Mittwoch, 13. Mai 2015

Live: Rangleklods im FZW, Dortmund

(ms) Ich muss vorab etwas gestehen. Rein elektronische Musik ist nicht unbedingt mein Faible. Und lange Zeit hatte ich gewissermaßen das Vorurteil, dass es keine Besonderheit sei, "live" ein paar Knöpfe zu drehen oder Buttons zu drücken. Das schien mir immer ein wenig plump. Das ganze hat doch wenig mit einem richtigen Konzert mit Instrumenten, Bandbesetzung und Stimmen der Gitarrensaiten zu tun. So richtig verspielen kann man sich am Synthesizer doch gar nicht, den muss man zwischendurch auch nicht stimmen. Es ist zu sehen, ich bin da reichlich eingefahren, ja beinahe Konzert-konservativ. Nun wurde ich aber am Montag Abend in Dortmund eines besseren belehrt. die dänischen Electro-Pioniere Rangleklods waren im FZW Club, im Vorprogramm eine Band namens Xul Zolar.

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Gegen kurz nach Acht kamen drei junge Herren auf die Bühne. Im Publikum befanden sich etwa 150 Leute. Die drei nahmen sich Gitarre, Synthie und der dritte setzte sich ans opulent erweiterte Schlagzeug. Wie soll man das jetzt genau beschreiben?! Naja, dann ging es ziemlich ab! Der gute Kerl am Schlagwerk hat sicher nicht nur mich von Beginn an mit seinem virtuosen Spiel in den Bann gezogen. Da hat alles gesessen. Begleitet wurde er von elektronischen Klangteppichen und enorm verzerrter Gitarre, dazu Gesang. Basslastig, rhythmusorientiert, tanzbar. Xul Zolar aus Köln. Die Namensgebung hat etwas mit einem portugiesischen Schriftsteller zu tun, wie wir danach erfahren haben. Ein spannender, energiegeladener Mix aus Beat, Beat, Beat, Alt-J und I Heart Sharks. Die bringen bald eine EP raus. Wir werden Euch auf dem Laufenden halten. In der Band steckt eine große Zukunft und enorm Potential!


Nach kurzer Umbaupause - es mussten ja keine Kabelkilometer verlegt werden - betraten Esben Andersen und Pernille Smith-Sivertsen aka Rangleklods die Bühne. Es wurde nicht lange um den heißen Brei rumgetüftelt, sondern mit "Cough" gestartet. Einem der Hits ihres Debuts. Esben hatte einen etwa zwei Meter breiten Tisch mit allerhand Synthie-Kram neben sich stehen, Pernille eine Rhythmus-Konsole und ein Keyboard. Beide natürlich auch mit dem obligatorisch zugeklebten Apple-Endgerät ausgestattet. Beide gaben sich sofort extrem sympathisch und zeigten sich sichtlich froh, dass an einem Montagabend doch einige Menschen gekommen sind, um ihre Musik zu lauschen. Der Sound war zum teil zart und seicht. Doch das hielt meist nie lange und er bracht total aus, wurde laut, aggressiv, durchdringend. Es ging im Mark und Bein über. Hauptsächlich in letzteres. Schnell entstand eine tanzende Meute, die sich dem Sog der Musik über- und schnell einfach treiben ließ. Stark! Insbesondere Tracks wie der härtere "Order" kamen da voll zur Geltung. Alle älteren Stücke wurden etwas umarrangiert, bekamen etwas mehr Pepp und Bass. Apropos. Die Band selbst war völlig baff, dass die Bühne so beben würde vor lauter Bass. Das Publikum sicher auch. Aber so sollte es sein. Im Laufe des Abends dachte ich einmal: So muss die Apokalypse klingen, aber eben in geil, tanzbar aber böse. Dabei haben in eineinhalb Stunden nicht nur alte Songs wie "Clouds", "Empty", "Riverbed", "Home" oder "On Top" zu überzeugen gewusst. Nein. Nächste Woche erscheint der Zweitling, "Straitjacket". Die beiden mit Videos versehenen Auskopplungen "Lost U" und "Schoolgirls" durften da natürlich nicht fehlen. Die tanzenden Zuhörer haben sie mit entsprechend viel Applaus belohnt und zum Teil einer außerordentlich spannungsgeladenen Stille: großartiges Publikum! Und zum Schluss keine Zugabe-Rufe, sondern Applaus. Vorbildlich.
Natürlich musste dann als letztes noch "Young & Dumb" gespielt werden. Der Überhit.
Völlig paralysiert, erschöpft und baff ging man aus dem Konzert. Große Live-Darbietung. Und das alles nur mit Knöpfen, Drehdingern und Synthie-Kram. Ich wurde überzeugt!



PS: Das FZW ist wirklich ein toller Club. Selten woanders gewesen, wo ein so guter Sound herrscht. Aber bitte legt euch mal eine gescheite Lüftung zu! Und gescheite Bierpreise!

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