Mittwoch, 21. Januar 2015

DIE FOKKEN ANTWOORD Live in Köln

(cg) Man kann ja von Die Antwoord (deutsch: Die Antwort. Ach.) halten, was man will. Aber niemand kann eins bestreiten, nämlich dass die drei Kapstädter auf der Bühne 110% abliefern. Das Konzert am vergangenen Montag, den 19.01.15 im Kölner Palladium war spektakulär. Wie kann ein Mensch so viel Energie haben?

Aber alles von Anfang an. 
Die Antwoord gibt es seit 2009 und sie machen Musik aus einer Art Rap-Rave-Techno Mischung. Sie sind der im Knastlook am ganzen Körper tatoowierte Rapper Ninja, die platinblonde aufgedrehte, völlig schrille Rapperin Yolandi Visser und DJ Hi-Tek. Letzterer sorgt für die fetten Technobeats als musikalische Begleitung und steht bei Auftritten eher im Hintergrund, während Yolandi und Ninja auf der Bühne explodieren. 
Textlich bewegen sich die Songs der Band zwischen Sozialkritik und Satire und es wird auf Englisch, Afrikaans und Xhosa gesungen und gerappt. Sie selbst bezeichnen ihre Musik als ZEF, was auf Afrikaans so viel wie 'Hinterwäldlerisch' oder 'Proletarisch' bedeutet. 
Seit 2012 veröffentlichen die drei auf ihrem eigens gegründeten Label ZEFRECORDS. Es hatte Streit um die Aggressivität auf ihrem Debütalbum $O$ gegeben, und so wurde der Nachfolger TEN$ION eben selbst produziert. Eine glückliche Wendung, schließlich standen sie im selben Jahr beim Southside, Hurricane und Coachella auf der Bühne. Dabei stets knapp bekleidet, in Neon- oder Pastellfarben und absichtlich hässlich (Ninja hat seinen ganzen Körper tatoowiert und Yolandi trägt schwarze Kontaktlinsen und eine sehr eigenwillige Frisur).
Wenn ich Freunde und Bekannte nach die Antwoord frage, dann kennen sie sie entweder nicht, finden sie total scheiße oder lieben sie. Es gibt scheinbar nichts dazwischen.


Quelle: laut.de

Knapp 2 Stunden haben sie am Montag gespielt und haben dabei nie länger als 10 Sekunden den Boden berührt. Yolandi und Ninja sind echte Performer mit einer unfassbaren Energie, die sie die ganze Zeit rumspringen, rennen, twerken und auch mal in der Menge Baden lässt. Dabei schlüpften die zwei während des Auftritts immer wieder in verschiedene Rollen und spielen diese perfekt, Yolandi wechselte zwischen hilfsbedürftiger zerbrechlicher Lolita, männerverspeisendem Vamp und aggressiver, rapsolo raushauender Ghettoqueen. Ninja wirkt ebenfalls abwechselnd aggressiv, verrückt, fast streitsüchtig, dann wieder zahm und fast schon unterwürfig gegenüber Yolandi.

Es gab keine Vorband und die Gerüchte, die Antwoord lassen sich gerne Zeit um auf die Bühne zu kommen, haben sich bestätigt. 1,5 Stunden nach Einlass ging es dann los, es wurde Dunkel im Palladium, die ersten Beats wummerten durch die Luft und die Menge begann zu kreischen und unruhig zu werden. Zum Publikum kann man sagen, dass es sehr durchwachsen war, 20-40 jährige Männlein und Weiblein, teils verkleidet, und den meisten hätte ich auf der Straße niemals angesehen, dass sie auf diesen kranken Shit stehen.
Als erstes betraten zwei Tänzerinnen in Ganzkörperanzügen aus Lack die Bühne und stellten sich wie Soldaten links und rechts der Bühne auf. Dann sprang Yolandi in einem ausgebeulten Overall auf die Bühne und gab sofort volle Power. Ninja folgte direkt darauf und das Publikum lief Amok. Oft teilt sich der Mob ja von den eher ruhigeren Konzertbesuchern und nur vorne wird es wild aber bei die Antwoord scheint es das nicht zu geben und egal wie weit vorne oder hinten man stand, die Leute sind ausgerastet. Yolandi und Ninja verstehen es irgendwie ihre Energie auf die Zuschauer zu übertragen.


Quelle: Brooklynvegan.com

Die Stimmung war also Super und mit ihren Charakteren wechselten Yolandi und Ninja auch immer wieder die Kostüme. Die Setlist war eine gute Mischung aus allen drei Alben, die Hits Enter the Ninja, Ugly Boy, I fink U freeky, Baby's on Fire, Rich Bitch, Wat Kyk Jy, Fatty Boom Boom und Fok Julie Naaiers waren alle dabei und kamen richtig gut. Oft wird ja behauptet die Live Auftritte von die Antwoord wären schlecht, der Sound scheiße und die beiden völlig böse oder schwach auf der Bühne aber das kann ich alles nicht bestätigen. Im Gegenteil, so starke, laute und beeindruckende Persönlichkeiten habe ich noch nicht oft gesehen. Sicher kann es sein, das sie schon schlechte Auftritte hatten, aber nicht am Montag. Für fast 120 Minuten war man voll in ihrem Universum aus starken Ausdrücken, starker Präsenz, überragendem Sound und einer Performence, die natürlich aggressiv ist, aber man darf auch nicht vergessen, dass hinter den Texten etwas steckt und die beiden aus einer anderen Welt kommen. Wenn man sich also durchringen kann den ersten Abscheu, der vermutlich oft vorkommt, abzuschütteln, wird einem ein neues musikalisches Universum eröffnet. 

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