Donnerstag, 23. Mai 2019

Schwarz - White Room

Foto: Tanja Tikarli
(ms) Spricht man von SCHWARZ, spricht man automatisch von Roland Meyer de Voltaire.
Und wie bei vielen anderen Berichten über die Platte White Room, die diesen Freitag (24. Mai) erscheint, dürfen keine Infos über den Werdegang und den Wandel des Künstlers fehlen.
So auch hier nicht.
Denn vor dreizehn Jahren - 2006 - hat die Band Voltaire (klar, man ahnt es schon) auf sich aufmerksam gemacht, veröffentlichte eine EP und zwei Alben und die einschlägigen Musikzeitschriften haben ihnen eine große Karriere vorausgesagt. Ich habe Voltaire auch mehrmals live gesehen und war vom Gesang als auch von der Dynamik der Musik stark angefixt. Sie konnten sehr leise und andächtig und auf der anderen Seite auch extrem wild werden, bearbeiteten die Gitarren, bis einem schwindelig wurde. Doch die Band brach auseinander, der Major-Deal verpuffte in der Luft und sie haben noch nicht einmal so richtig losgelegt. Sehr schade, ich wüsste zu gerne, wo die Band heute stehen würde.
Doch Kopf und Stimme der Band, eben jener Roland Meyer de Voltaire, sagte damals schon in einem Interview sinngemäß: Ich kann nichts anderes als Musik machen, deshalb höre ich auch nicht damit auf.
Das Ergebnis können wir jetzt hören unter dem Namen SCHWARZ. Und für die Produktion von White Room brauchte es kein Schlagzeug, keinen E-Bass, kein Klavier, keine Gitarre. Dafür die nach wie vor wunderbare Stimme und einen bestimmt irren Haufen an elektronischen Gadgets. Nein, ich will elektronische Musik nicht schlecht machen, das stünde mir fern, nur der Wandel ist schon extrem. Aber auch extrem in der Weise wie er Kreativität freisetzt.



Tatsächlich ist vor diesem Hintergrund das Wesen dieser Platte auch gar nicht so überraschend, auch wenn Roland sich hier bei einem anderen Genre bedient und in den letzten Tagen einige Support-Shows vor Schiller gespielt haben (ja, die gibt es tatsächlich immer noch). Die Neigung mit Dramatik, Dynamik, Geschwindigkeit und Lautstärke zu spielen, ist deutlich auf den 13 Tracks zu hören. 53 Minuten Spielzeit hat White Room und geht mit The Others auch direkt mit einem sehr modernen Electro-Hit los. Es ist direkt ein Beispielsong für die Platte: es wird da laut, wo es laut sein soll, nimmt sich an den passenden Stellen zurück und ist nicht zu voll. Ja, ein wahrer Kenner/Könner ist am Werk. Mich würde es im Positiven nicht wundern, wenn SCHWARZ bald in High Rotation in Deinem Radio zu hören ist.
Oder: Ein Live-Set passt auch hervorragend auf die Fusion, aufs Melt! oder zu einem nächtlichen Gig beim Hurricane. Dream ist ein ruhigerer Track und das tut der Platte gut, denn von einer gewissen Eintönigkeit kann sie sich nicht freisprechen. Nur epische Klangteppiche wird dann halt langweilig. Aber soweit kommt es auf dem Album nicht. Der titelgebende Song hat eine wunderbare Hookline, wo kein Kopf ruhig bleibt.
Beneath The Skin arbeitet mit Effekten und Geräuschen, die auf den acht Liedern vorher noch nicht so deutlich zu hören waren und haut an einer klugen Stelle einen vielschichtigen Sound raus. Ja, diese Art von elektronischer Musik ist nicht mein Favorit, aber ich sehe die musikalischen Stärken darin. Genauso Ghost Of You, endlich kommt auch eine gewisse Unruhe rein, die die glatte Oberfläche bewusst stört, super! Das Album endet mit einer recht langen Nummer. Mit Leftwing Duckling trudelt White Room über 7 Minuten entspannt dem Ende entgegen.

Insgesamt überzeugt mich die Platte nicht so stark.
Das hat aber auch einen guten Grund: Es ist Geschmacks- und Genresache.
Teils habe ich halt vor Augen, dass die Musik demnächst als Hintergrund einer dramatischen Dokumentation über Tiere, Landschaften oder soziale Missstände genutzt (missbraucht?) wird.
Mein Rat also: Geht etwas unvoreingenommener an die Platte als ich, dann entpuppt sich bestimmt eine frische Schönheit!

Zwei Mal kann man SCHWARZ in den kommenden Tagen live sehen:

31.05. Berlin - Musik & Frieden
01.06. Köln - Artheater

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