Donnerstag, 5. November 2026

Live in Bremen: The Notwist

Foto: luserlounge 

(Ms) Es ist oft wie verhext: Da stehe ich am Mittwochabend im wunderbaren Bremer Schlachthof und sehe The Notwist und denke mir: „Warum ist das nicht meine absolute Lieblingsband?“
Alles spricht dafür: super Leute, tolle Texte und vor allem - also ganz stark gewichtet - irre Kompositionen, phantastische Arrangements und die große Gabe, das live tatsächlich genauso rüber zu bringen. Doch wenn ich zu Hause Musik höre, kommen The Notwist gar nicht so oft vor. Es ist wie verhext.
Die Band ist derzeit auf großer News From Planet Zombie-Tour und ein Stop in Bremen ist immer eingeplant. Kein Wunder: Alle, die schon mal im Schlachthof waren, kommen gern wieder zurück. Zudem hat sich das Team von Arte Concerts gedacht, das mal aufzuzeichnen. Sechs Kameraleute habe ich gesehen, die den Abend aufgezeichnet haben. War es deshalb so großartig?! Ich denke nicht.
The Notwist live sind deshalb so unglaublich großartig, weil hier ein Organismus Musik macht. Wenn insgesamt 12 Leute diese Lieder spielen - die hatten ein Harmonium dabei! - und es sich so klar, so weich, so rund, so eins anhört, dann sind hier auch echt krasse Profis am Werk. Ihr unglaubliches Können, ihre blinde Abstimmung ist dabei nicht mal zu sehen. Alle MusikerInnen strahlen so eine unglaubliche Leichtigkeit aus in dem, was sie tun. Das ist einfach sehr beeindruckend.
Wenn sie dann mit Teeth starten, ist das beinahe frech. Der Opener vom aktuellen Album ist ja auf Platte schon toll - live setzen sie einfach noch ein paar Schippen drauf. So baute sich ein Abend zusammen, bei dem der Fokus dezent auf den neueren Stücken lag, aber die Durchmischung war extrem. Extrem gut.
The Notwist ist eine Band, bei der es mir tatsächlich weniger auf die einzelnen Lieder ankommt. Oft kann ich nichtmal den Titeln den tatsächlichen Song zuordnen. Doch das ist mir egal. Es geht mir um die Energie. Wenn diese Band auf der Bühne steht, entsteht ein Sog. Ein Drive, der gewaltig ist. Mal zerbrechlich und überaus schön. Dann wieder wuchtig mitreißend. In allen Takten herrscht eine unglaubliche Liebe zum Detail. Keine Ahnung, wie viele elektronische Gerätschaften auf der Bühne standen, um diesen Sound zu erschaffen. Neben all den Instrumenten. Und es klingt so, so eins. Insbesondere Karl Ivar Refseth ist dabei hervorzuheben. Der Mann hinter dem Vibraphon ist ein Phänomen. Er strahlt nicht nur viel Gelassenheit und Positivität aus, sondern er spielt mit so einer Inbrunst und einer unverschämten Genauigkeit. Was er aus all seinen Instrumenten an Tönen rausholt, ist irre. Mit dem Geigenbogen über die Vibraphonstäbe?! Klar, kein Problem! Checkt mein Hirn nur nicht.
Am Mittwoch hat zudem eine tolle, minimalistische aber sehr wirkmächtige Lichtshow dazu beigetragen, dass es ein denkwürdiger Abend wurde. Ein paar Male sah ich die Band nun schon live. Ich bin mir sicher, dass dieser Abend das absolute Highlight war. Ein Glück, dass Arte das festgehalten hat. Wenn der Mitschnitt fertig ist, tauche ich nochmal in diesen beeindruckenden Abend ein.