Wie oft ich von meiner Ausbildung profitiere. Das ist so richtig krass. Bachelor und Master und Referendariat und es hat so richtig gut geknallt. Letztens zum Beispiel. Da kam ich morgens in eine der Klassenräume und musste erstmal sauber machen, weil es gruselig aussah. Da kam mir sofort das Grundlagenstudium zur Geschichte des Besens in den Frontallappen geschossen. Beschaffenheit des Stiels, Dichte der Borsten, geschicktester Fegeweg. Alles war sofort wieder da. Genial! Auch den Aufbaukurs Mülltrennung aus dem Master konnte ich direkt wieder praxistauglich anwenden. Liegen gebliebene Obstreste?! Braune Tonne! Nutellacrepes auf der Fensterbank? Auch braune Tonne. Joghurtbecher? Obacht - gelbe Tonne. Zahlreiche Schnipsel Papier? Auch hier ist Vorsicht geboten - grüne Tonne. Ich bin meinen Eltern bis heute aus tiefstem Herzen dankbar, dass sie mich beim Studium finanziell unterstützt haben.
Muff Potter
(Ms) Wenn die Energie erst einmal durch den Körper dringt. Wenn die Muskeln sich anspannen. Wenn der Schweiß den Rücken runter rinnt. Wenn es angenehm dröhnt und kracht. Dann schlägt die Wucht zu, dann zeigt Livemusik, was sie kann: Bei der letzten Muff Potter-Tour skandierte ich die Zeile „Hast du früher auch Brühwürfel gelutscht, wenn du traurig warst, und wie machst du das jetzt?“ im warmen Bremer Schlachthof und sah im gleichen Moment einen anderen Verrückten, der ebenso skandierte und ich dachte nur so: Ja, man! Das wird im Herbst auch wieder so sein, wenn die Band mit ihrem neuen Album Klepto (18. September) unterwegs sein wird. Dann werden sie sicher ihre aktuelle Single Hast Du Den Müll Schon Runtergebracht spielen und dann werden alle aus voller Kehle singen: „Hast du heute Zeit für mich? Dieses Öl gehört ins Feuer, diese Wahrheit gehört ans Licht.“ Da steckt die gleiche Energie. Und der Track verkürzt die Wartezeit bis in den Herbst ganz wunderbar.
(Ms) Warum das alles? Warum jede Woche über neue Musik schreiben? Warum Musik machen? Warum auf Konzerte gehen? Warum Alben veröffentlichen? Warum neue Lieder schreiben? Einfache Antwort: Weil es sein muss! Es geht kein Weg daran vorbei. Nicht nur als wundervollste Beschäftigung überhaupt, sondern auch als Lebenselixier. Auftanken, träumen, auch mal weh tun, tanzen, feiern, fliegen. Das geht besonders gut bei der Musik von Catt. Die Allesspielerin begeistert seit vielen Jahren mit ihrer sehr zarten, intensiven und dann wieder wuchtig-tanzbaren Musik. Filigran, aber nicht zerbrechlich. Nachdenklich, aber nicht zermürbend. Und halt auch irre gut gemacht! So ein tolles Konzert von Catt kann man sich nun nach Hause holen, denn heute (!) veröffentlicht sie mit Alive ihre erste Platte mit Liveaufnahmen. Es ist kein Konzert, das in Gänze mitgeschnitten worden ist, sondern Ausschnitte von hier und da. Wundervoll ist es geworden. Bei Live-Alben spielt ja immer der Groove eine Rolle - kommt das rüber?! Und ob! Am Herbst kann man sich wieder livelive mitreißen lassen:
(Ms) Kloß im Hals. Wie hier anfangen? Dieser Track ist vielleicht das härteste, was ich zuletzt hörte und sah. Und obendrein das Video. Ja, das Video gibt dem Lied eine Ebene, die so aufs erste Hören nicht ersichtlich ist. Auf einer Metaebene zeigt es, wie komplex Musik als Kunstform ist und wie sie glänzen kann. Also: Ebow hat mit Novoline eine neue Single veröffentlicht. Es geht um die Glücksspielsucht ihres Vaters und es ist zu großen Teilen aus Sicht des Spielautomaten geschrieben. Das ist schon mal richtig krass. Zudem ist Ebow eine Künstlerin, die ihre Musik fest mit ihrer familiären Geschichte verbindet. Der harte Kampf der Zugezogenen und ihr Zerren um einen Platz in dieser Gesellschaft, der ihr leider viel zu oft verwehrt wird. All das in einem Lied. So persönlich, so stark, so hart. Und sie setzt auf jeder Ebene einen drauf. Dieses Mal gibt es keinen wuchtigen Beat, nein, nein. Nur ein Cello. Und einen großen Chor. Und ihre Stimme. Wie krass kann Musik, kann Kunst denn bitte sein? Ebow setzt hiermit neue Maßstäbe. Im Texten. Im Komponieren. In einer Gänze als Künstlerin. Das ist groß, ganz groß!
12.05.26 Freising – Uferlos Festival 06.06.26 Schmitten – Schmittner Open Air 19.06. Potsdam – über:morgen Festival 31.07.26 Bremen – TurnUp 01.08. Diepholz – Appletreegarden 08.10.26 Köln – Bürgerhaus Stollwerck 09.10.26 Bremen – Schlachthof 10.10.26 Hamburg – Fabrik 15.10.26 Leipzig – Werk 2 22.10.26 München – Ampere 23.10.26 Wien – WUK 24.10. Frankfurt – Zoom 28.10. Berlin – Columbiahalle
Lambchop
(Ms) Niemals hätte ich gedacht, dass ich mal diesen Satz schreibe: Das Banjo knallt hier auf ganz wunderbare Art und Weise. Denn oft tritt dieses Instrument in verstaubtem Country auf und macht da komische Sachen. Doch Kurt Wagner, Kopf von Lambchop, setzt dieses Instrument auf seinem neuen Album Punching The Clown (21. August) wirklich geschickt und wirkmächtig ein. Zum Beispiel auf der neuen Single Stella. Es leitet die Melodie und versprüht eine gewisse Euphorie, eine angenehme Leichtigkeit. Und auch einen gänzlich neuen Klang im großen Kosmos dieser Band. Beeindruckend, dass Kurt Wagner nicht müde wird, stets Neues auszuprobieren, immer von neuem Mut getrieben, von neuem Sinn für das Schöne. So wird die neue Platte ruhig. Das verwundert erstmal nicht. Aber nur mit Gesang, Chor, Gitarre und Banjo hat Lambchop auch noch nicht hantiert. Dass es so gut aufgeht, hätte ich nicht gedacht. Auch nicht mit Banjo.
Und jetzt kommt auch noch diese Fußballkacke dazu. Ist ja wirklich nicht genug sonst los, oder? Daher ist es auch wichtig, mal die kleinen, schönen Situationen des Alltags zu genießen. Also, auf:
Nummer 1 - Auf dem Weg von der Arbeit nach Hause muss ich hin und wieder an einer Ampel halten, an der direkt ein Kiosk ist. Die Tür ist meist offen, am Nachmittag noch nicht so viel los. Der Inhaber hatte aber laut Musik aufgedreht und in seinem eigenen Laden dazu getanzt. Herrlich - wie schön kann das Leben sein?
Nummer 2 - Auf dem Weg durch die Großstadt am vergangenen Wochenende die nächste wunderbare Begebenheit. Und sie war ganz kurz. Hallte aber lang nach. Ein Typ fuhr auf seinem Skateboard über die Ampel. So weit, so normal. Doch er hatte währenddessen (!) eine Gitarre in der Hand. Er sang und spielte, während er fuhr und überall leuchtete das gute Leben!
Interpol
(Ms) Die 00er-Jahre waren ja so intensiv und vollgepackt von großen Tönen, dass es beinahe unmöglich war, alles abzugrasen. Große Namen gingen mir immer wieder durch die Lappen. The XX, Bloc Party, Arctic Monkeys… nie gehört. Interpol gehören auch dazu. Bis eine ganz wunderbare Person in mein Leben trat und sie mir freudestrahlend präsentierte und ich dachte so: „Krass - wie ist das nur an mir vorbei gegangen?!“ Rätselhaftes Musikerleben. Wie dem auch sei… Im August veröffentlicht die Band ihr neues Album This Mirror Weights A Ton, das zugleich ihr erstes auf Partisan Records ist. Zwei Tracks haben sie direkt zur Ankündigung veröffentlicht. Der Titeltrack ist getragen, dicht, tief, groß und voll mit dem herrlich charakteristischen Gesang. See Out Loud dreht viel stärker die Gitarren auf und kickt gänsehautmäßig direkt ab dem ersten Takt, nimmt gegebenenfalls den Atem - großartig! Im Herbst gehen sie zusammen mit Bloc Party (!) auf Tour - Nostalgiefaktor mal tausend!
11.11.2026 Berlin – Uber Arena 12.11.2026 Hamburg – Barclays Arena 14.11.2026 Düsseldorf – PSD Bank Dome
JJerome87
(Ms) 2012 geschah etwas Besonderes. Neues. Nie da Gewesenes. Es war auf spektakuläre Art erschütternd. Und so, so, so gut! Alt-J traten in die Musikwelt ein und haben einen Sound erschaffen, der vollkommen ohne Vergleich war. An Awesome Wave ist ein moderner Klassiker. Dieses unglaublich Verspielte im Klang, diese coole Genauigkeit, das Unvorhersehbare. Nun veröffentlicht Frontmann Joe Newman unter dem Namen JJerome87 am 26. Juni sein erstes Solo-Album namens The Canyon. Der Sound ist schon sehr, sehr nah an der Band. Fast identisch. Das ist - in meinen Augen - auch ein wenig egal. Denn wichtig ist, dass diese Musik existiert. Dass sie fortgeführt wird. Dass sie strahlt und kickt. Und das tut sie auf sehr stabile Weise. Das macht so wahnsinnig viel Spaß und es ist so herrlich einfach, in die Tracks einzutauchen. Zum Beispiel in die aktuelle Single Mr. Alligator:
Nouvelle Vague
(Ms) Es gibt so viele gute Songs, die so lohnenswert sind zu covern. Zum Einen aus einem musikalisch-schönen Grund, zum anderen weil viele Lieder schon eine große Eigendynamik entwickelt haben. Enjoy The Silence von Depeche Mode zum Beispiel. Das Original ist ja schon der Oberwahnsinn, ich liebe auch die Version von Nada Surf. Nouvelle Vague haben sich den Track - und zahlreiche weitere - von Depeche Mode vorgenommen. Diese wunderbare Melancholie im Song, die Größe im Text, der Drive darin. Doch Nouvelle Vague gehen einen recht radikalen Cover-Weg. Sie spielen die Vorlagen in einem Bossanova-Stil. Südamerikanisch zurückgelehnt, mit angenehmer Tiefe und einem herrlich weichen Timbre aufgefüllt. Toll ist ihre Interpretation geworden. Das Wesen des Originals bleibt gleich und doch ist es völlig neu. Das ist die große Herausforderung beim Covern: Es nicht völlig verzerren, aber auch nicht einfach nur nachspielen. Das ist hier mehr als gelungen. Mehr davon gibt es dann am 30. Oktober A Date With Depeche Mode erscheinen wird.
(Ms) Oft braucht es die ganzen Lieder, um richtig eintauchen zu können. Dann reicht eines nicht aus. Und gar nicht, weil es nicht gut sei oder so. Im Gegenteil. Aber mehr ist nun mal mehr. Und das ist gut so. Am 12. Juni veröffentlicht Ea Othilde mit You‘ll Leave The City eine 5-Track-EP, die richtig viel Kraft mit sich bringt. Im Fokus ganz klar ihre Stimme und die E-Gitarre - ja, man, dieses Jahr ist das Jahr der Rockmusik, oder? Sie spielt Alternative und Shoegaze, breitet große Flächen aus, lässt sie wirken und das Schlagzeug scheppern. Das macht ungeheuer viel Spaß. Die Musik ist dicht, eindringlich und strotzt vor Spielfreude der Norwegerin!
Euroteuro
(Ms) Eine gewisse Unaufgeregtheit. Ein Wandeln durch die Nacht. Ein leichter Rausch. Viele Gedanken, die durch den Kopf jagen. Eine Nacht, die nicht enden will. Die leichte Melancholie, die noch nie ihren Reiz verloren hat. Dazu ein Beat, der beschwingt, aber nicht zu sehr. Den Soundtrack dazu liefert Euroteuro mit der neuen Single Favourite. Die Synthies trommeln den Grundbeat, darüber flirren einige Effekte und eine wunderbar verträumte Stimme, die den Rausch anführt. Es ist die perfekte Musik, um durch lange, laue Sommerabende zu flanieren und die großen und kleinen Gedanken der Welt auseinanderzudenken. Darauf geht es auf der neuen Platte Magic, die am 25. September erscheinen wird. Der Blick richtet sich nach innen. Unter „Warum müssen wir sterben“ machen sie es nicht. Diese Themen setzen Energien frei - sie sind hörbar. Stark!
(Ms) Wenn man nicht regelmäßig nach Hamburg für Konzerte fährt, kann es durchaus Überraschungen geben. Zum Beispiel die aktuelle Adresse des Molotow. Die Miet-Odyssee hat den Club ins alte Moondoo getrieben, wo er wohl noch mindestens bis 2037 bleiben kann. Heißt auch: ein quasi neuen Club auf der Erlebnisliste. Richtig schön ist es drinnen. Gemütlich und sehr geschmackvoll eingerichtet, rot leuchtende Elemente auf dem Boden und unter der Decke. Der Unterschied zwischen dem Treiben vor der Tür und dem, was danach drinnen passiert, könnte kaum größer sein, als bei einem Konzert von Get Well Soon. Nach vier Jahren ist Konstantin Gropper mit seiner großartigen Band endlich wieder auf Tour und hat die aktuelle, außergewöhnlich rockige Platte Minus The Magic mit im Gepäck.
Drückend war die Luft drinnen. Der nass-warme Frühsommer macht auch im Club keinen Halt. Ohne Vorband ging es um kurz nach acht los und für zwei Stunden spielt sowohl das Gewusel auf der Reeperbahn als auch die Luftfeuchtigkeit keine Rolle. Für mich überraschend als Quartett statt zu Sechst haben Get Well Soon gezeigt, wie unfassbar gut, intensiv, kraftvoll und schön Rockmusik sein kann. Im Zuge der Veröffentlichung des aktuellen Albums meinte Konstantin Gropper, dass seine Band wohl schon seit vielen Jahren als fehlgeschlagenes Comedy-Projekt wahrgenommen wird. Seine Ansagen sind auf jeden Fall unterhaltsamer geworden. Die Lieder haben natürlich alle immer noch einen ernsten, mitunter dramatischen Ton, der aber immer vor Größe nur so strotzt.
Beeindruckend, wie gut alle Musiker auf der Bühne sind. Wie sie ihre Instrumente beherrschen, wie genau und unglaublich gut abgestimmt sie spielen. Bei der Komplexität einiger Lieder ist deutlich zu vernehmen, was für ein guter Geist in der Band herrscht - sonst würde das alles nicht funktionieren.
Im Fokus standen klar die Lieder von Minus The Magic. Durchaus erstaunlich war die Auswahl aller anderen Lieder. Einige „Hits“ wie It‘s Love, auch wenn der einzige Hit des Abends laut Konstantin Gropper ein Cover war, ließ die Band außen vor. Seltsam ist, dass mir eine Zuordnung der Titel bei Get Well Soon immer etwas schwer fällt, obwohl ich die Band seit gut 17 Jahre höre und wirklich oft sah. Egal. Die Tracks waren unabhängig vom Hit-Potential hervorragend ausgesucht und auch in eine tolle Reihenfolge gebracht. Ein paar ruhige Pausen dienten dazu, im phasenweisen Gitarrengewitter mal durchzuatmen. Am stärksten bleib mir The Golden Toilet Heist in Erinnerung, da es wunderbar schepperte und die Instrumente an ihr Äußerstes gebracht wurden - insbesondere der wunderbar glitzernde Bass von Sebastian Brödner. Und auch wenn Paul Kenny mal wieder kräftig auf die Becken schlug, Maximilian Schenkel zwischendurch neben der E-Gitarre zwei verschiedenen (!) Trompeten spielte und Marcus Wuest gleichzeitig Keyboard und Trommel spielte, herrschte eine enorme Gelassenheit auf der Bühne. Beeindruckend! Seitdem ich die Band 2009 zum ersten Mal sah, haut sie mich jedes Mal wieder vom Hocker, wenn ich sie live sehe. Was für eine wunderbare, wuchtige, energievolle und einfach schöne Kunst, die mit Angry Young Men als Abschluss ein heftiges wir-geben-nochmal-alles-Ende fand!
Zum Glück kommt im Herbst noch eine Platte und dann eine weitere Tour.
Am 24. Januar spielen sie im Hamburger Mojo - weitere Termine folgen sicher bald.
(Ms) Dieses Festival sollte dringend seinen Namen ändern. Er scheint kein gutes Omen zu sein. Bereits im letzten Jahr, bei der ersten Auflage des Fair Weather Festes, regnete es sommerlich. So auch an diesem Wochenende. Oder: Man könnte es auch umdrehen. Vielleicht ist dieses eher mäßige Wetter ja auch ein gutes Omen für diese äußerst feine Veranstaltung. Denn, wie im letzten Jahr, haben die Macher, die Bands und all die Menschen vor und hinter den Bühnen und an allen Theken für ein großartiges Erlebnis gesorgt. Ein Indoor-Festival zum Genießen, Treibenlassen, Entdecken und Sich-Verlieren. Selten war es leichter als hier zwischen Calavera, Lila Eule, Lagerhaus, Eisen, Titus, Black Plastic Records und Horner Eckhaus. Aus organisatorischen Gründen (siehe bald im nächsten Posting) war ich nur am Freitag da, aber es war einfach nur irre!
Irre warm war es bei Jule in der Lila Eule, wo ich leider zu spät gekommen bin. Um kurz vor sechs war es erstens schon sehr voll und zweitens leider sehr schwül und drückend. Also weiter ins Eisen, erstmal ein Bier genießen und auf Turbobart warten. Wie fast alle anderen Acts kannte ich den Münsteraner Musiker nicht und wurde wunderbar überrascht. Mit der Klampfe in der Hand und dem Herz auf der Zunge sang er eine halbe Stunde aus seinem Innersten. So viel Inbrunst war wirklich beeindruckend. Das ist es doch, worum es geht. Identifikation mit der Musik, mit der Kunst. So ist es ganz leicht, als Zuhörender einzutauchen, mitzugehen. Und wenn er dann noch Kettcar und Muff Potter covert, ist doch wirklich alles gut. Was für ein emotionaler, wunderbarer Auftakt in den Abend. Also schnell rüber ins Lagerhaus. Das ist ja das Geniale an diesem Festival: Alles ist nur wenige Schritte voneinander entfernt. Immer kurz frische Luft schnappen oder was zu essen. Weiter bei Abramowicz, die mit sechs Leuten die Lagerhaus-Bühne platzmäßig ausreizten. Dem streng getakteten Zeitplan zum Trotz legten sie kraftvoll und energiegeladen los und haben mich sofort in den Bann gerissen. Sehr melodisch, sehr treibend und in Bewegung setzend. Das hat ungeheuer viel Spaß gemacht - eine phantastische Band! Doch was danach im Eisen geschah, war „leider“ noch etwas phantastischer. Denn der heimliche Hauptact des Tages lud zur Eskalation ein: Dramatist. Die Band, die quasi am Ort des Geschehens geboren wurde, zeigte extrem eindrucksvoll, dass alle Vorschlusslorbeeren absolut berechtigt sind. Es war klug, früh da zu sein, denn drinnen füllte es sich schnell - nachvollziehbarer Weise. Doch auch draußen lauschten zahlreiche aufmerksame Ohren vor dem offenen Eisenfenster. Eine halbe Stunde Druck. Eine halbe Stunde pure Energie. Eine halbe Stunde kompletter Wahn. So intensiv, so tief. Irre, wie die Macht dieser Musik den Leuten auf der Bühne ins Gesicht geschrieben war. Sie haben alles gegeben und alle mitgenommen. Im Januar haben sie ihr erstes Album Wasting Words veröffentlicht und es ist brutal gut! Erstmal durchatmen danach. Ich habe mir eine kleine Pommespause gegönnt, war kurz bei Between Bodies, doch ich habe gemerkt, dass eine Pause sehr sinnvoll war. Kurzer Reset nach Dramatist.
Weiter ging es für mich bei Eaten By Snakes im Eisen, sympathisch, aber blieb nicht so sehr hängen. Als auf zum letzten Act des Abends: Brockhoff im Lagerhaus. Und plötzlich traf mich der Schlag. Müdigkeit kickte in einem ganz bösen Grad, aber noch einmal aufraffen! Leider hat mich das Quartett nicht mehr abholen können. Ihre Musik war schön, aber sie hat mich nicht berührt.
So bin ich voll gepackt mit Eindrücken und neuen Tönen aufgebrochen. Erneut, wie im letzten Jahr, war ich ganz schön beeindruckt, was das Team hinter dem Fair Weather Fest so auf die Beine stellt. Da ziehen echt alle mit. Über 30 Programmpunkte an zwei Tagen. So viele glückliche Gesichter auf den Bühnen, hinter den Theken und überall dazwischen und davor. Wenn einem Livemusik am Herzen liegt, sollte diese Veranstaltung einen festen Platz im Kalender fürs nächste Jahr haben. Denn dann geht es in die dritte Runde und hier gibt es Tickets zu extrem fairen Preisen! Ich freue mich jetzt schon wieder, viel, viel Neues zu entdecken! Und ganz ehrlich: Scheiß aufs Wetter!
(Ms) Ist das Handy seltener in der Hand, strömt mehr Gelassenheit und Entspannung durch den Körper. Allein schon die Abwesenheit dieses Gerätes beruhigt den Menschen. Krass, oder? Letztens habe ich seit langer, langer Zeit mal wieder einen handyfreien Tag gemacht und es war super. Memo an mich: Ich sollte es öfter tun. Doch was haben diese Begebenheiten in einem Musikblog verloren? Ganz einfach: Weniger Hektik bedeutet eben auch mehr Aufmerksamkeit für ruhige Töne. Diesen Freitag, am 5. Juni, erscheint das neue Album der Musikerin Laura Misch. Lithic heißt es, was so viel wie „von der Natur her steinartig“ bedeutet. Laura Misch ist eine außergewöhnliche Musikerin. Sie hat den Mut zur Langsamkeit. In ihrem Werk, das irgendwo zwischen Jazz und Ambient verortet ist, spielt das Saxophon eine große Rolle. Es ist ihr ursprüngliches Instrument, das sie im Laufe der Zeit um viele andere Klänge erweitert hat. Doch die Klänge des tollen Holzblasinstrumentes scheinen immer wieder durch die Lieder dieser neuen Platte, bilden oft ihre Grundlage. Laura Misch hat nicht nur Rhythmen, Melodien und Gesang eingefangen, sondern auch Töne aus der Natur, sogenannte Fieldrecords. Sie lebte eine Zeit lang in Dungeness, an der Küste Südostenglands. Stein und Wasser. Das sind die wesentlichen Kennzeichen. Dazu: Zeit und Ruhe. In einer Haltung so sehr in der Natur zu leben, ist diese Musik entstanden. Sie ist vollkommen unaufdringlich und darf unter keinen Umständen nebenbei gehört werden. Ein gewisser Grad der Aufmerksamkeit sollte auf jeden Fall aufrecht erhalten sein. Dann breitet sich eine Ruhe und Tiefe aus, die eventuell nur Meditation bescheren kann. Ja, dieses Album, diese wunderschöne Kunst, ist zutiefst meditativ. Doch überhaupt nicht einschläfernd, sondern mit einer konzentrierten Energie im Hier und Jetzt. Teils melancholisch, doch durchaus hell. Hin und wieder schweifen elektronische Klänge durch die Lieder, dann ist der Rhythmus so pulsierend, dass diese Musik einen sehr organischen, körperlichen Geist entwickelt. Das ist wunderschön und fast etwas erschreckend. Ungewohnt, da so selten zu hören. Wenn es auf einmal regnet im Stück, ist das mal kein Wunder. Die Musikerin schlug auch auf Steine, um gewisse Klangfarben zu erzeugen. Das ist sehr, sehr beeindruckend. Die Ruhe dieser Kunst - aber auch ihr immer wieder auftretender Drive - ist durch ihren Charakter ja wieder politisch. In all seinen leisen Phasen schreit Lithic ja nach Ruhe, Frieden und Ausgeglichenheit. Nach einem Pendant zu unserer digitalen Gegenwart. So kraftvoll kann das Leise sein.
Na endlich, Sommer, da bist du ja. Hast ja ein wenig auf dich warten lassen. Kannst es (gerne nachts) mal wieder regnen lassen, aber diese warmen Tage lasse ich mir gefallen. Die ersten Festivals gingen schon über die Bühne, die nächsten kommen. Ich hab Bock, ich bin dabei. Die größte Vorfreude habe ich auf das Watt En Schlick Ende Juli in Dangast. Ein feines Festival voller Perlen. Seit ein paar Wochen erscheinen immer wieder Bestätigungen. Doch so richtig zünden tun sie - wie letztes Jahr - auch nicht. Es ist klar, dass so ein kleines Festival keine Riesennamen anziehen kann. Aber die Veranstaltenden haben oft schon ein sehr gutes Händchen bewiesen. Diese Gewissheit ist die einzige, die meine Vorfreude hoch hält. Ja, es sind ein paar gute Acts dabei wie Martin Kohlstedt, Heinz Strunk und Meute. Dabei ist wichtig: Mich zieht es noch nicht vom Hocker. Das ist nur meine Meinung. Auch im letzten Jahr gab es zahlreiche Überraschungen. Nur eine Band sah ich vorher schon mal. Daher kleines Memo an mich: Freu dich, Schreiberling, dann hast du wieder viel zu entdecken und drüber zu berichten. Stream of Consciousness Ende.
Audio88 & Yassin
(Ms) Der Hass ist zurück. Und die Ironie. Und irgendwie doch auch zwei ganz wunderbare Typen, die einfach eine hervorragend provokative Rolle spielen. Audio88 und Yassin haben mit Zeit Zu Sterben seit einigen Tagen eine neue Platte draußen und sie knallt so, wie sie knallen muss, wenn diese beiden das Mikrophon in die Hand nehmen. Die Tritte gegen die Obrigkeit, die Standfestigkeit auf dem Rap-Thron - es bleibt alles beim Alten. Halt nur in richtig frischem Gewand. Insbesondere die Beats stechen heraus, sind frisch, elektronisch aufgepeppt zum Teil und sehr progressiv. „Den Nachbarn mit der Deutschlandflagge fresse ich zum Frühstück“ heißt es in Hunger. Der Feind ist klar ausgewiesen. Und noch klarer wird er auf Komm Ran. Eine wahre Kampfansage an Friedrich Merz. Die Gerüchte um den Wechsel im Kanzleramt kommen nicht aus der Hauptstadtpresse, sondern von diesen beiden knuffigen Typen. Mitten in die Fresse. So, so gut!
Laura Misch
(Ms) Wann und wie durchatmen? Ja, die Welt hält uns mit sehr viel Dunkelheit in Atem. Doch es gibt doch so viel Schönes und Gutes. Jeden Tag! Das ist wirklich so. Man muss nur hinschauen. Und so wundervolle, zarte, klare Musik. Zum Beispiel von Laura Misch! Ihr neues Album Lithic erscheint kommende Woche und bringt einen warmen, erdverbundenen Sound mit sich. Die Grundstimmung ist langsam, das Licht ist behütend, der Puls ganz niedrig. Die Musikerin hat Klänge aus der Natur eingefangen und spielt damit. Es ist Jazz, es ist Ambient, es ist Ruhe gewordene Musik. Hier ein paar Streicher, dort ein paar Bläser, in der Mitte immer wieder eine sanfte, schöne Stimme. Laura Misch schenkt uns Musik, die nicht nebenbei funktioniert. Dann wäre sie weg. Sie funktioniert nur, wenn wir sie zulassen. In Ruhe und mit Aufmerksamkeit. Das ist große Kunst! Das ist wundervoll!
The Dresden Dolls
(Ms) Never change a winnig Team. Oder eine erfolgversprechende Strategie. Viele Bands gehen - schon seit einigen Jahren - auf Album-Jubiläums-Tour. Meist wird dafür das gefeierte Album nochmal aufgelegt. Was bei vielen anderen gut funktioniert, weil Nostalgie geweckt wird, wird sicher auch bei The Dresden Dolls funktionieren. Dieses vollkommen verrückte Duo veröffentlichte 2006 Yes, Virginia und am 7. August wird es in einer überarbeiteten Version nochmal erscheinen. Außerdem geht diese Band auf Tour. Die Musik dieser Gruppe ist eines: hochgradig intensiv. Getrieben. Wild. Direkt. Fast anstrengend. Genial und von viel musikalischem Sachverstand zeugend. Happy Birthday!
My Ugly Clementine
(Ms) Die Zeichen verdichten sich. Es ist ja auch schon beinahe Mitte des Jahres. 2026 kommen die Gitarren zurück. Hier und da waren sie noch nie zu hören. Und einige andere drehen sie wieder richtig auf. Klangen My Ugly Clementine auf ihren beiden schon veröffentlichten Tracks etwas melancholisch und schwermütig, drehen sie auf Head In The Air nun wieder die Verstärker auf. Und zwar soweit, dass sie drei Österreicherinnen es ganz schön krachen lassen. Wie der Titel schon sagt, wird hier der Kopf hoch gereckt und selbstbewusst aufgetreten. Insbesondere dann, wenn man sich eine Beziehung nicht mehr gefallen lässt. Dann heißt es: Ausbrechen, losreißen, wieder selbst bestimmen. So wird dann auch der Titel der neuen Platte heißen: ApplyAutonomy. Sie erscheint am 4. September und wird sicher noch mehr mitreißenden Gitarrenrock dabei haben - pure Vorfreude!
Soft Loft
(Ms) Was wäre wenn… Hach, der gute alte Konjunktiv. Ach, das schöne Schwelgen in Eventualitäten der Vergangenheit. Was wäre draus gewesen, wenn wir noch zusammen wären? Vermisst du mich manchmal auch noch? Treffen wir uns wohl mal wieder? Wir hatten doch so schöne Pläne! Aber ich wollte mich auch noch nicht festlegen. Es hätte ja noch größer, schöner, toller, freier sein können.
Wer kennt diese Gedanken nicht?! Eben. Soft Loft aus der Schweiz singen genau über diese Gedanken auf ihrer aktuellen Single F U WANT IT. Dabei spielen sie nicht nur sehr schön mit Ideen, sondern auch mit Harmonien und Energie. Im Grunde genommen ist es ein ruhiges folk-poppiges Stück, doch die Akustikgitarren und die Dringlichkeit im Gesang ist mitreißend! Am 4. September gibt es mehr davon, dann erscheint ihre neue Platte Throw The Dice.
(Ms) Aufgepasst - diese Platte ist hochgradig spannend! Zum Einen bewegt sie sich klanglich in krassem Pop, zum Anderen wird hier stark mit Rhythmen und Sounds experimentiert. Gemeinsam macht das sehr viel Spaß, weil ständig Überraschungen lauern. Obendrein geht es um die wunderbare Intensität des Lebens. Um Mut in alle Richtungen.
Erschaffen hat diese Musik Káryyn. Was für ein sehr spannender Name: Die Künstlerin hat Wurzeln in Amerika, Armenien und Syrien. Zum Teil macht sich das auch in ihrer Musik bemerkbar. Nun, am 29. Mai, veröffentlicht sie ihr neues Album Physics Universal Love Language (PULL).
Den Beginn macht direkt eines der stärksten Lieder der Platte. Collapse Phase heißt es. Sofort zeigt sie, was für eine kräftige, aber auch wunderschöne Stimme sie hat. Langsam baut sich das Stück auf, rhythmische Spielereien bauen Spannung auf. Nach dem ersten Refrain zeigt sie, wie groß ihr Sinn für große Töne ist. Mit viel Bass und allerhand Synthie-Kniffelei baut sie wirklich große Flächen auf und lässt sie wieder einstürzen. Das kann sonst nur Björk. Natürlich hinkt der Vergleich, doch Káryyns Musik ist so einzigartig, dass er irgendwie hinhaut.
Elsewhen ist wirklich großer Pop. Ganz, ganz großer. In seiner angenehmen Schlichtheit, aber auch in seiner elektrisierenden Eingängigkeit. Auch auf Further We Fall zeigt sie, was für einen irren Stimmumfang sie hat und wie präzise sie ihn einsetzen kann. Hier ist klar: Die Künstlerin hat nicht nur sehr viel Know-How bezüglich intensiver Arrangements, sondern sie ist auch wahre Musikerin. Irre! Viel Spannung liegt auch wieder bei Ground in der Luft. Die Takte flirren und erneut sind es zahlreiche rhythmische Elemente, die den Hörgenuss sehr weit nach oben schrauben. Das macht ungeheuer viel Spaß! Auf Pull zeigt Káryyn, dass neben Pop auch Techno geht. Über sechs Minuten erstreckt sich dieses Stück und es geht immer mehr in die Beine, baut sich hervorragend auf, gönnt sich ein paar Pausen und hält ständig die Intensität hoch. Das geht auch deswegen, da es nicht immer harmonisch und in Dur sein muss. Es darf gerne mal knarzen und in Schieflage geraten.
Das Album folgt einem klaren Plan. Es ist auf 432 Hertz gepolt. Die Frequenz, der man nachsagt, sie heile durch ihre Schwingungen. Ist PULL also Arznei? Ja, gewissermaßen schon. Diese Musik strahlt ganz viel Kraft aus, viele große Flächen, viel Herz, viel Energie. Es ist deutlich zu vernehmen, dass die Künstlerin in den Stücken ihr ganzes Selbst gelassen hat. Keeper ist so ein Song, der durch seine Dichte und Dringlichkeit stellvertretend dafür stehen kann. Irre.
So zeigt Káryyn, wie variabel und wenig festgelegt Pop sein kann. Tanzbar, mitunter aufputschend, beruhigend. Heilbar, ja. Das ist - zusammengefasst - sehr gut!
Wird ein fast totes Genre dieses Jahr wirklich wiederbelebt? Die Spatzen pfeifen es von den Dächern! Beyoncé und Charlie XCX lassen die Gerüchteküche brodeln. Wird der Dancefloor leer gefegt und kommen die geballten Fäuste zurück? Nein, nicht die Zuschlagenden, sondern die, die die Energie rauslassen wollen. Oder müssen. Eine Energie, die nur die verstärkten Gitarren erzeugen können!
In jedem Fall ist da reichlich Nostalgie dabei. Auch Konstantin Gropper schaut ein wenig zurück. Nun ist er in der Mitte des Lebens angekommen und legt mit Minus The Magic eine Platte vor für das gleiche Klientel: die Mitte des Lebens. Die Jugend ist definitiv abgeschlossen, die Findungsphase eventuell auch, da hat sich etwas Neues aufgetan. Das Erwachsenendasein bringt Herausforderungen mit sich, die vorher fremd waren: Wo kommt denn nun der Kick neben all dem Haushalt, Kinder von A nach B fahren, Unkraut jäten und Stromkosten im Blick halten?
Vielleicht mit dem Rock. 11 Tracks gibt es auf der neuen Get Well Soon-Platte zu hören. Zum ersten Mal hat er sie mit seiner Band live eingespielt. Auch das ein Trend, der vereinzelt zu beobachten ist - The Notwist taten es auf ihrer aktuellen Platte auch. Ganz neu sind einige Tracks aber gar nicht. Fünf Stücke gab es 2014 schon auf der The Lufthansa Heist-EP zu hören, die eingefleischte Gropper-Fans natürlich als 10“ im Regal stehen haben. Pfiffigerweise gibt es sie bei Spotify derzeit nicht mehr zu hören. Warum sie 12 Jahre später nochmal aufgelegt werden?! Der Musiker meint, er sei damals irgendwie zu jung für diesen rohen Klang gewesen. Vielleicht haben diese fünf extrem starken Songs auch einfach nur bis zum richtigen Moment gewartet, bis sie richtig knallen. Jetzt ist es soweit!
Denn knallen tut es eine Menge auf Minus The Magic! Wenn, dann halt richtig. Konstantin Gropper hat nie halbe Sachen gemacht. Es war immer schon alles wahnsinnig gut durchdacht. Und konzipiert. Denn auch die neue Scheibe ist - zumindest vom Sound her - absolut nach einem roten Faden ausgerichtet. Und sie scheppert so, wie diese Band noch nie gescheppert hat.
Ist diese Kraft genau die richtige, um in der Mitte des Lebens nochmal richtig Vollgas zu geben?! Zu 100%! Ich erlebte mich schon zu The 4-3 Days durchs Wohnzimmer springen - was für ein riesiger Spaß!
Dieser erste Song hat es direkt komplett in sich! Und vielleicht waren Get Well Soon noch nie so passend eingängig wie auf einigen Tracks diesen Albums. Es wird Kurt Cobain - Konstantin Groppers Held der Jugend - gehuldigt, die grenzenlose Freiheit der Jugend wird abgefeiert, es strahlt an allen Ecken und Enden, die Verstärker sind aufgedreht.
Doch auch keine Get Well Soon-Platte ohne große Gesten. Sie funktionieren auch im Rock. Die erste Single OK ist ein hervorragendes Beispiel. Das Arrangement ist fulminant, die Saiten krachen und der Refrain will das Unmögliche möglich machen, Primzahlen teilen und Pantomime erzählen lassen. In der zweiten Strophe wieder eine Huldigung einer anderen Größe aus vergangenen Tagen: Robert Görl, der einst den Mussolini tanzen ließ. Das Ende des Tracks ist so herrlich Get-Well-Soonig vorhersehbar - kurz ausklingen lassen, um es noch einmal krachen zu lassen. Ein Rezept, das immer scho aufging. Genial! Beinahe schon komisch. Und das ist auch eine Seite des Multiinstrumentalisten. In all der Dramatik, die den Klang der Band immer ummantelt hat, ging stets unter, dass eine Spur Ironie und Witz stets vorhanden war. Ich erinnere mich an einen Auftritt, wo er meinte, doch lieber ein Witzbuch neben dem Mikro liegen haben zu wollen, um zwischendurch die Stimmung aufhellen zu wollen. Auch der Titel der Platte ist ja nicht ganz ernst gemeint. Nein, nein, die Magie ist in der Mitte des Lebens doch nicht vorbei. Sie ist halt nur woanders.
Zur Ironie passt auch The Golden Toilet Heist, eine wahre Geschichte, die sich in diesem Song verbirgt: 2019 wurde in England eine goldene Toilette namens „America“ aus einem Museum geklaut und wahrscheinlich eingeschmolzen. Das ganze soll nur fünf Minuten gedauert haben, eine mehr als das Stück lang ist. Ein Stück, auf dem es zum Ende hin in aller spannenden Atmosphäre ballert und scheppert. Konstantin Gropper schlüpft in die Rolle der Diebe und singt vom Nervenkitzel. Gänsehaut.
Und dann passiert etwas, das kaum vorhersehbar war: Ich dachte Us Vs Evil vom Vorgängeralbum war schon wild und heftig. Tja. Nun kommt When They Cheer You‘re Wrong und setzt neue Maßstäbe. Wut, noch schnellere Gitarren und ungeahnt bissige Seitenhiebe ins politische Establishment. Sang er 2010 noch von Angry Young Men ist er nun selbst ein zorniger, mittelalter Mann geworden, der am Ende dieses Songs mit Rhythmen und Erwartungen spielt und Boxen bersten lässt. Krass! Stark!
Auch zum Ende knallt und scheppert es wuchtig. Staying Home ist rockig-großartig und That‘s Not Me bildet das tolle Finale: mit zwinkerndem Auge und teils auf Französisch fragt Konstantin Gropper, dass es doch reiche, die Liebe fest zu krallen. Oder? Ja, klar! So endet ein überraschendes Album. Vier Jahre war es sehr, sehr still um Get Well Soon. Ich hatte schon Sorge, dass sich eine meiner liebsten Bands heimlich und leise verabschiedet. Umso lauter, krachender, frischer, griffiger sind sie 2026 da. Im zwanzigsten Jahr der Band, wenn zum Ende des Jahres eine weitere Platte kommen soll. Und Tourdaten. Und erstmal durchatmen nach diesen mitreißenden 46 Minuten und 43 Sekunden. Let There Be Rock!
Bevor am Samstag der Sielwall grün-weiß geflutet wird und während DJ Bobo in der ÖVB Arena spielt, passieren im Lagerhaus ganz andere, wunderbare Dinge. Voodoo Jürgens ist nämlich auf Tour und hat wieder im Viertel Halt gemacht, so wie zu den letzten beiden Alben auch schon. Gschnas heißt die aktuelle Platte und irgendwie ist die Veröffentlichung komplett an mir vorbei gegangen. Ich kannte bis zum Konzert kein einziges Lied. Und das bei einer Band, die mir doch sehr am Herzen liegt. Sachen gibt‘s…
Gschnas ist nicht nur ein tolles Wort und das neue Voodoo-Album, sonders es bezeichnet einen ausgelassenen Maskenball. Nein, maskiert war niemand im zu zwei Dritteln gefüllten Lagerhaus. Aber der Abend begann in jedem Fall gewissermaßen mysteriös.
Palinstar eröffneten einen wilden, tanzlastigen Abend. Das Schweizer Duo bestand aus Drummer und Sängerin/Gitarristin und ich bin mir nicht so sicher, ob beide selbst wussten, was in ihren Liedern genau passiert. Sicher hatte das alles einen Plan, aber einen derart scheinbar improvisierten Auftritt habe ich noch nie gesehen. Mal wuchtig, mal irre verträumt, mal zart und dann wieder kräftig. Viel verschobene Rhythmen, viele gebrochene Verse, aber wunderschönerweise insgesamt doch sehr harmonisch und melodisch. Die beiden haben irgendwie gezaubert. Das war toll!
Toll war auch, was gut 100 Minuten danach passiert ist. Alle, die Voodoo Jürgens und seine unglaubliche Band, die Ansa Panier, schon mal live gesehen haben, wissen, was für ein Spektakel lauert. Nein, es ist nicht immer alles zu verstehen. Doch das entspannte Nachlesen seiner Texte lohnt sehr! Denn Voodoo Jürgens ist nicht nur ein guter Showman, ein toller Tänzer und Sänger mit unverwechselbarer Stimme, sondern auch ein begabter Lyriker und Poet. Ist so! So spielen seine Geschichten oft in den abseitigen Straßen und Lebenswegen, in Kneipen, am Telefon, im Casino, auf dem Friedhof, in der Nacht.
Akkurat und ohne anbiedernd genau zu sein, spielt seine Band. Diese fünf Musiker verdienen ein großes Lob. Sie tragen den österreichischen Wahnsinnspolka mit Inbrunst und viel, viel musikalischer Raffinesse! Wow! Zu erleben gab es ein sehr gutes Potpourri von neuen Hits und alten Gassenhauern. Ob Vaschwindn, Federkleid, Es Geht Ma Ned Ei, Angst Haums, 2l Eistee, Tulln oder Heite Grob Ma Tote Aus ist… es ist fast egal. Da schwirrt die Luft auf der Bühne. Und davor auch. Ein Auftritt von Voodoo Jürgens ist große Show, sehr viel Herz, viel geile Verrücktheit, großes Entertainment, feinster Humor, Liebe zur Musik und eine Einladung zum Eskapismus. Wer da nicht hingeht, ist selbst Schuld.
Na, Sommer, versteckst du dich noch? Oder bin ich es einfach schon gewohnt, dass du dich schon Mitte Mai zeigst, die ersten Strahlen ausschickst und uns einen warmen, wohligen Vorgeschmack gibst? Was hemmt dich? Hast du auch die Weltlage satt? Bist du auch etwas vorsichtiger optimistisch? Oder sparst du dir nur deine Energie, bis du so richtig loslegen kannst? Aber Schnee in den höheren Lagen Mitte Mai? Ach, irgendwie auch schön, oder? Regen an Himmelfahrt? Auch irgendwie schön. Ich fand es gut, wie viele Leute gestern dem Wetter getrotzt haben. Poncho an, Bier auf und los. Oder einfach mal zu Hause den Tag auf der Couch verbringen und ab und zu nach draußen gucken. Zwischendurch regenfeste Kleidung an und ab durch die herbstlich anmutende Natur. Aber hey, Sommer: So langsam kannst du den grünen Knopf drücken, okay? Ich glaube, wir sind bereit!
Angus & Julia Stone
(Ms) Vor 16 (!) Jahren erschien Big Jet Plane von Angus & Julia Stone. Und ich kann mich noch daran erinnern, wie ich von einem Festival nach Hause fuhr, angenehm gerädert, voll mit Eindrücken und guten Momenten und dann lief dieses Lied im Radio (!). Es war der perfekte Song, um nach Hause zu fahren. Wie schön, dass die Geschwister immer noch zusammen Musik machen und auch solo so erfolgreich sind. Entspannt, wie ihre Lieder seit eh und je klangen, geht es weiter. Karaoke Bar heißt die neuste Single und kommt mit genau so einem Video daher. Wunderbar ruhige Popmusik mit einer dezenten Dramatik, viel Schönheit und euphorischen Melodien, die aber irgendwie immer auf dem Teppich bleiben. Der Track ist so herrlich eingängig, dass er einfach gut tut. Der die wuselige Welt für 3 Minuten und 24 Sekunden einmal abschaltet und uns einen Moment im Hier und Jetzt schenkt. Danke.
Das zur Single gleichnamige Album erscheint am 4. September!
(Ms) Wenn in der Stimme schon so viel Dringlichkeit steckt und die Gitarren wunderbar melodisch nach vorne preschen, dann ist Faszination und Gutfinden gar nicht weit weg. Herz Voran heißt das dritte Album von Angora Club und erscheint kommende Woche (22. Mai). 15 Stücke, die teils ein wenig turbostaatig nebulös getextet und arrangiert sind, machen gehörig Bock! Da steckt so viel Liebe und Sinn für Details drin - Wahnsinn! Allein der kurz zu hörende Chor am Ende von Pepsicolon ist so wirkmächtig, dass die Gänsehaut knallhart zuschlägt. Ja, die Grundstimmung auf diesem Album ist schon eher melancholisch und andächtig. Doch es leuchtet auch viel Zuversicht und Trotzdem durch die Takte und Verse, dass diese Musik auf jeden Fall als aufbauend zu bezeichnen ist. Die Vorstellung zu diesen Liedern vor einer Bühne zu schwitzen und alles zu geben, erhöht die Vorfreude auf ein immenses Album!
(Ms) Punkrock muss schnell sein. Punkrock muss wütend sein. Punkrock muss direkt sein. Ach, so ein Quatsch! Wenn Punkrock irgendetwas muss, dann ist es gar nichts. Dennoch stimmt es immer wieder. Und deshalb macht es so wahnsinnig viel Spaß. Katharsis an allen Ecken und Enden, wenn Die Behörde zum Termin lädt. Das Quintett aus Bremen serviert am 12. Juni ihr erstes Album mit dem sehr guten Titel Der Letzte Arbeitgeber. Darauf enthalten sind acht Lektionen mit einer Spielzeit von 18 Minuten und 26 Sekunden. Mehr muss es oft gar nicht sein. Acht kluge Songs zwischen Wahn an den Grenzen, Wahn zwischen den Geschlechtern, Wahn bei einer angeblichen Zufriedenheit. Wenn man vorher noch nicht zornig auf den Status Quo ist, wird man es spätestens mit dieser Platte. Und das ist sehr gut so!
(Ms) Warum machen Menschen eigentlich Musik? Wozu der ganze Budenzauber? Weshalb all die Mühe, die Skizzen, verworfenen Melodien, der ausbleibende Erfolg, die geringen Streaming-Abschläge? Klar, auf der einen Seite ist es die große Freude, der irre Spaß, die Katharsis, der Genuss an der Kunst, ein Katalysator all der Gedanken, von Trauer und Freude. Oder ganzer, spezieller Themen: Alexander Donat hat mehrere Musikprojekte und eines widmet er dem Großwerden seiner Töchter. Daher auch der Name Fir Cone Children. Vergangene Woche ist das neue, zwölfte Album erschienen und trägt den wunderbaren Titel Vs The Real World. Logisch, dass es um pubertierende Kinder geht. Und hört mal rein: Wenn da keine Leidenschaft drin steckt, weiß ich auch nicht weiter. Ein Sound, der irgendwo zwischen Blur, Schrammelpunk und LoFi anzusiedeln ist, ist perfekt geeignet, diese Energien zwischen Autonomiewünschen, Hormonkarussell und Kein Bock einzufangen. 12 Songs, 32 Minuten heißt: Es geht schnell zur Sache. Wenn mein Papa solche Musik für mich machen würde, würde ich sicher erstmal zweifelnd schauen und ihm danach freudestrahlend um den Hals fallen.
(ms) Über einen Abend mit all seinen Sequenzen. Über einen Abend mit all seinen Schönheiten.
Schönheit Eins
Eskapismus. Es war so dringend notwendig. Die Arbeit erdrückt mich, macht mich schwer. Tatsächlich habe ich kurz gezweifelt, ob Lärm am Abend genau das richtige in dem Moment ist. Es stellte sich heraus: Es gibt unterschiedliche Arten von Lärm und Geräuschkulissen. Wenn man ihnen ausgesetzt ist, ist etwas anderes, als sich freiwillig dort hineinzubegeben. So stand ich im Eisen an der Theke, trank ein Bier und sah zu, wie der Laden sich füllte - bis auf den letzten Platz - und es immer lauter wurde. Und ich schaute dem Treiben zu, fand es irgendwie gut.
Schönheit Zwei
Devin Heat. Er eröffnete den Konzert- und Geburtstagsabend im Eisen. Nando feierte rein, Fluppe spielten später, Devin Heat gab die Einstimmung. Und das war wirklich verrückt. Denn es war offenbar genau die Musik, die ich brauchte. Seine Lieder waren sanft und empathisch. Sie waren gefühlvoll und intensiv. Sie waren nah am Herzen und voller Inbrunst. Und sie wurden von einem Typen gesungen, der vor Freude strahlte, der dankbar war, dort spielen zu können. Der freudestrahlend erzählt hat, wie geil und erlösend ist, von seinen Gefühlen zu sprechen. Recht hat er. Devin Heat. Merkt euch diesen Namen.
Schönheit Drei
Der Laden ist rappelvoll. Geschätzt 70 Leute quetschten sich in die wunderbare Eckkneipe. Musik und Menschen finden den Ort, der sie vereint. Fluppes Musik kannte ich gar nicht so intensiv, die aktuelle Platte habe ich mir ein paar Mal angehört, die Energie hat mich überzeugt. In der Stunde danach war es obendrein die enorme Sympathie. Leider war der Gesang nicht so klar zu verstehen, das war etwas schade. Aber die Power von der Bühne schwappte in jedem Fall auf das aufmerksame Publikum über. Die Luft flirrte, die Augen suchten die MusikerInnen auf der Bühne. Wo kam plötzlich die weibliche Stimme her? Ah, kaum gesehen zwischen all den Menschen. Was für eine unfassbar geniale Kombination. Da haben sich genau die richtigen Elemente ergänzt, kulminiert und sind zusammen explodiert. Insbesondere die Zugabe, wo die Mikrophone getauscht wurden, hat noch mal zusätzliche Kraftmoleküle freigesetzt. Richtig gut!
Schönheit Vier
Leider konnte ich nicht bis zum Ende bleiben. Es war schade. Aber auch insofern ein wenig egal, da der Abend genau das war, was ich brauchte. Raus kommen, angenehmer Lärm, gute Energie, freundliche Menschen, mit denen es leicht ist, ins Gespräch zu kommen.
Nando, alles Gute zum Geburtstag - weiter, immer weiter!
(sb) Ja, ich liebe unseren kleinen aber feinen Kuschelblog,
auch wenn ich aufgrund anderweitiger Verpflichtungen und Aktivitäten kaum noch
etwas aktiv beitragen kann. Dennoch schaue ich natürlich fast täglich ins
Postfach und just als ich das kürzlich tat, ploppte eine Email rein: Fjørt
spielen nach Abschluss ihrer regulären Tour nochmal drei Konzerte – und das in
kleinem Rahmen. Dresden, Erfurt, Ulm. Gar nicht lange drüber nachdenken, rein
in den Ticketshop, zack, bestellt. Club Schilli, 150 Leute, nicht mal 1 ½
Stunden Fahrtzeit vom Bodensee entfernt. Passt.
Dresden war nach 15 Minuten ausverkauft, Erfurt kurz danach
und auch in Ulm gab es ordentlich Nachfrage, sodass zügig alle Tickets
vergriffen waren. Die Tage vergingen, so wirklich mental auf das Konzert
vorbereiten konnte ich mich nicht. Job, Familie, Hausarbeit, Sonstiges – Ihr
kennt das ja sicher auch. Drei Tage vor dem Konzert dann ein Posing von Fjørt
auf Instagram: eine Setlist. Darauf zu finden waren ausschließlich Tracks der
EP Demontage sowie des ersten Albums D’accord.
Die Band aus Aachen hatte zwar bereits im Vorfeld
angedeutet, die Appendix der Tour zum Erfolgsalbum belle époque solle eine
Hommage an die Club-Kultur und an die alten Zeiten sein, dieses Konzept kam
dann – zumindest für mich – doch überraschend. Aber geil! Mir sagen die neueren,
melodischeren Sachen zwar mehr zu, aber wann kriegt man Tracks wie Glasgesicht,
Fenris, Valhalla oder Passepartout schon mal live auf die Ohren? Dazu noch der
wunderbare Club Schilli in Ulm und die dortige sehr intime Atmosphäre –
Träumchen!
Entsprechend groß war dann auch die Vorfreude und das nicht
nur bei mir. Schon eine Stunde vor Veranstaltungsbeginn herrschte eine
wundervolle, fast schon beseelte Stimmung im und rund ums Schilli. Die Band
mischte sich unters Fanvolk und als die befreundeten Local Heroes von I Saw
Daylight den Abend musikalisch eröffneten, schauten Fjørt begeistert zu – der
eine unten in der Menge, die anderen oben auf der Empore. Es hatte was von
Klassentreffen mit leckeren Getränken und hätte nicht angenehmer sein können.
Um Punkt 21 Uhr standen dann Fjørt auf der Bühne und rissen
den Laden ab. Eineinhalb Stunden Vollgas und erst im Zugabenteil drei Tracks,
die nicht von den oben genannten Releases stammten. Das Nummer 2-Album belle
époque blieb aber konsequenterweise komplett außen vor und auch am Merch-Stand
gab es neben einem exklusiven Shirt zu den drei Réanime-Gigs nur Demontage und
D’accord zu erwerben. Vintage komplett durchgespielt und jeder, wirklich jeder
hat es geliebt und war dankbar, Teil dieses legendären Konzerts gewesen sein zu
dürfen. Selten sind Band, Vorband, Club, Umfeld und Publikum so eine perfekte
Symbiose eingegangen wie an diesem Abend in Ulm.
Ganz ehrlich: Ich check es nicht! Mitunter täglich wird die Regierung für alles was sie tut - und vor allem nicht tut - abgekanzelt. Und das zumeist auch aus guten Gründen. Und dann ist die Aufregung groß, dass plötzlich die scheiß Faschisten der AfD stärkste Partei auf Bundesebene ist.
Warum zur Hölle setzt die Politik nicht jeden Tag, jede Veranstaltung, jede Rede dafür ein, um diese Partei zu bekämpfen? Nicht zu entlarven, das tun die selbst schon sehr gut. Warum tun sie es nicht? Warum ist da nichts zu hören? Das ist doch Wahnsinn und obendrein politischer Selbstmord.
Natürlich geht es der Wirtschaft nicht gut. Doch das Wohl der Wirtschaft darf nicht oberste Maxime des Staates sein. Es müssen die Sozialsysteme sein. Die, die ohnehin wenig haben, haben immer weniger. Die, die eigentlich Hilfe brauchen, bekommen immer weniger. Die, die noch Unterstützung bekommen, bekommen sie bald nicht mehr. Logisch, dass sie wütend und unzufrieden sind. Sie hören eventuell die lautesten Brüllaffen und geben ihnen recht. Das ist nicht nur dumm, sondern auch falsch. Es braucht nichtmal eine linke Revolution. Es braucht vor allem einen couragierten Staat, der alles drauf setzt, die freiheitlich-demokratische Grundordnung gegen alles zu verteidigen. Warum tun sie es nicht?
Nullmillimeter
(Ms) „Mach die mal groß! Die haben nur 670 monatliche Hörende bei Spotify. Dabei sind die so toll.“ Okay, Herausforderung - im Rahmen des Blogkosmos - angenommen. Es geht um das Trio Nullmillimeter aus Hamburg und Berlin. Und ja, sie machen wirklich ganz phantastische Musik. Es ist der klassische Indie-Gitarren-Pop mit schwelgerischen Texten und großen Momenten. Auf Englisch und Deutsch. Sie machen Musik, die einen weichen, großen Teppich ausbreitet, auf den ich mich legen möchte. Er beruhigt mich, baut mich auf und spricht aus meiner Seele. Die Musik ist unaufgeregt, aber niemals langweilig. Sie spielt mit einer gewissen Melancholie, ohne allzu schwer zu werden. Sie ist klug und wunderschön. Im Spätherbst letzten Jahres haben sie mit Life Is A Crazy Horse ihr aktuelles Album rausgebracht und es hat 9 großartige Lieder im Gepäck. Seid ihr dabei?! Gut.
Pippa& Resi Reiner
(Ms) Ach, Deutschlandradio Kultur - was bist du nur für ein großartiger Radiosender. Du hast so viele gute Sendungen, so viele tolle MitarbeiterInnen, so viele gute Ideen, worüber es sich zu berichten lohnt. Und so viel gute Musik. Letztens lief ein Lied von Pippa - ich weiß leider nicht mehr welches. Resi Reiner sah ich letztens als Support von Die Sterne und nun machen beide gemeinsame Sache. Blödsinn heißt ihre Single, die vor kurzem raus kam. Zackiger Rock mit punkigen Elementen und ganz viel Gefühl. Ein Vergleich zu Wir Sind Helden ist schon möglich und durchaus angebracht. Das ist schon sehr gut, wunderbar eingängig und eine wunderschöne Hymne auf den Moment! „Wir reden Blödsinn, bis er Sinn macht.“ Amen.
Follia
(Ms) Wie oft sprechen wir bei Musik von Kunst, wie selten hören wir sie in einer gewissen Gänze. Niemandem möchte ich hier Talent und Geschick absprechen, aber wenn bestimmte Klänge ertönen, dann müssen wir einfach von einem anderen Niveau sprechen. Von einem anderen Level des Könnens, des musikalischen Wissens und der großen Gabe, all das zusammenzuführen. Nicht theoretisch, nicht allzu klassisch. Sondern schon in einem poppigen Gewand. All das tut Lia Maria Neff, die sich das Alias Follia gibt. Unter diesem Namen veröffentlicht sie heute (!) die 5 Stücke umfassende EP Verrutscht, die sprachlich zwischen Deutsch und Schweizerdeutsch mäandert. Musikalisch ist es vielleicht so etwas wie avantgardistischer Kammer-Pop. Die Musikerin ist am Kontrabass (!) ausgebildet und sie zeigt uns auf wunderbare Weise, welch tolle Klänge aus diesem großen Ding rauskommen können. Dazu teils drastische Arrangements und viele Momente, die großes Kribbeln auslösen. Das ist Wahnsinn, was die Schweizerin uns hier schenkt und zeigt, wie Musik auch klingen kann: umwerfend und gigantisch!
Margo Mann
(Ms) Auf wie vielen Bühnen des Pop und Rock stehen Klaviere rum oder E-Pianos oder Keyboards. Es werden unzählige sein. Doch: Wie viele MusikerInnen können dieses Instrumente so richtig gut spielen? Wer ist imstande, aus diesem großen Ding große Töne herauszuholen, die nicht nur klimpern sondern auch klingen? Margo Mann aus Australien weiß sehr gut, wie dieses Saiteninstrument zu spielen ist. Das ist sofort zu hören, wenn ihre Single Westgarth erklingt. Es ist warm, pointiert und klug eingesetzt. Dazu gesellt sich eine kraftvolle, prägnante Stimme, die davon erzählt, keine Angst vorm Verlieben zu haben und dem, was damit zusammenhängt. Denn beide werden sich ändern. Das passiert automatisch. Wer bleiben will wie zuvor, ist nicht gemacht für die Liebe. So drastisch kann man es ausdrücken. Doch, wenn man sich drauf einlässt, eröffnen sich wunderschönste Räume. Was für ein tolles, kraftvolles Stück Musik!
Lambchop
(Ms) Crackers hieß das Stück, das mir vor vielen, vielen Jahren die Welt von Lambchop eröffnete. Ein Track, den ich immer noch sehr, sehr gerne höre, weil er eine wunderschöne Energie und eine äußerst ruhige Eleganz hat. Seit 33 Jahren gibt es diese Band - irre! Ich wurde zwei Jahre vorher geboren. Im August veröffentlicht Kurt Wagner das 16. Album dieses außergewöhnlichen Projekts! Es wird Punching The Clown heißen. Das klingt irgendwie angriffslustig, doch weit gefehlt. Showtunes und The Bible, die beiden Vorgänger, waren schon sehr ruhig. Und nun geht er auf der neuen Platte einen neuen Weg der ruhigen und unglaublich energievollen Musik. Sie besteht aus Gitarre, Banjo, Chor und der unverwechselbaren Stimme des ehemaligen Fliesenlegers. Weakened heißt das erste Stück und erzeugt eine wunderschöne Kraft. Der Chor ist kein Beiwerk, sondern Ergänzung, Bandmitglied. Das Banjo nervt nicht, sondern gibt feine Akzente, die Gitarre gibt den Rhythmus. So schafft Kurt Wagner mit seinen MitmusikerInnen es immer noch - oder erneut - für eine Gänsehaut zu sorgen, die ihresgleichen sucht.
(Ms) Wenn man den Wikipedia-Artikel von Lambert liest, steht dort, dass er Pianist, Komponist und Produzent ist. Das stimmt selbstredend. Doch diese Liste muss nun erweitert werden. Wenn am 8. Mai sein neues Album I Am Not Lambert erscheint, geht er über diese Tätigkeiten hinaus. Die 45 Minuten neue Musik, die er uns schenkt, zeigen wieder einmal neue Spielseiten dieses Künstlers auf: Jazz, Pop, Bandsound und er singt sogar. Ein wenig, aber er singt. Und tatsächlich ist ja sogar in Ansätzen sein Gesicht zu sehen. Klar, die Stiermaske bleibt sein Erkennungszeichen. Doch klar ist auch: Grenzen verschwimmen oder lösen sich gar auf.
Lambert ist extrem fleißig. 2024 erschien sein Beinahe-Soundtrack Actually Good und vergangenes Jahr werkelte er zusammen mit Thorsten Nagelschmidt an der Vertonung seines Buches Nur Für Mitglieder. Nun wieder eine neue Platte. Dieser Musiker hört wirklich gar nicht auf, neugierig zu bleiben, sich selbst neu zu erfinden und immer neue Klangwelten zu entdecken und sie sein Eigen zu nennen.
14 Tracks sind auf I Am Not Lambert enthalten. Der Titel sagt ja schon aus, dass da jemand vorgibt, wer anders zu sein. Oder irgendwie mit dem vorherigen Werk wenig zu tun zu haben. Das ist von Anfang bis Ende deutlich hörbar!
Spirit ist der Opener und beginnt schon mal lambertig: Sanftes Klavier, dann dezent einsetzende Gitarre, es kommen Bläser dazu, leichte Synthies und dann ein Uhhhhu-Gesang. Der geht in einer verzerrten Stimme auf. Nein, das kann doch nicht Lambert sein. Doch, doch. So ist es. Plötzlich klingt es nicht mehr nach Neo-Klassik, sondern nach nebulösem Pop mit beinahe kammerorchestralen Elementen. Es wird sich durch die Platte ziehen. Auch Gäste singen mit. Wie Kat Frankie auf So Unkind, Goodwin auf HurtsLike You oder Dekker auf The Sum. Nicht nur die vielen unterschiedlichen Stimmen machen dieses Album sehr abwechslungsreich. Fast auf jedem Stück gibt sich der Künstler von einer anderen Seite. Es bleibt ruhig, mitunter melancholisch und andächtig. Aber die Nuancen ändern sich stetig. Es ist angebracht, stets neugierig zu bleiben. Dann ist ein wunderbares Cello von Marie-Claire Schlameus auf All At Once zu hören, was dem Stück herrlich viel Tiefe verleiht. Auf We‘ll Be Safe Here wechseln sich Gitarre und Klavier wunderbar mit der Melodieführung auf und die Percussion lassen den Kopf mitwippen. Auf Infinity‘s Fortune scheinen immer wieder kleine Rhythmus-Schnipsel durch, die durch den schon bekannten Uhhuu-Gesang ganz verwunschen wirken. Großartig! Parenthenope ist ein tolles Beispiel für den kammerorchestralen Sound, der sich bei Lambert einschleicht. Ein wenig leise Dramatik lässt erneut aufhorchen!
Und am Ende? Kommt da der große Knall? Mitnichten! Auf The Chase gibt es zwar keine Grenzen, aber hier geben sich plötzlich Pop und Jazz die Klinke in die Hand. Ein wenig Energie darf nicht fehlen, aber es bleibt in klar abgesteckten Grenzen. Mit It Will Happen Either Way beendet Lambert dieses Album, das ja gar nicht so recht seinen Namen tragen will. Das tut es ja aber - offensichtlich. So sanft und schleierhaft, wie es begann, endet es auch. Ein wunderbarer roter Faden. Zwischendurch ist er ein wenig verknotet und ändert auch mal die Farbe, aber es lässt sich alles entwirren. I Am Not Lambert ist ein wunderbares Album. Es glänzt durch viel Schönheit und zahlreiche Details, die immer wieder neue Facetten in den Klang bringen ohne je zu viel zu werden. Von einem Musiker, der immer neue Seiten von sich zeigt.
Warum kommst du (nicht)? Diese Frage stellt sich das Zollhaus in Leer, Ostfriesland. Das Zollhaus ist ein toller Veranstaltungsraum für Konzerte und Kultur in einer Gegend, wo Bands eher selten aufschlagen. Der Nordwesten ist hinter Oldenburg (wenn dort überhaupt Bands Halt machen und nicht schon in Bremen) kulturell eher ein weißer Fleck auf der Landkarte. Mal findet noch was in Wilhelmshaven statt. Aber das war es dann auch. Die Menschen aus dem Zollhaus fragen sich: Warum kommst du (nicht)? Dafür haben sie eine Umfrage erstellt, die ihr - sofern ihr irgendwie aus der Gegend kommt - gern ausfüllen könnt. Leider müssen immer wieder mal Konzerte abgesagt werden oder sie stehen kurz davor. An den Acts kann es nicht liegen. Denn was das Team nach Leer holt, ist beachtlich: NinaMarie, Urlaub in Polen, Olli Schulz, Team Scheisse, Kettcar, Selig, Slime, Turbostaat, Muff Potter.
Bei mir hat es organisatorische Gründe. Leer ist leider nicht so geil an den öffentlichen Nahverkehr angeschlossen. Die letzte Bahn, die Richtung Oldenburg/Bremen fährt, fährt um 22:42 ab. Lange Zeit war eine Stunde früher (!) Schluss. Es liegt dann eher an der Erreichbarkeit. Und bei euch? Das Team freut sich bestimmt über rege Teilnahme. Es ist ein toller Ort. Vor einigen Jahren habe ich Kettcar dort gesehen und es war großartig - super Atmosphäre!
Ebow
(Ms) Bevor wir zu diesem unfassbar krassen Song kommen, drehen wir einmal grob ein Jahr zurück. Sommer 2025, Watt En Schlick Festival. Regen pur. Matsch überall. Aber genauso viel Ausgelassenheit und gute Laune. Am Samstagnachmittag nicht so richtig gewusst, was ich mir anschauen soll. Also am Floß gelandet. Ebow stand auf der Bühne. Ich Dummkopf dachte natürlich, dass ihr Künstlername englisch ausgesprochen wird. Pustekuchen. Ebbo - Ebow! Das, was da passiert ist, gehörte meines Erachtens abends auf die große Bühne. Nicht nur weil diese Künstlerin einfach unfassbar sympathisch gewesen ist, sondern vor allem, weil das, was sie sagt und rappt, von unfassbarer Wichtigkeit ist. Genauso ist auch ihr neuer Track, der heute erscheint. Besser geht es kaum, eine Single namens Arbayt am 1. Mai! Sie sollte auf jeder Demo heute laut laufen. Klassenkampf ist back! Solidarität sowieso, sonst geht alles noch krasser den Berg hinab als eh schon. Klare Ansage an den Kanzler. Dazu noch die Geschichte vieler Hinzugezogener. Dieser Song ist so komplex wie gut. Er ist so schlau wie beatlastig! Ebow beweist wuchtig, wie bedeutungsvoll Rap sein kann. Wie geil ist das denn bitte?! Eben! Im Herbst ist sie - bestimmt mit einem neuen Album im Gepäck - auf Tour:
12.05.26 Freising – Uferlos Festival 06.06.26 Schmitten – Schmittner Open Air 31.07.26 Bremen – TurnUp 08.10.26 Köln – Bürgerhaus Stollwerck 09.10.26 Bremen – Schlachthof 10.10.26 Hamburg – Fabrik 15.10.26 Leipzig – Werk 2 22.10.26 München – Ampere 23.10.26 Wien – WUK 24.10.16 Frankfurt – Zoom 28.10.16 Berlin – Columbiahalle
Editors
(Ms) Wenn eine Band es in den letzten zwanzig (!) Jahren geschafft hat, immer wieder zu überraschen und nie die eigene DNA zu verlieren, dann sprechen wir in jedem Fall von den Editors. Das Quintett um Tom Smith hat es wirklich herausragend geschafft, den eigenen Sound immer etwas zu ändern und gleichzeitig immer erkennbar zu bleiben. Egal ob es große Synthie-Flächen waren oder filigrane E-Gitarren-Schnipsel voller Energie. Die Wiedererkennbarkeit liegt natürlich zum Einen an Tom Smith‘ markanter Stimme, aber auch für eine Art der musikalischen Dichte, die auf jedem Album zu hören ist. Nun hat die Band mit Call It In eine neue Single veröffentlicht. Gespannt klickte ich auf den Play-Button und war überrascht, dass es verhältnismäßig ruhig zugeht. Es geht wieder in Richtung In Dream oder The Weight Of Your Love. Klassische Bandbesetzung ohne große Elektronikballerei. Das Ergebnis ist ein Stück, das unserem Zeitgeist sehr gut entspricht. Ein Lied, das klar machen will, dass Hilferufe gut und richtig sind und dass wir dringend dem Lärm unserer Zivilisation - politisch und hörbar - entfliehen sollten. Es wird wohl ein Album folgen, Tourdaten gibt es schon fürs kommende Jahr:
07.02.27 München - Zenith 08.02.27 Wien - Gasometer 11.02.27 Berlin - Columbiahalle 14.02.27 Köln - Palladium 16.02.27 Leipzig - Felsenkeller 20.02.27 Hamburg - Inselpark Arena
Attic Ocean
(Ms) Düsseldorf ist musikalisch ja - in meinen Augen und Ohren - für zwei Dinge bekannt. Selbstredend Die Toten Hosen und all die Elektronikpioniere aus den 70er Jahren. Nun ist es gar nicht so unwahrscheinlich, dass die Stadt am Rhein noch bekannt wird für strahlenden Shoegaze-Indierock. Attic Ocean heißt das Quintett, das heute ihre neue Single Coastal veröffentlicht hat. Sehr große Klangflächen, brillierende E-Gitarren, ein Sound, der ziemlich direkt knallt. Wer dazu nicht die Hand reckt, den ganzen Abend durch die Straßen der Stadt ziehen will und das Leben mit seinen Liebsten genießen möchte, ist doch ein amtlicher Banause. Dies ist ein so gut arrangierter Klang, eine so tolle Stimme und ein so runder Song, dass er direkt ganz weit oben auf alle Playlisten gehört!
Zackiboy
(Ms) Hallo vorurteilbehafteter Schreiberling. Ich dachte mir so bei dem Namen: Puh, was könnte das denn sein? Zackiboy. Okay. Trash? Autotune-Schrott-Rap? Oder so Drüberpop à la Ennio? Ach, Mist, schon wieder lauter Vorurteile. Eiskalt hat mich dieser Künstler erwischt. Und das auf irgendwie magische Art. Zu Beginn von Gute Laune dachte ich an Deichkind, Andreas Dorau, Erobique. Hier muss sich nichts reimen. Hier treibt es ganz allein nach vorn. Die gute Laune, über die Zackiboy eher spricht als singt, kommt inhaltlich nur so richtig schwer daher. Depression. Scheiße. Nix mit Trash. Scheiß Vorurteile. Hier geht es wesentlich ernster zu als ich vorher annahm. Doch genau da wird es künstlerisch spannend. Hier fängt es an, sich zu reiben. Hier plätschert nichts vor sich hin, hier geht es wirklich beinhart zur Sache. Das ist spannend, das ist gut, das fixt auch echt an. Zackiboy gelingt es extrem gut, in einem elektropoppigen Gewand sich und seine Themen darzubringen. Sein Album Softy erscheint am 29. Mai und könnte richtig derbe in den Frühsommer knallen!
Shy Western
(Ms) Einige Fakten aus der Musikwelt sind ja oft nur schwer zu glauben. Es gibt so viel Schrottmusik, die leider so verdammt erfolgreich ist und gleichzeitig so viele tolle Bands, die völlig unterm Radar laufen. Ganz vorne in letzter Kategorie sind The Joy Formidable aus Wales. Pure Wucht und Gitarrenkraft vereint dieses Trio! Texterin, Gitarristin und Sängerin Ritzy Bryan hat auch noch ein zweites Projekt. Es heißt ShyWestern und damit veröffentlichte sie dieses Jahr ihr Album Hugger. Ein dichter, energiegeladener Sound zeichnet sich durch die Tracks. Teils wie im Rausch, dann wieder ganz organisch, dann wieder verwunschen und derb. The Joy Formidable pflegen so etwas wie einen exklusiven Fanclub, dem man beitreten kann. Auch gibt es online oft nur darüber die Musik zu hören. Hugger ist auf Spotify beispielsweise nicht gelistet. Doch schaut es euch an, genießt diese kraftvolle Musik:
Hard-Fi
(sb) Boah, was hab ich die mal gerne gehört! Stars of CCTV war sensationell, das Shirt habe ich immer noch. Auch der Nachfolger Once Upon A Time In The West hatte noch ein paar tolle Tracks, danach gings aber rapide abwärts. Album Nummer 3 war eine einzige Enttäuschung, es folgte die Auflösung. Nun sind die Herren aus Staines wieder da und präsentieren mit Sweating Someone Else's Fever (VÖ: 19.06.) ihre neue Scheibe. Ich hatte mir so sehr eine positive Überraschung von Hard-Fi erhofft, tatsächlich kann ich mich mit dem Album aber gar nicht anfreunden.
Wenn man es freundlich umschreiben möchte, dass nennt man das vielleicht "gereift" oder "erwachsen geworden", für mich klingt es jedoch einfach nur langweilig und teilweise aufgesetzt. Was haben die sich denn beispielsweise bei Digo Nada gedacht? Da kann das Album textlich durchaus einige bemerkenswerte Passagen haben, aber musikalisch schreckt mich das Ganze leider extrem ab, sodass dem zweimaligen Anhören bis auf Weiteres kein drittes Mal folgen wird - so leid es mir auch tut.
Sportfreunde Stiller
(Ms) Bei dieser Band kann ich nicht objektiv bleiben. Sie waren mein großes Einstiegstor und die Welt des Indierock. Am 11. Mai 2004 sah ich die Sportfreunde Stiller das erste Mal live, ich war 13 und meine Mama hat mich gelassen, gefahren und bestimmt auch noch Geld für eine Fanta da gelassen. Vielen Dank an dieser Stelle. Einige Jahre sollten mich diese drei Musiker begleiten. Mit dieser ganzen Sportmusiksache ließ ich sie langsam fallen. Irgendwann wurde es dann auch peinlich. Und nun ist der Zeitpunkt gekommen, wo eventuell ein wenig Nostalgie zuschlägt, aber die neuen Tracks überzeugen mich auch echt auf ganzer Linie. Das war schon bei Ti Amo so und auch Keine Blumen Ohne Regen knallt richtig gut. Es geht ordentlich nach vorn, breites Keyboard, schnelles Schlagzeug und angenehme Melancholie. Eine Atmosphäre, mit der sie mich vor vielen, vielen Jahren schon gepackt haben. Am 12. Juni erscheint passend zum 30. Bandgeburtstag die neue Platte Happy Birthday und die drei Münchener gehen ausgedehnt auf Tour!
07.05.26 Erlangen, Heinrich-Lades-Halle (ausverkauft) 08.05.26 Leipzig, Haus Auensee (ausverkauft) 09.05.26 Berlin, Columbiahalle (ausverkauft) 11.05.26 Köln, Palladium (ausverkauft) 12.05.26 Hamburg, Inselpark Arena 14.05.26 Wiesbaden, Schlachthof (ausverkauft) 15.05.26 Stuttgart, Liederhalle (ausverkauft) 16.05.26 München, Olympiahalle (ausverkauft) 22.05.26 Basel, Volkshaus 23.05.26 Zürich, Volkshaus 24.05.26 Gmunden Rocks (ausverkauft) 28.05.26 Braunschweig, Lok Open Air (ausverkauft) 13.06.26 Aachen, Kimiko Festival 14.06.26 Lübeck, Superkunstfestival 17.06.26 Markdorf, Open Air 18.06.26 Kufstein, Kufstein Festung 19.06.26 Coburg, Kulturfabrik Open Air 20.06.26 Koblenz, Festung Ehrenbreitstein (ausverkauft) 30.06.26 Leipzig, Parkbühne 01.07.26 München, Tollwood 03.07.26 LI-Liechtenstein, Life in Schaan 16.07.26 Marburg, Open Air (ausverkauft) 17.07.26 Dresden, Junge Garde (ausverkauft) 18.07.26 Wien, Arena Open Air (ausverkauft) 23.07.26 Graz, Schlossbergbühne Kasematten (ausverkauft) 24.07.26 Freiburg, ZMF Zelt-Musik-Festival (ausverkauft) 25.07.26 Hamm, 800Festival Kurhausgarten 06.08.26 Bad Zwischenahn, Zu Gast im Park 2026 (ausverkauft) 07.08.26 Rothenburg ob der Tauber, Taubertal Festival 08.08.26 Haldern, Haldern Pop Festival 13.08.26 Bayreuth, Seebühnenfestival 2026 14.08.26 Eisenach, Burg Creuzburg Open Air 15.08.26 Jena, Kulturarena 07.10.26 Luxemburg, Atelier (ausverkauft) 10.10.26 Bozen, Stadthalle 12.10.27 Linz, Posthof 13.10.26 Augsburg, Kongress im Park 22.10.26 Oberhausen, Turbinenhalle 23.10.26 Aurich, Sparkassen Arena 24.10.26 Bremen, Pier 2 26.10.26 Magdeburg , AMO Kulturhaus 28.10.26 Wien, Gasometer 29.10.26 Kempten, bigBOX Allgäu 30.10.26 Frankfurt, myticket Jahrhunderthalle