Mittwoch, 6. Mai 2026

Lambert - I Am Not Lambert

Foto: Andreas Hornhoff
(Ms) Wenn man den Wikipedia-Artikel von Lambert liest, steht dort, dass er Pianist, Komponist und Produzent ist. Das stimmt selbstredend. Doch diese Liste muss nun erweitert werden. Wenn am 8. Mai sein neues Album I Am Not Lambert erscheint, geht er über diese Tätigkeiten hinaus. Die 45 Minuten neue Musik, die er uns schenkt, zeigen wieder einmal neue Spielseiten dieses Künstlers auf: Jazz, Pop, Bandsound und er singt sogar. Ein wenig, aber er singt. Und tatsächlich ist ja sogar in Ansätzen sein Gesicht zu sehen. Klar, die Stiermaske bleibt sein Erkennungszeichen. Doch klar ist auch: Grenzen verschwimmen oder lösen sich gar auf.

Lambert ist extrem fleißig. 2024 erschien sein Beinahe-Soundtrack Actually Good und vergangenes Jahr werkelte er zusammen mit Thorsten Nagelschmidt an der Vertonung seines Buches Nur Für Mitglieder. Nun wieder eine neue Platte. Dieser Musiker hört wirklich gar nicht auf, neugierig zu bleiben, sich selbst neu zu erfinden und immer neue Klangwelten zu entdecken und sie sein Eigen zu nennen.

14 Tracks sind auf I Am Not Lambert enthalten. Der Titel sagt ja schon aus, dass da jemand vorgibt, wer anders zu sein. Oder irgendwie mit dem vorherigen Werk wenig zu tun zu haben. Das ist von Anfang bis Ende deutlich hörbar!
Spirit ist der Opener und beginnt schon mal lambertig: Sanftes Klavier, dann dezent einsetzende Gitarre, es kommen Bläser dazu, leichte Synthies und dann ein Uhhhhu-Gesang. Der geht in einer verzerrten Stimme auf. Nein, das kann doch nicht Lambert sein. Doch, doch. So ist es. Plötzlich klingt es nicht mehr nach Neo-Klassik, sondern nach nebulösem Pop mit beinahe kammerorchestralen Elementen. Es wird sich durch die Platte ziehen. Auch Gäste singen mit. Wie Kat Frankie auf So Unkind, Goodwin auf Hurts Like You oder Dekker auf The Sum. Nicht nur die vielen unterschiedlichen Stimmen machen dieses Album sehr abwechslungsreich. Fast auf jedem Stück gibt sich der Künstler von einer anderen Seite. Es bleibt ruhig, mitunter melancholisch und andächtig. Aber die Nuancen ändern sich stetig. Es ist angebracht, stets neugierig zu bleiben. Dann ist ein wunderbares Cello von Marie-Claire Schlameus auf All At Once zu hören, was dem Stück herrlich viel Tiefe verleiht. Auf We‘ll Be Safe Here wechseln sich Gitarre und Klavier wunderbar mit der Melodieführung auf und die Percussion lassen den Kopf mitwippen. Auf Infinity‘s Fortune scheinen immer wieder kleine Rhythmus-Schnipsel durch, die durch den schon bekannten Uhhuu-Gesang ganz verwunschen wirken. Großartig! Parenthenope ist ein tolles Beispiel für den kammerorchestralen Sound, der sich bei Lambert einschleicht. Ein wenig leise Dramatik lässt erneut aufhorchen!

Und am Ende? Kommt da der große Knall? Mitnichten! Auf The Chase gibt es zwar keine Grenzen, aber hier geben sich plötzlich Pop und Jazz die Klinke in die Hand. Ein wenig Energie darf nicht fehlen, aber es bleibt in klar abgesteckten Grenzen. Mit It Will Happen Either Way beendet Lambert dieses Album, das ja gar nicht so recht seinen Namen tragen will. Das tut es ja aber - offensichtlich. So sanft und schleierhaft, wie es begann, endet es auch. Ein wunderbarer roter Faden. Zwischendurch ist er ein wenig verknotet und ändert auch mal die Farbe, aber es lässt sich alles entwirren. I Am Not Lambert ist ein wunderbares Album. Es glänzt durch viel Schönheit und zahlreiche Details, die immer wieder neue Facetten in den Klang bringen ohne je zu viel zu werden. Von einem Musiker, der immer neue Seiten von sich zeigt.

05.05.26 Dresden, Tonne
13.05.26 Hamburg, Kampnagel – Lambert & Friends
15.05.26 Nürnberg, Z-Bau
17.05.26 Berlin, Kammermusiksaal – Lambert & Friends
19.05.26 München, Live Evil
04.07.26 Kraggenburg, Wilde Weide Festival
12.07.26 Lindau; Zeughaus
19.09.26 Jena, Trafo
20.09.26 Leipzig, UT Connewitz
21.09.26 Hannover, Pavillon
22.09.26 Dortmund, Domizil
23.09.26 Köln, Kulturkirche
24.09.26 Darmstadt, Centralstation
25.09.26 Freiburg, Jazzhaus Festival
26.09.26 Dornbirn, Spielboden
17.10.26 Bielfeld, Süsterkriche
18.10.26 Bremen, Kultur Ambulanz



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