![]() |
| Foto: Elliot Lee Hazel |
Klar, es ist vor allem die Stimme. Sie wiegt auf geniale Weise schwer, weil so unverwechselbar. Interpol habe ich auch als Gitarrenrockband abgespeichert. Doch wenn das neue Album mit dem Titeltrack beginnt, schwirren erstmal allerhand Soundschnipsel durch die Gegend. Dann setzt die tolle Stimme ein, Gitarre dazu, aber zurückhaltend. Aber sehr atmosphärisch. Das ist der hauptsächliche Fokus dieser Platte: die Stimmung, der Vibe, der Groove. Die bestechliche Dichte. Ich empfehle sehr, dieses Album über Kopfhörer zu genießen. Zahlreiche Details bleiben einem dann nicht verborgen. Zudem arbeitet die Band immer wieder mit einem 360°-Sound. Gänsehaut.
Zurück zum Titeltrack: Wenig nach vorne treibend, aber dennoch dramatisch. Weil so vielschichtig. Eine Ahhhh-Stimme wabert zwischen Vorder- und Hintergrund. Alles, was sich klanglich nicht direkt an der Hörmuschel tummelt, entfacht eine betörende Energie. Sie bricht nicht aus. Pulsiert aber unter der Oberfläche. Das ist richtig gut. Ein starker unaufgeregt-aufregender Start.
Dann direkt die erste Single, See Out Loud, die eindeutig ein typischer Interpol-Song ist. Und hier wiederhole ich mich: Der Klang ist so unglaublich dicht, dass er ja beinahe den Atem abschnürt. Doch statt Beklemmungen erzeugt diese Stimmung Druck nach vorn und den großen Willen, sich dazu zu bewegen. Füße und Kopf wippen auf jeden Fall sofort mit. Das wirklich geniale an dem Stück ist, dass er beinahe psychedelisch wirkt. Denn auch nach der Bridge wird das Tempo nicht angezogen, sondern fast metrumhaft drauf gepocht auf jeden Fall im Takt zu bleiben. Und dann kommen die angesprochenen Details: ein Klatschen im Hintergrund, noch ein Gitarrenriff. Viel, aber in genau der richtigen Dosis. Sogar mit Fade Out!
Wounded Soldier kommt im Grunde genommen mit dem Einmaleins der Rockmusik aus: ein markanter, dominanter Bass, der passende Beat dazu und eine ebenfalls rhythmische Gitarre. Doch da ist so, so viel mehr. Erneut: Was für ein dichter Klang, ich höre nicht auf, mich zu wiederholen. Weil das auch so wunderschön und verlockend ist. Percussion und Synthies im Hintergrund - ein brillantes Arrangement. Darunter mache ich es nicht. Insbesondere wenn ich den letzten Momenten noch ein Xylophon erklingt.
Klar, Wings On Fire auch so ein Megahit! Unvermittelt ballert er los. Typisch Interpol - so weit lehne ich mich nun aus dem Fenster, um das so beurteilen zu können. Auch hier wieder: ein sagenhaft hypnotischer Sound. Wie das wohl live klingen mag?! Hoffentlich so angenehm beklemmend wie auf der Platte.
Frech ist es, was die Band mit einem macht: Ever The Actor hört einfach nicht auf genial zu sein. Dieses Mal wird der hohe Drang mit himmlischen Streicherklängen kombiniert. Diese Kombinationen sind allesamt sehr reizvoll. Und sie gehen alle auf. Hier zeigt eine Band auf beeindruckende Weise, wie großartig Musik sein kann. Vor zwei Jahren haben Paul Banks und Daniel Kessler sich die ersten Ideen hin und her geschickt. Aus den Ideen, die oft am frühen Morgen entstanden sind, wurde eine bemerkenswerte Platte.
Dieser Text bleibt gewissermaßen an der Oberfläche, weil er sich mit den Texten nicht beschäftigt. Gelesen habe ich sie. Doch der Fokus auf die Musik, die brutalen Arrangements muss sein. Der Aufbau der Stücke, die vielen tollen Details lassen mich einfach nicht los. Dennoch muss die Intention des Titels angesprochen werden - sie erklärt, den faszinierend-schweren-soghaften Klang. This Mirror Weights A Ton meint, dass das in-den-Spiegel-schauen und sich mit sich selbst beschäftigen eine Mammutaufgabe ist, die tonnenschwer wiegen kann. Wer das tut, fängt an zu taumeln. Wie diese Musik. Wer das tut, mag in Abgründe gestoßen werden. Wie diese Musik. Wer das tut, kann auf bezaubernde Weise aufgebaut und mit Energie vollgetankt werden. Wie durch diese Musik. Diese Platte ist unglaublich.
Unglaublich ist auch, dass Interpol im Herbst mit Bloc Party auf Tour gehen. Peng!
12.11.2026 Hamburg – Barclays Arena
14.11.2026 Düsseldorf – PSD Bank Dome

Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen
Wenn du auf meinem Blog kommentierst, werden die von dir eingegebenen Formulardaten (und unter Umständen auch weitere personenbezogene Daten, wie z. B. deine IP-Adresse) an Google-Server übermittelt. Mehr Infos dazu findest du in meiner Datenschutzerklärung (siehe Blog-Startseite unten) und in der Datenschutzerklärung von Google.