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| Foto: Bernd Hofmann |
The Notwist also mal wieder. Haben sich im Studio verschanzt und sind mit einer neuen Platte wieder herausgekommen. News From Planet Zombie heißt sie und erscheint diesen Freitag (13. März) bei Morr Music. Das letzte Album, Vertigo Days, kam vor fünf Jahren raus. Viel Zeit also, um sich neue Gedanken zu machen. Ja, diese elf neuen Stücke bringen viel Neues mit sich, aber vor allem Anderes. Sounds, die so lange nicht zu hören waren. Die elektronischen Elemente sind deutlich reduzierter. Der Grad an Verspieltheit weicht für mehr Fläche. Es ist etwas weicher und organischer geworden. Ruhiger auch. Und das liegt an einem scheinbar einfachen Trick, der mich ab dem ersten Hören ganz stark fasziniert hat, weil er so schön hörbar ist: Das ganze Album wurde live eingespielt! Das hat die Band seit den 90ern nicht mehr gemacht und ist insbesondere am nah erscheinenden Gesang und an den tollen Bläsern zu hören. Allein das ist schon ein ganz großer Trumpf dieser Platte - sie ist ein wunderbares Hörerlebnis.
Stark einfach, wie dieses Werk beginnt. Teeth startet sanft mit Gitarren, leichtem Schlagzeug und heranschleichenden Bläsern. Es ist ein Lied, das in seinen sechs Minuten und fünfzehn Sekunden wunderbar an Fahrt aufnimmt. Ein Stück über die Standfestigkeit und sich nicht - wie all die anderen - von irgendetwas mitreißen zu lassen, sondern den Weg zum errettenden Gegenüber finden. Dieser Track ist ein einziges Crescendo und irre, dass die Band diese Nummer direkt an den Start setzt. So entsteht direkt ein Sog, die Energie ist sofort dicht und hoch. Wie gut ist das denn einfach?! Die erste Single, X-Ray, kommt etwas dissonant daher und hat mich zuerst auch ein wenig abgeschreckt. Doch auf das ganze Album gesehen, fügt es sich hervorragend ins Werk ein. Ein bisschen schneller, ein wenig dichter, ein weniger roher. Hier scheppert durchaus mal das Schlagzeug, hier wird an den Reglern geschraubt, hier koppelt es zurück. Das muss doch super viel Spaß gemacht haben im Studio. Es folgt Propeller. Wie schlau es ist, an dritter Stelle einen instrumentalen Track zu setzen. Er ist etwas entspannter, ja beinahe fröhlich und kindlich verspielt, richtig schön!
Zwei Cover haben sich auch auf die Platte eingeschlichen. Zum Einen Red Sun, im Original von Neil Young. Hier geben die Bläser den Rhythmus vor und der Gesamtklang lässt Hoffnung aufkeimen, ein Blick nach vorn, der im Text auch zu finden ist: „And the dreams that you‘re havin‘ / They won‘t let you down.“ Ja, die Platte trägt zwar den Namen News From Planet Zombie, doch es kommt auf die Perspektive an. Es geht zwar ordentlich viel den Bach runter, aber diese Lieder schauen definitiv danach, was eben gut ist. Gut so.
Silver Lines ist so ein klassischer The Notwist-Track: viele kleine Elemente, die sich ineinander verweben, kurze Atempausen und insgesamt ein stark nach vorn gerichteter Drang. Viel Energie. Auch hier erzählt der Text vom Zusammenhalt, auch wenn man gerade ganz woanders ist. Denn die Geschichten, die woanders erzählt werden, ähneln doch oft den Bekannten. Dann fühlt man sich doch in der Ferne nicht direkt so fremd. Das zweite Cover ist How The Story Ends, im Original von den Lovers. Ein weiteres Stück, was einfach großartig arrangiert ist ist. Das Zusammenspiel der Bläser mit Bass und Schlagzeug ist hypnotisierend und schlicht großartig.
Dennoch bleibt am Ende ein leicht getrübter Eindruck. Dieses Album hat zwei Facetten. Auf der einen Seite sind einige großartige Songs, die durch ihre wunderbare Struktur und durch ihre Verspieltheit überzeugen. Doch es gibt auch ein paar Tracks, die so vor sich hin dümpeln. Für meinen Geschmack sind Snow, Who We Used To Be, Projectors oder auch das letzte Stück, Like This River zwar schön, aber auch ein wenig harmlos. Vielleicht hatte die Bands Lust, ein wenig ruhiger zu spielen, ein wenig den Drive rauszunehmen, ein paar sanfte News vom Zombieplaneten zu teilen. Eventuell habe ich auch zu engstirnige Erwartungen an eine Platte dieser Band. Es bleibt unterm Strich, wie es immer ist: Geschmackssache.
Doch eines steht hier für mich klar im Fokus: Das klangliche Mäuschenspielen geht hervorragend auf!
13.03. - Berlin - Rough Trade
15.04. - Vienna - Arena
19.04. - Zurich - Rote Fabrik
20.04. - Köln - Carlswerk Victoria
25.04. - Heidelberg - Karlstorbahnhof
26.04. - Hamburg - Große Freiheit
27.04. - Berlin - Astra
28.04. - Erlangen - E-Werk
09.06. - München - Circus Krone
01.11. - Wiesbaden - Schlachthof
02.11. - Stuttgart - Wizemann
03.11. - Düsseldorf - Zakk
04.11. - Bremen - Schlachthof
05.11. - Münster - Skaters Palace

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