Mittwoch, 17. Juli 2019

Enno Bunger - Was berührt, das bleibt

Bild: ennobunger.de
(sb) So, ich muss gleich mal gaaaaaaaanz weit ausholen: Ich komme ja aus dem Süden Deutschlands und da heißt man nicht Enno. Mohammed vielleicht. Oder Giuseppe, Oleg und Slobodan. Aber sicher nicht Enno. Als ich vor ein paar Jahren erstmals von einem Sänger namens Enno Bunger hörte, habe ich folglich ernsthaft gegoogelt, ob das tatsächlich ein Name ist und woher der kommt. Und siehe da: Wikipedia hatte eine Antwort parat und ich war wieder ein bisschen schlauer. Besagter Musiker begleitet mich seitdem jedoch in regelmäßigen Abständen, wobei es bislang meist einzelne Tracks waren, die mich ansprachen, teilweise begeisterten. Regen, Renn, Neonlicht - fantastische Songs, großartige Texte, starke Arrangements! Auch die überaus sehens- und hörenswerten Auftritte bei TV Noir habe ich mir immer wieder reingezogen, doch erst jetzt, mit seinem neuen Album Was berührt, das bleibt (VÖ: 26.07.), steigt der Ostfriese bei mir in den Bewusstseins-Olymp auf. Dafür aber umso beeindruckender und nachhaltiger...

Nachdem über die letzten Wochen hinweg bereits mehrere Singles samt Video ausgekoppelt worden waren, erreichte uns kürzlich die erlösende Mail mit dem Download zum Album. Ganz ehrlich: so viel Vorfreude auf Musik hatte ich schon sehr lange nicht mehr verspürt. Also CD gebrannt, mich für ne Stunde von der Familie verabschiedet und ab ins Musikzimmer. Einsamkeit. Ruhe. Konzentration.

Ist Kalifornien noch ein überdurchschnittlicher, aber doch radiotauglicher Song, der in erster Linie unterhält, holt mich Bucketlist direkt mal an einem Punkt im Leben ab, an dem man ganz hart zwischen Verantwortungsbewusstsein, Unternehmungslust, Freiheitsdrang und Familie abwägen muss, an dem man gezwungenermaßen Kompromisse schließen muss, um seine Geliebten nicht vor den Kopf zu stoßen und nicht immer das tun kann, was man möchte. Kann man wirklich nicht? Ist die Bucketlist wirklich die richtige Lösung? Oder muss man doch manchmal (oder öfter?!) das tun, was einen selber glücklich macht und erfüllt, um auch anderen gegenüber zufriedener aufzutreten ohne einen Groll zu hegen, der nur in einem selber begründet liegt? Noch habe ich die Antwort für mich nicht definiert, der Track hat mich aber sehr zum Nachdenken angeregt.

Bild: goeticket.de
Bei Track 3 fließen dann erstmals Tränen. Tränen der Rührung für diese Hymne an die Freundschaft, an das Leben. Ponyhof ist die Hochzeitsrede in Liedform von Enno Bunger an seinen besten Freund und Schlagzeuger Nils Dietrich, eine Reminiszenz an die gemeinsame Jugend, an alles, was die beiden zusammen er- und durchlebt haben. Eine Liebeserklärung von unvergleichlicher Intensität und ein Loslassen, weil der Sänger genau weiß, dass er es wegen der Richtigen tut. Was für wunderschöne Worte, welch überwältigende Gefühle.

Fade out, fade in: Stark sein. Eben noch der schönste Tag des Lebens, im nächsten Moment der Augenblick, in dem ein geliebter Mensch die Nachricht einer schweren Nachricht erhält. Ein Schlag in die Magengrube. Wieder Tränen, diesmal Trauer, Niedergeschlagenheit. Wer sowas selber schon mal erleben musste, wird unweigerlich daran erinnert und das Leiden kehrt zurück. Der Moment, der alles ändert, der den Anfang vom Ende darstellen könnte. Traurigkeit, Kampfgeist, Verletzlichkeit, aufkeimende Hoffnung, Rückschläge, Zusammenhalt - 3 Minuten 49 Sekunden pures Gefühlschaos mit Gänsehautgarantie.

Und Enno Bunger hört einfach nicht auf. Nochmal tief schlucken bei Die Bäume streuen Konfetti, nochmal Kampf mit den Tränen, nochmal verloren. Der Song an sich ist schon beklemmend, seine volle Wirkung entfaltet er aber erst in Verbindung mit dem dazugehörigen Video (siehe unten). Darin zu sehen: der Sänger, seine Freundin und sein bester Freund Nils, wie sie dessen verstorbener Ehefrau gedenken. So schauderhaft und doch so schön, dass jemand diese Gefühle so authentisch und völlig frei von Kitsch in Worte und Melodien verpacken kann.

Die gut zwei Minuten des ebenfalls sehr starken Glaube an die Welt gehen wie im Flug und viel zu schnell vorbei, zu sehr steckt man noch im Trauermodus und verarbeitet das zuvor Gehörte.

Bild: facebook.com/ennobunger

Wofür hältst Du Dich und Wolken aus Beton sind beide für sich ebenfalls tolle Songs mit herausragenden Texten und stecken problemlos die meisten anderen deutschsprachigen Songwriter in die Tasche. Nach den ersten paar Tracks des Albums erscheinen sie aber mehr wie eine Verschnaufpause und Regenerationsmaßnahme für die geschundene Seele. Mit Niemand wird Dich retten kommt dann tatsächlich ein Lied, das mich zwar unterhält, aber nicht persönlich anspricht. Es wird das einzige auf diesem überragenden Album bleiben.

Es folgt One-Life Stand, der Song, den ich wahnsinnig gerne meiner Frau geschrieben hätte. Wie schön kann man seine Liebe eigentlich zum Ausdruck bringen? Wie gefühlvoll kann man seinem geliebten Menschen mitteilen, dass man nie mehr ohne ihn sein möchte und dass alleine der Gedanke an den Partner einen mit so einem wohligen Schauer erfüllt, dass man vor Glück fast übersprudelt?

Nach all den traurigen Passagen auf diesem Album erscheint ein Track namens Weichzeichnungsfilter zum Abschluss zunächst mal wie blanker Hohn. Wenn man sich das Lied dann jedoch anhört, mit dem Protagonisten die Kindheit, die Jugend und das Erwachsenwerden erlebt, Freude, Enttäuschungen, Trauer und Euphorie teilt, erkennt man recht schnell, dass der Künstler hierfür keinen besseren Titel hätte wählen können.

Enno Bunger hat ein Album über den Tod geschrieben. Und über das Leben. Über Verlust und über Mut. Mit Was berührt, das bleibt setzt er sich auf die Pole Position im Rennen ums Album des Jahres und legt die Messlatte für alle kommenden Releases des Jahres extrem hoch.







Dienstag, 16. Juli 2019

Dope Lemon - Smooth Big Cat

Bescheiden: Angus Stone aka Dope Lemon. Foto: Jennifer Stenglein
(ms) Es gibt mehrere Richtungen der Sommermusik. Da ist die schlechte à la Ketchup Song und Desparcito oder dergleichen Turbomüll. Dann gibt es auf der guten Seite beispielsweise tanzbare Musik von #zweiraumsilke.
Dazu gesellt sich nun die extreme Chiller-Mukke. Und die gibt es von Dope Lemon in Reinform. Hinter dem einfallsreichen Namen steckt Angus Stone, den ihr sicher von der Musik mit seiner Schwester Julia kennt. Dass er auch solo unterwegs ist, war mir bislang unbekannt, doch eine EP und ein Album hat er unter seinem Künstlernamen schon veröffentlicht. Und das auch recht erfolgreich. In seiner Außendarstellung - Fotos, Videos etc. - macht er auch keinen Hehl daraus, dass das Dope aus dem Alias keine Effekthascherei ist, sondern Leidenschaft, Hobby, Bestimmung.
Bei der Ankündigung zu Big Smooth Cat (Veröffentlichung: 12. Juli, letzter Freitag) war ich etwas skeptisch. Denn das letzte gemeinsame Werk mit Julia, Snow, war unglaublich langweiliger Radioschrott. Doch damit haben wir es hier nicht zu tun. Diese Platte ist ein Traum!



Bevor wir zum Klang der Platte kommen, wollen wir den Pressetext erklären lassen, was es mit dem Titel des Albums zu tun hat: Die Smooth Big Cat ist "eine Mythen-umwehte Kreatur des Müßiggangs, die für ihre ausschweifenden Herrenabende berüchtigt ist. Whiskey trinkend und Schallplatten hörend schlägt sie sich die Nächte mit ihren zwielichtigen Freunden um die Ohren. Am echten Leben ist dieses Wesen nicht interessiert, sondern lässt sich lieber treiben, wohin sie der Wind auch trägt."
Wenn man diesen Zustand erreichen sollte, sind die zwölf Tracks genau das richtige. Der Opener Hey You ist schon sehr repräsentativ für das ganze Werk. Es sind viereinhalb Minuten voller Groove, in denen Angus Stone seine Stimme mal so richtig nach verrauchter Eckkneipe klingen lassen kann. Und das geht genauso weiter. Die andere Single Salt & Pepper lief bei mir schon tagelang hoch und runter. Grundlage sind geschmeidige Gitarren-Riffs, aber hauptsächlich bestechend eingängige Percussion. Dazu gibt es auch ein herrliches Video, das einen mitnimmt auf einen psychedelischen Trip durch die Nacht und diverse Substanzen.



Stone bietet auf dem gesamten Album die Kiffervariante von Easy Listening. Man kann sich ganz entspannt zurücklehnen, alle Sorgen beiseite legen, die To-Do-Liste von morgen getrost mit dem Feuerzeug anstecken und bloß nicht vom Sofa aufstehen. Selten so viel Groove gehört.
Auch von verzerrtem, aber total entschleunigtem Bass macht er auf Lonely Boys Paradise Gebrauch. Man baucht gar kein THC, um sich für diese Musik zu berauschen. Das schaffen die Lieder aus ihrer innewohnenden Energie von ganz allein. Wobei man bei dem Titel Dope & Smoke schon auf andere Gedanken kommen könnte.
Ab und ab könnte man Smooth Big Cat schon vorwerfen zu eingängig zu sein. Aber dann hat man diese Art von Musik nur nicht verstanden. Das ist schon beabsichtigt so: bloß keine Aufregung, kein Stress, keine Experimente. Einfach ein paar geschmeidige Gitarren, ein paar Trommeln und diese wunderbare Stimme von Angus Stone und fertig ist ein herrlich entspanntes und sehr gutes (ja, die Qualität der ganzen Platte ist nicht zu untergraben) Album! Gebt Euch das!

Man darf gespannt sein, wie das live wird!

17.09. Berlin - Huxleys
18.09. Hamburg - Reeperbahn Festival
20.09. Köln - Live Music Hall
21.09. München - Muffathalle
22.09. CH-Zürich - Plaza

Sonntag, 14. Juli 2019

Live in Münster: Nah am Wasser Festival

Kettcar in Münster. Foto: luserlounge
(ms) Dass Münster eine Regenstadt ist, ist eine Binsenweisheit. Aber Münster kann auch eine Sonnenstadt sein. Und das wurde am Samstag auf dem Gelände des Coconut Beach bestens bewiesen. Denn: In allen Tagen zuvor wurden massiver Regen und nur schlappe achtzehn Grad angekündigt. Spätestens am Nachmittag kam die wärmende Sonne raus und bescherte im Zusammenspiel mit tollen Künstlern und super Publikum einen hervorragenden Sommersamstag beim Nah am Wasser Festival. Ja, das Areal ist nicht prädestiniert für ein Indie-Gitarren-Tag. Üblicherweise legen dort DJs auf und es wird durch den Tag getanzt. Am Samstag haben andere Genres für gute Laune gesorgt.

Extrem schade war, dass wenige Tage vorher Mine krankheitsbedingt absagen musste. Ich hätte sie sehr gerne mal live gesehen. Doch der gute und sehr spontane Matze Rossi ist für sie eingesprungen.
Wir haben die ersten paar Bands verpasst und stiegen zu Neonschwarz ein. Die Hamburger Swizzys haben mal wieder Rap in Reinform dargeboten mit augenzwinkerndem Mackertum und klarer Kante gegen alles was von Rechts kreucht und fleucht. Da dürfen natürlich auch Festivalspäße wie alle-in-die-Hocke-und-dann-durchdrehen nicht fehlen. Die Meute hat selbstredend mitgemacht. Auch schön: Eine große Regenbogenflagge wurde immer wieder geschwenkt. Sehr schön!

Das Gelände und Granada. Foto: luserlounge
Danach trat die Band Granada aus Graz auf. Haben wir von etwas weiter hinten verfolgt. Aber: Sie haben für erstaunlich beschwingte und gute Laune gesorgt. Dabei sei gesagt, dass sie mit dem Stil von Bilderbuch oder Wanda - nur weil sie aus Österreich kommen - nichts zu tun haben. Irre sympathisch und hätte ich mir vielleicht von weiter vorne anschauen sollen. Beim nächsten Mal.
Dann wurde es interessant, denn: Leoniden waren als nächstes dran. Eine Band, die ich überhaupt nicht kannte und die ich nach deren Gig auch nicht weiter kennenlernen möchte. Klar, die Leute sind komplett ausgeflippt und ich habe auch verstanden, wie die Band funktioniert. Viel Show, aber tendenziell etwas für Teenies. Da wusste man auch nicht, ob man sich um den Gitarristen Sorgen machen musste, so wie der sich verbogen hat. Da war Strobo im Kopf! Das war mir zu berechenbar und funktional.
Mag aber auch daran liegen, dass ich wegen meiner Herzensband Kettcar anwesend war. Die fünf jungen Hamburger haben dann auch nochmal ausgesprochen, dass das Areal eigentlich ganz, ganz untypisch für ein Kettcar-Konzert sei. Zudem haben sie bestimmt länger nicht auf so einer kleinen Bühne gespielt. Die großen LED-Wände, die ihre Konzerte zuletzt immer unterstützt haben, passten da nicht drauf. Und dann wurde eineinhalb Stunden genau das umgesetzt, was man von Kettcar erwarten konnte: Eine Reise durch die eigenen Hits, für mich als Nerd wenig überraschende, aber natürlich total sympathische Ansprachen. Was nicht zu erwarten war: lockeres Gepoge vor der Bühne. Das war mein 26. Kettcar-Konzert, das habe ich so noch nicht erlebt. Aber auch schön!
Und zack! war um zehn Uhr Schluss. Die Sonne verabschiedete sich gerade und gut gelaunt gingen die Leute ihrer Wege.
Was an dem Eintagesfestival auch erstaunlich ist: Es kommt mit bemerkenswert wenig Werbung aus. Sowohl waren vor Ort keine Banner von Sponsoren zu sehen und dafür dass es fast ausverkauft war, sah man in der Stadt oder im Netz auch wenig Ankündigungen. Also: Gutes Marketingkonzept! Dann bis nächstes Jahr!

Freitag, 12. Juli 2019

KW 28, 2019: Die luserlounge selektiert

Quelle: trewcreative.com
(sb/ms) Wichtig: Ich war noch nie auf der Fusion und ich habe auch nicht vor hinzugehen. Zudem: Die Menschen beim Y-Kollektiv machen sehr gute Beiträge!
Einer der letzten handelte vom Fusion Festival. Das erste Mal durften Kameras auf das Gelände zum filmen und fotografieren. Ihr erinnert Euch: Der Streit um die Präsenz der Polizei vor Ort. Ich finde, dass es ein sehenswerter Beitrag geworden ist und gut, dass sich die Macher hinter dem Festival die Zeit genommen haben mit Journalisten zu sprechen.
Nun entbrannte sich in den dazugehörigen Kommentaren eine breite Diskussion. Es geht darum, dass durch das erlaubte Filmen auf dem Festival dem Ort seine Magie genommen würde. Wie gesagt, ich war nie da und werde nicht hingehen (nicht mein Genre), aber was ist das denn für ein Quatsch. Logisch, das Fusion Festival hat mehrere Alleinstellungsmerkmale, die in dem Beitrag sehr gut dargestellt werden. Und ich weiß von eigenen, zahllosen Festivalbesuchen, dass noch nie ein Bild oder ein Video den Zauber hätte stehlen können. Es geht bei außerordentlichen Veranstaltungen wie dieser doch um die Stimmung, die Atmosphäre, das was man spürt, das Kribbeln, die Energie der Menschen, der Musik, des Miteinander. Das lässt sich gar nicht abbilden. Was soll's, wenn ich jetzt weiß, wie ein Teil des Geländes aussieht?! Auf dem Campingbereich wurde zum Beispiel gar nicht erst gefilmt.
Das Fusion Festival mag eine drogenberauschte Parallelwelt für ein Wochenende sein. Doch bei 50.000 Besuchern hat auch die Öffentlichkeit ein Interesse daran, wie es dort zumindest aussieht.
Wir jedoch sind die luserlounge. Wir haben ein sehr schwammiges musikalisches Profil. Und heute ist Freitag. Wir haben selektiert:

Mädness
Rap ist ein Karussell. Da springen viele mal auf und ab, manche drehen eine Ehrenrunde und viele finden sich auch für einen gemeinsamen Trip. Zum Beispiel Mädness und Döll. Die haben sowieso schon Spielplatzerfahrung, denn sie sind Brüder. Ich kenne beide aus den Kollabos mit Audio88 und Yassin. Nun wird Mädness sein neues Solo-Album veröffentlichen. Vor 13 Jahren kam sein erstes Release auf den Markt. Nun wird OG am 23. August in den Plattenläden Eures Vertrauens zu finden sein. Es soll um die Emanzipation aus dem Rap-Business und der generellen Freisagung von dämlichen Trends gehen. Eskapismus in Reinform von einem der technisch besten Rapper des Landes. Man darf sich also mehr als freuen. Und man darf schon reinhören!



Antillectual
Als hochpolitische Band verstehen sich Antillectual und das ist gut so und heutzutage wichtiger denn je. "If you're not outraged, you're not paying attention." Das waren die letzten Worte, die Heather Heyer 2017 digital an die Welt richtete, bevor ein Rechtsradikaler sie bei einer antifaschistischen Demonstration in Charlottesville (USA) vorsätzlich mit einem Auto tötete. Im Anschluss an die Fascho-Kundgebungen, die ursprünglich vor allem von Mitgliedern von Alt-Right, dem Ku-Klux-Klan, Neonazis, Neo-Konföderierten, White Nationalists, der White Supremacy und sonstigen Arschgranaten ausgingen und die (natürlich) Gegenbewegungen auf den Plan rief, hatte Präsident Trump nicht Besseres zu tun als zu verkünden, dass beide Seiten für die Unruhen verantwortlichen seien.
Als Antillectual ihre neue Single If You're Not Outraged (VÖ: 09.07.) schrieben, wurde in ihrer niederländischen Heimat ein antifaschistischer Demonstrant verhaftet und des Aufrufs zum Mord angeklagt, nachdem er auf einer Kundgebung zwar geschmacklose, aber harmlose Parolen gerufen hatte. Zuvor war das rechtsgerichtete und EU-feindliche "Forum voor Democratie" als Sieger aus einer Provinzwahl hervorgegangen. Die Band dazu: "Rechtsradikale Ideologien sind auf dem Vormarsch. (...) Um es klar zu sagen: Wir finden das eine schlechte Sache. Infolgedessen gewinnt auch der Antifaschismus an Dynamik und das sehen wir sehr positiv. Antifaschismus ist kein Verbrechen!"

Demnächst auf Tour:

13.07. DE - Hormersdorf, KNRD Fest
20.07. NL - Zaanstad, Haltpop
21.07. NL - Koog, Haltpop Festival
26.07. DE - Hamburg, Markthalle (mit Propagandhi)
02.08. BE - Duffel, Brakrock
09.08. DE - Lingen, Abifestival
10.08. NL - Amsterdam, Melkweg (mit Descendents)
24.08. DE - Bergen, Ein Festival der Vielfalt
13.09. DE - Köln, Sonic Ballroom
14.09. BE - Namur, Fetes de Wallonie
20.09. DE - Göttingen, einsB
21.09. DE - Berlin, Heart Attack Festival
16.11. TR - Istanbul, Karga Bar
23.11. DE - Alfeld, Alfeld Rockt
07.12. DE - Jena, Rosenkeller
28.12. NL - Nijmegen, Friends First Fest


Donots
Es ist so gut wie unmöglich die Donots nicht live gesehen zu haben. Die Ibbenbürener - durch die diese Stadt zwischen Osnabrück und Münster auch erst bekannt wurde - spielen unermüdlich Gigs auf Festivals und eigenen Tourneen. Das tun sie seit geschmeidigen 25 Jahren! Als ich im Kindergarten Burgen baute, haben die Fünf schon in die Gitarren gehauen. Ein viertel Jahrhundert Donots, sie feiern heute mit der Veröffentlichung ihrer Werkschau Silverhochzeit! 25 Jahre, 25 Lieder. Von den Anfängen in allerbester schrammeliger Punkrock-Manier über Hits wie We're Not Gonna Take It bis hin zu den deutschsprachigen Songs wie Keiner Kommt Hier Lebend Raus. Sie sind nicht nur gute Musiker, sondern auch Typen mit Haltung und unglaublich viel Sympathie. Diese Doppel-LP macht sich gut in jeder Plattensammlung!
Zudem sind sie hier demnächst auch wieder live zu sehen:

12.07. CZ - Tabor, Mighty Sounds Festival
13.07. Straubenhardt, Happiness Festival
20.07. Cuxhaven, Deichbrand Festival
08.08. Eschwege, Open Flair
09.08. Püttlingen, Rocco del Schlacko
10.08. Rothenburg, Taubertal Festival
22.08. Pügnitz, Pangea Festival
28.08. Hamburg, Sommer in Altona (Podcast)
31.08. Lüdenscheid, Bautz Festival
14.09. Ibbenbühren, JKZ Scheune, Donots Open Air



Frightened Rabbit
Wir hatten ja bereits angekündigt, dass anlässlich des 10-jährigen Jubiläums des Frightened Rabbit-Albums The Midnight Organ Fight eine Sonder-Edition des Werkes mit ausschließlich Cover-Versionen erscheinen würde und heute ist es endlich so weit: Tiny Changes heißt das gute Stück und ist nicht zuletzt aufgrund des zwischenzeitlichen Suizids von Frightened Rabbit-Kopf Scott Hutchison eine ganz spezielle Hommage an die Band und ihren charismatischen Sänger.
Namhafte Musiker wie Biffy Clyro, Daughter, Wintersleep oder Benjamin Gibbard (Death Cab For Cutie) verpassen den den FR-Klassikern mal mehr und mal weniger neue Kleider und interpretieren die Songs nach ihrem Gusto. Für Fans (und als solchen würde ich mich durchaus bezeichnen) ne super Sache, Neueinsteigern würde ich aber erstmal das Original empfehlen, denn gerade aus der fragilen Persönlichkeit und Stimme Scott Hutchisons bezogen Frightened Rabbit und deren Songs das Gros ihrer Einzigartigkeit und sind wir doch mal ehrlich: eine Coverversion kann man erst beurteilen, wenn man weiß, wie der Song ursprünglich klang, oder?



I Drew Blank
Schwenken wir in die kreative Indie-Szene Berlins. Da haben sich drei Protagonisten zusammen getan, die bereits anderweitig unterwegs sind: Bassistin & Sängerin Oyèmi Hessou (Jaguwar), Gitarrist & Sänger Dominik Jureschko (White Hand Gibbon) und Schlagzeugerin Eilis Frawley (Party Fears). Zusammen sind sie I Drew Blank und haben Ende Juli ihre gemeinsame EP Interesting Life Choices veröffentlicht. Was für ein brillianter Titel für eine Veröffentlichung. Die ausgekoppelte Single Uncomfy hat gute zwei Minuten Spieldauer und haut in die Kerbe der Art von Indie-Rock, wie er vor über zehn Jahren erfolgreich war. Ein bisschen Nostalgie kommt bei diesem Track schon hervor. Aber es klingt großartig. Und die Presse-Info schreibt zudem über die Texte: "Dunkle Welten und Geschichten über das Ende der Liebe treffen in den fünf Songs ihrer EP auf Besinnung und brutale Ehrlichkeit." Sind das nicht die Gründe, warum wir dieses Genre so lieben?!

Dienstag, 9. Juli 2019

Batushka - Hospodi

Batushka. Foto: Jacob Dinesen
(ms) Ist die polnische Band Batushka heute das, was man sich insgeheim von Ghost erhofft hat? Die Musiker treten ebenfalls komplett maskiert auf und sie blieben bislang erfolgreich anonym; bis zum erfolgreich öffentlich ausgeführten Rechtsstreit. Zudem spielen sie mit Elementen des Christentums. Jedoch unterscheiden sie sich auch stark von Cardinal Copia und Co. Ihr Sound ist wesentlich härter, sie singen auf polnisch, integrieren das Spiel mit dem Religiösen stärker in ihre Live-Shows; zumindest so viel wie auf Videos zu sehen ist. Wobei die Duftstäbe, Bühnendeko und insbesondere das Abendmahl-Feiern mit den Sisters of Mercy bei Ghost-Konzerten schon toll sind. Der große Unterschied besteht jedoch darin, dass Batushka schon auch eine Show darbieten, aber nicht auf diese heillos und etwas nervige popkulturelle Art wie die Schweden.
Batushka veröffentlichen am Freitag (12. Juli) ihr zweites Album. Es heißt Hospodi und hat hat ordentlich Dampf zu bieten! Der Albumtitel ist eine Bezeichnung für Gott aus dem Altslawischen.



Machen wir dafür einen kleinen Ausflug in die Welt der christlichen Mystik. Dies ist nicht gleichzusetzen mit Okkultismus. Okkultes ist im weitesten Sinne Esoterik, paranormale Erscheinungen und andere nicht-wissenschaftliche Parts im religionsähnlichen Bereich. Mystik hingegen hat eine lange Tradition in der Kirche. Mystik ist das Verborgene, Geheimnisvolle, Unausdrückbare. Persönliche Erfahrungen sowie die Einswerdung mit Gott, die sogenannte Unio Mystica, sind dabei von zentraler Bedeutung. Dabei soll die Seele oder der menschliche Geist mit einer letzten und höchsten Wahrheit vereint werden und eine besondere Form menschlichen Erkennens und Verhaltens verstanden sein. Warum nicht mit Brechstangenmetal aus Polen?
Batushka arbeiten zudem mit zentralen Elementen der byzantinischen Kultur und der orthodoxen Kirche. Zu hören ist das im mönchsähnlichen Gesang, der durch das klassische Gekreiche des Black Metal ergänzt wird. Doch zum Glück zieht sich dieser gutturale Gesang auf Hospodi nicht gänzlich durch, nervt also nicht sondern fügt sich zu einem durchaus harmonischen Gesamtbild.
Allein aus diesen äußeren Merkmalen kann man schon festhalten: Hospodi ist ein sehr vielschichtiges Album und die Spielereien der Band keine Attitüde, sondern sie haben sich tiefgehend damit beschäftigt.



Kommen wir zum Kern der Veröffentlichung: Wie klingt das nun also?
Der Beginn macht schon mächtig neugierig. Denn: Auf Wozglas sind zweieinhalb Minuten nur Glockenschläge und polnischer Mönchsgesang (ich nenne das einfach mal so, stimmt wahrscheinlich gar nicht, aber so kann man sich etwas drunter vorstellen) zu hören. Und danach geht es rund. Die Lieder verschmelzen zwar ineinander, doch die einsetzenden etwas schwerfälligen Gitarrenriffs geben das Leitmotiv für die kommenden Lieder. Dann setzt ein wirbelndes Schlagzeug (Achtung: massiver Einsatz der Dubblebass!), dazu kommt noch mehr Gitarre und der Black Metal-typische Gesang. Das ist brachial, aber extrem harmonisch und ausgefeilt. Dziewiatyj Czas macht schon viel Spaß! Und immer wieder chorischer Gesang, sehr raffiniert!
Natürlich steckt da - wie bei Ghost - viel Kalkül für ein Gesamtbild hinter, aber es geht hervorragend auf!

Wobei man für alle Freunde der nicht so harten Gangart sagen muss: Es gibt auch immer wieder recht (hard)rockige Parts, es ist kein Dauerfeuerwerk. Das sorgt für Pausen und etwas Entspannung zwischendurch, wie man in Powieczerje gut hören kann. Die Stücke sind abwechslungsreich und spannend. Worum es in den Texten geht? Puh, schwer das detailliert zu sagen. Doch Presse-Text und die Gesamterscheinung lassen auf Christliches, Orthodoxes, Religiöses, Mystisches schließen.
Klar, man merkt, dass hier keine Metal-Profis schreiben, aber ab und an läuft doch gerne solche Musik durch meine Kopfhörer und Boxen. Batushka vereinen vielleicht die Stärken ihrer Landsleute Behemoth und der schon erwähnten Ghost, ohne deren Schwächen mitzuschleppen.
Wenn das Album dann noch mit einer dreiteiligen Video-Saga begleitet wird, ist das ein vollendeter künstlerischer Rahmen, dem ich mich gerne hingebe.
Hört mal rein, gebt der Musik eine Chance, sie kann schneller verzaubern, als man glaubt!

Freitag, 5. Juli 2019

KW 27, 2019: Die luserlounge selektiert

Quelle: dinahoverlien.com
(ms/sb) In zwei Wochen startet das Deichbrand Festival. Letztes Jahr wollte ich mich ja eigentlich von den großen Festivals verabschieden. Zu groß, zu viel Ballermannatmosphäre, weniger Spirit. Doch ich habe mich von Freunden breit schlagen lassen, um an der Nordsee das Hirn zu ent- und die Trinkfähigkeit zu belasten. Leider ist das Line-Up auf den ersten Blick gar nicht mal so gut. Fettes Brot, Alligatoah, Biffy Clyro und Thirty Seconds To Mars als Headliner?! Puh, da gehe ich lieber Bier genießen. Aber auf den zweiten Blick warten an dem Wochenende doch einige Perlen, die sich sogar kaum überschneiden. Denn bei diesen Acts bleiben wohl kaum die Beine, Hüften und Kehlen stumm: Russkaja, Talco, Wanda, Feine Sahne Fischfilet, sookee, Blood Red Shoes, Tocotronic, Marathonmann, Donots, Dendemann, The Kooks, Two Door Cinema Club, Adam Angst, Swiss und Die Andern, Mine, Johnossi und Madsen werden auf jeden Fall den Nachmittag und frühen Abend sauberst gestalten. Und wenn Frittenbude Sonntagnacht um halb zwei auf die Bühne treten - direkt nach Marsimoto - gibt es sicherlich kein Halten mehr. Die Koffer sind also gepackt.
Selektiert haben wir natürlich auch. Weniger Festivalmusik, aber absolute Perlen von laut bis leise.

Sail By Summer
Fjorde, Berge, goldene Flüsse, viel Regen und sogar im Sommer bleibt es kühl - das ist Bergen, Norwegen. Aus dieser erfrischenden Umgebung stammen Sail By Summer, die norwegisch-dänische Band, die uns bereits mit ihrer Vorab-Single Fetch You Roses so begeistern konnte.
Nun liegt uns auch das mit Spannung erwartete Debütalbum Casual Heaven (VÖ: 09.08.) vor und das hält, was wir uns davon versprochen haben: Lieder über Sehnsucht und mangelndes Selbstvertrauen, über Gleichgültigkeit und die schwierige Frage, welchen Weg man im Leben einschlagen möchte. Zeitweilig fühlt man sich an The Cure, Pink Floyd oder Death Cab For Cutie erinnert und doch schaffen es Sail By Summer, ihren eigenen Stil zu kreieren damit mehr als nur zu gefallen. Sehr, sehr starkes Album, das wir Euch hiermit ans Herz legen wollen.


Django 3000
Irgendwas läuft im wunderschönen Chiemgau seit ein paar Jahren gewaltig richtig, denn mit dem Keller Steff, der Mundwerk Crew und LaBrassBanda (um nur ein paar zu nennen) haben es einige Bands geschafft, sich auch über den Weißwurstäquator hinaus einen Namen zu machen. Dazu gehört ganz sicher auch Django 3000, die mit ihrem gypsyangehauchten Folkrock sogar in den Top 20 der deutschen Albumcharts aufschlugen. Heute erscheint nun endlich Django 4000, das neue Werk des Quintetts und das verknüpft bekannte Stärken der Band mit modernen und ungewohnten Elementen. Buam, muss Autotune wirklich sein? Ernsthaft? Ganz übel! Da vergeht einem der Hörspaß gewaltig und der Ärger über diese Aussetzer (in Magnet) ist so stark, dass man sich über tolle Songs wie Heimat gar nicht mehr recht freuen kann. Und gerade wenn man sich denkt, dass sie die Kurve doch noch bekommen haben (Voodoo ist ein super Track!), wird der Eindruck durch Gold Digger, das völlig unverständlicherweise auch noch als Single ausgekoppelt wurde, wieder zunichte gemacht. Auch englische Texte bei Django 3000 sorgen bei mir nicht gerade für Jubelstürme, die Stimme von Kamil Müller klingt aber in jeder Sprache geil und insofern sei ihnen das nochmal verziehen. Wird jetzt sicher nicht mein Lieblingsalbum, wächst aber immerhin mit jedem Anhören.



Great Red Silence
Vor einigen Monaten haben wir Euch begeistert über die Musik von The Boys You Know berichtet. Einige der Protagonisten sind jetzt auch anderweitig aktiv. Die fünf Wiener nennen sich Great Red Silence. Doch von Ruhe keine Spur. Beim Hören ihrer Single 4AM wird klar: hier will man sich nicht einigen auf ein Genre; ein bisschen Psychedelisches, klare Gitarren und tatsächlich so etwas wie Blues schimmert hindurch. Sehenswert ist das passende Video: Es bebildert den roten Erzählfaden des kommenden Albums White Shark Café (VÖ: 27. September). Denn in diesem Café erzählt jemand von seinen surrealen Erlebnissen und Reisen. Das ist im Video mehr als gut zu sehen. Ein irres Kidnapping, inszeniert vom Puppenspieler Christoph Bochdansky, wird zum Höllentrip. Der Sound untermalt dieses mulmige Gefühl ziemlich gut:



Cavallo
Für die folgende Band sind gewisse Ausgangsvoraussetzungen wichtig. Sitzt ihr sicher? Seid ihr womöglich angeschnallt? Legt bitte heiße oder kalte Getränke aus der Hand. Denn es ist durchaus möglich, dass sich euer gesamter Körper zum Klang von Cavallo in Bewegung versetzen mag! Denn: Das ist instrumentale, massive Gitarrenmusik, die einen nicht kalt lässt. Ein Mix aus der deutschen Band Instrument, Mogwai und Blackmail ungefähr. Die Band aus Brooklyn veröffentlichte letzten Monat ihren Erstling Interstices auf CD. Und die Nerds unter uns, können auch ihre Vinylsucht befriedigen, denn Kapitän Platte aus Bielefeld hat 300 Stück auf Lager. Exklusiv für ganz Europa.
Die sieben Tracks strotzen vor Energie. Erhabene Soundflächen breiten sich aus, ein treibendes Schlagzeug gibt keine Ruhe, die Gitarren gehen hoch und runter und der Bass tut, was ein Bass tun muss. Sofort verliebt in diesen Klang! Die Songs sind zwischen zwei und acht Minuten lang und es ist unnötig einen herauszuheben. Erst als Gesamtwerk mach Interstices richtig Sinn. Ein wahres Brett an Musik!




The Screenshots
Wie schön es doch manchmal ist, wenn man nicht weiß, wer da eigentlich genau musiziert. Denn die drei von The Screenshots heißen ja nicht wirklich Dax Werner, Susi Bumms und Kurt Prödel. Das ist klar. Ist ja auch nicht wichtig, wer das ist. Dann kann man wenigstens das Augenmerk auf die Texte und die Musik fokussieren. Und irgendwo aus den Sphären des Internets kommt dann ein Hype. Der endete darin, dass ihr erster Live-Auftritt überhaupt direkt im Fernsehen, direkt bei Böhmermann stattfand. Der Gedanke liegt nahe, dass da keine Unbekannten am Werk sind. Und wie klingt das jetzt?! Die PR-Meldung sagt: Ein Mix aus den frühen Tocotronic und Sportfreunde Stiller. Was ungewohnt erscheint, ergibt Sinn. Einfach mal reinhören, dann hört man beides raus. Es geht um Gefühle, Kultur, Geschlechterrollen. Diskurspop also, der ergänzt wird durch Tracks über Cornetto-Eis (Simon Pegg und Nick Frost lassen grüßen). Das Album heißt Europa LP und erschien über Staatsakt. Muss man noch mehr sagen? Ja, die Tour findet unter dem Motto "Liebe Grüße an alle" statt. Also: Hin da!

19.11. - Bremen, Lagerhaus
20.11. - Berlin, Zukunft am Ostkreuz
21.11. - Leipzig, Ilses Erika
22.11. - Chemnitz, Atomino
23.11. - Wien, GrillX
24.11. - Salzburg, Rockhouse Bar
26.11. - München, Milla
27.11. - Karlsruhe, Kohi
28.11. - Stuttgart, Merlin
29.11. - Mainz, Schon Schön



Subshine
Zum Abschluss kehren wir nochmal zurück nach Bergen, der Stadt die uns ja auch schon Sail By Summer schenkte. Auch Subshine stammen von der Südwestküste Norwegens und veröffentlichen am 19.07. ihr Debütalbum Easy Window. Wir gehen davon aus, dass niemand von Euch je von der Band gehört hat, oder? Das solltet Ihr schleunigst ändern, denn die Band um Ole Gunnar Gundersen (Ex-Lorraine) besticht durch elektronischen Pop, in dem Sehnsucht und Hoffnung die zentralen Motive darstellen und der die Gedanken zu stundenlangen Spaziergängen in der atemberaubenden norwegischen Landschaft einlädt. Hört es Euch am Besten mal selber an!




Donnerstag, 4. Juli 2019

Nola Is Calling - Sewing Mashine Effects

(ms) Letztens habe ich endlich den Film Green Book gesehen. Großartig, jeder verliehene Preis ging da auf jeden Fall in die richtigen Hände. Meines Erachtens auch ein eindrucksvoller Beweis, dass Viggo Mortensen einer der vielseitigsten Schauspieler derzeit ist! Neben der Geschichte um Musik, Freundschaft und dem Amerika der 60er Jahre, ist das titelgebende Schriftstück von großer Bedeutung. Das Green Book. Es war eine Art Reiseführer für die afroamerikanischen BürgerInnen. Ach, nee. Das klingt zu euphemistisch. Es ist eine Auflistung von Hotels, Motels etc., in denen Schwarze willkommen waren. Heißt: Meist die allerletzten Ramschbuden, weil man sie sonst nirgends sehen wollte.
Die sechs Musiker hinter dem Projekt Nola Is Calling haben sich ein ähnlich drastisches Schriftstück vorgenommen, das ihren Texten und Sounds zugrunde liegt: der Code Noir. Ein aus dem 17. Jahrhundert stammende Gesetzessammlung aus Frankreich, das die "Rechte" von schwarzen Sklaven in den französischen Kolonien regelte. Lest mal nach, was da Abscheuliches drin steht.



Aus der Geschichte von ethnischer Diskriminierung Kunst machen. Das ist ein äußerst ehrenwerter Ansatz. Und Projekt ist hier genau der richtige Begriff: Drei Musiker aus New Orleans trafen für das Album Sewing Mashine Effects (VÖ: letzten Freitag) mit drei anderen Musikern aus Paris, Marseille und Coutonoe, Benin, zusammen. Ein Clash of Cultures, der in jedem der 13 Lieder des Albums zu hören sind. Viele Genres, Vorlieben und Hintergründe von HaSizzle, Bonaventure Didolanvi, Big Chief Jermaine, Olivier Kounduno, David Walters und Big Chief Romeo.
Es scheint ein wirr zusammengewürfelter Haufen zu sein. Doch das stimmt nicht. Antreiber ist das Label Jarring Effects aus Frankreich, die schon vorher zeitlich begrenzt agierende Bands zusammengestellt hat. Nach Kaptsadt und Detroit soll nun also der Sound von New Orleans, die wohl afroamerikanischste Stadt der USA, eingefangen werden. Daher auch der Name: Nola besteht aus den Initialen von New Orleans und seinem Bundesstaat Lousiana. In den 13 Tracks stecken Rap, R'nB, elektronische Elemente, kreolische Gesänge, westafrikanische Percussion und Jazz.



Jetzt kommen wir zu dem schwierigen Part an diesem Release: Der inhaltlichen Bewertung. Diese ist ja immer abhängig vom persönlichen Geschmack und dessen Vorlieben. Ich kann wohl sagen, dass ich die Kunst dahinter sehe und schätze. Aber zum großen Teil ist es einfach nicht mein Ding. Und ja, es liegt daran, dass der Klang mir nicht gewohnt ist. Mal sind in einem Lied die Brüche zu stark, der Gesang nicht so rund (in meinen Ohren) und es catcht nicht so sehr (Take The Crown). In Nola Is Calling wird (wahrscheinlich) Hang gespielt, wie Manu Delago es auch so gern und gut tut. Doch auch hier kommt kein runder Hörgenuss zustande. Tracks wie Ljo Ya haben durchaus Groove, aber es zündet nicht so sehr. Die Songs mit Soul- und/oder Rap-Elementen haben jedoch eine Menge Charme, beispielsweise This Is New Orleans.
Doch ich will diese Platte gar nicht so schlecht machen. Hier ist ganz deutlich, dass es reine Geschmackssache ist. Meiner ist es nicht. Doch: Hört mal rein und vielleicht verfallt ihr ja dem teils hypnotischen Klang.

Samstag, 29. Juni 2019

Live in Bremen: An Horse

Micah Erenberg (l.) mit Damon und Kate. Foto: privat
(ms) Freitag Abend. Bremen. Die Weser ruft. Man hört ja viel Schlechtes aus dem kleinsten Bundesland; hohe Schulden und viel Arbeitslosigkeit und das Ergebnis der letzten Bürgerschaftswahl. Aber man muss auch sagen, dass die Stadt viel, viel Tolles zu bieten hat. Eine zum Teil wirklich schöne Innenstadt, viele feine Häuschen und anderweitige Bauten und natürlich der große Fluss. Bernd Begemann lag schon richtig: In Städten mit Häfen haben die Menschen noch Hoffnung.
Zum Beispiel auf gute musikalische Abendunterhaltung. Die lieferten gestern An Horse und Micah Erenberg. Es war der letzte Gig ihrer gemeinsamen Tour und zum aktuellen Album Modern Air, das das australische Duo erst kürzlich vorgelegt hat. Die Definition von sauberem Indie-Gitarren-Rock! Der Tower - ein wirklich schnuckeliger Club in Bahnhofsnähe - war anfangs überschaubar gefüllt, doch insgesamt 50 Leute haben den Weg schlussendlich doch gefunden.
Und sie wurden belohnt! Denn der Singer/Songwriter Micah Erenberg wusste die Besucher sehr gut zu unterhalten. Nicht nur seine Ansagen ließen die Gesichter schmunzeln, die Songs schlugen zum Teil in die gleiche Kerbe; beispielsweise als er davon sang, wie ihm als Kind Morphium nach einem Unfall verabreicht wurde. Und: Er sah nicht nach so einer guten Stimme aus. Die hat er toll beherrscht, ein guter Sänger! Das kann man mal so nüchtern festhalten.



Für An Horse musste gar nicht viel umgebaut werden. Kate und Damon brauchen ja nur Gitarre und Schlagzeug. Ich war ja sehr gespannt, wie gut sie live zu zweit den Sound der Platte durch die Boxen prügeln können. Klar, ab und an haben sie sich mit elektronischen Hilfen unterstützt, wenn sie mehr Bass brauchten. Aber sonst ging dieser Plan extrem gut auf. Sie arbeiten mit weniger Schnickschnack als beispielsweise Wye Oak, doch genau damit haben sie das Indie-Herz voll getroffen!
Die beiden haben herrlich abgeliefert. Es war nicht nur ein super Konzert, die beiden sind halt auch irre sympathisch. Kate meinte zu Beginn, dass es bei einem Konzert darum ginge, Energie auszutauschen zwischen Publikum und Band. Genau das fand statt. Und nicht nur mit den älteren Hits wie Camp Out und Postcards, sondern auf den ganzen Perlen von Modern Air: This Is A Song, Started A Fire oder dem extrem starken Live Well.
Ohne jeglichen Anflug von Nostalgie kann man guten Gewissens behaupten, dass der gute alte Indie-Rock von vor zehn Jahren live immer noch herrlich mitreißend ist. Und man darf hoffen, dass Kate und Damon und auf jeden Fall auch Micah bald wiederkommen!



Freitag, 28. Juni 2019

KW 26, 2019: Die luserlounge selektiert

Quelle: classic.adcb.com
(sb/ms) Was so richtig nervt: Wenn notwendige Routinen nicht planmäßig verlaufen. Sprich: Etwas schränkt den Weg zur Arbeit ein. Sprich: Der Zug morgens hält einfach nach zwei Stationen, weil der folgende Streckenabschnitt gesperrt ist. Braucht man morgens nicht. Überflüssig wie ein Kropf. Oder - Lieblingszitat aus Planet Terror: Überflüssig wie 'nen Pimmel am Papst.
Um einen Schienenersatzverkehr würde sich bemüht. Ja, das war diplomatisch ausgedrückt...
Was gar nicht nervt: spitzenmäßigen Sound auf die Ohren. Und auch diese Woche nehmen wir euch mit auf einen Parforceritt durch die Genrelandschaften des Musikuniversums. Denn: Wir haben selektiert!

Captain Planet
Schreiben wir mal wieder aus dem reichen Fundus aus Konzerterfahrungen. Diese Woche: Eine Nicht-Erfahrung. Im Januar 2015 bugsierte ein punkbegeisteter Freund mich und ein paar andere Skeptiker durch das westfälische Nachtleben. Wir sollten uns Captain Planet angucken. Punkrock. Lautstärke. Tempo. Kurze Lieder. Doch: Wir kamen nicht rein. Denn: Mit dem enormen Ansturm haben wir nicht gerechnet. Auch nicht der Antreiber in der Runde. Also sind wir in eine nette Bar gegangen, genossen kühle Getränke und haben uns zum Ende hin nochmal reingeschmuggelt und die letzten drei Songs mitbekommen. Es war allerfeinster Punkrock. Und die fünf Jungs kommen dieses Jahr auch wieder in die Clubs mit entsprechender Anlage! Für die Band ist es der Sturm vor der Ruhe. Denn nach den Gigs werden die Aufnahmen für den Nachfolger von Ein Ende aufgenommen; Album Nummer fünf! Bis dies dann - wahrscheinlich - nächstes Jahr erscheinen wird, solltet ihr euch diese Termine dringend im Kalender notieren:

02.10. Wolfsburg, Jugendhaus Ost
03.10. Frankfurt, Exzess
04.10. Leipzig, Conne Island
05.10. Rostock, Peter-Weiss-Haus
15.11. Bremen, BDP Haus
16.11. Potsdam, Waschhaus
13.12. Hannover, Bei Chez Heinz
14.12. Bonn, Bla



L'aupaire
Eine schlechte und ganz viele gute Nachrichten gibt es aus dem Hause L'aupaire: zwar muss die Veröffentlichung des Albums Reframing auf den 23.08. verschoben werden, dafür bringt der frischgebackene Papa vorher noch ne neue Single raus und die kann sich mal wieder hören lassen: (Sittin' On) The Dock Of The Bay ist einer von Roberts Lieblingssongs und somit eine logische Wahl für ein Cover. Und auch das bevorstehende Album hat so einiges zu bieten, denn neben einer regulären CD- und Vinyl-Version wird es noch eine streng limitierte und nummerierte Vinyl-Edition plus farbiger 10inch mit Coversongs und handbemalter Leinwand geben. Vorfreude!


David Gray
Im UK ist David Gray eine ganz große Nummer und konnte bereits fünf Alben in den Top 10 platzieren, dreimal sprang sogar der Platz an der Sonne dabei heraus. Eigentlich eine Schande, dass der in Manchester geborene und in Wales aufgewachsene Künstler hierzulande so unter dem Radar fliegt, dass seinem letzten, im März erschienenen Album jeglicher kommerzieller Erfolg verwehrt blieb. Nun legt Gray aber direkt nach und veröffentlicht am 12.07. die EP Gold In A Brass Age - Ground Control Acoustic Sessions. Wie der Name bereits andeutet, geht es darauf eher ruhig zu - und wunderschön! Akustikgitarre, Klavier und Stimme: mehr braucht es nicht, um die sechs Songs zu etwas ganz Besonderem zu machen und dem Hörer den Kern der vom letzten Album bekannten Tracks zu präsentieren. Überraschend, intensiv, textlich sehr ansprechend und unterhaltsam - was will man mehr?



K.Flay
Eine Möglichkeit, wie eine Künstlerin, ein Song oder eine Veranstaltung in unsere wöchentliche Selektion kommt, schildern wir am Beispiel von K.Flay. Klassischer Weg: Wir haben Mail einer tollen Promotion-Agentur bekommen. Der Faktor Zeit hat es diese Woche zugelassen, sich da mal wieder durchzuwühlen. Die Mail zu K.Flay bekann mit einem Zitat aus dem Spiegel von vor zwei Jahren. Dort wurde die Künstlerin als eine Mischung aus Riot Grrrl, Garbage und The Streets. Solch eine Beschreibung macht natürlich mehr als neugierig. Vor allem verwundert sich, wenn das kommende Album Solutions (VÖ: 12. Juli) zum ersten, zweiten, dritten und vierten Mal aus dem Boxen schallt. Denn keine der drei Gruppierungen fällt mir beim Hören von K.Flay auch nur ansatzweise ein. Heißt aber nicht, dass es nicht gefällt. Im absoluten Gegenteil. Nur: Keine Ahnung, was die beim Spiegel gesoffen haben. Kristine Flaherty macht riesige Popmusik. Die ist aber so geschickt und voller Raffinesse, Groove und Flow, dass es sehr zu gefallen weiß. Und das obwohl ich weiblichen Glitzerpop aus dem Radio furchtbar finde. Doch genau das ist K.Flay nicht. Nur das zu beschreiben ist sehr schwer. Liegt es an den zwei Grammy-Nominierungen? Oder doch an diesen Zauberhaften Nuancen, die ausschließlich in der Musik liegen? Macht das mal an; es hat mir diese Woche schon ein paar Feierabende versüßt!



Cetcé
Oh Mann, was habe ich die Irie Révoltés geliebt: als Stimme gegen Rechts, als aufmerksame Beobachter politischer und gesellschaftlicher Strömungen in Deutschland und global, als Garant für Qualität und nicht zuletzt als fantastische Liveband, bei der man einfach mitzappeln musste. Das Aus der Band war folglich ein harter Schlag - darüber konnte auch die Ankündigung, dass die beiden Köpfe der Band, Mal Èleve und Carlito, nun solo weitermachen würden, nicht hinwegtrösten.
Letztgenannter nennt sich nun Cetcé, veröffentlicht am 05.07. sein Debütalbum Trojanisches Pferd und wie es nunmal so ist: die Messlatte liegt verdammt hoch und der Künstler wird diesen Ansprüchen leider nicht gerecht. Nein, Cetcé enttäuscht nicht und er versucht auch gar nicht, da weiterzumachen, wo er mit seiner Band aufgehört hatte - das rechne ich dem Heidelberger hoch an. Bei mir persönlich zündet das Album aber leider nicht, auch wenn einige Tracks durchaus zu gefallen wissen. Im Vergleich zu den Irie Révoltés erscheint mir das Ganze dann aber doch zu trivial, zu beliebig, selbst wenn die Texte durchaus sozialkritisch daherkommen. Etwas mehr Substanz hatte ich mir schon gewünscht, um die entstandene Lücke zu füllen und so kann ich nur sehr bedingt eine Kaufempfehlung aussprechen.


Marathonmann
Zum Abschluss gibt's nochmal eine Portion Punkrock. Die Herren von Marathonmann veröffentlichen nämlich am 19. Juli ihr viertes Album: Die Angst sitzt neben dir. Das Eingestehen von Ängsten ist ganz wichtig. Manchmal muss man sie sich auch erst bewusst machen; und es muss klar sein, dass dies kein Zeichen von Schwäche ist. Die Band meint dazu: „Der Titel drückt aus, dass wir von Anbeginn unseres Lebens Ängste haben. Sie verändern sich zwar im Laufe der Zeit, trotzdem sind sie immer an unserer Seite. Meist verdrängt man sie, aber sie sind immer da und begleiten uns bis zu unserem Tod.“ Das Thema könnte natürlich auch von wehleidiger Gitarrenpopmusik aufgegriffen werden, durch handfesten Punkrock kommt aber ein Ventil gegen die Angst besser zur Geltung. Wenn der Moshpit bebt, kann man alles um sich gut vergessen. Die Band befindet sich im Sommer auf zahlreichen Festival (wir schauen sie uns nachts beim Deichbrand an) und im Herbst folgt die Tour zum neuen Album! Also: Ab dahin!

Festivals
11.05. Hamburg- Hafenrock 2019
01.06. Wesel- Eselrock 2019
08.06. Dinklage- Festival of Differences
21.06. Weissenbach- Festival des politischen Liedes
29.06. Garchinger See- Seequency
12.07. Enkirch- Fallig Open Air
19.07. Cuxhafen- Deichbrand Festival
03.08. Boberow- Rock im Moor
10.08. Lingen- Abi Festival
23.08. Schloss Holte- Holter Meeting
24.08. Karben- Karben Open Air
12.10. Weilburg- Affentanz Festival

Album-Tour mit: Die Heart, The Pariah
30.10. Koblenz- Circus Maximus
31.10. Hannover- Lux
01.11. Düsseldorf- Tube
02.11. Köln- Helios 37
06.11. Zürich- Dynamo
07.11. Saarbrücken- Garage
08.11. München- Backstage
09.11. Stuttgart- Juha West
13.11. Nürnberg- Club Stereo
14.11. Leipzig- Conne Island
15.11. Berlin- Badehaus
16.11. Hamburg- Logo
21.11. Frankfurt- das Bett
22.11. Münster- Sputnikhalle
23.11. Bremen- Tower

Support für Boysetsfire
28.11. Würzburg, Posthalle
07.12. Wiesbaden, Schlachthof

Mittwoch, 26. Juni 2019

#zweiraumsilke - Detox

Foto: Cris Civitillo
(ms) Kinder, der Sommer steht vor der Tür. Die Temperaturen sind schon bedenklich hoch gestiegen, die nahen Erholungsgebiete laden zum verweilen, grillen, spielen, baden, entspannen ein. Doch etwas fehlt bislang massiv. In Zeiten, wo das lineare Radioprogramm für ein Sommergefühl keine große Rolle mehr spielt, kann der Soundtrack für die warmen Wochen auch ganz woanders her kommen.
Wir sagen: Dieses Jahr kommt er aus Erlangen. Es sind elf Musiker. Sie sind bewaffnet mit Sprechgesang, Blasinstrumenten en massen, Gitarre, Keyboad, Bass und Percussion! Sie nennen sich #zweiraumsilke und ihr neues Album Detox (VÖ: letzter Freitag) wird Eure Tanzbeine gehörig in Schwingung setzen, davon gehen wir aus.  Es sind vierzehn Stücke über gut fünfzig Minuten Spielzeit, die einen schnell den Alltag vergessen lassen!
Wir haben uns an anderer Stelle schon ein wenig über den Namen der Band mokiert. Ja, er klingt natürlich wahnsinnig blöd, aber es gehört zum Programm der Kombo, sich nicht allzu ernst zu nehmen. Zumindest eines ist sicher mit diesem Namen: Ein hoher Wiedererkennungswert in den sozialen Netzwerken: #hashtag!



Hört man in Detox rein, ist möglicherweise die erste Assoziation: Mensch, das sind doch Moop Mama. Ein platter Vorwurf, der zeigt, dass der erste Eindruck manchmal auch verwirrend sein kann. Und Meute sind sie schon gar nicht, #zweiraumsilke machen keine elektronisch wirkende Tanzmusik. Wenn man einen Blick auf die Partner ihres Produzenten Kraans de Lutin wirft, wird einiges klarer: Seeed, Flo Mega oder Culcha Candela stehen auf seiner Liste.
All die Infos lassen folgenden Schluss zu: Die Band macht Sprechgesang mit massivem Bläserwumms plus Schlagzeug, Gitarre, Bass und Tastentönen. Und diese Musik geht heftig rein ins Tanzbein! Dafür sorgt nicht nur die erfrischende Instrumentierung sondern auch der sehr präsente Rapper Emma mit bestechendem Flow!
Und der haut die Wehwehchen der scheinbar überforderten Gesundheitsnarren in die Zeilen. Vom Fasten über Meditation bis hin zur neusten Diät und dem damit einhergehenden Superfoord. Oder wie Kettcar sagen: Burnout vom Yoga! Daraus zaubern die Franken Lieder, die automatisch zum Schmunzeln führen!



Schauen wir uns ein paar Songs etwas genauer an:
Detox: Klar, dass dieser Track - allein des Namens wegen - das oben beschriebene Motto des Albums aufgreift. Natürlich haben wir alle Stress, doch was ist das Rezept dagegen? Einen Ashram eröffnen, Ingwertee en masse oder 1000 Gramm Heilerde? Oder doch Aloe Vera-Tabletten? Zu diesen unterhaltsamen Zeilen wummert ein wahnsinnig geiler Beat, in dem Gitarrenriff und Bläsersound ideal fusionieren.
Nachtbus: Der Song ist wesentlich positiver - ja, romantischer - als der gleichnamige Track von Zugezogen Maskulin. Es geht nicht um das endlich-rauskommen, sondern um Herzschmerz und ist im Grunde genommen eine Ode auf die Provinzen, wo die Nachtbus-Verbindung tatsächlich für die kleinen und großen Träume wichtig ist. Erinnert vom Stil hier an Das Ding ausm Sumpf!
Bär: Eine ruhige Nummer. Und das sind ja immer die, auf der eine Band ihr wahres Können zeigt! Hier das Thema Schlaflosigkeit - im Vordergrund - oder dahinterstehend die sonstigen großen und kleinen Probleme, die insbesondere abends/nachts das Gemüt trüben.
Valentinstag: Na klar ist das ein blöder Tag, ist doch klar. Jedoch ist das hier ein herrlich doppelbödiges Liebeslied. Oder, um mit Clemens J. Setz zu sprechen: Die Liebe zur Zeit des massenhaften Konsums.
Alles: Ein liedgewordenes Was Wäre Wenn... Alpaka-Besitzer, Kanzler oder doch Blumenhändler? Die saubere und sehr hohe Wortdichte im Rap weiß hier ein weiteres Mal zu überzeugen.

Live ist der 11er bald hier zu sehen. Hingehen: empfohlen!

08.06. Reichenau – Early-Bird-OpenAir
09.06. Bayreuth – Kleine Seebühne
22.06. Würzburg – Umsonst & Draußen
23.06. Nürnberg – Katharinenruine - Release-OpenAir
29.06. Karlsruhe – Unifest
08.08. Luhmühlen – Elbenwald Festival
09.08. Eschwege – Open Flair Festival
15.08. Lippstadt – Altstadtfest
16.08. Bremen – Golden City
23.08. Lüneburg – Jakob Festival
24.08. Feuchtwangen – Feichtklangfestival

Freitag, 21. Juni 2019

KW 25, 2019: Die luserlounge selektiert

Quelle: leipziger-jahresausstellung.de
(sb/ms) Tatsächlich ist Scheeßel gar nicht so weit weg von mir. Dort steigt seit gestern das Hurricane Festival. Für eine sehr spontane - aber bislang noch nicht eingetretene - Entscheidung, doch noch hin zu gehen, habe ich mich in den letzten Tagen in einer Facebook-Gruppe umgeschaut, wo Tickets verkauft und gesucht werden. Ein hochspannendes Pflaster so eine Tauschbörse in den sozialen Netzwerken. Je näher der Donnerstag (respektive der heutige Freitag) kam desto rauer wurde der Ton. Die ein oder andere moralische Diskussion um Drückerpreise kam auf. Zudem wurden Betrüger entlarvt und mit Bild dargestellt. Es ging interessanterweise nicht nur um reguläre Tickets inklusive Camping. Nein, nein! Das Hurricane hat mehrere Camping-Kategorien; von normal bis Platin ist alles dabei. Am begehrtesten waren wohl die Grüner Wohnen-Karten. Da würde ich gerne wissen, wo genau der Unterschied liegt. Und zwar nicht im Vorhinein, sondern am Montag. Auch Plaketten für die Wohnmobil-Plätze waren heißbegehrte Ware. Das las sich wie ... ja, schwer zu vergleichen ... ebay-Kleinanzeigen für den Festivalmarkt vielleicht!
Doch wir sind die luserlounge. Nicht auf dem Hurricane. Sondern beim guten Geschmack: selektiert!

Deutsche Laichen
Der Gedanke war Folgender: Wir finden unser Mindset und unsere Lebensweise nicht in der Musiklandschaft abgebildet. Also gründen wir eine eigene Band. Dabei kam heraus: Deutsche Laichen! Das Quintett aus Göttingen macht Punkrock mit Ansage. Am 19. Juli erscheint über das geschmackssichere Label Zeitstrafe der Erstling, der auf den Bandnamen hört. Wie das klingt?! Nach einer wilden Kreuzung aus sookee und Pascow, würde ich behaupten. Seit dieser Woche kann man hören, was zu erwarten ist. Die Single heißt Emanzenlesbenschlampe (hui, erinnert stark an Beth Ditto) und hat eine brilliante Spieldauer von einer Minute und sechsundzwanzig Sekunden. Voll auf die Zwölf also. Ab dafür:




Tora
Wir können auch ruhiger und elektronisch. Und diese Sparte kommt diese Ausgabe von #selektiert aus Australien. Das Quartett heißt Tora und veröffentlicht am 9. August ihr drittes Album Can't Buy The Mood. Dies ist kein Haudraufelectro, sondern ich würde es unter Easy Listening Electro verorten. Ein wenig vergleichbar mit den früheren Sachen von Sohn. Lässt man sich ein wenig drauf ein, wird schnell klar, dass die vier Herren nicht einfach nur an irgendwelchen Knöpfen und Pedalen drehen, sondern dass sie ein großes Gespür für Groove haben. Der Kopf fängt beim Hören ganz unbewusst an zu wippen. Und da das so schwer in Worte zu fassen ist, bitten wir euch einfach mal reinzuklicken und -hören:



#zweiraumsilke
Ja, wissen wir auch. Ein Hashtag als Name mag nach aktueller Coolness klingen, sieht meines Erachtens aber mehr als bescheuert aus. Damit haben wir auch alles Schlimme, was es über #zweiraumsilke zu berichten gibt, berichtet.
Aus Erlangen kommen diese elf (in Zahlen: 11) Menschen, die Moop Mama und Meute Konkurrenz machen wollen. Es ist: Brassmusik mit Rapgesang. Was bei den anderen funktioniert, kann einfach nochmal funktionieren. Wichtig: Das ist keine billige Kopie des Bekannten. Sie haben sich Bass und Gitarre dazugehört, um einen wahnsinnig fetten, ansteckenden Sound zu kreieren. Der Keno heißt hier Flow und macht seinem Namen alle Ehre. Einige Videos sind schon erschienen, nun folgt heute das Debut-Album Detox! Ja, diese Art von Musik muss einfach der Begleiter für den Sommer sein, anders geht das nicht. Überzeugt euch selbst:

08.06. Reichenau, Early-Bird Open-Air
23.06. Nürnberg, Katharinenruinen, Release Open Air



Dope Lemon
Und einen richtig großen Namen haben wir auch noch für euch. Denn er ist nicht nur mit seiner Schwester Julia unterwegs, sondern auch allein. Dann nennt sich Angus Stone Dope Lemon. Das ist insofern spannend, da die letzte Platte als Duo, Snow, gar nicht mal so gut war. Eher irre belanglos. Doch die Chancen stehen gut, dass Smooth Big Cat ein Hinhörer wird. Denn die Single Salt & Pepper ist nicht nur unwiderstehlich cool, sondern bringt auch noch ein massiv lässiges Video mit sich. Angus Stone geizt nicht damit, seinem Künstlernamen alle Ehre zu machen, wenn man sich diesen fünfminütigen, leicht psychedelischen Trip reinzieht. Die Platte erscheint am 12. Juli und später im Jahr ist er dann auch live zu sehen. Wenn der Gig wie die Single wird, hab' ich jetzt schon Bock:

17.09. Berlin - Huxleys
18.09. Hamburg - Reeperbahn Festival
20.09. Köln - Live Music Hall
21.09. München - Muffathalle
22.09. Zürich - Plaza



Frightened Rabbit
Am 10. Mai 2018 erreichte uns die traurige Nachricht, dass man die sterblichen Überreste von Scott Hutchison, dem Sänger von Frightened Rabbit, gefunden habe. Ich hatte die schottische Band gerade erst für mich entdeckt, mir deren Alben zugelegt, Songs lieben gelernt und dann sowas. Was für ein Verlust! Mit Hutchison verlor die (Musik-)Welt nicht nur einen herausragenden Songwriter, sondern auch einen sehr sensiblen Menschen, der leider eines Tages nicht mehr mit der Welt und seinen Herausforderungen zurechtkam. Was zurückbleibt, ist seine Musik und das Bewusstsein, dass das Thema "Depressionen" noch immer nicht ausreichend in unserer Gesellschaft angekommen ist. Pünktlich zum 10-jährigen Jubiläum des Frightened Rabbit-Albums The Midnight Organ Fight sollte 2018 eine spezielle Version des Longplayers erscheinen, an dem Hutchison noch maßgeblich beteiligt war. Statt des üblichen Re-Releases mit Bonus-Tracks, Demos etc. sollte etwas komplett Neues entstehen, Freunde und Begleiter der Band sollten sich künstlerisch austoben, Hutchison selbst gab jeden einzelnen Song frei und arbeitete zum Zeitpunkt seines Tods am Artwork.
Mit etwas Verspätung ist es nun aber so weit: Tiny Changes (VÖ: 12.07.) ist dabei nicht nur eine Verneigung vor The Midnight Organ Fight, sondern auch eine Hommage an Scott Hutchison. Der Albumname steht zudem für die Charity-Einrichtung, die Scotts Familie und seine Band ins Leben riefen, um Kindern und Erwachsenen mit seelischen Problemen zu helfen.
Das Album selber enthält siebzehn Cover-Versionen von Frightened Rabbit-Songs, interpretiert u.a. von Biffy Clyro, Benjamin Gibbard (Death Cab For Cutie), Wintersleep und Josh Ritter. Sobald uns die Scheibe vorliegt, wird es einen ausführlicheren Review dazu geben!


Yusuf Sahilli
Einen haben wir noch! Denn wir sind ja leicht zu ködern und dennoch geschmackssicher. Das ist die luserlounge. Und wenn es einen Künstler gibt, der am längsten Tag der nördlichen Hemisphäre - auch Midsommer genannt -, der gleichzeitig Welt-Yoga-Tag ist, ein dazu passendes Lied samt Video raus bringt, dann müssen wir es verbreiten. Denn Yusuf Sahilli hat nicht nur einen wunderbar schönen Indie-Track namens Icarus Falling geschrieben, sondern sein Freund Gosha Loshadkin hat dazu ein wunderbar animiertes Video gezaubert. Schaut es euch an, hört tief rein und lasst euch in andere Sphären verzaubern!

Sonntag, 16. Juni 2019

Live in Weyhe: Aufmucken gegen Rechts

Turbostaat liefern ab. Foto: luserlounge
(ms) Es gibt überall gute Leute, die sich engagieren, Menschen zusammen bringen, ein Ehrenamt bekleiden und sich gegen die Deppen positionieren. Unter anderem gehören da die Menschen von aufMUCKEn gegen Rechts zu. Der gemeinnützige Verein aus Weyhe (südlich von Bremen) gehört dazu und veranstaltet seit 2001 ein Festival im Grünen. Anfangs waren es nur ein paar Jugendliche, die dem Treiben der Nazis vor Ort nicht länger zugucken wollten und nun ist das eine sehr professionelle Angelegenheit, die gut organisiert ist. Dazu gehört auch das Bereitstellen eines Shuttlebusses zum Bahnhof, sehr freundlichen Securities, guten Bierpreisen und überall strahlende Menschen. Sehr gut hat mir ein Dosenwerfen mit dem Slogan Kostenlos Rechte wegballern gefallen! Da haben wir uns natürlich nicht bitten lassen und den Volldeppen eins auf die blecherne Zwölf gegeben.
Nach überstandenem Regen - kurz aber kräftig - kam die Sonne raus und The Busters haben zu diesem typischen Sommertag die ideale musikalische Begleitung aus dem Hut gezaubert. Skarock vom Allerfeinsten. Nicht nur die beiden Sänger, sondern auch die drei Bläser (Trompete, Posaune, Tenorsaxophon) haben keine Beine stillstehen lassen. Es folgten Liedfett - sorry an dieser Stelle, wir saßen währenddessen gemütlich zusammen und haben gequatscht, uns erfrischt und was gegessen.
Kostenlos Rechte wegballern!

Dann folgte die erste Band, die mich dazu getrieben hat, diesen feinen Ausflug zu unternehmen: Waving The Guns. Die Rostocker haben ein weiteres Mal bewiesen, wie guter Rap funktioniert und dass man für eine klare Positionierung keine weitschweifigen Reden auf der Bühne halten muss. Die Hits der drei Alben wurden abgefeuert und mein Herz erfreut! Da war auch egal, ob zu Beginn das Mikro nicht so richtig mitmacht. Danach stieg die Vorfreunde noch ein kleines Stückchen, denn Turbostaat spielten! Seitdem ihr Live-Album Nachtbrot draußen ist, läuft dieses regelmäßig bei mir, weil saustark. Ich habe sie länger nicht live gesehen und sie haben gezeigt, was sie können. Sie wirkten anfangs vielleicht etwas distanziert, doch die Leute vor der Bühne zeigten durch einen ordentlichen Moshpit, wie ihre Musik ankam! Das Lächeln im Gesicht war sehr groß.
Zum Schluss spielten Egotronic und ich fühlte mich gut zehn Jahre zurückversetzt. Deren Songs laufen bei mir nur noch äußerst selten, aber es war ein schönes Wiedersehen. Ich glaube auch, dass die Punk-Attitüde der Band wesentlich besser steht als die Electropunk-Seite. Doch ganz ehrlich: Mich holen sie nicht mehr ab. Anders bei den anderen Besuchern. Daher: Alles gut!

Das war eine ganz feine Veranstaltung, bei der das Team stets die Bands angesagt haben. Und natürlich lädt solch ein Festival dazu ein, über dessen Sinnhaftigkeit zu diskutieren. Kuscheln wir links-grün Versifften einfach untereinander? Betrinkt man sich gemütlich auf einer schönen Wiese zu netter Musik?
Nein, nein! In Zeiten, wo der rechte Mob ungezügelter wird, politisch Rechte in Mannschaftsstärke in den Parlamenten sitzen und Selbstverständlichkeiten des menschlichen Miteinanders in Frage gestellt werden, müssen solche Veranstaltungen stattfinden. Natürlich auch um Spaß zu haben, sondern hauptsächlich durch Anwesenheit und das Gespräch die Menschen stärken, die sich toll engagieren!

Freitag, 14. Juni 2019

KW 24, 2019: Die luserlounge selektiert!

Quelle: facebook.com/24hdeportes
(sb/ms) Humor und Musik ist ja immer eine pikante Sache. Entweder peinlich oder so verschachtelt, dass man es nicht erkennt. Nun wurde ich Zeuge, wie es funktioniert, sogar bei rein instrumentaler Musik dem Publikum ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern! Abhängig ist das natürlich immer vom Kontext.
Es begab sich bei einem einstündigen Orgelkonzert in der niedersächsischen Provinz. Also weit von Humor entfernt. Das Rahmenprogramm ist das Paulus-Oratorium von Mendelssohn-Bartholdy. Noch weniger Humor. Aaaaaber: Der Kantor hat die einzelnen Phasen der Paulus-Erzählung vertont und dabei ein Saulus-Motiv zum Paulus-Motiv in fünf Schritten umgewandelt. Teil dessen war unter anderem die Steinigung des Stephanus oder die erste Missionsreise des gewandelten Paulus in die Türkei. Den Abschluss zierte die zweite Missionsreise, die ihn nach Griechenland führte. Da hatte der gewitzte Kantor doch echt den Mut das Paulus-Motiv mit einem klassischen griechischen Lied aus der Folklore zu untermalen. Ja, das war definitiv lustig!
Nun sind wir aber die luserlounge und haben selektiert. Pop, Rock, Rap, Elektronische Musik und den ganzen Rambazamba!

Efterklang
Ihr kennt das alle: Es gibt so Bands, deren Namen man immer wieder mal liest und auf diffuse Art unter interessant abspeichert, sie doch niemals so richtig gehört hat. Mir geht das bei Efterklang so. Vielleicht weil der Name so toll klingt. Die drei Dänen liefern nun einen tollen Anlass, (mal wieder) rein zu hören! Es gibt nämlich ein neues Album. Das heißt Altid Sammen und erscheint am 20. September, passend zum Reeperbahn Festival, wo sie auch spielen werden. Toll für eine auch hier nicht unerfolgreiche Band ist natürlich, dass sie auf dänisch singen. Auf der neuen Single Vi Er Uendelig kann man das wunderbar nachhören! Ab dafür:

21.09. - Hamburg, Elbphilharmonie (Reeperbahn Festival)
10.02. - Berlin, Admiralspalast
11.02. - Leipzig, Werk 2
12.02. - Frankfurt, Mousonturm
13.02. - München, Muffathalle
14.02. - Wien, Gasometer
25.02. - Hannover, Pavillon
27.02. - Köln, Gloria


Alles Solar
Wie kann man einen inhaltsreichen Text am besten in Szene setzen? Das ist eine gute Frage, die viele Künstler sicher ganz unterschiedlich beantworten würden. Alles Solar hat sich dazu entschlossen, den Text im Vordergrund stehen zu lassen, ihn sanft mit Klaviertönen und im Refrain mit Beats zu untermalen, bis es schließlich knarzt und knirscht. Aber halt an den richtigen Stellen. Victor Bensmann, der Kerl hinter dieser fantastischen Musik, hat was zu sagen, definitiv: Stille Wasser werden Wellen sein. Eine schöne und treffende Formulierung in Zeiten, wo vermeintliche Selbstverständlichkeiten hinterfragt werden und wir sie neu verteidigen müssen. Daher hört Euch bitte das Lied Stille Wasser an. Textlich und musikalisch groß!!!



Highest Sea
Es gibt diese Musikgruppen, die nicht viel brauchen, um einen zu überzeugen. Highest Sea schaffen das mit dem Track I'm On The Moon hoffentlich auch bei Euch! Es klingt wie eine Mischung aus Get Well Soon, Junip, Jungstötter und eine wunderbare weibliche Stimme. Diese gehört Leïla Zanzibar und ist ausdrucksstark und einnehmend! Ganz wunderbar. Die Französin war mit ihrer Band vor kurzem erst mit Snail Mail auf Tour und veröffentlicht kommende Woche Freitag (21. Juni) ihre neue EP Haven auf dem Berliner Label Duchess Box Records. Definitive Empfehlung unsererseits!!!

22.06.2019 - Mellowjam Fest, Berlin.
27.06.2019 - 8MM Bar, Berlin
02.07.2019 - FahrradKinoKombinat, Kiel
13.07.2019 - Landauer Sommer, Landau
28.-30.11.2019 - Blue Bird Festival, Wien




Deichkind
Ich sags gleich: ich kann mit Deichkind wenig bis gar nichts anfangen und ich befürchte, das wird sich in diesem Leben auch nicht mehr ändern. Deswegen die völlig wertfreie Ankündigung, dass die Hamburger am 27.09. ihr neues Album Wer sagt denn das? veröffentlichen werden. Die gleichnamige Single gibt's schon jetzt und auch Live-Termine für 2020 können wir Euch präsentieren - für Spaß dürfte dort gesorgt sein. Hier darf die gleiche Frage wie beim neuen Fettes Brot-Album erlaubt sein: Wozu 2019 noch ein neues Album von Deichkind?

11.02.20 Kiel, Sparkassen-Arena
12.02.20 Rostock, Stadthalle
13.02.20 Erfurt, Messe
14.02.20 Braunschweig, Volkswagen Halle
15.02.20 Frankfurt, Festhalle
18.02.20 Augsburg, Schwabenhalle
19.02.20 Freiburg, SICK-Arena
20.02.20 München, Zenith
21.02.20 Wien (AT), Stadthalle
22.02.20 Nürnberg, Arena Nürnberger Versicherung
25.02.20 Münster, Halle Münsterland
26.02.20 Trier, Arena
27.02.20 Zürich (CH), Samsung Hall
28.02.20 Stuttgart, Schleyer-Halle
29.02.20 Köln, Lanxess Arena
03.03.20 Bremen, ÖVB-Arena
04.03.20 Dortmund, Westfalenhalle
05.03.20 Leipzig, Arena
06.03.20 Berlin, Max-Schmeling-Halle (ausverkauft)
07.03.20 Hamburg, Barclaycard Arena
22.08.20 Berlin, Wuhlheide


Adam Angst
Eigentlich müsste man zusätzlich zur Information Adam Angst gehen auf Tour keine weiteren Informationen schreiben, das Hingehen erklärt sich von selbst. Das erklärt sich auch dadurch, dass das Ausprobieren einer Adam Angst-Liveshow süchtig machen kann. Die Jungs bringen so dermaßen viel Energie auf die Bühne, dass der wilde Mob von alleine Pogo tanzt. Da gibt es keine Rücksicht auf Verluste, sondern nur reinen Antrieb nach vorne. Texte mit Haltung, gut gekleidete Herren, makellosen Punkrock! Was will man mehr?! Also bitte:

27.11. Nürnberg, Z-Bau
28.11. Karlsruhe, Substage
29.11. Jena, Kassablanca
30.11. Chemnitz, Atomino
01.12. Braunschweig, Westand
03.12. Rostock, Peter-Weiss-Haus
04.12. Kiel, Die Pumpe
05.12. Essen, Zeche Carl
06.12. Mainz, Kulturzentrum
07.12. Saarbrücken, JuZ Försterstraße
14.12. Köln, Live Music Hall



Alex Mofa Gang
Ein weiterer toller Name in der langen Liste an tollen Band-Namen. Alex Mofa Gang veröffentlichen heute in zwei Wochen (21. Juni) ihr neues Album Ende Offen. Darauf beweisen sie nicht nur, dass sie viel besser als Kraftklub klingen und zudem noch eine ordentliche Portion Bläser in Szene setzen können. Das zeigt die neue Single Kleine Schwester Größenwahn. Mit der neuen Platte im Gepäck sind sie dieses Jahr noch ausführlich unterwegs, sowohl auf diversen Festivals als auch auf ihrer eigenen Tour. Kann man sich sehr gut geben!

20.06. - Neuhausen ob Eck- Southside (WarmUp Red Stage)
21.06. - Neuhausen ob Eck- Southside (Red Stage)
22.06. - Scheeßel- Hurricane (Mountain Stage)
23.06. - Duisburg- Ruhr Games (Mainstage)
20.07. - Konstanz- KuLa Sommerfest
25.-27.07. - Bausendorf- Riez Open Air
27.07. - Völksen- Rock am Deister
24.08. - Alfeld- Beach Bitch Rock
08.11. - Osnabrück- Bastard Club
09.11. - Kassel- Goldgrube
16.11. - Dortmund- FZW
22.11. - Stuttgart- ClubCann
23.11. - Köln- Artheater
29.11. - München- Kranhalle
30.11. - Wien- Kranhalle
06.12. - Leipzig- Werk 2
07.12. - Berlin- Lido
13.12. - Bremen- Tower
14.12. - Frankfurt- Nachtleben
20.12. - Nürnberg- Z Bau
21.12. - Hannover- Musikzentrum Jahresabschlusskonzert



Dienstag, 11. Juni 2019

Brandt Brauer Frick - Echo

Foto: Max Pachovsky
(ms) Daniel Brandt, Jan Brauer und Paul Frick. Drei Namen, die seit zehn Jahren in den Bereichen zwischen Electro, Klassik, Pop und Avantgarde für sich stehen. Das heißt: Experimentierfreude, Mut, Können auf höchstem Niveau, niemals endende Neugier und ganz viel Unbedarftheit.
Aus einem DIY-Projekt Ende der 00er Jahre ist eine Institution geworden. Spricht man über dieses diffuse Genre der Neo-Klassik, dann stehen sie auf einer Ebene mit Nils Frahm, Hauschka und Ólafur Arnalds. Alle vier haben zur etwa gleichen Zeit angefangen instrumentale (Klavier-)Musik auf ein neues, popkulturelles Level zu heben. Doch auch seit diesen Anfängen unterscheiden sie sich von den anderen großen Namen in wesentlichen Punkten. Anders als beispielsweise Arnalds sind sie überhaupt nicht harmoniebedürftig. Dafür knarzt es zu viel und häufig gehen ihre Melodien nur schwer ins Ohr. Das aber wiederum ganz bewusst. Anders als Volker Bertelmann (aka Hauschka), der zwar sein Klavier auf virtuose Weise präpariert, nutzen Brandt Brauer Frick alle Instrumente, die sie erwischen können oder solches Zubehör, aus dem sie sich einen erfrischenden, originellen Klang erhoffen.



Am letzten Freitag erschien Echo auf dem französischen Label Because Music. Ein Rezept, wie das Trio arbeitet und funktioniert, haben sie dem ihrem neuen Album mitgegeben. Zum Song Masse ist auf einer eigens dafür eingerichteten Website ein interaktives Video. Damit sollte man auf jeden Fall ein wenig herumspielen. Es zeigt auf extrem anschauliche (anhörbare) Weise, was zu einem BBF-Track dazu gehört. Aus zehn einzelnen Instrumenten und zehn dazugehörigen Videos wird ein Video mit einem Song. Dann passiert folgendes: Manchmal pausiert die Cellistin lange, dafür zeigt die Dame an der Harfe ihr Können. Anschließend wieder Klavier, Posaune, Tuba, Percussion etc. Beeindruckend!
Wie beim Vorgänger Joy aus 2016 haben sie sich wieder Unterstützung im Gesang geholt. Doch wesentlich reduzierter. Während Beaver Sheppard zuvor fast auf jedem Lied gesungen hat, sind die Gesangparts auf Echo sporadischer verteilt. Auf Echoes ist Anna Friedberg zu hören. Dabei ist nicht nur ihre Stimme im Fokus, sondern auch ein beinahe durchgehender, fast drückender Bass. Selbst auf den Gesangsstücken, die tendenziell etwas poppiger wirken - so ist zu vermuten - wollen Brandt Brauer Frick nicht zwingend gefallen, sondern anecken. Okay, beim Gastbeitrag von Catherine Ringer auf Encore ist das schon eher so, aber auch nicht durchgehend.
Das Trio hat den Anspruch an sich selbst, tanzbare Musik zu machen. Das mag seltsam erscheinen, denn zum großen Teil sind die Tracks herausfordernd. Wann soll man BBF hören? Nebenbei geht es nicht. Vielleicht beim Sport. Oder - und das ist meine Vermutung - ganz bewusst! Denn erst dann entdeckt man den Zauber der Musik in den Wirrnissen der Kompositionen. Und ja, es gibt die Lieder, die sich zum Tanz eignen; möglicherweise um sich auch darin zu verlieren. Gutes Beispiel: Decades. Lautstärke, Tempo und Instrumente wechseln sich innerhalb von gut sechseinhalb Minuten so ab, dass für jede Bewegung etwas dabei ist. Und auch das Lied zum Experimentieriveo Masse geht gut ins Ohr!

Gerade für das mittlerweile sehr verträumte, klavierlastige und facettenreiche Genre der Neoklassik bleiben Brandt Brauer Frick ein angenehmer Gegenpol, der den aufmerksamen Zuhörer mit qualitativ hochwertiger Musik belohnt. Und bei aller Ernsthaftigkeit: Auf Chamber I haben die drei den Klang eines Fliegenden Fisches aus Holz integriert. Na, geht doch!

Live gibt es das demnächst unter anderem hier:

08.08. - Haldern Pop Festival
03.11. - Berlin, Volksbühne
08.11. - Leipzig, UT Connewitz
09.11. - Dresden, Kleinvieh
13.11. - München, Import Export
14.11. - Köln, Stadtgarten
16.11. - Hamburg, Mojo Club