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| Foto: luserlounge |
Doch eine Szene bleibt mir bis zum nächsten Morgen prägnant im Kopf: Richtung Ende des Sets hat Ebow ihren Track Free. gespielt. Dicht und bedrückend. Als der Song zu Ende war, lag eine halbe Sekunde Stille im Bremer Schlachthof. War es ein Schock, dass der Song immer mehr an Aktualität und Dringlichkeit gewinnt? War es ein „Wie gut, dass sie es so klar ausdrückt, was alles schief läuft und wie unsagbar viele Gruppen verfolgt und an den Rand gedrängt werden“? Diese halbe Sekunde war Pate für viele ähnlicher Momente. Es waren Momente, in denen die Texte von Ebow etwas mit dem Publikum gemacht haben. Davon gab es reichlich.
Bremen war am Freitagabend der zweite Stopp ihrer Arbayt-Tour zum aktuellen Album Typologie Eines Lebens und lange Zeit sah es im Schlachthof nicht danach aus, dass es so gut besucht wird. Lange Zeit war es luftig und entspannt. Entspannt blieb es, aber auch Gedränge gab es keins.
Auf der Bühne war eine Bank unter einem Baum zu sehen, daneben ein Grashügel. Ja, es ging auch viel ums Wohlfühlen gestern. Das macht Ebow den Besuchenden sehr leicht, denn ihr warmherziges Charisma erfüllt schnell den großen Saal. Ich vermute, dass durch viele Köpfe ab und an der Gedanke rauschte: Hey, das ist ja eine von uns, sie erzählt genau meine Geschichte, für die ich eventuell nie diese Worte gefunden hätte. Wenn jemandem vor mir die Tränen durchs Gesicht kullern, als Ebow davon erzählt, wie unfassbar schwer es für sie war, sich, ihren FreundInnen und ihrer Familie zu sagen, dass sie auf Frauen steht, dann passiert da mehr als nur Musik. Das sind schon kathartische Szenen, die sich abspielen. Und das ist ja eine irre Form der Kunst. Eine so klare, aufrechte, nahbare Musikerin - das ist ein großes Glück.
Ja, Ebow bringt viele Themen mit. Denn ihr Leben hat einfach so, so viel zu erzählen: Erwartungen und Selbstverständlichkeiten in der dritten Generation migrantischer Familien, ein queeres Leben, eine Utopie für ein hoffentlich kommendes Bald. Es waren nicht nur die Zeilen ihrer großartigen Lieder, die den Abend so intensiv gestaltet haben, sondern auch ihre Ansagen. Denn, was hier vielleicht als ernst rüberkommen mag, war auch sehr, sehr unterhaltsam. Wo Tränen flossen und getanzt wurde, wurde auch im nächsten Moment wieder gelacht. Das ist schon richtig krass und auch einfach wahnsinnig gut und einfühlsam durchdacht, was wann passiert. An allen Ecken und Enden sehr beeindruckend. Und zudem ist sie halt auch eine richtig starke Rapperin, knallt mitunter in einem atemberaubendem Tempo die Bars durch die Luft. Der Abend war gespickt mit phantastischen Songs wie Novoline (Gänsehautgarantie), Vogel & Meer, Neues Leben, Club 1990, Chayas Worldwide, Bodies. Und es gab viel frenetischen, ich-fühle-es-Applaus! Zurecht!
Leider war der Sound nicht ganz so gut. Der Gesang war dumpf und seltsamerweise wurde er durch den Gehörschutz etwas klarer. Aber es hätte durchaus auch etwas mehr wummern können. Bei einem Track wie Arbayt darf gern der ganze Schlachthof beben. Doch das mag nur eine Randnotiz sein, es hat glücklicherweise das Gesamterlebnis nicht geschmälert.
Ebow - was für eine krasse Künstlerin!
15.10.26 Leipzig – Werk 2
22.10.26 München – Ampere
23.10.26 Wien – WUK
24.10. Frankfurt – Zoom
28.10. Berlin – Columbiahalle

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