Donnerstag, 12. Februar 2026

Maiija - What If

Foto: Michael Poetschko
(Ms) Wenn auf den großen und kleinen Bühnen der Politik und Gesellschaft die Verbindlichkeiten, Übereinstimmungen und Verlässlichkeiten immer weniger werden. Wenn recht kräftig gespalten statt vereint wird. Wenn Vertrauen zu einem raren Gut wird. Wenn der große, zusammenhängende Halt eventuell auch bröckelt. Ja - was bleibt denn dann?! Insbesondere in der Kunst? Klar, privat lässt sich dennoch einiges stemmen. Doch das Schöne, Kunstvolle, Musische. Wie kann es in diesen Zeiten einen Beitrag leisten?
Einen großen - einen sehr großen sogar. Davon bin ich fest überzeugt. Das klar ganz viel mit Katharsis zu tun. Einen Begriff, der aus der Philosophie und dem Theater entspringt und dennoch einen ganz einfachen Effekt mit sich bringt. Was was die Kunst durchlebt - der Film, das Theaterstück, die Oper, das Konzert, das Album - das muss ich selbst nicht mehr durchleiden. Ich kann daran Anteil nehmen, ohne mich der Tiefe des Ganzen stellen zu müssen. Eine Art Stellvertretung. Darin macht sich auch die große Kraft der Melancholie bemerkbar. Warum hören wir denn so gern die traurigen Lieder? Sie nehmen mir meine eigene Trauer ab.

Diesen melancholischen Katharsis-Moment gibt es auf 37 Minuten mit dem neuen Album von Maiija. Dahinter verbirgt sich die Wiener Musikerin Marilies Jagsch, die seit Langem Musk macht und nun unter diesem Künstlerinnennamen ihr zweites Album veröffentlicht. Es erscheint am 13. Februar und heißt What If. Es ist sehr persönlich, es geht um Krankheit, um Leid. Die Künstlerin leidet an Endometriose und verpackt ihre Geschichte in Musik. Großartig. So können andere Menschen daran Teil haben, fühlen sich verstanden und aufgebaut. Ist das nicht ein phantastisches Geschenk, das die Kunst uns macht?! Ja, oder? Klar, zu einem Hohen Preis der Künstlerin selbst - das sollte man nicht vergessen.

Es ist Pop-Musik. Die Grundlage bietet ganz klar ein Arrangement aus Gesang, Gitarre, Bass und Schlagzeug. Doch da steckt noch sehr viel mehr. Bläser und Streicher bringen Glanz und Tiefe. Zudem ist Marilies Jagschs Stimme anzuhören, dass es ihr wichtig ist, diese Lieder zu singen. Da ist Aufrichtigkeit und Ehrlichkeit drin. Im Timbre, in der Stimmlage, in der Intensität.
Was machen dann diese großartigen Stücke wie Recover oder Feel mit uns Hörenden? Es lohnt sich auf jeden Fall diese Stücke recht laut zu drehen. Dann kommen die Schwingungen noch direkter an - sie müssen durch den Körper gehen, um ihre Wirkung zu entfachen. Natürlich entsteht da ein unterschwelliger Schmerz. Aber es ist kein Körperlicher. Es ist eher eine Verbindung mit Psyche und Musik. Über diesen Schmerz wird durch Melodien und Harmonie direkt ein Pflaster gelegt. So entsteht zwar ein zuckender Moment, aber er verheilt auch direkt wieder. Das ist das Wunderbare an der Katharsis. Ja, sie tut für einen Moment weh. Aber es tut halt auch sehr gut. Ein Heilungsprozess ist zu spüren. Nein, diese Stücke ziehen nicht runter. Sie bauen sogar eher auf - auch wenn das schwer vorstellbar ist. Ist aber so - das Nichterklärbare der Kunst schlägt hier gnadenlos und in all seiner Schönheit zu. Wow!

18.02. - Wien, Radiokulturhaus
04.03. - München, Milla (mit Naked Lunch!)
05.03. - Stuttgart, Merlin (mit Naked Lunch!)
13.03. - Linz, Stadtwerkstatt
20.03. - Steyr, Röda (mit Sodl)
10.04. - Ried, KiK
16.04. - Krems, Kino im Kesselhaus
27.06. - Villach, Kulturhof

Sonntag, 8. Februar 2026

Live in Hamburg: Naked Lunch

Foto: luserlounge 
(Ms) Über einen aus mindestens drei sehr guten Gründen bemerkenswerten Abend. Er startet an dem Ort des Geschehens. Ich freue mich immer sehr, wenn Konzerte an Orten stattfinden, die ich noch nicht besucht habe. Wo geht es rein? Wo ist die Bar? Wie ist alles dekoriert? Welches Bier wird ausgeschenkt? Wie ist die Akustik? Kann man von überall gut sehen? Solche Dinge halt. Wenn dann ein Konzert auf einem Schiff stattfindet, ist das nochmal eine ganz neue Ebene. Die MS Stubnitz liegt am allerletzten Zipfel der Hamburger Hafen City, einem sterilen, toten Ort. Das Schiff ist diente in der DDR zur Kühlung beim Fischfang und ist seit gut dreißig Jahren Kulturveranstaltungsort. Wie viel dieser Ort schon gesehen und erlebt hat. Das Innere ist heimelig illuminiert. Ja, das Licht spielt eine wesentliche Rolle, die einen Liveauftritt nochmal pushen kann. So geschehen gestern Abend als Naked Lunch und Die Anteile spielten.

Ein Tapete-Abend sozusagen. Das Berliner Duo Die Anteile heizte pünktlich um 20.30 Uhr ein. Nur waren leider recht wenig Leute zugegen, die zuhörten. Sehr schade, denn die mit E-Gitarre gespickte Elektromusik hatte viel Drive und der Bass kitzelte immer wieder das Innere des Schiffes. Leider war der Gesang nicht so klar eingestellt. Er wäre das i-Tüpfelchen eines starken Auftritts einer Band, die sicher noch oft zu sehen sein wird. So ein Schiff ist mit seinem industriellen Charme genau der richtige Ort für elektronische Klänge. Der hintere Raum der Bühne wurde währenddessen immer wieder toll beleuchtet. Entweder leuchteten die Scheinwerfer so nach vorn, dass nichts zu sehen oder allerhand Rohre und maritimes Gerät zu entdecken waren. Ich gebe zu - ich steh drauf!

Was danach passierte, kam aus einer anderen Welt. Naked Lunch läuft seit gut zwanzig Jahre bei mir. Durch die sehr bewegte Bandgeschichte hatte ich nie die Möglichkeit, sie live zu sehen. Insbesondere in den letzten zwölf stillen Jahren. Dass diese Band überhaupt noch spielt, davon ist ihr Frontmann Oliver Welter wohl am meisten überrascht. Was hat er nicht alles durchgemacht. Ja, das Musikleben hat ihn gezeichnet, es ist ihm anzusehen. Doch auch die ganze Leidenschaft, die Schönheit der Musik von Naked Lunch, die Größe, die Zerbrechlichkeit, das Warme und Krasse. Es spiegelt sich alles in seinem Gesicht. Zudem gesellt er eine überragende Band um sich herum, die den Abend so stark inszeniert haben, dass er noch lange nachhallen wird.

Mit God anzufangen, ist frech, frech, frech. Und heftig. Dieses übermächtige Stück, das so viele Pole innehält. Lange habe ich drauf hingefiebert, dieses Lied mal live zu sehen. Ja, die Monitorbox funktionierte zu Beginn noch nicht. Aber egal. Mit Inbrunst und Kraft haben Oliver Welter und seine MitmusikerInnen dieses Monster dargeboten. Aufgeregt war er. Ja. Ihm zitterte der Kiefer bei den ersten Ansagen. Das legte sich im Laufe des Abends. Ich habe drüber nachgedacht, ob seine Ansagen eine gewisse Theatralik mit sich bringen inklusive österreichischer Dramatik. Aber nein. Dieser Musiker ist voller Dankbarkeit, das machen zu dürfen. Er erlebt so einen Abend als wahnsinniges Geschenk, als Privileg. Und so gab es wirklich ein besonders starkes Best Of dieser außergewöhnlichen Band zu hören, zu erleben. Denn die ganz leisen, zarten Stücke wie Town Full Of Dogs standen neben den wahnsinnigen Brechern wie If This Is The Last Song You Can Hear. Ein Noise-Erlebnis mit irre gewordenem Saxophon ist das geworden. Ja, die Band hat einige Stücke so modifiziert, dass sie noch mehr Kraft entwickeln. Dazu die ganzen großen Lieder wie King GeorgeThe Sun oder Military Of The Heart. Oh man, wie oft kann sich der Puls eigentlich noch erhöhen?! Es ist lange her, dass ich so viel gestaunt habe bei einem Konzert. Die Energie an der Gitarre, die Passion gegenüber der Musik und der große Dank am Leben zu sein. Darunter ging es an einem Naked Lunch-Abend nicht. Und das ist auch gut so.

Leider musste ich aus Bahngründen etwas früher los. Aber dieser Abend wird noch lange nachhallen. Zum Einen wegen der wunderschönen, höchst außergewöhnlichen Location, zum anderen wegen einer musikalischen Darbietung, die die ganze Palette menschlicher Emotionen höchst aufrichtig in sich trägt. Möge Naked Lunch noch ewig Musik machen. Und mögen bitte mehr Leute zu ihren Konzerten kommen!


Freitag, 6. Februar 2026

KW 6, 2026: Die luserlounge selektiert

Quelle: pixabay.com / Pikura
Je weniger Auswahl wir haben, desto besser geht es dem Gemüt. Beispiel.
Was genau unsere Gesellschaft mal so richtig den Garaus macht, ist noch unklar. Dass der stets anwesende Kapitalismus da mitmischt, ist aber klar. Dabei ist Knappheit richtig geil. Je weniger in den Regalen liegt, desto einfacher fällt die Entscheidung. Je kürzer die Öffnungszeiten, desto klarer, wann ich einkaufen gehen kann. Das immer zu können ist doch eh völliger Wahnsinn. Vergangenes Wochenende war ich zum Kopfausschalten an der Nordsee. Sonst natürlich krasses Touristengebiet, zu dieser Jahreszeit ist aber gar nichts los. Oder noch weniger als das. Zwei Supermärkte haben geöffnet, mit Mittagspause! Das war es so einigermaßen. Und auch dort gibt es bei weitem nicht all das, was ich aus der Heimat gewohnt bin. Umso besser. Klar, man muss ein wenig umdisponieren und Alternativen finden, aber das sollte ja eigentlich kein Problem sein. Das tat sehr gut. Nach 17.30 Uhr gab es keine Möglichkeit mehr zum Einkaufen. Ja, wieso denn auch?! Eben. Noch besser wäre das im Internet. Öffnungszeiten im Netz! Und tadaaa - es gibt ein kleines Unternehmen, das genau das macht. Schwerelosigkite heißt es, macht tolle Klamotten und bietet demnächst nur noch klar begrenzte Einkaufsmöglichkeiten an. Genial. Hallo EU - wie wäre es?! Zalando, Amazon, Otto - alle haben nur noch von 8 bis 18 Uhr geöffnet. Danach und davor kann man halt nicht online shoppen. Es wäre großartig! Das lässt sich doch bestimmt regulieren. Ich würde sofort unterschreiben!

Kapelle Petra
(sb) Seit Curly Sue verfolge ich Kapelle Petra mehr oder weniger aufmerksam und regelmäßig. Zugegebenermaßen kommt an das Kind aus Gelsenkirchen nichts ran, aber das ist nun wahrlich keine Schande, weil (verhinderter) Welthit. Mit Lübbe veröffentlicht die Band aus Hamm nun ihr Jubiläums-Best-of-Album und das beinhaltet schon sehr viel Schönes. Mich erinnert Kapelle Petra ja immer ein bisschen an Virginia Jetzt mit einer ordentlichen Prise Rock und Zynismus, was definitiv als Aufwertung zu verstehen ist. Lange Rede, kurzer Sinn: Wer sich bisher mit den Herren vom Rande des Ruhrgebiets nichts auseinandergesetzt hat, der sollte das schleunigst tun und bekommt nun das perfekte Gimmick dazu an die Hand. Um die Zuneigung dann direkt zu vertiefen, ist ein Konzertbeuch empfehlenswert.

Live:
12.03.2026 - Muffathalle, München
13.03.2026 - Batschkapp, Frankfurt
14.03.2026 - Im Wizemann (Halle), Stuttgart
26.03.2026 - Carlswerk Victoria, Köln
27.03.2026 - Skaters Palace, Münster
28.03.2026 - Columbia Theater, Berlin
25.07.2026 - kAPEll30 SOMMA, Hamm
27.11.2026 - Täubchenthal, Leipzig
28.11.2026 - Botschaft, Osnabrück
04.12.2026 - Z-Bau, Nürnberg
05.12.2026 - Schlachthof, Wiesbaden
11.12.2026 - Gruenspan, Hamburg
19.12.2026 - Westfalenhalle 2, Dortmund


puls.
(Ms) Was ist denn jetzt richtig geil? Analog oder digital? Elektronisch oder handgemacht? Wie dogmatisch sollte man da unterwegs sein? Oder gibt es nicht schon eine gute Lösung dafür? Ich denke schon: Best of both worlds! Beeindruckend gut setzt das die Band puls. aus Köln um. An diesem Freitag veröffentlichen sie ihre erste EP namens Nuancen. Fünf Tracks gibt es darauf zu hören, die sich wirklich das beste aus verschiedenen Spielarten zusammenmixen und es unheimlich gut vereinen. Der analoge Bass auf Zeit ist phantastisch und bis zu seinem Auftauchen auch echt nicht zu erahnen. Die Shoegaze-Gitarren auf Trümmerblick, die den Song in allerhöchste Höhen tragen. Die Texte, die großartig anzunehmen sind und viele Möglichkeiten bieten, um sich selbst darin zu sehen. Das sind - meiner bescheidenen Meinung nach - einige gute Gründe für eine Band, eine große Zukunft erleben zu dürfen. Diese EP ist ein grandioser Start.


Sprints
(Ms) Hach, was gibt es nicht herrliche Ausführungen über Coverversionen. Welcher Track am meisten nachgespielt wurde. Was floppte oder gar das Original überstrahlt. Ja, das Cover ist eine schöne künstlerische Eigenart. Es geht ja nicht nur um das einfache Nachspielen. Im besten Fall gibt man einem Track das, was man darin vermisst. Ein Kniefall und eine Ehrung ist es eh in jedem Fall. Heutiges Beispiel: Deceptacon von Le Tigre. Das Stück ist 27 Jahre alt - und noch nicht gestorben. Denn die Band Sprints haben sich den Track vorgenommen und ihm ordentlich Wumms beigebracht. Meine Güte, was knallt dieser Bass denn geil?! Kaum auszuhalten. Zudem macht diese Version wirklich gar keine Pausen. Die Gitarren knartschen nach vorne, der Gesang treibt genauso wie das Schlagzeug. Wer hier ungerührt sitzen bleibt, ist ein Banause. Das ist Fakt. Was für ein irrer Track - was für eine starke Version!


Lambert
(Ms) Korrigiert mich gerne - aber ist nicht eines der schönsten Dinge in diesem Musik-Kosmos die wunderbare Neugier, wie ein frischer Track eines tollen Künstlers klingen mag?! Die Gedanken im Vorhinein. Wie sieht der nächste Entwicklungsschritt aus? Gibt es einen? Hat es nicht vorher gut geklappt - wozu die Veränderung? Gibt es andere Instrumente, die in den Sound einfließen? Hach, großartig! Und Lambert ist einer dieser Künstler, die den Überraschungsmoment definitiv auf seiner Seite hat! Obendrein ist er enorm umtriebig. Im Winter kam erst die gemeinsame Platte mit Thorsten Nagelschmidt raus, im Sommer 2024 gab es die letzte Platte Actually Good. Und nun geht es weiter! Spirit heißt die erste Single aus dem kommenden Album I Am Not Lambert, die am 8. Mai bei Clouds Hill erscheinen wird. Wie passend dieser Titel nur ist. Denn auf dem neuen Stück gibt es zahlreiche Parts, die an andere Künstler erinnern. Klar, das Klavier bleibt im Fokus, aber die Akustikgitarre (!) klingt doch etwas nach Ásgeir, der Gesang (!) nach Orbit genauso wie die sanft eingesetzten Beats. Eingebettet ist das natürlich in einem entspannt-beruhigenden Lambert-Klang, wie man ihn gewohnt hat. Und ich vermute: Auf dem neuen Album lauern noch mehr tolle Überraschungen!

13.05.26 Hamburg, Kampnagel – Lambert & Friends
15.05.26 Nürnberg, Z-Bau
17.05.26 Berlin, Kammermusiksaal – Lambert & Friends
19.05.26 München, Live Evil
04.07.26 Kraggenburg, Wilde Weide Festival


Tiga & Boys Noize
(Ms) Ab meiner Jugend ist Musik für mich wirklich Thema Nummer 1. Unterschiedliche Szenen und Genres hatten ihre Zeit. Sie sind gekommen und gegangen. Und dennoch ist es krass, wie viele Bands und Künstler mir wirklich gar nichts sagen. Auch richtig große Namen. Zu Radiohead kann ich nichts sagen. Ebenso zu The XX oder Muse. Nie gehört, kein Bezug. Viele Größen aus anderen Genres sind mir da noch ferner. Heutiges Beispiel: Tiga und Boys Noizse. Beide sagten mir bis zu diesen Zeilen hier nichts. Nada. Niente. Dabei haben sie vor Kurzem mit Hot Wife einen wirklich extrem geil tanzbaren Track veröffentlicht. Dieser Beat, der ab der ersten Sekunde einsetzt und duchballert, ist so markant und auf freche Weise stumpf, dass er direkt in die Beine geht. Ebenso der Text. Wirklich sehr überschaubar. Aber egal. Vielleicht ist es auch diese großartige Reduktion, die diesen Song so enorm machen. Tiga veröffentlicht am 17. April sein neues Album Hotlife - der Frühsommerhit?! Gut möglich! 


Alin Coen
(Ms) Wer diese Musikerin mal live gesehen hat, weiß, was da Bemerkenswertes auf der Bühne passiert. Viele Lieder von Alin Coen sind so nahegehend, da bleiben keine Augen trocken. Einige Stücke sind auch tieftraurig. Und dennoch sitzt oder steht da eine Künstlerin, die so viel Güte in ihrem Wesen trägt, dass sie mit ihrer Ausstrahlung unmissverständlich zeigt: Seid ruhig traurig und lasst euch berühren, aber hier in diesem Moment ist wirklich alles behütet und geschützt. Große Kunst!
Atme Ein, Atme Aus heißt ihr neues Lied, mit dem sie sich nun wieder meldet. Die Hämmer des Klaviers sind direkt zu hören, mit dem ersten Takt ist man als Hörer ganz nah an ihrer Musik. Und sie am eigenen Gemüt. Ein Lied wie Meditation. Ein Lied, das die Livestimmung perfekt wiedergibt. Hier ist gerade wirklich alles in Ordnung, du musst nichts tun, hier erwartet keiner etwas von dir, hier kommt alles kurz zum Erliegen. Es sind drei Minuten und elf Sekunden, die das Herz vielleicht ein klein wenig schneller schlagen lassen, aber den Kopf ruhiger machen. Große, große Kunst! Am 29. Mai erscheint ihr neues Album Du Bedeutest Mir Die Welt, mit dem sie auf große Tour geht.

30. Mai 2026 Hamburg, Nachtasyl – ausverkauft
2. Juni 2026 Berlin, Mikropol – ausverkauft
15. Juli 2026 Dresden, Saloppe
16. Juli 2026 Leipzig, Parkbühne
17. Juli 2026 Braunichswalde, Hof 19
18. Juli 2026 Regensburg, Alte Mälzerei
19. Juli 2026 Lindau, Zeughaus
22. Juli 2026 Freiburg, ZMF
23. Juli 2026 Heidelberg, Karlstorbahnhof
24. Juli 2026 Frankfurt, Batschkapp Sommergarten
26. Juli 2026 Dortmund, Junkyard
11. September 2026 Schwerin, Schlosshof
10. Oktober 2026 Bielefeld, Festival Dome
17. Oktober 2026 Hamburg, Fabrik
18. Oktober 2026 Oldenburg, Kulturetage
20. Oktober 2026 München, Hansa 39
22. Oktober 2026 Köln, Kulturkirche
23. Oktober 2026 Erfurt, hsd
24. Oktober 2026 Magdeburg, Johanniskirche


JJerome87
(Ms) Danke, lieber Algorithmus. Ohne dich wäre ich wahrscheinlich nicht auf diesen Track gestoßen. Ja, vor dem letzten Album The Dream habe ich schon alt-j aus den Ohren verloren. Weder bewusst noch gewollt. Hat sich einfach so ergeben. Zu viel andere Musik - keine Ahnung. Doch der Algorithmus spülte mir Brush Me Like A Horse von Frontman Joe Newman auf die Kopfhörer, der sich als Solomusiker JJerome87 nennt, sich aber stilistisch von der Hauptband nicht unterscheidet. Diese frickeligen Arrangements, diese ganzen verspielten Elemente - es ist einfach großartig, was er da zusammenzimmert. Macht sehr viel Spaß, überzeugt mit sehr viel Groove und erzeugt auf angenehme Weise gute Laune:

Donnerstag, 5. Februar 2026

A.S. Fanning - Take Me Back To Nowhere

Foto: Neil Hoare
(Ms) Diese knapp vierzig Minuten sind ein Manifest purer Schönheit! Jawohl! Es mag inhaltlich wirklich nicht den Anschein haben, dass diese Platte auch nur irgendwie aufbauend wäre. Ist sie nicht. Sie ist ein Zeugnis dieser kuriosen Welt. Einer Welt, deren Untergang wir live am Smartphone mitverfolgen können. Man könnte auch was tun, aber wir gucken lieber zu. Niedergang im Minutentakt, egal wo, bei weitem nicht nur überm Teich. Also steht man da, Anfang 2026 und jeglicher Wunsch, dass es ein wenig bergauf gehen könnte, allein so stimmungsmäßig, ist passé. Fast.

Denn das, was der irische Musiker A.S. Fanning auf seinem neuen Werk Take Me Back To Nowhere macht, ist düster und gleichzeitig unglaublich faszinierend. Dafür gibt es viele gute Gründe. Der erste und markanteste ist seine einnehmende Stimme. Ein Bariton wie aus dem Himmel - wunderschön, eindringlich, kräftig. Im Dezember hatte ich die Hoffnung, dass Tom Smith seine großartige Stimme so wirkmächtig auf seinem Soloalbum einsetzt. Den Eindruck hatte ich nicht. Wenn jemand auf tiefe, dunkle Stimmen steht: Hier ist die richtige Adresse! Hinzu kommt ein neuer Ansatz des Songwritings. Und der ist hörbar. Eigentlich sitzt der Ire mit seiner Gitarre zusammen und bastelt seine Stücke zurecht. Doch er hatte sich die Hand gebrochen. Also nahm er sich ein paar elektronische Tonerzeuger zur Hilfe - und das ist hörbar auf der Platte. Synthieflächen machen Lieder groß, tief, dunkler - ja, sogar teils tanzbar!

Die allgemeine Hoffnungslosigkeit macht sich direkt im ersten Track stark bemerkbar! Save Us ist wenig verheißungsvoll, denn es heißt: „No one is coming save us / not sience and no god who made us.“ Große Keyboardflächen untermalen diese Düsternis, der Drumcomputer schlägt den passenden Takt dazu. Doch im letzten Drittel passiert doch was. Da ist mehr Dur als Moll, da funkeln doch ein paar Sonnenstrahlen durch den pechschwarzen Himmel. Ja, es sieht nicht gut aus, aber auf diesem Album sind viele (musikalische) Abers zu hören - sie machen den Glanz aus!
Im Anschluss schon der absolute Höhepunkt! Today Is For Forgetting schreit ja schon nach Kopf-in-den-Sand-stecken. Aber! Dieses Lied ist so phantastisch arrangiert, dass es kaum auszuhalten ist. Zum Einen tanzen viele Synthie-Töne durch den Track, der Bass schwingt behände durch die Zeilen, A.S. Fannings unglaubliche Stimme gibt einem den Rest. Trotz des hoffnungslosen Textes ist da eine Kraft in seiner Stimme, die doch nur aufrichten kann, oder?! Ja, der Text hat etwas romanhaftes, Fantasy, Sci-Fi, Peng! Aber (!) es ist leicht, sich hier mitreißen zu lassen. Geben wir uns dem hin!
Und woher die Hoffnung und Zuversicht nehmen?! Klar, aus der Liebe - woher denn auch sonst?! Now I‘m In Love heißt der passende Track dazu und es ist nur logisch, dass der Musiker singt, dass das wunderschöne Lächeln des Gegenübers alles ausblendet, was daneben den Bach runter geht. So einfach, so wunderschön ist es. Wichtig, dass dieses Stück Teil des Albums ist! Die Liebe kann auch so stark sein, dass die Angst vor dem endgültigen Ende, dem Tod, schwindet. Ist das nicht wunderschön?! Ja, klar! Stay Alive singt genau davon und ein sanftes, kleines Glockenspiel bringt auch hier wieder den Hoffnungsschimmer in all das Stockfinstere. 

Take Me Back To Nowhere sagt ja schon im Titel, worum es geht: eine Welt hinter jeder Begründung zu erlangen, zu einer Nicht-Existenz. Das mag zwar nicht allzu vielversprechend sein, aber doch besser als das, was uns die Flimmerkiste in unserer Hosentasche jeden Tag präsentiert, oder?! Eben. Zudem ist dieses Album einfach gespickt mit purer klanglicher Ästhetik. Die Lieder sind sanft, ummantelnd und bestechen durch außerordentliche Tiefe. Es geht also nicht bergab. Die Hoffnung ist nicht passé. Solange diese Musik läuft. In all ihrer Schönheit.

16.03. Langenberg – KGB
28.03. Altenkirchen – KulturSalon Stadthalle
21.04. Hamburg – Knust
23.04. Dresden – Ostpol
25.04. Oberhausen – Gdanska
26.04. Offenbach – Hafen 2
29.04. Wien – Rhiz
30.04. Salzburg – Rockhouse
02.05. Berlin – Neue Zukunft


Donnerstag, 29. Januar 2026

The Hirsch Effekt - Der Brauch

Foto: Freakshot
(Ms) „Musik und Leben sind zwei Paar Schuhe / Dass ich nicht lache / Lass mich in Ruhe.“
Was einst Marcus Wiebusch für Kettcar gedichtet hat, würden viele KünstlerInnen sicher sofort unterschreiben. Dazu gehört auch Nils Wittrock, Texter und Gitarrist der Band The Hirsch Effekt. Seit 16 Jahren existiert diese Gruppe, die alles kann und alles macht. Das war immer schon verrückt und ist es immer noch. Und vor allem extrem beeindruckend! Wie viel jedoch dahinter steckt, solch eine Band mit Leben zu füllen, einen Sinn darin zu sehen, Musiker zu sein, welche Zweifel und Nebenschauplätze drumherum existieren, wird uns Hörenden meistens kaum bewusst. Bis die Band darüber spricht. Oder schreibt. Oder singt. All das ist von diesem wuchtigen Trio zu vernehmen. Nils Wittrock hat ein Buch darüber geschrieben. Wie es ist, als Musiker Covid zu durchstehen, ein Kind groß zu ziehen und diese Band am Leben zu halten (ich habe es nicht gelesen, halte es aber für sehr empfehlenswert, weil darin wohl ein ganz tiefer Einblick ins Künstlerdasein steckt). Damit einher ging ein Schreibprozess der Lieder für das neue Album Der Brauch, das diesen Freitag (30. Januar) erscheint. 

Neun neue Tracks sind auf den knapp 50 Minuten zu hören, zu erleben, zu genießen. Selbstredend macht die Hannoveraner Band in etwa da weiter, wo sie musikalisch aufgehört hat. Die harten Gitarren bilden das Epizentrum ihres Klangs. Doch alle musikalische Richtungen, die für das Trio interessant sind, werden auch bespielt. Wieder sehr persönlich ist diese Platte geworden (siehe oben). Klar, dass das Titelstück zu Beginn eine ganz klare, private Handschrift trägt: Der Zwist, in dem Nils Wittrock als Musiker, Vater, Bürger während Covid steckt, wird mehr als deutlich. Dass so eine Band auch immer eine freiwillige - aber durchaus schicksalsträchtige - Sache ist, die einen hier und dort hin manövriert wird immer wieder in aller Wucht klar. Und wie wird das denn alles nur zusammen gehalten? Anscheinend mit einem sehr dünnen Seil. Der Faden heißt der passende Track dazu, in dem Rhythmus, Energie der Gitarre, das Rollen des Basses und auch ganz sanfte Passagen genauso wie derbes Schreien im Hintergrund direkt aufeinander folgen oder gleichzeitig passieren. Wen das nicht packt, ist und bleibt ein Banause. Punkt.
Ja, das klangliche Element ist das, was auch auf diesem The Hirsch Effekt-Album am prägnantesten ist. Das Seil dauert siebeneinhalb Minuten! Dabei sind dort musikalische Sektionen enthalten, die locker für eine ganz eigene Platte reichen würden. Irre, was diese Band da zusammenschraubt! Da stellt sich unweigerlich die Frage, ob das nicht auch ein wenig anstrengend ist, dem zuzuhören. Ja, klar, auf jeden Fall. Leicht ist das nicht, weil es so wenig eingängig ist. Aber auch gar nicht sein will. Viele Sequenzen sind erschütternd wie Erdbeben. Das passt ja so ungeheuer gut zur Grundthematik, dass wahrscheinlich dieser vielseitige Klang der einzige ist, der zur Band und zu den Liedern passt. Selbst ein zweiminütiges Akusik-Zwischenstück fügt sich nahtlos in den Klang dieses Werkes. 

Der ganze Zwiespalt des Musikers, Familienmitgliedes, Menschen Nils Wittrock wird auf Der Doppelgänger so richtig herausgearbeitet. Ein Zwiegespräch mit dem Spiegelbild wird hier verhandelt, wobei das Original das Selbst gegenüber so gar nicht erkennen kann. Erkennen will. Die Kluft ist mitunter groß und dass der da sich genauso bewegt wie ich, das scheint ein unlösbares Rätsel zu sein. Wahrscheinlich ist es auch das Stück, was sich am krassesten entwickelt. Lange arbeitet die Band hier mit wirklich schönen Harmonien und Melodien. Doch 6 Minuten und 42 Sekunden bieten viel Zeit zum Experimentieren. Nach viereinhalb Minuten wird hier ein Metal-Riff aufgezogen, dass einen schon mal aus den Latschen bugsieren kann. Hammerhart - supergeil! Insbesondere die massive Wucht zum Ende hin ist ein leuchtendes Beispiel, wie Musik funktionieren kann. In all seiner Härte, in all seiner Schönheit! 

Klar, auch Die Lüge ist musikalisch herausragend. Textlich bin ich in Die Brücke sehr angetan von den verschiedenen Bedeutungen von „überfluten / über Fluten“, was einfach toll geschrieben ist.
Dieses Album ist an allen Ecken und Enden beeindruckend. In der Länge einiger Stücke, in der Vielseitigkeit der Musik, in der Tiefe der Texte. Es empfiehlt sich, dafür ein bisschen Zeit einzuplanen. Es wäre eine Schande, wenn diese Lieder nur nebenbei laufen. Dafür ist dieses Werk zu krass. 

Gut, und wer bei Das Nachsehen nicht erschüttert, dem ist wirklich nicht mehr zu helfen. Krank. Geil.

Was nun anfangen mit diesem Album? Begeisterung? Verstörung gewissermaßen? Wahn, Sog, Energie? Ich bin extrem gespannt, wie die Band das live rüberbringt und werde vom Bremen-Gig berichten. Doch das allerwichtigste ist, dass nicht nur Nils Wittrock, sondern auch Bassist Ilja Lappin und Drummer Moritz Schmidt immer ausgewogen zwischen Privatem und der Band ausgerichtet sind. Dass sie die richtigen Prioritäten setzen und für ihre Liebsten mit genau der richtigen Kraft da sein können. 

25.02. Schweinfurt - Kulturhaus Stattbahnhof
26.02. Aarau - KIFF
27.02. Karlsruhe - Jubez
28.02. Ulm - Roxy
05.03. Berlin - Badehaus
06.03. Hamburg - Logo
07.03. Düsseldorf - Ratinger Hof
12.03. Wiesbaden - Schlachthof
13.03. Kassel - Goldgrube
14.03. Erfurt - Museumskeller
19.03. Bremen - Tower
20.03. Oberhausen - Druckluft
21.03. Leipzig - Naumanns
21.05. Saarbrücken - Garage
22.05. Münster - Sputnikhalle
23.05. Köln - Helios 37

Samstag, 24. Januar 2026

Live in Oldenburg: Dota

Foto: luserlounge
(Ms) Wie begegnen wir am besten dieser Welt? Resignation? Widerstand? Rückzug? Aktivismus? Hoffnung? Jede Aktion hätte sicherlich einige berechtigte Gründe auf seiner Seite. Doch die letzten Beiden sind doch irgendwie die besten, oder? Es ist schwer, in diesen Zeiten optimistisch zu bleiben, aber bei oder nach einem Abend mit Dota ist das ganz leicht. Denn Dota Kehr lässt sich nicht zurückdrängen. Da ist keine Schneckenhaustendenz zu erkennen. Ja, Hoffnung mag die schönste Form des Leichtsinns sein. Aber tut es nicht auch gut, manchmal ein wenig leichtsinnig zu sein, ein bisschen naiv, ein bisschen berosasonnenbrillt? Sonst sitzt man ja nur rum, ist zwar wahnsinnig gut informiert, aber damit fängt man leider auch allzu oft nichts an. Also lieber fliegen, leicht sein, unverhohlen an das Gute im Menschen glauben. So wie Dota mit und in ihren Liedern.

Am Freitag war sie zu Gast in der Oldenburger Kulturetage. Ausverkauft war es wohl, das heißt gut 900 Menschen waren da und ließen sich fröhlich in den Bann ziehen. Den Abend hat Karl Die Große im Duo eröffnet. Und wie! Es war nicht nur das großartige Spiel an Posaune und reduzierter Percussion von Antonia Hausmann, das sehr beeindruckend war, sondern auch die Stimme der Sängerin. „Bau nicht auf mich / Ich bin ein wackliges Gerüst“ waren ihre ersten Worte, die sie geloopt hat. Und trotz der großen Zerbrechlichkeit war da wahnsinnig viel Sympathie und Aufrichtigkeit auf der Bühne! Ein irres, kurzweiliges Set haben die beiden gespielt. Wortgewandt und klug, unterhaltsam und schön. Die beiden Musikerinnen haben anschließend Dotas Band um Posaune, Percussion, Saxophon, Bassklarinette, Chor und Animation erweitert.

Insbesondere letzteres war ein durchaus neues, belebendes, aber auch irgendwie schräges Element des Abends. Die Tanzeinlagen bei Bademeister oder Rennrad oderoder waren… ja, was denn nun?! Nett? Ja, klar. Aber irgendwie passten sie nicht so ganz zu einem Dota-Abend. Es war gefühlt ein kleines bisschen zu viel. Und damit ist der einzige kleine Kritikpunkt des Abends auch schon abgehakt. Denn die zwei Stunden, die Dota mit Band - und auch ein paar mal solo - gespielt hat, waren abwechslungsreich, sehr lustig, gefühlvoll, toll getextet und sehr überraschend! Ja, wer hätte denn gedacht, dass Dota mal Wir Sind Helden covern würde?! Ja, eben! Oder dass sie gegen Eichhörnchen pöbelt!? Ja, eben!
Dotas Kritik an der Welt ist mit hellwachem Kopf gedichtet. Die leichtsinnige Hoffnung ist natürlich kalkuliert. Ja, was soll man denn auch tun?! Logisch, man kommt zusammen, ist füreinander da, sieht das Gute im Menschen und hat so mindestens einen großartigen Abend mit vielen anderen, die dabei kaum aufhören können zu strahlen. Denn Dota strahlt. Voller Freude. Und voller Zuversicht. So ist ein Konzert dieser Künstlerin nicht nur musikalisch und textlich ein phantastisches Erlebnis, sondern es richtet auch auf in Zeiten, die ganz doll wackeln. Ob es dann um Springbrunnen, Kettenkarussell oder Das Wogende Meer ist ist fast egal. Dotas Musik ist äußert vielseitig. Das macht sie so schön und den Abend so kurz. Da bleibt am Ende fast nichts übrig, als Danke zu sagen. Also: Danke!

Dota ist sehr viel unterwegs: Hier gibt es alle Tourdaten.

Freitag, 23. Januar 2026

KW 4, 2026: Die luserlounge selektiert

(Ms) Das geht alles zu schnell, oder? Wo ist gerade was passiert? Der wievielte Zug in Spanien? Ah, es ist Handball-EM. Beim Fußball auch eine Englische Woche. Oder war das letzte Woche? Wann wird wo gewählt? Martin Sellner war auf einer AfD-Nazi-Verantstaltung in einem verlassenen Autohaus in Brandenburg und durfte seinen völkischen Scheiß verbreiten. Die AfD hilft ihm dabei. „Sell America“ als wirtschaftliche Strategie der EU? Klingt irgendwie verlockend, oder? Ah, letzte Woche wurde wegen Schnee die Bio-Tonne gar nicht abgeholt. Um den Müll kümmert sich nun der Landkreis. Achso, irgendwann den Wasserzähler ablesen. Mist, im Kühlschrank fehlt Joghurt. Kinder Country im Angebot - geil! Ver.di streikt - auch sehr gut! Volkswirtschaft auf die 1? Eine gesunde Gesellschaft auf die 1, bitte. Muss mal wieder tanken. Wie geht es eigentlich meinen Eltern? Macron sieht unglaublich gut aus mit dieser Brille. Sie sind ganz reizend. Boah, es ist endlich Wochenende. Hier lauert gute Musik:

Káryyn
(Ms) Letztens machte sich etwas Wehmut in mir breit. Was passiert, wenn die ganzen KünstlerInnen, die mich schon über 15, 20 Jahre geprägt haben, nicht mehr spielen. Keine Lieder mehr machen. Vielleicht weil es anstrengender wird, sich nicht immer lohnt, die Interessen sich verschieben. Puh, ich will bei einigen gar nicht dran denken. Björk ist keine Künstlerin, die ich regelmäßig höre, aber dennoch verehre. Gründe gibt es genug. Und hier steht schon eine Musikerin bereit, die in diese großen Fußstapfen sicherlich mal treten könnte - ohne der großen Björk zu nahe treten zu wollen. Ihr Künstlername ist Káryyn, hat einen syrisch-armenisch-amerikanischen Hintergrund und mächtig Wumms im Gepäck! Hört man ihre neue Single Collapse Phase, dann wird der Vergleich schnell klar. Die Takte verschieben sich, der Gesang auch, ihre Stimme ist kräftig, die Musik vielseitig, das Video dazu ein ganz eigenes Kapitel. Eine Tanzperformance in einer Kirche - Boom! Hui, hier geht es also ordentlich rund und das in höchst elektrisierender Manier! Am 29. Mai erscheint ihr Album Physics Universal Love Language und könnte die Popwelt sicher erschüttern.



Yann Tiersen & Odezenne
(Ms) Welche Musik am besten zum konzentrierten Arbeiten hören?! Für mich darf es auf keinen Fall etwas auf deutscher Sprache sein, sonst geht der Fokus flöten. Krautrock geht ganz gut. Ambient. Oder Neo Klassik und alles, was mit diesem Genre zusammenhängt. Rathlin From A Distance | The Liquid Hour, das aktuelle Album von Yann Tiersen ist auch hervorragendes Hörmaterial. Insbesondere, weil die Tracks so ungeheuer gut ineinander über gehen und das Album wirklich ein großartiges Gesamtkunstwerk ist! Zusammen mit dem Trio Odezenne hat der Klaviertüftler das Stück The Liquid Hour überarbeitet oder fortgesetzt oder neu arrangiert. Es heißt nun Harmony und ist mit teils eindrücklichem, fast aggressiven Spoken Word versehen. Es nimmt etwas den Zauber des Originals, gibt dem Track aber auch eine ganz neue, raue Art. Das ist halt Kunst - großartig!


Shatten
(Ms) Die Frage, die sich diese Gruppe für ihre neuen Songs gestellt hat, ist wirklich sehr gut. Diese Frage sollten wir uns alle mal stellen: Wie sollen wir mit all den Idioten umgehen, ohne selbst einer zu werden?! Denn eines ist ja ganz einfach: Zurückpöbeln. Aber meist verlieren Menschen dadurch ihre Integrität. Und darauf kommt es auf den kleinen und großen Bühnen der Welt doch zunehmend an, oder? Ich glaube schon. Shatten heißt die Gruppe, die so klug denkt und sehr wuchtig musiziert. Das Quartett aus Hamburg hat mit Chinaschiff vor Kurzem ihre erste Single aus dem kommenden Album Gegenwart (6. März) veröffentlicht. Ein treibender Bass, catchy Gitarren, gute Worte: „Sich den Dingen in den Weg stellen / Der Sprache widersprechen lernen.“ Das wird stark - wirklich!

12.03. - Bremen, Eisen
13.03. - Flensburg, Volksbad
20.03. - Berlin, Roter Salon
21.03. - Hamburg, Molotow
09.04. - Bonn, Bla
10.04. - Mühlheim, Das Kaff
11.04. - Oldenburg, Alhambra

Sonntag, 18. Januar 2026

KW 3, 2026: Die luserlounge selektiert

Quelle: pixabay.com / LukaJagor
(Ms) Die Woche war anstrengend, es brauchte ein paar Trostpflaster, Erfrischungen, Ablenkungen, das Hirn ausschalten. An einem Abend - es mussten eh noch ein paar Sachen besorgt werden - hatte ich Lust auf ein Radler. Keine Ahnung, wieso. Es war so. Also eines aus dem Supermarkt mitgenommen und auf dem Heimweg getrunken. Was dann passierte, war super schräg. Erstens schmeckte es gar nicht mal so gut. Zweitens setzte sich in meinem Hirn eine Erinnerungskette los, die von dem süßen Geruch und Geschmack ausgelöst wurde. Späte Jugend, Oberstufenzeit, irgendwo in einem Schrebergarten. Süße Biermixgetränke waren absolut gängig. Sorglosigkeit, scheinbar im Stande, die Welt zu verstehen, ein klein wenig Hochmut und vermeintlicher Intellekt. Aber alles war egal. Denn das Getränk brachte Leichtigkeit… Verrückt, wie Gerüche und Geschmäcker mit der Vergangenheit zusammenhängen können. Spannende Reise, mäßiger Geschmack.

Dissy & Fatoni
(Ms) Uff! Gibt es noch irgendeinen Musikpreis für das beste Video?! Ja, den Preis für Popkultur! Liebe Jury, sollte das irgendwer lesen - ach, egal, dieses Video, diesen Kurzfilm werdet ihr sowieso gesehen haben: Dissy und Fatoni haben diese Woche mit Gewehr einen neuen Track veröffentlicht und der ist… puh! Es geht um Vorhaben, die anstehen, wichtig sind. Doch was, wenn es gerade einfach nicht passt?! Wenn man keine Kraft hat. Keinen Antrieb. Wenn da gerade ein Loch ist. Ja, dann halt nicht. Dann halt später. Lasst mich mal eben bitte, bitte in Ruhe. Das ist mir gerade alles viel zu viel! Diese eh schon nicht ganz angenehme Thematik gepaart mit diesem intensiven Video ist eine irre Kombination. Eine, die mir recht schnell den Atem genommen hat, voller Fokus auf die Geschichte aus diesem Bus. Und ein großartiger Beweis, dass das Format Musikvideo immer noch eine ganz hohe Relevanz haben kann und einen Song noch mal stärker machen kann als er ohnehin schon ist. Dazu kommt ein klasse Beat, der das Beste aus den 80ern nimmt, es ein wenig schneller und mit mehr Bass koppelt und so hervorragend wirkt. Am 27. März erscheint Morgen Werde Ich Mich Dafür Hassen von Dissy. Könnte enorm werden.


The Notwist
(Ms) Diese Band ist ein Phänomen für mich. Ich höre sie seltsamerweise nicht so oft zu Hause oder unterwegs und ich kann mir nicht recht erklären, wieso das so ist. Denn The Notwist ist eine großartige Gruppe. Eine Band, die sich immer weiter entwickelt, die nie still steht, ganz viel Zauber entstehen lassen kann, ganz viel Wucht und Schönheit. Am 13. März erscheint mit News From Planet Zombie ihre neue Platte und macht in einer irgendwie LoFi-gearteten Weise dort weiter, wo The Vertigo Days vor fünf Jahren aufgehört hat. Der Sound ein wenig direkter, ein wenig roher eventuell. Nun ist mit How The Story Ends ein neues Lied erschienen und es ist einfach großartig! Denn die ganzen feinen Elemente, die diese Band ausmachen, insbesondere live, sind hier super gut zu hören. Viel Rhythmus, viel Vibraphon, viel Bassklarinette. Das ist so ungeheuer gut arrangiert, so wunderschön und dennoch mit einem tollen melancholischen Vibe. In diese Musik kann man einfach nur eintauchen, alles andere ist doch gar nicht möglich. 


Maiija 
(Ms) Wenn die ersten Takte, die ersten Sekunden schon direkt so viel Sog entfalten, dass Weghören nicht möglich ist, dann passiert Großes. Ungelogen. Ein durchgehend verhaltener, aber dennoch markanter Schlagzeugbeat. Eine Gitarre, die das melodiöse Gerüst baut und eine Stimme, die darüber eine gewaltige Schönheit entfacht. Zusammen ergibt Recover aufs erste Hören schon einen melancholischen Song, doch er bleibt nicht dabei. Maiija, das Projekt von Marilies Jagsch, singt von ihrem Weg, mit Endometriose zurecht zu kommen. Ein Signal an andere erkrankte Frauen, wie sie mit diesem chronischen Leiden umgeht. Laut Titel geht es natürlich um die Erholung, aber das Lied macht auch klar, dass der Weg langsam ist - „Slow, slow we go“. Ganz ehrlich: So schöne, kraftvolle Musik, die das Zerbrechliche in sich trägt, aber dennoch stärker ist, habe ich lange nicht gehört. Ja, dieses Lied hat etwas Heilendes. Wow! Am 13. Februar erscheint ihre neue Platte What If und könnte wundersam werden!




Samstag, 17. Januar 2026

Amanda Bergman - Embraced For A Second As We Die

Foto: Julia Mård
(Ms) Gestern ist Embraced For A Second As We Die von der schwedischen Musikerin Amanda Bergman erschienen. Es ist wunderschön. Hier folgt ein kleiner Text dazu, der keine wirkliche Rezension sein will - oder doch?!

Warum hören wir alle so gern Musik? Was macht diese Kunstform mit uns? Welche Kraft wohnt ihr inne? Neben all der Euphorie, all dem Dopamin, all dem Tanzen, was sie erzeugen kann, kann Musik an ganz anderen Orten auch wirksam sein. An Orten und Stellen, an denen wir verletzlich sind. In Momenten, in denen wir Trost brauchen, Ruhe, Zuspruch, eine Akzeptanz der Situation. Insbesondere Halt ist ein ganz wichtiger Faktor. Ich bin fest davon überzeugt, dass jeder Mensch etwas braucht, das ihm oder ihr Halt gibt. Für viele ist es Religion. Für andere Sport. Die Familie. Für einige mag es Musik sein. Klänge, Töne, Lieder, die dann da sind, wenn vieles andere weit entfernt scheint, fast nicht mehr greifbar. Musik schafft es, ohne dass ein Mensch direkt bei mir sein muss, diesen Halt zu geben, diese Hand auszustrecken, mir diese Schulter zu bieten, die ich gerade so dringend brauche. Auf ganz emotionaler Ebene. Das ist möglich, davon bin ich fest überzeugt. Und damit hat diese Kunstform eine Kraft, die nicht zu unterschätzen ist. Warum machen denn so viele Menschen die Augen zu, wenn sie Musik hören oder auf einem Konzert sind? Warum fangen Menschen dann an zu weinen oder vor Freude oder Zufriedenheit zu strahlen. Weil die Klänge, Melodien und Rhythmen - logisch auch der Text - etwas macht, was bewegt. Sie kann die Hand ausstrecken, wenn ich traurig bin. Sie kann aufbauen, wenn ich nicht weiter weiß. Sie kann mir ein Freund sein, den ich gerade brauche.
Musik kann auch ein guter Gegenspieler zur Realität sein. Ein Antagonist. Ein regulierendes Element. Sie hat die wundersame Eigenschaft, dass das Wilde, schwer zu kontrollierende und kaum mehr zu verstehende zumindest für 3, 7 oder 45 Minuten keine Rolle spielt, indem sie das alles einmal ausblendet. Dem ganzen da draußen mal eine Pause verschafft. Natürlich bleiben Unsicherheiten und Fragen, aber wenn gerade ein schönes Lied läuft, rückt alles in den Hintergrund. Genau diese Pausen brauchen wir ganz dringend, um nicht durchzudrehen. Eine permanente Beschäftigung mit dieser seltsamen Realität würde uns sicher grob schaden. Da schaffen Töne, Lieder und Melodien Abhilfe. Sie streicheln uns sanft. Legen eine warme Decke um uns, machen das Licht aus.

Und all das schafft das neue Album von Amanda Bergman. Aufs erste Hören mag ihre Musik vielleicht etwas langweilig und belanglos erscheinen. Aber nur Geduld. Sie wird den Puls senken. Das Kribbeln verschwindet. Die Unruhe. Mit einer sagenhaften Unaufgeregtheit und Wärme schenkt uns Amanda Bergman hier die schönste Pause von all den Dingen da draußen, die man sich nur vorstellen kann. Wenn ein Lied wie Groby ertönt, ist alles gut. Wirklich. 

Dieses Album ist wunderschön. Punkt.

Mittwoch, 14. Januar 2026

Imarhan - Essam

Foto: Marie Planeille
(Ms) Klar, man könnte das synapsenmäßig bestimmt erklären, warum diese Musik mich anspricht und andere wiederum gar nicht. Eine wissenschaftliche Erklärung will ich gar nicht, sie nimmt mir den Zauber. Und von Musik will ich verzaubert werden, ich will staunen, mich mitreißen lassen, in Welten eintauchen, in einem Klangkosmos schweben. Das ist mit einer Playlist natürlich nur schwer zu machen, daher ist in meinen Augen das Album als künstlerisches Werk immer noch das absolute Non-Plus-Ultra. Die Vielseitigkeit im Text und Klang einer Band kommt so doch am besten zur Geltung! Und eintauchen kann man beim neuen Album von Imarhan wirklich sehr gut! Die Platte heißt Essam und erscheint am 16. Januar über City Slang. Imarhan kommen aus Algerien und singen auf der Tuareg-Sprache Tamasheq. Klar, hier verstehe ich kein Wort und bin recht dankbar in die englische Übersetzung der Texte hineinlesen zu können. Denn dann öffnen sich zum sowieso tollen Klangbild Geschichten, die hierzulande tendenziell weniger Aufmerksamkeit bekommen und unseren eurozentrischen Blick - auch auf die Kultur - zumindest für eine Dreiviertelstunde in den Hintergrund wandern lassen.

Die Musik des Sextetts besticht vor allem durch seine Rhythmik, den mehrstimmigen Gesang und Melodien, die zum Tanzen und Träumen anregen. Zudem ist kein Schlagzeug zu hören. Alle Percussion kommt von Trommeln, die aber auch meist nur im Hintergrund ihr Werk verrichten, und viel vom Klatschen. Das ist außerordentlich pfiffig und nimmt mich vom ersten Takt an mit. Vier Tracks möchte ich an dieser Stelle hervorheben, die insbesondere die ganze musikalische Welt, die diese Band uns schenkt, ganz breit ablichtet. Okcheur ist ein Stück darüber, dass der eigene Kompass nicht mehr funktioniert, irgendwie vom Weg abgekommen ist. Das lyrische Ich fragt die höheren Mächte, ob sie helfen können, denn auch das Wissen der vorherigen Generation scheint - für den Moment - abhanden gekommen zu sein. Musikalisch trägt ein sanfter, aber bestimmender Bass durch die Verse, dazu eine verspielte Gitarre und ein durchgehendes Klatschen. Die Verzweiflung des Erzählers kommt durch die Intonation durch, aber es schwebt auch ganz viel Hoffnung am Horizont! Ein Highlight ist auf jeden Fall Tin Arayth, das überraschend stark von der E-Gitarre dominiert wird und richtig Fahrt aufnimmt! Die Band singt hier im Call And Response - einer singt vor, die anderen antworten ihm. Und wieder die tolle Erkenntnis, wie stark aber angenehm das Klatschen vorantreiben kann - wow! Es ist eine Hymne auf die Heimat, auf den wunderbaren Blick vom höchsten Berg Adrien auf die Gegend, die insbesondere nach dem Regen ihre Schönheit preisgibt. Wer dazu nicht tanzen will, ist ein Banause! Doch Iyad Moussa Ben Abderahmane, Tahar Khaldi, Hicham Bouhasse, Abdelkader Ourzig und Haiballah Akhamouk können auch verträumter, ruhiger und gleichzeitig erhebend, ja transzendental. Adounia Tochal ist ein unglaublich sanfter, wunderschöner Track! Ein Text, der zu Tränen rührt. Ein Text über die Liebe zur Mutter, ein Text der ihr das Schönste auf der Welt gönnt und in der eine nicht geringe Spur Schmerz mitschwingt. Denn der Erzähler vermisst sie. Ach, was ist diesen Typen nur an Gutem zu wünschen, so viel Menschliches senden sie mit ihrer Musik in die Welt!

Dann ist da noch Téllalt. Die erste Single von Essam und in meinen Ohren das Herzstück dieses großartigen Albums. Es hat so viel Drive. So viel Energie. So viel Kraft. So viel Zauber, zu dem es sich leicht tanzen lässt, wenn im Hintergrund die Trommeln schwingen. Wow! Ein Lied, das die Verbundenheit zur Heimat aufleben lässt. Die Band scheint viel unterwegs zu sein und wenn sie Abends das Tellalt-Holz anzünden, entsteht ein einzigartiger Geruch, der Erinnerungen und Emotionen eines ganz bestimmten Ortes beschwören. 
Ohne Kitsch singt diese Band von Gefühlen, die wir sicher alle kennen. Nur halt in einem anderen Kontext, auf einer sicher noch nie gehörten Sprache und Rhythmen, die mein Hörempfinden auf jeden Fall enorm bereichern! Was für eine Band, was für eine tolle Platte. Wer die Möglichkeit hat, sollte sich das hier nicht entgehen lassen:

13.04.26, Hamburg · Knust
15.04.26, Berlin · Gretchen
19.04.26, Köln · Gebäude 9
21.04.26, München · Hansa39


Freitag, 9. Januar 2026

KW 2, 2026: Die luserlounge selektiert

Quelle: pixabay.com / MabelAmber
(Ms) Die Schreckensgeschichten dieser Tage sind beängstigend und real. Die Welt rückt auseinander und es könnte düster werden. Doch das steht auf genügend anderen Seiten auch schon.
Eine kleine Szene aus dem Alltag, die mich hat grinsen lassen: Am Dienstag war ich in der Dämmerung unterwegs, es fehlten ein paar Dinge im Kühlschrank. Hier im Nordwesten gibt es Gegenden, die eher dünn besiedelt sind, teils mehr Tiere als Menschen. Und da kann es zu kuriosen Begegnungen kommen. Auf dem winterlichen Weg wunderte ich mich, als ich aus der Ferne etwas dezent leuchtendes am Wegesrand sah. Es war größer als ein Mensch, aber die Form war mir unklar. Je näher ich kam, desto schöner wurde der Anblick. Ja, es stand eine Person am Wegesrand mit einer Begleitung. Einer tierischen. Ein Pferd stand dort mit einer wärmenden Decke. Doch nicht nur das. Es schien, als ob es eine übergroße Warnweste gewesen ist. Denn rechts vor links gilt auch für alle Hufe! Irgendwie schön.

Agassi
(Ms) Tun sich verschiedenste, schon bekannte Akteure aus der Musikwelt zusammen, sprechen ja schnell viele Stimmen von Supergroup oder dergleichen. Irgendwie ja Quatsch, oder? Namen machen nicht automatisch Qualität. Aber zumindest aufmerksam. Denn hinter der ganz untennishaften Band Agassi stecken Mitglieder von Jupiter Jones oder gar Wir Sind Helden! Doch nach all dem klingt Keine Energie Geht Verloren so gar nicht. Hier peitschen Gitarren nach vorne, hier ist das Wort Punk nicht weit weg und eine gewisse Dringlichkeit, wenn Frank Spilker auch noch mitsingt, türmt sich von allein auf! Das ist schnell, das macht Spaß, das könnte noch richtig gut werden. Irgendwann in diesem Jahr bringt die Band eine Platte raus - wir bleiben am…. Ball!


The Morning Stars
(Ms) Und noch so eine Truppe, deren Mitglieder namhafte Vergangenheiten mit sich bringen - Kante, Sport, Kreidler, Barbara Morgenstern… Wow, wo habt ihr alle gesteckt? Ah, auf einer Geburtstagsparty und die jetzige Band sollte eine kleine Überraschung sein?! Geglückt! The Morning Stars heißt diese Band und macht irgendwas Jazzig-Verschachteltes, irgendwas Warm-Ummantelndes, irgendwas Angenehm-beruhigendes. One Of The Doors heißt ihre erste Single. Schließt sich eine Tür… dann ist die andere nicht automatisch offen. Manchmal muss ausprobiert werden, manchmal muss man sich die Angst als Sparringspartner holen. Manchmal läuft es nicht so geradeaus und dennoch kommt man am Ende an. Ein tolles Stück mit viel klanglicher und textlicher Tiefe!
PS: Lyric Videos sind ja manchmal etwas lahm, aber dieses hier glänzt mit ganz viel Schönheit und treffenden Effekten!


Ulrika Spacek
(Ms) Achtung - innehalten! Kurze Pause, okay? Einmal eben hinsetzen und irgendwie für Ruhe sorgen. Mal eben für (mindestens) fünfeinhalb Minuten nicht gestört werden. Am besten Kopfhörer auf. Und dann lässt es sich ganz leicht wegträumen mit der Musik von Ulrika Spacek. Was irgendwie tschechisch klingen mag, kommt aus Stockholm. Sehr rhythmisch, sehr mitreißend ohne allzu doll zu sein. Ein Gesang der unverschämt gut an Aydo Abay erinnert. Ein paar elektronische Spielereien. Und insgesamt wahre Kunst, wenn ein Track wie Build A Box Then Break It dabei rauskommt. Ja, das ist schon psychedelisch, was diese Band hier macht, aber der Sog ist eher unterschwellig. Ich bin für sowas ganz schnell zu haben, auch wenn der Sound beim ersten Hören gar nicht mal so rund klingen mag. Das Mosaik setzt sich schon von allein zusammen. Das dazugehörige Album Expo erscheint am 6. Februar und könnte ganz phantastisch werden - ehrlich!


The Hirsch Effekt 
(Ms) Wenn dieser Name auftritt, darf man alles erwarten. Wie kaum eine andere Band steht The Hirsch Effekt für die absolute Offenheit aller Genres gegenüber. Klar, sie sind mit satten Gitarren ausgestattet und schreien auch gern mal das Publikum an. Doch sie können auch zart, rhythmisch, melodisch. Am 30. Januar erscheint ihre neue Platte Der Brauch und heute gibt es eine neue Single. Die Brücke ist erstaunlich melodisch. Ein Stück über das Ankommen zu Hause und die Bedürfnisse, die in dem Moment alle haben. Kurz allein sein und durchschnaufen, um die Kinder kümmern, noch was arbeiten, für die anderen da sein, hin und her gerissen. „Eine Brücke über Fluten will ich sein“ - ein schönes Bild für diesen Zwist! Und ein weiterer Beweis, was das Trio aus Hannover alles im Köcher hat! Die Platte wird eine Wucht und die Tour dazu sicher auch!

25.02. Schweinfurt - Kulturhaus Stattbahnhof
26.02. Aarau - KIFF
27.02. Karlsruhe - Jubez
28.02. Ulm - Roxy
05.03. Berlin - Badehaus
06.03. Hamburg - Logo
07.03. Düsseldorf - Ratinger Hof
12.03. Wiesbaden - Schlachthof
13.03. Kassel - Goldgrube
14.03. Erfurt - Museumskeller
19.03. Bremen - Tower
20.03. Oberhausen - Druckluft
21.03. Leipzig - Naumanns
21.05. Saarbrücken - Garage
22.05. Münster - Sputnikhalle
23.05. Köln - Helios 37


Sportfreunde Stiller
(Ms) Vor ein paar Jahren habe ich mich hier an dieser Stelle von Sportfreunde Stiller verabschiedet. Es ist die Band, die mich in meiner Jugend wohl am längsten begleitet hat und ein großes Tor für die Indierockmusik geöffnet hat. Dafür bin ich ihnen auf ewig dankbar - eine gute Zeit! Ihre letzten Alben habe ich nicht mehr verfolgt aber heute morgen, an diesem verschneiten Freitag im Norden läuft ihre neue Single Ti Amo, Italiano bei mir und ich finde sie erstaunlich gut! Ja, die drei Burlis haben noch nie einen Hehl daraus gemacht, dass Italien ein großes Sehnsuchtsland ist, wer soll es ihm verdenken?! Auf dem Stück klingen sie schon nach einer Münchener Version von Wanda - oder täusche ich mich da? Wie dem auch sei, die Band feiert dieses Jahr ihren 30. Geburtstag und das insbesondere mit vielen, vielen Konzerten, von denen schon unzählige ausverkauft sind. Irgendwie freut mich das sehr für diese Band. Und wer weiß… wenn sie im Herbst nach Bremen kommen, vielleicht komme ich auch. Nach all den wunderbaren Jahren…

07.05.26 Erlangen, Heinrich-Lades-Halle (ausverkauft)
08.05.26 Leipzig, Haus Auensee (ausverkauft)
09.05.26 Berlin, Columbiahalle (ausverkauft)
11.05.26 Köln, Palladium (ausverkauft)
12.05.26 Hamburg, Inselpark Arena
14.05.26 Wiesbaden, Schlachthof (ausverkauft)
15.05.26 Stuttgart, Liederhalle (ausverkauft)
16.05.26 München, Olympiahalle (ausverkauft)
22.05.26 Basel Volkshaus
23.05.26 Zürich Volkshaus
24.05.26 Gmunden Rocks
28.05.26 Braunschweig, Lok Open Air (ausverkauft)
14.06.26 Lübeck, Superkunstfestival
17.06.26 Markdorf, Open Air
18.06.26 Kufstein, Kufstein Festung
19.06.26 Coburg, Kulturfabrik Open Air
20.06.26 Koblenz, Festung Ehrenbreitstein
01.07.26 München, Tollwood
03.07.26 Liechtenstein, Life in Schaan
16.07.26 Marburg, Open Air (ausverkauft)
17.07.26 Dresden, Junge Garde
18.07.26 Wien, Arena Open Air (ausverkauft)
23.07.26 Graz, Schlossbergbühne Kasematten (ausverkauft)
24.07.26 Freiburg, ZMF Zelt-Musik-Festival
25.07.26 Hamm, 800Festival Kurhausgarten
06.08.26 Bad Zwischenahn, Zu Gast im Park 2026 (ausverkauft)
07.08.26 Rothenburg ob der Tauber, Taubertal Festival
08.08.26 Haldern, Haldern Pop Festival
13.08.26 Bayreuth, Seebühnenfestival 2026
14.08.26 Eisenach, Burg Creuzburg Open Air
15.08.26 Augsburg, Freilichtbühne
22.10.26 Oberhausen, Turbinenhalle
23.10.26 Aurich, Sparkassen Arena
24.10.26 Bremen, Pier 2
26.10.26 Magdeburg , AMO Kulturhaus
28.10.26 AT-Wien, Gasometer
29.10.26 Kempten, bigBOX Allgäu
30.10.26 Frankfurt, myticket Jahrhunderthalle

 


Donnerstag, 8. Januar 2026

Die Sterne - Wenn Es Liebe Ist

Foto: Stefan Braunbarth
(Ms) Die erste Platte vor 33 Jahren veröffentlicht, 1991 gegründet, wichtige Impulsgeber deutschsprachiger Rockmusik, moderne Klassiker erschaffen, nie müde geworden und einige wesentliche Änderungen in der Besetzung durchgemacht. Eigentlich müsste eine Band wie Die Sterne niemandem mehr etwas beweisen. Ihr Œuvre steht für sich. Textlich vielleicht hier und da mal abgehoben, aber im Grunde genommen immer super bodenständig geblieben. Ja, diese Band müsste keinem mehr was beweisen. Außer sich selbst vielleicht: Wie kann man relevant bleiben? Wie öden wir uns selbst nicht an? Wie kommen wir ab davon, immer auf die gleichen Tracks reduziert zu werden? Wir können wir deutschsprachiger Rockmusik 2026 noch Impulse verleihen? Das mögen Fragen der Band gewesen sein, ich habe keine Ahnung, mutmaße nur. Es ist ihr mit ihrer neuen Platte Wenn Es Liebe Ist auf eindrückliche Weise gelungen, dass man immer noch über Die Sterne spricht. Sprechen muss.

Der Wandel ist frisch und knackig und der Sound an vielen Stellen ungewohnt, aber auf gute Art und Weise. In der jetzigen Besetzung mit Jan Philipp Janzen, Phillip Tielsch und Dyan Valdés ist dies die zweite Scheibe. Hörbar haben sie zu einem Klang gefunden. Meine Vermutung: Insbesondere Ersterer ist dafür verantwortlich. Jan Philipp Janzen ist Dumbo Tracks und enorm gut im Tönetüfteln. Zudem ist er die Hälfte von Urlaub in Polen. Die experimentieren mit Krautrock und elektronischen Spielereien. Klänge, die auf Wenn Es Liebe Ist klar herauszuhören sind.

Gut 44 Minuten Spielzeit hat die neue Platte. Relativ gesehen. Dazu später mehr. 10 neue Stücke serviert uns diese Band und sie machen wahnsinnig viel Spaß! Gitarrenriffs direkt zu Beginn mit Ich Nehme Das Amt Nicht An, eine wache, aktuelle Beobachtung zur Diskursverweigerung. Laut sein, weghören, ignorieren ist ja so viel einfacher, als sich auf das Gegenüber einzulassen. Gut, Frank Spilker, wir sollten das Amt öfter annehmen, auch wenn es anstrengend sein mag! Ein treibender Dumbo-Polen-Bass bestimmt Ändern Wir Je Den Akkord?, das die rockige Gangart vom Opener fortsetzt. So musikalisch hamsterradmäßig war diese Gruppe wohl noch nie zu hören - stark! Es folgt mit GNZRZND - Ganz Reizend - ein knapp siebenminütiges Spoken-Word-Stück. Frank Spilker eröffnet eine Szene einer kleinen Fete oder dergleichen, in der das lyrische Ich ein wohl attraktives Gegenüber anzusprechen versucht. Das ist der Inhalt. Und das ist großartig gemacht. Viele Leerstellen, ein wenig unangenehmes Schweigen, viel Raum zur Interpretation, ein misslungener Flirt wegen des Schwipses?! Das bleibt wohl uns Hörenden überlassen.
Es folgt der Titeltrack in allerbester Sterne-Manier. Seitdem ich diesen Song das erste Mal gehört habe, habe ich mich in ihn verliebt: Ein bisschen gaga, eigentlich viel zu voll, typisch Sterne, eine sehr catchy Keyboard-Hookline. Und eine ähnlich Thematik wie zu Beginn: Bei Thema XY bin ich raus, weil mir das eventuell dann zu nahe geht, zu viel ist oderoder. Das so gut textlich und musikalisch aufzubereiten, ist ein irrer Trumpf dieser Band und dieses Texters!
Dann die nächste Neuerung: Open Water. Nicht nur ein Sound, der unglaublich mitreißend und verzerrt ist, sondern hier singt Dyan Valdés auf Englisch! Mehr Sterneerneurung geht ja gar nicht - genial! Dann kommt ja auch noch Fan Von Irgendwas. Ja, hier wird sich schon stark an Kraftwerk und ihresgleichen angelehnt. Roboterstimme und eine schier unendliche Aufzählungen von Dingen, die Menschen halt gegen die Langeweile machen. Sehr unterhaltsam, weil die Nennung von all den Beschäftigungen sowohl schlau als auch stark gaga ist. Und dann das nächste Highlight mit Es War Nur Ein Traum, wo die Band textlich eher wie Tocotronic klingt. Aber auch das ist vollkommen egal. Denn Die Sterne zeigen hier in aller Pracht, wie vielseitig sie musikalisch agieren können ohne dass es zu viel wird. Der rote Faden ist klar zu hören und es macht so viel Freude!

Achja, 44 Minuten relative Spielzeit. Denn den Abschluss macht Immer Noch Sprachlos über 9 Minuten und 53 Sekunden- Und das weitgehend krautrockig-instrumental.

Diese neuen, alten Sterne machen auf Wenn Es Liebe Ist mächtig Spaß und mächtig Eindruck. So aktuell, so klug, so unterhaltsam, so vielseitig im Klang, so erfrischend, so gut! So unfassbar gut. Das legt die Messlatte für deutschsprachige Rockmusik in diesem Jahr aber ganz schön hoch! Gut so, sollen sich andere daran messen! Aber nur wenn es Liebe ist…

19.03.2026 Siegen - Vortex
20.03.2026 Hannover - Béi Chéz Heinz
21.03.2026 Dortmund - Junkyard
22.03.2026 Köln - Bürgerhaus Stollwerk
24.03.2026 Mainz - KUZ
25.03.2026 Heidelberg - Karlstorbahnhof
26.03.2026 CH-Zürich - Bogen F
27.03.2026 Stuttgart - ClubCANN
28.03.2026 AT-Rankweil - Altes Kino
29.03.2026 AT-Salzburg - Rockhouse
30.03.2026 AT-Wien - Porgy & Bess
01.04.2026 München - Strom
02.04.2026 Leipzig - Conne Island
03.04.2026 Bremen - Lagerhaus
04.04.2026 Flensburg - Volksbad
05.04.2026 Hamburg - Uebel & Gefährlich
24.04.2026 Potsdam - Nikolaisaal – mit dem Filmorchester Babelsberg


Samstag, 3. Januar 2026

KW 1, 2026: Die luserlounge selektiert

Quelle: pixabay.com / Pikura 
(Ms) Tja, wie geht es weiter im neuen Jahr? Die Aussichten, so global gesehen, sind nicht unbedingt gut. Klar, es gibt viele gute Nachrichten, doch die Gesamtperspektive ist nicht rosig, oder? Gelder für gemeinnützige Organisationen werden gekürzt, Bemühungen, um die Folgen des Klimawandels aufzuhalten, werden ad acta gelegt, Bildung spielt, wie immer, kaum eine Rolle in irgendeiner größeren öffentlichen Diskussion. Tja. Aber träumen darf erlaubt sein. Muss erlaubt sein. Eine Vision ist nötig. Wer könnte da behilflich sein? Niemand geringeres als Sibylle Berg! Ihre Grime-Triologie hat mit La Bella Vita - PNR seinen Schluss gefunden. Kein Drama mehr. Keine Spirale, die sich stetig abwärts dreht. Don geht es gut. Sie lebt in einer europäischen Anarchie. Keine Grenzen. Keine Nationen. Kein Geld. (Fast) Keine Autos. Keine Wochentage. Keine Supermärkte. Jeder arbeitet 3,5 Tage in einem Job, der der Allgemeinheit gut tut. Es ist eine wunderbare Träumerei, die die Autorin auf knapp über 400 Seiten auslebt. Und sie ist weniger abwegig, als man vielleicht denken mag. 93 Forderungen stellt sie an eine Zukunft. Eine Zukunft ohne Amazon, Instagram, Schnelligkeit, Rechenzentren, Überwachung, Konkurrenz, Krieg. Wer will das nicht?! Eben. Dieses Buch, dieser Essay, diese Vision sei daher allen ans Herz gelegt, die genau das wollen. Und dann tun wir uns zusammen und bauen uns das auf, okay? Gut.

Oum Shatt
(Ms) Die Zeit zwischen den Jahren ist in der Musik so runtergedimmt wie keine anderen Wochen im ganzen Jahr. Doch es gibt ein paar spannende Töne und Bilder und Worte, die doch aufploppen. Wenn eine Band kurz vor Ende des Jahres ein neues Musikvideo zu einem Album, das vor zwei Jahren erschien, veröffentlicht, darf man ein wenig hinein interpretieren, oder? Oum Shatt haben ein Video zu Love The Way She Stands rausgebracht. Dazu gab es kaum begleitende Worte, also hier wenigstens ein paar Ideen: 1. Sie hatten einfach Lust dazu. 2. Das Video wurde zufällig genau zu dieser Zeit fertig. 3. Die Band wollte ihren Fans und allen, die es noch werden wollen - denn: phantastische Gruppe! - ein kleines Geschenk machen. 4. Eine neue Platte wird mit einem alten Lied wohl kaum angekündigt. 5. Eine neue Tour steht eventuell in den Startlöchern. 6. Sie frönen der Kunst.
Egal: Es ist ein toller Track mit einem schönen Video dazu und einen dieser Punkte könnt ihr euch jetzt aussuchen!


Henge
(Ms) Was haben sich Menschen vor fünfzig, einhundert, dreihundert Jahren wohl gedacht, wie das Jahr 2026 aussehen und vor allem klingen wird? Flugtaxis, Marsbesiedelung oder Explosion des gesamten Planeten? Oder gar Invasion einer anderen Spezies?! Ja, vermutlich wird es letzteres sein, wenn Henge läuft! Die folgenden Worte meine ich genauso, wie ich sie schreibe: Das ist vielleicht das verrückteste, genialste, elektrisierendste, was ich seit langer Zeit gehört und vor allem gesehen haben! Und die Band wird im Frühjahr durch unsere Breitengrade ziehen. Henge ist ein Space-Rock-Future-Electro-Plan eines Quartetts aus Manchester. Obwohl… das stimmt doch gar nicht! Zpor, Goo, Sol und Nom sind Millionen von Jahre alt und wir haben das große Glück, ihrer musikalischen Reise beizuwohnen. Ein Erlebnis, das Krautrock auf Speed bedeutet. Oder so. Egal - es ist großartig, was diese Band auf die Bühne bringt, musikalisch und vor allem visuell, sehen Sie hier:

08.04. - Hamburg, Knust
10.04. - Lübeck, Treibsand
11.04. - Oldenburg, Cadillac
13.04. - Köln, Club Bahnhof Ehrenfeld
14.04. - Wiesbaden, Schlachthof
15.04. - Marburg, KFZ
21.04. - Plagwitz, Neumanns Tanzlokal
22.04. - Dresden, Beatpol
24.04. - Berlin, Gretchen
25.04. - Hannover, Faust


Get Well Soon
(Ms) Nachdem ich am Silvesternachmittag eine bestimmte Mail gelesen habe, hörte ich am Morgen drauf eine Platte von 2008 und konnte erstaunlich gut mitsingen.
Dass es etwas Neues von Get Well Soon geben würde - ich war lange Zeit mehr als skeptisch und die Infos sind noch angenehm ungenau. Ich bin davon ausgegangen, dass Konstantin Gropper irgendwo im Filmmusikbusiness verschwunden ist und Amen irgendwie die letzte Platte bleibt. Pah - Pustekuchen! Am Mittwoch gab es eine Mail, einen Newsletter. Darin hat Konstantin Gropper nichts anderes angekündigt, als dass es in diesem Jahr zwei - in Zahlen: 2! - neue Platten von Get Well Soon geben wird. Plus Labubu, Tour und allem drum und dran! Wannwiewo - diese Infos werden alle noch kommen. Aber: Wow! In diesem Jahr gibt es diese Band schon zwanzig Jahre und ich weiß noch, wie begeistert ich meine MitschülerInnen 2008/09 vollgelabert habe, was ich da mit Rest Now Weary Head! You Will Get Well Soon für eine außergewöhnliche Platte entdeckt habe. Seitdem bin ich dem Sound dieser Band verfallen, sie gehört unangefochten mit zu den fünf Bands, die mich in den letzten zwanzig Jahren am stärksten geprägt und begleitet haben. Ich konnte sogar mal meinen Papa überreden, dass er mich zu einem Konzert nach Nijmegen begleitet und es war großartig. Auch für ihn. Dear Reader als Vorband. Ach, du liebe Güte. Das wird ein gutes Jahr, okay? Okay!