Samstag, 17. Januar 2026

Amanda Bergman - Embraced For A Second As We Die

Foto: Julia Mård
(Ms) Gestern ist Embraced For A Second As We Die von der schwedischen Musikerin Amanda Bergman erschienen. Es ist wunderschön. Hier folgt ein kleiner Text dazu, der keine wirkliche Rezension sein will - oder doch?!

Warum hören wir alle so gern Musik? Was macht diese Kunstform mit uns? Welche Kraft wohnt ihr inne? Neben all der Euphorie, all dem Dopamin, all dem Tanzen, was sie erzeugen kann, kann Musik an ganz anderen Orten auch wirksam sein. An Orten und Stellen, an denen wir verletzlich sind. In Momenten, in denen wir Trost brauchen, Ruhe, Zuspruch, eine Akzeptanz der Situation. Insbesondere Halt ist ein ganz wichtiger Faktor. Ich bin fest davon überzeugt, dass jeder Mensch etwas braucht, das ihm oder ihr Halt gibt. Für viele ist es Religion. Für andere Sport. Die Familie. Für einige mag es Musik sein. Klänge, Töne, Lieder, die dann da sind, wenn vieles andere weit entfernt scheint, fast nicht mehr greifbar. Musik schafft es, ohne dass ein Mensch direkt bei mir sein muss, diesen Halt zu geben, diese Hand auszustrecken, mir diese Schulter zu bieten, die ich gerade so dringend brauche. Auf ganz emotionaler Ebene. Das ist möglich, davon bin ich fest überzeugt. Und damit hat diese Kunstform eine Kraft, die nicht zu unterschätzen ist. Warum machen denn so viele Menschen die Augen zu, wenn sie Musik hören oder auf einem Konzert sind? Warum fangen Menschen dann an zu weinen oder vor Freude oder Zufriedenheit zu strahlen. Weil die Klänge, Melodien und Rhythmen - logisch auch der Text - etwas macht, was bewegt. Sie kann die Hand ausstrecken, wenn ich traurig bin. Sie kann aufbauen, wenn ich nicht weiter weiß. Sie kann mir ein Freund sein, den ich gerade brauche.
Musik kann auch ein guter Gegenspieler zur Realität sein. Ein Antagonist. Ein regulierendes Element. Sie hat die wundersame Eigenschaft, dass das Wilde, schwer zu kontrollierende und kaum mehr zu verstehende zumindest für 3, 7 oder 45 Minuten keine Rolle spielt, indem sie das alles einmal ausblendet. Dem ganzen da draußen mal eine Pause verschafft. Natürlich bleiben Unsicherheiten und Fragen, aber wenn gerade ein schönes Lied läuft, rückt alles in den Hintergrund. Genau diese Pausen brauchen wir ganz dringend, um nicht durchzudrehen. Eine permanente Beschäftigung mit dieser seltsamen Realität würde uns sicher grob schaden. Da schaffen Töne, Lieder und Melodien Abhilfe. Sie streicheln uns sanft. Legen eine warme Decke um uns, machen das Licht aus.

Und all das schafft das neue Album von Amanda Bergman. Aufs erste Hören mag ihre Musik vielleicht etwas langweilig und belanglos erscheinen. Aber nur Geduld. Sie wird den Puls senken. Das Kribbeln verschwindet. Die Unruhe. Mit einer sagenhaften Unaufgeregtheit und Wärme schenkt uns Amanda Bergman hier die schönste Pause von all den Dingen da draußen, die man sich nur vorstellen kann. Wenn ein Lied wie Groby ertönt, ist alles gut. Wirklich. 

Dieses Album ist wunderschön. Punkt.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Wenn du auf meinem Blog kommentierst, werden die von dir eingegebenen Formulardaten (und unter Umständen auch weitere personenbezogene Daten, wie z. B. deine IP-Adresse) an Google-Server übermittelt. Mehr Infos dazu findest du in meiner Datenschutzerklärung (siehe Blog-Startseite unten) und in der Datenschutzerklärung von Google.