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| Foto: luserlounge |
Drückend war die Luft drinnen. Der nass-warme Frühsommer macht auch im Club keinen Halt. Ohne Vorband ging es um kurz nach acht los und für zwei Stunden spielt sowohl das Gewusel auf der Reeperbahn als auch die Luftfeuchtigkeit keine Rolle. Für mich überraschend als Quartett statt zu Sechst haben Get Well Soon gezeigt, wie unfassbar gut, intensiv, kraftvoll und schön Rockmusik sein kann. Im Zuge der Veröffentlichung des aktuellen Albums meinte Konstantin Gropper, dass seine Band wohl schon seit vielen Jahren als fehlgeschlagenes Comedy-Projekt wahrgenommen wird. Seine Ansagen sind auf jeden Fall unterhaltsamer geworden. Die Lieder haben natürlich alle immer noch einen ernsten, mitunter dramatischen Ton, der aber immer vor Größe nur so strotzt.
Beeindruckend, wie gut alle Musiker auf der Bühne sind. Wie sie ihre Instrumente beherrschen, wie genau und unglaublich gut abgestimmt sie spielen. Bei der Komplexität einiger Lieder ist deutlich zu vernehmen, was für ein guter Geist in der Band herrscht - sonst würde das alles nicht funktionieren.
Im Fokus standen klar die Lieder von Minus The Magic. Durchaus erstaunlich war die Auswahl aller anderen Lieder. Einige „Hits“ wie It‘s Love, auch wenn der einzige Hit des Abends laut Konstantin Gropper ein Cover war, ließ die Band außen vor. Seltsam ist, dass mir eine Zuordnung der Titel bei Get Well Soon immer etwas schwer fällt, obwohl ich die Band seit gut 17 Jahre höre und wirklich oft sah. Egal. Die Tracks waren unabhängig vom Hit-Potential hervorragend ausgesucht und auch in eine tolle Reihenfolge gebracht. Ein paar ruhige Pausen dienten dazu, im phasenweisen Gitarrengewitter mal durchzuatmen. Am stärksten bleib mir The Golden Toilet Heist in Erinnerung, da es wunderbar schepperte und die Instrumente an ihr Äußerstes gebracht wurden - insbesondere der wunderbar glitzernde Bass von Sebastian Brödner. Und auch wenn Paul Kenny mal wieder kräftig auf die Becken schlug, Maximilian Schenkel zwischendurch neben der E-Gitarre zwei verschiedenen (!) Trompeten spielte und Marcus Wuest gleichzeitig Keyboard und Trommel spielte, herrschte eine enorme Gelassenheit auf der Bühne. Beeindruckend! Seitdem ich die Band 2009 zum ersten Mal sah, haut sie mich jedes Mal wieder vom Hocker, wenn ich sie live sehe. Was für eine wunderbare, wuchtige, energievolle und einfach schöne Kunst, die mit Angry Young Men als Abschluss ein heftiges wir-geben-nochmal-alles-Ende fand!
Zum Glück kommt im Herbst noch eine Platte und dann eine weitere Tour.
Am 24. Januar spielen sie im Hamburger Mojo - weitere Termine folgen sicher bald.

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