Freitag, 3. Juli 2026

KW 27, 2026: Die luserlounge selektiert

Quelle: flaticon.com / Rakib Hassan Rahim
Oh je! Wie rücksichtslos kann man als Bundesregierung eigentlich handeln? „Die Zahl der Krankentage in Deutschland ist zu hoch“ - so heißt es vom Kanzler. Ja, Fritz - wieso denn nur?! Darum geht es nicht. Keine Analyse des Problems, kein Blick auf die Belange der Menschen hier. Kein Wort, dass wir in einem völlig entfesselten Kapitalismus leben, extrem viele prekäre Arbeitsplätze, die mit die Druck nur bestehen. Personalmangel an allen Ecken und Enden im sozialen und Pflegebereich. Da wird weiter gekürzt. Heißt im Umkehrschluss noch mehr Stress, noch mehr Überstunden, noch mehr Druck, noch mehr Überforderung, noch mehr Krankentage. Tja. Da hat jemand den Teufelskreis mächtig angefeuert. Da arbeitet jemand ganz, ganz fleißig an den weiter steigenden eigenen Unbeliebtheitswerten. Dass die SPD da weiter so krass mitzieht, ist ein reines Armutszeugnis, von der Union ist ja eh nichts zu erwarten. Echt kein Wunder mehr, dass eine faschistische Partei die beliebteste im Lande ist. Das, liebe Bundesregierung, ist euer Verdienst.

Scheitern.dreitausend
(Ms) Ach, es kann manchmal so herrlich einfach sein, oder? Warum das große Gewese um bedeutungsgeladene, möglichst intensive Texte? Es kann doch auch mit wenigen Worten alles gesagt sein. Denn zwischen den wenigen Worten spielt sich eine ganze Welt ab. Dann ist nämlich das eigene Hirn gefragt und setzt seine Arbeit in Gang. Plötzlich ploppen Gefühle auf, Fragen mitunter. Das deklinieren scheitern.dreitausend auf ihrer neuen Single Okay Dann Nicht aufs extremste durch. Es soll hier nichts verraten werden, was die Indierockband aus Bremen sich da Tolles hat einfallen lassen. Abspulen, mitmachen, gut finden:

05.09. Lippstadt - abseite Festival
12.09. Herbstadt - frequency9 Sommerfest
26.09. Köln - Müllem Mon Amour
19.11. Rostock - DIETER
21.11. Osnabrück - Westwerk
27.11. Flensburg - Volksbad
19.12. Bremen - Lagerhaus


Martin Kohlstedt
(Ms) Vor gut einem Monat begann es wieder zu knistern. Die Tasten und Regler beim modularen Songwriting von Martin Kohlstedt haben ein neues Kapitel aufgeschlagen. Kluft heißt sein neues Album, das Ende Mai erschienen ist. Zwölf neue Songs mit gut 40 Minuten Spielzeit lassen wieder große Träume zu. Sanft und zart ist das, was er uns an neuer Musik schenkt. Mystisch und verwunschen gar. Und erneut wunderschön! Es ist Musik zum eintauchen. Kein Wunder, dass er gerne und oft im Wald spielt. Da passen seine Stücke hervorragend hin. Oder auf eine große Wiese in den Bergen. Naturverbunden ist seine Kunst. Und die elektronischen Elemente fügen sich nahtlos ein. Sehr organisch, pulsierend. Wunderschön! Das Tolle ist ja obendrein, dass seine Konzerte dann doch recht wenig mit den Platten zu tun haben. Dann wird improvisiert, dann schmelzen eine Stücke ineinander. Ganz persönlich freue ich mich auf seinen Auftritt beim Watt En Schlick - das wird ein phantastisches Highlight werden!


Attic Ocean
(Ms) Augen zu. Und rückwärts fallen lassen. Sanft landen. Ganz tief durchatmen. Auftanken. Die Faust ballen und zum Himmel strecken. Das könnte eine angemessene Reaktion sein, wenn Attic Oceans neue EP I Promise I‘ll Try Everyday (Vö: heute!) läuft. Großflächiger Shoegaze, breite Arrangements, viel Power, großes Gefühl, wunderschöne Intensität. Allein der Titel dieser EP ist doch ein großartiges Versprechen, oder? Ja, wie oft scheitert man im Alltag an all den Besorgungen, Terminen, Anforderungen?! Eben. Nicht aufgeben. Aus Liebe. Sängerin. Hanni Nasirat bringt es damit auf den Punkt, wenn es darum geht, die Schönheit auch in der tiefsten Dunkelheit zu finden. Denn da lauert viel. Und genau das hat das Quintett auf beeindruckende Weise auf ihre fünf neuen Songs gepackt. 

29.08. Mastholte, Getoese Festival
19.09. Berlin, Automatic Noise Festival


Sinem
(Ms) Seit gut 20 Jahren gehe ich auf Konzerte und Festivals. Die größten Entdeckungen gab es dabei in der Regel bei den Support-Gruppen. Diese magische halbe Stunde zum Einstimmen auf den Hauptact ist vieles. Für die auftretenden MusikerInnen immer eine tolle Chance, neue HörerInnen zu gewinnen. Für die Menschen davor eine phantastische Möglichkeit, Neues zu hören. Win-win! Sinem traten im letzten Jahr als Support von The Notwist im Hamburger Knust auf und es hat direkt geknallt. Psychedelischer Rock anatolisch geprägt und türkisch gesungen. Das ging direkt ins Bein. Und ins Ohr. Denn die Melodien sind durchaus ungewohnt fürs westliche Ohr. Wir Idioten - das wir uns sowas entgehen lassen. Das ist so filigran, so fein und gefühlvoll. Nun hat Sinem mit Ötme Bülbül Ötme eine neue Single draußen und sie macht sofort Bock! Es ist ein Stück aus der Kindheit der Sängerin, neu interpretiert. Auf ihrem neuen Album Hatun, das am 18. September erscheinen wird, sind auch zum ersten Mal eigene Lieder zu hören. Das haut um, das steckt an, das ist stark, das macht Vorfreude! 

10.07.26 Köln, Kulturbunker — Biergarten Sommerkonzert
11.07.26 Pegnitz, Waldstock Festival
24.07.26 Karlstadt, U&D Festival
01.08.26 Schopfheim, Holzrock Open Air
02.08.26 Friedrichshafen, Kulturufer
07.08.26 Plankenfels, Klangtherapie Festival
08.08.26 Rommelshausen, Glashaus Festival
23.09.26 München, Milla — Record Release Show
31.10.26 Berlin, Urban Spree
01.11.26 Leipzig, Conne Island — w/ Peki Momés
02.11.26 Hamburg, Hafenklang
03.11.26 Mainz, Schon Schön
05.11.26 Dortmund, subrosa
06.11.26 Schorndorf, Club Manufaktur
07.11.26 Fürth, Kofferfabrik
13.11.26 Karlsruhe, KOHI
14.11.26 Köln, Privat


Doppelfinger
(Ms) Oh, Herz. Was bist du nur für ein empfindlicher Ort? Was brauchst du an angenehmer Zuwendung? Viel. Und in den richtigen Tönen. Die liefert Doppelfinger dieser Tage in beeindruckender Form! Clemens Bäre aus Oberösterreich steckt hinter dem tollen Künstlernamen und schafft es hervorragend, mit Stimme, Akustikgitarre und einigen Streichern äußerst gefühlvolle und wunderschöne Musik zu schreiben. Footsteps heißt seine neue Single und es enorm, wie stark der Inhalt - Sehnsucht und Angst - sich im Arrangement wiederfindet. Das Stück ist zerbrechlich, aber auch sehr, sehr sanft. Erinnert teilweise an Niels Frevert. Die Musik verlangsamt auch auf zauberhafte Weise den Puls. Hinhören, sich mitnehmen lassen. Ein toller Beweis, wie wirkmächtig Musik sein kann. Und obendrein ein unglaublich intensives Video:

Donnerstag, 2. Juli 2026

Fatoni - Drama Endet Nie

Foto: Michael Weniger
(Ms) Dieses Drama sollte eigentlich schon längst draußen sein. Doch es kamen Dinge dazwischen, so wie Fatoni es bei einem Dissy-Feature Anfang des Jahres auch schon sang. Die Netflix-Serie „Kacken an der Havel“ war sicherlich eines der Dinge, die dazwischen kamen. Ein kleines bisschen drüber, gewollt, aber sonst ganz nett. Mehr nicht. Nicht zu vergessen auch das überragende BAWRS-Album!

Drama Endet Nie heißt die neue Platte, die am 3. Juli erscheint. Und beim ersten Hören hatte ich auch genau diesen Eindruck. Das ist ein kleines Drama. Höhen und einige Tiefen. Und ich weiß überhaupt nichts damit anzufangen. Als Nachos, die erste Single, erschien, war ich voll am Start. Was über ein grandioser Banger, was für ein brachialer Hit! Geld Ist Geil schlägt in genau die gleiche Kerbe. Ein Text wie eine eins, ein Beat, der einem schlaflose Nächte bereitet. Genial. Und dann … kommen noch allerhand andere Tracks.

Alles Neu heißt der Beginn. Und der Track steht irgendwie Pate für viele andere Stücke. Inhaltlich ist es wie eine Coming of Age-Geschichte. Nicht unbedingt ein neues Leitmotiv im Werk vom Münchener. Dafür aber ein starkes Arrangement. Klingt nach Bandsound, geht nach vorn. Aber in meinen Ohren kratzt er inhaltlich auch gewaltig an der Oberfläche. Insbesondere textlich fehlt mir da ein typischer Fatoni-Vibe, es ist recht sanft, poppig. Wann werden endlich wieder Zeilen gebrochen?
Leider kaum.
Die Platte ist auch eine Platte starker Feature-Gäste: Lakman, Mine, Maeckes, Dissy, Ami Warning, Keno. Das kann sich wirklich sehen lassen. Doch der Titeltrack mit Lakman tröpfelt nur so daher. Auch Wann Werd Ich Endlich Ausgetauscht haut wieder in die Irgendwas-ist-immer-Kerbe. Klug ist natürlich die Verbindung mit einer sich äußerst bedenklich entwickelnden KI-Macht. Ansonsten plätschert es weiter fleißig vor sich hin in einem poppig-gefälligen Sound.
Irgendwie überraschend ist Nicht Hollywood mit Dissy zusammen. Doch es ist nicht die geile Art einer Überraschung, sondern ein Gedanke à la: Das habe ich doch in den letzten Jahren an neuem Rap schon tausend mal gehört. Oder? Ein bisschen klingt hier „ich habe es als Außenseiter nach oben geschafft“ durch. Gääähn. Noch belangloser ist da nur noch Vespa. Ja, mag auch irgendwie witzig sein, aber ein Track übers entspannte Rollerfahren?! Puuh! Mit Oktober kommt noch ein Herzschmerzlied. Aber auch das kickt leider null. Irgendwie tut es nicht doll genug weh. Genauso wie Vergissmeinnicht. Ich frage mich ernsthaft, was das soll.

So gern wollte ich diese Platte gut finden, so oft hat Fatoni unfassbar krass abgeliefert, auf einem irren Niveau, raptechnisch, textlich und auch von den Beats her. Aber auf Drama Endet Nie endet das Drama tatsächlich nie. Dieses Album ist wahnsinnig gefällig, irre poppig und weit weg von dem, was er mal gemacht hat. Das ist ja der entscheidende Punkt: Was erwarte ich, wenn Fatoni eine neue Scheibe raushaut? Eine Entwicklung in jedem Fall. Aber keine Abkehr eines Kerns. 

Also. Auf Drama Endet Nie finden sich ein paar starke Fatoni-Songs. Doch leider auch massenweise träge Musik. Hat Fatoni vorher zu viel Pulver verschossen? Kam so viel dazwischen, dass so viel Halbgares dabei ist? Einige Tracks sind mir - wichtig: alles subjektiv hier - viel zu inhaltsleer. Andere viel zu stark bedeutungsgeladen (Ich Will Lieber…). Es fehlt die Mitte und tatsächlich auch eine Demonstration, dass er der Geilste ist. Neben den beiden anfangs erwähnten starken Tracks, kommt natürlich noch ein überragendes Feature mit Mine. Diese beiden KünstlerInnen sind ein enormes Duo. Lange Nicht Mehr Gut setzt da an, wo sie mit ihrer gemeinsamen Platte 2017 aufgehört haben. Da ist immer Spannung drin, da ist immer ein heftiger Beat, da ist so viel Leidenschaft. 

Die fehlt an vielen anderen Stellen. Ich hoffe sehr, dass viele Menschen das sehen, was ich in dieser Platte nicht ansatzweise aufspüren kann: Witz, Punchlines, Diss, filigranes Songwriting, Zeilenbrüche.

03.09.2026 Leipzig, Felsenkeller
04.09.2026 Erlangen, E-Werk
05.09.2026 Stuttgart, Wagenhallen
11.09.2026 Hamburg, Große Freiheit 36
12.09.2026 Köln, Carlswerk Victoria
22.09.2026 AT-Wien, Arena
23.09.2026 München, Muffathalle
24.09.2026 Wiesbaden, Schlachthof
10.11.2026 Hannover, Capitol
11.11.2026 Münster, Sputnikhalle
28.11.2026 Berlin, Columbiahalle


Mittwoch, 1. Juli 2026

Live in Münster: Vainstream - der Samstag

Irgendwo dort: Grandson, Foto: luserlounge
(Ms) Über ein abgebrochenes Festival oder: Wie überlebe ich in der brütenden Hitze?

Das Wetter
Das Wochenende stand unter keinem guten Stern. Unglaubliche Hitze zog übers Land und ließ uns ordentlich ächzen. Doch: Was tun, wenn dann ein Festival ansteht? Also aus Sicht der Veranstaltenden? Wie soll man am besten darauf reagieren? Im Grunde genommen gibt es zwei Möglichkeiten: Absagen oder so viele Maßnahmen treffen, dass es aushaltbar ist. Ersteres wurde gar nicht weit weg von Münster, in Haltern am See, entschieden. Da sollte Jan Delay am Freitag spielen. Für die zweite Möglichkeit hat sich das Vainstream entschieden. Vielleicht auch, weil die Grundvoraussetzungen andere waren. Die Messehallen nebenan boten einen gewissen Schutz und einen Raum für eine Pause zwischendurch. Und als Innenstadtfestival waren sicher viele Anfahrtswege auch nicht so lang.
Aus meiner Sicht hat das Schutzkonzept ganz gut gegriffen. Viele Hinweise zum Sonnenschutz, viele Stellen für Leitungswasser, Abkühlungen an vielen Ecken. Ich war nur am Samstag da und muss gestehen: Es war aushaltbar. Viel Wasser trinken, wenig Bewegung, Kopfschutz und ab dafür. Logisch, alle schwitzten wie bekloppt. Aber alle hatten auch eine Menge Spaß.
Bis 18.30 Uhr.
Da spielten Bloodywood und es wurde zunächst unterbrochen für eine Stunde. Ein Gewitter ziehe auf, hieß es. Und tatsächlich ließ sich das auf diversen Wetter-Apps nachvollziehen. Nur kam halt nichts davon an. Ein Teil löste sich auf, der andere zog an Münster vorbei. Als es dann weiter gehen sollte um 19.30 Uhr, hieß es doch einigermaßen überraschend, dass die Veranstaltung sofort abgebrochen wird. Ein weiteres Gewitter zöge auf und droht, mitten über Münster mit Blitz und Donner einzubrechen. Also los. In meiner Wahrnehmung haben sich alle Leute ohne großes Murren und sehr entspannt auf den Weg gemacht und den Bereich geräumt. Doof nur, dass man nicht mal Pfand zurück geben konnte. Viva von Agua hat sich gefreut - gut so! Und dann? Tja. Dann passierte nichts am Himmel. Nochmal. Sechs Tropfen vielleicht und ein kleiner Wind. Logisch, darauf haben die Veranstalter auch keinen Einfluss. Aber ein Geschmäckle bleibt. Hätte man es weiter laufen lassen können? Ja, bestimmt. Aber dann kommt die unweigerliche Frage: Was wäre wenn?! Und die möchte man lieber mit „Alle sind in Sicherheit“ beantworten. Better safe than sorry. Unmut in den Kommentarspalten. Doch da die richtige Entscheidung zu treffen, ist auch schwer. Im Endeffekt hat das Team des Festivals alles korrekt gemacht.

Das Gelände
Acht Jahre habe ich in Münster gewohnt. Nie war ich auf dem Festival. Kurios. Daher war ich etwas verwirrt, wie das Gelände aufgebaut ist, denn die Messehallen - wenn es nicht die große ist, wo die Donots alle zwei Jahre spielen - habe ich nie besucht. Doch schnell wurde mir klar, was für große Vorteile der Standort hat. Er ist weit genug draußen, damit niemand gestört wird. Zudem ist der Hawerkamp direkt anbei - der (!) Clubstandort der Stadt. Genial! Zwischendurch sind wir auch einmal in der Sputnikhalle vorbeigeschneit. Doch nur recht kurz, da es da drinnen noch wärmer war zuzüglich Luftfeuchtigkeit. Bäh! Also: Das Gelände war super gut aufgebaut und wurde entsprechend gut genutzt. Vieles verlief sich, nirgends wurde es überaus eng.

Die Musik
Achja - unter dem ganzen Thema, dass das Festival ja abgebrochen wurde, kommt der Hauptaspekt - die Musik - doch reichlich zu kurz. Ich war nur am Samstag da, ließ mir aber aus mehreren Quellen sagen, dass der Freitag - insbesondere Landmvrks - großartig gewesen sein soll. 
Vieles vom Line-Up kannte ich nicht. Metalcore und seine Verwandten sind nicht die Genre, die bei mir zu Hause laufen. Doch die musikalische Neugier wurde reichlich befriedigt. Zum Beispiel mit Future Palace. Hui, ging das gut ab. Es wurde ordentlich geschrien und auch ordentlich mit Effekten gespielt. Denn nur Drums und E-Gitarre hätten niemals den Wumms liefern können, der dort zu hören war. Danach ab zu Pöbel MC. Ist ja geil, dass so ein Event auch ganz andere Töne einlädt. Und viele konnten mitrappen - geniale Momente! Danach hat mich Thrown total überzeugt. Eine sehr harte Gangart, sehr kurze Lieder, viel Druck, viel Aggression, aber alles auf den Punkt. Danach der Höhepunkt: Grandson. Das, was der Typ abgeliefert hat, war nicht mehr normal. Er baute seine Tracks derart um, dass sie so live gespielt nirgendwo anders zu hören sind. Es war eine etwas kuriose Mischung aus Placebo und The Streets. Markante Stimme, Sprechgesang, Energie an allen Ecken und Enden. Und großartig gegen die Arschlöcher der AfD gewettert. Bloodywood aus Indien spielten dann nur noch recht kurz. Leicht pathetischer, aber enorm druckvoller Metal, viel Getrommel, doppelter Gesang - Power ohne Ende!
Gern hätte ich noch Architects gesehen. Aber das ist nun mal Geschichte.

Das Fazit - der Ausblick
Was mir sehr gut gefallen hat, war das bargeldlose Bezahlen auf dem ganzen Gelände. Mit einem Chip am Bändchen ließ sich alles erwerben und auch Pfand wieder zurück buchen. Anfang dieser Woche ließ sich der Rest dann wieder aufs eigene Konto gut schreiben. Das war eine sehr gute Idee!
Wie geht es nun weiter? Die nicht spielenden Acts wurden sicher entlohnt, ein Festival dieser Größenordnung ist gegen solche Ereignisse versichert. Der Vorverkauf fürs kommende Jahr lief wohl immens gut an. Tausende Tickets gingen schon weg. Ob das Zugpferd Lorna Shore dafür verantwortlich ist - keine Ahnung (tatsächlich sagte mir die Band überhaupt nichts, ich Metalbanause).
Den Veranstaltenden und den Besuchern fürs kommende Jahr sei mehr Glück beim Wetter gewünscht. Ansonsten ist das Vainstream eine hervorragende Adresse für ausgewählt gute Musik der harten Gangart!


Freitag, 26. Juni 2026

KW 26, 2026: Die luserlounge selektiert

Quelle: flaticon.com / freeer
Seitdem die AfD nachweislich radikal agiert und menschenfeindliche Parteiprogramme verfasst und es nicht unwahrscheinlich ist, dass sie bald eine Landesregierung stellt, ist die Rede von einer wehrhaften Demokratie. Das ist wichtiger denn je. Denn bislang kopieren große Parteien einfach Teile des demokratiefeindlichen Programms. Und scheitern damit. Denn das Original ist immer noch attraktiver. Damit aber wirklich ein Verbot dieser Partei erwirkt werden kann, haben andere Menschen diese Arbeit übernommen. Die EntscheiderInnen in den demokratischen Parteien haben es bislang nicht vollumfänglich gemacht. Die Gesellschaft für Freiheitsrechte hat daher am Donnerstag ein umfassendes Gutachten erstellt, das nochmals deutlich macht, mit wem wir es zu tun haben. Mit einer Gruppe an Menschen, die unseren Staat abschaffen wollen. Das sollten wir uns nicht bieten lassen.

Fischersund
(Ms) Ende April erschien ein großartiges Album, das mir nur durch den Spotify-Algorithmus zugespielt worden ist. Plötzlich tröpfelte, regnete es in meinen Kopfhörern und im Hintergrund breiteten sich sanfte, helle Synthieflächen aus. Das beruhige mich direkt, als ich irgendeinen Arbeitskram erledigen musste. Und dann tickte mein Hirn. Das kenne ich doch. Das, oder Vergleichbares. Ja, Ambient-Musik ist oft recht ähnlich. Aber ich konnte meiner Ahnung vertrauen. Denn hinter Fischersund, der Band, der ich dort lauschte, verbirgt sich unter anderem Jónsi von Sigur Rós. Ihr Album heißt Sleep. Und der Klang ähnelt sehr einer Schlafens-Playlist von Sigur Rós. Jónsi betreibt das Kollektiv mit seinen Schwestern und weiteren Personen. Sie stellen Parfüm, Lotionen, Beutel und allerhand Schönes und Teures her. Die Musik soll ursprünglich dem Verkauf des Parfüms dienen. Doch auch ohne Duft ist dieser Klang eine wohltuende Oase. Insbesondere wenn es draußen tropisch heiß ist und die Nachrichten auch ähnlich hitzig sind, tut das hier unfassbar gut!


Farewell Dear Ghost
(Ms) Gänsehaut, wenn ein Lied plötzlich und gänzlich unvermittelt einen Gedanken formuliert, den ich auch fühle, aber für den mir die Worte bislang fehlten. Das schlägt so richtig ein. Die österreichische Band Farewell Dear Ghost hat vor Kurzem eine neue, tolle Single veröffentlicht. Weather Control heißt sie und ist ziemlich reduziert. Der Track stellt einige große Fragen. Fragen nach dem Bereuen nicht getaner Taten aus der Vergangenheit zum Beispiel. Gedanken, die plötzlich traurig machen. Dann ist die Frage „What‘s an easy mind?“ äußerst naheliegend. Nur Gitarre und leichtes Sythieflirren im Hintergrund. Das ist zusammen dann doch sehr wirkmächtig und wunderschön! Ab und zu tut diese Art der Melancholie sehr, sehr gut. Denn daraus kann man wieder aufbauen. Ein tolles Lied, was ich allen sehr ans Herz legen mag:


Team Dresch
(Ms) Vorsichtige Skepsis transformiert sich zu Enthusiasmus. Wie ein kleiner Junge lese ich aus einigen Quellen mal Euphorie und denke dann: Dann muss das ja genial sein, wenn die das sagen. Mittlerweile, also mit Mitte dreißig, unterlaufe ich dieser Gefahr mit ein wenig Distanz. Überzeugen lasse ich mich dennoch gern. Beispiel: Team Dresch. Vor einigen Tagen berichteten die guten Menschen vom Grand Hotel Van Cleef und Rookie Records, dass Team Dresch wieder nach Europa kommt. Zugegeben: Mir sagte der Name überhaupt nichts. Aber wenn die das sagen… dann laufe ich nicht blind hinterher, aber bin neugierig, was die denn gut finden. Also: Reingehört. Und sofort von der Energie angesteckt. Denn das ist nicht nur Punkrock einer Band, die schon seit über dreißig Jahren Musik macht. Sondern es ist auch Punk, der doppelt zornig ist. Einmal gegenüber dem Establishment und zum anderen gegen Homophobie ansingt. Queercore wird das dann genannt. Und geht ziemlich stark nach vorn! Sie werden als Pioniere ihrer Zunft beschrieben. Und wenn ihr reinhört, wisst ihr genauso schnell wie ich, wieso. Genial. Hingehen im September!

19.09.26 Bern, Yeah! Fest - Reitschule
20.09.26 Mainz, Schon Schön + Muutt
21.09.26 Oberhausen, Druckluft + Im Taxi Rauchen
22.09.26 Berlin, Neue Zukunft + Shirley Holmes
24.09.26 Bremen, Tower + Goose Pants
25.09.26 Karlsruhe, Alte Hackerei + Wick Bambix
26.09.26 Köln, Blue Shell + Wick Bambix
27.09.26 Hamburg, Betty + Shirley Holmes


Takeshi‘s Cashew
(Ms) Wie landet eine Band hier bei der wöchentlichen Übersicht auf einem kleinen Blog? Manchmal ist es ganz einfach, weil auch ich ein einfach gestrickter Typ bin. Heute ist es der Name, der mich direkt angefixt hat: Takeshi‘s Cashew - wie genial kann es denn bitte sein?! Aber das allein reicht selbstredend nicht. Die Formation aus Wien macht obendrein unglaublich geniale Musik: komplett instrumental, getrieben, psychedelisch, leicht krautig mit ein paar ostasiatisch anmutenden Elementen. Das entfacht so eine wunderbare Energie, dass ihre Musik sehr schnell sehr viel Spaß macht! Mit ihrem Drive erinnern sie stark an Los Bitchos und das ist ganz klar als Kompliment gemeint! Diese Woche erschien ihre neue Single Operator und damit kündigen sie ihr nächstes Album an. Planet Odyssey 64 erscheint am 30. Oktober und könnte der Tanzbeat für den Herbst werden. Deal?



Donnerstag, 25. Juni 2026

JJerome87 - The Canyon

Foto: Zachary Gray
(Ms) Als alt-J auf die Bühne des Musikkosmos` traten, zog ein gänzlich neuer Sound ein. Etwas, das noch nie da gewesen ist. Etwas Geniales. Etwas Verspieltes. Etwas Tanzbares. Ja, etwas Transzendentales. Nicht nur die zahlreichen Soundfrickeleien waren prägend für ihren Klang, sondern auch die Stimme ihres Sängers Joe Newman. Immer etwas quietschig-quengelig. Und mit enormem Wiedererkennungswert.
Nun bringt Joe Newman unter seinem Künstlernamen Jjerome87 eine Solo-Platte raus. The Canyon wird sie heißen und am 26. Juni erscheinen. Mitten in der Hitze erscheint eine phantastische Platte. Nein, natürlich ist das nicht alt-J, aber der Geist des Klangs dieser Band ist hier ganz klar zu hören und zu spüren. 11 Tracks auf knapp 40 Minuten machen gehörig viel Spaß, weil Joe Newman hier ebenso verspielt zur Sache geht wie mit seiner - zurecht - unfassbar erfolgreichen Band!

Mr Alligator ist der Startpunkt. Direkt zahlreiche Elemente. Hintergrundgesang. Percussion. Bass. Synthie-Schnipsel. Diese Stimme. Und sofort wird klar: hier herrscht der Groove. Wer hier nicht mit dem Kopf nickt, ist wirklich ein Banause. Auf der neuen Platte erzählt Joe Newman Geschichten. Dies ist die eines Hochstaplers. Insbesondere der hypnotische Gesang im Hintergrund macht eine Menge Spaß. Verdammt, ist das gut! Die vielen, vielen Sequenzen, die mosaikartig ein Lied zusammensetzen, erzeugen eine permanente Neugier. Wie unglaublich raffiniert!
Im Gegensatz zu alt-J ist das Grundgerüst viel analoger. Der Blues schlägt ein. Dazu großer, phasenweise frecher Pop. Und Soul, ja beinahe Gospel durch den großartigen Hintergrundgesang. Quaaludes hat beinahe etwas religiöses. So stelle ich mir einen Erweckungsgottesdienst vor. Amen!
Auf Juicy ist zudem gut zu hören, dass Joe Newman allerhand Geräusche in der Natur aufgenommen hat, die in seine neuen Tracks einfließen. Zudem schlägt hier ein brutaler Bass zu. Die Arrangements dieser Platte sind alle nahezu alle genial. Er baut durchaus musikalisch-gruselige Elemente ein. Den Film zu diesem Soundtrack möchte ich gern sehen. Und: Dass das Stück sich so entwickelt, wäre allein durch die ersten Takte nie zu erahnen gewesen. Zahlreiche Überraschungen. Taktweise beinahe. Großer Folk wiederum - inklusive Bläser - findet sich auf Walkaway Music.

Eines steht fest: Die gesamte Platte sei allen ans Herz gelegt, die tierische Freude am Entdecken und der Faszination äußerst geschickten Songwritings gegenüber haben. Die erste Single, Brush Me Like A Horse, ist am ehesten eine Erinnerung daran, in welcher anderen Band Joe Newman noch so wirkt. Track And Field ist so phantastisch, denn der Bass treibt ganz unterschwellig voran und das gesamte Stück strahlt eine ungeheuer positive Aura aus.

Ach, Musik. Ach, Kunst. Was für ein Glück, dass es Typen wie Joe Newman gibt. Das, was er erschafft, ist einfach eine große Bereicherung. Die Musik ist verspielt, überraschend, vielseitig, niemals langweilig werdend. Auch unter seinem eigenen Namen ist es dem alt-J-Frontman nochmal gelungen, etwas Neues in die Welt zu setzen. Wow!


Mittwoch, 24. Juni 2026

Low Key Orchestra - Before The Reverb

Foto: Helgi Helgassson
(Ms) Dass manche Stimmen nicht verhallen, ist ein wunderbares Glück. Das beste Beispiel dieser Tage ist die wunderbare Stimme von Sönke Torpus. Mit seinen Art Directors hat er vor vielen Jahren die Indiefolkherzen höher schlagen lassen. Dann war irgendwann Schluss. Hier und da tauchte er nochmal auf, aber es war erstmal Pause. Zumindest in meiner lose informierten Wahrnehmung. Dann wurde er festes Bandmitglied von Nichtseattle und hat auch das neue Album von Katharina Kollmann produziert. 
Im vergangenen Jahr meldete er sich dann als Low Key Orchestra wieder zurück und brachte mit Maybe Words eine tolle Single raus. Direkt war eine alte Gänsehaut wieder am Werk. Denn in seiner Stimme ist eine Aufrichtigkeit, ein spezielles Timbre und immer auch eine gewisse Schalkhaftigkeit, wenn man das so sagen kann. Seitdem ist er auch wieder wahnsinnig viel unterwegs. Eine eigene Tour spielte er bereits. Mit Young Rebel Set und Herrenmagazin war er unterwegs. Ich sah ihn im vergangenen September und da wurde klar, wie gut es ist, dass einer wie Sönke Torpus uns mit seiner Musik beschenkt. Es ist nicht nur eine sanfte, unterhaltsame und liebe Präsenz auf der Bühne, sondern eine Inbrunst in seinen Stücken, die ansteckend ist.

Diesen Freitag (26. Juni) erscheint mit Before The Reverb seine Soloplatte als Low Key Orchestra. Dieses Album ist ein großes Glück. Denn es steckt so viel Aufrichtigkeit drin. Sie ist - ja! - hörbar! So eine fein arrangierte und komponierte Musik kann nur aus dem Herzen kommen, von jemandem der ein paar Jahre Rückzug brauchte, um wieder selbst auf der Bühne wirken zu wollen/können.
40 Minuten, 10 neue Songe. In Your Heart Again ist das erste Stück. Klavier, Stimme. Dann ein wenig Schlagzeug. Anschließend nimmt der Track Fahrt auf. Seine Art zu singen hat sich gar nicht so sehr verändert. Doch die Musik drumherum schon. Sie ist feiner geworden, hat mehr Elemente bekommen. Insbesondere die Rhythmen auf diesem Album sind ganz spannend zu entdecken! Das bereits bekannte Maybe Words liefert eine Melancholie, wie sie schon lange in der Indiemusik nicht mehr zu spüren war - rede ich mir zumindest ein. Melancholie - ein gewisses Leitthema aus den 00er Jahren, wo leiden irgendwie geil war. Doch jetzt, 2026, bekommt Melancholie eine wunderbare Schönheit dazu. Ein Teppich, auf den man sich gern legen mag, der einen beruhigt und natürlich auch ein bisschen nachdenklich macht. Aber halt auch nicht zu sehr. Insbesondere die kleinen Streicher-Arrangements sind hier wunderbar platziert!
Doch es sprudelt auch eine Menge Leben aus den neuen Liedern von Sönke Torpus. Backseat Driver ist so eines. Da werden die Gitarren im genau richtigen Maße ein wenig aufgedreht, da strahlt es zwischendurch im Gesang und in den Melodien - herrlich! Und erneut sind kleine Rhythmusschnipsel dabei, die einfach so, so gut ausgesucht und platziert sind. Als Hörende werden wir hier reich beschenkt! Ein Stück wie Suddenly scheint mit seiner Langsamkeit und gewissermaßen Unaufgeregtheit ein wenig aus der Zeit gefallen. Aber ist es nicht genau das, was wir derzeit brauchen? Ich vermute, dass Sönke Torpus das in seiner Kunst mitwirken lässt. Hier unbedingt auf den tollen, sanften, aufbauenden Bass achten. Herrje, ist das toll gemacht! Wenn irgendwie das Gute durchscheinen will musikalisch, dann mit diesem Track!

Die Songs, die hier nicht aufgeführt sind, haben eine ähnlich schöne Wirkung. Es macht ungeheuer viel Freude und Spaß, Before The Reverb durchzuhören. Eine Platte, die in jedem Fall am Stück laufen sollte. Allein das Arrangement von Too Shy To Show ist so, so gut und wirkt mitten auf der Platte halt enorm. Ja, es ist ein großes Geschenk, dass Sönke Torpus wieder singt und uns seine Lieder schenkt. Lieder voller Wärme, Raffinesse und Schönheit!


Video

Samstag, 20. Juni 2026

Live in Bremen: Kettcar

Foto: luserlounge
(Ms) Lieber Lars,
Wir kennen uns nicht persönlich, aber ich habe dich knapp vierzig Mal links auf der Bühne gesehen, als du bei Kettcar die Tasten bedient hast. Das erste Mal war am 28. Juni 2007, also gut vor 19 Jahren in Münster. Es kamen zahlreiche Konzerte dazu. In Hildesheim, mehrfach Hamburg, mehrfach Bremen, Bielefeld, Dortmund, Traumzeit Festival, Leer, Flensburg, Essen, Rostock…
An diesem Wochenende spielst du deine letzten Konzerte in der Band. Danach soll Schluss für dich sein. Krass, mit welcher Energie du diese Minitour spielst. Das freut mich über aller Maßen. Denn als du am Donnerstag im Bremer Schlachthof auf der Bühne standest, war sofort - und vor allem danach klar: es wird etwas fehlen. Und diese Lücke ist nicht nur eine Musikalische. Was du alleine oder mal mit Erik zusammen auf der linken Bühnenseite für Partys schmeißt, gehört in einen ganz eigenen Kosmos. Klar, das war nicht immer so. Es gab Zeiten der Band, da sah es nicht so euphorisch aus. Doch die sind zum Glück lange vorbei.
25 Jahre Keyboard und Gesang in einer meiner absoluten Lieblingsbands. Es war doch krass, wie das Publikum dich am Donnerstag abgefeiert hat, oder? Klar, da waren mehrere weinende Augen dabei. Am stärksten hat man es tatsächlich deinem Bruder angesehen, der am Ende von Mein Skateboard Kriegt Mein Zahnarzt merklich mit seinen Emotionen zu kämpfen hatte. Das war ja aber auch kein Wunder, nach diesem Abend im Schlachthof. Sicher waren es innen um die vierzig Grad. Warum wurden eigentlich die Türen und die Dachluken wieder geschlossen?! Heidewitzka, habe ich geschwitzt…
Dass es überhaupt zu diesem Donnerstagstermin gekommen ist, lag ein einer kleinen Fehlbuchung. Aber den Menschen war es egal. Es war eine irre Sause. Einen nicht unerheblichen Beitrag haben Schluma daran. Die gehen ja super durch die Decke. Wie viel Power kann eine neue Band denn nur an den Tag legen? Das muss doch auch hinter der Bühne richtig viel Spaß gemacht haben, oder?
Danach zwei Stunden Kettcar. Zwei Stunden Power, Hits ohne Ende, super Ansagen und was für eine wunderbare Energie auf der Bühne! Ich glaube, Reimer, Fieten, Lars und Erik haben auch für dich noch mal alles gegeben. Egal ob Auch Für Mich 6. Stunde, Benzin Und Kartoffelchips, Im Taxi Weinen, 48 Stunden, Rettung, Sommer `89, Den Revolver Entsichern, Einer, Deiche oder Balkon Gegenüber. Pure Gänsehaut natürlich bei Balu und das nicht nur wegen des Inhalts. Ein Mal noch mit Marcus zusammen dieses Stück. Woah! 
Aber hey, du verlässt diese wunderbare Band voller Zuversicht und Freude. Sicher auch voller Dankbarkeit und mit einem tollen, letzten, großen Knall. Wie viel Spaß kann man denn luftgitarrespielend auf der Bühne eigentlich haben? Ich wünsche dir sehr, dass der letzte Weißwein während der Zugabe richtig gut geschmeckt hat.

Lieber Lars, auch wenn wir uns nicht kannten. Irgendwie fühlte ich mich dir auf der Bühne immer verbunden. Sehr oft stand ich auf der linken Publikumsseite und habe dich beim Spielen und Singen gesehen. Die Lücke wird groß sein, auf jeden Fall.
Für dich beginnt nun, nach dem Konzert auf der Kieler Woche, ein neues Kapitel. Laut Statement voller Energie und mit vielen Ideen. Ich wünsche dir von Herzen nur das Beste dafür, gutes Gelingen und mindestens genauso viel Spaß wie an den Tasten in der Band, die den Namen Kettcar trägt.


Freitag, 19. Juni 2026

KW 25, 2026: Die luserlounge selektiert

Quelle: flaticon.com / Rooman12
„Ihr müsst 15% Zoll zahlen und wir nichts.“ - „Ja, okay, so machen wir das.“
So oder so ähnlich muss es ja zwischen Ursula von der Leyen und dem orangenen Mann zugegangen sein, als der Zolldeal zwischen der EU und den USA beschlossen worden ist. Dann las ich noch ein paar Stimmen zu diesem erpresserischen Handelsdeal und viele sagen, dass das die bestmögliche Version innerhalb einer völlig verkorksten Abmachung sei. Ja, soweit vollkommen nachvollziehbar. Denn die USA sind halt immer noch am wesentlich längeren Hebel. Sie könnten ja die ganze militärische Unterstützung hier runterfahren und dann steht die EU plötzlich ziemlich blöd da. So lange diese Archillesferse besteht, wird die EU sich bestimmt auf vieles einlassen. Dennoch gilt: innereuropäischen Handel stärken, andere Allianzen finden, unabhängiger vom Wahnsinn hinter dem Teich werden.

Nichtseattle 
(Ms) Konzerte, die zu Tränen rühren, bleiben besonders stark im Gedächtnis. Im November 2024 spielte Katharina Kollmann aka Nichtseattle im Bremer Schlachthof. Ich bin eh schon ein wenig emotional-schwankend angekommen und dieses Konzert hat mich stark getroffen. Aber auf einer wunderbaren, zarten, direkten, sehr poetischen Weise. Sehr menschlich, musikalisch wunderschön. Nun gibt es gute Nachrichten: denn zusammen mit ihrer Band hat sie ein neues Album eingespielt. Große Liebe heißt es und wird am 25. September erscheinen. Neue Stücke, die sich um die Liebe drehen werden. Doch wenn Katharina Kollmann textet, ist auch klar, dass sie so scharfsinnig schreibt, sich so gute, tiefgehende Gedanken macht, feministische obendrein, dass es nicht nur rosarot wird. Liebe kann viel, auch weh tun und verzweifeln lassen. Und Liebe wem gegenüber? Auch sich selbst. Darüber geht es in der ersten Single Dallas, die seit einigen Tagen draußen ist. Auf sich aufpassen, Selbstfürsorge, irgendwelche Mittel und Wege finden, um dem hellen Wahnsinn in der Welt zu ertragen. Nicht nur im Text, sondern auch in dem tollen, neuen Video. Hui, die Vorfreude auf dieses Album ist sehr groß!

07.08.26 Joachimsthal, Reclaim Festival
05.09.26 Pünderich, Oben Air
06.09.26 Dresden, The Sound of Bronkow
03.11.26 Kiel, Hansa48
04.11.26 Hamburg, Knust
05.11.26 Osnabrück, Kleine Freiheit
06.11.26 Langenberg, KGB
07.11.26 Leipzig, UT Connewitz
08.11.26 Berlin, Großer Sendesaal des rbb
09.11.26 München, Feierwerk (Kranhalle)
10.11.26 AT-Vienna, Club Lucia
12.11.26 Regensburg, Alte Mälzerei
13.11.26 Frankfurt, Brotfabrik
14.11.26 Köln, Artheater


Schluma
(Ms) Passt auf - es wird richtig genial, gewissermaßen nostalgisch, voller Tatendrang, ein bisschen bekloppt und vielleicht ist es wirklich die beste, frische Band seit langem: Schluma aus Hamburg. Wer den Kosmos vom Grandhotel van Cleef folgt, hat den Namen der Band schon gelesen, sie gehören nun zur Familie. Zudem haben sie letztens den Krach+Getöse-Preis der Hansestadt gewonnen. Dabei haben sie gerade mal drei Singles veröffentlicht. Egal, ist ja eh super! Indierock ohne glattgebügelte Arrangements. Gitarrengeschrammel, der hart an die frühen Tocotronic erinnert. Lieder über die Bandmitglieder. Peter an der Gitarre hat Ich Bin Ein Außenseiter Dieser Republik über Sänger und Bassist Lenny geschrieben, die 25 Jahre trennen. Vielleicht ist die Selbstexklusion in politischer Hinsicht ein gutes Mittel, um derzeit nicht durchzudrehen. Schluma bieten den Soundtrack und veröffentlichen am 4. September ihr Debut Heulen Am Wasser. Das ganze wird groß aufgefahren mit einem Festival über zwei Tage im Indra, für das sie einfach neu gewonnene Freunde, Bands undundund eingeladen haben. Voller Tatendrang eben… das wird guuuuuut!

02.07. Rømø, Cruise van Cleef (Support für Madsen)
11.07. Hamburg, 25 Jahre Stilbruch
04.-05.09. Hamburg, Indra – 10.000 Leute Festival, Album-Release-Show
01.-03.10. A-Wien, Waves Vienna


Kabinett
(Ms) Manchmal sind es ja nur zwei, drei Takte, die aufzeigen: Oha - hier kommt was ganz großes! Das ist mit Kabinett und ihrer neuen Single Call My Name definitiv der Fall! Die Band aus Mannheim setzt direkt auf große Melodien und Arrangements und der Plan geht gewaltig auf! Hört man die aktuelle Single und schließt dazu die Augen, sieht man sich versetzt auf ein großes Festival am frühen Abend, es wird schon etwas dunkel, überall sind freudestrahlende Gesichter zu sehen und dann führen diese Hooks und diese Energie dazu, dass Fäuste in die Luft gereckt werden und der Puls nochmal erheblich steigt. Die Single beschreibt das verflixte Gefangensein in einer Beziehung, die beide eigentlich nicht mehr wollen, sich aber auch nicht trennen können. Puh. Es ist der erste von vier Tracks, die die Band dieses Jahr noch veröffentlichen wird, bevor im kommenden Frühjahr dann ihr erstes Album erscheinen wird. Das. Wird. Richtig. Gut!


Eels
(Ms) Über einige Bands und KünstlerInnen würde ich hier manchmal gern andere, wesentlich kompetentere Leute schreiben lassen. Eels zum Beispiel. Logisch, kein unbekannter Name, aber außer über die wunderbare Stimme und die sehr harmonischen Arrangements seiner Songs kann ich über gar nichts berichten. Also beschränke ich mich mal darauf. Mark Oliver Everett wusste immer schon, sehr gute Geschichten zu erzählen. Zum Beispiel auf seiner neuen Single Cap In Hand. Ein Lied über die vielleicht größte Geste, zu der wir Menschen fähig sind: Einsicht zeigen, Fehler zugeben, Besserung versuchen. Das ist ein ganz schön harter Schritt, aber er tut halt auch wirklich gut. Getrieben wird der Track von einem markanten Bass. Zudem ist die Ambivalenz des menschlichen Wesens aus der Erzählung super im Timbre seiner Stimme aufgehoben. Wow - wie schön! Damit kündigt er sein 16.(!) Album an. Cookie Happened wird am 16. Oktober erschienen. Heißt: vier Monate Vorfreude!


Tramhaus
(Ms) Gerne schaue ich mir Tourplanungen unterschiedlicher Bands an. Wolang fahren sie? In welchen der Läden war ich auch schon? Welche Länder werden abgeklappert und wie viele Konzerte spielen sie überhaupt? Schaut man sich den Tourkalender der Band Tramhaus an, könnte man denken: Wow, warum sind die an mir vorbei gegangen? Die spielen ja europaweit überall. Und/oder: Was sind das für wahnsinnige Musiknarren, die das alles durchziehen?! Geil! Irgendwo zwischen Shoegaze und wildem Indierockgeschrammel macht diese Band aus Rotterdam seit sechs Jahren Musik, die es in sich hat. Coolness, Drive, Druck. Alles dabei. Allein nach ihrem Debut spielten sie 125 Gigs in 22 Ländern. Irre! Wenn dann ihre aktuelle Single Plovdiv aus dem kommenden Album Blister (9. Oktober) läuft, schwappt eine Ahnung der Energie, die sie auf der Bühne auffahren können, aus den Lautsprechern. Die Gitarren voll aufgedreht, das Schlagzeug scheppert, die Stimmbänder ächzen. Woah, das macht Bock!

09. Juli - Dresden, Ostpol
12. Juli - Dellach, Gailklang Festival
18. Juli - Wasserburg, Bums on Wheels
01. August - Erbach, Heimspiel Knyphausen
20. November - Schorndorf, Manufaktur
09. Februar - Berlin, Neue Zukunft
10. Februar - Oberhausen, Gdanska
18. Februar - Münster, Gleis22
27. März - Luzern, Schüür
06. April - München, Import Export
07. April - Wien, tba
25. April - Hamburg, Betty

Samstag, 13. Juni 2026

KW 24, 2026: Die luserlounge selektiert nochmal

Quelle: flaticon.com / Freepik
Wie oft ich von meiner Ausbildung profitiere. Das ist so richtig krass. Bachelor und Master und Referendariat und es hat so richtig gut geknallt. Letztens zum Beispiel. Da kam ich morgens in eine der Klassenräume und musste erstmal sauber machen, weil es gruselig aussah. Da kam mir sofort das Grundlagenstudium zur Geschichte des Besens in den Frontallappen geschossen. Beschaffenheit des Stiels, Dichte der Borsten, geschicktester Fegeweg. Alles war sofort wieder da. Genial! Auch den Aufbaukurs Mülltrennung aus dem Master konnte ich direkt wieder praxistauglich anwenden. Liegen gebliebene Obstreste?! Braune Tonne! Nutellacrepes auf der Fensterbank? Auch braune Tonne. Joghurtbecher? Obacht - gelbe Tonne. Zahlreiche Schnipsel Papier? Auch hier ist Vorsicht geboten - grüne Tonne. Ich bin meinen Eltern bis heute aus tiefstem Herzen dankbar, dass sie mich beim Studium finanziell unterstützt haben.

Muff Potter 
(Ms) Wenn die Energie erst einmal durch den Körper dringt. Wenn die Muskeln sich anspannen. Wenn der Schweiß den Rücken runter rinnt. Wenn es angenehm dröhnt und kracht. Dann schlägt die Wucht zu, dann zeigt Livemusik, was sie kann: Bei der letzten Muff Potter-Tour skandierte ich die Zeile „Hast du früher auch Brühwürfel gelutscht, wenn du traurig warst, und wie machst du das jetzt?“ im warmen Bremer Schlachthof und sah im gleichen Moment einen anderen Verrückten, der ebenso skandierte und ich dachte nur so: Ja, man! Das wird im Herbst auch wieder so sein, wenn die Band mit ihrem neuen Album Klepto (18. September) unterwegs sein wird. Dann werden sie sicher ihre aktuelle Single Hast Du Den Müll Schon Runtergebracht spielen und dann werden alle aus voller Kehle singen: „Hast du heute Zeit für mich? Dieses Öl gehört ins Feuer, diese Wahrheit gehört ans Licht.“ Da steckt die gleiche Energie. Und der Track verkürzt die Wartezeit bis in den Herbst ganz wunderbar.

11.11.2026 Leipzig, Conne Island
12.11.2026 München, Strom
13.11.2026 Darmstadt, Centralstation
14.11.2026 Dortmund, FZW
18.11.2026 Bremen, Schlachthof
19.11.2026 Köln, Kantine
20.11.2026 Münster, Sputnikhalle
21.11.2026 Hamburg, Uebel & Gefährlich
26.11.2026 Erlangen, E-Werk
27.11.2026 AT-Wien, Flucc
28.11.2026 Berlin, Festsaal Kreuzberg


Catt
(Ms) Warum das alles? Warum jede Woche über neue Musik schreiben? Warum Musik machen? Warum auf Konzerte gehen? Warum Alben veröffentlichen? Warum neue Lieder schreiben? Einfache Antwort: Weil es sein muss! Es geht kein Weg daran vorbei. Nicht nur als wundervollste Beschäftigung überhaupt, sondern auch als Lebenselixier. Auftanken, träumen, auch mal weh tun, tanzen, feiern, fliegen. Das geht besonders gut bei der Musik von Catt. Die Allesspielerin begeistert seit vielen Jahren mit ihrer sehr zarten, intensiven und dann wieder wuchtig-tanzbaren Musik. Filigran, aber nicht zerbrechlich. Nachdenklich, aber nicht zermürbend. Und halt auch irre gut gemacht! So ein tolles Konzert von Catt kann man sich nun nach Hause holen, denn heute (!) veröffentlicht sie mit Alive ihre erste Platte mit Liveaufnahmen. Es ist kein Konzert, das in Gänze mitgeschnitten worden ist, sondern Ausschnitte von hier und da. Wundervoll ist es geworden. Bei Live-Alben spielt ja immer der Groove eine Rolle - kommt das rüber?! Und ob! Am Herbst kann man sich wieder livelive mitreißen lassen:

17.11.2026, Eupen - Alter Schlachthof
18.11.2026, Wiesbaden - Schlachthof
19.11.2026, Essen - Zeche Carl
20.11.2026, Hannover - Pavillon
21.11.2026, Karlsruhe - Tollhaus
23.11.2026, Hamburg - Mojo
24.11.2026, Berlin - Columbia Theater
25.11.2026, Dresden - Tante Ju
26.11.2026, Wien - Porgy & Bess
28.01.2027, München - Ampere
29.01.2027, Linz - Posthof
30.01.2027, Stuttgart - ClubCANN
31.01.2027, Winterthur - Salzhaus
02.02.2027, Köln - Kulturkirche
03.02.2027, Marburg - KFZ
04.02.2027, Jena - Kassablanca
05.02.2027, Leipzig - Täubchenthal


Ebow
(Ms) Kloß im Hals. Wie hier anfangen? Dieser Track ist vielleicht das härteste, was ich zuletzt hörte und sah. Und obendrein das Video. Ja, das Video gibt dem Lied eine Ebene, die so aufs erste Hören nicht ersichtlich ist. Auf einer Metaebene zeigt es, wie komplex Musik als Kunstform ist und wie sie glänzen kann. Also: Ebow hat mit Novoline eine neue Single veröffentlicht. Es geht um die Glücksspielsucht ihres Vaters und es ist zu großen Teilen aus Sicht des Spielautomaten geschrieben. Das ist schon mal richtig krass. Zudem ist Ebow eine Künstlerin, die ihre Musik fest mit ihrer familiären Geschichte verbindet. Der harte Kampf der Zugezogenen und ihr Zerren um einen Platz in dieser Gesellschaft, der ihr leider viel zu oft verwehrt wird. All das in einem Lied. So persönlich, so stark, so hart. Und sie setzt auf jeder Ebene einen drauf. Dieses Mal gibt es keinen wuchtigen Beat, nein, nein. Nur ein Cello. Und einen großen Chor. Und ihre Stimme. Wie krass kann Musik, kann Kunst denn bitte sein? Ebow setzt hiermit neue Maßstäbe. Im Texten. Im Komponieren. In einer Gänze als Künstlerin. Das ist groß, ganz groß! 

12.05.26 Freising – Uferlos Festival
06.06.26 Schmitten – Schmittner Open Air
19.06. Potsdam – über:morgen Festival
31.07.26 Bremen – TurnUp
01.08. Diepholz – Appletreegarden
08.10.26 Köln – Bürgerhaus Stollwerck
09.10.26 Bremen – Schlachthof
10.10.26 Hamburg – Fabrik
15.10.26 Leipzig – Werk 2
22.10.26 München – Ampere
23.10.26 Wien – WUK
24.10. Frankfurt – Zoom
28.10. Berlin – Columbiahalle


Lambchop
(Ms) Niemals hätte ich gedacht, dass ich mal diesen Satz schreibe: Das Banjo knallt hier auf ganz wunderbare Art und Weise. Denn oft tritt dieses Instrument in verstaubtem Country auf und macht da komische Sachen. Doch Kurt Wagner, Kopf von Lambchop, setzt dieses Instrument auf seinem neuen Album Punching The Clown (21. August) wirklich geschickt und wirkmächtig ein. Zum Beispiel auf der neuen Single Stella. Es leitet die Melodie und versprüht eine gewisse Euphorie, eine angenehme Leichtigkeit. Und auch einen gänzlich neuen Klang im großen Kosmos dieser Band. Beeindruckend, dass Kurt Wagner nicht müde wird, stets Neues auszuprobieren, immer von neuem Mut getrieben, von neuem Sinn für das Schöne. So wird die neue Platte ruhig. Das verwundert erstmal nicht. Aber nur mit Gesang, Chor, Gitarre und Banjo hat Lambchop auch noch nicht hantiert. Dass es so gut aufgeht, hätte ich nicht gedacht. Auch nicht mit Banjo.

Freitag, 12. Juni 2026

KW 24, 2026: Die luserlounge selektiert

Quelle: flaticon.com / Md Tanvirul Haque
Und jetzt kommt auch noch diese Fußballkacke dazu. Ist ja wirklich nicht genug sonst los, oder? Daher ist es auch wichtig, mal die kleinen, schönen Situationen des Alltags zu genießen. Also, auf:
Nummer 1 - Auf dem Weg von der Arbeit nach Hause muss ich hin und wieder an einer Ampel halten, an der direkt ein Kiosk ist. Die Tür ist meist offen, am Nachmittag noch nicht so viel los. Der Inhaber hatte aber laut Musik aufgedreht und in seinem eigenen Laden dazu getanzt. Herrlich - wie schön kann das Leben sein?
Nummer 2 - Auf dem Weg durch die Großstadt am vergangenen Wochenende die nächste wunderbare Begebenheit. Und sie war ganz kurz. Hallte aber lang nach. Ein Typ fuhr auf seinem Skateboard über die Ampel. So weit, so normal. Doch er hatte währenddessen (!) eine Gitarre in der Hand. Er sang und spielte, während er fuhr und überall leuchtete das gute Leben!

Interpol
(Ms) Die 00er-Jahre waren ja so intensiv und vollgepackt von großen Tönen, dass es beinahe unmöglich war, alles abzugrasen. Große Namen gingen mir immer wieder durch die Lappen. The XX, Bloc Party, Arctic Monkeys… nie gehört. Interpol gehören auch dazu. Bis eine ganz wunderbare Person in mein Leben trat und sie mir freudestrahlend präsentierte und ich dachte so: „Krass - wie ist das nur an mir vorbei gegangen?!“ Rätselhaftes Musikerleben. Wie dem auch sei… Im August veröffentlicht die Band ihr neues Album This Mirror Weights A Ton, das zugleich ihr erstes auf Partisan Records ist. Zwei Tracks haben sie direkt zur Ankündigung veröffentlicht. Der Titeltrack ist getragen, dicht, tief, groß und voll mit dem herrlich charakteristischen Gesang. See Out Loud dreht viel stärker die Gitarren auf und kickt gänsehautmäßig direkt ab dem ersten Takt, nimmt gegebenenfalls den Atem - großartig! Im Herbst gehen sie zusammen mit Bloc Party (!) auf Tour - Nostalgiefaktor mal tausend!

11.11.2026 Berlin – Uber Arena
12.11.2026 Hamburg – Barclays Arena
14.11.2026 Düsseldorf – PSD Bank Dome


JJerome87
(Ms) 2012 geschah etwas Besonderes. Neues. Nie da Gewesenes. Es war auf spektakuläre Art erschütternd. Und so, so, so gut! Alt-J traten in die Musikwelt ein und haben einen Sound erschaffen, der vollkommen ohne Vergleich war. An Awesome Wave ist ein moderner Klassiker. Dieses unglaublich Verspielte im Klang, diese coole Genauigkeit, das Unvorhersehbare. Nun veröffentlicht Frontmann Joe Newman unter dem Namen JJerome87 am 26. Juni sein erstes Solo-Album namens The Canyon. Der Sound ist schon sehr, sehr nah an der Band. Fast identisch. Das ist - in meinen Augen - auch ein wenig egal. Denn wichtig ist, dass diese Musik existiert. Dass sie fortgeführt wird. Dass sie strahlt und kickt. Und das tut sie auf sehr stabile Weise. Das macht so wahnsinnig viel Spaß und es ist so herrlich einfach, in die Tracks einzutauchen. Zum Beispiel in die aktuelle Single Mr. Alligator:


Nouvelle Vague
(Ms) Es gibt so viele gute Songs, die so lohnenswert sind zu covern. Zum Einen aus einem musikalisch-schönen Grund, zum anderen weil viele Lieder schon eine große Eigendynamik entwickelt haben. Enjoy The Silence von Depeche Mode zum Beispiel. Das Original ist ja schon der Oberwahnsinn, ich liebe auch die Version von Nada Surf. Nouvelle Vague haben sich den Track - und zahlreiche weitere - von Depeche Mode vorgenommen. Diese wunderbare Melancholie im Song, die Größe im Text, der Drive darin. Doch Nouvelle Vague gehen einen recht radikalen Cover-Weg. Sie spielen die Vorlagen in einem Bossanova-Stil. Südamerikanisch zurückgelehnt, mit angenehmer Tiefe und einem herrlich weichen Timbre aufgefüllt. Toll ist ihre Interpretation geworden. Das Wesen des Originals bleibt gleich und doch ist es völlig neu. Das ist die große Herausforderung beim Covern: Es nicht völlig verzerren, aber auch nicht einfach nur nachspielen. Das ist hier mehr als gelungen. Mehr davon gibt es dann am 30. Oktober A Date With Depeche Mode erscheinen wird.

05.08.2026 Bremen - Seebühne
06.08.2026 Braunschweig - Applaus Garten
14.08.2026 Jena - Kulturarena
15.08.2026 Leipzig - Parkbühne GeyserHaus


Ea Othilde
(Ms) Oft braucht es die ganzen Lieder, um richtig eintauchen zu können. Dann reicht eines nicht aus. Und gar nicht, weil es nicht gut sei oder so. Im Gegenteil. Aber mehr ist nun mal mehr. Und das ist gut so. Am 12. Juni veröffentlicht Ea Othilde mit You‘ll Leave The City eine 5-Track-EP, die richtig viel Kraft mit sich bringt. Im Fokus ganz klar ihre Stimme und die E-Gitarre - ja, man, dieses Jahr ist das Jahr der Rockmusik, oder? Sie spielt Alternative und Shoegaze, breitet große Flächen aus, lässt sie wirken und das Schlagzeug scheppern. Das macht ungeheuer viel Spaß. Die Musik ist dicht, eindringlich und strotzt vor Spielfreude der Norwegerin!


Euroteuro
(Ms) Eine gewisse Unaufgeregtheit. Ein Wandeln durch die Nacht. Ein leichter Rausch. Viele Gedanken, die durch den Kopf jagen. Eine Nacht, die nicht enden will. Die leichte Melancholie, die noch nie ihren Reiz verloren hat. Dazu ein Beat, der beschwingt, aber nicht zu sehr. Den Soundtrack dazu liefert Euroteuro mit der neuen Single Favourite. Die Synthies trommeln den Grundbeat, darüber flirren einige Effekte und eine wunderbar verträumte Stimme, die den Rausch anführt. Es ist die perfekte Musik, um durch lange, laue Sommerabende zu flanieren und die großen und kleinen Gedanken der Welt auseinanderzudenken. Darauf geht es auf der neuen Platte Magic, die am 25. September erscheinen wird. Der Blick richtet sich nach innen. Unter „Warum müssen wir sterben“ machen sie es nicht. Diese Themen setzen Energien frei - sie sind hörbar. Stark!

Montag, 8. Juni 2026

Live in Hamburg: Get Well Soon

Foto: luserlounge
(Ms) Wenn man nicht regelmäßig nach Hamburg für Konzerte fährt, kann es durchaus Überraschungen geben. Zum Beispiel die aktuelle Adresse des Molotow. Die Miet-Odyssee hat den Club ins alte Moondoo getrieben, wo er wohl noch mindestens bis 2037 bleiben kann. Heißt auch: ein quasi neuen Club auf der Erlebnisliste. Richtig schön ist es drinnen. Gemütlich und sehr geschmackvoll eingerichtet, rot leuchtende Elemente auf dem Boden und unter der Decke. Der Unterschied zwischen dem Treiben vor der Tür und dem, was danach drinnen passiert, könnte kaum größer sein, als bei einem Konzert von Get Well Soon. Nach vier Jahren ist Konstantin Gropper mit seiner großartigen Band endlich wieder auf Tour und hat die aktuelle, außergewöhnlich rockige Platte Minus The Magic mit im Gepäck.

Drückend war die Luft drinnen. Der nass-warme Frühsommer macht auch im Club keinen Halt. Ohne Vorband ging es um kurz nach acht los und für zwei Stunden spielt sowohl das Gewusel auf der Reeperbahn als auch die Luftfeuchtigkeit keine Rolle. Für mich überraschend als Quartett statt zu Sechst haben Get Well Soon gezeigt, wie unfassbar gut, intensiv, kraftvoll und schön Rockmusik sein kann. Im Zuge der Veröffentlichung des aktuellen Albums meinte Konstantin Gropper, dass seine Band wohl schon seit vielen Jahren als fehlgeschlagenes Comedy-Projekt wahrgenommen wird. Seine Ansagen sind auf jeden Fall unterhaltsamer geworden. Die Lieder haben natürlich alle immer noch einen ernsten, mitunter dramatischen Ton, der aber immer vor Größe nur so strotzt.
Beeindruckend, wie gut alle Musiker auf der Bühne sind. Wie sie ihre Instrumente beherrschen, wie genau und unglaublich gut abgestimmt sie spielen. Bei der Komplexität einiger Lieder ist deutlich zu vernehmen, was für ein guter Geist in der Band herrscht - sonst würde das alles nicht funktionieren. 

Im Fokus standen klar die Lieder von Minus The Magic. Durchaus erstaunlich war die Auswahl aller anderen Lieder. Einige „Hits“ wie It‘s Love, auch wenn der einzige Hit des Abends laut Konstantin Gropper ein Cover war, ließ die Band außen vor. Seltsam ist, dass mir eine Zuordnung der Titel bei Get Well Soon immer etwas schwer fällt, obwohl ich die Band seit gut 17 Jahre höre und wirklich oft sah. Egal. Die Tracks waren unabhängig vom Hit-Potential hervorragend ausgesucht und auch in eine tolle Reihenfolge gebracht. Ein paar ruhige Pausen dienten dazu, im phasenweisen Gitarrengewitter mal durchzuatmen. Am stärksten bleib mir The Golden Toilet Heist in Erinnerung, da es wunderbar schepperte und die Instrumente an ihr Äußerstes gebracht wurden - insbesondere der wunderbar glitzernde Bass von Sebastian Brödner. Und auch wenn Paul Kenny mal wieder kräftig auf die Becken schlug, Maximilian Schenkel zwischendurch neben der E-Gitarre zwei verschiedenen (!) Trompeten spielte und Marcus Wuest gleichzeitig Keyboard und Trommel spielte, herrschte eine enorme Gelassenheit auf der Bühne. Beeindruckend! Seitdem ich die Band 2009 zum ersten Mal sah, haut sie mich jedes Mal wieder vom Hocker, wenn ich sie live sehe. Was für eine wunderbare, wuchtige, energievolle und einfach schöne Kunst, die mit Angry Young Men als Abschluss ein heftiges wir-geben-nochmal-alles-Ende fand!

Zum Glück kommt im Herbst noch eine Platte und dann eine weitere Tour.

Am 24. Januar spielen sie im Hamburger Mojo - weitere Termine folgen sicher bald.


Sonntag, 7. Juni 2026

Live in Bremen: Fair Weather Fest - der Freitag

Abramowicz, Foto: luserlounge
(Ms) Dieses Festival sollte dringend seinen Namen ändern. Er scheint kein gutes Omen zu sein. Bereits im letzten Jahr, bei der ersten Auflage des Fair Weather Festes, regnete es sommerlich. So auch an diesem Wochenende. Oder: Man könnte es auch umdrehen. Vielleicht ist dieses eher mäßige Wetter ja auch ein gutes Omen für diese äußerst feine Veranstaltung. Denn, wie im letzten Jahr, haben die Macher, die Bands und all die Menschen vor und hinter den Bühnen und an allen Theken für ein großartiges Erlebnis gesorgt. Ein Indoor-Festival zum Genießen, Treibenlassen, Entdecken und Sich-Verlieren. Selten war es leichter als hier zwischen Calavera, Lila Eule, Lagerhaus, Eisen, Titus, Black Plastic Records und Horner Eckhaus. Aus organisatorischen Gründen (siehe bald im nächsten Posting) war ich nur am Freitag da, aber es war einfach nur irre!

Irre warm war es bei Jule in der Lila Eule, wo ich leider zu spät gekommen bin. Um kurz vor sechs war es erstens schon sehr voll und zweitens leider sehr schwül und drückend. Also weiter ins Eisen, erstmal ein Bier genießen und auf Turbobart warten. Wie fast alle anderen Acts kannte ich den Münsteraner Musiker nicht und wurde wunderbar überrascht. Mit der Klampfe in der Hand und dem Herz auf der Zunge sang er eine halbe Stunde aus seinem Innersten. So viel Inbrunst war wirklich beeindruckend. Das ist es doch, worum es geht. Identifikation mit der Musik, mit der Kunst. So ist es ganz leicht, als Zuhörender einzutauchen, mitzugehen. Und wenn er dann noch Kettcar und Muff Potter covert, ist doch wirklich alles gut. Was für ein emotionaler, wunderbarer Auftakt in den Abend. Also schnell rüber ins Lagerhaus. Das ist ja das Geniale an diesem Festival: Alles ist nur wenige Schritte voneinander entfernt. Immer kurz frische Luft schnappen oder was zu essen. Weiter bei Abramowicz, die mit sechs Leuten die Lagerhaus-Bühne platzmäßig ausreizten. Dem streng getakteten Zeitplan zum Trotz legten sie kraftvoll und energiegeladen los und haben mich sofort in den Bann gerissen. Sehr melodisch, sehr treibend und in Bewegung setzend. Das hat ungeheuer viel Spaß gemacht - eine phantastische Band! Doch was danach im Eisen geschah, war „leider“ noch etwas phantastischer. Denn der heimliche Hauptact des Tages lud zur Eskalation ein: Dramatist. Die Band, die quasi am Ort des Geschehens geboren wurde, zeigte extrem eindrucksvoll, dass alle Vorschlusslorbeeren absolut berechtigt sind. Es war klug, früh da zu sein, denn drinnen füllte es sich schnell - nachvollziehbarer Weise. Doch auch draußen lauschten zahlreiche aufmerksame Ohren vor dem offenen Eisenfenster. Eine halbe Stunde Druck. Eine halbe Stunde pure Energie. Eine halbe Stunde kompletter Wahn. So intensiv, so tief. Irre, wie die Macht dieser Musik den Leuten auf der Bühne ins Gesicht geschrieben war. Sie haben alles gegeben und alle mitgenommen. Im Januar haben sie ihr erstes Album Wasting Words veröffentlicht und es ist brutal gut! Erstmal durchatmen danach. Ich habe mir eine kleine Pommespause gegönnt, war kurz bei Between Bodies, doch ich habe gemerkt, dass eine Pause sehr sinnvoll war. Kurzer Reset nach Dramatist.
Weiter ging es für mich bei Eaten By Snakes im Eisen, sympathisch, aber blieb nicht so sehr hängen. Als auf zum letzten Act des Abends: Brockhoff im Lagerhaus. Und plötzlich traf mich der Schlag. Müdigkeit kickte in einem ganz bösen Grad, aber noch einmal aufraffen! Leider hat mich das Quartett nicht mehr abholen können. Ihre Musik war schön, aber sie hat mich nicht berührt. 

So bin ich voll gepackt mit Eindrücken und neuen Tönen aufgebrochen. Erneut, wie im letzten Jahr, war ich ganz schön beeindruckt, was das Team hinter dem Fair Weather Fest so auf die Beine stellt. Da ziehen echt alle mit. Über 30 Programmpunkte an zwei Tagen. So viele glückliche Gesichter auf den Bühnen, hinter den Theken und überall dazwischen und davor. Wenn einem Livemusik am Herzen liegt, sollte diese Veranstaltung einen festen Platz im Kalender fürs nächste Jahr haben. Denn dann geht es in die dritte Runde und hier gibt es Tickets zu extrem fairen Preisen! Ich freue mich jetzt schon wieder, viel, viel Neues zu entdecken! Und ganz ehrlich: Scheiß aufs Wetter!



Donnerstag, 4. Juni 2026

Laura Misch - Lithic

Foto: Joya Berrow
(Ms) Ist das Handy seltener in der Hand, strömt mehr Gelassenheit und Entspannung durch den Körper. Allein schon die Abwesenheit dieses Gerätes beruhigt den Menschen. Krass, oder? Letztens habe ich seit langer, langer Zeit mal wieder einen handyfreien Tag gemacht und es war super. Memo an mich: Ich sollte es öfter tun. Doch was haben diese Begebenheiten in einem Musikblog verloren? Ganz einfach: Weniger Hektik bedeutet eben auch mehr Aufmerksamkeit für ruhige Töne. Diesen Freitag, am 5. Juni, erscheint das neue Album der Musikerin Laura Misch. Lithic heißt es, was so viel wie „von der Natur her steinartig“ bedeutet. Laura Misch ist eine außergewöhnliche Musikerin. Sie hat den Mut zur Langsamkeit. In ihrem Werk, das irgendwo zwischen Jazz und Ambient verortet ist, spielt das Saxophon eine große Rolle. Es ist ihr ursprüngliches Instrument, das sie im Laufe der Zeit um viele andere Klänge erweitert hat. Doch die Klänge des tollen Holzblasinstrumentes scheinen immer wieder durch die Lieder dieser neuen Platte, bilden oft ihre Grundlage. Laura Misch hat nicht nur Rhythmen, Melodien und Gesang eingefangen, sondern auch Töne aus der Natur, sogenannte Fieldrecords. Sie lebte eine Zeit lang in Dungeness, an der Küste Südostenglands. Stein und Wasser. Das sind die wesentlichen Kennzeichen. Dazu: Zeit und Ruhe. In einer Haltung so sehr in der Natur zu leben, ist diese Musik entstanden. Sie ist vollkommen unaufdringlich und darf unter keinen Umständen nebenbei gehört werden. Ein gewisser Grad der Aufmerksamkeit sollte auf jeden Fall aufrecht erhalten sein. Dann breitet sich eine Ruhe und Tiefe aus, die eventuell nur Meditation bescheren kann. Ja, dieses Album, diese wunderschöne Kunst, ist zutiefst meditativ. Doch überhaupt nicht einschläfernd, sondern mit einer konzentrierten Energie im Hier und Jetzt. Teils melancholisch, doch durchaus hell. Hin und wieder schweifen elektronische Klänge durch die Lieder, dann ist der Rhythmus so pulsierend, dass diese Musik einen sehr organischen, körperlichen Geist entwickelt. Das ist wunderschön und fast etwas erschreckend. Ungewohnt, da so selten zu hören. Wenn es auf einmal regnet im Stück, ist das mal kein Wunder. Die Musikerin schlug auch auf Steine, um gewisse Klangfarben zu erzeugen. Das ist sehr, sehr beeindruckend. Die Ruhe dieser Kunst - aber auch ihr immer wieder auftretender Drive - ist durch ihren Charakter ja wieder politisch. In all seinen leisen Phasen schreit Lithic ja nach Ruhe, Frieden und Ausgeglichenheit. Nach einem Pendant zu unserer digitalen Gegenwart. So kraftvoll kann das Leise sein.

2. Oktober - Berlin, Heimathafen


Freitag, 29. Mai 2026

KW 22, 2026: Die luserlounge selektiert

Quelle: flaticon.com / CC 3.0 BY
Na endlich, Sommer, da bist du ja. Hast ja ein wenig auf dich warten lassen. Kannst es (gerne nachts) mal wieder regnen lassen, aber diese warmen Tage lasse ich mir gefallen. Die ersten Festivals gingen schon über die Bühne, die nächsten kommen. Ich hab Bock, ich bin dabei. Die größte Vorfreude habe ich auf das Watt En Schlick Ende Juli in Dangast. Ein feines Festival voller Perlen. Seit ein paar Wochen erscheinen immer wieder Bestätigungen. Doch so richtig zünden tun sie - wie letztes Jahr - auch nicht. Es ist klar, dass so ein kleines Festival keine Riesennamen anziehen kann. Aber die Veranstaltenden haben oft schon ein sehr gutes Händchen bewiesen. Diese Gewissheit ist die einzige, die meine Vorfreude hoch hält. Ja, es sind ein paar gute Acts dabei wie Martin Kohlstedt, Heinz Strunk und Meute. Dabei ist wichtig: Mich zieht es noch nicht vom Hocker. Das ist nur meine Meinung. Auch im letzten Jahr gab es zahlreiche Überraschungen. Nur eine Band sah ich vorher schon mal. Daher kleines Memo an mich: Freu dich, Schreiberling, dann hast du wieder viel zu entdecken und drüber zu berichten. Stream of Consciousness Ende.

Audio88 & Yassin
(Ms) Der Hass ist zurück. Und die Ironie. Und irgendwie doch auch zwei ganz wunderbare Typen, die einfach eine hervorragend provokative Rolle spielen. Audio88 und Yassin haben mit Zeit Zu Sterben seit einigen Tagen eine neue Platte draußen und sie knallt so, wie sie knallen muss, wenn diese beiden das Mikrophon in die Hand nehmen. Die Tritte gegen die Obrigkeit, die Standfestigkeit auf dem Rap-Thron - es bleibt alles beim Alten. Halt nur in richtig frischem Gewand. Insbesondere die Beats stechen heraus, sind frisch, elektronisch aufgepeppt zum Teil und sehr progressiv. „Den Nachbarn mit der Deutschlandflagge fresse ich zum Frühstück“ heißt es in Hunger. Der Feind ist klar ausgewiesen. Und noch klarer wird er auf Komm Ran. Eine wahre Kampfansage an Friedrich Merz. Die Gerüchte um den Wechsel im Kanzleramt kommen nicht aus der Hauptstadtpresse, sondern von diesen beiden knuffigen Typen. Mitten in die Fresse. So, so gut!



Laura Misch
(Ms) Wann und wie durchatmen? Ja, die Welt hält uns mit sehr viel Dunkelheit in Atem. Doch es gibt doch so viel Schönes und Gutes. Jeden Tag! Das ist wirklich so. Man muss nur hinschauen. Und so wundervolle, zarte, klare Musik. Zum Beispiel von Laura Misch! Ihr neues Album Lithic erscheint kommende Woche und bringt einen warmen, erdverbundenen Sound mit sich. Die Grundstimmung ist langsam, das Licht ist behütend, der Puls ganz niedrig. Die Musikerin hat Klänge aus der Natur eingefangen und spielt damit. Es ist Jazz, es ist Ambient, es ist Ruhe gewordene Musik. Hier ein paar Streicher, dort ein paar Bläser, in der Mitte immer wieder eine sanfte, schöne Stimme. Laura Misch schenkt uns Musik, die nicht nebenbei funktioniert. Dann wäre sie weg. Sie funktioniert nur, wenn wir sie zulassen. In Ruhe und mit Aufmerksamkeit. Das ist große Kunst! Das ist wundervoll!


The Dresden Dolls
(Ms) Never change a winnig Team. Oder eine erfolgversprechende Strategie. Viele Bands gehen - schon seit einigen Jahren - auf Album-Jubiläums-Tour. Meist wird dafür das gefeierte Album nochmal aufgelegt. Was bei vielen anderen gut funktioniert, weil Nostalgie geweckt wird, wird sicher auch bei The Dresden Dolls funktionieren. Dieses vollkommen verrückte Duo veröffentlichte 2006 Yes, Virginia und am 7. August wird es in einer überarbeiteten Version nochmal erscheinen. Außerdem geht diese Band auf Tour. Die Musik dieser Gruppe ist eines: hochgradig intensiv. Getrieben. Wild. Direkt. Fast anstrengend. Genial und von viel musikalischem Sachverstand zeugend. Happy Birthday!


My Ugly Clementine
(Ms) Die Zeichen verdichten sich. Es ist ja auch schon beinahe Mitte des Jahres. 2026 kommen die Gitarren zurück. Hier und da waren sie noch nie zu hören. Und einige andere drehen sie wieder richtig auf.  Klangen My Ugly Clementine auf ihren beiden schon veröffentlichten Tracks etwas melancholisch und schwermütig, drehen sie auf Head In The Air nun wieder die Verstärker auf. Und zwar soweit, dass sie drei Österreicherinnen es ganz schön krachen lassen. Wie der Titel schon sagt, wird hier der Kopf hoch gereckt und selbstbewusst aufgetreten. Insbesondere dann, wenn man sich eine Beziehung nicht mehr gefallen lässt. Dann heißt es: Ausbrechen, losreißen, wieder selbst bestimmen. So wird dann auch der Titel der neuen Platte heißen: Apply Autonomy. Sie erscheint am 4. September und wird sicher noch mehr mitreißenden Gitarrenrock dabei haben - pure Vorfreude!


Soft Loft
(Ms) Was wäre wenn… Hach, der gute alte Konjunktiv. Ach, das schöne Schwelgen in Eventualitäten der Vergangenheit. Was wäre draus gewesen, wenn wir noch zusammen wären? Vermisst du mich manchmal auch noch? Treffen wir uns wohl mal wieder? Wir hatten doch so schöne Pläne! Aber ich wollte mich auch noch nicht festlegen. Es hätte ja noch größer, schöner, toller, freier sein können.
Wer kennt diese Gedanken nicht?! Eben. Soft Loft aus der Schweiz singen genau über diese Gedanken auf ihrer aktuellen Single F U WANT IT. Dabei spielen sie nicht nur sehr schön mit Ideen, sondern auch mit Harmonien und Energie. Im Grunde genommen ist es ein ruhiges folk-poppiges Stück, doch die Akustikgitarren und die Dringlichkeit im Gesang ist mitreißend! Am 4. September gibt es mehr davon, dann erscheint ihre neue Platte Throw The Dice.