Montag, 3. Juni 2019

Fatoni - Andorra

Bild: facebook.com/Fatonimusik
(sb) Es ist ja nun wirklich kein großes Geheimnis, dass wir Fatoni verehren und jede noch so kleine Meldung von ihm und über ihn von uns aufgesogen wird wie von einem Schwamm. Ihr könnt Euch also vorstellen, was  am 22. März (passenderweise auch mein Geburtstag...) in der luserlounge-Redaktion los war, als die Albumankündigung bei uns reingeflattert kam. Der parallel veröffentlichte Track Die Anderen ließ den Puls gleich nochmal ein Stück steigen und am Freitag ist es nun endlichendlichendlich so weit: Andorra erblickt das Licht der Welt und wir durften vorab schon mal reinhören.

Reden wir nicht lange um den heißen Brei herum: Fatoni ist der beste deutsche Rapper der Welt und stellt das mit seinem neuen Album einmal mehr unter Beweis. Der kurze Zweifel, der durch die zweite Singleauskopplung Clint Eastwood (geiles Video, mittelmäßiger Track!) aufgekommen war, ist ziemlich schnell verflogen. Andorra fasst alles das zusammen, was Anton Schneider (so der bürgerliche Name) so besonders macht: er ist ein wahnsinnig guter Beobachter, er hat die Fähigkeit, dies in Worte und Flow zu verpacken, er umgibt sich mit Menschen, die ihm zum perfekten Beat verhelfen (in diesem Fall ist das mal wieder Dexter), er scheut sich nicht, auch unangenehme Themen anzusprechen und ist in der Lage, dies auf niveauvolle Art und Weise zu tun.

Und - auch dies ist nicht zu unterschätzen - er scheißt sich nix dabei, wie man bei uns in Bayern zu sagen pflegt... Respekt ja, aber keine Ehrfurcht! Besonders beim Track D.I.E.T.E.R. ist dies zu bemerken, in der Fatoni zwar das "Bohlen-Prinzip" und auch dessen Protagonisten aufs Korn nimmt, dabei aber zu keiner Zeit unter die Gürtellinie zielt.

Bild: facebook.com/Fatonimusik

Wer sich über den ungewöhnlichen Albumtitel wundert, den möchten wir natürlich auch aufklären: Andorra bezieht sich nämlich nicht nur auf das gleichnamige Theaterstück von Max Frisch, sondern speziell auf den danach benannten „Andorra-Effekt“. Dieses sozialpsychologische Phänomen beschreibt menschliches Verhalten, das sich an Urteile und Erwartungen der Umwelt anpasst - und da sind sie wieder, Die Anderen...

Bild: privat
Der erste Single-Release ist für mich auch einer der musikalischen und textlichen Highlights des Albums. Das Video dazu offenbart eine weitere Stärke des Münchner Exil-Berliners: er nimmt sich selbst nicht allzu ernst und zelebriert das über die komplette Spielzeit. Offensiv geht er mit seinen vermeintlichen Schwächen um, die Dicke Hose-Nummer Burj Kalifa (mit Casper) ist dermaßen überzogen, dass man zwangsläufig lächeln muss.

Mit Dirk von Lowtzow (Tocotronic) findet sich ein weiterer hochkarätiger Gast auf dem Album wieder und verleiht dem Track Alles Zieht Vorbei mit seiner markanten Stimme einen intensiven Touch. Besonders gut gefällt mir in diesem Song ja die Wiederaufnahme der Zeile "Wenn ich wollte könnt ich schlafen, doch ich will nicht, nein, ich bleib wach" aus seinem Song Schlafentzug. Fatoni, ich bin, äääääääh, sehr selbstreferenziell...

Mei, was soll man zu Andorra noch groß schreiben? Das Album ist ein absolutes Muss in jeder Musiksammlung, setzt auf die letzten beiden Alben Yo, Picasso und Im Modus nochmal was drauf und ist schon jetzt ein heißer Anwärter für den Titel "Album des Jahres". Dass der legendäre Klaus Voormann für das Cover verantwortlich zeichnet und die limitierte Vinyl-Deluxe-Edition des Albums noch zwei exklusive Bonustracks parat hält, ist da nur die Kirsche auf dem Sahnehäubchen. Pflichtkauf - und das obwohl Fatoni mittlerweile beim Major-Label Universal untergekommen ist!





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