Mittwoch, 31. Dezember 2025

Unerhört 2025 - Eine letzte Selektion des Jahres

Quelle: pixabay.com / RibhavAgrawal
(Ms) Was bleibt aus dem musikalischen Jahr 2025? Eine Menge Gutes in jedem Fall. Dazu 113 Beiträge auf dieser Seite, knapp alle drei Tage Neues aus der Musikwelt, Konzert- und Album-Reviews und so gut wie jeden Freitag ein Überblick auf hoffentlich hörenswerte neue Songs. Da gilt es auch mal Danke zu sagen. Ja, dieser kleine Blog reißt nicht die Massen an sich, aber die Aufrufzahlen machen mich demütig und stolz, dass Menschen das lesen wollen, was ich hier ins Netz reintippe - vielen Dank fürs Lesen! Natürlich blieb auch eine Menge auf der Strecke. Die Welt ist zu schnell und ich dafür zu langsam. Aber drei Alben sind dieses Jahr erschienen, die hier noch einen Platz haben sollen. Drei Platten, die sehr, sehr unterschiedlich sind und alle mit sehr viel Herzblut und musikalischem Know-How entstanden sind. Eine letzte Selektion aus 2025 - voilà:

Anna von Hausswolff
(Ms) 2012 erschien das Album Ceremony der schwedischen Organistin Anna von Hausswolff und seitdem bin ich immer wieder im Bann dieser außergewöhnlichen Musikerin gefangen. Ihre Wucht an der Orgel, ihre Dramatik in der Stimme, ihre Arrangements, die Wände zittern lassen. Und auf der anderen Seite ist so viel Schönheit, so viel filigranes Fingerspitzengefühl. Und wer sie mal live sehen durfte, weiß: Da sitzt eine Frau, zu deren Musik einst die Welt untergehen wird und sie lächelt dabei so sympathisch und ist eins mit ihrer Musik. Lange war nichts von ihr zu hören und dann meldete sie sich im Sommer mit neuer, eigener Musik zurück, die nicht nur fürs Theater bestimmt ist. ICONOCLASTS heißt die neue Platte, die am 31. Oktober schienen ist. Ja, mit großen Buchstaben. Wie sie mit jedem Album einen Schritt weiter geht aber nie den Kern ihrer Musik aufhebt oder plötzlich etwas völlig anderes macht, ist beeindruckend. 72 Minuten neue Musik. Vielleicht nicht mehr ganz so dramatisch, aber mit ganz viel Glanz und ein bisschen pompöser mitunter. Zum Beispiel wenn sie mit Nick Cave singt und sich damit ein Lebenstraum von ihr verwirklicht. Teils nutzt sie ein paar elektronische Spielereien, die aber nie in den Vordergrund klingen. Der Mittelpunkt bleibt die Orgel und damit eine wahre Kunst. Diese Platte setzt den Weg der Schwedin äußerst sinnvoll fort und wer kann, sollte sie unbedingt live sehen - es wird ein Konzert aus einer anderen Welt werden:

21.01.2026 - Hamburg, Knust
22.01.2026 - Berlin, Huxley‘s Neue Welt
04.02.2026 - Köln, Gloria
06.02.2026 - München, Muffatwerk
07.04.2026 - Wien, WUK


Vlimmer
(Ms) Wenn Alex Donat sich mit seinen Synties wegschließt, ist klar, dass danach immer etwas Neues rauskommt. Und nicht nur, weil es das halt vorher noch nicht gab, sondern weil er sich immer weiterentwickelt. Neben Vlimmer hat er noch ein paar andere Projekte laufen, doch - ich lehne mich mal etwas aus dem Fenster - dieses hier ist sein Hauptaugenmerk. Ist das Dark Wave? Ist das Electro? Industrial? Synthie-Härte? All das und doch trifft es Vlimmers Musik nicht so ganz. Sie ist in jedem Fall immer ein großes Spiel mit der Sprache: Hintersommer heißt seine neue Platte, die am 21. November erschienen ist. Etwas mehr Bass, etwas mehr Wucht, etwas mehr Griffigkeit. Und immer noch viele Abgründe, viel Verborgenes, an dem hier gerüttelt wird. Viel Bass, der durch die Lieder treibt und sein Gesang ist immer mehr zu verstehen, was in meinen Augen die Zugänglichkeit von Vlimmers Tönen enorm erhöht. Auch gänzlich neue Klangwelten wie auf Diskoloration lassen aufhorchen und machen dieses Album zu einer dunklen Entdeckungsreise!


Yasmo & Die Klangkantine
(Ms) Nach zwei eher düsteren Alben wechseln wir hier komplett das musikalische Gebiet, ziehen nicht nur nach Österreich weiter, sondern damit auch zu einer Künstlerin, die aus dem Poetry Slam kommt, eine Meisterin der Sprache ist und mit ihrer Band weiß, wie jedes noch so hartes gesellschaftspolitisches Thema irgendwie doch noch tanzbar aufgearbeitet werden kann. Yasmo & Die Klangkantine haben am 7. November Augen Auf Und Durch veröffentlicht und damit ein großartiges Album, das ganz, ganz viel zu bieten hat. Das liegt zum Einen an der enorm hohen Wörterdichte. Es ist gar nicht so verkehrt, hin und wieder mal mitzulesen, weil nicht nur die Augen, auch das Hirn muss hier mitkommen, um den Gehalt ihrer Musik zu begreifen. Zum Anderen ist da natürlich ihre großartige Band, die mit einem verspielten Brass-Sound extrem viel Spaß macht! Ja, Yasmo packt viele verschiedene Themen an, die mindestens Diskussionspotential mit sich bringen. Doch, der Albumtitel macht es schon deutlich, die Grundstimmung ist gut, blickt nach vorn, bleibt positiv, lädt zum tanzen ein und macht einfach unglaublich viel Spaß. Was für eine Künstlerin!

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