Donnerstag, 4. Juni 2026

Laura Misch - Lithic

Foto: Joya Berrow
(Ms) Ist das Handy seltener in der Hand, strömt mehr Gelassenheit und Entspannung durch den Körper. Allein schon die Abwesenheit dieses Gerätes beruhigt den Menschen. Krass, oder? Letztens habe ich seit langer, langer Zeit mal wieder einen handyfreien Tag gemacht und es war super. Memo an mich: Ich sollte es öfter tun. Doch was haben diese Begebenheiten in einem Musikblog verloren? Ganz einfach: Weniger Hektik bedeutet eben auch mehr Aufmerksamkeit für ruhige Töne. Diesen Freitag, am 5. Juni, erscheint das neue Album der Musikerin Laura Misch. Lithic heißt es, was so viel wie „von der Natur her steinartig“ bedeutet. Laura Misch ist eine außergewöhnliche Musikerin. Sie hat den Mut zur Langsamkeit. In ihrem Werk, das irgendwo zwischen Jazz und Ambient verortet ist, spielt das Saxophon eine große Rolle. Es ist ihr ursprüngliches Instrument, das sie im Laufe der Zeit um viele andere Klänge erweitert hat. Doch die Klänge des tollen Holzblasinstrumentes scheinen immer wieder durch die Lieder dieser neuen Platte, bilden oft ihre Grundlage. Laura Misch hat nicht nur Rhythmen, Melodien und Gesang eingefangen, sondern auch Töne aus der Natur, sogenannte Fieldrecords. Sie lebte eine Zeit lang in Dungeness, an der Küste Südostenglands. Stein und Wasser. Das sind die wesentlichen Kennzeichen. Dazu: Zeit und Ruhe. In einer Haltung so sehr in der Natur zu leben, ist diese Musik entstanden. Sie ist vollkommen unaufdringlich und darf unter keinen Umständen nebenbei gehört werden. Ein gewisser Grad der Aufmerksamkeit sollte auf jeden Fall aufrecht erhalten sein. Dann breitet sich eine Ruhe und Tiefe aus, die eventuell nur Meditation bescheren kann. Ja, dieses Album, diese wunderschöne Kunst, ist zutiefst meditativ. Doch überhaupt nicht einschläfernd, sondern mit einer konzentrierten Energie im Hier und Jetzt. Teils melancholisch, doch durchaus hell. Hin und wieder schweifen elektronische Klänge durch die Lieder, dann ist der Rhythmus so pulsierend, dass diese Musik einen sehr organischen, körperlichen Geist entwickelt. Das ist wunderschön und fast etwas erschreckend. Ungewohnt, da so selten zu hören. Wenn es auf einmal regnet im Stück, ist das mal kein Wunder. Die Musikerin schlug auch auf Steine, um gewisse Klangfarben zu erzeugen. Das ist sehr, sehr beeindruckend. Die Ruhe dieser Kunst - aber auch ihr immer wieder auftretender Drive - ist durch ihren Charakter ja wieder politisch. In all seinen leisen Phasen schreit Lithic ja nach Ruhe, Frieden und Ausgeglichenheit. Nach einem Pendant zu unserer digitalen Gegenwart. So kraftvoll kann das Leise sein.

2. Oktober - Berlin, Heimathafen


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