Freitag, 28. Juni 2019

KW 26, 2019: Die luserlounge selektiert

Quelle: classic.adcb.com
(sb/ms) Was so richtig nervt: Wenn notwendige Routinen nicht planmäßig verlaufen. Sprich: Etwas schränkt den Weg zur Arbeit ein. Sprich: Der Zug morgens hält einfach nach zwei Stationen, weil der folgende Streckenabschnitt gesperrt ist. Braucht man morgens nicht. Überflüssig wie ein Kropf. Oder - Lieblingszitat aus Planet Terror: Überflüssig wie 'nen Pimmel am Papst.
Um einen Schienenersatzverkehr würde sich bemüht. Ja, das war diplomatisch ausgedrückt...
Was gar nicht nervt: spitzenmäßigen Sound auf die Ohren. Und auch diese Woche nehmen wir euch mit auf einen Parforceritt durch die Genrelandschaften des Musikuniversums. Denn: Wir haben selektiert!

Captain Planet
Schreiben wir mal wieder aus dem reichen Fundus aus Konzerterfahrungen. Diese Woche: Eine Nicht-Erfahrung. Im Januar 2015 bugsierte ein punkbegeisteter Freund mich und ein paar andere Skeptiker durch das westfälische Nachtleben. Wir sollten uns Captain Planet angucken. Punkrock. Lautstärke. Tempo. Kurze Lieder. Doch: Wir kamen nicht rein. Denn: Mit dem enormen Ansturm haben wir nicht gerechnet. Auch nicht der Antreiber in der Runde. Also sind wir in eine nette Bar gegangen, genossen kühle Getränke und haben uns zum Ende hin nochmal reingeschmuggelt und die letzten drei Songs mitbekommen. Es war allerfeinster Punkrock. Und die fünf Jungs kommen dieses Jahr auch wieder in die Clubs mit entsprechender Anlage! Für die Band ist es der Sturm vor der Ruhe. Denn nach den Gigs werden die Aufnahmen für den Nachfolger von Ein Ende aufgenommen; Album Nummer fünf! Bis dies dann - wahrscheinlich - nächstes Jahr erscheinen wird, solltet ihr euch diese Termine dringend im Kalender notieren:

02.10. Wolfsburg, Jugendhaus Ost
03.10. Frankfurt, Exzess
04.10. Leipzig, Conne Island
05.10. Rostock, Peter-Weiss-Haus
15.11. Bremen, BDP Haus
16.11. Potsdam, Waschhaus
13.12. Hannover, Bei Chez Heinz
14.12. Bonn, Bla



L'aupaire
Eine schlechte und ganz viele gute Nachrichten gibt es aus dem Hause L'aupaire: zwar muss die Veröffentlichung des Albums Reframing auf den 23.08. verschoben werden, dafür bringt der frischgebackene Papa vorher noch ne neue Single raus und die kann sich mal wieder hören lassen: (Sittin' On) The Dock Of The Bay ist einer von Roberts Lieblingssongs und somit eine logische Wahl für ein Cover. Und auch das bevorstehende Album hat so einiges zu bieten, denn neben einer regulären CD- und Vinyl-Version wird es noch eine streng limitierte und nummerierte Vinyl-Edition plus farbiger 10inch mit Coversongs und handbemalter Leinwand geben. Vorfreude!


David Gray
Im UK ist David Gray eine ganz große Nummer und konnte bereits fünf Alben in den Top 10 platzieren, dreimal sprang sogar der Platz an der Sonne dabei heraus. Eigentlich eine Schande, dass der in Manchester geborene und in Wales aufgewachsene Künstler hierzulande so unter dem Radar fliegt, dass seinem letzten, im März erschienenen Album jeglicher kommerzieller Erfolg verwehrt blieb. Nun legt Gray aber direkt nach und veröffentlicht am 12.07. die EP Gold In A Brass Age - Ground Control Acoustic Sessions. Wie der Name bereits andeutet, geht es darauf eher ruhig zu - und wunderschön! Akustikgitarre, Klavier und Stimme: mehr braucht es nicht, um die sechs Songs zu etwas ganz Besonderem zu machen und dem Hörer den Kern der vom letzten Album bekannten Tracks zu präsentieren. Überraschend, intensiv, textlich sehr ansprechend und unterhaltsam - was will man mehr?



K.Flay
Eine Möglichkeit, wie eine Künstlerin, ein Song oder eine Veranstaltung in unsere wöchentliche Selektion kommt, schildern wir am Beispiel von K.Flay. Klassischer Weg: Wir haben Mail einer tollen Promotion-Agentur bekommen. Der Faktor Zeit hat es diese Woche zugelassen, sich da mal wieder durchzuwühlen. Die Mail zu K.Flay bekann mit einem Zitat aus dem Spiegel von vor zwei Jahren. Dort wurde die Künstlerin als eine Mischung aus Riot Grrrl, Garbage und The Streets. Solch eine Beschreibung macht natürlich mehr als neugierig. Vor allem verwundert sich, wenn das kommende Album Solutions (VÖ: 12. Juli) zum ersten, zweiten, dritten und vierten Mal aus dem Boxen schallt. Denn keine der drei Gruppierungen fällt mir beim Hören von K.Flay auch nur ansatzweise ein. Heißt aber nicht, dass es nicht gefällt. Im absoluten Gegenteil. Nur: Keine Ahnung, was die beim Spiegel gesoffen haben. Kristine Flaherty macht riesige Popmusik. Die ist aber so geschickt und voller Raffinesse, Groove und Flow, dass es sehr zu gefallen weiß. Und das obwohl ich weiblichen Glitzerpop aus dem Radio furchtbar finde. Doch genau das ist K.Flay nicht. Nur das zu beschreiben ist sehr schwer. Liegt es an den zwei Grammy-Nominierungen? Oder doch an diesen Zauberhaften Nuancen, die ausschließlich in der Musik liegen? Macht das mal an; es hat mir diese Woche schon ein paar Feierabende versüßt!



Cetcé
Oh Mann, was habe ich die Irie Révoltés geliebt: als Stimme gegen Rechts, als aufmerksame Beobachter politischer und gesellschaftlicher Strömungen in Deutschland und global, als Garant für Qualität und nicht zuletzt als fantastische Liveband, bei der man einfach mitzappeln musste. Das Aus der Band war folglich ein harter Schlag - darüber konnte auch die Ankündigung, dass die beiden Köpfe der Band, Mal Èleve und Carlito, nun solo weitermachen würden, nicht hinwegtrösten.
Letztgenannter nennt sich nun Cetcé, veröffentlicht am 05.07. sein Debütalbum Trojanisches Pferd und wie es nunmal so ist: die Messlatte liegt verdammt hoch und der Künstler wird diesen Ansprüchen leider nicht gerecht. Nein, Cetcé enttäuscht nicht und er versucht auch gar nicht, da weiterzumachen, wo er mit seiner Band aufgehört hatte - das rechne ich dem Heidelberger hoch an. Bei mir persönlich zündet das Album aber leider nicht, auch wenn einige Tracks durchaus zu gefallen wissen. Im Vergleich zu den Irie Révoltés erscheint mir das Ganze dann aber doch zu trivial, zu beliebig, selbst wenn die Texte durchaus sozialkritisch daherkommen. Etwas mehr Substanz hatte ich mir schon gewünscht, um die entstandene Lücke zu füllen und so kann ich nur sehr bedingt eine Kaufempfehlung aussprechen.


Marathonmann
Zum Abschluss gibt's nochmal eine Portion Punkrock. Die Herren von Marathonmann veröffentlichen nämlich am 19. Juli ihr viertes Album: Die Angst sitzt neben dir. Das Eingestehen von Ängsten ist ganz wichtig. Manchmal muss man sie sich auch erst bewusst machen; und es muss klar sein, dass dies kein Zeichen von Schwäche ist. Die Band meint dazu: „Der Titel drückt aus, dass wir von Anbeginn unseres Lebens Ängste haben. Sie verändern sich zwar im Laufe der Zeit, trotzdem sind sie immer an unserer Seite. Meist verdrängt man sie, aber sie sind immer da und begleiten uns bis zu unserem Tod.“ Das Thema könnte natürlich auch von wehleidiger Gitarrenpopmusik aufgegriffen werden, durch handfesten Punkrock kommt aber ein Ventil gegen die Angst besser zur Geltung. Wenn der Moshpit bebt, kann man alles um sich gut vergessen. Die Band befindet sich im Sommer auf zahlreichen Festival (wir schauen sie uns nachts beim Deichbrand an) und im Herbst folgt die Tour zum neuen Album! Also: Ab dahin!

Festivals
11.05. Hamburg- Hafenrock 2019
01.06. Wesel- Eselrock 2019
08.06. Dinklage- Festival of Differences
21.06. Weissenbach- Festival des politischen Liedes
29.06. Garchinger See- Seequency
12.07. Enkirch- Fallig Open Air
19.07. Cuxhafen- Deichbrand Festival
03.08. Boberow- Rock im Moor
10.08. Lingen- Abi Festival
23.08. Schloss Holte- Holter Meeting
24.08. Karben- Karben Open Air
12.10. Weilburg- Affentanz Festival

Album-Tour mit: Die Heart, The Pariah
30.10. Koblenz- Circus Maximus
31.10. Hannover- Lux
01.11. Düsseldorf- Tube
02.11. Köln- Helios 37
06.11. Zürich- Dynamo
07.11. Saarbrücken- Garage
08.11. München- Backstage
09.11. Stuttgart- Juha West
13.11. Nürnberg- Club Stereo
14.11. Leipzig- Conne Island
15.11. Berlin- Badehaus
16.11. Hamburg- Logo
21.11. Frankfurt- das Bett
22.11. Münster- Sputnikhalle
23.11. Bremen- Tower

Support für Boysetsfire
28.11. Würzburg, Posthalle
07.12. Wiesbaden, Schlachthof

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