Sonntag, 7. Juni 2026

Live in Bremen: Fair Weather Fest - der Freitag

Abramowicz, Foto: luserlounge
(Ms) Dieses Festival sollte dringend seinen Namen ändern. Er scheint kein gutes Omen zu sein. Bereits im letzten Jahr, bei der ersten Auflage des Fair Weather Festes, regnete es sommerlich. So auch an diesem Wochenende. Oder: Man könnte es auch umdrehen. Vielleicht ist dieses eher mäßige Wetter ja auch ein gutes Omen für diese äußerst feine Veranstaltung. Denn, wie im letzten Jahr, haben die Macher, die Bands und all die Menschen vor und hinter den Bühnen und an allen Theken für ein großartiges Erlebnis gesorgt. Ein Indoor-Festival zum Genießen, Treibenlassen, Entdecken und Sich-Verlieren. Selten war es leichter als hier zwischen Calavera, Lila Eule, Lagerhaus, Eisen, Titus, Black Plastic Records und Horner Eckhaus. Aus organisatorischen Gründen (siehe bald im nächsten Posting) war ich nur am Freitag da, aber es war einfach nur irre!

Irre warm war es bei Jule in der Lila Eule, wo ich leider zu spät gekommen bin. Um kurz vor sechs war es erstens schon sehr voll und zweitens leider sehr schwül und drückend. Also weiter ins Eisen, erstmal ein Bier genießen und auf Turbobart warten. Wie fast alle anderen Acts kannte ich den Münsteraner Musiker nicht und wurde wunderbar überrascht. Mit der Klampfe in der Hand und dem Herz auf der Zunge sang er eine halbe Stunde aus seinem Innersten. So viel Inbrunst war wirklich beeindruckend. Das ist es doch, worum es geht. Identifikation mit der Musik, mit der Kunst. So ist es ganz leicht, als Zuhörender einzutauchen, mitzugehen. Und wenn er dann noch Kettcar und Muff Potter covert, ist doch wirklich alles gut. Was für ein emotionaler, wunderbarer Auftakt in den Abend. Also schnell rüber ins Lagerhaus. Das ist ja das Geniale an diesem Festival: Alles ist nur wenige Schritte voneinander entfernt. Immer kurz frische Luft schnappen oder was zu essen. Weiter bei Abramowicz, die mit sechs Leuten die Lagerhaus-Bühne platzmäßig ausreizten. Dem streng getakteten Zeitplan zum Trotz legten sie kraftvoll und energiegeladen los und haben mich sofort in den Bann gerissen. Sehr melodisch, sehr treibend und in Bewegung setzend. Das hat ungeheuer viel Spaß gemacht - eine phantastische Band! Doch was danach im Eisen geschah, war „leider“ noch etwas phantastischer. Denn der heimliche Hauptact des Tages lud zur Eskalation ein: Dramatist. Die Band, die quasi am Ort des Geschehens geboren wurde, zeigte extrem eindrucksvoll, dass alle Vorschlusslorbeeren absolut berechtigt sind. Es war klug, früh da zu sein, denn drinnen füllte es sich schnell - nachvollziehbarer Weise. Doch auch draußen lauschten zahlreiche aufmerksame Ohren vor dem offenen Eisenfenster. Eine halbe Stunde Druck. Eine halbe Stunde pure Energie. Eine halbe Stunde kompletter Wahn. So intensiv, so tief. Irre, wie die Macht dieser Musik den Leuten auf der Bühne ins Gesicht geschrieben war. Sie haben alles gegeben und alle mitgenommen. Im Januar haben sie ihr erstes Album Wasting Words veröffentlicht und es ist brutal gut! Erstmal durchatmen danach. Ich habe mir eine kleine Pommespause gegönnt, war kurz bei Between Bodies, doch ich habe gemerkt, dass eine Pause sehr sinnvoll war. Kurzer Reset nach Dramatist.
Weiter ging es für mich bei Eaten By Snakes im Eisen, sympathisch, aber blieb nicht so sehr hängen. Als auf zum letzten Act des Abends: Brockhoff im Lagerhaus. Und plötzlich traf mich der Schlag. Müdigkeit kickte in einem ganz bösen Grad, aber noch einmal aufraffen! Leider hat mich das Quartett nicht mehr abholen können. Ihre Musik war schön, aber sie hat mich nicht berührt. 

So bin ich voll gepackt mit Eindrücken und neuen Tönen aufgebrochen. Erneut, wie im letzten Jahr, war ich ganz schön beeindruckt, was das Team hinter dem Fair Weather Fest so auf die Beine stellt. Da ziehen echt alle mit. Über 30 Programmpunkte an zwei Tagen. So viele glückliche Gesichter auf den Bühnen, hinter den Theken und überall dazwischen und davor. Wenn einem Livemusik am Herzen liegt, sollte diese Veranstaltung einen festen Platz im Kalender fürs nächste Jahr haben. Denn dann geht es in die dritte Runde und hier gibt es Tickets zu extrem fairen Preisen! Ich freue mich jetzt schon wieder, viel, viel Neues zu entdecken! Und ganz ehrlich: Scheiß aufs Wetter!



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