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Foto: Anne Ludwig |
Wie es genau hinter den Kulissen von AB Syndrom läuft, weiß ich natürlich nicht. Ich spekuliere ein wenig mit der Hoffnung, ein kleines bisschen Recht zu haben. Ab Spiegelbild, dem gemeinsamen Track mit Mine, bin ich auf Bennet Seuss und Anton Bruch aufmerksam geworden. Und haften geblieben. Ein Mal sah ich sie live und es war enorm. Sehr beeindruckend. Denn die Kunst, die sie auf Platte präsentieren und live darbieten, wirkt für mich enorm frei. Völlig ohne Zwänge. Ohne ein erkennbares äußeres Korsett. Das ist für mich das erste, ganz wichtige Erkennungsmerkmal von AB Syndrom: Viel künstlerische Freiheit! Hinzu kommen richtig viele Emotionen. Die Texte strotzen nur so vom nackt-machen, also dem ungefilterten Dasein zwischen Texter und lyrischem Ich. Folgende Vermutung: Zwischen den Texten und Musikern bei dieser Band gibt es keinen Unterschied, kein Storytelling, sondern Verse aus dem eigenen Sein. Das zweite Erkennungsmerkmal.
Am 28. März erscheint ihr nächstes Album: Implosion. Rein von der Musik ist es überhaupt keine Platte, die mich je packen würde. Auf den ersten Blick. Es ist elektronischer Pop. Das schon. Aber es fehlt (mir) jegliche Referenz. Genau das finde ich spannend. Wo es keine (oder sehr wenige) Ähnlichkeiten gibt, ploppt viel Können und enorm viel Wissen um musikalische Funktionsweisen auf. Bei AB Syndrom steckt nicht nur viel Know-How im Texten, sondern auch im Musikmachen. Die beiden wissen ganz genau, wie Stimmungen, Dynamiken aufgebaut und aufgelöst werden können und machen sich dieses Wissen zu eigen. Genial!
11 neue Songs sind auf Implosion zu hören. Elf Stücke, die alle ihre eigenen Schwingungen haben, ihre eigenen Akzente setzen. Kein Stück ist überflüssig, kaum Schwächen, richtig gut! Die Platte startet mit hochgradig emotionalem Gesang im Refrain von Warum Bist Du Immer So. Direkte Gänsehaut. „Ich weiß keine Antwort auf die Fragen, die du mir stellst“ gestehen sie auf Verlier Mich Selbst, auf dem Mine ein tolles Feature hat. Dazu gibt es ein reichlich verspieltes elektronisches Arrangement, das den Kopf automatisch wippen lässt. Zum Ende hin ballert der Bass ziemlich satt - oh ja! Eine gewisse Lockerheit und Witz zeigen sie auf Zeit Zurück, wenn Versicherungen alles ersetzen können. Ja, ist ja oft so. Nur eines ist unersetzbar, das war im Titel steckt: die Zeit. Das wertvollste, was wir Menschen haben. Ein nahegehender Track mit einem großartigen Beat - ein klares Highlight, musikalisch und textlich, das live bestimmt toll knallen wird! Was ich mit nackt-machen meine, zeigen sie auf Stabil: „Du denkst ich bin stabil, aber ich bin es nicht.“ Eine Lied gewordene Offenbarung, Verletzlichkeit zu zeigen, Schwäche zuzugeben. Und dass das okay ist. Der Part von Roger Rekless auf diesem Track ist überragend! Lowkey ist ein wilder Mix aus englischen und deutschen Vokabeln, eigentlich ein Stilmittel, das ich furchtbar finde, aber hier juckt es mich gar nicht. Ich weiß nicht woran es liegt und das gefällt mir gut, dass AB Syndrom das so spielerisch gelingt. Blindflug zusammen mit Trille ist noch so ein emotionales Highlight! Ein Song, in dem es unklare Phasen geht, wenn man sich zu schnell mitreißen lässt. Wenn die Kontrolle und das Bewusstsein abnimmt, wie in einem negativen Rausch „bis es nicht mehr geht“.
Implosion ist ein großartiges Album! Ja, Fröhlichkeit, Heiterkeit und Leichtigkeit sucht man hier vergebens. Aber es ist emotional nicht anstrengend oder belastbar. Dafür sorgen stets die tolles Beats und Arrangements, sodass die ehrlichen, manchmal harten Zeilen nicht runter ziehen. Das ist phantastischer, freier, genialer, ehrlicher Pop, der so keinen Vergleich hierzulande findet und jegliche Erwartungen übertrifft!
23.04.2025 - Dresden, Beatpol
24.04.2025 - Berlin, Hole 44
25.04.2025 - Hamburg, Bahnhof Pauli
26.04.2025 - Nürnberg, Club Stereo
27.04.2025 - München, Milla
29.04.2025 - Stuttgart, Im Wizemann
30.04.2025 - Mainz, Schon Schön
02.05.2025 - Köln, Jaki
03.05.2025 - Aarau, Kiff
04.05.2025 - Winterthur, Albani