Freitag, 6. November 2020

KW 45, 2020: Die luserlounge selektiert

Quelle: counsel45.com
(ms) Es gibt, insbesondere in dieser Woche, genügend Stoff, der einen schier in die Verzweiflung drängt. Weltschmerz ist da das passende Wort. 
Doch lenken wir uns ein bisschen ab.
Unter der Woche gab es ein Zeitfenster, wo ich Dinge erledigen konnte, die ich gerne vor mir her schiebe. Von meiner Bank habe ich so ein kleines TAN-Gerät. Da war die Batterie schwach und es benötigte einen extrem kleinen Schraubenzieher, um sie auszutauschen. So etwas besitze ich nicht. Doch in der Nähe gibt es den weltbesten Elektronikladen überhaupt. Von außen sieht er recht diffus aus. Überall steht Zeugs im Fenster herum und nur einen Bruchteil davon könnte ich überhaupt benennen. Drinnen geht es ähnlich zu. Man findet alles zum Schrauben, Leuchten, Drehen, Löten, ... Und alles in einer peniblen Ordnung. Massenweise kleinste Schubladen, die akkurat beschriftet sind und dem geneigten Heimwerker weiterhelfen zu können. Und auch der Service war top. Der freundliche Inhaber half mir sofort weiter, wusste mit seinem Spezialistenauge, welche Batterien ich benötigte und hatte selbstredend auch so einen winzigen Schraubenzieher. Hach, ich war ganz angetan. Was für ein tolles Universum, was für eine herrliche Ablenkung!

Und hier gibt es noch mehr davon! Luserlounge am Freitag. Wir haben den Musikkosmos selektiert!

Gorillaz
(ms) Es gibt ein neues Album von den Gorillaz! Wow! Naja, so halb. Denn was vor vielen Jahren nach einer wahrhaften Sensation klang, ist bei mir komplett unterm Radar gelaufen. Bis 2017 waren Veröffentlichungen der Comicband eine wundervolle und rare Seltenheit und jede einzelne war eine Wucht. Doch dann gab der Reiz des Nichtgreifbaren ein wenig nach und vor zwei Jahren gab es auch eine neue Platte. Nun ist Song Machine: Season One - Strange Timez erschienen und so richtig kickt es nicht mehr. Klar, das ist Meckern auf ganz, ganz hohem Niveau. Persönlich halte ich Damon Albarn für einen der kreativsten und genialsten Köpfe im Musikgeschäft. Die neuen Tracks sind natürlich auch astreine Arbeit, doch diese ungeheure Wucht fehlt halt, das leicht Futuristische, die Neuerfindung von Pop - klar, große Worte. Doch das darf man jemandem wie Albarn durchaus zutrauen, denn oft genug hat er es bereits gezeigt. Wie dem auch sei... Hey, es gibt Neues von den Gorillaz! 


Grandbrothers
(ms) Pro und Contra Neo-Klassik (Fortsetzung, siehe unten). Contra - fangen wir aus pädagogischen Gründen mit den eher negativen Seiten an. Die sind nur sehr dezent, aber vorhanden. Und bestehen vornehmlich in einer gewissen Austauschbarkeit. Hört man nun diesen wirklich schönen, dynamischen und etwas wuchtigen Song All The Unknown von Grandbrothers, dann könnte er - wenn man ehrlich ist - auch von Martin Kohlstedt oder einem Ólafur Arnalds kommen, der etwas mehr Bass benutzt. Ja, einige Künstler sind manchmal schwer voneinander zu unterscheiden.
Pro: Diese Musik ist, egal von wem dargeboten, mit großer Sicherheit stets sehr, sehr schön. Meditativ. Aber auch aufbrausend. Oft sehr fein, fast zerbrechlich. Gewissermaßen klug und anmutig. Und durch den oft fehlenden Text kann das Hirn wesentlich besser arbeiten und dazu eine eigene Geschichte, eigene Bilder kreieren! Das Duo der Grandbrothers veröffentlicht am 15. Januar das zur Single gleichnamige Album über das sehr gute Label City Slang! Live durfte ich sie mal bestaunen und war von ihrer Vereinnahmung schnell überzeugt!


Andrew Collberg
(sb) Stell Dir vor, es ist Kino und keiner geht hin. In Zeiten von Corona ein leider sehr realistisches Szenario, das wir uns alle gerne ersparen würden. Andrew Collberg hat das Ganze etwas anders inszeniert und verfährt getreu nach dem Motto: Stell Dir vor, es ist Soundtrack und es gibt gar keinen Film. Ziemlich abgefahrener Ansatz, der aber bestens funktioniert, da der Künstler auf 1986 (VÖ: heute!) die französische Melancholie eines unmittelbar bevorstehenden Moments, tragisch, aber unausweichlich, mit der Unbarmherzigkeit der menschlichen Existenz kombiniert und so einen Sound schafft, der die Phantasie ungemein anregt und einen unterhaltsamen Film auf die Innenseite der Lider projeziert. 

 
Wolf & Moon
(sb) Folk-Pop mit träumerischer Note - darauf hat sich das niederländisch-deutsche Duo Wolf & Moon spezialisiert und beweist auf Follow The Signs (VÖ: 20.11.) einmal mehr, dass es sein Handwerk bestens versteht. Von sphärischen Klängen über Cure-eske Anwandlungen (der Anfang von A Tape Called Life klingt halt original wie der Klassiker A Forest!) bis hin zu radiotauglichem Pop - Stefany und Dennis beherrschen die komplette Klaviatur und lassen auch die Melancholie in ihren Melodien und Texten nicht zu kurz kommen. Ein Album, das wie geschaffen dafür ist, es sich abends bei gedimmtem Licht und einem Absacker zu Gemüte zu führen und dabei runterzukommen.

 
Les Maries
(ms) Kann Musik elegant sein? Schick? Mit einer sympathischen, kleinen Hochnäsigkeit versehen? Das lässt sich relativ leicht beantworten: Na klar! Dazu gibt es ab heute auch ein tolles, sehr hörenswertes Beispiel: Les Maries! Wie der Name schon verrät, geht es hier frankophil zur Sache - das meine ich mit kleiner Hochnäsigkeit (nicht böse intendiert). Der Chanson war lange Zeit eine anmutige, elegante, edle und stilprägende Art zu singen. Ein kleiner Club, viel Rot, wallende Frisuren, gut gekleidete Menschen, feine Anzüge und Kleider, leicht penetranter aber akzeptierter Zigarrenduft in der Luft und dazu ein schweres Getränk. So stelle ich es mir vor.
Mit einer leichteren, aber auch sehr eleganten Spielweise kommt das Duo Les Maries nun um die Ecke. Klaus Sieg und Marie Laure Timmich stecken hinter diesem wundervollen Projekt, deren Klang am ehesten mit Prag zu vergleichen ist. Sehr fein austarierte Instrumentierung, unterschwellige Melancholie und doch ganz viel Leben und ein unverkennbarer, unkitschiger Hauch Romantik! Das können wir alle gut gebrauchen. Dazu passt auch der Titel ihres Albums, das heute (!) erschienen ist: Wir Brauchen Heute Nicht Mehr Rauszugehen. Eben. Zeit, um Musik zu hören! 


Merchcowboy Mixtape Vol. 1
(ms) Das ist eine gute Sache und eher erstaunlich, dass sie verhältnismäßig lange auf sich warten ließ: Ein Soli-Sampler für die Kulturschaffenden dieses Landes. Merchcowboy Mixtape Vol. 1 erscheint auch erst am 13. Dezember. Aber er erscheint. Und das ist wichtig daran! Bereits seit dieser Woche kann man die CD, die 12,99€ kosten wird, vorbestellen. In den Shops der Bands, die darauf vertreten sein werden. Die Scheibe ist auf 1000 Stück limitiert - eine wirklich schöne Aktion für einen Überlebenszweig, dem gerade die Blätter gerupft werden! Dabei sind unter anderem: Madsen, Donots, Montreal, KMPFSTRT oder Großstadtgeflüster. Alles herzensgute Menschen, denen man glaubt, dass sie es wirklich ernst meinen. Da schlagen viele, sehr solidarische, gute, warme Herzen, die dieses Projekt voranbringen. Unterstützen wir sie! Damit wir auch kommendes Jahr wieder dem schönsten Hobby nachgehen können: Staunend, beseelt vor einer Bühne stehen/tanzen/ausflippen/lauschen. 

 
David Krakauer & Kathleen Tagg
(sb) Einen Grammy-Gewinner haben wir auch nicht alle Tage in unserem Kuschelblog zu Gast, aber heute ist es mal wieder so weit: David Krakauer veröffentlicht am 04.12. sein neues Album Breath & Hammer - und das hat es in sich! Der Klarinetten-Virtuose und seine kongeniale Partnerin, die Pianistin Kathleen Tagg, wagen den Spagat zwischen Klezmer und Jazz, zwischen Ambient und Klassik und schaffen auf diese Weise eine völlig neue Spielart der Neo-Klassik, die durchaus zukunftsträchtig ist, dem Hörer aber auch traditionelle Musik näherbringt und zum Entdecken fremder Klangwelten einlädt.
Der Künstler liebt es, seine kreativen Grenzen auszuweiten, z.B. in Form eines Klarinettenkonzertes für die Santa Rosa Symphonie mit dem Dirigenten Francesco Lecce-Chong, das 2021 uraufgeführt wird. Die Partitur für "Minyan" des Filmemachers Eric Steel (die Krakauer und Tagg nicht nur mitschrieben, sondern auch aufführten und produzierten) ist ihr erstes gemeinsames Spielfilmprojekt, das bei den Berliner Filmfestspielen 2020 uraufgeführt wurde.


Titus Probst
(sb) Was gäbe es in diesen Tagen nicht alles über Wien zu schreiben (#schleichdiduoarschloch), wir beschränken uns jedoch auf die Musik und da speziell auf den selbsternannten "letzten Playboy Wiens". Titus Probst heißt der gute Mann und mit Only One veröffentlicht er heute einen Track und vor allem ein Video, das man sich nicht entgehen lassen sollte. Es hat ein bisschen was von einem Autounfall - man will es eigentlich nicht sehen, kann aber auch nicht wegschauen... Immerhin wird es von einem smoothen Rythmus begleitet, der geschmeidig ins Ohr geht und sich dort erstmal einnistet. In Österreich klappt die Masche übrigens ganz hervorragend: dort wird Titus Probst bereits ordentlich abgefeiert und erreichte Platz 2 der FM4 Charts.


Beatsteaks
(ms) Sie sind eine Bank der hiesigen Unterhaltungsbranche. Sympathisch bis in die allerletzte Haarspitze und die einzige Band, bei der ich Crowdsurfen gehe. Und zwar immer zum selben Song, der da heißt I Don't Care As Long As You Sing. Was für ein übertriebener Hit. Logo, es geht um die Beatsteaks. Vermeintlich ruhig ist es um die fünf Berliner geworden, weil sie tätig wurden. Und es gibt Neues auf die Ohren - wie super ist das denn bitte? Doch für ein neues Album ist es wohl noch nicht die richtige Zeit. Für eigene Songs auch nicht. Also bedient man sich bei Altbewährtem und münzt es auf den eigenen Sound um. Lässig gelingt es ihnen mit Monotonie, einem Hit von Ideal aus den 80er Jahren, beste NDW-Manier! Am 11. Dezember (Hallo Weihnachtsgeschäft, der einzige fiese Nachgeschmack dieser guten Nachricht) erscheint eine EP mit Coversongs - In The Presence Of! Welches die anderen Lieder sind und wie viele es gibt... die Beatbuletten halten dicht! Die Spannung steigt. Und jetzt erstmal Sommergefühle aufkommen lassen bei einer irren Tanzperformance von Thorsten Scholz:

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