(Sb/ms) Schwarz. Einfach nur noch schwarz und es regt sich nicht mehr. Von jetzt auf gleich. Wollte nachts schauen, wie spät es ist und das war dann nicht mehr möglich. Mist. Handy tot. Das, was mich zunächst in Schockstarre versetzt hat, entpuppte sich in den Tagen danach als große Freiheit. Klar, mit all den Menschen schreiben, geht nicht mehr und ich weiß auch nicht immer, wie spät es ist. Aber im Großen und Ganzen ist die handylose Zeit eine große Freiheit. Wozu schaue ich auch ständig darauf? In den meisten Fällen passiert überhaupt nichts. Das kleine, flache Teil ist doch eh nur ein Zeitfresser und Stressgenerator!
Hannes Wittmer
(Ms) Lange Zeit war nichts von ihm zu hören. Doch spätestens, seitdem Hannes Wittmer sein Alter Ego Spaceman Spiff im Schrank eingesperrt hat und unter seinem Klarnamen musikalisch in Erscheinung tritt, meldet er sich - gefühlt nur dann - wenn er etwas zu sagen hat. Oder zu schreiben, sein Blog ist eine wahre Freude, das ist ein richtig guter Mensch! Jetzt hat er wieder etwas mitzuteilen - sogar in musikalischer Sicht, was wunderbar ist. Es sah längere Zeit nicht danach aus, als ob er die große Lust dazu hat. Doch im kommenden Jahr kommt ein neues Album von ihm raus, juhu!!! Sag Es Allen Leuten heißt das Album, das im Mairisch-Verlag als LP erscheinen wird und auf seiner Homepage für alle kostenlos runterzuladen sein wird. Warum das so ist, kann man - wie gesagt - auf seinem Blog lesen. Zehn neue Lieder wird es kommendes Jahr zu hören geben. Lieder über Depression beispielsweise. Ein Umstand aus den letzten Jahren, den er hoffentlich überwunden hat, ihn aber - nachvollziehbarerweise - weiterhin beschäftigt. Nach dem gesellschaftlichen Das Große Spektakel wird diese Platte nun allem Anschein nach sehr persönlich. Und das sind die großen Stärken, die er dann ausspielen kann. Ich freue mich unglaublich auf dieses Album, Hannes Wittmer verfolge ich seit vielen, vielen Jahren und jedes Mal wusste er zu überraschen!
Alicia Edelweiss
(Ms) So ganz schräg scheint es nicht mehr bei ihr zuzugehen. Klar, ihre äußere Erscheinung ist ein toller Hingucker, ungewöhnlich, schön, beeindruckend, einmalig. Alicia Edelweiss sah ich das erste Mal als Support von Voodoo Jürgens und Teil seiner Band an all möglichen Instrumenten. Die Österreicherin hat es richtig drauf, ist enorm versiert, versteht ihr Handwerk bis ins Detail. Und nun hat sie ein neues Stück für die Welt, es heißt Rest. So originell und schräg wie Dreck kling sie schon länger nicht mehr und das ist irgendwie auch ganz gut. Viel mehr hört es sich an, als ob sie viel CocoRosie gehört hätte in letzter Zeit! Ja, das klingt richtig toll, was sie hier arrangiert hat! Ihre Stimme steht im Vordergrund, das Lied ist schmal, aber sehr prägnant instrumentiert und hinterlässt eine zerbrechliche, aber sehr schöne Klangfarbe. Lasst euch begeistern:
Olli Schulz
(Ms) Das scheint seine beste Seite zu sein. Die, die am ehesten aus ihm spricht. Die, die eigentlich schon seit so, so vielen Jahren bestaunen, belauschen ist. Es ist nicht die Rolle des Pöblers. Es ist nicht die Rolle des Geschichten-aus-den-90ern-Erzählers. Es ist nicht die Rolle des ins-Wort-Fallers. Es ist nicht die Rolle des Showteilnehmers. Olli Schulz war immer schon am besten, wenn er seine Lieder singt. Denke ich so darüber nach, finde ich es völlig schräg, dass es ganz viele Menschen gibt, die Olli Schulz als Musiker überhaupt nicht kennen oder wahrnehmen. Dabei ist das doch das Steckenpferd, das ihm seinen jetzigen Platz erst ermöglicht hat, so ist er in den ganzen Trubel doch erst reingerutscht. Und ich finde es wunderschön, dass er wieder genau diese Lieder singen, die so herrlich schulzig sind. Ohne n! Einfach So heißt seine neue Single und sie steht für genau das, wofür er auch außerhalb der Musik bekannt ist: Nicht jeden Punkt durchdiskutieren, nicht zu viel reflektieren und komplizierter machen, als es ohnehin schon ist. Mal ein bisschen weniger rational und vernünftig sein und einfach so eine gute Zeit haben. Ja, auch ein wenig die Augen verschließen vor all dem Kram, der da draußen passiert. Nicht einigeln und vergraben, sondern darauf achten, dass das Herz schlägt und stets das Schöne Überhand gewinnt! Am 9. Februar erscheint dann endlich eine neue Platte von ihm: Am Rand Der Zeit und sie wird sicherlich aufblühen mit all den wunderbaren Texten, die er immer schon geschrieben hat, ohne drüber, albern, laut oder prollig zu sein.
(Ms) Es ist unheimlich. Wenn es nicht so schön wäre, würde es mich fast ein wenig schockieren. Doch wenn Menschen immer wieder Kunst darbieten, die mit dem ersten Berühren umhauen, dann passt es entweder wie die Faust aufs Auge oder es ist etwas Mystisches. Oder es ist Enno Bunger, der mal wieder ein neues Lied geschrieben hat. Denn das ist die Faustregel: Sind neue Stücke von ihm zu hören, versetzten sie mir regelmäßig beim ersten Hören einen üblen Schlag. In die Magengrube, ins Herz, ins Hirn. Aber Schlag. Weil so mächtig. Weil so unsagbar gut geschrieben, gesunden, arrangiert. Weil Enno Bunger die große Gabe hat, immer wieder ganz bittere, harte Themen anzufassen und sie in Musik zu packen. Er singt Lieder über den Tod nach langer Krankheit oder über den Krieg. Stets schwere Kost. Oder wie nun, über Depression. Ein Thema, auch wenn immer wieder in der Öffentlichkeit besprochen, das Berührungsängste mit sich bringt. Ein bisschen Tabu ist noch daran. Therapie und mentale Hilfe hat in einigen Kreisen noch das Stigma des Schwachen, obwohl es den Ruf der Stärke haben sollte. Ich Sehe Was, Was Du Nicht Siehst heißt das Stück, das just erschien. Bäm - Magengrube! Ein Lied, das wirkt. Wenn dann seine leicht kratzige Stimme durch die Ohren dringt, weiß man auch ohne Begleittext, dass hier ein Betroffner singt. Aus Erfahrungen. Für andere, die sich darin wieder erkennen und darüber reden und bestimmt auch für die, die sich dadurch trauen, sich Hilfe zu suchen. Was für eine Geste, was für ein Mensch. Mehr harte, aber so wunderschöne Kost gibt es dann auf seinem neuen Album Der Beste Verlierer, das am 19. Januar erscheinen wird.
07.03.2024 Kiel, Die Pumpe 08.03.2024 Essen, Zeche Carl 09.03.2024 Hannover, Pavillon 11.03.2024 München, Ampere 12.03.2024 AT-Wien, Fluc 13.03.2024 Berlin, Festsaal Kreuzberg 15.03.2024 Frankfurt, Mousonturm 16.03.2024 CH-Zürich, Bogen F 17.03.2024 Mannheim, Alte Feuerwache 19.03.2024 Stuttgart, Im Wizemann Club 20.03.2024 Köln, Bürgerhaus Stollwerck 21.03.2024 Osnabrück, Rosenhof 22.03.2024 Hamburg, Gr. Freiheit 36 24.03.2024 Bremen, Schlachthof 25.03.2024 Leipzig, Täubchenthal 26.03.2024 Jena, Kassablanca 27.03.2024 Dresden, Tante Ju
Donots
(Ms) Auch in großen Städten sind die Marktplätze - oder anderweitige, große Plätze in der Innenstadt - für musikalische Erlebnisse kaum zu haben. Es sei denn, es gibt sie etwas wie einen Kultursommer oder so und Heino und Nena spielen da. Oder DJ Ötzi. Für Punkrock ist weniger Platz in den Innenstadt. Das ändert sich kommendes Jahr - zumindest in Münster. Dann wird nämlich der Domplatz zerlegt. Niemand anders als die Donots werden da den eigenen 30. Geburtstag feiern! An diesem Ort ist sonst mittwochs und samstags Markt, ein bisschen Show und Shine zwischen Kartoffel, Käse und Lakritze. Oder irgendwelche politischen Kundgebungen finden dort statt. Ein Glück, dass die Stadt so eine Show ermöglichen wird. Denn die Donots gehören fest zu ihr. Auch wenn sie eigentlich aus Ibbenbüren kommen, ihre Jahresabschlusskonzerte in Osnabrück spielen, ist ihr Proberaum doch in Münster. Und in der Halle Münsterland fanden bislang ihre größten eigenen Konzerte statt, 10.000 Leute passen da rein. In die Innenstadt können nochmal 2.000 mehr Leute pilgern. Und das sollte man auch tun, denn es ist davon auszugehen, dass sie ganz feine Gäste mitbringen und einen unvergesslichen Tag und Abend dort zelebrieren werden. Dann sehen wir uns am 17. August eben dort! Und bis dahin hier:
(Sb/ms) Warum gehen Menschen in die Kneipe? Klar, zu Hause wären alle Getränke günstiger, aber der Geselligkeitsfaktor ist hoch, oft die Atmosphäre toll, der Ort passend oder dort läuft Fußball. So geschehen letzten Freitag. Haben noch ein Platz im Bremer Eisen bekommen (super Laden!) und uns zu einem Typen dazu gesetzt. Er fragte, warum wir erst zur zweiten Halbzeit da seien, wir: Zug verpasst. So ist das. Er aber war nicht zum Fußball schauen da, sondern saß allein an einem großen Tisch und … hat gelesen! In einer Kneipe am Freitagabend. Verrückt. Das würde mir nie einfallen, aber ich finde es beeindruckend. Dazu noch eine Autobiographie von Marcel Reich-Ranicki, die er uns sehr ans Herz legte. Nicht nur, dass der mürrische Literaturkritiker viel zu berichten hat, sondern offenbar sehr lustig sei. Ein guter Tipp und eine herrliche, kleine kurzweilige Begegnung mit Menschen.
Cave To Cosmos
(Ms) Dieser kleine Beitrag könnte so ganz anders aussehen als der Rest. Denn Emanuel Winkler, der sich singend als Cave To Cosmos nennt, ist mir mit zusammen zur Schule gegangen. Aber Anekdoten aus vergangenen Zeiten, die mit Musik so gar nichts zu tun haben, sind hier selbstredend fehl am Platz. Am 1. Dezember veröffentlicht er seine erste EP Truth Waits In Deepest Nights. Es scheint ein langer Weg gewesen zu sein, bis er musikalisch dort landete, wo er sich jetzt befindet. Denn so ein Sound, wie man hin hier hört, muss erstmal entwickelt werden. Die tolle Stimme hat er immer schon mitgebracht. Denn Sinn für Klang auch. Bestechend bei In Deepest Nights, der ersten Single der EP, sind die vielen kleinen Elemente, die aufhören lassen. Der prägnante Bass, das Cembalo-artige Spiel, die verzerrte Gitarre, die sich lange anbahnt, und später voll durchschlägt. Dass er zusammen mit Tobias Siebert im Studio war, ist zu hören - hier bahnt sich etwas ganz Tolles an. Und das schreibe ich nicht, da ich Emu (so früher genannt) seit Jahren kenne, sondern weil das hier schlichtweg überzeugt!
Mine
(Ms) Schlauer ist man immer hinterher. Könnte man sagen. Wäre aber auch wünschenswert, wenn man schon vorher die besseren Entscheidungen treffen könnte. Doch wie geht das eigentlich? Oft geht es gar nicht. Wie denn auch? Und: Lassen sich denn überhaupt stets beständige Aussagen treffen? Für vieles bestimmt. Aber so viel befindet sich im Wandel und meine Idee von heute könnte übermorgen schon überholt sein und in die falsche Richtung driften. Tja. Dann steht man da und denkt sich: Wenn ich könnte, wüsste ich, was wichtig ist, was nicht. So wie Mine auf ihrem neuen Lied Ich Weiß Es Nicht. Passenderweise geht sie für das dazugehörige Video zurück in ihr Gymnasium. Tja, was hätte man sich alles gewünscht, in der Schule zu lernen?! Mit welch überflüssigen Dingen hat man seine Zeit vergeudet?! Dieser Track ist der erste Höreindruck von ihrem neuen Album. Baum erscheint am 2. Februar! Sicher bleibt die Platte nicht so klavierballadig wie dieses Stück. Dafür ist die Musikerin ja viel zu neugierig und geil auf andere, ungewöhnliche Instrumente, die ihre Arrangements bereichern, auch wenn es immer nur eine Ebene sein mag. Ihre Ideen sind so gut, fein, intelligent, dass sie sicher auch auf ihrem fünften Album einen ganz eigenen Klang an den Tag legt. Und bereits diese Single packt mich schon mehr als der gesamte Vorgänger! Baum? Ich hab Bock!
18.04.24 Hamburg – Große Freiheit 36 19.04.24 Essen – Zeche Carl 20.04.24 Köln – Carlswerk Victoria 21.04.24 Leipzig – Täubchenthal 23.04.24 Wien (AT) – Arena 24.04.24 München – Muffathalle 25.04.24 Erlangen – E-Werk 26.04.24 Dresden – Stromwerk 28.04.24 Kiel – Pumpe 29.04.24 Bremen – Schlachthof 30.04.24 Berlin – Columbiahalle 02.05.24 Frankfurt – Zoom 03.05.24 Aarau (CH) – Kiff 04.05.24 Mannehim – Alte Feuerwache 05.05.24 Münster – Skaters Palace 07.05.24 Hannover – Pavillon 09.05.24 Stuttgart – Im Wizemann
Alanis Morissette
(Ms) Isn‘t It Ironic? Ja, schon! Aber auch ein bisschen geil. Jetzt ist es schon fast Mitte November, doch der ganze Weihnachtskram steht schon seit Wochen in den Supermärkten. Auch andere Geschäfte verkaufen schon allerhand Deko-Kram und so langsam muss ich auch mal darüber nachdenken, wem ich was schenke und was denn eigentlich zu essen gibt?! Argh, Stress! Aber eines ist vollkommen klar, es wird sehr häufig Last Christmas laufen. Es ist und bleibt DER Weihnachtstrack überhaupt! Reiner Pop, großer Kitsch, phantastische Melodien und ein unbeschreibliches Gefühl der Vorfreude und der Heimeligkeit. Sicher schon tausend Mal wurde das Lied gecovert und Alanis Morissette macht da jetzt einfach mit und gibt dem Stück einen sehr sanften, charmanten Gitarrenpopanstrich. Ja, das hört sich großartig an, sehr weich und gut gelaunt. Läuft jetzt öfter, okay?!
Adam Angst
(sb) Twist heißt das neue Werk von Adam Angst und könnte vielfältiger kaum sein. Von der Ballade über den tanzbaren Popsong bis hin zu Punkrock ist alles vertreten, was das Musikherz begehrt. Das Wichtigste daran ist und bleibt aber die Haltung - und daran lässt die Band keinerlei Zweifel aufkommen. Stellvertretend dafür steht wohl ein Track, in dem Adam Angst eine seit Jahrzehnten sehr erfolgreiche Band aus Frankfurt gekonnt durch den Kakao ziehen und ihr den Spiegel vorhalten. Ganz großartig!
Live hier - der erste Teil der Tour mit den Donots:
(sb) Wenn man an italienische Musik denkt, kommen einem wohl am ehesten die unvermeidlichen Gianna Nannini und Eros Ramazzotti in den Sinn. Schwierig. Dann lieber tollen Ska-Punk á la Talco, NH3, Los Fastidios oder Ashpipe. Oder entspannte Klänge von Jovanotti. Aber es geht auch straighter Rock, wie Monteluna auf ihrem neuen Album Questi Danni eindrucksvoll beweisen. Schnell, schnörkellos, aber zu keiner Zeit langweilig - hört es Euch an, das ist wirklich ein toller Geheimtipp aus Monferrato!
Adam Green
(sb) Hm, wie soll ich hier starten...? Also: Ich stehe Adam Green seit jeher sehr ambivalent gegenüber! Zum Einen imponiert mir ungemein, wie er schon immer drauf geschissen hat, was man von ihm erwarten könnte und seit jeher sein Ding durchzieht - und das, zumindest in Europa, mehr oder weniger erfolgreich. So weit, so gut, aber mir persönlich gibt seine Musik leider mit wenigen Ausnahmen nicht so arg viel, weswegen ich auch dem Tribut-Album Moping In Style - A Tribute To Adam Green eher skeptisch gegenüberstand. Aber siehe da: Satte 26 Tracks werden auf der Compilation gecovert und dabei gibt sich die Creme de la Creme der Indieszene die Klinke in die Hand. Regina Spektor, The Cribs, Devandra Banhart, The Lemonheads, The Libertines, Ben Lee und einige andere versuchen sich an den Songs des Meisters und verleihen ihnen teilweise einen sehr eigenen Anstrich. Das ist alles in allem sehr kurzweilig, zu 100 % überzeugt es mich aber immer noch nicht. Die Ambivalenz bleibt...
Kaiser Chiefs
(sb) Es gab mal eine Zeit, da waren die Kaiser Chiefs in aller Munde und auch außerhalb Englands richtig erfolgreich. Tracks wie Oh My God, Ruby, I Predict A Riot oder Oh My God durften auf keiner Party fehlen, Hallen und ganze Touren waren ausverkauft. Inzwischen backen die Herren aus Leeds etwas kleinere Brötchen, auch wenn sie in ihrer Heimat noch immer ordentlich charten.
Im Frühjahr 2024 wird Kaiser Chiefs' Easy Eighth Album erscheinen, die Vorabsingles unterscheiden sich von allem, was die Band einst so groß machte. Und genau hier muss man wohl bei der Urteilung der Scheibe ansetzen! Wenn man sich nämlich im Vorfeld von dem Gedanken verabschiedet, hier eine Fortsetzung der Erfolgsalben Employment oder Yours Truly, Angry Mob serviert zu bekommen, dann geht man unvoreingenommen an die Sache ran und erkennt durchaus die ein oder andere Perle. Anders zwar - und zumindest meiner Meinung nach nicht so geil wie früher - aber halt doch nicht so schwierig wie ich es erwartet hatte.
Feine Sahne Fischfilet
(sb) Eine Livealbum von Feine Sahne Fischfilet war mehr als überfällig und hier ist es nun also! Alles glänzt - alles Live serviert einen äußerst gelungenen Querschnitt durch die Bandgeschichte und bietet auch klanglich viel Schönes. Keine Frage: Die Band aus Vorpommern hat sich ihren Status hart erkämpft und verdient. Alles in allem wird die Konzertstimmung gut eingefangen, wobei die Umschnitte von Track zu Track für meinen Geschmack etwas zu scharf sind. So wird zwar unnötige und womöglich fade Wartezeit eingespart, andererseits leidet die Authentizität dann doch etwas darunter. Wie man es halt macht...
Wer sich live von den Qualitäten von Feine Sahne Fischfilet überzeugen möchte, der kann das hier tun:
(Ms) Die Gitarre ist ein faszinierendes Instrument. So viele Varianten. Dazu noch Ukulele oder Guitarlele. Akustisch, elektrisch. Bass. Sechs oder zwölf Saiten. Oder so viele, wie man will. Tocotronic haben dem Instrument eine wunderbare Hymne geschrieben. Selbst kann ich ein wenig Ukulele spielen, ist nicht schwer. Doch wenn es dann zu einem sauberen Gesamtklangbild kommen soll, sollte schon einiges an Know-How dabei sein, wie dieses Ding denn zu bedienen ist. Dabei geht es mir noch nicht mal um Können oder verschiedene Modelle. Klar, all das spielt eine große Rolle. Ganz viel Wissen und Theorie gehört dazu. Aber sicherlich auch eine gehörige Portion Intuition. Nicht nur, welche Akkorde zusammen harmonieren, sondern auch wann die Lautstärke in einem Track aufgedreht werden soll. Welcher krasse Bruch bringt das Lied nach vorne? Welcher kleine akustische Part steigert die Stimmung? Und vor allem: Welcher Verzerrer knallt mir richtig schön um die Ohren?! Welchen Knopf muss ich drücken, damit die Boxen richtig geil scheppern und aus dem Zusammenspiel eine irre Ekstase wird?! Was können vier Gitarren - Bass inklusive - gemeinsam an perverser Power entwickeln? Wie hyperaktiv können sie werden? Wie weit kann ich das alles aufdrehen, dass es doll, aber immer noch fett wird?!
Die Antwort ist sehr einfach. Sie lautet: Psychedelic Porn Crumpets und kommt aus Australien.
Bereits letztes Jahr kam ein Album des Quintetts aus Perth raus und Night Gnomes war schon ein irres Brett. Nun erscheint am 10. November schon die nächste Platte und heißt Fronzoli. Soll ungefähr sowas bedeutet: Etwas Nutzloses, das als Deko noch hinzugefügt wurde. Nun gut. Weder diese Scheibe noch all die Gitarren darauf sind Fronzoli. Ganz im Gegenteil. Hier scheppert es herrlich an allen Ecken und Enden und genau das macht über gut eine halbe Stunde unsagbar viel Spaß!
Frech, wie dieses Album startet! Die Akkorde ballern auf Nootmare (K-I-L-L-I-N-G) Meow! nur so hintereinander. Die Rhythmen überschlagen sich. Eine klare Ankündigung, dass hier ein wilder Ritt beginnt! Die Boxen scheppern direkt, sodass alles wackelt. Und das direkt am Anfang - so lasse ich es mir gefallen! Ja, es ist schon unverschämt, solch einen heftigen Track direkt zu Beginn aufzufahren! Kaum kann man durchatmen hier. Sollen wir wahrscheinlich auch gar nicht. Viele Tracks wie (I’m A Kadaver) Alkazam drehen sofort auf, wenn sie starten. Die Energie, die durch die Takte und Rhythmen ballern, ist so ansteckend - irre! Zwischen verspielt und gewaltig liegen oft nur Millisekunden. Leider - das muss ich ja echt einräumen - ist mir völlig egal, was diese Band singt, die Texte könnten auch Vertonungen von Bedienungsanleitungen sein. Mir geht es hier einzig darum, wann und wie doll es knallt! Und das immer wieder aufs Neue, auch auf der starken Single Dilemma Us From Evil! Nein, das wird mir nicht langweilig, weil jedes Stück natürlich ein Unikat ist. Fast ungewohnt entspannt geht dann auf Cpt. Gravity Mouse Welcome hier zu. Ein richtig melodiöser Start zeichnet dieses Stück aus. Da stellt sich natürlich die Frage: Trügt der Schein oder ist hier tatsächlich mal ein etwas entspannterer Track dabei? Nicht, dass dieses Album stressig sei, ganz und gar nicht. Aber es ist schon sehr…lebhaft! Und siehe da: Der Schein trügt nicht!
Besondere Stärke entfachen die Australier immer, wenn die Gesangsmelodien mit den Gitarrenriffs einher gehen wie oft auf All Aboard The S.S.Sinker. Das verlangt natürlich auch Fingerfertigkeit, davon scheint reichlich vorhanden zu sein. Dann kommt Hot! Heat! Wow! Hot! Na klar, hier ist der Name Programm. Keine Pause, die Gitarre schrammelt nach vorne, es wird ins Mikro gebrüllt, es ist ein komplett wilder Ritt auf den Synapsen! Hierfür braucht es keine Drogen oder andere Rauschmittel, um den vollkommenen Kick zu erleben. Das macht die Musik durch ihre ungeheure Kraft schon von ganz allein! Ja, ganz am Ende atmet dieses Album mit Mr & Mrs Misantrope ein wenig durch, fast ein sanfter, versöhnlicher Abschluss . Der Track steigert sich ganz angenehm, wird auch laut, aber nicht mehr ganz so wild.
Hach, das macht unglaublich viel Spaß, pausenlose Energie, Dichte, Dynamik, aufgedrehte Gitarren in allen Farben und Formen. Fronzoli ist keineswegs Nippes, sondern glänzt im Regal!
(Ms) Die Devise des Freitagabends lautete: Einfach mal auf Konzerte gehen, bei denen nicht ganz klar ist, was passieren wird.
Erobique sollte vielen ein Name sein, sein Überhit Urlaub In Italien ziert nicht nur einen meiner Pullover, sondern versetzt zurecht viele Menschen in Tanzekstase! Doch Carsten Meyer hat nicht nur ein gutes Gespür für den Dancefloor, sondern ist auch richtig neugierig! Das heißt, er sucht sich immer wieder andere KünstlerInnen, mit denen er zusammen spielen kann. Eine davon ist Florence Adooni. Ihr Name sagte mir nichts und mir war auch nicht klar, was Frafra Gospel ist. Nun bin ich ein kleines bisschen schlauer. Adooni kommt aus Ghana und zählt zum Volk der Frafra und ihre Musik ist das, was die Leute dort, und spätestens seit Freitag, auch die Menschen in Bremen, tanzen lässt.
Beide sind auf einer kleinen Tour und haben Halt gemacht im Kleinen Haus des Bremer Theaters. Die dortige Club-Reihe holt, nach zuverlässigen Berichten von Bekannten, sehr gute MusikerInnen aus dem internationalen Sound. Jazz, Blues, Folklore oder halt Frafra Gospel. Zusammen haben Erobique und Adooni schon Musik aufgenommen, nun sind sie live am Start! Und wie!
Das Kleine Haus war ausverkauft, die Discokugel drehte sich und leuchtete und als um halb zehn Erobique, Florence Adooni und ihre siebenköpfige Band die Bühne betraten, bleib keine Hüfte mehr starr. Geprägt ist der Frafra-Klang durch nimmermüde Rhythmen. Der Bass und das Schlagzeug waren die treibenden Kräfte des Abends! Es war sehr dicht und melodiös und wenn Erobique dann an seinen Tasten und Knöpfen spielte, bekam der ganze Sound noch mehr Energie und es gab keine andere Möglichkeit mehr, als zu tanzen. Zum Großteil wurden Adoonis Lieder mit Meyers Wumms dargeboten, doch auch eine gemeinsame Adaption von Easy Mobisi und Urlaub In Italien (hier natürlich Urlaub In Kumasi) gaben dem Abend den letzten Kick!
Ja, das hat richtig viel Spaß gemacht, das Kleine Theater ist ein toller Ort und die Leute, die es betreiben haben einen guten Riecher für das, was es lohnt, anzuhören und nicht immer läuft. Kurzweilig war der Abend, eskapistisch das Tanzen, neu und elektrisierend die Melodien und nicht neu aber wieder aktualisiert die Einsicht, dass es immer ein Gewinn ist, sich auf Unbekanntes einzulassen.
(ms/sb) Im Frühjahr ist ein Vogel an die Scheibe geflogen und kurze Zeit später an dieser Verletzung verstorben, ich schrieb an dieser Stelle drüber. Am Montag hat es wieder am Fenster geknallt und ein kleines Rotkehlchen lag völlig benommen im Beet. Das arme, kleine Ding. So ein schöner, kleiner Vogel lag dort. Mit weit aufgerissenen Augen und einem schnell pochenden Herzen. Zuerst dachte ich, dass das kleine Vöglein bald einem ähnlichen Schicksal wie beim letzten Mal ausgeliefert sein wird. Aber es hielt sich tapfer, parallel wurden Infos rausgesucht, wie man diesen Tieren wohl helfen kann. Mit einem kleinen Stock habe ich es einfach mal angestupst - es lag auf dem Rücken. Dann hielt es sich überraschenderweise auf den Beinen, aber noch völlig apathisch. Wenige Minuten später hüpfte es ein bisschen umher. Ich ließ es lieber in Ruhe und sah später nichts mehr vom kleinen Rotkehlchen. Ein Glück!
Dino Paris & Der Chor der Finsternis
(ms) Diese Seite gibt es seit einigen Jahren. Als es irgendwann begann, dass uns PR Agenturen, KünstlerInnen und Labels anschrieben, fand ich das toll - und das ist es bis heute! Es ist die Chance, ganz viel großartige Musik zu entdecken, die ich sonst nicht auf dem Schirm hätte. Aber es kommt mindestens genauso viel Quatsch an. Zum Beispiel letztens auch eine Mail von einem Typen, der so Motivationsseminare gibt, die Bücher und Hörbücher gibts obendrein. Wir sollten drüber schreiben, da blieb mir aber nur ein Lachen im Halse stecken. So ein Oberschrott. Meist handelt es sich bei solchen Gestalten doch um geschickte Marketingmenschen, die damit eine Menge Geld verdienen und selbst hochmotiviert sind. Sicher haben sie ein Positives Mindset, ob die Zuschauer und -hörer und Leser das auch haben mit leerem Portemonnaie, bleibt abzuwarten. Dino Paris scheint davon auch Wind bekommen zu haben und hat sich in einem herrlichen zweiminütigen Track darüber lustig gemacht. Einfach positiv bleiben, dann trauert man auch all dem versenkten Geld vielleicht gar nicht mehr so doll hinterher…
Glen Hansard
(sb) Live bescherte mir Glen Hansard einst eins meiner Top 5-Konzerterlebnisse und auch seine Studioaufnahmen berühren mich immer wieder. So auch sein neues Album All That Was East Is West Of Me Now überzeugt auf ganzer Linie. Kaum jemand gelingt es, so viel Herz, so viele Emotionen zu transportieren und seinen Gefühlen durch seine Stimme so viel Nachdruck zu verleihen. So muss Folk klingen und diesmal wird es phasenweise sogar richtig laut und rockig - auch das steht dem Iren, der für den Soundtrack zu Once sogar einen Oscar eingeheimst hatte, sehr gut und verleiht ihm eine neue Facette. Wieder mal herausragend gut!
Auf der Bühne hier zu bestaunen:
05.11. Köln, E-Werk
06.11. Frankfurt, Jahrhunderthalle
08.11. München, Circus Krone
17.11. Berlin, Verti Music Hall
Sofia Portanet
(ms) Folgende These: Jeder Mensch, dem Musik etwas bedeutet und entsprechend viele unterschiedliche Gruppen und KünstlerInnen hört, hat die ein oder andere Band, die gar nicht so oft läuft, aber wenn sie etwas neues ankündigen, ist die Freude sehr groß und da ist eine Welle, auf der man schwebt. Bei mir gehört Sofia Portanet dazu! Seit ihrem Debut im Sommer 2020 verfolge ich ihr Schaffen und das sogar sehr gerne, denn ich mag den Mix, den sie macht. Viel 80er-Beats und -Melodien, aber mit sehr viel Power und Klarheit versehen. Dazu eine unverwechselbare, charismatische Stimme, die mir sehr gefällt! Dieser Tage gibt es eine neue Single, sie heißt Ballon und überraschenderweise singt sie wieder auf Deutsch! Auch das ein klares Markenzeichen. Hui, das klingt zwar alles ein wenig kitschig, aber der Drive der Musik packt mich dennoch. Und noch mehr gute Nachrichten: Am 8. März erscheint ihr zweites Album Chasing Dreams, wo auch tolle Tracks wie Real Face oder Mi Amor drauf enthalten sind! Juhu!
Pano
(sb) Nichts erwartet, viel bekommen. Eher zufällig landete das selbstbetitelte Debütalbum von Pano auf meinem USB-Stick, den ich mir auf längeren Fahrten im Auto anhöre und nach Glen Hansard (siehe oben) und der Live-Scheibe von Feine Sahne Fischfilet (Rezension demnächst) verzauberte mich dann die Stimme der in Berlin lebenden Künstlerin. Auf der eigenen Homepage wirde von "Indie" geschrieben, für mich ist es eher "Pop" - aber wie dem auch sei: Pano öffnet mit ihrer Musik Herzen und ihr sollten schon bald viele Türen offen stehen. Warme Klänge für kälter werdende Tage.
Live:
23.11. Bremen, Modernes
24.11. Münster, Skaters Palace
26.11. Köln, Carlswerk Victoria
27.11. Oberhausen, Ebertbad
28.11. Hannover, Capitol
29.11. Hamburg, Große Freiheit
01.12. Erlangen, E-Werk
02.12. Leipzig, Felsenkeller
13.12. Berlin, Pfefferberg Theater
17.12. Potsdam, Waschhaus
18.12. Duisburg, Gebläsehalle
19.12. Köln, Gloria
20.12. Hamburg, Markthalle
King Gizzard & The Lizard Wizard
(Ms) Wie werden die nun ausgesprochen? Was soll das alles eigentlich? 25 Alben seit Bandgründung 2010? What?! Das klingt alles nach ganz schön viel und doll und krass und huihuihui! Trotzdem habe ich nie bei King Gizzard & The Lizard Wizard reingehört bis dieser Tage. Meine erste Begegnung war dann ein Mitschnitt vom sehr guten Radiosender KEXP, deren Konzertmitschnitte allesamt sehr zu empfehlen sind. Was war dann zu hören?! Starke Gitarrenpower, viel Energie und gekonntes Durcheinander, das mich an die frühen Portugal. The Man erinnert! Also: Richtig geil! Verrückte Kombo auf jeden Fall, die da aus Australien kommt und gar keinen Halt vor jeglichen Genres macht. Jazz, Metal, psychedelischer Rock? King Gizzard machen alles! Und hauen alles raus! Vollkommen unberechenbar. Letzte Woche hat die Gruppe mal wieder eine neue Platte veröffentlicht, The Silver Cord heißt sie. Ehrlich gesagt ist mir das alles viel zu elektronisch und zu doll, das packt mich null. Aber zum Glück haben sie ja noch ein paar hundert Songs mehr, die mich mitreißen können. Dies ist also eine dringende Empfehlung, sich mit dieser vollkommen verrückten Band auseinanderzusetzen. Klar, hier ist für jeden was dabei!
(Sb/ms) Es geht in den Urlaub, und wenn man angekommen ist, kommt die Frage auf, ob das okay ist. Ich liege jetzt hier am Strand, bin vier Stunden geflogen, jeden Tag 27°, komplette Sorglosigkeit und die größte Gefahr ist der drohende Sonnenbrand. Ist das okay? Dort im Hotel arbeiten richtig viele Leute (bestimmt für niedrigen Lohn), damit ich genießen kann. Überall geht die Welt unter und ich liege am Strand. Aber ja, das ist vollkommen in Ordnung. Denn diese Pause war bitternötig und sie tat gut. Ja, da blende ich Dinge auch aus. Ja, es war auch richtig schön!
Kettcar
(Ms) Es war eine Frage der Zeit. Und diese Zeit ist nun vorbei. Es ist ganz einfach: Kettcar gehen wieder auf Tour im kommenden Jahr. Dieses Jahr sind sie meines Wissens nach gar nicht aufgetreten und letztes Jahr auch nur bis in den Sommer. Offenbar brauchte die Band eine Pause und sie sei ihnen vergönnt! Mit Ich Vs. Wir haben sie vor nun mehr sieben Jahren wohl ihre beste, rundeste Platte veröffentlicht. Bestimmt auch die erfolgreichste ihrer Geschichte. Seit vielen, vielen Jahren ist dies die wichtigste Musikgruppe für mich. Seit jeher treffen ihre Texte mein Herz und Hirn und ich fühle mich so zu Hause und geborgen in ihren Texten. Sie sind klug, mitfühlend, stark, fantastisch geschrieben! Seit so vielen Jahren treue Begleiter durch Hochs und Tiefs. Und selbst, wenn ich sie - wie jetzt - lange nicht gehört habe, weiß ich, wenn ich in Bremen und Hamburg vor der Bühne stehen werde, dass ich alles mitsingen kann! Und wer weiß… vielleicht bringen sie ja ein paar neue Lieder mit?!
(Ms) Wenn die Berührungspunkte mit elektronischer Musik in der prägenden Musikhörphase, etwa 16 bis 22 oder so, nicht stattgefunden hat, dann wird es danach sehr schwer. So meine eigene Erfahrung. Jetzt, Anfang dreißig, kommt elektronische Musik regelmäßiger als je zu vor bei mir zum Erklingen. Begonnen mit Interesse an experimenteller Musik aus den 70ern und allem was danach kommt. Aus einer Sparte mit vielen verrückten Köpfen wurde irgendwann Mainstream. So wie immer halt. Logisch, dass dann irgendwann Underworld läuft, nicht nur wegen ihres Überhits Born Slippy, sondern weil sie prägend waren und sind (!) für den Techno. Seit 35 Jahren drehen Karl Hyde und Rick Smith an den Reglern und begeistern weltweit tanzwütige Menschen! Denn das passiert ganz automatisch, wenn man ihre neue Single Denver Luna hört. Und das bitte laut! Ich glaube, dass Lautstärke und Techno zwingend miteinander schwingen müssen. Und zwar nach oben. Dann entfesselt sich hier ein großartiger, mitreißender Track, der sicher auch kommendes Jahr bei zwei Konzerten hierzulande zu hören sein wird!
22.03.2024 Berlin - UFO Velodrom 30.03.2024 Frankfurt- Jahrhunderthalle
Pascow
(Ms) An vielen Stellen auf dieser Seite habe ich es geschrieben und ich schwenke immer noch meine Fahne der vollkommenen Überzeugung: Pascow sind mit das intensivste, was ich je auf der Bühne gesehen habe. Lange hatte ich totale Berührungsängste mit Punkrock, weil ich ein falsches Bild dieses Genres hatte. Dann dachte ich immer an diesen amerikanischen Punkrock, der mir nie viel gebracht hat. Bad Religion, Lagwagon oder Pennywise haben mich nie gepackt, obwohl sie so prägend sind. Naja, muss ja auch keinen Zusammenhang geben. Dann eben Pascow! Und das umso mehr. Zuletzt Mitte September bei ihrem eigenen Festival in Wiesbaden, wo ich erneut voller Inbrunst ihre Zeilen, Verse, Parolen mit herausgebrüllt habe, als ob es kein Morgen gibt. Denn genauso spielen sie auf der Bühne. Völlige Verausgabung, Kraft, Energie, keine Kompromisse! Und im Frühjahr gehen sie wieder auf Tour, wir sehen uns in Kiel!
07.02.24 Bochum - Bahnhof Langendreer 08.02.24 Heidelberg - Halle 02 09.02.24 Linz - Stadtwerkstatt 10.02.24 Wien - WUK 11.02.24 Nürnberg - Z-Bau 13.02.24 Aarau - Kiff 14.02.24 Chemnitz - AJZ Talschock 15.02.24 Wolfsburg - Schwimmbad 16.02.24 Rostock - MAU Club 17.02.24 Kiel - Pumpe
Fatoni
(Ms) Was haben Rap und Punk gemeinsam? Viel, davon bin ich überzeugt! Unter anderem oft hohe Textdichte. Und vor allem ist es die Dynamik, die beide Genres verbindet. Es geht, wenn alles gut läuft, ordentlich zur Sache. Vor allem live! Wann es genau war, weiß ich nicht mehr, aber es war bei einem Waving The Guns-Gig. Dort habe ich das erste mal beobachtet und mitgemacht, wie Pogo und Wall Of Death im Rap angekommen sind. Und dort herausragend funktionieren! Seitdem hat Rap live wenig noch mit Kopfnickerbeats zu tun, sondern mit energiegeladenen Shows, aus denen man völlig verschwitzt heim geht. Ob Team Scheisse oder Juse Ju, das sportliche Erlebnis ist ähnlich. Dazu hat der Meister höchstpersönlich nun einen Track geschrieben: Fatoni! Mit seinem sehr guten Alben Wunderbare Welt geht er demnächst auf Tour und das Motto ist klar: Auseinander! Eskalation, Party, keine Abstandsregeln mehr! Endlich wieder ein Banger von Toni, endlich wieder live, hin da!
31.10.2023 Göttingen, MUSA
01.11.2023 Düsseldorf, Zakk
02.11.2023 Saarbrücken, Garage
03.11.2023 Zürich, Exil
15.11.2023 Würzburg, Posthalle
16.11.2023 Stuttgart, Im Wizemann
17.11.2023 Freiburg, Jazzhaus
29.11.2023 Kiel, Die Pumpe
30.11.2023 Hamburg, Markthalle
01.12.2023 Hannover, Faust
02.12.2023 Bremen, Kulturzentrum Schlachthof
06.12.2023 Erfurt, Kalif Storch
07.12.2023 Dresden, Tante Ju
08.12.2023 Berlin, Huxleys Neue Welt
19.12.2023 Marburg, KFZ
20.12.2023 Wiesbaden, Schlachthof
21.12.2023 Heidelberg, Karlstorbahnhof
22.12.2023 München, Muffathalle
17.01.2024 Bochum, Bahnhof Langendreer
18.01.2024 Köln, Gloria
19.01.2024 Münster, Sputnikhalle
20.01.2024 Magdeburg, Factory
24.01.2024 Wien, Flex
25.01.2024 Salzburg, Rockhouse
26.01.2024 Nürnberg, Z-Bau
Everything Everything
(Ms) Musik hat so viel Magie in sich wohnen. Es ist faszinierend und wunderschön! Wenn Melodien und Rhythmen mir ein Lächeln aufs Gesicht zaubern, wenn der Körper sich bewegen will. Wenn es durch den ganzen Körper strömt voller Glück. Da gibt es Bands, bei denen ich weiß, dass sie es jedes Mal wieder schaffen, auch wenn ich sie gar nicht so viel höre. Dazu gehören auf jeden Fall Everything Everything! Denn das britische Quartett hat es verstanden, wie Groove und Dynamik zusammen funktioniert und sie bringen es jedes Mal wieder so großartig herüber. Cold Reactor heißt ihr neues Stück! Ab dem ersten Takt ist klar, was passiert. Es gibt kaum Pausen, das Lied treibt die ganze Zeit voran, der Gesang, die tollen Ha-Ha-Schnipsel im Hintergrund. Das ist alles sehr intelligent und mit viel Know-how gemacht. Ja, sie haben das alles studiert, heißt aber ja nicht, dass es auch immer aufgeht. Doch diese Band hat es verstanden. Ihre Musik ist warm, klug und fast schon frech in ihren Arrangements! Am 1. März kommt ihr neues Album Mountainhead raus und wird bestimmt wieder ein Hit!
(Ms) Das nur zu Erspürende in Worte zu fassen. Das ist Aufgabe und Herausforderung von Menschen, die über Musik schreiben. Wir versuchen uns auch daran, aber es gibt Menschen, die das halt wesentlich besser können und vor denen man halt auch den Hut ziehen muss. Dazu gehört Simon Reynolds, der seit vielen, vielen Jahren für unterschiedliche Magazine und Zeitungen schreibt. Zugegebenermaßen sagte mir sein Name bis vor Kurzem nichts, dann hatte ich sein Buch Futuromania in der Hand und las es begeistert durch.
Das Buch ist eine Sammlung an unterschiedlichen langen Texten und Essays über Musik, die zu ihrer Entstehungszeit neu war und unbekanntes Terrain betrat. Reynolds bezieht sich bei seinen Beobachtungen und Schilderungen auf elektronische (Tanz-)Musik. Dabei ist das Cover des Buches etwas in die Irre führend. Denn das abgewandelte Autobahnschild lässt zu sehr an Kraftwerk denken. Um die geht es aber gar nicht so sehr. Nur ein kurzes Kapitel behandelt die Arbeit von Florian Schneider. Doch diese auffallende Graphik ist natürlich ein Hingucker!
Mit elektronischer Musik an sich habe ich recht wenig am Hut. Doch Reynolds schreibt so frech genial und gut und begeistert darüber, dass mit jedem Kapitel die Neugier wächst. Die Texte sind chronologisch geordnet, also der Erscheinung der Musik nach. Direkt zu Beginn fiel mir sein bestechender Schreibstil auf. Ja, ich bin im Laufe des Lesens ganz schön neidisch geworden. Wie gut, präzise, manchmal vulgär, aber immer super gut recherchiert er über Musik schreibt. Alles, was er über Donna Summer und Giorgio Moroder schreibt, ist faszinierend. Nicht nur das Wegweisende ihrer gemeinsamen Musik schildert er packend, sondern auch wie zum Beispiel I Feel Love entstanden ist. Das macht richtig Freude! Vom frühen Disco und den neuen Klängen des Krautrock arbeitet er sich vor. Gewissenhaft, detailverliebt und in Sphären, die mir völlig fremd waren. Es ist ein großes Vergnügen, wie er die verschiedenen Spielarten der elektronischen Musik voneinander unterscheiden kann. Hier spielen Begrifflichkeiten für Genres eine ganz wichtige Rolle, sie sind notwendig, um die Entwicklung von dieser Musik zu verstehen. Was genau 2-Step oder Jungle ist. Das wusste ich vorher nicht. Hardstep, Grime. Keine Ahnung. Nach der Lektüre umso mehr. Auch wenn mir 95% der Musikerinnen und Künstler in diesem Buch überhaupt nichts sagten, schafft es Simon Reynolds mit seiner eigenen großen Begeisterung und Überzeugung, dass elektronische Tanzmusik ein ganz eigener, faszinierender, erlebenswerter Kosmos ist, dass die Freude beim Lesen nie abreißt, auch wenn ich die Musik, um die es geht, gar nicht höre. Mit aufgerissenen Augen las ich über seine genaue Recherche über Drogenkonsum und das Wesen des Raggae. Am meisten hat er mich mitgerissen, wenn er fast 30 Seiten über Auto-Tune schreibt. Wie genau, passioniert, begeistert und überzeugt muss man sein, wenn man das so genau beschreiben kann wie Reynolds?! Das schwappt aus jeder Seite über und schwächt viele Vorurteile ab! Auch sein Plädoyer über elektronische Dance Music hat es mir wahnsinnig angetan, auch wenn ich eher ein Freund der Gitarrenmusik bin. Mit dem Wissen, dem Feeling, das er durch seine Texte und seinen energiegeladenen Schreibstil vermittelt, fällt es mir sehr leicht, mich darauf einzulassen!
Genau das wünsche ich auch allen anderen Lesenden bei dieser Lektüre! Die gut 360 dicht beschriebenen Seiten des Buches, das im Ventil Verlag erschien, sind sehr, sehr lohnenswert. Für Freaks, Bekloppte, Neugierige und alle, die am laufenden Band erleben möchten, wie genau man über Musik schreiben kann. Das ist sehr beeindruckend und macht unsagbar viel Spaß - große Empfehlung!!!