(ms) Da ist er wieder! Naja, er war ja nie wirklich weg. Nur eben als fünfzig Prozent von Bratze unterwegs um mit ordentlich Bass und großen Texten die Bühnen der Republik zum Einsturz zu bringen. Doch jetzt ist Kevin Hamann in seiner alten Rolle wieder da. Hinzu kommt, dass er jetzt nicht mehr alleine ClickClickDecker ist, denn Oliver Stangl ist mit diesem Album offiziell - inoffiziell schon wesentlich länger - fester Bestandteil der Band.
Vor sage und schreibe fünf Jahren kam das letzte Studioalbum raus und jetzt wird mit aller Kraft nachgelegt. Es geht los mit dem Titel "Ich glaub dir gar nichts und irgendwie doch alles". Expansion statt Reduktion, auch was die Orthographie angeht. Wieso nicht?! Hat ja früher auch gänzend funktioniert!
Quelle: ClickClickDecker.de
Vor Ton und Texten der Platte, ist der Umstand der Entstehung nicht ganz unwichtig. Denn Stangl und Hamann haben sich in Emmelsbüll, Nordfriesland, in einer alten Schule für die Aufnahmen der Songs eingeschlossen und dort dieses und jenes Intrument vorgefunden. Und einfach mal rauf damit in die Songs. Es war eine gute Idee! Hamann sagt über sich selbst, er könne irgendwie kein Intrument wirklich spielen. Soll man ihm das glauben?!
Los geht's mit der Vorabsingle "Tierpark Neumünster". Und als Fan kommen dort schon die ersten großen Gefühle zutage. Nämlich, dass es ganz der alte Sound ist, ein wenig knarzig, nicht perfektionalisiert, nicht beim Mastern glatt geschliffen, sondern so gelassen, wie er am besten rüberkommt. Super! Mit dem Klang aus Gitarre(n), Klavier, Bass, Schlagwerk geht es herrlich weiter! Dabei sind sie zum großen Teil auf einem minimalistischen Niveau und rücken genau ausgepolt in den Hintergrund, um die teils unfassbaren Texte für sich stehen zu lassen. Letztere möchte man sich am liebsten auf alle Köperstellen tätowieren. Und wenn beinahe alles voll ist, nimmt man die nächste Zeile und schreibt sie sich auf die Stirn.
Denn Hamann hat die verblüffende Gabe mit einfachen Worten Situationen und Gefühle zu beschreiben, die fast jeder kennt ohne diese direkt zu benennen. Dazu braucht ein keine verschrobenen, tocotronischen Textwirrnisse. Nein. Es braucht die Genialität der Einfachheit. "Kein Satz wird dadurch besser, dass du ihn ständig nur wiederholst" (Die Nutzlosen), "Wenn man immer nur zurückschaut, ist am Ende nichts mehr da" (Niemand wird's gewesen sein), "Das ist nur mein Talent für den schlechten Moment" (Was kommt wenn nichts kommen will). Man könnte ewig so weitermachen.
Es geht inhaltlich viel um Trennungen, Missverständnissen, Leute, die sich zu lange kennen, um den Einzelnen, um Paare, um Wünsche und Pläne. Mitten aus dem Leben gegriffen in Musik verpackt und auf Platte gepresst.
"Ich glaub dir alles und irgendwie doch nichts" besticht durch seine innere Harmonie von Sound, Texten und der gespürten Abstimmung zwischen Hamann und Stangl. Somit ist ClickClickDecker seit Jahren eine feste Konstante in der deutschsprachigen Indie-Musik. Und mit dieser Veröffentlichung legen sie für das Veröffentlichungsjahr 2014 den Standard fest, den es zu erreichen gilt. Es ist Musik für Spaziergänge, wenn es leicht regnet, Abende mit Freunden, und Sonntage, die doch mal richtig gut sind. Im April kommt das Solo-Album von Marcus Wiebusch auf den Markt, man kann gespannt sein, wer hier die Nase vorn behält. Für den alten befindlichkeitsfixierten Punkhasen wird es nicht leicht!
Daher: 9/10 für dieses Album!
(ms) Das neue Jahr hat angefangen. Der Adventskalender ist nun schon länger vorbei. Uns hat er großen Spaß gemacht, es waren viele spannende und ausgefallene Jahresrückblicke von euch Lesern dabei, und jeder hat sich zu lesen und veröffentlichen gelohnt.
Nun geht's aber wieder back to business! Musik, Musik und noch mehr Musik. 2014 wird sicherlich mächtig spannend, doch der Start geht los mit einem Debut aus dem letzten Jahr!
Quelle: minoralps.tumblr.com
Minor Alps. Die unbedeutenden, die kleinen Alpen. Hm, was soll das denn nun wieder heißen? Keine Ahnung. Ein Bandname musste her und da ist er! Albumtitel "Get There". Tja. Wohin denn? Zu den Bergen? Darüber könnte man jetzt lange nachdenken und sich die Hirnmasse zermartern, oder man könnte es einfach lassen, die Platte nehmen, auf den Drehteller legen, die Nadel gefühlvoll runterlassen, den Raum abdunkeln, vielleicht ein warmes Getränk bereitstellen, es sich gemütlich machen und reinhören.
Frage vorab: Wer musziert hier eigentlich? Antwort: Bei dieser Band haben sich zwei zusammengetan, die das Musikgeschäft besser kennen als manch andere, weil sie beide schon seit über 20 Jahren dabei sind und viele Patten ans Tageslicht befördert haben. Juliana Hatfield war einst Teil der Blake Babies und lange solo unterwegs. Matthew Caws ist Sänger, Gitarrist und Texter der großartigen Indie-Band Nada Surf. Man darf aber aufatmen: Nada Surf werden weiterhin zu dritt Lieder schreiben und Bühnen bespielen!
Quelle: minoralps.tumblr.com
"Get There" geht eher gemütlich los mit ruhigen Klängen, dreht dann aber auf und lässt zwei der besten Lieder der Platte aufeinander folgen: "I don't know what to do with my hands" und "Far from the roses". Doch was passiert danach?! Auf eine eigenartige Weise flacht das Album ab. Es könnte beinahe eine Ansammlung von Nada Surf-Songs sein mit einer zweiten Stimme dabei. Es gibt keine Stichhaltigen Punkte, was die kommenden Momente zu etwas wirklich Eigenem machen. Wobei man hier anführen muss, dass Caws und Hatfield die gesamte Zeit über im Duett singen und zu einer zu hörenden Stimme verschmelzen; sicherlich die Stärke des Albums. Und man muss den beiden auch zugute halten, dass sie bis auf die Drums alle Instrumente selbst eingespielt haben. Doch es fällt schwer ein Alleinstellungsmerkmal klar herauszuhören. Es plätschert ein wenig daher, man dreht die Platte und die B-Seite plätschert einfach weiter. Allein "Mixed Feelings" sticht mit den aufgedrehten Gitarren nochmal heraus.
Als großer und langjähriger Nada Surf-Fan frage ich mich, wie das passieren konnte. Beiden haben mehr als genug Potential, um zusammen ein starkes Album zu machen.
Ergo: Der Klang ist insgesamt gut, beide Stimmen harmonieren wunderbar miteinander, doch die zündenden Ideen fehlen insgesamt. Daher: 6/10
(mb/yassi) Okay, eigentlich war´s das ja schon von uns für 2013. Nachdem wir ja unseren Senf pünkllich zur Weihnachtsgans dazugegeben haben gibt es zum Jahreswechsel noch mal Butter bei den Fischen. Danke an dieser Stelle an Yassi für den spontanen, und auch längsten, dafür sehr lesenswerten Einwurf zum Ende eines tollen musikalischen Jahres. Wir werden versuchen, unsere Seite in nächster Zeit ein wenig auf Vordermann zu bringen - zumindest ist das der Vorsatz. Aber wir halten es klassisch bayrisch - schau ma moi. Aus Liebe zur Musik, wir hören uns im neuen Jahr, wenn ihr mögt. In diesem Sinne haltet die Luser steif.Jetzt aber Yassi:
Interpret: Prinz Pi Album: Kompass Ohne Norden
Trotz
der Liebe zur Musik kaufe ich mir sehr selten Musik, schlicht und
ergreifend aus dem Grund, dass ich es mir als arme Studentin nicht
leisten kann mir jedes Album zu holen, das ich gut finde. Wenn dann doch
mal eins gekauft wird, dann nur nach langer und reiflicher Überlegung,
ob genau dieses Album auch dasjenige ist, was ich von allen gerade am
liebsten hätte.
Als ich letzten Dezember „Unser Platz“ von Prinz
Pi gehört hab, wusste ich zuerst nicht so richtig, was ich damit
anfangen sollte. Schöne Musik, aber irgendwie komischer Flow. Für einen
Rapper ziemlich schlecht gerappt. Dann hab ich es nochmal gehört und
versucht es nicht als Rap-Song sondern als Gedicht zu begreifen – und
war sofort verzaubert! Ein wunderschöner Song voller Pathos und Poesie
über eine Liebe, die sich über alles hinwegsetzt, zu zweit gegen den
Rest der Welt.
Als dann ein paar Monate später das Album „Kompass
Ohne Norden“ rauskam, habe ich mir das Snippet angehört und musste
keine Sekunde länger überlegen: ich hab es mir sofort bestellt. So
überzeugt war ich. Bei jedem der Lieder hatte ich das Gefühl, der
Künstler liest aus meinem Herzen vor wie aus einem Buch. Da war die
Widmung in der CD-Hülle fast ein bisschen ironisch: „Für all jene, die
sich fragen, ob ich meine Texte nur für sie geschrieben habe: Ja habe
ich. Jeden einzelnen.“
Das Album ist tiefgründig wie kaum ein
anderes, voller Selbst- und Sozialkritik, und dabei immer intelligent
und charmant. Friedrich Kautz ist ein sehr aufmerksamer Beobachter
unserer „Moderne(n) Zeiten“, die so voller Widersprüche sind. Dabei
nimmt er aber auch immer wieder Bezug auf sich selbst und ist dabei so
offen und ehrlich, dass man das Gefühl bekommt, man wäre sein engster
Vertrauter. Mit seinem Hadern, der Suche nach seinem Platz in der
Gesellschaft und der Orientierungslosigkeit in seinem Leben, diesem „Wer
bin ich überhaupt und wo gehöre ich hin“ und vor allem „Wann fängt es
denn endlich an, das richtige Leben, von dem alle immer reden“, spricht
er mir direkt aus der Seele und wird zum Sprecher der Generation „30 ist
das neue 20“. Der bittersüße Abschied von der Jugend, und doch
irgendwie noch nicht im Erwachsenen-Dasein angekommen zu sein, dieses
Gefühl der Verlorenheit und des innigen Wunsches irgendwo anzukommen.
Und spätestens bei der Zeile „Jeder von uns denkt das gleiche: Keiner,
der mich versteht! Keiner, der ist wie ich..“ dachte ich mir: wow, doch
es gibt jemanden da draußen, der mich versteht und ich höre gerade sein
Album!
Mit einer unglaublichen Bildgewalt und Sprachgewandtheit
malt Prinz Pi seine Lieder wie Gemälde, in sich stimmig und doch fügen
sie sich auch in ein Gesamtkonzept, wie die Bilder in einer Galerie, und
so düster manche Songs auch sind, irgendwie bleibt immer ein
Lichtblick.
Doch auch musikalisch hat die Platte einiges zu
bieten und man hat das Gefühl jeder Song wurde mit viel Liebe zum Detail
gestaltet und arrangiert. Voller Poesie und Leidenschaft überzeugt
Prinz Pi mit jedem Track und stellt einmal mehr unter Beweis, dass
Deutschrap so viel mehr sein kann als Gangstarap a la Bushido. Tut euch
selbst den Gefallen, hört rein und lasst euch begeistern!
Singles.
Interpret: Max Herre Album: Hallo, Welt! Titel: Fremde
Eigentlich
bin ich kein Max Herre Fan. Ich weiß nicht wirklich warum, aber
irgendwie mochte ich ihn nie besonders. Ich glaube, ich mag seine Stimme
nicht so gern. Sein Song „Fremde“ aber hat mich sofort beim ersten Mal
hören gepackt. Diese Fragilität und Verletzlichkeit, ein Umherirren im
ungerechten Universum, das Nicht-wissen, wo man hingehört und doch oder
eigentlich ja gerade deshalb diese fast schon zerreißende Sehnsucht, das
Heimweh nach etwas, das man da draußen
vermutet, ohne genau zu
wissen, wie es aussehen könnte. Einfach weitermachen, weiterreisen,
irgendwann wird schon etwas kommen. Was auch immer es sein mag.
Sehnsucht nach der Zukunft, Heimweh nach der Fremde. Für mich ist der
Song irgendwie ein Versuch mit der Welt und dem Leben an sich ins Reine
zu kommen, so verwirrend und ungerecht diese oft sein mögen. Wenn alles
Zufall ist, nichts wirklich einem Gesetz folgt, ist auch alles drin.
Genau darin besteht die Hoffnung, die einen antreibt doch immer weiter
zu machen, egal wie oft oder wie sehr man sich in einer Sackgasse sieht.
Ich geh meinen Weg bis ans Ende… Und somit macht der Song irgendwie Mut
ohne dabei auf die Kacke zu hauen. Ganz leise und vorsichtig und ohne
ein schillerndes „Alles wird gut“, die stille Zuversicht: Das Leben ist
ein Labyrinth und manchmal unglaublich beängstigend und oft fühlt man
sich entsetzlich verloren. Aber irgendwo landet man immer. Ganz egal wer
man ist, es wird sich immer etwas ergeben woran man festhalten kann.
Der Rest liegt bei einem selbst.
Interpret: Jennifer Rostock Album: Schlaflos Titel: Ein Schmerz und eine Kehle
Als
ich die erste Single-Auskopplung des neuen Jennifer-Rostock-Albums zum
ersten Mal gehört habe, fand ich es etwas befremdlich: Ist Jennifer
Weist jetzt unter die Rapper gegangen? Dann aber hab ich näher
hingehört, zugehört, auf den Text geachtet. Ein Lied über zwei
mitgenommene Seelen, die ihr Leben lang gekämpft haben, wofür oder
wogegen auch immer, die keinen Ausweg kennen und dabei geradezu
unberechenbar sind, und deren einziger Trost es ist, einander zu haben.
Der Text ist dabei gnadenlos ehrlich und ungeschminkt und doch
voller Doppeldeutigkeiten und Wortspiele, die Platz für eine
individuelle Interpretation lassen. Raum fürs Schönreden aber lässt er
nicht. Das Karma ist korrupt, das Drama ist zum Schreien, aber: Wenn du
schreist, schreist du nicht allein!
Genau das ist es, was mich an
diesem Song so überzeugt. Kein „Alles wird gut“, kein „Wird doch nicht
so schlimm sein“, nein: Es ist schrecklich, es wird vielleicht auch
nicht besser, aber mit dem Leid, dem Schmerz ist man nicht allein. Es
gibt da draußen noch andere, die auch so fühlen, die wissen, wie es ist.
Und genau darin besteht die Hoffnung. Nicht darin, das Schlechte zu
verleugnen oder das Unveränderbare verzweifelt ändern zu wollen, sondern
gerade darin es anzuerkennen, damit leben zu lernen und in anderen
Trost zu finden, die die eigenen Gefühle begreifen können, die mitfühlen
und mitleiden.
Und somit wird das rosige Ideal von „Ein Herz und
eine Seele“ ins Gegenteil verkehrt: Ein Schmerz und eine Kehle. Dabei
bleibt die Verbindung aber die gleiche oder ist vielleicht sogar noch
stärker. Denn geteiltes Leid schweißt zusammen und wer zusammen etwas
durchgemacht hat, wächst auch daran. Und vielleicht hält „Ein Schmerz
und eine Kehle“ der ungerechten Welt sogar besser stand als das
poetische und ideelle „Ein Herz und eine Seele“.
Interpret: Fabian Reichelt & Jaycoux Jr. Album: Loslassen (Bring Back the Love) Titel: Loslassen (Tube & Berger Remix)
Eigentlich
bin ich der totale Textmensch und meist sind mir die Texte von Songs
sogar wichtiger als die Melodie. Eine Ausnahme gibt es allerdings, bei
der ich auch gerne auf einen Text verzichte, nämlich bei elektronischer
Musik. Ein guter Beat kann mich genauso berührend wie ein ehrlicher
Text. Deshalb war ich von diesem Track besonders angetan. Als ich ihn
zum ersten Mal in einem Mixtape gehört hab, hab ich sofort aufgehorcht;
irgendwie hatte der Beat was, das mich sofort angesprochen hat.
Irgendwie leicht und doch mit Tiefgang. Als ich dann merkte, dass der
Track auch noch Text hatte, und zwar nicht nur irgendeinen blabla-Text
sondern einen richtig guten, war ich hin und weg! Ein mitreißender Beat
gepaart mit deutscher Poesie.
Der Text handelt, wie so viele vor
ihm, von der Liebe, oder eigentlich von dem, was passiert, wenn sie
nicht reicht. Das „Wir lassen es dauern solange es dauert, wir tun
nichts dafür und nichts dagegen“, das anfangs so unglaublich romantisch
ist und doch letztendlich so verhängnisvoll. Denn dass die Zukunft nicht
wartet, sondern irgendwann eintritt, weiß eigentlich jeder, doch wir
sind so unglaublich gut darin, diese unangenehme Tatsache zu verdrängen,
dass sie uns dann, wenn sie unausweichlich wird, mit voller Härte
trifft. Die Tickets vom Hier ins Nirgendwo machen deutlich, wie klar
doch eigentlich der Ausgang dieser Beziehung war, die wohl mehr ein
Festhalten aneinander war, als etwas stabiles, das die Zeiten
überdauert, und das obwohl am Anfang das Ziel so klar zu sehen war. Die
Zeit holt uns ein, wenn wir uns nicht beeilen. Es geht um
Selbsttäuschung, um Blendung, doch wer sagt, dass eine Liebe, die
nirgends hinführt, keine echte Liebe ist? Fabian Reichelt beschreibt auf
unglaublich poetische Weise zwei Menschen, die sich für den Moment
alles bedeuten, die es immer wieder zueinander zieht und die scheinbar
wehrlos gegen diese höhere Macht sind, die es ihnen so unglaublich
schwer macht loszulassen, trotz der Vernunft, trotz des Wissens, dass es
einfach nicht geht, wider jeglichem Verstand. Und doch ist der Ausgang
irgendwie ungewiss. Zwar heißt es „Ich lasse dich los und fang von vorne
an“, doch dann dieser kleine, unscheinbare Satz zum Schluss: Weil es
weitergeht… Im ersten Moment klingt das nach dem üblichen abgedroschenen
„Das Leben geht weiter“. Doch was weitergeht bleibt offen und wer weiß,
ob sich die beiden nicht irgendwann wieder begegnen.
Naja, wir lassen uns nur ungern die Butter vom Brot nehmen.
Beziehungsweise möchten wir auch noch den Senf in Zeiten der Völlerei
dazugeben. Wir sind verliebt in den Anfang. Und in musikalischen Austausch, deshalb haben
wir diesen interaktiven Weihnachtskalender initiiert. Vielen Danke an alle, die
mitgemacht haben und uns mit Ihren musikalischen Adventskränzen die Tage
versüßt haben. Nice one, we love you!
Heute kommt das
Christkind, wir haben ihm schon einmal unsere Tracklist hingelegt und ich bin
mir sicher, dass es all night long mitdem Volumen auf C die Tunes hören wird. Und für alle Sterblichen unter
euch haben wir noch unsere Album Top 10 des Jahres. Es war ein durchaus
steiniger, nicht christlicher Weg bis zur Findung dieser. Und wenn ihr jetzt
mit einem Riesenkater vor der Weihnachtsgans sitzt, geben wir noch unseren Senf
dazu! An Guadn.
(bu/lp) Nachdem aufgrund des vorweihnachtlichen Stress das gestrige Türchen unwiderruflich geschlossen bleibt, geht's heute unvermittelt mit dem 22. Kalenderblättchen weiter. Beschwerden können gerne eingereicht werden, sind aber wohl sinnlos. Heute gibt sich Viola die Ehre - Psychologiestudentin in Österreich und eigentlich aus dem Süden Deutschlands stammend. Et voilà!
Quelle: http://www.skylinetradeshowtips.com
Lieblingsalbum 2013:
OK KID - OK KID
Zugegebenermaßen hab ich mich bisher weitestgehend gegen
deutschsprachige Musik gewehrt. Bei diesem Album war das vorerst auch so. Ein
Freund hat mir „Kaffee warm“ empfohlen und mir mal das Album gegeben. Ich habs
mir angehört und dachte mir „nä“, und es nie mehr angerührt. Doch wie das Leben
so spielt, trifft man irgendwann auf Menschen, die einem zur richtigen Zeit am
richtigen Ort Dinge nahebringen, die man vorher nie weiter beachtet hat. Also,
Album doch nochmal gehört, und dann hats von 0 auf 100 Boom gemacht. Der Song, der
dafür gesorgt hat, war „Verschwende mich“. Ein Song übers
sich-seelisch-aussaugen lassen -der Kopf weiß es, aber das Herz langt einfach
noch 10mal auf die heiße Herdplatte (und hat auch noch Spaß daran??). Die Band
hat einfach gute Texte, die weder ein
dummes, stumpfes Hau-Drauf sind, noch ein immerwährendes Heiter-Sonnenschein-Getue.
Was die da singen/rappen, ist einfach echt, gut, lebensnah. Manchmal hart (so
wie das Leben eben ist), aber auch immer mit viel Herz und einer gewissen
Verletzlichkeit. Dazu noch ein paar Beats, die mich an Awolnationerinnern, und an richtiger Stelle nur ein
kleines, leises „bing“. Krönender Abschluss für mich persönlich dann das
Konzert in einem kleinen Club. Das Handtuch des Sängers landete direkt in
meinem Auge, dafür gabs Entschädigungs-Waldmeisterschnaps (Leute, der ist echt
gut, den solltet ihr euch nicht entgehen lassen) und ein Original
Schweine-Autogramm auf meinem neuen OK-KID Shirt. Seither bin ich vollends in
love. Super Typen, und schön auf dem Boden geblieben. Hoffe, das bleibt so.
Der richtige Song für Tage, an
denen man sich denkt „scheiße, scheiße, einfach scheiße“. Die Strophen, so
melancholisch hoffnungslos, erzählen vom auf die Fresse fliegen, ziehen einen
irgendwie runter, alles so unmotiviert, irgendwie taub, resigniert. Und dann –
der Refrain: Der dir sagt: „Ey, am Ende wird alles wieder gut, und wenns dir
grad nicht gut geht, dann ist das hier einfach noch nicht das Ende, ganz easy!“
Ich persönlich bin allerdings kein Fan
davon, immer von anderen zu hören „ach das wird schon“, wenn grad mal wirklich
alles den Bach runtergeht (nein verdammt, manchmal wird’s einfach nicht!) –
deshalb macht die Stelle „und wenn es uns nicht gut geht, ham‘ wir auch kein
Problem“das ganze so schön
menschlich.Wenn man nix dagegen machen
kann, ja, mei. Dann isses halt so, dann scheiß ich halt drauf. Ok, vielleicht
nicht immer die weiseste Option, aber zeitweise sicherlich hilfreich. Auf jeden
Fall ein Lied, das einen in den Himmel hochziehen kann und ein bisschen frische
Lebensenergie und Motivation ins Blut pumpt.
Bin durch Zufall auf den Song gestoßen und habe ihn sofort
geliebt und in Dauerschleife gehört, weil er mir irgendwie gute Laune
macht.Klingt für mich irgendwie nach
Urlaub, und ich mag Vance Joys unschuldige Stimme total gern. Süße Hommage an
eine ominöse Frau, die aussieht wie Michelle Pfeiffer und zur dunklen Seite
übergegangen ist, und das auch noch von einem kleinen australischen Lockenkopf,
der eigentlich Angst vor hübschen Mädchen und der Dunkelheit hat. Ist wohl ein
besonders kühner junger Mann.
Als riesiger QOTSA Fan hab ich natürlich sehnlichst aufs neue Album
gewartet, und dann gleich so ein Opener! Wäre „The Fog – Nebel des Grauens“ ein
guter Film gewesen, wäre das der perfekte Soundtrack dazu.Der Song beginnt gleich so
„wabernd-bedrohlich“, wie irgendwas, was langsam auf einen zuschleicht und
ziemlich unheimlich ist. Seit ich von meinem Bruder meine geile
Surroundsoundanlage geschenkt bekommen hab, kann ich genau solche Sounds noch
viel mehr genießen, diese tiefe Gitarre, so schön dunkel und eindringlich, dass
mich gern mal die Gänsehaut überkommt. Gabs beim Konzert eigentlich ne
Nebelmaschine? Wär auf jeden Fall ne Idee.
…if life is but a
dream wake me up!
PS: Es gibt noch einen Song, der hier eigentlich mal
erwähnt gehört,zu dem man aber nun
wirklich keinen längeren emotionsgeschwängerten Text schreiben kann. Aber mal
ganz ehrlich – ist irgendwer nicht voll dazu abgegangen?? Blurred Lines –
stumpf und schwanzgesteuert wie Sau, aber vielleicht auch deswegen schon wieder
supergeil. Und er verbindet uns alle. Selbst die Radiohasser, strikten Rockfans
und Pseudointellektuellen haben diesen Sommer dazu unter der Dusche getanzt