Dienstag, 21. Februar 2017

The Franklin Electric - Blue Ceilings

Baum mit Band. Foto: Le Petit Russe
(ms) Wenn man Kanada und Musik in einem Satz hört, dann kann man sich schnell vertun und an Celine Dion oder Nickelback denken. Beides wäre wirklich unzulänglich, denn das weite und schöne Land im Norden Amerikas hat wirklich eine herrliche Vielfalt an grandiosen Acts zu bieten. Da wollen wirklich viele hin. Nur der Weg dahin, Aufmerksamkeit zu erlangen und größere Bühnen als das eigene Wohnzimmer zu bespielen ist lang. Sehr lang.
Jon Matte und seine Band The Franklin Electric haben sich da eines klassischen Mittels bedient und bei einem Talentwettbewerb teilgenommen. Daran ist nichts Verwerfliches. Nur hatten sie achttausend (in Zahlen: 8000) Konkurrenten. Dabei die Hoffnung nicht zu verlieren, ist eine große Leistung. Doch Jon Matte, Kevin Warren, Ken Pressé und Martin Desrosby ließen sich nicht beirren, blieben ruhig und gewonnen das Ding einfach mit dem Song "Old Piano".
Der DIY-Weg vom eigenen Proberaum bis gefühlt ganz nach oben, bekam also märchenhafte Züge. Was sonst noch passiert ist: 2014 erster, professionell produzierter Song draußen, 2015 haben sie 180 Konzerte weltweit gespielt unter anderem vor Mumford & Sons oder Ben Howard. Und nach dem ersten Werk "This Is How I Let You Down", erscheint diesen Freitag über Revolver Distribution Service ihr zweites Album "Blue Ceilings". Wir haben schon einmal reingehört und können euch sagen, dass die Kanadier den Erfolg durchaus verdienen.



Wie die großen Bands, die sie supportet haben, erahnen lassen, spielen The Franklin Electric Gitarrenpop mit Folklore-Anstrich und schrecken vor hymnischen Trompeten nicht zurück.
Die Bandbreite des Albums soll an ein paar Beispielen erläutert werden!

Track 1, "I Know The Feeling": Direkter Einsatz von gezupfter Gitarre und klarem Gesang, bis in der 16. Sekunde Schlagzeug und Bass einsetzen und beide im Hintergrund begleiten. Der Bass hat eine schöne, schweifende Melodie, über der Jon Mattes Stimme den Song zur Entfaltung bringt. Unaufgeregt, aber harmonisch ist der Übergang von Strophe in den Refrain. In der Bridge stimmen sowohl Xylophon und Trompete ein und entfachen hier ein herrlich romantisches Indie-Stück. Logisch, dass der Opener zur ersten Single gekürt wurde und mit einem herrlichen Video versiert wurde.
Track 4, "Save Yourself": Beginn mit treibendem Schlagzeug, schnell danach setzt ein verzerrter Gitarrenklang ein, dessen Dramatik durch Klavier und "Uhh"-Gesang sofort aufgehoben wird. Beim Beginn der ersten Strophe nur noch Stimme und Klavier. Anschließend wird wieder Spannung aufgenommen mit chorgleichem Hintergrundgesang, der herrlich viel Stimmung erzeugt: ein Mix aus Melancholie und dessen unmittelbarer Beendigung. Die Frage im Mittelpunkt: Wer kann mich retten?
Tack 6, "Walk With You": Hier ist sie, die Quotenballade. Zitterndes Klavier, gepaart mit leichem Gitarrensound sind das Klangbett, auf dem sich Matte erneut mit Gesang ausbreitet. Es ist Erschöpfung, Traurigkeit mit einem kleinen Funken Hoffnung: "I could walk with you, if you walk with me." Das Schlagzeug hier nur dezent, dominierend sind Klavier, Gesang und angenehmer Synthie-Bass. Die dann doch treibende Snare untermalt die leichte Verzweiflung zwischen Sound und Text. Gut gemacht.

"Blue Ceilings" ist also ein sehr ausgewogenes Album, das laut und leise kann. Es kann die große Indie-Lovesong-Stimmung zum Fäuste in den Himmel recken. Vermeintlich scheint das Rezept dazu leicht, The Franklin Electric geben ihm einen eigenen Anstrich, der hängen bleibt.
Die vier Kanadier sind demnächst schon hier live zu sehen; geht also hin!

04.04. Berlin - Musik & Frieden
05.04. Hamburg - Molotow
06.04. Köln - Gebäude 9
08.04. Amsterdam - Bitterzoet
09.04. Wiesbaden - Schlachthof
11.04. Leipzig - Täubchenthal
12.04. Heidelberg - Karlstorbahnhof
13.04. München - Strom
14.04. Lausanne - Bleu Lézard
15.04. Zürich - Papiersaal


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