Freitag, 6. November 2026

KW 45, 2026: Die luserlounge selektiert

Quelle: flaticon.com / Shuvo.Das 
Hallo Hoffnung! Na, da bist du ja wieder. Schon dich zu sehen und dich auch zu spüren. Gut, dass du noch da bist. Es gab ja durchaus Tage, da kamen ein paar Zweifel auf. Erst Serbien, dann Israel (obwohl da ja ziemlich unklar ist, wie es weiter geht) und nun good, old Amerika. Dass so viele Leute die Demokraten gewählt haben - großartig! Sehr divers, sehr auf die Bundesstaaten zugeschnitten und mit all den gewählten Menschen wirkmächtig. Klar, es kann auch sein, dass der orangene Mann jetzt komplett durchdreht und nur noch mit dem Filzstift regiert. Aber es lassen sich nun wesentlich besser Steine in den Weg legen. Sehr, sehr gut. Nicht nur für die Welt. Sondern auch für die Menschen in den Staaten, denen das Geld ausgeht oder die sich ein Leben so nicht mehr leisten können. Klar, Hoffnung, an dir hängt jetzt eine Menge. Aber du kannst zum Glück auch richtig gut abliefern! Ich hab Bock!

Cava
(Ms) Herrlich, wenn die Gitarren direkt ab dem ersten Takt scheppern, oder?! Schwere Riffs leicht gespielt, einige Effekte drüber, krachendes Schlagzeug dazu und schon hat man den Sound von Cava. Das Berliner Duo macht seit einiger Zeit auf sich aufmerksam und am 27. November erscheint ihr neues Album Good Luck. Heute erscheint - um die Spannung schön hoch zu halten - ihre neue Single Every Life, die mit viel Tempo und Druck nach vorn überzeugt. Das, was Amyl & The Sniffers im ganz großen Stil sehr erfolgreich aufziehen, machen diese beiden Damen mindestens genauso gut! Und es macht sehr viel Spaß. Im allerbesten Sinne unkomplizierte Musik, die sehr viel Spaß macht und nur eine Richtung kennt: voran, voran!


Takeshi‘s Cashew
(Ms) Ach, ich bin auch einfach ein leichtes Opfer. Zeig mir eine Band mit einem originellen Namen und ich bin dabei. Klar, die Musik muss auch stimmen, aber ein pfiffiger Name macht schon was her. Und Takeshi‘s Cashew ist leider genial! Zum Glück macht diese Band wirklich geile Tracks und letzte Woche erschien ihr neues Album Planet Odyssey 64 und es macht ja so, so viel Spaß! Darin ist ein wenig Weltraum, ein wenig Ufo, ein bisschen mäandernder Rausch, wilde Synthie-Tänze und ungehörig viel Freude am guten Rhythmus. Ja, das ist das bestechende Element. Wer Bock hat Oum Shatt in etwas leichtfüßigerer, verspielterer Art zu hören, ist hier genau richtig!



Please Madame
(Ms) In letzter Zeit beschleicht mich der Gedanke, dass es vielleicht am schwersten ist, leicht klingende Musik zu machen. Leicht im Sinne von: hier wippt auf einmal ganz unbemerkt der Kopf mit. Leicht im Sinne von: das ist beruhigend und hat doch einen guten Groove. Leicht im Sinne von: Ach, einmal durchatmen. Please Madame aus Salzburg bringen heute den passenden Track dazu heraus. Your Taste heißt er. Nicht nur, dass es einfach klassisch-guter Indiepop ist, man darf im Video der Band auch teils beim Essen zuschauen. Genial. Auch im Bewegtbild passiert so herrlich wenig. Und doch so viel. Das ist doch ganz verrückt. Genauso wie der Song: es geht dazu, sich einfach mal vom eigenen Geschmack leiten zu lassen. Mehr Bauchgefühl. Weniger Kopf. Na, wenn das nicht ideal in unsere Zeit passt. Eben. Ab dafür:


Eilis Frawley
(Ms) Ich wünsche mir, dass ich tausende Jahre alt werde. Und sollte das aus irgendwelchen Gründen nicht klappen, dann doch so lang wie möglich. Aus einem simplen Grund: Es gibt so viel gute Musik zu hören, dafür reicht ein Leben doch gar nicht aus, oder? Es gibt so viele unfassbar kreative MusikerInnen da draußen - ich muss das doch alles hören und darüber schreiben. Ein Glück, dass es Eilis Frawley gibt. Die Drummerin hat gar keine Furcht, sich nicht an irgendwelche Genregrenzen zu halten. Sie ist ein absoluter Freigeist. Genial und hochgradig beeindruckend! Heute veröffentlicht sie ihr neues Album Twist My Words und es ist ein phantastischer Hörgenuss. Ihre Stimme nutzt sie für Spoken Word-Texte. Doch am interessantesten sind all die tollen Arrangements und Rhythmen. All die Soundschnipsel, die durch ihre Lieder strömen. All den Drive, den diese Musik aufnimmt. Hier verschieben sich auch oft mal die Takte, dann setzen wieder Streicher ein, dann dominiert ein Bass. Das ist ganz, ganz großartig gemacht. Hört euch bitte, bitte dieses Album an:


Donnerstag, 5. November 2026

Live in Bremen: The Notwist

Foto: luserlounge 

(Ms) Es ist oft wie verhext: Da stehe ich am Mittwochabend im wunderbaren Bremer Schlachthof und sehe The Notwist und denke mir: „Warum ist das nicht meine absolute Lieblingsband?“
Alles spricht dafür: super Leute, tolle Texte und vor allem - also ganz stark gewichtet - irre Kompositionen, phantastische Arrangements und die große Gabe, das live tatsächlich genauso rüber zu bringen. Doch wenn ich zu Hause Musik höre, kommen The Notwist gar nicht so oft vor. Es ist wie verhext.
Die Band ist derzeit auf großer News From Planet Zombie-Tour und ein Stop in Bremen ist immer eingeplant. Kein Wunder: Alle, die schon mal im Schlachthof waren, kommen gern wieder zurück. Zudem hat sich das Team von Arte Concerts gedacht, das mal aufzuzeichnen. Sechs Kameraleute habe ich gesehen, die den Abend aufgezeichnet haben. War es deshalb so großartig?! Ich denke nicht.
The Notwist live sind deshalb so unglaublich großartig, weil hier ein Organismus Musik macht. Wenn insgesamt 12 Leute diese Lieder spielen - die hatten ein Harmonium dabei! - und es sich so klar, so weich, so rund, so eins anhört, dann sind hier auch echt krasse Profis am Werk. Ihr unglaubliches Können, ihre blinde Abstimmung ist dabei nicht mal zu sehen. Alle MusikerInnen strahlen so eine unglaubliche Leichtigkeit aus in dem, was sie tun. Das ist einfach sehr beeindruckend.
Wenn sie dann mit Teeth starten, ist das beinahe frech. Der Opener vom aktuellen Album ist ja auf Platte schon toll - live setzen sie einfach noch ein paar Schippen drauf. So baute sich ein Abend zusammen, bei dem der Fokus dezent auf den neueren Stücken lag, aber die Durchmischung war extrem. Extrem gut.
The Notwist ist eine Band, bei der es mir tatsächlich weniger auf die einzelnen Lieder ankommt. Oft kann ich nichtmal den Titeln den tatsächlichen Song zuordnen. Doch das ist mir egal. Es geht mir um die Energie. Wenn diese Band auf der Bühne steht, entsteht ein Sog. Ein Drive, der gewaltig ist. Mal zerbrechlich und überaus schön. Dann wieder wuchtig mitreißend. In allen Takten herrscht eine unglaubliche Liebe zum Detail. Keine Ahnung, wie viele elektronische Gerätschaften auf der Bühne standen, um diesen Sound zu erschaffen. Neben all den Instrumenten. Und es klingt so, so eins. Insbesondere Karl Ivar Refseth ist dabei hervorzuheben. Der Mann hinter dem Vibraphon ist ein Phänomen. Er strahlt nicht nur viel Gelassenheit und Positivität aus, sondern er spielt mit so einer Inbrunst und einer unverschämten Genauigkeit. Was er aus all seinen Instrumenten an Tönen rausholt, ist irre. Mit dem Geigenbogen über die Vibraphonstäbe?! Klar, kein Problem! Checkt mein Hirn nur nicht.
Am Mittwoch hat zudem eine tolle, minimalistische aber sehr wirkmächtige Lichtshow dazu beigetragen, dass es ein denkwürdiger Abend wurde. Ein paar Male sah ich die Band nun schon live. Ich bin mir sicher, dass dieser Abend das absolute Highlight war. Ein Glück, dass Arte das festgehalten hat. Wenn der Mitschnitt fertig ist, tauche ich nochmal in diesen beeindruckenden Abend ein.