Dienstag, 14. Juni 2016

Tom Odell - "Wrong Crowd"

Copyright: Sony Music
(ms) Was geht in einem jungen Typ vor, der recht gut ausschaut, ein musikalisches Talent hat, entdeckt wird, einen Preis bekommt, einen Vertrag unterschreibt und noch bevor er 25 ist einen enormen Erfolg mit seinem Debut hinlegt?
So richtig können wir das natürlich nicht beantworten, wir sind ja nicht die Psychologen von Tom Odell.
Es gibt sicherlich niemanden, der nicht "Another Love" von ihm kennt: Diese Stimme, diese Dynamik im Klavierspiel, der hohe Ohrwurmfaktor.
Sein Album "Long Way Down" hat sich in Großbritannien über eine Millionen Mal verkauft, war über ein Jahr in den Charts, hat Platin-Status erreicht. Was will man eigentlich mehr? Ist doch spitze!
Nun. Tom Odell war mehr oder weniger gezwungen auf dieses Album und seinen Über-Hit reduziert zu werden und all diese bekannten Lieder zwei Jahre lang wieder und wieder zu spielen. Für einen Kreativen wie ihn einerseits ein schöner Beweis, dass seine Musik hohe Resonanz bekommt, auf der anderen Seite hatte er kaum die Möglichkeit neues Material zu schaffen, zu dicht war sein Zeitplan!




Logischerweise ist er erstmal ausgerissen.
Weg aus der Heimat, irgendwohin, wo er niemanden kennt und untertauchen kann. Welche Städte eignen sich besser als New York und Los Angeles? Zwei Moloche, in denen man ohne weiteres als Unbekannter umherschwirren konnte.
So nahm er sich die nötige Zeit, um "Wrong Crowd" zu schreiben, komponieren und mit Jim Abbiss (u.a. Placebo) fertig zu stellen. Die Erwartungen sind natürlich hoch, ein zweites "Another Love" wird erwartet sowie große Hymnen, die irgendwo auch radiotauglich sind.
Das ist auch dabei herausgekommen. Schön allerdings, dass es nicht so gezwungen klingt.
Odell schuf für die 11 Songs einen fiktiven Charakter, der sich seine Kindheit zurück sehnt und nach Unschuld in einer schnellen, hektischen Welt. Wie fiktiv dieser Charakter wirklich ist, ist selbstredend schwer zu beurteilen.


Die elf neuen Lieder klingen insgesamt ungezwungen, locker, angenehm und gehen sehr gut ins Ohr. Das Opulente, was einigen Songs zugrunde liegt (u.a. "Still Getting To Used To Being On My Own) ist gewollt, die großen Streicher, die rhythmischen Schlagzeugbeats. Ist das machmal etwas kitschig wie in "Silhouette"? Ja schon, aber es schreckt nicht ab.
Bereits der Opener "Wrong Crowd" zeigt, was er kann, dass das Piano im Zentrum seiner Musik steht. "Magnetised" könnte der nächste große Hit sein, er ist wirklich dafür geeignet!
Dadurch, dass es groß gewollt und groß produziert ist, verläuft sich ab und an der Klang, Songs verschwimmen. Ist es doch für das Radio und den Erfolg gemacht?
Diese Frage müsst ihr selbst beantworten.

Live ist er demnächst hier zu sehen:

24.06.2016 - Southside Festival
26.06.2016 - Hurricane Festival
18.11.2016 - Köln - Palladium
24.11.2016 - Hamburg - Mehr! Theater
28.11.2016 - Berlin - Huxleys
29.11.2016 - München - Backstage Werk


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