Freitag, 31. Januar 2020

KW 5, 2020: Die luserlounge selektiert!

Bild: http://www.fettabbau24.com/
(ms/sb) Wir müssen wirklich nochmal über Musikpreise reden. Ja, ätzendes Thema, aber mit dem kleinen Input aus der letzten Woche ist es noch nicht getan. Wir berichteten über den doch recht renommierten Musikautorenpreis. Nun ist die Verwunderung doch sehr, sehr groß, dass in den letzten Jahren Martin Bechler nicht gewonnen hat und dieses Jahr nicht nominiert ist. Wer? Natürlich der Rotweinschlafanzugkopf von Fortuna Ehrenfeld. Warum verwundert die Nichtnominierung? Martin Bechler wird ab April an der Musikhochschule Köln den Meisterkurs 'Songtexte, Sprachkunst, Metaphorik & Poesie' unterrichten. Na, wenn das nicht die Definition von herausragendem musikalischen Textekönnen mit Alleinstellungsmerkmal ist! Oder: Solch ein Ruf, solch eine Ehre kann doch noch viel intensiver Wirken als ein Preis, der dann im Schrank verstaubt. Ein irrer Typ. Und neben den - auch letzte Woche - angekündigten Tourdaten mit Jenny und neuem Drummer, spielt er auch noch ein paar Konzerte solo am Flügel. Martin Bechler hat einfach Bock, Bock, Bock. Tut euch das bitte an!

Doch jetzt ist erstmal Freitag hier. Louserlounge hier. Selektiert hier. Bitte. Abfahrt:

Courtney Barnett
(ms) Na, war es bei euch diese Woche auch teils so dermaßen schmuddelig draußen? Nur Grau und Grau und dann noch den Schreibtisch voller Arbeit? Irgendwie kaum Zeit, um mal wirklich runter zu fahren; damit meine ich nicht einfach mal den Abend auf dem Sofa zu verbringen, sondern wirklich mal zu entspannen, ohne diffusen Druck im Nacken?
Okay, ich auch nur bedingt. Aber zum Glück beschert uns die Musik, ihre Klänge, Atmosphäre ganz besondere Momente. Solche, die einem kleinen Urlaub gleichen und das Gefühl vermitteln, wenigstens kurz aber intensiv durchgeatmet zu haben. Es ist und bleibt ihr innewohnender Zauber. In diese Kerbe schlägt seit einiger Zeit Courtney Barnett. Die junge Australierin fabriziert einfach so unglaublich schöne und entspannte Musik, wie eine kleine Auszeit für den arbeitenden Kopf. Dieses Gefühl versprüht sie jetzt auch in eure schönsten Ecken mit Live-Faktor. Denn Ende Oktober letzten Jahres wurde sie von MTV (jaha!) eingeladen, ein Unplugged aufzunehmen. Es wurde ein kleines, acht Tracks umfassendes Set, das bereits zu Nikolaus digital erschien und neues Soundmaterial bereithält (Play It On Repeat). Doch wer wie wir schön oldschool ist, legt wert auf physisches Material, das man in den Händen halten, das man entdecken kann. Und so erscheint MTV Unplugged Live in Melbourne am 22. Februar auch als CD und LP, damit die Sammlung wachsen kann. Legen wir euch ans Herz!



Three for Silver
(ms) Was passiert wenn man Russkaja, Faber, Voodoo Jürgens mit der englischen Sprache und zwei, drei Liter Whiskey mixt? Man könnte auf einen wild gewordenen Tom Waits mit einer Fiddle in der Hand tippen?! Gar nicht so weit davon entfernt ist die amerikanische Band Three for Silver! Mit Bass, Akkordeon, Violine bewaffnet wissen die Portlander ganz, ganz schnell, wie man die Tanzbeine ins Schwitzen bringt. Und nicht nur das brandneue Video zu Born to Trouble beweist, dass sie etwas verrückt und voller Spielfreude überschäumen. Auch die irre Liste an anstehenden Konzerten in unseren Landen ist eindrucksvoll. Da kann nun niemand sagen, dass man keine Möglichkeit hatte, sie nicht zu sehen. Da die Läden eher klein sind, vermute ich, dass es schnell heiß her geht und einige Schuhe durchgetanzt werden! Also, worauf wartet ihr?!

21.3. Wien | Akkordeon Festival - Das Werk (AT)
26.3. Bern | Wohnzimmerkonzertreihe (CH)
27.3. Dillenburg | Die Erbse (DE)
28.3. Hatzenweier | Grünerbaum (DE)
29.3. Freiburg | Klimperstube (DE)
30.3. Ansbach | Kammerspiele (DE)
31.3. Hannover | Kulturhaus Kleefeld (DE)
1.4. Marburg | Q (DE)
5.4. Hamburg | Deichdiehle (DE)
6.4. Lübeck | Tonfink (DE)
8.4. Bremerhaven | Pferdestall (DE)
9.4. Kiel | Hansa 48 (DE)
10.4. Berlin | Kiste (DE)
11.4. Jena | Irish Pub (DE)
12.4. Crailsheim | Jugendzentrum (DE)
13.4. Zwickau | Il Tavolino (DE)
14.4. Cottbus | Fango (DE)
15.4. Oldenburg | Polyester Club (DE)
16.4. Berlin | Wild At Heart (DE)
17.4. Rodgau |Maximal (DE)
18.4. Düren | KOMM (DE)
19.4. Dresden | Dreikönigskirche (DE)
20.4. Bochum | Bastion (DE)
21.4. Hannover | Glocksee (DE)
22.4. Dortmund | Subrosa (DE)
23.4. Wetzlar | Franzis (DE)
24.4. Fürth | Kofferfabrik (DE)
25.4. Lörrach | Nellie Nashorn (DE)
26.4. Hanau | Ellis (DE)
27.4. München | Fox Bar (DE)
29.4. Isny | Eberz (DE)
30.4. Salzburg | Oval (AT)
1.5. Hartberg | Roter Gugl (AT)
2.5. Fürstenfeld | Die Akte (AT)
3.5. Klagenfurt | Lendhafen Cafe (AT)
6.5. Linz | Kapu (AT)
7.5. Brixen | Arch Panta Rei (IT)
8.5. Saalfelden | Nexus (AT)
9.5. Niederwürzenbach | Bahnhof (DE)
10.5. Lochwitz | Lochwitz Bühne (DE)
11.5. Winterthur | Monomontag (CH)



Der Englische Garten
(sb) Welch genialer Schachzug, seine Band nach dem (neben dem Sechzgerstadion natürlich) Wohlfühlplatz Nummer 1 in München zu nennen! Dass dann auch noch die Musik wie die Faust aufs Auge dazu passt, macht Der Englische Garten direkt nochmal eine Stufe sympathischer und authentischer. Als Münchner kenne ich die Band schon lange und verfolge deren Werdegang selbstredend aufmerksam, zumal das ein oder andere Bandmitglied kein Unbekannter im Münchner Nachtleben ist und auch musikalisch bereits vor DEG aktiv war. Still war es in den letzten Jahren geworden um die Herren, ehe kürzlich (doch recht überraschend) die Ankündigung eines neuen Albums hereinflatterte und mit ihr der Download von Bei Tag und Nacht (VÖ: 13.03.) - welch Freude! Und dieses Gefühl hält auch nach mehrmaligem Anhören des Albums an, denn Der Englische Garten tut das, was er am besten kann: alltägliche Stories in witzige Lyrics verpacken und das Ganze dann äußerst tanzbar aufbereiten. Wer Samba, Superpunk oder Die Liga der gewöhnlichen Gentlemen mag, der wird auch zu DEG begeistert mit den Hüften wippen oder gar das Tanzbein schwingen. Schön, dass Ihr wieder da seid! Ich bin ja schon gespannt, wie oft Ihr Euch live im Refrain von Schlafen Gehen versingen werdet - ich tu es andauernd. 😉



FIRSTCLASS&COACH
(sb) Wir schreiben das Jahr 2020, schalten den CD-Player an und - schwupps - fühlen uns direkt um 20 Jahre zurückversetzt. Herzlich willkommen zu FIRSTCLASS&COACH! In bester Tradition von Bands wie Elastica, Lambretta, Republica oder auch Sonic Youth entführen uns die Iren auf eine musikalische Zeitreise; dies betrifft nicht nur den Stil, sondern irgendwie auch die Produktion des Debütalbums The Truth About Honey (VÖ: 13.03.), dessen Sound phasenweise an alte Bootlegs erinnert, was aber keineswegs störend ist - ganz im Gegenteil! Die Tracks klingen sehr authentisch und erfrischend retro, nur die beiden deutschsprachigen(!) Songs kann man - mit Verlaub - komplett in die Tonne kloppen.


Philiam Shakesbeat
(sb) Ja gut, da sind wir reichlich spät dran, aber besser spät als nie, oder? Auf den wunderschönen Namen Auf der Suche nach Philanthrosophie (VÖ: 13.12.2019; ich gehe mal davon aus, dass das Datum bewusst gewählt wurde...) hört das Debütalbum des österreichischen Rappers Philiam Shakesbeat und wer auch nur ansatzweise Interesse an deutschsprachigem Hip Hop mit Niveau hat, der sollte sich das nicht entgehen lassen. Gesellschaftskritik, eine eindeutige politische Haltung, intelligente Lyrics und dennoch tanzbare Melodien - all das (und noch viel mehr) versammelt sich auf den 14 Tracks des Albums und hinterlässt beim Hörer sowohl einen Muskelkater im Genick (Kopfnicken deluxe), als auch reichlich Anlass, sich und die Welt zu hinterfragen. Besonders erwähnenswert ist zudem das soziale Engagement des Musikers, der sich bereits wiederholt für Flüchtlingsprojekte wie Bock auf Kultur eingesetzt hat und künstlerische Beiträge lieferte. Ich höre ja prinzipiell schon gerne Hip Hop aus Österreich (Skero, Average u.v.a. Texta), Philiam Shakesbeat rüttelt aber direkt gewaltig am Thron der alpenländischen Wortartisten.



Zebra Katz
(sb) Ich gebe es zu: Eigentlich wollte ich mir Less Is Moor (VÖ. 20.03.), das neue Album von Zebra Katz gar nicht erst anhören, weil mich die Ankündigung dazu nicht sonderlich ansprach und die Zeit ohnehin rar ist. Eine unerwartete Autofahrt gab mir jedoch die Gelegenheit, mich doch mit der Scheibe zu befassen - und siehe da: Megapositive Überraschung! Der Künstler, der in der Vergangenheit bereits ausgiebig mit den Gorillaz tourte und auch auf deren Album "Humanz" zu hören war, legt einen ungemein facettenreichen Longplayer vor, der zwischen dancefloortauglichem Faithless-Sound (In In In) und totaler Beklemmung (Blush) etliche Stimmungen abbildet und erzeugt. Garniert werden die ungemein intensiven Lyrics mit meist recht minimalistischen Beats, die der eindringlichen Stimme von Zebra Katz genug Platz einräumt, um sich zu entfalten. Der Musiker ist übrigens alles andere als ein Nobody, auch wenn Less Is Moor tatsächlich sein Debüt ist. Gefeierte Auftritte gab es bereits in Europa und den USA: So konnte er das Broad Museum in Los Angeles, das New Museum in New York, das Metropolitan Museum, das MoMA PS1, das Brooklyn Museum, die Art Basel in der Schweiz und kürzlich die Münchner Kammerspiele auf seiner Bucketlist bereits abhaken.



Die Sterne
(ms) Wenn eine Band seit 28 Jahren Musik schreibt, komponiert und veröffentlicht, darf man allein aufgrund dieser Zeitspanne von Legenden sprechen. Das ist bei Die Sterne definitiv der Fall. Natürlich, ihre verschwurbelten Texte und Lieder ecken immer wieder an und gefallen nicht allen. Muss ja auch nicht sein. Eine treue Fanschar und hohes Ansehen in Kultur und Feuilleton sprechen für sie.
Doch, Halt! Mit der Bezeichnung Band ist jetzt Schluss. Vor zwei Jahren sind Thomas Wenzel und Christoph Leich - immerhin Gründungsmitglieder - ausgestiegen. Übrig geblieben: Frank Spilker, der es sich auch nicht nehmen lässt, weiter zu machen. Und so ist das neue Album Die Sterne, das am 28.02 über PIAS erscheint, eher ein Kollabo- statt Bandalbum. Beispielsweise Erobique und Kaiser Quartett die Musik mit eingespielt. Doch der Stil bleibt gleich, viel klassische Schrammelrockgitarre, Zeilen, die um die Ecke gedacht sind und solche, die ganz profan sind. Auch der neuste Streich Der Sommer in die Stadt wird fahren ist herrlich metaphorisch! Ich freue mich auf die neue Platte!

12.02.2020 Bielefeld, Nr.z.P.
13.02.2020 Essen, Hotel Shanghai
14.02.2020 Karlsruhe, Kohi
15.02.2020 Hannover, Béi Chéz Heinz
06.03.2020 Köln, Gebäude 9 - AUSVERKAUFT
07.03.2020 Mainz, Schon Schön - AUSVERKAUFT
08.03.2020 Stuttgart, Merlin
09.03.2020 Graz (AT), Postgarage
10.03.2020 Wien (AT), Grelle Forelle
11.03.2020 München, Ampere
12.03.2020 Leipzig, Conne Island
13.03.2020 Berlin, Festsaal Kreuzberg
15.03.2020 Hamburg, Uebel & Gefährlich



Bart Budwig
(sb) Monatelang war Another Burn On The Astro Turf (VÖ: 24.01.), das neue Album von Bart Budwig, auf meiner Festplatte versauert, doch nun erreichte mich auch noch die CD und siehe da: läuft und gefällt! Dass dem Musiker aus Oregon Konventionen relativ egal sind, erkennt man rasch. Seine Stimme schwankt zwischen weinerlich, dominant, sanft und wütend und auch die Beschränkung auf nur ein Genre fällt dem Künstler schwer. Folk, Country, Jazz, R'n'B und Soul geben sich die Klinke in die Hand und mischen sich zu einem melancholischen Cuvée, der anregender kaum wirken könnte. Lasst Euch das live nicht entgehen:


27.2. Wien | Fluc (AT)
28.2. Klagenfurt | Lendhafen Cafe (AT)
29.2. Innsbruck | Bäckerei (AT)
02.3. Bamberg | Live Club (DE)
03.3. Unna | Tortuga (DE)
05.3. Kiel | Hansa 48 (DE)
06.3. Hamburg | Cascadas (DE)
07.3. Berlin | tba (DE)
08.3. Altlandsberg | Buchholz Saloon (DE)
11.3. Frastanz | Glashus (AT)
12.3. Bern | Wohnzimmerkonzert (CH)
14.3. Immendingen | Gloria (DE)
16.3. München | Fox Bar (DE)
19.3. Salzburg | Zazi Bar (AT)
20.3. Feldbach | Club GLAM (AT)
22.3. Offenbach | Hafen 2 (DE)
23.3. Jena | Rosenkeller (DE)
24.3. Hannover | Café Glocksee (DE)
25.3. Leipzig | Noch besser Leben (DE)
26.3. Solothurn | Acoustic Nights (CH)



Robert Glasper
(ms) Wie schon letzte Woche, berichten wir erneut über ein Genre, von dem wir so eigentlich keine Ahnung haben: Jazz. Keine Ahnung von der Geschichte, keine Ahnung von Trends, von heißen Gruppen und KünstlerInnen, keine Ahnung von Pilgerstätten. Aber Ahnung vom Handwerk (der Schreiber kennt sich durchaus mit dem Musizieren aus) und Ahnung vom entstehenden Groove, von der Energie, die packt und einen nicht ruhig sitzen lässt. Vom Zauber. Der nicht in Worte zu fassen, aber so spürbar ist.
Doof nur, dass wir hier über Robert Glasper sprechen und sein Album Fuck Yo Feelings, das kommenden Freitag (7. Februar) physisch erscheint - digital ist das Werk schon erhältlich. Wieso doof? Weil Glaspers Album nicht nur ein Mixtape ist, was für Jazz generell schon ungewöhnlich ist, sondern die Jazzspielarten an seine Grenzen treibt. Sicher auch darüber hinaus. Glasper ist Jazzpianist, doch auf den 19 (!) Tracks ist Soul, Pop, R'n'B und Rap zu hören. Entstanden ist ein Großteil der Platte im vergangenen Mai in zwei Tagen in Los Angeles. Er lud ein Dutzend FreundInnen ein und wollte mal schauen, was passiert. Ein immens vielseitiges Album ist entstanden. Es bedient zum Teil das Jazz-Klischee von klassischer Hintergrundmusik à la Loungemukke, aber hauptsächlich ist das so immens lässig, dass es unheimlich dazu taugt im Sommer die schönen Tage, die man lange an der frischen Luft genießt, zu untermalen. Aufdrehen, zurücklehnen.


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