammen. Jónsi schmiss das Mikro um, Georg warf den Bass zur Seite, Kjartan holt alles aus der Gitarre raus, Ólafur bearbeitet mit vier Gliedmaßen acht unterschiedliche Teile des Schlagzeugs. Uff!

Was für eine extreme Form der Musik. Was für eine eigene Welt. Mir fällt nichts Vergleichbares ein. Das ist große Kunst, und noch viel mehr. Ein paar Stücke waren wohl neu. Die Hoffnung auf eine neue Platte ist also berechtigt. Sigur Rós lebt. Wie wunderbar. Vielen Dank für diese Erfahrungen!