Freitag, 24. Juli 2026

KW 30, 2026: Die luserlounge selektiert

Quelle: flaticon.com / riajulislam
Letzte Woche passierte es - der große Knall, der eigentlich keiner hätte sein müssen, aber es doch gut so, wie es passiert ist. Denn die Ausladung von Danger Dan und Igor Levit war nicht nur massive Werbung für beide Musiker und Keine Angst. Es ist auch gut so, dass sich das ZDF in die Enge gedrängt sieht und nach Erklärungen sucht und zugegebenermaßen ziemlich doof da steht. Obendrein kann der Track Einfluss haben auf alle anstehenden Wahlen. Aber mal nacheinander…
Das ZDF lud die beiden aus, weil Teile des Textes als Aufruf zur Gewalt gegen Nazis (also der AfD) verstanden werden kann. Das ist wichtig: kann. Es geht um eine Möglichkeit, den Konjunktiv. Das ZDF hat Sorge vor dem Konjunktiv. Klar, das können die verantwortlichen Menschen dort so entscheiden, aber es ist halt maximal feige. Es ist Kunst innerhalb einer Kabarettsendung. Das gilt es unbedingt zuzulassen. Die Entscheidung des Senders kann auch als Schere im Kopf gedeutet werden kann: Angst und Sorge von der sicher kommenden Pöbelei der im Lied Anzugreifenden. Das wäre richtig feige. Der Sender hätte auch die Chance gehabt, der realen und kommenden Gefahr von Rechts ins Gesicht zu blicken - mit einer gemäßigten Kommentierung natürlich. Das blieb aus.
Die Reaktion von Die Anstalt war dagegen sehr klug, das Thema nochmal extra aufzunehmen. Zudem haben sie dabei Gutachten der Gesellschaft für Freiheitsrechte thematisiert: die Chancen auf ein Verbot der AfD sind sehr gut! Worum es im Lied geht, ist doch klar. Da kann es auch keine zwei Meinungen geben. Die Furchtlosigkeit sollte fokussiert werden. Wenn der Staat nicht aktiv wird, wenn die Parteien nicht aktiv werden, dann muss es die Zivilgesellschaft richten.
Die Wahlen in Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt und Berlin sind nicht mehr weit. Hier in Niedersachsen stehen Kommunalwahlen an. Sabotage sollte erste Bürgerpflicht sein, das Lied ein Aufruf zum zivilen Ungehorsam.
Keine Angst heißt auch die neue Klavierplatte von Danger Dan und sie erscheint am 2. Oktober. Einige Konzerte sind schon ausverkauft. Danke, liebes ZDF.

23.10.2026 Wiesbaden, Schlachthof
26.10.2026 Erlangen, Heinrich-Lades-Halle
27.10.2026 Stuttgart, Wagenhallen
28.10.2026 CH-Zürich, Volkshaus
30.10.2026 Düsseldorf, Stahlwerk
31.10.2026 Bremen, Pier 2
01.11.2026 Bielefeld, Lokschuppen
07.11.2026 Berlin, Tempodrom
27.11.2026 Leipzig, Haus Auensee
28.11.2026 Hamburg, Inselpark Arena
18.12.2026 Köln, Palladium
19.12.2026 München, Zenith
20.12.2026 Wien, Gasometer



Team Scheisse & Audio88 
(Ms) Was ist das denn bitte für eine abartig geile Kombination?! Team Scheisse und Audio88 machen zusammen einen Track, der - erwartbar - komplett auf die Fresse haut. Auf eine ganz bestimmte. Denn wenn jemand gerade dieses Land mit Vollgas gegen die Wand fährt, ist es der Kanzler. Was für eine bittere Aussage. Aber ist halt so. Also: Friedrich Merz heißt der Track und geht - logischerweise - gegen den Entscheider ganz oben. Mit angemessener Ironie sezieren beide das Wirken dieses hochsympathischen Mannes: sich in die eigene Tasche regieren, die Bevölkerung als faul titulieren und alle schön in den Arsch treten: geht doch mal arbeiten, Leute. Letztens las ich, dass die Krankheitstage im Kanzleramt besonders hoch sind. Ja, warum bloß?! Klar, für ihn zu arbeiten muss schon ekelig sein. Aber das ist ja nicht der Grund. Herrje. Je mehr Tritte es nach oben gibt - denn nur das ist der richtige Weg - desto besser. Dieses Mal sogar mit Punkorgel und einem unheimlich schnellen Audio88 - BÄM!


EV
(Ms) Vor einigen Wochen schrieb ich an dieser Stelle über das Watt En Schlick Fest und dass ich zu jenem Zeitpunkt vom Line-Up wenig angetan, aber optimistisch war, da die Veranstaltenden immer ein gutes Händchen haben. Nun ist das Programm bis auf einen Punkt (Hallo, Fatoni?) vollständig und allem Anschein nach extrem stark. Bei einem Act bin ich mehr als hängen geblieben: EV aus Suffolk. Der Musiker bewegt sich zwischen The Prodigy und The Streets. Ja, richtig gelesen - das ist eine höchst abenteuerliche, aber extrem energiegeladene Mischung. Und sie macht wahnsinnig viel Spaß! Krasse Bässe, Sprechgesang, melodiöse Elemente, viel Druck. Ob es jetzt Sorry Mum oder Chaos ist. Bei allen Tracks herrscht eine große Zielstrebigkeit, viel Dringlichkeit und sehr viel Potential live komplett abzugehen. Wenn er kommende Woche Samstag um 23.30 Uhr spielt, freue ich mich schon, vorne komplett durchzudrehen:


Erobique
(Ms) Na, sitzt du auch mal wieder zu Hause rum und wärst gern woanders? Unter Leuten? Auf einer kleinen Party? Auf einem kleinen Rave? Auf einem Kellerkonzert? Mit einem kleinen Rausch? Aber das ist gerade nicht greifbar? Dann kommt zum Glück Erobique um die Ecke und hat genau den Soundtrack parat, um zu Hause richtig abzugehen (kann logischerweise auch live knallen). Mankotwist heißt ein Stück, das letzte Woche veröffentlicht worden ist: Tanzende Keyboards, taumelnde Orgel, ein scheppernder Wecker, psychedelische Klangpingpongbälle. Das macht einfach richtig Laune! Da wollen sich die Beine in Bewegung setzen, da möchte die Hüfte mal eben ein bisschen knacken und das Wohnzimmer zum Tanzparkett erweitert werden. Na, Bock? Hier:


Feverdreamt
(Ms) Ja, der Ist-Zustand ist wirklich nicht gut. Krisen über Krisen. Die einst sicher gefühlte Realität bricht. Oder ist längst gebrochen. Leider ist der Umgang mit diesen Krisen von den politischen EntscheidungsträgerInnen auch nicht geschickt. So findet man sich immer wieder in einer wackeligen Wirklichkeit. Streife ich durch die Nachrichten der Tagesschau-App ist Hoffnung wirklich Mangelware. Das münzen viele KünstlerInnen in ihre Musik um. Auch Alexander Donat tut dies. Zahlreiche Projekte füttert er nimmermüde mit seinen Ideen. Mit Feverdreamt hat er Anfang des Monats ein neues Album veröffentlicht, das diesem brüchigen Zustand ein musikalisches Gewand schenkt: Our Only Fault Ist Existing. Das klingt natürlich erstmal bitter. Und ja, die Stimmung auf dem vergleichbar reduzierten Album ist auch wackelig. Aber es wird nicht aufgegeben. Und darum geht es ja. Dieses Album ist akustischer Goth könnte man sagen. Oder Dark-Folk-Pop. Die Atmosphäre ist fast einschnürend, fast den Atem abklemmend. Aber halt auch nur fast. Darum geht es auch. Eine spannende, lohnenswerte Klangreise!

Freitag, 17. Juli 2026

KW 29, 2026: Die luserlounge selektiert

Quelle: flaticon.com / Shuvo.Das 
Wir haben die schönste Jahreszeit und das ist wunderbar. Viel Gewese wird um das sogenannte Sommerloch gemacht. Und es gut so, dass darüber gesprochen wird. Ich plädiere für das Sommerloch. Und zwar als verpflichtende Nachrichtensperre für alle Menschen landauf und landab. Alle Leute sollten sich zwei, drei Wochen nehmen - oder verordnet bekommen - in denen keine Nachrichten gelesen werden. Obendrein sollte das Handy dabei so oft wie möglich weggelegt werden. Denn dann kann man erst so richtig aufatmen. Dann wird es schön. Dann scheint die Sonne doppelt so stark. Dann ist es völlig egal, wie spät es ist. Dann mal ins Wasser springen oder ein Nickerchen im Schatten. Ich bin für einen starken, regulierenden Staat, der dem Wohl des Menschen dient. Und das sollte auf der Agenda stehen. Zwei, drei Wochen Bildschirmpause für alle!

Endless Wellness
(Ms) Es ist eine Liebe, die seit vielen, vielen Jahren anhält und wenn solche Musik erklingt, dann bin ich mir sicher, dass sie so schnell nicht enden wird: Indierock! Druck, eine gewisse Pragmatik, ein wenig Witz, eine tolle Stimme, satte Gitarren, das Gefühl, unablässig die Faust in die Luft zu recken. Ja, ja, ja!!! Endless Wellness sind vor wenigen Jahren recht plötzlich auf der Bildfläche aufgetaucht und schlagen komplett ein. Ihr zweites Album steht in den Startlöchern und mit Nie Mehr Sicher ist die erste Single daraus seit ein paar Tagen zu hören und sie hat alles, was ein veritabler Indiehit braucht (siehe oben). Den wunderbaren, sehr lyrischen Text zu diesem Song solltet ihr euch auf der Zunge zergehen lassen. Das ist einfach ganz, ganz großartig, klug und auch ein bisschen bitter. So lange solche Musik läuft - und auch wenn sie hier einen wackligen Boden mit sich bringt - ist wirklich alles, alles gut. 

30.07.2026 Diepholz (DE) - Appletree Garden Festival
31.07.2027 Eltville am Rhein (DE) – Heimspiel Knyphausen
01.08.2026 Schnaitsee (DE) – Kuahgartn Open Air
07.08.2026 Königs Wusterhausen (DE) - Bergfunk Open Air
21.10.2026 Innsbruck (AT) - Treibhaus
22.10.2026 Zürich (CH) - Bogen F
23.10.2026 Düdingen (CH) - Bad Bonn
24.10.2026 Dornbirn (AT) - Spielboden
29.10.2026 Wien (AT) - Arena
31.10.2026 Linz (AT) - Posthof
01.11.2026 Graz (AT) - Dom im Berg
04.11.2026 Salzburg (AT) - Rockhouse
05.11.2026 St. Pölten (AT) - Cinema Paradiso
06.11.2026 Villach (AT) - Kulturhofkeller
07.11.2026 Vöcklabruck (AT) - OKH
25.11.2026 München (DE) - Technikum
26.11.2026 Esslingen (DE) - Dieselstrasse
27.11.2026 Köln (DE) - Gebäude 9
29.11.2026 Frankfurt (DE) - Mousonturm
30.11.2026 Hamburg (DE) - Molotow
01.12.2026 Berlin (DE) - Festsaal Kreuzberg
02.12.2026 Leipzig (DE) - Werk 2
03.12.2026 Nürnberg (DE) - Z-Bau


Rahel
(Ms) Es ist gut, wenn jemand den Finger in die Wunde legt. Dann darf es gern richtig weh tun. Dann werde ich aufgeweckt, denke nach und muss schlussfolgern. Nicht nur dreimalklug, sondern praktisch. Gerade habe ich Ferien - es ist großartig! Doch davor, im alltäglichen Hamsterrad, fiebere ich allzu oft aufs Wochenende hin. Gruselig. Als ob fünf von sieben Tagen, oder viereinhalb bis zum erlösenden Freitagnachmittag, nur Qual sind. Davon singt Rahel auf ihrem neuen Track Primetime. Ein vermeintliches Hoch aufs Wochenende. Doch die Frage ist ja: Was ist mit den anderen Tagen? Dienen sie nur als Wartezeit? Traurig wäre es. Eingepackt hat die Österreicherin diesen tollen Track in einen treibenden Indiebeat mit satten Gitarren und schnellem Schlagzeug. Genial, wie variabel diese Musikerin ist, denkt man nur an Weidentier, das ganz anders instrumentiert ist. Hören wir also: große Kunst!


Fluten
(Ms) Anti alles. Das ist ja klar. Ist ja Punk. Doch wie kann man dieses wunderbare Genre noch ein wenig weiterentwickeln? Also wenn man vom klassischen Haudraufpunkrock spricht. Fluten aus Hamburg haben sich da ein sehr raffiniertes, eher unscheinbares, aber sehr wirkungsvolles Mittel ausgedacht: Im Hintergrund vibrieren Synthie-Flächen. Das mag nicht so krass klingen, doch wenn Monster, die neue Single, läuft, dann ist es genau das Element, das einen ohnehin wuchtigen Track noch weiter nach vorn bringt. Textlich handelt es vom selbstgewählten Außenseitersein - Punk pur. Das Ich als Monster in dieser Welt. Am 25. September erscheint ihre neue Platte Kalter Stern und sollte den Herbst richtig erzittern lassen. Das wird enorm, das wird richtig gut! 


Arab Strap
(Ms) Musik - manchmal bist du einfach zu viel. Manchmal gibt es so viel von dir, dass das Ohr selektieren muss. Das Hirn folgt dann unbewusst. So verpasse ich seit vielen, vielen Jahren tolle Songs und großartige Alben. Aber so ist das halt. Auch die Band Arab Strap ist seit gut 30 Jahren einfach komplett an mir vorbei gegangen. Ja, man kann nicht alles hören. Aber warum haben meine Ohren ausgerecht hier pausiert?! Vielleicht um jetzt ihre Musik und ihre bald erscheinende Platte Half-Told Tales (Vö: 4. September) komplett abzufeiern. Das schottische Duo macht seit den 90ern Musik und grandiose obendrein! Dunkel mit satten Beats. Mit bestem gesprochenen Wort. Sehr intensiv, sehr mitreißend! Zur aktuellen Single Glamour Magick haben sich ein durchaus schmerzhaftes Video drehen lassen. Die neue Platte darf ich schon hören und sie läuft auf Heavy Rotation, weil diese druckvolle Musik genau das ist, was mich komplett anzündet. Euch sicher auch! 

 

Eartheater
(Ms) Warum skippe ich den einen Track, der eigentlich viel eher meinen Hörgewohnheiten entspricht und lasse anderes laufen, bei dem ich anfangs dachte: Ach, nee, lass mal. Beispiel Eartheater. Da ist erst einmal ein grandioser Name, oder? Eben! Und dann kommt eine spannende Kombination aus Beat und Stimme, die gar nicht so sehr zusammenpassen mag. Aufs erste Hören zumindest. Der schwere Beat bei Crown Jewel, die leicht düsteren Synthies gepaart mit der sehr klaren Stimme. Zusammen ergeben sie ein ungeahnt harmonisches, soghaftes Klangerlebnis, das unerwartet viel Spaß macht. Der Kopf nickt von ganz alleine mit und die Neugier nach mehr lässt nicht lange auf sich warten. Gut, dass Alexandra Drewchin am Dienstag ihr neues Album Heavenly Body: If I‘m The Bottle You‘re The Message veröffentlicht hat. Sehr experimentell, sehr zum entdecken und gut finden!


Noth
(Ms) Laufen lassen. Unbedingt! Sonst besteht die Gefahr, etwas ganz Tolles zu verpassen. Ja, es mag sein, dass es sich anfangs nicht unbedingt danach anhört. Aber nur Geduld! Das Duo, das hier sanfte, sehr schöne Indiepopmusik macht, heißt Noth und kommt aus Köln und Hamburg. Am 31. Juli veröffentlichen sie ihre EP Wir Wollen Zu Viel und die gleichnamige Single ist seit einigen Tagen zu hören. Reduzierte Instrumentierung mit Klavier und Gitarre und ein bisschen Moll. Eine bittere erste Strophe - es geht um einen Suizidversuch auf dem eigenen Dach - und weitere ernste Zeilen. Zeilen über den Ernst des Lebens. Keine Beschönigung. Keine Romantik. Oder doch? Liegt in der aufmerksamen Betrachtung der Realität nicht doch unfassbar viel Romantik? Nein, keine klassischen Liebesgeschichten, aber ganz viel Menschliches. Luis Schwamm und Linus Kleinlosen singen davon. Und diese fünf Lieder bringen eine tolle Perspektive, um auf das Leben zu schauen. 

Freitag, 10. Juli 2026

KW 28, 2026: Die luserlounge selektiert

Quelle: flaticon.com / shohanur.rahman13
Pah, Sommerloch! Was einst als Nonsensmeldungen für die Nachrichtenflaute in den schönen Wochen und Monaten galt, wirkt schon seit einigen Jahren gar nicht mehr. Ich hätte mal wieder Bock auf einen Bären, der durch die Wälder zieht. Oder minutiöse Meldungen über die Umsiedlung eines bedrohten Lurchvolkes bei einem Brückenneubau. Stattdessen aufgekündigte Angriffsstopps, Revolver als Geschenke, bedenklicher Einfluss auf ein ohnehin schon gruseliges Sportgroßereignis, Reformen, die die wirtschaftlich Schwächsten treffen, Reformen, die nicht durchdacht sind, abgesagte kleine Festivals, weil die Kosten nicht mehr im Rahmen zu halten sind. Was tun - diese Frage stellt sich leider immer wieder. Wohin mit der Ohnmacht und den ganzen Fragen? Die Antwort: in die Kunst, in die Musik, in großartige Pausen mit neuen Impulsen und starken Beats. Los geht`s:

Die Anstalt
(Ms) Einige Trends schlagen ja so richtig gut ein. Einige Sounds, die vorerst wie aufgewärmt klingen, haben plötzlich enorm viel Power. Sie sind tiefer arrangiert, haben eine neue Dringlichkeit und zeigen auch: das, was damals funktioniert hat, kann jetzt immer noch ziemlich satt aufgehen. Rollender Bass aus den 70ern und 80ern und programmatischer Gesang. Druck nach vorn. Das macht das Trio Die Anstalt aus Berlin, die frisch beim sehr guten Label City Slang unterschrieben haben. Das extrem Raffinierte an ihrem Sound ist der Retrosound zusammen mit einer Gitarre, die eine gewisse Lockerheit und sehr pfiffige Abwechslung mit sich bringt. Ihr neuer Song Kalter Schweiß ist seit einigen Tagen draußen und erinnert erstmal natürlich stark an Malaria! aber je länger er läuft, desto mehr Ebenen kommen hinzu. Hier ist also gar nichts aufgewärmt. Hier wird weitergedacht, ausgebaut, aufgedreht. Genial! Am 25. September erscheint ihre erste nach sich selbst benannte Platte und sie gehen demnächst schon auf Tour!

17.07.26 Sehnde, Snntg Festival
18.07.26 Halle, Design Campus, Burg Giebichenstein Kunsthochschule
24.07.26 Magdeburg, Datsche Open Air
14.08.26 Chimaera Festival, Klingemühle
22.08.26 ES-Lleida, Fade In Festival
17.10.26 Hamburg, M.S. Stubnitz
19.11.26 Berlin, SO36


Waving The Guns
(Ms) Warum all der Quatsch? Warum immer neue Musik machen? Wozu der ganze Zirkus? Weil es sein muss! So einfach kann es sein. Weil die Zustände so derart unaushaltbar sind, dass es einzig und allein gilt, dagegen an zu rappen. So Waving The Guns schon seit vielen, vielen Jahre. Und unermüdlich geht es weiter. Mit Wingsuite veröffentlicht Milli Dance mit einem Beat von BRYK einen neuen Track, in dem er genau das sagt: So viele Krisen, so viele antisoziale Entscheidungen in der Politik, so viele Erdbeben. Es wird - wie immer - fleißig um sich getreten. Zum Einen gegen die Ignoranten, zum Anderen gegen die da oben. Für kommendes Jahr ist eine ausgedehnte Tour angekündigt, in der die Hallen wieder beben. Alle hin da!

06.03.2027 Rostock - M.A.U. Club
10.03.2027 Dresden - Tante Ju
11.03.2027 Wien - Arena
12.03.2027 Graz - p.p.c.
13.03.2027 Steyr - Röda
14.03.2027 Innsbruck - PMK
16.03.2027 Ulm - ROXY
17.03.2027 Nürnberg - Z-Bau
18.03.2027 München - Technikum
19.03.2027 Bern - Dachstock Reitschule
20.03.2027 Stuttgart - JuHa Hallschlag
21.03.2027 Fulda - Kulturkeller
25.03.2027 Hamburg - Markthalle
01.04.2027 Bremen - Modernes
02.04.2027 Köln - Live Music Hall
03.04.2027 Hannover - Kulturzentrum Faust
08.04.2027 Jena - Kassablanca
09.04.2027 Dortmund - FZW
10.04.2027 Wiesbaden - Schlachthof
24.04.2027 Berlin - Huxleys neue Welt


King Gizzard & The Lizard Wizard
(Ms) Ist das vielleicht die krankeste Band, die derzeit existiert? Möglich! Die Australier von King Gizzard & The Lizard Wizard veröffentlichen dieses Jahr einfach ihr achtundzwanzigstes (in Zahlen: 28!) Album! Alien Metal wird noch diesen Sommer erscheinen und erneut einen völlig anderen Klang mit sich bringen! Dieses Mal tauchen sie tief ein in die elektronischen Welten. Hypnotisierend kommt ihre neue Single Level 5 daher. Beinahe klingt es wie The Prodigy. Die Gitarren sind vorerst ein wenig geparkt und zahlreiche Effekte, Keyboard, elektronische Spielzeuge nehmen ihren Platz ein. Der Plan geht - wie die zahlreichen Ausflüge in unterschiedlichste Genre vorher - mal wieder völlig auf. Es macht wahnsinnig viel Spaß, einer quasi neuen Band zuzuhören und ihrem Sog zu erlegen. Was für Genies!


Juse Ju
(Ms) Er ist wieder da. Und er schlägt wieder zu. Klar, nur verbal. Dann aber so richtig. Der Jusmeister zerstört die bedeutungslose Musik. Vor einigen Tagen veröffentlichte Juse Ju mit Egalmusik einen neuen Track, der es aber massiv in sich hat. Endlich wieder ein Disstrack. Gegen alle halt. Gegen alle, die nichts zu sagen haben oder irgendwie nach höherem streben. Der Beat so mächtig wie lange nicht. Dazu ein cineastisches Musikvideo. Da wird in diesem Jahr noch mehr kommen, denn im Herbst geht er wieder auf Tour und da wird sicher auch ein neues Album mit am Start sein. 

01.10.2026 - Frankfurt, Brotfabrik
02.10.2026 - Stuttgart, Im Wizemann
03.10.2026 - Kassel, Färberei
15.10.2026 - Dresden, Chemiefabrik
16.10.2026 - Magdeburg, Factory
17.10.2026 - Würzburg, Jugendkulturhaus Cairo
29.10.2026 - Köln, Club Volta
30.10.2026 - Dortmund, JunkYard
31.10.2026 - Osnabrück, Westwerk
11.11.2026 - Rostock, Peter-Weiss-Haus
12.11.2026 - Bremen, Tower
13.11.2026 - Hamburg, Uebel & Gefährlich
04.02.2027 - Nürnberg, Z-Bau
05.02.2027 - München, Ampere
06.02.2027 - Leipzig, Werk 2
19.02.2027 - Berlin, Metropole
08.04.2027 - Wien, B72
09.04.2027 - Innsbruck, Die Bäckerei
10.04.2027 - Zürich, Werk 21


Ebow
(Ms) Sie ist wahrscheinlich die krasseste Künstlerin, die in diesem Jahr neue Musik rausbringt: Ebow! Diese Woche ist ihre dritte neue Single erschienen und sie hat ein drittes, großes, wichtiges Thema und einen dritten, völlig unerwarteten Beat. Was ist los mit ihr? Wie krass kann man denn sein? Auf Butch Im Tank (L.M.S.) sagt sie ziemlich klar, dass sie wirklich die Beste ist. Der neue Track ist eine basslastige Hymne auf lesbische Selbstbehauptung und eine ganz klare Standortbestimmung. Zudem knallt das Stück am Anfang sehr satt und endet beinahe soulig-poppig. Wie variabel, wie gut arrangiert, wie stark getextet. Ebow vereint so viel in ihrer Musik: ihre Familiengeschichte, die Schicksalsschläge in ihrem Umfeld, ihre Sexualität, gesellschaftspolitische Missstände undundund. Ich gehe fest davon aus, dass dieses Jahr noch ein Album kommt, das astronomisch einschlagen wird.

31.07.26 Bremen – TurnUp
08.10.26 Köln – Bürgerhaus Stollwerck
09.10.26 Bremen – Schlachthof
10.10.26 Hamburg – Fabrik
15.10.26 Leipzig – Werk 2
22.10.26 München – Ampere
23.10.26 Wien – WUK
24.10. Frankfurt – Zoom
28.10. Berlin – Columbiahalle

Freitag, 3. Juli 2026

KW 27, 2026: Die luserlounge selektiert

Quelle: flaticon.com / Rakib Hassan Rahim
Oh je! Wie rücksichtslos kann man als Bundesregierung eigentlich handeln? „Die Zahl der Krankentage in Deutschland ist zu hoch“ - so heißt es vom Kanzler. Ja, Fritz - wieso denn nur?! Darum geht es nicht. Keine Analyse des Problems, kein Blick auf die Belange der Menschen hier. Kein Wort, dass wir in einem völlig entfesselten Kapitalismus leben, extrem viele prekäre Arbeitsplätze, die mit die Druck nur bestehen. Personalmangel an allen Ecken und Enden im sozialen und Pflegebereich. Da wird weiter gekürzt. Heißt im Umkehrschluss noch mehr Stress, noch mehr Überstunden, noch mehr Druck, noch mehr Überforderung, noch mehr Krankentage. Tja. Da hat jemand den Teufelskreis mächtig angefeuert. Da arbeitet jemand ganz, ganz fleißig an den weiter steigenden eigenen Unbeliebtheitswerten. Dass die SPD da weiter so krass mitzieht, ist ein reines Armutszeugnis, von der Union ist ja eh nichts zu erwarten. Echt kein Wunder mehr, dass eine faschistische Partei die beliebteste im Lande ist. Das, liebe Bundesregierung, ist euer Verdienst.

Scheitern.dreitausend
(Ms) Ach, es kann manchmal so herrlich einfach sein, oder? Warum das große Gewese um bedeutungsgeladene, möglichst intensive Texte? Es kann doch auch mit wenigen Worten alles gesagt sein. Denn zwischen den wenigen Worten spielt sich eine ganze Welt ab. Dann ist nämlich das eigene Hirn gefragt und setzt seine Arbeit in Gang. Plötzlich ploppen Gefühle auf, Fragen mitunter. Das deklinieren scheitern.dreitausend auf ihrer neuen Single Okay Dann Nicht aufs extremste durch. Es soll hier nichts verraten werden, was die Indierockband aus Bremen sich da Tolles hat einfallen lassen. Abspulen, mitmachen, gut finden:

05.09. Lippstadt - abseite Festival
12.09. Herbstadt - frequency9 Sommerfest
26.09. Köln - Müllem Mon Amour
19.11. Rostock - DIETER
21.11. Osnabrück - Westwerk
27.11. Flensburg - Volksbad
19.12. Bremen - Lagerhaus


Martin Kohlstedt
(Ms) Vor gut einem Monat begann es wieder zu knistern. Die Tasten und Regler beim modularen Songwriting von Martin Kohlstedt haben ein neues Kapitel aufgeschlagen. Kluft heißt sein neues Album, das Ende Mai erschienen ist. Zwölf neue Songs mit gut 40 Minuten Spielzeit lassen wieder große Träume zu. Sanft und zart ist das, was er uns an neuer Musik schenkt. Mystisch und verwunschen gar. Und erneut wunderschön! Es ist Musik zum eintauchen. Kein Wunder, dass er gerne und oft im Wald spielt. Da passen seine Stücke hervorragend hin. Oder auf eine große Wiese in den Bergen. Naturverbunden ist seine Kunst. Und die elektronischen Elemente fügen sich nahtlos ein. Sehr organisch, pulsierend. Wunderschön! Das Tolle ist ja obendrein, dass seine Konzerte dann doch recht wenig mit den Platten zu tun haben. Dann wird improvisiert, dann schmelzen eine Stücke ineinander. Ganz persönlich freue ich mich auf seinen Auftritt beim Watt En Schlick - das wird ein phantastisches Highlight werden!


Attic Ocean
(Ms) Augen zu. Und rückwärts fallen lassen. Sanft landen. Ganz tief durchatmen. Auftanken. Die Faust ballen und zum Himmel strecken. Das könnte eine angemessene Reaktion sein, wenn Attic Oceans neue EP I Promise I‘ll Try Everyday (Vö: heute!) läuft. Großflächiger Shoegaze, breite Arrangements, viel Power, großes Gefühl, wunderschöne Intensität. Allein der Titel dieser EP ist doch ein großartiges Versprechen, oder? Ja, wie oft scheitert man im Alltag an all den Besorgungen, Terminen, Anforderungen?! Eben. Nicht aufgeben. Aus Liebe. Sängerin. Hanni Nasirat bringt es damit auf den Punkt, wenn es darum geht, die Schönheit auch in der tiefsten Dunkelheit zu finden. Denn da lauert viel. Und genau das hat das Quintett auf beeindruckende Weise auf ihre fünf neuen Songs gepackt. 

29.08. Mastholte, Getoese Festival
19.09. Berlin, Automatic Noise Festival


Sinem
(Ms) Seit gut 20 Jahren gehe ich auf Konzerte und Festivals. Die größten Entdeckungen gab es dabei in der Regel bei den Support-Gruppen. Diese magische halbe Stunde zum Einstimmen auf den Hauptact ist vieles. Für die auftretenden MusikerInnen immer eine tolle Chance, neue HörerInnen zu gewinnen. Für die Menschen davor eine phantastische Möglichkeit, Neues zu hören. Win-win! Sinem traten im letzten Jahr als Support von The Notwist im Hamburger Knust auf und es hat direkt geknallt. Psychedelischer Rock anatolisch geprägt und türkisch gesungen. Das ging direkt ins Bein. Und ins Ohr. Denn die Melodien sind durchaus ungewohnt fürs westliche Ohr. Wir Idioten - das wir uns sowas entgehen lassen. Das ist so filigran, so fein und gefühlvoll. Nun hat Sinem mit Ötme Bülbül Ötme eine neue Single draußen und sie macht sofort Bock! Es ist ein Stück aus der Kindheit der Sängerin, neu interpretiert. Auf ihrem neuen Album Hatun, das am 18. September erscheinen wird, sind auch zum ersten Mal eigene Lieder zu hören. Das haut um, das steckt an, das ist stark, das macht Vorfreude! 

10.07.26 Köln, Kulturbunker — Biergarten Sommerkonzert
11.07.26 Pegnitz, Waldstock Festival
24.07.26 Karlstadt, U&D Festival
01.08.26 Schopfheim, Holzrock Open Air
02.08.26 Friedrichshafen, Kulturufer
07.08.26 Plankenfels, Klangtherapie Festival
08.08.26 Rommelshausen, Glashaus Festival
23.09.26 München, Milla — Record Release Show
31.10.26 Berlin, Urban Spree
01.11.26 Leipzig, Conne Island — w/ Peki Momés
02.11.26 Hamburg, Hafenklang
03.11.26 Mainz, Schon Schön
05.11.26 Dortmund, subrosa
06.11.26 Schorndorf, Club Manufaktur
07.11.26 Fürth, Kofferfabrik
13.11.26 Karlsruhe, KOHI
14.11.26 Köln, Privat


Doppelfinger
(Ms) Oh, Herz. Was bist du nur für ein empfindlicher Ort? Was brauchst du an angenehmer Zuwendung? Viel. Und in den richtigen Tönen. Die liefert Doppelfinger dieser Tage in beeindruckender Form! Clemens Bäre aus Oberösterreich steckt hinter dem tollen Künstlernamen und schafft es hervorragend, mit Stimme, Akustikgitarre und einigen Streichern äußerst gefühlvolle und wunderschöne Musik zu schreiben. Footsteps heißt seine neue Single und es enorm, wie stark der Inhalt - Sehnsucht und Angst - sich im Arrangement wiederfindet. Das Stück ist zerbrechlich, aber auch sehr, sehr sanft. Erinnert teilweise an Niels Frevert. Die Musik verlangsamt auch auf zauberhafte Weise den Puls. Hinhören, sich mitnehmen lassen. Ein toller Beweis, wie wirkmächtig Musik sein kann. Und obendrein ein unglaublich intensives Video:

Donnerstag, 2. Juli 2026

Fatoni - Drama Endet Nie

Foto: Michael Weniger
(Ms) Dieses Drama sollte eigentlich schon längst draußen sein. Doch es kamen Dinge dazwischen, so wie Fatoni es bei einem Dissy-Feature Anfang des Jahres auch schon sang. Die Netflix-Serie „Kacken an der Havel“ war sicherlich eines der Dinge, die dazwischen kamen. Ein kleines bisschen drüber, gewollt, aber sonst ganz nett. Mehr nicht. Nicht zu vergessen auch das überragende BAWRS-Album!

Drama Endet Nie heißt die neue Platte, die am 3. Juli erscheint. Und beim ersten Hören hatte ich auch genau diesen Eindruck. Das ist ein kleines Drama. Höhen und einige Tiefen. Und ich weiß überhaupt nichts damit anzufangen. Als Nachos, die erste Single, erschien, war ich voll am Start. Was über ein grandioser Banger, was für ein brachialer Hit! Geld Ist Geil schlägt in genau die gleiche Kerbe. Ein Text wie eine eins, ein Beat, der einem schlaflose Nächte bereitet. Genial. Und dann … kommen noch allerhand andere Tracks.

Alles Neu heißt der Beginn. Und der Track steht irgendwie Pate für viele andere Stücke. Inhaltlich ist es wie eine Coming of Age-Geschichte. Nicht unbedingt ein neues Leitmotiv im Werk vom Münchener. Dafür aber ein starkes Arrangement. Klingt nach Bandsound, geht nach vorn. Aber in meinen Ohren kratzt er inhaltlich auch gewaltig an der Oberfläche. Insbesondere textlich fehlt mir da ein typischer Fatoni-Vibe, es ist recht sanft, poppig. Wann werden endlich wieder Zeilen gebrochen?
Leider kaum.
Die Platte ist auch eine Platte starker Feature-Gäste: Lakman, Mine, Maeckes, Dissy, Ami Warning, Keno. Das kann sich wirklich sehen lassen. Doch der Titeltrack mit Lakman tröpfelt nur so daher. Auch Wann Werd Ich Endlich Ausgetauscht haut wieder in die Irgendwas-ist-immer-Kerbe. Klug ist natürlich die Verbindung mit einer sich äußerst bedenklich entwickelnden KI-Macht. Ansonsten plätschert es weiter fleißig vor sich hin in einem poppig-gefälligen Sound.
Irgendwie überraschend ist Nicht Hollywood mit Dissy zusammen. Doch es ist nicht die geile Art einer Überraschung, sondern ein Gedanke à la: Das habe ich doch in den letzten Jahren an neuem Rap schon tausend mal gehört. Oder? Ein bisschen klingt hier „ich habe es als Außenseiter nach oben geschafft“ durch. Gääähn. Noch belangloser ist da nur noch Vespa. Ja, mag auch irgendwie witzig sein, aber ein Track übers entspannte Rollerfahren?! Puuh! Mit Oktober kommt noch ein Herzschmerzlied. Aber auch das kickt leider null. Irgendwie tut es nicht doll genug weh. Genauso wie Vergissmeinnicht. Ich frage mich ernsthaft, was das soll.

So gern wollte ich diese Platte gut finden, so oft hat Fatoni unfassbar krass abgeliefert, auf einem irren Niveau, raptechnisch, textlich und auch von den Beats her. Aber auf Drama Endet Nie endet das Drama tatsächlich nie. Dieses Album ist wahnsinnig gefällig, irre poppig und weit weg von dem, was er mal gemacht hat. Das ist ja der entscheidende Punkt: Was erwarte ich, wenn Fatoni eine neue Scheibe raushaut? Eine Entwicklung in jedem Fall. Aber keine Abkehr eines Kerns. 

Also. Auf Drama Endet Nie finden sich ein paar starke Fatoni-Songs. Doch leider auch massenweise träge Musik. Hat Fatoni vorher zu viel Pulver verschossen? Kam so viel dazwischen, dass so viel Halbgares dabei ist? Einige Tracks sind mir - wichtig: alles subjektiv hier - viel zu inhaltsleer. Andere viel zu stark bedeutungsgeladen (Ich Will Lieber…). Es fehlt die Mitte und tatsächlich auch eine Demonstration, dass er der Geilste ist. Neben den beiden anfangs erwähnten starken Tracks, kommt natürlich noch ein überragendes Feature mit Mine. Diese beiden KünstlerInnen sind ein enormes Duo. Lange Nicht Mehr Gut setzt da an, wo sie mit ihrer gemeinsamen Platte 2017 aufgehört haben. Da ist immer Spannung drin, da ist immer ein heftiger Beat, da ist so viel Leidenschaft. 

Die fehlt an vielen anderen Stellen. Ich hoffe sehr, dass viele Menschen das sehen, was ich in dieser Platte nicht ansatzweise aufspüren kann: Witz, Punchlines, Diss, filigranes Songwriting, Zeilenbrüche.

03.09.2026 Leipzig, Felsenkeller
04.09.2026 Erlangen, E-Werk
05.09.2026 Stuttgart, Wagenhallen
11.09.2026 Hamburg, Große Freiheit 36
12.09.2026 Köln, Carlswerk Victoria
22.09.2026 AT-Wien, Arena
23.09.2026 München, Muffathalle
24.09.2026 Wiesbaden, Schlachthof
10.11.2026 Hannover, Capitol
11.11.2026 Münster, Sputnikhalle
28.11.2026 Berlin, Columbiahalle


Mittwoch, 1. Juli 2026

Live in Münster: Vainstream - der Samstag

Irgendwo dort: Grandson, Foto: luserlounge
(Ms) Über ein abgebrochenes Festival oder: Wie überlebe ich in der brütenden Hitze?

Das Wetter
Das Wochenende stand unter keinem guten Stern. Unglaubliche Hitze zog übers Land und ließ uns ordentlich ächzen. Doch: Was tun, wenn dann ein Festival ansteht? Also aus Sicht der Veranstaltenden? Wie soll man am besten darauf reagieren? Im Grunde genommen gibt es zwei Möglichkeiten: Absagen oder so viele Maßnahmen treffen, dass es aushaltbar ist. Ersteres wurde gar nicht weit weg von Münster, in Haltern am See, entschieden. Da sollte Jan Delay am Freitag spielen. Für die zweite Möglichkeit hat sich das Vainstream entschieden. Vielleicht auch, weil die Grundvoraussetzungen andere waren. Die Messehallen nebenan boten einen gewissen Schutz und einen Raum für eine Pause zwischendurch. Und als Innenstadtfestival waren sicher viele Anfahrtswege auch nicht so lang.
Aus meiner Sicht hat das Schutzkonzept ganz gut gegriffen. Viele Hinweise zum Sonnenschutz, viele Stellen für Leitungswasser, Abkühlungen an vielen Ecken. Ich war nur am Samstag da und muss gestehen: Es war aushaltbar. Viel Wasser trinken, wenig Bewegung, Kopfschutz und ab dafür. Logisch, alle schwitzten wie bekloppt. Aber alle hatten auch eine Menge Spaß.
Bis 18.30 Uhr.
Da spielten Bloodywood und es wurde zunächst unterbrochen für eine Stunde. Ein Gewitter ziehe auf, hieß es. Und tatsächlich ließ sich das auf diversen Wetter-Apps nachvollziehen. Nur kam halt nichts davon an. Ein Teil löste sich auf, der andere zog an Münster vorbei. Als es dann weiter gehen sollte um 19.30 Uhr, hieß es doch einigermaßen überraschend, dass die Veranstaltung sofort abgebrochen wird. Ein weiteres Gewitter zöge auf und droht, mitten über Münster mit Blitz und Donner einzubrechen. Also los. In meiner Wahrnehmung haben sich alle Leute ohne großes Murren und sehr entspannt auf den Weg gemacht und den Bereich geräumt. Doof nur, dass man nicht mal Pfand zurück geben konnte. Viva von Agua hat sich gefreut - gut so! Und dann? Tja. Dann passierte nichts am Himmel. Nochmal. Sechs Tropfen vielleicht und ein kleiner Wind. Logisch, darauf haben die Veranstalter auch keinen Einfluss. Aber ein Geschmäckle bleibt. Hätte man es weiter laufen lassen können? Ja, bestimmt. Aber dann kommt die unweigerliche Frage: Was wäre wenn?! Und die möchte man lieber mit „Alle sind in Sicherheit“ beantworten. Better safe than sorry. Unmut in den Kommentarspalten. Doch da die richtige Entscheidung zu treffen, ist auch schwer. Im Endeffekt hat das Team des Festivals alles korrekt gemacht.

Das Gelände
Acht Jahre habe ich in Münster gewohnt. Nie war ich auf dem Festival. Kurios. Daher war ich etwas verwirrt, wie das Gelände aufgebaut ist, denn die Messehallen - wenn es nicht die große ist, wo die Donots alle zwei Jahre spielen - habe ich nie besucht. Doch schnell wurde mir klar, was für große Vorteile der Standort hat. Er ist weit genug draußen, damit niemand gestört wird. Zudem ist der Hawerkamp direkt anbei - der (!) Clubstandort der Stadt. Genial! Zwischendurch sind wir auch einmal in der Sputnikhalle vorbeigeschneit. Doch nur recht kurz, da es da drinnen noch wärmer war zuzüglich Luftfeuchtigkeit. Bäh! Also: Das Gelände war super gut aufgebaut und wurde entsprechend gut genutzt. Vieles verlief sich, nirgends wurde es überaus eng.

Die Musik
Achja - unter dem ganzen Thema, dass das Festival ja abgebrochen wurde, kommt der Hauptaspekt - die Musik - doch reichlich zu kurz. Ich war nur am Samstag da, ließ mir aber aus mehreren Quellen sagen, dass der Freitag - insbesondere Landmvrks - großartig gewesen sein soll. 
Vieles vom Line-Up kannte ich nicht. Metalcore und seine Verwandten sind nicht die Genre, die bei mir zu Hause laufen. Doch die musikalische Neugier wurde reichlich befriedigt. Zum Beispiel mit Future Palace. Hui, ging das gut ab. Es wurde ordentlich geschrien und auch ordentlich mit Effekten gespielt. Denn nur Drums und E-Gitarre hätten niemals den Wumms liefern können, der dort zu hören war. Danach ab zu Pöbel MC. Ist ja geil, dass so ein Event auch ganz andere Töne einlädt. Und viele konnten mitrappen - geniale Momente! Danach hat mich Thrown total überzeugt. Eine sehr harte Gangart, sehr kurze Lieder, viel Druck, viel Aggression, aber alles auf den Punkt. Danach der Höhepunkt: Grandson. Das, was der Typ abgeliefert hat, war nicht mehr normal. Er baute seine Tracks derart um, dass sie so live gespielt nirgendwo anders zu hören sind. Es war eine etwas kuriose Mischung aus Placebo und The Streets. Markante Stimme, Sprechgesang, Energie an allen Ecken und Enden. Und großartig gegen die Arschlöcher der AfD gewettert. Bloodywood aus Indien spielten dann nur noch recht kurz. Leicht pathetischer, aber enorm druckvoller Metal, viel Getrommel, doppelter Gesang - Power ohne Ende!
Gern hätte ich noch Architects gesehen. Aber das ist nun mal Geschichte.

Das Fazit - der Ausblick
Was mir sehr gut gefallen hat, war das bargeldlose Bezahlen auf dem ganzen Gelände. Mit einem Chip am Bändchen ließ sich alles erwerben und auch Pfand wieder zurück buchen. Anfang dieser Woche ließ sich der Rest dann wieder aufs eigene Konto gut schreiben. Das war eine sehr gute Idee!
Wie geht es nun weiter? Die nicht spielenden Acts wurden sicher entlohnt, ein Festival dieser Größenordnung ist gegen solche Ereignisse versichert. Der Vorverkauf fürs kommende Jahr lief wohl immens gut an. Tausende Tickets gingen schon weg. Ob das Zugpferd Lorna Shore dafür verantwortlich ist - keine Ahnung (tatsächlich sagte mir die Band überhaupt nichts, ich Metalbanause).
Den Veranstaltenden und den Besuchern fürs kommende Jahr sei mehr Glück beim Wetter gewünscht. Ansonsten ist das Vainstream eine hervorragende Adresse für ausgewählt gute Musik der harten Gangart!


Freitag, 26. Juni 2026

KW 26, 2026: Die luserlounge selektiert

Quelle: flaticon.com / freeer
Seitdem die AfD nachweislich radikal agiert und menschenfeindliche Parteiprogramme verfasst und es nicht unwahrscheinlich ist, dass sie bald eine Landesregierung stellt, ist die Rede von einer wehrhaften Demokratie. Das ist wichtiger denn je. Denn bislang kopieren große Parteien einfach Teile des demokratiefeindlichen Programms. Und scheitern damit. Denn das Original ist immer noch attraktiver. Damit aber wirklich ein Verbot dieser Partei erwirkt werden kann, haben andere Menschen diese Arbeit übernommen. Die EntscheiderInnen in den demokratischen Parteien haben es bislang nicht vollumfänglich gemacht. Die Gesellschaft für Freiheitsrechte hat daher am Donnerstag ein umfassendes Gutachten erstellt, das nochmals deutlich macht, mit wem wir es zu tun haben. Mit einer Gruppe an Menschen, die unseren Staat abschaffen wollen. Das sollten wir uns nicht bieten lassen.

Fischersund
(Ms) Ende April erschien ein großartiges Album, das mir nur durch den Spotify-Algorithmus zugespielt worden ist. Plötzlich tröpfelte, regnete es in meinen Kopfhörern und im Hintergrund breiteten sich sanfte, helle Synthieflächen aus. Das beruhige mich direkt, als ich irgendeinen Arbeitskram erledigen musste. Und dann tickte mein Hirn. Das kenne ich doch. Das, oder Vergleichbares. Ja, Ambient-Musik ist oft recht ähnlich. Aber ich konnte meiner Ahnung vertrauen. Denn hinter Fischersund, der Band, der ich dort lauschte, verbirgt sich unter anderem Jónsi von Sigur Rós. Ihr Album heißt Sleep. Und der Klang ähnelt sehr einer Schlafens-Playlist von Sigur Rós. Jónsi betreibt das Kollektiv mit seinen Schwestern und weiteren Personen. Sie stellen Parfüm, Lotionen, Beutel und allerhand Schönes und Teures her. Die Musik soll ursprünglich dem Verkauf des Parfüms dienen. Doch auch ohne Duft ist dieser Klang eine wohltuende Oase. Insbesondere wenn es draußen tropisch heiß ist und die Nachrichten auch ähnlich hitzig sind, tut das hier unfassbar gut!


Farewell Dear Ghost
(Ms) Gänsehaut, wenn ein Lied plötzlich und gänzlich unvermittelt einen Gedanken formuliert, den ich auch fühle, aber für den mir die Worte bislang fehlten. Das schlägt so richtig ein. Die österreichische Band Farewell Dear Ghost hat vor Kurzem eine neue, tolle Single veröffentlicht. Weather Control heißt sie und ist ziemlich reduziert. Der Track stellt einige große Fragen. Fragen nach dem Bereuen nicht getaner Taten aus der Vergangenheit zum Beispiel. Gedanken, die plötzlich traurig machen. Dann ist die Frage „What‘s an easy mind?“ äußerst naheliegend. Nur Gitarre und leichtes Sythieflirren im Hintergrund. Das ist zusammen dann doch sehr wirkmächtig und wunderschön! Ab und zu tut diese Art der Melancholie sehr, sehr gut. Denn daraus kann man wieder aufbauen. Ein tolles Lied, was ich allen sehr ans Herz legen mag:


Team Dresch
(Ms) Vorsichtige Skepsis transformiert sich zu Enthusiasmus. Wie ein kleiner Junge lese ich aus einigen Quellen mal Euphorie und denke dann: Dann muss das ja genial sein, wenn die das sagen. Mittlerweile, also mit Mitte dreißig, unterlaufe ich dieser Gefahr mit ein wenig Distanz. Überzeugen lasse ich mich dennoch gern. Beispiel: Team Dresch. Vor einigen Tagen berichteten die guten Menschen vom Grand Hotel Van Cleef und Rookie Records, dass Team Dresch wieder nach Europa kommt. Zugegeben: Mir sagte der Name überhaupt nichts. Aber wenn die das sagen… dann laufe ich nicht blind hinterher, aber bin neugierig, was die denn gut finden. Also: Reingehört. Und sofort von der Energie angesteckt. Denn das ist nicht nur Punkrock einer Band, die schon seit über dreißig Jahren Musik macht. Sondern es ist auch Punk, der doppelt zornig ist. Einmal gegenüber dem Establishment und zum anderen gegen Homophobie ansingt. Queercore wird das dann genannt. Und geht ziemlich stark nach vorn! Sie werden als Pioniere ihrer Zunft beschrieben. Und wenn ihr reinhört, wisst ihr genauso schnell wie ich, wieso. Genial. Hingehen im September!

19.09.26 Bern, Yeah! Fest - Reitschule
20.09.26 Mainz, Schon Schön + Muutt
21.09.26 Oberhausen, Druckluft + Im Taxi Rauchen
22.09.26 Berlin, Neue Zukunft + Shirley Holmes
24.09.26 Bremen, Tower + Goose Pants
25.09.26 Karlsruhe, Alte Hackerei + Wick Bambix
26.09.26 Köln, Blue Shell + Wick Bambix
27.09.26 Hamburg, Betty + Shirley Holmes


Takeshi‘s Cashew
(Ms) Wie landet eine Band hier bei der wöchentlichen Übersicht auf einem kleinen Blog? Manchmal ist es ganz einfach, weil auch ich ein einfach gestrickter Typ bin. Heute ist es der Name, der mich direkt angefixt hat: Takeshi‘s Cashew - wie genial kann es denn bitte sein?! Aber das allein reicht selbstredend nicht. Die Formation aus Wien macht obendrein unglaublich geniale Musik: komplett instrumental, getrieben, psychedelisch, leicht krautig mit ein paar ostasiatisch anmutenden Elementen. Das entfacht so eine wunderbare Energie, dass ihre Musik sehr schnell sehr viel Spaß macht! Mit ihrem Drive erinnern sie stark an Los Bitchos und das ist ganz klar als Kompliment gemeint! Diese Woche erschien ihre neue Single Operator und damit kündigen sie ihr nächstes Album an. Planet Odyssey 64 erscheint am 30. Oktober und könnte der Tanzbeat für den Herbst werden. Deal?



Donnerstag, 25. Juni 2026

JJerome87 - The Canyon

Foto: Zachary Gray
(Ms) Als alt-J auf die Bühne des Musikkosmos` traten, zog ein gänzlich neuer Sound ein. Etwas, das noch nie da gewesen ist. Etwas Geniales. Etwas Verspieltes. Etwas Tanzbares. Ja, etwas Transzendentales. Nicht nur die zahlreichen Soundfrickeleien waren prägend für ihren Klang, sondern auch die Stimme ihres Sängers Joe Newman. Immer etwas quietschig-quengelig. Und mit enormem Wiedererkennungswert.
Nun bringt Joe Newman unter seinem Künstlernamen Jjerome87 eine Solo-Platte raus. The Canyon wird sie heißen und am 26. Juni erscheinen. Mitten in der Hitze erscheint eine phantastische Platte. Nein, natürlich ist das nicht alt-J, aber der Geist des Klangs dieser Band ist hier ganz klar zu hören und zu spüren. 11 Tracks auf knapp 40 Minuten machen gehörig viel Spaß, weil Joe Newman hier ebenso verspielt zur Sache geht wie mit seiner - zurecht - unfassbar erfolgreichen Band!

Mr Alligator ist der Startpunkt. Direkt zahlreiche Elemente. Hintergrundgesang. Percussion. Bass. Synthie-Schnipsel. Diese Stimme. Und sofort wird klar: hier herrscht der Groove. Wer hier nicht mit dem Kopf nickt, ist wirklich ein Banause. Auf der neuen Platte erzählt Joe Newman Geschichten. Dies ist die eines Hochstaplers. Insbesondere der hypnotische Gesang im Hintergrund macht eine Menge Spaß. Verdammt, ist das gut! Die vielen, vielen Sequenzen, die mosaikartig ein Lied zusammensetzen, erzeugen eine permanente Neugier. Wie unglaublich raffiniert!
Im Gegensatz zu alt-J ist das Grundgerüst viel analoger. Der Blues schlägt ein. Dazu großer, phasenweise frecher Pop. Und Soul, ja beinahe Gospel durch den großartigen Hintergrundgesang. Quaaludes hat beinahe etwas religiöses. So stelle ich mir einen Erweckungsgottesdienst vor. Amen!
Auf Juicy ist zudem gut zu hören, dass Joe Newman allerhand Geräusche in der Natur aufgenommen hat, die in seine neuen Tracks einfließen. Zudem schlägt hier ein brutaler Bass zu. Die Arrangements dieser Platte sind alle nahezu alle genial. Er baut durchaus musikalisch-gruselige Elemente ein. Den Film zu diesem Soundtrack möchte ich gern sehen. Und: Dass das Stück sich so entwickelt, wäre allein durch die ersten Takte nie zu erahnen gewesen. Zahlreiche Überraschungen. Taktweise beinahe. Großer Folk wiederum - inklusive Bläser - findet sich auf Walkaway Music.

Eines steht fest: Die gesamte Platte sei allen ans Herz gelegt, die tierische Freude am Entdecken und der Faszination äußerst geschickten Songwritings gegenüber haben. Die erste Single, Brush Me Like A Horse, ist am ehesten eine Erinnerung daran, in welcher anderen Band Joe Newman noch so wirkt. Track And Field ist so phantastisch, denn der Bass treibt ganz unterschwellig voran und das gesamte Stück strahlt eine ungeheuer positive Aura aus.

Ach, Musik. Ach, Kunst. Was für ein Glück, dass es Typen wie Joe Newman gibt. Das, was er erschafft, ist einfach eine große Bereicherung. Die Musik ist verspielt, überraschend, vielseitig, niemals langweilig werdend. Auch unter seinem eigenen Namen ist es dem alt-J-Frontman nochmal gelungen, etwas Neues in die Welt zu setzen. Wow!


Mittwoch, 24. Juni 2026

Low Key Orchestra - Before The Reverb

Foto: Helgi Helgassson
(Ms) Dass manche Stimmen nicht verhallen, ist ein wunderbares Glück. Das beste Beispiel dieser Tage ist die wunderbare Stimme von Sönke Torpus. Mit seinen Art Directors hat er vor vielen Jahren die Indiefolkherzen höher schlagen lassen. Dann war irgendwann Schluss. Hier und da tauchte er nochmal auf, aber es war erstmal Pause. Zumindest in meiner lose informierten Wahrnehmung. Dann wurde er festes Bandmitglied von Nichtseattle und hat auch das neue Album von Katharina Kollmann produziert. 
Im vergangenen Jahr meldete er sich dann als Low Key Orchestra wieder zurück und brachte mit Maybe Words eine tolle Single raus. Direkt war eine alte Gänsehaut wieder am Werk. Denn in seiner Stimme ist eine Aufrichtigkeit, ein spezielles Timbre und immer auch eine gewisse Schalkhaftigkeit, wenn man das so sagen kann. Seitdem ist er auch wieder wahnsinnig viel unterwegs. Eine eigene Tour spielte er bereits. Mit Young Rebel Set und Herrenmagazin war er unterwegs. Ich sah ihn im vergangenen September und da wurde klar, wie gut es ist, dass einer wie Sönke Torpus uns mit seiner Musik beschenkt. Es ist nicht nur eine sanfte, unterhaltsame und liebe Präsenz auf der Bühne, sondern eine Inbrunst in seinen Stücken, die ansteckend ist.

Diesen Freitag (26. Juni) erscheint mit Before The Reverb seine Soloplatte als Low Key Orchestra. Dieses Album ist ein großes Glück. Denn es steckt so viel Aufrichtigkeit drin. Sie ist - ja! - hörbar! So eine fein arrangierte und komponierte Musik kann nur aus dem Herzen kommen, von jemandem der ein paar Jahre Rückzug brauchte, um wieder selbst auf der Bühne wirken zu wollen/können.
40 Minuten, 10 neue Songe. In Your Heart Again ist das erste Stück. Klavier, Stimme. Dann ein wenig Schlagzeug. Anschließend nimmt der Track Fahrt auf. Seine Art zu singen hat sich gar nicht so sehr verändert. Doch die Musik drumherum schon. Sie ist feiner geworden, hat mehr Elemente bekommen. Insbesondere die Rhythmen auf diesem Album sind ganz spannend zu entdecken! Das bereits bekannte Maybe Words liefert eine Melancholie, wie sie schon lange in der Indiemusik nicht mehr zu spüren war - rede ich mir zumindest ein. Melancholie - ein gewisses Leitthema aus den 00er Jahren, wo leiden irgendwie geil war. Doch jetzt, 2026, bekommt Melancholie eine wunderbare Schönheit dazu. Ein Teppich, auf den man sich gern legen mag, der einen beruhigt und natürlich auch ein bisschen nachdenklich macht. Aber halt auch nicht zu sehr. Insbesondere die kleinen Streicher-Arrangements sind hier wunderbar platziert!
Doch es sprudelt auch eine Menge Leben aus den neuen Liedern von Sönke Torpus. Backseat Driver ist so eines. Da werden die Gitarren im genau richtigen Maße ein wenig aufgedreht, da strahlt es zwischendurch im Gesang und in den Melodien - herrlich! Und erneut sind kleine Rhythmusschnipsel dabei, die einfach so, so gut ausgesucht und platziert sind. Als Hörende werden wir hier reich beschenkt! Ein Stück wie Suddenly scheint mit seiner Langsamkeit und gewissermaßen Unaufgeregtheit ein wenig aus der Zeit gefallen. Aber ist es nicht genau das, was wir derzeit brauchen? Ich vermute, dass Sönke Torpus das in seiner Kunst mitwirken lässt. Hier unbedingt auf den tollen, sanften, aufbauenden Bass achten. Herrje, ist das toll gemacht! Wenn irgendwie das Gute durchscheinen will musikalisch, dann mit diesem Track!

Die Songs, die hier nicht aufgeführt sind, haben eine ähnlich schöne Wirkung. Es macht ungeheuer viel Freude und Spaß, Before The Reverb durchzuhören. Eine Platte, die in jedem Fall am Stück laufen sollte. Allein das Arrangement von Too Shy To Show ist so, so gut und wirkt mitten auf der Platte halt enorm. Ja, es ist ein großes Geschenk, dass Sönke Torpus wieder singt und uns seine Lieder schenkt. Lieder voller Wärme, Raffinesse und Schönheit!


Video

Samstag, 20. Juni 2026

Live in Bremen: Kettcar

Foto: luserlounge
(Ms) Lieber Lars,
Wir kennen uns nicht persönlich, aber ich habe dich knapp vierzig Mal links auf der Bühne gesehen, als du bei Kettcar die Tasten bedient hast. Das erste Mal war am 28. Juni 2007, also gut vor 19 Jahren in Münster. Es kamen zahlreiche Konzerte dazu. In Hildesheim, mehrfach Hamburg, mehrfach Bremen, Bielefeld, Dortmund, Traumzeit Festival, Leer, Flensburg, Essen, Rostock…
An diesem Wochenende spielst du deine letzten Konzerte in der Band. Danach soll Schluss für dich sein. Krass, mit welcher Energie du diese Minitour spielst. Das freut mich über aller Maßen. Denn als du am Donnerstag im Bremer Schlachthof auf der Bühne standest, war sofort - und vor allem danach klar: es wird etwas fehlen. Und diese Lücke ist nicht nur eine Musikalische. Was du alleine oder mal mit Erik zusammen auf der linken Bühnenseite für Partys schmeißt, gehört in einen ganz eigenen Kosmos. Klar, das war nicht immer so. Es gab Zeiten der Band, da sah es nicht so euphorisch aus. Doch die sind zum Glück lange vorbei.
25 Jahre Keyboard und Gesang in einer meiner absoluten Lieblingsbands. Es war doch krass, wie das Publikum dich am Donnerstag abgefeiert hat, oder? Klar, da waren mehrere weinende Augen dabei. Am stärksten hat man es tatsächlich deinem Bruder angesehen, der am Ende von Mein Skateboard Kriegt Mein Zahnarzt merklich mit seinen Emotionen zu kämpfen hatte. Das war ja aber auch kein Wunder, nach diesem Abend im Schlachthof. Sicher waren es innen um die vierzig Grad. Warum wurden eigentlich die Türen und die Dachluken wieder geschlossen?! Heidewitzka, habe ich geschwitzt…
Dass es überhaupt zu diesem Donnerstagstermin gekommen ist, lag ein einer kleinen Fehlbuchung. Aber den Menschen war es egal. Es war eine irre Sause. Einen nicht unerheblichen Beitrag haben Schluma daran. Die gehen ja super durch die Decke. Wie viel Power kann eine neue Band denn nur an den Tag legen? Das muss doch auch hinter der Bühne richtig viel Spaß gemacht haben, oder?
Danach zwei Stunden Kettcar. Zwei Stunden Power, Hits ohne Ende, super Ansagen und was für eine wunderbare Energie auf der Bühne! Ich glaube, Reimer, Fieten, Lars und Erik haben auch für dich noch mal alles gegeben. Egal ob Auch Für Mich 6. Stunde, Benzin Und Kartoffelchips, Im Taxi Weinen, 48 Stunden, Rettung, Sommer `89, Den Revolver Entsichern, Einer, Deiche oder Balkon Gegenüber. Pure Gänsehaut natürlich bei Balu und das nicht nur wegen des Inhalts. Ein Mal noch mit Marcus zusammen dieses Stück. Woah! 
Aber hey, du verlässt diese wunderbare Band voller Zuversicht und Freude. Sicher auch voller Dankbarkeit und mit einem tollen, letzten, großen Knall. Wie viel Spaß kann man denn luftgitarrespielend auf der Bühne eigentlich haben? Ich wünsche dir sehr, dass der letzte Weißwein während der Zugabe richtig gut geschmeckt hat.

Lieber Lars, auch wenn wir uns nicht kannten. Irgendwie fühlte ich mich dir auf der Bühne immer verbunden. Sehr oft stand ich auf der linken Publikumsseite und habe dich beim Spielen und Singen gesehen. Die Lücke wird groß sein, auf jeden Fall.
Für dich beginnt nun, nach dem Konzert auf der Kieler Woche, ein neues Kapitel. Laut Statement voller Energie und mit vielen Ideen. Ich wünsche dir von Herzen nur das Beste dafür, gutes Gelingen und mindestens genauso viel Spaß wie an den Tasten in der Band, die den Namen Kettcar trägt.


Freitag, 19. Juni 2026

KW 25, 2026: Die luserlounge selektiert

Quelle: flaticon.com / Rooman12
„Ihr müsst 15% Zoll zahlen und wir nichts.“ - „Ja, okay, so machen wir das.“
So oder so ähnlich muss es ja zwischen Ursula von der Leyen und dem orangenen Mann zugegangen sein, als der Zolldeal zwischen der EU und den USA beschlossen worden ist. Dann las ich noch ein paar Stimmen zu diesem erpresserischen Handelsdeal und viele sagen, dass das die bestmögliche Version innerhalb einer völlig verkorksten Abmachung sei. Ja, soweit vollkommen nachvollziehbar. Denn die USA sind halt immer noch am wesentlich längeren Hebel. Sie könnten ja die ganze militärische Unterstützung hier runterfahren und dann steht die EU plötzlich ziemlich blöd da. So lange diese Archillesferse besteht, wird die EU sich bestimmt auf vieles einlassen. Dennoch gilt: innereuropäischen Handel stärken, andere Allianzen finden, unabhängiger vom Wahnsinn hinter dem Teich werden.

Nichtseattle 
(Ms) Konzerte, die zu Tränen rühren, bleiben besonders stark im Gedächtnis. Im November 2024 spielte Katharina Kollmann aka Nichtseattle im Bremer Schlachthof. Ich bin eh schon ein wenig emotional-schwankend angekommen und dieses Konzert hat mich stark getroffen. Aber auf einer wunderbaren, zarten, direkten, sehr poetischen Weise. Sehr menschlich, musikalisch wunderschön. Nun gibt es gute Nachrichten: denn zusammen mit ihrer Band hat sie ein neues Album eingespielt. Große Liebe heißt es und wird am 25. September erscheinen. Neue Stücke, die sich um die Liebe drehen werden. Doch wenn Katharina Kollmann textet, ist auch klar, dass sie so scharfsinnig schreibt, sich so gute, tiefgehende Gedanken macht, feministische obendrein, dass es nicht nur rosarot wird. Liebe kann viel, auch weh tun und verzweifeln lassen. Und Liebe wem gegenüber? Auch sich selbst. Darüber geht es in der ersten Single Dallas, die seit einigen Tagen draußen ist. Auf sich aufpassen, Selbstfürsorge, irgendwelche Mittel und Wege finden, um dem hellen Wahnsinn in der Welt zu ertragen. Nicht nur im Text, sondern auch in dem tollen, neuen Video. Hui, die Vorfreude auf dieses Album ist sehr groß!

07.08.26 Joachimsthal, Reclaim Festival
05.09.26 Pünderich, Oben Air
06.09.26 Dresden, The Sound of Bronkow
03.11.26 Kiel, Hansa48
04.11.26 Hamburg, Knust
05.11.26 Osnabrück, Kleine Freiheit
06.11.26 Langenberg, KGB
07.11.26 Leipzig, UT Connewitz
08.11.26 Berlin, Großer Sendesaal des rbb
09.11.26 München, Feierwerk (Kranhalle)
10.11.26 AT-Vienna, Club Lucia
12.11.26 Regensburg, Alte Mälzerei
13.11.26 Frankfurt, Brotfabrik
14.11.26 Köln, Artheater


Schluma
(Ms) Passt auf - es wird richtig genial, gewissermaßen nostalgisch, voller Tatendrang, ein bisschen bekloppt und vielleicht ist es wirklich die beste, frische Band seit langem: Schluma aus Hamburg. Wer den Kosmos vom Grandhotel van Cleef folgt, hat den Namen der Band schon gelesen, sie gehören nun zur Familie. Zudem haben sie letztens den Krach+Getöse-Preis der Hansestadt gewonnen. Dabei haben sie gerade mal drei Singles veröffentlicht. Egal, ist ja eh super! Indierock ohne glattgebügelte Arrangements. Gitarrengeschrammel, der hart an die frühen Tocotronic erinnert. Lieder über die Bandmitglieder. Peter an der Gitarre hat Ich Bin Ein Außenseiter Dieser Republik über Sänger und Bassist Lenny geschrieben, die 25 Jahre trennen. Vielleicht ist die Selbstexklusion in politischer Hinsicht ein gutes Mittel, um derzeit nicht durchzudrehen. Schluma bieten den Soundtrack und veröffentlichen am 4. September ihr Debut Heulen Am Wasser. Das ganze wird groß aufgefahren mit einem Festival über zwei Tage im Indra, für das sie einfach neu gewonnene Freunde, Bands undundund eingeladen haben. Voller Tatendrang eben… das wird guuuuuut!

02.07. Rømø, Cruise van Cleef (Support für Madsen)
11.07. Hamburg, 25 Jahre Stilbruch
04.-05.09. Hamburg, Indra – 10.000 Leute Festival, Album-Release-Show
01.-03.10. A-Wien, Waves Vienna


Kabinett
(Ms) Manchmal sind es ja nur zwei, drei Takte, die aufzeigen: Oha - hier kommt was ganz großes! Das ist mit Kabinett und ihrer neuen Single Call My Name definitiv der Fall! Die Band aus Mannheim setzt direkt auf große Melodien und Arrangements und der Plan geht gewaltig auf! Hört man die aktuelle Single und schließt dazu die Augen, sieht man sich versetzt auf ein großes Festival am frühen Abend, es wird schon etwas dunkel, überall sind freudestrahlende Gesichter zu sehen und dann führen diese Hooks und diese Energie dazu, dass Fäuste in die Luft gereckt werden und der Puls nochmal erheblich steigt. Die Single beschreibt das verflixte Gefangensein in einer Beziehung, die beide eigentlich nicht mehr wollen, sich aber auch nicht trennen können. Puh. Es ist der erste von vier Tracks, die die Band dieses Jahr noch veröffentlichen wird, bevor im kommenden Frühjahr dann ihr erstes Album erscheinen wird. Das. Wird. Richtig. Gut!


Eels
(Ms) Über einige Bands und KünstlerInnen würde ich hier manchmal gern andere, wesentlich kompetentere Leute schreiben lassen. Eels zum Beispiel. Logisch, kein unbekannter Name, aber außer über die wunderbare Stimme und die sehr harmonischen Arrangements seiner Songs kann ich über gar nichts berichten. Also beschränke ich mich mal darauf. Mark Oliver Everett wusste immer schon, sehr gute Geschichten zu erzählen. Zum Beispiel auf seiner neuen Single Cap In Hand. Ein Lied über die vielleicht größte Geste, zu der wir Menschen fähig sind: Einsicht zeigen, Fehler zugeben, Besserung versuchen. Das ist ein ganz schön harter Schritt, aber er tut halt auch wirklich gut. Getrieben wird der Track von einem markanten Bass. Zudem ist die Ambivalenz des menschlichen Wesens aus der Erzählung super im Timbre seiner Stimme aufgehoben. Wow - wie schön! Damit kündigt er sein 16.(!) Album an. Cookie Happened wird am 16. Oktober erschienen. Heißt: vier Monate Vorfreude!


Tramhaus
(Ms) Gerne schaue ich mir Tourplanungen unterschiedlicher Bands an. Wolang fahren sie? In welchen der Läden war ich auch schon? Welche Länder werden abgeklappert und wie viele Konzerte spielen sie überhaupt? Schaut man sich den Tourkalender der Band Tramhaus an, könnte man denken: Wow, warum sind die an mir vorbei gegangen? Die spielen ja europaweit überall. Und/oder: Was sind das für wahnsinnige Musiknarren, die das alles durchziehen?! Geil! Irgendwo zwischen Shoegaze und wildem Indierockgeschrammel macht diese Band aus Rotterdam seit sechs Jahren Musik, die es in sich hat. Coolness, Drive, Druck. Alles dabei. Allein nach ihrem Debut spielten sie 125 Gigs in 22 Ländern. Irre! Wenn dann ihre aktuelle Single Plovdiv aus dem kommenden Album Blister (9. Oktober) läuft, schwappt eine Ahnung der Energie, die sie auf der Bühne auffahren können, aus den Lautsprechern. Die Gitarren voll aufgedreht, das Schlagzeug scheppert, die Stimmbänder ächzen. Woah, das macht Bock!

09. Juli - Dresden, Ostpol
12. Juli - Dellach, Gailklang Festival
18. Juli - Wasserburg, Bums on Wheels
01. August - Erbach, Heimspiel Knyphausen
20. November - Schorndorf, Manufaktur
09. Februar - Berlin, Neue Zukunft
10. Februar - Oberhausen, Gdanska
18. Februar - Münster, Gleis22
27. März - Luzern, Schüür
06. April - München, Import Export
07. April - Wien, tba
25. April - Hamburg, Betty

Samstag, 13. Juni 2026

KW 24, 2026: Die luserlounge selektiert nochmal

Quelle: flaticon.com / Freepik
Wie oft ich von meiner Ausbildung profitiere. Das ist so richtig krass. Bachelor und Master und Referendariat und es hat so richtig gut geknallt. Letztens zum Beispiel. Da kam ich morgens in eine der Klassenräume und musste erstmal sauber machen, weil es gruselig aussah. Da kam mir sofort das Grundlagenstudium zur Geschichte des Besens in den Frontallappen geschossen. Beschaffenheit des Stiels, Dichte der Borsten, geschicktester Fegeweg. Alles war sofort wieder da. Genial! Auch den Aufbaukurs Mülltrennung aus dem Master konnte ich direkt wieder praxistauglich anwenden. Liegen gebliebene Obstreste?! Braune Tonne! Nutellacrepes auf der Fensterbank? Auch braune Tonne. Joghurtbecher? Obacht - gelbe Tonne. Zahlreiche Schnipsel Papier? Auch hier ist Vorsicht geboten - grüne Tonne. Ich bin meinen Eltern bis heute aus tiefstem Herzen dankbar, dass sie mich beim Studium finanziell unterstützt haben.

Muff Potter 
(Ms) Wenn die Energie erst einmal durch den Körper dringt. Wenn die Muskeln sich anspannen. Wenn der Schweiß den Rücken runter rinnt. Wenn es angenehm dröhnt und kracht. Dann schlägt die Wucht zu, dann zeigt Livemusik, was sie kann: Bei der letzten Muff Potter-Tour skandierte ich die Zeile „Hast du früher auch Brühwürfel gelutscht, wenn du traurig warst, und wie machst du das jetzt?“ im warmen Bremer Schlachthof und sah im gleichen Moment einen anderen Verrückten, der ebenso skandierte und ich dachte nur so: Ja, man! Das wird im Herbst auch wieder so sein, wenn die Band mit ihrem neuen Album Klepto (18. September) unterwegs sein wird. Dann werden sie sicher ihre aktuelle Single Hast Du Den Müll Schon Runtergebracht spielen und dann werden alle aus voller Kehle singen: „Hast du heute Zeit für mich? Dieses Öl gehört ins Feuer, diese Wahrheit gehört ans Licht.“ Da steckt die gleiche Energie. Und der Track verkürzt die Wartezeit bis in den Herbst ganz wunderbar.

11.11.2026 Leipzig, Conne Island
12.11.2026 München, Strom
13.11.2026 Darmstadt, Centralstation
14.11.2026 Dortmund, FZW
18.11.2026 Bremen, Schlachthof
19.11.2026 Köln, Kantine
20.11.2026 Münster, Sputnikhalle
21.11.2026 Hamburg, Uebel & Gefährlich
26.11.2026 Erlangen, E-Werk
27.11.2026 AT-Wien, Flucc
28.11.2026 Berlin, Festsaal Kreuzberg


Catt
(Ms) Warum das alles? Warum jede Woche über neue Musik schreiben? Warum Musik machen? Warum auf Konzerte gehen? Warum Alben veröffentlichen? Warum neue Lieder schreiben? Einfache Antwort: Weil es sein muss! Es geht kein Weg daran vorbei. Nicht nur als wundervollste Beschäftigung überhaupt, sondern auch als Lebenselixier. Auftanken, träumen, auch mal weh tun, tanzen, feiern, fliegen. Das geht besonders gut bei der Musik von Catt. Die Allesspielerin begeistert seit vielen Jahren mit ihrer sehr zarten, intensiven und dann wieder wuchtig-tanzbaren Musik. Filigran, aber nicht zerbrechlich. Nachdenklich, aber nicht zermürbend. Und halt auch irre gut gemacht! So ein tolles Konzert von Catt kann man sich nun nach Hause holen, denn heute (!) veröffentlicht sie mit Alive ihre erste Platte mit Liveaufnahmen. Es ist kein Konzert, das in Gänze mitgeschnitten worden ist, sondern Ausschnitte von hier und da. Wundervoll ist es geworden. Bei Live-Alben spielt ja immer der Groove eine Rolle - kommt das rüber?! Und ob! Am Herbst kann man sich wieder livelive mitreißen lassen:

17.11.2026, Eupen - Alter Schlachthof
18.11.2026, Wiesbaden - Schlachthof
19.11.2026, Essen - Zeche Carl
20.11.2026, Hannover - Pavillon
21.11.2026, Karlsruhe - Tollhaus
23.11.2026, Hamburg - Mojo
24.11.2026, Berlin - Columbia Theater
25.11.2026, Dresden - Tante Ju
26.11.2026, Wien - Porgy & Bess
28.01.2027, München - Ampere
29.01.2027, Linz - Posthof
30.01.2027, Stuttgart - ClubCANN
31.01.2027, Winterthur - Salzhaus
02.02.2027, Köln - Kulturkirche
03.02.2027, Marburg - KFZ
04.02.2027, Jena - Kassablanca
05.02.2027, Leipzig - Täubchenthal


Ebow
(Ms) Kloß im Hals. Wie hier anfangen? Dieser Track ist vielleicht das härteste, was ich zuletzt hörte und sah. Und obendrein das Video. Ja, das Video gibt dem Lied eine Ebene, die so aufs erste Hören nicht ersichtlich ist. Auf einer Metaebene zeigt es, wie komplex Musik als Kunstform ist und wie sie glänzen kann. Also: Ebow hat mit Novoline eine neue Single veröffentlicht. Es geht um die Glücksspielsucht ihres Vaters und es ist zu großen Teilen aus Sicht des Spielautomaten geschrieben. Das ist schon mal richtig krass. Zudem ist Ebow eine Künstlerin, die ihre Musik fest mit ihrer familiären Geschichte verbindet. Der harte Kampf der Zugezogenen und ihr Zerren um einen Platz in dieser Gesellschaft, der ihr leider viel zu oft verwehrt wird. All das in einem Lied. So persönlich, so stark, so hart. Und sie setzt auf jeder Ebene einen drauf. Dieses Mal gibt es keinen wuchtigen Beat, nein, nein. Nur ein Cello. Und einen großen Chor. Und ihre Stimme. Wie krass kann Musik, kann Kunst denn bitte sein? Ebow setzt hiermit neue Maßstäbe. Im Texten. Im Komponieren. In einer Gänze als Künstlerin. Das ist groß, ganz groß! 

12.05.26 Freising – Uferlos Festival
06.06.26 Schmitten – Schmittner Open Air
19.06. Potsdam – über:morgen Festival
31.07.26 Bremen – TurnUp
01.08. Diepholz – Appletreegarden
08.10.26 Köln – Bürgerhaus Stollwerck
09.10.26 Bremen – Schlachthof
10.10.26 Hamburg – Fabrik
15.10.26 Leipzig – Werk 2
22.10.26 München – Ampere
23.10.26 Wien – WUK
24.10. Frankfurt – Zoom
28.10. Berlin – Columbiahalle


Lambchop
(Ms) Niemals hätte ich gedacht, dass ich mal diesen Satz schreibe: Das Banjo knallt hier auf ganz wunderbare Art und Weise. Denn oft tritt dieses Instrument in verstaubtem Country auf und macht da komische Sachen. Doch Kurt Wagner, Kopf von Lambchop, setzt dieses Instrument auf seinem neuen Album Punching The Clown (21. August) wirklich geschickt und wirkmächtig ein. Zum Beispiel auf der neuen Single Stella. Es leitet die Melodie und versprüht eine gewisse Euphorie, eine angenehme Leichtigkeit. Und auch einen gänzlich neuen Klang im großen Kosmos dieser Band. Beeindruckend, dass Kurt Wagner nicht müde wird, stets Neues auszuprobieren, immer von neuem Mut getrieben, von neuem Sinn für das Schöne. So wird die neue Platte ruhig. Das verwundert erstmal nicht. Aber nur mit Gesang, Chor, Gitarre und Banjo hat Lambchop auch noch nicht hantiert. Dass es so gut aufgeht, hätte ich nicht gedacht. Auch nicht mit Banjo.

Freitag, 12. Juni 2026

KW 24, 2026: Die luserlounge selektiert

Quelle: flaticon.com / Md Tanvirul Haque
Und jetzt kommt auch noch diese Fußballkacke dazu. Ist ja wirklich nicht genug sonst los, oder? Daher ist es auch wichtig, mal die kleinen, schönen Situationen des Alltags zu genießen. Also, auf:
Nummer 1 - Auf dem Weg von der Arbeit nach Hause muss ich hin und wieder an einer Ampel halten, an der direkt ein Kiosk ist. Die Tür ist meist offen, am Nachmittag noch nicht so viel los. Der Inhaber hatte aber laut Musik aufgedreht und in seinem eigenen Laden dazu getanzt. Herrlich - wie schön kann das Leben sein?
Nummer 2 - Auf dem Weg durch die Großstadt am vergangenen Wochenende die nächste wunderbare Begebenheit. Und sie war ganz kurz. Hallte aber lang nach. Ein Typ fuhr auf seinem Skateboard über die Ampel. So weit, so normal. Doch er hatte währenddessen (!) eine Gitarre in der Hand. Er sang und spielte, während er fuhr und überall leuchtete das gute Leben!

Interpol
(Ms) Die 00er-Jahre waren ja so intensiv und vollgepackt von großen Tönen, dass es beinahe unmöglich war, alles abzugrasen. Große Namen gingen mir immer wieder durch die Lappen. The XX, Bloc Party, Arctic Monkeys… nie gehört. Interpol gehören auch dazu. Bis eine ganz wunderbare Person in mein Leben trat und sie mir freudestrahlend präsentierte und ich dachte so: „Krass - wie ist das nur an mir vorbei gegangen?!“ Rätselhaftes Musikerleben. Wie dem auch sei… Im August veröffentlicht die Band ihr neues Album This Mirror Weights A Ton, das zugleich ihr erstes auf Partisan Records ist. Zwei Tracks haben sie direkt zur Ankündigung veröffentlicht. Der Titeltrack ist getragen, dicht, tief, groß und voll mit dem herrlich charakteristischen Gesang. See Out Loud dreht viel stärker die Gitarren auf und kickt gänsehautmäßig direkt ab dem ersten Takt, nimmt gegebenenfalls den Atem - großartig! Im Herbst gehen sie zusammen mit Bloc Party (!) auf Tour - Nostalgiefaktor mal tausend!

11.11.2026 Berlin – Uber Arena
12.11.2026 Hamburg – Barclays Arena
14.11.2026 Düsseldorf – PSD Bank Dome


JJerome87
(Ms) 2012 geschah etwas Besonderes. Neues. Nie da Gewesenes. Es war auf spektakuläre Art erschütternd. Und so, so, so gut! Alt-J traten in die Musikwelt ein und haben einen Sound erschaffen, der vollkommen ohne Vergleich war. An Awesome Wave ist ein moderner Klassiker. Dieses unglaublich Verspielte im Klang, diese coole Genauigkeit, das Unvorhersehbare. Nun veröffentlicht Frontmann Joe Newman unter dem Namen JJerome87 am 26. Juni sein erstes Solo-Album namens The Canyon. Der Sound ist schon sehr, sehr nah an der Band. Fast identisch. Das ist - in meinen Augen - auch ein wenig egal. Denn wichtig ist, dass diese Musik existiert. Dass sie fortgeführt wird. Dass sie strahlt und kickt. Und das tut sie auf sehr stabile Weise. Das macht so wahnsinnig viel Spaß und es ist so herrlich einfach, in die Tracks einzutauchen. Zum Beispiel in die aktuelle Single Mr. Alligator:


Nouvelle Vague
(Ms) Es gibt so viele gute Songs, die so lohnenswert sind zu covern. Zum Einen aus einem musikalisch-schönen Grund, zum anderen weil viele Lieder schon eine große Eigendynamik entwickelt haben. Enjoy The Silence von Depeche Mode zum Beispiel. Das Original ist ja schon der Oberwahnsinn, ich liebe auch die Version von Nada Surf. Nouvelle Vague haben sich den Track - und zahlreiche weitere - von Depeche Mode vorgenommen. Diese wunderbare Melancholie im Song, die Größe im Text, der Drive darin. Doch Nouvelle Vague gehen einen recht radikalen Cover-Weg. Sie spielen die Vorlagen in einem Bossanova-Stil. Südamerikanisch zurückgelehnt, mit angenehmer Tiefe und einem herrlich weichen Timbre aufgefüllt. Toll ist ihre Interpretation geworden. Das Wesen des Originals bleibt gleich und doch ist es völlig neu. Das ist die große Herausforderung beim Covern: Es nicht völlig verzerren, aber auch nicht einfach nur nachspielen. Das ist hier mehr als gelungen. Mehr davon gibt es dann am 30. Oktober A Date With Depeche Mode erscheinen wird.

05.08.2026 Bremen - Seebühne
06.08.2026 Braunschweig - Applaus Garten
14.08.2026 Jena - Kulturarena
15.08.2026 Leipzig - Parkbühne GeyserHaus


Ea Othilde
(Ms) Oft braucht es die ganzen Lieder, um richtig eintauchen zu können. Dann reicht eines nicht aus. Und gar nicht, weil es nicht gut sei oder so. Im Gegenteil. Aber mehr ist nun mal mehr. Und das ist gut so. Am 12. Juni veröffentlicht Ea Othilde mit You‘ll Leave The City eine 5-Track-EP, die richtig viel Kraft mit sich bringt. Im Fokus ganz klar ihre Stimme und die E-Gitarre - ja, man, dieses Jahr ist das Jahr der Rockmusik, oder? Sie spielt Alternative und Shoegaze, breitet große Flächen aus, lässt sie wirken und das Schlagzeug scheppern. Das macht ungeheuer viel Spaß. Die Musik ist dicht, eindringlich und strotzt vor Spielfreude der Norwegerin!


Euroteuro
(Ms) Eine gewisse Unaufgeregtheit. Ein Wandeln durch die Nacht. Ein leichter Rausch. Viele Gedanken, die durch den Kopf jagen. Eine Nacht, die nicht enden will. Die leichte Melancholie, die noch nie ihren Reiz verloren hat. Dazu ein Beat, der beschwingt, aber nicht zu sehr. Den Soundtrack dazu liefert Euroteuro mit der neuen Single Favourite. Die Synthies trommeln den Grundbeat, darüber flirren einige Effekte und eine wunderbar verträumte Stimme, die den Rausch anführt. Es ist die perfekte Musik, um durch lange, laue Sommerabende zu flanieren und die großen und kleinen Gedanken der Welt auseinanderzudenken. Darauf geht es auf der neuen Platte Magic, die am 25. September erscheinen wird. Der Blick richtet sich nach innen. Unter „Warum müssen wir sterben“ machen sie es nicht. Diese Themen setzen Energien frei - sie sind hörbar. Stark!