Montag, 25. April 2016

Teho Teardo & Blixa Bargeld - "Nerissimo"

Teardo und Bargeld. Foto: Thomas Rabsch
(ms) Welche Farbe hat Musik? Klar, das hängt davon ab, was man hört. Fröhliche Musik wirkt hell, gelb, grün, türkis, pink. Aggressive oder äußerst melancholische Klänge hingegen dunkel, schwarz, vielleicht grau, dunkelviolett. So weit so gut.
Doch wie will man genau diese Thematik musikalisch umsetzen? Möglicherweise haben sich das Teho Teardo und Blixa Bargeld vor einiger Zeit gefragt. Letzten Freitag ist ihr zweites gemeinsames Album "Nerissimo" erschienen. Der geneigte Italophile wird den Zusammenhang schnell erkennen: "Nerissimo" ist der Superlativ von schwarz. Im Deutschen sind Farbadjektive zwar nicht steigerbar, doch es würde wohl "am schwärzesten" heißen.

Wie stellt man sich nun so tief schwarze Musik vor?
Blixa Bargeld, Sänger der Einstürzenden Neubauten, ist nicht zwingend für extrem dunkle Klänge bekannt. Dennoch haben die Neubauten stets anspruchsvolle Musik gemacht, die gerne mit Konventionen bricht. Was aber dunkel und gewissermaßen mystisch ist: Seine Stimme! Teho Teardo ist als Sounddesigner für zahlreiche Filmmusiken bekannt. Zudem ist er 2006 zusammen mit Placebo getourt. Das Zusammentreffen dieser beiden außergewöhnlichen Musiker kann nur bedeuten, dass dabei eine Platte herauskommt, die es in sich hat.
Und genau da sind wir wieder bei "Nerissimo".

Die 10 Tracks bieten sich für jedes Feuilleton an, besprochen zu werden. Es ist komplex, eigenwillig, schwer zugänglich, etwas verrückt, doch phasenweise gar nicht so dunkel, wie der Titel zu suggerieren vermag. Es sprengt hingegen die Grenzen der Ottonormalmusik, wo es nur geht. Vielmehr gleicht es einem Hörbuch mit musikalischem Hintergrund. Bargeld hat sich kleine Episoden ausgedacht, die interessant und aberwitzig zugleich sind. In "DHX2" wird step by step ein Raketenstart oder ähnliches beschrieben, es wird nicht gesungen, eher erzählt, geflüstert, deutlich akzentuiert. "Ich bin dabei" ist ein Mix, eine Kollage aus Soundfetzen, Klangfarben, Rückkopplungen und abgeschnitten Sätzen. Die schrägste oder genialste Episode ist wohl in "Ulgae" zu finden. Es geht um ein Königreich in einer Petrischale, wo die unglückliche Königin einen Helden sucht. Es drohen Gefahren, sie finden sich und verlassen die Schale. Dass Blixa Bargeld ein großer Fan vom Dadaismus ist, muss man hier nicht weiter erläutern.
Die Musik setzt sich aus Streichern, Bläsern, einzelnen Percussioninstrumenten, elektronischen Synthieklängen und Samples zusammen. Kein Track bliebt wirklich im Ohr, keiner hat Ohrwurmcharakter. Doch gut vorstellbar, dass Teardo und Bargeld das auch nie wollten.

"Nerissimo" ist ein kleines Kunstwerk auf deutsch, englisch und italienisch und verbindet so Bargelds Heimat Berlin mit der von Teardo: Rom.
Es ist unmöglich "Nerissimo" einfach nur nebenbei laufen zu lassen. So bekommt man nichts mit. Bei genauem Hinhören offenbaren sich jedoch Klangskulpturen, fremde Welten und unterschiedliche Schwarztöne.

Zusammen bringen Teho Teardo und Blixa Bargeld ihr Projekt hier auf die Bühne:

21.05.16 Frankfurt am Main- Mousonturm
06.06.16 Berlin-Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz
07.06.16 Köln- Kulturkirche
08.06.16 Hamburg- Übel & Gefährlich
15.06.16 München - Muffathalle


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