Dienstag, 24. Januar 2017

Waving The Guns - "Eine Hand bricht die andere"

Aus Rostock: Waving The Guns. Foto: Bastian Bochinski.
(ms) Ihre Namen lauten Doktor Damage, Milli Dance, Dub Dylan und Admiral Adonis. Sie kommen aus Rostock und machen Rap. Rap, der es in sich hat und einigen direkt und vollkommen bewusst auf die Zwölf haut! Seit ihrem ersten eigenen Album "Totschlagargumente" sind sie bei Audiolith gelistet und am 27. Januar kommt ihr nächster Streich. Titel: "Eine Hand bricht die andere". Es warten 13 Tracks auf denen ausgeteilt, gewitzelt und nochmal ausgeteilt wird. Milli Dance und Admiral Adonis übernehmen die Parts am Mikrophon; Damage und Dylan basteln seit jeher die Beats.
Reflektierter Rap mit klarer antifaschistischer Haltung vom ersten bis zum letzten Beat.
"Du bist bereit für dein Land zu sterben - wir sagen: Tu's!" (Intro)
"Wann warst Du das letzte Mal in Deinem Keller und hast Dir angesehen was da für Leichen liegen, dir klar gemacht, auf welchem Dünger hier die Eichen blühen"         (An einem Strang)  
In den neuen Songs wird ausgeteilt. Gewaltig ausgeteilt. Wortgewalttätig quasi. Und das gegen eine Vielzahl potentieller Opfer, die sich grob in drei Gruppen aufteilen lassen.
Zum Einen sind es alle Nazis, Nationalisten, Patrioten, Pegida-Sympathisanten, Neo-Konservativen, Reichsbürger und was es sonst noch alles für Begrifflichkeiten gibt für die "Ich bin kein Rassist, aber..."-Sager. AfD-Mitglieder und -Wähler sowieso. Wer mir einem wachen Geist und kritischer Grundhaltung in Rostock aufwacht, entwickelt sich wie die Kollegen von Feine Sahne Fischfilet automatisch in diese Richtung.
Zum Anderen ist es das eigene Ich oder das angesprochene Du: aufgefordert zum Nachdenken, selbst reflektieren oder sich selbst mal eine Schelle geben, um klar zu kommen. Dazu paart sich die dringende Empfehlung exzessiven Alkoholkonsum zu betreiben; auch Drogen sind nicht verboten, sondern gern an erster Stelle ("Zapfhahn"). "Das ist kein Aktivismus, Rap ist Egoismus." Na also!
Dazu darf eine glasklare Anleitung nicht fehlen, wie man sich bei einem WTG-Gig zu benehmen hat (saukomisch auf "Open Mic"). Auch die Polizei wird (wieder mal) nicht verschont ("Kornflasche"). Ansprechpartner Nr. 3: Alle weaken Rapper (wie es sich so schimpft). Leider bin ich kein regelmäßiger Besucher bei der juice, 16bars oder rap.de, um zu sagen, wer das tatsächlich ist. Auf jeden Fall Ottonormalhiphopper wie Fanta4, Cro und andere Chartstürmer. Weiterhin sicherlich auch Andrenalingetriebene wie Fler, Bushido und all dem, was früher mal Aggro war. Ansonsten lässt sich nur vermuten, wer gemeint ist. Mit großer Sicherheit auch MaKss Damage.
 "Für all jene, die unbeschränkt genug sind, um zu wissen, dass Flüchtlinge das falsche Ziel berechtigter Wut sind" (Endlich wird wieder getreten)
"Gerade in diesen verrückten Zeiten, in denen alles möglich scheint, scheint mir 'Ich löt' mir einen rein' recht vernünftig zu sein" (Zapfhahn) 
Nun müssen wir bei Rap auch über die Beats sprechen.
Nach mehrmaligem Hören muss ich konstatieren, dass das neue Album keine großen Ausreißer an den Instrumentals bietet. Lediglich "An einem Strang", "Identifikationsfigur" und "Überlegen" stechen etwas heraus. Der Rest plätschert irgendwie vor sich her. Das ist jedoch kein Makel, denn textlich wird so eiskalt und brilliant ausgeteilt, dass es die schwächeren Beats ausgleicht. Wortgewandtheit, Ironie, Sprachwitz und Doppelbödigkeit überwiegen nunmal. Doch ein hammerharter Beat wie bei "Gartenzaun" ist nirgends zu finden.
Und ein achtminütiger Mega-Feature-Song mit Pöbel MC, Haszcara, Cheddar Mike, Toni Starter und Sketch One rundet die Plattte sehr gut ab.
Bei all der Austeilerei, wollen die vier nur Liebe, denn "WTG ist für alle da".

Also: 13 Tracks. Viele sehr gut, wenige überflüssig; ich hätte gern "Erfolg" auf der Platte gesehen. Es wird ausgeteilt, aber immer nur mit Worten. Die Selbstironie verpflichtet zu Aussagen, die klar machen, dass die beiden am Mikrophon nie und nimmer die Faust auch in Wirklichkeit schwingen würden. Oder?!






Hier sind Waving The Guns mit Pöbel MC demnächst zu sehen - wir empfehlen den Besuch dringend!

27.01. - SO36 - Berlin
28.01. - M.A.U. Club - Rostock
03.02. - Kassablanca - Jena
04.02. - Uebel & Gefährlich - Hamburg
10.02. - Indiego Glocksee - Hannover
11.02. - Kellerperle - Würzburg
18.02. - Conne Island - Leipzig
24.02. - Druckluft - Oberhausen
25.02. - Mauerpfeiffer - Saarbrücken
03.03. - Kino Lumière - Göttingen
04.03. - Feierwerk/Kranhalle - München
11.03. - Karlstorbahnhof - Heidelberg
18.03. - Gleis 22 - Münster
07.07. - Krach am Bach Festival

Support von Neonschwarz

25.03. - Zakk - Düsseldorf
06.04. - Exil - Zürich
07.04. - Reitschule - Bern
08.04. - Crash - Freiburg

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