Sonntag, 18. Januar 2026

KW 3, 2026: Die luserlounge selektiert

Quelle: pixabay.com / LukaJagor
(Ms) Die Woche war anstrengend, es brauchte ein paar Trostpflaster, Erfrischungen, Ablenkungen, das Hirn ausschalten. An einem Abend - es mussten eh noch ein paar Sachen besorgt werden - hatte ich Lust auf ein Radler. Keine Ahnung, wieso. Es war so. Also eines aus dem Supermarkt mitgenommen und auf dem Heimweg getrunken. Was dann passierte, war super schräg. Erstens schmeckte es gar nicht mal so gut. Zweitens setzte sich in meinem Hirn eine Erinnerungskette los, die von dem süßen Geruch und Geschmack ausgelöst wurde. Späte Jugend, Oberstufenzeit, irgendwo in einem Schrebergarten. Süße Biermixgetränke waren absolut gängig. Sorglosigkeit, scheinbar im Stande, die Welt zu verstehen, ein klein wenig Hochmut und vermeintlicher Intellekt. Aber alles war egal. Denn das Getränk brachte Leichtigkeit… Verrückt, wie Gerüche und Geschmäcker mit der Vergangenheit zusammenhängen können. Spannende Reise, mäßiger Geschmack.

Dissy & Fatoni
(Ms) Uff! Gibt es noch irgendeinen Musikpreis für das beste Video?! Ja, den Preis für Popkultur! Liebe Jury, sollte das irgendwer lesen - ach, egal, dieses Video, diesen Kurzfilm werdet ihr sowieso gesehen haben: Dissy und Fatoni haben diese Woche mit Gewehr einen neuen Track veröffentlicht und der ist… puh! Es geht um Vorhaben, die anstehen, wichtig sind. Doch was, wenn es gerade einfach nicht passt?! Wenn man keine Kraft hat. Keinen Antrieb. Wenn da gerade ein Loch ist. Ja, dann halt nicht. Dann halt später. Lasst mich mal eben bitte, bitte in Ruhe. Das ist mir gerade alles viel zu viel! Diese eh schon nicht ganz angenehme Thematik gepaart mit diesem intensiven Video ist eine irre Kombination. Eine, die mir recht schnell den Atem genommen hat, voller Fokus auf die Geschichte aus diesem Bus. Und ein großartiger Beweis, dass das Format Musikvideo immer noch eine ganz hohe Relevanz haben kann und einen Song noch mal stärker machen kann als er ohnehin schon ist. Dazu kommt ein klasse Beat, der das Beste aus den 80ern nimmt, es ein wenig schneller und mit mehr Bass koppelt und so hervorragend wirkt. Am 27. März erscheint Morgen Werde Ich Mich Dafür Hassen von Dissy. Könnte enorm werden.


The Notwist
(Ms) Diese Band ist ein Phänomen für mich. Ich höre sie seltsamerweise nicht so oft zu Hause oder unterwegs und ich kann mir nicht recht erklären, wieso das so ist. Denn The Notwist ist eine großartige Gruppe. Eine Band, die sich immer weiter entwickelt, die nie still steht, ganz viel Zauber entstehen lassen kann, ganz viel Wucht und Schönheit. Am 13. März erscheint mit News From Planet Zombie ihre neue Platte und macht in einer irgendwie LoFi-gearteten Weise dort weiter, wo The Vertigo Days vor fünf Jahren aufgehört hat. Der Sound ein wenig direkter, ein wenig roher eventuell. Nun ist mit How The Story Ends ein neues Lied erschienen und es ist einfach großartig! Denn die ganzen feinen Elemente, die diese Band ausmachen, insbesondere live, sind hier super gut zu hören. Viel Rhythmus, viel Vibraphon, viel Bassklarinette. Das ist so ungeheuer gut arrangiert, so wunderschön und dennoch mit einem tollen melancholischen Vibe. In diese Musik kann man einfach nur eintauchen, alles andere ist doch gar nicht möglich. 


Maiija 
(Ms) Wenn die ersten Takte, die ersten Sekunden schon direkt so viel Sog entfalten, dass Weghören nicht möglich ist, dann passiert Großes. Ungelogen. Ein durchgehend verhaltener, aber dennoch markanter Schlagzeugbeat. Eine Gitarre, die das melodiöse Gerüst baut und eine Stimme, die darüber eine gewaltige Schönheit entfacht. Zusammen ergibt Recover aufs erste Hören schon einen melancholischen Song, doch er bleibt nicht dabei. Maiija, das Projekt von Marilies Jagsch, singt von ihrem Weg, mit Endometriose zurecht zu kommen. Ein Signal an andere erkrankte Frauen, wie sie mit diesem chronischen Leiden umgeht. Laut Titel geht es natürlich um die Erholung, aber das Lied macht auch klar, dass der Weg langsam ist - „Slow, slow we go“. Ganz ehrlich: So schöne, kraftvolle Musik, die das Zerbrechliche in sich trägt, aber dennoch stärker ist, habe ich lange nicht gehört. Ja, dieses Lied hat etwas Heilendes. Wow! Am 13. Februar erscheint ihre neue Platte What If und könnte wundersam werden!




Samstag, 17. Januar 2026

Amanda Bergman - Embraced For A Second As We Die

Foto: Julia Mård
(Ms) Gestern ist Embraced For A Second As We Die von der schwedischen Musikerin Amanda Bergman erschienen. Es ist wunderschön. Hier folgt ein kleiner Text dazu, der keine wirkliche Rezension sein will - oder doch?!

Warum hören wir alle so gern Musik? Was macht diese Kunstform mit uns? Welche Kraft wohnt ihr inne? Neben all der Euphorie, all dem Dopamin, all dem Tanzen, was sie erzeugen kann, kann Musik an ganz anderen Orten auch wirksam sein. An Orten und Stellen, an denen wir verletzlich sind. In Momenten, in denen wir Trost brauchen, Ruhe, Zuspruch, eine Akzeptanz der Situation. Insbesondere Halt ist ein ganz wichtiger Faktor. Ich bin fest davon überzeugt, dass jeder Mensch etwas braucht, das ihm oder ihr Halt gibt. Für viele ist es Religion. Für andere Sport. Die Familie. Für einige mag es Musik sein. Klänge, Töne, Lieder, die dann da sind, wenn vieles andere weit entfernt scheint, fast nicht mehr greifbar. Musik schafft es, ohne dass ein Mensch direkt bei mir sein muss, diesen Halt zu geben, diese Hand auszustrecken, mir diese Schulter zu bieten, die ich gerade so dringend brauche. Auf ganz emotionaler Ebene. Das ist möglich, davon bin ich fest überzeugt. Und damit hat diese Kunstform eine Kraft, die nicht zu unterschätzen ist. Warum machen denn so viele Menschen die Augen zu, wenn sie Musik hören oder auf einem Konzert sind? Warum fangen Menschen dann an zu weinen oder vor Freude oder Zufriedenheit zu strahlen. Weil die Klänge, Melodien und Rhythmen - logisch auch der Text - etwas macht, was bewegt. Sie kann die Hand ausstrecken, wenn ich traurig bin. Sie kann aufbauen, wenn ich nicht weiter weiß. Sie kann mir ein Freund sein, den ich gerade brauche.
Musik kann auch ein guter Gegenspieler zur Realität sein. Ein Antagonist. Ein regulierendes Element. Sie hat die wundersame Eigenschaft, dass das Wilde, schwer zu kontrollierende und kaum mehr zu verstehende zumindest für 3, 7 oder 45 Minuten keine Rolle spielt, indem sie das alles einmal ausblendet. Dem ganzen da draußen mal eine Pause verschafft. Natürlich bleiben Unsicherheiten und Fragen, aber wenn gerade ein schönes Lied läuft, rückt alles in den Hintergrund. Genau diese Pausen brauchen wir ganz dringend, um nicht durchzudrehen. Eine permanente Beschäftigung mit dieser seltsamen Realität würde uns sicher grob schaden. Da schaffen Töne, Lieder und Melodien Abhilfe. Sie streicheln uns sanft. Legen eine warme Decke um uns, machen das Licht aus.

Und all das schafft das neue Album von Amanda Bergman. Aufs erste Hören mag ihre Musik vielleicht etwas langweilig und belanglos erscheinen. Aber nur Geduld. Sie wird den Puls senken. Das Kribbeln verschwindet. Die Unruhe. Mit einer sagenhaften Unaufgeregtheit und Wärme schenkt uns Amanda Bergman hier die schönste Pause von all den Dingen da draußen, die man sich nur vorstellen kann. Wenn ein Lied wie Groby ertönt, ist alles gut. Wirklich. 

Dieses Album ist wunderschön. Punkt.

Mittwoch, 14. Januar 2026

Imarhan - Essam

Foto: Marie Planeille
(Ms) Klar, man könnte das synapsenmäßig bestimmt erklären, warum diese Musik mich anspricht und andere wiederum gar nicht. Eine wissenschaftliche Erklärung will ich gar nicht, sie nimmt mir den Zauber. Und von Musik will ich verzaubert werden, ich will staunen, mich mitreißen lassen, in Welten eintauchen, in einem Klangkosmos schweben. Das ist mit einer Playlist natürlich nur schwer zu machen, daher ist in meinen Augen das Album als künstlerisches Werk immer noch das absolute Non-Plus-Ultra. Die Vielseitigkeit im Text und Klang einer Band kommt so doch am besten zur Geltung! Und eintauchen kann man beim neuen Album von Imarhan wirklich sehr gut! Die Platte heißt Essam und erscheint am 16. Januar über City Slang. Imarhan kommen aus Algerien und singen auf der Tuareg-Sprache Tamasheq. Klar, hier verstehe ich kein Wort und bin recht dankbar in die englische Übersetzung der Texte hineinlesen zu können. Denn dann öffnen sich zum sowieso tollen Klangbild Geschichten, die hierzulande tendenziell weniger Aufmerksamkeit bekommen und unseren eurozentrischen Blick - auch auf die Kultur - zumindest für eine Dreiviertelstunde in den Hintergrund wandern lassen.

Die Musik des Sextetts besticht vor allem durch seine Rhythmik, den mehrstimmigen Gesang und Melodien, die zum Tanzen und Träumen anregen. Zudem ist kein Schlagzeug zu hören. Alle Percussion kommt von Trommeln, die aber auch meist nur im Hintergrund ihr Werk verrichten, und viel vom Klatschen. Das ist außerordentlich pfiffig und nimmt mich vom ersten Takt an mit. Vier Tracks möchte ich an dieser Stelle hervorheben, die insbesondere die ganze musikalische Welt, die diese Band uns schenkt, ganz breit ablichtet. Okcheur ist ein Stück darüber, dass der eigene Kompass nicht mehr funktioniert, irgendwie vom Weg abgekommen ist. Das lyrische Ich fragt die höheren Mächte, ob sie helfen können, denn auch das Wissen der vorherigen Generation scheint - für den Moment - abhanden gekommen zu sein. Musikalisch trägt ein sanfter, aber bestimmender Bass durch die Verse, dazu eine verspielte Gitarre und ein durchgehendes Klatschen. Die Verzweiflung des Erzählers kommt durch die Intonation durch, aber es schwebt auch ganz viel Hoffnung am Horizont! Ein Highlight ist auf jeden Fall Tin Arayth, das überraschend stark von der E-Gitarre dominiert wird und richtig Fahrt aufnimmt! Die Band singt hier im Call And Response - einer singt vor, die anderen antworten ihm. Und wieder die tolle Erkenntnis, wie stark aber angenehm das Klatschen vorantreiben kann - wow! Es ist eine Hymne auf die Heimat, auf den wunderbaren Blick vom höchsten Berg Adrien auf die Gegend, die insbesondere nach dem Regen ihre Schönheit preisgibt. Wer dazu nicht tanzen will, ist ein Banause! Doch Iyad Moussa Ben Abderahmane, Tahar Khaldi, Hicham Bouhasse, Abdelkader Ourzig und Haiballah Akhamouk können auch verträumter, ruhiger und gleichzeitig erhebend, ja transzendental. Adounia Tochal ist ein unglaublich sanfter, wunderschöner Track! Ein Text, der zu Tränen rührt. Ein Text über die Liebe zur Mutter, ein Text der ihr das Schönste auf der Welt gönnt und in der eine nicht geringe Spur Schmerz mitschwingt. Denn der Erzähler vermisst sie. Ach, was ist diesen Typen nur an Gutem zu wünschen, so viel Menschliches senden sie mit ihrer Musik in die Welt!

Dann ist da noch Téllalt. Die erste Single von Essam und in meinen Ohren das Herzstück dieses großartigen Albums. Es hat so viel Drive. So viel Energie. So viel Kraft. So viel Zauber, zu dem es sich leicht tanzen lässt, wenn im Hintergrund die Trommeln schwingen. Wow! Ein Lied, das die Verbundenheit zur Heimat aufleben lässt. Die Band scheint viel unterwegs zu sein und wenn sie Abends das Tellalt-Holz anzünden, entsteht ein einzigartiger Geruch, der Erinnerungen und Emotionen eines ganz bestimmten Ortes beschwören. 
Ohne Kitsch singt diese Band von Gefühlen, die wir sicher alle kennen. Nur halt in einem anderen Kontext, auf einer sicher noch nie gehörten Sprache und Rhythmen, die mein Hörempfinden auf jeden Fall enorm bereichern! Was für eine Band, was für eine tolle Platte. Wer die Möglichkeit hat, sollte sich das hier nicht entgehen lassen:

13.04.26, Hamburg · Knust
15.04.26, Berlin · Gretchen
19.04.26, Köln · Gebäude 9
21.04.26, München · Hansa39


Freitag, 9. Januar 2026

KW 2, 2026: Die luserlounge selektiert

Quelle: pixabay.com / MabelAmber
(Ms) Die Schreckensgeschichten dieser Tage sind beängstigend und real. Die Welt rückt auseinander und es könnte düster werden. Doch das steht auf genügend anderen Seiten auch schon.
Eine kleine Szene aus dem Alltag, die mich hat grinsen lassen: Am Dienstag war ich in der Dämmerung unterwegs, es fehlten ein paar Dinge im Kühlschrank. Hier im Nordwesten gibt es Gegenden, die eher dünn besiedelt sind, teils mehr Tiere als Menschen. Und da kann es zu kuriosen Begegnungen kommen. Auf dem winterlichen Weg wunderte ich mich, als ich aus der Ferne etwas dezent leuchtendes am Wegesrand sah. Es war größer als ein Mensch, aber die Form war mir unklar. Je näher ich kam, desto schöner wurde der Anblick. Ja, es stand eine Person am Wegesrand mit einer Begleitung. Einer tierischen. Ein Pferd stand dort mit einer wärmenden Decke. Doch nicht nur das. Es schien, als ob es eine übergroße Warnweste gewesen ist. Denn rechts vor links gilt auch für alle Hufe! Irgendwie schön.

Agassi
(Ms) Tun sich verschiedenste, schon bekannte Akteure aus der Musikwelt zusammen, sprechen ja schnell viele Stimmen von Supergroup oder dergleichen. Irgendwie ja Quatsch, oder? Namen machen nicht automatisch Qualität. Aber zumindest aufmerksam. Denn hinter der ganz untennishaften Band Agassi stecken Mitglieder von Jupiter Jones oder gar Wir Sind Helden! Doch nach all dem klingt Keine Energie Geht Verloren so gar nicht. Hier peitschen Gitarren nach vorne, hier ist das Wort Punk nicht weit weg und eine gewisse Dringlichkeit, wenn Frank Spilker auch noch mitsingt, türmt sich von allein auf! Das ist schnell, das macht Spaß, das könnte noch richtig gut werden. Irgendwann in diesem Jahr bringt die Band eine Platte raus - wir bleiben am…. Ball!


The Morning Stars
(Ms) Und noch so eine Truppe, deren Mitglieder namhafte Vergangenheiten mit sich bringen - Kante, Sport, Kreidler, Barbara Morgenstern… Wow, wo habt ihr alle gesteckt? Ah, auf einer Geburtstagsparty und die jetzige Band sollte eine kleine Überraschung sein?! Geglückt! The Morning Stars heißt diese Band und macht irgendwas Jazzig-Verschachteltes, irgendwas Warm-Ummantelndes, irgendwas Angenehm-beruhigendes. One Of The Doors heißt ihre erste Single. Schließt sich eine Tür… dann ist die andere nicht automatisch offen. Manchmal muss ausprobiert werden, manchmal muss man sich die Angst als Sparringspartner holen. Manchmal läuft es nicht so geradeaus und dennoch kommt man am Ende an. Ein tolles Stück mit viel klanglicher und textlicher Tiefe!
PS: Lyric Videos sind ja manchmal etwas lahm, aber dieses hier glänzt mit ganz viel Schönheit und treffenden Effekten!


Ulrika Spacek
(Ms) Achtung - innehalten! Kurze Pause, okay? Einmal eben hinsetzen und irgendwie für Ruhe sorgen. Mal eben für (mindestens) fünfeinhalb Minuten nicht gestört werden. Am besten Kopfhörer auf. Und dann lässt es sich ganz leicht wegträumen mit der Musik von Ulrika Spacek. Was irgendwie tschechisch klingen mag, kommt aus Stockholm. Sehr rhythmisch, sehr mitreißend ohne allzu doll zu sein. Ein Gesang der unverschämt gut an Aydo Abay erinnert. Ein paar elektronische Spielereien. Und insgesamt wahre Kunst, wenn ein Track wie Build A Box Then Break It dabei rauskommt. Ja, das ist schon psychedelisch, was diese Band hier macht, aber der Sog ist eher unterschwellig. Ich bin für sowas ganz schnell zu haben, auch wenn der Sound beim ersten Hören gar nicht mal so rund klingen mag. Das Mosaik setzt sich schon von allein zusammen. Das dazugehörige Album Expo erscheint am 6. Februar und könnte ganz phantastisch werden - ehrlich!


The Hirsch Effekt 
(Ms) Wenn dieser Name auftritt, darf man alles erwarten. Wie kaum eine andere Band steht The Hirsch Effekt für die absolute Offenheit aller Genres gegenüber. Klar, sie sind mit satten Gitarren ausgestattet und schreien auch gern mal das Publikum an. Doch sie können auch zart, rhythmisch, melodisch. Am 30. Januar erscheint ihre neue Platte Der Brauch und heute gibt es eine neue Single. Die Brücke ist erstaunlich melodisch. Ein Stück über das Ankommen zu Hause und die Bedürfnisse, die in dem Moment alle haben. Kurz allein sein und durchschnaufen, um die Kinder kümmern, noch was arbeiten, für die anderen da sein, hin und her gerissen. „Eine Brücke über Fluten will ich sein“ - ein schönes Bild für diesen Zwist! Und ein weiterer Beweis, was das Trio aus Hannover alles im Köcher hat! Die Platte wird eine Wucht und die Tour dazu sicher auch!

25.02. Schweinfurt - Kulturhaus Stattbahnhof
26.02. Aarau - KIFF
27.02. Karlsruhe - Jubez
28.02. Ulm - Roxy
05.03. Berlin - Badehaus
06.03. Hamburg - Logo
07.03. Düsseldorf - Ratinger Hof
12.03. Wiesbaden - Schlachthof
13.03. Kassel - Goldgrube
14.03. Erfurt - Museumskeller
19.03. Bremen - Tower
20.03. Oberhausen - Druckluft
21.03. Leipzig - Naumanns
21.05. Saarbrücken - Garage
22.05. Münster - Sputnikhalle
23.05. Köln - Helios 37


Sportfreunde Stiller
(Ms) Vor ein paar Jahren habe ich mich hier an dieser Stelle von Sportfreunde Stiller verabschiedet. Es ist die Band, die mich in meiner Jugend wohl am längsten begleitet hat und ein großes Tor für die Indierockmusik geöffnet hat. Dafür bin ich ihnen auf ewig dankbar - eine gute Zeit! Ihre letzten Alben habe ich nicht mehr verfolgt aber heute morgen, an diesem verschneiten Freitag im Norden läuft ihre neue Single Ti Amo, Italiano bei mir und ich finde sie erstaunlich gut! Ja, die drei Burlis haben noch nie einen Hehl daraus gemacht, dass Italien ein großes Sehnsuchtsland ist, wer soll es ihm verdenken?! Auf dem Stück klingen sie schon nach einer Münchener Version von Wanda - oder täusche ich mich da? Wie dem auch sei, die Band feiert dieses Jahr ihren 30. Geburtstag und das insbesondere mit vielen, vielen Konzerten, von denen schon unzählige ausverkauft sind. Irgendwie freut mich das sehr für diese Band. Und wer weiß… wenn sie im Herbst nach Bremen kommen, vielleicht komme ich auch. Nach all den wunderbaren Jahren…

07.05.26 Erlangen, Heinrich-Lades-Halle (ausverkauft)
08.05.26 Leipzig, Haus Auensee (ausverkauft)
09.05.26 Berlin, Columbiahalle (ausverkauft)
11.05.26 Köln, Palladium (ausverkauft)
12.05.26 Hamburg, Inselpark Arena
14.05.26 Wiesbaden, Schlachthof (ausverkauft)
15.05.26 Stuttgart, Liederhalle (ausverkauft)
16.05.26 München, Olympiahalle (ausverkauft)
22.05.26 Basel Volkshaus
23.05.26 Zürich Volkshaus
24.05.26 Gmunden Rocks
28.05.26 Braunschweig, Lok Open Air (ausverkauft)
14.06.26 Lübeck, Superkunstfestival
17.06.26 Markdorf, Open Air
18.06.26 Kufstein, Kufstein Festung
19.06.26 Coburg, Kulturfabrik Open Air
20.06.26 Koblenz, Festung Ehrenbreitstein
01.07.26 München, Tollwood
03.07.26 Liechtenstein, Life in Schaan
16.07.26 Marburg, Open Air (ausverkauft)
17.07.26 Dresden, Junge Garde
18.07.26 Wien, Arena Open Air (ausverkauft)
23.07.26 Graz, Schlossbergbühne Kasematten (ausverkauft)
24.07.26 Freiburg, ZMF Zelt-Musik-Festival
25.07.26 Hamm, 800Festival Kurhausgarten
06.08.26 Bad Zwischenahn, Zu Gast im Park 2026 (ausverkauft)
07.08.26 Rothenburg ob der Tauber, Taubertal Festival
08.08.26 Haldern, Haldern Pop Festival
13.08.26 Bayreuth, Seebühnenfestival 2026
14.08.26 Eisenach, Burg Creuzburg Open Air
15.08.26 Augsburg, Freilichtbühne
22.10.26 Oberhausen, Turbinenhalle
23.10.26 Aurich, Sparkassen Arena
24.10.26 Bremen, Pier 2
26.10.26 Magdeburg , AMO Kulturhaus
28.10.26 AT-Wien, Gasometer
29.10.26 Kempten, bigBOX Allgäu
30.10.26 Frankfurt, myticket Jahrhunderthalle

 


Donnerstag, 8. Januar 2026

Die Sterne - Wenn Es Liebe Ist

Foto: Stefan Braunbarth
(Ms) Die erste Platte vor 33 Jahren veröffentlicht, 1991 gegründet, wichtige Impulsgeber deutschsprachiger Rockmusik, moderne Klassiker erschaffen, nie müde geworden und einige wesentliche Änderungen in der Besetzung durchgemacht. Eigentlich müsste eine Band wie Die Sterne niemandem mehr etwas beweisen. Ihr Œuvre steht für sich. Textlich vielleicht hier und da mal abgehoben, aber im Grunde genommen immer super bodenständig geblieben. Ja, diese Band müsste keinem mehr was beweisen. Außer sich selbst vielleicht: Wie kann man relevant bleiben? Wie öden wir uns selbst nicht an? Wie kommen wir ab davon, immer auf die gleichen Tracks reduziert zu werden? Wir können wir deutschsprachiger Rockmusik 2026 noch Impulse verleihen? Das mögen Fragen der Band gewesen sein, ich habe keine Ahnung, mutmaße nur. Es ist ihr mit ihrer neuen Platte Wenn Es Liebe Ist auf eindrückliche Weise gelungen, dass man immer noch über Die Sterne spricht. Sprechen muss.

Der Wandel ist frisch und knackig und der Sound an vielen Stellen ungewohnt, aber auf gute Art und Weise. In der jetzigen Besetzung mit Jan Philipp Janzen, Phillip Tielsch und Dyan Valdés ist dies die zweite Scheibe. Hörbar haben sie zu einem Klang gefunden. Meine Vermutung: Insbesondere Ersterer ist dafür verantwortlich. Jan Philipp Janzen ist Dumbo Tracks und enorm gut im Tönetüfteln. Zudem ist er die Hälfte von Urlaub in Polen. Die experimentieren mit Krautrock und elektronischen Spielereien. Klänge, die auf Wenn Es Liebe Ist klar herauszuhören sind.

Gut 44 Minuten Spielzeit hat die neue Platte. Relativ gesehen. Dazu später mehr. 10 neue Stücke serviert uns diese Band und sie machen wahnsinnig viel Spaß! Gitarrenriffs direkt zu Beginn mit Ich Nehme Das Amt Nicht An, eine wache, aktuelle Beobachtung zur Diskursverweigerung. Laut sein, weghören, ignorieren ist ja so viel einfacher, als sich auf das Gegenüber einzulassen. Gut, Frank Spilker, wir sollten das Amt öfter annehmen, auch wenn es anstrengend sein mag! Ein treibender Dumbo-Polen-Bass bestimmt Ändern Wir Je Den Akkord?, das die rockige Gangart vom Opener fortsetzt. So musikalisch hamsterradmäßig war diese Gruppe wohl noch nie zu hören - stark! Es folgt mit GNZRZND - Ganz Reizend - ein knapp siebenminütiges Spoken-Word-Stück. Frank Spilker eröffnet eine Szene einer kleinen Fete oder dergleichen, in der das lyrische Ich ein wohl attraktives Gegenüber anzusprechen versucht. Das ist der Inhalt. Und das ist großartig gemacht. Viele Leerstellen, ein wenig unangenehmes Schweigen, viel Raum zur Interpretation, ein misslungener Flirt wegen des Schwipses?! Das bleibt wohl uns Hörenden überlassen.
Es folgt der Titeltrack in allerbester Sterne-Manier. Seitdem ich diesen Song das erste Mal gehört habe, habe ich mich in ihn verliebt: Ein bisschen gaga, eigentlich viel zu voll, typisch Sterne, eine sehr catchy Keyboard-Hookline. Und eine ähnlich Thematik wie zu Beginn: Bei Thema XY bin ich raus, weil mir das eventuell dann zu nahe geht, zu viel ist oderoder. Das so gut textlich und musikalisch aufzubereiten, ist ein irrer Trumpf dieser Band und dieses Texters!
Dann die nächste Neuerung: Open Water. Nicht nur ein Sound, der unglaublich mitreißend und verzerrt ist, sondern hier singt Dyan Valdés auf Englisch! Mehr Sterneerneurung geht ja gar nicht - genial! Dann kommt ja auch noch Fan Von Irgendwas. Ja, hier wird sich schon stark an Kraftwerk und ihresgleichen angelehnt. Roboterstimme und eine schier unendliche Aufzählungen von Dingen, die Menschen halt gegen die Langeweile machen. Sehr unterhaltsam, weil die Nennung von all den Beschäftigungen sowohl schlau als auch stark gaga ist. Und dann das nächste Highlight mit Es War Nur Ein Traum, wo die Band textlich eher wie Tocotronic klingt. Aber auch das ist vollkommen egal. Denn Die Sterne zeigen hier in aller Pracht, wie vielseitig sie musikalisch agieren können ohne dass es zu viel wird. Der rote Faden ist klar zu hören und es macht so viel Freude!

Achja, 44 Minuten relative Spielzeit. Denn den Abschluss macht Immer Noch Sprachlos über 9 Minuten und 53 Sekunden- Und das weitgehend krautrockig-instrumental.

Diese neuen, alten Sterne machen auf Wenn Es Liebe Ist mächtig Spaß und mächtig Eindruck. So aktuell, so klug, so unterhaltsam, so vielseitig im Klang, so erfrischend, so gut! So unfassbar gut. Das legt die Messlatte für deutschsprachige Rockmusik in diesem Jahr aber ganz schön hoch! Gut so, sollen sich andere daran messen! Aber nur wenn es Liebe ist…

19.03.2026 Siegen - Vortex
20.03.2026 Hannover - Béi Chéz Heinz
21.03.2026 Dortmund - Junkyard
22.03.2026 Köln - Bürgerhaus Stollwerk
24.03.2026 Mainz - KUZ
25.03.2026 Heidelberg - Karlstorbahnhof
26.03.2026 CH-Zürich - Bogen F
27.03.2026 Stuttgart - ClubCANN
28.03.2026 AT-Rankweil - Altes Kino
29.03.2026 AT-Salzburg - Rockhouse
30.03.2026 AT-Wien - Porgy & Bess
01.04.2026 München - Strom
02.04.2026 Leipzig - Conne Island
03.04.2026 Bremen - Lagerhaus
04.04.2026 Flensburg - Volksbad
05.04.2026 Hamburg - Uebel & Gefährlich
24.04.2026 Potsdam - Nikolaisaal – mit dem Filmorchester Babelsberg


Samstag, 3. Januar 2026

KW 1, 2026: Die luserlounge selektiert

Quelle: pixabay.com / Pikura 
(Ms) Tja, wie geht es weiter im neuen Jahr? Die Aussichten, so global gesehen, sind nicht unbedingt gut. Klar, es gibt viele gute Nachrichten, doch die Gesamtperspektive ist nicht rosig, oder? Gelder für gemeinnützige Organisationen werden gekürzt, Bemühungen, um die Folgen des Klimawandels aufzuhalten, werden ad acta gelegt, Bildung spielt, wie immer, kaum eine Rolle in irgendeiner größeren öffentlichen Diskussion. Tja. Aber träumen darf erlaubt sein. Muss erlaubt sein. Eine Vision ist nötig. Wer könnte da behilflich sein? Niemand geringeres als Sibylle Berg! Ihre Grime-Triologie hat mit La Bella Vita - PNR seinen Schluss gefunden. Kein Drama mehr. Keine Spirale, die sich stetig abwärts dreht. Don geht es gut. Sie lebt in einer europäischen Anarchie. Keine Grenzen. Keine Nationen. Kein Geld. (Fast) Keine Autos. Keine Wochentage. Keine Supermärkte. Jeder arbeitet 3,5 Tage in einem Job, der der Allgemeinheit gut tut. Es ist eine wunderbare Träumerei, die die Autorin auf knapp über 400 Seiten auslebt. Und sie ist weniger abwegig, als man vielleicht denken mag. 93 Forderungen stellt sie an eine Zukunft. Eine Zukunft ohne Amazon, Instagram, Schnelligkeit, Rechenzentren, Überwachung, Konkurrenz, Krieg. Wer will das nicht?! Eben. Dieses Buch, dieser Essay, diese Vision sei daher allen ans Herz gelegt, die genau das wollen. Und dann tun wir uns zusammen und bauen uns das auf, okay? Gut.

Oum Shatt
(Ms) Die Zeit zwischen den Jahren ist in der Musik so runtergedimmt wie keine anderen Wochen im ganzen Jahr. Doch es gibt ein paar spannende Töne und Bilder und Worte, die doch aufploppen. Wenn eine Band kurz vor Ende des Jahres ein neues Musikvideo zu einem Album, das vor zwei Jahren erschien, veröffentlicht, darf man ein wenig hinein interpretieren, oder? Oum Shatt haben ein Video zu Love The Way She Stands rausgebracht. Dazu gab es kaum begleitende Worte, also hier wenigstens ein paar Ideen: 1. Sie hatten einfach Lust dazu. 2. Das Video wurde zufällig genau zu dieser Zeit fertig. 3. Die Band wollte ihren Fans und allen, die es noch werden wollen - denn: phantastische Gruppe! - ein kleines Geschenk machen. 4. Eine neue Platte wird mit einem alten Lied wohl kaum angekündigt. 5. Eine neue Tour steht eventuell in den Startlöchern. 6. Sie frönen der Kunst.
Egal: Es ist ein toller Track mit einem schönen Video dazu und einen dieser Punkte könnt ihr euch jetzt aussuchen!


Henge
(Ms) Was haben sich Menschen vor fünfzig, einhundert, dreihundert Jahren wohl gedacht, wie das Jahr 2026 aussehen und vor allem klingen wird? Flugtaxis, Marsbesiedelung oder Explosion des gesamten Planeten? Oder gar Invasion einer anderen Spezies?! Ja, vermutlich wird es letzteres sein, wenn Henge läuft! Die folgenden Worte meine ich genauso, wie ich sie schreibe: Das ist vielleicht das verrückteste, genialste, elektrisierendste, was ich seit langer Zeit gehört und vor allem gesehen haben! Und die Band wird im Frühjahr durch unsere Breitengrade ziehen. Henge ist ein Space-Rock-Future-Electro-Plan eines Quartetts aus Manchester. Obwohl… das stimmt doch gar nicht! Zpor, Goo, Sol und Nom sind Millionen von Jahre alt und wir haben das große Glück, ihrer musikalischen Reise beizuwohnen. Ein Erlebnis, das Krautrock auf Speed bedeutet. Oder so. Egal - es ist großartig, was diese Band auf die Bühne bringt, musikalisch und vor allem visuell, sehen Sie hier:

08.04. - Hamburg, Knust
10.04. - Lübeck, Treibsand
11.04. - Oldenburg, Cadillac
13.04. - Köln, Club Bahnhof Ehrenfeld
14.04. - Wiesbaden, Schlachthof
15.04. - Marburg, KFZ
21.04. - Plagwitz, Neumanns Tanzlokal
22.04. - Dresden, Beatpol
24.04. - Berlin, Gretchen
25.04. - Hannover, Faust


Get Well Soon
(Ms) Nachdem ich am Silvesternachmittag eine bestimmte Mail gelesen habe, hörte ich am Morgen drauf eine Platte von 2008 und konnte erstaunlich gut mitsingen.
Dass es etwas Neues von Get Well Soon geben würde - ich war lange Zeit mehr als skeptisch und die Infos sind noch angenehm ungenau. Ich bin davon ausgegangen, dass Konstantin Gropper irgendwo im Filmmusikbusiness verschwunden ist und Amen irgendwie die letzte Platte bleibt. Pah - Pustekuchen! Am Mittwoch gab es eine Mail, einen Newsletter. Darin hat Konstantin Gropper nichts anderes angekündigt, als dass es in diesem Jahr zwei - in Zahlen: 2! - neue Platten von Get Well Soon geben wird. Plus Labubu, Tour und allem drum und dran! Wannwiewo - diese Infos werden alle noch kommen. Aber: Wow! In diesem Jahr gibt es diese Band schon zwanzig Jahre und ich weiß noch, wie begeistert ich meine MitschülerInnen 2008/09 vollgelabert habe, was ich da mit Rest Now Weary Head! You Will Get Well Soon für eine außergewöhnliche Platte entdeckt habe. Seitdem bin ich dem Sound dieser Band verfallen, sie gehört unangefochten mit zu den fünf Bands, die mich in den letzten zwanzig Jahren am stärksten geprägt und begleitet haben. Ich konnte sogar mal meinen Papa überreden, dass er mich zu einem Konzert nach Nijmegen begleitet und es war großartig. Auch für ihn. Dear Reader als Vorband. Ach, du liebe Güte. Das wird ein gutes Jahr, okay? Okay!

Mittwoch, 31. Dezember 2025

Unerhört 2025 - Eine letzte Selektion des Jahres

Quelle: pixabay.com / RibhavAgrawal
(Ms) Was bleibt aus dem musikalischen Jahr 2025? Eine Menge Gutes in jedem Fall. Dazu 113 Beiträge auf dieser Seite, knapp alle drei Tage Neues aus der Musikwelt, Konzert- und Album-Reviews und so gut wie jeden Freitag ein Überblick auf hoffentlich hörenswerte neue Songs. Da gilt es auch mal Danke zu sagen. Ja, dieser kleine Blog reißt nicht die Massen an sich, aber die Aufrufzahlen machen mich demütig und stolz, dass Menschen das lesen wollen, was ich hier ins Netz reintippe - vielen Dank fürs Lesen! Natürlich blieb auch eine Menge auf der Strecke. Die Welt ist zu schnell und ich dafür zu langsam. Aber drei Alben sind dieses Jahr erschienen, die hier noch einen Platz haben sollen. Drei Platten, die sehr, sehr unterschiedlich sind und alle mit sehr viel Herzblut und musikalischem Know-How entstanden sind. Eine letzte Selektion aus 2025 - voilà:

Anna von Hausswolff
(Ms) 2012 erschien das Album Ceremony der schwedischen Organistin Anna von Hausswolff und seitdem bin ich immer wieder im Bann dieser außergewöhnlichen Musikerin gefangen. Ihre Wucht an der Orgel, ihre Dramatik in der Stimme, ihre Arrangements, die Wände zittern lassen. Und auf der anderen Seite ist so viel Schönheit, so viel filigranes Fingerspitzengefühl. Und wer sie mal live sehen durfte, weiß: Da sitzt eine Frau, zu deren Musik einst die Welt untergehen wird und sie lächelt dabei so sympathisch und ist eins mit ihrer Musik. Lange war nichts von ihr zu hören und dann meldete sie sich im Sommer mit neuer, eigener Musik zurück, die nicht nur fürs Theater bestimmt ist. ICONOCLASTS heißt die neue Platte, die am 31. Oktober schienen ist. Ja, mit großen Buchstaben. Wie sie mit jedem Album einen Schritt weiter geht aber nie den Kern ihrer Musik aufhebt oder plötzlich etwas völlig anderes macht, ist beeindruckend. 72 Minuten neue Musik. Vielleicht nicht mehr ganz so dramatisch, aber mit ganz viel Glanz und ein bisschen pompöser mitunter. Zum Beispiel wenn sie mit Nick Cave singt und sich damit ein Lebenstraum von ihr verwirklicht. Teils nutzt sie ein paar elektronische Spielereien, die aber nie in den Vordergrund klingen. Der Mittelpunkt bleibt die Orgel und damit eine wahre Kunst. Diese Platte setzt den Weg der Schwedin äußerst sinnvoll fort und wer kann, sollte sie unbedingt live sehen - es wird ein Konzert aus einer anderen Welt werden:

21.01.2026 - Hamburg, Knust
22.01.2026 - Berlin, Huxley‘s Neue Welt
04.02.2026 - Köln, Gloria
06.02.2026 - München, Muffatwerk
07.04.2026 - Wien, WUK


Vlimmer
(Ms) Wenn Alex Donat sich mit seinen Synties wegschließt, ist klar, dass danach immer etwas Neues rauskommt. Und nicht nur, weil es das halt vorher noch nicht gab, sondern weil er sich immer weiterentwickelt. Neben Vlimmer hat er noch ein paar andere Projekte laufen, doch - ich lehne mich mal etwas aus dem Fenster - dieses hier ist sein Hauptaugenmerk. Ist das Dark Wave? Ist das Electro? Industrial? Synthie-Härte? All das und doch trifft es Vlimmers Musik nicht so ganz. Sie ist in jedem Fall immer ein großes Spiel mit der Sprache: Hintersommer heißt seine neue Platte, die am 21. November erschienen ist. Etwas mehr Bass, etwas mehr Wucht, etwas mehr Griffigkeit. Und immer noch viele Abgründe, viel Verborgenes, an dem hier gerüttelt wird. Viel Bass, der durch die Lieder treibt und sein Gesang ist immer mehr zu verstehen, was in meinen Augen die Zugänglichkeit von Vlimmers Tönen enorm erhöht. Auch gänzlich neue Klangwelten wie auf Diskoloration lassen aufhorchen und machen dieses Album zu einer dunklen Entdeckungsreise!


Yasmo & Die Klangkantine
(Ms) Nach zwei eher düsteren Alben wechseln wir hier komplett das musikalische Gebiet, ziehen nicht nur nach Österreich weiter, sondern damit auch zu einer Künstlerin, die aus dem Poetry Slam kommt, eine Meisterin der Sprache ist und mit ihrer Band weiß, wie jedes noch so hartes gesellschaftspolitisches Thema irgendwie doch noch tanzbar aufgearbeitet werden kann. Yasmo & Die Klangkantine haben am 7. November Augen Auf Und Durch veröffentlicht und damit ein großartiges Album, das ganz, ganz viel zu bieten hat. Das liegt zum Einen an der enorm hohen Wörterdichte. Es ist gar nicht so verkehrt, hin und wieder mal mitzulesen, weil nicht nur die Augen, auch das Hirn muss hier mitkommen, um den Gehalt ihrer Musik zu begreifen. Zum Anderen ist da natürlich ihre großartige Band, die mit einem verspielten Brass-Sound extrem viel Spaß macht! Ja, Yasmo packt viele verschiedene Themen an, die mindestens Diskussionspotential mit sich bringen. Doch, der Albumtitel macht es schon deutlich, die Grundstimmung ist gut, blickt nach vorn, bleibt positiv, lädt zum tanzen ein und macht einfach unglaublich viel Spaß. Was für eine Künstlerin!