Donnerstag, 19. Januar 2017

Lemur - "Die Rache der Tiere"

Lemur zeigt sich angriffslustig. Foto: Urban Tree Media.
(ms)
Die Lemuren (Lemuriformes, von lat. Lemures „Schattengeister der Verstorbenen“ und forma „Gestalt“) sind eine Teilordnung der Primaten aus der Gruppe der Feuchtnasenaffen (früher den „Halbaffen“ zugeordnet). (Quelle: wikipedia.org)
Warum nicht mehr Herr von Grau, sondern Lemur?
Das war und ist vielleicht die meistgestellte Frage an eben jenen Lemur, der am 27. Januar sein zweites Lemur-Album "Die Rache der Tiere" über Kreismusik herausbringt.
Die Antwort vom Künstler selbst: "Einmal bin ich in der Gesangskabine umgekippt. Als ich wieder zu mir kam, merkte ich, dass auf dem Boden das Wasser stand, das mein Schweiß war, und ich lag mit der Nase mittendrin." Feucht-Nasen-Affen.
Nach der "Provisorium"-EP mit Marten McFly hat Lemur also noch ganze 14 Tracks zusammen geschrieben und sie auf Platte pressen lassen.
Der Titel des Albums ist logischerweise auch das Motto der Texte, die sich in melancholisch-düsterer Form durch alle Lieder ziehen. All die negativen Tendenzen, die es im Alltag, in der Zeitung, Politik, in Beziehungen gibt, gepaart mit dem gewissen Gedanken, dass es irgendwann mit unserer aller Existenz zuende sein wird, wurden mit Beats gepaart und sind so hörbar.



Dabei muss man leider konstatieren, dass die charakteristische Stimme in Zusammenklang mit den meist ähnlich klingenden Beats das Album realtiv eintönig erscheinen lässt. Das ist in sofern schade, da Rap ja immer von einer enorm hohen Textdichte lebt. Diese geht unter, denn die Songs scheinen beinahe austauschbar. Also schnell nach einem Hören ins Regal stellen und unter "War ganz nett" abheften?!
Nein, das muss nicht sein, denn es gibt mindestens drei Tracks, die für sich stehen und einfach gut sind. "Sonne" zusammen mit FairS rechnet mit unserer Gesellschaft ab, die absolut abhängig vom Laptop, Smartphone, WhatsApp und Facebook ist. Das Fenster, das wie ein ferner Zugang zur Natur wirkt, lässt nur noch erahnen, wie wunderschön es draußen sein kann, aber dann klingelt wieder das scheiß Handy und liefert unsagbar nutzlosen Kram ab. Hier die unbedingte Empfehlung zur brillianten Serie "Black Mirror", die sich mit genau diesem Problem beschäftigt!
Auch "Montagophobie" fasst das zusammen, was wir alle kennen: Das unmotivierte Aufraffen zum Wochenanfang. Dabei ist der Song weit entfernt von diesen furchbaren, abartigen "Made my Day"-Bildchen im Netz. Und das tut gut. Auf der anderen Seite befreit der Montag vom wahnsinnigen Wochenend-Suff, der ab und an aufgrund fehlender Erinnerungen nicht ganz rekonstruierbar ist.
Diskussionsstoff bringt auch "Highlander". Es ist eine fünfminütige Abhandlung über Religionen, ihre gut gemeinte Grundform und den bitterbösen Missbrauch durch machtversessene Arschgeigen, der dann zu Mord, Totschlag, Unterdrückung und Vernichtung ganzer Biographien führt. Denn, dass Religion und Glaube Halt geben kann, ist unbestritten. Dass eine Religion jedoch so auf sich beharrt, dass sie das Positive einer Anderen ignoriert, führt zu Chaos. Ein kluges Lied.

Musik ist immer Geschmackssache. Das ist bekanntermaßen gut so.
So sollte man "Die Rache der Tiere" eine Chance geben.
Mich konnte die Platte in Gänze nicht wirklich überzeugen.
Aber vielleicht geschieht das ja hier noch live:

15.02. - Rostock - Helgas Stadtpalast
16.02. - Hamburg - Häkken
17.02. - Hannover - Faust
18.02. - Würzburg - B-Hof
19.02. - Kassel - Panoptikum
21.02. - Bochum - Bahnhof Langendreer
22.02. - Wiesbaden - Schlachthof
23.02. - Nürnberg - Club Stereo
24.02. - Dresden - Groovestation
26.02. - Berlin - Bi Nuu

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