Donnerstag, 25. Juni 2026

JJerome87 - The Canyon

Foto: Zachary Gray
(Ms) Als alt-J auf die Bühne des Musikkosmos` traten, zog ein gänzlich neuer Sound ein. Etwas, das noch nie da gewesen ist. Etwas Geniales. Etwas Verspieltes. Etwas Tanzbares. Ja, etwas Transzendentales. Nicht nur die zahlreichen Soundfrickeleien waren prägend für ihren Klang, sondern auch die Stimme ihres Sängers Joe Newman. Immer etwas quietschig-quengelig. Und mit enormem Wiedererkennungswert.
Nun bringt Joe Newman unter seinem Künstlernamen Jjerome87 eine Solo-Platte raus. The Canyon wird sie heißen und am 26. Juni erscheinen. Mitten in der Hitze erscheint eine phantastische Platte. Nein, natürlich ist das nicht alt-J, aber der Geist des Klangs dieser Band ist hier ganz klar zu hören und zu spüren. 11 Tracks auf knapp 40 Minuten machen gehörig viel Spaß, weil Joe Newman hier ebenso verspielt zur Sache geht wie mit seiner - zurecht - unfassbar erfolgreichen Band!

Mr Alligator ist der Startpunkt. Direkt zahlreiche Elemente. Hintergrundgesang. Percussion. Bass. Synthie-Schnipsel. Diese Stimme. Und sofort wird klar: hier herrscht der Groove. Wer hier nicht mit dem Kopf nickt, ist wirklich ein Banause. Auf der neuen Platte erzählt Joe Newman Geschichten. Dies ist die eines Hochstaplers. Insbesondere der hypnotische Gesang im Hintergrund macht eine Menge Spaß. Verdammt, ist das gut! Die vielen, vielen Sequenzen, die mosaikartig ein Lied zusammensetzen, erzeugen eine permanente Neugier. Wie unglaublich raffiniert!
Im Gegensatz zu alt-J ist das Grundgerüst viel analoger. Der Blues schlägt ein. Dazu großer, phasenweise frecher Pop. Und Soul, ja beinahe Gospel durch den großartigen Hintergrundgesang. Quaaludes hat beinahe etwas religiöses. So stelle ich mir einen Erweckungsgottesdienst vor. Amen!
Auf Juicy ist zudem gut zu hören, dass Joe Newman allerhand Geräusche in der Natur aufgenommen hat, die in seine neuen Tracks einfließen. Zudem schlägt hier ein brutaler Bass zu. Die Arrangements dieser Platte sind alle nahezu alle genial. Er baut durchaus musikalisch-gruselige Elemente ein. Den Film zu diesem Soundtrack möchte ich gern sehen. Und: Dass das Stück sich so entwickelt, wäre allein durch die ersten Takte nie zu erahnen gewesen. Zahlreiche Überraschungen. Taktweise beinahe. Großer Folk wiederum - inklusive Bläser - findet sich auf Walkaway Music.

Eines steht fest: Die gesamte Platte sei allen ans Herz gelegt, die tierische Freude am Entdecken und der Faszination äußerst geschickten Songwritings gegenüber haben. Die erste Single, Brush Me Like A Horse, ist am ehesten eine Erinnerung daran, in welcher anderen Band Joe Newman noch so wirkt. Track And Field ist so phantastisch, denn der Bass treibt ganz unterschwellig voran und das gesamte Stück strahlt eine ungeheuer positive Aura aus.

Ach, Musik. Ach, Kunst. Was für ein Glück, dass es Typen wie Joe Newman gibt. Das, was er erschafft, ist einfach eine große Bereicherung. Die Musik ist verspielt, überraschend, vielseitig, niemals langweilig werdend. Auch unter seinem eigenen Namen ist es dem alt-J-Frontman nochmal gelungen, etwas Neues in die Welt zu setzen. Wow!


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