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Freitag, 6. März 2026

KW 10, 2026: Die luserlounge selektiert

Quelle: pixabay.com / CIker-Free-Vektor-Images
Kann es guten Neid geben? Ich denke schon. Vermutlich ist es eine Form der Anerkennung - bei anderen sehen, was sie Gutes machen oder wie sie sind. Dann verschwindet - in meinen Augen zumindest - das Wesen der alten Todsünde.
Hier im Norden war in den letzten Wochen die heiße Phase der Kohltouren. Kurze Erklärung: Man trifft sich mit guten Leuten, hat Bollerwagen dabei, die reichlich mit Alkohol und Snacks gefüllt sind, trinkt an jeder Kreuzung einen Schnaps und kehrt danach in einer Gaststätte zum Grünkohlessen ein. Das ist hier Kultur - Punkt.
Leider hinterlassen diese Grüppchen immer wieder ordentliche Portionen an Müll. So auch hier drei, vier Straßen weiter. So viele 0,2-Liter-Flaschen Korn - ekelig. Ich sah sie letztens beim Spazieren und dachte mir: Kann ich auch einfach mal weg machen. Mööp. Die Idee hatten auch andere Menschen, die besser, schneller und umsichtiger sind als ich. Sie sammelten vergangenes Wochenende ganz selbstlos diesen Müll auf. Müllzange, Handschuhe, Müllsäcke - alles sauber. Bin ich neidisch?! Ja, ein kleines bisschen. Aber eher so, dass sie mir ein Beispiel sind.

Low Key Orchestra
(Ms) Ja, das hier ist nicht Torpus & The Art Directors, aber die Stimme von Sönke Torpus ist so unverwechselbar, dass ganz viel der ehemaligen Band in der neuen liegt. Ja, dass Sönke Torpus mit Low Key Orchestra eine neue Band hat, wissen alle LeserInnen dieser Seite. Persönlich habe ich mich sehr darüber gefreut, weil das auch einfach so ein toller Typ ist. Er spielte unter anderem im Vorprogramm von Young Rebel Set letztes Jahr und versprühte viel Energie und enorm viel Witz. Schön auch, dass seine Frisur einigermaßen geblieben ist. Bevore The Reverb heißt die erste Platte im neuen Gewand und wird am 26. Juni erscheinen. Mit Send Love ist letzte Woche eine weitere Single erschienen, die die faszinierende Macht des Zusammenhalts feiert - wie schön, wie wahr, wie gut, wie toll klingend! Zum neuen Track gibt es eine tolle Live-Band-Version, die es zu lauschen lohnt:


Abramowicz
(Ms) In dieser Woche lang ein wenig Aufbruch in der Luft, oder? Klar, nicht politisch, da geht’s echt nur bergab. Aber es ist doch toll, dass uns jedes Mal die ersten warmen Sonnenstrahlen so verzaubern, oder? Das ist ein Zauber, der nie enden wird. Jeder Frühling macht Spaß, erzeugt Freude, das Draußensein wird zur Devise Nummer 1. Dazu sollte unbedingt der neue Track Money Takes von Abramowicz laufen. Okay, nicht zwingend inhaltlich, aber von der Stimmung her! Und genau das kann doch gerade richtig gut tun. Insbesondere, wenn die Band sechs Jahre lang schlief, aber nie tot war. Sie lebte in Sören Wartekin, der sie nun neu formiert hat und mit extrem viel Energie wiederauferstehen ließ. Wow - das macht wirklich viel Spaß und sehr viel Vorfreude auf noch viel mehr Neues! Alle im Norden dürfen sich schon mal freuen, dass sie Anfang Juni beim sehr guten Fair Weather Fest in Bremen spielen werden. Alle hin da!
Und jetzt mal ganz ehrlich: Was hat er denn für eine geile Stimme?!


Neonschwarz
(Ms) Manche Veränderungen kündigen sich ja auch durch kaum Hörbares an. Erst eine lange Pause, dann Solo-Aktivitäten, ein paar kryptische Meldungen. Dass es irgendwann vorbei ist mit Neonschwarz - ich hatte da so eine Ahnung. Das Schöne an der Tragik ist aber, dass sie im Guten diese Band beenden werden. Kein Krach, kein Stress, einfach nur vier Leben, die sich im Laufe der Zeit verändert haben. Wer irgendwas über dreißig ist, wird das verstehen können. Dennoch: Neonschwarz standen immer für viel Energie auf der Bühne, eine sehr klare antifaschistische Haltung, Jogginghosentage und viel Witz in ihren Tracks. Ich habe sie einige Male live gesehen und es war immer eine irre Party - mit der militanten Tante selbstredend. Bin geht die Band im Herbst noch ein letztes Mal auf eine kleine Tour und veröffentlicht am 19. Juni ihr Best-Of Namens Forever. Wie schön - diese Band wird also nicht beerdigt, sondern für immer freigelassen. Wenn das nicht ein - wenn auch trauriger - Grund zum feiern ist:

25.09.26 Köln - Gebäude 9
26.09.26 Leipzig - Conne Island
02.10.26 Berlin - Festsaal Kreuzberg
09.10.26 Hamburg - Gruenspan (Exil)


AB Syndrom
(Ms) Solidarität und Unterstützung sind Werte, die viele Krisen ausgleichen oder gar verhindern können. Zudem ist das Füreinanderdasein einfach eine tolle Tugend. Es gibt sie auch in der Musik. Band A nimmt KümnstlerIn B mit auf Tour, der Bekanntheitsgrad kann wachsen, wir kennen das. Ich finde das wahnsinnig sympathisch, denn so gibt es immer mehr zu entdecken. So ergab sich auch mein erster Berührungspunkt mit AB Syndrom - als sie zusammen mit Mine Spiegelbild produzierten. Dann sah ich sie in Oldenburg live - irre Energie, großartige Typen. Dazu enorm außergewöhnliche Musik, die sich nicht kategorisieren lässt. Elektronischer Pop - ja, schon irgendwie. Aber mit viel Tiefe, Persönlichkeit und Verletzlichkeit. Im Herbst wird es eine neue Platte geben und damit geht die Band wieder auf Tour. Wer kann, sollte da auf jeden Fall hingehen, denn das könnte höchst beeindruckend werden:

13.10.26 Leipzig - Naumanns
14.10.26 Hannover - LUX
15.10.26 Frankfurt - Elfer
16.10.26 Köln - Jaki
17.10.26 Münster - Gleis 22
18.10.26 Hamburg - Bahnhof Pauli
20.10.26 Berlin - Berghain Kantine


Mikromoon
(Ms) Wohin entfliehen und mit welchem Vehikel, wenn es draußen mal wieder düster und wenig hoffnungsfroh aussieht? Da die reale Flucht nicht ganz unkompliziert ist, brauchen wir eine imaginäre. Ab ins Lala-Land, ein Ort von dem die Band Mikromoon auf ihrer neuen Single Project Dada singt. In dem tollen Video zum Track hebt das Quintett in außerirdische Sphären ab und das mit ganz phantastischem Sound. Beim dichten Zusammenspiel von Bass, Gitarre, Schlagzeug und Keyboard passiert gar nicht mal so viel. Genau das ist das Spannende. Spiralförmig und leicht psychedelisch nimmt mich der Klang ein, lässt die Füße automatisch mitwippen. So reist es sich doch am allerbesten, oder?


City Light Thief
(Ms) Zwei Sachen. Sache Nummer 1: Sound und Look. Als eine Nachricht über die Band City Light Thief hereinflatterte, war da eine wahnsinnig gut aussehende Band abgebildet, die nach nach-dem-Studium-im-Berufsleben-befreundet-geblieben aussieht. Dann lief ihre neue Single Infinite Original Content und ich war ab dem ersten Takt mehr als überrascht! Hardcore, Emo oder sowas in der Art. Treibende, harte Gitarren und viel Gebrüll. Will sagen: Mit Erwartungen brechen finde ich gut. Sache Nummer 2: Der Inhalt. Denn das Gebrülle ist stark. Also auch vom Text her. Die Band fragt danach, wie wir denn nun Musik konsumieren und welche Halbwertszeit sie hat. Eine sehr gute Frage, die ich hier auch immer wieder aufwerfe. Das Geschäft ist irre schnell. Selbst als kleiner Blog flattern bei uns mehr als 100 Mails pro Woche rein. Überall mindestens ein neuer Song drin. Altobelli - wie soll das denn gehen? Deshalb heißt diese freitägliche Rubrik ja auch „selektiert“. Schnell ein paar Klicks sammeln? Oder welche kaufen? Wie lange wirkt die Kunst? Wie schnell ist sie vergessen? Wie oft muss eine Band nachlegen, um im Gespräch zu bleiben? Oder sich einfach frei machen von all diesen scheinbaren Zwängen?! Ballert alles ziemlich gut in diesem Song, muss man sagen!

21.03. - Köln, Gebäude 9
05./06.06. - Bremen, Fair Wather Fest


Culk
(Ms) Ein Hoch auf die Dissonanz. Im richtigen Moment kann sie große Wirkung entfalten. Klar, wenn es immer nur geplant schief ist, mag das Ohr irgendwann nicht mehr. Aber wenn dadurch gute Brüche entstehen, wird Musik doch interessant, oder? Dieses Handwerk beherrscht die Wiener Band Culk auf ihrer neuen Single Twenty, Eighteen sehr, sehr gut! Ein LoFi-Kracher mit ordentlich Gitarrenwumms, der mal das Tempo schleppen lässt, dann wieder zwischen Harmonie und Dissonanz pendelt und inhaltlich die Frage stellt: „Is my heart full?“ Und das in jeglicher Hinsicht. Vielleicht auch nicht nur das Herz, sondern der ganze Kopf. Voll von Informationen und Berichten und Videos und echtem Leben und ahhhh! Verbunden fühlen mit einem Etwas da draußen, aber daheim alleine am Bildschirm sitzen. Damit ist die Gegenwart doch sehr gut zusammengefasst, oder? Stimmt!
Im Laufe des Jahres bringt das Quartett aus Österreich noch eine neue Platte raus, die sicher noch mehr kluge Lieder parat hält - bleibt gespannt!

Freitag, 27. Februar 2026

KW 9, 2026: Die luserlounge selektiert

Quelle: pixabay / geralt
Telefonische Krankschreibung. Es scheint ein wenig Hin und Her in der Koalition zu geben, ob sie abgeschafft werden soll oder nicht. Es scheint nicht der Fall zu sein, aber diskutiert wird es. Was für ein enormer Quatsch, der - mal wieder! - völlig an der Realität vorbei geht. Diese Regierung ist echt so weit von den Menschen entfernt, wie kaum zuvor. Hauptsache malochen, Verbrennerautos fahren und den Sozialstaat kürzen. Ich musste diese Woche auch zu Hause bleiben, die Energie fehlte. Insbesondere auf dem Land ist die telefonische Krankschreibung doch ein probates Mittel. Ansonsten würden viel zu viele Menschen, die ohnehin krank sind und andere Wartende anstecken können, zur Praxis laufen. Wartezeiten bis zum Sanktnimmerleinstag. Zudem ist die Hausarztdichte hier nicht besonders hoch, der Patientenumkreis sicher groß und die Praxis meines Hausarztes läuft eh ständig am Limit. Und wenn wirklich jemand das ganze missbrauchen sollte, lässt man diese Menschen halt antanzen. Bei allen anderen, die sich nur ein, zwei Mal im Jahr melden, kann man doch nur glücklich sein, dass sie nicht kommen. Oh man, 2026 und wir reisen volle Kraft in die Vergangenheit.

Get Well Soon
(Ms) Dies ist die Meldung - und da kann ich einfach nicht objektiv bleiben - mein musikalisches Jahr bestimmen wird. Darunter mache ich es nicht. Get Well Soon habe ich mit ihrer ersten Platte kurz vorm Abitur kennengelernt und ich war sofort begeistert. Diese ungeheuren Arrangements, die Größe und Dramatik in den Liedern und Texten - Wahnsinn! Ich konnte meinen Papa erfolgreich überreden, dass er mich nach Nijmegen fährt, um die Band dort zu sehen - es war ein super Ausflug. Zahlreiche Konzerte kamen dazu: im Hamburger Michel, im Dortmunder Konzerthaus, beim Traumzeit Festival undundund. Nun ist Konstantin Gropper wieder da - zwei Alben soll es in diesem, zwanzigsten Jahr der Band geben. Minus The Magic (VÖ: 22. Mai) heißt das erste und mit OK gibt es seit heute eine neue Single zu hören. Es ist spürbar, dass die Band dieses Album live aufgenommen hat. Ohne große Arrangements, sondern wesentlich direkter. Es soll eine Platte aus dem „Nachmittag des Lebens“ sein. Hier will niemand zwanghaft jung bleiben, sondern das beste draus machen und mit den neuen Tracks schauen, wo man denn so in der Mitte des Lebens steht ohne sich anzubiedern. Musikalisch geht es nahbar zu, rockiger, gitarriger. OK ist ein recht vorhersehbarer Get Well Soon-Track, der eindeutig vom Schlagzeug dominiert wird. Die E-Gitarren sind schärfer eingestellt, die Trompeten fehlen nicht, es macht sehr viel Spaß! Oh man, da wird noch einiges kommen - und oben drauf eine erste Tour. Bitte alle hingehen und vorher der Band die Tickets aus den Händen reißen!

01.06.2026 - Wiesbaden - Schlachthof
02.06.2026 - München - Ampere
03.06.2026 - Erlangen - E-Werk
04.06.2026 - Dresden - Beatpol
05.06.2026 - Berlin - Lido
06.06.2026 - Hamburg - Molotov
07.06.2026 - Köln - Gebäude9 
20.06.2026 - Ulm - Ulmer Zelt


TESA
(Ms) Dieses ganze Musik-Ding, das Hören, drüber schreiben, die ganzen Konzerte, Festivals, die Menschen, die man dort kennenlernt. Diese Liebe zur Kunst kann es nur geben, weil viele sehr kreative Menschen ihre ganze Leidenschaft in das stecken, was in ihnen pulsiert. Wie weit diese Passion gehen kann, zeigt die Band TESA mit ihrer neuen Platte in beeindruckender Weise. INTERVAL heißt die Scheibe und wird am 3. April erschienen - Karfreitag. Vielleicht das perfekte Datum für solch brachiale Musik und so viel Größe. Vier Tracks wird es geben. Sie sind alle instrumental und schlicht durchnummeriert. Doch sie bringen eine Unnachgiebigkeit mit sich, die ihresgleichen sucht. Das ist krasser Lärm, das ist Druck und Energie. Das ist Musik, zu der alles einstürzt. Und dennoch sehr kunstvoll ist. Denn es wird einen Film dazu geben, der - so lässt der Trailer zumindest erahnen - sehr aufwändig produziert wurde. Wie geil ist das denn bitte?! Musikfernsehen ist tot, die Band sicherlich etwas für Kenner (mir sagte der Name bislang nichts, trotz dass das Neue das siebte Album der Gruppe ist) und sie stecken so viel Liebe, Kraft und Energie in diese Platte. Hier gilt es, sich in ganz außerordentlichem Maße vor der Kunst zu verneigen. Und dann bricht wieder alles zusammen.


Grim104 & Mehnersmoos
(Ms) „Ach du scheiße!“ Das muss der erste Gedanke sein, wenn die neue Single von Grim104 mit Mehnersmoos erklingt. Sie singen echt auf die Melodie von „Meine Oma fährt im Hühnerstall Motorrad“. Autsch! Aber auch irgendwie geil, oder? Zum Griechen heißt der Song, in dem Grim das hypothetische Szenario durchlebt, dass er wieder zurück aufs Dorf zieht. Zetel heißt der Ort, da ist echt nicht viel los. Zwischen Oldenburg und Wilhelmshaven. Da begegnet er alten Bekannten im Supermarkt, deren Leben eher bergab geht und so richtig dolle ist es auch woanders nicht. Doch der Ausflug zum örtlichen Imbiss am Samstag scheint alles wett zu machen - endlich wieder heile Welt, Suff und alles vergessen. Ein bizarrer Track zwischen Säuferkomik und Dorftragik. Wie es zu diesem Stück kam, würde ich mit allzu gern wissen. Er wird in jedem Fall Teil von No Country For Old Grim sein, der neuen Platte, die am 27. März erscheinen wird.

17.04.2026 – Hamburg, Knust
18.04.2026 – Leipzig, Conne Island
23.04.2026 – Bremen, Lagerhaus
24.04.2026 – Hannover, Faust
25.04.2026 - Köln, CBE
26.04.2026 – Dortmund, Junkyard
30.04.2026 – Nürnberg, Stereo
01.05.2026 – München, Ampere
02.05.2026 – Frankfurt, Zoom (kleiner Raum)
09.05.2026 – Berlin, SO36


José Gonzales
(Ms) Band oder solo? Die Frage stellt sich immer wieder bei all den Projekten, die so viele MusikerInnen betreiben. Bei José Gonzales muss ich zugeben, dass mich Junip immer mehr angesprochen hat als seine eigenen Tracks. Ich fand sie dichter, atmosphärischer, rhythmischer. Nun erscheint aber am 27. März mit Against The Dying Of The Light das neue Album des schwedischen Musikers. Also: Mal wieder reinhören. Die erste Single fand ich ziemlich fad, aber A Perfect Storm hat Tiefe und auch ein schönes Maß an Dramatik. Zudem schlingern die Gitarren in einen ganz phantastischen Sog - das macht Spaß. Es ist nicht glatt, nicht so rund und genau darin liegt in meinen Augen die Stärke dieses Liedes. Der im Titel angekündigte Sturm lässt sich tatsächlich musikalisch spüren. Und genau das ist doch Kunst, oder?


Philine Sonny & Brockhoff & Shelter Boy
(Ms) Mehr ist mehr, oder verderben zu viele Köche den bekannten Brei? Wenn drei KünstlerInnen an einem Track werkeln, steht diese Frage mindestens im Raum. Philine Sonny, Brockhoff und Shelter Boy waren ein Wochenende zusammen unterwegs zum Musizieren. Einiges hat nicht so richtig funktioniert und am Ende schrieb sich Back Then (I Was Something) wie von selbst, wie Philine Sonny sagt. Super charmant ist, dass die drei ganz viel im Chor singen. Das bringt automatisch total viel Tiefe aber durch die Aufnahmeweise auch enorm viel Nähe - toll gemacht! Der musikalischer Korpus besteht aus 90er Rock mit Synthie-Gespiele und einem markanten Bass. Das funktioniert erstaunlich gut, ist herrlich kurzweilig und bringe eine gewisse Unbeschwertheit! Der Song ist die letzte Single von Philine Sonny, bevor am 3. April ihre erste Platte Virgin Lake erscheinen wird. Wird gut!


Los Pulpitos 
(Ms) Klar, der Name ist schon sehr gut, aber was Los Pulpitos machen, ist tatsächlich noch viel besser. Elektronische Musik ist ja so eine Sache. Alles, was damit zusammenhängt, Electro, Techno, Minimal und auch Ambient, habe ich für mich erst in den letzten Jahren entdeckt. Eine Welt, die mir aus unerfindlichen Gründen verborgen blieb. Vielleicht habe ich sie auch immer etwas belächelt („Die drehen da ja nur an ihren Reglern“). Quatsch ist das. Naja, natürlich drehen auch Felipe Salmon und Dirk Leyers an den Reglern, doch sie erschaffen damit großartige Klangwelten. Die Unterwasserwelt hat es ihnen angetan, daher auch der Name. Und wenn Mola Mola, ihre erste Single aus dem kommenden Debut, läuft, dann ist es leicht, sich in die Untiefen des Meeres hineinzufühlen. Ein langsamer Beat, sich ausbreitende Soundtentakeln. Ist das düster? Lauert hier Gefahr? Bin ich zu tief getaucht? Ja, es stellen sich Fragen. Fragen, die Spaß machen, beim Hören zu vergegenwärtigen. Mehr gibt es am 17. April, wenn Tentacletek erscheint. Könnte richtig gut werden!

Sonntag, 22. Februar 2026

KW 8, 2026: Die luserlounge selektiert

Quelle: pixabay / BenKirb
Introvertiert sehr guten Radiosender Deutschlandfunk Kultur habe ich heute morgen beim Schnippeln und Vorbereiten in der Küche eine Sendung über die Fastenzeit gehört und warum das so gut ist. Beziehungsweise sein soll. Es scheint ja eine Binsenweisheit zu sein und alle sagen dann auch: Ja, das ist ein richtig toller Plan. Umsetzen sollte man ihn nur.
Letzten Mittwoch startete sowohl die Fastenzeit im Christentum, die bis Ostern dauert, als auch der muslimische Ramadan. Da ließe sich doch ganz viel Verbindendes finden. Wenn ich Kinder und Erwachsene muslimischen Glaubens sehe, die das so knallhart durchziehen, bleibt mir nichts anderes als Respekt übrig. Sie stehen teilweise um 4 Uhr in der Nacht auf, essen etwas, weil es vor Sonnenaufgang erledigt sein soll, legen sich danach gegebenenfalls nochmal hin, bis der Alltag startet. Abends wird zusammen gegessen und getrunken, nach Sonnenuntergang. Die Bilder aus Gaza, wo Menschen in den Trümmern abends das Fasten gebrochen haben - pure Gänsehaut. In dem Elend noch so viel Demut und Größe zeigen. Da sollten wir uns mal etwas von abschauen. Da sind die christlichen Fastenelemente wesentlich lascher. Verbinden statt spalten und voneinander lernen. 

Zahn
(Ms) Es macht als Schreiberling wirklich viel Spaß, sich mit den Texten der MusikerInnen auseinanderzusetzen. „Was bedeutet das wohl?“ „Krass, wie gut das geschrieben ist.“ „Das verstehe ich nicht.“ „Was für eine schöne Liebeserklärung.“ Solche Dinge. Doch es ist auch ein riesiges Vergnügen, wenn gar keine Stimmen zu hören sind. Dann arbeitet der Kopf auf ganz anderer Ebene. Es entstehen Bilder, eigene Geschichten werden geschrieben. Oder: Die Wucht des Klang ist reiner Genuss. So beim neuen Album von Zahn. Purpur heißt es und ist seit Freitag zu hören. Es zieht uns Hörende recht schnell in einen dunklen Sog. Er wird dominiert von satten Synthie-Arrangements, einem pulsierenden Schlagzeug und wirklich wuchtigen Gitarren. Instrumental Dark Synthie Rock. So ungefähr. Die Intensität dieses Klangs ist enorm, die Tracks sind sehr dicht, aber nicht einengend oder abschnürend. Sie bieten genug Freiheit und insbesondere der tiefe, rollende Bass zeigt hier, was er kann: Den Körper durchdringen! Das macht ungeheuer viel Spaß: Gerade weil es keinen Text gibt, gibt es so viel mehr zu entdecken! Wow!


Muff Potter
(Ms) Irre ich mich, oder haben sich die Ankündigungselemente im Musikgeschäft verschoben? Ich dachte es sei so: Ankündigung der neuen Platte mitsamt einer Single, dann Tourdaten, noch eine Single, dann die tatsächliche Veröffentlichung mit einer weiteren Single kurz vorher, anschließend die Tour. Nun scheinen viele Bands erst die Tour anzukündigen ohne neue Musik dazu vorzustellen. Auch geil, aber halt anders. Fatoni, Fjørt, ClickClickDecker. Die haben es alle schon gemacht. Und Muff Potter reihen sich nun in diese sehr gute Gesellschaft ein. Im Herbst geht es auf Tour! Klepto wird sie heißten und es ist das auch der Name der neuen Platte, die im Spätsommer erscheinen wird. Ein paar Releasegigs, eventuell ein paar Festivals mitnehmen, die Spannung auf die eigene Tour steigern. Ich denke: Der Plan geht auf! Da die letzte Tour ja schon so überragend war - zumindest in Bremen - sollte man sich ran halten, um sich frische Tickets zu besorgen. Hier geht die Reise lang:

11.11. - Leipzig, Conne Island
12.11. - München, Strom
13.11. - Darmstadt, Centralstation
14.11. - Dortmund, FZW
18.11. - Bremen, Schlachthof
19.11. - Köln, Kantine
20.11. - Münster, Sputnikhalle
21.11. - Hamburg, Übel & Gefährlich
26.11. - Erlanden, E-Werk
27.11. - Wien, Flucc
28.11. - Berlin, Festsaal Kreuzberg


Lambert
(Ms) Oh Gott! Bevor dieser Track läuft, sollte man sich ein wenig darauf vorbereiten. Denn es gibt keine Sekunde, um entspannte in das Lied reinzugleiten. Der eindringliche, melancholische Gesang von Goodwin startet direkt mit Drücken der Playtaste. Und sein Timbre stromert sofort durch Körper und Geist - wenn das bei irgendjemandem nicht so ist: Banause! Am seichten Piano, das dazu erklingt, sitzt Lambert. Zusammen spielen sie das Lied Hurts Like You, ergreifend, traurig, aber halt auch wunderschön! Es ist die zweite Single aus dem kommenden Album I Am Not Lambert, das am 8. Mai erscheinen wird. Der Titel macht klar: Der maskierte Pianist erweitert sein Klangspektrum ganz erheblich. Gitarren, Schlagzeug, Gäste, die eigene Stimme. Es passiert immer mehr in seiner Musik, ohne dass sich der feine, ausgewogene Kern verändert. So einen Schwenk muss man erstmal hinkriegen, um dennoch erkennbar zu bleiben. Die ersten Stücke zeigen: Das ist sehr gelungen! 

13.05.26 Hamburg, Kampnagel – Lambert & Friends
15.05.26 Nürnberg, Z-Bau
17.05.26 Berlin, Kammermusiksaal – Lambert & Friends
19.05.26 München, Live Evil
04.07.26 Kraggenburg, Wilde Weide Festival


Clâm
(Ms) Ist das Schöne an der Kunst nicht, wie wunderbar sie überraschen kann?! Das Staunen - zu Beginn des Jahres erschien in der ZEIT ein großer, sehr lesenswerter Artikel zu diesem Thema. Was das Staunen sogar für heilsame Wirkung haben kann. Dafür braucht es natürlich ein wenig Unbedarftheit, eine gewisse Disposition, sich auf Neues einzulassen, bloß keinen Trailer gucken oder im Vorhinein zu viel lesen. Direkt rein ins Abenteuer - und dann kommt die Überraschung! Probiert es mal mit dem Track Outside von clâm aus! Stoner Rock, Krautrock, verzerrte Gitarren, große Bilder, die aufploppen. Der instrumentale Teil ist eher düster gehalten, aber auch faszinierend. Wenn dann der Gesang einsetzt, kommt ein toller atmosphärischer Bruch hinzu, der Hoffnung schenkt. Aber: Ich wollte ja nicht zu viel vorweg nehmen. Hier: Kunst!

Freitag, 13. Februar 2026

KW 7, 2026: Die luserlounge selektiert

Quelle: pixabay.com / Pikura
(Ms) Für das Gute sind wir selbst verantwortlich. Irgendwie logisch, aber man muss es halt auch machen. Sich auf die anderen zu verlassen, ist etwas zu bequem. Außerdem fühlt es sich gut an. Das ist die passende Geschichte dazu: Musste die Woche zum Arzt. Da telefonierte im Wartezimmer eine Frau mit einem Taxiunternehmen. Denn ein Fahrer blockierte wohl recht ungeniert mehrere Autos und er blieb wohl auch stehen, trotz freundlicher Bitte. Genau das hat die Dame in einem wirklich freundlichen, konstruktiven Ton der Zentrale gemeldet und dafür von anderen aus dem Wartezimmer Anerkennung bekommen. So soll es doch sein, oder? Wenig später habe ich mitbekommen, wie eine Arzthelferin ganz lieb und aufbauend mit einer älteren Dame gesprochen hat, der es anscheinend wirklich nicht gut ging. Das habe ich der Mitarbeiterin später gesagt: Wie toll das ist, wie sie mit der Seniorin sprach. So müssen wir doch zusammen stehen, oder? Anerkennend, freundlich, aufmerksam, unterstützend. Das verdichtet doch die seelische Teflonschicht gegenüber den großen Krisen und Diskussionen.

Christin Nichols
(Ms) Apropos das Gute im Menschen! Und ein komischer Verhörer. Punkt Nummer 1: Standhaft bleiben ist sicher eine der größten Herausforderungen unserer Zeit. Denn gepöbelt wird schnell, direkt und viel. Mitunter auch anonym im Netz. Das macht es leider so leicht. Dabei sind Frauen, insbesondere wenn sie sich Normen entziehen, besonders betroffen. Denen und allen anderen Frauen stärkt Christin Nichols mit ihrer neuen Single Spotlight den Rücken. „Es gibt keine Gefahr für mich / Weil Mut größer an Angst ist“ - yeah. Große, wichtige Worte. Eingehüllt sind sie in ein rock-pop-punkiges Soundgewand, das mächtig stark nach vorne prescht. Das macht schnell viel Spaß und erhöht die Vorfreude auf das neue, nach ihr benannte Album, das am 24. April bei PIAS erscheinen wird. Punkt 2: Sie singt davon, dass sie alles haben will und dazu ein Biermixgetränk. Das hört sich doch stark nach BMX-Getränk an, oder?! Isotonische Drinks sind ja eh im Trend…

22.04.2026 München - Milla
23.04.2026 Stuttgart - Werkstatthaus
24.04.2026 Mainz - Schon Schön
01.05.2026 Husum - Speicher
02.05.2026 Münster - Gleis 22
06.05.2026 Leipzig - Neues Schauspiel
07.05.2026 Berlin - Lido
04.06.2026 Hannover – Faust
05.06.2026 Köln – Jaki
06.06.2026 Hamburg - Molotow


Sophia Kennedy
(Ms) Verregnet ist es im Norden. Seit Tagen hat die Sonne sich nicht blicken lassen. Die Aussichten: trüb. Ein Wort wie Frühling scheint noch sehr weit weg zu sein. Daher lohnt der gedankliche Ausflug in den Sommer, ein paar Erinnerungen aufploppen lassen. Zum Beispiel zum großartigen Watt En Schlick Fest. Auch das war vollkommen verregnet und nass und bäh. Aber es gab so viele gute Momente. Am eindrücklichsten war der Auftritt von Sophia Kennedy, die auf der Paletten-Bühne performte und das mit so viel Wucht und Energie und Drang, dass sie schnell diesen Strandabschnitt einnehmen konnte. Eine enorme Künstlerin, deren Musik sowohl sehr tanzbar ist als auch immer ein wenig zwickt. Nun hat sie das erste Mal zwei deutschsprachige Songs selbst veröffentlicht. Musik Ist Kein Krieg ist ein 20-er-Jahre-Chanson über die abwegigen Tendenzen der Musikbranche: Klicks, Berechnungen, Gewinne. Wo ist der Zauber geblieben?! Eben! Schenke Mir Ein ist ein Dudel-Radio-Feelgood-Schlager aus einer vergangenen Zeit. Es geht durchaus um das entspannte, gut gelaunte Versacken in einer Kneipe, doch nicht ohne den Hinweis, dass der nächste Tag wehtun könnte. Es hat den Eindruck, als ob diese Musikerin mit jedem Lied ihr eigenes Œuvre bis ins Unerschöpfliche erweitert. Was für enorme Kunst. Schaut sie euch an:

17.02.26 Kiel – Hansa 48
18.02.26 Hannover – Pavillon
19.02.26 Bremen – Schlachthof Magazinkeller
20.02.26 Münster – Gleis 22
08.04.26 Aachen – Musikbunker
09.04.26 Heidelberg – Karlstorbahnhof
10.04.26 Basel – Kaserne
12.04.26 Bern – bee-flat
23.04.26 Jena – Trafo
25.04.26 Essen – Zeche Carl


Vlimmer
(Ms) „Das ist nicht was du willst / Du weißt nicht, was du brauchst.“ Ein Taumeln. Damit lässt sich die neue Single von Vlimmer sicher ganz gut beschreiben. Aufbeißer heißt sie und ist seit kurzem zu hören. Da der Text - wie so oft bei der Musik von Alex Donat - nicht so gut zu verstehen ist, lohnt sich das Taumeln auch in der Musik zu suchen. Das Finden ist leicht, denn es liegt auf dem Silbertablett. Insbesondere der Versetzte-Drum-Computer-Beat fühlt sich an wie ein Stolpern. Hinzu kommen die Synthies, die irgendwie nie so genau wissen, ob sie aufbauen oder einreißen. Das erzeugt zusammen einen wuchtigen Höreindruck, auch wenn er dieses Mal nicht so brachial ist wie bei einigen Songs zuvor. Clever! Als Topping liefert Vlimmer eine deutschsprachige Dark-Wave-Synthie-Version von Young Folks von Peter, Bjorn & John. Noch Verrückter: Er fertigt dazu sogar CDs mit eigenem Cover an. Was für ein genialer Typ!


Ain‘t Ur Enn
(Ms) Musik ist ja oft wie eine Serie. Am Ende eines Albums - oder einer Staffel - bleibt ja manchmal die Frage: Wie wird es wohl weiter gehen? In welche Richtung setzen die MusikerInnen ihre nächsten Schritte? Cliffhänger an allen Ecken und Enden. Ennio De Caro, der sein musikalisches Alter Ego Ain‘t Ur Enn nennt, hat erst im Mai letzten Jahres sein erstes Album veröffentlicht. Bald folgt schon eine neue EP und Don‘t Tell My Bullet ist die erste Single, die es daraus zu hören gibt. Und der Schritt ist groß. Allein, dass der Track gut dreieinhalb Minuten lang ist, ist eine große Neuerung - die Platte hatte gerade mal eine Spielzeit von unter 19 Minuten! Doch auch das verspielte Schlagzeug, die tanzenden Klaviertöne und der etwas klarere Gesang sind deutlich vernehmbare Schritte. Schritte, seine Musik noch runder zu machen, noch zugänglicher. Noch besser?! Das entscheidet ihr. Dieser Song ist auf jeden Fall super!


Fjørt
(Ms) Über diese Band steht in diesem Blog schon so viel, dass ich aus dem Kopf den Shortcut für das ø finde. Fjørt: Musik gewordene Wucht. Brachial. Brutal. Heftig. Groß. Kompromisslos. Aggressiv mitunter. Und in all der Energie ungemein wohltuend. Nun ist mit Yin die dritte und letzte Single aus ihrem neuen Belle Époque erschienen. Die Platte reicht das Aachener Trio kommende Woche hinterher. Wir dürfen sie schon hören und eines ist klar: BÄM! Das wird schon sehr, sehr krass. Und dunkel. Und hoffnungslos. Gut, dass so ein Track wie Yin darauf enthalten ist, der ein wenig die Wogen glättet. Und einer, auf dem Chris Hell recht melodisch singt. „Bis das Material versagt.“
Na, zum Glück nicht. Insbesondere bei dieser Gruppe. Da wird gar nichts versagen. Ja, sie werden mit der neuen Platte alles einreißen, was möglich ist. Das hier ist der Track zum Durchatmen.

11.03. München, Technikum
12.03. Jena, Kassablanca
13.03. Wien, WuK
14.03. Leipzig, Werk 2
18.03. Berlin, Festsaal Kreuzberg
19.03. Wiesbaden, Schlachthof
20.03. Dortmund, FZW
21.03. Hamburg, Gruenspan (ausverkauft)
25.03. Bremen, Schlachthof
26.03. Hannover, Capitol
27.03. Stuttgart, Im Wizemann
28.03. Köln, E-Werk
24.04. Hagen, Stockrock

Freitag, 6. Februar 2026

KW 6, 2026: Die luserlounge selektiert

Quelle: pixabay.com / Pikura
Je weniger Auswahl wir haben, desto besser geht es dem Gemüt. Beispiel.
Was genau unsere Gesellschaft mal so richtig den Garaus macht, ist noch unklar. Dass der stets anwesende Kapitalismus da mitmischt, ist aber klar. Dabei ist Knappheit richtig geil. Je weniger in den Regalen liegt, desto einfacher fällt die Entscheidung. Je kürzer die Öffnungszeiten, desto klarer, wann ich einkaufen gehen kann. Das immer zu können ist doch eh völliger Wahnsinn. Vergangenes Wochenende war ich zum Kopfausschalten an der Nordsee. Sonst natürlich krasses Touristengebiet, zu dieser Jahreszeit ist aber gar nichts los. Oder noch weniger als das. Zwei Supermärkte haben geöffnet, mit Mittagspause! Das war es so einigermaßen. Und auch dort gibt es bei weitem nicht all das, was ich aus der Heimat gewohnt bin. Umso besser. Klar, man muss ein wenig umdisponieren und Alternativen finden, aber das sollte ja eigentlich kein Problem sein. Das tat sehr gut. Nach 17.30 Uhr gab es keine Möglichkeit mehr zum Einkaufen. Ja, wieso denn auch?! Eben. Noch besser wäre das im Internet. Öffnungszeiten im Netz! Und tadaaa - es gibt ein kleines Unternehmen, das genau das macht. Schwerelosigkite heißt es, macht tolle Klamotten und bietet demnächst nur noch klar begrenzte Einkaufsmöglichkeiten an. Genial. Hallo EU - wie wäre es?! Zalando, Amazon, Otto - alle haben nur noch von 8 bis 18 Uhr geöffnet. Danach und davor kann man halt nicht online shoppen. Es wäre großartig! Das lässt sich doch bestimmt regulieren. Ich würde sofort unterschreiben!

Kapelle Petra
(sb) Seit Curly Sue verfolge ich Kapelle Petra mehr oder weniger aufmerksam und regelmäßig. Zugegebenermaßen kommt an das Kind aus Gelsenkirchen nichts ran, aber das ist nun wahrlich keine Schande, weil (verhinderter) Welthit. Mit Lübbe veröffentlicht die Band aus Hamm nun ihr Jubiläums-Best-of-Album und das beinhaltet schon sehr viel Schönes. Mich erinnert Kapelle Petra ja immer ein bisschen an Virginia Jetzt mit einer ordentlichen Prise Rock und Zynismus, was definitiv als Aufwertung zu verstehen ist. Lange Rede, kurzer Sinn: Wer sich bisher mit den Herren vom Rande des Ruhrgebiets nichts auseinandergesetzt hat, der sollte das schleunigst tun und bekommt nun das perfekte Gimmick dazu an die Hand. Um die Zuneigung dann direkt zu vertiefen, ist ein Konzertbeuch empfehlenswert.

Live:
12.03.2026 - Muffathalle, München
13.03.2026 - Batschkapp, Frankfurt
14.03.2026 - Im Wizemann (Halle), Stuttgart
26.03.2026 - Carlswerk Victoria, Köln
27.03.2026 - Skaters Palace, Münster
28.03.2026 - Columbia Theater, Berlin
25.07.2026 - kAPEll30 SOMMA, Hamm
27.11.2026 - Täubchenthal, Leipzig
28.11.2026 - Botschaft, Osnabrück
04.12.2026 - Z-Bau, Nürnberg
05.12.2026 - Schlachthof, Wiesbaden
11.12.2026 - Gruenspan, Hamburg
19.12.2026 - Westfalenhalle 2, Dortmund


puls.
(Ms) Was ist denn jetzt richtig geil? Analog oder digital? Elektronisch oder handgemacht? Wie dogmatisch sollte man da unterwegs sein? Oder gibt es nicht schon eine gute Lösung dafür? Ich denke schon: Best of both worlds! Beeindruckend gut setzt das die Band puls. aus Köln um. An diesem Freitag veröffentlichen sie ihre erste EP namens Nuancen. Fünf Tracks gibt es darauf zu hören, die sich wirklich das beste aus verschiedenen Spielarten zusammenmixen und es unheimlich gut vereinen. Der analoge Bass auf Zeit ist phantastisch und bis zu seinem Auftauchen auch echt nicht zu erahnen. Die Shoegaze-Gitarren auf Trümmerblick, die den Song in allerhöchste Höhen tragen. Die Texte, die großartig anzunehmen sind und viele Möglichkeiten bieten, um sich selbst darin zu sehen. Das sind - meiner bescheidenen Meinung nach - einige gute Gründe für eine Band, eine große Zukunft erleben zu dürfen. Diese EP ist ein grandioser Start.


Sprints
(Ms) Hach, was gibt es nicht herrliche Ausführungen über Coverversionen. Welcher Track am meisten nachgespielt wurde. Was floppte oder gar das Original überstrahlt. Ja, das Cover ist eine schöne künstlerische Eigenart. Es geht ja nicht nur um das einfache Nachspielen. Im besten Fall gibt man einem Track das, was man darin vermisst. Ein Kniefall und eine Ehrung ist es eh in jedem Fall. Heutiges Beispiel: Deceptacon von Le Tigre. Das Stück ist 27 Jahre alt - und noch nicht gestorben. Denn die Band Sprints haben sich den Track vorgenommen und ihm ordentlich Wumms beigebracht. Meine Güte, was knallt dieser Bass denn geil?! Kaum auszuhalten. Zudem macht diese Version wirklich gar keine Pausen. Die Gitarren knartschen nach vorne, der Gesang treibt genauso wie das Schlagzeug. Wer hier ungerührt sitzen bleibt, ist ein Banause. Das ist Fakt. Was für ein irrer Track - was für eine starke Version!


Lambert
(Ms) Korrigiert mich gerne - aber ist nicht eines der schönsten Dinge in diesem Musik-Kosmos die wunderbare Neugier, wie ein frischer Track eines tollen Künstlers klingen mag?! Die Gedanken im Vorhinein. Wie sieht der nächste Entwicklungsschritt aus? Gibt es einen? Hat es nicht vorher gut geklappt - wozu die Veränderung? Gibt es andere Instrumente, die in den Sound einfließen? Hach, großartig! Und Lambert ist einer dieser Künstler, die den Überraschungsmoment definitiv auf seiner Seite hat! Obendrein ist er enorm umtriebig. Im Winter kam erst die gemeinsame Platte mit Thorsten Nagelschmidt raus, im Sommer 2024 gab es die letzte Platte Actually Good. Und nun geht es weiter! Spirit heißt die erste Single aus dem kommenden Album I Am Not Lambert, die am 8. Mai bei Clouds Hill erscheinen wird. Wie passend dieser Titel nur ist. Denn auf dem neuen Stück gibt es zahlreiche Parts, die an andere Künstler erinnern. Klar, das Klavier bleibt im Fokus, aber die Akustikgitarre (!) klingt doch etwas nach Ásgeir, der Gesang (!) nach Orbit genauso wie die sanft eingesetzten Beats. Eingebettet ist das natürlich in einem entspannt-beruhigenden Lambert-Klang, wie man ihn gewohnt hat. Und ich vermute: Auf dem neuen Album lauern noch mehr tolle Überraschungen!

13.05.26 Hamburg, Kampnagel – Lambert & Friends
15.05.26 Nürnberg, Z-Bau
17.05.26 Berlin, Kammermusiksaal – Lambert & Friends
19.05.26 München, Live Evil
04.07.26 Kraggenburg, Wilde Weide Festival


Tiga & Boys Noize
(Ms) Ab meiner Jugend ist Musik für mich wirklich Thema Nummer 1. Unterschiedliche Szenen und Genres hatten ihre Zeit. Sie sind gekommen und gegangen. Und dennoch ist es krass, wie viele Bands und Künstler mir wirklich gar nichts sagen. Auch richtig große Namen. Zu Radiohead kann ich nichts sagen. Ebenso zu The XX oder Muse. Nie gehört, kein Bezug. Viele Größen aus anderen Genres sind mir da noch ferner. Heutiges Beispiel: Tiga und Boys Noizse. Beide sagten mir bis zu diesen Zeilen hier nichts. Nada. Niente. Dabei haben sie vor Kurzem mit Hot Wife einen wirklich extrem geil tanzbaren Track veröffentlicht. Dieser Beat, der ab der ersten Sekunde einsetzt und duchballert, ist so markant und auf freche Weise stumpf, dass er direkt in die Beine geht. Ebenso der Text. Wirklich sehr überschaubar. Aber egal. Vielleicht ist es auch diese großartige Reduktion, die diesen Song so enorm machen. Tiga veröffentlicht am 17. April sein neues Album Hotlife - der Frühsommerhit?! Gut möglich! 


Alin Coen
(Ms) Wer diese Musikerin mal live gesehen hat, weiß, was da Bemerkenswertes auf der Bühne passiert. Viele Lieder von Alin Coen sind so nahegehend, da bleiben keine Augen trocken. Einige Stücke sind auch tieftraurig. Und dennoch sitzt oder steht da eine Künstlerin, die so viel Güte in ihrem Wesen trägt, dass sie mit ihrer Ausstrahlung unmissverständlich zeigt: Seid ruhig traurig und lasst euch berühren, aber hier in diesem Moment ist wirklich alles behütet und geschützt. Große Kunst!
Atme Ein, Atme Aus heißt ihr neues Lied, mit dem sie sich nun wieder meldet. Die Hämmer des Klaviers sind direkt zu hören, mit dem ersten Takt ist man als Hörer ganz nah an ihrer Musik. Und sie am eigenen Gemüt. Ein Lied wie Meditation. Ein Lied, das die Livestimmung perfekt wiedergibt. Hier ist gerade wirklich alles in Ordnung, du musst nichts tun, hier erwartet keiner etwas von dir, hier kommt alles kurz zum Erliegen. Es sind drei Minuten und elf Sekunden, die das Herz vielleicht ein klein wenig schneller schlagen lassen, aber den Kopf ruhiger machen. Große, große Kunst! Am 29. Mai erscheint ihr neues Album Du Bedeutest Mir Die Welt, mit dem sie auf große Tour geht.

30. Mai 2026 Hamburg, Nachtasyl – ausverkauft
2. Juni 2026 Berlin, Mikropol – ausverkauft
15. Juli 2026 Dresden, Saloppe
16. Juli 2026 Leipzig, Parkbühne
17. Juli 2026 Braunichswalde, Hof 19
18. Juli 2026 Regensburg, Alte Mälzerei
19. Juli 2026 Lindau, Zeughaus
22. Juli 2026 Freiburg, ZMF
23. Juli 2026 Heidelberg, Karlstorbahnhof
24. Juli 2026 Frankfurt, Batschkapp Sommergarten
26. Juli 2026 Dortmund, Junkyard
11. September 2026 Schwerin, Schlosshof
10. Oktober 2026 Bielefeld, Festival Dome
17. Oktober 2026 Hamburg, Fabrik
18. Oktober 2026 Oldenburg, Kulturetage
20. Oktober 2026 München, Hansa 39
22. Oktober 2026 Köln, Kulturkirche
23. Oktober 2026 Erfurt, hsd
24. Oktober 2026 Magdeburg, Johanniskirche


JJerome87
(Ms) Danke, lieber Algorithmus. Ohne dich wäre ich wahrscheinlich nicht auf diesen Track gestoßen. Ja, vor dem letzten Album The Dream habe ich schon alt-j aus den Ohren verloren. Weder bewusst noch gewollt. Hat sich einfach so ergeben. Zu viel andere Musik - keine Ahnung. Doch der Algorithmus spülte mir Brush Me Like A Horse von Frontman Joe Newman auf die Kopfhörer, der sich als Solomusiker JJerome87 nennt, sich aber stilistisch von der Hauptband nicht unterscheidet. Diese frickeligen Arrangements, diese ganzen verspielten Elemente - es ist einfach großartig, was er da zusammenzimmert. Macht sehr viel Spaß, überzeugt mit sehr viel Groove und erzeugt auf angenehme Weise gute Laune:

Sonntag, 16. November 2025

KW 46, 2025: Die luserlounge selektiert nochmal

Quelle: flaticon.com / rialjulislam
(Ms) Es ist doch kein Wunder, warum unsere aktuelle Bundesregierung noch unbeliebter ist als die vorherige, oder? Allein das ist ja schon eine erschreckende Aussage. Klar, Reformen sind gut und notwendig. Aber doch bitte die richtigen. Wer das Deutschlandticket auf 63 Euro erhöhen lässt und gleichzeitig die Flugticketsteuer senkt, der hat einfach nichts begriffen. Oder nichts begreifen wollen. Vielleicht sind das ja auch ganz gezielte Entscheidungen: Sollen die großen Flugunternehmen ein klein wenig mehr verdienen und die Menschen entweder sich kein Zugticket mehr leisten können oder… ja, sollen sie halt fliegen statt die Bahn zu nehmen. Oh, man. Von der CDU habe ich eh nichts anderes erwartet als ein nicht unerhebliches Maß an Klientelpolitik. Aber dass die SPD da so mitmacht, ist gruselig. Muss sich keiner wundern, wenn deren Beliebtsheitswerte so niedrig sind. Die Suppe haben sie sich selbst eingelöffelt. Hoffen wir, dass es noch besser wird… 

A.S. Fanning
(Ms) Eine tolle Stimme macht noch lange keine gute Musik. Sie muss im besten Sinne in Szene gesetzt werden, ihre Kraft ausgeschöpft, ihr Glanz zum klingen gebracht werden. Nicht nur melodiös - auch wenn das eines der wichtigsten Dinge ist - sondern auch textlich. Dann ist Gänsehaut garantiert, dann ist es leicht, alles links und rechts um einen herum zu vergessen. Dann läuft A.S. Fanning mit seiner neuen Single Today Is For Forgetting. Dieser tiefe, durchdringende Bariton ist perfekt eingesetzt in all der Melancholie und Schwere des Tracks. Kein besonders aufbauendes Thema, das der Titel mit sich bringt, aber das Arrangement bringt auch einen Hoffnungsschimmer mit sich. Ein insgesamt eher langsamer Song, der durch die Synthies viel Lebendigkeit erfährt. Das ist einfach phantastisch gemacht vom irischen Musiker. Am 6. Februar erscheint seine neue Platte Take Me Back To Nowhere und wird sicherlich hervorragend!

16.03.26 Langenberg – KGB
28.03.26 Altenkichen – KulturSalon Stadthalle
21.04.26 Hamburg – Knust
23.04.26 Dresden – Ostpol
25.04.26 Oberhausen – Gdanska
29.04.26 Wien – Rhiz
30.04.26 Salzburg – Rockhouse
02.05.26 Berlin – Neue Zukunft


Feige Flittchen
(Ms) Konzerte sind nicht nur die Essenz der Musik, die sich so viele Menschen ausdenken, sondern auch immer der beste Ort, um Neues kennenzulernen, das einem nicht zwingend über den Weg laufen würde. Nicht aus Ignoranz, sondern weil es einfach so unfassbar viel gibt. Gut, dass Bands selten allein auf Tour gehen. So haben Die Liga Der Gewöhnlichen Gentlemen letztes Jahr im Zwischendenjahrenkonzert in Bremen Feige Flittchen mitgenommen. Und das hat richtig gut gezündet. Humor, Punkrock, Alles-egal-Haltung, Rafinesse, Unterhaltung. Das Hamburger Trio hat viel gespielt dieses Jahr und nun ihre erste EP draußen. Live In der Pyramide heißt die Sammlung der vier Tracks. Und weil sie halt so viel live spielen ist es nur sinnvoll, dass es wirklich Live-Aufnahmen sind. Wie cool, so eine Band als erstes zu hören. Pur, roh, direkt, ungefiltert. Das macht richtig viel Spaß, ist mal verträumt und schrammelt genau im richtigen Level!


Tom Smith
(Ms) Na Herbst, da bist du ja. Und schlägst an diesem Wochenende auch recht gewaltig zu. Ein ewiges Grau da draußen, dazu Wind und Regen. Bilderbuchherbst. Leichte Melancholie in der Luft, Energieauftanken auf dem Sofa. Tee und Spekulatius - das ganze Programm. Und dann kommt dieser Sänger mit diesem Lied daher - frech! Haut einfach noch richtig in diese eh verletzliche Kerbe. Tom Smith, Sänger der Editors, bringt Anfang Dezember sein erstes Solo-Album raus und mit Broken Time ist die neuste Single zu hören. Akustik-Gitarre, Cello, Stimme, Gänsehaut. Das ist wunderschön, zutiefst traurig aber auch aufbauend. Das sind doch Charakterzüge, die nur die Musik schaffen kann. Was für ein großer Zauber. Am 5. Dezember erscheint There Is Nothing In The Dark Which Isn't There In The Light und bringt den großen Glanz der Editors-Tracks in einem ganz gedimmten Arrangement! Wow!

11.03.26 Köln - Kulturkirche
13.03.26 Schorndorf - Manufaktur
19.03.26 Wien - Simm City
25.03.26 Berlin - Passionkirche
26.03.26 Hamburg - Christiankirche


Vlimmer
(Ms) Es gibt Musik, die einfach zu einhundert Prozent in eine ganz spezifische Stimmung passt. Letzte Woche auf dem Weg zur Arbeit: Es war ungeheuer nebelig. Die Sichtweite betrug maximal 50 bis 70 Meter. Das verlangt viel Konzentration, hat aber natürlich auch etwas herrlich mysteriöses. Manchmal fühlt es sich dann an wie im Film. Hätte dann Cystacanca von Vlimmer im Auto ertönt, wäre die Szenie perfekt. Alexander Donat geht mit jedem Track seines Hauptprojekts einen Schritt weiter, es macht sehr viel Spaß, dabei zuzuhören. Auf dieser Single zeigt er sich programmatischer im Textaufbau und noch etwas anspruchsvoller, reifer im Sound. Ein paar mehr Elemente, die den Klang bilden und einen immer klareren Gesang. Das tut seiner Musik sehr gut. Und irgendwie passen diese Zeilen hervorragend in den morgendlichen Nebel: „Nimm das Übel mit /Wasch die Erde rein / Lass uns zusammen sein.“ Doch kein neuer Vlimmer-Track ohne einen kleinen Bonus. So ist zugleich ein deutsches Cover von Arcade Fires No Cars Go erschienen. Dieser Tausendsassa…


Jo The Man The Music
(Ms) Immer wieder versuche ich hier in dieser wöchentlichen Rubrik Perlentaucherarbeit. Die Suche nach dem Besonderen, Ungewöhnlichen, Kunstvollen oder gar Avantgardistischen. Doch mal kurz innehalten ist auch nicht verkehrt. Denn immer nur nach dem außerordentlich Speziellen zu suchen, ist ja auch langweilig. Jo The Man The Music aus Österreich hat letztens ihre neue Single Shoulders veröffentlicht. Das soll nun nicht dispektierlich klingen: Aber das ist einfach ein ganz wunderbarer, warmer, gitarrenpoppiger Song, der wie eine kleine Streicheleinheit daher kommt. Das Stück ist nicht kompliziert, nicht außerordentlich wild arrangiert. Und genau in dieser wunderbaren Schlichtheit liegt die Stärke und Schönheit. Eine Ballade, die mitsamt viel Wärme daher kommt und zu dieser Zeit, in der viel Kälte zu spüren ist, genau richtig ist. Am 16. Januar erscheint ihre erste EP Soft Skin. 

Freitag, 14. November 2025

KW 46, 2025: Die luserlounge selektiert

Quelle: Gästebuch.com / arnikahossain
(Ms) Brennt die Funkmasten nieder! Hinfort mit den Handys und Smartphones. Weg mit diesem Mist! Nervosität auf Stand-By. Pseudo-Erreichbarkeit. Zeitfresser-Programme überall. Niemand braucht das.

Derzeit lese ich Momo von Michael Ende. Das Buch ist aus den 70er Jahren. Wahnsinn! Ich wusste, dass es eine zauberhafte Geschichte sein wird, aber diese Aktualität habe ich im Vorhinein unterschätzt. Was die Grauen Herren von der Zeit-Spar-Kasse von vor fünfzig Jahren waren, sind die mobilen Endgeräte der Jetztzeit. Sie klauen uns ganz bewusst das wertvollste, was wir haben: unsere Zeit! Und wir füttern riesige Konzerne mit Daten und leeren Augen. Es braucht eine Herrschar an Momos unserer Zeit, die uns darauf aufmerksam machen, wie unfassbar viel Zeit wir an diesen Teilen verschwenden. Wir haben nichts davon außer gestörte Hirnareale, verminderte Konzentrationsfähigkeit und fehlende Geduld. 

Imarhan
(Ms) Wenn Pop auf Politik stößt, dann wird es meist sehr spannend. Insbesondere weil Musik die Kraft hat, über Grenzen hinweg zu klingen und zu wirken. Bands, die Lieder aus anderen Gegenden der Welt singen, können uns die Augen öffnen. Denn viele Konflikte bleiben uns verborgen oder sind schnell vergessen. Zudem bringen sie eventuell einen Klang mit, der für uns ungewohnt ist, aber ganz viel Schönheit mit sich bringt. Imarhan kommen aus Algerien und machen extrem melodiöse Musik. Schlagzeug spielt eine untergeordnete Rolle, der Rhythmus wird meist durch Gitarren vorgegeben - aber klar, hier und da wird auch getrommelt. Tellalt heißt ihre aktuelle Single und das Wort bezeichnet eine seltene Akazienart aus der Sahara. Wenn sie verbrannt wird, soll sie wunderbar riechen und das Knistern des Feuers scheint unvergleichlich, so Sänger Sadam. Zudem erzählen sie von Geschichten der algerisch-malischen Grenze. Von Menschen, die aus Mali fliehen. Schicksale, die hier selten Aufmerksamkeit bekommen. Imarhan gibt diesen Menschen eine Stimme. Und am 16. Januar erscheint ihre neue Platte Essam bei CitySlang und könnte ganz zauberhaft werden!

14.04.26 - Knust, Hamburg,
15.04.26 - Gretchen, Berlin


Dry Cleaning
(Ms) Ein Bullshit-Job ist eine Tätigkeit, der jeglicher Sinn fehlt. Diese ist dann manchmal auch noch recht gut bezahlt. Ihr gesellschaftlicher Nutzen ist gleich Null. Aber vielleicht haben einige der ArbeiterInnen, die so einen Job haben, dennoch Spaß daran. Darum geht es im neuen Track Cruise Ship Designer von Dry Cleaning. Der Titel verrät es schon: Sängerin und Texterin Florence Shaw berichtet darin über einen Designer für Hotels und Kreuzfahrtschiffe, der seinen Job richtig gut erledigt, aber immer wieder am Sinn seiner Tätigkeit zweifelt. Wie genial ist das denn?! So viel Tragik und Komik in einem Track habe ich lange nicht mitbekommen. Musikalisch wird die Geschichte von groovigen Klängen, die zwischen frühem Punk und Krautrock angesiedelt sind. Obendrein serviert die Band ein großartiges Mittanzvideo! Mehr solcher tollen Klänge und Storys gibt‘s auf ihrem neuen Album Secret Love, das am 9. Januar erscheinen wird! Könnte geil werden!

07.04.26 Berlin, Festsaal Kreuzberg
10.04.26 Hamburg, Mojo



Frau Lehmann
(Ms) Gut Ding hat Weile. Mit etwas Abstand gesehen, ist ja an den meisten Sprichworten doch eine Menge dran. Die Alte Leier heißt die neue Single der Leipziger Band Frau Lehmann. Wobei so neu der Track gar nicht ist. Vor 10 Jahren schrieb Sängerin Fiona Lehmann diesen Text und nun hat er seine Form gefunden - was für eine schöne Geschichte! Das Thema: Liebeskummer und der Kampf dagegen. Zuhören? Ach nein, lieber in die Kneipe gehen und dann stark abdriften. Und der Kummer pocht immer noch genauso stark wie vorher. Manchmal sind Wunsch und Realität zwei verschiedene Dinge, davon handelt das Lied auch. In herrlich melancholischer Manier mit Xylophon und wunderbarer Eingänigkeit. Ein Song, der zum sonst punkigen Sound der Band gar nicht so passt, umso besser ergänzt er ihr Schaffen. Am 30. Januar erscheint ihre neue Platte Trost & Trotz und könnte vielschichtig, unterhaltsam, den-Finger-in-die-Wunde-legend werden!


Amanda Bergman
(Ms) Stutzig werden. Wenn Musik das schafft, dann ist sie wirkmächtig. Wenn sie einen irritiert zurück lässt. Wenn man gerne noch etwas mehr darüber wissen möchte. Wenn der Song dann nochmal läuft. So geschehen beim neuen Track von Amanda Bergman. Die schwedische Künstlerin hat mit Grasp einen wunderbar, saften neuen Song herausgebracht. Zu dem Stück gibt es ein kleines, schönes Video, das mal unterhaltsam, mal niedlich, mal einfach nur schön ist. Doch etwas stimmt hier nicht. Und das ist Folgendes: Text und Musik passen nicht zusammen. Die Musik ist wahnsinnig zurück gelehnt. Zart, ruhig, unaufgeregt. Der Text ist das ziemliche Gegenteil davon. Kein Wunder: Er ist in der Nacht entstanden, als Donald Trump und Elon Musk das Weiße Haus übernommen haben. Eine Schaudergeschichte. Wie der Text des Liedes. Doch kein Grusel ohne Hoffnung. Und das sind ganz am Ende folgende Worte: „Making peace seem like some madness that has no time.“ Da bleibt nur zu sagen: Bring back the madness!

Freitag, 31. Oktober 2025

KW 44, 2025: Die luserlounge selektiert

Quelle: commons.wikipedia.org
(Sb/ms) Diese Stadtbild-Sache hat Potential. Zum Einen zeigt sie recht ungefiltert ein zumindest in Ansätzen rassistisches Weltbild unseres Kanzlers. Zum Anderen finde ich es keine sinnlose Debatte, wie in der Heute Show gesagt wurde. Über die Menschen in unseren Städten, dazu gehören wir alle, müssen wir wirklich nicht sprechen. Wir gehören alle dazu. Und wir gehören alle dazu, dass sie so aussehen, wie sie aussehen. Und hier muss doch die politische Debatte beginnen. Warum gibt es so viel Leerstand?! Warum sehen die Städte alle gleich aus? Warum sind überall die gleichen Ketten? Warum sind sonst so viele Nagelstudios, Frisöre und Bars mit dunkel verklebten Fensterscheiben zu sehen? Weil wir alle es zulassen. Weil wir wie doof im Internet bestellen. Weil wir angeblich keine Zeit haben. Oder vielmehr weil wir sie uns nicht nehmen?! Weil wir alles gleichzeitig haben wollen. Wir sind doch selbst Schuld dran, dass die Städte so aussehen. Da braucht es doch politischen Willen, etwas dagegen zu tun. Förderungen. Weniger Bürokratie. Orte, wo alle zusammen kommen. Das bringt uns die teils etwas ferne Politik wieder mehr zu uns. Oder habe ich da unrecht?! 

Crim
(sb) Futur Medieval heißt das neue Werk der Punkrock-Band Crim aus Tarragona und schließt nahtlos an den Vorgänger Cançons de mort an. Trotz der Hardcore-Anklänge kommen die Katalonier gewohnt melodisch daher, die Riffs sitzen und die Gesangsharmonien reißen mit. Zugegebenermaßen verstehe ich kaum ein Wort, aber das ist mir ausnahmsweise ziemlich egal. Crim haben etwas an sich, das mich ungemein anspricht und begeistert. Ist diese Kombination aus Brutalität und Verspieltheit? Ich weiß es nicht, aber Tracks wie Festa d'una Persona oder Nihilisme Pop gehen einfach immer. Hoffentlich auch bald mal live zu sehen!


Sofia Portanet
(Ms) Die große Welt des Pop! Was für eine große Musikrichtung! Eine, die immer wieder die großen gemeinsamen Nenner schafft. Die Lieder, mit denen wirklich viele Menschen zu begeistern und mitzureißen sind. Manchmal ist das der große Glitzerpop, manchmal der im kleineren Rahmen, der aber die gleichen Emotionen erschafft. Das allerbeste, schönste, tanzbarste, soghafteste Beispiel für den großen Pop im kleinen Rahmen ist Sofia Portanet, die seit vielen Jahren extrem gute Musik abliefert! Sie ist eine Künstlerin, die gerne und ganz toll mit anderen zusammen arbeitet. Verfolgt man ihr Schaffen ein wenig, ist sie stetig unterwegs, an den verschiedensten Orten, mit vielen kreativen Köpfen. Es kommen immer phantastischer Lieder dabei heraus. Moi Pour Toi heißt ihr neuster Streich, den sie zusammen mit der französischen Künstlerin Sainte Nicole geschrieben und aufgenommen hat. Nicht nur ein toller Tanztrack, der einen leicht melancholisch-dunklen Touch hat, sondern auch ein weiterer Beweis, dass sich dafür die französische Sprache großartig eignet!


Oehl
(Ms) Fansein ist ja so eine Sache. Vielleicht bin ich mit Mitte Dreißig nicht mehr in dem Alter, in dem ich dieses Vokabular wählen würde. Aber bei bestimmten KünstlerInnen oder Bands ist die eigene Leidenschaft, wie dieses Schaffen verfolgt wird, ja im Grunde genommen genau das. Die Musik seit Langem hören, etwas über die Menschen wissen, sich freuen, wenn es Neues gibt, die Konzerte besuchen. Seit dem Tag, an dem Oehl Wolken veröffentlichte, höre ich sehr gerne und aufmerksam zu und bin immer wieder überrascht, was er alles schafft. Am 12. Dezember erscheint sein erstes Weihnachtsalbum, das gar nicht mal so typisch-weihnachtlich klingen wird, wenn man der Ankündigung glaubt. Es wird oehlig-melancholisch und andächtig sein. Verliebt und verträumt. Schwebend und luftig-leicht. Dunkle Magie wird die Platte heißen und mit Als Wir Uns Liebten ist seit heute die erste Single zu hören. Der Text ist nicht neu, er ist schon auf Amazon/Signout zu hören, doch er hat ein neues musikalisches Gewand bekommen und einen lächelnden Ariel Oehl, der im passenden Video dazu die Balance sucht. Was für ein Künstler!


Lankum
(Ms) Manch Track kommt auf ganz ungewöhnliche Weise zu einer Band. Dies ist die Geschichte von Ghost Town und der irischen Band Lankum. Die befreundete Künstlerin Oona Doherty kam auf das Trio zu und hatte den Wunsch, dass die Band ein Cover vom Original der Specials machen würde. Es passe zu ihrer aktuellen Tanzarbeit. Die Band reagierte erst verhalten, da solch eine Auftragsarbeit nicht deren sonstigem Schaffen entsprechen würde. Doch die Idee nahm Fahrt auf und wurde immer konkreter. Das Ergebnis ist eine immense Wucht! Acht Minuten geht der Song und es lohnt sich mal wieder, sich die Zeit dafür zu nehmen! Was als Dark Pop anfängt, entwickelt sich immer weiter und zieht Kreise und Kreise. Dafür sorgt ein extrem stimmungsreiches Video für den cineastischen Verve, den dieses Lied einfach verdient. Wow - das ist auf so vielen Ebenen Kunst! Und die ist wirklich entdeckenswert!  


Kraków Loves Adana
(Ms) Was bedeutet es, wenn man einander liebt? Neben allen romantischen, wunderbaren Seiten der Verbundenheit ist Liebe oft auch eine Menge Arbeit. Stets muss man einen Konsens finden. Ein Leben zu zweit oder mit noch mehreren zu organisieren, stellt immer wieder kleinere und größere Hindernisse in den Weg. Wie damit umgehen? Am besten so, wie Deniz Çiçek in ihrem Projekt Kraków Loves Adana singt. Help Me heißt ihr neuster Track, der wunderbar dunkel aber auch hoffnungsvoll daher kommt. Dazu ihre wunderbare Stimme, die schnell einen zauberhaften Sog entfacht und mit der sie singt, dass sich helfen der Schlüssel ist. Du hilfst mir, ich lade dich ein, ich führe dich. Und wenn wir zurück schauen, dann sehen wir, dass viele Sorgen unbegründet waren. Ist das nicht toll?! Ja - inhaltlich und musikalisch ganz großartig!

Freitag, 24. Oktober 2025

KW 43, 2025: Die luserlounge selektiert

Quelle: de.wikipedia.org
(Ms) Auch wenn andere das sicher viel besser und pointierter aufschreiben können, es muss Platz bekommen. Friedrich Merz muss gewusst haben, was er sagt bezüglicher der ganzen Stadtbild- und Töchter-Diskussion. Er muss es gewusst haben. Und hat es in Kauf genommen. Oder einfach nur recht unverhohlen seinen eigenen Rassismus zur Schau gestellt, denn etwas anderes ist es nunmal nicht. Und wieso diese blödsinnige Diskussion? Weil die CDU sich von der AfD gängeln lässt. Wieso übernimmt sie Migration als Thema? Es ist ein völlig irrelevanter gesellschaftlicher Punkt. Nur 4-5% der Bevölkerung sehen es in ihrem eigenen Leben als relevantes politisches Thema an. Vollkommen zu vernachlässigen. Aber alle springen auf den Zug auf, weil die AfD das Thema pusht. Diese Partei ist nur so erfolgreich, weil andere sie erfolgreich machen, nicht aus eigener Kraft. Wieso wird seit Jahren nicht über Bildung gesprochen? Nicht über bezahlbares Wohnen? Nicht über die Inflationsrate? Nicht mehr über den Klimawandel? Nicht über nachhaltige Energien? Nicht über die Finanzierung von Renten in einigen Jahren? Nicht über Tierhaltungsformen? Das sind so wichtige, große Themen. Damit lassen sich doch zahlreiche Menschen ins Boot holen. Damit lässt sich doch Politik machen, die die Menschen hier betrifft. Ahhhh, ich check es nicht! 

Portugal. The Man
(Ms) Es ist nun 16 Jahre her. Am 4. Oktober 2008 spielten Portugal. The Man im Rahmen der Visions Partys im Bielefelder Forum und seitdem sind mein Freund C. und ich fest davon überzeugt, dass wir sie für den gesamten europäischen Kontinent entdeckt haben. Wer dem nicht glaubt, ist selbst schuld. Censored Colors hieß ihre damals aktuelle Platte und klang anders als die Tracks, für die die Band später weltweit bekannt wurde insbesondere Feel It Still. Logo, ein geiler Track. Doch was die Band aus Alaska stets ausgemacht hat, war eine große Vielseitigkeit. In der Intensität, im Rhythmus, in der Energie. Die ersten Platten hatten vielleicht nicht so viel Groove, aber ungeheuer viel Druck. Am 7. November erscheint ihr neues Album SHISH und ich muss gestehen, die Band vorher ein wenig aus den Augen verloren zu haben. Doch die neuen Stücke wie Angoon oder Mush lassen Großes erhoffen für die neue Veröffentlichung! Schnell, wuchtig, mitunter wild. Geil. 


Clara Lucia
(Ms) Wiedererkennungswert. Wenn er schnell ist, liegt das ja in erster Linie an einer ganz charakteristischen Art des Musizierens. Mal ist es die Stimme, dann wieder ein bestimmter Rhythmus, der aufhorchen lässt. Oder das Spiel der Gitarre oder oder oder. Bei Clara Luzia ist es die Art, wie sie die Gesangsmelodien arrangiert. Sie mäandern auf ganz wundersame Art und Weise. Hoch und runter, aber in einem klar umrissenen Rahmen, sodass es beinahe schon hypnotisch ist. Das lässt sich staunend beobachten auf ihrer aktuellen Single Matter Of The Heart, die seit drei Wochen draußen ist und einen ganz schnell in den Bann reißt. Wow, dieser Track ist ganz dicht, sehr kompakt und voller Schönheit! Ihr neues Album Horelia erscheint am 21. November!


Anda Morts
(Ms) Fast Ende Oktober und immer noch gibt es frische Alben aus diesem September, die bislang keinen Platz hier hatten. Der September war einfach viel zu voll mit neuer, guter Musik! Anda Morts gehört dazu, der letzten Monat seinen Erstling ANS veröffentlicht hat. Ist das LoFi-Punk oder Homemade-Indie? Ach, egal, oder? Es ist ganz herausragend, was der Österreicher macht. Zudem super aufrichtig! Und das ist sogar hörbar, wie geil kann es eigentlich sein?! Auf den 12 neuen Tracks, die eine angenehme Spieldauer von einer guten halben Stunde haben, singt er von eigenen Perspektiven auf das Leben. Politik, Liebe, Geschichten aus dem Hier und Jetzt. Super charmant ist dabei natürlich seine markante Stimme und er macht mit seiner Band Platz für die Orgel im Indie-Rock. Hallo, alter Freund, du hast viel Energie dabei und viel Tanzbarkeit!

24.10. Wien, Arena
26.10. München, Strom (ausverkauft)
27.10. Heidelberg, HalleO2
28.10. Köln, Gebäude 9
29.10. Koblenz, Circus Maximus
31.10. Kassel, Schlachthof
01.11. Bremen, Lagerhaus
02.11. Dortmund, Junkyard
03.11. Hannover, Bei Chez Heinz
05.11. Bielefeld, Nummer zu Platz
06.11. Hamburg, Knust
07.11. Rostock, Peter Weis Haus
12.11. Berlin, SO36 (ausverkauft)
13.11. Jena, Kassablanca
14.11. Mainz, Schon Schön
15.11. Konstanz, Kulturladen


Black Sea Dahu
(Ms) Je öfter sich ein Sprichwort wiederholt, desto leerer wird es. Carpe Diem ist doch nichts anderes mehr als ein platter Werbespruch, oder? Doch ist das Nutzen des Augenblicks nicht eine wunderbare Sicht auf die Dinge? Was liegt alles darin? Manch Trauriges, manch Schönes und was bleibt eigentlich davon mal übrig? Die Frage stellten sich auch Black Sea Dahu, als sie auf der letzten Tour eine verletzte Taube fanden, die später starb und der sie ein Grab geschaufelt haben. Sie gaben ihr den Namen Ruth und so heißt auch die neuste Single aus ihrem kommenden Album Everything (Februar 2026). Ein Lied, das über das Lebenswerte in unserem Dasein nachdenkt. Und das mit unglaublich viel Charme, feinsten Arrangements (hört mal auf die Klarinette im Hintergrund!) und doch ganz viel Entspannung. Wow - wie schön Musik doch einfach sein kann! Kurioserweise kannte ich die Klänge dieser Band vorher gar nicht so intensiv - so sind sie das Schönste, was ich zuletzt entdeckt habe!


Fjørt
(Ms) Meine Güte, haben da beim letzten Mal die Wände gewackelt, als Fjørt im Bremer Schlachthof gespielt haben. Ich war leider etwas knapp in der Zeit und musste oben in der Ecke in der zweiten Reihe Platz nehmen - diesen Fehler werde ich nicht nochmal machen! Ein Glück, dass im nächsten Frühling eine gute Gelegenheit kommt. Denn das Aachener Trio geht auf Tour! Sie wird unter dem ominösen Titel „Bé Fjørt“ stattfinden und man sollte sich fix ein Ticket besorgen.
Nein, ich habe keine geheimen Insiderinformationen, aber der Mechanismus im Geschäft sollte doch recht offensichtlich sein, oder? Da kommt doch noch ein Album und vor Weihnachten bestimmt noch mindestens eine Single. Oder? Oder? Oder? Ich hoffe sehr!

11.03.26 München, Technikum
12.03.26 Jena, Kassablanca
13.03.26 Wien, WuK
14.03.26 Leipzig, Werk 2
18.03.26 Berlin, Festsaal Kreuzberg
19.03.26 Wiesbaden, Schlachthof
20.03.26 Dortmund, FZW
21.03.26 Hamburg, Gruenspan
25.03.26 Bremen, Schlachthof
26.03.26 Hannover, Capitol
27.03.26 Stuttgart, Im Wizemann
28.03.26 Köln, E-Werk


Urlaub in Polen
(Ms) Kopfhörer auf, ein bisschen lauter drehen und sich kurzum in einer anderen Welt wiederfinden. Einer Welt, in der Mechanisches und Körperliches zusammengefügt werden. Wo analog und digital sich ergänzen und nicht ausschließen. Eine Welt des erhöhten Tempos. Eine Welt voller Groove und des Eintauchens. Herzlich willkommen bei Urlaub In Polen und ihrer neuen Single. Abacus heißt der Track und er kündigt ihr neues Album Objects, Beings And Parrots an, das am 23. Januar bei Tapete erscheinen wird. Wo man am Anfang noch denken könnte: Geil, Krautrock in modernem Gewandt, da wird klar, dass im Laufe des Stücks immer eine neue Ebene dazu kommt. Dann knallen die Gitarren ein wenig mehr, da wird die Drum Machine vom Schlagzeug abgelöst und Gesang tritt ein. Das hat nicht nur wahnsinnig viel Sogkraft, sondern macht auch ungeheuer viel Spaß. Da lauert zu Beginn des neuen Jahres direkt ein Highlight!

Freitag, 10. Oktober 2025

KW 41, 2025: Die luserlounge selektiert

Quelle: de.wikipedia.org
(Ms) Zwei Situationen aus dem heutigen Verkehrsalltag, die mich immer noch an das Gute im Menschen glauben lassen. Auf dem Weg zur Arbeit, es war dunkel, leuchtete mir meine Anstecklampe den Weg. Sie war neu, sie leuchtet gut. Wie gut sie leuchtete, wurde mir erst bewusst, als mir ein anderer Radfahrer entgegenkam, der mich deutlich, aber doch recht freundlich darauf hinwies, dass ich sie ein bisschen runter stellen sollte. Ich habe ihn komplett geblendet! Aber es war ein guter Hinweis, wusste ich ja vorher nicht.
Auf dem Weg zurück, etwas Ähnliches. Ich versuche möglichst umsichtig zu fahren, auf die Autos hinter mir zu achten. Als ich auf eine Linksabbiegerspur musste, versuchte ich mich ausreichend vorher sicher zu sein, dass hinter mir alles okay ist. Zack - da fuhr wer, aber entspannt, ohne zum Überholen anzusetzen. Ich also Handzeichen, Spur gewechselt, ständig nach hinten geschaut - und was tut der Fahrer?! Zeigt mir einen Daumen hoch für mein kleines Fahrmanöver. Fand ich gut. Solange es so läuft, ist doch wirklich noch alles zu retten, oder?

Kind Kaputt
(Ms) So viel Musik, so viel Gutes, aber auch echt viel Schrott. Wann und wie und wo das Gute finden? Durch Überzeugung, Kraft und Aufrichtigkeit leuchtet das Gute doch von ganz allein, oder? Insbesondere im Bereich der Rockmusik hat doch das am meisten Strahlkraft, was am dringlichsten klingt. Und das können Kind Kaputt so richtig gut! Zudem bleibt der Name auch schnell hängen. Heute und morgen sind sie noch zusammen mit Sperling auf teils ausverkauften Tour, bei der sie sicher neues Material vorstellen. So Weit heißt ihre frische Single, die das Album Ins Blau (VÖ: 23. Januar) ankündigt. Das neue Stück spendet Trost in scheinbar ausweglosen Zeiten, wenn die Bemühungen noch so groß sind und scheinbar nichts davon wirkt, sagt die Band: „Du musst nichts mehr beweisen.“ Das tut gut. Dazu rollt der Bass angenehm langsam ohne zu schleppen und die Gitarren knallen zur richtigen Zeit. Richtig stark!


Stefanie Schrank
(Ms) Wenn der erste Ton erklingt und der Puls sich automatisch senkt, passiert etwas. Dann ist die Wirkmacht von Kunst, von Musik ganz stark greifbar. Dann dudelt nicht nur etwas im Vorder- oder Hintergrund, sondern da ändert sich etwas. Langsamer, aber höchst intensiver Bass. Große, bis in den Horizont reichende Synthie-Flächen. Hier schwingt ganz viel Elektro-Geist der 70er Jahre, aber mit wesentlich mehr Druck! Hier sitzt Stefanie Schrank an den Reglern und steuert an der Wirklichkeit herum. Im September veröffentlichte sie ihr neues Album Forma, das bei Staatsakt erschien. Es erinnert mich an eine dynamischere Version von Conny Frischauf. Klare Texte, die einen auch leicht verdutzt zurücklassen, sich aber ins Unterbewusstsein brennen. Die Langsamkeit dieser Musik ist höchst ansteckend und extrem reizvoll! Es sind Stücke zum Eintauchen und am liebsten nie wieder aufsteigen wollen. Wie - was für großartige Kunst!


Mädness & Döll
(Ms) Für mich ist der Beat im Rap einer der wichtigsten Dinge, damit ein Track ins Ohr geht. Mancher noch so starker Text kickt mich nicht so sehr, wenn der Beat keine Wucht entwickelt. Und das muss nicht mal ein immenser Bass oder so sein. Es muss rund sein. Bei Mädness geht beides unvergleichbar stark Hand in Hand. Zudem mag ich es, wie er seine Themen setzt. Und dann noch seine Stimme… Und sein Bruder! Und jetzt geht das weiter, was viele sich gewünscht haben. Zusammen mit Döll und ALYZAH geht mit IUMB Forever die Ich Und Mein Bruder-Saga weiter. Entspanntes Klavier im Hintergrund und vorne starke Zeilen! Kommt da ein Album? Kommt da noch mehr? Davon ist doch stark auszugehen, oder? Und: So soll Rap klingen! 


Woods Of Birnam
(Ms) Setzen, anschnallen, Augen auf: Woods Of Birnam sind wieder da mit neuem Material! Das ist eine ganz außerordentliche Band, die sicher ein wenig unter dem Radar läuft. Vor ein paar Jahren sah ich sie in Oldenburg und komischerweise waren gerade mal 20 Leute da. Was lief da falsch?! Keine Ahnung. Dennoch hat die Dresdner Gruppe einen irren Auftritt hingelegt. Ihrem Schaffen liegt ein ganz eigenes Verständnis von Kunst zugrunde. Das macht sich durch Text, Musik und Bild bemerkbar. Regelmäßig ziehen sie ihre Inspirationskreise weit über das gewöhnliche Maß hinaus. Und das ist beim kommenden Album auch so. Wenn Solaris am 12. Dezember erscheint, wird ein Album zu hören sein, das sich das gleichnamige Buch von Stanislaw Lem als Grundlade genommen hat. Das ist ja schon geil genug. Doch sie setzen noch eines oben drauf: Den Text zur ersten Single Polytheria hat Robert Gwisdek (Käptn Peng) geschrieben und ununterbrochen kreisen die Ziffern von Pi durch die Takte. So viele Ebenen. Und es bricht nicht auseinander, sondern bleibt total klar. Was für große Kunst! 

02.01.26 Dresden - Beatpol
03.01.26 Berlin - Mikropol
04.01.26 Hamburg - Bahnhof Pauli
08.01.26 München - Saal X
09.01.26 Frankfurt - Bockenheimer Depot 
10.01.26 Düsseldorf - zakk
11.01.26 Leipzig - Werk 2


Béessau
(Ms) Hast du sieben Minuten Zeit? Das ist ja wirklich nicht viel. Das sind immerhin sieben Minuten, in denen du nicht auf dem Telefon ins Leere starrst. Setz sich gemütlich hin, aufs Sofa oder einen schönen Sessel, vielleicht ein Kissen im Rücken? Halt dich aber bereit, dass du eventuell im Laufe der kommenden Minuten auch aufstehen und dich bewegen wirst. Ja, du wirst es in den ersten Takten noch nicht ahnen und wenn du mehr so Alternative, Indie, Punk bist… komm, lass dich drauf ein. Lass dich auf den schnellen Beat und die entspannte Trompete ein. Lass dich drauf ein, dass Pas Encore vom französischen Multiinstrumentalisten Béesau dich in eine andere Welt mitnehmen wird. Erst in eine Verträumte, Weiche, Bunte. Die verändert dann stetig ihren Zustand. Es wird größer, ein Club eröffnet sich, der Beat wird elektronischer, ein Sog entwickelt seine Kraft! Wow, was für ein Track, was für eine Reise - das ist ganz großartig! Am 7. November erscheint sein neues Album Une Fleur Et Des Papillons und könnte phantastisch werden!


Sprints
(Ms) Die Mach der Gitarre wird nie schwinden. Die Wucht, die von ihr ausgehen kann, wird immer wirken. Insbesondere wenn eine Band weiß, wie damit eine Stimmung, eine Atmosphäre aufzubauen ist. Dann reicht dieses Instrument mit Bass, Schlagzeug und inbrünstigem Gesang und alles steht auf einmal still. Zum Beispiel wenn Better der Band Sprints läuft. Am besten ganz laut, ganz doll. Denn dann scheppert es enorm und dieses Scheppern ist kraftvoll und wohltuend. Es kann leere Akkus auftanken und zu neuen Kräften verleiten. Das ist wirklich ganz großartig und sollte einfach nur für sich stehen!