Ein paar Tage Urlaub. Dringend waren sie notwendig, weil der seelische Akku schon ziemlich abgerockt war. Ab in den Harz. Was für eine unglaublich schöne Gegend. Schon oft war ich hier, doch noch nie habe ich diese Gegend als so schön wahrgenommen wie jetzt. Ganz kurios war jedoch der Besuch einer Pizzeria mitten im Wald. An sich natürlich ein super Ort zum einkehren, es war vollkommen in Ordnung. Doch es wurden auch einige Klischees von italienischen Restaurants bedient. Unter anderem die Dauerbeschallung mit italienischer Musik. Auch im Außenbereich. Dabei war die Sicht über die Berge so, so schön. Und dann kam der absolute Knaller: Es lief tatsächlich ein Lied über das Restaurant selbst! So Andreas Gabalier-mäßig. So stelle ich es mir zumindest vor. Als ob eine KI die Speisekarte plus alle Werbeslogans zusammengemixt hat. Ach Idylle, was tut man dir alles an…
Pascow
(Ms) Schaue ich mir meine eigene Hörbiographie an, dann waren da über die letzten 20 Jahre immer so drei, vier Bands ganz oben. Dann kamen Pascow auf mein Radar und brachten zumindest die Reihenfolge durcheinander. Die Band aus Gimbweiler setzte sich druckvoll ganz weit oben fest. Die Kraft ihrer Musik ist genau das, was ich ganz oft brauche. Wer sie mal live gesehen hat, weiß, was ich meine. Das ist irre, das ist nur großartig. Wer da unverschwitzt raus geht, hat alles falsch gemacht.
Nun ist es wieder so weit und Pascow bringen neue Musik raus. Und Wir So heißt die neue Platte und auch die erste Single daraus. Das Album erscheint am 5. März und bis dahin wird die Vorfreude angeheizt. Doch ich bin sicher nicht der einzige, der den neuen Song ungeahnt eingängig und fast schon sanft findet. Klar, es sind zweieinhalb Minuten klassischer Pascow-Punk und eine große Verbrüderung mit allen, die unten sind. Doch die scheinbare Eingängigkeit erklärt sich im Song. Die Devise ist: ab jetzt nur noch Dur, sonst halte ich das alles nicht mehr aus. Ja, vielleicht ist eine neue Harmonie ja genau das, was es jetzt braucht. Dennoch hoffe ich, dass es auf der Platte insgesamt noch ein wenig rauer und zorniger zugeht. Ich bin guter Dinge!
Muto
(Ms) Wenn es um mich herum zu sehr wuselt, muss ich mich abkapseln. Wenn zu viele Geräusche kommen, die mir nicht gut tun, ziehe ich mich ins Schneckenhaus zurück. Im Schneckenhaus gibt es bestimmte Musik, die läuft. Laufen muss, um den Rest zu übertönen oder zu eliminieren. Ein Hoch auf gute Kopfhörer! Zu einer feinen, kleinen Musikauswahl, die schnell für Ruhe sorgt, gesellt sich nun Muto hinzu. Der italienische Musiker hat letzte Woche Freitag sein gleichnamiges, erstes Album veröffentlicht, das sechs Stücke mit sich bringt. Sie sind ungemein sphärisch, sehr einnehmend, sehr beruhigend. Da wird viel mit der Gitarre experimentiert, da werden Soundflächen übereinander gelegt, da wechseln sich auch Moll und Dur mal ab. Aber vor allem strahlt diese wundervolle, heilsame Musik sehr viel Ruhe aus. Das ist sicher schwer, so etwas hinzubekommen. Genießt es also:
Freunde Der Italienischen Oper
(Ms) Es gibt Bands, bei denen ich mir vollkommen unsicher bin, ob ich ihr musikalisches Schaffen überhaupt in irgendeiner Weise würdigen kann. Die Zweifel sind mir dann doch oft ein wenig egal, da mir die Weitergabe an guter Musik viel wichtiger ist, als jede Aufarbeitung. Wer die Gruppe Freunde Der Italienischen Oper bislang genauso wenig kannte wie ich, liest am besten bei Wikipedia oder so ein wenig nach. Viel haben die MusikerInnen erlebt in den letzten knapp vierzig Jahren! Stark, dass sie sich immer wieder gefunden haben, um neue Stücke zu schreiben. Am 3. Oktober - wie herrlich bedeutungsgeladen, weil aus der DDR kommend ursprünglich - erschien ihre neue Platte Angelus Luminis mit 12 neuen Songs. Dunkler Rock mit allerhand Abschweifungen in andere Genres. Doch es ist irgendwas Gothic-ähnliches. Der rollende Bass, die druckvolle Musik und der sehr markante Gesang machen dieses Album sehr, sehr gut. Es macht neugierig, aufmerksam, gespannt. Voller Programmatik und großer Gesten. Darunter sollte es auch keine Band machen, die sich so einen Namen gegeben hat!
(Ms) Was ist es, das die Faust ballen lässt? Warum wollen wir einige Lieder immer und immer wieder hören? Was entfacht eine so geartete Sucht? Denn süchtig nach dieser Musik lässt es sich schnell werden. Am 16. Oktober veröffentlichen Endless Wellness mit Domino Days ihr zweites Album und es ist ein einziger Rausch!
Ja, was ist es nun, was dieses Album so großartig macht? Auf die einzelnen Lieder kommen wir gleich noch zu sprechen, doch ich behaupte, es gibt ein übergeordnetes Ganzes, das den großen Reiz ausmacht. Wenn Adele Ischia, Philipp Auer, Milena Klein und Patrick Huter ihre Texte schreiben, kommen nicht nur die unterschiedlichsten Themen zu tragen, sondern auch eine unsagbar schöne Poesie und Gesangslinien, die von Sehnsucht und großem Lebensgenuss strotzen. Insbesondere die poetischen Texte haben in mir eine Faszination entfacht. Es sind Texte, die das Hier und Jetzt auf romantische Weise Feiern. Es sind Texte, die die Schattenseiten des Lebens schonungslos beleuchten und vor allem eine Utopie erschaffen. Es soll eine Welt sein, in der wir sicher sind und füreinander da sind. Was so leicht und irgendwie naheliegend klingt, vertont diese Band mit einer soghaften Schönheit und einer innigen Dringlichkeit. Der Wunsch nach einer schönen, guten Welt schwebt leuchtend über dieser Platte. Wer will es ihnen verübeln?!
Elf Songs sind es, die uns die vier ÖsterreicherInnen schenken. Nur Das Beste ist der Start und damit ist doch alles klar, oder?! Wer so beginnt, schaut nur nach vorn und dem wächst der Optimismus aus allen Poren. Was sich ganz klassisch aufbaut - erst Gitarre, dann Stimme, dann Schlagzeug, dann Bass - nimmt so richtig Fahrt auf. Wenn die Akkorde schwirren und die Synthies ballern, soll die gute Zukunft bitte ganz schnell über uns herein brechen, denn „das Jetzige ist das Verletzlichste“. Zum Glück sind wir selbst dafür verantwortlich. Züge wiederum ist ein wunderbares Coming-of-Age-Stück. Von Verwöhntagen bei Oma, über die Übergabe des Zeugnisses (als Protokoll der Versäumnis - hallo Poesie!) hin zu Berufsversuchen. Ein Großwerden mit der endlos sehnsüchtigen Frage, wohin denn all die Züge fahren würden. Was für eine wunderbare Tagträumerei, was für ein Geschenk.
Seit einigen Wochen hat mich ein Track dieser Platte komplett in den Bann gerissen. Nie Mehr Sicher ist aus meiner Sicht das stärkste Lied dieses Albums. Es feiert mit einer wunderbaren Aufmerksamkeit die Gegenwart und zeigt, wozu Sprache - wundervoll melodisch vorgetragen - im Stande ist. Es erinnert mich - in einer Weise, die ich nicht erklären, sondern nur erfühlen kann - an Die Dinge Singen Hör Ich So Gern von Rainer Maria Rilke. Das Lied ist ein Spaziergang voller Düfte und Tiere, die wir alle benennen können und uns so Sicherheit geben. Auch bei diesem poetischen Stück überzeugen die wunderbar sanften Gesangslinien, die sich unbemerkt ins Langzeitgedächtnis schleichen.
Auf Domino Days teilen sich sich Philipp Auer und Milena Auer die Gesangsparts. Die Bassistin singt den wunderbaren Schrammeltrack Kontrolle Ist Messer, der musikalisch an die frühen Tocotronic erinnert und gesanglich Punk ist. Da sind wir bei einem weiteren Punkt, der diese Platte so, so stark macht: sie strotzt vor Vielseitigkeit. Klar, das ist Indierock. Doch der kann auch platt sein. Das Quartett aus Wien jedoch schaut ganz viel nach rechts und links beim Thema musikalische Raffinesse.
Genial ist auch, wenn die Band Unernstes sehr seriös vorträgt. Beispiel: Die Katze. Ein Portrait des zweitliebsten Haustieres. Eine Liebeserklärung? Ein Blickwinkelwechsel? Wie dem auch sei - es geht hochdramatisch zu, wenn zwischendurch der Vierbeiner über die Klaviertasten huscht. Großartig!
Doch auch jedes noch so phantastische Album muss irgendwann auch mal vorbei sein. Ein Album, auf dem nicht jeder Reim perfekt ist und auf dem die Zeilen gern mal springen. Ein Album, das zum Glück nicht allzu vollgepackt ist mit Bedeutung und Tiefenpsychologie. Das Unverkrampfte ist der Trumpf. Und die Vielseitigkeit. Happy And You Know It am Ende reist musikalisch nochmal richtig stark in einen Mix aus Porridge Radio und den 90ern. Fleißig unterwegs sind Endless Wellness, um ihre neuen Stücke zu präsentieren - verpasst das nicht:
21.10.2026 Innsbruck - Treibhaus 22.10.2026 Zürich - Bogen F 23.10.2026 Düdingen - Bad Bonn 24.10.2026 Dornbirn - Spielboden 29.10.2026 Wien - Arena 31.10.2026 Linz - Posthof 01.11.2026 Graz - Dom im Berg 04.11.2026 Salzburg - Rockhouse 05.11.2026 St. Pölten - Cinema Paradiso 06.11.2026 Villach - Kulturhofkeller 07.11.2026 Vöcklabruck - OKH 25.11.2026 München - Technikum 26.11.2026 Esslingen - Dieselstrasse 27.11.2026 Köln - Gebäude 9 29.11.2026 Frankfurt - Mousonturm 30.11.2026 Hamburg - Molotow 01.12.2026 Berlin - Festsaal Kreuzberg 02.12.2026 Leipzig - Werk 2 03.12.2026 Nürnberg - Z-Bau
(Ms) Diesen Abend in Worte zu fassen, ist kaum möglich, weil er so unendlich facettenreich war und für alle Menschen vor Ort unterschiedliche Bedeutungsebenen hatte - so nehme ich zumindest an.
Doch eine Szene bleibt mir bis zum nächsten Morgen prägnant im Kopf: Richtung Ende des Sets hat Ebow ihren Track Free. gespielt. Dicht und bedrückend. Als der Song zu Ende war, lag eine halbe Sekunde Stille im Bremer Schlachthof. War es ein Schock, dass der Song immer mehr an Aktualität und Dringlichkeit gewinnt? War es ein „Wie gut, dass sie es so klar ausdrückt, was alles schief läuft und wie unsagbar viele Gruppen verfolgt und an den Rand gedrängt werden“? Diese halbe Sekunde war Pate für viele ähnlicher Momente. Es waren Momente, in denen die Texte von Ebow etwas mit dem Publikum gemacht haben. Davon gab es reichlich.
Bremen war am Freitagabend der zweite Stopp ihrer Arbayt-Tour zum aktuellen Album Typologie Eines Lebens und lange Zeit sah es im Schlachthof nicht danach aus, dass es so gut besucht wird. Lange Zeit war es luftig und entspannt. Entspannt blieb es, aber auch Gedränge gab es keins.
Auf der Bühne war eine Bank unter einem Baum zu sehen, daneben ein Grashügel. Ja, es ging auch viel ums Wohlfühlen gestern. Das macht Ebow den Besuchenden sehr leicht, denn ihr warmherziges Charisma erfüllt schnell den großen Saal. Ich vermute, dass durch viele Köpfe ab und an der Gedanke rauschte: Hey, das ist ja eine von uns, sie erzählt genau meine Geschichte, für die ich eventuell nie diese Worte gefunden hätte. Wenn jemandem vor mir die Tränen durchs Gesicht kullern, als Ebow davon erzählt, wie unfassbar schwer es für sie war, sich, ihren FreundInnen und ihrer Familie zu sagen, dass sie auf Frauen steht, dann passiert da mehr als nur Musik. Das sind schon kathartische Szenen, die sich abspielen. Und das ist ja eine irre Form der Kunst. Eine so klare, aufrechte, nahbare Musikerin - das ist ein großes Glück.
Ja, Ebow bringt viele Themen mit. Denn ihr Leben hat einfach so, so viel zu erzählen: Erwartungen und Selbstverständlichkeiten in der dritten Generation migrantischer Familien, ein queeres Leben, eine Utopie für ein hoffentlich kommendes Bald. Es waren nicht nur die Zeilen ihrer großartigen Lieder, die den Abend so intensiv gestaltet haben, sondern auch ihre Ansagen. Denn, was hier vielleicht als ernst rüberkommen mag, war auch sehr, sehr unterhaltsam. Wo Tränen flossen und getanzt wurde, wurde auch im nächsten Moment wieder gelacht. Das ist schon richtig krass und auch einfach wahnsinnig gut und einfühlsam durchdacht, was wann passiert. An allen Ecken und Enden sehr beeindruckend. Und zudem ist sie halt auch eine richtig starke Rapperin, knallt mitunter in einem atemberaubendem Tempo die Bars durch die Luft. Der Abend war gespickt mit phantastischen Songs wie Novoline (Gänsehautgarantie), Vogel & Meer, Neues Leben, Club 1990, Chayas Worldwide, Bodies. Und es gab viel frenetischen, ich-fühle-es-Applaus! Zurecht!
Leider war der Sound nicht ganz so gut. Der Gesang war dumpf und seltsamerweise wurde er durch den Gehörschutz etwas klarer. Aber es hätte durchaus auch etwas mehr wummern können. Bei einem Track wie Arbayt darf gern der ganze Schlachthof beben. Doch das mag nur eine Randnotiz sein, es hat glücklicherweise das Gesamterlebnis nicht geschmälert.
Ebow - was für eine krasse Künstlerin!
10.10.26 Hamburg – Fabrik 15.10.26 Leipzig – Werk 2 22.10.26 München – Ampere 23.10.26 Wien – WUK 24.10. Frankfurt – Zoom 28.10. Berlin – Columbiahalle
Was macht das Leben so toll und warum machen wir es uns eigentlich zu Hause so gern gemütlich? Gestern saß ich auf der Einfahrt und habe Unkraut aus den Ritzen geschürft. Da fragte ich: ist das jetzt einfach super spießig oder warum tue ich das? Die Antwort ist ganz einfach und Gabriele von Arnim liefert sie in einem ganz wundervollen Buch, das den tollen Titel Der Trost Der Schönheit trägt. Insbesondere zu Hause wollen wir es doch schön haben, oder? Aus einem Selbstzweck aber auch als Abgrenzung zur Arbeit beispielsweise. Meine Arbeitsstelle hat zum Beispiel optisch wenig mit Schönheit zu tun. Mein Zuhause jedoch schon. Deshalb soll auch die Einfahrt ordentlich sein. Und nicht nur, weil man das hier auf dem Dorf so macht. Dieses Buch jedoch liefert noch so unendlich viel mehr gute Gedanken, dass ich es allen ans Herz lege. Der größte Kunstgriff dabei ist, dass die Autorin es auch einfach mit einer unsagbar schönen Sprache geschrieben hat. Was für eine tolle Ebene, was für große Kunst, was für ein wunderbarer Lebens- und Lesegenuss.
Get Well Soon
(Ms) Verklärung von Kunst. Irgendwann habe ich irgendwo gelesen, dass wir Menschen oft so gern alles toll und großartig und spitzenmäßig haben wollen - und vor allem so anderen davon erzählen möchten -, dass das wahre Erlebnis durch einen rosaroten Filter wahrgenommen wird. Alles super, alles immer phantastisch. Das geht mir bei Musik auch oft so. Entweder ich finde es was unspektakulär oder es berührt mich nicht. Oder ich finde es sehr gut. Oder es kommt von Band 1, 2 oder 3, der ich seit Jahren verfallen bin und dann immer alles toll finde. Auch wenn mein emotionaler Erlebenskompass gar nicht in diese Richtung ausschlägt. Dazu gehört auf jeden Fall Get Well Soon. Egal, was Konstantin Gropper anfasst, ich finde es herausragend. Zugegebenermaßen hat auch wirklich viel seines Schaffens extrem toll. Und wenn dann eine neue Single wie Siri, What Ruined The West? herauskommt, krame ich in der Schublade nach Superlativen. Dieses mal hüte ich mich ein wenig davor: Ja, der Track ist gut und sehr getwellsoonig. Insbesondere die inhaltliche Frage ist ja schreiend aktuell, wenn die Tech Bosse ihre Software als hypergefährlich deklarieren (Auslöschung der Menschheit etc.). Ist ja auch spitzen Marketing. Doch musikalisch bin ich dieses Mal nicht ganz so angefixt. Ja, es ist eine tolle Melodie dabei und auch eine schöne Dynamik. Aber es bleibt etwas verhalten. Doch auf dem kommenden Album Séance (30. Oktober) kommt noch mehr Überwältigendes.
24.01.2027, Hamburg - Mojo 25.01.2027, Frankfurt - Zoom 26.01.2027, Heidelberg - Karlstorbahnhof 27.01.2027, Köln - Gloria 28.01.2027, Münster - Sputnikhalle 29.01.2027, Leipzig - Felsenkeller 30.01.2027, Hannover - Faust 31.01.2027, Berlin - Huxleys 02.02.2027, München - Ampere 03.02.2027, Wien - WUK 04.02.2027, Salzburg - ARGE 05.02.2027, Schorndorf - Manufaktur 16.02.2027, Utrecht - dB’s 17.02.2027, Lille - L’Aéronef 18.02.2027, Paris - Le Café de la danse 19.02.2027, Luzern - Schüür 20.02.2027, Zürich - Bogen
Die Buben Im Pelz
(Ms) Ach Liebe. Ach Österreich. Ach Herz. Was seid ihr nur für ein unschlagbares Team? Gemeinsam trefft ihr immer ins Volle. Zum Beispiel mit der aktuellen, ganz hervorragenden - ja, leiwanden - Single von Die Buben Im Pelz. Sie heißt Für Di und ist einfach nur eine tolle Liebeshymne. Wobei „einfach“ ja gar nicht stimmt. So ein ehrliches, verliebtes, rauschhaftes, aufrichtiges Liebeslied will ja erstmal geschrieben werden. Die bedingungslose Zuneigung für diese eine andere Person. Was für ein großer Zauber, was für ein wunderbares Fest. Was für schöne Zeichen aus dem Alltag, die die Band hier auflistet, die das Gemeinsamsein erst so schön machen. Egal, was du willst, wir tun es. Egal, wohin du willst, wir fahren hin. Ja, das kann auch alles höllisch schief gehen, aber der Moment, den die Band hier besingt und mit einem herrlichen Video untermale, ist doch die pure Schönheit, oder? Ja! Am 30. Oktober erscheint ihr neues Album Menschen Ohne Freunde. Genial.
Wanda
(Ms) Spitzen Überleitung - denn vom rauschhaften Wandakonzert singen Die Buben Im Pelz auch auf der aktuellen Single. Wie sie in der ersten Reihe stehen und hüpfen. Ja, wer kann es nicht verstehen?! Eben! Wanda also. Die großen Rockmusiker und Helden der bezaubernden Theatralik. Kryptische Andeutungen gab es in der vergangenen Woche. Die neue Musik würde etwas ganz anderes sein als alles zuvor. Salbei heißt die neue Single und ja, neu ist da schon ein wenig was. Aber übertreiben muss man nun auch nicht. Ja, die Band hat die Gitarren nochmal gehörig aufgedreht, aber ohne ihre Mitte aufzugeben. Auch das emotional Überbordende bleibt fest in der DNA dieser Band. Offiziell nur noch als Trio singen Wanda vom Schmerz der Welt, vom erlösenden Mittelfinger, der ihr gegenüber ausgestreckt wird. Und dass keineswegs alles einen stärker macht, was einen angreift. Sondern das Gegenteil auslöst. Brutale Ehrlichkeit. Wanda pur. Nur aufgedreht halt. Passt hervorragend zusammen. Bringt eine Band quasi zurück, die den Rock seit jeher eingeatmet hat. Was Mich Umbringt Macht Mich Schwächer heißt auch das neue Album, das bald erscheinen wird. Endlich wieder Wanda.
09.04.2027 Osnabrück - Hyde Park
10.04.2027 Rostock - Moya
12.04.2027 Hamburg - Große Freiheit 36
13.04.2027 Magdeburg - Factory
14.04.2027 Berlin - Columbiahalle
16.04.2027 Erfurt - CENTRAL Club
17.04.2027 Amsterdam - Melkweg Old Room
19.04.2027 Köln - Live Music Hall
20.04.2027 Dortmund - FZW
21.04.2027 Zürich - X-TRA
23.04.2027 Heidelberg - halle02
24.04.2027 Wiesbaden - Schlachthof
25.04.2027 Luxemburg - Den Atelier
27.04.2027 Ulm - ROXY
28.04.2027 Hannover - Capitol
28.05.2027 Gmunden - Gmunden Rocks
29.05.2027 Rankweil - 40 Jahre altes Kino
05.06.2027 Kufstein Festung
23./25./26.06.2027 Wien - Arena Open Air
16.07.2027 München - Tollwood Festival
04.-08.08.2027 Eschwege - Open Flair Festival
05.-08.08.2027 Rothenburg ob der Tauber - Taubertal Festival
Fjørt
(Ms) Diese Band ist extrem. Wer ihre Musik kennt, wer sie mal live gesehen hat, weiß Bescheid. Unnachgiebig im Druck. Unnachgiebig in der Energie. Unnachgiebig in der Wucht. Haben die eigentlich ein Gelo Revoice-Abo? Wäre schon nachvollziehbar. Vor nicht allzu langer Zeit hat das Trio eine große Tour für das Frühjahr 2027 bekannt gegeben. Und jetzt legen sie nach. Aber nicht mit klassischen weiteren Terminen, die die Tour ausdehnen. Nein, nein. Fjørt sind halt speziell. Und in diesem Jahr haben sie die Tracks ihrer ersten EP Demontage im kleinsten Rahmen aufgeführt. Das schien so stark gewesen zu sein, dass sie das auf der kommenden Tour auch machen. Und nun kommt das Geniale: Nach den Konzerten, die sie ohnehin spielen. Dann zieht der ganze Tross um. Teils in andere Clubs oder in kleinere Räume der selben Location und setzt noch eins oben drauf! Zwei Konzerte an einem Abend. Das macht aus 14 zu bespielenden Städten 28 Auftritte! Danach aber erstmal Kur oder Schweigekloster, oder?!
Kleiner Nachklapp zum Auftritt von Anna von Huasswolff am vergangenen Samstag in Hamburg. Manchmal bin ich ein bisschen doof oder taub. Bei ihrem aktuellen Album The Iconoclasts habe ich sehr spät gemerkt, dass das Saxophon so eine prominente Rolle einnimmt. Seh- und hörbar war es am Samstag umso mehr. Auf der linken Bühnenseite stand Otis Sandsjö und spielte. Wie um sein Leben. Da ich selbst meine ganze Jugend über Saxophon spielte, darf ich dazu Stellung nehmen. Denn das, was Otis Sandsjö dort gemacht hat, war technisch extrem stark! Nicht nur seine flinken Finger haben den Abend belebt, sondern auch seine äußerst taktisch kluge Atmung. Seine Unterlippe muss doch schmerzen nach so einem Auftritt. Zudem hat er entweder sich selbst geloopt oder den Klang seines Instruments verzerrt. Genial! Und wie dieses, mir so vertraute, Instrument mit der Orgel harmoniert, hätte ich nie geglaubt! Hut ab!
Some Sprouts
(Ms) Was tun, wenn zu viele Gedanken durch das Nervensystem ballern? Was tun, wenn ein dezentes Gefühl der Überforderung überhand nimmt? Was tun, wenn es langsam anfängt zu zittern? Was tun, wenn der Körper zu schwer wird für die einfachen Dinge?! Klar, Pause. Aber wie gestaltet man sie? Sich dem Schwermut hingeben? Oder ein wenig auflockern? Ein wenig Sonnenschein einziehen lassen? Mit dem neuen Track von Some Sprouts warten die auflockernden Sonnenstrahlen nicht lang. Ihre neue Singe On The Line beschwingt nach allen Regeln der Kunst. Ja, man könnte auch sagen, dass ein wenig dahin plätschert. Aber ist das nicht manchmal auch so richtig schön? Ich finde es nämlich auch beeindruckend, wie Bands es immer wieder schaffen, so eine Lässigkeit in ihren Klang zu bringen. Da gingen sicher zig Sitzungen im Proberaum bei drauf: Welche Harmonie? Wann knallt das Becken? Wann darf sich die E-Gitarre ausleben?! Das Ergebnis ist herrlich erfrischend und kann bald hier live gehört werden:
(Ms) So krass klangen die 80er nicht mal in den 80ern. Das Berliner Trio Die Anstalt trifft 2026 den Sound dieses musikalischen großartigen Jahrzehnts bis ins Mark. Ja, die Gitarren sind noch ein wenig prägnanter, aber der Beat, die Art zu singen, die Programmatik in den Texten, di Nutzung von Synthies. Genial, absolut genial! Die Band veröffentlich heute ihr selnstbetiteltes Debutalbum in einem neuen Gewand und der damals schon erschienene Track Isolation in einer überarbeiteten Version. In Großbritannien sollen sie als Support von A Place To Bury Strangets ordentlich begeistert haben. Es steht nichts im Wege, dass sie hier einen ähnlich triumphalen Siegeszug bestreiten!
02.10. Hof, Galeriehaus 17.10. Hamburg, Hamburg, M.S. Stubnitz 23.10. Nürnberg, Bunker Rituals Festival IV 19.11. Berlin, SO36
Austin TV
(Ms) Es ist gut, dass es stabile Größen in der Musikwelt gibt. Besonders hervorzuheben dabei ist KEXP. Der Radiosender aus Seattle, Washington, war schon oft Anlaufstelle für großartige Liveaufnahmen und tolle Interviews, die ich mir angeschaut habe. Die Menschen, die dort arbeiten, haben wirklich einen großartigen Geschmack und eine irre Leidenschaft. Dieser Tage flirrte mit Austin TV bei denen über den Bildschirm. Direkt angefixt! Die mehrköpfige Band aus Mexiko spielt maskiert und wunderschön! Also vor allem klanglich. Es ist Post-Rock gepaart mit frickeligen Math Rock Elementen. Wenn man es möglichst krass ausdrücken will also irgendwo zwischen Sigur Rós und Angine De Poitrine. Vor wenigen Wochen erst veröffentlichen sie ihr aktuelles Album MA und es ist leicht, sich in den tollen Sog dieser Musik reißen zu lassen. Nur zu:
(Ms) Erst wurde aus Katharina Kollmann Nichtseattle. Dann wurde daraus ein Duo und seit ein paar Jahren schließlich eine Band. Ihre Texte waren und sind der wunderbare Mittelpunkt ihres Schaffens. Ihre Ideen, ihre Unmittelbarkeit, die schonungslose Realität. Das findet sich auch an zig anderen Stellen, doch wenn Katharina Kollmann den Stift in die Hand nimmt, um ihre Texte zu schreiben, dann passiert etwas unvergleichliches. Dann erscheinen unfassbar kluge, ungefilterte Gedanken. Dann gibt es kaum etwas zu verstecken. Dann erscheint das Leben mal echt schwer und kompliziert und im nächsten Moment wieder heiter und klar. Sie schaut wirklich überall hin, lässt nichts aus und beschönigt keinen Winkel des menschlichen Daseins. Nun bringt sie am 25. September ihr neues Album raus und darin beschäftigt sie sich mit dem schönsten und härtesten Thema: Große Liebe heißt es und erscheint bei Staatsakt.
Klar, das vielleicht beste Thema der Kunst ist schier unerschöpflich. Weil ständig neue Liebesgeschichten geschrieben werden. Aber auch Trennungsgeschichten. Sehnsuchtsgeschichten. Enttäuschungsgeschichten. Glitzergeschichten. Zehn Stücke hat sie mit ihrer Band geschrieben und eingespielt. Teilweise gehen sie (wieder) über sieben Minuten, sind intensiv und wundervoll.
Mit melancholischen, schweren Gitarren startet die Platte. Dallas heißt der erste Track, zugleich die erste Single. „Was meinst du mit Liebe?“ - diese Frage direkt zu Beginn. Puh. Eine große Reflektion über Alterslosigkeit und Therapie und eigentümliche Ideale (eine aus Dallas oder ein westdeutscher Mann), die gejagt werden. Und aus dem nachdenklichen, schwermütigen Start wird immer wieder ein großes Aufbäumen. Nein, keine Heiterkeit, sondern ein gerader Rücken. Und damit ist das Wesen von Katharina Kollmanns Musik zu Beginn skizziert.
Dass aus dem Soloprojekt über einen langen Zeitraum eine Band geworden ist, ist auch zu hören. Der Klang dieser Platte ist extrem rund, toll abgestimmt, sehr harmonisch. Auf River Cola dominiert ein warmer Bass. Darüber ein Text, der das große Ungleichgewicht zwischen Männern und Frauen und damit ein oft gelebtes Machtgefälle beschreibt. Über Reaktionen, die so untypisch weiblich seien mit der logischen Anschlussfrage, was das denn überhaupt sei. Ein wunderbarer Song, denn er baut sich großartig auf. Fängt an zu glänzen. Bring ein Strahlen zurück. Auch dank Trompete und Dur.
Für Zeilen wie „Freundschaft ist mein Schwergewicht“ auf Ich Mit Brille mag man sie einfach nur beneiden. Ohnehin ein Stück, das weiter strahlt, das Positive zeigt und auch den Liebesblick ein wenig erweitert. Was bedeutet dieses große Wort eigentlich und wem gilt es?! Eine sehr gute Frage, die wir uns alle stellen sollten. Und wenn am Ende eine kleine Chorsequenz erkling, bäumt sich die Gänsehaut auf!
Nichtseattle ist immer auch ein feministisches Manifest - großartig! Meine Ladies heißt der Track voller Hinknien, Zusammenhalt, Empowerment. Ein Track voller Zuversicht, voller Kraft und Macht: „Ich glaub, ich glaub an uns.“ Manchmal sind die einfachen Worte im passenden Kontext so wirkmächtig! Wow! Insbesondere wenn sie mehrstimmig, kraftvoll, inbrünstig in die Welt gesungen werden!
Runtergeschraubt, gezupft und gehaucht geht es auf Station 8 zu. Ein Klinikaufenthalt? Eine Reha? Eine Verarbeitungsphase nach einem Zusammenbruch. Spricht sie über sich? Egal. Spätestens wenn sie im Chor singt, ruft, fordert, wünscht: „Bring mich nach Hause“ - dann ist doch alles klar, oder?! Hui, wie viel Dringlichkeit in so reduziertem Arrangement liegen kann - phantastisch.
Am Ende noch ein Klavier. Seichte, andächtige Töne. Fremde heißt das letzte Stück. Ein gesprochenes Lied. Ein großartiger Gebrauch von Sprache über Kategorisierung und Schubladendenken und dessen grausame Konsequenzen. Ein Gedankenstrom über ihr Elternhaus? Wut macht sich breit, Unverständnis, Misstrauen. So baut sich ein Stück auf, die anderen Instrumente setzen ein. Das Klavier bringt Hoffnungsschimmer, die Gitarre behält die Zweifel. Knapp acht Minuten dauert dieses letzte Lied und lässt uns Hörende mit vielen Gedanken zurück. Was macht die durchaus aufbauende Musik nach dem bitteren Text? Wie schön, dass uns diese Gedanken geschenkt werden, wenn man sich denn drauf einlässt.
Gut eine Stunde erklingen Nichtseattles neue Stücke auf Große Liebe. Ja, mit ihrer Band ist Katharina Kollmann ein weiteres tolles Album gelungen. Doch ich frage mich auch, ob sie damit auch überfordern kann. Die Texte sind nicht nur lang, sondern auch so dicht und komplex. Doch kurz weiter gedacht, ergibt sich folgendes Bild: Was erwarte ich denn von Kunst?! Dass sie unscheinbar nebenher dudelt?! Dass sie einfach ein paar nette Momente generiert?! Wenn ja: Okay. Doch sie kann auch bereichern, kann auch weh tun. Kann zum großen Genuss, zur Großen Liebe einladen. Kann aufzeigen, protestieren, anregen und bestätigen, rausbrüllen. All das - und sicher noch wesentlich mehr - ist hier auf beeindruckende Weise gelungen!
03.11.26 Kiel, Hansa48 04.11.26 Hamburg, Knust 05.11.26 Osnabrück, Kleine Freiheit 06.11.26 Langenberg, KGB 07.11.26 Leipzig, UT Connewitz 08.11.26 Berlin, Großer Sendesaal des rbb 09.11.26 München, Feierwerk (Kranhalle) 10.11.26 Wien, Club Lucia 12.11.26 Regensburg, Alte Mälzerei 13.11.26 Frankfurt, Brotfabrik 14.11.26 Köln, Artheater
(Ms) Gar nicht mal so leicht, über diesen Abend zu schreiben. Ihn zu erleben war schon nicht einfach.
Logisch, Elbphilharmonie ist schon wuchtig genug. Ein großartiges Gebäude. Eine Stunde vor Beginn wurde der große Saal geöffnet. Beziehungsweise die Tore, um ihm näher zu kommen. Dann hieß es nochmal eine halbe Stunde warten, bis der Innenraum freigegeben wurde. Und das war spät. Die Innentüren gingen um 22.15 Uhr auf. Nicht nur aufgrund der Uhrzeit sollte dies ein ereignisreicher Abend werden. Dafür war vor allem die Dame an der Orgel verantwortlich: Anna von Hausswolff. Letztes Jahr erschien ihr aktuelles Album The Iconoclasts und sollte noch wuchtiger und komplexer werden als alles, was sie vorher gemacht hat. Die Orgel nahm sich ein wenig zurück, mehr Gitarrenwände und vor allem ein Saxophon, was ich in der Form noch nie gehört habe. Es sollte auch am Abend eine wichtige Rolle spielen.
Dann gingen also die Türen auf. An einem milden Spätsommertag an der Elbe. Bier und Weißwein in der Lobby waren lecker, der Blick auf den Hafen großartig. Der Blick ins Innere dieses Gebäudes auch. Eine Höhe, die demütig macht, ein Rondell für hervorragenden Klang. Bequeme Sitze, entspannte Menschen. Wir ergatterten einen tollen Platz auf der ersten leichten Erhöhung. Leider roch es dort so unangenehm, dass wir nochmal umzogen. Doch die Sicht blieb super. Denn so konnten wir einen Blick auf alle Beteiligten auf der Bühne erhaschen, trotz dass ein Scheinwerfer immer wieder ordentlich blendete.
Pünktlich um 22.45 Uhr betrat Anna von Hausswolff mit ihrer fünfköpfigen Band die Bühne und es ging direkt los. Als der Bassist sich einen Geigenbogen nahm, um über die Saiten zu streichen, kam die erste Gänsehaut. Und die erste Erschütterung des Konzertsaales. Lautstärke, Wucht, Dynamik, Unerbittlichkeit. Das waren die Leitmotive für die kommenden knapp eineinhalb Stunden. Ein hochgradig intensives Konzert hat die Schwedin mit ihrer uniformierten Band da hingelegt. Der Fokus lag klar auf den neueren Stücken. Irgendwie natürlich logisch, doch der ein oder andere ältere Track mehr, täte dem Set vielleicht ganz gut. Denn diese Intensität war offenbar nicht für alle was. Offiziell soll das Konzert ausverkauft gewesen sein. Das ist nur schwer nachvollziehbar, denn es fand im Rahmen des Reeperbahn Festivals statt und Menschen mit einem Bändchen konnten einfach so rein. Und auch wieder raus. Zudem wurden Karten nur für diesen Auftritt verkauft - da habe ich zugeschlagen. Der Saal war gerade mal zu 60-70 Prozent gefüllt. Ob nicht alle Ränge freigegeben waren, weiß ich nicht.
Während es nur so schepperte auf der Bühne, standen also immer mehr Menschen auf und gingen. Ich konnte meinen Augen kaum trauen. Ja, es war schon eine derbe Performance. Doch einfach gehen?! Da geben gerade sechs Menschen auf der Bühne alles, lassen Wände und Böden erzittern und viele verlassen einfach den Saal?! War es also nicht auszuhalten? Diese Frage habe ich mir auch gestellt. Es war definitiv ein krasses musikalisches Erlebnis. Die Grenze des Aushaltbaren hat Anna von Hausswolff auf jeden Fall erzittern lassen. Doch ist Kunst nicht auch etwas, das mal erschüttern kann?! Oder soll?! Oder gar schockieren?! Klar, auf jeden Fall. Das muss sie auch. Wie feige ist es dann, einfach zu gehen.
Ich hatte auch zu hadern, wie ich das denn nun fand. Zwei Mal sah ich sie schon live. Beide Male war ich völlig baff: so eine Kraft, so eine Präsenz, so eine Dynamik. Es brauchte eine Nacht, bis ich zu meinem Urteil kam: Ja, das war einfach verdammt gut. Das war Kunst. Es hallte nach. Im doppelten Sinne.
Auch auf der Bühne. Denn eine Zugabe gab es nicht. Der Auftritt war kürzer als eingeplant. Ist ja auch nachvollziehbar aus KünstlerInnensicht. Eine Verbeugung noch, dann ging das Licht an. Wer will schon nochmal dort auftreten, wo die Menschen gehen?!
Und dann stand man da. Samstagnacht in der Elbphilharmonie. Nach so einem intensiven Abend. Ein Abend, an dem Orgel und Saxophon eine irre Energie entwickelt haben. Was hat der Typ am Holzblasinstrument denn bitte gemacht?! Alles hat er gegeben. Doch es kam offenbar bei einigen nicht an. Alle anderen, die es genießen konnten und bis zum Ende blieben, haben einen herausragenden musikalischen Abend erleben dürfen, der die Grenzen des Genusses neu ausgelotet hat.
Vergangenen Sonntag wurde hier in Niedersachsen gewählt. BürgermeisterInnen, Kreis- und Gemeinderäte. Auch bei dieser Kommunalwahl haben die hier als gesichert rechtsextremen Menschen von der AfD viele Stimmen bekommen. Zugleich ließ diese Wahl tief blicken in die Partei und ihre WählerInnen. Die Wählenden zu erst: Es war hier möglich, bei einer Gemeinderatswahl beispielsweise der Partei bis zu drei Stimmen zu geben oder diese drei Stimmen auf einzelne KandidatInnen zu verteilen oder wie man halt mag. Hauptsache drei Stimmen. Dies ließ sich am Ende einsehen. Und bei der AfD hat in allen Wahlergebnissen, die ich sah, die Partei etwa 90% der Stimmen und kaum gingen Stimmen an die Menschen, die für ihre antidemokratische Partei stehen. Heißt ja: Wer da steht, ist völlig egal, Hauptsache menschenverachtende Politik. Und das geht direkt in den zweiten Part über: was diese Wahl über die Partei aussagt. Denn zu Beginn der Woche wurde bekannt, dass über 300 Sitze bei der Wahl im ganzen Bundesland frei bleiben, weil es schlicht und einfach keine Menschen gibt, die sie einnehmen würden. Bei circa 250 dieser Sitze handelt es sich um die AfD. Ihre Sitze bleiben frei, die Gewichtung bei Abstimmung verschiebt sich zugunsten der demokratischen Parteien. Das ist ja die Krux: Laut ist die Partei mit ihrem ganzen menschenverachtenden Scheiß. Auf lokaler Ebene lässt sich sowas überhaupt nicht durchsetzen. Und machen will es wohl auch keiner.
LambriniGirls
(Ms) Bock auf rohen, schnellen Punkrock?! Herzlich willkommen bei Lambrini Girls! Das Duo aus Großbritannien veröffentlichte zuletzt mit Bang Bang Bang einen Track, der seinem Namen mehr als gerecht wird. Schnell und voll auf die Fresse und schön unter zweieinhalb Minuten. Es erinnert schon sehr an Amyl And The Sniffers. Doch, was dort gut funktioniert, klappt ja auch woanders. Eben. Ein düsterer, treibender Sound, der sich da die Bahnen bricht. Ein Song, der erlebt werden will. Und das dazugehörige Video seht hervorragend Pate dafür. Genial, wie die Bilder die Stimmung des Stückes wiedergibt und untermalt. Ein Rausch, ein Knall, zerberstende Gläser. Am 15. Januar erscheint mit No Refunds ihr neues Album und könnte richtig stark werden!
08.05. - Hamburg, Fabrik
14.05. - Berlin, Astra
18.05. - Wien, Arena
20.05. - München, Muffathalle
25.05. - Köln, Live Music Hall
Tiny Doris
(Ms) Na, ist der Kopf schon wieder voll?! Zu viel Schrott auf dem Handy gesehen? Zu viele dämliche Vorgaben und Änderungen bei der Arbeit? Schon wieder Schienenersatzverkehr? Schon wieder gruselige Wahlergebnisse? Schon wieder hohe Spritpreise? Und wieso ist Butter eigentlich so günstig geworden? Und: schon beim Weihnachtsgebäck im Supermarkt zugeschlagen?! Puh. Overload. Das Hirn braucht dringend eine Pause. Zu viel. Zu blöd. Zu viel Energie raubend. Gut, dass es Tiny Doris gibt. Denn auf ihrem Album In Den Dosen, das heute (!) erschienen ist, macht der Denkapparat mal schön Pause. Hier passiert gar nichts. Und doch alles. Hier wird Sinn gegebenenfalls mal klein geschrieben. Hier lebt der Moment in extremer Reinform. Hier geht es um ein schiefes Gitarrenriff, Tiere und die Frage, wer die ganzen Maden aufisst. Eben. Das ist wichtig. Punkt.
(Ms) Der Groove dieses Tracks ist ansteckend. Mitreißend. Hypnotisierend. So schön eingängig. Es kitzelt gar ein wenig. Hach, macht das Spaß. Es geht um Parlament Der Liebe von Investment. Die Gruppe ist im Grunde genommen die selbe wie Der Mann oder Die Türen. Nur mit noch einem dritten Namen und einem bald neuen Album. Da steckt so viel subkulturelle Popmusik der 80er und 90er Jahre drin, das ist ja frech. Und das in einem so frischen Gewand. Mit sanftem, aber bestimmendem Bass und einer Querflöte, die einen hinfort trägt. Wenn es im Parlament der Liebe keine Mehrheit gibt, wird es kalt in Deutschland. Diese Programmatik ist so genial - süchtig machend beinahe! Stark. Musik kann so so unfassbar viel Spaß machen. Klanglich und intellektuell. Wieder Nur Lieder erscheint am 2. Oktober. Understatement par excellence.
Fjørt
(Ms) Das aktuelle Album dieser Band erscheint bitte in drei Monaten auf allen Bestenlisten des Jahres ganz vorne. Was Fjørt mit belleépoque geschaffen haben, ist schlicht großartig. Großartig in der Wucht, beeindruckend in der Intensität, packend in der Wut und mitreißend in der Energie. Unerbittlich laute, krachende Gitarren und schepperndes Gebrüll. An vielen Orten waren sie mit den neuen Stücken schon unterwegs. Vom kleinsten AJZ bis zu den großen Festivalbühnen. Sie spielen beiweitem nicht überall, sie suchen sich ihre Orte schon aus. Ein Glück, dass sie kommendes Jahr noch eine satte Rutsche an Konzerten nachschieben. Der Januar und Februar steht nochmal im Zeichen dieser brachialen Musik und lässt den Winter erzittern. Hin da:
26.01.27 Rostock, Peter Weiss Haus 27.01.27 Potsdam, Waschhaus 28.01.27 Braunschweig, Westand 29.01.27 Vechta, Gulfhaus 30.01.27 Kiel, Die Pumpe 11.02.27 Bielefeld, Forum 12.02.27 Schweinfurt, Stattbahnhof 13.02.27 Essen, Zeche Carl 16.02.27 Kaiserslautern, Kammgarn 17.02.27 Chemnitz, AJZ Talschock 18.02.27 Regensburg, Aurelium 19.02.27 Reutlingen, franz.K 20.02.27 Karlsruhe, Substage 27.02.27 Köln, Live Music Hall
(Ms) Muff Potter - eine Macht der hiesigen Rockmusik. Eine Band, die für mitreißende Dynamiken, kluge Texte und satte Liveauftritte steht. Eine Band, die nach einer Pause unfassbar stak zurück gekommen ist. Eine Musikgruppe, die immer was zu Schmunzeln und zu Denken mitbringt. Und tatsächlich - im Kern - auch viele Lieder über Liebe.
Am Freitag (18. September) erscheint ihre neue Platte Kletpo auf dem eigenen Label Hucks Plattenkiste. Neun Stücke sind darauf zu finden - auf der erweiterten Version kommen noch zwei obendrauf. Es ist ein Album, das sich bei jedem Hören in seine Höhen spielt. Das immer mehr Spaß macht, immer mehr Sinn. Dafür sollten beim Hören mal die Augen geschlossen oder die Fäuste geballt sein. Und stets der Kopf ganz wach, denn es gibt viele tolle Zeilen aufzusaugen!
Taliban Of The Week ist der erste Track - was für ein genialer Titel! Ein Stück übers Aushalten von Widersprüchen und ein sich Auslassen über die Highperformer unserer Gesellschaft. Sie landen doch eh alle in der Klinik. Eine E-Gitarre, die eine tolle Spannung aufbaut und obendrauf Thorsten Nagelschmidts unverkennbare Stimmung. Musik kann auch ein Zuhause sein. Bestechend dabei ist der etwas rohe Klang. Dieses Album ist nicht glattgeschliffen, würde auch nicht zu Muff Potter passen. Doch das macht den gesamten Höreindruck auch sehr sehr nahbar und irre sympathisch. Auch die sich ändernden Harmonien im Laufe eines Stückes.
Die erste Single Rückflug Aus Montana bleibt ein wenig im Ungefähren, darf aber mit Sicherheit als Liebeslied interpretiert werden, ein Sehnsuchtslied. Mit schleppenden Gitarren, einem Tamburin und einem „Oh Yeah“ im Refrain - gelebte Lässigkeit. Ist Hast Du Den Müll Schon Rausgebraucht auch ein Liebeslied?! Ja, gewissermaßen - kommt hat nur auf die Perspektive an. Es könnte ein Abschiedslied oder ein Trennungslied sein. „Du hast wirklich einen Schatten / Ich hab keinen ohne dich.“ Für solche Zeilen ist eine Gruppe doch einfach nur zu beneiden, oder?! Das treibende Schlagzeug von Thorsten Brameier hier schiebt die Takte energisch vor sich hin - es macht einfach nur viel Hörfreude.
Spannend wird dann erst recht, wenn ein Stück sechseinhalb Minuten geht. So geschehen bei Ein Starkes Stück. Hehe, Ambivalenz und so. Ein Lied voller Referenzen, die es zu entdecken gibt. Eine flirrende Gitarre von Felix Gebhard schwirrt durch alle 394 Sekunden. Auch wenn der Track auf der Hälfte seine Gestalt ändert, Tempo aufnimmt, griffiger wird, sich ins kaum Aushaltbare steigert. Fast schon psychedelisch, bis es explodiert!
Über die Ambivalenz der Liebe geht es auch auf Und Die Nacht Brach Still Herein. Ein weiteres schwirrendes Lied, das die ungefähre Stimmung aus dem Text hervorragend in die Musik verfrachtet. Zusammengehalten wird es durch den unterschwellig wummernden Bass von Dominic Laurenz. Ja, im Lied wird ein Zusammensein und ein Kümmern thematisiert, aber die musikalische Atmosphäre spricht derart krass dagegen, dass hier viel nachhallt. Und was um alles in der Welt passiert am Ende mit der Schusswaffe?!
Den Höhepunkt bietet Engelstränen Im Abendlicht. Ein griffiger Track, wo alle Instrumente und Nagels Stimme großartig zusammen verschmelzen und auf unter drei Minuten gehörig Druck erzeugen! Das Große da draußen und das Kleine hier drinnen. Ein paar wuchtige Parolen und doch eine Menge Schmerz.
Ja, auf diesem Album werden die Gegensätze aufeinander los gelassen. Bis zum Bersten müssen wir sie aushalten. Und Muff Potter sind so schlau, sie mit kraftvoller Musik zu untermalen. Ja, nicht jeder Track ist sofort ein absoluter Kracher. Doch bei jedem Hören knistert es mehr. In einer glatt gebügelten KI-Welt ist es schön, ein teils so rohes Album zu hören. Die Uneindeutigkeit ist verlockend und macht richtig Spaß. Und sie zeigt eine Band, die nach vielen, vielen Jahren immer noch nicht genug hat und ihr eigenes Schaffen immer unermüdlich erweitern. Hört niemals auf!
Im Nordwesten gibt es eine Attraktion, die ganz groß „Steuerhinterziehung“ auf ihrem Banner stehen hat. Die Organisation heißt „Mega Hüpfburgenland“ und besetzt hin und wieder einzelne Wiesen, um sie dann mit ihrem Plastikmüll vollzustellen, einzuzäunen und die Menschen abzukassieren. 14 Euro pro Kind, 6 Euro pro erwachsener Person. Heidewitzka - das ist richtig viel! Die Erwachsenen dürfen sich dann vor die hüpfenden Kinder auf einen uncharmanten Stuhl setzen und zuschauen, wie das Kind im Plastik hüpft. Und jetzt kommt die Steuersache. Seit Anfang diesen Jahres muss man ja überall - bis auf einige Ausnahmen - die Möglichkeit haben, mit Karte zahlen zu können. Ist ja halt auch praktisch. Nur beim Mega Hüpfburgenland funktioniert das irgendwie nicht. Praktischerweise haben die Betreibenden das auch schon auf große Banner drucken lassen, die dann am Eingangsbereich stehen. Ach, so ärgerlich aber auch, dass das da gerade nicht klappt. Und dann sicher am nächsten Ort auch nicht. Und dann wieder nicht. Da muss ja wirklich der Wurm drin sein. Da kann es dann am Ende des Tages auch mal passieren, dass ein paar Scheinchen nicht dort landen, wo sie hin sollen. Besser man druckt das schon mal im Vorhinein und teilt es allen mit.
Eilis Frawley
(Ms) Es gibt so viele Dinge, die in der Musikwelt leider noch nicht normal sind. Auch darüber hinaus nicht. Schlagzeug spielende Frauen, die dabei auch noch singen. Absolute Ausnahme, oder?! Mir fällt wirklich niemand ein, außer Eilis Frawley. Ich sah sie als Support von Los Bitchos und es war extrem faszinierend, ihr beim Musizieren zuzusehen. Und zuzuhören, denn sie spricht mehr, als dass sie singt. Das ist doch eine geniale Mischung, oder?! Mit Calm Down veröffentlichte sie just eine neue Single. Darin setzt sie sich damit auseinander, wer denn bestimmt, was auf unseren Bildschirmen so aufflackert. Wer sagt was falsch und richtig ist?! Haben wir das als KonsumentInnen noch in der Hand? Ja, wirklich?! Ein unruhiger Beat, ein prägnanter Bass, eine knarzende Gitarre, luftige Streicher, dazu ihre Stimme. Das ist wirklich sehr gut!
01. Oktober - Wien, Waves Vienna
B O D I E S
(Ms) Als ich B O D I E S letztes Jahr live sah, wusste ich erst nicht so recht. Ein wenig Sorge hatte ich, dass zu wenig passiert während ihres Auftritts. Es ist ja „nur“ a capella. Tja, da habe ich mich reichlich geirrt. Dass ich bestuhlte Konzerte nicht mehr so cool finde, ist dabei eine andere Sache. Was Kat Frankie mit ihrem Chor-Projekt da aufzieht ist einfach nur gewaltig gut. Denn die acht Damen singen ja nicht einfach nur. Nein. Das ist eine Performance. Sie spielen mit dem Bühnenbild, stampfen mal auf, inszenieren sich selbst. Das ist Kunst! The Dream ist die erste Single aus dem gleichnamigen Album, das am 20. November erscheinen wird. Alles, was darauf zu hören ist, stammt aus ihren Körpern oder ist mit ihnen gemacht. Absolut faszinierend! Diese Musik geht ganz nah, weil sie so direkt aus dem Menschen entsteht. Pure Gänsehaut - große Empfehlung!
(Ms) Ach, wie schön, wenn Musik kickt, oder?! Manchmal sind es gar nicht die fetten Beats und pompösen Arrangements, die Eindruck hinterlassen. Manchmal nickt der Kopf auch einfach so mal mit und dann strömt ein Lied durch den Körper. Das passierte mir sehr schnell bei Im Wald Ist Licht von Angela Lux, das er zusammen mit Roger Rekless gemacht hat. Ein hypnotisierender Akustikgitarrenbeat, etwas krautig, etwas psychedelisch, etwas melancholisch, etwas indie. Ein Stück über eine Ufo-Sichtung mit dem Wunsch, doch mitreisen zu wollen. Ja - was für eine phantastische Vorstellung „nur ein Stück“ mitzukommen und nie zurück gebracht zu werden. Bei all dem Wahn hier auf Erden ein plausibler Wunsch. Und dazu noch ein so, so, so schöner Track! Am 23. Oktober erscheint mit Das Nichts Macht Kopien Von Sich Selbst sein neues Album!
22.10.2026 Jena - Trafo 23.10.2026 Salzburg - Arge 24.10.2026 Regensburg - Ostentor Kino 25.10.2026 Regensburg - Keynote "KI & Musik" Popfest 25.11.2026 Nürnberg - MUZ 26.11.2026 Köln - Wohngemeinschaft 27.11.2026 Luxemburg - De Gudde Wëllen 28.11.2026 Stuttgart - Merlin 09.12.2026 Berlin - Schokoladen 10.12.2026 Hamburg - Aalhaus 11.12.2026 Erfurt - Franz Mehlhose 12.12.2026 Fulda - Kino35 13.12.2026 München - Volkstheater
Nichtseattle
(Ms) Gern hätte ich so richtig viel Ahnung von Musik. Dann könnte ich so etwas wie einen wiedererkennbaren Klang erklären. Das würde ich gerne können. Welche Akkorde und Harmonien sind es, die einen Sound einer Band ausmachen, sodass ich sie sofort erkennen kann?! Wie cool wäre das denn bitte?! Da ich das leider nicht kann, kann ich einfach nur sagen, dass das Gitarrenspiel von Nichtseattle ein tolles Alleinstellungsmerkmal hat. Da sind bestimmt irgendwelche Spielweisen und Harmonien, die das ausmachen, vielleicht die Stimmung oder so. Bei Wildeste Nacht, ihrer neuen Single, ist das sofort zu hören: Wie schön! Wie unglaublich schön! Musik kann etwas wie ein Zuhause sein. Ein Stück, was ungewohnt lässig, ja rockig ist. Eine Hymne auf das Genießen eines tollen Abends. Über die Schönheit, sich mit guten Seelen im Hier und Jetzt zu verlieren. Auch wenn eine Diskussion mal anstrengend sein kann, kann Katharina Kollmann sie hier durchaus genießen. Was für eine Künstlerin! Wow! In zwei Wochen (25. September) erscheint ihr neues Album Große Liebe und könnte ganz phantastisch werden.
03.10.26 Burghausen, Ankersaal (Solo) 04.10.26 Neumarkt i.d.Opf., Evang. Zentrum (Solo) 03.11.26 Kiel, Hansa48 04.11.26 Hamburg, Knust 05.11.26 Osnabrück, Kleine Freiheit 06.11.26 Langenberg, KGB 07.11.26 Leipzig, UT Connewitz 08.11.26 Berlin, Großer Sendesaal des rbb 09.11.26 München, Feierwerk (Kranhalle) 10.11.26 AT-Vienna, Club Lucia 12.11.26 Regensburg, Alte Mälzerei 13.11.26 Frankfurt, Brotfabrik 14.11.26 Köln, Artheater
(Ms) Für die Neulinge der Musik dieser Künstlerin: Sie heißt „Ebbo“, nicht „I-Bo“. So. Das vorab.
Ebow bringt am 11. September ihr neues Album Typologie Eines Lebens raus und meines Erachtens müsste sich die hiesige Raplandschaft danach neu ausrichten. Diese Platte ist enorm vielfältig im Klang, mal knarzt der Beat, dann wird es soulig, dann wieder - mehr oder weniger - klassischer HipHop. Zudem zeigt Ebow, was für eine unglaubliche Sprachkünstlerin sie ist.
Die versierte Texterin offenbart sich auf diesem Werk als gnadenlose Künstlerin. Denn sie stellt sich selbst in den Mittelpunkt der vierzehn neuen Stücke. Klar, der Titel mag es ja schon erahnen lassen. Doch Ebow macht sich hier wirklich nackt. Zwischen Künstlerin und Mensch besteht hier keine Grenze mehr. Das ist natürlich total spannend! Ich mag es sehr, wenn Musik so direkt mit den Personen, die sie erschaffen, zusammenhängt. Mine oder Tristan Brusch sind Beispiele, die diese Kunst auch wirklich stark beherrschen. Doch das Genre macht es hier besonders interessant. Im Rap wird gerne mal gepöbelt oder gezeigt, wie verdammt geil man selbst ist. Es gibt - aus meiner Warte - wenige RapperInnen, die tiefe Einblicke in ihr eigenes Inneres geben. Mädness fällt mir da noch ein, Sookee auch. Ebow hingegen vereint seit jeher viele Facetten des Lebens in ihren Stücken: ihre kurdische Herkunft, ihre Sexualität, das klare Bewusstsein, dass Politik und Leben das gleiche Paar Schuhe sind.
Die Gleichheit aller Menschen. Damit startet Typologie Eines Lebens. Wasser heißt das Stück. Auf unter zwei Minuten ist das mit E-Gitarren-Unterstützung und einem extrem satten Bass eine starke Standordbestimmung. Und zugleich ein toller roter Faden für das, was danach kommt. Egal, wer woher kommt, welche Sprache man spricht, welcher Sexualität man sich zugehörig gefühlt undundund, wir sind alle kostbar. Ebow bleibt nicht nur im Hier und Jetzt, sondern sie träumt auch. Auf Neues Leben zeigt sie mit niemand geringerem als Joy Denalane eine wunderschöne Utopie auf. Eine Welt, in der Menschen offen aufeinander zugehen. Eine Welt, in der Xatar noch lebt. Eine Welt, in der es in der Musikbranche fairer zugeht. Das alles in einem poppig-souligen Sound samt Streicherarrangement! Ein Hoffnung schenkender Track.
Ihren eigenen musikalischen Werdegang behandelt sie auf Independent (Cleo), stark wie sie hier ihre Rapskills demonstriert. Das Zuhören macht hier mindestens auf zwei Ebenen unglaublich viel Spaß. So auch bei Bete Für Mich. Zusammen mit Juju Rogers schafft Ebow einen wahnsinnigen Track voller Dramatik: eine Geschichte über ein bitteres Aufwachsen voller Probleme, aber auch mit einem lebenserhaltenden Zusammenhalt mit den richtigen Menschen. Dazu ein immenses Arrangement, wieder sind es Streicher, die hier brillieren. Dieses Zusammenwirken von scheinbar klassischen Instrumenten und Rap - Boom!
Ihre eigene Geschichte steht - wie der Titel der Platte ja aussagt - klar im Fokus. Unzertrennlich mit Ebows Wirken ist die Geschichte der kurdischen Bevölkerung. Wie grausam sie behandelt worden ist, schildert sie zusammen mit Savo auf Heval. Das ist schockierend aber auch ein weiteres Mal musikalisch stark gemacht! Apropos! Dieses Album ist eine absolute Ausnahmeerscheinung. Es ist phantastisch, so vielfältig. So eindringlich: Novoline begleitet mich, seitdem die Single draußen ist und bereitet mir jedes Mal Gänsehaut. Die Spielsucht ihres Vaters ist hier Gegenstand und ein weiteres Mal wird es getragen durch Streicher und einem Chor. Der Inhalt ganz doll schlimm, genial getextet und das phantastische Video macht den Track noch stärker, als er ohnehin schon ist! Mit Verlaub: das ist Kunst! Punkt.
Auch die erste Auskopplung Arbayt trägt die Platte mit einem unfassbaren Beat. Schwer, ballernd, genial! Hochpolitisch, ehrlich, mit sich verbunden, unbarmherzig.
Mit Typologie Eines Lebens legt Ebow ein erdbebenartiges Album vor. Es macht so viel Spaß, ihr zuzuhören. Es ist immer wieder äußerst bitter bis schockierend. Es ist beeindruckend, wie stark sie ihre Musik nutzt und gestaltet. Ich kenne nur wenige kurdische Menschen, durch Ebows Werk lerne ich auch viel dazu. An dieser Platte mit all seinen Facetten sollte sich Rapmusik hierzulande messen lassen.
08.10.26 Köln – Bürgerhaus Stollwerck 09.10.26 Bremen – Schlachthof 10.10.26 Hamburg – Fabrik 15.10.26 Leipzig – Werk 2 22.10.26 München – Ampere 23.10.26 Wien – WUK 24.10. Frankfurt – Zoom 28.10. Berlin – Columbiahalle
Die kleinen Dinge. Heute morgen zum Beispiel habe ich einen Aufkleber von irgendwelchen Impfschwurblern abgekratzt. Oder letztens im Supermarkt. Da bin ich dezent mit einer älteren Dame kollidiert, wir standen Rücken an Rücken und die Einkaufskörbe lernten sich kennen. Es bliebt nicht nur bei einem pflichtmäßigen „Entschuldigung“, sondern wir kamen ins Gespräch. Eigentlich hatte ich gar keine Lust, mit irgendwem zu reden. Irgendeine Laus ist mir vorher über die Leber gelaufen. Doch sie hatte das Bedürfnis zu reden und ich stieg mit ein. Es wurde unfassbar nett. Sie erzählte, wie frech sie vor kurzem von ein paar Jugendlichen behandelt worden ist und wie frech sie selbst als Mädchen war. Wir sprachen über das Miteinander und das Gute im Menschen. Es waren vielleicht nur sieben oder acht Minuten. Aber das ist doch das, was zusammenschweißt, oder?! Ich bin davon überzeugt!
Gregor McEwan
(Ms) Zum oben Geschriebenen passt dieser Track hier wirklich perfekt! Gregor McEwan ist zurück und veröffentlicht heute seine neue Single World No. 2. Es ist ein wunderbarer, getragener Indiepopsong über die Suche und den Wunsch nach der schönen Alternative. Eine Welt, in der wir lieber wohnen wollen als in der Jetzigen. Wo die Luft klar, das Gras grün, die Liebe lebt und Frieden herrscht. Es mag ja etwas pathetisch klingen, aber wie recht hat er denn bitte?! Eben! Ein bisschen mehr Sozialromantik könnte uns allen ziemlich gut tun. Dieses neue Stück ist das erste, dass der Musiker selbst produziert hat. Sanft, berührend, aufbauend - es ist ihm sehr gut gelungen. Und es macht Hoffnung, dass demnächst noch mehr so Schönes kommt!
Dendemann
(Ms) Es gibt ja so KünstlerInnen, da lohnt es sich zwei Mal hinzuschauen und hinzuhören. Dendemann sollte dabei die Liste anführen! Da kommen Wortspiele, die sich teils erst nach Jahren entpuppen. Er erschafft Bilder, die manchmal spät, aber dann umso besser kicken. Und wenn er heute einen Track Namens Wiederstand veröffentlicht, ist das kein Schreibfehler. Nein, dieses extrem entspannte Lied ist keine Abrechnung mit den aktuellen gesellschaftspolitischen Strömungen oder dem, was irgendein Rapper ins Mikro gerülpst hat. Nein, nein. Zu Bass, Uhhuhh und Saxophon erzählt er lediglich, dass er wieder da ist. Bringt sich selbst wieder auf die Karte. Wenn das jemand kann, dann er. Lässig. Cool. Dende.
10.09.2026 Heidelberg, Halle02 11.09.2026 Stuttgart, Im Wizemann 12.09.2026 München, Backstage 18.09.2026 Dortmund, FZW 19.09.2026 Münster, Skater’s Palace 25.09.2026 Hamburg, Große Freiheit 26.09.2026 Hamburg, Große Freiheit 03.10.2026 Leipzig, Felsenkeller 16.10.2026 Köln, Carlswerk Victoria 17.10.2026 Frankfurt am Main, Batschkapp 29.10.2026 Berlin, ASTRA
ZAHN
(Ms) Ach, psychedelische Musik - so bist ja ein kaum zu bändigendes Biest! Ach, Krautmusik - gut, dass du dich immer weiter entwickelst. Gut, dass diese beiden Spielarten so nah beieinander liegen. Genial, dass es so einige Bands gibt, die dieses Zusammenspiel sehr, sehr gut beherrschen. Das Trio ZAHN zum Beispiel. Sie haben im Frühjahr mit Purpur ein neues Album veröffentlicht, das auf 36 Minuten unglaublich viel Spaß macht. Es ist mitreißend, weiß Stimmungen aufzubauen und niederzureißen und einen steten Sog zu kreieren. Mal schleppend, mal anziehend, mal elektronisch, mal verstärkt. Die Band geht im Oktober auf Tour und das sollte man sich wirklich nicht entgehen lassen!
17.10. - Bremen, Zollkantine 19.10. - Hannover, Bei Chez Heinz 20.10. - Münster, Kabinett 21.10. - Köln, Bumann & Sohn 22.10. - Darmstadt, Oetinger Villa 23.10. - Augsburg, Spectrum 24.10. - Graz, IndieOhrenFestival 29.10. - Halle, Hühnermanhattan
Blush Always
(Ms) Wenn hier die ersten Takte erklingen, wippt der ganze Körper direkt mit. Ja, es hat schon fast den Anschein, als ob MGMT hier am Werke wären. Doch es ist Blush Always, die mit neuem Song und erweitertem Sound zurück ist! Fake It heißt ihre aktuelle Single, die heute erscheint! Dabei geht es nicht ums Kopieren anderer musikalischer Größen, sondern dass die Zweifel vergangener Tage verschwunden sind und sie sich nichts mehr vormacht. Nun steht Katja Seiffert noch fester als zuvor auf ihren Beinen und veröffentlicht am 27. November mit Kind Of Life ihr neues Album! Der 90er-Jahre-Rock bekommt ein paar neue Facetten, die Lieder wurden ohne größeres Zögern direkt im Studio aufgenommen und suchen sich nun den Weg ans Tageslicht! Das wird richtig gut!
01.02.2027 Hamburg - Molotow Top Ten Bar 02.02.2027 Köln - Bumann & Sohn 03.02.2027 Mainz - Schon Schön 04.02.2027 Berlin - Neue Zukunft 05.02.2027 Leipzig - Ilses Erika 06.02.2027 München - Milla
Scheitern.dreitausend
(Ms) Einige Songs sind ohne ein paar Infos gar nicht zu verstehen. Wer nicht aus Bremen oder Umgebung kommt, kann mit dem dortigen sogenannten Müllberg wenig anfangen. Ursprünglich wurde dort wirklich Schutt abgeladen, heute ist eine parkähnliche Landschaft und mit 50 Metern Höhe die höchste Erhebung der Hansestadt! Immerhin! Scheitern.dreitausend veröffentlichen heute nicht nur ihr sehr gutes, neues Album Unentschieden Für Immer, sondern auch ein Video zu Müllberg. Darin sind sie als schatzsuchende Hobbits durch Bremen unterwegs - herzzerreißend süß! Der Track hingegen ist ein kleiner Liebessong zwischen Diskussionen, Langeweile und einer kleinen Referenz an PeterLicht. Diese Band muss man gernhaben und demnächst unbedingt live sehen:
(Ms) Vielleicht kommt die beste Rockmusik ja eh aus Österreicht. Oder?! Aus dem Nordwesten betrachtet strahlen so manch Bands aus dem Süden ja eine ungeheure Coolness aus. Eine gewisse Abgeklärtheit und Rockstarpose. Will meinen: die sind sich schon sehr sicher in dem, was sie machen. Auf so geile Art. Obendrein so unfassbar sympathisch. Da müssen nicht mal die großen Namen wie Falco oder Wanda fallen. Dieses Versprechen lösen auch Jo The Man The Music oder Alicia Edelweiss ein. Ja, vielleicht sind es sowieso die Frauen und FLINA-Personen, die die viel größeren Rockstars sind. Auf keinen Fall darf bei dieser Aufzählung ein Trio fehlen, dass am 4. September ihr neues Album auf den Markt schmeißt: My Ugly Clementine. Diese Band ist seit vielen Jahren eine unumstößliche Größe, wenn es um Gitarrenmusik aus Österreich geht. Wer sie mal live gesehen hat, weiß, welche Wucht Mila Lu Kovacs, Sophie Lindinger und Nastasja Ronck auf die Bretter, die die Welt bedeuten, legen.
Apply Autonomy heißt ihre neue Platte und der Name ist Programm. Selbstbestimmung als Albumtitel - die Marschroute ist vollkommen klar. Diese Platte ist eine Abrechnung, ein Aufbäumen, ein in-sich-kehren und ein auf-die-anderen-scheißen. Ist doch so. Musikalisch hauen die drei in die Kerbe, die sie am allerbesten Beherrschen: aufgedrehter Gitarrenrock mit feinen Melodien und viel Energie nach vorn. Viele Texte bieten einen gewissen Interpretationsraum, zum Beispiel der Opener Don‘t Mess With Me: „I Know more than you want me to know.“ Egal, wer vorher mal behauptet hat, es besser zu wissen, es war wahrscheinlich ein Mann. Und die sollten lieber öfter mal das Maul halten. Kann man schon so sagen, oder?! Denke ich auch. Im besten 90er-Rock-Stil singen sie von Zufriedenheit auf Confidence. Ein Gefühl, das oft nur vorgetäuscht wird, aber einfach zurück geholt werden muss, wenn zu viele kleine Energieteufel mal wieder an einem zerren. Genau um diese Entwicklung geht es auch im Text - toll gemacht! Ja, man darf dies alles auf uns Typen deuten, das geht schon völlig in Ordnung so. Auch Pretender haut uns Kerlen auf die Zwölf. Das ist mehr als gut so! Solange nicht irgendetwas wie Gleichberechtigung erreicht ist, sollten wir Männer uns den FLINTA-Personen anschließen, in den Hintergrund treten und uns mit ihnen solidarisch zeigen und versuchen, Strukturen zu ändern. Ansonsten heißt es weiter wie im Song: „Fuck your standards!“ Wie herrlich dabei die E-Gitarre tanzt, das Schlagzeug scheppert und der Bass den Beat befeuert… der ganze Zorn macht musikalisch sehr, sehr viel Spaß! Die größte Hymne auf Apply Autonomy ist wohl Head In The Air. So derbe im Sound, so klar, so wuchtig, so unmissverständlich. So ein scheppernder, dringlicher, dringender Selbstermächtigungssong - hier muss man ja auch einfach mal Danke sagen. Danke.
Dass es auch mal ganz anders aussehen kann, ohne aufrechten Gang und mit gesenktem Haupt ist auf YouWon und Science Fiction zu hören. Und zu spüren. Plötzlich ist alles gedimmt. Weil zu oft sind Männer und Mächtige halt unglaubliche Arschlöcher. Doch die auf einmal kräftig einsetzende Gitarre auf Science Fiction hebt eine Deutungsebene in den Text durch die Musik - das ist ja so genial gemacht! Durch den Klang wird das Szenario gebrochen und zurück geschlagen.
No Rescure beschreibt dann auf so unsagbar dynamische, wütende und eindeutige Weise, dass My Ugly Clementine laut und äußerst überzeugend einen großen Teil vom Musikbusinesskuchen abhaben wollen. Daher kommt Apply Autonomy auch auf dem eigenen Label raus. Es ist eine richtig starke Platte. Satte Rockmusik aus Österreich, starke Musikerinnen mit Haltung und Mittelfinger. Eine umwerfendes und beeindruckendes Album!
05.09. Wien, Kino am Dach (Release Konzert) 28.09. München, Ampere 29.09. Frankfurt, Brotfabrik 30.09. Köln, CBE 02.10. Paris, le Pop-up! 03.10. Amsterdam, Paradiso 04.10. Münster, Gleis 22 10.10. Leipzig, Werk 2 11.10. Berlin, Columbia Theater 12.10. Hamburg, Knust 28.10. Linz, Posthof 29.10. Zürich, Exil 30.10. Stuttgart, clubCANN
(Ms) Er ist wieder da. Nein, Sven Regener jetzt nicht direkt. Der ist ja immer irgendwie da zwischen schreiben und singen und touren. Frank Lehmann ist zurück! Das allein ist ja schon eine Meldung wert. Und zwar als komplette Hauptfigur eines neuen Regener-Romans, der unter dem prägnanten Titel Frankie Und Freddie am 3. September bei Galiani Berlin erscheint. Wo er in Wiener Straße noch eher durch die Seiten waberte, ist er hier wieder voll im Vordergrund!
Wie schon in Der Kleine Bruder ist dies ein Buch, das auf wunderbare Art und Weise das Füreinanderdasein der beiden Lehmänner (wenn man das so sagen kann) schildert. Auf der einen Seite Frank, der eben erst nach Berlin gekommen und auf der anderen Seite Manfred, den dort alle nur Freddie nennen, und ziemlich tief in der Kunstszene verwurzelt ist.
Es geht auch hier erneut um brüderliche Sorge. Denn Freddie nahm an einem Studie zur Wirkung einer Pille statt, irgendetwas Antidepressives. Frank holt ihn dort ab.
Und dann beginnt es. Dann beginnt eine Odysee quer durch Berlin. Zu Fuß, mit einem kaputten Opel Kadett, mit der verhassten U-Bahn und auch in einem Schneemobil. Denn die gesamte Handlung spielt an einem Tag. Nicht irgendein beliebiger. Nein, es ist der 23. Dezember. Ein Tag also, der zahlreiche Fragen mit sich bringt: Wo und mit wem feiern? Tannenbaum - ja oder nein? Undundund. Denn ohne zu viel vorweg zu nehmen: Freddie hat im Hotel - dort fanden die Pillenexperimente statt - etwas sehr wichtiges vergessen, ein Flugticket. Also ist ja klar: die Suche beginnt. Diese Suche durchs immer verschneitere Berlin in den 80er Jahren ist eine wunderbare Geschichte zwischen zwei Brüdern. Es geht um Freundschaft, verrückte Kunstexperimente, etwas schief spielende Saxophone und helfende Hände an einer Tankstelle.
Alles natürlich im typischen Regener-Sprech. Denn die Handlung an sich ist schon mal äußerst unterhaltsam und sehr schön einfach. Doch das Komische darf ja bei Frank Lehmann und Sven Regener nie fehlen. Das Absurde vor allem. Und hier kommt der Kern: Den Reiz dieses Buches machen wie immer die Dialoge zwischen allen Beteiligten aus. Diese Gespräche sind wie die Schnitzeljagd durch die Großstadt selbst: sie biegen immer irgendwo an, verlieren sich, verlaufen sich, sind nicht immer zielführend. Aber so, so witzig, so kurzweilig, so unglaublich unterhaltsam.
Wer die Lehmann-Bücher gelesen hat, braucht nicht lange, um in diesem Kosmos zwischen Karl Schmidt, H.R. Krause, Chrissie, Erwin und dem Café Einfall wieder einzutauchen. Ja, sie sind alle wieder mit dabei. Sogar die Bandmitglider von Glitterschnitter tauchen auf, aber separat voneinander. Je mehr es schneit, desto näher kommen sie natürlich auch ihrem Ziel.
Das Tolle an diesem Hin und Her ist ja, dass es in den 80ern spielt. Heute wäre so eine Handlung ja gar nicht möglich. Das Buch wäre nach zwei Seiten beendet, da irgendwer jemand anderem in einer WhatsApp-Gruppe einen Standort geschickt hätte und gut ist. Nein, nein, hier wird auch in der Telefonzelle telefoniert und Adressen werden mehr oder weniger ausprobiert.
Es ist Sven Regener erneut auf herrliche Weise gelungen, dem Lehmann-Kosmos einen weiteren Teil hinzuzufügen. Was für ein Geschenk, was für eine unglaublich herrliche, kurzweilige Unterhaltung. Möge die Frank Lehmann-Welt niemals enden!
Passend dazu geht Sven Regener ab dem 12. September auf Lesetour - alle hin da!