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| Foto: Neil Hoare |
Denn das, was der irische Musiker A.S. Fanning auf seinem neuen Werk Take Me Back To Nowhere macht, ist düster und gleichzeitig unglaublich faszinierend. Dafür gibt es viele gute Gründe. Der erste und markanteste ist seine einnehmende Stimme. Ein Bariton wie aus dem Himmel - wunderschön, eindringlich, kräftig. Im Dezember hatte ich die Hoffnung, dass Tom Smith seine großartige Stimme so wirkmächtig auf seinem Soloalbum einsetzt. Den Eindruck hatte ich nicht. Wenn jemand auf tiefe, dunkle Stimmen steht: Hier ist die richtige Adresse! Hinzu kommt ein neuer Ansatz des Songwritings. Und der ist hörbar. Eigentlich sitzt der Ire mit seiner Gitarre zusammen und bastelt seine Stücke zurecht. Doch er hatte sich die Hand gebrochen. Also nahm er sich ein paar elektronische Tonerzeuger zur Hilfe - und das ist hörbar auf der Platte. Synthieflächen machen Lieder groß, tief, dunkler - ja, sogar teils tanzbar!
Die allgemeine Hoffnungslosigkeit macht sich direkt im ersten Track stark bemerkbar! Save Us ist wenig verheißungsvoll, denn es heißt: „No one is coming save us / not sience and no god who made us.“ Große Keyboardflächen untermalen diese Düsternis, der Drumcomputer schlägt den passenden Takt dazu. Doch im letzten Drittel passiert doch was. Da ist mehr Dur als Moll, da funkeln doch ein paar Sonnenstrahlen durch den pechschwarzen Himmel. Ja, es sieht nicht gut aus, aber auf diesem Album sind viele (musikalische) Abers zu hören - sie machen den Glanz aus!
Im Anschluss schon der absolute Höhepunkt! Today Is For Forgetting schreit ja schon nach Kopf-in-den-Sand-stecken. Aber! Dieses Lied ist so phantastisch arrangiert, dass es kaum auszuhalten ist. Zum Einen tanzen viele Synthie-Töne durch den Track, der Bass schwingt behände durch die Zeilen, A.S. Fannings unglaubliche Stimme gibt einem den Rest. Trotz des hoffnungslosen Textes ist da eine Kraft in seiner Stimme, die doch nur aufrichten kann, oder?! Ja, der Text hat etwas romanhaftes, Fantasy, Sci-Fi, Peng! Aber (!) es ist leicht, sich hier mitreißen zu lassen. Geben wir uns dem hin!
Und woher die Hoffnung und Zuversicht nehmen?! Klar, aus der Liebe - woher denn auch sonst?! Now I‘m In Love heißt der passende Track dazu und es ist nur logisch, dass der Musiker singt, dass das wunderschöne Lächeln des Gegenübers alles ausblendet, was daneben den Bach runter geht. So einfach, so wunderschön ist es. Wichtig, dass dieses Stück Teil des Albums ist! Die Liebe kann auch so stark sein, dass die Angst vor dem endgültigen Ende, dem Tod, schwindet. Ist das nicht wunderschön?! Ja, klar! Stay Alive singt genau davon und ein sanftes, kleines Glockenspiel bringt auch hier wieder den Hoffnungsschimmer in all das Stockfinstere.
Take Me Back To Nowhere sagt ja schon im Titel, worum es geht: eine Welt hinter jeder Begründung zu erlangen, zu einer Nicht-Existenz. Das mag zwar nicht allzu vielversprechend sein, aber doch besser als das, was uns die Flimmerkiste in unserer Hosentasche jeden Tag präsentiert, oder?! Eben. Zudem ist dieses Album einfach gespickt mit purer klanglicher Ästhetik. Die Lieder sind sanft, ummantelnd und bestechen durch außerordentliche Tiefe. Es geht also nicht bergab. Die Hoffnung ist nicht passé. Solange diese Musik läuft. In all ihrer Schönheit.
28.03. Altenkirchen – KulturSalon Stadthalle
21.04. Hamburg – Knust
23.04. Dresden – Ostpol
25.04. Oberhausen – Gdanska
26.04. Offenbach – Hafen 2
29.04. Wien – Rhiz
30.04. Salzburg – Rockhouse
02.05. Berlin – Neue Zukunft
