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Sonntag, 8. März 2026

Live in Köln: Psychlona

Foto: luserlounge 
(Ms) Über einen Abend, der so gar nicht geplant war und mit der Erkenntnis, dass harter Stonerrock recht entspannend sein kann.

Dieser Konzertbesuch war gar nicht angedacht. Es war die beste Alternative. Denn eigentlich wollten wir in Köln Portugal. The Man sehen. Lange haben sie nicht hierzulande gespielt, zudem mag ich die Band schon seit über fünfzehn Jahren und sah sie diverse Male live. Als letztes Jahr einige Deutschlandtermine angekündigt worden sind, war schnell klar: Hin da, ab nach Köln, das wird ja eh immer gut. Dann wurde die gesamte Tour vor gut gut einem Monat komplett in den Herbst geschoben. Schade, aber besser als alles abzusagen. Dennoch war alles vor Ort gebucht, Zug, Unterkunft, Bingo. Nach der Enttäuschung darüber, kam natürlich schnell die Suche nach dem, was dennoch am Rhein geht. Und an einem Tag in Köln kann man locker zehn verschiedene Konzerte sehen - Wahnsinn!

Hier und da habe ich reingehört und die Entscheidung war schnell getroffen: Mit Stonerrock ist verhältnismäßig wenig falsch zu machen. Die britische Band Psychlona machte Halt in den Garagen in Ehrenfeld und beim Vorabhören wippte der Kopf schnell mit. Also: Tickets geholt und hin da. Ehrenfeld ist ja eh ein Schmelztigel der Kultur. Irre, was da überall los ist. Ein Eldorado für Nachtschwärmer. Der Garagen Club ist genau das, was er sagt: Eine alte Garage mit einem großen Platz davor, wo es sich schön lümmeln lässt. Der Innenraum ist sehr übersichtlich, aber mit allem Nötigen gestaltet: Bühne, Bar, fertig. Also noch ein Getränk geholt, den Außenbereich genossen und pünktlich um 19.30 Uhr bretterte von drinnen ein gewaltiger Sound los. Die Dortmunder Band, die tatsächlich den glamourösen Namen Kardeathian trägt, eröffnete den Abend mit massigem, gesanglosem Stonerrock, der weit in den Metalbereich reindriftete. Schwere Gitarren, langsame Bewegungen, aber viel Freude dabei. Der Lärm schließt nicht aus, dass es Spaß macht - das sah man insbesondere der Band selbst an.
Eine Stunde später trat dann die vierköpfige Band Psychlona auf und ging musikalisch in eine ähnliche Richtung, aber in meinen Ohren etwas runder, etwas abwechslungsreicher und vor allem mit Gesang. Das ist bei einem Genre, das schon auch monoton ist und auch sein will (so weit lehre ich mich mal aus dem Fenster), kein unwesentliches Element. Dann ist während ihres Auftritts - das sage ich hier als Nichtkenner der Gruppe und auch im Genre bin ich wenig sattelfest - wenig passiert. Es war laut und doll und aber auch vor allem gut. Das ist ja sehr verrückt: Die circa 100 Anwesenden wippen im Takt der Musik mit, einige gestikulieren mit der Gitarre und immer wieder war eine anerkennende Geste zu sehen - die ausgestreckte Bierflasche oder Faust als Gruß an die Band. Beides bedeutet: Yeah, das gefällt sehr! Und diese Musik beruhigt irgendwie. Wahrscheinlich durch die Eintönigkeit, aber auch durch die angenehme Schwere. Man sieht es den Menschen vor Ort an: Denen geht es wirklich sehr gut an diesem Abend!

So bastelte sich von allein ein guter musikalischer Abend zusammen. Wahrscheinlich werde ich beide Bands nicht allzu oft privat hören, weil es vor allem nicht mein bevorzugtes Genre ist. Dennoch fand ich es sehr lohnenswert, Neues kennenzulernen: zwei Bands und ein Club, in dem ich noch nie war. Ergibt zusammen einen sehr kurzweiligen Abend. Psychlona sind noch für einige Konzerte hierzulande unterwegs!

Und im November dann an dieser Stelle: Die Review zu Portugal. The Man!


Samstag, 21. Februar 2026

Live in Bremen: Sophia Kennedy

Foto: luserlounge
(Ms) Ausstrahlung, Aura, Charisma. Es meint in etwa das gleiche und alles trifft auf Sophia Kennedy zu, wenn sie live spielt. So geschehen am Donnerstagabend im Bremer Magazinkeller. Dieser ist Teil des Schlachthof-Komplexes und ja eh einer der tollsten Spielorte in der Hansestadt. Knapp 200 Leute passen hinein und es war muckelig gefüllt. Auch gut, dass dort an der Bar Flaschen ausgegeben werden, finde ich sympathisch.

Noch sympathischer war allerdings der Ablauf des Abends. Kein Support, Start um 20.30 Uhr und Ende 80 Minuten später. So ist es doch für alle am entspanntesten, oder?! Ich bin großer Fan von so verhältnismäßig kurzen Konzertabenden. Denn es heißt ja mitnichten, dass die Qualität darunter leider. Im Gegenteil.

Präsent war die Sängerin ab dem Moment, in dem sie die Bühne betreten hat. Weinrote Adidas-Shorts, weiße Blouse, Krawatte, silberne Stöckelschuh. Knallhartes Outfit, enorme Stimme. Und das ist sicher das Element, das durch die meiste Prägnanz wirkte. Denn Sophia Kennedy kann ihre Stimme extrem vielseitig einsetzen. Mal näselnd, mal wie Frank Sinatra, mal an Amanda Palmer erinnernd, dann wiederum ganz klar. Immens. Tanzbar war der Abend, weil viele rhythmische Tüfteleien durch die Körper der Anwesenden strömten. Dafür waren selbstredend auch Mense Reets am Terrorbass (geiler Sticker auf der Box) und allerhand elektronischem Gerät und Manuel Chittka am Schlagzeug verantwortlich, der mit einer sagenhaften Leichtigkeit die Musik nach vorn geprescht hat.
Besonders charmant wird Sophia Kennedy dann, wenn sie vorne am Bühnenrand herumgeistert, die Menschen in den Arm nimmt und mit einem durchbohrenden Blick Augenkontakt sucht. Dann knallen ihre Hits wie Orange Tic Tac, Rodeo, Very Far Away, Seventeen, Imaginay Friend und natürlich das krasse Hot Match! Schade, dass sie ihre beiden neuen deutschsprachigen Lieder nicht gesungen hat. Aber - Schwamm drüber! Auch so war das ein großartiges Konzert flankiert von viel musikalischem Know-How, einem starken, atmosphärischen Auftritt und einer unsagbar guten Band. Schaut euch das an, wenn die Möglichkeit besteht!

08.04.26 Aachen – Musikbunker
09.04.26 Heidelberg – Karlstorbahnhof
10.04.26 Basel – Kaserne
12.04.26 Bern – bee-flat
23.04.26 Jena – Trafo
25.04.26 Essen – Zeche Carl


Sonntag, 8. Februar 2026

Live in Hamburg: Naked Lunch

Foto: luserlounge 
(Ms) Über einen aus mindestens drei sehr guten Gründen bemerkenswerten Abend. Er startet an dem Ort des Geschehens. Ich freue mich immer sehr, wenn Konzerte an Orten stattfinden, die ich noch nicht besucht habe. Wo geht es rein? Wo ist die Bar? Wie ist alles dekoriert? Welches Bier wird ausgeschenkt? Wie ist die Akustik? Kann man von überall gut sehen? Solche Dinge halt. Wenn dann ein Konzert auf einem Schiff stattfindet, ist das nochmal eine ganz neue Ebene. Die MS Stubnitz liegt am allerletzten Zipfel der Hamburger Hafen City, einem sterilen, toten Ort. Das Schiff ist diente in der DDR zur Kühlung beim Fischfang und ist seit gut dreißig Jahren Kulturveranstaltungsort. Wie viel dieser Ort schon gesehen und erlebt hat. Das Innere ist heimelig illuminiert. Ja, das Licht spielt eine wesentliche Rolle, die einen Liveauftritt nochmal pushen kann. So geschehen gestern Abend als Naked Lunch und Die Anteile spielten.

Ein Tapete-Abend sozusagen. Das Berliner Duo Die Anteile heizte pünktlich um 20.30 Uhr ein. Nur waren leider recht wenig Leute zugegen, die zuhörten. Sehr schade, denn die mit E-Gitarre gespickte Elektromusik hatte viel Drive und der Bass kitzelte immer wieder das Innere des Schiffes. Leider war der Gesang nicht so klar eingestellt. Er wäre das i-Tüpfelchen eines starken Auftritts einer Band, die sicher noch oft zu sehen sein wird. So ein Schiff ist mit seinem industriellen Charme genau der richtige Ort für elektronische Klänge. Der hintere Raum der Bühne wurde währenddessen immer wieder toll beleuchtet. Entweder leuchteten die Scheinwerfer so nach vorn, dass nichts zu sehen oder allerhand Rohre und maritimes Gerät zu entdecken waren. Ich gebe zu - ich steh drauf!

Was danach passierte, kam aus einer anderen Welt. Naked Lunch läuft seit gut zwanzig Jahre bei mir. Durch die sehr bewegte Bandgeschichte hatte ich nie die Möglichkeit, sie live zu sehen. Insbesondere in den letzten zwölf stillen Jahren. Dass diese Band überhaupt noch spielt, davon ist ihr Frontmann Oliver Welter wohl am meisten überrascht. Was hat er nicht alles durchgemacht. Ja, das Musikleben hat ihn gezeichnet, es ist ihm anzusehen. Doch auch die ganze Leidenschaft, die Schönheit der Musik von Naked Lunch, die Größe, die Zerbrechlichkeit, das Warme und Krasse. Es spiegelt sich alles in seinem Gesicht. Zudem gesellt er eine überragende Band um sich herum, die den Abend so stark inszeniert haben, dass er noch lange nachhallen wird.

Mit God anzufangen, ist frech, frech, frech. Und heftig. Dieses übermächtige Stück, das so viele Pole innehält. Lange habe ich drauf hingefiebert, dieses Lied mal live zu sehen. Ja, die Monitorbox funktionierte zu Beginn noch nicht. Aber egal. Mit Inbrunst und Kraft haben Oliver Welter und seine MitmusikerInnen dieses Monster dargeboten. Aufgeregt war er. Ja. Ihm zitterte der Kiefer bei den ersten Ansagen. Das legte sich im Laufe des Abends. Ich habe drüber nachgedacht, ob seine Ansagen eine gewisse Theatralik mit sich bringen inklusive österreichischer Dramatik. Aber nein. Dieser Musiker ist voller Dankbarkeit, das machen zu dürfen. Er erlebt so einen Abend als wahnsinniges Geschenk, als Privileg. Und so gab es wirklich ein besonders starkes Best Of dieser außergewöhnlichen Band zu hören, zu erleben. Denn die ganz leisen, zarten Stücke wie Town Full Of Dogs standen neben den wahnsinnigen Brechern wie If This Is The Last Song You Can Hear. Ein Noise-Erlebnis mit irre gewordenem Saxophon ist das geworden. Ja, die Band hat einige Stücke so modifiziert, dass sie noch mehr Kraft entwickeln. Dazu die ganzen großen Lieder wie King GeorgeThe Sun oder Military Of The Heart. Oh man, wie oft kann sich der Puls eigentlich noch erhöhen?! Es ist lange her, dass ich so viel gestaunt habe bei einem Konzert. Die Energie an der Gitarre, die Passion gegenüber der Musik und der große Dank am Leben zu sein. Darunter ging es an einem Naked Lunch-Abend nicht. Und das ist auch gut so.

Leider musste ich aus Bahngründen etwas früher los. Aber dieser Abend wird noch lange nachhallen. Zum Einen wegen der wunderschönen, höchst außergewöhnlichen Location, zum anderen wegen einer musikalischen Darbietung, die die ganze Palette menschlicher Emotionen höchst aufrichtig in sich trägt. Möge Naked Lunch noch ewig Musik machen. Und mögen bitte mehr Leute zu ihren Konzerten kommen!


Montag, 10. November 2025

Live in Hamburg: The Notwist

Foto: luserlounge
(Ms) Back to the roots. Manchmal ist es sehr sinnig, sich auf das Wesentliche zu besinnen. Oder auf die eigenen Anfänge. Beides steckt in diesem kleinen Sprichwort. Das denken sich auch die Mitglieder von The Notwist, die immer mal wieder die ganz alten Stücke spielen und dann als Pocketband auf Tour sind. So dieser Tage und dann direkt in den jeweiligen Städten zwei Abende hintereinander in kleineren Läden.
Am Samstag und Sonntag spielten sie im Hamburger Knust und das war mal wieder eine Reise an die Elbe wert.

Wir waren am Samstag früh vor Ort und konnten der feinen Musikauswahl von Markus Acher lauschen, die er im Barbereich auflegte. Dazu lief irgendein Oliver Hardy und Stan Laurel-Film und draußen war tiefster Herbst. Perfekt!
Ab 20 Uhr wurde es auf der Bühne richtig spannend, denn Sinem spielten zur Einstimmung ein kleines Set. Und seitdem denke ich darüber nach, warum ich nicht mehr Indie/Rock-Musik mit türkischer Sprache höre. Es gibt sicher wesentlich mehr als diese Band, die atmosphärisch diese Sprache einsetzen. Ungefähr eine halbe Stunde hat das Trio gespielt und mich ab dem ersten Takt direkt angesprochen! Insbesondere die für mich ungewohnten Harmonien im Gesang ließen mich neugierig lauschen. Zudem war das Schlagzeugspiel absolut mitreißend! Das hat richtig Spaß gemacht und mal andere Töne auf die Bühne gezaubert als alles andere, was sonst so im Pop/Rock-Bereich zu hören ist.

Kurze Umbaupause. Als The Notwist Pocketband spielen Markus und Micha Acher zusammen mit Andi Haberl und für ein paar Stücke mit Christoph Beck. Es ging direkt roh und wuchtig mit den alten Stücken los, als die ganze Soundtüftelei noch keine so große Rolle für die Band spielte. Tatsächlich kenne ich nicht ein Stück aus dieser Phase. Genau das hat den Reiz für den Abend ausgemacht. Denn auch in den durchvolleren, E-Gitarren-lastigeren Stücken lauern viele mitreißende Elemente. Nicht die sphärisch-träumerischen, aber durchaus eine Menge, die auch den Körper durchdringt. Doch auch verhältnismäßig neuere Songs wie Kong fanden in die Tracklist des Abends.
Gerade mal 80 Minuten dauerte der Gig der Weilheimer Musiker. Es war für dieses Set, für diese Zusammenstellung an Liedern genau der richtige Rahmen. Der kleinere Laden - im Frühjahr spielen sie in der Großen Freiheit 36 -, die tolle Vorband und die genau richtige Dauer.
Back to the roots - es hat sich gelohnt!
 

Montag, 3. November 2025

Live in Bremen: Grandbrothers

Foto: luserlounge
(Ms) Sonntagabend, der Herbst hat volle Fahrt aufgenommen und am Bremer Bahnhof ist es rappelvoll. Der letzte Tag des Freimarkts ließ nochmal einige Leute aus ihren Häusern kommen. Und auch der Weg zum Schlachthof führte direkt an Buden und Fahrgeschäften entlang. Dort war es aber erstaunlich ruhig. Seltsam, dass es so luftig in der Kesselhalle gewesen ist. Immerhin kamen die Grandbrothers mit ihrem aktuellen Album Elsewhere vorbei, um die Menschen in den Klavierbann zu ziehen. War es das große Überangebot am Wochenende in Bremen? H-Blockx, Freimarkt, Nina Chuba, Anda Morts, Mental Tracks? Brauchten die musikaffinen Menschen eine Pause? Lag es am Sonntag? Oder ist die Musik von den beiden Klangtüftlern dann doch ein wenig zu speziell? Viele Fragen, wenig Antworten.

So stand niemand vor der Bühne, alle saßen, als Keshavara den Abend eröffneten. Allein das ist schon krass, das habe ich im Schlachthof noch nie gesehen. Dabei ließen sich viele Leute einfach einen großartigen Abend entgehen. Der Einstieg war extrem stark! Keshavara eröffnen viele der aktuellen Konzerte der Grandbrothers als Duo und wissen sehr schnell zu überzeugen. Sie erinnern an Oum Shatt, nur mit indischen statt orientalischen Klängen. Etwas psychedelisch, sehr unterhaltsam und einfach auch extrem sympathisch! Wenn sie in Bandbesetzung im April wieder in den Magazinkeller kommen, sind sicher einige Menschen, die am Sonntag da war, auch vor Ort!

Kurze Umbaupause, die schon einiges entdecken ließ. Die Bühne, wenn Lukas Vogel und Erol Sarp spielen, ist ein Hingucker. Auf der linken Seite der Flügel mit offenem Korpus aus dem allerhand Kabel und Gerätschaften herausschauen. Die Kabel suchen sich den Weg zum Tisch von Lukas Vogel, wo sie in verschiedensten elektronischen Soundboxen landen. Zusammen werden sie einen Klang erzeugen, der viel Sog entfachen wird, aber auch viel Schönheit. Dahinter zwei große Lichtleinwände, die die optische Ebene beschwören. Klar, das ist alles wahnsinnig ausgetüftelt, die Musik der Grandbrothers lässt sicher auch wenig Spiel für Improvisation, aber das Konzept geht voll auf.
Es ist 21 Uhr als die beiden Musiker die Bühne betreten, ein paar mehr Menschen wagen sich direkt in den Raum davor, um mittanzen zu können. Denn das kann sehr schnell passieren. Die eineinhalb Stunden danach waren ein reiner Rausch. Wie ein Live-DJ-Set. Die Lieder gingen ineinander über. Die Melodien und Rhythmen schwebten nur so durch den Raum. Und wenn man sich dort umschaut, sind viele glückliche, versunkene Gesichter zu sehen. Kaum jemand, der sich nicht anstecken lässt von der Energie, die die beiden auf der Bühne erzeugen. Das ist Wahnsinn, sehr intensiv, aber auch nicht zu doll. Viel Schönheit, viele große Melodien und dann immer wieder starker Bass, viel Takt, viele Möglichkeiten, um sich weg zu träumen. In ihren wenigen Ansagen zeigten sie sich nicht nur als passionierte Kirmesbesucher, sondern auch als äußerst dankbare Künstler. Das zollte das aufmerksame Publikum durch viel leises Zuhören, wenig quatschen und viel warmem Applaus zurück. 

Wer kann, sollte dieses Duo auf ihrer aktuellen Tour auf jeden Fall besuchen und unterstützen. Das ist außerordentlich stark, was die beiden aus dem Flügel rausholen und ihren ZuschauerInnen schenken!


 

Sonntag, 26. Oktober 2025

Live in Hamburg: Rookie Fest

Foto: luserlounge
(Ms) Tief Joshua zog am Wochenende kräftig über den Norden und machte auch vor Hamburg keinen Halt. Fast jeder Zug hatte Verspätung und auch der Fischmarkt war überflutet. Eigentlich ein ganz normaler Herbsttag an der Elbe.
Normal war das, was am Freitagabend im Knust stattfand, aber auf keinen Fall. Es war schlichtweg überragend! Denn Jürgen und Anne ließen das 29. Rookie Fest über die Bühne gehen. Den eigenen Labelgeburtstag in solch einem Rahmen stattfinden zu lassen - was für ein Geschenk! Und es kamen einige Leute zum gratulieren, doch komischerweise war es nicht ausverkauft. Was ging da denn schief?! Im Sinne von: Warum haben sich Leute das entgehen lassen? Tja, selbst Schuld!

Surreal Fatal haben den Abend eröffnet, eine Band, die mir noch neu war. Ob es am Sound oder an meiner Position im Raum lag: vom Gesang habe ich leider recht wenig verstanden. Die Musik war aber so dicht und energiegeladen, dass es dennoch Spaß gemacht hat! Ob Spaß jetzt das richtige Wort für SAFIs Auftritt ist, mag ich ein wenig bezweifeln. Klar, was sie mit ihren beiden Mitmusikern auf der Bühne veranstaltet hat, war einfach nur genial und sie hatten sicher auch Freude. Aber es war eher Wucht! Es war eher Lautstärke! Es war eher Brechen mit Erwartungen. Was macht diese Band für Musik? Rookie Records betitelt sie selbst mit Avantgarde und das passt in meiner Wahrnehmung auch sehr gut. Musik, die sich keinen Regeln unterwirft, die von ihrer Präsenz lebt, ihrer ungefesselten Energie. Das war vielleicht nicht etwas für alle, aber die, die da waren, konnten sich von großer Kunst mitreißen lassen - wow!

Dann wurde es in der vorderen Hälfte zunehmend dichter, denn niemand geringeres als Love A hatten die Ehre, diesem Fest die Krönung zu verpassen. Eine Band, die nicht so viel live unterwegs ist. Aber wenn, dann knallt es halt richtig! Das lag zum einen am wesentlich verbesserten Sound und dem wahnsinnig präzisen Spiel an allen Instrumenten! Insbesondere Stefan Weyer an der Gitarre muss großer Respekt gezollt werden! Wie er den gesamten Klang der Band formt, ist einfach nur große Klasse! Logisch, ohne so eine Naturgewalt wie Jörkk Mechenbier wäre die Band auch nicht, was sie ist. Was hat er nur für eine Ausstrahlung?! Sobald er das Mikro in die Hand nimmt und ihre großartigen Lieder singt, ist der ganze Raum dabei, gibt es nur noch das Hier und Jetzt! Und das mit einem phantastischen Best Of der eigenen Diskographie. Dass er nach Achterbahn keine Halsschmerzen hat, kann mir aber auch keiner glaubhaft erzählen - immens! Love A - eine gewaltige Erscheinung!

So war gegen Mitternacht, als es draußen sternenklar war und der Wind etwas abgeebbt ist, ein großartiger Abend zu Ende und Jan von Jan & Jan übernahm für den Tanzpart des Abends. Immer weiter so, Jürgen und Anne - die Musikwelt braucht Eure Arbeit ganz dringend. Bis spätestens nächstes Jahr!



Mittwoch, 22. Oktober 2025

Live in Oldenburg: Team Scheisse

Foto: Luserlounge 
(Ms) Dienstagabend in Oldenburg. Es ist dunkel und beschaulich. So wie an den meisten anderen Herbstabenden im Nordwesten auch. Nur an der Bahnhofstraße tummelten sich nicht wenige Leute. Denn dort, in der Kulturetage, bat niemand geringeres als Team Scheisse zum Tanz!
Mit ihrer aktuellen Platte 20 Jahre Drehorgel sind sie diesen Herbst unterwegs und heizen überall ordentlich ein. Ich bin ganz ehrlich: Ich dachte, dass das Phänomen Team Scheisse schon ein wenig durch sei. Korrekte Ansagen, witzige Texte, gute Menschen - alles wirklich wunderbar. Aber so wenig Innovation. Dachte ich. Bis ich gestern eines besseren belehrt wurde.

Gut 1000 Leute passen in die Kulturetage, es war nicht ausverkauft, aber zumindest unten recht voll ohne dass einem wer auf den Schuhen gestanden hätte. Um halb neun ging es dann mit dem Support los und darauf habe ich mich tierisch gefreut, da ich die neue Platte von Pogendroblem, Great Resignation, wirklich ganz stark abfeiere. Über eine halbe Stunde spielte das Kölner Quartett und zeigte recht klar, was sie zu bieten haben: Eine Menge! Nicht nur sehr kurze, wuchtige Songs. Sondern drei der vier MusikerInnen singen auch. Das ist geil, sorgt für sehr viel Abwechslung und verschiedene Wesenszüge der Musik. Und auch wenn die Monitorboxen auf der Bühne nicht so richtig mitgemacht haben, beim Publikum ist der Funke definitiv angekommen. Nicht wenige werden sicher den Weg ins Bremer Lageraus am 31. Januar antreten, wenn sie auf eigener Tour sind - große Empfehlung!

Kurze Umbaupause, weiterhin sehr entspannte, gute Stimmung im Publikum bis es um halb zehn dunkel wurde, der Hauptact des Abends auftrat und direkt mit Schmetterling losbretterte! Und da verflogen schon alle meine Zweifel: Hier wird es abgehen und das wird richtig Spaß machen - das war mir klar. Und das trat dann auch ein. Weil ihre Songs ja auch oft nicht so lang sind, können sie in normaler Konzertlänge halt auch richtig was abfeuern. Ob das jetzt FA, Lok, Altbauwohnung, Erfurt, EDK, Disko, Cobratattoo, Pluto oder Mittelfinger sind… die Energie war sehr hoch. Nicht nur im Publikum, wo es viele fröhliche und schwitzende Gesichter gab, sondern auch auf der Bühne. Kaum auszuhalten, wie viel Spaß Simon an den Drums hatte - der war ja nur am Strahlen! Ebenso Thomas am Bass - einfach nur Freude, das machen zu dürfen, was sie tun wollen. Mello, die Coolness in Person, schnabuliert dann noch ein Apfel zwischen zwei Stücken und Timo treibt eine Menge Sport. Ob nun auf der Bühne liegend oder auf der Stelle laufend. Viel, viel Energie. Zudem spielt seit wenigen Tagen Kat von 24/7 Diva Heaven bei Team Scheisse Gitarre - passt richtig gut! Zudem sind sie ja dafür bekannt, dass sie die richtigen Ansagen in so gut wie alle Richtungen machen. So wurde immer wieder ein FLINTA-Pit geformt, der sehr gut angenommen wurde. Das ist nicht nur Pose bei dieser Band - sie leben es. Geil. Wer da nicht glücklich nach Hause geht, dem ist nicht mehr zu helfen.

Also: Geht auf die kommenden Konzerte von Team Scheisse, entweder auf der aktuellen Tour oder zum FLINTA-WINTA ab Februar. Eskapismus, Dada-Texte, gute Laune, Wohlfühlen und Schwitzen inbegriffen.



Samstag, 11. Oktober 2025

Live in Bremen: BAWRS - Fatoni, Edgar Wasser, Juse Ju

Foto: luserlounge
(Ms) Ein Abend, bei dessen Entstehung ganz viel Glück zusammen gekommen ist. Erstens: Diese drei Herren gehen überhaupt gemeinsam auf Tour, insbesondere mit Edgar Wasser. Zweitens: Sie kommen nach Bremen. Dieser Termin wurde bei Bekanntgabe der Tour nochmal nachgereicht. Drittens: Man hat selbst überhaupt Zeit, um diesem Spektakel beizuwohnen. Drei Mal Glück für einen berauschenden Abend. 
Am 2. Mai kam BAWRS raus, das gemeinsame Album von Juse Ju, Fatoni und Edgar Wasser. Alle dazugehörigen Termine waren fix ausverkauft, denn: Beste Kombination! Doch die Platte an sich hat mich gar nicht so sehr überzeugt. Ja, einige gute Reime und Geschichten, aber unterm Strich: Puh! Doch das kann ja ganz egal sein, denn die drei Rapper haben einen immensen gemeinsamen Fundus an überragenden Tracks! 

Also ab in den Schlachthof, den schönsten Ort in Bremen für Konzerte - ist einfach so! Um kurz nach Acht kam DJ Jenny Sharp auf die Bühne und heizte die Menge erstmal mit ein paar Tracks ein. War gut, in meinen Ohren aber nicht zwingend notwendig. Denn auch danach wusste Jenny Sharp sehr genau, wie die Beats die Menge in Schwingung setzten.
Das Starke an dem knapp zweistündigen Set, das Fatoni, Juse Ju und Edgar Wasser dann abrissen, ist ja, dass sie ständig die Besetzung wechseln können. Mal zu dritt, dann zu Zweit, dann alleine und wieder von vorn. Tatsächlich war es Edgar Wasser, dem man ansah, wie unfassbar viel Spaß ihm diese Konzerte machen. Bitterböse Lines und Geschichten mit einem großen Lächeln im Gesicht. Ob Jetzt Untergrund Kingz, Weil Das Ja Klar Ist, Nein! Doch! Oh!, Geisterbahn oder 100 Leute aus dem aktuellen Fundus oder Klassiker à la 7 Eleven, Lovesongs, 44 Bars, Übertreib Nicht Deine RolleAlles Zieht Vorbei, Autithenzität oder Das Ende Des Zynismus… Die Hip Hop-Arme waren durchgehend in der Luft, die Stimmung ausgezeichnet. Es gab einfach eine Menge zu Schmunzeln, viel gute Energie auf der Bühne. Und: Es war einfach eine der sehr seltenen Gelegenheiten, diese Kombination zusammen zu sehen mit Mädels-Moshpit zum Schluss und einer schnelleren, beatlastigeren Version von Crémant Aus Dem Senfglas als Abschiedsgruß. Nun heißt es: Sicher zehn Jahre warten, aber es wird sich lohnen!


Dienstag, 23. September 2025

Live in Worpswede: Nada Surf

Foto: luserlounge 
(Ms) Wie wird eine richtig gute Band langsam älter? Gibt es einen guten Punkt, irgendwann aufzuhören? Oder immer weiter machen? Ab wann wird es anstrengend oder gar peinlich? Oder wie knallen die Gitarren Ende fünfzig, Anfang sechszig immer noch kraftvoll? Oder, nochmal anders: Sind das eventuell alles völlig unberechtigte Fragen eines Mittdreißigers?

Ira Elliot ist 62, Daniel Lorca und Matthew Caws sind beide 58, das Alter von Louie Lino konnte ich nicht herausfinden. Doch spätestens nach deren Gig in Worpswede, spielt die Kategorie Alter in der Rockmusik wirklich keine Rolle mehr. Aber, wie deutlich zu merken in diesen Zeilen, treibt mich diese Frage doch stärker um als gedacht. Die New Yorker Band Nada Surf hat alle möglichen Alters-Gedanken einfach mit einer energiegeladenen Performance in Luft zerschlagen.

Diese Band gehört für mich zum innersten Kreis an Gruppen, die ich sehr lange schon höre, oft gesehen habe und die mir über all die Jahre viel Kraft gibt, mich aufbaut und ich vielleicht wage zu behaupten, diese Musik zu verstehen. Nada Surf müssen niemandem mehr etwas beweisen. Seit über 30 Jahren sind sie mit dabei und haben sich in den Staaten und Europa eine sehr große Fanschar erspielt. Die fahren auch am Sonntagabend nach Worpswede. Das kleine Künstlerstädchen nördlich von Bremen ist wirklich sehr beschaulich. Mitten im Nirgendwo ploppt eine Ortschaft mit geballter Kulturkonzentration auf. Und die Music Hall ist der Ort, wo - logischerweise - die Musik spielt.

Die befreundete Band The Cle Elum eröffnete um Punkt 20 Uhr den Abend. Puh, ja. Der Sänger und Bassist war wirklich ein super netter Kerl, konnte gut unterhalten und hatte einen tollen roten Overall an. Aber deren Musik war erschreckend langweilig. Trotz Louie Linos Keyboardspiel und Matthew Caws‘ Mitsingpart.
Daher direkt zum Hauptact des Abends! Es ist einfach so: Wenn Matthew Caws auf der Bühne steht und anfängt zu singen, dann passiert etwas im Raum. Diesem Menschen umgibt eine so große Aura an Das-Gute-Im-Menschen und Hoffnungsvoll-Nach-Vorne-Blicken, das ist unfassbar. Mit Stücken vom aktuellen Album Moon Mirror ging es los und sie haben live eine fast noch größere Wucht als auf Platte. Acht Tracks der Platte haben sie gespielt und insbesondere Intel And Dreams hat gezeigt: Hier knallen die Gitarren aber immer noch kräftig durch die Luft! Das hat, trotz den ganzen Gedanken oben, nichts mit Altherrenrock zu tun. Das ist Indie, das ist Liebe, das ist Energie! Und natürlich folgten einige Klassiker wie Inside Of Love und Cold To See Clear. Ganz zum Schluss logischerweise auch Popular, Always Love und Blizzard Of `77
Die Energie war durchweg auf einem hohen Level. In welcher Beziehung Daniel Lorca mit seinem Bass steht, ist gewissermaßen geheimnisvoll, aber auch schön anzusehen. Louie Lino spielt so seinen Stiefel runter und Ira Elliot zieht an den Drums noch eine kleine One-Man-Show ab. So viel Harmonie, so viel Gutes im Menschen. Und dann zückt Matthew Caws sein Handy und liest auf Deutsch vor, dass seine Uroma mal in Worpswede als Malerin tätig war und er sich tierisch gefreut hat, an diesem Tag mit einem Stück Familiengeschichte verbunden zu sein.

Hach, ich komme aus dem Schwärmen ja gar nicht mehr raus. Vielleicht sehe ich auch mehr in dieser Band und ihrer Musik als viele andere. Aber egal. Dieses Konzert hat mich ganz doll aufgetankt, auch wenn die anschließende Nacht kurz war. Und es hat mich bestärkt, dass alle Menschen mit einem guten, liebenden Herzen zusammen stehen müssen, um dem Wahnsinn da draußen begegnen zu können. Always Love!

Donnerstag, 18. September 2025

Live in Bremen: Young Rebel Set

Foto: luserlounge
(Ms) Mittwochabend, Hansestadt Bremen, Nieselregen, der Herbst beginnt. Kein Anflug jedoch für Trübsal oder gedämpfte Stimmung. Denn im Tower kommt derart viel gute Musik zusammen, dass es kaum auszuhalten ist. Dabei hätten locker doppelt so viele Leute hineingepasst - schade drum. Man könnte aber auch sagen: Sehr viele Leute haben einen großartigen Abend verpasst. Denn die fast vergessene Band Young Rebel Set ist wieder zurück. Vor sechs Jahren starb ihr Sänger Matty, sicher stand die Band an sich kurz vorm Aus. Doch wenn man die anderen fünf Musiker sieht, wie viel Energie sie versprühen können, ist klar, dass sie einfach zusammen weiter machen müssen. Für den Gesangspart haben sie Tom Blackwell gefunden, der astrein ins Gesamtbild hineinpasst!

Mit seinen eigenen Stücken an der Akustikgitarre und mit Mundharmonika um den Hals hat er selbst den Abend eröffnet. Etwas Pub-Atmosphäre strömte durch die Tower-Räumlichkeiten und eine erste Ahnung von: Hui, das ist aber ein richtig feiner Kerl. Gesang und Entertainment liegen ihm. Mal musste dabei die Gitarre ein wenig hoch, dann wieder runter geregelt werden. 
Dann folgte ein kleines (persönliches) Highlight, als Sönke Torpus auf die Bühne kam. Seine damalige Band gib es (auch) nicht mehr, dafür spielt er bei Nichtseattle an der Gitarre und hat das Low Key Orchestra gegründet, um eigene musikalische Wege weiter zu gehen. Drei Singles sind schon zu hören, hier im Blog darüber zu lesen - viel Begeisterung von meiner Seite. Ich mochte seine Musik immer schon und die neuen Stücke funktionieren richtig gut nur mit der Akustikgitarre und ganz viel Timbre in der Stimme - wow! Da wird nächstes Jahr eine ganz tolle Platte folgen, auf dem das kräftige Dido-Cover leider nicht enthalten sein wird.

Zugegebenermaßen war ich auch vor zehn oder zwölf Jahren auch nicht der riesengroße Young Rebel Set-Fan, aber seit gestern Abend auf jeden Fall! Um 21.15 Uhr betraten die sechs Herren die Bühne und je länger sie spielten, desto öfter dachte ich: melodiöser Indierock mit Klavier ist vielleicht einer der schönsten Dinge, die es live zu erleben gibt. Diese Band kann Stimmungen aufbauen, verändern, das Schöne im Leisen und Lauten zeigen. Krass natürlich, dass sie mit Anchorange, der ersten Single seit der langen Pause, starteten und danach ihren großen Hit Lion‘s Mouth hinterher ballerten. Es folgte eine großartige Reise durch die eigene Diskographie. Währenddessen war deutlich zu spüren, dass diese wundersame Energie von der Bühne deutlich aufs Publikum übersprang und sie die Songs freudvoll feierten! Hat man in die Gesichter der Bandmitglieder geschaut, war eines sofort klar: Diese Gruppe muss leben, sie muss spielen, es macht so unfassbar viel Spaß, diese Musik zu machen. So viel Spaß, dass Sönke Torpus später auch noch mit auf die Bühne kam. 

Wow - das war ein wunderbarer Abend! Viel Energie, aber noch viel mehr Liebe zur Musik, die in ganz verschiedener Form auf der Bühne zu bestaunen war. Wer diese Band in der Nähe sehen kann: Geht da hin, es lohnt sich sehr. Und auch wenn ihr denkt: Ach, nee, zu müde, Mittwoch und Regen und morgen früh raus: Egal!

18.09. Osnabrück, Kleine Freiheit
19.09. Kaiserslautern, Kammgarn
20.09. Köln, Gebäude 9
21.09. Wiesbaden, Schlachthof
23.09. München, Ampere
24.09. Reutlingen, franz.K
25.09. Hannover, Musikzentrum
26.09. Hamburg, Molotow (Restkarten)
27.09. Berlin, Frannz Club (ausverkauft)

Freitag, 12. September 2025

Live in Bremen: Thees Uhlmann

Foto: luserlounge 
(Ms) Ein Text über die Liebe zur Musik, Pausen, die passende Venue und Rock‘n‘Roll.

Dass ein Abend mit Thees Uhlmann in Bremen nur großartig sein kann, ist klar, oder? Insbesondere wenn er über zwei Stunden Uhliwitsch-Geschichten, Tomte-Klassiker und Solo-Hits performt. Er ist ja nicht nur eine hervorragende Rampensau, sondern ja mindestens auch mit einem Beim (dem rechten wohl, weil das linke beim singen immer so hin- und herzappelt) ganz brutal auf dem Boden stehen geblieben. Die Anerkennung von anderen berührt ihn wirklich, das ist nicht nur eine gute Story. Diese emotionale Offenheit macht ihn nahbar, auch wenn man in der Glocke eventuell etwas weiter weg sitzt (siehe Foto).

Da kommen die nächsten Themen daher: Rock‘n‘Roll ist ja mittlerweile auch, wenn in einem klassischen Konzerthaus wie der Glocke in der Pause das Bier leergetrunken ist. Erschreckend oder genial? Rock‘n‘Roll ist auch, wenn aus dem Publikum jemand den Mundharmonikapart erstaunlich gut performt. Rock‘n‘Roll ist erst recht, wenn Thees Uhlmanns Mama mit im Publikum sitzt und sicher ganz doll stolz daher grinst.

Doch ist diese Location für so einen Abend die richtige? Insbesondere wenn es ein Akustikgitarren-Solo-Set ist?! Da geht der Rock‘n‘Roll ein wenig flöten. Denn am Mittwoch stieg die verbrauchte Luft doch merklich an im großen Saal und staute sich. Will sagen: Es war ganz schön warm. Wenn man dann zweieinhalb Stunden zum Sitzen angehalten ist, wird es zäh. Da kann auch die E-Gitarre zu Avicii noch so geil ertönen, irgendwie passt das alles nicht zusammen. Bei einem Thees Uhlmann-Konzert will ich nicht sitzen und kein Bier trinken können. Da möchte ich in einem Club oder einer Halle oder einer Kneipe (liebe Grüße an Nando) stehen, ein erfrischendes Getränk dabei haben und aus voller Kehle mitgröhlen, wie viel Bock ich denn gerade aufs Schwören in der Kirche habe. Das schickt sich im Konzertsaal nicht so sehr. Und dann muss da immer eine Pause sein. Herrje, wieso denn?! Das hätte man sich wirklich schenken können. Ich denke, das sind die Regeln im Hause. So kommt halt wenig Stimmung auf, auch wenn das Herz super glücklich ist, diesen wunderbaren Zeilen zu lauschen und jedes Mal etwas Neues drin zu entdecken.

Natürlich war das künstlerisch toll. Natürlich haben die Lacher gesessen. Natürlich ist es gut und richtig, dass Thees Uhlmann darauf aufmerksam macht, dass Therapie gut und hilfreich ist. Das wird niemand je bestreiten. Doch es knallt halt viel geiler, wenn der Ort diese Energie zum bersten bringt. Die Glocke ist da leider der falsche für gewesen.

PS: Aber er hat ja „Ich muss mal eine Woche nur in Bremen spielen“ angekündigt…

Mittwoch, 27. August 2025

Live in Bremen: Psychedelic Porn Crumpets

Foto: luserlounge
(Ms) Unerwartet warm war es gestern Abend. Warum genau ich einen Pullover mitgenommen habe, ist mit weiterhin vollkommen schleierhaft. Dass es auch so warm werden könnte, hätte ich mir denken können. Der Rausch des Dienstagabends war vorprogrammiert. Denn niemand anderes als die Psychedelic Porn Crumpets aus Australien gastierten im Bremer Tower und brachten Hypertonus mit, die den energiegeladenen Abend eröffneten. Auf Rausch hatte ich dezidiert Lust, doch nach einem Haake Beck, das aus der nicht ganz gekühlten Flasche in einen Plastikbecher umgefüllt wurde (keine Kritik, ich verstehe das schon), war mir klar, was die Rauschquelle sein wird: Rhythmus! Und das in zwei Akten.

Das Bremer Trio Hypertonus war mir bis gestern Abend unbekannt und ich frage mich: Warum um alles in der Welt?! Und warum hatten sie nur eine halbe Stunde Spielzeit! Ungerecht! Dieses Zusammenspiel von Bass, Schlagzeug und insbesondere E-Gitarre war nichts anderes als fulminant! Aus welchem Hut haben die denn die ganzen Rhythmen und Melodien in solch einem atemberaubenden Tempo gezogen? Rausch, Rausch, Rausch! Wie die Lieder sich entwickelt haben, war große Klasse - dafür brauchte es nicht mal Gesang. Viel Dynamik, viel Tempo, viel Lautstärke, viel Können und unglaublich viel Spaß auf der Bühne, das war allen dreien anzusehen. Wow - ein Auftritt der nachhallt, in den Ohren und im Gedächtnis.

Kurze Umbaupause. Dass es noch intensiver zugehen könnte, war für mich zu diesem Zeitpunkt nicht zwingend ersichtlich. Doch es brauchte nicht lang. Was die fünf Australier dann auf der Tower-Bühne angestellt haben, war irre. Vollkommen wild. Entfesselt. Irgendwie brutal und geil gleichzeitig. Das Schaffen der Band verfolge ich schon seit einiger Zeit, aber nie so intensiv. Dass sie live vollkommen frei drehen, wusste ich schon, das war der Antrieb, gestern nach Bremen zu tuckern. Es ist im Grunde vollkommen egal, welches Lied sie gespielt haben, es ging direkt von 0 auf 100, reine Ekstase, keine Regeln, kaum Pausen, nur nach vorne Preschen. Psychedelisch harte Musik mit ganz viel Freude an dem, was da passiert. Was haben die fünf Typen nicht gestrahlt?! Selbst das Pokerface des Bassisten brach zwischendurch seine Rolle. Und auch wenn die Technik nicht zu 100% mitgespielt hat, war das ein einziges Fest. Es hat gescheppert und geknallt. Rhythmen haben sich aufgebaut, wurden gebrochen, haben sich anders weiter entwickelt. Die Gitarren haben miteinander oder gegeneinander gespielt. Dass der Schlagzeuger seinen Takt so behalten konnte, zeugt von viel Können. Rausch, Rausch, Rausch. Die Ohren klingeln, aber die Seele atmet durch bei diesem geplanten Chaos. Und die Leute im Tower?! Gehen komplett mit. Reines Ausrasten, der ganze Raum schwingt - wow!

Für ein derartiges Erlebnis braucht es keine extra Mittelchen. Das regelt die Musik von ganz allein. Und was für eine schöne Erkenntnis, wie glücklich dieser Krach machen kann. Danke, gerne wieder!


Sonntag, 10. August 2025

Live in Oldenburg: Pöbel MC, Waving The Guns & Nanti

Pöbel MC, Foto: luserlounge 
(Ms) Der Sommer ist wieder da - wie geil ist das denn bitte?! Das muss das Team von Einfach Kultur aus Oldenburg genauso bestellt haben. Seit Mittwoch finden im Gleispark deren Sommerkonzertreihe statt und die Gummistiefel können wieder im Schrank warten. Beste Laune überall und Samstag war der erste Tag, der im Vorhinein ausverkauft war. Kein Wunder - denn niemand geringeres als Nanti, Waving The Guns und Pöbel MC gaben sich die Ehre und haben dieses unfassbar coole Areal im Laufe des Abends in einen Club verwandelt. Den Gleispark kann man sich als eigentlich irgendwie tote Fläche zwischen Bahngleisen und Parkhaus vorstellen, die ziemlich geschickt zum Leben erweckt wurde. Auf der einen Seite fahren die Züge in den Oldenburger Bahnhof ein, auf der anderen Bürogebäude, dazwischen ein Ort für reinen Eskapismus.

750 Leute kamen und um 18.30 Uhr eröffnete Nanti den Abend. Rap mit Techno-Elementen und Texte von migrantischer Biographie bis Drogengenuss - natürlich nicht ohne eine entsprechende verantwortungsvolle Einordnung der Rapperin im Vorhinein. Bei so viel Gras, wie über den ganzen Abend zu riechen war, war das eh egal. Einige Zeilen waren sehr charmant und unterhaltsam („Alle sagen Wallah, aber keiner spricht Arabisch“), aber insgesamt hat mich ihre Musik nicht so gepackt. Bei vielen war das anders - ein Hoch auf unterschiedliche Musikgeschmäcker!

Anschließend baten Waving The Guns zum Stelldichein. Milli Dance war vor ein paar Jahren schon mal dort zu Gast und es war ein reiner Abriss. Seit Jahren bin ich großer WTG-Verfechter, doch dies war sicher eines der eher schwächeren Gigs, die ich von ihnen sah. Meiner Einschätzung nach lag es vor allem am Sound, es hätte einfach alles locker etwas lauter sein können. Einige Beats kamen gar nicht mal so gut durch. Doch wie Milli Dance auf der Bühne performt ist immer noch irre! Ich mag seine Ausstrahlung und wie er Songs wie Das Muss Eine Demokratie Aushalten Können, In Diesen Zeiten Tanzen oder Gran Canaria live darbietet. Ab Herbst bis Frühjahr sind Waving The Guns erneut auf Tour und ein lauterer Club-Besuch sollte sich wieder lohnen!

So langsam war es dann auch richtig voll, aber es gab stets ein entspanntes Durchkommen zur Toilette oder Bar. Die Stimmung war eh sehr gelassen und respektvoll. Dass ein linkes Pubikum linke Parolen bei linken Gigs skandiert ist ja immer etwas wie Eulen nach Athen tragen - es ist kein Ansprechpartner da. Antifa ist und bleibt Handwerksarbeit im Alltag.

Was Pöbel MC dann gut 70 Minuten abgeliefert hat, kam definitiv von einem anderen Stern. Je länger der Auftritt ging, desto intensiver wurde er. Und das lag hauptsächlich daran, dass die Tracks immer öfter in die Multilingual Mike-Technoebene schwenkten und das Publikum hat diese Einladung gerne angenommen. Der Pogo-Kreis wurde größer und die Zeilen von der Bühne bekam immer öfter einen ach-das-lass-ich-mir-tätowieren-Anklang („Kunst ist Kacken, nicht Arschkriechen“). Ja, der Pöbel MC-Auftritt hat sehr viel Spaß gemacht und das Geniale an der ganzen Sache war, dass je später es wurde, die tolle Beleuchtung vom Gleispark immer mehr in Szene gesetzt wurde. Leichte Festivalfeelings mitten in der Stadt bei einem Abend mit drei sehr unterschiedlichen, aber auch unterschiedlich starken Auftritten im Gleispark. Dass alle drei KünstlerInnen anonym auftreten, ist eine spannende Randbemerkung…

So geht es vor Ort weiter:
12.08. - Wilhelmine, Katha Pauer
13.08. - Milliarden, Mola, Telquist
14.08. - Bruckner, Marie Bothmer
15.08. - Filly, 6Euroneunzig, Carla Ahad
16.08. - Il Civetto, Modular




Dienstag, 5. August 2025

Live: Watt En Schlick Fest 2025

Sophia Kennedy, Foto: luserlounge
(Ms) Gesprächsthema Nummer 1 am Wochenende: Das Wetter.
Gesprächsthema Nummer 2 am Wochenende: Das Line-Up.

Selbstredend hatte das 12. Watt En Schlick Fest in Dangast noch wesentlich mehr zu bieten, aber diese beiden Themen waren omnipräsent.
Von Freitag bis Sonntag wurde das kleine Dangast am Jadebusen wieder von gut 6.000 Festbesuchenden heimgesucht. Der kleine Edeka hat sich mit Regenaushaltekleidung gewappnet und auch die KuchenbäckerInnen aus dem Kurhaus haben sicher die ein oder andere Nachtschicht eingelegt - der Rhababerkuchen mal wieder ein Traum! Die gängigen Wetter-Apps liefen heiß und siehe da: Es war nicht ganz so schlimm wie erwartet. Klar, von Trockenheit keine Spur, aber immerhin kein Gewitter. Somit musste zu keinem Zeitpunkt das Gelände geräumt werden und alles konnte wie geplant ablaufen. Das Aufbauen der Zelte war in den meisten Fällen auch kein Problem und das Team hat beim Verlassen der matschigen Felder geholfen.

Was ist also das beste Outfit bei diesen Gegebenheiten- 20 Grad und wahrscheinlich viel Regen?! Es gab grob gesehen zwei Typen an Menschen, die das Gelände betreten haben. Die einen sahen aus wie beim Survivaltraining. Alles, was die Funktionskleidungsabteilung bei Decathlon zu bieten hat, befand ich am Körper. Hauptsache der Mensch war trocken und warm. Die anderen hatten zumindest mit der Nässe von unten kein Problem. Leichtes Schuhwerk oder Flip Flops und dann halt barfuß und obenrum flexibel reagierend auf die Wolkenentwicklung. Ich bevorzugte den letzteren Typ, hatte immer nasse, matschige Füße, war immer trocken von oben und mir war nie kalt. Das Watt wärmt genug - kurze Hose, perfekt!

Grim104, Foto: luserlounge 
Somit ab zu Gesprächsthema Nummer 2 vom Wochenende und dem eigentlichen Programm. Ja, ich war auch einer von denen, die sich etwas skeptisch zum Line-Up geäußert haben - hier und vor Ort. Auf der anderen Seite ist es auch sehr lohnenswert, den Veranstaltenden zu vertrauen - es hat sich mal wieder gelohnt. Ja, es gab zahlreiche Acts, die mir einfach nicht zugesagt haben. Bei einigen habe ich dennoch vorbei geschaut, andere gänzlich ausgelassen. Ich werde kein Fan werden von Hanna Noir, Madeline Juno oder Apsilon - muss ich ja auch nicht. Es waren genügend Leute da, die das abgefeiert haben. Wie cool kann es sein?! Es müssen sich ja nicht alle einig sein - wäre ja ultra langweilig.

Dafür habe ich sehr viel gesehen, was mir gänzlich unbekannt war und an diesem Punkt wird so eine Veranstaltung doch spannend!

Fangen wir also ganz vorne an: 14 Uhr am Freitag, Hauptbühne, Eröffnung und der Strand ist schon gut gefüllt! Auf der Bühne stehen drei Typen mit Kopftüchern und Sonnenbrillen und verzaubern die herbstlich anmutende Nordsee in mediterranes Flair! Dov‘è Liana aus Italien kreierten einen Sound, der etwas seichter als Justice war, aber mindestens genauso tanzbar - genial! Etwas später fanden sich zahlreiche Leute vor der Paletten-Bühne zusammen, um AUGN zu sehen. Ich bin ehrlich: Das habe ich nicht verstanden. Okay, es ist eine provokante Kunstperformance mit 100% Playback und Ansagen vom Band, aber nach 20 Minuten wurde es auch langweilig, weil die Muster sich wiederholten und die x-te Beschimpfung wurde halt öde. Ja, ist alles so geplant und Teil des Konzepts aber mehr als ein müdes Lächeln zwischendurch ist das auch nicht wert.
Von Uche Yara habe ich mir ein wenig mehr Pepp erhofft, dennoch überzeugte sie mit einer unfassbaren Stimme. Eine der ganz großen Überraschungen vom Wochenende war Sophia Kennedy! Wow - was ist da denn bitte passiert?! Ist das Dark Pop oder so? Erinnert leicht an die Dresden Dolls und daher supersuper! Das war musikalisch genial und die erste Reihe wurde gern mal angeschrien! Zum Glück kommt sie nächstes Frühjahr in den Bremer Schlachthof - Pflichttermin! Die Goldenen Zitronen sah ich von ganz hinten im Zelt, zuvor regnete es in Strömen - alles voller Matsch, aber egal. Die Herren haben ordentlich abgeliefert vor dem Höhepunkt des Festes: Zaho De Sagazan. Ich hatte ein wenig Sorge vor zu viel Chanson und wurde zum Glück enttäuscht. Das, was die Französin mit ihrer Band über eineinhalb Stunden dargeboten hat, habe ich noch nicht erlebt. Zum Einen präsentierte sie ihre große Sensibilität - auch musikalisch - zum Anderen war das eine Electroparty vom allerfeinsten! Ich kann mich nicht daran erinnern, je spontan so mitgerissen worden zu sein. Mit geschlossenen Augen barfuß im Sand tanzen und alles drumherum vergessen - das war sehr intensiv. Auf der Bühne bot die Sängerin dazu eine tolle choreographierte Show ab mit allerhand Lichteffekten und viel Tanz. Der Hype ist mehr als berechtigt!

Tropikel Ltd., Foto: luserlounge 
Der Samstag war nass. Sehr nass. Aber egal. Denn die Stimmung war wirklich überall toll. Bei der Crew, den Besuchenden, auf allen Bühnen. Die Atmosphäre vom Watt En Schlick trägt durchs Wochenende. Und um 13 Uhr standen Tropikel Ltd. bereit. Keine Ahnung, wie ich das beschreiben soll, aber es war geil! Power-Synthie-Pop mit viel Augenzwinkern und unglaublich tanzbar. Das war musikalisch raffiniert und sehr unterhaltsam. Tropikel Ltd. - merken Sie sich diesen Namen. Und ist Lolo Highspeed eventuell der Bruder von Jan Böhmermann?!
Egal, denn etwas später kam es zu einem der intensivsten Gigs am Wochenende - grim104 auf dem Floß. Dauerregen inklusive, egal. Egal war das auch dem Rapper, denn er stand mitten auf dem Steg der Floß-Bühne, die noch auf dem Trockenen lag - später schwamm sie. Leider war der Sound ganz vorne sehr leise - aber nebensächlich. Grim104 hat sehr stark abgeliefert zwischen Tod, Verderben, Abschied und Apokalypse. Wow! Weiter tanzen - aber etwas fröhlicher - ließ es sich zu Rah & The Ruffcats im Zelt. Die neun Musiker auf der Bühne haben eine tolle Energie entfacht! Anschließend wurde es ebendort endlich gitarrenlastig. Erst haben Friedberg gespielt, die eigentlich letztes Jahr schon da sein wollten. Das hat sehr viel Spaß gemacht und war live halt auch irre gut. Zwischen rauschenden Rhythmus-Parts, krachenden Gitarren und Synthies-Gewitter zur neusten Single! HotWax haben klassisch Gitarre, Bass und Schlagzeug wummern lassen und das auch sehr ordentlich! Das Trio von der britischen Küste weiß halt, dass Punkrock immer geht - das wussten auch die Ohren noch am Tag danach. Ein wenig von Franc Moody schaute ich mir dann noch an - genial! - dann musste ich eine Pause machen.

Denn für Sonntag mussten mittags alle Kräfte gebündelt sein. Nicht zwingend für Bummelkasten, obwohl das auch sehr lustig war und das nicht nur für Kinder. Denn um 13 Uhr spielten Juse Ju und Fatoni im Zelt! Eskalation um High Noon?! Klar, gar kein Problem! Angeblich hat Fatoni sich selbst eingeladen, denn das Watt En Schlick ist sein Lieblingsfestival - wer mag es ihm nehmen!? So viel ich von ganz vorne sehen konnte, war das Zelt super gefüllt und der Bass kräftig aufgedreht. Es gab ein Best-Of von beiden plus ein, zwei BARWS-Tracks auch ohne Edgar Wasser. Dafür war Panik Panzer als Gast am Start - wie geil kann es eigentlich laufen?! Eben! Kurz danach kam die Sonne raus, aber so langsam verließ nicht nur mich die Energie. Das Aufraffen zu Ebow hat sich aber noch mehr als gelohnt! Und ich frage mich ernsthaft, warum sie nicht abends Headlinerin war?! Kaum ein Act hatte so viel Wichtiges zu sagen wie sie und dazu noch so gute Musik gemacht. Ich kannte die Rapperin zuvor nicht, das ist aber sowasvon abgespeichert! Diese Künstlerin hat in meinen Augen dem platten Unterhaltungszynismus von AUGN Gehalt entgegen zu setzen - aufrecht, bitter, tanzbar!
Als letzten Act des Festes schaute ich mir dann noch Bon Enfant an. Und auch hier gab es eine weitere Überraschung! Wie cool, lässig, hypnotisierend und locker war das denn bitte?! Eben!

Klar, ich hätte gern noch Lovehead, Die Höchste Eisenbahn, Team Scheisse und die Donots gesehen. Aber der Kopf konnte keine Eindrücke mehr aufnehmen und die Beine wurden langsam schwer und so ging es ab nach Hause.

Im Gepäck befinden sich viele beeindruckende Bilder, viele sehr intensive Musikrauschmomente und eine unglaublich tolle Zeit am und im Watt mit lieben Menschen. Nur einen Act, nämlich Juse Ju und Fatoni, habe ich vorher schon mal gesehen. Ansonsten war es mehr als lohnenswert, den Veranstaltenden und dem Bookingteam einfach zu vertrauen, dass die keinen Quatsch machen. Haben sie umgesetzt! Genial! 
Und ja, 195 Euro für das kommende Jahr ist sehr, sehr viel Geld! Doch das Watt En Schlick ist ein kleines, unabhängiges Fest, das mit Herz und Leidenschaft gewuppt wird. Als BesucherIn bekommt man sehr viel geboten, vor allem viele neue, phantastische Töne.

Also: Bis nächstes Jahr!

Sonntag, 15. Juni 2025

Live in Bremen: Fair Weather Fest

Fotos: Luserlounge
(Ms) Seit einer Woche ist das Fair Weather Fest vorbei - gut Ding will Weile haben. Am Freitag und Samstag des Pfingstwochenendes war das Bremer Viertel richtig gut besucht. Ja, das Wetter war nicht besonders fair, aber das Programm, das die Veranstalter hinter diesem Festival aus dem Boden gestampft haben, war großartig! Hardcore, Punkrock, Power Pop, Indie, Singer/Songwriter, Screamo, Shoegaze. Stilistisch war für alle etwas zu haben zwischen Lila Eule, Calavera und dem Lagerhaus. Und auch bei Titus, Black Plastic und im Eisen gab es auf die Ohren. Am Freitagnachmittag wurde ausverkauft gemeldet - nur zurecht bei diesem Line-Up.

Wobei ich erst im Nachhinein zu diesem Fazit kommen kann. Denn bevor ich am Freitag in Bremen ankam, kannte ich bis auf die Deadnotes keine einzige Band. Ich war neugierig und wurde reichlich belohnt!

Das erste, was ich hörte, waren die letzten zwei Song von The Pill, die das Lagerhaus gut zum Beben gebracht haben. Und schon danach kam das erste große Highlight: Between Bodies war anscheinend so etwas wie der geheime Headliner, es war schlagartig voll und nicht wenige Leute konnten bei nicht wenigen Liedern recht sicher die Texte mitsingen. Wie geil war das denn?! Obendrein war der Auftritt dieser Band wahnsinnig sympathisch und sie haben Rockmusik einfach verstanden, so einfach kann es sein. Dieser Name sollte dringend überall abgespeichert werden! Giver hingegen tendierten wesentlich stärker in einige Metal-Sphären. Ich finde es immer wieder großartig, dass die Bands mit den härtesten Tönen die humanistischsten Ansagen bereit haben! Musikalisch bleiben sie bei mir aber weniger haften. Zwischendurch dann mal ins kleine Calavera, Neugier, Neugier! Als Pluto The Racer aus Hannover dort spielten, war der Laden schon rappelvoll, auf der Treppe tummelte es sich schon. Skatepunk, so wie er klingen sollte, richtig gut! Weiter ging es im Lagerhaus mit Rauchen und bis heute weiß ich diesen Gig nicht so sehr einzuordnen. Ja, war schon irgendwie geil, aber von dem ganzen Geschrei hätte ich gern auch was verstanden. Als Smile And Burn die Bühne betraten, wurde schnell klar, dass diese Band etwas professioneller unterwegs sind. Plötzlich war der Sound viel klarer. Ohnehin leider ein Detail, das ich im Lagerhaus so gar nicht kenne, am Freitag hat es immer wieder ganz schön geschrabbelt und oft war der Sound etwas verwaschen.

Fotos: luserlounge
Einschub.
Leider konnte ich den letzten Auftritt vom Freitag nicht ganz sehen. Ich war noch angeschlagen aus den Tagen davor und wollte langsam heim. Mit der Bahn wäre das in der Regel kein Problem. Doch am ganzen Wochenende fuhr ab 22 Uhr nur noch der Bus in meine Richtung. Was für eine miese Sache. Klar, es müssen Strecken saniert werden, aber zweieinhalb mal so lang unterwegs zu sein, ist wenig geil.
Einschub Ende.

Auf dem Hinweg am Samstag ließ ich den Freitag etwas Revue passieren und kam zu keinem rechten Ergebnis. Es war spannend und cool, viel Neues kennenzulernen, aber so richtig abgeholt wurde ich halt nicht. Ein Glück, dass das am Samstag ganz anders aussehen sollte! Insbesondere das Programm in der Lila Eule ließ keine Wünsche offen! Mundane aus Schweden haben mich direkt abgeholt und halb sechs. Gitarrenlastiger Indierock genau nach meinem Geschmack, yeah! TI:ED im Lagerhaus legte durchaus wieder härtere Zähne zu, war gut, aber nicht so meins. Ebenso wie Wrong Man - sie holten mich nicht so sehr ab. Das gute in diesen ganzen Momenten war hingegen, dass zahlreiche andere BesucherInnen viel Freude und Spaß hatten - so soll das doch sein! Mein Highlight des ganzen Wochenendes war Flight Mode aus Oslo, die in der Lila Eule spielten. Erstens super sympathisch. Zweitens spielten sie feinsten Indierock à la Nada Surf oder Death Cab For Cutie - da bin ich doch dabei. Das war richtig, richtig gut! Phantom Bay, die Band, in der sich einige der Veranstalter versteckten, gehörte für mich auch zur Kategorie: hart und wuchtig, aber nicht so meins. Richtig geil wurde es noch bei Emperor X! Was war das denn bitte?! Zwischen all dem wohltemperierten Krach ein Singer/Songwriter mit soliden Deutschkenntnissen und wahnsinnig unterhaltsamen Texten und tanzbaren Effekten aus seinem Zauberkasten. Das sollte jeder Mal live gesehen haben! Dann zu The Deadnotes, die ja bekanntermaßen beim Grand Hotel Van Cleef unter Vertrag sind, aber außer großen Bühnengesten ist da echt nicht viel dabei. Gemütlicher Rock, den man schnell wieder vergisst. Anders als bei Shoreline. Die zimmerten einem nochmal richtig einen ins Gebälk!

Und wieder in den Bus.
Und verarbeiten, einordnen.

Die erste Ausgabe vom Fair Weather Fest war nichts anderes als ein großer Erfolg. Die Bands entsprangen fast allem einem großen Freundeskreis, die Stimmung war super und sehr rücksichtsvoll. Die Zeiten haben sich jedoch sehr stark überschnitten. Da könnte man etwas mehr Luft reinpacken. Denn: Nächstes Jahr geht es in die zweite Runde und Tickets sind jetzt schon zu haben. Ich hab meins, was ist mir dir!?


Donnerstag, 10. April 2025

Live in Bremen: Tocotronic

Foto: luserlounge
(Ms) Mittwochabend. Bremen. Schlachthof. 19.08 Uhr. Eine richtig lange Schlange vor dem Laden. Das habe ich an diesem Ort noch nie gesehen und ich war in den letzten Jahren öfter dort. Nun gut, es gab einen guten Grund, gestern Abend früh zu erscheinen. Denn nicht nur Tocotronic haben gezeigt, dass sie immer noch ganz genau wissen, wie eine E-Gitarre funktioniert, nein, der Abend war auch länger schon restlos ausverkauft. Zudem gab es wohl nicht wenige Leute, die gerne sitzen wollten. Doch das geschieht ohne diese Band und ohne die Veranstaltenden. Doch nach und nach…

Der Schlachthof ist in den letzten Jahren einer meiner liebsten Venues geworden. Er ist gut gelegen, sieht toll aus, hat mehrere Räumlichkeiten, faire Preise und ist einfach so großartig aufgebaut und der Sound ist stets richtig toll! So stabil muss ein Ort erstmal agieren. Ja, es war früh sehr voll und ich war froh, einen der Plätze auf der beginnenden Empore ergattert zu haben, dann ist die Sicht umso besser und der Weg zur Bar kurz. Doch je weiter der Abend voran schritt, desto enger wurde auch der, denn Menschen standen überall! Gesessen haben sie auch, als um 20 Uhr Cava die Bühne betraten und gezeigt haben, was Noiserock heutzutage so kann. Das Duo aus Berlin hatte richtig Wumms am Start - das hat sehr schnell sehr viel Spaß gemacht! Nicht nur dass die beiden Musikerinnen starke Ansagen gemacht haben, sie haben auch alle Effekte der E-Gitarre hervorragend ausgenutzt. Ich gehe stark davon aus, dass sie gestern einige neue HörerInnen gelockt haben. Hier schreibt einer davon. Merkt euch diesen Namen, nehmt euch Gehörschutz mit!

Knapp eine Stunde später sollten dann Tocotronic kommen. Nur es saßen noch immer einige Leute. Ja, mit meinen 34 Jahren habe ich den Altersschnitt sicher gesenkt, aber wer will diese Band denn sitzend sehen?! Das funktioniert vorne und hinten nicht und darauf hat dann auch ein Mitarbeiter des Schlachthofs sehr fair und freundlich aufmerksam gemacht - gutes Zeichen!
Dann betraten die Meister der Theatralik die Bühne und bewiesen für zwei Stunden, dass sie immer noch einen festen Platz auf dem deutschsprachigen Rockolymp inne haben! Die großen Gesten - Dirk von Lowtzow beherrscht sie alle! Applaus genießen, Applaus generieren, sich selbst abfeiern - kein Problem! Dabei werden die Zeichen immer kurz vor Divenhaftigkeit und Arroganz ins Unterhaltsame gezogen. Nein, ich hätte nicht vermutet, dass man so viel zu lachen hat bei einem Tocotronic-Konzert. Ist aber so! Einige der neuen Tracks von Golden Years haben sie gespielt! Über Wie Ich Mir Selbst Entkam habe ich mich sehr, sehr doll gefreut - ein großartiger Song! Das übrige Set bestand aus einem sehr ausgewogenen Mix ihrer Diskographie mit einem eindeutigen Akzent auf die früheren Stücke - das habe ich so nicht erwartet. Digital Ist Besser, Drüben Auf Dem Hügel, Sie Wollen Uns Erzählen, Let There Be Rock, This Boy Is Tocotronic, Hi Freaks, Gegen Den Strich, Aber Hier Leben Nein Danke. Eine lange Liste. Der emotionale Höhepunkt wurde aber mit Ich Tauche Auf erzielt, auch ohne Soap And Skin vor Ort. Das war sehr intim und weite Teile des Publikums haben es auch geschafft, dabei still zu bleiben.

Neugierig war ich auch, wie Felix Gebhard sich in die Band einfügt, um Rick McPhail zu ersetzen. Und siehe da - nahtlos! Ja, sie haben dort einen Engel gefunden, da hat Dirk von Lowtzow schon Recht gehabt! Wie Rock aussieht, haben sie zum Schluss auf Explosionen bewiesen. Es koppelte herrlich zurück, schrammelte, war laut und intensiv und genial! Und so richtig wollten die Menschen die Band dann gar nicht gehen lassen. Einige waren schon raus, doch es lag noch was in der Luft. Und tatsächlich haben sie nochmal zurück, um Freiburg zu spielen - genial!

Zugegebenermaßen habe ich den Rockveteranen nicht zugetraut, derart abzuliefern. Doch weit gefehlt - eine Band wie Tocotronic sollte man insbesondere live niemals abschreiben! Ein imposanter Auftritt! Im Stehen.


Mittwoch, 9. April 2025

Live in Bremen: Los Bitchos

Foto: luserlounge
(Ms) Spontaneität und positive Überraschungen stehen in direktem Zusammenhang. Genauso gestern Abend. Es war ein sonniger, herrlicher Tag und die Frage war nur: Wie lässt er sich noch so richtig gut ausklingen?!
Schon länger hatte ich das Konzert von Los Bitchos im Bremer Schlachthof auf dem Zettel, doch irgendwie konnte ich mich nicht so richtig festlegen. Was im Endeffekt eine total dämliche Idee war. Lieber Nägel mit Köpfen. Diese wurden recht spontan am gestrigen Abend zusammen gekloppt, dafür umso besser!

Die pankontinentale (so Wikipedia!) Band Los Bitchos sah ich vor ein paar Jahren auf dem Appletree Festival und es war die perfekte Musik für lockere Sommertage! Dass sie auch im Frühling funktioniert, ist logisch! Zugegebenermaßen waren die Erinnerungen an den Festivalgig nicht mehr ganz so frisch aber insgesamt als herrlich kurzweilig abgespeichert. Also ab nach Bremen in den wunderbaren Schlachthof!

Der war um 20 Uhr so luftig gefüllt, wie ich es selten gesehen habe. Es hätten doppelt so viele Leute reingepasst, also haben doppelt so viele Leute einen großartigen Abend verpasst! Denn es ging los mit Eilis Frawley über die hier letztens schon berichtet wurde. Die australische Schlagzeugerin hat vor kurzem ein tolles Album veröffentlicht und hat das ziemlich gut mit ihren beiden Mitmusikerinnen auf die Bühne gebracht. Sowieso: Eine Drummerin als Mittelpunkt einer Band - selten gesehen! Zudem war das, was sie rhythmisch dargeboten haben super spannend! Denn eben diese Rhythmen wechselten quasi ständig. Es ist ja so, dass man live ganz automatisch anfängt, mitzuwippen. Irgendwie bewegt man sich. Doch musste man beim eigenen Körper immer wieder nachjustieren, weil das plötzlich nicht mehr aufging. Das war stark, das war richtig, richtig gut!

Und genauso ging es weiter! Live bekommen Los Bitchos Unterstützung von einem Typen, der zusätzlich Gitarre spielt. Was die fünf auf der Bühne dann gezaubert haben, war irre! Instrumentale Musik kann vieles sein. Doch selten ist es so kurzweilig, locker, lustig, tanzbar und richtig gut gelaunt! Richtig spannend war es Gitarristin Serra Petale zu beobachten. Was durch ihr Gesicht an Emotionen fuhr, war irre. Die Musik, die sie mit ihrer Band macht, macht ihr eindeutig selbst unglaublich viel Spaß! Die Energie der Riffs, die sie auf den Saiten entflammt, spiegelt sich in ihrer Mimik wieder. Zudem haut sie zwischendurch immer wieder kraftvoll auf die Bongos und spielt sich selber in einen ganz eigenen Rausch! Das hat einfach wahnsinnig viel Spaß gemacht. Klar, insgesamt klingen die Songs dieser Band alle recht ähnlich, doch das ist für ein Konzert gänzlich egal, es ist ein Gesamterlebnis, wo das Tempo anzieht und abnimmt, die Dynamiken sich stetig ändern und hinten eine Drummerin sitzt, die wahnsinnig viel Spaß hat, ihre Band immer wieder mal nach vorne zu treiben.

Wer Bock auf musikalische Kurzweil einer höchst sympathischen Band hat, sollte sich Los Bitchos nicht entgehen lassen!

09.04. - Hannover, Café Glocksee
10.04. - Nürnberg, Z-Bau
11.04. - Heidelberg, Commissary
12.04. - Dresden, Polimagie Festival
13.04. - Wiesbaden, Schlachthof


Sonntag, 30. März 2025

Live in Bremen: Chris Imler & MPC Lafote

Foto: Galya Feiermann
(Ms) Vier Fotos habe ich gestern Abend gemacht. Sie sind alle Mist gewesen. Wer die Musiker des Abends in Aktion sehen möchte, schaut am besten auf deren Insta-Seiten vorbei.

Samstagabend also. Bremen. Horner Eck. Wenn ich richtig informiert bin, haben sich vor nicht allzu langer Zeit einige Menschen zusammen getan, um das Haus, in dem das Horner Eck - eine super Kneipe - ist, als Genossenschaft zu kaufen. Darin sind einige Wohnungen und unten die Bar. Darin finden nicht nur wechselnde Ausstellungen und Konzerte statt, sondern es gibt Getränke zu faires Preisen. Sogar alkoholfreies Bier vom Fass! Es hat gut geschmeckt!

Obwohl schon seit Ewigkeiten im Geschäft, habe ich Chris Imler letztes Jahr zum ersten Mal live erlebt. Als Drummer von Oum Shatt! Genial! Seine eigene Musik hat damit wenig zu tun, baut aber ebenso stark auf Rhythmen. Logisch als passionierter Drummer.
Doch bevor Chris Imler die etwa 40 Anwesenden zum Tanzen brachte, standen noch zwei andere im Vordergrund. MPC Lafote haben ihre Musik dargeboten. Und was war das denn bitte?! Mir wurde nur erzählt: Kommen aus Hamburg und sind gut. Dass sie so genial sind und vor Energie strotzen, hätte ich nicht vermutet. Was für ein Auftritt! Akkurat haben die beiden ihre programmatische Post-Punk-Krautrock-Whatever abgerissen. Dazu muss man sagen, dass der Sound erstklassig war. So viel Energie, wie die beiden hatten, hätten sie stundenlang weiterspielen können. Obendrein waren die auch noch so irre sympathisch! Eine Band, deren Name ich mir schnell abgespeichert habe. Das. War. Enorm!

Keyboard, Synthies, Schlagzeug verschwanden danach und Chris Imlers Repertoire wurde aufgebaut. Analoges und digitales Schlagwerk, Platz für Samples, Loops und ein Theremin. Lässig daneben stehend begann er mit Wumms seinen Part des Abends und es war klar in welche Richtung es geht: Elektronische Experimente untermauert durch analoge Beats. Man könnte, wenn man wollte, von Krautrock sprechen. Oder von soghaftem Wahn. Denn es war sehr leicht, sich in dieser Musik zu verlieren. Unterhaltsame Ansagen, die das Wirre streiften, rahmten seinen Auftritt. Mal nahm er die Trompete, um Loops einzuspielen, doch hauptsächlich ballerten die Beats und tanzen die Melodien aus den Boxen. Richtig schön war zu beobachten, wie viel Spaß er selbst dabei hatte. Ja, das war richtig gut, hat enorm Spaß gemacht und manchmal habe ich einfach nur beobachtet, worauf er gerade haut. Spannend“

Musikalische Gemeinsamkeiten hatten die beiden Auftritte wenig. Aber die Intensität, Leidenschaft und Spielfreude waren auf Augenhöhe. Diese Ergänzung war genial! Gerne wieder!


Sonntag, 16. März 2025

Live in Bremen: Shirley Holmes

Foto: luserlounge
(Ms) Keine Ahnung, ob das so eine urbane Ü-30-Sache (oder Ü-???) ist, aber ich erwische mich zunehmend bei diesem Gedanken: „Heute Abend noch Konzert? Puh, mache ich mich da wirklich auf den Weg?“ Ich gehe mal davon aus, dass ich nicht der einzige mit diesem etwas schrägen, aber vielleicht ja auch nachvollziehbaren Gedanken bin. Und genauso bin ich sicher wenig alleine damit, wenn am Ende die Gewissheit kommt: „Ja, ich bin zwar total kaputt, aber das Konzert gestern Abend war eine Wucht und ich bin einfach unfassbar glücklich darüber, dass ich da war.“ So geschehen gestern.

Seit vier Wochen und zwei Tagen ist das neue Album von Shirley Holmes Mein Bestes Selbst draußen und es ist enorm! In jeglicher Hinsicht: Von der Art zu Texten bis zu der musikalischen Umsetzung! Nun ist das Berliner Trio damit auf Tour und niemand sollte sich das entgehen lassen. Ich war völlig baff, wie viel Energie und Kraft diese Band auf die Bühne bringt. Dabei sind sie auch noch so unglaublich sympathisch!

Den Abend eröffnet haben Crash Blossoms. Die Fünferkombo hat sich quasi im Lagerhaus, also auch am Ort des Geschehens, gegründet und weiß ziemlich genau, wie Gitarrenrock heutzutage funktioniert. Richtig frech war natürlich, dass sie eine Posaune dabei hatten und die Bassistin teils dieses Blasinstrument als Bassersatz nutzte. Frech, frech, frech, geil! Das was diese Band in einer halben Stunde abgerissen hat, war enorm. Sie haben mich ganz schnell in einen Sog gezogen, in dem ich mich verlieren kann und ich bin froh, dass es danach so weiterging.

Gegen 21 Uhr standen dann Shirley Holmes auf der Bühne. In letzter Zeit habe ich ein paar Bands zum ersten Mal gesehen und dies war auch so ein Moment. Es gab keine Erwartungen und das ist der beste Moment. Ganz frei in so eine Zeit zu gehen, ist richtig schön! Gut eineinhalb Stunden haben Shirley Holmes das Lagerhaus ins Beben versetzt. Hui! Was haben die denn da für Effektgeräte für die Gitarren?! Und warum geht das so geil auf? Ganz oft bin ich erstaunt, dass Bands mit verhältnismäßig wenig Mitgliedern für eine Power auf die Bühne bringen (Bestes Beispiel: Ghostwoman!). Dieses Trio zerlegt alles. Dabei sind sie nicht nur so super sympathisch, sondern zeigen mit und zwischen ihren Liedern auf, worauf es als Gesellschaft ankommt: Wir müssen es schaffen, zusammen zu halten, Widerständen etwas entgegen zu setzen und den humanistischen Herzschlag am pulsieren zu halten. Dann erdrücken einen die aktuellen Bestrebungen nicht mehr so doll. Und dafür sind eineinhalb Stunden Auszeit mit Shirley Holmes genau das Richtige. Sie haben richtig viele neue Lieder präsentiert und auch Steff von Alarmsignal kam für zwei Songs mit auf die Bühne.

Wenn man dann mal den Blick durchs Publikum schleifen lässt, wird eines (vielleicht) klar: Ich bin sicher nicht der einzige gewesen, dem dieses Konzert so richtig gut tat. Bestärkt und innerlich total glücklich ging es dann nach Hause. Auch wenn meine Beine mich nicht mehr tragen wollten und die Bahn ausfiel und stattdessen der Bus fuhr. Alles egal. Für diesen Gig!

27.03.25 Hannover, Lux
28.03.25 Essen, Don't Panic
29.03.25 Würzburg, Don't Panic
05.04.25 Berlin, SO36
06.06.25 Beverungen, Orange Blossom Special Festival
07.06.25 Merkers, Rock am Berg Open Air
28.06.25 Hergensweiler, Woodstockenweiler Festival
05.07.25 Remchingen, Steinbruch Benefiz Open Air
09.10.25 Nürnberg, Z-Bau
10.10.25 München,
11.10.25 Graz (AT), tba
07.11.25 Bielefeld, Forum
08.11.25 Köln, Blue Shell