Freitag, 29. September 2023

KW 39, 2023: Die luserlounge selektiert

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Quelle: wikidata.org 
(Sb/ms) Nazis und Gebäck.
Erst nach meinem Umzug musste ich feststellen, dass die Gegend doch teils strammrechts geprägt ist. Klar, alles kleinere Ortschaften, Dörfer und teils wohlhabende Strukturen. Dennoch. Hier gibt es viele schwarze Ansichten. Oder gar braune. Oder neuerdings hellblaue. Beim Supermarkt klebt sogar ein Aufkleber mit der Aufschrift „Good Night Left Side“ und das ist sicher genau so gemeint. Eben dort ist auch ein Bäcker, nicht besonders gut, aber für den täglichen Bedarf reicht es vollkommen aus. Ich bin ein großer Fan von Croissant oder Schokocroissant. Vorhin holte ich noch eins als Begleitung zum nachmittaglichen Kaffee. In der Kassenanzeige bei jenem Bäcker ploppte dann der Gebäckname des Schokocroissants aus, denn ‚Schokocroissant‘ wäre sicher zu einfach gewesen. Ohne Scheiß, das Teil hieß dort ‚Brauner Bomber‘. Immerhin ist es zum Aufessen, ansonsten hätte ich in die Auslage gekotzt. Musste mich auch nochmal bei den Mitarbeitenden dort vergewissern, dass das denn wirklich der richtige Name ist. Ja, sagten sie. Das sind dann Momente, wo mich nichts mehr schockt.

Future Franz & Dino Paris
(Ms) Seitdem Dino Paris irgendwann mal bei mir aufgeploppt ist, lässt er mich nicht wieder los. Vor allem liegt das an seinem tollen Songwriting. Die Lieder mäandern immer wieder zwischen Dramatik und Ironie und knallharter Gesellschaftskritik. All das stets in ein schönes, fröhliches Liedgeflecht eingebettet. In diesem Jahr veröffentlichte er schon einige völlig verschiedene Singles. Ein toller Beweis von viel Kreativität und Aufrichtigkeit, dass das alles nebeneinander geht. Jetzt setzt er noch einen drauf, wenn er zusammen mit Future Franz singt! Zugegebenermaßen war mir Letzterer völlig unbekannt. Zusammen besingen sie den Arc De Triomphe! Richtig viel NDW, richtig viel Pop und fast schon ein wenig kitschig. Aber halt nur fast. Ja, es ist ein schonungsloses Liebeslied an einen Roadtrip zu Frankreichs Hauptstadt und alle, die schon mal da waren, wissen, wie schön es ist. Es erinnert mich an eine völlig bescheuerte 24-Stunden-Busreise nach Paris in der 10. Klasse. Aber immerhin! Das Lied zeigt, wie nah die 70er/80er wieder sind. Der Sound zwischen Kraftwertk, Goldener Reiter, Drangsal knallt, holt mich ab, lässt mich träumen! Yes, passt!


Tom Odell
(Ms) Immer wieder krass, dass einzelne KünstlerInnen von nur ein, zwei Liedern in meiner Wahrnehmung geprägt sind. Bei Tom Odell würde ich einen Schritt weiter gehen und ausnahmsweise von mir auf andere schließen mit der Behauptung: Another Love ist so ein großer Track, das einiges andere seines Schaffens überstrahlt. Nicht von der Qualität, sondern von der Wahrnehmung. Denn Black Friday, seine neue Single, ist weitaus weniger poppig und sparsamer im Hochglanz. Sondern viel zerbrechlicher. Mehr Akustikgitarre, klar, das Klavier darf nicht fehlen und auch seine markante Stimme. Und wie dieses Lied sich entwickelt ist einfach nur große Klasse, das macht wirklich viel Spaß, auch wenn es bei mir wahrscheinlich nicht lange hängen bleibt, beschert es einen tollen Hörmoment. Eine direkte Albumankündigung ist damit nicht verbunden, aber das wird sicher nur eine Frage der Zeit sein. Bemerkenswert jedoch, was er selbst miterlebt hat. Seit letztem Jahr ist er nicht mehr an ein großes Label gekoppelt und er fühlt sich direkt viel freier in seinem Schaffen. Böse, fiese Musikbranche. Stark, dass er diesen Schritt gegangen ist, sicherlich war er richtig!


Dagobert
(Ms) Auf dem Musikradar schwirren einige Bands und MusikerInnen herum, die nur ab und an mal aufleuchten. Dann aber umso heller. Zugegebenermaßen bin ich kein großer Dagobert-Fan, sodass ich sein Musizieren nicht so nah verfolge, aber immer wenn es etwas Neues gibt, bin ich dabei und zumeist auch sehr angetan. So wie auch jetzt bei seiner neuen Single Todessehnsucht. Dies lässt sich hier wortwörtlich nehmen. Trotz der akustischen Version, den ruhigen Tönen, den schönen Melodien, ist der Text unsagbar traurig. Schaut man sich dazu das schwarz-weiße Video an, ist alles klar, wenn er ein Bretter bearbeitet und sie nach und nach zusammenzimmert. Ja, das ganze neue Album Schwarz, das am 24. November erscheinen wird, ist eine Sammlung von Liedern über den Tod. Ja, Dagoberts Werk war schon oft andächtig und schwermütig, aber noch nie so wie jetzt. Um diese Stimmung noch zu verdichten, verzichtet er auf der ganzen Platte aufs Schlagzeug, damit es alles noch näher, dichter, einnehmender wird. Passend dazu geht er anschließend auf Akustiktour! Neue Platte, neue Tour und das gewissermaßen in neuem Gewandt! Hier weiß jemand, wie Kunst funktioniert! 

05.03.2024 Bozen, Parkhotel Mondschein
06.03.2024 Zürich, Bogen F
07.03.2024 Basel, Gannet
13.03.2024 Stuttgart, Merlin
14.03.2024 Karlsruhe, Kohi
15.03.2024 Mainz, Schon Schön
16.03.2024 München, Fat Cat
22.03.2024 Bern, Gaskessel
23.03.2024 Luzern, Neubad
28.03.2024 Hamburg, Hafenklang
29.03.2024 Berlin, Colosseum
30.03.2024 Leipzig, Noch Besser Leben


Mittwoch, 27. September 2023

Live in Wiesbaden: Angst Macht Keinen Lärm

(ms) Okay, okay, ein paar Tage zu spät, aber immerhin. Hier folgt ein kleiner Bericht zum großartigen Angst Macht Keinen Lärm-Festival in Wiesbaden. Am 16. September ging es wieder ab. Das große Freundetreffen. Denn Turbostaat und Pascow haben Bands eingeladen, mit denen sie schon selbst tourten oder die sie einfach gut finden und zusammen bespielen sie einen ganzen Tag den Schlachthof Wiesbaden. Glücklich, wer eine Karte hatte, denn einige Wochen vorher war die Veranstaltung ausverkauft und alle, die da waren, wissen warum. Sicher war ich einer der wenigen, die noch nie im Wiesbadener Schlachthof waren. Ein phantastischer Ort in Bahnhofsnähe von offensichtlich guten Leuten betrieben. An allen Ecken und Enden fühlte man sich wohl, nirgends Stress und trotz ‚ausverkauft‘ war es super entspannt vor Ort, kein Gedränge, kein Gequetsche und an der Theke sowohl Helles als auch Äbbelwoi. Also bitte!

Elf Bands haben gespielt, nicht alles haben wir gesehen. Am frühen Abends mussten wir einmal zum Bahnhof, was essen. Klar, vor Ort gab es einen Foodtruck. Aber auch nur einen. Und für Vegetarier gab es nur Pommes und noch ein weiteres Gericht. Da war immer massive Schlange. Das hätte man anders lösen können oder müssen.

Das Ende von Dead Years auf der Hofbühne haben wir gesehen und damit war klar: Heute werden die Gitarren raufgeschraubt und die Stimmen geölt! Punkrock an allen Ecken und Enden und die drei haben direkt Spaß gemacht. Ein echtes Highlight kam direkt danach: Nowaves bespielten die Hallenbühne! Und wie! Zum Einen war das ziemlich stabiler Surferrock, doch mit wesentlich mehr Wumms! Mit richtig starken Synthies und einem enorm treibenden Bass - das hat super viel Spaß gemacht, der Name bleibt in jedem Fall hängen! No°rd und Schubsen haben natürlich großartige Namen, konnten mich aber so gar nicht überzeugen. Die einen, weil Punkrock halt auch ein wenig langweilig und austauschbar sein kann und die anderen waren mir ein wenig zu drüber. So ging es schneller als gedacht zum fulminanten Abschluss. Erst spielten Love A und das nach allen Regeln der Kunst. Tags zuvor noch voll in Berlin aufgedreht, Jörkk Mechenbier gut angeschlagen, macht seinem Namen auf der Bühne aber alle Ehre und schraubt sich die kleinen und großen Flaschen gut rein! Mit Erfolg! Eine unsagbar sympathische Band, die zugleich auch echt Druck ausüben kann - hat schon richtig gut reingehauen. Und weiter, immer weiter. Danach standen schon Turbostaat auf der Bühne. Nach überstandener Krankheit haben sie nichts von ihrer Präsenz und Kraft eingebüßt und in den 80 zur Verfügung stehenden Minuten haben sie ein hervorragendes Best Of abgerissen! Wenn ich sie sehe, bin ich immer fasziniert, dass Sänge Jan Windmeier so ruhig bleiben kann. Er brüllt ja auch ab und an, bewegt sich aber eher gehend, ja, schleichend über die Bühne. Doch auch aus ein wenig Entfernung ist zu sehen, wie unglaublich viel Spaß sie hatten in dem Wissen, dass überall nur gute Menschen lauern und Freunde im Backstage, mit denen sie zusammen feiern. So soll es doch sein! Und als wuchtiger Abschluss dann Pascow. An einigen Stellen auf dieser Seite habe ich schon meine riesengroße Begeisterung für diese Band kundgetan. Ich kenne sie erst seit gut vier Jahren und seitdem knallen sie mir die Gehörgänge raus und zeigen, wie Energie auf der Bühne denn definiert wird. Ab dem ersten Takt zerlegen sie alles, was geht. Liegen auf dem Boden, schreien sich die Kehle aus dem Leib, legen ein irres Tempo, einen ungeheuren Druck an den Tag und ich sehe mich selbst, wie ich ihre Zeilen mitbrülle, die Hand in die Luft recke und so, so glücklich bin, diese Band zu kennen und sie dort auf der Bühne zu sehen. Völlige Ekstase, völlig elektrisierend! Ein riesengroßes Fest!

Bei hochsommerlichen Temperaturen geht so ein Punkrocktag in Wiesbaden sehr schnell rum und immer noch zehre ich stark von diesem Erlebnis, da es mich so aus dem Alltag riss, Freude gemacht hat und die sechsstündige Rückfahrt schneller vorbei ging, als gedacht.

Bis zum nächsten Mal!

Montag, 18. September 2023

Captain Planet - Come On, Cat

Foto: Maxe Probst
(Ms) Ist das noch Punk? Soll das Punk sein? Die Frage, ob das wichtig ist, ist berechtigt. Doch wir Menschen denken halt in Schubladen, ganz automatisch, und so stellt sie sich halt. Ich würde sagen: Nein, Captain Planet machen keinen Punk. Dafür fehlen mir ein paar Elemente. Es ist mir nicht kräftig genug, die Wut fehlt an einigen Ecken. Das ist keine Wertung, nur ein Eindruck. Lange war ich auf der Suche nach einem vergleichbaren Sound. Am ehesten ist dieser aus meiner Warte bei Herrenmagazin zu finden. Auch die haben nie Punk gespielt. Beide sind eher im Indierock zu finden. Klar definierte Gitarren, Texte zwischen Gesellschaft und Ich, die dann doch teils eher ins Poetische, Persönliche gehen. Keine Fronten, keine Anklage, viel mehr ein Wechsel zwischen Innen und Außen.
Das Quintett hat nun ein neues Album veröffentlicht: Come On, Cat! Das Letzte erschien vor sieben Jahren, die letzte Show ist über drei her. Wahnsinn! Aber dennoch großartig, dass sie einfach immer weiter machen. Und zwar irgendwie vorwärts. Das suggeriert ja zumindest der Titel. Aber nur zur Hälfte, denn es ist ein Zitat aus Alien, und damit ein Wink, dass es zwar weiter geht, aber der nächste Schicksalsschlag wartet halt nicht lang.
Elf neue Lieder sind auf diesem Album zu hören. Sie sind schnell. Sie machen Spaß. Sie lassen mich aber auch nachdenken, denn ihre Texte sind der Kern des Schaffens. Einige lassen Raum zur Interpretation, andere sind glasklar. Irgendwie ist es ja programmatisch, dass der erste Track Neujahr heißt. Also dann, auf ins Werk! Verzerrte Gitarren für ein paar Momente, dann setzen die Instrumente ein. Bass, Schlagzeug, Gitarre, Stimme. Auch diese Neujahrshymne (beim Thema muss ich immer an Gisbert zu Knyphausen denken) ist keine, die sich gute Vorsätze nimmt. Eine gewisse Art der Resignation auf der Einen, ein Rest Hoffnung auf der anderen Seite. Ein Lied, das schön nach vorne geht, die Rhythmusgitarre ist schnell, das Nachlesen des Textes eine gute Idee. Apropos Lyrik. Die Tiefe der Zeilen wird mir persönlich echt erst in der Nachlese bewusst. Höre ich die Lieder, steckt mich eher die Stimmung an - in der Masse pogen wollen - der Text kommt viel später. In Am Wald geht es gewissermaßen um Eskapismus, Wegseinwollen, am besten allein, weil man den Rest satt hat. Doch dann bereitet man sich darauf vor, zieht es durch und… fühlt es sich gut an?! Ist es die richtige Entscheidung? Diese Frage wird hier gestellt, eine ziemlich Gute obendrein! „Befindlichkeitsfixiert“ ist ein Begriff, den Marcus Wiebusch genutzt hat. Ein Wort, das halt nicht zum Punk passt, sondern eher zur Rockmusik, zum Introvertierten, in-sich-gekehrt-sein. Und das trifft auch auf Drinnen/Draußen zu, einem wahnsinnig nach vorn treibenden Track. Das muss nochmal festgehalten werden, das Tempo ist hoch, die Rhythmusgitarre eine Macht, die im Zusammenspiel mit dem Schlagzeug das starke Grundgerüst des Bandsounds bildet. Über diesem Klang in diesem Lied ein Text über einen Streit, eine üble Auseinandersetzung. Hier geht es nicht um ein Missverständnis, doch hier heißt es: „Hab so sehr gehofft, es wäre heute anders / Lichtjahre aneinander vorbei gelebt.“ Das ist ein hartes Urteil. Es tut weh. Ja, dass es auch echt ungut ausgehen kann, darüber geht es auch in Tag Der Offenen Herzen, zugegeben auch ein saustarker Titel! Der Blick zurück auf eine wundervolle Zeit zu zweit, die aber vorbei ist, und daher unsagbar wehtut. Erinnerungen gibt es auch an ehemalige Weggefährten, an Arne Rattenmann zum Beispiel, ein verstorbener Weggefährte der Band. Tuffi ist ihm gewidmet, einem Menschen, der offensichtlich seiner Zeit voraus war, der Kraft gab, gewissermaßen Inspiration war. Eine energiegeladene Erinnerungshymne, die die Faust ballen lässt. Das starke an solchen Texten, die ja schon eine klare Intention haben: Sie sind oft auch so offen geschrieben, dass ich als Hörender sie mir auch anders aneignen kann. Bei diesen Punkten kann man von ausgefeiltem Songwriting sprechen! Apropos Interpretation. Kadaver ist ein Stück, das vieles zulässt. Je nach dem, welchen Part des Textes man sich denn herauspickt. Ich sehe darin einen berauschenden Ausflug zu zweit, eine Zeit, die dicht, erlebnisreich, intensiv war, in der alles andere - beispielsweise die Tristesse, in der man sich landschaftlich befindet - keine Rolle mehr spielt. Alle anderen Sichtweisen sind selbstredend ebenso erlaubt.

Ja, beim ersten Hören ist mir die Tiefe, die Härte, die Dramatik dieser Platte gar nicht bewusst geworden. Das Lesen der Texte, die Auseinandersetzung mit den Versen hat stark dabei geholfen, dieses Album nah zu betrachten. Ich empfehle es jedem. Denn insbesondere dann eröffnet sich hier eine Platte, die nicht zwingend aus musikalischen Hits besteht. Aber aus Liedern, die zum Einen stark voran gehen und doch lyrisch die Kehle zuzudrücken vermögen. Auch das ist Kunst. Come On, Cat ist ein enorm starkes Album. Punkt. Live spielt die Band bald hier, geht da unbedingt hin!

30.09.23 Hannover, Béi Chéz Heinz
01.10.23 Berlin, Frannz Club
02.10.23 Dresden, Chemiefabrik
13.10.23 Kiel, Hansa 48
14.10.23 Münster, Gleis 22
15.10.23 Köln, Artheater
16.10.23 Darmstadt, Oetinger Villa
17.10.23 Karlsruhe, P8
18.10.23 Nürnberg, Desi
01.12.23 Wolfsburg, Sauna-Klub
02.12.23 Leipzig, Conne Island
15.12.23 Hamburg, Hafenklang
16.12.23 Hamburg, Hafenklang
04.01.24 Bremen, Tower
05.01.24 Dortmund, FZW
06.01.24 Göttingen, Musa


Dienstag, 12. September 2023

Fortuna Ehrenfeld - Glitzerschwein

Foto: Christian Ohlig
(Ms) Übersättigung. Selbst wenn etwas richtig Gutes für einen bestimmten Zeitraum zu viel wird, vergeht die Lust irgendwann daran. Dann stumpft man ab. Die Reaktion wird träge. Die Emotion etwas taub. Von Begeisterung oder Vorfreude keine wirkliche Spur. Es wird abgenickt, wahrgenommen, ad acta gelegt.

So ging es mir zuletzt mit Fortuna Ehrenfeld. Beim Album Helm Ab Zum Gebet war ich vollkommen aus dem Häuschen. Was für ein wunderschönes, rundes Werk, das den Klang der Band hervorragend eingefangen hat! Dann kam das französischsprachige Pendant. Zwei Jahre später Die Rückkehr Zur Normalität, die mich schon gar nicht mehr so doll abgeholt hat. Es folgte im letzten Jahr Solo I. Und nun geht es weiter mit Glitzerschwein, das am Freitag (8. September) auf dem eigenen Label herauskommt. Zum Einen verstehe ich, dass die ganzen Ideen, Verse, Melodien, Rhythmen und Gedanken irgendwo hin raus müssen. Am besten in Liederform und nicht nur für sich allein. Doch die Band, die mich seit einigen Jahren vollkommen vom Hocker haut - diese heilsame Lyrik!!! - holte mich mit der Ankündigung zur neuen Platte gar nicht mehr ab. Ich war voll. Voll von Fortuna. Voll von Shalala. Voll von Halleluja. Voll von den ganzen repetetiven Momenten aus dem eigenen Kosmos. Sie haben mich alle nicht mehr abgeholt. Hör mir bloß auf mit Fortuna Ehrenfeld, diesem ganzen Köln-Gedöns, den Schlafanzügen, den Rotweinflaschen. 

Pause. Stop. Mal eben durchatmen. Nur weil mir der Output der Band zuletzt zu viel war und ich das alles gar nicht aufsaugen konnte und wollte, heißt es nicht, dass ich der neuen Platte gar keine Chance gebe. Also, alles auf Null, mal eben an die zahllosen großartigen Konzertkomente erinnert (Strandkorb in Wilhelmshaven, Kirche in Köln, Kneipe in Rheine, Knust Openair undundund…). Okay.
Glitzerschwein also. Wie gesagt, die Band hat sich einen eigenen Kosmos erschaffen und lebt darin. Schon okay, dass die Platte so heißt wie ein Schlachtruf von vor ein paar Jahren. Es bleibt ja auch nicht allein beim Alten. Elin Bell ist die Neue. Die Neue an den Tasten. Daher steigt schon die Spannung, ob das denn eine Auswirkung auf den Klang, den Swing der Gruppe hat.

Hat es nicht. Und das ist eine gute Nachricht. Alles schwingt herrlich so weiter, wie man es von dem Trio gewohnt ist. Mal rasten sie aus. Dann rasten sie wieder ein. 12 neue Lieder sind auf der Platte zu hören. Einige sind großartig, andere skippe ich weg. An Der Ecke Bellt Ein Hund ist der Starter und es erklingt ein wunderbar weiches Klavier, hach, diese Töne. Ich habe sie doch vermisst! In den ersten knapp drei Minuten wird mal wieder klar, was dabei herauskommt, wenn Martin Bechler mit Worten Tetris spielt: Kunst! Selten war deutschsprachige Popmusik in den letzten Jahren so poetisch. Verse aus dem Herzen, vom Schmerz und von der Liebe. Als Unsere Gegenwart Science-Fiction War enthält genau den Sound, der mittlerweile Alleinstellungsmerkmal der Gruppe geworden ist. Entspannte Orgel, entspanntes Schlagzeug, entspannte Akustikgitarre, sodass der Text schön im Vordergrund stehen kann. Ein eher unaufgeregtes Lied bis auf die letzte Zeile der letzten Strophe: „Alles, was ich suchte / konnt ich in dir finden / Lass mich nochmal schaun / und dann lass mich erblinden.“ PENG!
Zur Interpretation von Bechlers Texten gehört natürlich auch immer Spekulation. Ich spekuliere, dass Straßen Lang Wie Segeltau eine der großen Hamburg-Hymnen ist. Ein Gang nach Hause nach einer durchzechten Nacht über die Flaniermeilen. Träumen, schwelgen, ausnüchtern, fliegen. Stark sind die Lieder natürlich dann, wenn sie ganz nah am Schreiber selbst sind. Auf Revolution No. 9 öffnet sich Bechler eventuell sehr mal wieder sehr stark oder zeigt ungefiltert seine textlichen Stärken. Oder beides, hoffentlich. Fast noch nie hat er einen Text so sprechend vorgetragen, hier wird nicht gesungen. Einige Worte übersteigen meinen intellektuellen Horizont, aber das ist schon okay. Trotzdem/deswegen ist es schön. „Ich sterbe für die Liebe / Und ich blute auf Papier!“ PENG PENG! Aufm Park & Ride Von Golgatha ist nicht nur ein herrlich verträumtes Liebeslied, sondern auch ein sehr harmonisches Duett von Martin Bechler und Elin Bell. Diese beiden Stimmen bilden eine wunderschöne Ergänzung. Zuletzt packt Bechler all seinen Welt- und Liebesschmerz in seiner Stimme auf Tragically Hip… und dann ist das Album vorbei.

Wobei das ja nicht ganz stimmt. Mit den anderen, hier ausgesparten Liedern kann ich einfach nichts anfangen. Ich skippe sie, brauche sie aus verschiedenen Gründen nicht hören. Sanfte Tastentöne bei Leck Mich Am Arsch, Amore Mio, aber mehr irgendwie auch nicht.
Wir Propagieren Den Exzess kann weg… „Endless Love By Ordnungsamt“, was soll das?! Das Technogedingel aus den Konzerten nun auf Platte, aber das nervt ja schon bei den Konzerten… Autobahn hat nichts mit Kraftwerk zu tun, auch sehr schön, aber das war es dann auch. We Need To Go Maraca… dieses krasse Geballer brauche ich einfach nicht von dieser Band. Queen Of Fucking Everything klingt zwar super schön und auch einzelne Verse sind toll, aber ich komm nicht so recht dahinter. Wir Müssen Uns Bewegen… Ja, zum nächsten Lied!

Puh, was nun anfangen mit dem Glitzerschwein? Selten stand ich einem Fortuna Ehrenfeld-Album gespaltener gegenüber. Von Beginn bis zum Ende. Die Hälfte haut mich vom Hocker, die andere geht so vorüber. Aber das sind sie… die feinen Unterschiede der subjektiven Wahrnehmung. Dass Martin Bechler immer noch ein großer Poet ist, zeigt er schonungslos. Dass die Band sich auch ein wenig weiter entwickelt hat, ist auch zu hören. Mir gefällt es nicht so, aber was soll das schon. Gerne überzeuge ich mich demnächst wieder live davon:

28.09.2023 - Lido, Berlin
29.09.2023 - Kupfersaal, Leizpig
30.09.2023 - Beatpol, Dresden
12.10.2023 - TOWER Musikclub, Bremen
13.10.2023 - Knust, Hamburg
14.10.2023 - Musikzentrum, Hannover
15.10.2023 - Gloria, Köln
19.10.2023 - Z-Bau, Nürnberg
20.10.2023 - clubCANN, Stuttgart
21.10.2023 - Ampere, München
22.10.2023 - Brotfabrik, Frankfurt am Main
29.10.2023 - Gloria, Köln




Samstag, 9. September 2023

Live in Oldenburg: Gisbert zu Knyphausen

Foto: luserlounge
(Ms) Alte Bekannte treffen. Bei einigen ist es immer schwer, wieder ins Gespräch zu kommen. Dann werden alte Geschichten aufgewärmt und gemeinsam schwelgt man in Nostalgie. Doch es gibt auch jene, die man lange nicht gesehen hat und beim wieder stattfinden Aufeinandertreffen ist sofort Verbundenheit da.
Das gibt es auch in der Musik. Diesen Mittwoch war das so mit Gisbert zu Knyphausen, den ich schon ein paar Jahre nicht gesehen habe. Aber es war sofort so, wie erdacht und erhofft: nah, schön und hart. Diese Woche war er auf kleiner Tour in eher ungewöhnlichen Städten: Oldenburg, Darmstadt, Lindau, Erlangen, Dresden. Um die Metropolen herum. Vielleicht dann genau dort hin, wo er sich wohl fühlt.
Am Mittwoch war er in der Kulturetage in Oldenburg. Ein schöner Laden in Bahnhofsnähe, bestuhlt und gemütlich. Es ist sogar möglich auf dem Oberrang zu sitzen und das wurde dann auch in die Tat umgesetzt - wie sich zeigte, eine gute Idee.
Denn Gisbert zu Knyphausen war nicht alleine unterwegs, sondern Karl Ivar Refseth war mit dabei. Er spielte Vibraphon und steht auch regelmäßig mit The Notwist auf der Bühne. Ich sah sie auch schon vor vielen Jahren bereits zusammen und konnte mich erinnern, dass Gisberts Stimme, Gitarre und Vibraphon eine sehr gute Kombination ist. Zusammen erzeugen sie einen warmen, sphärischen und sehr ruhigen Klang. Das perfekte Setting für seine oft so melancholischen oder ausweglosen Texte. Ja, das ging ganz schnell, dass all diese Zeilen wieder vor dem inneren Auge aufploppten. Über gut eineinhalb Stunden spielte er sich durch seine Diskographie und zwei, drei neue Stücke waren auch dabei. Ja, er hat ein bisschen das ausgekramt, was länger schlief, denn mit seinen eigenen Liedern war er länger nicht auf Tour. Umso schöner, dass der Abend so gut besucht war. Den Menschen taten diese Lieder, die das Herz auch mal gerne übel treffen, wohl gut. Sie haben leidenschaftlich applaudiert, während Gisbert unter der spätsommerlichen Hitze litt.
Was mich an dem Abend jedoch beschäftigt hat, war das Vibraphonspiel von Karl Ivar Refseth. Dafür war der Platz oben wie gemacht Er steht vor seinem Instrument und rechts neben ihm ist eine kleine Ablage. Vier weiße Schläger. Zwei schwarze, drei rote, zwei Drumsticks, zwei Ketten und zwei eher kleine Geigenbögen. Es hat mich fasziniert, wie er sein Instrument spielte. Sanft und versunken. Zart und dann wieder knarzend. Und mit sehr viel Bedacht, ja Liebe, könnte man sagen. Wie aufmerksam er die Schläger auf die Töne haute, was das für einen Klang erzeugte… Das war großartig, selten gesehen. Und die perfekte Begleitung, um Gisberts Texte in all ihrer Schönheit und Härte in Szene zu setzen! Ein unsagbar schöner Abend!

Freitag, 8. September 2023

KW 36, 2023: Die luserlounge selektiert

Quelle: Wikimedia.org
(Sb/ms) Ha! Ja! Das ist der perfekte Quatsch, über den ich mich leidenschaftlich aufregen kann. Also los:
Letztens einer beruflichen Besprechung beigewohnt. Zwei Stunden, mäßig sinnvoll. Ich schau halt so rum, aus dem Fenster, spiele mit dem Kuli. Doch dann blinkte etwas drei Stühle weiter auf. An einem Handgelenk. So eine Smartwatch. Das ist ein ganz eigenes Thema. Mir geht es nur darum, was ich darauf lesen konnte. Irre! Wahnsinn! Da stand echt drauf: „Zeit aufzustehen.“ Dazu passenderweise ein Pfeil nach oben, damit auch allen klar ist, dass ‚aufstehen‘ und ‚nach oben‘ irgendwie zusammenhängt. Fassen wir also zusammen: Die Uhr gibt Befehle, wann die Kollegin sich zu bewegen hat. Die kann bestimmt auch sagen, wie lange sie unterwegs sein muss, damit die Uhr wieder zufrieden ist und klein bei gibt. Nicht, dass sie sich von alleine enger stellt, triezt, piekst. Ja, vielleicht mag es ja Menschen dabei helfen, sich ein wenig mehr zu bewegen, das mag alles sein. Vielleicht ist es für einige ja super und ein guter Motivator. Doch wenn ich da so sitze und diese Befehle sehe, dann sehe ich die Menschheit auch ein Stückchen weiter an der Absage zur Selbstbestimmung.

Dirty Sound Magnet
(Ms) Richtig in Musik eintauchen. Tief und versunken. Einige Genres sind dafür prädestiniert, ja, tragen dieses Gefühl sogar im Namen: Psychedelische Musik. Okay, das ist eher eine Beschreibung anstatt ein klares Genre, denn die Instrumente, die genutzt werden können, um einen psychedelischen Zustand zu erreichen, sind gänzlich unterschiedlich. Krautrock hat es meines Erachtens mit Synthesizern oder klassischer Bandbesetzung geschafft. Und auch in der Rockmusik sind viele Beispiele zu finden. Heute ist es Dirty Sound Magnet, die zwei wichtige Säulen der psychedelischen Musik super verinnerlicht haben. Zum Einen sind es die stetigen Wiederholungen, insbesondere in der Basslinie, zum Anderen sind es lange Lieder, auf denen sich solch eine Spielweise halt auch richtig ausleben lässt. Das Trio aus der Schweiz veröffentlicht am 20. Oktober ihr neues Album Dreaming In Dystopia und es könnte richtig, richtig gut werden, wenn die Linie, die in der Single Insomnia verfolgt, aufrecht gehalten wird. Es ist abwechslungsreich und fetzt - was will man mehr…


Enno Bunger
(Ms) Was tun? Im Hier und Jetzt. Schaue ich in die Nachrichten, will ich sie direkt wieder aus machen. Nur Apokalypse. Klima. Kriege. Wirtschaft. Bildung. Alles geht den Bach hinunter. Viele leiden, wenige profitieren. Ekelig und bedrückend. Was also tun? Lese ich alles nach? Lasse ich mich jeden Tag aufs Neue herunterziehen? Stelle ich mir die Frage, ob meine Freizeitaktivitäten in solchen Zeiten noch angemessen ist? Darf ich das alles? Darf ich auch mal sorglos sein? Verzweiflung oder Trotz? Ich wähle letzteres und bin damit auf der Seite von Enno Bunger, der endlich mal wieder ein neues Lied für die Welt hat, in dem es genau um diese Gegensätzlichkeiten geht. Passenderweise heißt das Stück auch Weltuntergang, tut aber gar nicht so weh. Denn: „Alles hört auf, komm, wir fangen was an.“ Ist es nicht diese Einstellung, die uns hilft?! Natürlich müssen wir uns um all das kümmern und einen Teil dazu beitragen. Uns kann das Elend der Welt nicht egal sein, aber durchzechte Nächte dürfen wir dafür nicht abhaken! Augenmaß und Weitblick sind maßgeblich. Oder?
Natürlich wird eine Single nicht einfach so in die Welt hineingepustet. Enno Bunger hat auch was anzukündigen: Eine Tour und ein eigenes Label und sicher auch bald die Nachricht, dass auf diesem neuen Label ein neues Album erscheint. Die Spatzen pfeifen es von den Dächern: Weltuntergang!



Voodoo Beach
(Ms) Die gute, alte Frage: Wann reinhören? Wann lauter machen? Wie kommt der Punkt, dass Musik mich packt? Manchmal ist es die Musik an sich, manchmal sehr gute PR. Manchmal beides. So wie just im Falle von Voodoo Beach, die ich so gar nicht kannte. Die Band wird tituliert als Dark Psychdelic Rock Trio. Yes, da bin ich dabei. Und hätte nie gedacht, dass sie auf Deutsch singen. Auch ohne Gesang packt mich der Sound unmittelbar, denn er ist ungeheuer dicht und kompakt. Dunkle Gitarre, satter Bass, ein Schlagzeug das schleppt und schleppen soll. Für mich ein ganz klares Zeichen, dass die Drei extrem gut miteinander harmonieren, sonst lässt sich so ein Sound eventuell gar nicht erzeugen. Dann der Titel der neuen Single: Die Hand. Yes, hat irgendwie was programmatisches. Der Inhalt des Textes ist nicht mal so tiefgehend. Aber so wie er dargeboten wird, vom Singtempo und dem angesprochenen Sound, kommen die einfachen Zeilen hammerhart zur Geltung. Boah, macht das Bock! Ich bin sofort dabei und freue mich jetzt schon ungemein auf das neue Album Wonderful Life, das am 1. Dezember erscheint. Wuhuuuu!



Moop Mama & Älice
(Ms) Lebt dieser Brass-Sound eigentlich noch? Irgendwie beschlich mich das Gefühl, dass die Zeit von Moop Mama und Co nicht mehr so glänzen. Hach, so kann ich mich täuschen! Denn so, wie Moop Mama hier klingen, habe ich sie lange nicht gehört. Liebe ist natürlich immer noch dabei, aber der Klang an sich ist viel satter, voller, krasser geworden. Tiefer, deftiger, geht mehr durch Mark und Bein. Und macht ja auch ein bisschen mehr Bock, wenn noch mehr Leute als ohnehin dabei sind. So machen Moop Mama gemeinsame Sache mit Älice, die von Chefboss bekannt sein sollte. Wozu gemeinsam singen? Klar, darüber, dass Zusammenhalt eine Tugend ist, die niemals enden wird! Bildet Banden heißt der neue gemeinsame Track, der so richtig geil ballert. Ja, anders kann man es kaum sagen. Hier kommen Spielfreude, Haltung und Tanzwut im genau richtigen Maße zusammen und davon kann man sich bald hier wieder überzeugen. Große Empfehlung!

08.11.23 Hannover, Faust
09.11.23 Köln, Stadtgarten (ausverkauft)
10.11.23 Karlsruhe, ARD Hörspieltage
11.11.23 Erlangen, E-Werk
12.11.23 Hamburg, Mojo
14.11.23 München, Ampere (ausverkauft)
15.11.23 Regensburg, Alte Mälzerei
16.11.23 Stuttgart, Club Dann



Monta
(Ms) Überraschung! Ich dachte erst, dass ich das falsche Lied erwischt habe, aber es ließ keinen Zweifel zu. Titel und Interpret waren korrekt eingegeben. Dann… etwas später habe ich auch die Stimme erkannt. Die Stimme, die mich schon so viele Jahre begleitet und mir gut tut. Es ist die Stimme von Tobias Kuhn und seinem Projekt Monta. Vor fünfzehn Jahren kam sein überragendes Album Where Circles Begin raus (das jetzt übrigens erstmals auf Vinyl erscheinen wird - kauft das bitte!), ein Nachfolger noch, dann die lange Stille und nun werden alte Pfade wieder begangen. Doch halt auf überraschende Weise. Der Name und die Person sind die selben. Doch kaum wieder zu erkennen. Viel positiver und leichter ist der Klang. Viel poppiger das Arrangement. Hinfort ist die Schwermut und Melancholie. Schon ein paar neue Lieder gab es in den letzten Wochen und Monaten zu hören. Doch bei Every Little Lie Hits Before It Hurts ist nochmal etwas ganz Neues. Es ist super radiotauglich und könnte von allerlei anderen Barden kommen. Doch es ist Tobi Kuhn und niemand anders. Sonst hätte ich wahrscheinlich nicht nochmal hingehört, weil es auch etwas belanglos klingt, aber da schwingt etwas mit, eine alte Begeisterung, ein alter Kniefall vor seiner Kunst, dass dieses Lied weiter klingt als gedacht…

Freitag, 1. September 2023

KW 35, 2023: DIe luserlounge selektiert

Quelle: de.Wikipedia.org
(Sb/ms) Nachts mal aufwachen ist gar nicht so schlimm, wenn es dann direkt mit Schlaf weiter geht. Einmal orientieren oder auf die Uhr schauen. Viel fieser ist es, wenn das Einschlafen an sich behindert wird. Und das durch miese, kleine, unberechenbare Geräusche. Dieses elendige summen, surren, säuseln. Ein Schlag nach dem Mistvieh, natürlich nicht getroffen. Dann wieder von vorne. Licht an. Die Suche beginnt, ist erfolgreich, die Decke wieder über dem Körper, die Wärme kehrt zurück. Doch leider auch dieses grauenhafte Geräusch. Bah, ich kann es nicht mehr ab. Diese blöden Mücken mit ihrem grauenhaften Geräusch. Wer hat die Dinger eigentlich erfunden?! Sie dienen im Tierreich doch nur als Nahrung. Oder? Warum dürfen die dann stechen und uns dann den Schlaf rauben? Ich wünsche mir hiermit eine Lösung für diese Nächte!


Hannes Wittmer
(Ms) Ab und zu kommt die Frage, welches denn nun das beste Konzert sei, auf dem man je gewesen wäre. Aufgrund von großen Unterschieden der Genre - nie würde ich Sigur Rós, Ghost und Kettcar vergleichen - ist das gar nicht möglich. Doch recht schnell ist ein wunderbarer Abend mit Hannes Wittmer im Hamburger Nachtasyl in Erinnerung. Zum Einen herrschte eine furchtbar nahe Atmosphäre im Publikum und zwischen Wittmer und allen Gästen. Dann kommt seine Art dazu, wie er spricht, singt, ansagt. Zum Anderen durften Menschen aus dem Publikum mitsingen, also ins Mikro auf der Bühne. Die Grenzen verschwammen, das Herz blieb stehen, es war ganz heimelig, vertraut, geborgen, mehr als Musik. Es war zuletzt ein wenig Still um Hannes Wittmer, er musste sich wohl neu sortieren. Doch nun ist ein Lied draußen, das er anlässlich des 20. Geburtstages vom Grand Hotel Van Cleef aufgenommen hat. Marcus Wiebuschs Was Hätten Wir Denn Tun Sollen hat auch schon Jürgen Vogel mit der Hansen Band gesungen und nun ist es Hattes Wittmer, der selbst dazu viel bessere Worte hat als ich. Seinen Blog zu lesen ist eh eine große Empfehlung. Genauso wie dieses Lied zu hören:


Get Well Soon & Tristan Brusch & Lie Ning
(Ms) In der doch recht langen Zeit, wo dieser Blog existiert, habe ich noch nie Werbung für ein einzelnes Konzert gemacht, auf das ich nicht gehen werde. Nicht gehen werden kann. Unter der Woche, no Chance. Am 2. November solltet ihr alle nach Düsseldorf fahren in den sehr schönen Robert-Schumann-Saal, direkt hinterm Rhein. Er ist einer der Veranstaltungsorte vom toll besetzten New Fall Festival. An diesem Donnerstag werden Get Well Soon, Tristan Brusch und Lie Ning sich die Bühne teilen. Was für eine enorme Kombination, was für eine Wucht, was für eine tolle Schönheit! Konstantin Gropper und Band geben an jenem Abend ihr zweites Konzert in diesem Jahr, da sollte man zuschlagen. Ob alle Künstler zusammen spielen werden, weiß ich nicht, aber ich wünsche es mir. Lie Ning kenne ich leider gar nicht. Aber allein die Vorstellung, dass Gropper und Brusch zusammen singen könnten, ist frech! Daher: Bitte alle hin da und einen wohl phänomenalen Abend erleben!


Ghost Woman
(Ms) Wo landen eigentlich alle die verwackelten Videoaufnahmen, die die Menschen pausenlos machen?! Die Antwort ist hier, im neuen Musikvideo von Ghost Woman zum Track Alright, Alright. Nun gut, ums Video geht es hier selbstredend nicht, sondern um den ziemlich starken Song. Zufällig sah ich das Duo vor ein paar Wochen beim Watt en Schlick Fest und war schnell ziemlich angetan, auch wenn ich für den Sound der Band viel zu nah vor der Bühne stand. Denn es war reichlich laut. Das, was Evan Uschenko und Ille van Dessel da machen, hat Wucht. Das ist die Definition von Dichte in der Rockmusik. Zahlreiche Verzerrer und Effektgeräte nutzt Uschenko, anders ließe sich dieser Klang nicht erzeugen. Dazu das unsagbar lässige Schlagzeugspiel von van Dessel und fertig ist diese Musik mit hohem Wiedererkennungswert. Der hypnotische Track ist die Ankündigung zum neuen Album Hindsight Is 50/50, das am 24. November erscheinen wird. Beeindruckend: Das Duo schafft es, ihren genauso gewollten, meist improvisierten Klang - der Gesang ist fast obsolet - im Studio und auf der Bühne gleich umzusetzen! Dreht das auf!


Adam Angst
(Ms) Was machen Die Ärzte eigentlich gerade? Ich glaube, sie spielen eine Hallentour oder so. Naja, ist mir auch relativ egal, weil ich mit der Band ohnehin nie was anfangen konnte. Wie komme ich drauf?! Es hatte den Anschein, dass ihre neue Single heute rauskommt. Doch dann musste ich nochmal auf den Interpreten gucken und habe festgestellt, dass Wir Sind Zusammen ja gar nicht von den Ärzten gespielt wird. Klingt aber extrem danach. Nein, hier sind Adam Angst am Werk und hauen den nächsten Track raus, um die Wartezeit auf ihr neues Album Twist (17. November) zu verkürzen. Der Text passt irgendwie zu beiden Gruppen, ein bisschen Ironie, oder doch nicht?! Ist es ernst gemeint, was Felix Schönfuss hier proklamiert? Die Pärchen, die hier besungen werden, kennen wir alle, glaube ich. Doch für ein Adam Angst-Stück ist fehlt mir doch ein bisschen mehr Härte in den Gitarren, auch der ‚Chor‘gesang zwischendurch muss nicht sein. Nun gut, es ist einfach nicht nach meinem Geschmack und das ist ja eine heikle Sache beim Musikhören und -darüberschreiben… Also, Bitteschön: