Montag, 28. Juni 2021

Gaspard Augé - Escapades

 

Foto: Jasper J. Spanning
(ms) Dieses Album könnte die Antwort auf die Frage sein: Wie höre ich mich an? Wie Gaspard Augé sich zu zweit anhört, ist seit zwanzig Jahren ziemlich klar: Wuchtig, schnell, basslastig, sehr dynamisch, groß, treibend, tanzbar, positiv. Denn er ist die eine Hälfte von Justice. Wenn ich mich nach vorne pushen will, greife ich sehr schnell zu diesem Duo, denn ihre Energie dringt zügig durch meinen ganzen Körper.

Solo hat Augé noch nie gearbeitet. Seltsam eigentlich bei einer so langen Karriere. Nur mit Mr. Oizo hat er mal außerhalb von Justice gearbeitet, als er den Soundtrack zu dem sehr, sehr guten aber auch komplett bescheuerten Film Rubber gemacht hat (ein Reifen in der Hauptrolle, mehr muss nicht gesagt werden). Escapades erschien am 25. Juni und enthält 12 Tracks. Es ist auch ein elektronisches Album, also ist es durchaus mit Justice vergleichbar. Aber tatsächlich nur vom groben Stil her. Einen großen Unterschied gibt es: Auf der Platte ist kaum Gesang zu hören. Ein instrumentales Electro-Album also. Im Gegensatz zu seinem Hauptprojekt hat Gaspard Augé hier keine Party-und-Tanz-Platte produziert. Viel mehr hören sich die Stücke nach einer Filmmusik an, wozu halt aber der Film fehlt. Schnell ploppen Bilder im Kopf auf. Für mich ist dies die Szenerie von Escapades: Wir befinden uns in einer Das Fünfte Element-ähnlichen Zukunft. Sie ist rasant, trubelig und mysteriös. An ein paar Ecken lauern Gefahren, woanders lässt es sich herrlich durch die Nacht tanzen. Das ist das grobe Setting.

In dieser Umgebung begrüßt Gaspard Augé uns Touristen erstmal zu Beginn (Welcome). Force Majeure ist dann der direkte Fingerzeig, dass er sich von der Herangehensweise gar nicht so sehr von Justice klangtechnisch entfernt. Was er mit der Musik schafft, ist eine Welt, die weder utopisch noch dystopisch ist, sondern sehr klar im Hier und Jetzt verankert ist. Eine Musik zum erleben, nicht zum philosophieren. Sie hat aber auch ihre melancholischen, dramatischen Seiten und wenn dann genau dieser Track den Namen Europa hat, dann sind seine Zukunftsvisionen vielleicht doch nicht so blümerant. Auf Hey zeigt er dann, was er kann und mit Justice so regelmäßig unter Beweis stellt: der typische Drive mit sattem Bass, überraschenden Elementen, einem extrem feinen Händchen für einen temporeichen, dynamischen Song, der nach kleinen Pausen immer wieder noch eins drauf setzt! Sehr gut! Ja, Gaspard Augé ist auf diesem Album sehr vielseitig und wandelbar und vollkommen angstfrei, was er auf Captain zeigt. Das ist derart beschwingt, dass es schon fast poppig frech ist. Zwischendurch musste ich an Movie Star denken - die Assoziation sei mir vergönnt.

Escapades ist ein kurzweiliges, positiv dominiertes Album, das eine Menge Spaß macht, pfiffig und tanzbar ist. Nur gibt es jetzt ein Problem: Der Soundtrack ist da, der Film fehlt aber. Vielleicht sollte er nochmal bei Mr. Oizo anfragen, ob er Regie drehen würde... Die Antwort also auf die obrige Frage: Ein basslastig, cineastisch!

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