Freitag, 8. Mai 2026

KW 19, 2026: Die luserlounge selektiert

Quelle: flaticon.com / Shuvo.Das
Ganz ehrlich: Ich check es nicht! Mitunter täglich wird die Regierung für alles was sie tut - und vor allem nicht tut - abgekanzelt. Und das zumeist auch aus guten Gründen. Und dann ist die Aufregung groß, dass plötzlich die scheiß Faschisten der AfD stärkste Partei auf Bundesebene ist.
Warum zur Hölle setzt die Politik nicht jeden Tag, jede Veranstaltung, jede Rede dafür ein, um diese Partei zu bekämpfen? Nicht zu entlarven, das tun die selbst schon sehr gut. Warum tun sie es nicht? Warum ist da nichts zu hören? Das ist doch Wahnsinn und obendrein politischer Selbstmord.
Natürlich geht es der Wirtschaft nicht gut. Doch das Wohl der Wirtschaft darf nicht oberste Maxime des Staates sein. Es müssen die Sozialsysteme sein. Die, die ohnehin wenig haben, haben immer weniger. Die, die eigentlich Hilfe brauchen, bekommen immer weniger. Die, die noch Unterstützung bekommen, bekommen sie bald nicht mehr. Logisch, dass sie wütend und unzufrieden sind. Sie hören eventuell die lautesten Brüllaffen und geben ihnen recht. Das ist nicht nur dumm, sondern auch falsch. Es braucht nichtmal eine linke Revolution. Es braucht vor allem einen couragierten Staat, der alles drauf setzt, die freiheitlich-demokratische Grundordnung gegen alles zu verteidigen. Warum tun sie es nicht?

Nullmillimeter
(Ms) „Mach die mal groß! Die haben nur 670 monatliche Hörende bei Spotify. Dabei sind die so toll.“ Okay, Herausforderung - im Rahmen des Blogkosmos - angenommen. Es geht um das Trio Nullmillimeter aus Hamburg und Berlin. Und ja, sie machen wirklich ganz phantastische Musik. Es ist der klassische Indie-Gitarren-Pop mit schwelgerischen Texten und großen Momenten. Auf Englisch und Deutsch. Sie machen Musik, die einen weichen, großen Teppich ausbreitet, auf den ich mich legen möchte. Er beruhigt mich, baut mich auf und spricht aus meiner Seele. Die Musik ist unaufgeregt, aber niemals langweilig. Sie spielt mit einer gewissen Melancholie, ohne allzu schwer zu werden. Sie ist klug und wunderschön. Im Spätherbst letzten Jahres haben sie mit Life Is A Crazy Horse ihr aktuelles Album rausgebracht und es hat 9 großartige Lieder im Gepäck. Seid ihr dabei?! Gut.


Pippa & Resi Reiner
(Ms) Ach, Deutschlandradio Kultur - was bist du nur für ein großartiger Radiosender. Du hast so viele gute Sendungen, so viele tolle MitarbeiterInnen, so viele gute Ideen, worüber es sich zu berichten lohnt. Und so viel gute Musik. Letztens lief ein Lied von Pippa - ich weiß leider nicht mehr welches. Resi Reiner sah ich letztens als Support von Die Sterne und nun machen beide gemeinsame Sache. Blödsinn heißt ihre Single, die vor kurzem raus kam. Zackiger Rock mit punkigen Elementen und ganz viel Gefühl. Ein Vergleich zu Wir Sind Helden ist schon möglich und durchaus angebracht. Das ist schon sehr gut, wunderbar eingängig und eine wunderschöne Hymne auf den Moment! „Wir reden Blödsinn, bis er Sinn macht.“ Amen.


Follia
(Ms) Wie oft sprechen wir bei Musik von Kunst, wie selten hören wir sie in einer gewissen Gänze. Niemandem möchte ich hier Talent und Geschick absprechen, aber wenn bestimmte Klänge ertönen, dann müssen wir einfach von einem anderen Niveau sprechen. Von einem anderen Level des Könnens, des musikalischen Wissens und der großen Gabe, all das zusammenzuführen. Nicht theoretisch, nicht allzu klassisch. Sondern schon in einem poppigen Gewand. All das tut Lia Maria Neff, die sich das Alias Follia gibt. Unter diesem Namen veröffentlicht sie heute (!) die 5 Stücke umfassende EP Verrutscht, die sprachlich zwischen Deutsch und Schweizerdeutsch mäandert. Musikalisch ist es vielleicht so etwas wie avantgardistischer Kammer-Pop. Die Musikerin ist am Kontrabass (!) ausgebildet und sie zeigt uns auf wunderbare Weise, welch tolle Klänge aus diesem großen Ding rauskommen können. Dazu teils drastische Arrangements und viele Momente, die großes Kribbeln auslösen. Das ist Wahnsinn, was die Schweizerin uns hier schenkt und zeigt, wie Musik auch klingen kann: umwerfend und gigantisch!


Margo Mann
(Ms) Auf wie vielen Bühnen des Pop und Rock stehen Klaviere rum oder E-Pianos oder Keyboards. Es werden unzählige sein. Doch: Wie viele MusikerInnen können dieses Instrumente so richtig gut spielen? Wer ist imstande, aus diesem großen Ding große Töne herauszuholen, die nicht nur klimpern sondern auch klingen? Margo Mann aus Australien weiß sehr gut, wie dieses Saiteninstrument zu spielen ist. Das ist sofort zu hören, wenn ihre Single Westgarth erklingt. Es ist warm, pointiert und klug eingesetzt. Dazu gesellt sich eine kraftvolle, prägnante Stimme, die davon erzählt, keine Angst vorm Verlieben zu haben und dem, was damit zusammenhängt. Denn beide werden sich ändern. Das passiert automatisch. Wer bleiben will wie zuvor, ist nicht gemacht für die Liebe. So drastisch kann man es ausdrücken. Doch, wenn man sich drauf einlässt, eröffnen sich wunderschönste Räume. Was für ein tolles, kraftvolles Stück Musik!


Lambchop
(Ms) Crackers hieß das Stück, das mir vor vielen, vielen Jahren die Welt von Lambchop eröffnete. Ein Track, den ich immer noch sehr, sehr gerne höre, weil er eine wunderschöne Energie und eine äußerst ruhige Eleganz hat. Seit 33 Jahren gibt es diese Band - irre! Ich wurde zwei Jahre vorher geboren. Im August veröffentlicht Kurt Wagner das 16. Album dieses außergewöhnlichen Projekts! Es wird Punching The Clown heißen. Das klingt irgendwie angriffslustig, doch weit gefehlt. Showtunes und The Bible, die beiden Vorgänger, waren schon sehr ruhig. Und nun geht er auf der neuen Platte einen neuen Weg der ruhigen und unglaublich energievollen Musik. Sie besteht aus Gitarre, Banjo, Chor und der unverwechselbaren Stimme des ehemaligen Fliesenlegers. Weakened heißt das erste Stück und erzeugt eine wunderschöne Kraft. Der Chor ist kein Beiwerk, sondern Ergänzung, Bandmitglied. Das Banjo nervt nicht, sondern gibt feine Akzente, die Gitarre gibt den Rhythmus. So schafft Kurt Wagner mit seinen MitmusikerInnen es immer noch - oder erneut - für eine Gänsehaut zu sorgen, die ihresgleichen sucht. 

12.02. - Hamburg, Christianskirche
13.02. - Berlin, Passionskirche
14.02. - Erlangen, Markgrafentheater
16.02. - Wien, Theater Akzent

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