Mittwoch, 19. Oktober 2016

Synje Norland - "Who says I can't?

Foto: Jana Legler
(ms) Synje Norland. Genau, was für ein wunderschöner Name. Mäßig gut recherchiert wollte ich diesen Artikel damit anfangen, dass die Redaktion ein kleines Faible für skandinavische, attraktive Musikerinnen hat. Sowohl Anna von Hausswolff als auch Anna Ternheim zählen dazu. Beide werden aber dennoch hauptsächlich für ihr jeweils fulminantes musikalisches Werk zurecht verehrt.
Die Annahme, dass sich Synje Norland in diese etwas obskure und wenig gut begründete Schublade einreihen könnte, liegt allerdings falsch. Suggeriert dieser Name vielleicht Norwegerpullis, schwedische Schönheiten und das allzu dunkle musikalische Schaffen Skandinaviens allgemein, kommt Norland aus Nordfriesland. Klar, die geographische Distanz bis zu unseren nördlichen Nachbarn ist nicht weit, falsch ist der Gedankengang dennoch.
Also. Neuer Start.
Diesen Freitag erscheint ihr drittes Album "Who says I can't?" Das ist eine ziemlich gute Frage. Und diejenige Frage, die überhaupt dahinter steht, sollte auch beantwortet werden: Was nicht können?!
Als Frau selbstständig auf zwei Beinen stehen? Das wird durch ihre Musik auch dem letzten Lump deutlich, so vielschichtig und stark ist sie. Eine Nische zu besetzen?! Ja, das kann sie tatsächlich. Der Sound des Albums ist weder Pop noch reine Melancholie noch Weltschmerz im großen Stil. Im Alleingang eine Scheibe aufnehmen? Auch das gelingt ihr anscheinend mühelos. Wer nur für das ausgefallene Cello-Spiel Unterstützung bedarf, kann neidlos als begnadete Multiinstrumentalistin angesehen werden.
Fazit: Die rhetorische Frage, die im Raum steht, stärkt ihr Selbstbewusstsein!




Wie klingt nun ihr drittes Werk?
Repräsentativer als das einminütige Intro geht es fast gar nicht: Dunkel, leicht nervös, etwas schräg, ohne nervig zu sein, minimal instrumentalisiert. Mit "Riverside" geht es genauso weiter. Ihre entschlossene und kräftige Stimme (eigenartig, dass man das bei Frauen immer besonders betont) geht bestimmt hoch und runter ohne abzudrehen. Dazu leichte Percussion, Cello, Bass, ein brisantes Wechselspiel! Die Singleauskopplung "Who says I can't" ist etwas fragiler, bleibt jedoch mit der schönen Melodie und nicht ganz gesetzten Ruhe im Ohr.
Das charakteristische Cello-Spiel von Michael Becker bildet den Gegenpart zur leitenden Stimme. Davon ist der gesamte Klang des Albums determiniert. Der Sound ist oft mysteriös, dunkel, zersplittert fast wie dünnes Eis. Wohlgemerkt: Fast! Daher lohnt sich die Anschaffung der Platte, ohne jedes Stück zu sezieren. Es kommt perfekt in dieser Jahreszeit. Der Winter ist nicht allzu weit entfernt und die singt dazu den Soundtrack! Ab und an schaudert es über den Rücken, aber mit weit aufgeschlossenen Augen.

Davon sollte man sich unbedingt live überzeugen.
Und zwar hier:

20.10 - Klanxbüll, Charlottenhof
21.10 - Dortmund, Pauluskirche
25.10 - Hamburg, Knust
26.10 - Köln, artheater
27.10 - Berlin, Kantine am Berghain
04.11 - Lutterbek, lutterbeker
05.11 - Schleswig, Kirche am Friedrichsberg

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