Dienstag, 24. März 2015

Wille and the Bandits: Obacht, Gitarrenvirtuosen!

Foto: Wille and the Bandits

(ms) Wozu ist Livemusik nicht alles im Stande? Allein dieser Frage könnte man eine ganze Reihe widmen, aber hier geht es heute um etwas anderes. Sie kann einen völlig in ihren Bann ziehen, Raum und Zeit vergessen lassen, beeindrucken, mitreißen, Dinge tun lassen, die man von sich selbst nicht erwartet hätte oder den Hörer bitter weinen lassen. Alles ist möglich. Leider ist sie oft auch sehr harmlos oder zu artifiziell. Insbesondere bei Konzerten auf Festivals kann man Neues entdecken, vieles findet man auf Anhieb gut. Das könnte auch bei Wille and the Bandits passieren, wenn die ab dieser Woche wieder in Deutschland auf Tour sind. Leider sind sie hierzulande noch relativ unbekannt, wobei sie keine Gründe haben, sich verstecken zu müssen, in den letzten Jahren haben sie hauptsächlich in Europa gut 250 Konzerte pro Jahr gespielt, das machen nicht viele. Der Grund? Leidenschaft! Und Können!
Kopf der Band Wille Edwards - Australier, jetzt in England zuhause - ist an der Gitarre, der Slide Guitar tätig wie ein unbändiges, wildes Tier, aber mit Präzision. Dabei wird er am Bass von Matthew Brooks und an den Drums von Andrew Naumann begleitet. Klar, Edwards steht - allein durch die Namengebung, den Gesang und der Leadgitarre - im Fokus des Trios, doch die anderen stehen ihm in Können in nichts nach. Man kann auch sagen: Es harmoniert gewaltig!
Und was für Musik machen die drei?
Ja, das ist eine gute und sehr schwer zu beantwortende Frage!
Es ist ein Mix aus Classic Rock, Folk, Blues, Latin und in gewisser Weise auch Pop. Bei all dem stehen die Instrumente im Vordergrund und werden durch den leidenschaftlichen Gesang Edwards ergänzt, begleitet, verschönert. Die mal minimalistischen und mal sehr gewaltigen Songs sind der ideale Soundtrack für Autofahrten in der Steppe, den Kauf seiner neuen Lieblingsjeans, dem Genuss großer Flaschen Bier oder dem Kreisenlassen seiner gepflegten langen Haare à la Propeller!


Ein Thema muss man hier aber auch noch berücksichtigen: Denn der Edwards sieht John Butler nicht nur sehr ähnlich zu beider Zeiten des Rasta-Looks, sondern ihr Gitarrenspiel bietet zudem einige Parallelen. Nicht falsch verstehen: Hier macht keiner dem anderen etwas nach oder kopiert ihn, es gibt genügend herausragende Gitarristen auf der Welt. Doch beide treten ähnlich in Erscheinung, doch bei einem Punkt - da mutmaße ich allerdings nur - unterscheiden sie sich. Bei Butler steht sein Können, sein Talent, die Virtuosität, Kreativität seines Seitenzupfens im Vordergrund, darauf wird er auch irgendwie reduziert, sowie Andy McKee. Zudem: Die Lautstärke von Wille unterscheidet sich stark von Butler, ersterer geht oft gern Richtung Classic Rock, ja, beinahe Heavy Metal.
Wille and the Bandits brechen mit diesem Bild, spielen einfach nur, weil es Spaß macht, weil es geil ist, weil sie gut sind, weil das Publikum sich anstecken lässt von den Lines, den Grooves, dem Bock der Musiker zu spielen, wo es geht und so viel wie geht. Vielleicht ist es daher gar nicht so schlecht, wenn sie die kleineren Bühnen bespielen, dann aber vor viel Publikum und so richtig loslegen.

Kleine persönliche Notiz: Ich bin kein großer Gitarrensolofan, ich finde das in der Regel irre anstrengend da zuzuhören und das gut zu finden. Wille and the Bandits haben mich aber überzeugt, haben Stil und insbesondere ihre Livedarbietungen (siehe Video oben) lassen staunen. Es gibt seit kurzem auch eine Live-Platte mit Aufnahmen aus dem letzten Jahr. Schaut es euch live an an folgenden Tagen in diesen Städten und Clubs:

»Forgiveness« Tour 2015 
25.03.2015  D-Brake, Centraltheater
26.03.2015  D-Bonn, Harmonie  (Crossroads Festival)
28.03.2015  D-Dresden, Tante Ju
29.03.2015  D-Fulda, Kulturkeller 
30.03.2015  D-Stuttgart, Universum
31.03.2015  D-Fürth, Kofferfabrik
01.04.2015  A-Wien, Reigen  (Vienna Blues Spring)
02.04.2015  D-Ulm, Club Action
04.04.2015  D-Berlin, Supamolly
05.04.2015  D-Wredenhagen, Café Scheune
07.04.2015  CH-Pratteln, Z7
10.04.2015  D-Hamburg, Klubsen  (Ramba Zamba Indoor Festival)

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