Montag, 22. Februar 2016

Tex & Phela - TV Noir on tour!

(sf) TV Noir ist eins der angenehmsten Formate, das die Musikbranche zu bieten hat. Das "Wohnzimmer der Songwriter" wurde von Tex Drieschner konzipiert, der auch durch die Sendung führt und neben nationalen Sternen wie Konstantin Wecker, Olli Schulz, Gisbert zu Knyphausen, Bosse oder Thees Uhlmann auch internationalen Größen wie William Fitzsimmons, Matthew Caws (Nada Surf), Fran Healy (Travis) oder Moneybrother eine Plattform bietet. Nicht zu kurz kommen aber auch eher unbekannte Künstler à la Deep Sea Diver, Me And My Drummer oder Phela - und genau mit der ist Tex, bei dem man ob seiner vielen Talente viel zu schnell vergisst, dass er ein herausragender Musiker ist, aktuell auf Tour. Wir haben das Konzert im Münchner Milla besucht und haben gar Bezauberndes erlebt.

Schon Wochen im Voraus war die Veranstaltung ausverkauft, doch dank Gästeliste kamen wir kurzfristig in den Genuss dieses in vielerlei Hinsicht bemerkenswerten Konzertes. Besonders auffällig und ungewohnt war zunächst einmal das Konzept: statt Support und Main Act traten Tex und Phela als gleichberechtigte Künstler auf die Bühne, wechselten sich alle 2-3 Lieder ab, unterstützten sich gegenseitig bei den Songs des jeweils anderen und auch Phelas Band (durch die Bank außergewöhnlich talentierte Musiker) war für beide Frontleute im Einsatz, was ständig für Bewegung auf der Bühne sorgte und auch dafür, dass sowohl Tex als auch Phela ihre Stücke völlig neu arrangieren und in neuen Mänteln präsentieren konnten.

Foto: Kiki Angerer
Klar, der Großteil der Besucher hat wohl wegen Tex den Weg ins Milla gefunden, ist er doch
bereits seit zig Jahren dick im Geschäft und hat es neben seinen Tätigkeiten als Karikaturist und Buchautor vor allem durch seine Songs geschafft, eine beachtliche Fanschar hinter sich zu vereinen. Schmuckstücke wie "Wenn sie lacht", "Düster bist Du schön" oder "Juli" (nachdem sich übrigens tatsächlich die gleichnamige Band benannt hat!) lassen einen schon in der Studioversion nicht kalt, aber live dargeboten ist das Ganze gleich nochmal eine Spur intensiver und sorgt für Gänsehaut im Minutentakt.

Eine wunderschöne Ergänzung zu Tex bot Phela - der von uns schon öfter gepushten Newcomerin gelang es tatsächlich, den Songs ihres Kollegen eine neue Dimension zu verleihen, da sie die gefühlvollen Balladen nicht nur stimmlich veredelte, sondern auch mit ihrem virtuosen Geigenspiel dazu beitrug, die bekannten Lieder in neue Gewänder zu kleiden. Tex, ganz Gentleman, gab Phela hierbei auch ausreichend Platz, um ihre Stärken einzubringen und beharrte selbst bei seinen eigenen Werken nicht darauf, im Vordergrund zu stehen. Eine äußerst sympathische Kombination, die die Zuhörer faszinierte und binnen weniger Minuten in ihren Bann zog.

Foto: Kiki Angerer
Apropos Zuhörer: ich habe selten ein so respektvolles und aufmerksames Publikum erlebt wie gestern im Milla. Kein Reden während des Konzerts, die geknipsten Handyfotos dürften an einer Hand abzuzählen sein und dem Ende der Lieder folgte stets eine kurze Ruhepause, bevor der Jubel begann. Nur ja keine Sekunde des Konzerterlebnisses verpassen war die Devise! Und ja, es war ein Erlebnis, denn auch der Sound im Milla war außergewöhnlich gut - das möchte ich an dieser Stelle nicht unerwähnt lassen und dem Veranstalter ein Lob aussprechen. Das habe ich in anderen Locations in München auch schon ganz anders erlebt und war schwerstens begeistert.

Nach so viel Tex nun zu Phela: die Wahlberlinerin hat es mit ihrem tollen Debüt-Album "Seite 24" bis auf Platz 60 der deutschen Album-Charts geschafft, durfte in den letzten Monaten bereits die Herren Bourani und Poisel, sowie Alin Coen supporten und hat nun mit Tex scheinbar einen kongenialen Partner gefunden, um ihre Songs zusammen mit ihrer fantastischen Band auf die Bühne zu bringen. "Wieder alleine", "Alles auf Anfang", "Still" - die bekannten Hits, die sie mittlerweile auch bei diversen Radio- und TV-Sendern zum Besten geben durfte, wurden vom Publikum frenetisch gefeiert und auch die eher unbekannten oder gar unveröffentlichten Stücke wie "Zwischen uns" kamen sehr gut an. Stimmlich top, sehr sympathisch, musikalisch überaus talentiert und absolut multitaskingfähig (Geige spielen und gleichzeit singen - Respekt!) - Phela hat gestern sicher den einen oder anderen Fan dazugewonnen. Sehr erfreulich fand ich persönlich, dass viele der bekannten Songs live anders arrangiert sind als auf dem Album, was dazu führt, dass das Gesamtwerk deutlich rauher und abwechslungsreicher klingt, die Melancholie etwas hintangestellt wird und Phela so nicht Gefahr läuft, als stets traurige junge Frau abgestempelt zu werden, deren Lieder wenig Hoffnungsvolles in sich bergen.

Wer sich Tex und Phela in den kommenden Tagen noch ansehen möchte, der hat hier die Möglichkeit dazu:











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