Freitag, 7. Februar 2020

KW 6, 2020: Die luserlounge selektiert!

Bild: phase-6.de
(ms/sb) An diesem Mittwoch war es in Norddeutschland richtig schön: kalt und blauer Himmel. Das rief natürlich nach einem Spaziergang an der knackigen, frischen Luft. Dem bin ich nachgegangen (haha...). Nach Häusern und Siedlungen folgte schönes Grün; beim Eintritt in die Zivilisation ein Bolzplatz. Dort kickten zwei Jugendliche, schätzungsweise zwischen 15 und 17. In kurzen Hosen. Okay. Und es ballerte ordentlich Musik. Bluetooth-Boxen sind ja Fluch und Segen zugleich. Fluch in Händen musikverirrter Menschen. Das war auch meine Befürchtung; doch statt fiesem Autotune-Billo-Rap schallte etwas anderes über die Wiese. Und ich musste laut loslachen, denn "Das ist Wahnsinn..." Tatsächlich pumpten die beiden ordentlich Wolfgang Petry. Wie kam es dazu?! Vielleicht so:
"Ey, lass bolzen geh'n." - "Gute Sache das." - "Pumpe noch schnell den Ball auf." - "Super, hab Bock." - "Aber is' ja so ruhig dahinten, haste noch deine Box?" - "Sicher. Bring ich mit." - "Perfekt, ich hab gute Mukke aufm Handy." - "Aber bitte nich' wieder Finch Asozial oder Apache 207, das lief schon den ganzen Tag auf'm Schulklo." - "Neee... ich hab da was bei meinen Eltern gehört am Wochenende. Richtig gutes Zeug." - "Na dann, dreh mal auf!"

Zum Glück bist Du bei der Luserlounge gelandet. Hier ist guter Geschmack garantiert. Und zwar immer. Heute auch. Denn es ist Freitag. Wir haben selektiert.

Florian Ostertag
(sb) Kein Indie, kein Rock, kein Alternative - einfach nur Pop, der aber wunderschön! Florian Ostertag beweist mit seinem neuen Album Flo And The Machine (VÖ: 28.02.), dass man nicht zwingend was besonders Abgedrehtes machen muss, um herauszustechen. Manchmal sind es die kleinen, eigentlich ganz gewöhnlichen Parts, die einen Künstler aus der Masse abheben und ihre Songs hörenswert machen: die Liebe zur Musik, die Liebe zu den Tönen und Texte, die man selber gerne geschrieben hätte, weil sie aus dem Leben heraus entstanden und in vielen Fällen nur allzu gut nachvollziehbar sind. Zehn Jahre ließ sich Ostertag Zeit für sein zweites Album und das hat sich mal so richtig gelohnt; er ist zumeist ein Mann der leisen Töne und so verwundert es nicht, dass er in der Vergangenheit auch als Support für William Fitzsimmons, Alin Coen oder Philipp Poisel unterwegs war, wobei er Letzteren aber mal ganz easy in die Tasche steckt. Mein Favorit auf dem neuen Album ist ja Can't Say What You Want, wobei das bei dem an den Tag gelegten hohen Niveau fast schon ungerecht gegenüber den anderen Tracks ist. Große Gefühle, die Ihr Euch (auch live!) nicht entgehen lassen solltet.

05.03. Ulm, Roxy
06.03. Schwäbisch Hall, Anlagencafé
07.03. Reutlingen, franz.K
08.03. Chemnitz, Atomino
09.03. Berlin, Schokoladen
10.03. Dresden, Societaetstheater
11.03. Erfurt, Museumskeller
12.03. Göttingen, Apex
13.03. Bayreuth, Zentrum
14.03. Darmstadt, Künstlerkeller
15.03. Offenbach, Hafen 2
17.03. Haldern, Haldern Pop Bar
18.03. Köln, Die Wohngemeinschaft
19.03. Düsseldorf, Hotel Friends
20.03. Bielefeld, Bunker Ulmenwall
21.03. Dortmund, subrosa
22.03. Wuppertal, Utopiastadt
23.04. München, Milla Club
24.04. Leipzig, Horns Erben
25.04. Magdeburg, Moritzhof


TVIVLER
(sb) Die luserlounge beinhaltet mittlerweile über 800 Blogbeiträge, aber eine Band, die auf Dänisch singt, hatten wir bislang - zumindest glaube ich das - noch nicht. Zeit wirds und mindestens ebenso laut, denn TVIVLER aus Kopenhagen versorgen uns mit reichlich dezibelbehaftetem Punkrock und Hardcore. EGO (VÖ: 03.04.) ist ein mutiges und trotziges Album über Beziehungen zu sich selbst und anderen, über Unentschlossenheit und innere Ungeheuerlichkeiten. Die Tracks handeln u.a. vom Überleben in Zeiten des Turbokapitalismus, davon durchzuhalten ohne sich festzuhalten und sich dazu zu bekennen, was richtig und wichtig ist. Wers gerne dirty hat, der ist hier genau richtig!



Sundays
(sb) So, wenn wir schon mal in Kopenhagen sind, dann machen wir doch direkt mit der nächsten Band von dort weiter: Die Sundays bevorzugen eher ruhigere Töne und verzaubern mit ihrer neuen Maxi Colourblind samt famoser B-Seite High Or Low. Die Dänen verfolgen bei ihren Releases übrigens ein recht interessantes Konzept: Bei den bevorstehenden Single-Veröffentlichungen dürfen sich diverse Produzenten und Mitmusiker am Sound des Quartetts versuchen, um das ideale Setting für das nächste Album zu erarbeiten. Klingt spannend, oder?



Lucien & The Kimono Orchestra
(ms) Neo Klassik ist ja irgendwie das falsche Wort für ein ganz tolles, bezauberndes Genre. Das Neo impliziert ja, dass es etwas jüngst Erschaffenes ist. Das Klassik die grobe musikalische Richtung. Heißt im Umkehrschluss ja auch, dass es solch Musik längere Zeit nicht gegeben hat. Und das ist schlichtweg falsch. Schaut man in die klassischen Konzertsäle, Musikschulen, Kirchen, dann wird klar, dass natürlich die alten Meister oft gespielt werden, jedoch immer in einem Mix mit Neuem. Was sich geändert hat, ist dass ein Hype dazu kam. Wo er seinen Ursprung hat: Keine Ahnung. Genauso ließe sich Lucien & The Kimono Orchestra sicher als Neo Klassik beschreiben; doch das greift viel zu kurz. Am vergangenen Freitag (31. Januar) erschien auf dem französischen Label Cracki Records sein Album Piano Martinée. Es ist minimalistisch und dunkel. Beschwingt und jazzig. Andächtig und leicht. Zum Hören lohnt es sich, alles andere auszublenden und die durch den Klang entstehenden Bilder vor dem inneren Auge zur Geltung kommen zu lassen. Und dann wird klar, welche Kraft und Magie dieser Musik innewohnt.
Sicher wird auch Lucien auf der aktuellen Hype-Welle surfen können. Es sei ihm gegönnt. Und wir Yuppies müssen in diese Konzerte gehen (auch wenn er bald nur in Frankreich auftritt); um uns zu öffnen und den Altersschnitt zu senken. Auf geht's!



Laikka
(sb) Es gibt ja ganz verschiedene Arten, wie wir mit Bands in Kontakt kommen und uns Neuigkeiten zu bevorstehenden Releases erreichen. In der Regel erhalten wir Promo-Mails diverser Agenturen, in denen in blumigen Worten die anstehenden Veröffentlichungen angepriesen werden, des Öfteren informieren wir uns selber über unsere Lieblingsacts oder werden von Dritten auf tolle Bands aufmerksam gemacht. Diesmal war es etwas anders: Laikka aus Wien hatten von unserem Blog gehört und haben uns einfach mal ne Email geschrieben, um uns ihre neue Single Currents (VÖ: 31.01.) vorzustellen. Und da der Track trotz eher ruhiger Töne sehr überzeugend und kraftvoll vom Loslassen erzählt und von A bis Z zu gefallen weiß, kommen wir der Bitte natürlich gerne nach und hoffen auf weitere solche Nachrichten.


Nicholas Müller
(ms) Was für eine Bürde. Da ist man mit Band Nummer zwei und unter dem eigenen Namen unterwegs und wird immer wieder mit der ersten Band promotet und angepriesen. Diese Geschichte verfolgt auch Nicholas Müller. Erst sehr erfolgreich gewesen mit Jupiter Jones, dann kam die Angststörung und die entsprechende, zum Glück erfolgreiche Therapie, dann von Brücken und das eigene Buch Ich bin mal eben wieder tot. Es ist immer wieder äußerst bemerkenswert, wie leidende Menschen ihre Gefühlswelt kreativ verarbeiten können. Da kann man nur den Hut ziehen. Insbesondere, wenn man gerne und oft auf der Bühne steht und immer wieder mit diesem Thema konfrontiert wird. Gerade für solche Krankheitsbilder wie einer Angststörung ist es wichtig, darüber zu sprechen, ja, auch zu lachen (siehe Nico Semsrott). Und so lädt Nicholas Müller zu einem Abend ein, auf dem er Geschichten erzählt/liest und Lieder singt.
Zum Sterben Zuviel heißt sein Programm; er wird vom Neonorchester musikalisch begleitet und man darf auf unterschiedliche Gesprächsgäste gespannt sein. Ein Abend zwischen Humor, Ernst, Musik und Kabarett. Das gibt es im April und Mai hier:

04.04.2020 Dresden, Beatclub
05.04.2020 Berlin, Quasimodo
26.04.2020 Ludwigsburg, Scala
15.05.2020 Hannover, Pavillon
18.05.2020 Hamburg, Imperial Theater
19.05.2020 Hamburg, Imperial Theater
20.05.2020 Neumünster, Altes Stahlwerk
22.05.2020 Worpswede, Music Hall




Olli Schulz
(ms) Oft habe ich mich gefragt, ob Olli Schulz sich einen Gefallen getan hat, bei Circus HalliGalli mitzuwirken. Doch ich habe mich dagegen entschieden, das zu bewerten. Denn: Olli Schulz hat immer schon das getan, worauf er gerade Bock hatte. Dazu gehören halt auch FickiFicki, Schulz & Böhmermann, der jüngste NDR-Beitrag oder die tolle arte-Story mit Tom Schilling.
Doch im Herzen ist und bleibt er Musiker, Entertainer, Geschichtenerzähler, Bühnenmensch. Und er muss halt auch damit leben, dass die FickiFicki-Fraktion zu seinen Konzerten kommt. Ob sie seine wunderbaren, tragischen, erwärmenden Lieder wie Koks & Nutten, Schon lange was defekt, So muss es beginnen oder Verliebt in 2 Mädchen verstehen... ich wünsche es allen. Denn: Olli Schulz geht wieder auf Tour und das lange und vielen, tollen Städten. Doch wartet mal... nicht aus seiner Sicht. Denn die Tour heißt Eigentlich will ich da nicht mehr hin. Zu viel Rumgeeiere?! Quatsch, sicher steckt dahinter eine der vielen wunderbaren Geschichten, die ihn halt auszeichnen.


Great News
(ms) Vor ziemlich genau zwei Jahren ging es los. Am 16. Februar 2018 gab es sehr gute Neuigkeiten aus Norwegen. Denn in Bergen hat sich ein Trio gebildet, das an diesem Tag ihr erstes Album auf den Markt schmiss. Ihr Name: Great News. Die Platte: Wonderfault. Ihre Musik: Angenehm psychedelischer Gitarrenrock, der wunderbar ins Ohr, ja, auch in die Beine geht. Gut, dass aus dem hohen, derzeit dunklen Norden nicht nur die Metalschiene bedient wird. Nun gibt es Nachschlag! Am 17. April kommt der Nachfolger: Now And Them. Und der erste Vorbote Greedy Little Thing ist zwar nicht mehr ganz so psychedelisch, dafür enorm eingängig. Und das tut irre gut. Nicht verkopft, nicht so wahnsinnig kompliziert, sondern staight. Der Track erinnert saustark an die große Indiepoprockzeit aus den 00er Jahren und hat veritables Hitpotential. Seien wir ehrlich: Es wird unwahrscheinlich sein, dass das Trio hier richtig durchstarten wird. Zu wünschen ist es ihnen allemale. Denn dieser Song, diese Band kann, soll, darf, muss auf den guten Indie-Partys zwischen The Killers, Franz Ferdinand und The Kooks laufen. Über die Platte werden wir selbstredend auch berichten. Bleibt dran!



Hamilton Leithauser
(ms) Vor vier Jahren wurde ich von einem Album überrascht, deren Protagonisten ich bis dahin nicht kannte. Das waren Rostam Batmanglij und Hamilton Leithauser. Ersteren kann man von Vampire Weekend kennen, den zweiten - um den es hier geht - von seiner vorherigen Band The Walkmen; immerhin hat er sieben Alben unter diesem Namen veröffentlicht. Vor vier Jahren dann das Konzeptalbum I Had A Dream That You Were Mine und es ist ein irrer Wurf, der heute noch regelmäßig bei mir läuft.
Jetzt geht der Amerikaner Solopfade und der Sound ist vergleichbar mit dem erwähnten Kollabo-Album: Rauer, sehr prägnanter Gesang mit Gitarre, Bass, Klavier, ein wenig Banjo und unglaublich viel Groove, das packt sofort. Außerdem: Musik und der Faktor Mensch waren noch nie zu trennen. Leithauser bringt ihn auf ganz neuer Ebene noch dichter zusammen. Denn es gibt ein neues Werk. Auf jedem Stück ist die Geschichte einer echten Person zu hören, deren Werdegang, Prägnanz, Fokus er beleuchtet. Ein tolles, bemerkenswertes Projekt, das in der Entstehung viel Empathie, Einfühlungsvermögen, Zeit, Fingerspitzengefühl und Kreativität benötigt. Zu hören gibt es jetzt schon Here They Come, unter dem Video (wenn man bei YouTube guckt), ist auch der Text nachzulesen, mitzusingen. Hier wichtiger denn je!


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