Mittwoch, 1. Juli 2026

Live in Münster: Vainstream - der Samstag

Irgendwo dort: Grandson, Foto: luserlounge
(Ms) Über ein abgebrochenes Festival oder: Wie überlebe ich in der brütenden Hitze?

Das Wetter
Das Wochenende stand unter keinem guten Stern. Unglaubliche Hitze zog übers Land und ließ uns ordentlich ächzen. Doch: Was tun, wenn dann ein Festival ansteht? Also aus Sicht der Veranstaltenden? Wie soll man am besten darauf reagieren? Im Grunde genommen gibt es zwei Möglichkeiten: Absagen oder so viele Maßnahmen treffen, dass es aushaltbar ist. Ersteres wurde gar nicht weit weg von Münster, in Haltern am See, entschieden. Da sollte Jan Delay am Freitag spielen. Für die zweite Möglichkeit hat sich das Vainstream entschieden. Vielleicht auch, weil die Grundvoraussetzungen andere waren. Die Messehallen nebenan boten einen gewissen Schutz und einen Raum für eine Pause zwischendurch. Und als Innenstadtfestival waren sicher viele Anfahrtswege auch nicht so lang.
Aus meiner Sicht hat das Schutzkonzept ganz gut gegriffen. Viele Hinweise zum Sonnenschutz, viele Stellen für Leitungswasser, Abkühlungen an vielen Ecken. Ich war nur am Samstag da und muss gestehen: Es war aushaltbar. Viel Wasser trinken, wenig Bewegung, Kopfschutz und ab dafür. Logisch, alle schwitzten wie bekloppt. Aber alle hatten auch eine Menge Spaß.
Bis 18.30 Uhr.
Da spielten Bloodywood und es wurde zunächst unterbrochen für eine Stunde. Ein Gewitter ziehe auf, hieß es. Und tatsächlich ließ sich das auf diversen Wetter-Apps nachvollziehen. Nur kam halt nichts davon an. Ein Teil löste sich auf, der andere zog an Münster vorbei. Als es dann weiter gehen sollte um 19.30 Uhr, hieß es doch einigermaßen überraschend, dass die Veranstaltung sofort abgebrochen wird. Ein weiteres Gewitter zöge auf und droht, mitten über Münster mit Blitz und Donner einzubrechen. Also los. In meiner Wahrnehmung haben sich alle Leute ohne großes Murren und sehr entspannt auf den Weg gemacht und den Bereich geräumt. Doof nur, dass man nicht mal Pfand zurück geben konnte. Viva von Agua hat sich gefreut - gut so! Und dann? Tja. Dann passierte nichts am Himmel. Nochmal. Sechs Tropfen vielleicht und ein kleiner Wind. Logisch, darauf haben die Veranstalter auch keinen Einfluss. Aber ein Geschmäckle bleibt. Hätte man es weiter laufen lassen können? Ja, bestimmt. Aber dann kommt die unweigerliche Frage: Was wäre wenn?! Und die möchte man lieber mit „Alle sind in Sicherheit“ beantworten. Better safe than sorry. Unmut in den Kommentarspalten. Doch da die richtige Entscheidung zu treffen, ist auch schwer. Im Endeffekt hat das Team des Festivals alles korrekt gemacht.

Das Gelände
Acht Jahre habe ich in Münster gewohnt. Nie war ich auf dem Festival. Kurios. Daher war ich etwas verwirrt, wie das Gelände aufgebaut ist, denn die Messehallen - wenn es nicht die große ist, wo die Donots alle zwei Jahre spielen - habe ich nie besucht. Doch schnell wurde mir klar, was für große Vorteile der Standort hat. Er ist weit genug draußen, damit niemand gestört wird. Zudem ist der Hawerkamp direkt anbei - der (!) Clubstandort der Stadt. Genial! Zwischendurch sind wir auch einmal in der Sputnikhalle vorbeigeschneit. Doch nur recht kurz, da es da drinnen noch wärmer war zuzüglich Luftfeuchtigkeit. Bäh! Also: Das Gelände war super gut aufgebaut und wurde entsprechend gut genutzt. Vieles verlief sich, nirgends wurde es überaus eng.

Die Musik
Achja - unter dem ganzen Thema, dass das Festival ja abgebrochen wurde, kommt der Hauptaspekt - die Musik - doch reichlich zu kurz. Ich war nur am Samstag da, ließ mir aber aus mehreren Quellen sagen, dass der Freitag - insbesondere Landmvrks - großartig gewesen sein soll. 
Vieles vom Line-Up kannte ich nicht. Metalcore und seine Verwandten sind nicht die Genre, die bei mir zu Hause laufen. Doch die musikalische Neugier wurde reichlich befriedigt. Zum Beispiel mit Future Palace. Hui, ging das gut ab. Es wurde ordentlich geschrien und auch ordentlich mit Effekten gespielt. Denn nur Drums und E-Gitarre hätten niemals den Wumms liefern können, der dort zu hören war. Danach ab zu Pöbel MC. Ist ja geil, dass so ein Event auch ganz andere Töne einlädt. Und viele konnten mitrappen - geniale Momente! Danach hat mich Thrown total überzeugt. Eine sehr harte Gangart, sehr kurze Lieder, viel Druck, viel Aggression, aber alles auf den Punkt. Danach der Höhepunkt: Grandson. Das, was der Typ abgeliefert hat, war nicht mehr normal. Er baute seine Tracks derart um, dass sie so live gespielt nirgendwo anders zu hören sind. Es war eine etwas kuriose Mischung aus Placebo und The Streets. Markante Stimme, Sprechgesang, Energie an allen Ecken und Enden. Und großartig gegen die Arschlöcher der AfD gewettert. Bloodywood aus Indien spielten dann nur noch recht kurz. Leicht pathetischer, aber enorm druckvoller Metal, viel Getrommel, doppelter Gesang - Power ohne Ende!
Gern hätte ich noch Architects gesehen. Aber das ist nun mal Geschichte.

Das Fazit - der Ausblick
Was mir sehr gut gefallen hat, war das bargeldlose Bezahlen auf dem ganzen Gelände. Mit einem Chip am Bändchen ließ sich alles erwerben und auch Pfand wieder zurück buchen. Anfang dieser Woche ließ sich der Rest dann wieder aufs eigene Konto gut schreiben. Das war eine sehr gute Idee!
Wie geht es nun weiter? Die nicht spielenden Acts wurden sicher entlohnt, ein Festival dieser Größenordnung ist gegen solche Ereignisse versichert. Der Vorverkauf fürs kommende Jahr lief wohl immens gut an. Tausende Tickets gingen schon weg. Ob das Zugpferd Lorna Shore dafür verantwortlich ist - keine Ahnung (tatsächlich sagte mir die Band überhaupt nichts, ich Metalbanause).
Den Veranstaltenden und den Besuchern fürs kommende Jahr sei mehr Glück beim Wetter gewünscht. Ansonsten ist das Vainstream eine hervorragende Adresse für ausgewählt gute Musik der harten Gangart!