Donnerstag, 3. April 2025

Yann Tiersen - Rathlin from a Distance | The Liquid Hour

Foto: Aurélie Scouarnec
(Ms) Vielleicht ist Neo-Klassik das spannendste Genre überhaupt! Bis auf Jazz ist mir keine Musikrichtung mit so einer groben Zuschreibung bekannt, die derart vielfältig ist. Zudem glaube ich auch, dass es keine Free, Hard, Latin oder XYZ-Neo-Klassik gibt. Es ist eine Spielart, die für sich steht. Ihr Selbstverständnis zeugt von Mannigfaltigkeit. Leise, meditativ, entspannend geht ebenso wie laut, intensiv, berauschend. Analog geht ebenso wie digital. Verträumt neben wuchtig. Zarte Klaviersaiten neben durchdringendem Bass.

In den meisten Fällen geschieht das getrennt voneinander. Künstlerin X ist wuchtig, Künstler Y zart. Dann gibt es ein paar große Namen, die beides machen, aber auch separiert voneinander. Martin Kohlstedt ist auf seinen Alben recht zart, live ist es enorm zum mittanzen. Olafur Arnalds macht solo wunderschönste, sphärische Klaviermusik, mit Kiasmos geht es auch auf die Tanzfläche. Also: Beides geht, auch wenn es manchmal hauchzart aneinander vorbeigeht.

Bis jetzt. Bis zum 4. April diesen Jahres. Vor dem nächsten Satz muss ich gestehen, dass ich kein superguter Kenner der Szene bin. An diesem Freitag erscheint ein Album, das beide Pole zum ersten Mal vereint. Mit Rathlin from a Distance | The Liquid Hour gelingt dies dem Altmeister Yann Tiersen. Graphisch ist das schon mal ganz klar festgehalten in zwei Parts einer Platte. Und klar, so ist dieses Werk auch aufgebaut. Von leise zu doll. Dieses wahnsinnige Album ist ein einziges Crescendo! Es ist unglaublich gut gelungen. Doch könnte man ja auch behaupten: Warum nicht zwei Alben draus machen bei sage und schreibe 83 Minuten Spieldauer?! Weil es einen roten Faden gibt! Weil man die HörerInnen auch mal etwas herausfordern kann. Weil es so wunderschön ist, sich der Kunst hinzugeben. Wer hört schon mal knapp eineinhalb Stunden Musik einfach so, ohne etwas anderes dabei zu tun?! Wir sollten dringend damit anfangen.

Der erste Teil ist enorm heilsam. Wunderschön. Filigran. Harmonisch. Insbesondere beim sanften Tórshavn fallen mir Worte wie tröstlich, ummantelnd ein. Eine einfache, wiederholende Grundmelodie trägt durch das Lied, darüber tanzen, leicht melancholisch angehaucht, verträumte Passagen. Etwas umtriebiger, verspielt und locker-leicht kommt hingegen Norðragøta daher. Die Titel scheinen skandinavisch angehaucht beim französischen Klangkünstler. Auf letzterem kommen Bilder von zwei Menschen in den Sinn, die sich im wuseligen Treiben finden oder wiederfinden. In ähnlicher Weise ist auch Bigton komponiert und erinnert an den großen Soundtrack, dessen Namen wir hier mal nicht nennen - das verfälscht den Gesamteindruck.

Und dann wird es so richtig spannend. Denn dieses Album folgt einem glasklaren Plan und ich bin völlig hin und weg, wie gut er aufgeht! Caledonian Canal ist mit seinen nur zwei Minuten Spielzeit der Beginn des Wandels. Langsam klingen die reinen, zarten, Klaviertöne aus, von denen man mitunter die mechanischen Geräusche hört. Ein eher funktionales Stück. Das auf das Folgende vorbereitet. Das nächste Lied heißt Stourm und ist in meinen Augen der Schlüsseltrack der ganzen Platte. Auch wenn es später noch wesentlich deftiger zugeht, ist dieser Song der Wendepunkt. Und es wird sich 11 Minuten und 23 Sekunden gewendet. Auf einmal sind Streicher zu vernehmen. Langsam schleichen sich einzelne Synthie-Töne dazu. Nach drei Minuten eine Andeutung von Bass. Und dann kommt eine Sequenz, die mich beim ersten, zweiten und x-Ten Hören aus den Schuhen kippt. An dieser Stelle muss ich mich als kompletter Sigur Rós-Fan kenntlich machen. Das, was auf diesem Stück von Yann Tiersen geschieht, ist so nah an der isländischen Band dran, wie ich es noch nie gehört habe. Das ist kein Ritterschlag, das ist eine Vergoldung! Die Bläser, das Verspielte, das dennoch ganz viel Fläche hat und Raum für einen Beat lässt. Das ist genial! Nach sechseinhalb Minuten wippt man automatisch mit, da der Klang satter, markanter wird. Französischer Gesang setzt ein (der Sigur Rós-Moment ist vorbei), eine Clubatmosphäre entsteht, man dreht den Track automatisch lauter und beginnt zu tanzen! Dieses Stück repräsentiert das ganze Album!

Dann kommt der rote Faden! Ninnog At Sea verbindet thematisch beide Teile des Albums. Denn es ist die erweiterte, elektronische Version von Ninnog, das zu Beginn der Platte zu hören war. Clever gemacht! Die letzten drei Stücke knüpfen an diesem Geist an. Es ist sehr beachtlich, wie sich zum Beispiel The Liquid Hour über knapp elf Minuten entwickelt!

Mit Rathlin from a Distance | The Liquid Hour erschafft Yann Tiersen ein unglaubliches Werk. Die Spielarten eines ganzen Genres auf eine klug zweigeteilte Platte zu verschmelzen, ist sinnvoll und in außergewöhnlichem Maße gut gelungen! Ich weiß, dass es eh fast niemand macht, aber: 83 Minuten Musik am Stück zu hören ohne etwas anderes zu tun - nie war es sinnvoller!





Dienstag, 1. April 2025

Herrenmagazin - Du Hast Hier Nichts Verloren

Foto: Lucja Romanowska
(ms) Kleiner Sprung in der Zeit zurück. Hinein ins Jahr 2010. In dem Jahr habe ich Abi gemacht, noch zu Hause gewohnt, war aber auf dem Absprung in ein Freiwilliges Soziales Jahr. Eine gewisse Unsicherheit lag in der Luft aber auch viel Neugier auf alles was kommt. In jenem Jahr ist Das Alles Wird Einmal Dir Gehören von Herrenmagazin erschienen, es war ihr zweites Album und mein erstes, das ich je auf Vinyl gekauft habe. Paradoxerweise ohne einen Plattenspieler zu besitzen. Aber irgendwie wollte ich dieses große Medium in den Händen halten. An dieser Stelle geht ein Dank raus an meinen Papa, der seinen alten Plattenspieler wieder aktiviert hat, sodass dies die erste 12“ war, die ich gehört habe. Ein Meilenstein in der eigenen Musikhörbiografie. 

Herrenmagazin ist eine Band, die mich zum Ende der Schulzeit und Beginn des Studiums wirklich viel begleitet haben. Ich sah sie öfter live, ihre Musik lief laut bei mir zu Hause. In ihren Texten fühlte ich mich wohl. Immer ein dezentes Zweifeln an allem und an sich selbst. Das Scheitern im Sein wurde irgendwie sympathisch und humorvoll aufgegriffen. Bei Herrenmagazin überwiegt das Unperfekte mit einem Storytelling, in dem ich mich schnell wiederfinde.

Und dann waren sie weg. Ab 2016 haben sie Pause gemacht. Obwohl das nicht ganz stimmt. Zumindest haben sie keine neue Musik veröffentlicht. Einzelne Konzerte spielten sie hier und da. Im November 2019 sah ich sie im Tower, Bremen. Dort werden sie im Herbst wieder spielen. Denn Herrenmagazin sind wieder da. Nach gut zehn Jahren ohne neue Töne erscheint nun Du Hast Hier Nichts Verloren, ein typischer Albumtitel für diese Band. Ein Album, das am früheren Schaffen beinahe nahtlos anschließt, als ob nichts wäre. Der alte Sound ist zurück, die gleiche Haltung in den Texten zwischen Beinaheaufgabe, Hoffnung, Menschsein: Wir sind halt unperfekt.

Alter Debütant ist der Startschuss in die neue Platte und ein wunderbarer obendrein! Wie bekomme ich diesen Alltag auf die Kette? Die ganzen kleinen Hindernisse und Unwegbarkeiten. Sie sind alle bekannt, und dennoch bleibt es so. Die guten Tipps und Kalendersprüche - bleiben zwecklos. Und das ist irgendwie okay so. Wenn Deniz Jaspersen singt, geht es nie drum, irgendetwas besser zu machen oder zwanghaft zu reflektieren. Es ist erstmal so wie es ist. Und das darf durchaus mit einem Schmunzeln beobachtet werden. Fragment haut in die gleiche Kerbe. Man könnte ja eine andere, bessere Version von sich und so auch besser für andere da sein. Manchmal ist man sich fremd und dann kommt die Einsicht: „Was uns früher mal vereint hat / wird zu etwas das uns trennt.“ Das ist bitter, aber auch normal. Keine Angst, liebe Leute. Und manchmal hilft dann auch nur die Einsicht, dass das Gröbste überstanden ist. Das, was war, war Mist, aber es ist vorbei. Darum geht es in Letzte Ausfahrt. Diese Art zu texten ist so wunderbar. Heilsam gar, weil es so unaufdringlich ist: Ja, ist manchmal alles etwas kompliziert und oft auch ganz schön dunkel - aber schon okay.
Ja, manchmal ist das alles im Ungleichgewicht. Oft nimmt man mehr, als man gibt. Ja, es gibt so Phasen. Davon erzählt Unvollständig. Und der Titel sagt ja schon: Ist nicht super, und sicher auch nicht ganz richtig aber in diesem Moment bin ich so durchs Tal gekommen. All diese Lieder sind im alten, bekannten Herrenmagazinsound eingebettet. Es ist Gitarrenindierock. Und ich freue mich schon rauf, wenn sie auf der Bühne stehen. Wenn Deniz Jaspersen trotz aller Hoffnungslosigkeit strahlt. Wenn Rasmus Engler den Takt vorgibt, wenn Paul Konopacka den Bass bedient und König Wilhelmsburg so sehr beim Gitarrespielen auf den Zehenspitzen steht, sodass man immer etwas die Sorge hat, dass er gleich von der Bühne fällt.
Das Lied, was diese ganzen Themen am stärksten zusammenbringt ist Mit Halbleeren Worten. Hier ist nicht nur die Gitarre etwas markanter und koppelt zum Teil auch gut zurück. Zum Anderen steckt hier der Albumtitel in den Zeilen: „Wo du allen was beweisen möchtest / da hast du nichts verloren.“ Ja, man kann auch gut auf das, was die anderen sagen, raten, wollen nichts geben! Und: „Du möchtest Menschen was bedeuten / die deine Liebe nicht verdienen.“ Bäm! Was für starke Aussagen! Was für eine starke Band!

Ja, Herrenmagazin sind wieder da und das ist sehr gut so. Ihre Stimme hat gefehlt in der deutschsprachigen Musiklandschaft. Es ist nicht verkrampft, es ist alles schon okay so wie es ist, auch wenn die Wolken richtig dunkel sind. Sie sind unaufdringlich und wunderbar in genau diesem Sein. Zudem haben sie sich nicht krampfhaft neu erfunden. Sie klingen so, wie sie eben schon immer klangen: Du Hast Hier Nichts Verloren ist nichts anderen als großartig!

11.04.2025 Frankfurt, Nachtleben
12.04.2025 Stuttgart, clubCann
01.05.2025 Hamburg, Markthalle
02.05.2025 Hannover, Bei Chéz Heinz
03.05.2025 Berlin, Bi Nuu
04.05.2025 Berlin, Bi Nuu
17.10.2025 Dresden, Groove Station
18.10.2025 München, Kranhalle
20.10.2025 Leipzig, Naumanns
21.10.2025 Kassel, Goldgrube
22.10.2025 Essen, Zeche Carl
23.10.2025 Köln, Gebäude 9
24.10.2025 Bremen, Tower


Sonntag, 30. März 2025

Live in Bremen: Chris Imler & MPC Lafote

Foto: Galya Feiermann
(Ms) Vier Fotos habe ich gestern Abend gemacht. Sie sind alle Mist gewesen. Wer die Musiker des Abends in Aktion sehen möchte, schaut am besten auf deren Insta-Seiten vorbei.

Samstagabend also. Bremen. Horner Eck. Wenn ich richtig informiert bin, haben sich vor nicht allzu langer Zeit einige Menschen zusammen getan, um das Haus, in dem das Horner Eck - eine super Kneipe - ist, als Genossenschaft zu kaufen. Darin sind einige Wohnungen und unten die Bar. Darin finden nicht nur wechselnde Ausstellungen und Konzerte statt, sondern es gibt Getränke zu faires Preisen. Sogar alkoholfreies Bier vom Fass! Es hat gut geschmeckt!

Obwohl schon seit Ewigkeiten im Geschäft, habe ich Chris Imler letztes Jahr zum ersten Mal live erlebt. Als Drummer von Oum Shatt! Genial! Seine eigene Musik hat damit wenig zu tun, baut aber ebenso stark auf Rhythmen. Logisch als passionierter Drummer.
Doch bevor Chris Imler die etwa 40 Anwesenden zum Tanzen brachte, standen noch zwei andere im Vordergrund. MPC Lafote haben ihre Musik dargeboten. Und was war das denn bitte?! Mir wurde nur erzählt: Kommen aus Hamburg und sind gut. Dass sie so genial sind und vor Energie strotzen, hätte ich nicht vermutet. Was für ein Auftritt! Akkurat haben die beiden ihre programmatische Post-Punk-Krautrock-Whatever abgerissen. Dazu muss man sagen, dass der Sound erstklassig war. So viel Energie, wie die beiden hatten, hätten sie stundenlang weiterspielen können. Obendrein waren die auch noch so irre sympathisch! Eine Band, deren Name ich mir schnell abgespeichert habe. Das. War. Enorm!

Keyboard, Synthies, Schlagzeug verschwanden danach und Chris Imlers Repertoire wurde aufgebaut. Analoges und digitales Schlagwerk, Platz für Samples, Loops und ein Theremin. Lässig daneben stehend begann er mit Wumms seinen Part des Abends und es war klar in welche Richtung es geht: Elektronische Experimente untermauert durch analoge Beats. Man könnte, wenn man wollte, von Krautrock sprechen. Oder von soghaftem Wahn. Denn es war sehr leicht, sich in dieser Musik zu verlieren. Unterhaltsame Ansagen, die das Wirre streiften, rahmten seinen Auftritt. Mal nahm er die Trompete, um Loops einzuspielen, doch hauptsächlich ballerten die Beats und tanzen die Melodien aus den Boxen. Richtig schön war zu beobachten, wie viel Spaß er selbst dabei hatte. Ja, das war richtig gut, hat enorm Spaß gemacht und manchmal habe ich einfach nur beobachtet, worauf er gerade haut. Spannend“

Musikalische Gemeinsamkeiten hatten die beiden Auftritte wenig. Aber die Intensität, Leidenschaft und Spielfreude waren auf Augenhöhe. Diese Ergänzung war genial! Gerne wieder!


Samstag, 29. März 2025

KW 13, 2025: Die luserlounge selektiert

Quelle: de.wikipedia.org
(Ms) Ein richtig gutes Rezept für ein leckeres Salatdressing kommt an dieser Stelle: Man nehme eine kleine Schale, lasst gut 8 Sekunden Olivenöl hineinlaufen. Dazu kommen zwei ordentliche Spritzer Balsamico Essig. Hinzu fügt man einige Prisen Pfeffer und Salz, aber nicht zu viel. Dann holt man Agavendicksaft dazu, drückt drei Mal kräftig auf die Tube, das verleiht dem Dressing eine richtig gute Süße, ohne zu krass zu sein. Anschließend eineinhalb Teelöffel Senf! Weil der Senf alles so toll emulsieren lässt, schon mal kräftig durchrühren. Dann kommen - je nach Gusto - drei bis acht Knoblauchzehen dazu, natürlich gepresst. Alles nochmal ordentlich verrühren und der Salat bekommt ein super Dressing - versprochen!
Guten Appetit!
  

Tropikel Ltd. & Sofia Portanet
(Ms) Beim Anblick vieler umtriebiger Tiere im Garten, wird eines sehr schnell klar: Es fliegen Frühlingsgefühle in der Luft! Ja, der Winter hat sich vollends verabschiedet und einige Tage bieten schon die wunderschöne Möglichkeit, das ein oder andere Kleidungsstück abzulegen. Das ermöglicht ja auch den ein oder anderen neugierigen Blick durch das unmittelbare Umfeld und vielleicht bleibt dieser ja auch irgendwo hängen. An diesem Punkt kommen Tropkel Ltd. und Sofia Portanet ins Spiel! Zusammen haben sie einen irren 80er-Jahre-Power-Popsong aufgenommen. Unterwegs sein, Blicke austauschen, eine kurze Liebelei, mal schauen was passiert. Das, was sie auf Bisschen Love in gut zwei Minuten arrangiert haben, ist großartig! Es ist so derart poppig, das das Grinsen aus dem Gesicht gar nicht mehr verschwindet. Zudem ist der Track als tolles Duett aufgebaut, in dem sich die beiden Stimmen herausragend ergänzen. Was für ein leichtfüßiges Lied, das wundervoll in diese Jahreszeit passt. Also: Lasst uns ineinander verlieren! Oder verlieben…?!


No Body
(Ms) Wer nicht mit der Zeit geht, der geht mit der Zeit. Oder so. Habe ich an dieser Stelle vor nicht allzu langer Zeit gegen Spotify ausgeteilt und das ich ein ach-so-toller Vinyl-Hörer sei, gebe ich mich den Mechanismen der Zeit hin und streame seit ein, zwei Jahren. Ja, die Verwertung dahinter ist schräg und zu großen Teilen unfair, aber es ist ein enormes Vehikel, um neue Musik kennenzulernen. Letztens lief mein Algorithmus auf Shuffle und ich habe mich über ein paar bekannte, selten gehörte Stücke gefreut, als sich plötzlich mein Gehör massiv spitzte! Was ist das denn?! Wow, ist das dicht arrangiert! Und diese Stimme… die kommt dir doch bekannt vor! Die Band heißt No Body und niemand geringeres als Aydo Abay singt dort! Begonnen hat dieses Projekt als der Musiker Sascha Wiercinski seine Aufnahmen an Aydo Abay geschickt hat mit der Bitte, einen Gesangspart beizusteuern. Der umtriebige Musiker sagte erst ab. Dann zu. Weil es so gut ist! Die beiden haben noch Thomas Götz von den Beatsteaks mit ins Boot geholt und die Platte Loves You aufgenommen! Es ist allerbester Alternative, den ich in dieser Form lange nicht gehört habe. Die Platte erschien Anfang des Monats und insbesondere der Track I Just Have To Bomb This Mountain hat es mir angetan. Was für eine Wucht, was für eine Energie, was für eine Dichte, was für eine Dynamik. Vielen Dank an Sascha Wiercinski, dass er sein Talent nicht für sich behalten hat!


Ain't Ur Enn
(Ms) Vor ein paar Wochen haben wir an dieser Stelle schon von Ennio De Caro berichtet, der sein musikalisches Projekt Ain‘t Ur Enn nennt und ziemlich gut ist! Am 30. Mai erscheint sein erstes Album Languish und es stellt die Rock/Alternative-Musik auf den Kopf! Denn das, was der sage und schreibe 19-Jährige auf seinen Songs macht ist eine irre Wucht! Eine Musik, die - und da lehne ich mich jetzt mal ganz weit aus dem Fenster - einer modernen Form von Nirvana in nichts gleich steht! Hier rollt der Bass, hier arbeiten zahlreiche Effekte und Verzerrer, hier scheppert die Gitarre, hier entsteht ein Sog, dem man sich nur schwer entziehen kann. Großartig, was der Schweizer da zusammen bringt! Es ist kaum möglich, das leise zu hören. Seit ein paar Tagen ist seine neue Single Riddles draußen und man bekommt eine Ahnung, wie das erst live sein wird, wenn man dem Musiker hier nur aufmerksam ins Gesicht schaut:


Low Key Orchestra
(Ms) Der Freundeskreis aus Schulzeiten hält sehr gut. Wir sehen uns aus zahlreichen Gründen nicht oft, aber wenn, dann herrscht eine große Vertrautheit. Da können gerne mal ein paar Monate zwischen liegen und dann ist sofort alles wie sonst auch. Das ging mir dieser Tage so, als ich Maybe Words von Low Key Orchestra hörte. Denn da ist eine sehr vertraute Stimme zu hören, die ein tolles, bekanntes Gefühl heraufbeschwört. Niemand anders als Sönke Torpus steckt dahinter, früher der Kopf von Torpus & The Art Directors, die Indie-Folk eine irre Energie verliehen haben. Auf seinem Solo-Projekt geht es weniger folkig zu, dafür glänzt seine Stimme ganz wundervoll und erzeugt sicher nicht nur bei mir eine irre Gänsehaut! Seit einiger Zeit ist er auch Teil von Nichtseattles Liveband und demnächst auch solo mit seinen eigenen, neuen, wundervollen Liedern auf Tour - unbedingt hingehen:

02.10. Langenberg - KGB
03.10. Schmalförden - Kulturgut Ehrenburg
04.10. Köln - Die Wohngemeinschaft
07.10. Dresden - Societaetstheater
08.10. Berlin - Schokoladen
10.10. Klanxbüll - Charlottenhof
11.10. Hamburg - Knust


Pogendroblem
(Ms) Ironie und Sehnsucht in 84 Sekunden! Das ist Chillig Chillig von Pogendroblem und Luise Funface von The Toten Crackhuren Im Kofferraum.
Ein Witz ist dann ja meistens gut, wenn er einen wahren Kern hat. Das Internet ist ja voll von Ü-30-Klischees. Klar, einige davon stimmen, ich kann es bezeugen. Lieber rumhängen als rausgehen, Rückenschmerzen, Stress, Verkostungen irgendwelcher Delikatessen. Der jugendliche Geist ist verschwunden und wir trauern ihm zusehends nach. In gerade mal 84 Sekunden beschreibt dieses wuchtige Lied das ganze Dilemma und vielleicht macht es ja mal wieder Spaß, Autospiegel abzutreten und dem ganzen Dasein ein bisschen Pepp zu verleihen! Ist doch so - enorm geiler Track!


Jenny Thiele
(Ms) Eine der schönsten Emotionen ist doch die Überraschung! Es kann eine kleine Aufmerksamkeit sein, eine nicht erwartete gute Nachricht, ein spontaner Trip oder eine Ekstase an einer Stelle, die man so nun wirklich nicht kommen sah! Zum Glück gibt es Jenny Thiele, die sehr genau versteht, wie das musikalisch aussehen kann. Seit dieser Woche ist ihre neue Single Burn On zu hören und ich dachte anfangs: Hui, das ist ja aber extremer Glitzer-Pop, den sie hier bietet. Klar, alles so arrangiert. Bis zu einem gewissen Punkt! Denn dann dreht dieses Lied ziemlich ab! Und es lässt sich besser erleben, als dass ich das hier in jeder Einzelheit skizziere. Diese Single erweckt für ihr Album Platz (27. Juni) noch mehr Neugier! 

Dienstag, 25. März 2025

AB Syndrom - Implosion

Foto: Anne Ludwig
(Ms) Ein Text über Erwartungen an Musik. Wer erwartet was, wenn eine neue Platte entsteht oder erscheint? Ganz vorne ist logischerweise die Band selbst, die sich Gedanken macht, Zeilen und Melodien sammelt. Was wollen sie aussagen, welche Gefühle wecken, welche Geschichten erzählen?! Dann sind die HörerInnen, die die MusikerInnen länger kennen, sich ein Bild gemacht haben, einen gewissen Sound erwarten, bestimmte Zeilen, die sich ins Herz brennen. Einige Male las ich auch schon von klaren Erwartungen der Labels. Sicher sind schon mal Lieder von Alben verschwunden, die irgendwelche Bosse da so nicht unbedingt sehen wollten oder der Kunst der Band nicht so viel Potential zugeschrieben haben, um sie bestmöglich zu vermarkten.

Wie es genau hinter den Kulissen von AB Syndrom läuft, weiß ich natürlich nicht. Ich spekuliere ein wenig mit der Hoffnung, ein kleines bisschen Recht zu haben. Ab Spiegelbild, dem gemeinsamen Track mit Mine, bin ich auf Bennet Seuss und Anton Bruch aufmerksam geworden. Und haften geblieben. Ein Mal sah ich sie live und es war enorm. Sehr beeindruckend. Denn die Kunst, die sie auf Platte präsentieren und live darbieten, wirkt für mich enorm frei. Völlig ohne Zwänge. Ohne ein erkennbares äußeres Korsett. Das ist für mich das erste, ganz wichtige Erkennungsmerkmal von AB Syndrom: Viel künstlerische Freiheit! Hinzu kommen richtig viele Emotionen. Die Texte strotzen nur so vom nackt-machen, also dem ungefilterten Dasein zwischen Texter und lyrischem Ich. Folgende Vermutung: Zwischen den Texten und Musikern bei dieser Band gibt es keinen Unterschied, kein Storytelling, sondern Verse aus dem eigenen Sein. Das zweite Erkennungsmerkmal.

Am 28. März erscheint ihr nächstes Album: Implosion. Rein von der Musik ist es überhaupt keine Platte, die mich je packen würde. Auf den ersten Blick. Es ist elektronischer Pop. Das schon. Aber es fehlt (mir) jegliche Referenz. Genau das finde ich spannend. Wo es keine (oder sehr wenige) Ähnlichkeiten gibt, ploppt viel Können und enorm viel Wissen um musikalische Funktionsweisen auf. Bei AB Syndrom steckt nicht nur viel Know-How im Texten, sondern auch im Musikmachen. Die beiden wissen ganz genau, wie Stimmungen, Dynamiken aufgebaut und aufgelöst werden können und machen sich dieses Wissen zu eigen. Genial!

11 neue Songs sind auf Implosion zu hören. Elf Stücke, die alle ihre eigenen Schwingungen haben, ihre eigenen Akzente setzen. Kein Stück ist überflüssig, kaum Schwächen, richtig gut! Die Platte startet mit hochgradig emotionalem Gesang im Refrain von Warum Bist Du Immer So. Direkte Gänsehaut. „Ich weiß keine Antwort auf die Fragen, die du mir stellst“ gestehen sie auf Verlier Mich Selbst, auf dem Mine ein tolles Feature hat. Dazu gibt es ein reichlich verspieltes elektronisches Arrangement, das den Kopf automatisch wippen lässt. Zum Ende hin ballert der Bass ziemlich satt - oh ja! Eine gewisse Lockerheit und Witz zeigen sie auf Zeit Zurück, wenn Versicherungen alles ersetzen können. Ja, ist ja oft so. Nur eines ist unersetzbar, das war im Titel steckt: die Zeit. Das wertvollste, was wir Menschen haben. Ein nahegehender Track mit einem großartigen Beat - ein klares Highlight, musikalisch und textlich, das live bestimmt toll knallen wird! Was ich mit nackt-machen meine, zeigen sie auf Stabil: „Du denkst ich bin stabil, aber ich bin es nicht.“ Eine Lied gewordene Offenbarung, Verletzlichkeit zu zeigen, Schwäche zuzugeben. Und dass das okay ist. Der Part von Roger Rekless auf diesem Track ist überragend! Lowkey ist ein wilder Mix aus englischen und deutschen Vokabeln, eigentlich ein Stilmittel, das ich furchtbar finde, aber hier juckt es mich gar nicht. Ich weiß nicht woran es liegt und das gefällt mir gut, dass AB Syndrom das so spielerisch gelingt. Blindflug zusammen mit Trille ist noch so ein emotionales Highlight! Ein Song, in dem es unklare Phasen geht, wenn man sich zu schnell mitreißen lässt. Wenn die Kontrolle und das Bewusstsein abnimmt, wie in einem negativen Rausch „bis es nicht mehr geht“.

Implosion ist ein großartiges Album! Ja, Fröhlichkeit, Heiterkeit und Leichtigkeit sucht man hier vergebens. Aber es ist emotional nicht anstrengend oder belastbar. Dafür sorgen stets die tolles Beats und Arrangements, sodass die ehrlichen, manchmal harten Zeilen nicht runter ziehen. Das ist phantastischer, freier, genialer, ehrlicher Pop, der so keinen Vergleich hierzulande findet und jegliche Erwartungen übertrifft!

22.04.2025 - Leipzig, Naumanns
23.04.2025 - Dresden, Beatpol
24.04.2025 - Berlin, Hole 44
25.04.2025 - Hamburg, Bahnhof Pauli
26.04.2025 - Nürnberg, Club Stereo
27.04.2025 - München, Milla
29.04.2025 - Stuttgart, Im Wizemann
30.04.2025 - Mainz, Schon Schön
02.05.2025 - Köln, Jaki
03.05.2025 - Aarau, Kiff
04.05.2025 - Winterthur, Albani


Freitag, 21. März 2025

KW 12, 2025: Die luserlounge selektiert

Quelle: de.wikipedia.org
(Ms) Soeben habe ich Der Holocaust Vor Gericht von Eva Mensasse beiseite gelegt. Ein bedrückendes, spannendes, lehrreiches Buch. Die 180 Seiten sind dicht und toll geschrieben! Und kurz nachdem ich es auf den Gelesen-Stapel gelegt habe, kam in mir die Frage auf, was ich denn nun damit anfange, so für mich persönlich. Speziell etwas über den Holocaust-Leugner, Antisemiten und Rechtsextremisten David Irving gelernt zu haben, steht dabei gar nicht so sehr um Vordergrund. Viel mehr eine sehr gute Einsicht: Nein, mit Schwurblern, Verbreitern von Verschwörungserzählungen (das ganze bloß nicht Theorie nennen, denn es gibt keine Wissenschaft dahinter) und Geschichts-Leugnern muss man nicht reden. Niemals sollte man sich auf ihren Erzähl-Duktus hinab begegnen und mit ihren kruden Thesen und zahlreichen wirren Details auseinandersetzen. Sie verdrehen bewusst und solchen Leuten gebührt keine Bühne!

Karl Die Große
(Ms) Popmusik, wo stehst du eigentlich?! Welche Funktionsweisen gehen auf? Welche Themen knallen? Was sorgt für Aufregung? Wie geht eigentlich musikalischer Erfolg? Insbesondere die letzte Frage ist doch für die allermeisten MusikerInnen ein Witz! Wenn gerade mal kostendeckend produziert und getourt werden kann, sind die meisten ja schon froh. Nicht wenige zahlen drauf. Aber sich davon unterkriegen lassen?! Niemals! Auf basslastige Weise hat Karl Die Große genau darüber einen hervorragenden Track in allerbester Großstadtgeflüstermanier geschrieben! Niemals Fame heißt der Track und wenn er nicht so herrlich ohrwurmig wäre, wäre es auch ein kleines bisschen traurig. Doch schauen wir auf den unterhaltsamen, leicht bitteren Teil dieses Bangers: Wie sehr soll man sich verstellen, um berühmt, erfolgreich, bekannt, groß zu werden?! Es gibt so viele Negativbeispiele, die damit auf die Nase gefallen sind. Dann lieber so, wie Karl Die Große! Vielleicht nicht fame, dafür aber real


Drangsal
(Ms) Das kommt jetzt sehr unerwartet. Im Herbst erscheint ein neues Album von Drangsal und meine Erwartungen an Musik von Max Gruber sind: schnell, teils wild, superpoppig, elektronisch, dark-waveig, mitreißend. In irgendeiner Lesart auf jeden Fall groß. An so etwas wie Blues, Jazz oder Chanson hätte ich jedoch niemals gedacht. Nie. Bis jetzt. Ich Hab Von Der Musik Geträumt ist die erste neue Single seit einigen Jahren. Denn es ist viel passiert. Max Gruber wusste nicht so richtig, wohin mit Drangsal?! Was ist das für eine Band, für ein Projekt? Aus Solo wurde Band aus Band wurde Trio. An diesem Punkt ist er jetzt. Und dieses Trio macht auch einen großen Sound, aber reduzierter. Statt elektronischer Effekte gibt es Streicher und einen hörbaren Beginn einer Gesangsausbildung. Auf der Single ist genau dieser Änderungsprozess textlich zu hören, ein spannender Metaeffekt! Mehr davon gibt es ab dem 13. Juni, denn dann erscheint sein neues Album mit dem griffigen Titel Aus Keiner Meiner Brücken Die In Asche Liegen Ist Je Ein Phönix Emporgestiegen. Ja, groß kann Max Gruber, kann Drangsal immer noch. Nur in einem anderen, spannenden Gewand!

29.05.2025 - 31.05.2025 Neustrelitz, Immergut Festival
01.06.2025 Mannheim, Maifeld Derby
06.06.2025 Nürburg, Rock am Ring
08.06.2025 Nürnberg, Rock im Park
23.09.2025 Dresden, Beatpol
24.09.2025 München, Ampere
25.09.2025 Stuttgart, Im Wizemann
26.09.2025 Frankfurt, Zoom
27.09.2025 Köln, Bürgerhaus Stollwerck
02.10.2025 Leipzig, UT Connewwitz
03.10.2025 Hamburg, Grünspan
04.10.2025 Berlin, Metropol



Sunflower Bean
(Ms) Das Dunkle fasziniert. Die große Inszenierung lässt aufhorchen und zieht in den aufgebauten Bann. So, dass Augen und Ohren einen klaren Fokus haben. Die Verkleidung, das theaterhafte, der kunstvolle Aufbau. Hinzu kommen in diesem Fall noch hervorragend arrangierte Töne. Sunflower Bean heißt das Trio und wird am 25. April ihr neues Album Mortal Primetime veröffentlichen. Der Titel spricht für sich und das Konzept der Band. Das Verruchte, Mystische haben hier Programm. Der Sound ist zwischen Ghost und Madonna verortet. Gitarre und Pop ergänzen sich hier auf ganz zauberhafte Weise. Ich mag solche Inszenierungen sehr, finde es spannend, was sich eine Band so ausdenkt und wie sie sich gibt. Nothing Romantic bietet obendrein ein sehenswertes Video, das einen hervorragenden Einblick in die Funktionsweise der Band gibt! Verletzlich, düster, klar - das könnte eine ganz heiße Platte werden!


Alma Naidu
(Ms) Diese Woche hing ich ein wenig zu Hause ab, weil die Kraft nicht gereicht hat, um den Arbeitsalltag zu meistern. Das ist natürlich nicht schön, hat aber auch den Vorteil, Ruhe und Klarheit zu genießen. Eine Zeit, in der man alleine etwas den Gedanken nachhängen kann, ist auch ganz wertvoll. Zeit, um sich bei guten Seelen zu melden, innerlich etwas aufzuräumen, da zu sein. Dann las ich über Alma Naidu und war verzückt. Nicht nur wegen des tollen Liedes, sondern auch, worum es darauf geht. In den letzten Tagen las ich Allein von Daniel Schreiber. Darin geht es nicht nur um Alleinsein, sondern auch darum, welches soziale Netz einen hält. Es sind Freunde, auch wenn das teils abgegriffen klingt, weiß jeder Mensch, wie wichtig diese Personen sind. In Alma Naidus ruhigem, jazzig-poppigen Stück Company geht es genau darum. Um die Menschen, die für einen da sind und denen man selbst etwas gibt. Mit wunderbar zartem Klavier und einer wohligen Stimme singt uns die Musikerin davon und mein Herz geht auf - wie wunderbar! Am 23. Mai erscheint ihr neues Album Redefine und könnte ganz heilsam werden!


Jiska
(Ms) Ein Hoch auf den Kulturstandort Deutschland. Auch wenn es für viele, viele MusikerInnen nicht leicht ist, eine Plattform zu finden oder annähernd von der Musik zu leben, gibt es auch ganz tolle Förderprogramme. Alles was rund um die Popakademie Mannheim geschieht, ist zum Beispiel sehr hörenswert. Da wird geschliffen und gewerkelt und musiziert bis das rauskommt, was im Inneren einer KünstlerIn liegt. In Jiska zum Beispiel. Das ist Soul, Pop, Jazz, egal… das ist ziemlich gut und so herrlich beschwingt. Hört man ihre neue Single It Was You wird man doch den Eindruck nicht los, dass die Sängerin bei den Aufnahmen immer ein leichtes Schmunzeln im Gesicht trägt, oder? Wie schön - da ist etwas in dieser Musik, etwas Leichtes, Fröhliches, Verspieltes, das schnell gute Laune macht und die beschwingte Atmosphäre rüberschwappen lässt. Noch mehr dieser wundervollen Musik gibt es ab dem 4. April, dann erscheint ihr Debutalbum Socially Awkward. Es ist notwendig und erfüllend, dass Popmusik auch mal wieder so unbeschwert sein kann, einen Blick aufs schöne Zwischenmenschliche lenkt. Bei all den Weltuntergangsszenarien derzeit ist das eine wichtige Nachricht!


Die Liga Der Gewöhnlichen Gentlemen
(Ms) Sie sind wieder da. Ach Quatsch! Sie waren ja nie weg. Welch ein Glück! Die gute Laune, die Musik gewordene Unterhaltung, die Verweigerung es komplizierter zu machen als es ist! Das ist Die Liga Der Gewöhnlichen Gentlemen! Und sie besetzen ein neues Genre! Sommerkleider gibt es ja schon genug und diese Band hat zahlreiche, sehr Gute geschrieben. Doch das Frühlingslied ist im Rock ein weißes Blatt (man belehre mich hier gern eines Besseren!). Ein Dienstag In Dur (Es Ist Frühling) heißt die neue Single, die ein ebenso frisches Album ankündigt. Passender könnte dieser Track gar nicht erscheinen. Morgens ist es zwar noch bitter kalt, aber nachmittags klettert und klettert das Thermometer und die Band singt selbstredend wieder vom Fernweh. Geht schnell ins Ohr, bleibt da und geht in die Beine - ein Liga-Klassiker. Jetzt schon! Die neue Platte wird Egg Benedict heißen, am 9. Mai erscheinen und man fragt besser nicht, warum diese Platte ausgerechnet diesen Titel trägt. Ist doch spitze so wie es ist. Bloß nicht komplizierter machen! Lieber ein Ticket sichern:

08.05.25 Hamburg – Goldener Salon
09.05.25 Münster – Gleis22
28.05.25 Hannover – Lux
29.05.25 Dortmund – Ska im Westpark
12.06.25 Göttingen – Nörgelbuff
13.06.25 Stuttgart – Goldmarks
14.06.25 Mainz – Schon Schön
11.09.25 Karlsruhe – Kohi
12.09.25 München – Live/Evil
13.09.25 Nürnberg – Club Stereo
17.10.25 Flensburg – Volksbad
18.10.25 Kiel – Hansastraße
22 10.25 Köln – Gebäude 9
27.12.25 Bremen – Lagerhaus
28.12.25 Hamburg – Knust
29.12.25 Berlin – Bi Nuu

Sonntag, 16. März 2025

KW 11, 2025: Die luserlounge selektiert

Quelle: de.wikipedia.org
(Ms) Schlagfertigkeit. Das ist eine Gabe, die ich gerne in gewissen Situationen besitzen würde, um standfester zu sein. Im Job geling mir das sehr gut, in der Rolle fühle ich mich total sicher. Doch am Wochenende brauchte ich für den Garten eine Maschine. Die lieh jemand aus, der mich an Grenzen gebracht hat. Seine etwas grobe Art und Weise mit mir zu reden, obwohl wir uns überhaupt nicht kennen, fand ich einfach anmaßend. Es waren nur ein, zwei Situationen, die er sicher nicht so gemeint hat, wie sie wirkten. Und da fehlte es mir an Standhaftigkeit und Schlagfertigkeit. Vom Job auf irgendwelches Wissen über Maschinen zu schließen, fand ich….spannend. Doch ich blieb klein zurück und habe es einfach nur abgenickt. Was habe ich mich geärgert. Klar, ich hätte blöd zurück äffen können, aber das liegt mir nicht. Schlagfertigkeit. Sie fehlte mir und ich wollte gern mit einem guten Wort agieren. Ich hoffe sehr, dass es mir beim nächsten Mal gelingt. Aber nicht bei ihm. 

Jazz Ahead
(Ms) Die Musik ist im Wandel. Genres öffnen sich und verstaubte Images werden hinfort gepustet. War Klassik lange Zeit insbesondere für ein jüngeres, poppiges Publikum verborgen haben sich durch viele Neo-Klassik-KünstlerInnen diese Grenzen verschoben und eine neue Welt hat sich offenbart. Ebenso im Jazz. Wobei sich da natürlich die Frage stellt: Was ist überhaupt Jazz? Diese Musikrichtung ist derart groß und breit gefächert, dass diese Frage nur schwer beantworten lässt. Ist alles Jazz?! Puh, keine Ahnung. Um das zu erfahren, sollte man im April nach Bremen fahren. Denn da findet wie in jedem Jahr die Jazz Ahead statt. Eine Jazz-Messe für MusikerInnen und eine irre Club-Nacht für alle Neugierigen. Leider war ich noch nie da, aber habe ganz viel Positives gehört. In diesem Jahr wird zum ersten Mal ein Raum für die LGBTQI+-Community geschaffen. Und das an einem Ort, den früher die Nazis nutzen, den Himmelssaal in der Böttcherstraße. Das sieht richtig toll aus und ist ein wichtiges Zeichen. Denn auch im Jazz finden wohl LGBTIQ+-MusikerInnen noch nicht viel Gehör. Das ändert sich nun, wenn Maaike Den Dunnen, das Daan Herweg Quartett und PARRA.DICE auftreten werden! Also, los gehts!

Vom 24. bis 26. April findet das Festival statt und am 25. ist die große Clubnight!


Einfach Kultur
(Ms) Bleiben wir im Norden. Bleiben wir bei richtig guten und wichtigen Veranstaltungen. Lässt man den Blick über Tourdates unterschiedlicher KünstlerInnen schweifen, taucht Oldenburg wahrlich nicht so oft auf. Bremen ist recht nah und größer und hat mehr Clubs. Doch noch weiter im Nordwesten wird es noch erheblich dünner mit der kulturellen Infrastruktur. Das Zollhaus Leer ist da noch ein herausragendes, tolles Beispiel. Bleiben wir in Oldenburg. Zum Glück gibt es da seit Jaren ganz großartige Menschen, die dort den Sommer verzaubern, seit vielen Jahren findet dort mit Einfach Kultur eine phantastische Konzertreihe statt. Ich sag schon Cäthe, Waving The Guns, Mädness, Audio88 & Yassin dort…
Auch 2025 wird es wieder laut und richtig gut! Im Gleispark, direkt am Bahnhof, wurde dafür ein toller Ort geschaffen, der auch zum Verweilen im Sommer einlädt. Hut ab für diese Initiative und dass dieser Stadt damit so viel Gutes getan wird. Erneut lässt sich das Programm sehen, es ist sehr ausgewogen und wird sicher in den vorbeifahrenden Zügen zu spüren sein!

07.08. - Leya, Yu
08.08. - Schmutzki, Loose Lips
09.08. - Pöbel MC, Waving The Guns (wir sehen uns!)
10.08. - Ivo Martin, Jacob Forthyhands, Gigolo Tears
12.08. - Wilhelmine, Katha Pauer
13.08. - Milliarden, Mola, Telquist
14.08. - Bruckner, Marie Bothmer
15.08. - Filly, 6euroneunzig, Carla Ahad
16.08. - Il Civetto, Modular


Dota
(Ms) Diese Künstlerin ist immer unterwegs. Dabei schafft sie es, ständig auch noch neue Musik zu schreiben. Die wiederum ist so vielfältig und in all ihren Facetten wunderschön! Ich frage mich wirklich, wie sie das macht. Egal, was ihr Geheimnis ist - es geht auf! Dota wird ein neues Album veröffentlichen und ich glaube, es wird wieder richtig schön! Ich mag ihre Art zu texten sehr. Das leicht Verspielte, Ehrliche, darin immer ein etwas ernster Kern, der aber stets aufgehoben wird. Aus einem Konzert von Dota geht man beschwingt mit einem leisen, anhaltenden Gedanken raus. Das ist eine tolle Mischung! Am 27. Mai erscheint Springbrunnen und mit Kettenkarussell (ein Wort, bei dem ich mir nicht immer sicher bin wie viele r, s und l es hat) ist eine neue Single draußen, die ganz typisch für Dota ist: leicht und ehrlich und einfach richtig gut!

Hier gibt es alle Konzerttermine in unterschiedlichsten Besetzungen und Programmen.

 

Die Höchste Eisenbahn
(Ms) Sechs Jahre Pause. Mehr als nachvollziehbar bei solch einer Supergroup wie Die Höchste Eisenbahn. Moritz Krämer, Francesco Wilking, Felix Weigt und Max Schröder. Das liest sich seit vielen Jahren einfach ganz herausragend. Ihre Art dem Leben und dem Alltag zu begegnen im ist ganz einzigartig, erfrischend und sie zaubert automatisch ein Lächeln ins Gesicht. Ich mag es sehr, dass diese Band so viel Leichtigkeit versprüht. Die Nachrichtenflut ist schon bedrückend genug, dazu der ganze Alltagskram - alles oft ätzend genug. Doch diese Band lenkt den Blick wieder auf die herrlich profanen Dinge: Bürotage zum Beispiel. So heißt ihre erste Single aus einem noch unbenannten Album, das am 5. September erscheinen wird. Ein Track der die Ambivalenz des Daseins auf herrlich ernüchternde Weise schildert: Du kannst mich erreichen, aber ich habe keine Zeit. Für solche Gedanken (und natürlich auch wesentlich mehr) ist diese Band bitter notwendig! Gut, dass sie im Herbst auf Tour gehen wird.

30.05.-01.06.2025 Mannheim, Maifeld Derby Festival
02.10.2025 Leipzig, Täubchenthal
03.10.2025 Dresden, Tante Ju
04.10.2025 Wien, Flucc
06.10.2025 München, Technikum
07.10.2025 Freiburg, Jazzhaus
08.10.2025 Zürich, Exil
10.10.2025 Erlangen, E-Werk
11.10.2025 Jena, Kassablanca
21.11.2025 Heidelberg, Karlstorbahnhof
22.11.2025 Karlsruhe, Tollhaus
24.11.2025 Stuttgart, Im Wizemann
25.11.2025 Wiesbaden, Schlachthof
27.11.2025 Hamburg, Große Freiheit 36
28.11.2025 Rostock, Peter-Weiß-Haus
29.11.2025 Magdeburg, Moritzhof
01.12.2025 Köln, Gloria
02.12.2025 Essen, Zeche Carl
03.12.2025 Bremen, Lagerhaus
04.12.2025 Hannover, Faust
05.12.2025 Münster, Sputnikhalle
19.12.2025 Berlin, Huxleys


Sodl
(Ms) Ein musikalischer Blick nach Österreich lohnt sich seit vielen, vielen Jahren! Was kamen schon für phantastische Bands dort her? Wanda, Voodoo Jürgens, Garish, Bibiza, Alicia Edelweiss, Oehl… Nun kommt ein neuer Name dazu, den wir unbedingt auf dem Schirm haben sollten! Sodl heißt sie und hat an diesem Freitag ihr erstes Album veröffentlicht. Sheepman heißt es und klingt… ja, wie soll man das sagen?! Es ist Folk, es ist 90er-Jahre Gitarrenrock, es ist wild und zart zugleich. Sie hat just den fm4-Award gewonnen, ein guter Hinweis darauf, was uns in Zukunft erwarten wird. Hier ist eine junge Künstlerin auf dem Weg nach ganz oben, die ganz unösterreichisch klingt und weiß, wie Gitarrenrock heute klingen sollte - beeindruckend!

26.03. - Nürnberg, MUZclub
27.03. - München, Glockenbachwerkstatt
28.03. - Salzburg, ARGEkultur
29.03. - Kirchdorf, Bar Café Hidlegard