Samstag, 16. November 2019

Live in Hamburg: Hannes Wittmer

Foto aus Osnabrück, Quelle: facebook.com/hanneswittmer
(ms) Wo anfangen nach so einem nahen, berührenden Abend?!
Am besten bei den Fakten: Hannes Wittmer ist derzeit auf Tour. Solo, aber nicht allein. Zum einen hat er sein sehr, sehr gutes Album Das Große Spektakel im Gepäck, zum anderen einen grünen Klappstuhl. Dazu gleich mehr.
Am Mittwoch machte er Halt in seiner alten Wahlheimat Hamburg, im Nachtasyl. Das befindet sich im/über dem Thalia Theater, eine wahnsinnig tolle Location! Alleine das Treppenhochlaufen macht neugierig, wenn man vorher noch nie da gewesen ist.
Bis zum Vormittag wusste ich noch nicht, ob ich hinfahre, der Tag war so schon lang, die Arbeit frisst Zeit und Energie ohne Ende, doch als ich nachts glücklich und mit einem Lächeln im Gemüt ins Bett gefallen bin, wusste ich: Das hat sich gelohnt! Die Spontaneität konnte auch erst dadurch garantiert werden, da das Konzert auf pay-what-you-want-Basis läuft, wie alle seine Auftritte seit einiger Zeit. Um viertel vor sieben warteten schon gut zwanzig Kälteausharrende auf dem Bürgersteig und wurden rasch rein gelassen. Um halb neun ungefähr ging das kleine Spektakel los.
Zum Einen war es natürlich die Musik. Der unterhaltsame Kniff: Hannes spielte seine Lieder in chronologischer Reihenfolge, vom ersten Punkversuch bis zu den aktuellen, sehr bedachten Texten und Klängen. Dass er dabei seinen Werdegang erklärte, war keineswegs aufdringlich, sondern extrem hörenswert. Mit den Liedern und den kurzen (oder längeren) Ansagen dazu, ließ sich die Wandlung, Reifung eines Künstlers ganz nah verfolgen. Erstes Toll!
Zweites bis x-tes Toll: Die Sache mit dem grünen Klappstuhl. Der stand nämlich auch auf der Bühne, neben Hannes. Vor dem Stuhl: Ein Mikrophon. Für wen? Für alle, die Lust haben. Eine Frage stellen, eine Anekdote erzählen, Widerspruch zu äußern, mitzusingen, da zu sein. Ein unglaubliches Experiment mit eben so unerwartetem Ausgang. Das anfängliche Zögern war erwartbar, niemand wusste, was passieren kann. Was die Angst nahm, ist, dass ja hinter dem anderen Mikrophon und der Gitarre um den Hals in irre aufgeschlossener, freundlicher, emphatischer, kluger, witziger, reflektierter Mensch steht.
Mit dem ersten Besuch ging es dann los. Geschichten wurden ausgetauscht, erzählt. Über gemeinsame Bekannte, die über Licht philosophieren wurde berichtet. Über die Frage, warum Hannes wieder zurück nach Würzburg gezogen ist. Warum Hamburg so toll und so abschreckend sein kann. Über Lieder, die die Menschen im Publikum tragen, begleiten, berühren. Über Identifikation in den Zeilen und Klängen. Lieder wurden mitgesungen. Es wurde sehr nah und persönlich. Ich saß hinten und war jedes Mal ungeheuer neugierig, was der nächste Besuch zu erzählen hat. Und ich habe sehr, sehr gerne zugehört. Vielen Dank an dieser Stelle.
Was Hannes Wittmer so geschafft hat: Eine Teilhabe an der eigenen Musik. Er hat den Raum der Bühne als Raum des Künstler gebrochen und ihn für jeden aufgeschlossen. Er hat Räume geöffnet für die Gedanken und Gefühle, die jeder während eines Konzertes fühlt und höchstens seinem Nachbarn mitteilt. So haben alle etwas davon! Und: Alles kann, nichts muss.
Hätte ich mich auch auf den Stuhl gesetzt? Darüber habe ich lange während des Konzertes und danach nachgedacht. Jeder - und das wurde an diesem Abend mehr als klar - hat eine großartige Geschichte zu erzählen. Mein Tag jedoch war so voll, gut und abwechslungsreich, dass ich nach viel Reden einfach zuhören wollte.

Hannes Wittmer spielt noch vier Konzerte in den kommenden Tagen.
Liebe Menschen, geht da bitte hin! Ihr geht glücklich nach Haus!

17.11. - Leipzig, Werk 2
20.11. - Köln, Arttheater
22.11. - Mannheim, Forum
23.11. - Frankfurt, Brotfabrik


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