Freitag, 24. Mai 2019

KW 21, 2019: Die luserlounge selektiert

Quelle: cineclub.de
(sb/ms) Dieser Einleitungstext ist ausnahmsweise kein Lückenfüller, kein Bericht von Unwichtigkeiten oder sinnlosem Kram aus dem Musikkosmos.
Am Sonntag ist Europa-Wahl. Geht da bitte hin. Nutzt Euer demokratisches Privileg. Und wenn Ihr das doof finden solltet, dann müsst ihr ja auch kein Kreuz machen. Aber das wäre natürlich auch dumm.
Kürzlich habe ich das Buch von Martin Sonneborn über den EU-Alltag gelesen. Es ist so unterhaltsam wie erschreckend. Dieses Parlament braucht fähige, ehrliche, nicht-korrupte Leute. Und nicht solche, die der Lobby jeden Gefallen abnehmen.
Geht hin. Wählt links, grün oder lustig.
Außerdem: Wir haben selektiert!

Enno Bunger
Es gibt bei uns natürlich auch einige Lieblinge. Enno Bunger gehört schon seit vielen Jahren dazu. Und dafür gibt es zig gute Gründe: Er ist live ein unheimlich guter Entertainer, was man bei seiner oft recht melancholischen Musik gar nicht vermuten mag. Sein Trennungs-Konzeptalbum Wir Sind Vorbei beschert bei jedem Hören eine Gänsehaut, so wahr, so traurig. Auf dem letzten Album Flüssiges Glück wurde er elektronischer und stärker. Eine seltene Kombination. Der Song Wo Blieben Die Beschwerden lässt einen sprachlos zurück.
Jetzt beschert er uns endlich wieder mit neuer Musik. Auf Columbia/Sony (muss das denn sein?!) erscheint am 26. Juli die neue Platte Was Berührt, Was Bleibt. Es ist ein weiteres Konzeptalbum, dieses Mal hat es den Tod (und damit immer auch das Leben) im Fokus. Unheimlich mutig und gewagt. Und wer außer Enno Bunger könnte das gekonnt umsetzen?! Genau!
Mit Bucketlist kann man schon reinhören! Und es nimmt Dir den Atem. Hammerhart. Und es macht Mut. Enno Bunger ist so ein kluger Songwriter und so sehr Mensch, dass es den Eindruck erweckt, dass ihm das ganz leicht fällt. Wieder mehr Band, weniger Synthies. Einschalten ist Pflicht!
Zum Glück geht er im Herbst auf sehr große Tour!

21.06.2019 Neuhausen ob Eck, Southside Festival
22.06.2019 Scheeßel, Hurricane Festival
08.10.2019 Essen, Zeche Carl
09.10.2019 Hannover, Musikzentrum
10.10.2019 Dresden, Beatpol
13.10.2019 München, Ampere
16.10.2019 Leipzig, Werk 2
17.10.2019 Göttingen, Musa
18.10.2019 Hamburg, Große Freiheit 36
19.10.2019 Berlin, Festsaal Kreuzberg
21.10.2019 Würzburg, Cairo
22.10.2019 Frankfurt, Mousonturm
23.10.2019 Stuttgart, Im Wizemann
24.10.2019 Heidelberg, Halle 02
26.10.2019 Freiburg, Jazzhaus
28.10.2019 Erfurt, Franz Mehlhose
29.10.2019 Bremen, Schlachthof
30.10.2019 Köln, Gloria
01.11.2019 Osnabrück, Rosenhof
02.11.2019 Magdeburg, Moritzhof
03.11.2019 Rostock, Helgas Stadtpalast



Fortuna Ehrenfeld
Stichwort Tausendsassa. Stichwort Enno Bunger. Denn der ist ja Gast auf dem aktuellen Fortuna Ehrenfeld-Album. Oder muss man sagen auf dem letzten? Denn nur kurz nach dem Release von Helm Ab Zum Gebet, haben Paul, Jenny und Martin einfach noch eine EP auf dem Markt geschmissen. Kein Ramsch. Keine Geldmacherei. Einfach nur die Songs, wo Herz drin steckt, aber die nicht auf die reguläre Platte passten. Absolut nachvollziehbar. Das ist halt Kunst.
Sechs Songs sind auf Lieder Vom Regenradar Und Den Mandelviolinen. Wenn Martin Bechler bei Facebook dann noch solchen Zeilen schreibt, verliebt man sich nochmals in diese famose Band: "Die Idee war schnell gefunden: Man lagert die Songs aus in ein dramaturgiebefreites Exil, wo sie friedlich vor sich hinspacken können und fröhnt gleichermaßen einfach weiter seinem Vinyl Fetisch. Die Analogoffensive hat grade erst begonnen." Hört Euch hier Vereinsheim an.



Local Store
Fangen wir mit der schlechten Nachricht an: bis zur Veröffentlichung von Magpie And The Moon müsst Ihr Euch noch bis zum 12.07. gedulden - allerdings das bringt uns direkt zur guten Nachricht: das Warten ist es wert! Das Debüt der norwegischen Formation Local Store um Gitarrist Björn Klakegg liefert auf Anhieb zehn bockstarke Songs ab und bewegt sich zwischen 70er Jahre-Folkpop (meine Frau summte danach spontan Mr. Tambourine Man von The Byrds...) und sommerlicher Leichtigkeit. Da gibts nun wirklich gar keinen Grund, das nicht zu mögen. Bei Alben wie diesem freut man sich mal wieder so richtig, dass man als Blogger auch unbekannte Bands kennenlernen darf.


Moritz Ecker
Singer-Songwriter, Gitarrist, Musikproduzent und Langstrecken-Radfahrer: Moritz Ecker überbrückte mit seinem Drahtesel auf dem Weg von Berlin nach Melbourne rund 20.000 Kilometer und sammelte auf seinen Zwischenstationen (u.a. Georgien, Iran, Kasachstan, China, Singapur und Thailand) zahlreiche Eindrücke, die er nun auf seinem Album No Way Out Of The Universe (VÖ: 14.06.) verarbeitete. Dass bei derart vielfältigen Erlebnissen keine 08/15-Platte entstehen kann, liegt auf der Hand und tatsächlich: das Album versprüht Leidenschaft, Lebenslust, Leidenschaft und bezaubert durch seine Authentizität. Sehr stark!


Thorsteinn Einarsson
Ach Österreich, Du bist ja nicht nur bekannt für Deine 1A-Amateur-Ibiza-Videos, sondern hast uns in den letzten Jahren auch musikalisch reich beschenkt: Wanda, Olympique, Granada, Simon Lewis und so viele mehr haben uns schier umgehauen und es geht immer weiter.  In der Alpenrepublik hat der Künstler mit dem ur-österreichischen Namen Thorsteinn Einarsson die Top 10 bereits geknackt, nun soll es mit seinem zweiten Album INGI (VÖ: heute!) auch in Deutschland klappen.
Das Zeug dazu hat das Album definitiv, es ist mainstreamig genug, um im Radio zu laufen und doch so individuell, dass es sich aus der Masse abhebt. Was leider ein bisschen fehlt, ist das Alleinstellungsmerkmal, das gewisse Etwas. Einige der zweifelsohne hörenswerten Songs könnte man auch auf einem Robbie Williams-Album finden, doch der würde den Tracks vermutlich durch seine Attitüde noch etwas mehr Charisma verleihen. Aber was nicht ist, kann ja noch werden!


Tubbe
Vier Jahre sind vergangen seit dem letzten Tubbe-Album Keine Arbeit Lieber Tanzen. Ein sauberes, kritisches, waches, beatlastiges Album, das insbesondere live sehr viel Freude bereitet hat. Dann waren sie weg. Aus gutem Grund. Denn aus Steffi wurde Henri. Gut Ding braucht Weile.
Jetzt sind sie wieder da und haben natürlich auch neue Musik am Start, die mit inhaltlicher Stärke auffährt. Denn Schwarzes Schaf ist ein Bericht über Männlichkeit. Und wer wenn nicht Henri ist eine wunderbare Adresse, um genau darüber zu schreiben und zu singen. Das erinnert ganz stark an Raeywn Connell. Kennt ihr nicht?! Mal schnell nachschlagen und sich bilden. Ich gehe stark davon aus - ohne es zu wissen -, dass Henri auch Connell gelesen hat.
Die neue Single, samt Video, das auf der re:publica gedreht wurde, ist vom Sound her harmloser als zuvor. Das macht aber nichts. So kann man besser zuhören, auch den Zeilen von Frittenbudes Strizi Streuner.

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